Karl Heckel: Nietzsche. Sein Leben und seine Lehre (1922)
Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranzkrone: euch, meinen Brüdern, werfe ich diese Krone zu! Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mir – lachen!
Also sprach Zarathustra.
Vorrede
Meine persönliche Berührung mit Nietzsche erfolgte in jungen Jahren im Dezember 1871. Damals leitete Richard Wagner in meiner Vaterstadt Mannheim ein Konzert, das als erstes für die »Bayreuther Bühnenfestspiele« durch den von meinem Vater kurz zuvor begründeten »Wagner-Verein« veranstaltet wurde. Gemeinsam mit Frau Cosima Wagner traf Nietzsche aus Basel schon einige Tage vor dem Konzert in Mannheim ein, um nicht nur dem Konzert, sondern auch den Proben, sowie der Uraufführung des »Siegfried-Idylls«, die vor einem Kreise geladener Gäste stattfand, beizuwohnen. Er befand sich des öfteren in Begleitung Wagners, wenn dieser meinen Vater Emil Heckel besuchte, und ich erfuhr von tiefgründigen Gesprächen, die zwischen Wagner, Frau Cosima und Nietzsche in jenen Tagen stattfanden. Sie betrafen hauptsächlich die Griechen und Schopenhauer, sowie die Kulturverhältnisse in Deutschland und weckten mein Interesse für den Wagner so treu ergebenen Basler Professor, der auch an den Bestrebungen des Wagner-Vereins warmen Anteil nahm.
Als sich nach Wagners Abreise die Nachricht verbreitete, er sei in Tribschen bei Luzern lebensgefährlich am Typhus erkrankt, telegraphierte Nietzsche an meinen Vater: »Gerücht ganz unbegründet; beste Nachrichten aus Tribschen. Herzliche Neujahrswünsche dem Wagnerverein. Professor Nietzsche.«
Und wieder vernahm ich von Nietzsche, als er im Mai des nächsten Jahres mit meinem Vater bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses in Bayreuth zusammentraf. Nach derselben fuhren Nietzsche, sein Freund von Gersdorff und mein Vater gemeinsam mit Wagner nach der Stadt zurück. Wagner saß ernst und schweigend und sah, wie Nietzsche es so treffend bezeichnete, »mit einem Blick lange in sich hinein«. In seiner unzeitgemäßen Betrachtung »Richard Wagner in Bayreuth«, der ersten Schrift, die ich von Nietzsche kennen lernte, knüpft er an diese Rückfahrt vom Festspielhügel tiefsinnige Betrachtungen an, die er mit den Worten abschließt: »Was aber Wagner an jenen Tagen innerlich erschaute – wie er wurde, was er ist und sein wird – das können wir, seine Nächsten, bis zu einem Grade nachschauen: und erst von diesem Wagnerischen Blick aus werden wir seine große Tat selber verstehen können – um mit diesem Verständnis ihre Fruchtbarkeit zu verbürgen.« Auch in späteren Jahren gedachte Nietzsche noch mit Wärme der Tage der Grundsteinlegung und »der kleinen zugehörigen Gesellschaft, die sie feierte und der man nicht erst Finger für zarte Dinge zu wünschen hatte«.
Auch in der Folge sollte ich Weiteres über Nietzsche erfahren und mittelbar miterleben. Als mein Vater Wagner den Vorschlag machte, Einzeichnungslisten für Patronatscheine zu den Festspielen in den deutschen Buchhandlungen aufzulegen und gleichzeitig einen Aufruf zu erlassen, bat ihn dieser, wegen Abfassung des Manifestes Nietzsche zu Rate zu ziehen, er habe hierfür »ganz besonderes Zutrauen zu ihm – gerade zu ihm«. Nietzsche entsprach der nun erfolgenden Aufforderung und verfaßte seinen zielbewußten »Mahnruf an die Deutschen«. Vorher schrieb er nach Mannheim:
Geehrtester Herr Heckel,
das was Sie von mir verlangen, wird besorgt. Ihr Entwurf für die Buchhändler scheint mir vortrefflich, wie überhaupt der ganze Plan wieder für seinen Urheber spricht. Lassen Sie mir den Entwurf zu näherer Prüfung noch ein paar TageNein: ich schicke ihn gleich und habe ihn bereits durchgesehen., vielleicht kann ich dann den meinigen mitschicken. Ich komme, falls meine Gesundheit irgendwie es zuläßt, am 30. d. M. nach Bayreuth. Von meinem Entwurfe will ich hier eine Anzahl gedruckte Abzüge machen lassen: er ist dann besser zu übersehen und nötigenfalls zu revidieren.
Treulichst Ihr Nietzsche.
Basel, 19. Oktober 1873.
Wagner billigte die Fassung des »Mahnrufs« durchaus; aber die Delegierten der Wagner-Vereine waren der Ansicht, daß derselbe wohl allen Freunden aus dem Herzen gesprochen sei, aber Gegner und Gleichgültige nicht bekehren werde.
In einem Briefe an Freiherrn von Gersdorff schrieb Nietzsche hierüber: »Also ich war von Mittwochabend bis Montagmorgen auf der Reise, hinwärts allein, rückwärts mit Heckel zusammen. In Bayreuth war etwa ein Dutzend Menschen zusammengekommen, lauter Delegierte der Vereine und ich der einzige Patron an sich. – Nach der Besichtigung in Dreck, Nebel und Dunkelheit war die Hauptsitzung im Rathaussaal, in der mein »Mahnruf« von seiten der Delegierten artig aber bestimmt abgelehnt wurde; ich selbst protestierte gegen eine Umarbeitung und empfahl Prof. Stern für die schnelle Anfertigung eines neuen Fabrikats. Dagegen wurde Heckels vortrefflicher Vorschlag, bei sämtlichen deutschen Buchhändlern Sammelstätten zu errichten, approbiert.«
– In der Verehrung Wagners aufgewachsen, vertiefte ich mich nach dem Besuch der ersten Bayreuther Bühnenfestspiele in das Studium Schopenhauers, veröffentlichte später philosophische Deutungen des »Parsifal«, unterschied jedoch schon damals zwei Richtungen in Wagners Schaffen: die lebensfreudige des Siegfried und die entsagungswillige des Parsifal. Ich beurteilte die Werke Wagners unter diesem Gesichtspunkte als sich ergänzende Gegensätze. Und nun, als ich Nietzsches Werke aus der Zeit nach der Abkehr von Bayreuth kennen lernte, da sah ich auch in Wagner und Nietzsche selbst Kontrapunkte der kulturellen Entwicklung. Diese Erkenntnis veranlaßte mich zu einer Zeit, da man einerseits bei Nietzsche nur eine willkürliche Abtrünnigkeit von Wagner, anderseits bei Wagner nur einen Abfall von seiner seitherigen Lebensanschauung sah, zu einer Betrachtung aus der Vogelperspektive, die bestrebt war, beiden gerecht zu werden. Und so unternahm ich in einem Aufsatz »Wagner und Nietzsche«, der 1897 in der »Neuen Deutschen Rundschau« erschien, erstmals den Versuch, die Scheidung der beiden Freunde als notwendig aus ihrer innersten Natur und Entwicklung darzustellen und auf die Polarität ihrer Bestrebungen zu verweisen.
Daß diese Auffassung Nietzsches eigener Anschauung entspricht, bezeugt uns sein Aphorismus »Sternenfreundschaft«, worin er im Hinblick auf Wagner schrieb: »Es gibt wahrscheinlich eine ungeheuere Kurve und Sternenbahn, in der unsere so verschiedenen Straßen und Ziele als kleine Wegstrecken einbegriffen sein mögen – erheben wir uns zu diesem Gedanken.«
Mit großer Spannung sah ich der Aufnahme entgegen, die meine Ausführungen sowohl in Wahnfried als im Nietzsche-Archiv finden würden. Aber noch sah man in Bayreuth nur den Abfall Nietzsches von Wagner, nicht seinen eigenen Aufstieg, und so schrieb mir Frau Wagner: Ziele habe Nietzsche nicht gehabt, sondern eine schwere Krankheit, die ihn von Bayreuth trennte; da könne man kaum selbst nur von Meinungsverschiedenheiten sprechen. In vollem Gegensatz hierzu stand die Beurteilung, die mein Aufsatz in Weimar fand. Frau Dr. Förster schrieb an meinen Vater: »Soeben lege ich den Artikel Ihres Herrn Sohnes in der »Neuen Deutschen Rundschau« aus der Hand, und ich kann wohl sagen, daß ich zum erstenmal an einem über meinen Bruder geschriebenen Artikel aufrichtig Freude gehabt habe.«
Gern entsprach ich dem Wunsche von Frau Dr. Förster, sie im Nietzsche-Archiv zu besuchen. Ich hielt daselbst vor einem geladenen Publikum einen Vortrag über Nietzsches Verhältnis zu Wagner und blieb seitdem andauernd in Beziehung zu dem Hause auf dem Silberblick in Weimar, woselbst Nietzsche im Jahre 1900 verstorben war. Gar manche aufklärende Mitteilung wurde mir durch Frau Dr. Förster zuteil, wofür ich an dieser Stelle meinen Dank ausspreche.
Aber auch noch einer anderen Frau darf ich dankbar hier gedenken: der Verfasserin der »Memoiren einer Idealistin« Malwida von Meysenbug, der gemeinsamen Freundin Wagners und Nietzsches. Während eines über mehrere Jahre sich erstreckenden Briefwechsels gab sie mir freundwilligst manche belangreiche Auskunft über Nietzsche.
Die hauptsächlichen Mitteilungen über sein Leben gründen sich vor allem auf Nietzsches Briefe, auf die von der Schwester verfaßten Biographien und auf Erinnerungen, welche von Personen, die mit ihm in Verkehr standen, veröffentlicht wurden. Sie erfuhren Ergänzungen durch persönliche Mitteilungen, die ich meinem Vater, Peter Gast, Freiherrn von Seydlitz, Dr. M. G. Conrad und anderen verdanke.
Mein Aufsatz »Wagner und Nietzsche« in der »Neuen Deutschen Rundschau« bildet gewissermaßen den Ausgangspunkt für das vorliegende Buch. Indem dasselbe durch Betonung der Polarität zwischen Nietzsche und Wagner, Nietzsche und Schopenhauer, Nietzsche und Sokrates, sowie in Nietzsches Verhältnis zum Christentum, die Grundlinien seiner Weltanschauung scharf und deutlich hervorhebt, hofft es der mächtigen Einseitigkeit seines Radikalismus gerecht zu werden und der Gefahr jedes verwischenden Kompromisses zu entgehen, der so manche Schrift der Nietzsche-Literatur unterlag.
Dieses Ziel galt es unter gleichzeitiger Betrachtung seines Lebens und seiner Lehre zu erstreben. Ich sagte mir, je kürzer und knapper es mir gelingt, frei von jedem gelehrten Beiwerk die Grundlinien seines Lebens und Schaffens zu zeichnen und alle anzuführenden Einzelheiten organisch mit ihnen zu verbinden, desto leichter wird es dem Leser, in die Gedankenwelt Nietzsches einzudringen und ihn mit mir zu – erleben. Dann erst, wenn sich uns, was er lehrte und lebte, dachte, dichtete und sah, zu einem Vollbilde der schaffenden Persönlichkeit verdichtet, dürfen wir zu erkennen hoffen, inwiefern mit Nietzsche, diesem Meilensteinmenschen, eine neue Epoche der Kulturgeschichte anhebt, in der nicht die Verächter des Lebens, sondern die Verklärer des Lebens aus schwerbelasteter Gegenwart uns die Wege in das Heil der Zukunft weisen.
Schöngeising bei München, Ostern 1922.
Karl Heckel.
Einleitung
Was für eine Philosophie man wählt, hängt davon ab, was für ein Mensch man ist.
Fichte.
Zwischen dem Wesen eines Menschen und den Begebenheiten seines Lebens besteht ein tiefer Zusammenhang. Äußere Mächte beeinflussen die organische Entwicklung innerer Kräfte. Umgekehrt entscheidet das Wesen eines Menschen, was an Begebnissen zu Erlebnissen wird und schicksalhafte Bedeutung erlangt. Diese Wechselwirkung von außen nach innen und von innen nach außen bestimmt ebensowohl sein Handeln wie sein Erkennen, sein Leben wie seine Weltanschauung.
Lebensbeschreibungen von Künstlern und Denkern wollen daher nicht nur einer geschichtlichen Darstellung in der Folge der Zeit genügen, sondern Einsichten in Wesen und Wirken erschließen. Sie enthüllen uns nicht nur die Anlässe, die zu bestimmten Problemen führten, sondern auch aus dem Wesen die Voraussetzungen, welche die Gestaltung des Lebens bedingten.
Bei Nietzsche, dem Dichter, Denker und Seher, kommt der Erforschung dieser Zusammenhänge eine ganz besondere Bedeutung zu, weil das Leben selbst das Problem seiner geistigen Tätigkeit bildet. Wie Schopenhauer hat er eine radikale Entscheidung darüber angestrebt, ob das Leben zu bejahen oder zu verneinen sei. Aber während Schopenhauer aus der Erkenntnis der Tragik des Lebens auf die Notwendigkeit einer verneinenden Wertung schloß, hat Nietzsche die Folgerung gezogen: das Leben wird wertvoll durch eine bejahende Wertung. Wir bedürfen keiner Tröstung auf ein Jenseits, das uns für die Leiden des Diesseits entschädigt, sondern der Wert des Lebens hängt davon ab, wie wir seinen Gehalt bestimmen. Darum Nietzsches Mahnung: »Freunde bleibt der Erde treu!« Das Leben will sich, als Organismus betrachtet, im Gegensatz zum Mechanismus der Wirklichkeit, fortgesetzt selbst übertreffen, jedenfalls sich fortgesetzt wandeln. Dieses Werden und Wandeln verlangt von uns andauernd neue Wertungen. Und darum wird der Rang, der dem einzelnen Menschen zukommt, von dem Grad seiner Fähigkeiten entschieden, dem Leben Gehalt zu geben. Wer den Wert des Lebens als an sich vorhanden hinnimmt, wird sich zu ihm vor allem als Genießender verhalten; wer sich berufen fühlt, ihm diesen Wert erst zu verleihen, als Schaffender. »Trachte ich denn nach Glücke? Ich trachte nach meinem Werke.« Und: »Schaffen – das ist die große Erlösung vom Leiden und des Lebens Leichtwerden.« Dem ersteren gilt Tugend als Befolgung autoritativ gegebener Vorschriften, dem zweiten im Sinne der Antike als Tüchtigkeit. Dort die Forderung: Betätigung des Altruismus, hier die Forderung: Läuterung des Egoismus. Jenes das Ideal der massenhaften Schwachen, dieses das Ideal der einzelnen Starken. Dort Herdenmoral, hier Herrenmoral. Dort Herabsetzung der natürlichen Willenskräfte, wie sie das Christentum anstrebt, hier ihre energische Beherrschung, wie sie Goethe fordert mit den Worten: »Des Mannes Vorzug besteht nicht in gemäßigter, sondern in gebändigter Kraft«. Dort als Folgeerscheinung: Sozialismus hier: Individualismus.
Wohl bedingen und fördern Gesamtheit und Individuen einander; aber die Frage steht offen, wem es zukommt, das Ziel zu bestimmen. Liegt dies im größtmöglichen Glück der größtmöglichen Zahl, oder darin, daß der Typus Mensch seine größtmögliche Erhöhung erfährt? Wer Wesen und Zweck des Daseins nur im Genuß sieht, den ihm das Glück beut, muß verlangen, daß auch der große Einzelne letzten Endes keine andere Aufgabe kennt, als der Wohlfahrt der Gesamtheit in ihrem Sinne zu dienen; wer dagegen Wesen und Zweck des Lebens in Wachstum und Steigerung sieht, die sich der Entfaltung eines schöpferischen Willens verdanken, wird Nietzsches Worte verstehen: »Das Ziel der Menschheit liegt in ihren höchsten Exemplaren«.
Der Schaffende im Sinne Nietzsches muß die Unterordnung des Schwachen unter den Starken, des Kleinen unter den Großen verlangen. Aber er darf es nur, wenn er sich selbst in den Dienst des Ideals stellt, das in der Richtung des Aufstiegs zu einem höheren Leben leuchtet. Nicht jeder ist zu diesem Aufstieg, der eigene Wege und selbstherrliche Betätigung fordert, berufen; aber jeder kann mittelbar diesem Zwecke dienen, indem er die Bedingungen erfüllt, welche die Entstehung und Entwicklung solcher höheren Menschen fördern. Während der ersten Periode im Schaffen Nietzsches stand in der Perspektive seiner Lehre: das Genie; während der zweiten Periode: der Wissende und während der dritten Periode: der Übermensch, als schöpferischer Gesetzgeber einer solchen Wertlehre.
Was vermögen wir zu tun, daß der Typus des Menschen im Hinblick auf das Ideal des Übermenschen eine Steigerung erfährt? Die Antwort lautet: wir vermögen eine Kulturgemeinschaft zu schaffen, als deren Blüte der höhere Mensch gedeiht. Das Genie war alle Zeit gezwungen, sich im Gegensatz zu der herrschenden Kultur oder Unkultur zu entwickeln; der Weise stellte sich abseits derselben; der Übermensch aber ist als harmonischer Vollmensch gedacht, der aus Kulturverhältnissen erwächst, in die er sich einzuwurzeln vermag. Erhöhung des Typus bedeutet zunächst Erhöhung des Niveau. Wem »Gleichheit« als Parole gilt, wird eine Ausgleichung der Höhenunterschiede anstreben zum Nachteil der Großen; wer die Ungleichheit als gegeben anerkennt, wird im Niederen die Schichten erkennen und ehren, aus denen das Hohe emporsteigt, und sehnsüchtig nach diesem aufschauen. Alle Zukunft wurzelt in der Niederung des Volkes. Aus ihm steigen die Kräfte auf, die sich dereinst zur Blüte entfalten. Diese Einsicht lehrt uns die organische Zusammengehörigkeit von Wurzel und Blüte. Solche Erkenntnis adelt das Verhältnis von Hoch und Nieder.
– Kant hat die Grenzen unseres Erkenntnisvermögens bestimmt. Wir erkennen nur Erscheinungen. Aber wir folgern aus der Erscheinung, »daß ihr etwas entsprechen müsse, was an sich selbst nicht Erscheinung ist«, sondern das »Ding an sich«. Das Ding an sich bedeutet das unabhängig von unserer Wahrnehmung Vorhandene, also das eigentlich Seiende. Schopenhauer folgerte: Es ist das Innerste, der Kern jedes Einzelnen und ebenso des Ganzen. Für die äußere Wahrnehmung ist es nicht erkennbar, aber die innere Wahrnehmung, das »Selbstbewußtsein«, kann es zwar nicht nackt enthüllen, aber es doch zum großen Teil entschleiern. Gegenstand des Selbstbewußtseins ist allzeit nur das eigene Wollen. Dieses ist uns unmittelbar gegeben, wenigstens als blinder zielloser Drang. Diesen Drang, als etwas, das nicht weiter definierbar sei, nannte Schopenhauer »Wille zum Leben«.
Lange Zeit begnügte sich auch Nietzsche mit dieser Definition. Dann aber gelangte er zu der Überzeugung: das Wesen alles Geschehens ist nicht Wille zum Leben (Schopenhauer), sondern Wille zur Steigerung des Lebens; nicht Kampf ums Dasein (Darwin), sondern Kampf um ein höheres stärkeres Dasein; nicht Trieb zur Selbsterhaltung (Spinoza), sondern Trieb zum Selbstzuwachs. Auch das Prinzip Wille und Streit des Empedokles steigerte sich für ihn zum Wettkampf um Sieg und Übermacht. »Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht und noch im Willen des Dienenden fand ich den Willen, Herr zu sein.«
Wohl ist der Wille zur Macht allen Menschen gemeinsam; aber nach welcher Art von Macht man verlangt und zu welchem Zwecke, erweist sich als rangbestimmend. Auch den höheren Menschen läßt die erlangte Männlichkeit das größte Maß von Macht über die Dinge anstreben und zwar aus innerster Fülle und Notwendigkeit. Dieser Trieb ist bei Nietzsche nicht mehr blind gedacht, wie bei Schopenhauer, sondern alles Tun soll Sinn bekommen. Er ist nicht zügellos gedacht, denn der Befehlende soll seine Kräfte in der Gewalt haben. Aber er ist auch nicht nachgiebig gedacht, denn der Schaffende der neuen Werte darf humanitären Anwandlungen nicht unterliegen. Die Herrscher-Tugend, die Züchter-Tugend ist die, welche auch über ihr Mitleiden Herr wird, um des fernen Zieles willen. In der Perspektive dieser Anschauung steht: der Übermensch als Herr der Erde, und die Forderung: Aufhebung alles dessen, was der natürlichen Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten entgegenstrebt, und endlich Ablösung des Zufalls durch Zusammenfassung aller Kräfte zu diesem neuen Zweck.
Damit ist die Wegrichtung zur Höherzüchtung der Menschheit gewiesen, die den eigentlichen Sinn der Lehre Nietzsches vom aufsteigenden Leben bestimmt. Er hat der Deszendenzlehre Darwins ebenbürtig eine Aszendenzlehre gegenübergestellt.
Wie seine Worte Herrenmoral, Übermensch, Immoralismus usw., so wurde auch Wille zur Macht im Sinne einer Aufweckung niederer Triebe und brutaler Vergewaltigung auf sozialem Boden mißdeutet. Das darf uns nicht wundern; denn das Schicksal des Genies ist es allezeit gewesen, unverstanden zu bleiben, nicht nur gleich einem Menschen, der in einem fremden Lande seine eigene Sprache spricht, sondern das Genie steht auch mit seinen vorausschauenden Überzeugungen außerhalb seiner Zeit. Dem Nachlebenden mag es erstaunlich erscheinen, daß selbst von jenen, die sich zu ihm als Freunde bekannten, Nietzsches Lehre nicht in ihrer vollen Bedeutung erkannt wurde; aber wir haben kein Recht, sie dieserhalb zu schmähen. Wie Jahre vergehen, ehe das Licht eines neuerstandenen fernen Sternes zu uns gelangt, so bedarf auch das Werk eines Genies Jahre und Jahrzehnte, ehe seine Strahlen das geistige Auge treffen. Unsere historisch gebildete Generation setzt heute vielfach ihren Stolz darein, allem Neuen liberal zuzujubeln, um nicht rückständig zu erscheinen; aber sie irrt sich: sie vermag damit das »Moderne« zu erhaschen, das im Vordergrund der Zeiten lebt, nicht aber ungeahnte Werte zu erschauen.
Indem wir zur Betrachtung von Nietzsches Leben übergehen, zeigt sich, daß nicht nur das Unverständnis für seine Worte und seine Lehre ihn jenseits seiner Zeit stellte, sondern es öffnet sich auch der Abgrund, der allezeit breit und tief klafft zwischen Menschen, die der Idee leben, und jenen, denen der Intellekt nur ein Werkzeug bedeutet, sich in der Wirklichkeit zu behaupten.
Frau Elisabeth Förster, Nietzsches verdienstvolle Biographin, hat mit schwesterlicher Liebe und Verehrung Eigenschaften Nietzsches betont, die auch bei dem Fernstehenden Sympathien für seine Persönlichkeit wachrufen; anderseits wurde versucht, die Lehre Nietzsches in die historische Entwicklung der Philosophie einzuordnen, um so, auf die eine und die andere Weise, die Abstände zu überbrücken, die ihn von unserer Zeit trennen. Als Aufgabe dieses Buches aber möchte ich im Gegenteil bezeichnen, den Gegensatz radikal darzulegen, der Nietzsche und seine Lehre trennt von der Gegenwart und ihrem immer noch selbstgefälligen Optimismus im Hinblick auf die erreichte Zivilisation und Kultur. Wohl ergibt sich dabei auch für uns eine Synthese; aber nicht diejenige mit Weltanschauungen der Vergangenheit oder mit Lebensprinzipien der Gegenwart, sondern mit den Erwartungen der Zukunft.
Der Sohn
Im Leben beharrt kein Abgeschlossenes, sondern ein Unendliches ist in Bewegung.
Goethe.
Das Lot unserer Erkenntnis und die Staffel unserer Berechnungen reicht nicht hinab bis zu den Urphänomenen der Natur. Wir können nicht folgern: diese Eigenschaften hat die Mutter, jene der Vater, also wird der Sohn so und so sein. Denn in jedem Individuum verkörpert sich ein eigener schöpferischer Wille, dessen Spontanität wir nicht zu ergründen vermögen. Es geht daher nicht an, einen Menschen nur als die Resultante seiner Vorfahren anzusehen. Wohl aber können wir die Eigenschaften derselben als Voraussetzungen und Beschränkungen betrachten, innerhalb derer die Natur ihr Werk schafft. In diesem Sinne bleibt es immer für die Darstellung eines Lebens von Interesse, Anlagen und Entwicklungen der Vorfahren nachzuforschen. Freilich dürfen wir uns nicht verhehlen, daß es meist nur die offenkundigen Einkleidungen der Psyche sind, deren Bild wir erhaschen, nicht aber das verborgene unbewußte Seelenleben, durch dessen Analyse erst tiefgründigere Schlüsse möglich würden.
Nietzsche spielte schon in jungen Jahren mit dem Gedanken, daß sein Urgroßvater von einem polnischen Grafen Niecki (Niëtzky) abstamme, der 1715 nach Deutschland flüchtete. Gültige Beweise für diese Herkunft waren nicht zu erlangen. Immerhin lassen Physiognomie und bestimmte Charaktereigenschaften Nietzsches einen slawischen Einschlag als wahrscheinlich erscheinen.
Die verbriefte Familiengeschichte Nietzsches setzt ein mit seinem Urgroßvater Gotthelf Engelbert Nietzsche, Akzisinspektor in Bibra. Gesundheit und Frohmütigkeit, Schönheit auch noch im hohen Alter werden ihm nachgerühmt. Er wurde 92 Jahre alt.
Sein Sohn Dr. Friedr. Aug. Ludwig Nietzsche (1756–1826) war Pfarrer in Wollmirstädt in Thüringen und später Pastor und Superintendent in Eilenberg. Gründliche Bekanntschaft mit den Sprachen des Altertums befähigten ihn zur Abfassung als trefflich gerühmter Schriften, die von frommem Sinn zeugten. Jede Freude habe ihn beseelt und jeder Schmerz habe ihm den Wert seines Amtes vermehrt. Auch bei ihm wurde die Würde seines Wesens und seiner Erscheinung betont.
Er war zweimal verheiratet. Seine zweite Frau (Nietzsches Großmutter) Erdmute Krüger, geb. Krause (1778–1859) stammte aus einer Pastorenfamilie, deren Glieder heitere tätige Menschen waren. Sie selbst wird als eine hübsche tüchtige Frau geschildert, erfüllt von dem Willen, Freude zu bereiten. Ihre wundervollste Harmonie von Denken, Sprechen und Handeln konnte sich nicht mit äußerlicher und rigoroser Frömmigkeit befreunden. »Ich weiß nicht, was die Menschen jetzt wollen, früher freuten wir uns über unserer und anderer Leute Tugenden, aber jetzt freut man sich über seine und anderer Leute Sünden. Je sündhafter, desto besser.«
Von Nietzsches Vater Karl Ludwig Nietzsche (1813 bis 1849) wissen wir, daß er seine Examina vorzüglich bestand und als Pfarrer in Röcken (bei Lützen) durch seine begeisterte Tätigkeit die Herzen seiner Gemeinde gewann. Er wird als edle, poetische, auch in der Musik ungewöhnlich begabte Persönlichkeit beschrieben. Nietzsche selbst schilderte ihn als »zart, liebenswürdig und morbid, wie ein zum Vorübergehen bestimmtes Wesen, eher eine gütige Erinnerung an das Leben, als das Leben selbst«.
Als Hauptzüge der meisten Glieder der Familie Nietzsche wird ein lebhafter fröhlicher Geist, strenger Wahrheitssinn, die Liebe zu würdigen, höflichen Formen, aber auch ein Zug zu einsamer Unabhängigkeit bezeichnet.
Die Mutter, Franziska (1826–1897), entstammte der Familie Öhler. Sie besaß offenbar praktischen Sinn, der sich der Welt gern anpaßte. Sie befürchtete frühzeitig, daß ihrem Sohne aus seinem idealen Sinne und aus seinem Verlangen nach Unabhängigkeit Schwierigkeiten erwüchsen. Vermöge ihrer Gottesfürchtigkeit war ihr auch später das Verständnis für seine atheistische Gesinnung verschlossen. Aber Mutter wie Sohn verstanden es, sich die Achtung vor der Gesinnung des anderen zu bewahren.
Die Fürsorge der Schwester für den erkrankten Nietzsche ist allgemein bekannt. Nicht so die mütterliche Betätigung der Mutter. Aus ihren Briefen an Nietzsches getreuen Freund Franz Overbeck ersehen wir, mit welch liebevoller und aufopfernder Hingebung sie für den Erkrankten sorgte, dessen schwierige Pflege sie während der ersten Zeit seiner Umnachtung übernahm. Ihre Briefe legen Zeugnis ab von scharfer Beobachtungsgabe und beweisen in ihrem sprachlichen Ausdruck einen gesunden natürlichen Verstand. Sie eine »bedeutende Natur« zu nennen, und sie mit Goethes Mutter zu vergleichen, liegt jedoch keine Berechtigung vor; dafür war sie nicht eigenartig und selbstherrlich genug, aber ihre natürliche Begabung darf nicht unterschätzt werden.
Friedrich Wilhelm Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken geboren; seine Schwester Elisabeth zwei Jahre später; ein drittes Kind, Joseph, starb bereits in seinem zweiten Jahre.
Wir wissen von vielen bildenden Künstlern, daß sie aus Handwerkerfamilien stammten, und gelangten dabei zu der Folgerung, daß sich die handwerkliche Übung mit der Zeit zu freier künstlerischer Betätigung steigerte. Ähnlich mag es sich auch bei Denkern verhalten. »Wo das Bedürfnis, die Not, die Menschen lange gezwungen hat, sich mitzuteilen, sich gegenseitig rasch und fein zu verstehen, da ist endlich ein Überschuß an Kraft und Mitteilung da, gleichsam ein Vermögen, das sich allmählich aufgehäuft hat und nun eines Erben wartet, der es verschwenderisch ausgibt.« Das trifft auch bei Nietzsche zu. Aus dem Umstande, daß seine Vorfahren Theologen und Gelehrte voll Haltung und Würde waren, mag man immerhin Voraussetzungen für seinen philosophischen Beruf ableiten. Aber Nekrologe und Familientraditionen beschränken sich fast nur auf die belichteten Außenseiten. Entwickelte sich bereits bei Nietzsches Vorfahren unter der Schale ein Widerspruch gegen die Strenggläubigkeit, ein Gegensatz zur konventionellen Moral und der Drang, den Kampf mit der herrschenden Weltanschauung aufzunehmen? Das sind Fragen, die zu stellen nahe liegt. Aber eine Antwort mit genügenden Belegen bleibt uns versagt.
Günstiger verhält es sich mit dem Wissen um die Einflüsse der Erziehung und der Verhältnisse, in denen Nietzsche aufwuchs. Von Schopenhauers Eltern ist uns bekannt, daß sie in Unfrieden lebten und dem Sohne keine freudenvolle Jugend bereiteten. Wohl nicht mit Unrecht hat man seine Verbitterung auf diesen Umstand zurückgeführt. Ein ganz anderes Bild bietet sich uns bei einem Blick in das Elternhaus Nietzsches, so daß die schwesterliche Darstellung jener Zeit fast wie eine Idylle anmutet.
Nietzsche war als Philosoph, so gut wie Schopenhauer, alle Zeit Pessimist. Ihn einen Optimisten zu nennen, ist nur bei einer durchaus mißbräuchlichen Anwendung des Wortes möglich. Denn jeder wesenhafte Ausdruck des Schmerzes über die Disharmonie der gewünschten und der wirklichen Welt bedeutet Pessimismus. Der Gegensatz zwischen dem Pessimismus Schopenhauers und Nietzsches liegt weniger in der Erkenntnis als im Temperament. Dort die Folgerung: das Leben ist allezeit mit Unlust gepaart, also gilt es den Willen zum Leben zu verneinen; hier die gleiche Erkenntnis, aber die Folgerung: also gilt es auch aus dem Leiden Kräfte zu gewinnen und auf Grund der »Idealität des Unglücks« sich zu läutern und den Wert des Lebens zu steigern.
Nietzsche war von Kindheit an gesund und kräftig. Er zeigte frühzeitig Leidenschaftlichkeit, aber auch die Fähigkeit der Selbstbeherrschung. Seine Eltern behandelten ihn nicht mit ungestümer Strenge; so blieb er vor jenem Trotz bewahrt, in den jede Eigenart bei Fehlern der Erziehung verfällt.
Nach dem frühen Tode des Vaters übersiedelte die Mutter mit den beiden Kindern nach Naumburg. Fritz besuchte die Bürgerschule. Er wirkte auf die andern Kinder fremdartig. Sie nannten ihn »den kleinen Pastor«. Nach einem Jahre kam er in eine Privatschule, zusammen mit den beiden Freunden Wilhelm Pinder und Gustav Krug, und dann in das Gymnasium. Wilhelm Pinder, mit dem er als Knabe ein Theaterstück »Die Götter im Olymp« schrieb, nennt als Grundzug seines Charakters eine gewisse Melancholie die sich in seinem ganzen Wesen äußerte. »Von frühester Kindheit an liebte er die Einsamkeit und hing da seinen Gedanken nach.« In der Stimme und der Wahl der Ausdrücke habe ein eigentümliches Etwas gelegen, das ihn von seinen Altersgenossen unterschied. Den Freunden gegenüber zeigte er viel Initiative bei Erfindung und Leitung der Spiele und wirkte erzieherisch auf sie ein. Neben seinen dichterischen Produkten versuchte er sich in musikalischen Kompositionen und übte, auch sich selbst gegenüber, eine souveräne Kritik.
Mit achtzehn Jahren kam er in die Landesschule Pforta bei Naumburg, wo er in Paul Deussen und Freiherrn von Gersdorff Freunde fand, von denen der letztere sich hauptsächlich an seinen Improvisationen erfreute. Auf nüchterne Naturen wirkte er als Sonderling, wie ich aus dem Urteil eines früheren Schulgenossen entnehmen konnte, dem ich einmal zufällig in der Schweiz begegnete. Zur Zeit seiner Konfirmation stand er dem Christentum noch durchaus gläubig gegenüber. Erst in seinem zweiundzwanzigsten Jahre wurde er sich eines »freien Standpunktes« bewußt. Beim Verlassen von Schulpforta schrieb Nietzsche ein Gedicht »Dem unbekannten Gotte«, das mit den charakteristischen Worten schließt:
Ich will dich kennen, Unbekannter,
du tief in meine Seele Greifender,
mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender,
du Unfaßbarer, mir Verwandter!
Ich will dich kennen, selbst dir dienen.
Der Student
Alle heftige Unleidlichkeit der Unvollkommenheit ist Schwäche.
Novalis.
Die Schuljahre zeigten uns bei Nietzsche das typische Bild eines phantasiebegabten Knaben, der in produktiven Arbeiten und ihrer Aufnahme durch wenige sinnverwandte Freunde seine Befriedigung findet, im übrigen aber sich weltfremd verhält. Mit dem Übergang zur Universität in Bonn regt sich jedoch das Verlangen, diese Weltfremdheit zu überwinden und die Wirkungskreise weiter zu ziehen. Er wird Mitglied der Burschenschaft »Franconia«, nimmt lustigen Sinnes an den Äußerlichkeiten des Studentenlebens teil, um in den Strom der Gemeinsamkeit unterzutauchen; erfreut sich auch, besonders durch seine musikalische Betätigung, die damals unter dem Gestirn Schumanns stand, einer Beliebtheit unter seinen Kommilitonen.
Nietzsches vielseitige Anlagen erschwerten ihm die Berufswahl. Er entscheidet sich für die Philologie, läßt sich aber der Mutter zuliebe auch in der theologischen Fakultät einschreiben, um jedoch bald dieses Zugeständnis zurückzuziehen. Sehr bezeichnend für seine späteren Wege, schreibt er schon damals der Schwester: »Suchen wir bei unserem Forschen Ruhe, Frieden, Glück? Nein, nur die Wahrheit, und wäre sie höchst abschreckend und häßlich.«
Er fand in einer Wissenschaft, die kühle Besonnenheit, logische Kälte, gleichförmige Arbeit erheischt, »ohne mit ihren Resultaten gleich ans Herz zu greifen«, ein Gegengewicht für die wechselvollen und unruhigen Neigungen seines Wesens, aber auch die Philologie bedeutete ihm schon damals nicht sein eigentliches Ziel.
Ein für Nietzsche charakteristisches Begebnis erfahren wir aus den Erinnerungen Deussens. Nietzsche war nach Köln gefahren und ließ sich durch einen Dienstmann die Sehenswürdigkeiten zeigen. Dieser führte ihn am Schluß der Wanderung in ein öffentliches Haus. Hierüber berichtete Nietzsche an Deussen: »Ich sah mich plötzlich umgeben von einem halben Dutzend Erscheinungen in Flitter und Gaze, welche mich erwartungsvoll ansahen. Sprachlos stand ich eine Weile. Dann ging ich instinktmäßig auf ein Klavier als auf das einzige seelenhafte Wesen in der Gesellschaft los und schlug einige Akkorde an. Die lösten meine Erstarrung und ich gewann das Freie.«
Daß eine also geartete Natur sich nicht lange in der Rolle »eines flotten Studenten« gefallen konnte, wird uns nicht überraschen. Als seine Kritik am studentischen Treiben einsetzt und der Hauch der Poesie verfliegt, fühlt er sich einsam in der »Franconia« und erklärt seinen Austritt.
Da sein bewunderter Lehrer Friedrich Ritschl in Bonn einen Ruf nach Leipzig annimmt, siedelt auch er dahin über, zugleich von der Hoffnung getragen, sich dort ausgiebiger der Musik widmen zu können. Ein Zufall läßt seinen Blick auf Schopenhauers Hauptwerk »Die Welt als Wille und Vorstellung« fallen. Nur wessen eigene Jugend in die Zeit fällt, in der Schopenhauer wie eine entscheidende Offenbarung begrüßt wurde, kann sich vorstellen, wie mächtig diese Philosophie gerade auf den Lebensernst eines Nietzsche wirken mußte. Aber während andere vieler Jahre bedurften, um sich wieder dem »Weltschmerz« zu entwinden, der sich als depressiver Druck der Gemüter bemächtigte, findet Nietzsche sehr bald in Schopenhauer eine Kraft, die wie Musik erhebe und zu jener zwar wehmütigen, aber glücklichen Stimmung führe, in der man die irdischen Hüllen von sich abfallen sehe. Er beschreibt den unvergleichlichen Aufschwung, den er bei der Betrachtung eines heftigen Gewitters empfand: »Was war mir der Mensch und sein unruhiges Wollen! Was war das ewige: du sollst, du sollst nicht. Wie anders der Blitz, der Sturm, der Hagel: freie Mächte ohne Ethik! Wie glücklich, wie kräftig sind sie, reiner Wille, ohne Trübungen durch den Intellekt!«
Das ist bereits nicht mehr der Pessimismus Schopenhauers, sondern im Kern der Pessimismus Nietzsches, der Schmerz und Leiden bejaht um der Erhebung willen, elementare Mächte bewundert um des Aufschwungs willen, der es ermöglicht, auf Intellekt und Ethik aus der Höhe hinabzusehen.
Mit gleichgesinnten Freunden gründete er einen philologischen Verein. Einen dort gehaltenen Vortrag: »Die letzte Redaktion der Theognidea« übergibt er seinem Lehrer Ritschl, der von nun ab ihm seine besondere Aufmerksamkeit widmet. Auch Ausführungen über die Quellen des Laertius finden dessen volle Bewunderung. Diese und andere Arbeiten gelangten im »Rheinischen Museum« zum Abdruck.
Aus der Leipziger Zeit haben wir Nietzsches schwärmerische Begeisterung für die berühmte Schauspielerin Hedwig Raabe zu erwähnen, vor allem aber auf seine Freundschaft mit Erwin Rohde zu verweisen. Rohde hatte als Student vermöge seiner nervösen Veranlagung wenig Vertrauen zu seinen eigenen Kräften, aber durch Nietzsches Freundschaft wurde diese Leipziger Zeit für ihn »die segensreichste Periode seines ganzen Daseins, die stärkste Stütze seines moralischen Lebens«. Schüchtern hatte er in das Land reinster Freundschaft sehnsüchtig geblickt, »wie ein armes Kind in reiche Gärten« und war Nietzsche aus tiefstem Herzen dankbar, daß er es ihm erschloß. Aber auch dieser fühlte sich glücklich »im steten Umgang mit einem Freunde, der nicht nur Studienkamerad ist oder etwa durch gemeinsame Erlebnisse mit mir verbunden war, sondern dessen Lebensernst wirklich denselben Grad zeigt wie mein eigener Sinn, dessen Wertschätzung der Dinge und der Menschen ungefähr denselben Gesetzen wie die meinige folgt, dessen ganzes Wesen schließlich auf mich eine kräftigende und stählende Wirkung hat«.
Im Herbst 1867 wird Nietzsche bei der reitenden Artillerie in Naumburg Einjährig-Freiwilliger. Es fällt ihm nicht leicht, sich dem geisttötenden Zwang des Militärdienstes einzuordnen. »Mitunter raune ich unter dem Bauch des Pferdes versteckt: Schopenhauer hilf!« Eine Verletzung, die er sich beim Sprung auf sein Pferd zuzog, nimmt ernsten Charakter an und führt ihn nach fünfmonatiger Dienstzeit wieder seinen Büchern und Schriften zu. Sein Plan ist, sich nunmehr die Doktorwürde zu erwerben und zugleich die Habilitation als Privatdozent ins Auge zu fassen, aber zuvor noch mit Freund Rohde ein Jahr in Paris zu verleben.
Nietzsche war mehr beflissen, zu lernen, wie man Lehrer ist, als zu lernen, »was man sonst auf Universitäten lernt«. Zur Erlangung der Kenntnisse vertraute er dem Trieb, nach eigenem System das Wissenswürdige zusammenzuholen. Die unverhoffte Muße während der zweiten Hälfte der Militärzeit begünstigte dieses unabhängige Arbeiten, das schon in Schulpforta eingesetzt hatte. Seiner philosophischen Veranlagung und diesem Trieb zur Selbständigkeit verdankte es Nietzsche, daß er nicht wie so viele Philologen zu nahe vor seiner Aufgabe stand, sondern den archimedischen Punkt außerhalb der Vorgänge gewann, um von dort aus zu bewundern und zu lieben. Philosophie war sein Zweck, Philologie nur das Mittel; das Allgemeinmenschliche zu erkennen, schon während seiner Studienzeit sein Ziel. Weil er sich seinen Aufgaben gegenüber produktiv verhielt und aus eigenem Lebensquell schöpfte, gelangte er zu Ergebnissen, die nicht nur seine Lehrer überraschten.
Als in Basel eine Professur für klassische Philologie neu zu besetzen war, fragte Prof. Wilhelm Vischer, der Nietzsches Aufsätze im »Rheinischen Museum« gelesen hatte, bei Ritschl in Leipzig an, ob er Nietzsche für dieses Amt geeignet halte. Ritschl antwortete, daß Nietzsche nicht habilitiert sei, ja noch nicht einmal promoviert habe, der Schwerpunkt seines Studiums sei bisher in der griechischen Literaturgeschichte mit besonderer Betonung der Philosophie gelegen; aber bei seiner Begabung werde er sich gewiß auch auf anderem Gebiet mit bestem Erfolg einarbeiten; denn »er wird eben alles können, was er will«. Dieses Urteil führte zur Berufung des erst Vierundzwanzigjährigen an die Universität in Basel. Man verlieh ihm die Doktorwürde auf Grund seiner bereits veröffentlichten Arbeiten und erließ ihm auch die mündliche Prüfung.
Nietzsche wurde sich der Gefahren bewußt, die diese Berufung für seine persönliche Entwicklung in sich bergen konnte. »Philister zu sein, Herdenmensch – davor behüte mich Zeus und alle Musen!« schrieb er an von Gersdorff. Er weiß, daß er hierzu keine Veranlagung hat; aber wird er nicht als »Fachmensch« der Gefahr näher gerückt? Wird die allstündliche Konzentration des Denkens auf bestimmte Wissensgebiete und Probleme nicht doch die freie Empfänglichkeit etwas abstumpfen und den philosophischen Sinn in der Wurzel angreifen? Man darf nicht vergessen, daß Nietzsche durch Schopenhauer gelernt hatte, die Würde der Universitätsprofessoren in kritischer Beleuchtung zu sehen, um zu begreifen, daß er solche Fragen an sich stellte. Aber er sagt sich: »zu tief wurzelt schon der philosophische Ernst, zu deutlich sind mir die wahren und wesentlichen Probleme des Lebens und Denkens von dem großen Mystagogen Schopenhauer gezeigt worden, um jemals einen schmählichen Abfall von der ›Idee‹ befürchten zu müssen«.
Er will mehr sein als ein Zuchtmeister tüchtiger Philologen: »die Lehrergeneration der Gegenwart, die Sorgfalt für die nachwachsende Brut, alles dies schwebt mir vor der Seele«. Klingt hier nicht bereits das Thema »Erziehung der Erzieher« und das geheimnisvolle Motiv der »Fernstenliebe« an? Nicht die frühzeitige Berufung, eine so große Seltenheit sie sein mochte, war das Erstaunlichste, sondern die starke Überzeugung von seinem wahren Berufe, die ihn so weit über die Würde seines Amtes erhob.
Der Lehrer
Übrigens ist mir alles verhaßt, was mich bloß belehrt, ohne meine Tätigkeit zu vermehren, oder unmittelbar zu beleben.
Goethe.
Als Nietzsche sein Amt in Basel antrat, war er entschlossen, sowohl seine künstlerische wie seine ethische Anschauung nicht hinter der Wissenschaft zurücktreten zu lassen, wohl aber eine harmonische Vereinigung anzustreben. Er begann seine Antrittsrede (am 28. Mai 1869) über »Homer und die klassische Philologie« mit der Erklärung, daß die Philologie sowohl auf künstlerischem als auf ethischem Boden imperativistische Elemente in sich birgt und zu allen Zeiten ihrem Ursprung nach auch Pädagogik gewesen sei, und ging dazu über den Optimismus und die Selbstgefälligkeit des modernen Menschen zu geißeln. Es war eine Kriegserklärung gegen den Geist der Zeit, nicht aber gegen den Wert des Lebens. »Das Leben ist wert gelebt zu werden, sagt die Kunst, das Leben ist wert erkannt zu werden, sagt die Wissenschaft.« Man halte diesem Satz den Ausspruch Schopenhauers entgegen: »Der Wert des Lebens besteht gerade darin, daß es uns lehrt, es nicht zu wollen«, um die Gegensätzlichkeit zu erkennen.
Nach der Antrittsrede soll Jakob Burckhardt geäußert haben, Nietzsche sei ebensosehr Künstler wie Gelehrter. Auch sonst wird der Antrittsrede ein günstiger Eindruck nachgerühmt. Daß dieser jedoch allgemein gewesen sei, bleibt zu bezweifeln, ebenso daß in der Folge alle Zuhörer Nietzsches Anschauungen willig beistimmten. Sagte doch ein Schüler seines Nachfolgers diesem zum Ruhme: Niemals hat er, wie es vor ihm Nietzsche getan haben soll, uns Güter vorgespiegelt, die uns damals nur Phantome sein konnten, und niemals über Philosophen extemporiert.
Nietzsche war sich seiner Gegensätzlichkeit zu den Erwartungen seiner Schüler und seiner Kollegen voll bewußt. Um so freudiger begrüßte er in Burckhardt einen Gesinnungsgenossen und war glücklich, seine Zuneigung gewonnen zu haben. Er wohnte dessen Kolleg »Über Studium der Geschichte« und später auch demjenigen über »Griechische Kulturgeschichte« bei.
»Der Geist ist die Kraft, jedes Zeitliche ideal aufzufassen. Er ist idealer Art, die Dinge an sich sind es nicht.«
»Es reicht nicht, daß das Schöne als Durchgangspunkt und Erziehung zum Wahren dargestellt wird; denn die Kunst ist in hohem Grade, um ihrer selbst willen vorhanden.«
»Unser Leben ist ein Geschäft, das damalige (im Mittelalter) war ein Dasein; das Gesamtvolk existierte kaum, das Volkstümliche aber blühte.«
Solche Sätze Burckhardts waren Nietzsche gewiß aus der Seele gesprochen und manche der folgenden mögen anregend auf seine Überzeugungen eingewirkt haben.
»Überhaupt dringt der moderne Geist auf eine Deutung des ganzen Lebensrätsels unabhängig vom Christentum.«
»Das Entscheidende, Reifende und allseitig Erziehende ist viel eher der Machtsinn, der als unwiderstehlicher Drang das große Individuum an den Tag treibt.«
»Das Böse auf Erden ist allerdings ein Teil der großen weltgeschichtlichen Ökonomie: es ist die Gewalt, das Recht des Stärkeren über den Schwächeren.«
»Die Zendreligion kann nur eine einmalige und plötzliche, von einem großen, sehr großen Individuum getragen, gewesen sein, weshalb denn an Zarduschs Persönlichkeit nicht zu zweifeln ist.«
Letztere Stelle scheint mir die Vermutung zu gestatten, daß sie vielleicht Nietzsche unterbewußt beeinflußte, als er den Helden seiner Dichtung Zarathustra nannte. Im persönlichen Verkehr mag nicht nur Burckhardt vielfach anregend auf Nietzsche gewirkt haben, sondern auch von ihm, wie wir später sehen werden, manches erhalten haben. Aber um ihr Freundschaftsverhältnis richtig zu verstehen, muß man den großen Altersunterschied von sechsundzwanzig Jahren und Burckhardts weit umfassenderes Wissen bedenken. Nietzsche war der Aufschauende. Neben seinem Mitteilungsdrang und seiner jugendlichen Begeisterung mußte Burckhardt als zurückhaltend und »unfanatisch« erscheinen. Rohde hat an ihm die Stärke der Hoffnung und die Fähigkeit zu einer lebenwährenden Illusion vermißt, und Nietzsche von seiner Zurückhaltung aus Desperation gesprochen. Sie unterhielten sich gern über Schopenhauer; aber die Stellung zum Pessimismus war doch nicht die gleiche. Obwohl Burckhardt, im Hinblick auf die Griechen, das Wort vom Pessimismus der Erkenntnis und dem Optimismus des Temperaments geprägt hat, lag ihm doch jede leidenschaftliche Lebensbejahung fern. Weit mehr neigte er dazu, die Lösung des Widerspruches im Diogenes-Problem zu suchen, wie ich jene Anschauung nennen möchte, die, bei Geringschätzung der Welt, das Glück eigener Zufriedenheit in unabhängiger Gesinnung und beschaulicher Betrachtung bei souveräner Zurückgezogenheit sucht. Es ist bezeichnend, daß er Diogenes den »rechten heiteren Pessimisten« nannte.
Im Sommer 1870 sprach Nietzsche dreistündig über »Sophokles Ödipus rex«. Da diese und die weiterhin genannten Vorträge seinen Werken nur als »Philologica« angereiht wurden, sind sie wenig bekannt, enthalten aber viele philosophische Gedanken, die über die philologische Aufgabe hinausragen. Entschieden wird betont, daß das Altertum nicht danach fragte, ob Schuld und Leiden in genauen Proportionen standen, und im Unglück keine Strafe sah. Nietzsche verteidigt die Unbewußtheit gegen die sokratischen Prinzipien, die alles auf den Verstand begründen wollen. In seinen Vorlesungen über »das Studium der klassischen Philologie« (Sommer 1871) verurteilte er das bloße Erkennenwollen. »Vor allem nötig: Freude am Vorhandenen. Diese weiter zu tragen ist des Lehrers Aufgabe.« Denn als idealer Lehrer gilt ihm nur, wer sich als Mittler fühlt zwischen den großen Genien und den neuen werdenden Genien, zwischen der großen Vergangenheit und der Zukunft.
Seit Spenglers »Untergang des Abendlands« ist unser Augenmerk darauf gerichtet, daß Geschichte formgewordenes Seelentum ist, daß es also nicht genügt, den gegenständlichen Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu verfolgen, sondern daß durch Analogien morphologische Verwandtschaften aufgedeckt werden müssen. Auch Nietzsche lehrte betreffs der Antike: »Wir sind nicht aus demselben Element erwachsen, das hier erklärt werden soll. Wir müssen also mittels Analogien uns zu nähern suchen. Insofern ist unser Verstehen des Altertums ein fortgesetztes, vielleicht unbewußtes Parallisieren.«
In seine späteren Vorlesungen (Geschichte der griechischen Literatur, Rhetorik usw.) sind in den vorausgegangenen Niederschriften seltener philosophische Gedanken skizziert, immerhin begegnen wir manchem, was den Schatz seiner charakteristischen Aussprüche bereichert. Zum Beispiel:
»Die Griechen verkehrten mit ihren Göttern wie eine niedere Kaste mit einer höheren, mächtigeren, edleren, mit der man sich aber von gleicher Abstammung weiß.«
Unter den Freunden, die Nietzsche in Basel fand, haben wir nach Burckhardt vor allen Franz Overbeck zu nennen. Sein Großvater war aus Deutschland nach England, dessen Sohn nach Rußland übersiedelt und erst der Enkel, Sohn einer Französin, nach Deutschland zurückgekehrt. Er schlug die Theologenlaufbahn ein und entwickelte sich zu einem kosmopolitisch veranlagten hervorragenden Kirchenhistoriker. Er besaß keine schöpferische Phantasie, aber aus seinen Briefen an Treitschke ergibt sich eine gesunde Abneigung gegen alles Philiströse, die Einsicht, daß das Christentum die Herrschaft über die modernen Völker eingebüßt habe, warme Teilnahme an den Einigungsbestrebungen in Deutschland, jedoch auch die Überzeugung, daß die Kultur über der Politik zu stehen habe und menschliche Ideale höher als politische zu werten sind. Overbeck folgte 1870 einem Rufe nach Basel und wurde dort Nietzsches Hausgenosse. Es entwickelte sich ein täglicher, andauernd schattenloser Verkehr. Die innere Gemeinsamkeit ergibt sich aus Overbecks Worten: »Wir sind zwei Gelehrtennaturen, die über sich hinaus wollen, nur so vermag ich mir unsere innige Freundschaft zu erklären bei so enormer Ungleichmäßigkeit unserer Begabung und ebenso großem Unterschiede unseres Temperaments.«
Overbeck war sich der geistigen Überlegenheit Nietzsches ohne Neid bewußt. Dessen wahre Größe hat er niemals voll erkannt, aber er hatte ein feinfühliges Verständnis für die Schwere der Aufgabe, die Nietzsche durch seine geniale Veranlagung gestellt war, und gewann ihn lieb. Overbecks gelassene und bedächtige Natur wurde von seinem Freunde wohltätig beruhigend empfunden. In der öfteren Hingabe an eine gemeinsame übermütige Ausgelassenheit mochten beide eine zeitweilige Befreiung vom Drucke einer ihnen fremden Umwelt finden. Wir wollen uns, aber nichts für uns, lautet der Sinn eines tapferen Bekenntnisses Overbecks. Er sah die Kulturverhältnisse im neuen Deutschen Reich nicht »rosig« an, wie Treitschke, sondern empfand einen fast ebenso heftigen Widerwillen gegen »die geleckte Barbarei« wie Nietzsche. Wo es galt, seinen Radikalismus zu bekennen, da hat dieser persönlich-liebenswürdige Mensch und Forscher es ernst und freimütig getan und Nietzsches Hoffnung gestärkt, daß, was sie in »unheimlicher Vereinzelung« wollten, einmal Tat werde.
Bereits ein Jahr nach seiner Berufung wurde Nietzsche in Basel ordentlicher Professor. Als der Krieg ausbrach, ging er als Krankenpfleger nach Frankreich, erkrankte aber bei einem Verwundetentransport an Ruhr und Diphtheritis und nahm, noch ehe seine Genesung sich genügend vollzogen hatte, seine Lehrtätigkeit in Basel wieder auf.
Wenn wir uns Rechenschaft darüber geben, in welcher Einsicht sich Burckhardt, Nietzsche und Overbeck ihrer Übereinstimmung besonders bewußt waren, so gelangen wir zu dem Problem der Bildung.
Wie Schöpfung ursprünglich nur die Erschaffung, noch nicht das Erschaffene bedeutete, so Bildung die Schaffung oder Entstehung eines Gebildes. Aber auch wenn wir das Wort vom Hervorgebrachten gebrauchen, können wir zwischen einer Bildung der Kultur und einer solchen der Zivilisation unterscheiden. Dort Wachstum, Gestaltung und Belebung; hier Anerzogenheit, Abschleifung und Belehrung. Kulturelle Bildung erwirbt, wer die Einsichten früherer Zeiten als geistige Nahrung zu einem Bestandteil seiner eigenen Natur macht; Bildung im Sinne der Zivilisation, wer diese Einsichten nur reflektiert. Das Programm unserer Schulen ist nur auf die letztere gerichtet. Sie erschließt dem Einzelnen damit Wege zum Erwerb, fördert so zivilisatorisch die Gesellschaft und mittelbar die Macht des Staates. Sie ist bestrebt, die Bildung möglichst zu verallgemeinern. Aber dieser Drang zur Erweiterung nötigt den Einzelnen zur Spezialisierung. Die natürliche Folge davon ist eine Verminderung des Wissens; denn die Spezialisierung verbraucht vampyrartig ihre Geschöpfe, wie uns die Enge des Horizontes bei Fachgelehrten beweist. Die unselige Wirkung der Verflachung der Bildung durch übertriebene Verbreitung sehen wir im Chaos unserer literarisch-künstlerischen Öffentlichkeit. Sie hat dazu geführt, daß der Journalist, der Diener des Augenblicks, an die Stelle des großen Genius, des Erlösers vom Augenblick, getreten ist.
Schon in den niederen Klassen unserer Schulen werden Aufsätze verlangt, in denen mit knabenhafter Überlegenheit Kritik an unseren Klassikern geübt wird. Jeden betrachtet man ohne weiteres als ein literaturfähiges Wesen, das über die ernstesten Dinge und Personen eigene Meinungen haben soll, während eine rechte Erziehung den lächerlichen Anspruch auf eine frühreife Selbständigkeit des Urteils zu unterdrücken hätte, um den jungen Menschen an einen strengen Gehorsam unter dem Zepter des Genius zu gewöhnen. Ist doch unter vielen Tausenden kaum einer berufen, sich schriftstellerisch zu betätigen. Man glaubt freie Persönlichkeiten zu erziehen, aber indem man die allernächste praktische Zucht in Wort und Schrift nicht als heilige Pflicht nimmt, gelangt man nicht einmal zur Beherrschung der Muttersprache; und doch beginnt erst mit der richtigen Gangart der Sprache die Bildung. Wir sind von jener Bildungshöhe heruntergesunken, die das deutsche Wesen dank den Bemühungen seiner großen Dichter und Denker erreicht hatte, weil wir nicht an der aristokratischen Natur des Geistes festhielten.
Auch beim Hinblick auf die Universität und die »akademische Freiheit« ergibt sich das gleiche Bild einer Pseudokultur unserer »Jetztzeit«. »Nie haßte man so stark jede Sklaverei, auch freilich die Sklaverei der Erziehung und Bildung.«
Wir haben hiermit den wesentlichen Inhalt der fünf Vorträge wiedergegeben, die Nietzsche 1872 über die »Zukunft unserer Bildungsanstalten« hielt. Es gilt diese Gedanken radikal zu erfassen und sich des Gegensatzes bewußt zu werden zu allem, was uns als moderne Ideen einen kulturellen Aufstieg vortäuscht. Die Grundlage unserer Bildung vermag fruchtbaren Boden nur in einem nachhaltigen philosophischen Erstaunen zu finden über ernste Probleme, die das Leben uns stellt. Führt sie nur zu historischer Ausdeutung und philologischer Abwägung, so ergibt sich nur ein Wissen um das Wissen und an Stelle der Begeisterung das nil admirari, nicht aber die Ansätze, durch die wir zum Gebilde werden. Eine wahre Bildungsinstitution dagegen muß wurzeln in einer innerlichen Erneuerung und Erregung der sittlichen Kräfte.
In welcher Weise ist also wahre Bildung zu lehren und zu fördern? Das Beispiel hierfür bieten uns Nietzsches Vorträge über »Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen«. Wer an großen Menschen überhaupt seine Freude hat, der hat auch seine Freude an ihren philosophischen Systemen, jedoch nur insofern als er daraus das Bild der Persönlichkeit gewinnt. Also keine Vollständigkeit anstreben; denn was nützt uns die bloße Aufzählung aller möglichen, längst widerlegten Systeme, sondern Auswahl und Beschränkung. Nur wenn die Persönlichkeit selbst wieder zu uns spricht, hören wir die Polyphonie der griechischen Natur wieder erklingen.
Thales und Heraklit erstehen durch Nietzsche vor uns als schöpferische Meister voll genialischem Vorgefühl der zukünftigen Fruchtbarkeit ihrer Ideen. Wohl mochte mancher seiner Schüler auch bei Nietzsche, zum Beispiel bei den Ausführungen über Anaximander zunächst nur eine Darlegung des Systems heraushören, aber wie lebendig tritt auch hier in der Folge die Persönlichkeit ans Licht. Den Hauptton legte Nietzsche auf das Wirken von Heraklit und seine Lehre der Polarität, d. h. des Auseinandertretens der Kraft in zwei qualitativ verschiedene, entgegengesetzte und zur Wiedervereinigung strebende Tätigkeiten. Durch Heraklit wird die Schuld in den Kern der Dinge verlegt und so die Welt des Werdens und der Individuen von ihr entlastet, obwohl sie verurteilt bleiben, ihre Folgen zu tragen. Das Leben bedeutet, in diesem Sinne gesehen, nicht mehr die Strafe des Gewordenen, sondern die Rechtfertigung des Werdens. Wer nicht auseinander- sondern zusammenschaut, für den läuft alles Widerstrebende in eine Harmonie zusammen. Solche Erkenntnis verlangt nach keinem ethischen Imperativ: »Du sollst!«, sondern für Heraklit war die Welt das unschuldige Spiel des Äon. Er verkündet uns nicht an der Strickleiter der Logik erkletterte, sondern intuitiv erfaßte Wahrheiten. »Das Werden ist kein moralisches, sondern ein künstlerisches Phänomen.« Man versteht, warum ihn Nietzsche zu seinen Ahnen zählte.
Vom Griechentum schlug Nietzsche Brücken zur jüngsten Vergangenheit, indem er Kant und besonders Schopenhauer zitierte. Aber der Besitz wahrer Bildung zeigt sich vor allem darin, daß wir in der eigenen Gegenwart das Große erkennen. »Man hat mit Recht gesagt, daß ein Volk nicht sowohl durch seine großen Männer charakterisiert werde, als durch die Art, wie es dieselben erkenne und ehre.« Er wäre nicht Nietzsche gewesen, wenn ihn nicht der Drang erfüllt hätte, auch hierin sich in den Dienst der Kultur zu stellen. Solche Entscheidungen erfolgen nicht willkürlich, noch zufällig. Wir dürfen heute sagen, es gehörte zu Nietzsches Schicksal, zur Entfaltung seines Wesens, zur Bewährung seiner Grundsätze, daß er damals dem Manne begegnete, von dem er jubelnd einem Freunde verkünden durfte: »Ich habe einen Menschen gefunden, der wie kein anderer das Bild dessen, was Schopenhauer ›das Genie‹ nennt, mir offenbart und der ganz durchdrungen ist von jener wundersam innigen Philosophie. Dies ist kein anderer als Richard Wagner … In ihm herrscht eine so unbedingte Idealität, eine solche tiefe und rührende Menschlichkeit, ein solch erhabener Lebensernst, daß ich mich in seiner Nähe wie in der Nähe des Göttlichen fühle.«
Der Jünger
Die verehrende Kraft in uns ist so wesentlich wie das zu verehrende Objekt.
Burckhardt.
Die Lebensgeschichte Richard Wagners wurde vor allem dadurch zu einer Leidensgeschichte, daß Wagners Streben darauf gerichtet war, das Theater in den Dienst der Kultur zu stellen. Es handelte sich dabei nicht um eine Reformation des Theaters, sondern um eine Regeneration unserer gesamten Kulturverhältnisse im Sinne des Griechentums. Frau Wagner hat mir einmal geschrieben: »Das Wort Reformation der Kunst war in Wahnfried ganz besonders mißliebig. Was wäre da zu reformieren gewesen? hieß es öfter, etwa die Oper?«
Als Wagner 1862 die Dichtung zum »Ring des Nibelungen« veröffentlichte, sah er zwei Wege vor sich, um zur Vollendung und stilgemäßen Aufführung des Werkes zu gelangen. Entweder eine Vereinigung kunstliebender Männer, oder die Unterstützung durch einen Fürsten. Dieser Fürst fand sich in dem jungen Bayernkönig. Ludwig der Zweite berief Richard Wagner zur Verwirklichung seiner Pläne nach München und ebenso dessen Freund Hans von Bülow, der mit Liszts Tochter, Cosima, vermählt war. Der König verkündete: »Von dem Ernste der Kunst muß alles erfüllt werden!« Aber reaktionärer, ultramontaner und philiströser Widerstand erwies sich als übermächtig. Wagner sah seine Pläne scheitern und war gezwungen, München zu verlassen. Er zog sich körperlich und seelisch tief erschüttert nach Tribschen bei Luzern zurück, ohne Aussicht auf eine Errettung. Aber sie sollte ihm dennoch werden durch die Liebe Frau Cosimas. Hans von Bülow hat einmal den Ausspruch getan: »Der Produzierende geht vor dem Reproduzierenden.« Dieses Wort sollte an ihm mit furchtbarer Tragik zur Wahrheit werden. Seine Gattin trennte sich von ihm, um in opferwilliger Hingebung an das Genie Wagners dieses der Welt zu erhalten. Sie schuf Wagner ein Heim in Tribschen, alles Unfreundliche und Störende der Welt fernhaltend, in beglückender Einsamkeit.
Dort suchte ihn Nietzsche im Frühjahr 1869 auf. Er hatte sich längst für seine Werke, vor allem »Tristan und Isolde« begeistert und für die unverwüstliche Energie, mit der Wagner den Glauben an sich »unter dem Hallo der ganzen ›gebildeten‹ Welt aufrecht erhielt«. Bei einer früheren Begegnung in Leipzig hatte er Wagner mit ganz unbeschreiblicher Wärme von Schopenhauer sprechen hören, aber erst der Besuch in Tribschen erlangte eine entscheidende Bedeutung. Die Besuche wiederholten sich, und Briefe flogen hin und her. Nietzsche schrieb an Rohde, der stets von allem Kenntnis erhielt, was ihn tief bewegte: »Was ich dort lerne und schaue, höre und verstehe, ist unbeschreiblich. Schopenhauer und Goethe, Äschylus und Pindar leben noch, glaub' es mir.« Aber auch Nietzsches Arbeiten brachten Wagner und seine geistvolle Frau warmes und eindringendes Verständnis entgegen. Wie ein Bote aus einer besseren und reineren Welt, kam er nach Wagners Wort zu ihnen. Man richtete zwei Zimmer für ihn ein. Wagner erklärte: »Ich habe jetzt niemand, mit dem ich es ernst nehmen könnte als mit Ihnen – die Einzige ausgenommen,« und Frau Wagner konnte ihm mitteilen, daß durch ihn trübgemutete Stimmungen überwunden wurden, weil er heiter anregend auf Wagners schöpferische Tätigkeit wirke. Er nahm innigen Anteil an allen Freuden und Leiden in Tribschen und dachte mehrmals daran, seine Professur aufzugeben, um sich unmittelbar in den Dienst des Genius zu stellen. Aber Wagner war der Überzeugung, daß er auch als Philosoph ihm helfe, die große »Renaissance« der Kultur zustande zu bringen.
Im Jahre 1871 ging Wagner auf den Gedanken zurück, die stilgemäße Aufführung des »Ring des Nibelungen« durch eine Vereinigung von Kunstfreunden zu ermöglichen. Auf seine öffentliche Einladung zur Anmeldung antwortete zunächst allerdings nur mein Vater und leitete durch die Gründung der Wagner-Vereine eine Bewegung ein, die zwar nicht die erhoffte finanzielle Hilfe ausreichend bot, aber doch dem Unternehmen einen volkstümlichen Boden schuf. Raoul Richters Vermutung, die Gründung der Vereine sei auf eine Anregung Nietzsches zurückzuführen, trifft zwar nicht zu, aber Nietzsche begrüßte die Bewegung mit Sympathie. Er wurde nicht nur Mitglied des Mannheimer Wagner-Vereins, sondern beabsichtigte auch in der Schweiz einen solchen zu gründen, schrieb seinen bereits erwähnten »Mahnruf«, veranlaßte Wagner, in einer öffentlichen Mitteilung an die Vereine eine besondere Warnung einzufügen, durch Übereifer der geschäftlichen Propaganda nicht die Idealität des Unternehmens zu verdunkeln, und warb unter seinen Freunden für Bayreuth, wobei er seine Schwester, Rohde und von Gersdorff auch persönlich mit Wagner bekannt machte. Besonders von Gersdorff wurde ein begeisterter Verehrer. Er war, nach Overbecks Zeugnis, der schöne Typus eines echten Edelmanns, voll Haltung und Würde bei einfachen Manieren; ein grundgütiger Mensch, auf den man sich verlassen konnte. Nietzsches größte Tat zugunsten Wagners und seiner Ziele war, daß er ein bereits längere Zeit vorbereitetes Griechenbuch »Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik« ausklingen ließ in eine Hoffnung auf deren Wiedergeburt und Wagner damit in Verbindung brachte.
Dem Werke liegt die Heraklitische Erkenntnis von der Polarität zugrunde. Wie die Generation von der Zweiheit der Geschlechter, von fortwährendem Kampfe und nur periodisch eintretender Versöhnung abhängt, so die Fortentwicklung der Kunst von der Duplizität des Dionysischen und des Apollinischen. Wie im Baume die wurzelnährende Wärme der Erde und das blütenentfaltende Licht der Sonne sich vereinigt, so im vollendeten Kunstwerk jene zwei polaren Mächte.
Wenn wir an die Frühlingsfeste ursprünglicher Menschen und Völker denken, bei denen im Rausch geschlechtlicher Erregung alles Subjektive in Selbstvergessenheit schwindet und der Bund zwischen Mensch und Mensch sich erneuert, als gelte es zur Ureinheit zurückzukehren, so gewinnen wir eine Vorstellung vom Zauber des Dionysischen. Wenn wir an die Gestaltungsgabe der dichterisch wirksamen Phantasie im Traume denken, als maßvolle Begrenzung und Befreiung von den wilderen Regungen, so gewinnen wir eine Vorstellung der weisheitsvollen Ruhe des Apollinischen. Dort mystische Selbstentäußerung bis zu dem Gefühl des Einsseins als Genius der Gattung, hier Vision des eigenen individuellen Zustandes, dessen Einheit mit dem innersten Grund der Welt sich in einem gleichnisartigen Traumbilde offenbart.
Das Dionysische kommt vor allem in der Musik, das Apollinische in der Kunst des Bildners, aber auch des Dichters zum Ausdruck. Bei wilden Völkern wurden jene Frühlingsfeste in ihrer Mischung von Wollust und Grausamkeit durch den Überschwang geschlechtlicher Zuchtlosigkeit gekennzeichnet, bei den dionysischen Orgien der Griechen erhielten sie die Bedeutung von Welterlösungsfesten und Verklärungstagen, dank der Gegenwirkung des apollinischen Schönheitstriebes. Grausenhafte Wollust des Seins und verklärende Freude des Scheins, Expressionismus des Gattungwesens und Impressionismus der Einzelerscheinung vermählten sich. Aus ihrem Bunde ist die Tragödie der Griechen erstanden.
Wir begegnen also in der »griechischen Heiterkeit« durchaus nicht einem Optimismus wie in der Selbstgefälligkeit der modernen Zivilisation, sondern diese Heiterkeit war das notwendige Gegenspiel einer tief tragischen Erkenntnis. Lustvolle Illusionen wurden Sieger über eine schreckliche Tiefe der Weltbetrachtung. »Hier erinnert nichts an Askese, Geistigkeit und Pflicht: hier redet nur ein üppiges, ja triumphierendes Dasein zu uns, in dem alles Vorhandene vergöttlicht ist, gleichviel ob es gut oder böse ist.«
In dieser Deutung des Griechentums durch Nietzsche erkennen wir sowohl die Wurzeln seines Illusionismus, der den Menschen selbst den Wert des Lebens bestimmen läßt, als seinen Amoralismus, der das Dasein nicht ethisch, sondern als künstlerisches Phänomen einschätzt.
Wie ist die griechische Tragödie entstanden? Nietzsche antwortet: aus dem tragischen Chor. Um dies zu verstehen, müssen wir auf den Ursprung des Wortes und seine Erweiterung zurückblicken. Aus der eigentlichen Bedeutung des Chores als eines umgrenzten Tanzplatzes entwickelte sich zunächst die übertragene Anwendung auf den Reigentanz der, mit Gesang verbunden, zu Ehren einer Gottheit bei festlichen Anlässen aufgeführt wurde, um dann ganz von diesem Gesang gebraucht zu werden.
Erinnern wir uns an das Bekenntnis Schillers: »Die Empfindung ist bei mir anfangs ohne bestimmten und klaren Gegenstand; dieser bildet sich erst später. Eine gewisse musikalische Gemütsstimmung geht vorher, und auf diese folgt bei mir erst die poetische Idee.« Ähnlich haben wir uns bei den Dionysosfesten der Griechen die musikalische Stimmung zu vergegenwärtigen, als eine bis zur Selbstvergessenheit führende Gemeinsamkeit stärkster Gefühle, die ihren Ausdruck zunächst in Tänzen und Gesängen fand und so lange eine Steigerung und Vertiefung erfuhr, bis diese Musik den ergriffenen Dionysosjüngern gleichsam sichtbar wurde. Erst wenn wir den Ursprung der Tragödie im dionysischen Chor sehen, wird uns die Orchestra vor der Szene verständlich; denn Szene und Aktion wurden ursprünglich nur als Vision gedacht. Ähnlich erklärte sich Wagner das Verhältnis von Musik und Aktion; nur daß es jetzt nicht mehr der Chor, sondern das Orchester ist, das die schöpferische Aufgabe der Musik zu erfüllen hat. »Sie tönt, und was sie tönt, möget ihr dort auf der Bühne erschauen.«
Die griechische Tragödie mußte untergehen, als der Geist der Musik aus ihr verschwand. Der Geist der Musik wurde vernichtet durch die optimistische Dialektik. Diese antidionysische Tendenz fand ihren unerhört großartigen Ausdruck in Sokrates. Er ist daher für Nietzsche der Typus des theoretischen Menschen, der nicht mehr in der Unbewußtheit des künstlerischen Schaffens, sondern in der Bewußtheit des wissenschaftlichen Erkennens das Heil sucht. Sobald die Wissenschaft die Grenzen ihrer Möglichkeiten erkennt, muß sie instinktiv in Kunst umschlagen. Denn die Kunst allein vermag die Pforten ins Metaphysische zu erschließen. Nur ein theoretischer Optimismus, wie ihn Sokrates verkörpert, kann in seiner Überhebung an die Ergründlichkeit der Natur der Dinge durch das Wissen glauben.
Kant und Schopenhauer haben uns gelehrt, die Grenzen der Wissenschaft zu erkennen, und die deutsche Musik, wie wir sie vornehmlich in ihrem mächtigen Sonnenlaufe von Bach zu Beethoven, von Beethoven zu Wagner zu verstehen haben, verbürgt uns das allmähliche Erwachen des dionysischen Geistes. Wir müssen uns zugestehen, daß seit dem edelsten Bildungskampfe Goethes, Schillers und Winckelmanns wir immer mehr aufgehört haben, auf einer gleichen Bahn zur Bildung und zu den Griechen zu kommen; aber noch bleibt uns die Hoffnung, daß aus dem Geiste der Musik eine Wiedergeburt des hellenischen Altertums erfolge. Die Zeit des sokratischen Menschen ist vorüber, ruft Nietzsche jetzt, wagt es nur, tragische Menschen zu sein; denn ihr sollt erlöst werden!
Zu Neujahr 1872 sandte Nietzsche sein Buch an Wagner, in der Hoffnung, später manches besser machen zu können. »Später nenne ich hier die Zeit der Erfüllung, die Bayreuther Kulturperiode.« Wagner antwortete begeistert: »Schöneres als Ihr Buch habe ich noch nichts gelesen! Alles ist herrlich!« und versicherte ihm: »Tief und weit blicke ich mit Ihnen, und unabsehbar weite Gebiete hoffnungsvollster Tätigkeit eröffnen sich vor mir – vor mir – mit Ihnen zur Seite.«
Noch spricht Nietzsche in seinem Erstlingsbuch nicht ganz und gar seine eigene Sprache, noch hat das Tempo des Stils nicht jede Schwerfälligkeit und Verschleppung überwunden, noch stört der Bilderreichtum zuweilen die Klarheit, aber trotzdem brachte dieses Buch bereits mit großer Bestimmtheit den Abstand einer wahrhaftigen Kultur von der Zivilisation der Zeit zum Ausdruck. In seiner ursprünglichen Anlage mochte dieses Werk, das den Pessimismus der Stärke verherrlicht, die Wissenschaft unter der Optik des Künstlers, die Kunst aber unter der Optik des Lebens sieht, nicht unmittelbar den Charakter einer Kampfschrift tragen. Aber indem Nietzsche versuchte, es mit Schopenhauer in Einklang zu bringen und von Wagner eine Erfüllung zu erhoffen, griff es unmittelbar in die zeitlichen Bewegungen ein und begegnete daher sowohl parteiischer Zustimmung als parteiischer Ablehnung. Wie Wagner selbst, so begrüßten auch seine Verehrer es mit Begeisterung. Voran Hans von Bülow, der Nietzsche persönlich aussuchte und einmal die ihm zunächst liegende unterbewußte Bewertung verriet, indem er irrtümlich seinen Titel als »Wiedergeburt der Tragödie« zitierte. Eine entgegengesetzte Stellung nahm das Gelehrtentum ein. Ein Bonner Professor erklärte mit Emphase das Buch als »baren Unsinn«; wer so etwas schreibe, sei »wissenschaftlich tot«. Selbst Ritschl befürchtete, es könne die Jugend zu einer unreifen Verachtung der Wissenschaft verleiten, und Ulrich von Wilamowitz fühlte sich berufen, die traditionelle Beurteilung des Griechentums in einer Schrift »Zukunftsphilologie« gegen Nietzsche öffentlich zu verteidigen. Er hatte »von Winckelmann gelernt, das Wesen der hellenischen Kunst allein im Schönen zu sehen«, und erachtete von Nietzsche die Götterbilder in Trümmer geschlagen, »um das Götzenbild Richard Wagners in ihrem Staube anzubeten«.
Rohde, als tapferer Waffengefährte Nietzsches, trat mit einer Gegenschrift auf den Plan, die auf Overbecks Rat den Titel »Afterphilologie« erhielt. Vorher schon hatte Richard Wagner selbst in einem »Sendschreiben« sich mit polemischer Schärfe gegen die Angriffe gewendet und seinen jungen Freund aufgefordert, »aus dem edelsten Quell des deutschen Geistes Aufschluß und Weisung darüber zu geben, welcher Art die deutsche Bildung sein müsse, wenn sie der wiedererstandenen Nation zu ihren edelsten Zielen verhelfen soll«.
Der bleibende Wert von Nietzsches Buch liegt vor allem in der Unterscheidung des Dionysischen und Apollinischen, die zunächst von Burckhardt und Wagner aufgenommen wurde und heute allgemein geläufig ist. Eine weitere Bedeutung erhielt es durch die radikale Gegenüberstellung von Instinkt und Intellekt, von unbewußtem und bewußtem Sein. Wohl hatte schon Goethe gelehrt: »Alles was das Genie tut, geschieht unbewußt«, und es deutlich ausgesprochen: »Das Bewußtsein des Dichters ist eine schöne Sache, aber die wahre Produktionskraft liegt doch am Ende im Bewußtlosen.« Aber erst seitdem Nietzsche mit größter Schärfe bewiesen hat, daß die Sokratik den Instinkt zum Kritiker, das Bewußtsein dagegen zum Schöpfer machen wolle, während doch bei allen produktiven Menschen gerade umgekehrt der Instinkt die schöpferisch-affirmative Kraft sei: sind wir der Einsicht nähergekommen, welche entscheidende Bedeutung dem Unbewußten im Leben des Menschen beizumessen ist, denn auch unsere Erkenntnis wird von unserem Triebleben bestimmt. »Der entfremdetste Kalkül und die höchste Geistigkeit der theoretischen Philosophie bleiben immer nur der letzte blasseste Abdruck einer physiologischen Tatsache.« In allem, was uns bewußt wird, dürfen wir nur Zeichen eines inneren Geschehens erblicken.
Ende April 1879 fand die Übersiedelung Wagners von Tribschen nach Bayreuth statt. Mit Wehmut nahm auch Nietzsche von dort Abschied. »Tribschen hat nun aufgehört zu sein. Wie unter lauter Trümmern gingen wir herum, die Rührung lag überall in der Luft, in den Wolken … ach, es war so trostlos.« Und noch viele Jahre später schrieb er in Erinnerung an seinen intimen Verkehr mit Wagner: »Ich lasse den Rest meiner menschlichen Beziehungen billig; ich möchte um keinen Preis die Tage von Tribschen aus meinem Leben weggeben, Tage des Vertrauens, der Heiterkeit, der sublimen Zufälle … der tiefen Augenblicke.«
Tribschen hatte aufgehört zu sein; aber Bayreuth stand nicht nur am Horizont seiner Hoffnungen, sondern bestimmte damals den Standpunkt, von dem aus er entschlossen blieb, sich der werdenden Kultur tätig zu opfern. Denn Opferwilligkeit war es, wahrlich nicht Streitsucht, was ihn antrieb, den aufreibenden Kampf gegen die Ideenlosigkeit der Zeit aufzunehmen, trotzdem ihm seine sensitive Natur davon abraten mochte. Daß er sich dessen recht wohl bewußt war, scheint mir ein Ausruf in der »Geburt der Tragödie« zu bestätigen: »Ach! Es ist der Zauber dieser Kämpfe, daß, wer sie schaut, sie auch kämpfen muß!«
Der Streiter
Weißt du wie Perseus Medusa erschlug,
Vor deren Anblick das Leben erstarrt?
Einzig im Spiegel des Schildes ersah er
Fest der Gorgone versteinerndes Antlitz.
Also auch kämpfe ich mit der Welt;
Furchtlos im Denkbild erschau' ich ihr Wesen.
Wer eine Sache um der Sache willen verteidigt, erfährt im Verlaufe des Streites gar oft, daß es dem Gegner gar nicht um diese zu tun ist, sondern daß ihn irgendwelche persönliche Motive leiten. Richard Wagner hat sich wiederholt über diese enttäuschende Erfahrung ausgesprochen. In der Tat waren gegnerische Angriffe aus verletzter Eitelkeit und anderen unlauteren Motiven weniger gegen seine Kunst als gegen seine Person gerichtet. Er sah sich dadurch gezwungen, auch seinerseits persönlich anzugreifen, um nicht gegen Windmühlen zu kämpfen. Solche Kämpfe wirken auf den Unbeteiligten leicht unerquicklich und mißverständlich.
Anders bei Nietzsche. Er hat keine persönlichen Feinde gehabt, und immer blieb es ihm vergönnt, seine Ideen um der Ideen willen zu verteidigen. Wo er selbst der Angreifende war, da galt der Kampf erst recht nicht einer Person als solcher, sondern einem Typus. In der »Geburt der Tragödie« verdichtete sich ihm Sokrates zu einem solchen Typus des theoretischen Optimisten, und als er sich zu »Bayreuther Horizontbetrachtungen« in der Gegenwart entschloß, ersah er in David Friedrich Strauß, dem Verfasser des »Bierbankevangeliums« vom »alten und neuen Glauben«, den Typus des »Bildungsphilisters«.
»Kultur ist vor allem Einheit des künstlerischen Stils in allen Lebensäußerungen eines Volkes.« Der Einsichtige weiß, wie fern wir einer solchen Kultur sind. Nicht so der Bildungsphilister. Sein selbstgefälliger Optimismus fühlt sich wohl in dem chaotischen Durcheinander aller Stile. Er ahnt es gar nicht, daß er Philister ist, sondern wähnt Musensohn und Kulturmensch zu sein. Kein Wunder! Denn für jene, die immer nur die Oberfläche der Dinge sehen, bedeutet er ja den liberalen Vorkämpfer für moderne Ideen. Strauß dringt niemals in die Tiefe. Warum sollte es daher seinem Bekennermut nicht genügen, für Reformgedanken einzutreten, die des Erfolges innerhalb der Gebildeten seiner Zeit gewiß sind? Strauß hat keinen Sinn für elementare Ursprünglichkeit und organisches Wachstum, wie es sich in der Sprache eines Volkes offenbart. Warum sollte daher sein Schriftstellertalent es nicht als ausreichend erachten, wenn es sich in der Schluderei einer phrasenhaften Schreibweise bei Gleichgesinnten verständlich macht? Als Strauß bald nach der Veröffentlichung dieser ersten »Unzeitgemäßen Betrachtung« nach schwerem Leiden verstarb, erschrak Nietzsche heftig über den Gedanken, ihm vielleicht die letzte Lebenszeit erschwert zu haben; denn seine Kriegspraxis lautete: ich greife nur Sachen an, die siegreich sind; ich greife nur Sachen an, wo ich keine Bundesgenossen finden würde, wo ich allein stehe; ich greife nie Personen an.
Wohl dachte Nietzsche daran, außer Strauß auch Schriftsteller wie Auerbach und Freytag, Gelehrte wie Gervinus und Kuno Fischer, Kritiker wie Lübke und Hanslick »unzeitgemäß« zu bekämpfen; aber schon aus den Namen ergibt sich, daß es auch hierbei sich nur um ihre typische Bedeutung für den Geschmack und die Gesinnung der Zeit handelte.
Aus den akademischen Vorlesungen wissen wir bereits, wie sehr Nietzsche jede bloße Belastung des Gedächtnisses, jede ziellose Maulwurfsarbeit verabscheute. Wohl brauchen wir Historie. Aber wir brauchen sie zum Leben und zur Tat, nicht zur bequemen Abkehr vom Leben und von der Tat. Der historische Sinn unserer Zeit kann ohne diese Zielsetzung uns leicht als hypertrophische Tugend zum Verderben gereichen.
Diese Einsicht, nicht etwa irgendeine gelehrte oder literarische Absicht, bestimmte Nietzsche zu seiner zweiten unzeitgemäßen Betrachtung: »Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben.« Die Geschichte gehört vor allem dem Tätigen und Mächtigen, der einen großen Kampf kämpft und seine Vorbilder nur in der Vergangenheit zu finden vermag. Dieser Tätige sieht die Geschichte monumentalisch, wohl auch mythisch. Noch weist Nietzsche die Möglichkeit ausdrücklich ab, daß bei dem Würfelspiel der Zukunft und des Zufalls je wieder das Gleiche herauskomme. Er warnt daher vor der Täuschung durch Analogien. Aber noch eine andere Gefahr lauert auf dem Wege: Regiert diese monumentalische Betrachtung, so leidet die Vergangenheit selbst Schaden. Dann werden nur einzelne Fakta gesehen, nicht die Fülle der Geschehnisse. Auch verführt sie zu dem verhängnisvollen Irrtum: seht das Große ist schon da, und der Betrachtende versäumt darüber, die wirkende Größe in der Gegenwart zu suchen.
Die Geschichte bedarf daher auch der Bewahrenden und Verehrenden, deren Pietät dem Leben dient. Aber ihre antiquarische Betrachtung nimmt jedes einzelne ohne Wertunterscheidung zu wichtig, mumisiert oft in blinder Sammelwut wo sie zu konservieren glaubt. Wie sollte es auch anders sein, da sie das frische Leben der Gegenwart weder beseelt noch begeistert. Sie läßt Kenner des Großen, aber keine Könner erstehen; sie bewahrt, aber sie zeugt nicht; denn sie verehrt nur, was war, und unterschätzt, was wird.
Besser steht es hierin um die dritte Betrachtungsweise: die kritische. Aber sie verfällt, wie alle Kritik, leicht in den entgegengesetzten Fehler. Nicht in eine unmäßige Bejahung aber in eine zu weit gehende Verneinung dessen, was war. Sie zeigt uns den Versuch, sich gleichsam nachträglich eine Vergangenheit zu geben, aus der man stammen möchte, im Gegensatz, zu der, aus der man stammt.
Jede dieser Arten der Betrachtung nennt daher Nietzsche heilsam, sofern sie dem produktiven Leben dienen, aber schädlich, sofern sie ihm widerstreben. Gegen die Heilsamkeit versündigt sich die Historik unserer Zeit, gleichviel ob sie sich monumentalisch, antiquarisch oder kritisch verhält, sobald sie die Wissenschaftlichkeit überbetont nach dem Grundsatz: fiat veritas, pereat vita. Die Geschichte lehrt uns dann nicht zu wenig, sondern zu viel. »Man sollte sogar nicht mehr von einer Sache wissen, als man auch schaffen könnte.« Unsere Pädagogen mögen es sich daher gesagt sein lassen: Jedes historische Wissen, das ohne Bedürfnis aufgenommen wird, erweist sich als hemmende Last. Es ist wohl Wissen um die Bildung, aber es erwächst aus ihm kein Bildungs-Gefühl, kein Bildungs-Entschluß.
Ein lebendig wachsendes Volk wird also gegenüber jener Wissenschaftlichkeit instinktiv einen gesunden unhistorischen Sinn bewahren müssen, sonst vermag es keine starken Persönlichkeiten zu züchten, noch neue Erlebnisse im Unbewußtsein zu künstlerischen Ideen ausreifen zu lassen. Die Kunst flieht, wenn ein Volk seine Taten sofort mit dem historischen Zeltdach überspannt. Wirkt hinter dem historischen Trieb kein Bautrieb, dann wird der schaffende Instinkt entkräftet; denn die Geschichte wird nur von starken Persönlichkeiten ertragen, die Schwachen löscht sie vollends aus.
Solche Entkräftung und Lähmung hat dazu geführt, daß heute antiquarische Spätlinge greisenhaft passiv mit Spengler vom »Untergang des Abendlandes« reden, während Nietzsche dem mittelalterlichen memento mori Goethes memento vivere entgegensetzt und in ungebrochener Schaffensfreude fragt: »Was wollen denn ein paar Jahrtausende besagen, um im Anfang einer solchen Zeit noch von ›Jugend‹, am Schlusse bereits vom ›Alter der Menschheit‹ reden zu können?« Wollen wir wissen, wie sich Nietzsche zu einem solchen Fatalismus, der die lebenfördernde Illusion ausschließt, gestellt hätte, so können wir die Auskunft hierüber den Angriffen entnehmen, die er gegen den Verfasser der »Philosophie des Unbewußten« richtete. Ed. von Hartmann spricht von einer Hingabe an den »Weltprozeß«. Ein Wort, das Nietzsche ganz besonders haßte. Auch Hartmann glaubte wie Spengler »Geschichte vorausbestimmen« zu können. Er gelangte dabei zu der Folgerung: die Zeit bedarf nicht mehr der Genies; denn sie schreitet voran zu einem Stadium der sozialen Entwicklung, die jedem Arbeiter genügend Muße läßt, »ein komfortables Dasein« zu führen. Dieser Ausschaltung der Höherentwicklung des Lebens schleuderte Nietzsche als individualistischer Streiter das Wort entgegen: »Nein, das Ziel der Menschheit kann nicht am Ende liegen, sondern nur in ihren höchsten Exemplaren.« Und darum gilt es die »historische Krankheit« zu überwinden, gleichviel ob sie uns optimistisch glauben macht, wir sähen vermöge der sozialen Entwicklung den Höhepunkt unmittelbar vor uns, oder ob sie fatalistisch uns auf den Untergang verweist. Nicht der Gelehrte, der nur ein Gewordenes, ein Historisches sieht, sondern der freie Gebildete, der nach einem Seienden, Ewigen ausschaut, gebraucht die Geschichte im Dienste des Lebens. Nicht cogito ergo sum, sondern _vivo ergo cogito!_ muß unsere Losung heißen.
Es gibt drei Bilder des Menschen, welche unsere Zeit hintereinander aufgestellt hat zur Verklärung ihres eigenen Lebens. In der dritten unzeitgemäßen Betrachtung: »Schopenhauer als Erzieher« widmet sich Nietzsche ihrer Prüfung. Da ist zunächst der Mensch Rousseaus, der gegenüber der zivilisatorischen Verlogenheit in seiner Not die heilige Natur anruft. Nur die Natur ist gut, nur der natürliche Mensch ist menschlich. Aus solcher Erkenntnis vermögen furchtbare Entschlüsse revolutionärer Umgestaltung zu erwachsen.
Da ist ferner der Mensch Goethes (Faust). Dieser könnte als das höchste und kühnste Abbild vom Menschen Rousseaus gelten, wenn er zugleich der eigentliche, gleichsam religiöse und dämonische Genius des Umsturzes wäre, die verneinende Kraft aus Güte. Aber der Mensch Goethes weicht hierin dem Menschen Rousseaus aus; denn er haßt jedes Gewaltsame, jeden Sprung – das heißt aber: jede Tat. Der Goethesche Mensch ist der beschauliche Mensch im hohen Stile, eine erhaltende und verträgliche Kraft. Ein wenig mehr Wildheit und seine Tugenden würden größer sein. Das hat Goethe selbst empfunden. »Sie sind verdrießlich und bitter, läßt er Jarno zu Wilhelm Meister sagen, das ist schön und gut, wenn sie nun einmal recht böse werden, so wird es noch besser werden.«
Man achte auf diesen Gedankengang, um zu begreifen, warum Nietzsche die Verböserung des Menschen verlangte. »Es ist nötig, daß wir einmal recht böse werden, damit es besser wird.« Nicht die Auflehnung des Rousseauschen Menschen gilt Nietzsche als das Ideal, denn in dieser Auflehnung liegt das Rachegefühl der Massen versteckt; aber auch nicht die Beschaulichkeit und Verträglichkeit des Goetheschen Menschen kann das eigentliche Ziel sein, denn hier fehlt die Umsetzung in die entscheidende Tat; wonach Nietzsche verlangt, das ist jene Art zu verneinen und zu zerstören, welche gerade der Ausfluß nach etwas ewig Unzerstörbarem ist. Diese Aufgabe erfüllt der Schopenhauersche Mensch. Dieser ist für sich und sein persönliches Wohl von wundersamer Gelassenheit, in seinem Erkennen voll starken verzehrenden Feuers; hoch emporgehoben über griesgrämige und verdrießliche Betrachtung nimmt er das freiwillige Leiden der Wahrhaftigkeit auf sich, erwirbt er jene Art zu vernichten, welche der Ausfluß der Sehnsucht ist nach etwas Ewig-Unzerstörbarem. Er weiß, daß es der Weg des Leidens ist, aber nicht jenes sinnlosen Leidens des Tierlebens, sondern ein heroischer Lebenslauf, der zum Menschen hindrängt, aber als zu einem Etwas, das hoch über uns steht. Alles andere ist Fortsetzung der Tierheit, ist Flucht vor uns selbst. »Denn dein wahres Wesen liegt nicht tief verborgen in dir, sondern unermeßlich hoch über dir, oder wenigstens über dem, was du gewöhnlich als dein Ich nimmst.« Auch über dem größten Menschen erhebt sich sein eigenes Ideal.
Dieser streitbare Mensch, den unser Philosoph den Schopenhauerschen Menschen nennt, ist in Wahrheit der Nietzschesche Mensch.
Wir sehen von jeder Persönlichkeit zunächst nur die Erscheinung ihres Spiegelbildes. Lebendig wird diese Erscheinung erst dann, wenn wir ihr unser eigenes Blut einflößen. Nun wäre gewiß nichts verkehrter, als den innerlich unbeteiligten Zuschauer des Lebens, den zum Beispiel Kuno Fischer in Schopenhauer sah, für irgendwie echter zuhalten, als den aktiven Kämpfer, den Nietzsche erblickte. Nietzsche erschloß sich die Idee Schopenhauer, Fischer ersah nur die Realität, die gegenüber der Idee immer an Würde Einbuße erleidet.
Außer der Ehrlichkeit rühmt Nietzsche als eine hervorragende Eigenschaft an Schopenhauer eine »wirkliche erheiternde Heiterkeit«. Das ist nur dann mißverständlich, wenn man an den wohlfeilen Optimismus eines oberflächlichen Heiterlings denkt, der sich blind gegen die Leiden der Welt verhält. Was dagegen Nietzsche tief auf dem Grunde sieht, das ist die Heiterkeit des Siegers, der, weil er das Tiefste gedacht, gerade das Lebendigste lieben müsse. Auch diese Deutung bekundet uns den subjektiven Anteil Nietzsches an seinem Idealbild Schopenhauers. Nur Nietzsches lebenbejahender Pessimismus konnte dazu gelangen, mit Goethe auszurufen: »Was ist doch ein Lebendiges für ein herrliches, köstliches Ding! Wie abgemessen zu seinem Zustande, wie wahr, wie seiend!« Während Schopenhauer verkündete: »Alles ist schön zu sehen, aber entsetzlich zu sein.«
Und doch wäre es verkehrt zu glauben, Nietzsche habe wohl von Schopenhauer gesprochen, aber dabei bewußt sich selbst gemeint. Jede Größe beginnt damit, daß man Großes liebt und in seinem eigentlichen Wesen erkennt. So empfängt man die erste Weihe der Kultur. In diesem Sinne liebte Nietzsche Schopenhauer und Wagner. Aber die Kultur begnügt sich nicht mit solchem inneren Erlebnis, sondern sie verlangt – das kann nicht oft genug wiederholt werden – zuletzt und hauptsächlich die Tat. Also den Kampf gegen alles, was dem hohen Ziele der Kultur, den wahren Menschen zu finden, widerstrebt, sei es die Selbstsucht der Erwerbenden, die da glauben zwischen Intelligenz und Besitz, zwischen Reichtum und Kultur bestehe ein notwendiges Band, sei es die Selbstsucht des Staates, der die großen Massentriebe als das Wichtige und Hauptsächliche in der Geschichte nimmt, sei es die Selbstsucht aller derer, die sich verstellen und hinter der eleganten Form ihre Barbarei verstecken.
Wir rufen bei so vielen Dingen – und nicht erst seit heute – nach Führern, die uns aus der Irre auf den rechten Weg leiten sollen und sind ohne Widerstand bereit, ihnen zu folgen, nur nicht – in Dingen der Kultur. Daß andere in Wissenschaft und Kunst mehr wissen und können, gestehen wir ihnen mehr oder minder einsichtig zu, aber daß wir auch der Erzieher und Führer bedürfen auf dem Wege zu uns selbst, daß große Denker und Dichter nicht darum denken und dichten, um vor der »öffentlichen Meinung« wie vor einer Prüfungskommission zu bestehen, daß sie ihre Erfolge nicht darin suchen, daß wir ihnen gleich den Schauspielern Beifall spenden, sondern ihnen folgen, indem wir uns nach ihrem Bilde mit wetteifernder Seele wandeln: dagegen ist allezeit ein passiver Widerstand unseres Behagens wach. Nietzsche hat ihn als Trägheit charakterisiert mit dem treffenden Wort: Öffentliche Meinungen – private Faulheiten!
Der Idealist
Das Schrecklichste für den Schüler ist, daß er sich am Ende doch gegen den Meister wieder herstellen muß. Je kräftiger das ist, was dieser gibt, in desto größerem Unmut, ja Verzweiflung ist der Empfangende.
Goethe.
Goethes Aufforderung, die Sache der Menschheit als die eigene zu betrachten, ist vielleicht von keinem großen Geiste mit solch leidenschaftlicher Hingebung befolgt worden, wie von Nietzsche. Wenn wir Idealismus das Streben nennen, Ideen und Ideale im individuellen und sozialen Leben zu verwirklichen, so müssen wir vor allem den einen Idealisten nennen, der seine Aufgabe darin sah, das ganze kulturelle Leben in diesem Sinne von Grund aus neu zu gestalten. Als geniale Vorbilder dieses Idealismus verehrte Nietzsche sowohl Schopenhauer als Wagner. Aber während der Vergleich zwischen Idee und Wirklichkeit Schopenhauer zur pessimistischen Verneinung des Lebens selbst führte, verwarf Nietzsche nur den flachen Optimismus, der sich an den Errungenschaften der zeitlich gegebenen Lebensverhältnisse genügt, nicht aber den Willen zum Leben selbst.
Die Abwendung von Schopenhauer konnte also nicht ausbleiben; aber sie mußte nicht notgedrungen auch eine Abwendung von Wagner zur Folge haben; denn als Künstler bejahte auch dieser das Leben. »Die Schöpfungen der Kunst sind das höchste Lustziel des Willens.« Wohl aber ergibt sich die Frage: Vertrug sich Nietzsches Verehrung für Wagner mit seiner Hochschätzung der Antike und der »Gesundheitslehre des Lebens«, die er der Antike entnahm? Vereinigte Wagners Werk in der Tat das Dionysische und Apollinische wie die antike Tragödie? Oder stand Wagner nicht doch auf dem Boden des Christentums, gleichviel ob er sich dessen bewußt war oder nicht?
Antike und Christentum, Renaissance und Reformation, Bejahung des Lebens zugunsten seiner Steigerung und Verneinung des Lebens zugunsten des Seelenheils: das waren für Nietzsche sich ausschließende Gegensätze, die von dem Bekenner eine unbedingte Entscheidung verlangten. Wohl kann der Dramatiker seine Künstlerliebe den Vertretern der beiden Kontraste in gleicher Weise zufließen lassen, wie es bei Wagner in der Tat der Fall ist, und in dem einen Werk den Sieg des selbstherrlichen Individuums – man denke an Walter Stolzing und Siegfried – feiern und im anderen Werk im Gegensatz hierzu – man denke an Tannhäuser und Parsifal – die Aufgebung der Persönlichkeit zugunsten einer metaphysischen Alleinheit darstellen; aber damit wird die Frage nicht ausgeschieden, wozu er und seine Kunst sich letzten Endes bekennen. Nietzsche glaubte bei Wagner an die Bejahung des Lebens im Sinne der Antike. Er vermeinte, seine Kunst könne den Deutschen das »abgestandene Christentum« völlig verleiden, seine deutsche Mythologie könne sich als abschwächend erweisen und an Polytheismus gewöhnen. Aber nicht erst die Einsicht in die christlichen Tendenzen Wagners führte Nietzsches Abwendung herbei, sondern diese vollzog sich auf ästhetischem Gebiet. Kunst im Sinne der antiken Tragödie oder modernes Theater? Das war die entscheidende Frage. Geburt einer apollinischen Vision aus dem dionysischen Geiste der Musik oder naturalistisch wirkender Schein der Szene, der sich die Musik unterwirft? Wird der szenische Vorgang künftig in seinem eigentlichen Wesen nur eine Verbildlichung der tiefinnerlichen Vorgänge sein, wie wir sie in den Symphonien Beethovens erleben, oder bestimmen umgekehrt Szene und Sänger den Charakter der Musik?
Schon als Wagner in der Hinzuziehung des Chorgesanges in der Neunten Symphonie ein feierliches Bekenntnis über die Grenzen der absoluten Musik und eine Erlösung zur allgemeinen Kunst sah, nannte Nietzsche diese Auffassung einen »ungeheueren ästhetischen Aberglauben«; denn nicht nach dem unverständlich bleibenden Wort, sondern nach dem »angenehmeren und freudevolleren« Laut habe der Symphoniker begehrt. Diesem Ausspruch kommt symptomatische Bedeutung zu; denn sie beweist, daß Nietzsche niemals, auch nicht zur Zeit seiner wärmsten Wagnerverehrung, in einer gleichberechtigten Vereinigung der Künste im Theater an sich ein Ziel sah, das den hohen Wert der absoluten Musik überrage.
Während Wagner den Dichter als Erzeuger und die Musik als Gebärerin bezeichnete und somit Dichtkunst und Musik in seinen Werken als gleichwertig anerkannt wissen will, sah Nietzsche in dem Umstand, daß der Text bei Wagner noch bestimmend auf die Musik wirkt, nur eine Nachwirkung der Operntendenz und nannte die Forderung eines dramatischen Sängers, der die Musik alteriere, an sich eine Unnatur.
Nur wenn wir uns Nietzsches entschiedene Antipathie gegen alles Theatralische in voller Deutlichkeit vorstellen, können wir das wahre Bild seiner Anschauung gewinnen. Dann aber lautet das Problem für uns nicht mehr, wie konnte Nietzsche zum Gegner Bayreuths werden, sondern: wie war es möglich, daß er nicht von Anfang an sich seines Gegensatzes bewußt wurde? Die Erklärung hierfür ergibt sich aus fünf Umständen:
Nietzsche wußte sich eins mit Wagner in der Verehrung Schopenhauers.
Er fand bei Wagner die gleiche Geringschätzung für das, was die Gebildeten in Deutschland irrtümlich Kultur nannten und was Wagner als »Kriegszivilisation« bezeichnete.
Er begeisterte sich für »Tristan und Isolde«, als er dieses Werk, das dem Theatralischen am fernsten steht, zunächst aus dem Klavierauszug kennen lernte und dann in München unter Bülows Leitung hörte.
Sein persönlicher Verkehr mit Wagner ließ vor ihm das Bild des Genius erstehen, in dessen Dienst sich zu stellen nach Schopenhauer als vornehmste Aufgabe dessen gilt, der die kulturelle Entwicklung seines Volkes fördern will.
Und endlich: er gab sich dem Glauben hin, in Bayreuth werde eine neue Kunstform als endgültiger Sieg über alle Theatralik erstehen.
Hier ergibt sich für uns die Frage: Wie dachte sich Nietzsche diese Kunstform? Wir wissen bereits, daß er die antike Tragödie als eine aus dem Geiste der Musik erstandene Vision einschätzte. Musik und Mimus erschienen ihm als das Wesentliche. Da auch Wagner den allergrößten Wert auf das Ansich-Verständliche der Handlung, also auf den Mimus, legte, kam Nietzsche zu dem Schluß, Wagner strebe unbewußt eine Kunstform an, in der das Urübel der Oper überwunden sei, nämlich: »die allergrößte Symphonie«, deren Hauptinstrumente einen Gesang singen, der durch die Handlung versinnlicht werden kann.
Deckte sich diese Voraussetzung in der Tat mit dem, was Wagner durch Vereinigung aller Künste als seine Aufgabe erkannt hatte, widersprach diese Unterordnung des Wortes nicht grundsätzlich seinem Ziel? Wir dürfen es uns versagen, von uns aus diese Frage zu beantworten, denn Nietzsche selbst wurde sich der Gegensätzlichkeit seiner Anschauung zu der Wagners mit wachsender Deutlichkeit bewußt. So ergaben sich für ihn nur zwei Möglichkeiten. Entweder er bekehrte sich zu dem Ziel Wagners, oder er gestand sich ein: hier scheiden sich unsere Wege.
Daß seiner Natur nur diese letztere Entscheidung offen stand, wird uns klar, wenn wir beachten, mit welchem Eifer er »den widerwärtigen Anblick des Sängers« betonte, sich gegen »die Falschheit« des Begriffes dramatische Musik auflehnte, und welche symptomatische Bedeutung er dem Widerstand beimaß, dem Wagners Streben begegnete, und darin nicht mehr Unverständnis, sondern instinktive Abneigung sah.
Einsicht und Wunsch lagen längst miteinander im Streite, ehe er sich dessen bewußt wurde. Sein Sehnen und tiefinnerliches Seelenbedürfnis waren darauf gerichtet, in hingebender, wohl aber die Selbständigkeit des Urteils bewahrender Freundschaft gemeinsam mit Wagner den Kampf für eine Regeneration des deutschen Wesens zu führen.
Reichere Lebenserfahrung ließ Wagner viel früher als Nietzsche die Gefahren ahnen, die ihrer Freundschaft aus den unterbewußten Gegensätzlichkeiten ihrer Anschauungen drohten. Immer wieder ergaben sich gelegentliche Mißhelligkeiten, die in den Biographien Nietzsches meist nur als unbegründete Mißverständnisse beurteilt werden. Frau Förster erklärt sie aus einem Hang zum Mißtrauen bei Wagner, aber wenn wir in die Tiefe blicken, ergibt sich uns eine dumpfe Empfindung Wagners für Nietzsches Gegensätzlichkeit zu seiner eigenen Natur und wohl auch zu seinem hohen Ziele.
Wohl ließ auch Nietzsche das Theater als einzige Basis zu einer künstlerischen Regeneration der Massen gelten; aber als das Bayreuther Unternehmen während der nächsten Jahre zu scheitern drohte, da drängte ihn seine leidenschaftliche Wahrheitsliebe dazu, wenigstens sich selbst Rechenschaft darüber zu geben, warum es also sei. Aus seinem Nachlaß wissen wir, daß er sich damals, im Jahre 1874, also zwei Jahre vor den ersten Bühnenfestspielen, zugestand, was alles ihn an Wagner fremd anmutete. Er sah in Wagner einen »versetzten Schauspieler«, der den Menschen nur als den wirksamsten und wirklichsten nachahmen will: im höchsten Affekt, und gelangt in diesen niedergeschriebenen Selbstgesprächen, ungemein charakteristisch für seine antitheatralische Natur, zu dem Ausruf: »Das Berauschende, das Sinnliche, Ekstatische, das Plötzliche, das Bewegtsein um jeden Preis – schreckliche Tendenzen!« Schon sieht er auch in Wagners Theatralik, die tapfer gegen eine kunstwidrige Zeit ankämpft: »Gift gegen Gift«.
Man muß sich diese widerstreitenden Gefühle und Gedanken veranschaulichen, um zu begreifen, wie schwer es Nietzsche fiel, seine vierte unzeitgemäße Betrachtung zu vollenden: »Richard Wagner in Bayreuth«. Wagners Lebenslauf war ihm aus dessen in wenigen Exemplaren für seine Freunde gedruckter Selbstbiographie bekannt, er lernte dort einen heftigen Willen in jäher Strömung kennen und meinte, »mit einem engen Geiste verbunden, hätte ein solcher Wille bei seinem schrankenlosen tyrannischen Begehren zum Verhängnis werden können«; aber er kannte, dank der Werke und seinem persönlichen Verkehr, auch »die schöpferische schuldlose, lichtere Sphäre« im Wesen Wagners und vergegenwärtigte sich den Widerstreit und die erschütternden tragischen Konflikte, die aus Wagners Doppelnatur folgten, um die Ausdauer zu bewundern, mit der er seinem höheren Selbst Treue hielt, das Gesamttaten seines vielstimmigen Wesens verlangte.
Aber immer wieder kommt dabei der Widerspruch seiner eigenen Natur gegen jede Hingebung an den Affekt zum Vorschein und läßt uns die innere Abkehr von Bayreuth auf das stärkste miterleben. Sie bedeutet zugleich Nietzsches Abkehr von seiner seitherigen hohen Einschätzung der Kunst überhaupt. Er fragt sich, welche Aufgabe ist der modernen Kunst zugewiesen, und antwortet: Stumpfsinn oder Rausch! So oder so verlangt die moderne Seele wenigstens für Augenblicke das Gewissen zum Nichtwissen zu bringen. Die Kunst soll ihm nicht etwa zur Unschuld zurückverhelfen, sondern nur über das Gefühl der Schuld hinweghelfen. Wer die unentweihte Heiligkeit der Kunst, wie die Griechen sie besaßen, wiederherstellen wollte, der müßte sich selber erst von der modernen Seele befreit haben. Wie verräterisch über seine aus der Tiefe aufsteigenden Widersprüche klingen die Worte: »Indem der Betrachtende scheinbar der aus- und überströmenden Natur Wagners unterliegt, hat er an ihrer Kraft selber Anteil genommen und ist so gleichsam durch ihn gegen ihn mächtig geworden; und jeder, der sich genau prüft, weiß, daß selbst zum Betrachten eine geheimnisvolle Gegnerschaft, die des Entgegenschauens gehört.«
Noch lehnt er nicht den dithyrambischen Dramatiker ab, noch erachtet er sich hierzu nicht berechtigt, denn zunächst gilt es, Bayreuth zur Tat werden zu lassen, aber schon drängt sich ihm die Frage auf: wieso vermag die Kunst zu einer Gefahr zu werden? Er antwortet: Wenn der Genießende die Kunst so ernst nimmt, wie es nur der Schaffende darf und vermag, liegt die Versuchung nahe, das Leben selbst zu leicht zu nehmen. Die Überschätzung der Kunst steigert die Sehnsucht nach der Höhe, aber sie lähmt die Sehnsucht aus der Höhe nach der Tiefe, das liebende Verlangen zur Erde (»Freunde bleibt der Erde treu!«) und zum Glück der Gemeinsamkeit. Wohl wehrte sich Wagner mit Energie gegen jede Art von Kunst, die sich nur als Luxus gibt, und strebte die Sprache des einzigen bisherigen Künstlers zu sprechen, »des dichtenden Volkes«; wohl gelang es ihm in »Tristan und Isolde« das eigentliche Opus metaphysicum aller Kunst zu schaffen, in den »Meistersingern« die wahre deutsche Heiterkeit aufsprießen zu lassen, die der Gegenwart fehlt, aber Werk um Werk wurde von der Zeit nur als Mittel zur Befriedigung ihrer Scheinbedürfnisse genommen; wohl schienen ernsthafte Freunde eine unterirdische Bewegung vieler Gemüter anzukündigen und damit vielleicht den Keim einer in ferner Zukunft vollendeten wahrhaft menschlichen Gesellschaft.
Wird diese Bewegung sich wirklich als mächtig genug erweisen, die Kunst in den Dienst eines neu zu gestaltenden Lebens zu stellen? Davon, wie sich diese Frage beantworten wird, hängt für Nietzsche nicht nur die Bedeutung Bayreuths, sondern auch der Kunst als solcher für unsere Zeit ab. Jedes Kunstwerk widerspricht sich selbst, wenn es sich nicht in seinem wahren Sinne zu verstehen geben kann. »Damit ein Ereignis Größe habe, muß zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.« Bleibt dieser Zusammenklang aus, so ist auch das Werk verurteilt, denn »an sich hat kein Ereignis Größe«. Erst indem es seinen gewollten Zweck erreicht, wird es Erfüllung. Nur wenn in Bayreuth der aus dem Geiste der Musik heraus miterlebende Zuhörer, nicht aber der sentimentalische Zuhörer, der als moralisches Wesen dem Affekt gehorcht, über den Erfolg entscheidet, nur dann erfüllt es seinen Zweck. Denn jedes Theater als solches bedeutet als ein für die Massen Zurechtgebogenes ein Unterhalb der Kunst. Das Theater darf nicht Herr über die Künste werden!
Also glaubend und zweifelnd, hoffend und fürchtend, fühlte sich Nietzsche verpflichtet, für Bayreuth mit warmherziger Beredsamkeit, mit tiefgründiger Begeisterung werbend und fördernd einzutreten und seinem Bedenken, ob vom Theater aus die Kunst zu regenerieren sei, ein »fünfjähriges pythagoreisches Schweigen« aufzuerlegen. Erst mußte das Werk zur Tat werden, mußte es von der Bühne herab in voller Lebendigkeit zeigen, ob es nicht doch die berufene Zuhörerschaft fände und sich als Morgenweihe des Kampfes um die Kultur zu bewähren vermöge.
Krankheit verhinderte Nietzsche, 1875 Wagners Einladung zu folgen und den Studien und ersten Proben beizuwohnen. So kam er erst 1876 zu den ersten Bühnenfestspielen nach Bayreuth – und fand sich auf das tiefste enttäuscht! Nein, das war nicht das von ihm in höchster Idealität erhoffte Fest, dem nur Berufene, unzeitgemäße Menschen, ideale Zuschauer beiwohnten, sondern Wagner hatte, durch die finanziellen Nöte gezwungen, die Pforten des Hauses auch den Neugierigen und Schlechtgesinnten öffnen müssen. Diese gaben in Nietzsches Augen dem Fest das Gepräge. Auch zu Wagners Leidwesen. »Das ursprünglich projektierte Unternehmen ist also eigentlich vollkommen gescheitert,« schrieb er schmerzerfüllt schon vor den Festspielen an meinen Vater im Hinblick auf die Notwendigkeit, außer den Patronen auch Neugierige zuzulassen. Wagner vermochte einen Trost darin zu finden, daß es ihm trotz aller Mißgunst der Verhältnisse gelungen war, das große Beispiel einer stilgemäßen Aufführung seines Werkes zu ermöglichen (»O Freund Heckel, es war doch gut!«) Nietzsche aber sah nur das Scheitern seiner aufs höchste gespannten kulturellen Hoffnungen. Nun bedeutete auch das Werk selbst nicht mehr für ihn »die allergrößte Symphonie«, sondern die »große Oper«. Wagner vermochte sich immerhin der Wirkung auf die wahrhaft Berufenen erfreuen, Nietzsche sah nur die Heftigkeit der Nervenwirkung auf die Unberufenen. Der berauschende Einfluß der Musik, den er schon vorher als verhängnisvoll befürchtete, entsprach in keiner Weise der Mäßigung der Alten, welche ihm als der menschlichen Natur gemäß galt. Er schauderte vor dem Naturalismus der Gebärde, des Gesanges im Vergleich zum Orchester. Gewiß, Wagners Werk blieb das höchste, was die moderne Kunst zu bieten vermochte, aber es bedeutete nicht ein allgemeines Bad der Seelen. »Dort erwacht der neue Genius, dort entfaltet sich ein Reich der Güte!« hatte Nietzsche als Idealist in glühender Begeisterung verkündigt, und nun sah er seine Erwartungen enttäuscht, seine schönsten Hoffnungen vernichtet, vorzeitig reiste er von Bayreuth ab … »sein Auge war mit Tränen erfüllt«.
Der Positivist
Die innere Tendenz, unmittelbar eine völlige Harmonie zwischen dem spekulativen und dem tätigen Leben herzustellen, muß schließlich als das glückliche Vorrecht des positiven Geistes betrachtet werden.
Comte.
Wo wir liebend verehren, erscheint es unserem Gefühl als Frevel, nüchtern erkennen zu wollen. Das ist gut so. Denn zur Liebe gehört die Scham und Achtung vor der Atmosphäre, welche die verehrte Person oder Sache umgibt. Was dem Enthusiasten als Wahrheit erscheint, gilt dem Zyniker als Illusion. Aber vielleicht nur darum, weil ihm das Organ zu wesenhafter Einfühlung, das die Liebe besitzt, mangelt. Wir können und dürfen nicht immer so werten, wie wir ohne Ehrfurcht erkennen; denn solche Erkenntnis erweist sich unter Umständen als lebensfeindlich. Der Duft einer Blume läßt sich nur zerstören, indem wir die Blume selbst vernichten. Den Wert der Illusion für das Leben mit gutem Gewissen zu verteidigen, bleibt also eine Aufgabe für jeden, der das Leben als solches schätzt.
Wie aber nun, wenn unsere höchste Liebe und Verehrung der Erkenntnis selbst gilt? Müssen wir dann nicht aus Liebe jedem anderen Gefühl verehrender Illusion zu Leibe rücken, also doch die Atmosphäre durchbrechen? Wir müssen es sowohl in der Erforschung des Nicht-Ichs als auch gegenüber uns selbst. Ein Zwang voll verhängnisvoller Tragik: »Selbstkenner – Selbsthenker«. Bei Nietzsche hat sich diese Tragik in erschütternder Weise vertieft; denn seine Liebe gilt nicht nur der Idee der Erkenntnis, sondern gleichzeitig der Illusion des Lebens.
Nur wer das Problem, das dieser Zwiespalt darbietet, in seiner Tiefe fühlt und denkt, begreift, welche Anforderung es an Nietzsche stellte. Der unreinlich denkende Mensch hilft sich durch Kompromisse; der reinlich scheidende muß seine Meinungen wechseln, wie man abgetragene Kleidungsstücke wechselt. Aber gerade dieser Wechsel von Überzeugungen aus Überzeugung, diese Untreue aus Treue bleibt den meisten Menschen versagt. Nur wo dieser höchste Heroismus einer radikalen Entscheidung vorhanden ist, erblickt Nietzsche Seinesgleichen. Das ist der tiefe Sinn seines Wortes: »Nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt.« Glaube daher niemand, Nietzsche, den Menschen und Denker, zu kennen, dem sich nicht in voller Bedeutung dieser Heroismus erschließt, der Nietzsche zu einer tragischen Erscheinung von seltener Größe machte.
Nach Protagoras ist der Mensch das Maß aller Dinge. Die Wahrheit ist etwas Relatives. Das heißt: sie ist nur gültig im Verhältnis und im Vergleich zu etwas. Es gibt keine absolute, von solchen Vergleichen unabhängige Wahrheit. Die einzige Möglichkeit, die blind schauende Liebe und die sehend geblendete Erkenntnis zu einer Einheit zu verbinden, bot sich Nietzsche durch die Einsicht in die Relativität aller menschlichen Wertungen. Radikaler Relativismus, so paradox diese Bezeichnung klingen mag, wurde sein Ziel. Sein Ziel, aber nicht etwa die gegebene Voraussetzung. Und darum erforderte es Kämpfe, die sich in seinem Wesen erschütternd abspielten und in seinen Werken mit wuchtiger Leidenschaft zum Ausdruck gelangten.
Er hat, solange die idealistische Verehrung in ihm die Übermacht hatte, Schopenhauer und Wagner im ganzen bejaht und im einzelnen verneint, und er hat, als der positivistische Erkenntnistrieb die Übermacht erlangte, Schopenhauer und Wagner im ganzen verneint, aber im einzelnen bejaht. Darin lag keinerlei friedsam vermittelnde Willkür, sondern eine kriegerisch entscheidende Notwendigkeit, um seinem relativistisch wertenden Selbst den Sieg zu bereiten. Man verwechsle jedoch Relativismus nicht mit Objektivität. Diese will die Stimme des Subjekts ausschalten, jener will beide Stimmen harmonisch vereinigen.
Man macht es sich zu leicht, wenn man nur zwei polar verschiedene Perioden, jene der Verehrung und jene der Erkenntnis, bei Nietzsche unterscheidet und nicht da wie dort das vorherrschende Streben nach dem Indifferenzpunkt der beiden Pole erkennt, also das Verlangen nach einem Bogen über den Gegensätzen, im Auge behält. Sein Verhältnis zu Schopenhauer und Wagner bietet die auffälligsten, aber nicht die einzigen Beispiele freundlich-feindlich abwägender Urteile.
Im Jahre 1870 erhielt Nietzsche von seiner Schwester die Werke von La Bruyère und Vauvenargues und von Frau Wagner die Werke von Montaigne zum Geschenk. Die Wirkung der französischen Moralisten auf ihn war eine außerordentliche. Nicht nur daß er bei ihnen den Aphorismus schätzen lernte, sondern er fühlte sich bei den Genannten unter Einschluß von Fontenelle und Chamfort dem Altertum näher als bei irgendwelcher Gruppe anderer Völker. Sie bedeuteten ihm ein wichtiges Glied der großen und fortdauernden Kette der Renaissance. Nietzsche schätzte ihre Helligkeit und zierliche Bestimmtheit, sowie den französischen Witz des Ausdrucks. Sie haben ohne Zweifel den kristallhellen Stil seiner Aphorismen günstig beeinflußt.
Bereits in seiner dritten Unzeitgemäßen Betrachtung schrieb Nietzsche: »Ich weiß nur noch einen Schriftsteller, den ich betreff der Ehrlichkeit Schopenhauer gleich, ja noch höher stelle: das ist Montaigne. Daß ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden.« Montaigne war Relativist, so gut wie Goethe. Als Relativist bewährt sich auch Nietzsche in seiner Beurteilung der französischen Moralisten. Bei aller Achtung vor ihrer feinsinnigen Behandlung subtiler Probleme, tritt doch seine Gegensätzlichkeit, besonders in der Frage des Pessimismus, zutage. Bei La Bruyère empfand er widerstrebend eine aus der untergeordneten gesellschaftlichen Stellung entspringende Gedrücktheit, bei Fontenelle bezweifelte er, ob dem Autor nicht selbst seine unsterblichen Totengespräche als Parodien eines unbedenklichen Witzes galten, bei Chamfort beklagte er, daß der Instinkt der Rachsucht, als mütterliches Erbe, sich stärker erwies als seine Weisheit und ihn in der Revolutionszeit das Gewand des Pöbels anziehen ließ, als seine Art von härener Kutte, und bei dem vornehmsten aller Menschenverächter, bei La Rochefoucauld, schätzte er wohl die klare Erkenntnis der Triebfedern der menschlichen Seele, verwarf aber ihre »christlich verdüsterte Beurteilung«.
Diese Aussprüche sind zum Teil im Buch für freie Geister »Menschlich-Allzumenschliches« enthalten, dessen Betrachtung dieses Kapitel gewidmet ist. Sie zeigen uns Nietzsche als den feinen Psychologen, der sich jeder absoluten Wertung gegenüber skeptisch verhält und stets fragt, wahr – inwiefern? frei – wozu? gut – für wen und was?
Das Buch ist in der Hauptsache in Sorrent entstanden. Dort verlebte Nietzsche bald nach den Bayreuther Festspielen mehrere Monate gemeinsam mit Malwida von Meysenbug, der Verfasserin der »Memoiren einer Idealistin«, mit Dr. Paul Rée, dem Autor der »Psychologischen Beobachtungen«, und dem jungen Dichter Albert Brenner. Er hatte sich aus Rücksicht auf seine Gesundheit, die fortgesetzt durch heftige Migräneanfälle beeinträchtigt wurde, von der Baseler Universität ein Jahr Urlaub gewähren lassen. Ein in Bayreuth neu gewonnener Freund, Freiherr von Seydlitz, kam ebenfalls nach Sorrent. Ferner besuchte ihn dort Dr. Michael Georg Conrad, der bei seiner Witterung für unabhängige Geister auch Nietzsche frühzeitig entdeckte.
Im »Menschlichen-Allzumenschlichen« vollzieht sich die Abkehr Nietzsches vom Genie zum Weisen, von der monarchischen Kunst zur republikanischen Wissenschaft, von der idealistischen Metaphysik zum realistischen Positivismus. Der Positivismus beschränkt sich, wie schon sein Name besagt, auf das, was erfahrungsmäßig als »positiv« gegeben ist. Er läßt keinen Raum für religiöse und metaphysische Hintergründe. Er hat vor allem in Frankreich durch Comte und in England durch Mill und Spencer seine philosophische Bedeutung erlangt.
Mit unerbittlicher Strenge prüfte Nietzsche als Positivist sich selbst und alles, woran sein Herz hing. Aber nicht die Freude an der Forschung allein befriedigte ihn, sondern es verlangte ihn nach »Vogel-Freiheit«, »Vogel-Umblick«, »Vogel-Übermut«.
Er sagt Schopenhauers Willen zur Moral und Wagners Romantik die Gefolgschaft auf und sucht sich hoch über alle Unbedingtheit zu erheben und sich von aller ausschließenden Verehrung zu befreien. Als das »Wegstoßen des Angenehmsten, oft des Verehrtesten« interpretierte er später dieses Vorgehen.
Die Vorstellung der Entwicklung auf den Spuren Darwins gewinnt nunmehr Macht über Nietzsche. Er fordert ganz im Sinne der Naturwissenschaft historisches Philosophieren. Dieses soll grundsätzlich von aller Metaphysik absehen und uns lehren: was jetzt uns Menschen Leben und Erfahrung heißt, ist allmählich geworden und noch vollständig im Werden begriffen. Es hat sich bisher unbewußt entwickelt und seine Förderung vor allem bei der Religion und der Kunst gesucht. Nun aber, indem Nietzsche die Bedeutung der Wissenschaft für die Kultur betont, stellt er uns vor eine wichtige Entscheidung. Er sagt: die Menschen können und sollen nunmehr mit Bewußtsein beschließen, sich zu einer neuen Kultur fortzuentwickeln. Um das zu vermögen, müssen sie volle Klarheit gewinnen, was der kulturellen Steigerung des Lebens schadet, was ihr nützt. Die ungeheuere Aufgabe der großen Geister der Gegenwart und Zukunft liegt darin, die Bedingungen der Kultur zu erkennen. Die Philosophie soll also die Religion ablösen. Vermag sie das? Nietzsche sagt: sie kann es, indem sie deren berechtigte Bedürfnisse erfüllt und deren irrtümliche beseitigt, wie christliche Seelennot, Seufzen über innere Verderbtheit, Sorge um das ewige Heil. Die Kunst vermag dabei nur den Übergang zu vermitteln, indem sie das mit Empfindungen überladene Gemüt erleichtert. Worte wie Pessimismus und Optimismus verlieren vor diesem Forum ihre Berechtigung, denn sie entstammen einer theologischen Auffassung der Welt. Sowohl der schimpfenden wie der verherrlichenden Weltbetrachtung müssen wir uns enthalten; dafür aber bewußt forschen und fachlich prüfen wie der Chemiker. Die psychologische Beobachtung wird von Nietzsche nunmehr als Notwendigkeit erkannt, denn die größten philosophischen Irrtümer sind nur darum entstanden, weil die psychologische Analyse bisher fehlte. Es gilt das Menschliche-Allzumenschliche bloßzulegen, um so zu dem Ursprung unserer Gesinnungen und Handlungen zu gelangen.
Solche Prüfungen befähigen uns nicht nur, das Schädliche zu meiden, sondern sie führen auch zu positiven Ergebnissen, die geeignet erscheinen, uns aufzurichten. Wir gelangen auf diesem Wege zu einer souveränen Beurteilung des Lebens. So wenn uns Nietzsche lehrt: die Bosheit hat nicht den Schmerz des andern an sich zum Ziele, sondern die beiden Gesichtspunkte Notwehr und Selbsterhaltung genügen, um uns zu erklären, daß auch der Mensch, der uns als boshaft erscheint, im Grunde nur für sich Lust will oder Unlust abzuwehren strebt. Sagen wir uns, daß alles mit Notwendigkeit geschieht, so führt uns die Folgerung der Unverantwortlichkeit des Menschen dazu, über die Begriffe der Schuld und Sündhaftigkeit umzulernen. Bei solchem Umlernen gelangen wir zu der Einsicht: böse Handlungen lassen sich mit gleichem Recht als vergröberte gute bezeichnen, wie wir uns gute als sublimierte böse erklären müssen. Aber auch wo der Einblick in die Untergründe fehlt, sind wir nicht zur Resignation verurteilt; denn bei einem Übel, dessen Ursache wir nicht zu heben vermögen, bleibt unserem Lebensmut immer noch die Möglichkeit, es in ein Gut umzudenken, dessen Nutzen vielleicht erst später ersichtlich wird.
Aber solche Lebensweisheit, verbunden mit der Energie, sie in die Tat umzusetzen, erwirbt sich nur, wer sich die Zeit nimmt, über sich und das Leben nachzudenken. Beamte, Kaufleute, Gelehrte sind meist nur als Gattungswesen tätig, nicht als ganz bestimmte einzelne und einzige Menschen; als solche sind sie faul. Auch gilt es nicht nur die Selbsterkenntnis zu pflegen, sondern auch zielbewußt den Willen nach der Entfaltung des eigenen Selbst zu richten. Höher noch als das Wort: »Erkenne dich selbst!« muß uns die Mahnung stehen: »Wolle dich selbst!«
Durch die Muße, die sie uns gewährt, gewinnt selbst eine Krankheit Wert; denn sie fördert das Nachdenken über uns selbst und bestimmt uns so, unsere Anschauungen zweckmäßig zu gestalten. Man muß feste ruhige Linien am Horizonte seines Lebens haben, gleichsam Gebirgs- und Waldlinien, sonst hat man kein Glück und gibt kein Glück. Aber selbst gegen das Glück wehrt sich gar oft unsere Lebensverkennung. Wir schätzen in unserer Eitelkeit die Auszeichnung, welche im Unglück liegt, so hoch, daß man gewöhnlich protestiert, wenn uns jemand glücklich nennt, als ob es ein Zeichen von Flachheit, Anspruchslosigkeit, Gewöhnlichkeit sei, sich glücklich zu fühlen.
Zur bewußten Prüfung unserer Lebensführung gibt uns Nietzsche in seinen Aphorismen in dieser Weise eine Fülle von Hinweisen, die uns lehren, wie wir uns von unseren seelischen Hemmungen zu befreien vermögen, um jenen Kosmopolitismus des Geistes anzustreben, welcher ohne Anmaßung sagen darf: nichts Geistiges ist mir mehr fremd.
Wir suchen dabei vergeblich nach einer Anpreisung der Kunst; denn die leidenschaftliche Hinwendung zu ihr auf Kosten anderer Faktoren der Kultur ließ den Pendelschlag seiner Schätzung nach der Krisis von Bayreuth in entgegengesetzter Richtung zur kritischen Abwendung von der Kunst gelangen. Doch dürfen wir hierin keinen widerspruchsvollen Umschlag seiner wesenhaften Anschauung sehen, wie es bei oberflächlicher Betrachtung so oft geschieht. Sein Blick war und blieb auf die Kultur gerichtet. Der nunmehr erworbene höhere Standpunkt ließ ihn nach einer als Heilmittel gegen die Gefahren der Kunst dienenden Ergänzung ausschauen. Er fand sie in einem Kultus der Kultur, welche auch dem Stofflichen, Unvollkommenen, ja dem Bösen und Furchtbaren eine verständnisvolle Würdigung und das Zugeständnis, daß dies alles nötig sei, zu schenken weiß. Die Melodie kann des Grundbasses nicht entbehren, lehrt uns Nietzsche als Musiker und Denker.
Behalten wir die Tendenz solcher Ausbalancierung im Auge, so sehen wir der vertikal aufsteigenden Strenge im Ideale des Schopenhauerschen Menschen nunmehr eine horizontal sich ausbreitende Duldsamkeit, etwa im Sinne Goethes, zugesellt. Die subjektive Bewegtheit gefühlsmäßiger Intuition vor der Bayreuther Krisis wird durch die objektive Geruhsamkeit der historischen Kritik ausgeglichen, die Glut instinktiven Erfassens am Eise intellektueller Prüfung gekühlt. Nietzsche will durchaus nicht verlästern, was er ehemals verehrte, sondern nur die Relativität solcher Wertungen durch historische Beleuchtung feststellen. »Man muß Religion und Kunst wie Mutter und Amme geliebt haben – sonst kann man nicht weise werden.«
Zuweilen, wenn er trotzdem zu einseitiger Beurteilung gelangt, fordert er den Leser selbst zur Ergänzung auf. So fügt er der Behauptung, das Fortbestehen der Kunst sei für uns nur von Nachteil, denn ohne die Kunst würden die Menschen mehr Muße haben, über ihre Arbeit nachzudenken und über Freuden, die sie erweisen könnten, die Worte hinzu: »Es gibt gewiß manchen kraft- und sinnvollen Leser, der hier einen guten Einwand zu machen versteht.« Goethe hätte ihm vielleicht geantwortet, was er Karoline Herder auf eine ähnliche Bemerkung geschrieben hat: »Warum soll man nicht alles verehren, was das Gemüt erhebt und uns durchs mühselige Leben hindurchhilft! Wenn ihr das Salz wegwerft, womit soll man salzen?« Und gewiß hätte Nietzsche auch die Antwort gelten lassen, daß wir vermittels der Kunst nicht etwa nur von uns weg, sondern im Gegenteil zu uns hin und über uns hinaus streben.
»Menschliches-Allzumenschliches« enthält neben seiner Fülle unvergänglicher Weisheitssprüche ohne Zweifel noch viele unreife Früchte, wie sich bei einem Buche, das erst den Übergang von einem unkritischen Enthusiasmus anbahnt, von selbst versteht. Noch erscheint uns Nietzsche hier vorherrschend als Suchender. »Das Pathos, daß man die Wahrheit habe, gilt jetzt sehr wenig im Verhältnis zu jenem freilich milderen und klangloseren Pathos des Wahrheit-Suchens, welches nicht müde wird, umzulernen und neu zu prüfen.« Daß Nietzsche sich selbst bewußt war, daß alle erfahrungsmäßige Erforschung nur eine Ergänzung und Berichtigung seiner früheren Anschauungen bedeuten könne, bekunden uns die in seinem Nachlaß vorgefundenen Worte, welche er einer Vorrede einzuverleiben gedachte: »Nötig, den ganzen Positivismus in mich aufzunehmen und nun doch noch Träger des Idealismus zu sein.«
Der freie Geist
Man tut das Wahrste, wenn man unter den jedes Mal vorhandenen Zielen das höchste verfolgt.
Burckhardt.
Man darf nicht alle Einfälle, die Nietzsche außerhalb systematischer Zusammenhänge veröffentlichte, im eigentlichen Sinne Aphorismen nennen. Nur die in einer ganz bestimmten ziselierten Kunstform sich darbietenden Gedanken, die ihre selbstherrliche Abrundung oder Zuspitzung gefunden haben, sind als solche zu bezeichnen. Der erste Teil von »Menschliches-Allzumenschliches«, in welchem hauptsächlich Einfälle, die Nietzsche ursprünglich unter dem Titel »Die Pflugschar« sammelte, eine fast systematisch zu nennende Zusammenstellung fanden, enthält viel weniger eigentliche Aphorismen als der zweite Teil, der zwei ursprünglich selbständige Sammlungen »Vermischte Meinungen und Sprüche« und »Der Wanderer und sein Schatten« umfaßt. Im ersten Teil begegnen wir einer Anordnung nach Hauptstücken, in die sich die einzelnen Ausführungen zwanglos einfügen, während die Aphorismen des zweiten Teils, obwohl sie vielfach parallel jener Einteilung des ersten zusammengestellt wurden, sich viel selbständiger geben und den Charakter von Sentenzen und Maximen tragen.
Sie zeigen uns Nietzsche vor allem als feinsinnigen Erforscher der menschlichen Triebe und Gefühle. Vielleicht hat die Psychologie seinen Anregungen weit mehr zu danken, als sie sich dessen bewußt ist. Erst durch Nietzsches Erkenntnis, wie sehr alles relativ gewertet sein will, wurde jene Atmosphäre geschaffen, in der sie sich zu ihrer heutigen Entwicklung zu entfalten vermochte. Der Psychoanalytiker begegnete bei Nietzsche bereits Aussprüchen, die ihm heute als Dogmen gelten. So wenn Nietzsche in dem Aphorismus: »Aus dem Traume deuten« sagt: »Was man mitunter im Wachen nicht genau weiß und fühlt – ob man gegen eine Person ein gutes oder schlechtes Gewissen habe – darüber belehrt völlig unzweideutig der Traum.«
Zur Prüfung des Tatsächlichen, wie sie die zweite Periode seines Schaffens aufweist, wurde Nietzsche jedenfalls in hohem Grade durch F. A. Langes »Geschichte des Materialismus« angeregt. Ihm verdankte er vielerlei. Voran die tiefere Einsicht in Kants Entdeckung unserer Anschauungsformen. Schon als Student faßte er, was ihm Lange hierüber sagte, in einem Briefe an von Gersdorff in drei Sätze zusammen. Die Sinnenwelt ist das Produkt unserer Organisation. Aber dies gilt auch von unseren Organen selbst. Unsere wirkliche Organisation bleibt uns daher ebenso unbekannt wie die wirklichen Außendinge; denn wir haben stets nur das Produkt von beiden vor uns.
Diese Erkenntnis mußte mit der Zeit dazu führen, Schopenhauers Ansicht, das Selbstbewußtsein übermittle uns einen metaphysischen Aufschluß, zu verwerfen und Nietzsche auf die positivistische Prüfung der Organisation verweisen. Die Aufgabe, die er sich im »Menschlichen-Allzumenschlichen« stellte, ist daher so zu kennzeichnen: Es gilt, um zum Ursprung und der Entwicklung der Begriffe zu gelangen, die physischen und psychischen Voraussetzungen unserer Organisation zu prüfen, und zwar nur im Hinblick auf ihre Tatsächlichkeit, die Frage nach ihrem individuellen und sozialen Wert aber außer acht zu lassen.
Die Nennung F. A. Langes bietet uns Veranlassung, die umstrittene Frage zu prüfen: hatte Nietzsche Stirner gelesen, also dessen Hauptwerk »Der Einzige und sein Eigentum« gekannt? Erwähnt hat er Stirner weder in seinen Werken noch in seinen Briefen. Auch liegt kein gültiges Zeugnis vor, daß er je in Gesprächen seinen Namen nannte. Dagegen ermittelte Overbeck die Tatsache, daß er seinen Schüler Baumgartner auf Stirner aufmerksam gemacht hat. Nietzsche wußte also doch von Stirner. Wahrscheinlich wohl durch Lange. Aus dessen Buch erfuhr er, daß Stirner »am rücksichtslosesten und konsequentesten den Egoismus gepredigt hat«, und weiterhin, daß Stirner nicht nur jede sittliche Idee verwarf, sondern alles, was sich als äußere Gewalt, als Glaube oder als bloßer Begriff über das Individuum und seine Willkür stellt. Das also wußte Nietzsche. Aber dieses Wissen um Stirners Existenz und seine Verherrlichung des Egoismus beweist noch nicht, daß Nietzsche auch das Werk Stirners selbst in Händen gehabt hat. Wir müssen also schon nach inneren Beweisgründen ausschauen. Vielleicht daß sie die Frage entscheiden.
Stirner und Nietzsche sind die bedeutendsten bewußten Förderer geistiger Unabhängigkeit. Es besteht zwischen ihnen eine typische Geistesverwandtschaft. Sie allein haben die äußersten Konsequenzen ihrer Ideen über die Selbstherrlichkeit des Individuums gezogen. Es ergeben sich daher viele Berührungspunkte. Trotzdem ist nirgends ein Ausspruch Nietzsches zu finden, der auf eine Vaterschaft Stirners verwiese. Aber nicht nur die geistigen Übereinstimmungen, sondern auch die Gegensätzlichkeiten sind augenfällig. Stirner läßt durchaus nur den Einzelnen als Wirklichkeit gelten. Kein Mensch ist einem anderen gleich. Jeder ist einzig. Jedem steht von Natur das Recht zu, die Welt als sein Eigentum anzusehen und mit ihr und allen anderen Menschen gemäß seiner Natur und seinem Ermessen zu verfahren. Mag jeder sich dagegen wehren, so gut er es eben vermag. Nietzsche geht von einer ganz anderen Überzeugung aus. Der Mensch ist von Ursprung an sozial veranlagt. Erst durch die Kultur entwickelt er sich zu einer selbstherrlichen Persönlichkeit. Für Nietzsche gilt somit das, was Stirner als natürliche Voraussetzung annimmt, nicht als Voraussetzung, sondern als kulturelles Ziel. Das ergibt einen großen Unterschied. Stirner verwirft den Staat mit radikaler, aber durchaus einseitiger Konsequenz für jeden Menschen, ohne die Frage nach der Fähigkeit zur Selbstbeherrschung und Selbstbestimmung zu stellen. Wie anders Nietzsche. Dieser weist gerade dem Staate die Aufgabe zu, das Tier im Menschen zu bändigen, damit der Mensch im Menschen sich zu entfalten vermag. Nietzsche ist es um Rangunterscheidungen zu tun, bestimmt durch den Persönlichkeitswert des Einzelnen und den typischen Wert der Klassen; Stirner dagegen anerkennt keinerlei Rangordnung. Stirner gelangte auf seinem Wege zu einer hochgesinnten Verherrlichung der Anarchie. Nietzsche gelangte zu einer ebenso hochgesinnten Verherrlichung des Herren- und Herrschertums, das berufen ist, die Zügellosigkeit ungebändigter Naturen niederzuhalten.
In ihren Negationen begegnen sie sich zuweilen. So wenn Stirner schreibt: »Nenne die Menschen nicht Sünder: du, der du die Menschen zu lieben wähnst, du gerade wirfst sie in den Kot der Sünde … Ich aber sage dir, du hast niemals einen Sünder gesehen, du hast ihn nur … geträumt.« So dachte auch Nietzsche. Aber bei dem Vergleich ihrer positiven Forderungen ergibt sich nicht nur keinerlei Übereinstimmung, sondern eine entschiedene Gegensätzlichkeit. In keinem Falle aber lassen sich Belege dafür finden, Nietzsche müsse Stirner gelesen haben.
Vielleicht gelingt es uns aber, einen Indizienbeweis für die gegenteilige Behauptung zu führen. Immer hat Nietzsche sich die Größten als würdige Feinde erkoren. Nicht Hinz oder Kunz hat er als Bildungsphilister gebrandmarkt, sondern David Friedrich Strauß; nicht irgendeinen beliebigen Universitätsprofessor hat er angegriffen, um den Rationalismus zu treffen, sondern Sokrates, und als es ihm darauf ankam, sein Hellenentum gegen das Christentum auf dem Gebiete der Kunst ins Feld zu führen, da hat er mit blutendem Herzen sich Wagner zum Gegner umgewertet.
Und dieses typische Verlangen Nietzsches nach einem würdigen Gegner sollte in diesem einen Falle sich in das Gegenteil verkehrt haben? Als Nietzsche den Pessimismus und Anarchismus als verwandte Ohnmachts- und Verzweiflungslehren bekämpfte, als er wörtlich sagte: man darf zwischen Christ und Anarchist eine vollkommene Gleichung aufstellen: ihr Zweck, ihr Instinkt geht nur auf Zerstörung, da soll er nicht dem charakteristischen Repräsentanten des Anarchismus den Kampf angesagt haben, trotz Bekanntschaft mit seinem Werke? Das widerspräche jeder psychologischen Voraussetzung. Nein, Nietzsche hat wohl von Stirner gewußt, aber niemals sein Buch gelesen.
– Nietzsche wollte »Menschliches-Allzumenschliches« ursprünglich anonym veröffentlichen, um eine sachliche Diskussion zu ermöglichen und das Zartgefühl seiner Freunde zu schonen, vor diesen selbst aber seine Urheberschaft bekennen. Die offene Redlichkeit, mit der er sich selbst analysierte, gab ihm das Vertrauen ein, daß auch seine Freunde sich groß genug erweisen würden, die gleiche Freimütigkeit über sich ergehen zu lassen. So bezieht sich, nach Bernoulli, der folgende Ausspruch auf Overbeck. »Die meisten Denker schreiben schlecht, weil sie nicht nur ihre Gedanken, sondern auch das Denken der Gedanken mitteilen.«
Besonders reich ist das Buch an solchen Analysen Wagners. Nietzsches Abreise aus Bayreuth – wir wissen es bereits – bedeutete für ihn noch keine Abwendung von der Person Wagners. Auch Wagner hielt sich nach den Festspielen in Sorrent auf und es fanden etwa sechs Zusammenkünfte statt. Bei der letzten soll Wagner dem Freund seinen Plan des«Parsifal« entwickelt haben; zum Schrecken Nietzsches, der ihn seither auf dem Wege zum »deutschen Heidentum« glaubte. Jedenfalls hat auch diese Unterredung nicht zu einem offenen Bruch geführt, denn Wagner schickte später seine Dichtung des »Parsifal« an Nietzsche mit der Widmung: »Meinem teueren Freunde Friedrich Nietzsche. Richard Wagner, Oberkirchenrat.« Der humoristische Zusatz läßt wahrlich nicht an ein persönliches Zerwürfnis glauben! Auch Nietzsche begleitete seine Übermittlung von »Menschliches-Allzumenschliches« an Wagner mit einer freundschaftlichen Widmung in Versen.
Und doch führte diese Zusendung zur Klärung und – Scheidung. Die Zusendungen erfolgten nicht gleichzeitig. Nur in Nietzsches späterer Erinnerung haben sie sich »gekreuzt«. Dieser Gedächtnisfehler wird bedeutsam, wenn wir ihn im Sinne der Psychoanalyse betrachten. Er verrät uns, wie sich Nietzsches Unterbewußtsein zu der Entscheidung stellte: sie war für beide Teile notwendig geworden, weder durch ein willkürliches Verschulden von der einen noch von der anderen Seite; sie erfolgte »gleichzeitig«, als ihre neuen Werke sich »kreuzten«, wie die Degen zweier Duellanten sich kreuzen.
Die Trennung war nicht beabsichtigt worden, aber es gehörte wirklich die volle Naivität und ideale Gesinnung eines Genies dazu, um Nietzsche glauben zu lassen, Wagner werde seine Aphorismen günstig aufnehmen. Auch die Freimütigkeit hat ihre Grenzen, wo es sich um den Bestand des eigenen Lebenswerkes handelt. Wagner wußte sich mitten im Kampf für die Erhaltung seines gefährdeten großen Unternehmens. Wie sollte er da Kundgebungen eines Freundes, die es in seinem Werte so entschieden bekämpften, gelten lassen? Er antwortete nicht unmittelbar. Aber in einem Aufsatze der Bayreuther Blätter »Publikum und Popularität« kam seine Ablehnung deutlich und scharf zum Ausdruck, obwohl er es vermied, einen Namen zu nennen. Auch in einem weiteren Aufsatz »Wollen wir hoffen?« streifte er ein ihm mißliebiges Urteil Nietzsches über Luther.
Nietzsches Schwester versuchte in einem nach Wahnfried gerichteten Brief vergeblich eine Verständigung anzubahnen. Frau Wagner antwortete ihr, daß man Nietzsches neues Werk nur als krankhaft entschuldigen könne, aber in keiner Weise als wertvoll anerkenne. So war jeder persönliche Verkehr unmöglich geworden. Nur ein wehmütig freundschaftliches Gedenken bestand noch als Unterströmung fort; denn wie Schönes und Großes hatte man gemeinsam gewollt, welches Glück voll seliger Hoffnungen in Tribschen gemeinsam erlebt!
Wagner betrübte es, daß er fernerhin »so gänzlich davon ausgeschlossen sein solle, an Nietzsches Leben und Nöten teilzunehmen«, und so ersuchte er Overbeck herzlich um Nachrichten über den gemeinsamen Freund. Er schrieb: »Hatte ich auch stets ein Gefühl davon, daß Nietzsche bei seiner Vereinigung mit mir von einem geistigen Lebenskrampfe beherrscht wurde, und mußte es mich nur wunderbar bedünken, daß dieser Krampf in ihm so seelenvoll leuchtendes und wärmendes Feuer erzeugen konnte, wie es sich aus ihm zum Staunen aller kundtat, und habe ich an der letzten Entscheidung seines inneren Lebensprozesses mit wahrhaftem Entsetzen zu ersehen, wie stark und endlich unerträglich jener Krampf ihn bedrücken mußte: so muß ich endlich wohl auch ersehen, daß mit einem so gewaltsamen psychischen Vorgange nach sittlichen Annahmen gar nicht zu rechten ist und erschüttertes Schweigen einzig übrigbleibt.«
Nietzsche seinerseits ließ sich immer wieder von Malwida von Meysenbug über Wagner berichten und schrieb an Freiherrn von Seydlitz, daß es ihm sehr lieb und erwünscht sei, daß einer seiner Freunde Wagnern Gutes und Freundliches erweise, wozu er selbst nicht mehr imstande sei. »Seine und meine Bestrebungen laufen auseinander. Dies tut mir wehe genug – aber im Dienste der Wahrheit muß man zu jedem Opfer bereit sein.«
Ein um jene Zeit geplantes Buch »Der neue Umblick« sollte die Worte enthalten: »Über Wagner wie über Schopenhauer kann man unbefangen reden, auch bei ihren Lebzeiten – ihre Größe wird, was man auch gezwungen ist, in die andere Wagschale zu legen, immer siegreich bleiben. Um so mehr ist gegen ihre Gefährlichkeit in der Wirkung zu warnen.«
Die Trennung von Wagner traf Nietzsche um so schmerzlicher, als auch die meisten seiner übrigen Freunde sich ablehnend zu »Menschliches-Allzumenschliches« verhielten. Außer Burckhardt, der es wiederholt »das souveräne Buch« genannt hat, haben nur Dr. Rée und Peter Gast es voll gewürdigt. Rohde und manche andere erfreuten sich an Einzelheiten, aber die Zahl durchaus mißverstehender Briefe war groß.
Trotzdem Nietzsches Gesundheitszustand sich fortgesetzt verschlimmerte, nahm er doch im Winter 1877 seine Kollegien in Basel wieder auf und mutete sich damit mehr zu, als seine körperliche Widerstandskraft zu ertragen vermochte. Nach Ostern 1879 verschlimmerte sich sein Befinden so sehr, daß seine Schwester durch Overbeck nach Basel gerufen wurde. Er legte nunmehr seine Professur endgültig nieder und begab sich zunächst nach Bremgarten bei Bern und dann nach St. Moritz im Engadin. Er hatte, von Todesahnungen erfüllt, in Briefen Abschied von seinen Freunden genommen. Bald aber konnte er schreiben: »Das Engadin hat mich dem Leben wiedergegeben.«
Nietzsche hat »Menschliches-Allzumenschliches«, das über seine weiteren Lebenswege entschied, nicht umsonst »ein Buch für freie Geister« genannt. Er hatte sich mit ihm unabhängig gemacht von aller unkritischen Verehrung und sich zum freien Geiste durchgerungen. Wie ein Auftakt zu der nun erkannten Aufgabe klingen seine Worte: »Ich will den Menschen die Ruhe wiedergeben, ohne welche keine Kultur werden und bestehen kann. Ebenso die Schlichtheit. Ruhe, Einfachheit und Größe!«
Der Skeptiker
Gebildete widersprechen anderen.
Weise widersprechen sich.
Oskar Wilde.
Wer vor zwanzig oder dreißig Jahren oder noch früher zu Nietzsche kam, war gegenüber dem heutigen Leser in wesentlichen Punkten im Vorteil. Vorausgesetzt daß er an der Kulturbewegung seiner Zeit ernsten Anteil nahm. Wie war es doch? Man besinne sich. Sahen wir nicht in Schopenhauer und Wagner Genien, die unserer Sehnsucht nach Kunst und Kultur ein Ziel wiesen? So war es. Und Nietzsche, während seiner ersten Schaffensperiode, war ihr berufener Fürsprecher. Und dann, als Wagner und Schopenhauer uns in Sinn und Blut übergegangen waren, als wir ihre Macht im Guten und Schlimmen an uns erfuhren, als wir vom Pessimismus Schopenhauers uns bedrückt fühlten, als wir in der Übermacht Wagners eine Gefahr witterten für die selbstherrliche Entwicklung der apollinischen Künste, als wir das Bedürfnis fühlten gegen den uns erschlaffenden Quietismus des Einen, gegen die berauschende Nervenwirkung des Anderen ein Gegengewicht zu finden: da war es wiederum Nietzsche, der uns zum Befreier aus einem unkritischen Enthusiasmus wurde. Auch wir bedurften, gleich ihm, einer Überwindung. Und so erlebten wir Nietzsche mit der Seele. Dort, wo der heutige Leser nur Bestätigungen findet oder mit dem Philosophen auch in sich etwas zu überwinden glaubt, dessen ausschließende Heftigkeit für ihn gar nicht besteht.
Das war das eine. Eine freudige Bundesgenossenschaft! Aber noch einen anderen Vorteil hatten wir voraus. Gefühle und radikale Gedanken, die heute jedem ernsten Menschen schon irgendwie vertraut sind, waren uns damals durchaus neu und fremdartig. So ergab sich eine leidenschaftliche innere Abwehr. Ganz im Sinne jeder typischen Sehnsucht nach Empfängnis. Wir verlangten unbewußt von Nietzsche überzeugt zu werden, aber wir hatten ebenso unbewußt das Bedürfnis, ihm Widerstand zu leisten. Der Empfangende – das ist das Geheimnis aller Liebe – will nicht wehrlos Fremdes in sich aufnehmen, sondern er will besiegt und erobert werden. So etwa standen wir zu dem Immoralismus Nietzsches. Indem wir uns zur Wehr setzten, fanden wir erst den bewußten Weg zu unseren Gründen, aber auch, so wenig wir dessen Wort haben wollten, zur Sehnsucht nach ihrer Überwindung. So wurde uns Nietzsche wahrhaft zum Erlebnis und Ereignis.
Dem heutigen Leser ist, wie gesagt, diese Erfahrung erschwert. Gerade weil ihm Nietzsche bereits aus der Ferne vertrauter ist. Und doch muß auch er, um nicht durch temperamentlose, rein historische Bewertung der fruchtbaren Empfänglichkeit verlustig zu gehen, einen ähnlichen Weg einschlagen. Er muß sich seiner Einzelheit gemäß ihm widersetzen; dann erst, im Unterliegen wird seine Sehnsucht nach einer neuen Lehre wahrhaft befriedigt. Der Biograph kann dem Leser diesen Widerstand, den dessen eigene Natur zu leisten hat, nicht abnehmen, sondern nur den kritischen Willen zeitweilig wachrufen. So etwa will Nietzsche gelesen sein. Er hat es selbst oft in Worten und ohne Worte ausgesprochen. Denn vieles wird erst wahr, wenn man dem Lehrenden widerspricht, also durch ergänzende Gegenüberstellung die Relativität der Wahrheit aufdeckt.
Die »Morgenröte«, jenes Werk, in dem sich unser Philosoph vorherrschend skeptisch verhält, also sehr oft von letzten Entscheidungen absieht, bietet zu solchen Betrachtungen besonderen Anlaß. Zum Beispiel: Nietzsche polemisiert gegen den Ausspruch »Vertraue deinem Gefühle!« Gefühle sind nichts Letztes, Ursprüngliches, sondern hinter den Gefühlen stehen Urteile und Wertschätzungen, welche in der Form von Gefühlen (Neigungen, Abneigungen) uns vererbt sind. Die Inspiration, die aus dem Gefühle stammt, ist das Enkelkind eines Urteils. Seinem Gefühle vertrauen, sagt Nietzsche, das heißt also seinen Vorfahren mehr gehorchen als den Göttern, die in uns sind: unserer Vernunft und unserer Erfahrung. Ganz recht. Aber sind in uns wirklich nur ererbte Gefühle wirksam? Ist das Gefühl nicht zugleich die Reaktion des Bewußtseins auf Vorstellungen, die unsere Vernunft und unsere Erfahrungen uns übermitteln? Bedeutet die Inspiration des Gefühls nicht die Sprache dessen, was wir hiervon uns einverleibten und was sich nun instinktiv geltend macht? Nietzsche wollte gewiß nicht sagen: folge nur deinem Intellekt. Also gilt es seinen Ausspruch kritisch zu lesen. Dann stellt er uns die Frage: Was wirkt in deinem Gefühl nur atavistisch nach, was steht davon mit deiner Vernunft und Erfahrung in Einklang? Er warnt uns also vor falsch angewandter Pietät, nicht aber vor dem instinktiven Gefühl an sich.
Freunde, die Nietzsches neue Anschauungen nicht teilten und ihm doch wohl wollten, haben es sich leicht gemacht – ach man macht es sich immer leicht! – indem sie die neuen Gedanken als Produkte seiner Erkrankung hinstellten. Diese hat in der Tat auf seine Philosophie bestimmend eingewirkt. Aber anders als man noch immer vermeint. Sein schweres Leiden hat ihn zu keinerlei krankhaften Phantasien über das Leben verführt, sondern es erwies sich in entgegengesetztem Sinne als fruchtbringend. Wohl barg es die Gefahr einer Verdüsterung der Lebenswertung, aber dieser Gefahr begegnete Nietzsche mit bewunderungswürdigem Heroismus. Er versuchte zunächst mit einer »entsetzlichen Kälte« als Skeptiker hinaus auf die Dinge zu schauen. Alle jene kleinen lügnerischen Zaubereien, in denen sie für gewöhnlich schwimmen, sie verschwanden für ihn. Auch er selbst lag vor sich da ohne Flaum und Farbe. Er erhob sich über sein individuelles Leben und Leiden, um das Leben gegen die Tyrannei des Schmerzes zu verteidigen. Es war ein wahrer Krampf des Stolzes, in einem solch verzweifelten Kampf zu stehen. Dieser Zustand bedurfte einer Gegenwirkung, und Nietzsche fand sie in dem Verlangen eigener Entfremdung und Entpersönlichung, wie sie sich dem Psychologen in der nüchternen Erforschung und Erkenntnis darbietet, um wahnlos auf alle Gründe und schwindelfrei auf alle Grundlosigkeit hinabzusehen. Aus dem Erlebnis des eigenen Leids erstand ihm das typische Bild einer Menschheit, die tiefer als am Leide selbst an dessen Begründungen und Ausdeutungen leidet. Der Anblick körperlicher Martern läßt uns vor Empörung aufschreien. Aber wo bleibt diese Einfühlung gegenüber den Seelenmartern, die das uns beherrschende Christentum bereitet durch seine Lehre von Sünde und Verdammnis? »Ja, welche entsetzliche Stätte hat das Christentum schon dadurch aus der Erde zu machen gewußt, daß es überall das Kruzifix aufrichtete und dergestalt die Erde als den Ort bezeichnete, wo der Gerechte zu Tode gemartert wird.«
Wie hat man es verstanden, dem Gewissen aus den geschlechtlichen Erregungen Martern zu bereiten. »Ist es nicht schrecklich, notwendige und regelmäßige Empfindungen zu einer Quelle des inneren Elends zu machen?« Liegt nicht, heißt er uns fragen, eine Kehrseite des christlichen Mitleidens in der tiefen Beargwöhnung aller Freuden der Nächsten? Aller gerechten Beurteilung durch Erkenntnis unserer Konstitution wurde entgegengearbeitet aus religiösem und moralischem Fanatismus.
Nietzsche hat, wie sich von selbst versteht und wie er für kurzsichtige Menschen trotzdem hervorhebt, nicht geleugnet, daß viele Handlungen, welche unsittlich heißen, zu vermeiden, viele, welche sittlich genannt werden, zu fördern sind, aber – das eine wie das andere aus anderen Gründen als bisher. »Wir haben umzulernen – um endlich, vielleicht sehr spät, noch mehr zu erreichen: umzufühlen.« Vor allem müssen wir einsehen, daß das Mitleiden, mag es hie und da auch ein Leiden wirklich vermindern, doch, wo es als Schwäche auftritt, wie jedes Sichverlieren an einen Affekt, nur schädigend wirkt. Wer sich alles Elend, dessen er in seiner Umgebung habhaft werden kann, immer vor die Seele stellt, wird unvermeidlich krank und melancholisch. Vor allem, wer als Arzt in irgend einem Sinne der Menschheit dienen will, darf ihm nicht unterliegen. Denn wenn wir uns durch den Jammer und das Leiden der anderen Sterblichen verdüstern lassen, dann können wir ihnen weder hilfreich noch erquicklich sein. Das Wesen des wahrhaft Moralischen liegt somit nicht darin, nur die nächsten und unmittelbarsten Folgen unserer Handlungen ins Auge zusammenzufassen, sondern entferntere Zwecke unter Umständen auch durch das Leid des anderen zu fördern. Schon wenn wir das allgemeine Gefühl der menschlichen Macht stärken, so erreichen wir damit eine positive Vermehrung des Glücks. Fort also mit der Überschätzung altruistischer Handlungen, geben wir den Menschen den Mut wieder zu den als egoistisch verschrienen Handlungen. Wir nehmen damit dem Bilde des Lebens seinen bösen Anschein! »Dies ist ein sehr hohes Ereignis! Wenn der Mensch sich nicht für böse hält, hört er auf, es zu sein!«
Hinter dem Lob der gemeinnützigen unpersönlichen Handlungen steht die Furcht vor allem Individuellen. Auch unser übertriebenes Lob der Arbeitsamkeit stammt aus dieser unterbewußten Furcht. Arbeite, arbeite, dann hast du keine Zeit zu dem so gefährlichen Nachdenken, Sorgen, Lieben und Hassen! Moral will den Einzelnen ungefährlich machen. Ehemals forderte sie von ihm, alle Zweifel niederzuhalten und die Wege seiner Regierung gutzuheißen, heute die seiner Partei. Was dabei verdrängt wird, ist stets das: Wolle dich selbst! Nietzsche dagegen fordert: »So wenig als möglich Staat!« Daß wir doch endlich mit dieser Forderung Ernst machten! Aber wir haben für die ehemalige deutsche Bildung – man denke an Goethe – heute politischen und nationalen Wahnsinn eingetauscht. Durch den sozialen Staat wird das Übel nur vermehrt. »Pfui! einen Preis zu haben, für den man nicht mehr Person bleibt, sondern Schraube wird!«
Wir täuschen nicht nur uns selbst, wenn wir unsere egoistischen Triebe fälschlich als altruistisch auslegen, sondern in der moralischen Verzärtelung liegt auch eine große Gefahr für unser Wohlbefinden. »Es gibt zart moralische Naturen, die bei jedem Erfolge Beschämung und bei jedem Mißerfolge Gewissensbisse haben.« Findest du den Mut, deine eigenen Zweifel über die Herkunft nicht nur deiner Abneigungen, sondern auch deiner Zuneigungen ernstlich zu prüfen und deinen Zweifeln standzuhalten, so wirkst du kräftigend der Verzärtelung deines Gewissens entgegen. Einsamkeit ist zuweilen nötig, um Zeit zur Selbstbesinnung zu gewinnen. Der Geist muß sich beflügeln. Nur dann kommen wir, wo es not tut, von uns selbst los und erlangen das reine, reinmachende Auge, das frei in mildem Widerspruch auf das eigene Temperament hinabblickt. Dann wird uns die Fähigkeit, mit uns selbst zu experimentieren. Aber wir dürfen uns nicht zu pathetisch nehmen; das Gegenteil ist guter Ton bei allen höheren Menschen. Wer das große dritte Auge hat, mit dem er als Zuschauer durch die zwei andern in die Welt schaut, gewinnt damit auch dann noch ein Pförtchen zur Freude, wenn die eigenen Leidenschaften über ihn herfallen. Nur unter solchen, die nicht nach Expansion lüstern sind, begegnen wir dem Stillen, Sichselbstgenügenden innerhalb einer allgemeinen Verknechtung. Nietzsche singt der Erkenntnis ein hohes Lied. Mag die Wirklichkeit häßlich sein, die Erkenntnis auch der häßlichsten Wirklichkeit ist schön. Das Glück der Erkennenden mehrt die Schönheit der Welt.
– Die »Morgenröte« ist in fünf Bücher eingeteilt. Ihr symbolischer Titel läßt sich auch auf das Werk selbst anwenden. Im ersten Teil findet sich noch viel schattenhafte Dämmerung, silhouettenhafte Umrisse, zuweilen verschwommen ungewiß; dann aber gewinnen die erschauten Gedanken schärfere Konturen und plastische Formen. Die Skepsis herrscht auch in der Ausdrucksweise vor. Vieles hat nur Geltung als Fiktion, anderes nur als Mittel, um Perspektiven zu erschließen. Schon steigen am Horizont neue Gedanken auf, die für zeitliche Betrachtung noch in der Ferne liegen. Vor allem der »Wille zur Macht«, dessen Bedeutung für die späteren Erkenntniswege sich wiederholt ankündigt. Der Schlußteil des Buches endlich – er wurde erst nachträglich beigefügt – ist voll mildem Farbenglanz. Er gleicht dem freundlichen, sonnig beglückenden Morgen eines Genesenden in seliger Einsamkeit.
Kant sagt einmal: »Der Skeptizismus ist ein Ruheplatz für die menschliche Vernunft, da sie sich über ihre dogmatische Wanderung besinnen und den Entwurf der Gegend machen kann, wo sie sich befindet, um ihren Weg fernerhin mit mehrerer Sicherheit wählen zu können.« Er fügt hinzu: »aber nicht ein Wohnplatz zum beständigen Aufenthalt«. So empfand ihn auch Nietzsche. Die Skepsis bedeutet für ihn die peinliche Inquisition gegen unsere Triebe und deren Lügnerei, sowie gegen den Intellekt als Werkzeug der Triebe und wird von ihm als die Nachgeburt des Stolzes bezeichnet. Er läßt die Skepsis nur für den Beschaulichen gelten. Wer handeln will, muß die Tür zum Zweifel schließen. Nietzsche aber will auf unseren Willen wirken, also handeln. Bedeutsam für seine persönliche Stellung zum Skeptizismus ist ein kleiner Dialog: »Du hast eben aufgehört, Skeptiker zu sein! Denn du verneinst! – Und damit habe ich wieder Jasagen gelernt.«
Wie sein Idealismus durch die positivistische Betrachtung nur eine kritische Ergänzung erfuhr, so auch seine Weltbejahung durch den Skeptizismus.
Il piccolo Santo
Gedenke nicht Heiligkeit zu setzen auf ein Tun, Heiligkeit soll man setzen auf ein Sein; denn nicht die Werke heiligen uns, sondern wir wollen die Werke heiligen.
Meister Eckardt.
Aus der Zeit der »Morgenröte« sind uns wertvolle Ausführungen Nietzsches über den Sozialismus erhalten. Man hat sie unter dem Titel: »Blicke in die Gegenwart und Zukunft der Völker« aus dem Nachlaß veröffentlicht.
Ehe wir nun diese Gedanken Nietzsches über den Sozialismus betrachten, wollen wir prüfen, wie sich die Verfechter sozialistischer Tendenzen ihrerseits zu Nietzsche stellten. Als die Kunde seiner Philosophie in weitere Kreise drang, da bemerkte man vor allem seinen radikalen Widerspruch gegen die zeitlich bestehenden Verhältnisse. Wer immer gegen diese opponierte, für den lag es nahe, in ihm einen Gesinnungsgenossen zu vermuten. Von dieser Versuchung blieb auch die Sozialdemokratie nicht frei. Man las Kalthoffs »Zarathustra-Predigten«, veranstaltete in freireligiösen Arbeitervereinigungen regelmäßige sonntägliche »Zarathustra-Andachten« und fand bei dem »Antichristen« Religiosität und Ewigkeitsliebe als Ersatz für die konfessionellen Religionen (»in jeder Religion ist der religiöse Mensch eine Ausnahme«), bei dem »Immoralisten« ethische Ziele und Wertungen als Gegensatz zur bestehenden Moral, bei dem »Individualisten« revolutionäre Ablehnung der herrschenden Gesellschaft.
Aber seine aristokratischen Rangwertungen, voran seine Unterscheidung von Herren- und Herdenmoral, seine Warnung vor dem Mitleiden, seine gänzlich mißverstandene Betonung des »Willens zur Macht«, rief gar bald einen Umschlag der anfänglichen Einschätzung hervor. Und damit auch ein Nachlassen des kaum erwachten Interesses.
Immerhin wurde auch fernerhin Nietzsche in Arbeiterkreisen mehr gelesen, als man bei der mangelnden Vorbildung zunächst vermutete. Gelegentlich einer Massenuntersuchung über die sozialpsychologische Seite des modernen Großbetriebs durch Adolf Levenstein, die ungefähr zwölf Jahre nach Nietzsches Tode stattfand, ergab sich, daß 37 Metallarbeiter, 16 Textilarbeiter, 2 Bergleute und 54 Arbeiter anderer Berufe sich mit Nietzsches »Zarathustra« beschäftigt hatten, was zum Briefwechsel mit diesen und zur Veröffentlichung einer Anzahl Antworten führte. Man begrüßte, daß er bestrebt sei, Kraftpersönlichkeiten Platz zu schaffen, nannte aber seine Ranglehre eine Verachtung alles »Tiefenlebens«, vermeinte etwas zu sagen mit der Behauptung, eine Menschen-Erneuerung könne nur fruchtbar sein, wenn sie zugleich eine Menschheits-Erneuerung sei, ein Edelmensch müsse in der »wirtschaftlichen« Kraft seines Volkes wurzeln; nur mit der Erfüllung des Sozialismus breche daher der Morgen des Nietzsche-Menschen an.
Ganz vereinzelt nur erkannte man auch im sozialistischen Lager, Nietzsche tue wohl daran, gegen »den Unsinn der Gleichmacherei« ins Feld zu ziehen, weil doch kein Mensch im Ernste an die Gleichheit glaube, tröstete sich aber damit: indem der Sozialismus Bildungs- und Entwicklungsfähigkeiten für viele schaffe, setze er die Ungleichheit der körperlichen und geistigen Veranlagung wieder in ihr ursprüngliches Recht ein, während für Nietzsche die Menschen doch »nur Ziffern« seien. So kam man zum Schluß: eine Vereinigung von Marx und Nietzsche bedeute das wahre Heil.
Von anderen allerdings wurde das Bekanntwerden mit Nietzsches Werken als ein persönliches Erlebnis geschildert. Zuweilen mit schlichtem Mutterwitz und einmal – bei einem Schlosser und früheren Hausierer – mit entschiedener dichterischer Begabung und intuitiver Anschauung. Er fragt: »Blüht eine Blume so schön und strahlend, ein Bild der Gesundheit, blüht sie etwa aus Tugend?« und folgert aus der unausgesprochenen Antwort: auch der Mensch, wenn es ihn dränge, sich zu erneuern wie der stets abfließende Bach, um klar zu sein, um Neues hervorsprudeln zu können, handle nicht aus Tugend, sondern dies alles sei: »lediglich Drang nach Leben, nach Blühen, nach Früchte tragen, weil wir von Natur dazu geschaffen sind«.
Ein Spinner freilich verdankt Nietzsche nur »einige angenehme Stunden«, etwas besonderes habe er ihm damit nicht gegeben; die Herde könne wohl ohne den Übermenschen, dieser aber nicht ohne die Herde existieren. Ein Färber dagegen schätzt vor allem die goldenen Worte über die Bedingungen einer guten Ehe, und einem Taglöhner ist Nietzsche zum Wendepunkt seines Lebens und seiner geistigen Entwicklung geworden. Er erkannte als Kernpunkt seiner Philosophie die Aufpeitschung des Willens bis zum äußersten, zur Selbstüberwindung, zur Selbsterziehung im Dienste einer Idee, zur Hingabe an ein Werk. »Nicht woher ihr kommt, mache fürderhin euere Ehre, sondern wohin ihr geht!« Unsympathisch ist ihm jedoch »der brutale Herrenmensch«.
Gegen den Vorwurf, daß er das Recht des Stärkeren gegen den Schwächeren predige, verteidigt ein Metallarbeiter Nietzsche; denn sein Kampf richte sich viel mehr gegen den modernen Staat, der den Menschen in ein vorgeschriebenes Schema rubriziere. Dagegen erklärt ein Berliner Dreher: »Wohl empfinden wir Menschen alle subjektiv, aber es wäre verkehrt, vom Durchschnittsarbeiter zu verlangen, er solle in Nietzsche nicht den Herrenmenschen, sondern den Idealisten erblicken.« Ein einziger endlich wendet sich vom Sozialismus ab, vor allem von dessen Theoretikern, die alles auf eine politische Karte setzen; denn Nietzsche hat ihn gelehrt: »Das Leben erhöhen und vermehren wir durch Verinnerlichung und Vergeistigung.«
So vielfältig auch die Meinungen sind, die sich auf die Frage »Was gab dir Nietzsche?« in diesen Antworten der isoliert Emporstrebenden aus der Arbeiterklasse spiegeln, so findet sich doch – wie sollte es auch anders sein – keine darunter, die sachlich Nietzsches Stellung zum Sozialismus aufdeckt. Jeder geht nur von der Frage aus, wie sich Nietzsche zum Wohlergehen der Masse gestellt habe, ohne zu erkennen, daß er den Sozialismus einzig im Hinblick auf die Ziele der Menschheit beurteilte.
Mit wohlbegründetem Zweifel fragte Nietzsche, ob sich in sozialistisch geordneten Zuständen ähnliche große Resultate der Menschheit ergeben können, wie in der Freiheit und Wildnis vergangener Zeiten. Die unvermeidliche Verneinung dieser Frage entschied bereits seine Stellung zur Sozialdemokratie, denn große Menschen und große Werke zu erzeugen, galt ihm alle Zeit als das höchste Ziel.
Was die Leiden der niederen Schichten betrifft, so ist es nach seiner Überzeugung ein Fehler, mit den Maßen der eigenen Empfindung des Höheren zu messen, wie als ob man selber mit seinem höchst reizbaren und leidensfähigsten Gehirn in die Lage jener versetzt werde. Die Leiden und Entbehrungen nehmen mit dem Wachstum der Kultur des Individuums zu. Die niedersten Schichten sind die stumpfesten; ihre Lage verbessern heißt also zugleich, sie leidensfähiger zu machen. Deshalb bleibt sein Haupteinwand gegen den Sozialismus bestehen, daß er den gemeinen Naturen im Übermaß den Müßiggang schaffen will. Das kann sich nur als verhängnisvoll erweisen, denn: »Der mäßige Gemeine fällt sich und der Welt zur Last«.
Wiederum tritt die Forderung auf: »So wenig als möglich Staat!« Ohne den herkömmlichen staatlichen Zwang würde der Einzelne viel Kraft sparen, die durch das Losringen vergeudet wird. Wer individuell veranlagt ist, erfährt es immer wieder an sich, wie dieser staatliche Zwang durch unzählbare wesenlose Dinge auf seine Persönlichkeit drückt. Doch liegt die Ursache der staatlichen Bevormundung nach Nietzsches Überzeugung nicht bei den Sozialisten allein; denn vor allem sind es die Kaufleute, die diesen »Ofensorgenstuhl Staat« so einladend wie möglich machen möchten. Nietzsche opponiert daher gleichzeitig gegen alle politischen Parvenus, als ob er die Gefahren vorausgesehen hätte, denen wir nach dem Weltkrieg anheimfallen sollten. Nur wo sich von Geschlecht zu Geschlecht eine vornehme Gesinnung vererbt, Güte und Größe gewirkt hat, finden wir die Voraussetzungen für jenen höchsten Stolz, der sich väterlich und gütig zu den andern beugt. Aber Nietzsche denkt dabei nicht an Reaktion, im Gegenteil er versichert: »Wir wollen Todfeinde derer von den unseren sein, welche zur Verlogenheit Zuflucht nehmen und Reaktion wollen! … Was gehen uns die Fürsten und Priester der Gegenwart an, welche durch den Selbstbetrug leben müssen und wollen!«
Fast trifft er doch noch einmal auch im Positiven mit Stirner zusammen, wenn er von einer Gemeinschaft freier Einzelner spricht und sie erklären läßt: 1. Es gibt keinen Gott. 2. Keinen Lohn und Strafe für Gutes und Böses (sittliche Weltordnung). 3. Gut und Böse gilt je nach dem Ideal und der Richtung, in der wir leben. Auch Nietzsche denkt bei dem Worte Ideal, so wenig wie Stirner, an einen geheiligten Begriff, sondern Ideal bedeutet ihm die Vorwegnahme der Hoffnungen unserer herrschenden Triebe. Eine solche Gesinnung – machen wir es uns mit vollem Ernste klar – bedeutet einen Vorschritt weit über allen »Fortschritt« hinaus.
Bei den Sozialisten anerkennt Nietzsche: hier sind ebenfalls wirkliche Triebe und Willenskraft vorhanden. Assoziation und unerhörter Einfluß Einzelner. Es kommt durch sie eine Zeit der Wildheit wieder, aber auch der Kraftverjüngung.
Nietzsches Hoffnung auf eine Gemeinschaft freier Einzelner an Stelle des unfreien Staatsbegriffes steht dem industriellen Staat ebenso ferne wie dem sozialistischen. Er ist der Frage nach der praktischen Ermöglichung dieser Gemeinschaft selten nachgegangen; auch hierin galt es für ihn, nur die grundlegenden Ideen zu erkennen. Von einer Verachtung der niederen Schichten, wie sie sozialistische Fanatiker ihm vorwarfen, kann nicht die Rede sein. Er dachte vielmehr sehr ernst an deren Wohl und war der Überzeugung, daß eine einsichtige Fürsorge ihnen bei bescheidenen Anforderungen ein Leben in Zufriedenheit ermöglichen könnte. Er will, daß sie es leicht haben, indem man ihnen nicht Unmögliches vorspiegelt. Schwer solle es nur der haben, um seiner selbst und der Menschheit willen, der berufen ist, neue Wege zu erschließen; denn nur aus seiner tiefsten Unzufriedenheit mit den Zeitverhältnissen erwachsen seine höchsten Ziele.
Nietzsche hatte selten Gelegenheit, mit dem Volke zu verkehren. Wo sie sich aber fand, da offenbarte sich sofort seine vornehme Art. So erzählte seine Genueser Wirtin aus der Zeit, da er dort an der »Morgenröte« arbeitete, wie freundlich er mit allen Hausgenossen verkehrte und wie gütig er an allen ihren kleinen Leiden und Freuden teilnahm. Sie nannten ihn »il santo« oder auch »il piccolo santo«. Ein Wort, das sein wahres Wesen im Verhältnisse zum Volke weit treffender kennzeichnet als die Auslegungen seiner Gedanken durch Parteipolitiker. Wo seine Persönlichkeit sich unmittelbar äußern konnte, da wurde die Fülle ihrer inneren Güte warm empfunden. Man bewunderte seine rührende Standhaftigkeit im Ertragen seiner Leiden, erzählte die Antwort, »sono contento«, die er mit Vorliebe auf die Frage nach seinem Befinden gab, und schätzte ihn ein als eine Verkörperung jener Gesinnung, die er damals in den Worten zum Ausdruck brachte: »Eine nicht das Auge beleidigende Unabhängigkeit, ein gemildeter und verkleideter Stolz, ein Stolz, welcher sich abzahlt an die anderen, dadurch daß er nicht um ihre Ehren und Vergnügungen konkurriert und den Spott aushält. Dies soll meine Gewohnheiten veredeln: nie gemein und stets leutselig, nicht begehrlich, aber stets ruhig strebend und aufwärts fliegend; einfach, ja karg gegen mich, aber milde gegen andere.«
Wohl war diese Zeit in seinem Leben, die so ganz und gar von dem tiefen Dankgefühl eines Genesenden beherrscht wurde, am meisten geeignet, die persönliche Milde Nietzsches zum Ausdruck kommen zu lassen, die sich durchaus mit der Strenge seiner Ideale vertrug. »Dies ist die rechte idealische Selbstsucht: immer zu sorgen und zu wachen und die Seele still zu halten, daß unsere Fruchtbarkeit schön zu Ende gehe! So, in dieser mittelbaren Art, sorgen und wachen wir für den Nutzen aller; und die Stimmung, in der wir leben, diese stolze und milde Stimmung, ist ein Öl, welches sich weit um uns her auch auf die unruhigen Seelen ausbreitet.«
Aus einem seiner Notizbücher aus jener Zeit ergibt sich, daß er sich des Wortes »il santo« aus dem Munde jener einfachen Leute herzlich freute und es dankbar hinnahm, wenn sie ihm Kerzen für seine einsamen Abendstunden spendeten. Er schrieb: »Ich glaube, daß viele von uns, wenn sie mit ihren enthaltsamen, mäßigen Sitten, ihrer Sanftmut, ihrem Sinn fürs Rechte in die Halbbarbarei des 6. bis 10. Jahrhunderts versetzt würden, als Heilige verehrt werden würden.«
Ich hoffe nicht mißverstanden zu werden, wenn ich in dieser Weise Nietzsche mit einem Heiligen vergleiche. Wohl hat er den Ursprung dieses »seltenen Stück Menschentums« auf jene unheilbaren Selbstverächter zurückgeführt, die aus unterbewußten Rachegefühlen zu großen Moralworten griffen und sich als geborene Feinde des Geistes erwiesen; aber daß er mit dem Worte auch andere Male die Vorstellung milder Güte verband, beweist uns sein Spruch, den Erwin Rohde einmal anführte, als es galt, das edle Wesen Nietzsches durch wenige Worte zu kennzeichnen. Er lautet:
Daß sein Glück uns nicht bedrücke,
Legt er um sich Teufelstücke,
Teufelswitz und Teufelskleid,
Doch umsonst! Aus seinem Blicke
Blickt hervor die Heiligkeit!
Der Anti-Metaphysiker
Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von Wert, denn er ist ein Repräsentant der Ewigkeit.
Goethe.
Befragen wir die Briefe Nietzsches aus der Zeit nach der Loslösung vom Lehramte in Basel über den äußeren Verlauf seines Lebens, so erfahren wir, daß er den Winter 1879 auf 1880 in Naumburg bei sehr schlechter Gesundheit verbrachte, aber trotzdem an Malwida von Meysenbug schrieb: »Kein Schmerz vermochte und soll vermögen, mich zu einem falschen Zeugnis über das Leben, wie ich es erkenne, zu verführen.« Immer lebhafter erwachte in ihm die Sehnsucht nach Süden und Sonne. Sie führte ihn von Naumburg nach Riva und dann nach Venedig. Venedigs wunderbarer Zauber gab ihm neue Schaffensfreude. »Hundert tiefe Einsamkeiten bilden zusammen die Stadt Venedig – dies ihr Zauber.« Als ihn die Sommerhitze und die Mosquitos aus der Lagunenstadt vertrieben, entschied er sich für eine leider erfolglose Kur in Marienbad.
Wer Nietzsches Briefe liest, erlebt mit ihm Kämpfe, die Herz und Hirn unter schweren körperlichen und seelischen Leiden miteinander ausfechten, ehe der Geist seine Siege und Überwindungen erzielt. Besonders in Marienbad bedrückte es ihn schwer, daß er durch die Neuheit seiner Gedanken und ihre radikale Fassung die Sympathie so mancher ehemals vertrauter Menschen verlor, an deren Liebe ihm doch so viel gelegen war. Manchmal nach sympathischen Unterhaltungen, auch mit wildfremden Menschen, übermannte ihn das Gefühl, daß es wohl töricht sei, Recht haben zu wollen um den Preis von Liebe. Dann drängte es auch ihn, der so tapfer jedes Seelenleid in sich verschloß, zur Klage, daß er den wenigen Menschen seines persönlichen Umgangs sein Wertvollstes nicht mitteilen könne, um nicht die Sympathie aufzuheben.
Von Marienbad begab er sich im Frühherbst wiederum zu Mutter und Schwester nach Naumburg und dann nach Stresa am Lago Maggiore, um endlich in Genua die »Morgenröte« zu vollenden. Das gewitterreiche Frühjahr 1881 verbrachte er in Ricoaro bei Vicensa. Es erwies sich für sein Befinden höchst ungünstig. Um so beglückender gestaltete sich sein Sommeraufenthalt im Engadin. Entdeckte er doch nunmehr »den lieblichsten Winkel der Erde«, das »heroische Idyll« Sils-Maria.
Wie man Segantinis Landschaften am besten versteht, wenn man das Engadin und seine Eigenartigkeit der optischen Wirkung kennt, welche in der klaren sonnigen Höhenluft uns das Fernste nahe bringt, so kann man aus der Atmosphäre Sils-Marias, »wo Italien und Finnland zum Bunde zusammengekommen sind und die Heimat aller silbernen Farbentöne der Natur zu sein scheint«, das unvergleichliche Nahgefühl des Glückes bei Nietzsche verstehen, das als Lebensfreude aus schöpferischer Erkenntnis aufjauchzt, als Lichtfreude der unerschrockensten Redlichkeit emporleuchtet, als Höhenfreude frei von allem Nebel überlieferter Illusionen aufatmet und als Ewigkeitsfreude sich offenbart.
In Sils-Maria erlebte jener Gedanke seine Geburt, der Nietzsche so ungeheuer erschütterte, ihn so unsagbar überglücklich machte, daß er in Verzückung Tränen des Jauchzens weinte und unter die erste Niederschrift die Worte setzte: »Anfang August 1881 in Sils-Maria, 6000 Fuß über dem Meere und viel höher über allen menschlichen Dingen.« Es war der Gedanke der Ewigen Wiederkunft des Gleichen.
Wie kam es, daß ihn gerade dieser Gedanke gleich einer Offenbarung so beglücken konnte? Wir sind wohl auf der rechten Spur, wenn wir annehmen, daß durch diesen Einfall ein unterbewußter Widerspruch gegen seine eigene Lehre eine Lösung für ihn erfuhr. Er bedeutete für seine Lehre nichts geringeres als die Möglichkeit, ohne Metaphysik bestehen zu können.
Während seiner ersten Schaffensperiode stand Nietzsche bewußt im Banne der Metaphysik Schopenhauers, während der zweiten Periode wollte er sich nur an das erfahrungsmäßig Gegebene halten. Aber dieser Verzicht seines Denkens auf alles, was wesenhaft hinter der Erscheinung liegt, konnte ihn unmöglich auf die Dauer befriedigen, noch seinem Ewigkeitsdrang genügen. Die Metaphysik erschien ihm auf ihren seitherigen Wegen als eines freien Geistes unwürdig, der Positivismus als unzulänglich für eine ernste Philosophie. Diese zwiefache Verneinung hüllte jeden Ausweg in Finsternis. Da leuchtete ihm plötzlich die Möglichkeit einer Errettung aus dieser Nacht wie ein Gestirn auf. Eine Lehre erstand vor ihm, die ohne religiösen Unsterblichkeitsglauben doch nicht von ihm verlangte, daß er sich in die Einsicht der Vergänglichkeit des Individuums finde, sondern dessen Fortdauer verkündete durch Einfügung in den Kreislauf der Ewigkeit, eine Lehre, die trotzdem von keinem Jenseits fabelte, sondern das wahre Geheimnis der Welt nicht im Unsichtbaren, sondern im Sichtbaren sah, eine Lehre, die verkündete: »Dieses Leben – dein ewiges Leben!« In diesen fünf Worten ist der entscheidende Sinn der Lehre der Ewigen Wiederkunft des Gleichen enthalten, ein Sinn, der auch dann noch bestehen bleibt, wenn uns Nietzsches theoretische Begründung nicht überzeugt.
Nietzsche hat einmal gesagt: »Je abstrakter die Wahrheit ist, die man lehren will, um so mehr muß man erst die Sinne zu ihr verführen.« Beherzigen wir diese Mahnung, um zunächst einmal die Denkbarkeit seiner Lehre vorzubereiten. Beim Schachspiel sind außerordentlich viele Kombinationen möglich; immerhin aber ist ihre Zahl begrenzt. Daraus folgt, daß bei unendlich vielen Spielen das gleiche Spiel notwendigerweise wiederkehren muß. Das gilt nicht nur vom einzelnen Spiel, sondern auch von der Reihenfolge sämtlicher möglichen Spiele, so daß wir zum Schlusse kommen, daß die gleiche Reihe, in der alle, aber auch rein alle Möglichkeiten enthalten sind, sich wiederholen und immer wieder wiederholen muß, sobald wir an eine unendlich große Zahl von Spielen denken. Es ergibt sich somit beim Schachspiel für uns die Ewige Wiederkunft des Gleichen für den ganzen Ring der Möglichkeiten. Ich glaube, diese Notwendigkeit ist unserem Denken vorstellbar. Was folgt hieraus für die Frage nach dem Weltenlauf? Wenn die Allkraft, wie Nietzsche annimmt, nichts Unendliches, sondern in ihrem Maße Bestimmtes ist, so ist auch die Zahl der Lagen, Veränderungen, Kombinationen dieser Allkraft zwar ungeheuer groß und praktisch unermeßlich, aber eben doch der Zahl nach bestimmt, wie die Zahl der Möglichkeiten beim Schachspiel bestimmt ist.
Gelingt es unserer Phantasie, eine unendliche Zeit uns vorzustellen, so können wir mit Nietzsche folgern: also müssen alle möglichen Kombinationen schon einmal dagewesen sein. Daraus folgt dann, daß auch die augenblickliche Entwicklung eine Wiederholung ist und daß diese gleiche Wiederholung derselben Kombination auch in alle Ewigkeit stattfindet.
Dieser Beweisführung ist logisch nicht zu widersprechen, so sehr sich unsere Phantasie gegen eine solche Vorstellung auflehnt. Die Frage ist jedoch, ob Nietzsches Voraussetzung zutrifft. Ob wir ihm zugestehen, daß die Zeit zwar unendlich, die Allkraft aber endlich zu denken ist. Nur dann müssen wir mit ihm folgern: »Alles ist unzählige Male dagewesen, insofern die Gesamtlage aller Kräfte wiederkehrt.«
Die Lehre der Ewigen Wiederkunft taucht nicht etwa bei Nietzsche erstmals auf, sondern die Idee einer Wiederkehr des Gleichen ist uralt. Man begegnet ihr bei den Orphikern, bei Pythagoras, bei Heraklit, Anaximander und Empedokles; dann bei Plato und den Stoikern.
Öhler hat uns das wiederholte Auftauchen dieses Gedankens in der Antike eingehend nachgewiesen, und Lichtenberger seine Wiederkehr bei den beiden Franzosen L. A. Blanqui und Gustave Le Bon; Simmel hat Nietzsches Theorie mathematisch widerlegt, Lou Salomé auf sie als eine Umkehrung der indischen Lehre der Wiedergeburt verwiesen; »nicht Befreiung von dem Wiederkunftszwange, sondern freudige Bekehrung zu ihm«; Oskar Ewald hat ihren tiefen Zusammenhang bei Nietzsche mit der Lehre vom Übermenschen aufgedeckt und Ernst Horneffer die Schicksale der Veröffentlichung durch das Nietzsche-Archiv kundgegeben.
Für Nietzsche bedeutete die Lehre der Ewigen Wiederkehr die extremste Form des Fatalismus. Sie steht daher in innigem Zusammenhang mit der Frage der Willensfreiheit. Als tätig erlebende Menschen glauben wir an einen freien Willen, weil wir unausgesetzt das Nebeneinander verschiedener Triebe und den Sieg des einen über die anderen in unserem Bewußtsein erleben. Als positiv erkennende Menschen dagegen sind wir von der Determiniertheit alles Geschehens überzeugt, also auch davon, daß die Taten der Menschen aus ihrem Charakter und den wirkenden Motiven mit Notwendigkeit hervorgehen. So ergibt sich das Paradoxon: alles ist notwendig vorausbestimmt, aber auch das ist vorausbestimmt, daß wir als Handelnde nicht daran glauben.
Diesem Widerspruch bleibt auch Nietzsches Lehre unterworfen. Nur die Metaphysik, die uns lehrt, Freiheit ist ein negativer Begriff, sie bedeutet soviel wie Grundlosigkeit, Ursprünglichkeit, hebt den Widerspruch zwischen Notwendigkeit und Freiheit auf, indem sie besagt, die Notwendigkeit betrifft das Wirken und Tun, die Freiheit das Sein und Wesen. Sie führte notgedrungen zur Unterscheidung einer Erscheinungswelt und einer Welt als Willen. Diese Zweiheit aber leugnete Nietzsche, als er Begriffe wie unendlich und ewig auf die Welt als Erscheinung anwandte.
Auch bei rein logischer Betrachtung läßt sich in Nietzsches Theorie eine Widersinnigkeit nachweisen. Wenn ich etwas, das ich heute erlebe, schon einmal oder viele Male erlebt habe, so unterscheidet es sich schon dadurch von dem vorangegangenen Erlebnis, daß es eine soundsovielte Wiederholung ist. Da die Vergangenheit in der Gegenwart und Zukunft fortlebt, wird schon durch die Wiederholung eine Verschiedenheit gegeben. Der Begriff Ewige Wiederkunft des Gleichen erfährt somit schon in sich selbst eine Widerlegung.
Am besten jedoch widerlegen wir Nietzsches Lehre, wenn wir ihr eine andere Lösung als Ideal gegenüberstellen.
Wenn wir nicht wie die mythologische Metaphysik an eine einmalige Schöpfung glauben, dagegen aber in allem, was in uns und um uns vorgeht, eine andauernde Schöpfung sehen, dann gelangen wir auf unserem Wege zu dem gleichen Resultat, um das es Nietzsche zu tun war. Auch wir fragen nicht, indem wir uns ehrfürchtig des andauernden Werdens erfreuen, nach einer nie zu erlangenden Ursache der Ur-sache, auch wir lassen die Allkraft als gegeben gelten und definieren die Natur als »gebärende Macht«. Wenn wir dies tun:
Dann ist Vergangenheit beständig,
Das Künftige voraus lebendig,
Der Augenblick ist Ewigkeit.
Mit diesen Worten Goethes wird genau dasselbe gesagt, was Nietzsche in die fünf Worte faßte: »Dieses Leben – dein ewiges Leben«.
Die Lehre einer ewigen andauernden Schöpfung steht nicht nur in Übereinstimmung mit Meister Eckardt, Silesius, Cardanus, Helmont, Descartes und Leibniz, sondern auch unter Verzicht auf jeden mythologischen Hintergedanken mit Goethe. Er glaubte, wie unter anderem aus einem Briefe an Tauscher hervorgeht, an eine »innere fortdauernde Schöpfung«, sowie an »eine ursprüngliche gleichzeitige Verschiedenheit«. Auch Henri Bergson verkündet uns in seinem Buche »Schöpferische Entwicklung«: alles im Begriff des Schöpferischen bleibt dunkel, solange man, wie wir gewohnt sind, an Dinge denkt, die geschaffen werden, und an ein Ding, das schafft. Sehen wir dagegen ab von einem Gott als etwas Abgeschlossenem und setzen dafür eine ursprüngliche, andauernd schöpferisch aussprühende Kraft, die Vorstellung eines unaufhörlichen Lebens, das Tat und Freiheit ist, so verschwindet für uns das Wunder; dann erfahren wir die Schöpfung in uns selbst, sobald wir frei handeln.
Diese Vorstellung einer fortdauernden Schöpfung, die wir durch Goethes Aussprüche und Bergsons Lehre in Übereinstimmung mit Nietzsches Atheismus gewinnen, erfüllt in überzeugender Weise die Aufgabe, zeitliches Leben untrennbar mit dem Begriff der Ewigkeit zu verbinden. Sie ermöglicht uns, Nietzsches Lehre abzulehnen, ohne das Ergebnis zu verlieren, auf das es ihm ankam.
Die Unbeweisbarkeit seiner Theorie hat Nietzsche selbst eingesehen, nachdem er vergeblich aus Robert Mayers »Lehre von der Erhaltung der Kraft«, aus Bahnsens Schrift »Zur Philosophie der Geschichte« und anderwärts nach ausreichenden physikalischen Feststellungen für sie gesucht hatte. Doch hoffte er seine Lehre wenigstens als Hypothese retten zu können mit den Worten: »Wenn die Kreiswiederholung auch nur eine Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit ist, auch der Gedanke einer Möglichkeit kann uns erschüttern und umgestalten, nicht nur Empfindungen und bestimmte Erwartungen. Wie hat die Möglichkeit der ewigen Verdammnis gewirkt!«
Man hat Nietzsches Lehre auch als Fiktion bezeichnet. Aber auch diese Bezeichnung möchte ich zurückweisen. Unter Fiktion verstehen wir nach Vaihinger nur einen Kunstgriff des Geistes, also eine Aussage, die wir zu bestimmtem theoretischen oder praktischen Zweck machen, obwohl wir von der Unwirklichkeit oder gar Unmöglichkeit überzeugt sind. Das trifft bei Nietzsche nicht zu. Die Lehre sollte nach seiner Absicht ursprünglich als Dogma oder zum mindesten als Hypothese wirken. Zum Glück für uns versagte sie diesen Dienst. Denn nunmehr kam Nietzsche zu der Überzeugung, daß ihr Wahrheitsgehalt nur dichterisch mitzuteilen sei, wie es denn auch im »Zarathustra« geschah. Es ist ungemein vielsagend, daß sich in seinem Unterbewußtsein die Entstehung der Lehre der Ewigen Wiederkunft und die Geburt des Zarathustra vereinigten, so daß sie später in seiner Erinnerung in eins zusammenfielen. Die betreffende Stelle in »Ecce homo« lautet: »Ich erzähle nunmehr die Geschichte des Zarathustra. Die Grundkonzeption des Werkes, der Ewige-Wiederkunfts-Gedanke, diese höchste Formel der Bejahung, die überhaupt erreicht werden kann, gehört in den August des Jahres 1881: er ist auf ein Blatt hingeworfen, mit der Unterschrift: »6000 Fuß jenseits von Mensch und Zeit«.
Wir verfahren daher durchaus frei von Willkür, wenn wir letzten Endes uns nur an die symbolische Bedeutung des Gedankens halten. Der Ort, uns hierüber auszusprechen, kann nur das Kapitel sein, das dem Zarathustra gewidmet ist. An dieser Stelle aber muß es uns genügen, nochmals zu betonen, daß Nietzsches Bewußtsein darauf gerichtet war, fernab von allen unzugänglichen Regionen eine antimetaphysische Lehre zu verkünden, daß er jedoch vom Aufleuchten seiner Lehre nur deshalb so beglückt wurde, weil die praktische Bedeutung, die er ihr beilegte, ihn vom Positivismus zur Philosophie zurückführte.
»Der religiöse Glaube nimmt ab und der Mensch lernt sich als flüchtig begreifen und als unwesentlich, er wird endlich dabei schwach, er übt sich nicht so im Erstreben, Ertragen, er will den gegenwärtigen Genuß, er macht's sich leicht.« Aber, verkündete Nietzsche in der »Fröhlichen Wissenschaft«, »wenn jener Gedanke über dich Gewalt bekäme, er würde dich, wie du bist, verwandeln und vielleicht zermalmen; die Frage bei allem und jedem: ›willst du dies noch einmal und noch unzählige Male?‹ würde als das größte Schwergewicht auf deinem Handeln liegen!« So gelangt er zu der Aufforderung: »Drücken wir das Abbild der Ewigkeit auf unser Leben! Dieser Gedanke enthält mehr als alle Religionen, welche dies Leben als ein flüchtiges verachteten und nach einem unbestimmten anderen Leben hinblicken lehrten.« Der neue Glaube soll »die Religion der freiesten, heitersten und erhabensten Seelen sein – ein lieblicher Wiesengrund zwischen vergoldetem Eise und reinem Himmel«.
Es kann kein Zweifel bestehen: der Gedanke der Ewigen Wiederkunft stieg bei Nietzsche als ein plötzlicher Einfall auf. Aber damit ist nicht gesagt, daß er nicht schon lange vorher nach einem solchen Gedanken suchte. Merkwürdig, daß man diese Frage noch nicht geprüft hat. Seine Briefe ergeben keine Andeutungen. Aber wie verhält es sich mit dem letzten Aphorismus der »Morgenröte«, dem gerade als Schlußwort besondere Bedeutung zukommt? »Wir Luftschiffahrer des Geistes« ist er überschrieben. Sein Anfang fragt: Alle diese kühnen Vögel, die am weitesten hinausfliegen, irgendwo werden sie nicht mehr weiter können und sich auf einen Mast oder eine kärgliche Klippe niederhocken. Wollen sie denn über das Meer? Und sein Schluß lautet: »Wohin reißt uns dieses mächtige Gelüste, das uns mehr gilt als irgendeine Lust? Warum doch gerade in dieser Richtung, dorthin, wo bisher alle Sonnen der Menschheit untergegangen sind? Wird man uns vielleicht einstmals nachsagen, daß auch wir, nach Westen steuernd, ein Indien zu erreichen hofften, daß aber unser Los war, an der Unendlichkeit zu scheitern? Oder, meine Brüder? Oder?«
Bedeutsam ist dieser Schluß gewiß. Darauf hat Nietzsche selbst später hingewiesen mit den Worten: »Dieses Buch schließt mit einem Oder? – es ist das einzige Buch, das mit einem ›Oder‹ schließt …« Bedeutsam wofür? Ist es unser Los, an der Unendlichkeit zu scheitern? Als Nietzsche auf diese Frage mit einem »Oder« antwortete, da verriet er uns doch wohl, daß er nach einer Lehre suchte, die diese Gefahr eines Scheiterns an der Unendlichkeit aufheben solle. Ist dem so, dann verstehen wir, wie sehr ihn der Augenblick beglücken mußte, der ihm diese Lehre schenkte. Wie bedeutsam erscheinen uns dann auch die Verse, die er Lou Salomé in ein Widmungsexemplar der »Fröhlichen Wissenschaft« schrieb:
Freundin, sprach Columbus, traue
Keinem Genuesen mehr!
Immer starrt er in das Blaue,
Fernstes zieht ihn allzusehr!
Wen er liebt, den lockt er gerne
Weit hinaus in Raum und Zeit, –
Über uns glänzt Stern bei Sterne,
Um uns braust die Ewigkeit.
Der helle hehre Klang dieses Gedichtes entspricht der heiteren A-Dur-Tonart jenes Buches, in dem Nietzsche als Anti-Metaphysiker – so hat er selbst sich genannt – erstmals seine Lehre von der Ewigen Wiederkunft verkündigte und in dem er seine heroische Lebensbejahung am entschiedensten zum Ausdruck brachte. Wir dürfen daher das folgende Kapitel, das der Betrachtung der »Gaya Scienza« gewidmet ist, »Der Ja-Sager« überschreiben und ihm Verse Gottfried Kellers voranstellen, die Nietzsche selbst einmal als treffenden Ausdruck seiner Lebensbejahung wählte.
Der Ja-Sager
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Gottfried Keller.
Die Morgenröte ist ein jasagendes Buch, tief, aber hell und gütig. Dasselbe gilt noch einmal und in höchstem Grade von der gaya scienza: fast in jedem Satz derselben halten sich Tiefsinn und Mutwillen zärtlich an der Hand,« schrieb Nietzsche in »Ecce homo«. Mit dem provençalischen Begriff gaya scienza – so nannten die Troubadours ihre Kunst – wollte er an die Einheit von Sänger, Ritter und Freigeist erinnern, mit der sich jene wunderbare Frühkultur der Provençalen gegen alle zweideutigen Kulturen abhebt.
Die »Fröhliche Wissenschaft« oder »Gaya Scienza« wurde in der Fassung, welche die Urausgabe bietet, im Winter 1881 auf 1882 in Genua geschrieben. Dorthin hatte sich Nietzsche bereits im Herbst vom Engadin aus begeben. Sie war ursprünglich als Fortsetzung der »Morgenröte« gedacht, ehe sie ihren eigenen Titel erhielt. Nietzsches Produktivität setzte hellsten Himmel voraus und vollste Freudigkeit des Geistes und Leibes. Den hellsten Himmel ließ ihm Genua zuteil werden und die vollste Freudigkeit verdankte er dem bezaubernden Gefühl der Genesung, das ihm die wechselvollen Zustände seiner Gesundheit immer wieder bescherten. Während der Krankheitsanfälle enthielt er sich jeder Arbeit. »Ich traue keinem Gedanken, der bei bedrückter Seele und betrübten Eingeweiden entstanden ist, und was nun gar bei Kopfschmerzen geschrieben sein sollte, wird sicherlich vernichtet«, berichtete er einmal seiner Schwester, die sich frühzeitig als sein tapferer Kamerad entwickelte.
Bei ihrer Darstellung seines Lebens kommt man zu der Annahme, daß es sich bei ihrem Bruder ursprünglich um eine Migräne handelte, die sich nur durch geistige Überarbeitung bei sehr schonungsbedürftigen Augen, falsche Diät und unmäßige Anwendung von Medikamenten verschlimmerte. Andere vertreten die Ansicht, daß man bei Nietzsche, wenn man seine brieflichen Krankheitsberichte verfolgt, schon sehr frühzeitig den Eindruck eines tiefgründenden schweren Leidens erhält, gegen das seine kräftige Natur und vorsichtig prüfende Lebensweise mit ungeheuerer Willensstärke und großer Zweckmäßigkeit ankämpfte.
Der »Fröhlichen Wissenschaft« gehen eine Anzahl Sprüche voran, die sie unter dem Titel »Scherz, List und Rache« einleiten. Diese Bezeichnung ist dem gleichlautenden Singspiel Goethes entnommen, das Peter Gast in Musik setzte. Als charakteristisch möchte ich erwähnen, daß mehrere der kleinen Gedichte, die zweifellos in ihrer Fassung durch Goethe und Hans Sachs beeinflußt wurden, mit dem Ausruf Ja! beginnen. So auch das folgende:
Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich!
»Licht wird alles, was ich fasse!« Verwandte Gedanken kehren auch im Buche selbst wieder. In reiner Luft fühlt sich Nietzsche als Nebenbuhler des Lichtstrahls. »Der Erde Licht bringen, das Licht der Erde sein! Und dazu haben wir unsere Flügel und unsere Schnelligkeit und Strenge, um dessentwillen sind wir männlich und selbst schrecklich gleich dem Feuer.«
Auch wo er negieren muß, fügt er jetzt meist die Bejahung hinzu. So wenn er in dem Aphorismus »Gegen die Verleumder der Natur« jenen unangenehmen Menschen, bei denen jeder natürliche Hang sofort entstellt wird, die vornehmen Naturen gegenüber sieht, die sich ihren Trieben mit Anmut und Sorglosigkeit überlassen dürfen, die vor sich keine Furcht haben, jene freigeborenen Vögel, die mit ihm singen dürfen: »wohin wir auch kommen, immer wird es frei und sonnenlicht um uns sein«. Unter ihnen findet man wohl am ehesten solche Glückliche, die sich auf die Improvisation des Lebens verstehen und auch den zufälligsten Ton in das thematische Gefüge einzuordnen vermögen und dem Zufalle einen schönen Sinn und eine Seele einhauchen. Aber auch jene Stolzen, die das Mißlingen einer Absicht nicht niederdrückt, sondern die sagen dürfen: »Ich weiß mehr vom Leben, weil ich so oft daran war, es zu verlieren, und eben darum habe ich mehr vom Leben als ihr alle.« Solche Menschen weisen die negativen Tugenden von sich, jene Tugenden, deren Wesen das Verneinen und Sichversagen selber ist. Ihr Ziel bestimmt nicht nur ihr Tun, sondern auch ihr Lassen; denn indem wir tun, lassen wir auch.
Es ist bezeichnend für Nietzsches hohe Einschätzung aller natürlichen Anmut, daß er nunmehr die Epikuräer, die den eigenen Garten haben, unter den geistigen Arbeitern den Stoikern vorzieht. »Ihnen wäre es nämlich der Verlust der Verluste, die feine Reizbarkeit einzubüßen und die stoische harte Haut mit Igelstacheln dagegen geschenkt zu bekommen.«
Seine Abwendung von Angriff und Verteidigung kommt auch unmittelbar in sympatisch berührenden Worten zum Ausdruck. »Ringen wir nicht im direkten Kampfe! – und das ist auch alles Tadeln, Strafen und Bessernwollen. Sondern erheben wir uns selber um so höher! Geben wir unserem Vorbilde immer leuchtendere Farben! Verdunkeln wir den andern durch unser Licht!« Aber selbst dieser eigene Ausspruch erscheint ihm nunmehr zu tadelnd. Darum fügt er als unbedingter Jasager hinzu: »Nein! Wir wollen nicht um seinetwillen selber dunkler werden gleich allen Strafenden und Unzufriedenen! Gehen wir lieber beiseite! Sehen wir weg!«
Möge der Leser hinter solchen Worten nicht Kampfmüdigkeit vermuten. Aus ihnen spricht nur jenes Geltenlassen, dem wir auch in Goethes Heiterkeit begegnen. Denn Nietzsche war nicht vom Leben enttäuscht. »Das Leben ein Mittel der Erkenntnis – mit diesem Grundsatze im Herzen kann man nicht nur tapfer, sondern sogar fröhlich leben und fröhlich lachen! Und wer verstünde überhaupt gut zu lachen und zu leben, der sich nicht vorerst auf Krieg und Sieg gut verstände?«
Erst aus dieser tapfer heiteren Lebensbejahung heraus konnte Nietzsche auch der von ihm so oft angegriffenen Religion des Mitleidens die Mitfreude entgegenhalten. Man hat zwar mit gutem Willen und bester Gesinnung, aber doch mit Unrecht versucht, seinen scharfen Worten gegen das Mitleiden die Spitze abzubrechen, indem man gleichsam zur Entschuldigung sagte, Nietzsche sei weichherzig und allzu sensibel gewesen, er habe daher für sich selbst der Mahnung bedurft: werde hart! um nicht am Mitleiden zugrunde zu gehen; wie man überhaupt gern die Subjektivität seiner Lehre betonte, die sozusagen Lebensvorschriften umfasse zugunsten seines Wunsch-Ichs, nicht aber seinem eigentlichen Wesen entspräche. Aber solche subjektive Erklärungen sind nur soweit zulässig, als dadurch die objektive Bedeutung seiner Lehre und sein Radikalismus nicht verkleinert werden.
Wohl versagte sich Nietzsche nicht im Leben dem praktischen Mitleiden, wo er dadurch einen Schmerz mildern konnte; aber eine solche Hilfsbereitschaft steht in keiner Weise in Widerspruch mit seiner Abwehr der Gefahren des intellektuell verherrlichten Mitleids. Ist das, frug er sich, woran wir am tiefsten und persönlichsten leiden, nicht fast allen anderen unverständlich und unzugänglich, wird unser Leiden nicht immer zu flach ausgelegt? Es gehört zum Wesen der mitleidigen Affektion, daß sie das fremde Leid des eigentlich Persönlichen entkleidet. Meist liegt etwas Empörendes in der intellektuellen Leichtfertigkeit, mit der da der Mitleidige das Schicksal spielt. Er will helfen und denkt nicht daran, daß es eine persönliche Notwendigkeit des Unglücks gibt. Und nun gar das Mitleiden mit sich selbst, diese »Religion der Behaglichkeit«, die da nicht weiß, daß Glück und Unglück Zwillinge sind, die miteinander groß wachsen, oder aber wie bei den Behaglichen miteinander – klein bleiben.
Wie oft ist es leichter, dem Mitleiden nachzugeben, statt sich ihm zu verschließen, wo es gilt auf dem eigenen Wege zu beharren in gewollter Unwissenheit über das, was den Zeitmenschen als das wichtigste dünkt. Helfen? Ja! Aber dort nur, wo man auf Grund verwandter Art sich in die bestehende Not wahrhaft einfühlt und sie versteht. Helfen auf die Weise, auf die man auch sich selbst am besten hilft: die Freunde mutiger, aushaltender, einfacher, fröhlicher machen! Also das lehren, was jetzt so wenige verstehen und jene Prediger des Mitleidens am wenigsten: – die Mitfreude!
Auch Goethe fragte: »Vermagst du, wenn deiner Freunde innere Seele von einer ängstigenden Leidenschaft gequält, vom Kummer zerrüttet ist, ihnen einen Tropfen Linderung zu geben?« und antwortete: »Du vermagst nichts auf deine Freunde, als ihnen ihre Freude zu lassen und ihr Glück zu vermehren, indem du es mit ihnen genießest!«
Nietzsche hat durch seine mächtige Betonung der Mitfreude gewiß schon vielen Menschen die Widerstandskraft gegen die Unbilden des Lebens gestärkt. Wer seine Gedanken sich einverleibt, wird gewissermaßen immun gegen die Gefahren der Depression. Schicksalsschläge vermag niemand abzuwenden. Aber indem wir die Freude in der Welt mehren, erhöhen wir die Fähigkeit, Leiden ungebrochener und würdiger zu tragen. Daß Nietzsches Lebensbejahung nicht im Sinne eines zügellosen »Auslebens« zu verstehen ist, das erst zu beweisen, erscheint heute kaum mehr erforderlich. Wie sollte er, der so eifrig darauf aus war, unserem Leben den Stempel der Ewigkeit aufzudrücken, in seiner Verherrlichung der Lebensfreude auch nur von ferne an den Taumel flüchtiger Menschen in gemeinem Genuß gedacht haben! Nur wen der heilige Ernst erfüllt, der ihn mit der Ewigkeit verknüpft, erwirbt sich die Tiefe, aus der allein wahre Freude und heiterste Lebensbejahung aufzusteigen vermag.
Man hat mich oft gefragt, welches Werk von Nietzsche ich als dasjenige empfehle, das man in erster Linie lesen solle. Ich empfehle die »Fröhliche Wissenschaft«. Es ist nicht nur »das liebenswürdigste Buch« Nietzsches, sondern auch dasjenige, das am unmittelbarsten Freude bringt und also in den Geist seiner Lehre einführt. »Ich will immer mehr lernen, das Notwendige an den Dingen als das Schöne sehen: – so werde ich einer von denen sein, welche die Dinge schön machen. _Amor fati_: das sei von nun an meine Liebe!«
Amor fati, als Liebe zum Schicksal, das war die Verkündigung, die zugleich auch ihm, dem schwer Leidenden, nicht nur Trost bereitete, sondern auch den Mut und den Stolz stärkte, in keiner Lebenslage zu verzweifeln. Der nur ist der wahre Jünger Nietzsches, der ihm hierin nicht die Nachfolge versagt. Wenn wir unser persönliches Ungemach aufbauschen, beklagen und beseufzen, wäre es auch nur im Selbstgespräch, so vermehren wir damit die Verdrossenheit und zumeist auch die das Leben vergiftende moralische Entrüstung. Wie leicht müssen wir alle unser privates Ungemach finden, sobald wir es wägen mit dem Gewicht der schmerzerfüllten wahrhaftigen Fernstenliebe Nietzsches. Sein Genius lehrte ihn, überpersönlich das große Leid der Menschheit in sich aufzunehmen, um der Verdüsterung des Lebens durch kleines Leid entgegenzuwirken. Nicht damit er den Opfertod suche, sondern trotz alledem und alledem zu leben wisse und durch den Stolz des Ertragens und weise Sinngebung ewiger Bedeutung den Wert des Lebens in Freude wandle, erfüllt von dem tapferen Entschlusse: »alles in allem und großem: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-Sagender sein!«
– Das letzte Buch der »Fröhlichen Wissenschaft« ist ebenso wie die Vorrede der zweiten Auflage erst vier Jahre später entstanden. Wohl schließt es sich in seinen Gedankengängen den ersten Teilen unmittelbar an, doch erkennen wir aus ihm, wie recht wir hatten, in der »Fröhlichen Wissenschaft« einen Übergang aus den Eisgefilden analytischer Wissenschaft auf den fruchtbaren Boden Werte bestimmender Philosophie zu erwarten. Mit bewußter Entschiedenheit spricht der Philosoph es nunmehr aus, daß die großen Probleme sich nicht von denen fassen lassen, die sie nur mit den Fühlhörnern des kalten neugierigen Gedankens antasten. »Die Selbstlosigkeit hat keinen Wert im Himmel und auf Erden; die großen Probleme verlangen alle die große Liebe, und dieser sind nur die starken, runden, sicheren Geister fähig, die fest auf sich selber sitzen.«
Auch das Verlangen nach Gewißheit, »welches sich heute in breiten Massen wissenschaftlich-positivistisch entladet«, wird nur als Instinkt der Schwäche bezeichnet. Der Spezialist kommt bei fast allen Büchern von Gelehrten irgendwo zum Vorschein, und »jeder Spezialist hat seinen Buckel«. Aber auch dieser Verneinung wird sofort von Nietzsche ehrfürchtig als Bejahung die Wertschätzung jeder Art Meisterschaft und Tüchtigkeit zur Seite gestellt.
Die Kunst tritt wieder in die Rechte ihrer Beachtung ein. Auch die Kunst, wie die Philosophie, setzt Leidende voraus. Aber es gibt zweierlei Leidende, solche die an der Verarmung des Lebens leiden und um Erlösung von sich oder Berauschung suchen, und solche, die an der Überfülle des Lebens leiden und darum eine dionysische Kunst wollen und ebenso eine tragische Ansicht und Einsicht in das Leben. Eine Kunst dieses Ursprungs, in der der Wille zum Verewigen aus Dankbarkeit und Liebe kommt, wird immer eine Apotheosenkunst sein, »dithyrambisch vielleicht mit Rubens, selig-spöttisch mit Hafis, hell und gütig mit Goethe und einen Homerischen Licht- und Glorienschein über alle Dinge breitend«.
Neben den Problemen des Lebens, der Erkenntnis, des Bewußtseins, der Religion und der Moral – schon wird »Jenseits von Gut und Böse« genannt, und wiederum der »Wille zur Macht« erwähnt – vernehmen wir Klänge, die den Zarathustra präludieren. Der Halkyonier, der Heimatlose, der gute Europäer, der freie Geist, der Gottlose und die Argonauten des Ideals stehen dem Humanitarier und dem modernen Menschen gegenüber und künden uns als Vorläufer des Übermenschen die Erhöhung des Typus Mensch an. Das Ideal »eines menschlich-übermenschlichen Wohlseins und Wohlwollens, das oft genug unmenschlich erscheinen wird«, steigt in der Perspektive auf, und zwar ganz und gar im Geiste der Verheißung, welcher die »Fröhliche Wissenschaft« erfüllt, als freudigste schöpferische Lebensbejahung.
Der Freund
Freundschaft kann sich bloß praktisch erzeugen, praktisch Dauer gewinnen. Neigung, ja sogar Liebe hilft alles nichts zur Freundschaft. Die wahre, die tätige, produktive besteht darin, daß wir gleichen Schritt im Leben halten, daß er meine Zwecke billigt, ich die seinigen, und daß wir so unverrückt zusammen fortgehen, wie auch sonst die Differenz unserer Denk- und Lebensweise sein möge.
Goethe.
Wir besitzen kein Generalregister zu Nietzsches Werken. Das Nietzsche-Archiv trug sich mit der Absicht, es auszuführen, kam aber zu der Erkenntnis, daß diese Aufgabe kaum in befriedigender Weise zu lösen sei. Eher wäre vielleicht ein Nietzsche-Lexikon zu denken, in der Art wie Frauenstädt sein Schopenhauer-Lexikon zusammenstellte. Richard M. Meyer hatte ein solches geplant, starb aber vor seiner Ausführung. Freilich, auch ein Wörterbuch bliebe ein zweckloses Unterfangen, wenn es nur das Gerippe von Nietzsches Philosophie darböte. Wir können bei Nietzsche nicht der seelischen Schwingungen entbehren, die sich in Wort, Ton und Farbe seiner Aphorismen offenbaren, nicht die Musik seiner Sprache, die sie unserem Gefühlsverständnis übermittelt.
Nun, auch ohne ein solches Hilfsbuch dürfen wir hoffen, daß uns kein wesenhafter Ausspruch seiner Ansichten über die Freundschaft entgeht. Nicht systematisches Suchen, wohl aber instinktives Finden muß sie uns zuführen; denn wo es nicht an der Einfühlung fehlt, da erweist sich »Majestät Zufall« stets als huldvoll.
Der Glorienschein, der heute die Geschlechtsliebe umgibt, verdankt sich dem christlichen Mittelalter. Die Antike kannte ihn nicht. Um so höher schätzte sie die Freundschaft. Und wie die Antike, so tat auch Nietzsche. Zur Zeit da er mit Vorliebe analysierend dem triebhaften Ursprung der Gefühle nachging, sah er in der Liebe vor allem den Drang nach neuem Eigentum. Der Liebende will den unbedingten Alleinbesitz der von ihm ersehnten Person, er will allein geliebt sein und als das Höchste und Begehrenswerteste in der anderen Seele wohnen und herrschen. Wie kann man also in der Liebe den Gegensatz des Egoismus sehen?! Wohl aber, sagt Nietzsche, gibt es hier und da auf Erden eine Art Fortsetzung der Liebe, bei der jenes habsüchtige Verlangen zweier Personen nach einander »einem gemeinsamen hohen Durste nach einem über ihnen stehenden Ideale gewichen ist: aber wer kennt diese Liebe? wer hat sie erlebt? Ihr rechter Name ist Freundschaft«. – »Die Liebe vergibt dem Liebenden sogar die Begierde«, heißt es ein andermal. Aber das bestätigt uns nur, daß Nietzsche nicht die Begierde, auch wo sie sublimiert als Liebe erscheint, für das Höchste galt, sondern die Freundschaft, und zwar die Freundschaft, die aus dem Sehnen nach einem gemeinsamen Ideal erwächst. Ja, wer hat sie erlebt? Er mußte schon nach der Antike ausschauen, um Beispiele ihrer höchsten Einschätzung zu finden.
Daß das Gefühl der Freundschaft dem Altertum als das höchste Gefühl galt, höher selbst als der gerühmteste Stolz der Selbstgenügsamen und Weisen, dafür wird von Nietzsche als Beweis die Frage angeführt, die jener mazedonische König stellte, als ein weltverachtender Philosoph Athens sein Geschenk zurückwies: »Wie? hat er denn keinen Freund?« Denn mit dieser Frage wollte der König sagen: »ich ehre diesen Stolz des Weisen und Unabhängigen, aber ich würde seine Menschlichkeit noch höher ehren, wenn der Freund in ihm den Sieg über seinen Stolz davongetragen hätte. Vor mir hat sich der Philosoph herabgesetzt, indem er zeigte, daß er eines der beiden höchsten Gefühle nicht kennt – und zwar das höhere nicht«.
Vielleicht dachte Nietzsche schon an diese Anekdote, als er in der »Morgenröte« bemerkte, nur in der Antike wäre der Einwand gegen das philosophische Leben möglich gewesen, daß man mit ihm seinen Freunden unnützlich werde. Dieser Einwand wäre nie einem Modernen gekommen. Denn wir haben nur die idealisierte Geschlechtsliebe aufzuweisen, während alle großen Tüchtigkeiten der antiken Menschen darin ihren Halt hatten, daß Mann neben Mann stand. Charakteristisch für sein Ideal einer männlichen Kultur tut Nietzsche den Ausspruch: »Vielleicht wachsen unsere Bäume nicht so hoch, wegen des Efeus und der Weinreben daran.«
Unter den Menschen, die eine besondere Gabe zur Freundschaft haben, unterscheidet Nietzsche zwei Typen. Der eine fortwährend Aufsteigende findet für jede Phase seiner Entwicklung einen genau zugehörigen Freund, der andere übt eine Anziehungskraft auf sehr verschiedene Charaktere und Begabungen aus, so daß er einen ganzen Kreis von Freunden gewinnt, die auch unter sich in freundschaftliche Beziehungen treten. »Der beste Freund wird wahrscheinlich die beste Gattin bekommen, weil die gute Ehe auf dem Talent zur Freundschaft beruht.« Die gute Ehe ist für Nietzsches hohe Auffassung vor allem eine Seelenfreundschaft zweier Menschen verschiedenen Geschlechts. »Mitfreude – nicht Mitleiden macht den Freund.« Der Mangel an Freunden läßt auf Neid und Anmaßung schließen. Sowohl sklavische als tyrannische Naturen besitzen keine Freunde. »Bist du ein Sklave? So kannst du nicht Freund sein. Bist du ein Tyrann? So kannst du nicht Freunde haben.« Sehr fein ist die psychologische Erkenntnis, daß Mangel an Vertraulichkeit unter Freunden ein Fehler ist, der nicht gerügt werden kann, ohne unheilbar zu werden. Leute, welche uns ihr volles Vertrauen schenken, haben dadurch noch keinen Anspruch auf das unsrige; denn »durch Geschenke erwirbt man kein Recht«.
Sah Nietzsche die Geschlechtsliebe nicht in der idealistischen Beleuchtung, an die wir uns gewöhnt haben, so hatte er doch – im Gegensatz zu Schopenhauer – auch keine Veranlassung, sie zu verlästern. Er hat wohl nie unter der Übermacht des sexuellen Triebs heftig gelitten. So ward es ihm leicht – denn »Grad und Art der Geschlechtlichkeit eines Menschen reicht bis in die letzten Gipfel seines Geistes hinauf« – sich auch in den Fragen des Geschlechtsverkehrs die größte Freimütigkeit zu bewahren und jede »Verteufelung der Natur« abzuwehren. »Was ist Keuschheit am Manne?« fragt er einmal und antwortet: »Daß sein Geschlechtsgeschmack vornehm geblieben ist; daß er in eroticis weder das Brutale, noch das Krankhafte, noch das Kluge mag!« Wie groß er jedoch von jeder wahren Liebe dachte, auch wenn sie sich außerhalb der Sitte stellte, besagen uns seine Worte: »Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.«
Diese Erkenntnis ließ ihn mit den modernern französischen Romanciers sympathisieren. Er hat Bourget, Loti, Meilhac, Anatole France, Lemaître als delikate Psychologen gewürdigt; Merimée stand ihm außerdem vermöge seines ehrlichen Atheismus nahe. Besonders hoch aber schätzte er Stendhal, dessen Ausspruch: »Dans le vrai Amour c'est l'âme qui enveloppe le corps« er als das züchtigste Wort bezeichnete, das er je gehört habe.
Selten begegnen wir im Leben Nietzsches Zeiträumen, in denen die Liebe zu einer Frau Einfluß auf ihn gewann. Seine Schwärmerei für den »blonden Engel« Hedwig Raabe wurde bereits erwähnt; gedenken wir noch seiner jugendlichen Begeisterung für eine liebenswürdige Berlinerin Fräulein Anna Rethel, mit der er einige Zeit musizierte, so bleibt uns eigentlich nur noch der Hinweis übrig, daß er sich während der Bayreuther Festspiele in eine schöne Französin, Mdme. O. verliebte und an sie Briefe voll persönlichem Reiz schrieb; denn seine spätere Neigung zu einer Holländerin ging wohl kaum tief. Ihre Ablehnung seines Heiratsantrags, der offenbar etwas unvermittelt erfolgte, hat ihn jedenfalls nicht erschüttert.
Um so größer ist die Zahl der Namen, wenn wir der Frauen gedenken, für die Nietzsche freundschaftliche Gefühle hegte, obwohl er als das »einzige Weib größeren Stiles« Frau Cosima Wagner anerkannte. Er schätzte sie nicht nur als die erste Stimme in Fragen des Geschmacks, sondern nannte sie auch später noch die bestverehrte Frau, die es für sein Herz gab, und die sympathischste Frau, der er im Leben begegnet sei. So in einem Briefe an Malwida von Meysenbug, seine »mütterliche Freundin«, deren innige Zuneigung zu ihrer Pflegetochter Olga von Herzen ihn eines der schönsten Motive erahnen ließ: »das der Mutterliebe ohne das physische Band von Mutter und Kind«, als eine der herrlichsten Offenbarungen der Caritas. Ihr mütterlich-liebevolles Wesen und ihr Idealismus galt ihm als ein Spiegel für jeden tüchtigen Menschen. Aber wenn er sie auch einmal »die beste Freundin der Welt« nennt, seine Beziehung zu ihr wies nur während der Zeit der Wagnerverehrung die Gemeinsamkeit eines hohen Zieles als Voraussetzung der vollkommenen Freundschaft auf. Es mangelte ihr als »Idealistin« letzten Endes die Tiefe der tragischen Erkenntnis, ohne die es jeder Freude an Wurzelkraft fehlt. Seitdem Nietzsche in seiner Höhe wandelte, war es eigentlich nur noch der Dank für warme Anteilnahme an seinem Leben, der ihre Beziehungen andauern ließ.
So wertvoll vorübergehend die Beziehungen zu Frau Geheimrat Ritschl, Frau Professor Overbeck, Frau Marie Baumgartner und Verehrerinnen aus dem Bayreuther Kreise für Nietzsche sein mochten, so anregend sich der Verkehr mit geistvollen Frauen verschiedener Nationen in Sils-Maria gestaltete, von Freundschaft im hohen Sinne Nietzsches kann dabei ebensowenig die Rede sein wie gegenüber Meta von Salis, die Erinnerungen an ihn veröffentlichte, welche eine Einfühlung in seine aristokratische Gesinnung aufweisen, oder bei Freifrau von Ungern-Sternberg, welche mit feinem psychologischen Verständnis Graphologisches über seine Handschrift veröffentlichte. Die Gattin seines Freundes von Seydlitz wirkte auf Nietzsche so sympathisch, daß er sich einmal als Gattin ein tapferes kleines Wesen à la Irene Seydlitz wünschte. Dem Ideale einer Freundschaft kam unter den Frauen, mit denen er verkehrte, tatsächlich die Schwester am nächsten. »Eine Schwester ist für einen Philosophen eine sehr wohltätige Einrichtung, vorzüglich wenn sie heiter, tapfer und liebevoll ist.« Daß es auch im Verkehr mit ihr zuzeiten Mißhelligkeiten gab, das einzusehen bedarf es für uns nicht erst Bernoullis Polemik, sie selbst hat wiederholt auf solche verwiesen. Aber sie war, wie eine Französin von ihr sagte, »espiègle«. Seine Verneinung der optimistisch genügsamen Umwelt, seine Bejahung einer im Ideal erschauten Wirklichkeit spiegelte sich in ihren Gefühlen und Gedanken, so daß die örtliche Trennung von ihr durch ihre Auswanderung nach Paraguay mit ihrem Gatten Dr. Förster für Nietzsche ein schwerer Verlust war.
Mutter, Schwester und Fräulein von Meysenbug blieben mit Eifer bestrebt, für Nietzsche eine würdige Frau zu finden; denn so ernstlich er sich selbst ein gutes Weib wünschte, seine philosophischen Lebensziele galten ihm stets mehr als die persönlichen Lebenswünsche; bekennt er doch: »Man hat immer etwas Nötigeres zu tun als sich zu verheiraten: Himmel, so ist mir's immer ergangen.« Viel Geist galt bei einer Frau für ihn immer noch sehr wenig. Eher wollte er sich noch mit einer guten wirtschaftlichen Gattin begnügen, sie müsse jung sein, sehr heiter, sehr rüstig und wenig oder gar nicht gebildet. Einmal, als ihm auf einem Spaziergang ein reizendes braunäugiges Mädchen begegnete, deren herzliches Lachen ihn an seine Schwester gemahnte, und das ihn sanft wie ein Reh anschaute, da wurde es ihm warm ums Herz. »Gewiß, es würde mir wohltun, etwas so Holdes um mich herum zu haben – aber würde es ihr wohltun? Würden sie meine Ansichten nicht unglücklich machen und würde es mir nicht das Herz brechen (vorausgesetzt, daß ich sie liebte), ein so liebliches Wesen leiden zu sehen?«
Gegenüber solchen Bedenken mußte eine Entschließung schwerfallen. Zu einer Heirat aber nach der Wahl Goethes – auch daran dachte er einmal – konnte es wohl deshalb nicht kommen, weil hierzu Nietzsches Sinnlichkeit nicht stark genug war. So beharrte sein Bedürfnis nach Aussprache und Gemeinsamkeit im idealen Streben nach Freundschaft.
Nietzsche hat während jeder Epoche seines Lebens warmherzige Freunde besessen. Nach den ersten Jugendgenossen Pinder und Krug, in Schulpforta: Deussen, von Gersdorff, Mushacke. Als Student außer seinem Lehrer Ritschl vor allem Erwin Rohde. Dann während seiner Lehrtätigkeit in Basel außer Wagner und Burckhardt Overbeck und den Kantianer Dr. Heinr. Romundt. Nach seiner Loslösung von Wagner: Dr. Paul Rée, Freiherrn von Seydlitz und Peter Gast. Daneben feinsinnige Versteher und Verehrer in den Musikern Carl Fuchs und Hans von Bülow, in Georg Brandes, Carl Hillebrand, Max Heinze, Hugo von Senger, Hippolyte Taine und anderen.
Gerade weil die meisten seiner Freunde selbstherrliche Persönlichkeiten waren, konnten sie nicht mit Nietzsche jene Metamorphosen durchmachen, die sich bei ihm so radikal als Erlebnisse vollzogen. Am meisten hat ihn wohl Rohde geliebt. So traf es Nietzsche besonders schwer, daß auch Rohde, mit dem er sich in jungen Jahren in voller Harmonie bei seinen idealen Zielen wußte, ihm bei seinen Wandlungen nicht folgte. Mochte die Welt stumm bleiben, weil seine Lehre noch nicht zu ihrem Ohre drang, wenn nur das Echo der Freunde nicht fehlte. An diese dachte er, wenn er schrieb, sie bestimmten sogar seinen Stil nach der von ihm aufgestellten Regel der doppelten Relation. »Der Stil soll dir angemessen sein in Hinsicht auf eine ganz bestimmte Person, der du dich mitteilen willst.« Er vermißte Rohdes Zustimmung um so schmerzlicher, weil auch sein Briefwechsel mit Freund Gersdorff eine Unterbrechung erfuhr, als er bei einem Zerwürfnis des Freundes mit Malwida von Meysenbug deren Partei ergriff. So blieb ihm zu einer Zeit, da er der zustimmenden Begeisterung der Freunde am meisten bedurfte, einzig und allein Peter Gast.
Heinrich Köselitz – der den Namen Peter Gast annahm – hörte seit 1875 in Basel, obwohl er sich in der Musik ausbildete, Nietzsches Vorlesungen, nachdem er sich schon früher durch die »Geburt der Tragödie« und die »Unzeitgemäßen Betrachtungen« für ihn begeistert hatte. Schon in Basel erwies er sich ihm hilfreich, indem er die vierte Unzeitgemäße Betrachtung für ihn abschrieb. Später, bei Nietzsches zunehmender Kurzsichtigkeit, schrieb er oft nach dessen Diktat, las die Korrekturen seiner Schriften und erfreute den Einsamen durch sein Klavierspiel. Längere Zeit zögerte Nietzsche trotzdem, ihn tiefer in seine Philosophie einzuführen. Er war überzeugt, wie eine Briefstelle bekundet, daß diese bereits große Reife voraussetze. »Heinrich von Stein ist noch zu jung für mich. Den würde ich verderben. Gast hätte ich bald verdorben, ich habe tausend Rücksichten gegen ihn nötig.«
Erst beim Korrekturenlesen lernte Gast den »Zarathustra« kennen und schrieb Nietzsche einen begeisterten Brief voll feinem Verständnis. Nun erst wurde der stets dienstbereite Schüler und Jünger, dieser Mann »mit dem goldenen Herzen und dem ausdrucksvollen Musikerkopfe« (von Ungern-Sternberg) sein Freund. Nietzsche blieb darauf bedacht, ihn nicht seinem eigentlichen Berufe zu entziehen. Mancherlei, was Gast musikalisch ausführte, ist auf Nietzsches Anregung zurückzuführen, der es nie an ermunterndem Lob fehlen ließ. »Die Einsamen werden ohne frohen ermutigenden Zuruf leicht düster, verlieren ihre Tüchtigkeit und ihre Werke mit ihnen.« Auch praktisch suchte er ihn möglichst zu fördern, so als er sich bei Hans von Bülow um die Aufführung von Gasts Oper »Der Löwe von Florenz« bemühte.
Nietzsche hat, wie aus seinen Briefen an Peter Gast hervorgeht, in der Tat dessen Musik außerordentlich hoch eingeschätzt. Nicht nur deren Heiterkeit, sondern auch die Geschlossenheit ihres Stiles entsprach in hohem Grade dem, was er von der Musik der Zukunft erhoffte. Gasts Kompositionen waren für ihn ein großes Labsal. Daß ihnen, objektiv gewertet, nicht diese außerordentliche Bedeutung zukommt, ist jedoch nicht zu bezweifeln. Die Wirkung auf das Publikum blieb seiner Musik versagt. Aber Gast durfte sich damit trösten, daß sie ein gut Teil ihres Zweckes trotzdem erfüllte, indem sie Nietzsche beglückte. Sie hat damit mehr getan, als wenn sie, trotz der Begrenztheit ihres Wertes, einem unbedürftigen Konzertpublikum flüchtige Unterhaltung gewährt hätte.
Das mochte wohl Gast selbst empfunden haben. Denn als mein Freund Dr. Oskar Grohé in Mannheim, der verdienstvolle Förderer Hugo Wolfs, sich auf meine Anregung in späteren Jahren an Gast wandte, um ihm den Konzertsaal zu erobern, da lehnte Gast dieses Angebot ab mit der Begründung, daß er entschlossen sei, jeder öffentlichen Aufführung seiner Werke zu widerstreben. Es genügte ihm, daß er für Nietzsche nicht nur ein Freund – »wahrer Freund meiner Freunde« – geworden war, sondern ihn auch als sein »Maestro Pietro Gasti« durch seine Musik erfreut hatte. Er sah seine Lebensaufgabe darin, sich ganz und gar Nietzsche und seinen Werken zu weihen. Und wahrlich, er hat damit Großes geleistet. Er allein von dreien, die Nietzsche berufen erachtete, aus Schülern und Jüngern Freunde zu werden, erwies sich dieses Rufes würdig. Die beiden anderen, Lou Salomé und auch Heinrich von Stein, haben Nietzsche bitter enttäuscht. Alle drei hatte er in seiner Einsiedler-Sehnsucht nach Freundschaft in ihren Fähigkeiten überschätzt. Aber nur Gast hat diese Überschätzung verdient und in stolzer Bescheidenheit noch am Grabe Nietzsches die Worte gesprochen: »Wie konnten wir deine Freunde sein? Doch nur, indem du uns überschätztest.«
Der Enttäuschte
Was ihr niemals überschätzt,
Habt ihr nie besessen.
Goethe.
»Durch die tägliche Not sich und andere höher heben, mit der Idee der Reinheit vor den Augen, immer als ein Exzelsor – so wünsche ich mein und meiner Freunde Leben.« Man veranschauliche sich, was dies heißt und heischt. Dann wird man verstehen, wie leicht hierbei die Hoffnung trügt und der Erfolg enttäuscht. Logisch vorgetragene Gründe überzeugen unseren Verstand, mit Wärme dargestellte Gefühle gewinnen unser Herz, beredt entfaltete Überzeugungen unterwerfen sich unsere Gesinnung, aber mit solcher Macht auf Sinn und Seele einzuwirken, daß unser Wille neue Bahnen einschlägt, das mag zu Zeiten religiöser Erhebung im Bann der Suggestion als blinde Nachfolge in die Erscheinung treten, denn alles Bestimmte hat (nach Burckhardt) ein Königsrecht gegenüber dem Dumpfen, Unsicheren und Anarchischen, aber den Einzelnen zu sich selbst führen, daß er aus eigener Kraft nach einem hoch und fern über ihn gestellten Ziel strebt, das verlangt nicht nur große autoritative Kraft vom Führenden, sondern auch eine verwandte Artung bei dem hierfür Ausersehenen.
Und eben nach solchen Fischen, und nur nach solchen warf Nietzsches Sehnsucht die Angel aus. Er begrüßte es daher freudigst, als Rée und Meysenbug ihm von einer jungen Finnländerin Lou Salomé berichteten, sie sei berufen, im schönsten Sinne seine Schülerin und Jüngerin zu werden. Wenn die Schilderung ihrer persönlichen Erscheinung die ich einem Freunde verdanke, zutrifft, so ging von ihr kaum jener Reiz aus, der unmittelbar die Sinne gefangen nimmt. Aber das konnte bei Nietzsche nur die Hoffnung stärken, daß dauernd ein schönes freundschaftliches Verhältnis zwischen ihnen möglich sei. »Frauen können recht gut mit einem Manne Freundschaft schließen; aber um diese aufrechtzuerhalten – dazu muß wohl eine kleine physische Antipathie mithelfen.«
Die erste Begegnung fand bei seiner Rückkehr aus Messina nach Deutschland in Rom in der Peterskirche statt. Lou Salomé erwies sich in der Tat als eine außerordentliche Intelligenz. Sie folgte seiner Einladung nach Tautenburg in Thüringen, wo er mit seiner Schwester den Sommer 1882 verbrachte. Sein Verkehr mit Salomé währte etwa fünf Monate. Während dieser Zeit versuchte er, sie in seine Lehre einzuführen. Die wenigen Briefe, die Nietzsche an sie schrieb, enthalten einige Stellen überschwenglicher Freude. Wie hätte es ihn auch nicht beglücken sollen, ihr Gedicht »An den Schmerz« zu lesen, das er unter dem Titel »Hymnus an das Leben« ursprünglich für eine Singstimme mit Klavierbegleitung und dann für Chor und Orchester in Musik setzte. Nicht nur die Schlußverse, die das Leben anrufen und die den Höhepunkt der Vertonung bilden:
Hast du kein Glück mehr übrig mir zu geben,
Wohlan noch hast du deine Pein!
sondern das ganze Gedicht atmet Nietzsches Geist. In diesen Versen hat sein schöner Gedanke, auch durch die tägliche Not sich und andere höher zu heben, einen edlen Nachklang gefunden. Entsprach das wahre Wesen der Dichterin dieser Gesinnung, war das Gedicht mehr als intellektuelle Anpassung und reproduktive Anempfindung, so war für Nietzsche wirklich die berufene Schülerin gefunden.
Man hatte ihm, wie seine eigenen Worte bezeugen, Lou Salomé als ein Wesen geschildert, das fast zu gut für diese Welt sei, eine Märtyrerin der Erkenntnis von Kindesbeinen an, jedes Glück und jedes Behagen des Lebens, ja die Gesundheit hingebend für das eine: Wahrheit. Als vollkommen selbstlos und bewährt in einer langen Schule der Aufopferung war sie ihm geschildert worden. Sein eigenes Urteil erkannte bald, daß sie dieser Schilderung nicht entsprach. Aber vielleicht konnte sie vermöge ihrer geistigen Anlagen so werden. Das wenigstens scheint Nietzsche gehofft zu haben. »Wie arm sind Sie in der Verehrung, der Dankbarkeit, der Pietät, der Höflichkeit, der Bewunderung – von hohen Dingen nicht zu reden …« So schreibt man als Mann an ein fünfundzwanzigjähriges Mädchen doch wohl nur dann, wenn man glaubt, sie durch größte Offenheit erziehen zu können. Hierin aber irrte sich Nietzsche. Ohne Zweifel besaß sie in hohem Grade die Fähigkeit, die Lehren seiner positivistischen Periode zu verstehen, nicht aber die Fähigkeit, seine Ideale zu erleben. Was ihm eine Frage seiner wesenhaften Persönlichkeit war, blieb für sie nur eine Sache des Intellekts. In einem Buche, das sie später als Frau Lou Andreas-Salomé veröffentlichte, »Friedrich Nietzsche in seinen Werken«, ist der Satz zu lesen: »Der einzige wahrhaft wertbestimmende Unterschied zwischen den Menschen liegt ausschließlich in der Art und dem Grade ihres intellektuellen Vermögens; die Menschen veredeln heißt demnach nichts anderes, als Einsicht unter sie tragen.«
Dieser Ausspruch ist bei seiner Einseitigkeit viel weniger für Nietzsche charakteristisch – auch wenn er nur für seinen Positivismus gelten sollte – als für die Schreiberin selbst. Der einzige Unterschied liegt im Intellekt! So urteilt nur ein Mensch, der kein Gefühl für den Adel des Seins durch die Vererbung seit Generationen, noch für die unbewußte Triebkraft des Wachsens und Werdens besitzt. Damit hat sich nicht nur die Verfasserin selbst gerichtet, sondern unbeabsichtigt auch in typischer Weise den Beweis geliefert, daß ein Nietzsche nicht im Positivismus aufgehen, nicht in einer Betrachtungsweise beharren konnte, die für eine solche Lebenswertung immerhin Belege darbot. »Man soll das Leben auf das Sicherste, Beweisbarste hin einrichten: nicht wie bisher auf das Entfernteste, Unbestimmteste, Horizontal-Wolkenhafteste hin.« Ein solcher Ausspruch stand in Widerspruch zu dem wahren Wesen Nietzsches, das sich am treffendsten gerade in seiner Fernstenliebe aussprach, in deren Perspektive der Übermensch steht.
Nietzsche hätte sich mit der Zeit von Salomé und von Rée losgelöst – soviel dürfen wir schon mutmaßen – auch ohne den Zwang der von außen kommenden Enthüllungen, und zwar von dem Augenblicke an, da er sich nicht mehr als der Don Juan der Erkenntnis fühlte.
Salomés Buch enthält manche geistreiche Auslegung. Es zeigt auch, daß einzelne von Nietzsches Mahnungen, die er unter dem Titel »Zur Lehre vom Stil« für sie niederschrieb, von ihr beherzigt wurden. »Das erste was not tut, ist Leben: der Stil soll leben.« Ihre Gestaltungsgabe ist durchaus nicht gering zu achten. Um so schlimmer, daß ihr das intellektuelle Gewissen fehlt.
Wer so maßlos flunkert, nicht nur wo es sich um das eigene Verhältnis zu Nietzsche handelt, sondern auch betreffs der Distanz zwischen Nietzsche und Rée, verdient auch bei durchaus objektiver Prüfung schärfste Zurechtweisung. Selbst wenn die Behauptung, daß sie eine bewußte Fälschung beging, als sie Nietzsches Aphorismus »Sternenfreundschaft« auf Rée bezog, nicht zutreffen sollte, so bedeutet dies jedenfalls, psychologisch betrachtet, einen groben Mißgriff aus Oberflächlichkeit. Ob Lou Salomé tatsächlich mit Rée über Nietzsches Ernst und begeisterte Hingebung an seine Ideale im geheimen spottete, können wir nicht entscheiden, aber ihr Verhalten spricht dafür. Ob die Anklagen, die Frau Förster gegen sie erhob und die durch Frau Overbecks matte Verteidigung eher bekräftigt als abgeschwächt werden – sie selbst hat dazu geschwiegen – in vollem Umfang zutreffen, darüber haben wir nicht zu richten, aber aus Nietzsches eigenen Worten gewinnen wir die Überzeugung, daß ihre »Menschlichkeit« ihm ein Erlebnis bereitete, dessen Atmosphäre nicht in den Stil seines Lebens hineinpaßte. Wie tief Nietzsche darunter litt, bezeugt uns sein schmerzlicher Ausruf: »ein gräßliches Mitleid, eine gräßliche Enttäuschung, ein gräßliches Gefühl verletzten Stolzes quält mich – wie halte ich's noch aus? Wo ist noch ein Mensch, dem man vertrauen, den man verehren könnte!« Es wurde ihm unmöglich gemacht, seinem Grundsatze zu folgen: »Wo man nicht mehr lieben kann, da soll man – vorübergehen«, denn die Verletzung seines Stolzes verlangte eine scharfe Zurechtweisung durch ihn. Sie ist Lou Salomé in den Worten zuteil geworden: »Ich mache Ihnen heute nichts zum Vorwurf, als daß Sie nicht zur rechten Zeit über sich gegen mich aufrichtig gewesen sind. Ich gab Ihnen in Luzern meine Schrift über Schopenhauer – ich sagte Ihnen, daß da meine Grundgesinnungen drin stünden und daß ich glaubte, es würden auch die Ihrigen sein. Damals hätten Sie lesen und Nein! sagen sollen (in solchen Dingen hasse ich alle Oberflächlichkeit) – es wäre mir viel erspart geblieben! Ein solches Gedicht, wie das ›An den Schmerz‹ ist in Ihrem Munde eine tiefe Unwahrheit.« Er war eifrigst bestrebt, die Erinnerung an sie in seinem Leben durchzustreichen; denn »Ihr dürft nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müßt stolz auf euere Feinde sein«.
Ganz anders verhält es sich mit einer zweiten Enttäuschung, die Nietzsche zwei Jahre später erfuhr, als er abermals hoffte, einen befähigten Jünger zu gewinnen, in dem seine Lehre fortleben sollte. Bereits im Jahre seiner Bekanntschaft mit Lou Salomé schickte Nietzsche an Heinrich von Stein, der ihn in Leipzig aufgesucht aber nicht angetroffen hatte, die »Fröhliche Wissenschaft«. Er erhielt als Gegengeschenk von ihm zwölf Gespräche zugesandt, die Stein unter dem Titel »Helden und Welt« mit einem Briefe Richard Wagners als Vorwort veröffentlichte. Mehrere Briefe wurden gewechselt, durch die sich beide bald näherkamen.
Heinrich von Stein war Nietzsche nicht geistverwandt. Geistverwandt war er viel eher Richard Wagner, von dem er auf Empfehlung von Malwida von Meysenbug als Hauslehrer berufen wurde. In Wagners Sinne, wohl auch auf dessen Anregung schrieb er den Aufsatz, »Shakespeare als Richter der Renaissance«. Der Geist der Reformation, nicht aber der Geist der Renaissance, wie bei Nietzsche entsprach Steins Gesinnung. Ursprünglich Theologe, im Christentum erzogen, löste er sich vom Dogma los, nicht aber von der Moral des Christentums.
»Kopf und Herz müssen zusammenklingen, wenn es einen Akkord geben soll.« Das ist ein charakterisierendes Wort Steins. Er meinte es mit dieser Forderung ernst und ehrlich. Damit bewies er seine Wesens-Verwandtschaft zu Nietzsche. Stein litt schwer unter den Dissonanzen des Lebens, dem Widerspruch von Wahn und Wirklichkeit. Ein solcher Mensch, eng befangen im Mitleiden, voll ritterlicher Gesinnung, zum großen freien Gehorsam geschaffen, harrte des berufenen Führers. Die Umstände führten ihm diesen in Richard Wagner zu. Er war ihm tief ergeben, wie ich mich einmal selbst überzeugen konnte. Es geschah bald nach der ersten Aufführung des »Parsifal«. Die Patrone der Festspiele hielten in Bayreuth eine Versammlung ab. Der Verein hatte seine Aufgabe, soweit es ihm möglich war, erfüllt und sollte sich auf Wagners Wunsch auflösen. Man sprach hin und her. Da fuhr eine edle schlanke Erscheinung in die Höhe und rief in die Versammlung etwa folgendes hinein: »Was soll das alles?! Hier gilt es doch nur eine Frage zu beantworten: Soll der Verein sich auflösen oder nicht? Wagner sagt ja, wollen Sie nein sagen?« – Nach diesen wenigen Worten nahm Stein wieder seinen Platz ein; aber sie genügten, um Klarheit in die Verhandlung zu bringen.
Das war in der Tat eine aufrechte entschiedene Persönlichkeit, wie sie ein Genius als Jünger bedarf, damit sein Wille radikal verwirklicht werde. Aber dieser Mann gehörte Wagner an. Für immer? Das war die Frage, die Nietzsche beschäftigte. In seinem ersten Brief an Stein stehen die Worte: »Man hat mir erzählt, daß Sie, mehr als jemand sonst vielleicht, sich Schopenhauern und Wagnern mit Herz und Geist zugewendet haben. Dies ist etwas Unschätzbares vorausgesetzt, daß es seine Zeit hat.« Da Stein sich im Banne des Pessimismus unglücklich fühlte und sehnsüchtig Aussprüche tat wie: »Freude ist die Leidenschaft, durch die wir besser werden. So viel du dir und anderen Freude stiehlst und verdirbst, daran tust du Sünde«, durfte sich Nietzsche wohl berufen fühlen, Stein aus dem Banne der Schopenhauerschen und Wagnerschen Metaphysik zu befreien, und sich der Hoffnung hingeben, daß er ihm vorbehalten sei.
Er sprach Stein zunächst seine Verwunderung darüber aus, daß er in seinen Dichtungen lauter Probleme der Grausamkeit wähle und nicht nach einer Höhe strebe, von wo aus gesehen das tragische Problem unter uns liegt. Er bekannte ihm: »Ich möchte dem menschlichen Dasein etwas von seinem herzbrecherischen und grausamen Charakter nehmen.« Noch hielt er es nicht an der Zeit, ihn zu den Tiefen und Höhen seiner Lehre zu führen. Aber das wenige, was er ihm mitteilte, genügte, um in Stein die Ahnung zu erwecken, daß der Ruf zur Befreiung aus seinen selbstquälerischen Gedanken an ihn ergangen sei, und daß er dort, als der »Mutige, der sich vor seinem tiefsten Inneren nicht zu schämen hat«, das finden dürfte, was ihm am meisten not tat: »das Vertrauen zu dem eigenen Atem«. Und so reiste er nach Sils-Maria, nicht um des Engadins, sondern um Nietzsches willen.
Die drei Tage, die er dort im August 1884 verbrachte, bedeuteten für ihn und Nietzsche ein Erlebnis, wie es sich selten ereignet. Hier fanden und verstanden sich zwei Menschen, die miteinander – lachen konnten. Das Wort buchstäblich und symbolisch genommen. Stein schrieb begeisterte Ausrufe in sein Tagebuch: »Großartiger Eindruck seines freien Geistes, seiner Bildersprache!« Auch Nietzsche war auf das tiefste ergriffen. Nur mit einem solchen Menschen konnte er moralische Probleme besprechen. Bei den anderen lese er so leicht in den Mienen, daß sie ihn mißverstehen und nur das Tier in ihnen sich freut, eine Fessel abwerfen zu dürfen. »Stein ist eine stolze und reine Herrennatur; er paßt nicht zu diesen niederen Sklavenseelen.«
Stein beklagte es, seinen Besuch nicht länger ausgedehnt zu haben, denn »in der Tiefe lauscht und wacht eine unendliche Sehnsucht nach wirklichem freien Leben«. Nietzsche antwortete ihm tief beglückt, von geheimen Hoffnungen erfüllt: »Von nun an sind Sie einer der wenigen, deren Los im Guten und Schlimmen zu meinem Lose gehört.« Ebenso entschieden erwiderte ihm Stein: »Daß ich Ihnen nichts geben kann, was Sie nicht reicher und besser schon besäßen, ist ja ganz offenbar. Was also kann ich Ihnen bringen: treues herzliches Mitgehen und Verstehen. Und hiermit sei alles gesagt.« Was noch zu sagen übrig blieb, das schien sich fast dem Worte zu entziehen. Aber Nietzsche fand auch hierfür den Ausdruck in einem seiner schönsten Gedichte »Einsiedlers Sehnsucht«, das er für Stein dichtete und ihm als Brief zusandte. Er beklagte vor Stein das Unverständnis der alten Freunde für seine neuen Ziele und ließ zum Schluß an ihn, den neuen Freund, den warmen Ruf ergehen:
O Jugendsehnen, das sich mißverstand!
Die ich ersehnte,
Die ich mir selbst verwandt-verwandelt wähnte –
Daß alt sie wurden, hat sie weggebannt:
Nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt!
O Lebens-Mittag! Zweite Jugend-Zeit!
O Sommer-Garten!
Unruhig Glück im Steh'n und Späh'n und Warten!
Der Freunde harr' ich, Tag und Nacht bereit: –
Der neuen Freunde! Kommt! 's ist Zeit! 's ist Zeit!
Stein war ohne Vermögen und an seinen Beruf gebunden. Es ist uns daher begreiflich, daß er nach Empfang von Nietzsches Gedicht erwiderte: »Wiederum auf einen solchen Anruf bliebe mir nur eine Antwort: zu kommen; mich dem Verständnis des Neuen, was Sie zu sagen haben, zunächst einmal ganz und gar als einem edelsten Berufe zu widmen. Dies ist mir versagt.«
Nietzsche mochte diese Antwort beklagen, aber sie war nicht dazu angetan, seine Freundschaft für Stein zu erschüttern. Anders freilich stand es um die Worte, die folgten. Nietzsche hatte ihm unausgesprochen gesagt: Löse dich von Wagner, komme zu mir! Und was antwortete ihm Stein? Er antwortete ihm: Verlasse du dich und komme zurück zu Wagner! So und nicht anders mußte Nietzsche Steins überraschende Aufforderung verstehen, nach Berlin zu kommen und sich an Steins »Wagner-Lexikon« durch Mitarbeit zu beteiligen.
Die Erklärung für eine solche Zumutung liegt darin, daß Stein wenn nicht im Auftrage, so doch – wie ich aus persönlichen Mitteilungen weiß – unter Mitwissenschaft Wahnfrieds nach Sils-Maria gereist war, in der Hoffnung, Nietzsche wieder für Bayreuth zu gewinnen. Dort hatte er sich ganz dem Zauber Nietzsches hingegeben, aber nun aus der Ferne erinnerte er sich wohl wieder jener ursprünglichen Absicht. Er hatte Nietzsche bewundernd verehrt, aber seine Blickkraft (ein von ihm selbst geprägtes Wort) war doch nicht groß genug gewesen, um ihm die unvergleichliche Selbstherrlichkeit Nietzsches zu offenbaren, sonst hätte er ihm eine solche Kärrnerarbeit im Dienste Bayreuths unmöglich zugemutet.
Hatte Lou Salomé Nietzsche eine Enttäuschung bereitet, weil ihre Menschlichkeit nicht auf der Höhe ihres Intellektes stand, so bereitete ihm Stein eine Enttäuschung, weil seine Erkenntnis nicht auf der Höhe seiner Menschlichkeit stand. Wer Steins Schriften liest, wird auch dann, wenn er mit seinen Gedanken einer anzustrebenden »Kultur des Gefühls« sympathisiert, doch kaum den Zweifel abwehren können, ob Stein geistig so hoch stand, wie Nietzsche wohl annahm. Er war »ein ganz ernster Mensch«, aber die radikale Erkenntnis für die Unvereinbarkeit sich aufhebender Gegensätze war ihm nicht gegeben. Jedenfalls noch nicht in jener entscheidenden Stunde. Nietzsches Seele war abermals auf das schmerzlichste verwundet. »Was hat mir Stein für einen dunklen Brief geschrieben! und das als Antwort auf ein solches Gedicht! Es weiß niemand mehr, wie er sich benehmen soll!«
Ist das Lou-Erlebnis bedeutsam, weil es uns zeigte, welcher Sphäre Nietzsche nicht angehörte, so ist das Stein-Erlebnis typisch für die Schicksale eines Denkers, dessen Größe ihn zur Einsamkeit verurteilte.
Amor fati! Auch dieses Mal blieb Nietzsche diesem Worte treu. Das für Stein bestimmte Gedicht erhielt nicht nur einen neuen Titel »Aus hohen Bergen«, sondern auch sein Schluß erfuhr eine Umarbeitung. Der trotz aller schmerzlichen Erfahrungen immer wieder zum Leben Ja-Sagende feierte die Erfüllung seiner Einsiedlersehnsucht als Fest der Feste. Nicht in Stein hatte er den so innig ersehnten Genossen gefunden, sondern er schuf ihn sich einzig aus sich selbst.
Freund Zarathustra kam, der Gast der Gäste!
Nun lacht die Welt, der große Vorhang riß,
Die Hochzeit kam für Licht und Finsternis …
Der Seher
Was einer werden kann, das achte ich für »klein«,
Was einer »niemals wird«, das mag sein Höchstes sein.
Übelacker.
Wir haben den Grundsatz befolgt, nur Überschriften zu wählen, die Nietzsche selbst bezeichnen. Wir müssen es uns daher versagen, dieses Kapitel »der Übermensch« zu nennen, so lebhaft sich auch die Versuchung einstellt. Als Seher hat Nietzsche den Übermenschen erschaut, als Dichter hat er den Verkünder des Übermenschen, hat er Zarathustra geschaffen.
Die Popularisierung durch unberufene Deuter hat die Kristallisation der Idee in unserer Vorstellung weit mehr gehemmt als gefördert. Mag der Industrielle beim Übermenschen an eine brutale Energie denken, die sich, ledig jedes Gewissenszwanges, über das Niveau der bürgerlichen Geschäftsbetätigung erhebt, oder der literarisch und historisch Gebildete sich etwas wie eine Addition von Goethe und Napoleon vorstellen, so ist damit der Sinn der Nietzscheschen Lehre ebensowenig in ihrem Kern getroffen wie durch die naturwissenschaftliche Auffassung des Übermenschen als Vertreters einer künftigen Überart in darwinistischem Sinn. Aber auch dort, wo man solche willkürlichen Auslegungen bekämpft, weil man tiefer in das Verständnis des einsamen Philosophen eingedrungen ist, fehlt es an einer endgültigen Antwort auf die Frage: Was verstand Nietzsche unter dem Übermenschen?
Die Schwester und Biographin Nietzsches schreibt: »Das Wort Übermensch erscheint mir nur als ein zusammenfassender Ausdruck für den höchst gearteten und stärksten Menschen, als eine Bezeichnung für Wesen, die uns das Dasein rechtfertigen.« Also als ein Superlativ. Eine Erklärung, die uns die unterscheidende Gegensätzlichkeit zum Begriff Mensch vermissen läßt. Für Peter Gast ist der Übermensch ein Symbol, das für verschiedene Menschen verschiedene Deutungen zuläßt, für Oskar Ewald dagegen kein Symbol, sondern eine Emanation. Aber auch Ewald gelangt, obwohl er den Sinn des Übermenschen im historischen Menschen, der Vergangenheit und Zukunft verbindet, zu finden glaubt, zu dem Verlegenheitsausspruch: »Der Übermensch ist bei Nietzsche selber nicht eins, sondern ein schillerndes Allerlei, nicht klar abgehoben, sondern buntfarbig und polyphon. Der ostelbische Junker, der Franzose des ancien régime, Napoleon, Goethe, Cesare Borgia, der hellenische Philosoph und der römische Cäsar streiten um den gleichen Anspruch.« Vielleicht liegt die Schuld an dieser Undeutlichkeit »eines schillernden Allerlei« weniger bei Nietzsche als bei seinen Interpreten, unter denen mir Ewald als der bedeutendste gilt.
Um zunächst den Spuren der Entstehung nachzugehen, dürfen wir uns nicht auf Nietzsches unmittelbare Aussprüche beschränken, sondern müssen den Gedankengang verfolgen, auf dem sich allmählich das Bedürfnis nach einer Bezeichnung einstellte, die aus dem gewohnten Wortschatz nicht zu decken war und ihn das Wort »Übermensch« wählen ließ. Kommen wir so zu einer Vorstellung, die durch kein anderes Wort erschöpft würde, dann (aber auch nur dann) dürfen wir unsere Aufgabe als bewältigt betrachten.
Den Ausgangspunkt bildet der Mensch als ethischer Begriff. Aber nicht im Sinne christlicher Einschätzung, sondern im Sinne antiker Humanität. Die moderne Humanität, die nicht verstehen will, daß es keine wahrhaft schöne Fläche ohne eine schreckliche Tiefe gibt, gilt es durch eine deutsche Wiedergeburt der antiken Welt zu überwinden. Den berufenen Führer im Kampf um diese Wandlung sah Nietzsche im Genie. Hinweg mit dem stumpfen Widerstand gegen die Erzieher auf kulturellem Gebiet, auf daß der deutsche Genius nicht länger entwürdigt und entfremdet von Haus und Heimat lebe! So ungefähr lautete Nietzsches Wahrspruch während seiner ersten Schaffensperiode, als er Schopenhauer und Wagner verehrte.
Stand bisher das Genie, über alle Menschen hinausragend, als ideale Erfüllung in der Perspektive seines Bildes der Zukunft, so erfährt diese allerhöchste Schätzung nun einen Umschlag. Was die Welt Genie nennt, erscheint Nietzsche mit einmal als Karikatur. Schmerzlicher noch als die körperliche und geistige Unzulänglichkeit in der Welt empfindet er die Disharmonie im Wesen der Größten. Er nennt sie Krüppel, die an allem zu wenig und an einem zu viel haben. Auch bei den Ersten und Größten findet er »Menschliches, Allzumenschliches«, das es nicht zu reformieren, sondern zu überwinden gilt. Glaubte er ehemals, als Anhänger Wagners, an die unbedingte Macht der Leidenschaft, so folgte nun, nach dieser hohen Schätzung des Dionysischen mit der Verherrlichung der nächtlichen Tiefe im Wesen des Menschen, die Lobpreisung Apolls. Damit begann eine neue Epoche in Nietzsches Lebensanschauung.
Wir Kinder der Zukunft, ruft Nietzsche um jene Zeit aus, wie vermöchten wir in diesem Heute zu Hause zu sein! Wir sind keine Humanitarier! Wir reden nicht von unserer Liebe zur Menschheit! Die verlogene Rassen-Selbstbewunderung, die besonders in Deutschland Ideale verengt, ist ihm ein Greuel und er hält ihr zunächst das Wort entgegen: »Wir guten Europäer!« Eine Ehrenbezeugung für uns verpflichtete Erben von Jahrtausenden, aber kein letztes Ziel. Denn auch »Europa« bedeutet noch eine Summe von kommandierenden alten Werturteilen, die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind und einer Höherentwicklung widerstreben. Und so unterscheidet er auch noch von diesen kosmopolitischen Europäern in abhebendem und ehrendem Sinn: Heimatlose, gleichsam als zweite Stufe seiner Aszendenzlehre. Heimatlose sind ihm solche Kultur-Individuen, die sich nicht nur jenseits von Gut und Böse stellen, sondern auch sich bewußt abwenden von dem Verlangen nach einem menschlichen, mildesten, rechtlichen Zeitalter, weil sie in diesem Verlangen den Ausdruck der tiefen Schwächung und absinkenden Kraft sehen. Diese Heimatlosen müssen, wenn sie ihre Lebensaufgabe richtig erkennen, sich nicht nur als Freigebige und Reiche des Geistes fühlen, sondern als Eroberer. Denn nur dann haben sie ein Recht, sich als heimatlos, als nicht mehr zugehörig zu dieser humanitären Welt zu betrachten, wenn in ihnen das Verlangen lebt »nach einer Verstärkung und Erhöhung des Typus Mensch«.
Wer entspricht dem Ideal dieser unzeitgemäßen, heimatlosen Nicht-Humanitarier? Das Genie? Seine erkannte Disharmonie heißt uns Nein sagen. Der positiv Erkennende? Nietzsches plötzliche Verherrlichung der Wissenschaft an Stelle der Kunst scheint auf ihn hinzuweisen. Aber bald gestand er sich: Nein, auch die Wissenden haben des Volkes Karren gezogen, dem Aberglauben und nicht der Wahrheit gedient. Und ist die Wahrheit selbst mehr als ein Restbestand unwiderlegter Irrtümer? So gelangt Nietzsche zu der Frage: Ist es vielleicht nur der Unglaube, jede Art Unglaubens, wofür die Heimatlosen kämpfen? Aber da er nicht in der Verneinung noch im Zweifel sein Genüge fand, so antwortet er als berufener Ja-Sager, als seine dritte Schaffensperiode einsetzt: Das wißt ihr besser, meine Freunde! das verborgene Ja in euch ist stärker als alle Neins und Vielleichts, an denen ihr mit euerer Zeit krank seid; und wenn ihr aufs Meer müßt, ihr Auswanderer, so zwingt dazu auch euch ein Glaube.
Diese Sätze, die sich zumeist in den Nachlaßveröffentlichungen befinden, entstammen einer Zeit, in der Nietzsche für das fernste, höchste Ziel noch nicht das entscheidende Wort gefunden hatte, sondern um einen Namen verlegen war. Wohl aber wird uns bereits Richtung und Weg zu diesem neuen Ideal deutlich gewiesen: Aufhebung alles dessen, was der natürlichen Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten entgegenstrebt, und Ablösung des Zufalls durch eine Zusammenfassung aller Kräfte zu diesem neuen Zweck. Das feminine Ideal der Mitleidsmoral ist dieser größten Erhöhung des Kraftbewußtseins, diesem freudig bejahenden männlichen Ideal entgegengesetzt. Die Fürsorge der Humanität ist nicht der Höherentwicklung als solcher gewidmet, nicht der Gipfelung in seltenen Einzelnen, sondern ihre Fürsorge dient an erster Stelle dem Glückseligkeitsstreben der Allgemeinheit, das immer eine negative Fassung voraussetzt. Die Aspirationen der Kunst mit ihrem Theaterschrei der Leidenschaft zielen nach dem Verschrobenen; die Philosophie will Selbstentfremdung. Der Weg der modernen Humanität führt daher nicht an ein Ziel, auf dem der Mensch über sich selbst hinauswächst, sondern zum resignierten, aus Klugheit friedsam mäßigen, aller Umgebung anpassungsfähigen, behäbigen »letzten Menschen«, der lange und langsam lebt. Also zu einem Ende ohne Ehre.
Diesem drohenden Niedergang gegenüber fordert Nietzsche, daß der Mensch den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaussende, daß er weniger ans Erhalten und Hegen denke, sondern daran, den Keim seiner höchsten Hoffnungen zu pflegen, geleitet von der Erkenntnis: der Mensch ist etwas, das überwunden werden muß. Die Wegrichtung zur Höherzüchtung der Menschheit ist damit von Nietzsche deutlich gewiesen. Aber auch die Frage, wie wir uns praktisch die Aufgabe jener als heimatlos bezeichneten Nicht-Humanitarier zu denken haben, bereitet uns keine Schwierigkeit. Ihr kultureller Beruf ist die Gründung einer Oligarchie über den Völkern und ihren Interessen. Also eine Vorherrschaft der höheren Menschen, die wir uns jedoch nicht im Sinn unserer bestehenden politischen Verhältnisse auszulegen haben.
Verlangte Nietzsche schon vom guten Europäer, daß ihn die Tapferkeit von Kopf und Herz auszeichne, so erwartet er vom höheren Menschen, daß die erlangte Männlichkeit ihn das größte Maß von Macht über die Dinge anstreben lasse; alles aus innerster Fülle und Notwendigkeit. An die Stelle des alten Imperativs »Du sollst!« hat ein neuer zu treten: das »Ich muß« des Übermächtigen, Schaffenden. Dieser Instinkt ist nicht blind gedacht, sondern alles Tun soll Sinn bekommen. Er ist nicht zügellos gedacht, denn der Befehlende soll seine Kräfte in der Gewalt haben. Aber er ist auch nicht nachgiebig gedacht, denn der Schaffende der neuen Werte darf humanitären Anwandlungen nicht unterliegen. Die Herrscher-Tugend, die Züchter-Tugend ist die, welche auch über ihr Mitleiden Herr wird, um des fernen Zieles willen.
Zahl und Mächtigkeit dieser Kraftentladungen bestimmen den Wert eines Lebendigen. Wir haben uns diese Kraft nicht homophon zu denken; denn der Mensch hat gegensätzliche Triebe und Impulse in sich großgezüchtet. Wir erkennen mächtig gegeneinander treibende Instinkte und wir nennen den stark, der sie gebändigt umspannt. Der höchste Mensch ist uns einer, der die größte Vielheit der Triebe und in relativ größter Stärke in sich vereinigt. Vermöge dieser Synthesis ist er der Herr der Erde.
Nur diese Art gesetzgeberischer Menschen ist zur typischen Ausgestaltung des Menschen berufen. Sie sind die Bildner; und der Rest ist, gegen sie gehalten, nur Ton. Wer die Werte bestimmt und die auserwähltesten Naturen lenkt, ist der höchste Mensch. Dieses Idealbild einer anzustrebenden Zukunft, dieser über alle Forderungen eines menschlichen, mildesten, rechtlichsten Zeitalters, über alle moderne Humanität hinausgewachsene Herr der Erde, der neue Werte nicht nur findet und schafft, sondern vermöge seiner Stärke und Größe zum Gesetz erhebt: das ist der Übermensch.
Der Übermensch ist das Genie, das an keiner Disharmonie leidet, der Weise, der keine Selbstentfremdung kennt, der Seher, der in keinen Fanatismus verfällt, also ein Mensch, der trotz seiner intuitiven Kraft, trotz seiner ethischen Ziele, trotz seiner Geistigkeit ein harmonischer Vollmensch bleibt. Nicht schwer, sondern leicht; denn auch das Halkyonische ist als wesentlich zu dieser Größe gedacht.
Dem Übermenschen ist alles Wissen nur ein Mittel zum Schaffen. Aber auch den Affekt des Schaffenden müssen wir uns als auf die Höhe gebracht denken. »Nicht mehr Marmor behauen!« ruft Nietzsche. Der Übermensch gestaltet am Menschen selbst als Künstler.
Kein humanistisches Zeitalter kann auf die Hervorbringung dieser höchsten Blüte der Männlichkeit hoffen, sondern nur eine höhere Kultur, die einen höheren Typus Mensch entwickelt hat. Freilich: Erhöhung des Typus bedeutet zunächst Erhöhung des Niveau. Aber darüber hinaus gibt es noch eine letzte Steigerung: die Hervorbringung seltener Einzelner, unter Kulturverhältnissen, in denen sie sich einzuwurzeln vermögen. Erst wenn wir uns dieser Aszendenz bewußt sind, verstehen wir, in welchem Sinn Nietzsche verkündete: Seht, ich lehre euch den Übermenschen!
Steht das Genie im schärfsten Widerspruch zur Unkultur seiner Zeit und deren Tendenzen, so haben wir im Gegensatz hierzu den Übermenschen in seiner harmonischen Verbundenheit bei aller Ursprünglichkeit und aller Gegenwirkung im einzelnen, als naturgerechtes Produkt einer zukünftigen höheren Kultur zu denken. Im Übermenschen vereinigen sich harmonisch individuelle und kommunistische Kräfte: die kommunistischen Kräfte einer zukünftigen Herrscherkaste. Hier liegt das Neue in der Vorstellung Nietzsches gegenüber dem Genie- und Heroenkult früherer Zeiten. Und hier liegt vor allem auch ein Vorzug, den die Nietzschebekenner so wenig beachten: der, daß ihr Meister nicht im Individualismus stecken blieb.
Die Gefahr des Mißverstehens liegt viel weniger dort, wo der Übermensch allzu konkret in darwinistischem Sinne aufgefaßt wird, als in der Verflüchtigung jeder definierbaren Vorstellung. Nein, der Übermensch ist für Nietzsche nicht »nur ein Mahnruf«, nicht nur die unendliche Möglichkeit einer Entwicklung oder ein Postulat in Permanenz, sondern ein ethisches Ideal. Ein Ideal, das, wie jedes, als Phantasieerzeugnis uns voranschwebt. Nichts, was zwischen Tür und Angel steht, aber auch nichts, was die Ziellosigkeit zum Ziel erhebt und gleichsam die Unendlichkeit der Entwicklung objektiviert, sondern ein Bild, das unserer Vorstellungskraft auf einer bestimmten Kulturstufe als realisierbar gilt. Sagt doch Nietzsche ausdrücklich: »Der Übermensch ist unsere nächste Stufe«.
War dieser höherwertige Typus noch niemals da? Gewiß, antwortet uns Nietzsche, aber als ein Glücksfall, als eine Ausnahme, nicht als gewollt. Man hat ihn als das Furchtbare empfunden und aus der Furcht den umgekehrten Typus gezüchtet: »das Haustier, das Herdentier, das kranke Tier Mensch, den Christ«. Nietzsche aber war schon früh überzeugt, daß man durch glückliche Erfindungen das große Individuum noch ganz anders und höher erziehen könne, als es bis jetzt durch die Zufälle erzogen wurde. Er verkannte durchaus nicht, daß die Menschheit heute eine ungeheuere Kraft moralischer Gefühle in sich hat, aber immer mehr verschärfte sich seine Erkenntnis dahin, daß ihr das Ziel fehle, an dem alle Kraft verwendet werden könnte.
Wo liegt dieses Ziel? Im Gegensatz zu dem Amerikaner Draper, der verkündete, große Menschen könne, ja dürfe es nicht mehr geben, blieb Nietzsche bei seiner früh ausgesprochenen Überzeugung: »Das Ziel der Menschheit liegt in ihren höchsten Exemplaren«. Er ging später so weit, die Möglichkeit der Erzeugung einzelner großer Menschen als eigentliche Aufgabe der Menschheit zu bezeichnen. »Dies und nichts anderes sonst.« Können wir da auch nur einen Augenblick im Zweifel sein, daß für ihn der Übermensch nicht etwa eine jedermann erreichbare Stufe, sondern den höchsten Gipfel in der Perspektive der heute vorstellbaren Zukunft bildete? Seine Forderung lautet niemals: Werde ein Übermensch! Sondern: Trage bei zur Gestaltung einer Kultur, die die Möglichkeit des Werdens einzelner großer Menschen erhöht, »handle so, als ob du den Übermenschen aus dir erzeugen wolltest«.
Nietzsches Lehre bezweckt, daß das Fernste die Ursache des Heute werde. Ob er vom Weibe verlangt, daß seine Hoffnung heiße: »Möge ich den Übermenschen gebären,« oder ob er sagt: »Der Freund sei euch ein Fest der Erde und ein Vorgefühl des Übermenschen«, immer klingt seine Lehre in der Forderung aus: Ihr sollt Vorfahren werden des Übermenschen.
Das ist die Aszendenzlehre Nietzsches.
Zarathustra ist nicht nur der Verkünder des Übermenschen, sondern er lebt auch seine Lehre als Schaffender am Menschen. In diesem Sinne wurde in Zarathustra der Begriff Übermensch höchste Realität; denn »in einer unendlichen Ferne liegt alles das, was bisher groß am Menschen hieß, unter ihm«.
Der Dichter
Wer weiß, ob nicht auch der Mensch wieder nur ein Wurf nach einem höheren Ziele ist.
Goethe.
Hüte dich Nietzsches tiefstes und persönlichstes Werk »Also sprach Zarathustra« mit dem bloßen Verstande erkennen zu wollen! Diese Mahnung sollte man jedem Leser zurufen. Denn in diesem Werke spricht und singt ein Dichter. Wer mit den Augen zudringlich ist als Erkennender, wie sollte der von allen Gründen mehr als ihre vorderen Gründe sehen, gemahnt uns Nietzsche. »Manche Seele wird man nie entdecken, es sei denn, daß man sie zuvor erfinde.« Das gilt nicht nur von der Seele eines Menschen, sondern auch von der Seele einer Dichtung. In jeder Mahnung, daß ein Kunstwerk erschaut, erfühlt, erlebt werden müsse, liegt die Forderung, daß es in uns zeugen soll, damit die nachschaffende Phantasie zu einem Gebilde von symbolischer Bedeutung gelange.
Wenn man der Dichtung des »Zarathustra«, wie es meist geschieht, nur poetisch umkleidete Lehrsätze entnimmt, so gelangt man nur zu den Vordergründen, nicht aber zu der Seele. Läßt man dagegen Zarathustra selbst und alle Gestaltungen des Werkes lebendig vor den Augen der Phantasie erstehen, so erfaßt man gefühlsmäßig den mythischen Sinn. Wir bedürfen keiner schulmeisterlichen Kommentare, wie Naumann und Weichelt sie lieferten, um in den Geist des Werkes einzudringen. »Also sprach Zarathustra« ist kein Lehrgebäude für Dogmatiker. Es ist auch kein Roman, der unsymbolisch genossen werden kann. »Mich ekelt davor, daß Zarathustra als Unterhaltungsbuch in die Welt tritt; wer ist ernst genug dafür?« schrieb Nietzsche an Gast. Aber das Buch will auch nicht als das Evangelium einer neuen geoffenbarten Religion verstanden werden. »Hier redet kein Prophet, keiner jener schauerlichen Zwitter von Krankheit und Willen zur Macht, die man Religionsstifter nennt.« Es ist auch keine Predigt. »Hier redet kein Fanatiker, hier wird nicht gepredigt.«
Was aber ist »Also sprach Zarathustra«? Nietzsche hat uns auf diese Frage eine Antwort gegeben, der mehr als bildliche Bedeutung zukommt. Er hat gesagt: »Man darf vielleicht den ganzen Zarathustra unter die Musik rechnen; – sicherlich war, eine Wiedergeburt zu hören, eine Vorausbedingung dazu.« Und schon früher, bald nach der Entstehung des ersten Teils hatte er an Gast geschrieben: »Unter welche Rubrik gehört eigentlich dieser Zarathustra? Ich glaube beinahe unter die Symphonien.« Nach der Fertigstellung des dritten Teiles fragte er den treuen Mithelfer: »Sind Sie zufrieden auch mit dem Finale meiner Symphonie?« Und ein Jahr danach bezeichnete er mit den gleichen Worten den vierten Teil in einem Briefe an Paul Heinrich Widemann. Aber auch viel später, nämlich in seiner autobiographischen Skizze »Ecce homo« heißt es: »Man muß vor allem den Ton, der aus diesem Munde kommt, diesen halkyonischen Ton richtig hören, um dem Sinn seiner Weisheit nicht erbarmungswürdig Unrecht zu tun«, und weiterhin: »Es ist ein Vorrecht ohnegleichen, hier Hörer zu sein.« Fast könnte man von »Zarathustra« sagen, was Nietzsche einmal vom Buch eines Musikers sagte: es sei nur zufällig nicht mit Noten, sondern mit Worten geschrieben. Der Phönix Musik war mit »leichterem und leuchtenderem Gefieder« an ihm vorübergeflogen, ehe er den »Zarathustra« dichtete.
»Die Musik ist die Melodie, zu der die Welt der Text ist«, sagt Schopenhauer. Gehen wir unsererseits von der Welt, der dichterisch erschauten Welt Zarathustras aus, so gilt es also, die Melodie zu finden, zu der sie der Text ist. Da es uns nicht gegeben ist, sie ertönen zu lassen – eine solche Musik würde die erschöpfendste Interpretation des »Zarathustra« sein –, so müssen wir versuchen, durch das Wort wenigstens den wesenhaften Charakter der Melodie zu erschließen.
Ich bin mir der Schwierigkeiten bewußt, die eine solche Betrachtung bietet, aber ich wage sie trotzdem; denn Nietzsche selbst hat uns den Weg gewiesen. In seinem frühesten Plane des Werkes stehen als Disposition des ersten Buches die bedeutungsvollen Worte: »Im Stile des ersten Satzes der Neunten Symphonie. Chaos sive natura: Von der Entmenschlichung der Natur.« Entmenschlichung der Natur will in diesem Falle sagen: Rückkehr zu Dionysos, dem schöpferischen Willen der Natur, der sich aus dem Chaos entwickelt.
Rufen wir uns nochmals das Bekenntnis Schillers in das Gedächtnis: »Die Empfindung ist bei mir anfangs ohne bestimmten und klaren Gegenstand; dieser bildet sich erst später. Eine gewisse musikalische Gemütsstimmung geht vorher, und auf diese folgt bei mir erst die poetische Idee.« Diese Worte hat Nietzsche in der »Geburt der Tragödie« zittert, um aus der ursprünglichen Identität des Lyrikers mit dem Musiker die Entstehung der griechischen Tragödie zu erklären, in der die Musik gleichsam sichtbar wurde. Die dionysisch-musikalische Verzauberung sprühte, von Apollo berührt, Bilderfunken um sich, lyrische Gedichte, die in ihrer höchsten Entfaltung Tragödien und dramatische Dithyramben heißen. So auch haben wir uns die Entstehung des »Zarathustra« zu erklären.
Welche Sprache war einer solchen Dichtung gemäß? Man gefällt sich noch immer darin, eine stilistische Verwandtschaft mit der Bibel zu behaupten. Aber so zahlreich die Anklänge an einzelne Bibelworte sein mögen, meist als Umkehrungen, es lag Nietzsche ebenso fern, stilistisch von der Bibel auszugehen, als von ihrem Geist. Zarathustra ist nichts weniger als eine Parallelerscheinung zu Jesus, wie Weichelt doziert, sondern er ist aus dem Geiste der Antike entstanden. Welche Sprache war also einer solchen Dichtung gemäß? Nietzsche selbst hat uns die Antwort gegeben: »Die Sprache des Dithyrambus. Der Dithyrambus ist ein Hoch- und Festgesang zu Ehren des Schöpferwillens der Natur, ein Preisgesang zu Lob und Verherrlichung des Dionysos. Im dionysischen Dithyrambus wird der Mensch zur höchsten Steigerung aller seiner symbolischen Fähigkeiten gereizt.«
Wie haben wir »Also sprach Zarathustra« zu verstehen? Antwort: symbolisch. »Alles was geschieht ist Symbol, und indem es vollkommen sich selbst darstellt, deutet es auf das übrige,« sagt Goethe, der uns immer wieder am sichersten in Nietzsches Geisteswelt einführt, wenn es gilt, aus den Mysterienpfaden innerer Erlebnisse und Umkehrungen des einsamen Philosophen mit ihm zu sonniger Höhe zu gelangen. Symbolisch also und nicht dogmatisch haben wir »Zarathustra« zu verstehen. Es bedeutet daher einen entschiedenen Fehlgriff, wenn Richard M. Meyer ihn ein »dramatisch-didaktisches Epos« nennt.
Symbolisch verstanden, verkündet uns Zarathustra als notwendige Voraussetzung für die Steigerung des Lebens: die Zusammengehörigkeit von Lust und Leid und die Heiligsprechung dieses Bundes durch die Liebe zur Ewigkeit. »Ich, Zarathustra, der Fürsprecher des Lebens, der Fürsprecher des Leidens, der Fürsprecher des Kreises …!« Mit diesem Satz, sind die drei ersten Teile des »Zarathustra« gekennzeichnet, aus denen ursprünglich das Werk bestand und auf die wir uns zunächst beschränken.
Als Fürsprecher des Lebens, des zur Höhe des Übermenschen aufstrebenden Lebens lernen wir Zarathustra im ersten Teile kennen. Als Fürsprecher des Leidens, das im Schaffenden sich selbst überwindet, kehrt er im zweiten Teil zu seinen Jüngern zurück. »Schaffen, das ist die große Erlösung vom Leiden und des Lebens Leichtwerden. Aber daß der Schaffende sei, dazu selber tut Leid not und viel Verwandlung.« Und als Fürsprecher des Kreises bejaht er im dritten Teil Leid und Lust. »Alles geht, alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, alles blüht wieder auf; ewig läuft das Jahr des Seins.«
Öffnen wir weit die Augen, um die Vision der Zarathustra-Symphonie als Dichtung zu schauen! Wir sehen Zarathustra, den rüstigen Mann von vierzig Jahren, als Wanderer vom Gebirge herabsteigen. Dorthin in Vergessenheit trug er einstmals die Asche der fremden metaphysischen Gedanken seiner Jugend. In der Bergeinsamkeit erstand ihm seine Lehre vom schöpferischen Willen. Ihr Feuer bringt er nunmehr in die Täler. Nicht zu den Gottesfürchtigen, für die der alte Gott noch lebt, denn sie bedürfen seiner nicht, wohl aber zum Volke, das den alten Glauben verloren hat. Ihm verkündet er: alle Wesen bisher schufen etwas über sich hinaus. Auch der Mensch, der heutige Mensch ist etwas, das überwunden werden muß. Seht ein Ideal über euch! Ich lehre euch den Übermenschen! Aber das Volk verlangt nach Glück im Behagen, das nur im klugen Verzicht auf jedes höhere Wachstum erreicht werden kann.
Da erkennt Zarathustra: nicht zum Volke darf ich reden, um verstanden zu werden, sondern nur zu einzelnen berufenen Gefährten. Ihnen verkündigt er, daß der in Ehrfurcht tragsame Geist sich mit Löwenmut zunächst sein »ich will!« erobern muß, dann aber noch einer weiteren Verwandlung bedarf, damit eine neue erste Bewegung, ein heiliges Ja-Sagen erstehe. Das Motiv der Entmenschlichung der Natur, chaos sive natura, ertönt in geheimnisvollen Akkorden. Es erheischt: Rückkehr zur Unschuld des Kindes! Wie das Kind in Unschuld spielt, so muß das Schaffen des Menschen, der neue Werte setzt, ein Spiel der Unschuld sein. »Das schaffende Selbst schuf sich Achten und Verachten, es schuf sich Lust und Weh. Der schaffende Leib schuf sich den Geist als eine Hand seines Willens.«
Zarathustras Reden verweisen die Freunde auf die Gefahren, die dem schöpferischen Willen drohen: durch Genügsamkeit, Verlästerung der Natur und des Leibes, Verebbung der Tugend, Verflachung der Bildung und auch durch Wachstum des Gutseins ohne gleichzeitige Kräftigung der Triebe. Je mehr ein Baum hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker müssen seine Wurzeln erdwärts streben, abwärts ins Dunkle, Tiefe – ins Böse. Das gleiche Motiv, das sich zu Anfang verheißungsvoll aus dem Schöpfungsmotiv entwickelte, beschließt auch den ersten Teil: »Tot sind alle Götter: nun wollen wir, daß der Übermensch lebe.«
Also belehrt Zarathustra seine Jünger und läßt sie dann allein, damit der ausgestreute Samen, unbeeinflußt durch ihn selbst, aufgehen möge. Er wandert zurück in das Gebirge und in die Einsamkeit seiner Höhle.
Monde und Jahre vergehen. Eines Morgens aber kommt die Kunde zu ihm, daß seiner Lehre Bildnis entstellt wurde und ihm der Verlust seiner Freunde droht. Wiederum sehen wir ihn in die Täler hinabsteigen und über weite Meere zu den glückseligen Inseln fahren, wo seine Freunde wohnen.
»– und erst, wenn ihr mich alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren. Wahrlich, mit andern Augen, meine Brüder, werde ich dann meine Verlorenen suchen; mit einer andern Liebe werde ich euch dann lieben.« Nietzsche hat diese Worte des ersten Teils als Motto des zweiten verwendet; aber aus diesem Motto »ergeben sich, was dem Musiker zu sagen fast unschicklich ist, andere Harmonien und Modulationen als im ersten Teile«, heißt es in einem Briefe an Gast. Andre Harmonien und Modulationen! Aber das Leitmotiv des schöpferischen Willens beherrscht auch diesen zweiten Teil der Zarathustra-Symphonie. Zu ihm gesellt sich das Thema des Leidens.
Bewußte seelische Leidensfähigkeit ist ein Maßstab der kulturellen Höhe eines Menschen. Der niedere Mensch leidet stumpf und dumpf. Die bewußte Leidensfähigkeit erstreckt sich auch auf das Mitleiden am Schicksal anderer. Wer Nietzsches Philosophie kennt, weiß bereits, welche Gefahren Nietzsche für die Höherentwicklung im Mitleiden sah. Auch hierin, wie sonst, kommt durch Zarathustra die eigene Gesinnung und Lebensanschauung des Dichters zum Ausdruck. Er verkündet den »höheren« Menschen, die allein er nunmehr als seine Jünger ansieht: »Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem Mitleiden ist.« Denn erst diese große Liebe opfert sich und den Nächsten dem Aufstieg zum Ideal. Darin müssen alle Schaffenden hart sein. Hart vor allem gegen sich selbst, streng gegen sich auch gegenüber der Hingebung an metaphysische Trosthintergründe. Denn, lehrt Zarathustra anti-metaphysisch im zweiten Teile des Werkes den höheren Menschen: »Gott ist eine Mutmaßung: aber ich will, daß euere Mutmaßung begrenzt sei von der Denkbarkeit.«
Überall, wo diese Grenzen überschritten werden, sieht Nietzsche Gefahren für den Aufstieg. Das gilt vom religiösen Glauben an Rache, Strafe, Lohn, Vergeltung. Das gilt aber auch von der Erkenntnis, die Selbstzweck bleibt, von der Moralität, die nicht die Bedingtheit aller Wertungen einsieht, von der Erhabenheit, der die Schönheit mangelt, von der atavistisch überladenen Bildung, von der untätigen Beschaulichkeit und Menschenverachtung, wenn sie in unproduktiver Resignation auf Illusionen verzichtet, die für das schöpferische Leben unentbehrlich sind. »Damit das Leben gut anzuschauen sei, muß sein Spiel gut gespielt werden: dazu aber bedarf es guter Schauspieler.«
In Illusionen wiegen sich vor allen die Eitlen. Ihr Spiel gilt Nietzsche als eine Arznei gegen die Schwermut. Und darum schont er die Eitelkeit. Im Spiel des Lebens müssen wir die Furchtsamkeit überwinden, die vor dem Gedanken erschrickt, daß die Verknüpfung von Lust und Leid sich niemals löst, sondern ewig währt, wo immer Leben waltet. »Großes vollführen ist schwer: aber das Schwerere ist, Großes befehlen.« Nicht bedarf es des Pathos hierzu; denn »die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt«. Noch wagt Zarathustra nicht den abgründigsten dieser Gedanken auszusprechen, und so sehen wir ihn nochmals in die Einsamkeit zurückkehren.
Errichtete der erste »Zarathustra« den Menschen ein Ideal als Ziel ihres Strebens über sich selbst hinaus: den Übermenschen, lehrte der zweite »Zarathustra«, was auch am Guten noch unzulänglich, noch feige, also schlecht ist, so enthüllt der dritte »Zarathustra«, was am Bösen schöpferisch und stark, also gut ist: Wollust als Gartenglück der Erde, als aller Zukunft Dankesüberschwang an das Jetzt, Herrschsucht als Machtlust des Hohen, Selbstsucht, die das Ich heil und heilig spricht in gesunder Liebe. Der Wille zur Vernichtung wird verherrlicht; denn wer radikal denkt und fühlt und das Starke will, muß das Schwache verwerfen. Soll der Weizen blühen, müssen wir das Unkraut ausjäten. Und darum zerbricht Zarathustra die alten Tafeln, die Weichherzige beschrieben haben, und stellt neue Tafeln auf, die bestimmen: »Das Beste soll herrschen, das Beste will auch herrschen! Und wo die Lehre anders lautet, da – fehlt es am Besten.« Zu diesem Besten aber ist dem Menschen auch sein Bösestes nötig.
Zarathustra ist reif für seine Früchte geworden. Nun erst ist ihm die Kraft des Befehlenden gegeben, nun erst vermag er den Freunden seine höchste Wahrheit zu verkünden, die da besagt: dieses Leben ist zugleich dein ewiges Leben. Nicht Beifall und Zustimmung der Erkenntnis genügen, sondern es bedarf der entschlossenen Tatkraft, um das ungeheuere, unbegrenzte Ja- und Amensagen zum Leben in Wirksamkeit treten zu lassen. Nicht der Geist allein, sondern der Mut zum eigenen Selbst muß sprechen: »War das das Leben? Wohlan! Noch einmal!« Auch der Überwindung des Ekels bedarf es, damit der ewige Lebenswille bewußt seinen Sieg feiere. Nun verkündet Zarathustra die Lehre der Ewigen Wiederkunft des Gleichen. »Alles bricht, alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins. Alles scheidet, alles grüßt sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins.«
Man achte darauf, wie oft in aller Beredsamkeit Zarathustras sich nun die Sehnsucht des Dichters ankündigt, mit der Macht der Musik zu sprechen und wie seine Sprache sich auf das innigste dem Klang unmittelbar vermählt. »Mit Tönen tanzt unsere Liebe auf bunten Regenbögen.« Er will den Singe-Vögeln das Singen ablernen und verkündet seinen Tieren: »Daß ich wieder singen müsse – den Trost erfand ich mir und diese Genesung.« Seine Tiere antworten ihm: »Sprich nicht weiter, mache dir zuerst eine Leier zurecht, eine neue Leier.« Und er spricht zu seiner Seele: »Aber willst du nicht weinen, nicht ausweinen deine purpurne Schwermut, so wirst du singen müssen, o meine Seele! – singen, mit brausendem Gesange, bis alle Meere still werden, daß sie deiner Sehnsucht zuhorchen …« Und nun folgt jener wunderbare »Das andere Tanzlied« überschriebene Dithyrambus der in den unsterblichen Tönen ausklingt:
O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
»Ich schlief, ich schlief –,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht:
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh –,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit –,
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!«
Nietzsche hat uns später diese Worte dahin erläutert: so reich ist Lust, daß sie nach Wehe durstet; weil sie sich selber will, darum will sie auch Herzeleid! »Schmerz ist auch eine Lust, Fluch ist auch ein Segen, Nacht ist auch eine Sonne!«
Aber selbst nach diesen Klängen fand Nietzsche noch eine Steigerung in dem »Ja- und Amenlied: Die sieben Siegel« mit dem siebenmal wiederkehrenden Refrain: »Denn ich liebe dich, o Ewigkeit!«
So wurde im dritten Satz der Zarathustra-Symphonie der Ewigkeitsgedanke zum herrschenden Leitmotiv.
Man behauptete immer wieder, zwischen der Lehre des Übermenschen und der Lehre der Ewigen Wiederkunft klaffe ein Widerspruch. Aber dieser schließt sich von selbst, wenn wir beides im Sinne Nietzsches in symbolischer Bedeutung verstehen.
»Der Übermensch ist unsere nächste Stufe.« In diesen Worten Nietzsches ist gesagt, daß wir den Übermenschen nicht etwa nur als Maximum im Menschen latenter Fähigkeiten zu betrachten haben, sondern recht wohl als ein Ideal, das organisch und sozial zur Entfaltung kommen soll, ohne daß durch seine Realisierung das ideale Streben sein Ende erreicht. »Um die Mitte der Bahn entsteht der Übermensch.« Er bedeutet diejenige Stufe, auf welcher der Mensch sich selbst und dem Leben in dem Maße gut wird, daß er Lust wie Leid bejaht; denn alle Dinge sind verkettet. Diese unbedingte Lebensbejahung findet ihr Symbol in der Lehre der Ewigen Wiederkunft.
Nicht das also entscheidet, daß diese Lehre als Dogma geglaubt, sondern daß der Gedanke als eine Möglichkeit nicht nur ertragen wird, sondern gewollt wird, um so den Ewigkeitswert alles Tun und Lassens zu besiegeln. Wir haben es bereits ausgesprochen, daß diese wesenhafte Bedeutung auch dann gewahrt bleibt, wenn wir nicht an eine gleichmäßige Wiederholung, sondern an Wandlungen der andauernden Schöpfung denken.
Ob wir uns diese Ewigkeitsbewertung als Kreis oder als Spirale vorstellen, in beiden Fällen sind wir nicht etwa an die Lehre der Metamorphose (der Seelenwanderung), wohl aber an die der Palingenesie gebunden. Vortrefflich hat Schopenhauer beide definiert. »Sehr wohl könnte man unterscheiden Metamorphose als Übergang der gesamten sogenannten Seele in einen anderen Leib – und Palingenesie als Zersetzung und Neubildung des Individui, indem allein sein Wille beharrt und die Gestalt eines neuen Wesens annehmend, einen neuen Intellekt erhält.«
Sehr richtig sagt Oskar Ewald: »Der vulgäre Mensch sieht Phänomene kommen und gehen, der höhere Mensch sieht seine Kontinuität hinter den Phänomenen.« Dieser Glaube an eine Kontinuität wird durch Nietzsches Lehre der Ewigen Wiederkunft symbolisiert.
Fragen wir uns zum Schlusse, welches ist also die Idee, die in der Dichtung des »Zarathustra« als Wiederspiegelung einer dionysisch-musikalisch empfundenen Willenskundgebung zum Ausdruck kommt, so können wir sie imperativistisch in die Worte fassen: Fühle, denke, wolle, handle so, daß unter der Oligarchie höherer Menschen eine Kultur möglich wird, in der sich der harmonische Vollmensch, gesund an Körper und Geist, der zum Gesetzgeber berufene Übermensch wurzelhaft zu entwickeln vermag, der nicht des Ausblicks auf ein anderes Leben bedarf, sondern dieses Leben als sein ewiges Leben lebt und seine höchste Bejahung in dem Verlangen findet: Ist dies das Leben? Wohlan noch einmal! Denn ich liebe dich, o Ewigkeit!
Der Hoffende
Wenn ich mein Leben noch einmal beginnen sollte, so würde ich ebenso leben, wie ich gelebt habe.
Montaigne.
Der erste Teil des »Zarathustra« ist im Februar 1883 in Rapallo geschrieben. »Die Schlußpartie wurde genau in der heiligen Stunde fertig gemacht, in der Richard Wagner in Venedig starb.« Also am 13. Februar. Der zweite Teil ist zwischen dem 26. Juni und dem 6. Juli des gleichen Jahres in Sils-Maria geschrieben. »Im Sommer, heimgekehrt zur heiligen Stelle, wo der erste Blitz des Zarathustra-Gedankens mir geleuchtet hatte, fand ich den zweiten ›Zarathustra‹. Zehn Tage genügten; ich habe in keinem Falle, weder beim ersten noch beim dritten und letzten mehr gebraucht.« Der dritte Teil wurde Ende Januar 1884 in Nizza geschrieben.
In zehn Tagen! Es fällt schwer, sich dies vorzustellen bei der Fülle des Werkes, auch wenn wir uns sagen, daß gewiß Vieles längst vorbedacht war. Zu Dr. Paneth aus Wien äußerte Nietzsche einmal zur Zeit, da der dritte »Zarathustra« entstand, er glaube in sich dichterische Kräfte bis zu jedem Grade zu haben; er habe sie so lange zurückgedrängt, daß er jetzt nur die Schleusen zu öffnen brauche. Seine gleichzeitige Mitteilung, er wolle auch einige Kompositionen fertigbringen und hinterlassen als Ergänzung seiner Schriften, denn er könne in Tönen manches sagen, was in Worten nicht auszusprechen sei, bestätigt die innige Verbundenheit von Wort und Musik bei Nietzsche.
Von der Entzückung, in der er seinen »Zarathustra« schuf, gewinnen wir eine überzeugende Vorstellung, wenn wir in »Ecce homo« lesen, wie er die Macht der Inspiration empfand. Nämlich als eine Offenbarung in dem Sinne, daß plötzlich mit unsäglicher Sicherheit und Feinheit etwas sichtbar, hörbar wird, was einen im tiefsten erschüttert, jede Willkür und Wahl ausschließt und in Bild und Gleichnis unmittelbar den nächsten, richtigsten, einfachsten Ausdruck darbietet.
Nur aus der Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit der schöpferischen Intuition erklärt es sich, daß das Werk innerhalb einer Frist entstehen konnte, die uns bei einem verstandesmäßig dem Bewußtsein abgerungenen Werk als unmöglich erscheinen müßte. Und dies außerdem unter der mißlichsten Ungunst der Verhältnisse. Gesundheitliche Störungen, Schwierigkeiten mit dem Verleger, Ausbleiben sympathischer Zustimmungen, zufällige Mißhelligkeiten verschiedenster Art vermochten nicht den Fluß seiner Arbeit zu hemmen. Am schwierigsten aber erwies sich dabei wohl, die zeitweise auftretende eigene Depression zu überwinden. Auch an Nietzsche trat, wie an andere Menschen, die Versuchung heran, im Mitleiden eine Tugend zu sehen, der man seine höhere Erkenntnis opfern müsse. Dann versuchte die Einsicht, daß auch der Schaffenswille dem Willen zur Macht, also der Herrschsucht, entstammt, ihm ein Halt zuzurufen; dann zweifelte auch er, ob es eine »Pflicht zur Wahrheit« geben könne, da doch niemals die unbedingte Richtigkeit feststehe. Zweifel überkamen auch ihn, den liebend Hoffenden, ob, wer den Menschen den Genuß am Vorhandenen so gründlich erschüttert, nicht damit die große Müdigkeit der Kulturmenschheit noch mehre, statt sie zu heben, ob diese nicht an Kräften Einbuße erleide, wenn er allem, was heute als Tugend anerkannt wird, die Scheinherrlichkeit raube; denn das Leben bedarf der Illusionen. Aber er überwand diese Versuchung, erfüllt von der Überzeugung, daß seine Lehre der Menschheit das biete, was sie am nötigsten hat: ein neues Ziel!
Heute sind wir uns wohl darüber einig, daß Nietzsches Lehre dies vermag. Gleichviel, ob wir als Individualisten es im harmonischen Vollmenschen sehen, dem Gesetzgeber der Zukunft, der einen Gipfel unserer Entwicklung bedeutet, oder ob wir als Gemeinschaftswesen den Übermenschen nur als Blickpunkt werten, der uns die Richtung zu einer höheren Kultur weist. Heute ja, aber damals beim Erscheinen seines Werkes, da fand sich niemand oder doch fast niemand, der diesen Glauben mit Nietzsche teilte. Kein Wunder also, daß Bedenken in ihm aufstiegen, Versuchungen an ihn herantraten, die er nur durch die Stärke seines Glaubens an sich selbst und seine Hoffnung auf die Zukunft überwinden konnte. Der innere Kampf zwischen Zweifel und Hoffnung wurde für ihn zu einem neuen Erlebnis. Diesem Erlebnis verdanken wir die Dichtung des vierten »Zarathustra«.
Ursprünglich sollte er nicht als Schlußteil seines unsterblichen Werkes erscheinen, sondern unter dem Titel: »Mittag und Ewigkeit« mit dem Zusatz: »Erster Teil: Die Versuchung Zarathustras«. Zwei weitere Teile sollten sich ihm anschließen, wozu wohl Dispositionen vorhanden sind, jedoch ohne daß wir dadurch ein übersichtliches Bild der geplanten Fortsetzung gewinnen. Wäre es Nietzsche vergönnt gewesen, sie auszuführen, so besäßen wir ein selbständiges zweites Buch von »Also sprach Zarathustra«. So aber lag es nahe, es nach seinem Tode – er hatte »Mittag und Ewigkeit« nur in einer kleinen Anzahl für einige Freunde drucken lassen – als vierten Teil seinem Werke einzuverleiben. Dieser vierte Teil ist im Winter 1884/85 in Mentone geschrieben.
Wir verstehen ihn wohl dann am besten, wenn wir davon ausgehen, daß er Nietzsches Überwindung der depressiven Versuchungen durch den festen Glauben des Hoffenden widerspiegelt. In der Zeit vor der Entstehung des vierten »Zarathustra« schrieb Nietzsche die Worte nieder: »Um schaffen zu können, müssen wir selber uns größere Freiheit geben, als je uns gegeben wurde; dazu Befreiung von der Moral und Erleichterung durch Feste (Ahnungen der Zukunft! Die Zukunft feiern, nicht die Vergangenheit! Den Mythus der Zukunft dichten! In der Hoffnung leben!). Selige Augenblicke! Und dann wieder den Vorhang zuziehen und die Gedanken zu festen, nächsten Zielen wenden!«
Im vierten Teile steigt Zarathustra nicht abermals in die Täler hinab, sondern »höhere Menschen« kommen zu ihm in ihrer Not. Wen bezeichnet Nietzsche als höhere Menschen? Vor allem solche, die sich nicht an dem Heute des Pöbels genügen lassen, die lieber verzweifeln als sich in Resignation ergeben. »Daß ihr verachtetet, ihr höheren Menschen, das machte mich hoffen. Die großen Verachtenden nämlich sind die großen Verehrenden.« Ihr Leid, ihre Verzweiflung bedeuten für Zarathustra eine Versuchung zum Mitleiden, das er nur schwer überwindet, ja dem er zu unterliegen droht. Noch sind sie nicht auf ihrer Höhe, aber sie sind unterwegs zur Höhe. Da ist der Wahrsager, der in seiner Enttäuschung verkündet: »Alles ist gleich, es lohnt sich nichts, Welt ist ohne Sinn, Wissen würgt.« Zarathustra aber widerspricht ihm: »Es gibt noch glückselige Inseln.« Den beiden Königen, die es davor ekelt, daß sie nicht die ersten sind und es doch bedeuten müssen, belächelt er ihre Friedfertigkeit. Der Gewissenhafte des Geistes, der als Gelehrter zwar eines gründlich wissen will, aber auf alles andere verzichtet, kann ihm in seiner engen Genügsamkeit nicht genügen. Der alte Zauberer und Künstler, der den Büßer des Geistes spielt, der der Bezauberer aller wurde, aber sich selbst entzaubert ist und nun sehnsüchtig nach einem Großen sucht, heißt er gern bei sich willkommen, aber wie sollte er ihm als groß und echt gelten?!
Sowohl der schwarze lange Mann mit einem hageren Bleichgesicht, der letzte Papst, dessen schöne Hand, die immer Segen ausgeteilt hat, Ehrfurcht verdient, und der in seiner Schwermut nach Trost sucht, wie der häßlichste Mensch, der sich selbst und zugleich das Mitleiden der Menschen verachtet, aber unter seiner rachsüchtigen Entrüstung schwer leidet: bedürfen Zarathustras Hilfe. Sie alle verweist er für den Abend in seine Höhle. Ebenso den freiwilligen Bettler, der seinen Reichtum wahllos von sich warf, ohne die Kunst des Schenkens zu üben, denn er soll Stolz und Klugheit von Zarathustras Adler und Schlange lernen. Und endlich Zarathustras Schatten, der viel schon hinter ihm herging, der als sein Nachfolger immer unterwegs war, aber nicht sein Gebot fand: auch ihn kann er nur als Gast in seine Höhle laden, nicht aber als gleichberechtigten Freund anerkennen. »Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt.«
Haben wir so die Zarathustra aufsuchenden höheren Menschen als Typen erschaut, so gelüstet es uns kaum, darüber belehrt zu werden, wer zu einzelnen Zügen von ihnen Modell gestanden hat. Was liegt daran?! Ehe ihre gemeinsame Begrüßung in Zarathustras Höhle erfolgt, beschenkt uns Nietzsche wiederum mit einem unmittelbar aus der Musik erstandenen Wortgesange, einem Schlaflied, »Mittags« genannt. Wie sich in jenem Dithyrambus »Das andere Tanzlied« der Rhythmus der Bewegung in Worten entfaltet, so hier der Rhythmus allmählicher Beruhigung. »Scheue dich! Heißer Mittag schläft auf den Fluren. Singe nicht! Still! Die Welt ist vollkommen.« Wiederum gilt es, Hörer zu sein, Hörer des Mittags und Hörer der Ewigkeit.
Als am späten Nachmittag Zarathustra zu seiner Höhle zurückkehrt, wo er seine Gäste versammelt findet, liest er von neuem ihre Seelen ab. Sie sind Verzweifelnde, aber sie haben erkannt: unsere Rettung liegt bei Zarathustra. So gelten sie ihm als Vorzeichen, daß Bessere, Höhere noch als sie kommen werden. Einer der Könige verkündet: Der letzte Rest Gottes unter den Menschen ist zu Dir unterwegs. Das ist: »alle die Menschen der großen Sehnsucht, des großen Ekels, des großen Überdrusses. Alle, die nicht leben wollen, oder sie lernen wieder hoffen – oder sie lernen von Dir, o Zarathustra, die große Hoffnung«. Aber Zarathustra weiß, die Sehnsucht allein genügt nicht. Er wartet: »auf Höhere, Stärkere, Sieghaftere, Wohlgemutere, Solche, die rechtwinklig gebaut sind an Leib und Seele: lachende Löwen müssen kommen«. Das erst sind Menschen, bei denen starker Wille und heitere Lebensbejahung sich vereinigen. »Was gäbe ich nicht hin, daß ich eins hätte: diese Kinder, diese lebendige Pflanzung, diese Lebensbäume meines Willens und meiner höchsten Hoffnung!«
Das Fest des »Abendmahls«, das in Zarathustras Höhle gefeiert wird, ist kein Fest der Demut und der Ermüdung, sondern ein Fest des Stolzes und der Erhebung. Von den Schaffenden wird bei diesem Feste gesprochen, die alles Trübsal-Blasen und alle Pöbel-Traurigkeit vergessen, die tanzen lernen und lachen lernen. »Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranzkrone: euch, meinen Brüdern, werfe ich diese Krone zu! Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mir – lachen!«
Wohl wissen seine Gäste zu lachen. Aber ihr Lachen ist noch nicht sein Lachen. Es entstammt der Parodie und Verhöhnung. Auch als solches ist es ein Zeichen der Genesung und Befreiung, denn »nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man«. Und auch aus der Narrheit kann die Zufriedenheit mit dem Leben und der Wunsch aufsteigen, es noch einmal zu leben. Daher darf ihnen Zarathustra mit dem »trunkenen Lied« antworten, das sein Mitternachtslied »O Mensch! Gib acht!« tief und doch zugleich übermütig umschreibt.
Gleichwohl bleibt bei ihrem Behaben für Zarathustra die Überzeugung bestehen: das sind noch nicht meine rechten Gefährten. Sein Schritt am Morgen ist für sie noch kein Weckruf. Wohl aber begegnen ihm Zeichen, welche ihn sprechen lassen; »meine Kinder sind nahe, meine Kinder«! Diese Hoffnung befreit ihn von den Gefahren der Versuchung durch Leid und Mitleiden, sowie von der Gefahr, um des eigenen Glückes willen auf sein Ziel zu verzichten. »Mein Leid und mein Mitleiden – was liegt daran! Trachte ich denn nach Glücke? Ich trachte nach meinem Werke!« Mit diesem Gedanken schließt der vierte »Zarathustra« und läßt uns noch einmal das Thema des ersten Satzes in der Erinnerung aufsteigen: das Motiv des schöpferischen Willens, aber noch nicht die Erfüllung selbst.
Die drei ersten Teile des Buches bilden ein in sich abgerundetes Werk; der vierte Teil ist, wie wir bereits erwähnten, der Anfang eines zweiten Buches, dem noch zwei Teile folgen sollten. Wie dachte sich Nietzsche diese Fortsetzung? Nur Mutmaßungen auf Grund vereinzelter Aufzeichnungen können uns auf diese Frage Antwort geben. Der Dichter plante ursprünglich die Einführung Panas, welche Zarathustra liebt und aus Mitleid den Dolch nach ihm zückt. »Im Augenblick wo sie den Dolch führt, versteht Zarathustra alles und stirbt am Schmerz über dieses Mitleiden.« Aber diesen Gedanken hat Nietzsche wohl fallen lassen; denn er kehrt in den späteren Dispositionen nicht wieder.
Indem wir uns streng an seine hinterlassenen Aufzeichnungen halten, wollen wir uns nunmehr ein Bild machen, wie sich Nietzsche wohl die Fortsetzung des »Zarathustra« dachte. Die Lehre der Ewigen Wiederkunft erweist sich zunächst als zerdrückend für die Edleren, ja scheinbar sogar als ein Mittel sie auszurotten, so daß gerade die geringeren, weniger empfindlichen Naturen übrigbleiben würden. Es erhebt sich daher der Gedanke: »Man muß diese Lehre unterdrücken und Zarathustra töten.« Zarathustra aber erwidert: Ihr kennt mich nicht. Ich gab euch diese schwerste Last, daß die Schwächlinge daran zugrunde gehen. – Sanftmut und Milde sind Zeichen der noch nicht ihrer selbst sicheren Kraft. Mit der Genesung Zarathustras von seinen Versuchungen steht Cäsar da, unerbittlich gütig – zwischen Schöpfersinn, Güte und Weisheit ist nunmehr die Kluft vernichtet. Helle und Ruhe zeichnen Zarathustra aus. Keine übertriebene Sehnsucht beherrscht ihn, sondern er sieht sein Glück im recht angewendeten verewigten Augenblick. So erscheint er als der Typus, wie der Übermensch leben muß, nämlich: wie ein epikuräischer Gott. Die »dionysische Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, des Ewig-sich-selber-Zerstörens« bleibt an Stelle einer utopischen Erfüllung Ziel und Inhalt seiner Lehre. Aber die Züchtung der besseren Menschen verlangt schwere Opfer: Verlassen von Heimat, Familie, Vaterland. Ein unentwegbares Leben unter der Verachtung der herrschenden Sittlichkeit.
Große Menschen wollen sich hineingestalten in große Gemeinden. Man beachte diesen kulturell wichtigen kommunistischen Zug! Sie wollen eine Form dem Vielartigen, Ungeordneten geben, es reizt sie, das Chaos zu sehen und zu gestalten. Wer die Werte bestimmt und den Willen von Jahrtausenden lenkt, dadurch daß er die höchsten Naturen lenkt, ist der höchste Mensch. Von dieser Überzeugung erfüllt, ruft Zarathustra zum Ringkampf auf und zur Verwendung der Macht, welche die Menschheit präsentiert.
So ungefähr dachte sich Nietzsche nunmehr Zarathustra. Der vierte Teil hatte mit der Ankündigung geschlossen, daß seine Kinder zu ihm unterwegs sind, das heißt jene Menschen, die sich auf Grund seiner Lehre entwickelten. Er nimmt daher Abschied von seiner Höhle, Abschied für immer, und zieht ihnen mit seinen Tieren, also seinem Stolze, seiner Klugheit, seinem Mute, entgegen bis zur Stadt. Die Vereinigung mit ihnen bedeutet einen Siegeszug. Die Stadt heißt ihm die Peststadt. Die Bemerkung: »Ein Scheiterhaufen. Die alte Kultur verbrannt«, läßt uns auf einen dramatisch lebensvollen Höhepunkt schließen. Ein Frühlingsfest sollte sich diesem Ereignis anschließen. Ein Frühlingsfest mit Chören. Zarathustra verlangt Rechenschaft. Er fragt: »Was tatet ihr?« Die Art der neuen Gemeinschaft kommt zur Darstellung. Neue Fragen werden von Zarathustra gestellt und von ihm selbst beantwortet. Sie betreffen die Wahl der Wohnorte, den Entschluß, Versuche zum besten der Kultur mit Verbrechern an Stelle von Bestrafungen anzustellen, die Erlösung des Weibes im Weibe, die Vermehrung der Maschinen, aber auch deren Umgestaltung ins Schöne, sowie die Einteilung des Tages. Die Unschuld des Werdens muß gewahrt bleiben, die Weihung auch des Kleinsten muß erfolgen, das Heraufbeschwören des Feindes wird nötig, damit der neue Adel und die neuen Könige, als Vorbild und Lehrer, sich bewähren.
Dem neuen Typus droht eine äußerste Gefahr, denn die »Guten« nehmen jetzt gegen den höheren Menschen, gegen die Ausnahmen Partei. Das Kleinwerden und Schämen der Mächtigen bleibt das drohende Verhängnis der aufwärtsstrebenden Menschheit. Bei dem Mangel, erhebende Menschen zu sehen, wird die Häßlichkeit, der Neid und die Kleinlichkeit des Plebejers, die moralische Tartüfferie zur Gefahr, daß alle hohen Naturen ersticken und die Weltregierung in die Hände der Mittelmäßigen fällt. Zarathustra reizt daher seine Jünger zur Erderoberung auf. Nicht die Mittelmäßigen sollen regieren, sondern zu Gesetzgebern der Zukunft sind nur solche berufen, die einen großen Tatbestand von Wertschätzungen neu feststellen und als Befehlende diese Wertschätzungen in Wirklichkeit verwandeln.
Zarathustra selbst bewährt sich als ein solcher Gesetzgeber. Die Stunde seines Sieges ist gekommen. Er fragt bei dem dionysischen Frühlingsfeste die ganze Masse – und führt dadurch die letzte Entscheidung herbei: Wollt ihr das alles (Freud und Leid des Lebens) noch einmal?, und als alle mit Ja! antworten, da stirbt er vor Glück.
Ahnungsvoll, heiter, schauerlich wollte Nietzsche diesen entscheidenden Vorgang gestalten. Der Himmel heiter, tief. Tiefste Stille. Die Tiere um Zarathustra. Er hat sterbend das Haupt verhüllt, die Arme über die Felsplatte gebreitet. So scheint er zu schlafen. Furchtbare Stille tritt ein. Etwas Leuchtendes geht allen über ihre Gedanken hinweg.
Den Abschluß des Werkes bilden Worte der Gelobenden. Wir erfahren: der große Mittag ist zum Wendepunkt geworden. Die höchste Entfaltung des Individuums bedeutet die Überwältigung des »Menschen«, die Überbietung aller bisherigen Moral. Der Tod ist seiner Zufälligkeit entkleidet. Am Schaffen selbst stirbt der Schaffende, der Schöpfer aus Güte und Weisheit.
Wenn wir so – trotz großer Vorsicht vielleicht manches verfehlend – aus den andeutenden Aufzeichnungen auch nur vage Umrisse erhalten, wie ungefähr Nietzsche die beiden letzten Teile des »Zarathustra« zu gestalten dachte: so gewinnen wir damit doch eine Ahnung, daß das Werk damit bedeutsam zum Abschluß gekommen wäre. Im Jahre 1885 faßte Nietzsche jedoch, wie uns ein Vermerk in seinem Notizbuch besagt, endgültig den Entschluß, auf die Ausführung zu verzichten. »Ich will reden und nicht mehr Zarathustra.« Eine Vorstellung des Stiles, in dem die plastische Ausgestaltung der Schlußteile sich bewegen sollte, gibt uns wohl ein glücklicherweise erhaltenes Fragment.
Da es nur in die große Ausgabe seiner Werke aufgenommen wurde, in allen anderen Ausgaben aber fehlt, ist es wenig bekannt. Ich bringe es mit freundlicher Erlaubnis von Frau Förster-Nietzsche als Abschluß unserer Zarathustra-Betrachtung zum Abdruck, und zwar in der Fassung in der es erstmals in der Zeitschrift »Pan« veröffentlicht wurde.
Zarathustra vor dem Könige.
»Es ist nicht mehr die Zeit für Könige: die Völker sind es nicht mehr wert, Könige zu haben.
Du hast es gesagt, König: das Bild, das vor dem Volke hergeht, das Bild, an dem sie alle zu Bildnern werden: das Bild soll dem Volke der König sein.
Vernichten, vernichten sollst du, o König, die Menschen, vor denen kein Bild herläuft: das sind aller Menschheit schlimmste Feinde!
Und sind die Könige selber solche, so vernichte, o König, die Könige, so du es vermagst!«
***
»Meine Richter und Fürsprecher des Rechts sind übereingekommen, einen schädlichen Menschen zu vernichten; sie fragen mich, ob ich dem Rechte seinen Lauf lassen wolle oder die Gnade vor dem Rechte.«
»Was ist das Schwerere zu wählen für einen König, die Gnade oder das Recht?«
»Das Recht,« antwortete der König; denn er war milden Sinnes.
»So wähle das Recht und laß die Gnade den Gewaltmenschen als ihre eigne Überwältigung.«
»Ich erkenne Zarathustra, sagte der König mit Lächeln: wer verstünde wohl gleich Zarathustra auf eine stolze Weise sich zu erniedrigen? Aber das, was du aufhobst war ein Todesurteil.«
Und er las langsam daraus und mit halber Stimme, wie als ob er mit sich allein sei: »Des Todes schuldig – Zarathustra, des Volkes Verführer.«
»Töte ihn, wenn du die Macht dazu hast« – rief Zarathustra auf eine furchtbare Weise abermals; und seine Blicke durchbohrten die Gedanken des Königs.
Und der König trat nachsinnend einige Schritte zurück, bis hinein in die Nische des Fensters; er sprach kein Wort und sah auch Zarathustra nicht an. Endlich wandte er sich zum Fenster.
Als er aber zum Fenster hinausblickte, da sah er etwas, darob die Farbe seines Angesichtes sich verwandelte.
»Zarathustra,« sagte er mit der Höflichkeit eines Königs, »vergib, daß ich dir nicht gleich antwortete. Du gabst mir einen Rat: und wahrhaftig, ich hörte gerne schon auf ihn! – Aber er kommt zu spät!«
Mit diesen Worten zerriß er das Pergament und warf es auf den Boden. Schweigend gingen sie voneinander.
Was der König aber von seinem Fenster aus gesehen hatte, das war das Volk: das Volk wartete auf Zarathustra.
Der Aristokrat
Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht das Dunkel kennt,
das unentrinnbar und leise
von Allen ihn trennt.
Hermann Hesse.
Auch unter den Philosophen gibt es solche, die ihr Bild gleichsam als Maler von einem gegebenen Standpunkt aus auf die Fläche projizieren, und solche, die gleich dem Bildhauer ihr Problem von den verschiedensten Seiten prüfen und auf diese Weise ihr Werk gestalten. Wer sich hier wie dort auf eine Plastik so einstellt, wie es nur dem Gemälde gegenüber angebracht ist, wird notgedrungen zu einem verurteilenden Mißverstehen gelangen.
Was alles ist nicht schon über die »Widersprüche« bei Nietzsche geschrieben worden! Wohlwollende halfen sich damit, sie aus seiner Entwicklung zu erklären. Sie betonten die Gegensätzlichkeit seiner verschiedenen Schaffensperioden, um günstigenfalls einen geheimen Zusammenhang, dank seiner Persönlichkeit zu entdecken. Aber auch innerhalb der einzelnen Schaffensperioden ergibt sich keine Einheitlichkeit, wenn wir seine Werke nach der Art eines Gemäldes und nicht nach der Art einer Plastik beurteilen. Nietzsches Lehre aber muß mit den Augen eines Plastikers gesehen werden; denn er anerkennt keine unbedingten Wahrheiten, die von vornherein nur einen Standpunkt zulassen. Nicht der Hinweis auf Metamorphosen, wie sie jeder Mensch schon in seiner Wandlung vom Jüngling zum Mann erlebt, genügt, um das Beharrende in Nietzsches Schaffen zu erkennen, sondern es gilt, ihm auf den geheimen Wegen seines inneren Erlebens zu folgen, um die Einheit in der Vielfältigkeit zu erschauen.
Man muß verstehen, daß bei dem Trieb, alles unentwegt zu Ende zu denken, bei jedem Wort »immer auf den extremsten Ausdruck« bedacht zu sein, so mancher Superlativ in Bejahung und Verneinung die Gegenüberstellung eines ausgleichenden Gegenwerts erforderte, man muß verstehen, daß Nietzsche trotz seiner Einseitigkeit als Kämpfer die verschiedensten Probleme umschließt. Er erklärt die Lust aus dem Leid und das Leid aus der Lust, den Pessimismus als Weltschmerz aus der Schwäche und den Pessimismus als tragische Erkenntnis aus der Stärke; denn Sprache und Begriffe sind nicht eindeutig. Er verherrlicht den Positivismus als Beschränkung auf das erfahrungsmäßig Gegebene und verurteilt ihn wiederum als einseitige Kritik der Spezialisten; er sieht im Zweifel bald eine blutaussaugende Spinne und verherrlicht wiederum die Skepsis als verwegene Männlichkeit. Nicht aus Mangel an Konsequenz, sondern aus der Folgerichtigkeit der notgedrungen wechselnden Anschauung und Beleuchtung. Darum sei es noch einmal gesagt: wir müssen Nietzsches Lehre so besehen, wie wir eine Plastik besehen.
Ein Philosoph, der nicht an absolute Wahrheiten glaubt, die unabhängig von der wirklichen Welt bestehen, sondern dessen Problem das vielgestaltige Leben selbst ist unter Einschluß seiner notwendigen Widersprüche, kann nur zu einer Einheit gelangen, indem er wie der Musiker Kontrapunkte setzt, wie der Architekt Horizontale und Vertikale sich ausbalancieren läßt. Nietzsche regt als Dichter die Phantasie an, daß sie zusammenschaut, was für den nüchternen Verstand getrennt besteht, Nietzsche als Denker erhebt den Widerspruch selbst zum Prinzip des Lebens.
Da für Nietzsche nicht die begriffliche Erkenntnis allein, nicht die logische Ableitung mittels Vernunftgründen, nicht die Vereinheitlichung in einem System das Ziel seiner Weltanschauung bildet, sondern die Lehre ihm aus dem Erlebnis erwächst, so ist eine gleichzeitige Betrachtung von Leben und Lehre unumgänglich notwendig, damit wir den organischen Zusammenhang von Wesen und Wille bei ihm erkennen. Von Wille: denn für Nietzsche ist der Philosoph letzten Endes nicht zum beschaulichen Weisen, sondern zum schöpferischen Gesetzgeber der Menschheit berufen. Wie Goethe als Dichter nicht bestrebt war, Poesien aus der Wirklichkeit zu schöpfen, sondern Wirklichkeit selbst zu poetisieren, so will Nietzsche nicht Wertlehren aus dem Leben abstrahieren, sondern das Leben selbst in Werte umsetzen.
Jede Philosophie läßt sich als Bekenntnis ihres Urhebers deuten, und zwar sowohl hinsichtlich Start als Ziel. Sein Wesen, aber auch die Sehnsüchte seines Werdens, das instinktive Wollen in Tun und Lassen verrät sich in philosophischen Wertungen. Aber während uns die Geschichte der Philosophen hierfür sonst nur Beispiele bietet, die es erst analytisch aufzudecken gilt, war Nietzsche sich dieser Tatsache voll bewußt. »Die Wertschätzungen eines Menschen verraten etwas vom Aufbau seiner Seele und worin sie ihre Lebensbedingungen, ihre eigentliche Not sieht«, sagt Nietzsche. Auch Goethe hat erklärt: »Alles was von mir bekannt geworden, sind nur Bruchstücke einer großen Konfession.«
Wir erleichtern uns das Verständnis für Nietzsches Entwicklungsgang und das Sprießen, Blühen und Reifen seiner Lehre, wenn wir nach einem charakteristischen Zug forschen, der von Ursprung an in seinem Wesen lag. Nur auf einen bedeutsamen Zug kommt es uns dabei an; weder interessiert es uns, was ein Bernoulli auch an Nietzsche Menschliches-Allzumenschliches entdeckt, noch kommen für diesen Zweck die zahlreichen sympathischen Einzelzüge in Betracht, welche uns die Biographie der Schwester anführt. Als einen solchen bedeutsamen Zug bei Nietzsche dürfen wir seine aristokratische Veranlagung und Gesinnung hervorheben. Aristokratie bedeutete für die Griechen zunächst die Herrschaft der Besten, Fähigsten, Wackersten. Diese Abkunft des Wortes erhält sich in Nietzsches Anwendung lebendig, wobei er immer wieder betont, daß die Züchtung von vornehmen Instinkten erst durch den Verlauf von Generationen erreicht wird.
Schon in der Betrachtung seiner Jugend begegnen wir bei Nietzsche einer Gesinnung, die ihn von den »Viel zu Vielen« absonderte, und je weiter wir seine Entwicklung verfolgen, desto mehr erkennen wir, daß er nur unter seinesgleichen frei zu atmen vermochte. »Er hatte eine geräuschlose Art zu sprechen, einen vorsichtigen, nachdenklichen Gang, ruhige Züge und nach innen gekehrte, nach innen wie in die weite Ferne blickende Augen. Man konnte ihn leicht übersehen, so wenig Auffallendes bot seine Erscheinung. Er war im gewöhnlichen Leben von großer Höflichkeit, einer fast weiblichen Milde, einem stetigen wohlwollenden Gleichmut; er hatte Freude an vornehmen Formen im Umgang, und bei erster Begegnung fiel das gesucht Formvolle an ihm auf.« So schildert ihn Alois Riehl, allerdings nicht nach eigener Anschauung, sondern nach den Mitteilungen seiner Freunde.
Auch Meta von Salis-Marschlins, mit der Nietzsche zwischen 1884 und 1887 wiederholt in Zürich und Sils-Maria persönlich verkehrte, erwähnt seine ruhige Sprechweise mit leiser Stimme voll Weichheit und Melodie und den nach innen gewandten Blick. Sie betont das vorsichtige Zögern, mit dem er alle ins Auge faßte, die sich ihm näherten. Er zeigte sich zuweilen sehr heiter und zu harmlosen Scherzen aufgelegt. Erhellte ein Lächeln sein wettergebräuntes Gesicht, so gewann es einen rührend kindlichen, Teilnahme heischenden Ausdruck. Sie sagt: Mitfreude hat Nietzsche wie wenige empfunden und an den Tag gelegt. Ungemein sympathisch wurde sie berührt von seiner angeborenen Höflichkeit, dem Takt des Herzens und den feinen Umgangsformen. Zu weit getriebene Gebundenheit sagte ihm immer noch eher zu als rohes Wesen und Formlosigkeit. Bezeichnend ist der im Gespräche mit ihr gefallene Ausspruch: »Alles Illegitime ist mir eigentlich entsetzlich.« Sie überschrieb ihre Erinnerungen »Philosoph und Edelmensch« und nannte ihn den »Philosophen des Aristokratismus«.
Freiherr von Seydlitz, mit dem Nietzsche in Sorrent längere Zeit in persönlichem Verkehr stand, sagt: »Seines innersten Wesens kristallheller Kern war der höchste Adel, den der Geist erringen kann: wahre Urbanität.« Er erklärt keinen – keinen! – vornehmeren Menschen je gekannt zu haben als ihn. »Das wahrhaft Neue an Nietzsche ist, daß er zwischen allen Zeilen seiner Werke eine zukünftige Aristokratie verkündet – nicht nur des Geistes, sondern, was weit mehr ist, des Charakters.« Rücksichtslos war er nur den Ideen gegenüber, nicht den Menschen als Trägern dieser Ideen.
Als Georg Brandes 1887 als erster, der aus der Ferne sich ernstlich mit Nietzsche beschäftigte, an der Universität zu Kopenhagen Vorlesungen über seine Philosophie hielt, da begrüßte es Nietzsche ganz besonders freudig, daß Brandes seiner aristokratischen Gesinnung gerecht wurde. »Aristokratischer Radikalismus, das gescheiteste Wort, das ich bisher über mich gelesen.«
Brandes war auf seine tiefere Bedeutung aufmerksam geworden durch den Empfang von »Jenseits von Gut und Böse« und die »Genealogie der Moral«. Ehe wir aus diesen Werken die Berechtigung Nietzsches erlesen, sich einen »Immoralisten« zu nennen, wollen wir die Voraussetzungen hierfür in »Jenseits von Gut und Böse« verfolgen.
In der prähistorischen Zeit wurde der Wert oder Unwert einer Handlung nur aus ihren Folgen abgeleitet. Nietzsche nennt sie daher die vormoralische Periode der Menschheit. Erst aus der unbewußten Nachwirkung von der Herrschaft aristokratischer Werte und des Glaubens an die »Herkunft« erstand die moralische Periode. Nun erst wurde in der Beurteilung einer Handlung der Ton nicht mehr auf die Folgen, sondern mit moralischem Nachdruck auf die Motive gelegt. Gegen diese Wertung, die Ungleichheit voraussetzt, kämpften die Nivellierer an als beredte Verfechter des demokratischen Geschmacks und seiner »modernen Ideen«. Wer sklavisch gesinnt ist, will Unbedingtes. Er versteht nur die Tyrannei. Auch in der Moral. Am typischsten tritt dies in der Französischen Revolution zutage, die Nietzsche, wo immer er sie erwähnt, auf das schärfste verurteilt. Daß sich die Französische Revolution gegen die Religion wandte, und zwar um der Demokratie willen, darf uns nicht verwundern. Denn für die Starken, Unabhängigen, zum Befehlen Vorbereiteten und Vorherbestimmten ist Religion ein Mittel mehr, um Widerstände zu überwinden, um herrschen zu können. Religion gilt ihnen als ein Band, das Herrscher und Untertanen gemeinsam bindet. Ihnen ist sie ein Ausweg von der Mühsal gröberen Regierens. Den gewöhnlichen Menschen vermag sie zugleich eine unschätzbare Genügsamkeit mit ihrer Lage und Art zu bieten, vielfachen Frieden des Herzens, eine Veredelung des Gehorsams, etwas von Verklärung und Verschönerung. Aber der demokratische Fortschritt widerstrebt dieser Verklärung.
Neben der moralischen und vormoralischen Wertung verweist Nietzsche bei dieser historischen Betrachtung zugleich auf die außermoralische Schätzung. Solange die Nützlichkeit und die Erhaltung der Gemeinde in den Werturteilen allein entscheidet, gibt es noch keine »Moral der Nächstenliebe«. Altruistische Tugenden begegnen noch einer gewissen Geringschätzung. So in der besten Römerzeit. Erst als man die Gefährlichkeit starker Triebe, wie Unternehmungslust und Herrschsucht als verhängnisvoll empfand, kamen gegensätzliche Triebe und Neigungen zu moralischen Ehren. Die Furcht ist die Mutter dieser Moral. Was den Einzelnen über die Masse erhebt, wurde von ihr gebrandmarkt und das Mittelmaß der Begierden verherrlicht.
Diese Betrachtung hat uns bereits den Gegensatz von antiker und christlicher Anschauung erschlossen. Aristokratische Gesinnung bleibt jener verwandt, aber »die demokratische Bewegung macht die Erbschaft der christlichen«. Sehr bezeichnend fragt daher Nietzsche, zur Gegenwart übergehend: »Wir, die wir eines andern Glaubens sind –, wir, denen die demokratische Bewegung nicht bloß eine Verfalls-Form der politischen Organisation, sondern als Verfalls- nämlich Verkleinerungs-Form des Menschen gilt, als eine Vermittelmäßigung und Wert-Erniedrigung: wohin müssen wir mit unseren Hoffnungen greifen?« Die Antwort lautet: Nach neuen Philosophen, nach Geistern, die stark und ursprünglich genug sind, um die Anstöße zu entgegengesetzten Wertschätzungen, zu einer Umwertung der Werte zu geben.
Vernehmen wir so schon bei der historischen Darbietung des Problems der Moral die melodische Führung, welche Nietzsche der aristokratischen Gesinnung zuerteilt, so kommt ihre Bedeutung noch deutlicher zu Gehör, wo seine persönliche Empfindungsweise unmittelbar zum Ausdruck gelangt. Dann erscheint das Problem der Moral als ein Problem des Ranges. »Es gibt einen Instinkt für den Rang, welcher mehr als alles, schon das Anzeichen eines hohen Ranges ist; es gibt eine Lust an den Nuancen der Ehrfurcht, die auf vornehme Abkunft und Gewohnheiten schließen läßt.«
In dieses Problem des Ranges ist zugleich die Frage nach der Möglichkeit der »Größe« eingeschlossen. Wo die »Gleichheit der Rechte« allzu leicht sich in die Gleichheit im Unrechte umzuwandeln droht, wie es heute der Fall ist, da müssen wir mit Nietzsche befürchten, daß diese Bewegung immer mehr anwächst zu gemeinsamer Bekriegung alles Seltenen, Fremden, Bevorrechteten. »Heute gehört das Vornehm-sein, das Für-sich-sein-wollen, das Anders-sein-können, das Allein-stehen und Auf-eigene-Faust-leben-müssen zum Begriff Größe.« Dem Plebejer-Ehrgeiz sind die Türen zu solcher Anschauung verschlossen. Wohl steht ihm der Weg zur Wissenschaftlichkeit, nicht aber zur – Philosophie offen. »Viele Geschlechter müssen der Entstehung des Philosophen vorgearbeitet haben; jede seiner Tugenden muß einzeln erworben, gepflegt, fortgeerbt, einverleibt worden sein, und nicht nur der kühne leichte zarte Gang und Lauf seiner Gedanken, sondern vor allem die Bereitwilligkeit zu großen Verantwortungen …«
Erkennen wir an, daß Nietzsche damit das Bereich der Gelehrten, der »wissenschaftlichen Arbeiter« scharf abgegrenzt hat, daß er ihnen das Gebiet gewiesen hat, wo sie den Tatbestand ehemaliger Wertsetzungen feststellen und sie ins Formale drängend, handlich machen können, wo sie Segen zu stiften vermögen, aber gestehen wir uns auch ein, daß er damit allen Kärrnern Bescheidenheit auferlegt gegenüber den Großen seiner Art, die mehr zu tun haben als nur zu erkennen, »nämlich etwas Neues zu sein, etwas Neues zu bedeuten, neue Werte darzustellen«. Schauen wir mit Nietzsche hinein in die Kluft, die zwischen Wissen und Können klafft! »Der Könnende im großen Stil, der Schaffende wird möglicherweise ein Unwissender sein müssen.«
Nietzsches aristokratische Gesinnung findet sich ferner in Übereinstimmung mit seinem tapferen Bestreben, der Erde treu zu bleiben und alle Vertröstung auf eine metaphysische Herkunft und Bedeutsamkeit der Moral zu verwerfen. Hatte er es sich im »Zarathustra« zur Aufgabe gesetzt, die Entmenschlichung der Natur zu fordern, das Chaotische in der Natur zu betonen, so trat er in »Jenseits von Gut und Böse« an die Aufgabe heran, »den Menschen zurückzuübersetzen in die Natur«. Er ist damit zum Vater der Psycho-Analyse geworden. Wie er auch die Passion der Liebe aus der Herrschsucht der Wollust erklärte, wie er selbst die Willensart der Erkenntnis aus der geschlechtlichen Veranlagung deutete, wie er im Guten das sublimierte Böse, im Bösen das vergröberte Gute sah, wie er gegenüber Glaubenssätzen dem Verdachte Worte lieh, daß ihnen eine unterirdische Feindschaft zugrunde liege, die »nicht einmal über die Schwelle des Bewußtseins gelangt ist«: so führt er auch alle moralischen Wertungen auf unterbewußte Triebe zurück, um, wo immer er als Seelenforscher in diese Verborgenheiten hinableuchtet, dem Willen zur Macht zu begegnen.
Im Nachlasse Nietzsches haben sich Antworten über die Frage »Was ist vornehm?« gefunden. Sie besagen u. a., vornehm ist: die Sorgfalt im Äußerlichsten in Wort, Kleid, Haltung, insofern diese Sorgfalt abgrenzt, vornehm ist selbst der frivole Anschein, der vor unbescheidener Neugierde schützt, die langsame Gebärde, auch der langsame Blick, der die Dinge an sich herankommen läßt, das Ertragen der Armut und der Dürftigkeit, auch der Krankheit, das Ausweichen vor kleinen Ehren, die Einsamkeit, die Lust an den Formen, das Mißtrauen gegen alle Arten des Sichgehenlassens, eingerechnet alle Preß- und Denkfreiheit, weil unter ihnen der Geist bequem und tölpelhaft wird, der Ekel am Demagogischen, an der pöbelhaften Vertraulichkeit, das Vermeiden jeder Verallgemeinerung. Er schloß diese Niederschriften mit den Worten ab:
»– Wir schätzen die Guten gering als Herdentiere: wir wissen, wie unter den schlimmsten bösartigsten härtesten Menschen oft ein unschätzbarer Goldtropfen von Güte sich verborgen hält, welcher alle bloße Gutartigkeit der Milchseelen überwiegt.
– Wir halten einen Menschen unserer Art nicht widerlegt durch seine Laster, noch durch seine Torheiten. Wir wissen, daß wir schwer erkennbar sind, und daß wir alle Gründe haben, uns Vordergründe zu geben.«
Welche entscheidende Bedeutung Nietzsche der Frage »Was ist vornehm?« beimaß, das beweist uns ferner der Umstand, daß er diese Frage als Überschrift dem letzten Hauptstück von »Jenseits von Gut und Böse« voranstellte und in nicht mißzuverstehender Weise verkündete: »Jede Erhöhung des Typus ›Mensch‹ war bisher das Werk einer aristokratischen Gesellschaft – und so wird immer wieder sein …«
Der Immoralist
Menschliches Urteilen vom Schönen schied Häßlich von Schön;
Menschliches Urteilen vom Guten schied Schlecht von Gut.
Lao-Tse.
Wir alle nennen gut, was uns nützt und unsere Ziele fördert. Wie aber nennen wir, was uns schädigt und unseren Zielen entgegenwirkt? Schlecht oder böse? Die einen nennen es schlecht, die andern nennen es böse. Wer nennt es schlecht? Die Herrschenden. Wer nennt es böse? Die Beherrschten. Also gibt es zweierlei Moral. Eine Moral der Mächtigen und eine Moral der Ohnmächtigen. »Es gibt Herren-Moral und Sklaven-Moral.«
Allerdings in allen höheren und gemischteren Kulturen, auch sogar im selben Menschen besteht das Nebeneinander und Durcheinander beider Moralen. Wo die Herrschenden die Werte bestimmten, hat auch der Begriff »gut« eine andere Bedeutung als bei den Beherrschten. Dort heißen gut die erhobenen stolzen Zustände der Seele, welche als das Auszeichnende und die Rangordnung Bestimmende empfunden werden. Hier dagegen werden gut die Eigenschaften benannt und mit Licht übergossen, welche dazu dienen, Leidenden das Dasein zu erleichtern. Dort bestimmt das Gefühl der Fülle, der Macht, der Selbstbeherrschung, der Vornehmheit und Tapferkeit, der Glaube an sich selbst und der Stolz auf sich selbst im Vordergrunde die Schätzung. Hier dagegen führt der pessimistische Argwohn gegen die ganze Lage des Menschen zur Verherrlichung des Mitleidens, des warmen Herzens, der Geduld, des Fleißes, der Demut und Bescheidenheit, der Freundlichkeit, der Selbstlosigkeit.
Besinnen wir uns einen Augenblick, so werden wir sofort zu der Erkenntnis gelangen, daß wir Tugenden, die sich um die Selbstherrlichkeit gruppieren, zwar ethisch hoch einschätzen, daß wir jedoch längst gewohnt sind, als moralisch nur solche Eigenschaften zu benennen, die den Kreis um die Selbstlosigkeit schließen. Die populäre Sprache und Denkweise kennt daher nicht zweierlei Moral, sondern sie spricht nur von der einen Moral, die voran das Mitleiden und die passiven Tugenden höher einschätzt, als die harte Konsequenz, welche die kulturelle Rangordnung zur Erhaltung und Steigerung des Lebens fordert.
Nietzsche war somit voll berechtigt, sich, als Werte setzender Philosoph, der seine Hoffnungen für die Zukunft auf eine männliche Kultur richtete und nicht im Banne jener »Moral« genannten Einschätzungen stand, sondern jenseits ihrer Wertungen von Gut und Böse beharrte, einen Immoralisten zu nennen. Man hat es beklagt (besonders geschah es durch seine Schwester), daß Nietzsche nicht statt dessen »Amoralist« schrieb, weil er durch das Wort Immoralist Mißverständnisse erzeugt habe. Aber das hieße, seinem Radikalismus die Spitze abbrechen. Amoralisch werten wir dort, wo wir sowohl die Frage nach gut und böse, als nach gut und schlecht im moralischen Sinne ausschalten.
Amoralisch müssen wir uns gegenüber der Kunst und der Wissenschaft verhalten; denn ihre inneren Gesetze unterliegen nicht der Frage, was unsere sittlichen Interessen erheischen. Als Immoralist aber urteilt derjenige, der sich in Widerspruch setzt zu dem, was der nivellierenden Gesellschaft im Gegensatz zu dem rangbestimmenden Individuum als Moral gilt. Nietzsche hat es wiederholt ausgesprochen, daß er nicht davor zurückschrecke, sich durch seine Ansichten zu kompromittieren, ja, daß er diese Gefahr herausfordere, um nicht verwechselt zu werden; wie hätte er also in diesem Falle zum Leisetreter werden sollen, nur weil es bösem Willen frei stand, immoralistische Gesinnung mit dem Mangel an Ethik zu verwechseln. Moral betrifft das Verhältnis von Mensch zu Mensch, Ethik das Verhältnis von Mensch zu Menschheit und ihren höchsten Zielen. Daß Nietzsche nicht die Moral in Bausch und Bogen ablehnte, sondern nur ihre nivellierende Tendenz, die sich gegen das Eigenartige, Seltene, Hohe richtet, wie sollten wir das verkennen, auch wenn er es uns nicht gesagt hätte!
In dem »Wir Immoralisten« überschriebenen Aphorismus in »Jenseits von Gut und Böse« heißt es: »Diese Welt, die uns angeht, in der wir zu fürchten und zu lieben haben, diese beinahe unsichtbare unhörbare Welt feinen Befehlens, feinen Gehorchens, eine Welt des ›Beinahe‹ in jedem Betracht, häklisch, verfänglich, spitzig, zärtlich: ja, sie ist gut verteidigt gegen plumpe Zuschauer und vertrauliche Neugierde!«
»Jenseits von Gut und Böse« sollte ursprünglich eine Art Glossarium zu »Also sprach Zarathustra« bilden. Es wurde während der Entstehung dieses Werkes in den Jahren 1883–85 niedergeschrieben und 1886 in Nizza fertiggestellt. Mittlerweile hatte Nietzsche eine Überarbeitung von »Menschliches-Allzumenschliches« in Angriff genommen. Das neue Werk gedachte er nunmehr als dessen zweiten Band erscheinen zu lassen. Es wurde aber als selbständiges Werk veröffentlicht, als jene Umarbeitung unterblieb. Ein Glossarium zum »Zarathustra« ist das Werk in dem Sinne, in dem Nietzsche seine früheren Werke als vorausgegangene Kommentare zu seiner Dichtung bezeichnen durfte.
Es folgte, 1887 verfaßt, die Streitschrift »Zur Genealogie der Moral« als umfassende Darstellung des bereits mitgeteilten Aphorismus aus »Jenseits von Gut und Böse«, der die Theorie der Herren- und Sklavenmoral skizzierte. Man versäume es nicht, die Vorrede zu beachten; denn sie belehrt uns, wie bedeutsam Nietzsche bereits in seinen früheren Schriften die Frage nach dem Werte der Moral, oder richtiger gesagt, nach dem Unwerte der Mitleidsmoral aufwarf. Hierin sah er von Anfang an eine gegen das Leben sich wendende Müdigkeit.
Da man den Wert der Moral als a priori, als vor aller Erfahrung gegeben erachtete, obwohl schon Lao-Tse, fünfundzwanzighundert Jahre vor Nietzsche ihre Entstehung aus menschlichen Urteilen erkannte, schwankte man keinen Augenblick, den »Guten« für höherwertig als den »Bösen«, auch für die Höherentwicklung des Lebens anzusetzen. »Wie, wenn das Umgekehrte die Wahrheit wäre? Wie? wenn im ›Guten‹ auch ein Rückgangssymptom läge, ingleichen eine Gefahr, eine Verführung ein Gift, ein Narkotikum, durch das etwa die Gegenwart auf Kosten der Zukunft lebte? Vielleicht behaglicher, ungefährlicher, aber auch in kleinerem Stile, niedriger? … So daß gerade die Moral daran schuld wäre, wenn eine an sich mögliche höchste Mächtigkeit und Pracht des Typus Mensch niemals erreicht würde? So daß gerade die Moral die Gefahr der Gefahren wäre? …«
Die Frage nach der Herkunft der Moral war bei Nietzsche schon früher durch seinen persönlichen Verkehr mit Dr. Rée angeregt worden. Dessen Schrift »Der Ursprung der moralischen Empfindungen« wurde von Nietzsche zwar geschätzt, aber, da sie altruistisch auf den englischen Psychologen fußte, als antipodisch empfunden. Nietzsche versagte es sich, sie zu widerlegen – »was habe ich mit Widerlegungen zu schaffen!«, sondern entschied sich, – »wie es einem positiven Geiste zukommt«, – an Stelle des Unwahrscheinlichen das Wahrscheinlichere zu setzen. Er gelangte zu der Überzeugung, daß der Begriff »gut« ursprünglich nicht von denen herrührt, welchen Güte erwiesen wurde, sondern daß die Vornehmen, Mächtigen selber sich als »die Guten« galten, im Gegensatz zu allem Niedrigen und Gemeinen. Nicht von der Frage nach dem Werte der Handlung, sondern von der Beurteilung des Menschen selbst ging die Moral aus. Sie knüpfte also nicht von Anfang her an unegoistische Handlungen an. Moral, »diese Zeichensprache der Affekte«, ist kein Urphänomen, sondern etwas Gewordenes, und da nur den Vornehmen das Herrenrecht zukam, Namen zu geben, ursprünglich etwas ganz anderes, als was heute als Sittlichkeit gilt. Aber »die Herren sind abgetan, die Moral des gemeinen Mannes hat gesiegt«.
Womit hat diese Revolution in den Wertschätzungen begonnen, dieser Sklavenaufstand in der Moral? Damit, antwortet Nietzsche, daß das Ressentiment selbst schöpferisch wurde. Was bedeutet Ressentiment? Wir müssen uns über diesen Begriff durchaus klar werden, um Nietzsche richtig zu verstehen. Alle vornehme Wertungsweise agiert und wächst spontan, sie sagt Ja zu sich selbst. Wo sie von außen her zur Rache bestimmt wird, da setzt sie diese unmittelbar in die Tat um. Die Wertungsweise der Unterdrückten aber kennt diese Spontaneität nicht. Sie bedarf immer erst einer Gegen- und Außenwelt, um überhaupt zu agieren. Da ihr die unmittelbare Tat als Vergeltung und Ausgleichung versagt ist, behilft sie sich mit einer imaginären Rache. Dieser zurückgetretene Haß, dieses unterirdische Rachegefühl der Ohnmächtigen, der Minderwertigen, welches das Bild des Gegners fälscht: das eben ist Ressentiment. »Alle Instinkte, welche sich nicht nach außen entladen, wenden sich nach innen.«
Die Wohlgeratenen fühlen sich in ihrer Aktivität als die Glücklichen; ihr Glück liegt im Lustgefühl der Betätigung; die Gedrückten, an giftigen und feindseligen Gefühlen Schwärenden aber verstehen als passive Naturen unter Glück: Betäubung, Ruhe, Sabbat. Dem Menschen des Ressentiments fehlt die naive Freudigkeit, seine Seele schielt, sein Geist liebt Schlupfwinkel, er sucht vor allem die Geborgenheit. Ach, er kann nicht seinen unbewußten Instinkten vertrauen, sondern er bedarf auf Schritt und Tritt der Klugheit. Ehrfurcht vor dem Feinde? Nein, die kennt er nicht, sondern er sieht voll Mißtrauen und vergeltungslüstern immer nur den »bösen Feind«.
Voll Widerwillen ruft daher Nietzsche aus: »Man mag im besten Rechte sein, wenn man vor der blonden Bestie auf dem Grunde der vornehmen Rasse die Furcht nicht los wird und auf der Hut ist: aber wer möchte nicht hundertmal lieber sich fürchten, wenn er zugleich bewundern darf, als sich nicht fürchten, aber dabei den ekelhaften Anblick des Mißratenen, Verkleinerten, Verkümmerten, Vergifteten nicht mehr loswerden können?«
Der geheime Rache-Instinkt der Niedrigen verschwärzt nicht nur die Triebe der Starken, sondern er vergüldet auch die Triebe der Schwachen. Dieses Truggold heißt ihm: Moral. Die Ohnmacht, die nicht vergelten kann, nennt er: Güte, das Zuwarten aus Feigheit: Geduld, die Unfähigkeit zum Kampfe: Friedfertigkeit, das Verlangen nach Schonung: Gerechtigkeit. Sie verkünden nicht: Jedem das Seine, sondern: Gleiches Recht für alle. Aber was begehrt ihre Gerechtigkeit? Den Sieg Gottes, des gerechten Gottes als Fluch über die Gottlosen, die Rache an allen, die anders fühlen, hoch und frei denken; denn nur die Gottesfürchtigen heißen ihnen: die Gerechten.
Gewissen? Das bedeutet dem selbstherrlichen Individuum: das stolze Wissen um seine Verantwortlichkeit. Der Mensch des Ressentiments kennt nur das »schlechte Gewissen«. Es entspringt unterbewußten Gefühlen, die nicht den Weg in die Freiheit fanden und daher auf Umwegen ihre Befriedigung suchen. Nietzsche nennt es eine Krankheit, »das Leiden des Menschen am Menschen an sich, als die Folge einer gewaltsamen Abtrennung von der tierischen Vergangenheit«.
Das Schuldgefühl der Gläubigen, die »Sünde« und andererseits die Art zweiter Unschuld beim Atheisten werden von hier aus von Nietzsche geprüft. Er wendet sich gegen jede Selbst-Tierquälerei durch lebensfeindliche Ideale und unterscheidet zwischen dem heiteren Asketismus dessen, der seine tierischen Triebe einem höheren vorherrschenden Instinkt unterwirft und dem düsteren Asketismus als Verleumdung der natürlichen Triebe des Lebens. Wohl urteilt auch die vornehme Wertungsweise, welche das Vorrecht der Wenigsten, aber biologisch Wertvollsten gegenüber den Ansprüchen der Meisten vertritt, ungerecht, wenn sie unter Umständen die von ihr verachtete Sphäre verkennt; aber ihre Plötzlichkeit, ob es sich um Zorn, Liebe, Ehrfurcht, Dankbarkeit oder Rache handelt, vollzieht sich in sofortiger Reaktion, ihr Verhalten vergiftet daher nicht.
Die schärfste Gegensätzlichkeit zwischen gesund bejahendem Instinkt und verneinenden Trieben aus Vergeltungssucht sieht Nietzsche im Kampf zwischen »Rom gegen Judäa, Judäa gegen Rom« und ihren Widerschein im Gegensatz der Renaissance und der Reformation. Als Immoralist verherrlicht er die Nachwirkung der Renaissance und verurteilt die Reformation, welche die Kirche, die im Begriffe stand, unterzugehen, wiederherstellte. Als Immoralist fragt er »wert wozu«; denn was der Dauerhaftigkeit der Rassen dient, kann das Gegenteil dessen sein, was der Erhöhung des Typus Mensch dient.
Für wen und gegen wen Nietzsche sich einstellt, darüber kann nach alledem kein Zweifel aufkommen. Er bejaht ebenso entschieden die Selbstherrlichkeit der wohlgeratenen Einzelnen, wie er das unterirdische Gefühl der rachelüsternen Auflehnung der Masse und die demokratische Nivellierung zurückweist. Aber Nietzsche ist kein Parteimann! »Je mehr Augen, verschiedene Augen wir uns für die selbe Sache einzusetzen wissen, um so vollständiger wird unser Begriff dieser Sache, unsere ›Objektivität‹ sein.« Dieser Ausspruch Nietzsches gilt auch von seiner eigenen perspektivisch zu erkennenden Persönlichkeit. Wer so deutlich wie Nietzsche jede Borniertheit der Reaktionäre ablehnte, ihren Chauvinismus, ihr Rassevorurteil, ihre Rückständigkeit geißelte, wer den Antisemiten ebenso wie den Anarchisten als Menschen des Ressentiments zurückwies, den müssen wir alle Zeit von einer höheren Warte als derjenigen einer Partei einschätzen. Wir müssen – vorausgesetzt, daß wir solche Leser sind, die er gelten ließe – zu einem Ausblick in die zu erwünschende Zukunft kommen, die keine einseitige politische Betrachtung verträgt.
Nietzsche hat die Selbstbejahung der zum Befehlen Berufenen als rangbestimmend erklärt und verherrlicht; aber nichts liegt ihm ferner, als deshalb den niedrig gestellten Menschen an sich zu entwürdigen. Dem Volke ist eine andere Moral und Gesinnung gemäß, als jenen, die sich über die Niederung erheben. Die dem Volke angemessene Moral und Gesinnung soll ihm erhalten bleiben. Sie muß bekämpft werden, soweit sie unberufenerweise die Rangordnung aufheben will, sie muß gehegt und gepflegt werden, sofern sie der Erhaltung der Rangordnung dient.
Vergegenwärtigen wir uns eines: alle Zukunft wurzelt in der Niederung des Volkes. Aus ihm steigen die Kräfte auf, die sich zur Blüte entfalten sollen. Wir Menschen der Kultur verlangen, daß man uns als Blüte einschätze. Wir haben dazu nur dann ein Recht, wenn wir auch die Wurzel ehren, die uns verjüngende Kräfte zuführt. Nur dann können wir hoffen, daß wir die Niedriggestellten überzeugen, daß es ein unsinniges Beginnen ist, wenn sie die Kulturpflanze ausreißen wollen, um nunmehr die Blüte zu unters in die Erde zu stecken, damit die Wurzel der Sonne genieße, die sie verdorren muß. Nur blinde Fanatiker begehren eine Umkehrung von Hoch und Nieder oder eine absolute Gleichstellung. Jeder gesund Empfindende strebt letzten Endes nach einer Rangordnung, innerhalb der er zu seinem Rechte, aber eben nur zu seinem Rechte gelangt als Teil eines Organismus.
Goethe sagt: »Indem der Mensch auf einen Gipfel der Natur gestellt ist, so sieht er sich wiederum als eine ganze Natur an, die in sich abermals einen Gipfel hervorzubringen hat … Dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt, aufjauchzen und den Gipfel seines eigenen Wesens und Werdens bewundern.« Als ein solcher Gipfel ist der Übermensch gedacht. Immer wieder sei es betont, daß er nicht ein individualistisches Phantasma ist, sondern von Nietzsche als das mögliche Erzeugnis einer höheren einheitlichen Kultur gedacht wurde. Daß eine solche Kultur von Nietzsche nicht von einer brutalen Vorherrschaft der Mächtigen erwartet wurde, sondern von der Erfüllung der hohen Aufgabe einer sinn- und zielbewußten Führung, bezeugen seine Worte: »die Gerechtigkeit muß in allem größer werden und die gewalttätigen Instinkte schwächer«. Wer bei ihm nur die Verherrlichung der »blonden Bestie« sieht, dem sind seine Worte entgegenzuhalten: »zweimal lieber untergehen, als sich hassen und fürchten machen«.
Es gilt nicht, Berge abzutragen, um Täler auszufüllen, wie die Gleichheitsfanatiker vermeinen, sondern politisch und kulturell Zustände zu schaffen, in denen Hoch und Nieder, jedes seiner Art gemäß, bewußt und unbewußt einem höchsten Lebensziele dienstbar werden. Dann wird weder demagogisches, noch reaktionäres Strebertum seine Weide finden, sondern die schöpferische Persönlichkeit wird erstehen, in der die Wurzelkräfte zur Blüte gelangen. Im Sinne dessen, was Goethe einen neuen Gipfel, Nietzsche den Übermenschen nannte.
Die Gefahr der Gefahren, der Feind der Feinde einer solchen Lebenssteigerung ist die Vorherrschaft einer »Moral«, welche die Schwäche höher einschätzt als die Stärke, die Passivität als Glück wertvoller erachtet als die Aktivität im Lustgefühl des bewußten Wollens, die Entselbstung fördert, statt dem Mut und stolzen Glauben an das eigene Selbst, die Mitfreude unterdrückt zugunsten eines weichlichen Mitleidens, aus Ressentiment sich über die Natürlichkeit des Menschen entrüstet, statt aus der Fülle der Kraft die starken Triebe zu verklären, somit hegt, was das Leben erniedrigt, und bekämpft, was das Leben erhöht.
Also lehrt uns Nietzsches Immoralismus.
Der Anti-Nihilist
Es gibt nur ein Heldentum auf der Welt: die Welt zu sehen, wie sie ist, und sie zu lieben.
Romain Rolland.
Nietzsche hat den Weltkrieg vorausgesagt. Über den Gegensätzen der Nationen will sich Europa zu einer großen Einheit gestalten. Napoleon, »der erste und vorangehendste Mensch neuerer Zeit«, war der Vertreter und Vorkämpfer dieses Gedankens. Aber indem er ihn gewaltsam verwirklichen wollte, rief er die mächtige Gegenwirkung des neunzehnten Jahrhunderts hervor. Der Prozeß des werdenden Europäers bedurfte der Anpassungskunst. Diese wurde gestört. Dank der krankhaften Entfremdung, welche der Nationalitätswahnsinn zwischen die Völker Europas legte, traten wir in »das klassische Zeitalter des Krieges« ein. Freilich nicht nur des Krieges der Waffen, sondern auch des Krieges »der Mittel, der Begabungen, der Disziplin«. So mußte die Krisis zum Ausbruch kommen, die Europa nunmehr zur Überwindung der früheren Ideale und zu neuen Zielsetzungen führen kann.
Auch die demokratische Bewegung, welche die Anähnlichung der verschiedenen Nationen fördert, beschleunigt die Erschütterung und Zersetzung der seitherigen kulturellen Werte. Und auch die moralische Entwicklung hat diesen Auflösungsprozeß genährt. Sie hat durch eine seit Jahrtausenden anerzogene Wahrhaftigkeit bewirkt, daß sich diese Wahrhaftigkeit gegen die Moral selbst wendet und sie skeptisch prüft.
Aber nicht nur den Weltkrieg hat Nietzsche vorausgesagt, sondern auch das Anwachsen jener Bewegung, die wir heute erleben. Auf die selbst gestellte Frage, was die nächste Folge sei der krisenhaften Vernichtung dessen, was seither am höchsten geschätzt wurde, lautet seine bedeutsame Antwort: die Heraufkunft des Nihilismus.
Wenn von Nihilisten die Rede ist, denken wir an Zerstörungswütige, an Vernichter der zivilisatorischen Errungenschaften. Das tut auch Nietzsche. Aber nicht diese »ungesundeste Art Mensch in Europa« allein hat er im Auge. Er faßt den Begriff viel weiter und damit kultureller. Nicht aus sozialen Mißständen ist der Nihilismus erstanden, sondern seine Wurzeln gründen tiefer. Sowohl der aktive Nihilismus der Zerstörung als auch der passive Nihilismus der Ziellosigkeit entspringen der gleichen Ursache. Diese Ursache sieht Nietzsche in der Entwertung der alten Ideale.
Da ergibt sich nun eine überraschende Selbsterkenntnis. Insofern wir freieren Menschen – voran Nietzsche selbst – diese Entwertung in uns erleben, sind auch wir Nihilisten. Daran läßt sich nichts deuteln. Wir bleiben es, sofern wir das Nein-Sagen nicht überwinden. Das aber vermögen wir nur, indem wir uns neue Ziele setzen. Unser passiver Nihilismus – das sei den Allzufriedfertigen zwei- und dreimal gesagt – ist ein Zeichen von Schwäche. Mag er ein Heilmittel im Buddhismus und der Mystik suchen oder in heilloser Zwiespaltigkeit auf jede Art Sinngebung verzichten: er entstammt dem Mangel an Instinktsicherheit.
Diese Schwäche lehrt uns Nietzsche bekämpfen. Ihr tritt er schöpferisch als Anti-Nihilist, als neue Werte setzender Philosoph, als Gesetzgeber der Zukunft, als Verherrlicher alles dessen, was stark macht, entgegen in einer selbstherrlichen Mächtigkeit, wie sie die Menschheit nur selten erlebte. Die Entwertung der alten Ideale erfaßte er als seine negative Aufgabe, die Umwertung in neue Ideale bedeutet sein positives Ziel. Auch er mußte verneinen und zerstören, aber nur um neu zu bejahen, neu aufzubauen.
Als »eine Umwertung aller Werte« bezeichnete Nietzsche daher das große, unvollendet gebliebene Werk »Der Wille zur Macht«, das er hauptsächlich in den Jahren 1884–88 niederschrieb.
Sein erstes Buch zeigt uns nach Nietzsches Plan den europäischen Nihilismus als die Gefahr der Gefahren. Ungeheuere Gewalten sind entfesselt, die sich widersprechen und sich gegenseitig vernichten, weil die positive Richtung nach einem zweckbestimmenden Ziele fehlt. Das zweite Buch des »Willens zur Macht« zeigt uns in seiner Kritik der bisherigen höchsten Werte die überall zutage tretende Disharmonie zwischen den Idealen und den Bedingungen ihrer Verwirklichung. Im dritten Buche wird uns alsdann das Problem des Gesetzgebers aufgedeckt und das Prinzip einer neuen Wertsetzung gezeigt und im letzten Buch, »Zucht und Züchtung«, gesagt, wie diejenigen Menschen beschaffen sein müssen, die alle Eigenschaften der modernen Seele haben, aber stark genug sind, sie in lauter Gesundheit umzuwandeln.
Nach diesem vorgefundenen Plan wurden die in vielen Heften erhaltenen Einträge Nietzsches nachträglich geordnet. Wir dürfen sie nur zum Teil als Aphorismen bezeichnen, da sie noch nicht ihre endgültige Form erhielten. Aber der mit den früheren Werken vertraute Leser findet in dieser Unvollendetheit eine Anregung mehr, wenn er erratend und mitschaffend veranlagt ist. Er versteht, daß hier eine Gegenbewegung zum Ausdruck kommt, bestimmt, in irgendeiner Zukunft den Nihilismus abzulösen.
Vergegenwärtigen wir uns zunächst nochmals das eine: Nietzsche will nicht dem Volke, noch allen, die mit diesem zu glauben vermögen, Religion und Moral nehmen, sondern er wendet sich ausschließlich an jene, die diesen Glauben verloren haben und einer neuen Sinngebung bedürfen.
Der Pessimismus ist die Vorstufe des Nihilismus. In seinem moralischen Verurteilen liegt bereits die Abkehr vom Willen zum Dasein. Jede rein moralische Wertsetzung endet mit Nihilismus, sobald ihr Glaube an eine überweltliche Autorität erschüttert wird. Mag diese Autorität als Gott, Gewissen oder Vernunft bezeichnet werden, immer bleibt ihr Zweck, um das Wollen eines eigenen Zieles herumzukommen und die Verantwortung von sich selbst abzuwälzen. Damit, daß die Moral die Natürlichkeit, die mächtigsten und zukunftvollsten Triebe des Lebens verleumdete, führte sie notgedrungen zu einer Schwächung aller lebenerhaltenden und lebensteigernder Kräfte. Sie hat es getan und tut es noch heute. Und darum lehrt Nietzsche als ihr grundsätzlicher Gegner: das Nein zu Allem, was schwach macht, was erschlafft, das Ja zu Allem, was stärkt, was Kraft aufspeichert, was das Gefühl rechtfertigt. Das aber heißt den Willen zur Macht als segensreich anerkennen. »Das Leben ist nicht Anpassung innerer Bedingungen an äußere, sondern Willen zur Macht, der von innen her immer mehr ›Äußeres‹ sich unterwirft und einverleibt.« Diese Definition gilt es festzuhalten. Der Nihilismus bedeutet im Gegensatz hierzu: Wille ins Nichts.
Als Stärkste erweisen sich heute jene, die keine extremen Glaubenssätze nötig haben, die, welche einen guten Teil Zufall, auch Unsinn nicht nur zugestehen, sondern lieben, die, welche vom Menschen mit einer bedeutenden Ermäßigung seines Wertes denken können. Denn das sind Menschen, die ihrer Macht sicher sind und die erreichte Kraft des Menschen mit bewußtem Stolze repräsentieren.
Die äußere Beweglichkeit des modernen Menschen ist trotz ihrem Prestissimo im Tempo kein Zeichen der Stärke. Sie entspringt allzusehr der Reaktivität und gibt ihre Kräfte teils in zweckloser Aneignung, teils in zielloser Abwehr aus. Dadurch erfolgt eine tiefe Schwächung der Spontaneität. Auch die extreme Bewußtheit des modernen Menschen, die Selbstdurchschauung, Selbstzergliederung sind Zeichen einer ungeheueren Dekadence; denn starke Rassen, starke Naturen sind nicht auf das unbegrenzte Begreifen, noch auf die bloße Spiegelung eingestellt, ihre Kraft liegt im Unbewußten. Die moderne Toleranz ist Unfähigkeit zu Ja und Nein, die moderne Objektivität Mangel an Person, Mangel an Wille, Unfähigkeit zur Liebe. Nicht die Verderbnis des Menschen, sondern seine Verzärtelung und Vermoralisierung sind der Fluch, wie uns die allgemeine Verdüsterung beweist.
Und doch gelangt Nietzsche bereits im ersten Buch des »Willens zur Macht« – vorausgesetzt, daß die Anordnung seinen letzten Absichten entspricht – dazu, hoffnungsvoll auf Anzeichen der Erstarkung auszublicken. Die Gesundheit nimmt zu, die wirklichen Bedingungen des starken Leibes werden heute besser erkannt und allmählich geschaffen, die frühere Rangordnung wird umgekehrt, nicht mehr die Priester, sondern die Immoralisten als Fürsprecher des Lebens bestimmen die Wegrichtung, eine freudigere wohlwollendere Goethischere Stellung zur Sinnlichkeit wurde erreicht, unser Verhältnis zur Erkenntnis, zur Moral, zur Politik, zur Kunst, zur Natur selbst ist natürlicher geworden. Es gibt Anzeichen dafür, daß man sich weniger als früher seiner Instinkte schämt und diese »Verböserung« als etwas Höheres empfindet. Die Zivilisation als Tierzähmung des Menschen verliert an Einfluß zugunsten der Kultur, die eine Entwicklung der Willenskraft für ihr Wachstum voraussetzt.
Das zweite Buch des »Willens zur Macht« beginnt mit einer Kritik der Religion. Außer Stirner hat kein Philosoph mit solchem Radikalismus alle mit großen Worten gepriesenen Idealvorstellungen, all die Schönheit und Erhabenheit, die wir den wirklichen und eingebildeten Dingen geliehen haben, als Eigentum und Erzeugnisse der Menschen zurückgefordert.
Wenn wir heute jemanden fragen, wie kommt es, daß wir dies oder jenes vermögen, und er erwidert: kraft eines Vermögens, so erscheint uns diese Antwort lächerlich. Aber wenn wir auf die Frage, was die Ursache sei, daß wir denken und fühlen, die Antwort hören: der Geist, die Seele, so ist diese Erklärung, weil sie uns mit einem Wort anderen Stammes dient, deshalb nicht weniger naiv. Nach dieser Methode aber verfährt der Christ, wenn er die Hoffnung, die Ruhe, das Gefühl der Erlösung usf. auf ein Inspirieren Gottes zurückführt. Er wagt es nicht, sich selbst als Ursache starker Affekte, noch des Gefühles der Macht zu setzen; er setzt dafür eine stärkere Person, eine Gottheit ein. Diese psychologische Logik haben Moralisten und Philosophen eben so ausgenutzt wie die Priester. Immer handelt es sich dabei um eine nihilistische Verminderung des Lebens.
Fragen wir uns ohne alle Voreingenommenheit: inwiefern nützt die aus dem Christentum erstandene Moral dem Leben, inwiefern schadet sie ihm? Ohne Zweifel hält sie den maßlosen Menschen, der der Selbstbeherrschung unfähig ist, in Zaum. Das ist ihr Segen. Aber was tut sie andererseits? Sie untergräbt den Genuß des Lebens, die Dankbarkeit gegen das Leben; sie wirkt seiner Verschönerung, seiner Veredelung auch seiner ehrlichen Erkenntnis entgegen. In eins zusammengefaßt: die Moral hemmt die Entfaltung des Lebens. Und da das Leben Willen zur Macht ist, da es – wohl uns, daß es so ist! – die höchste Erscheinung zu verwirklichen strebt im höheren Menschen der eigenen Wertsetzung, tritt Nietzsche immer wieder der Gemeingültigkeit der christlichen Moral entgegen. Sie selbst verfährt geradeso unmoralisch wie jedwedes Ding auf Erden. Der höhere Mensch darf sich nicht verleiten lassen, ihr das rangbestimmende Gesetz seines Wesens unterzuordnen. Er begeht ein psychologisches Verbrechen, wenn er Unlust und Unglück in Unrecht und Schuld umfälscht, starke Lustgefühle als sündhaft verlästert, sich entpersönlichen läßt; denn sein Höchstes ist: der Mut zu sich selbst, die Liebe zur unidealisierten Natur und Wirklichkeit.
Die Herkunft der Moral wurde von Nietzsche bereits in der »Genealogie der Moral« in genialer Weise neu erkannt, die Prüfung ihrer Wertschätzungen unternahm er, bis ins einzelnste vordringend, im »Willen zur Macht«. Das Wort »Ideal« wird von Nietzsche in zweierlei Bedeutung angewandt, die wir streng auseinanderhalten müssen. Wo es Sinn und Ziel bezeichnet, die der Einzelne auf Grund seines Wesens sich setzt, wo es auf das Bild hinweist, das seinem Selbst vorschwebt, bekennt sich Nietzsche nach wie vor zu ihm; aber insofern es nur ein Produkt der »Wünschbarkeiten« ist, die Religion und Moral heilig gesprochen haben, wird es von ihm seines Zaubers entkleidet. Jenes Ideal bestimmt den Weg zum Wachstum, zu einem höheren Typus Mensch, dieses bedeutet die Wahnvorstellung einer abstrakten Vollkommenheit. Jenes führt zur Selbstbejahung, dieses zur Selbstverneinung. Mit jenem lebt man in positiven, mit diesem in negativen Gefühlen. Nie soll man sein Ideal als das Ideal wahllos verallgemeinern wollen. So bestimmte es Goethes hohe Selbsteinschätzung, so auch Nietzsches aristokratischer Radikalismus. Denn damit hebt man die natürliche Rangordnung der Geister auf.
Der Starke anerkennt, daß Gut und Böse sich gegenseitig bedingen, genau so wie Lust und Schmerz sich komplimentär ergänzen; sein Ideal der Tüchtigkeit umschließt den ganzen Menschen. Der Schwache dagegen will nur das Gute gelten lassen, wie er das Glücksgefühl auch ohne die notwendige Voraussetzung eines Gegensatzes für möglich hält; sein Ideal der Tugendhaftigkeit begnügt sich mit dem halben Menschen. Tugendhaftigkeit in seinem Sinne entmannt den Menschen.
Wir Immoralisten, so lernen wir mit Nietzsche verkünden, wollen nicht die Macht der Moral vernichten, aber wir wollen Herr über sie werden; denn der wirkliche Mensch stellt einen viel höheren Wert in unseren Augen dar, als der »wünschbare« irgendeines seitherigen Ideals.
Vielleicht gelangen wir durch Nietzsche dazu, den Willen zur Macht auf eine Lust am Schaffen als seinen Ursprung zurückzuführen, obwohl sich diese immer nur an dem Quantum gesteigerter und organischer Macht mißt, also an der Erhöhung des Lebensgefühls. Vielleicht, denn »erst die Unschuld des Werdens gibt uns den größten Mut und die größte Freiheit« und lehrt uns »die Welt als ein sich selbst gebärendes Kunstwerk« betrachten.
Versuchen wir Nietzsches Philosophie unter dieser Optik zu schauen. Der Egoismus des Künstlers ist der Trieb nach seinem Material. Der Künstlerwille, der am Typus Mensch arbeitet, sieht die niedere Art als Unterbau an, auf der eine höhere erst stehen kann. Damit jedoch Wesen von höchstem Werte wirklich erstehen, müssen günstige Zufälle zu Hilfe kommen. Was der künstlerische Erzieher von sich aus zu steigern vermag, das ist: Mut, Einsicht, Härte, Unabhängigkeit, Gefühl der Verantwortlichkeit. Auch ein göttliches Jasagen zu sich aus animaler Fülle und Vollkommenheit. Und ferner, nein zu allererst: die Achtung vor sich selbst. Dann wird er die Wehr- und Waffentüchtigkeit auch im Geistigen zu wahren wissen. Der Künstler am Menschen verlangt die Herrschaft über die Leidenschaften, nicht deren Schwächung oder Ausrottung. Denn der große Mensch ist groß durch den Freiheits-Spielraum seiner Begierden. Höher als: Du sollst! steht: Ich will! Höher als ich will, steht: Ich bin!
Es ist ein großer Irrtum, in diesem Ideal eine Steigerung dessen zu sehen, was man bisher einen freien Geist nannte, denn diese Freiheit strebte in die Breite; der heroische Künstler-Tyrann aber will den Menschen ins Hohe statt ins Bequeme und Mittlere züchten, er ist im Verkehr mit Menschen immer darauf aus, etwas aus ihnen zu machen. Aus Liebe? Ja! Aber nicht aus sklavischer Liebe, sondern aus jener göttlichen Liebe, welche zugleich verachtet und liebt und das Geliebte umschafft, hinaufträgt.
Der wahre »königliche Philosoph« ist ein solcher Künstler am Menschen, ein Gesetzgeber solcher Wertbestimmungen, ein Befehlender, ein Schaffender; denn alles Wissen ist ihm nur ein Mittel zum Schaffen. Dazu aber taugt keine Schwäche-Moral, sondern nur eine leiblich-geistige Disziplin, welche stark macht. Ein solcher Philosoph ist einsam, nicht weil er allein sein will, sondern weil er nicht seinesgleichen findet. »Les aigles ne volent point en compagnie«, sagte Galiani. Er hat es schwer, sich oben zu erhalten inmitten der niederziehenden gefährlichen Stromschnellen der Zeit. Er darf mit weit größerem Rechte von sich sagen, als es Christian Morgenstern so witzig bemerkte: »Ich möchte nicht leben, wenn Ich nicht lebte«; denn er hat nur sich und seinen Schaffenswillen, verbunden mit der Hoffnung, daß es an der Zeit ist: im großen Stil die widersinnliche Moral des latenten Christentums zu überwinden, diesen Todfeind der Höhensteigerung des Menschen. »Macht ist an sich böse.« Dieses Wort Schlossers sollte die Macht verurteilen. »Macht ist an sich böse.« So klingt es auch aus Nietzsche uns entgegen, aber als Rechtfertigung des Bösen. »Der mächtigste Mensch, der Schaffende müßte der böseste sein, insofern er sein Ideal an allen Menschen durchsetzt gegen ihre Ideale und sie zu seinem Bilde umschafft. Böse heißt hier: hart, schmerzhaft, aufgezwungen.« Die theoretische Philosophie gelangt zu der Erkenntnis: »es ist alles nur subjektiv«. Auch Nietzsche urteilt nach dieser Erkenntnis, aber sie gewinnt bei ihm einen helleren Klang, eine freudigere Farbe, sie lautet bei ihm: »es ist auch unser Werk! – seien wir stolz darauf«!
Der »Wille zur Macht« zeigt uns im Entwurf, wie sich Nietzsche seine Philosophie der Zukunft dachte. Nur der eigene Wunsch, die eigene Unentschiedenheit ist der Vater des Gedankens bei jenen, die da glauben, Nietzsche wäre bei längerem Leben und Schaffen am Ende doch wieder zum Christentum zurückgekehrt. Nichts, aber auch rein gar nichts weist auf diese Möglichkeit hin. Er fühlte und dachte hellenisch und ist diesem Gefühl treu geblieben. Will man seine Philosophie auf eine konzentrierte Formel bringen, so darf man sagen: Der Sinn der Welt liegt im Werden, der Sinn des Lebens liegt im Werten. Wir kennen keine »wahre Welt« des Seins als Gegensatz einer Welt des Scheins. Jene würde eine Welt ohne Aktion und Reaktion bedeuten, aber die Welt, die wir lebend erfühlen und erkennen, ist fortdauernd das Ergebnis von Betätigung und Widerstand im Lichte unseres Schätzens und Wertens. Und wahrlich mit dieser Erkenntnis läßt sich tapfer leben, mit ihr kann man »allen Gewalten zum Trotz, sich erhalten«. Und nicht nur sich erhalten, sondern wachsen und sich entfalten.
Der Anti-Christ
Weder zu Lande noch zu Wasser wirst du den Weg zu den Hyperboreern finden.
Pindar.
Die Vorstellung eines sagenhaften Volkes, von dem nicht zu sagen sei, wo es lebe, griff Nietzsche auf, um sein Jenseits aller modernen Ideen zu charakterisieren. Ein Jenseits des Nordens, des Eises, des Todes … ein Jenseits aller Rachegefühle und Ressentiments, ein Diesseits des zu züchtenden höheren Typus Mensch, gegen welchen das Christentum, indem es alle Grundinstinkte in Bann tat und die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Mißratenen nahm, einen Todkrieg führte.
Gegen diesen Todfeind seines Hyperboreer-Ideals hat Nietzsche zu einem heftigen Schlag ausgeholt in seiner leidenschaftlichen Schrift »Der Antichrist, Versuch einer Kritik des Christentums«, die 1888 entstand als erstes Buch der »Umwertung aller Werte« und hauptsächlich den Entwürfen zum »Willen zur Macht« entnommen wurde. Gegen diesen Todfeind hat Nietzsche die Erhaltungs-Instinkte des starken Lebens verteidigt. Von sonnenbeleuchteter Höhe aus gesehen, erscheint ihm das Christentum als Multiplikator des Elends, als Konservator alles Elenden. Denn durch seine Mitleids-Moral wirkt die Depression, die das Leiden hervorruft, ansteckend und verführt nihilistisch zur Verneinung des Lebens, weil sie ihm einen düsteren und fragwürdigen Aspekt gibt.
Es erhält, was zum Untergange reif ist; es kreuzt dadurch das Gesetz der Entwicklung, das auf dem Gesetz der Selektion beruht, und bedroht um der Schwachen und Matten willen alles Starke und Lebensfreudige. In unerschrockener Entschlossenheit spricht Nietzsche es aus: »Hier Arzt sein, hier unerbittlich sein, hier das Messer führen – das gehört zu uns, das ist unsre Art Menschenliebe, damit sind wir Philosophen, wir Hyperboreer!«
Mit dem »Antichrist« erklärte er vollbewußt den Krieg allem, »was Theologenblut im Leibe hat«, also auch der ganzen vom offensichtigen und verborgenen Christentum beeinflußten Philosophie und ihren Idealen. Hierbei fällt uns Flauberts Ausspruch ein: »Was die Philosophie geleistet hat? Nichts, sie hat von Jahrhunderten zu Jahrhunderten Gott größer gemacht.«
Nicht gegen Mißbräuche und Entgleisungen innerhalb des kirchlichen Christentums, sondern zunächst wider die höchsten Vertreter einer christlich orientierten Lebensauffassung richtet Nietzsche seine Waffen. Der Mut zum extremsten Ausdruck steigert sich ins Maßlose; kein mildernd vermittelndes Wort will die Halbheit, irgendwelche Art von Halbheit, zu sich hinüberziehen, sondern er wagt es allein – noch sind ihm keine Mitstreiter geboren – den Kampf aufzunehmen: »Dies Buch gehört den Wenigsten. Vielleicht lebt selbst noch keiner von ihnen.«
Wer dem Glauben an ein Jenseits, Gott, oder das wahre Leben, oder Nirvana, Erlösung, Seligkeit … anhängt, wer nach Unterwerfung seines schöpferischen Willens, seiner Persönlichkeit unter irgendein Abstraktum verlangt um des »Friedens der Seele« willen, wer aus Ohnmacht auf die männlichsten Tugenden und Triebe verzichtet und sich zum »Guten an sich« bekennt, aus dem alles Starke, Tapfere, Herrische, Stolze ausgeschieden wurde, wer immer offen oder geheim einen Gott glaubt, der dem Leben widerspricht, wer also das Nichts vergöttlicht, den Willen zum Nichts heilig spricht: der segelt auf anderen Gewässern als jenen, die zum Lande der Hyperboreer führen.
Nietzsche unterscheidet streng zwischen dem Christentum als historischer Realität und der Person seines Stifters. Was hat Christus verneint? »Alles, was heute christlich heißt«, antwortet Nietzsche. »Christlich ist die vollkommene Gleichgültigkeit gegen Dogmen, Kultus, Priester, Kirche, Theologie.«
Die Innerlichkeitslehre Christi wird von Nietzsche mit entschiedener Achtung betont. Das Himmelreich ist ein Zustand des Herzens. Jesus gebietet: Man soll dem, der böse gegen uns ist, weder durch die Tat noch im Herzen Widerstand leisten. Man soll sich gegen niemanden erzürnen, man soll niemanden gering schätzen. Man soll nicht richten. Man soll sich versöhnen, man soll vergeben. Die »Seligkeit« ist nichts Verheißenes: sie ist da, wenn man so und so lebt und handelt. Aber durch Paulus wurde dieser naive Ansatz zu einer buddhistischen Friedensbewegung zu einer heidnischen Mysterienlehre umgedreht, so daß sich das Christentum endlich – ganz und gar im Gegensatz zum Willen seines Stifters – mit der ganzen staatlichen Organisation vertragen lernt … und Kriege führt, verurteilt, foltert, schwört, haßt. Erst das paulinische Christentum brachte den Begriff Schuld und Sühne in den Vordergrund. Nur gegen dieses ist der »Antichrist« gerichtet.
Das Urchristentum, so gut wie der verwandte Buddhismus stehen als nihilistische Religionen der Lebensbejahung fern, aber Nietzsche achtet an ihnen, daß sie nicht »Kampf gegen die Sünde« lehren, sondern, der Wirklichkeit das Recht gebend, »Kampf gegen das Leiden«. Buddha ging gegen psychologische Folgen übergroßer Reizbarkeit der Sensibilität und verhängnisvoller Übergeistigung, die sich als Depression geltend machten, hygienisch vor. Seine entschiedene Abneigung gegen jedes Rachegefühl (»Nicht durch Feindschaft kommt Feindschaft zu Ende«) ließ ihn in einem milden Klima unter sanftmütigen und liberal gesinnten Menschen das selbe Ziel anstreben, das Nietzsche unter anderen Voraussetzungen, anderen Möglichkeiten auf anders geartete Weise zu erlangen trachtet: die Überwindung der unterbewußten Unzufriedenheit des Menschen mit sich selbst und als Siegeskranz dafür: die Heiterkeit. Das paulinische Christentum aber hatte, als es unter Barbarenvölkern auf Macht ausging, nicht müde Menschen vor sich, sondern innerlich verwilderte und sich zerfleischende, also starke Menschen, aber mißratene; es wollte über Raubtiere Herr werden, und sein Mittel dazu ist, sie krank zu machen zwecks Schwächung und Zähmung. Das paulinische Christentum gilt für Nietzsche nicht als eine Gegenbewegung gegen den jüdischen Instinkt, sondern als dessen Folgerichtigkeit, als einen Schluß weiter in dessen furchteinflößender Logik.
Auch Heinrich Heine gelangte zu der Überzeugung, wenn auch aus anderen Erwägungen, nicht Judentum und Christentum seien Gegensätze, sondern der Gegensatz liege zwischen jüdisch-christlicher Moral und hellenischer Gesinnung. Was ist jüdische, was ist christliche Moral? frägt Nietzsche in einem Atem und antwortet: »Den Zufall um seine Unschuld gebracht; das Unglück mit dem Begriff ›Sünde‹ beschmutzt; das Wohlbefinden als Gefahr, als Versuchung; das physiologische Übelbefinden mit dem Gewissenswurm vergiftet …«
Als Antichrist kämpft Nietzsche in seinem also betitelten Werk gegen die Entnatürlichung des Menschen, gegen die Verlästerung und Schwächung der animalischen Triebe, gegen den Pessimismus der Moral, den Nihilismus der Gesinnung, gegen die Flucht ins Unfaßliche und Unbegreifliche, wie es seine gesamte Philosophie tut, nur daß diesmal der mächtigste, verhängnisvollste Feind der Freude am Dasein in Unschuld, an der Bejahung des Lebens, an Wohlgeratenheit des höheren Menschen und an der Steigerung des Lebens aus schöpferischer Willensmacht unmittelbarer, entschiedener, extremer im Ausdruck bekämpft wird.
Gegen das Vergangene ist Nietzsche, gleich allen Erkennenden, mit großmütiger Selbstbezwingung tolerant; er will die Menschheit nicht für ihre Krankheiten und Irrtümer verantwortlich machen, aber die Feigheit jener geißelt er um so heftiger, die heute, obwohl wissend geworden, sich und andere belügen, indem sie die Worte Jenseits, Jüngstes Gericht, Unsterblichkeit der Seele noch immer im Munde führen, trotzdem ihr Instinkt und ihre Vernunft dem widersprechen.
Das echte ursprüngliche Christentum dagegen gilt Nietzsche auch heute noch möglich, für gewisse Menschen sogar notwendig, denn es bedeutet für sie nicht ein Glauben, sondern ein Tun, ein Vieles-nicht-tun, vor allem ein anderes Sein. Christus konnte mit seinem Tode nichts wollen, als öffentlich die stärkste Probe, den Beweis seiner Lehre zu geben, die Lehre von der Überlegenheit über jedes Gefühl von Feindschaft in lieblicher Ruhe des Herzens. Aber gerade das am meisten unevangelische Gefühl der Rache kam wieder obenauf. Man brauchte Vergeltung, Gericht. »Der frohen Botschaft folgte auf dem Fuße die allerschlimmste: die des Paulus.«
Das paulinische Christentum hat jedem Ehrfurchts- und Distanzgefühl zwischen Mensch und Mensch einen Todkrieg bereitet; es hat Waffen geschmiedet gegen alles Vornehme, Frohe, Hochherzige auf Erden, gegen unser Glück auf Erden. Der Aristokratismus der Gesinnung wurde durch die Seelen-Gleichheits-Lüge am unterirdischsten untergraben, christliche Werturteile sind es, welche jede Revolution bloß in Blut und Verbrechen übersetzt. »Das Evangelium der Niedrigen – macht niedrig«, lehrt Nietzsche und kommt zu dem Schluß: »Der Anarchist und der Christ sind einer Herkunft.«
Man sehe den »Antichrist« unter dieser Optik, um zu verstehen, daß Nietzsche nicht Christus, diese edelste Erscheinung, bekämpft, sondern Paulus, sondern das historische Christentum, welches das Altertum besiegte und dessen unmittelbare Fortwirkung auf zwei Jahrtausende unterbrach. »Das Christentum war ein Sieg, eine vornehme Gesinnung ging an ihm zugrunde – das Christentum war bisher das größte Unglück der Menschheit.«
Immer haben wir solche Worte im Hinblick auf das Ziel der Steigerung des Lebens, des Wachstums der Kultur zu verstehen, niemals von der Frage aus nach dem Labsal, das es Niedergedrückten, Trostbedürftigen bedeutet. Nicht diesen, wir müssen es nochmals wiederholen, sondern den freieren, höheren Menschen will der unerschrockene Kritiker des Christentums dieses verächtlich machen, indem er die Bibel zu ihrem Nachteil mit dem vornehmen Gesetzbuch des Manu vergleicht, auf dem die Sonne eines triumphierenden Wohlgefühls an sich und am Leben liegt.
Daß vom »Antichrist« nicht mit voller Macht die Wirkung ausgeht, die man bei einer solchen Streitschrift Nietzsches erwartet, erklärt sich weniger aus dem Widerstand der dogmatischen Gläubigen als aus dem Umstand, daß das latente Christentum in uns allen noch ungemein bestimmend wirkt, vielleicht aber auch aus der Fassung der Streitschrift selbst. Auch der Atheist fühlt dem Christentum gegenüber Ehrfurcht vermöge seiner Kindheitserinnerungen und schätzt es als Banner im Kampfe gegen den Materialismus gemeiner Interessen. Er will es souverän überwinden, aber die Heftigkeit der Angriffe, der maßlose Ansturm des Affekts läßt in ihm die Empfindung aufkommen, als ob hier die »Entrüstung« den Ton bestimme. Mit Unrecht, denn kein unterbewußter Groll, sondern die Größe seiner Aufgabe ließ den unerschrockenen Antichristen seine volle Energie entfalten, kein Unmut, sondern der Übermut der Kampfesfreude entfesselte alle Kräfte. Wie die beiden ersten Teile des »Zarathustra« in den Farben, als persönliche Gegenwirkung gegen Qual und Wirrsal seines Gemüts, »heiterer und lustiger« ausgefallen sind, als es in Nietzsches Absicht lag, so hat umgekehrt die Euphorie der letzten Jahre in Turin auf den rigorosen Ernst, der dort entstandenen Schriften (»Grobe Briefe – bei mir ein Zeichen der Heiterkeit«) auf die Heftigkeit des Tones, auf die Grellheit der Farben eingewirkt.
Nur gegen Schluß des Werkes gelangen vorübergehend freudigere Töne zum Ausdruck. Hier zitiert der Philosoph von ihm übersetzte Stellen aus dem priesterhaften, aber trotzdem nicht pessimistischen Gesetzbuch des Manu (er hatte es in der französischen Übersetzung von Louis Jacolliot gelesen) und geht dazu über, die Ordnung der Kasten als Sanktion einer Naturordnung darzustellen. Moralische Entrüstung und Pessimismus sind untrennbar von der Vorstellung des Tschandala, also der Niedrigsten; der jasagende Sinn der Geistigsten dagegen betrachtet die Welt letzten Endes als vollkommen, denn er wertet das Unvollkommene als ein zugehöriges notwendiges Unterhalb, alle Mittelmäßigkeit als die breite Basis einer Pyramide der Kultur. Obenan stehen also die geistigsten Menschen, die zugleich als die Stärksten ihr Glück in der Selbstbezwingung finden. Als die zweiten gelten für Manu und Nietzsche die Wächter des Rechtes, die Pfleger der Ordnung und der Sicherheit; der König bedeutet ihnen die höchste Form von Krieger, Richter und Aufrechterhalter des Gesetzes. Diese Rangordnung, die wir bereits in der Lehre vom Übermenschen als Nietzsches Ideal schätzen lernten, formuliert nach ihm nicht irgendeine willkürliche Staatsverfassung, sondern, wie er ausführt, das oberste Gesetz des Lebens. Denn die Abscheidung der drei Typen ist nötig zur Erhaltung der Gesellschaft zur Ermöglichung höherer und höchster Typen. Die damit geförderte Ungleichheit der Rechte ist die Bedingung, daß es überhaupt Rechte gibt. »Ein Recht ist ein Vorrecht. In seiner Art Sein hat jeder auch sein Vorrecht.«
Einer solchen naturgemäßen Rangordnung, das werden wir Nietzsche ohne Widerspruch zugeben, laufen die Tendenzen des Christentums mit seiner Gleichheit der Seelen vor Gott durchaus entgegen. Diese Gegensätzlichkeit hat es nicht nur an dem Römertum bewiesen – wobei es uns um die Ernte der antiken Kultur brachte –, sondern noch einmal, als es sich gegen die Renaissance empörte. Damals bereitete sich in Rom die Überwindung des Christentums tatsächlich vor durch den Triumph des Lebens, durch das große Ja zu allen hohen, schönen, verwegenen Dingen. Was aber geschah? Luther sah nur die Verderbnis des Papsttums. Indem er die Kirche angriff, stellte er sie wieder her. Und siehe da: die Reformation vernichtete etwas Unwiederbringliches, das mit der Renaissance uns zum Heil Wirklichkeit werden wollte …
Stellen wir uns zum Schluß die Frage, wie Nietzsche die Bewegung zur Mystik beurteilt haben würde, die heute in Wort, Ton und Bild, in Expressionismus, in gemeinsamen Meditationen und philosophisch umkleideten Andachtsstunden, abseits vom Lärm der Welt, zum Teil mit Okkultismus vermengt, bei Tausenden neue Anhänger findet, und ihnen wohl als ein Ersatz für unmöglich gewordene dogmatische Gläubigkeit, als Ersatz für verflüchtete Ideale gilt: so dürfen wir wohl mutmaßen, daß er diese Bewegung als Nihilismus nach dem Verluste der früheren höchsten Werte, als eine Erscheinung der Erschöpfung nach den Anspannungen des Krieges, als ein Trostmittel gegen Enttäuschungen aller Art erkannt hätte, um auch sie vielleicht wie den Buddhismus als heilsamen Schutz gegen die Gefahren der Sensibilität und Übergeistigung milde zu beurteilen. Aber auch diese Bewegung bedeutet Flucht vor der Wirklichkeit, Ausweichen vor dem Ziel der Höherentwicklung des Lebens, und darum würde er ihr niemals gestatten, mit seinem Namen und seiner Lehre zu liebäugeln, wie es vielfach bei ihren Anhängern geschieht.
In den Dionysos-Dithyramben, diesen Liedern Zarathustras, die ebenfalls 1888 entstanden, erhebt sich in leuchtenden Farben vor unserer Phantasie das Land der Hyperboreer als einsame Insel im Meere. In dem Gedicht »Die Sonne sinkt«, einem der schönsten, das wir besitzen, steigt diese Insel vor uns auf wie jenes Orplid, von dem Mörike sang. In dem »Feuerzeichen« (»Hier, wo zwischen Meeren die Insel wuchs«) zündet der Einsame auf ihr sein Höhenfeuer an und in »Ruhm und Ewigkeit« bekundet uns sein Herz, wie wenig er in Willkür nach dem Beifall der Gegenwart geizt, wie ihm, gleich Goethe, alles was geschieht zum Symbol des Notwendigen wird und wie ihn wiederum, gleich Goethe, die Idee »das Ewige im Vorübergehenden« schauen läßt.
Der Musiker
Sollen wir denn in unserer Zeit nicht mehr von Herzen lachen können und übermütig sein, müssen wir Asche aufs Haupt streuen, Bußgewänder anziehen, die Stirn in tiefsinnige Falten kleiden und Selbstzerfleischung predigen?
Hugo Wolf.
Von Nietzsches Klavierspiel, seinem Improvisieren und Phantasieren am Flügel sprechen außer der Schwester Deussen, von Gersdorff, Kretzer, Peter Gast, von Seydlitz u. a. mit Begeisterung. Auch in Tribschen lauschte man gern seinem Spiel und wurde tief ergriffen, als er beim Abschied von dieser »Insel der Seligen« seiner Trauer am Flügel phantasierend Ausdruck verlieh. Nach Gasts Schilderung war sein Anschlag von großer Intensität, ohne doch hart zu sein. Man hätte vielleicht auch bei Nietzsche, wenn es sich um die Wiedergabe von Orchesterwerken handelte, statt von einem Klavierspiel von einem Partiturspiel sprechen dürfen, wenn man bei Peter Gast liest, daß sein sprechendes Spiel polyphon von mannigfaltigster Abstufung war, so daß aus dem Orchesterklang hier das Horn oder Flöten und Geigen, dort Posaunen sich deutlich heraushoben. Seydlitz sagt: »Er spielt mit der äußersten Ausdrucksfähigkeit und einer tiefen Überzeugung, die auf den Hörer unwiderstehlich eindringt.«
In seiner Jugendzeit – wollte er doch ursprünglich nicht Philologe, sondern Musiker werden – hat er außer einem Oratorium eine große Anzahl Kompositionen niedergeschrieben, deren romantischer Charakter in dem, was uns erhalten blieb (seine Schwester hat es zum Teil in der Biographie veröffentlicht), zutage tritt. So eine Klavierphantasie »Im Mondschein auf der Pußta«, ein schlichtes Lied mit eigenartigen Übergängen zu dem Chamissoschen Gedicht »Das Kind an die erloschene Kerze« und ein 1870 komponierter Männerchor »Ach ich muß nun gehen«, dessen Musik, so wenig sie die erstrebte Volkstümlichkeit erreicht, ich doch höher einschätzen möchte, als es im Urteil der Schwester geschieht. Auch eine Opernskizze sowie eine Rhapsodie – beides durch die Ermanarich-Sage angeregt – dürften wohl noch im Nietzsche-Archiv vorhanden sein.
Die Zahl der Kompositionen aus späterer Zeit ist nur klein. Schumann hatte ihn noch in der Bonner Studentenzeit zur Vertonung von Gedichten Chamissos und Petöfis angeregt, aber bald wurde Nietzsches Widerstand gegen die Romantik dieses »süßlichen Sachsen« wach, vielleicht nicht unbeeinflußt durch Richard Wagner, dem Schumanns Musik antipathisch war. Besonders Schumanns Manfredmusik widerstrebte Nietzsche. Er empfand Byrons Dichtung ganz anders und fühlte sich durch seinen Widerspruch gedrängt, selbst eine »Manfred-Meditation« zu komponieren. Als er sie in Tribschen vorspielte, wurde sie offenbar sehr freundlich aufgenommen, aber nicht in entscheidender Weise beurteilt. Nietzsche aber verlangte es nach einem entschiedenen Urteil. Ob Wagner und seine Frau ihn hierfür an Hans von Bülow verwiesen, oder ob er aus eigener Initiative zu diesem Entschluß kam, wissen wir nicht. Er hatte Bülow früher seine »Geburt der Tragödie« geschickt und nicht nur lebhaften Widerhall gefunden, sondern Bülow hatte ihn, wie früher erwähnt, persönlich in Basel aufgesucht und ihm zum Dank Chopins Barkarole vorgespielt. Der Aphorismus 160 im »Wanderer und sein Schatten« verdankt seine Entstehung der Erinnerung an jene Stunde.
An Bülow schickte er nunmehr seine »Manfred-Meditation.« Der ritterliche Kämpfer für Wagners Kunst konnte sehr milde und nachsichtig urteilen, wo es galt einen Anfänger aufzumuntern. Ich selbst habe es erfahren, als er eine Jugenddichtung von mir nicht nur sehr freundlich beurteilte, sondern auch an Freunde zur Lektüre weitergab. Aber er konnte auch ungemein scharf urteilen, wo es die von ihm so heilig gehaltene Musik betraf. So schrieb er an einen allgemein gefürchteten Frankfurter Musikreferenten über dessen Musik, daß er sie »hohl, farblos, anspruchsvoll, kalt und äußerst gesucht« finde, und auch Nietzsche gegenüber fühlte er sich zur größten Offenheit verpflichtet. Er bezeichnete die Komposition in einem Briefe an ihren Autor als das Extremste an phantastischer Extravaganz, unerquicklich und antimusikalisch, nannte sie ein musikalisches Fieberprodukt, in dem zwar ein ungewöhnlicher, bei aller Verirrung distinguierter Geist zu spüren sei, das ihn jedoch mehr an ein lendemain eines Bacchanals als an dieses selbst denken mache. Nietzsche erschrak auf das heftigste, denn er war überzeugt gewesen, zum mindesten eine »natürliche Musik« zu schreiben. Seine Tribschener Freunde legten die Meditation nunmehr Liszt vor, dessen Urteil weniger absprechend lautete, aber Nietzsche hielt sich an Bülows Ausspruch und beschloß, das Komponieren aufzugeben. »Sie haben mir sehr geholfen – es ist ein Geständnis, das ich immer noch mit einigem Schmerz mache«, schrieb er ihm, und spätere Briefe beweisen, daß beide ritterliche Naturen sich die gegenseitige Hochachtung bewahrten.
Seinem Vorsatz ist Nietzsche, trotz manchem Stoßseufzer – »ich möchte jetzt mehr als je Musiker sein!« – von wenigen Ausnahmen abgesehen, treu geblieben. Außer einer vierhändigen Gelegenheitskomposition »Monodie à deux«, die er zur Hochzeit Olga Herzens (Malwida von Meysenbugs Pflegetochter) mit Gabriel Monod schrieb, hat er seinen, leider wenig bekannten »Hymnus an das Leben« komponiert. Wohl sein bedeutendstes Musikprodukt, obwohl es nicht den Melodienreichtum aufweist, den Nietzsche ihm wünschte. Seine Hoffnung, daß durch dieses Chorwerk, dessen Leidenschaft und Ernst einen Hauptaffekt seiner Philosophie, das Verhältnis zur Pein des Lebens wie eine Herausforderung des Schicksals zum Ausdruck bringt, der Weg zur breiteren Öffentlichkeit erschließe, erfüllte sich nicht, obwohl der Hymnus mit Recht als sehr würdig, rein im Satz und wohlklingend anerkannt wurde.
Auch dann, wenn wir uns zu der Einsicht bekennen, daß Nietzsche nicht berufen war, seine musikalische Veranlagung in Tönen auszuleben, sondern daß seine Seele nur in Worten zu singen vermochte, daß seine Musikalität sich vollwertig nur in den Klängen und Rhythmen seiner Sprache, in den Geheimnissen seiner Satzkadenzen entfaltete: dürfen wir nicht verkennen, daß die Musik ihm ein Lebenselement war. Auch die Überbetonung des Umstandes, daß seine sensible Natur sich den Nervenerschütterungen durch die moderne Musik nicht gewachsen fühlte, daß er als tiefleidender Mensch der Erheiterung durch die Kunst bedurfte, darf uns nicht verleiten, die prinzipielle Bedeutung seiner Musikurteile zu unterschätzen.
Seinem Ausspruch, wer nicht sieht, was auf der Bühne vorgeht – wir wissen, wie kurzsichtig Nietzsche war –, für den sei die dramatische Musik ein Unding, kommt mehr als nur persönliche Bedeutung zu; denn die Musik redet nach Nietzsche »nicht eine allgemeine überzeitliche Sprache, wie man so oft zu ihrer Ehre gesagt hat«, sondern sie hängt innigst mit der Entwicklung der Kulturen zusammen. Gar vieles, was Ausfluß einer früheren Zeit war, kann nicht mit dem übereinstimmen, was wir zukünftig erwarten, sobald wir mit den Ohren Nietzsches nach den Präludien einer zukünftigen Kultur lauschen.
Dann verstehen wir, daß er bereits im »Wanderer und sein Schatten« und in der »Morgenröte« unsere als klassisch geltende Musik bei aller Ehrfurcht nicht mehr in blinder Verehrung würdigt, sondern im Hinblick auf die Zukunft beurteilt. »Unsere Musik ist ehemals dem christlichen Gelehrten nachgegangen und hat dessen Ideal in Klänge zu übersetzen vermocht; warum sollte sie nicht endlich auch jenen helleren, freudigeren und allgemeineren Klang finden, der dem idealen Denker entspricht?«
Wohl bekennt er, bei Bach werde es dem Hörer zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf. Man fühle, daß hier etwas Großes im Werden ist. Aber noch sei viel crude Christlichkeit, Deutschtum, Scholastik in ihm. Bach stehe an der Schwelle der europäischen Musik, aber schaue sich von hier nach dem Mittelalter um.
Beethoven entdeckt seine Melodien im Liede der Bettler und Kinder. Es ist Musik über Musik als verklärte Erinnerungen aus der »besseren Welt«, ähnlich wie Plato es sich von den Ideen dachte.
Mozart dagegen findet seine Melodien nicht beim Hören von Musik, sondern im Schauen des Lebens, des bewegten südländischen Lebens: er träumte immer von Italien, wenn er nicht dort war.
Schubert hatte von allen den größten Erbreichtum an Musik. Dürfte man Beethoven den idealen Zuhörer eines Spielmanns nennen, so hätte Schubert darauf Anrecht, selber der ideale Spielmann zu heißen.
Wir sehen: sie alle sprachen zum Ohr ihrer Zeit. Das will auch die moderne Musik. Aber zum Gewissen eines arbeitsamen Zeitalters, das der Musik nur die Reste seiner Zeit opfert, vermag leider nicht eine Kunst, eine Musik der morgendlichen Stille zu sprechen, denn diese setzt unverbrauchte kraftgefüllte Morgenseelen der Zuschauer und Zuhörer voraus. Die große Kunst hilft sich daher, um jene Müdigkeit zu überwinden, mit Betäubungen, Berauschungen, Erschütterungen, Tränenkrämpfen. Für ein Zeitalter, welches einmal wieder frei volle Fest- und Freudentage in das Leben einführt, dürfte daher diese große Kunst unbrauchbar sein.
Je tiefer man in das Verständnis der Entwicklung seiner Persönlichkeit und Lehre bei Nietzsche eindringt, desto mehr verlieren sich auch hier alle scheinbaren Widersprüche, desto mehr gewinnen auch seine Aussprüche über Musik, deren Schicksal ihm so nah am Herzen lag, symptomatische Bedeutung. Sie vergegenwärtigen uns seinen Übergang vom Metaphysiker zum unbedingten Bejaher des Diesseits und seine Entwicklung vom Deutschen zum »guten Europäer«. Es bedarf durchaus nicht der Entschuldigungen, wie Frau Förster sie anführt, für seine Verurteilungen des Deutschtums, denn diese Urteile sind nicht antideutsch, sondern überdeutsch zu deuten.
In der »Geburt der Tragödie« sprach Nietzsche mit Bewunderung von der deutschen Musik, wie wir sie vornehmlich in ihrem mächtigen Sonnenlaufe von Bach zu Beethoven, von Beethoven zu Wagner zu verstehen haben. Damals verglich er Beethovens Musik dem einsamen Gesange eines Halbgotts und fand in ihm »jene eigentlich und einzig deutsche Heiterkeit«, die von anderen Völkern gar nicht verstanden werde. Aber das Pathos Beethovens, jenes leidenschaftliche Wollen, das sich aus dem Ethos entwickelte, wird in »Richard Wagner in Bayreuth« für die Symphoniker nach Beethoven, für die deutsche Musik als verhängnisvoll erkannt, weil es nur stammelt und nur undeutliche Gebilde erzeugt. In »Menschliches-Allzumenschliches« wird die Lust an erhöhten weitgespannten Stimmungen, das Nebeneinander von Ekstase und Naivem in der modernen Musik bereits als ungriechisch empfunden. Es gab eine Zeit, in der Nietzsche uns die Aufgabe stellte: die zu Beethoven gehörige Kultur zu finden. Aber auch gegen Beethoven setzte sich entwicklungsgemäß seine Natur zur Wehre, weil er die Erde nicht hinab rücken lassen will vor dem Sternendome, den Beethovens metaphysische Kunst ihn träumen heißt.
Wo er ihn nach wie vor verherrlicht, da empfindet er ihn nunmehr als überdeutsch. Nicht ihn allein. Beethovens einsiedlerische Resignation, Mozarts Anmut und Grazie des Herzens, Händels unbeugsame Männlichkeit, Bachs getrostes und verklärtes Innenleben werden nicht mehr als deutsche Eigenschaften anerkannt. Wie Schopenhauer über die Deutschen hinwegphilosophierte, Goethe in »Tasso« und »Iphigenie« über sie hinwegdichtete, so habe Beethoven über sie hinweg Musik gemacht. Bei ihm und Rossini sang sich das achtzehnte Jahrhundert aus, das Jahrhundert der Schwärmerei, der zerbrochenen Ideale und des flüchtigen Glücks.
Besonders in den Jahren 1881 und 1882, als Nietzsche die »Fröhliche Wissenschaft« schrieb, griff die Verurteilung der deutschen Musik als solcher auch auf Beethoven über. Dagegen kommt Mozart seinem Herzen immer näher. Nun schreibt er Rohde: »Ein Mensch, der mir gleichgeartet ist, profondement triste, kann es auf die Dauer nicht mit Wagnerscher Musik aushalten. Wir haben Süden, Sonne, um jeden Preis helle harmlose unschuldige Mozartsche Glückseligkeit und Zärtlichkeit in Tönen nötig.« Und er setzt hinzu: »Eigentlich sollte ich auch Menschen um mich haben von der selben Beschaffenheit, wie diese Musik ist, die ich liebe: solche, bei denen man etwas von sich ausruht und über sich lachen kann.«
Mozart war der Ausklang eines großen jahrhundertelangen europäischen Geschmacks, besagt uns »Jenseits von Gut und Böse«, und wir dürfen uns glücklich schätzen, daß sein Glauben an den Süden noch an irgendeinen Rest in uns appellieren darf. Auf Beethovens Musik dagegen liegt dasselbe Licht, in welchem Europa gebadet lag, als es mit Rousseau geträumt, als es um den Freiheitsbaum der Revolution getanzt und endlich vor Napoleon beinahe angebetet hatte. Was an deutscher Musik nachher gekommen ist, gehört in die Romantik, jenen Zwischenakt, welcher der Heraufkunft der Demokratie voranging. Schumann bedeutete bereits nur noch ein deutsches Ereignis, nicht ein europäisches wie Beethoven und noch umfänglicher Mozart es war. Die Ahnung, daß Europa eins werden will, fehlt in ihm, während Wagner, trotz seiner Mißverständnisse über sich selbst, mit der französischen Spätromantik innigst zusammenhängt, ja dessen Gestalt des Siegfried so frei, hart, wohlgemut gesund ist, daß hier der Geschmack alter mürber Kulturvölker im Rückstand bleibt. Wer sich diese hohe Einschätzung des »antikatholisch« empfundenen Siegfried in der Tiefe zu eigen macht, für den bedarf es keiner Erklärung, warum für Nietzsche der Wagner des »Parsifal« als Feind einer südländischen überdeutschen Musik gelten mußte.
Die Musik, die Nietzsche ersehnt, will Herr werden über das Chaos, das man ist, will es zwingen Form zu werden: logisch, einfach, unzweideutig. Ihr großer Stil muß männlich sein und dem Weibe in unserer Musik widersprechen. Um Klassiker zu sein, muß man alle starken, anscheinend widerspruchsvollen Gaben und Begierden haben, aber so, daß sie miteinander unter einem Joch gehen, muß man Immoralist sein, ein schließender und vorwärts führender Geist, Ja-sagend in allen Fällen, selbst mit seinem Haß.
Was Nietzsche eigentlich von der Musik will – es steht bereits vor uns –, das hat er im »Ecce homo« nochmals deutlich ausgesprochen. Er will, daß sie heiter und tief ist, wie ein Nachmittag im Oktober, daß sie eigen, ausgelassen, zärtlich, ein kleines süßes Weib von Niedertracht und Anmut ist.
Darum wurde Bizets Carmen von Nietzsche voll gewürdigt, lange bevor sie ihren Weg in Deutschland von Bühne zu Bühne fand, während sie Wagner bekanntlich ablehnte. Bei Bizet begegnete er der Musik, die »für die geborenen Mittelländer, die guten Europäer geschaffen ist«, denn sie hat ein Stück Süden der Musik entdeckt. Hier findet er als Halkyonier la gaya scienza, die leichten Füße, Witz, Feuer, Anmut, den Tanz der Sterne, die übermütige Geistigkeit, die Lichtschauder des Südens. Hier redet zu ihm eine andere Sinnlichkeit, eine andere Sensibilität, eine andere Heiterkeit. Wo immer er einer solchen Empfindungsweise begegnet in italienischen und spanischen Klängen, bei Audran, bei Offenbach, bei Rossaro, bei Vilbac, jubelt sein Herz auf. Immer wieder will er mit den »schweren heißen Südwinden Carmens den Wasserdampf des Wagnerschen Ideals bannen«.
Neben Bizet blieb er vor allem Chopin wohlgesinnt. Dessen Vornehmheit gemahnte ihn an van Dyck. Fast alle Zustände und Lebensweisen haben einen seligen Moment. Chopin habe einen solchen seligen Moment des Lebens am Strande in seiner Barkarole so zum Ertönen gebracht, daß selbst Götter dabei gelüsten könnte, lange Sommerabende in einem Kahne zu liegen.
Nietzsches Erwartung, daß sein Maestro Pietro Gasti jene Musik, die ihm für die kommende Zeit vorschwebte, schaffen und ihr die Welt erobern werde, hat sich nicht erfüllt. Dafür reichte Gasts Schöpferkraft nicht aus. Aber aus dem Schaffen eines anderen Tondichters, dessen Entfaltung Nietzsche leider nicht mehr erlebte, können wir recht wohl eine Vorstellung der Musik im Sinne Nietzsches gewinnen. Man errät wohl, wen ich meine: Hugo Wolf. Wie Wolf in seiner Überzeugung, daß mit Wagner eine Höhe erreicht ist, die zu überschreiten nicht unsere Aufgabe sei, mit Nietzsche übereinstimmte, dafür aber die Verbindung mit Mozart wiederhergestellt werden müsse, wie er Carmen ganz im Sinne Nietzsches begrüßte und Brahms ganz im Sinne Nietzsches ablehnte, so war er selbst, getragen von seiner Begeisterung für Nietzsche, bestrebt, die Musik in die Bahnen zu lenken, die dieser ihr vorausbestimmte. Stolze, siegbewußte Musik, die nicht mit dem Hut in der Hand um den Beifall eines sensationslüsternen Publikums bettelt, noch dessen Ermattung durch Nervenerschütterung zu überwinden strebt. Stolze, siegbewußte Musik, die aus der Freude an sich selbst und an der Schönheit des Lebens ihre eigene klangfrohe Sprache redet, die in plastischen Themen schärfste Charakteristik mit edelstem Wohlklang verbindet, indem sie sich »der Vollkommenheit im kleinsten befleißigt«, die »nur die Traurigkeit des tiefsten Glückes kennt und sonst keine Traurigkeit« (man denke an den Zwiegesang aus dem Corregidor: »In solchen Abendfeierstunden«), der das gute Gewissen im Herzen und der Schelm im Nacken sitzt, die klangfroh »zu jubeln versteht«.
Veranschaulichen wir uns durch Nietzsches Urteile über die ältere und neuere Musik, was er in ihr als nordländisch ablehnte, und gewinnen wir durch Wolf die Vorstellung wie die Musik der Zukunft nach Nietzsche beschaffen sein muß, um einer halkyonisch gearteten Kultur zu entsprechen, dann verstehen wir, daß es durchaus seiner Natur, aber auch seiner Philosophie entsprach, der Wirkung Wagners entgegenzuarbeiten und durch sein Pamphlet »Der Fall Wagner« den überwältigenden Zauber zu bekämpfen, den sie zu Nietzsches Leidwesen auch auf jene ausübt, die er berufen erachtet, die Bahnen zu wandeln, die zu der zukünftigen Kultur hinüberleiten.
Der Pamphletist
In der Liebe … wird die Seele Sklave, und man bringt nur zu oft das Opfer seiner selbst, d. h. das, welches man nicht bringen darf.
Malwida von Meysenbug.
In Sorrent sagte Nietzsche einmal – es war im Jahre 1878 – zu Freiherrn von Seydlitz, dessen Begeisterung für Wagner er damals noch billigte: »Der Himmel behüte uns, daß wir nie in Versuchung geraten, Pasquille über unsre Freunde zu schreiben; Stoff gäbe es freilich da mehr als bei Gegnern; aber eben deswegen –!« Dieser Ausspruch verrät uns, daß Nietzsche sich Zwang antun mußte, um als aufrichtiger Psychologe sich nicht allzu freimütig zu äußern. Damals galt ihm eine solche Zurückhaltung noch als Pflicht, zehn Jahre später sah er darin Mangel an Mut. »Auch der Mutigste von uns hat nur selten den Mut zu dem, was er eigentlich weiß …«
Da dieser Wagemut bei Nietzsche – das hat uns wohl sein Entwicklungsgang klar bewiesen – fortgesetzt wuchs, kam er dazu – nicht ein Pasquill gegen seinen freund-feindlichen Gegner, denn ein Pasquill hat stets die Person zum Ziel, wohl aber ein Pamphlet gegen Wagners Wirkung zu schreiben. »Alles, was auf Ehrfurcht sich gründet, bedarf, um bekämpft zu werden, seitens des Angreifenden eine gewisse verwegene, rücksichtslose, selbst schamlose Gesinnung …«, erklärte er ohne jede Beschönigung. Hieraus verstehen wir, daß er selbst seine Schrift »Der Fall Wagner« ein Pamphlet nannte und offen bekundete, daß er auf dieses »Pamphlet gegen Wagner« stolz sei. Er war überzeugt, daß es nicht möglich sei, »so entschiedene Dinge deutlicher und delikater zu sagen«, als es in dieser »übermütigen Farce« geschah. Er war sich voll bewußt, daß der Stil dieses Werkes – die Absicht einer Schrift bestimmte für ihn deren Stil – seiner früheren Schreibweise nicht ähnlich sieht, sondern daß ein allegro feroce der Leidenschaft an Stelle der raffinierten Neutralität und zögernden Vorwärtsbewegung getreten ist.
Aber auch ein persönlicher Notstand wirkte sich aus, den wir nicht übersehen dürfen. Die »tote stupide Einsamkeit«, in der er sich befand, erforderte eine Ablenkung, denn er fühlte sich damals zuweilen auf eine unbeschreibliche Weise melancholisch. Gegen diesen Exzeß des Gefühls kämpfte er durch den leidenschaftlichen Stil seiner Schriften in der Turiner Zeit von 1888 mit aller Macht an. Die Leidenschaft betäubt. »Jetzt eben wird ein kleines Pamphlet musikalischen Inhalts gedruckt, das von der heitersten Laune eingegeben scheint: auch die Heiterkeit betäubt. Sie tut mir wohl, sie macht vergessen. Ich lache wirklich sehr viel bei solchen Erzeugnissen –.«
Wie tief lassen uns diese Sätze, die wir dem Entwurf zu einem Brief verdanken, der für Overbeck bestimmt war, in den Zustand seiner Psyche blicken. Der mutige Drang, was ihm als Überzeugung aggressiv in den Sinn kam, ungehemmt durch Formen der Neutralität aussprechen und das seelische Bedürfnis, die drohende Melancholie durch Leidenschaftlichkeit zu überwinden, erklären uns ebensosehr die Heftigkeit des »Antichrist« wie die Fülle von ätzendem Spott im »Fall Wagner«, ein Spott, der sich durch keine auf Verehrung begründete Rücksicht mehr unterdrücken ließ. Er will den Meister von Bayreuth nicht etwa hämisch verkleinern – »Wagner war etwas Vollkommenes« –, aber die Ehrfurcht vor dessen Zielen und Wirkungen parodistisch überwinden, um die Bahn frei zu bekommen für seine eigenen Ziele und Wirkungen. Gilt es doch die Umkehr durchzusetzen vom pessimistisch gefärbten Idealismus zu dankbarer Wirklichkeitsfreude, von der romantischen Flucht ins Metaphysische zur sinnenfreudigen Erdennähe der Natur, von christlich und demokratisch gerichteter Moral zur aristokratischen Rangordnung der Werte, von der dekadenten Modernität einer sterilen Zivilisation zum fruchtbaren Wachstum der Kultur, von der Theaterhingebung der Kunst an die Instinkte der Massen zur klar bewußten Erziehung der berufenen Einzelnen, von der Schwächung und Zähmung der Triebe aus Naturverlästerung zu deren Stärkung und Züchtung um der höchsten Lebensentfaltung und Menschensteigerung willen.
Nur flüchtig anerkennt er noch, was bei Wagner im Sinne dieser Umkehr sich fördernd erweist. Die herrliche Gestalt des Siegfried bleibt ihm auch jetzt noch unantastbar. Der ursprüngliche Schluß des »Ring des Nibelungen«, der optimistisch konzipiert war und erst später im Sinne der Schopenhauerschen Philosophie eine Umarbeitung erfuhr, bedeutete für Nietzsche »die Götterdämmerung der alten Moral« und den »Aufgang des goldenen Zeitalters«. Auch dort bewahrte sich der entschlossene Kämpfer seine Freude an Wagner, wo dieser seine Kunst nicht in den Dienst des Alfresko-Stils der Theatralik stellte. Er findet ihn bewunderungswürdig, liebenswürdig in der Erfindung des Kleinsten, in der Ausdichtung des Details.
Wie der »Antichrist« den Vorarbeiten zum »Willen zur Macht« entnommen wurde, so auch »der Fall Wagner«, dessen Inhalt ursprünglich für das Kapitel »Modernität« bestimmt war. Ebenso hat er die »Götzendämmerung« als einen Auszug des »Willens zur Macht« bezeichnet. Was veranlaßte Nietzsche, in dieser Weise der Veröffentlichung seines Hauptwerkes vorzugreifen? Doch wohl das Gefühl, daß seine Lebenszeit nicht mehr so lang bemessen sein könne, daß er in Ruhe die allmähliche Wirkung seiner Werke abwarten dürfe, sondern daß es an der Zeit sei, das Entscheidende in grellster Deutlichkeit auszusprechen, um endlich gehört und beachtet zu werden.
Schon vier Jahre früher hatte er einem mir befreundeten Chemiker, als dieser auf gemeinsamen Spaziergängen in Sils-Maria ihn ermahnte, sich um seiner Gesundheit willen zeitweise der Arbeit zu enthalten, geantwortet, er dürfe keine Zeit verlieren, denn er habe der Menschheit noch vieles darzubieten. Wohl aus dem gleichen Gefühl heraus schrieb er von Turin an seine Schwester, nachdem er durch seinen Gesundheitszustand längere Zeit am Arbeiten gehindert worden sei, habe er nunmehr den großen Zeitverlust für seine Aufgabe durch eine um so angespanntere Arbeit auszugleichen gesucht. Aber nicht nur die Intensität der Arbeit erfuhr eine Steigerung, es drängte ihn auch, die unmittelbare Wirkung zu erhöhen durch die Ausschaltung jeder verzögernden Neutralität.
Auch die »Götzendämmerung« ist infolgedessen vielfach von dem Geiste erfüllt, den uns das Wort Pamphletist kennzeichnet. Ein Kapitel »Das Problem des Sokrates« bietet in diesem Hinblick ein Seitenstück zum »Fall Wagner«. Im Verlangen nach »Vernünftigkeit um jeden Preis« sieht Nietzsche bei Sokrates den Versuch, aus der Vernunft einen Tyrannen zu machen, und zwar um seiner Errettung willen aus der Anarchie der Instinkte.
Wie die Psychoanalytiker heute bei Origines, Paulus, Augustin und vielen anderen ihre Bekehrungen als Versuche deuten, sich aus den Qualen verdrängter Sexualität zu befreien, so verfuhr bereits Nietzsche als er schrieb: »Auf décadence bei Sokrates deutet nicht nur die zugestandene Wüstheit und Anarchie in den Instinkten: eben dahin deutet auch die Superfötation des Logischen und jene Rhachitiker-Bosheit, die ihn auszeichnet.«
Unwillkürlich drängt uns dieses Urteil die Frage auf, ob nicht vielleicht auch bei Nietzsche ins Unterbewußtsein verdrängte Gefühle den Zorn seiner Worte gegen Sokrates entzündet haben. Für die Heftigkeit der Angriffe gegen Wagner fanden wir bereits eine solche Erklärung in der zwanghaften Überwindung seiner ehemaligen und niemals ganz erloschenen Verehrung – welche Empfindungen aber hatte Nietzsche gegenüber Sokrates zu überwinden? Die Antwort, die Bertram in seinem vorzüglichen Nietzsche-Buch gibt, besagt: der Erzieher in Nietzsche wehrte sich gegen den Fanatiker der Erkenntnis in der eigenen Brust. Aber wir schauen vergebens nach Belegen in Nietzsches Schriften aus, die diese Aussage begründen.
Wohl hat Nietzsche in seinen früheren Schaffensperioden wiederholt anerkennende Worte für die Originalität des Sokrates gefunden, wohl zählte er ihn jenen Menschen zu, die es wagen, »ihrer selbst willen da zu sein«, wohl sah er in den Memorabilien des Sokrates das Zusammentreffen von vielen Straßen der verschiedensten philosophischen Lebensweisen und Temperamente, festgestellt durch Vernunft und Gewohnheit und allesamt mit der Spitze nach der Freude am Leben und am eigenen Selbst gerichtet. Aber diese Einschätzungen, die hauptsächlich aus der Zeit seines Positivismus stammen, bekunden niemals eine entschiedene innere Zusammengehörigkeit, sondern sehr früh schon bezeichnete er trotzdem Sokrates bald als das Urbild, den Typus oder als den Stammvater des von ihm bekämpften theoretischen Menschen und wählte ihn zur Zielscheibe seiner Angriffe, wo immer er optimistische Erkenntnis und tragische Kunstbedürftigkeit einander gegenüberstellte. Das Denken der Griechen im tragischen Zeitalter wurde von ihm allezeit entweder als pessimistisch in der Erkenntnis oder aber als künstlerisch-optimistisch gesehen. Zu beidem verhielt sich Sokrates, als der Mystagoge der Wissenschaft, antipodisch. Aber auch für die Wissenschaft sah er niemals in ihm mit innerer Anteilnahme ein ihm entsprechendes Vorbild. Hörte er doch die sokratischen Schulen die Frage stellen: welches ist diejenige Erkenntnis der Welt und des Lebens, bei welcher der Mensch am glücklichsten lebt? Eine Frage, mit der man nach Nietzsches heroischer Überzeugung die Blutadern der wissenschaftlichen Forschung unterband. Nur deshalb etwas für wahr halten, weil es uns beglückt, bedeutete ihm stets eine Untreue an der Aufgabe der Erkenntnis.
Trat diese Versuchung zur Untreue am Selbst, am Ziel und Werk auch an Nietzsche heran zur Zeit, als er sich seiner Unbeachtetheit und schülerlosen Einsamkeit schmerzlicher als je mit drohender Melancholie bewußt wurde, gemahnte auch ihn eine Versucherstimme, sich in der bloßen Vernünftigkeit gemäß der Lehre des Sokrates Befreiung und Errettung von der erdrückenden Überlast seiner Aufgabe zu suchen, und setzte seine tapfer ausharrende Treue zum eigenen Selbst, seine opferwillige Hingabe an sein Werk sich eben darum mit größter Heftigkeit zur Wehr, um diese sokratische Versucherstimme zu übertönen mit pamphletischen Schmähungen gegen Sokrates? Begnügen wir uns, diese Möglichkeit anzudeuten; denn die Gegnerschaft zu Sokrates zeigt sich schon lange vorher in so grellem Lichte, und wir begreifen auch ohne eine solche psychologische Erklärung, daß zu jener Zeit, als Nietzsche sich ungehemmt dem Affekte seiner Kampfeslust überließ, sein Zorn gegen jene Gesinnung, die sich für ihn in Sokrates typisch verkörperte, hell aufflammte. Wie alle Bildungsphilisterei Nietzsche gleichsam durch David Friedrich Strauß repräsentiert sah, wie er einfach Pascal sagt, wo er an die Entselbstung durch christliche Religiosität denkt, Schopenhauer und Wagner als Typen bekämpfte, so folgte er seinen griechischen Lehrmeistern, für die »das Abstrakteste immer wieder zu einer Person zusammen rinnt«, auch hier, wo er die verhängnisvolle Rangentwertung des Instinkts durch den Intellekt: Sokrates nennt.
Dem »Problem des Sokrates« schließen sich in der »Götzendämmerung« Betrachtungen über die »Vernunft in der Philosophie« und die »Moral als Widernatur« und andere oft sarkastisch gefärbte Ausführungen an. Die Schrift, die trotzdem zu den kürzesten aber inhaltreichsten Schriften Nietzsches zählt, sollte ursprünglich den Titel »Müßiggang eines Psychologen« führen. Aber als Peter Gast dem Verfasser schrieb: »Eines Riesen Gang, bei dem die Berge in den Urgründen zittern, ist schon kein Müßiggang mehr« und ihn um einen prangenderen, glanzvolleren Titel bat, da entschied sich Nietzsche mit einem abermaligen Seitenblick auf Wagner für die Bezeichnung »Götzendämmerung, oder Wie man mit dem Hammer philosophiert«. Der ursprüngliche Titel dieser »philosophischen Heterodoxie« hätte gewiß weniger auffällig gewirkt, aber, wie mir scheint, die Zugehörigkeit der Schrift zu den ausgesprochen psychologischen Arbeiten Nietzsches dafür deutlicher bekundet.
Über den äußeren Lebenslauf Nietzsches seit der Vollendung des »Zarathustra« ist wenig zu berichten. Um seiner Vereinsamung entgegenzuwirken, schlug ihm Overbeck vor, wieder Lehrer zu werden, »ich meine nicht akademischer, sondern Lehrer (etwa des Deutschen) an einer höheren Schule«. Burckhardt hatte ihn schon vorher sehr eindringlich aufgefordert, Weltgeschichte ex professo zu dozieren und gewissermaßen sein Nachfolger in Basel zu werden. Nietzsche überlegte Overbecks Vorschlag ernstlich, beriet sich darüber auch mit Gast, kam aber zu dem Schluß, daß ihm selbst ein nützlicher und wirkungsvoller Lehrerberuf nur als Erleichterung des Lebens gelten dürfe; erst dann, wenn er seine Hauptaufgabe erfüllt habe, werde sich das gute Gewissen für eine solche Existenz einstellen. Auch sei das Klima Basels für ihn ganz unmöglich, da er reinen Himmel brauche, um nicht an seinem »gräßlichen Temperament« zugrunde zu gehen. Das Suchen nach einem heiteren Himmel – »meine Feinde, die Wolken« – bestimmte die Wahl der Aufenthaltsorte. Außer Sils-Maria erkannte er besonders, je nach den Jahreszeiten vor allen, Nizza und Turin für sich geeignet.
Sein mühsam behauptetes seelisches Gleichgewicht erlitt während einiger Zeit schwere Einbuße durch Mißhelligkeiten mit seinen Angehörigen. Die Verlobung seiner Schwester mit dem Kolonisator Dr. Bernhard Förster, dessen antisemitische Gesinnung Nietzsche widerstrebte, gab die Veranlassung und ließ ihn in Briefen an Overbeck scharfe Urteile über die Schwester fällen. Dr. Rée und Lou Salomé erschienen ihm in solchen Stunden in günstigerem Lichte als zuvor. Aber bald kam er betreff Salomé wieder zu der Erkenntnis: »Dieser Art Mensch, der die Ehrfurcht fehlt, muß man aus dem Wege gehen.« Seine fortgesetzt noch zunehmende Vereinsamung bedrückte ihn schwer. »Wagner war bei weitem der vollste Mensch, den ich kennen lernte, und in diesem Sinne habe ich seit sechs Jahren eine große Entbehrung gelitten,« klagte er Overbeck. Es fehle ihm so sehr ein Mensch, mit dem er über die Zukunft der Menschheit nachdenken könne. »Ich bin durch die lange Entbehrung von zu mir gehöriger Gesellschaft inwendig ganz krank und wund. Nichts kommt mir zu Hilfe, niemand denkt sich etwas aus, das mich erheitern und erheben könnte …« und »Es sollte jemanden geben, der für mich, wie man sagt, lebte.«
Die absprechenden Urteile über die Schwester wurden Overbeck gegenüber aufgehoben durch warme Worte der Anerkennung ihres Wertes nach einer geschwisterlichen Zusammenkunft in Zürich. Er war beglückt, die alte ungeschmälerte Herzlichkeit wieder zu finden. Um so schmerzlicher empfand er die örtliche Trennung durch ihre Übersiedlung mit ihrem Gatten nach Paraguay. Immer wieder in seinen Briefen dahin beklagt er diese Trennung. »Erst seit Du so weit davon gelaufen, fühle ich, wieviel Du mir gewesen bist. Du warst meine Erholung, die Brücke zu den andern.«
Vorübergehend schien ein Deutsch-Italiener Paul Lanzky zum Adepten berufen; aber auch bei ihm, wie zuvor bei Dr. Paneth und Albert Conradi, wollte Nietzsche nicht, daß er über ihn schreibe, in der Befürchtung, daß auch er nicht in der Lage sei, das Wesentliche seiner Lehre zu erfassen. Wohl erhielt er im Jahre 1886, wie mir sein Hauswirt Durich erzählte, in Sils-Maria die Besuche verschiedener Gelehrter, lebte aber, von solchen gelegentlichen Unterbrechungen abgesehen, durchaus einsam. Einsam bedeutete vor allem unverstanden, war er sich doch darüber vollständig klar, daß wer immer das Wachstum der Kultur erwartete von dem, »was Verbesserung des Menschen oder geradezu Vermenschlichung genannt wird«, nicht sein Ziel der Vergrößerung des Typus Mensch verstehen könne. Einzig bei Burckhardt und Hippolyte Taine glaubte er eine Verständnismöglichkeit voraussetzen zu dürfen. Sowohl Burckhardt als Nietzsche schätzten Taine sehr hoch ein. Nietzsche hatte ihm als »dem ersten zeitgenössischen Historiker« sein bedeutsames Werk »Jenseits von Gut und Böse« zugeschickt und eine Antwort erhalten, die von einer sehr aufmerksamen Lektüre des Werkes Zeugnis ablegte. Er begegnete bei ihm der Richtung vom Individuellen aufs Typische, verbunden mit einer Vorliebe für die starken expressiven Typen, und zwar für die Genießenden mehr als für die Puritaner. Anders stand Erwin Rohde zu Taine, der ihm allzusehr darauf gerichtet schien, den Charakter großer Männer aus der Rasse, dem Milieu und der Zeit zu erklären. Nach zehnjähriger Trennung hatte Nietzsche seinen alten »Waffenbruder« in Leipzig aufgesucht, der sich dort durchaus nicht am Platze fühlte, so daß seine nervöse Gereiztheit den mittlerweile eingetretenen Abstand ihrer Überzeugungen besonders scharf hervortreten ließ. Beide waren enttäuscht. Und als Nietzsche einige Zeit später einen Brief Rohdes erhielt, der ein offenbar übertrieben abfälliges Urteil über Taine enthielt, verteidigte er diesen in einer Rohde verletzenden Weise. Wohl versuchten beide durch nachfolgende Briefe einen Ausgleich herbeizuführen, aber der Abbruch ihrer ehedem so schönen herzlichen Freundschaft vollzog sich trotzdem. So ging ihm auch Rohde verloren.
Das entschiedene Eintreten von Georg Brandes in Kopenhagen für seine Philosophie und deren aristokratischen Radikalismus, die briefliche Wiederanknüpfung mit seinem Freunde von Gersdorff, dazu ein Besuch Deussens, dessen Schriften über indische Religion er hoch und dankbar einschätzte, brachten Lichtpunkte in das umdüsterte Dasein Nietzsches, aber sie vermochten es nur vorübergehend zu erhellen. Die unmittelbare Wirkung von Mensch zu Mensch fehlte ihm. Nur die Erwerbung von Jüngern konnte sie bringen.
Ohne Zweifel verfolgte Nietzsche mit seinem Pamphlet gegen Wagner auch diesen persönlich gerichteten Zweck. Es sollte Männern, die er, wie ehedem Heinrich von Stein, berufen erachtete, ihm anzugehören, durch Überwindung der Ehrfurcht vor Wagner die Augen öffnen für die Unvereinbarkeit ihrer Ziele. »Der alte Verführer nimmt mir, auch nach seinem Tode noch, den Rest von Menschen weg, auf die ich wirken könnte,« ist in einem Brief an Malwida von Meysenbug zu lesen. Daß ein Mann wie Graf Gobineau sich Wagner anschloß, obwohl seine Stellung zum Christentum und zur Renaissance ihn viel eher als geistesverwandt mit Nietzsche erscheinen ließ, erklärt sich uns daraus, daß eben Wagner auch auf dem Gebiete der Kultur bereits als Autorität dastand, Nietzsches Bedeutung aber noch unerkannt war. Auch wissen wir durch Ausführungen von Frau Wagner, daß man in Bayreuth von freier hoher Warte aus Gobineaus antichristliche Gesinnung recht wohl gelten ließ und zu würdigen wußte.
Daß Nietzsche in der Tat voll überzeugt war, sein »Fall Wagner« sei so »maßvoll, so heiter wie möglich« geschrieben, beweist uns der Umstand, daß er sogar an Malwida von Meysenbug, trotz ihrer warmen Begeisterung für Wagner, eine Anzahl Exemplare zur Verteilung schickte, womit er aber nur erreichte, daß auch die Freundschaft mit der »Idealistin«, die ihn mütterlich liebte, aber niemals in die Tiefen seiner Philosophie einzudringen vermochte, in die Brüche ging. Daß auch Malwida von Meysenbug später, aus zeitlicher Ferne gesehen, die Notwendigkeit der Trennung der beiden großen Geister erkannte, bewies mir ein Brief vom 22. Februar 1897. Ich hatte ihr meinen in der Vorrede erwähnten Aufsatz über »Wagner und Nietzsche« geschickt. Sie antwortete: »Ich habe mich sehr darüber gefreut, weil er so gerecht ist und gewiß die Sache im ganzen vollkommen richtig erklärt. Daß trotz der inneren Verschiedenheit die Trennung weniger gewaltsam und in edlerer Form hätte vollzogen werden können, das wäre für alle, die den beiden nahestanden, eine Wohltat gewesen, so wie der gewesene Verlauf ein ewiger Schmerz sein wird.«
Die Aufnahme, die der »Fall Wagner« bei Freunden und Gegnern fand, bewies Nietzsche, daß man das Pamphlet als das Zeugnis eines plötzlichen Gesinnungswechsels ansah und nicht als das Schlußwort über die Gegensätzlichkeit ihrer Ziele, die sich langsam entwickelt und andauernd verschärft hatte. Der Beweis hierfür war nur aus früheren Bemerkungen über Wagner in Nietzsches Schriften zu führen. Der einsame Kämpfer ersuchte Karl Spitteler, den griechisch fühlenden Dichter, eine solche Zusammenstellung herauszugeben. Aber Spitteler lehnte ab. So unternahm es Nietzsche selbst – war er doch immer wieder nur auf sich selbst angewiesen – durch eine solche Zusammenstellung in der Schrift »Nietzsche contra Wagner, Aktenstücke eines Psychologen« den Beweis zu liefern, daß Wagner und er seit langem Antipoden seien. Treffend gelangt der Zweck der kleinen Schrift in einem Briefe Nietzsches an seinen Verleger Naumann zum Ausdruck: »Nachdem ich im ›Fall Wagner‹ eine kleine Posse geschrieben habe, kommt hier der Ernst zu Wort: denn wir – Wagner und ich – haben im Grunde eine Tragödie miteinander erlebt.« Eine Tragödie! Erweisen wir uns fähig, das Verhältnis der gegnerischen Freunde zueinander als solche zu schauen!
Hüte sich, wer feindlich zu Wagner steht, vor hämischer Schadenfreude, aber bewahre sich auch, wer dem Meister von Bayreuth ergeben ist, durch allzu menschliche Auslegung der Angriffe Nietzsches die überragende kulturelle Bedeutung dieses heroischen Kampfes zu verkennen! Als schwerleidender Mensch ist Nietzsche in diesem Kriege seinen Wunden erlegen. Ob er als Philosoph Sieger blieb, oder ob es, wie sein Aphorismus »Sternenfreundschaft« so wunderbar besagt, eine unsichtbare Kurve und Sternenbahn gibt, in der ihre so verschiedenen Straßen und Ziele als kleine Wegstrecken einbegriffen sein mögen: das kann erst eine ferne Zeit offenbaren. An uns ist es nur, das radikale Antipodenverhältnis der beiden großen Erdenfeinde und Sternenfreunde durch Einlebung in die Tragödie zu begreifen und die Notwendigkeit ihrer Trennung und Bekämpfung als schicksalhaft zu verstehen.
Ecce homo
Alle Scheidenden sprechen wie Trunkne und nehmen gerne sich festlich.
Hölderlin.
Wo wir bis jetzt vom »_Ecce homo« sprachen, da nannten wir es eine autobiographische Skizze. Aber diese Bezeichnung schält nicht den Kern der Schrift heraus. »Das ist eher eine Psychographie als Biographie zu nennen«, schreibt Dr. Richard Oehler in dem Vorwort, das die Veröffentlichung in der Taschenausgabe einleitet. Auch der Herausgeber von »Ecce homo« in der großen Ausgabe von Nietzsches Werken, Dr. Otto Weiß_, erkennt das Werk ganz richtig als psychologische Selbstanalyse; denn »Leben und Lehre, Denken und Schaffen vereinigen sich bei ihm fast zur Identität«.
Nietzsche hat es an seinem vierundvierzigsten Geburtstag, also am 15. Oktober 1888, in Turin begonnen und innerhalb drei Wochen abgeschlossen. Er war sich bewußt, eine extrem schwere Aufgabe in dieser kurzen Zeit gelöst zu haben, nämlich sich selber, seine Bücher, seine Ansichten und bruchstückweise, soweit es dazu erforderlich war, sein Leben zu erzählen. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht bestimmte er es mit dem Mut zum Äußersten für die Öffentlichkeit; es sollte über ihn »ein wenig Licht und Schrecken« verbreiten, ein »Erstaunen ohnegleichen« hervorrufen und als vorbereitende Schrift, als »feuerspeiende Vorrede« für sein kommendes Werk die »Umwertung aller Werte« eine wirkliche Spannung schaffen, damit dieses nicht wie der »Zarathustra« unbeachtet bleibe.
Auch diese Psychographie Nietzsches wurde wie die zunächst vorangegangenen Schriften im Zustande der Euphorie geschrieben. Er fühlte sich auf das Allerglücklichste inspiriert »dank einem unvergleichlichen Wohlbefinden, das einzig in meinem Leben dasteht«. Er war sich des Überschwanges, der seine Darstellung erfüllt, voll bewußt, wie uns seine Briefe an Fräulein von Salis-Marschlins, Peter Gast und Georg Brandes bezeugen. Er fand, daß diese Schrift mit einem welthistorisch werdenden Zynismus in einer den Meistersingern abhanden gekommenen Tonweise gesetzt sei: »die Weise der Weltregierenden«.
Das schmerzlich erkannte Mißverhältnis zwischen der Größe seiner Aufgabe und der Kleinheit seiner Zeitgenossen läßt ihn im Vorwort ausrufen: »Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor allem nicht!« Er will erkannt werden als eine Gegensatznatur zu der Art Mensch, die man bisher als tugendhaft verehrt hat, als Gegensatz aller Moralisten, für die Idealismus nicht die Verdichtung und Betonung des Wesenhaften der Realität bedeutet, sondern als Fluch auf die Wirklichkeit den Glauben an eine erlogene Welt. Das ist es, was ihn von der Romantik, so vielfach seine Gefühlslehre sich auch mit ihr berühren mag, grundsätzlich unterscheidet. Wenn man diesen starken, vollbewußten Willen Nietzsches versteht, sich als Gegentypus des moralistischen Idealisten zu zeichnen, dann verfällt man kaum der Versuchung, von »Größenwahn« zu sprechen, obwohl er die stärksten Worte gebraucht, um sich und den Wert seiner Werke zu veranschaulichen. Absichtlich wählt er Überschriften wie »Warum ich so weise bin«, »Warum ich so klug bin«, »Warum ich so gute Bücher schreibe« und »Warum ich ein Schicksal bin«. Sie sollen dem Leser den Flug auf eine Höhe der Betrachtung ermöglichen, wo Nietzsche frei von jeder Bescheidenheits-Koketterie in höchsten Tönen von sich nicht etwa als Privatperson – »ich bediene mich der Person nur wie eines starken Vergrößerungsglases« –, sondern als »der Jünger des Philosophen Dionysos« spricht.
Es galt ihm, das Schicksalhafte seiner Erscheinung zu betonen. Diese Absicht kommt in vielen Einzelzügen dem psychologisch begabten Leser zum Bewußtsein. Nietzsche will in »Ecce homo« symbolisch verstanden werden. Und zwar in dem Sinne, in dem Goethe an Karl Ernst Schubarth schrieb: »Alles was geschieht, ist Symbol, und indem es vollkommen sich selbst darstellt, deutet es auf das übrige.«
Die große Wichtigkeit, die er seiner Abstammung beimißt, die Betonung seiner Konstitution, die einen steten Wechsel von Krankheit und Genesung verursache, vor allem aber die Sinnverknüpfungen mit dem Zufall zeigen uns, wie sehr es ihm auf Darlegungen verborgener Zusammenhänge ankam. Wenn er dem Umstande, daß die Verheiratung seiner Großmutter an dem Tage stattfand, an dem Napoleon in Eilenburg einzog, und dem Datum seiner Geburt am Geburtstag Friedrich Wilhelms des Vierten besondere Bedeutung beimißt, wenn er von der Art, wie seine Aufmerksamkeit auf Schopenhauer gelenkt wurde, sagt: »So etwas Zufall zu nennen, wäre Sünde wider den heiligen Geist Schopenhauers«, wenn er als vorbedeutungsvoll auffaßt, daß ihm bei seinem ersten Besuch in Tribschen die Akkorde aus dem »Siegfried« entgegenklangen: »Verwundet hat mich, der mich erweckt«, wenn er wiederholt darauf hinweist, daß er den ersten »Zarathustra« in der heiligen Stunde vollendet habe, in der Richard Wagner in Venedig starb, oder die historischen Bewandtnisse seiner Aufenthaltsorte zu sich in Beziehung setzt, die Stätten ehrfurchtsvoll kennzeichnet, an denen ihm entscheidende Ideen seiner Werke aufstiegen und so verschiedene Fäden jeder Art zu einem Netz verknüpft: so haben wir in alledem nicht Aberglauben noch Phantasterei zu sehen, sondern das In-eins-Dichten von dem, »was Bruchstück ist und Rätsel und grauser Zufall«.
Will man diese Einbeziehung des Zufalls in eine verborgene Kausalität, diese Symbolisierung durch freie Interpretation Mystik nennen, so ist es jedenfalls nicht Mystik im Sinne »augenschließenden Anschauens« gemäß der griechischen Herkunft des Wortes, sondern hellsichtiges Überbewußtsein seiner von ihm erkannten Einzigkeit und seiner als Fatum empfundenen Mission, eine Entscheidung von unermeßbarer Fernwirkung heraufzubeschwören. »Niemand wußte vor mir den rechten Weg, den Weg aufwärts: erst von mir an gibt es wieder Hoffnungen, Aufgaben, vorzuschreitende Wege der Kultur – ich bin deren froher Botschafter … Eben dadurch bin ich auch ein Schicksal.«
Einer solchen Sprache begegnen wir nur bei Religionsstiftern. Und doch war Nietzsche das Gegenteil eines solchen, so sehr auch hier nach dem Gesetz der Polarität die Extreme sich berühren. Wohl sind auch die Religionen wesentlich die Schöpfungen einzelner Menschen, sie können nicht allmählich entstanden sein, sonst besäßen sie nicht den siegreichen Glanz ihrer Blütezeit, aber die Voraussetzungen für ihre Entstehung waren metaphysische Bedürfnisse und Veranlagung zur Kontemplation. Sie verlangten, wie Burckhardt so richtig erkannte, einen Zustand von Exaltation bei der Geburt, so daß wir uns heute von der völligen Kritiklosigkeit solcher Zeiten und Menschen keinen Begriff mehr machen können.
Wo wäre von alledem etwas bei Nietzsche zu erkennen, wo zeigten sich Massen, die er zu berauschen strebte, wo fand er, von Peter Gast abgesehen, zu Lebzeiten seine Jünger? Aber freilich eines hatte er mit den großen Religionsstiftern gemeinsam: »das Königsrecht des Bestimmten gegenüber dem Dumpfen, Unsicheren und Anarchischen«. (Burckhardt.) Das Bewußtsein dieses Königsrechtes gestattete ihm nicht nur in seiner Auto-Psychographie die Tonweise des Weltregierenden erklingen zu lassen, sondern auch durch den Titel »Ecce homo« ein Gegenbild zu der von Paulus erschauten Christuserscheinung aufzurichten, sein Gegenbild.
Wird die Zukunft die Selbsteinschätzung Nietzsches bestätigen? Wenn wir uns Rechenschaft geben über die Umstellung der Perspektiven, die dank seinem Einflusse in den letzten zwanzig Jahren erfolgte, und uns eingestehen, daß der Nihilismus – das Wort immer wieder in weitestem Sinne genommen – einer mächtigen Gegenwirkung bedarf, wenn wir nicht den Zusammenbruch aller Kultur erleben sollen, so werden wir diese Möglichkeit wohl zugeben und erhoffen. Ob seine Wertlehre, wie Nietzsche vermeinte, sich krisenhaft durchsetzen wird, oder ob sie sich nur allmählich zum Zentrum unserer Gedankenwelt verdichtet, bleibt eine Frage von untergeordneter Bedeutung.
Nietzsche bekannte sich als Dekadent, aber er durfte sagen, daß er zugleich auch dessen Gegensatz sei. Aus Heilinstinkt die Gegenmittel zu finden gegen jede Gefahr persönlicher und kultureller Entartung galt ihm hierfür als sicherstes Kennzeichen. Er hat das Ideal der Wohlgeratenheit uns neu vor Augen gestellt. Die Freiheit vom Ressentiment ist ihr vornehmstes Kennzeichen. Um sie zu bewahren, gilt es zuweilen aus hygienischen Gründen, überhaupt nicht mehr zu reagieren und sich dem Winterschlaf des Fatalismus vorübergehend zu überlassen, bis jede Erschöpfung überwunden und mit der Genesung das Leben wieder reich und stolz geworden ist. Aber auch das aggressive Pathos – in diesem Sinne schaute Nietzsche, kriegerisch gesinnt, immer wieder nach ebenbürtigen Gegnern aus – ist erforderlich, damit wir nicht unterbewußter Rachsucht anheimfallen. Nur so behütet man sich vor Gewissensbissen. Zur Wohlgeratenheit gehört ferner ein gesundes Körpergefühl. Damit gewinnt eine Frage Bedeutung, die bisher keine Philosophen beschäftigte, weil sie die Realität aus den Augen verloren: die Frage der zweckmäßigen Ernährung – »alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden« – und im Anschluß hieran die individuell zu treffende Entscheidung über Ort und Klima, sowie die persönlich bestimmte Art der Erholung.
Für den schöpferischen Menschen kommt zu diesen Diätvorschriften des Leibes und der Seele im Zeitalter des Intellektualismus noch eine andere Mahnung hinzu, nämlich die Forderung, sich die ganze Oberfläche des Bewußtseins rein zu erhalten von großen Imperativen, wie sie der Idealismus zeitigt. Nicht die Weisheit des »Erkenne dich selbst«, sondern die Kunst des »Sich-Vergessens« behütet uns vor der Gefahr, zuletzt nur noch auf äußere Anlässe hin denkend zu reagieren und dabei die Kräfte in der Kritik auszugeben. Der künstlerische Instinkt, lehrt uns Nietzsche, darf sich nicht verstehen, damit die organisierende Idee in der Tiefe zu wachsen vermag. Es gilt, nichts zu vermischen, nichts vor der Zeit zu versöhnen, damit die Vielheit im Unbewußtsein, die trotzdem das Gegenteil des Chaos ist, sich zum Werke verdichtet. Was hier vom Werke gesagt ist, gilt auch vom Leben selbst, vom schöpferischen Leben in seiner schicksalhaften Bedeutung.
Die Liebe und Hingebung an das eigene Schicksal, dieses Motiv des _Amor fati, das Nietzsches Lebenssymphonie beherrschte, bestimmte sein Wachstum. »Meine Formel für die Größe am Menschen ist amor fati: daß man nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht. Das Notwendige nicht bloß ertragen, noch weniger verhehlen – aller Idealismus ist Verlogenheit vor dem Notwendigen –, sondern es lieben_ …«
Hier ergibt sich in der Tat eine hellenische Wiedergeburt. Die tragischen Mächte: Dike, Ananke, Moira, als Gerechtigkeit, Notwendigkeit, Schicksalsfügung das All beherrschend, wurden in einem Atem durch dieses Amor fati anerkannt ohne mythologische Vorstellung. Alles was dem modernen Menschen und seiner Sehnsucht als jenseitig gilt, ist in das Diesseits wieder einbezogen. Hier ist, was den christlichen Völkern Gott heißt, in das Selbst des Menschen aufgenommen, das Irdische vom Göttlichen durchdrungen und damit der Dualismus Gott und Welt überwunden, die Weltheiligung, die Goethe im Wilhelm Meister anstrebte, durch restlose Bejahung der Wirklichkeit erreicht. Am deutlichsten zeigt sich uns dies bei Nietzsches Beurteilung der Sinnlichkeit. »Jede Verachtung des geschlechtlichen Lebens, jede Verunreinigung desselben durch den Begriff ›unrein‹ ist das Verbrechen selbst am Leben, ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist des Lebens.« So spricht nur das Genie des Herzens, das zu seiner Beglückung keines Glaubens an eine jenseitige Macht bedarf, sondern reicher an sich selbst wird, je vertrauensvoller und selbstherrlicher es sich betätigt.
Als Psychograph prüfte Nietzsche seine Werke, mit der »Geburt der Tragödie« beginnend, und zeigt uns ihren inneren notwendigen Zusammenhang. Interpretationen eigener Werke sind durchaus nicht immer in Kunst und Philosophie zuverlässig. Was unbewußt geschaffen wurde, erfährt darin eine nachträgliche Auslegung durch das Bewußtsein, die nur durch Abstraktion sich ermöglicht. Richard Wagners »Mitteilung an seine Freunde« deutet zum Beispiel den Sinn des »Tannhäuser«, des »Lohengrin« usw. auf Grund nachträglich erworbener philosophischer und psychologischer Ansichten und ist von Willkür ebensowenig frei als irgendeine fremde Deutung. Ganz anders bei Nietzsche. Nicht literarisch, noch philologisch betrachtet er seine Werke, sondern einzig als Psychologe seiner selbst, durch Deutung seines Wachstums, seiner Entwicklung unter voller Erkenntnis der Hemmungen und aufgenötigten Umwege. So subjektiv sein Entzücken am eigenen Werk den nüchternen Leser anmuten mag, so unpersönlich wirken seine Worte, sobald man begreift, daß Nietzsche sich selbst dabei nur als den frohen Botschafter fühlte, durch den eine neue Heilslehre, eine Heilslehre des wirklichen Lebens sich offenbaren will.
Wenn Nietzsche harte Worte gegen die Deutschen schleudert und zum Beweise ihrer Berechtigung den Umstand anführt, wie wenig man ihn bisher in Europas »Flachland« verstanden habe, als er seine Leser schon anderwärts überall fand, was anders will er damit sagen, als: erkennt, wie fern ihr noch der Erfassung oder gar der Erfüllung der Aufgabe seid, die durch mich euch gestellt wurde. Solche Worte spricht man nicht, wo man an der Möglichkeit eines entscheidenden Verständnisses verzweifelt, sondern dort, wo man als Erzieher die Scham über die bisherige Versäumnis und die Selbsterkenntnis erwecken will, in der Überzeugung, zu solchen zu sprechen, die vom Schicksal berufen sind, an sich die Umwandlung aller Werte zu erfahren und »eine wirkliche Wiederkehr des deutschen Ernstes und der deutschen Leidenschaft in geistigen Dingen« zu erleben. Darum gilt, was Nietzsche vom »Zarathustra« sagt, erst recht von »Ecce homo«: »Aus dieser Schrift spricht eine ungeheuere Hoffnung«.
Der Kranke
Das schnellste Tier, das euch trägt zur Vollkommenheit, ist Leiden.
Meister Eckardt.
Über die Krankheitserscheinungen bei Nietzsche sind wir durch seine Briefe – das Nietzsche-Archiv enthält deren gegen 1500 – sowie durch die Darstellungen seiner Schwester unterrichtet. Er war in seiner Jugend durchaus gesund. Nur seine Kurzsichtigkeit darf uns für diese Zeit als Erbübel gelten. Die Erkrankung, die er sich beim Heimtransport Verwundeter von den französischen Schlachtfeldern zuzog: Brechruhr und Rachendiphtheritis, erklärt sich als Ansteckung. Sie wurde durch Anwendung starker Mittel überwunden; aber er war nicht vollständig genesen, als er seine Vorlesungen in Basel wieder aufnahm. Nach der Überzeugung seiner Schwester griffen die scharfen Arzneimittel seinen Magen an und legten den Grund zu heftiger Migräne, die ihn nie mehr ganz verließ.
Ein Briefbekenntnis: »Unsereins leidet nie rein körperlich, sondern alles ist mit geistigen Krisen tief durchwachsen, so daß ich gar keinen Begriff habe, wie ich je aus Apotheken und Küchen allein wieder gesund werden könnte« und die erkannte Notwendigkeit, »eine gewisse Härte der Haut wegen der großen innerlichen Verwundbarkeit und Leidensfähigkeit zu bekommen«, weisen uns darauf hin, daß er damals bereits von beiden Seiten ins Feuer kam. Rohde gegenüber klagt er schon 1871 über Schlaflosigkeit: »immer noch verbringe ich von zwei Nächten die eine schlaflos«, und drei Jahre später, in einem Briefe an die Mutter: »die Schwäche des Magens nimmt zu sehr überhand«.
Als er in Steinabad im Schwarzwald sich zur Kur aufhielt, stellte Dr. J. Wiel, darin mit Prof. H. Immermann in Basel übereinstimmend, die Diagnose auf nervöse Affektion des Magens. Unter den vier Ärzten, die ihn 1878 und 1879 untersuchten, behaupteten zwei, daß ein Kopfleiden die Ursache seiner Schmerzen sei, während die beiden andern, darunter Prof. Graefe in Halle, der Überanstrengung der Augen die Schuld gaben. Später behandelte ihn Dr. Otto Eiser aus Frankfurt am Main mit günstigem Erfolg, so daß er sich vorübergehend als Genesener oder mindestens als Genesender bezeichnen durfte. Aber immer wieder traten nach kürzeren oder längeren Pausen Gehirnschmerz samt mühseligem Erbrechen auf. Bald hören wir Nietzsche selbst, so in einem Briefe an die Mutter vom Juli 1881, die Diagnose auf ein schwer zu beurteilendes Hirnleiden stellen. Als Deussen ihn im Sommer 1887 in Sils-Maria besuchte, gestand er dem vertrauten Freunde: »Ich glaube, daß es nicht mehr lange mit mir dauern wird; ich bin jetzt in den Jahren, in welchen mein Vater starb, und ich fühle, daß ich dem selben Leiden erliegen werde, wie er.«
Wenn wir in einem Briefe an die Schwester vom Jahre 1886 lesen: »Schaff mir einen kleinen Kreis Menschen, die mich hören und verstehen wollen und ich bin – gesund« und wiederholt ähnlichen Bemerkungen begegnen, so tritt freilich auch an uns die Versuchung heran, in seiner trostlosen Abgegrenztheit von den Menschen seiner Zeit eine immer neu sich wieder geltend machende Ursache seines schweren Leidenszustandes zu suchen. Aber jeder Psychologe belehrt uns, daß nicht die äußeren Umstände an sich entscheiden, sondern die Einstellung zu ihnen.
In den ersten Tagen des Jahres 1889 schickte Nietzsche meist mit »Dionysos« oder mit »der Gekreuzigte« unterschriebene Briefe und Zettel an verschiedene Freunde und Bekannte ab, die diesen den Ausbruch seiner geistigen Erkrankung bekundeten. Hierdurch wurde Franz Overbeck veranlaßt, ihn dringend zu sich einzuladen, um dann, als ihn ein Basler Irrenarzt auf die Gefahr verwies, die mit dieser Aufforderung heraufbeschworen wurde, eiligst selbst nach Turin zu reisen. Dort erfuhr er, daß Nietzsche infolge eines Schlaganfalles auf der Straße zusammengebrochen war. Seitdem traten Wahnvorstellungen zutage. Overbeck gelang es, ihn nach Basel zu verbringen, von wo er in Begleitung seiner herbeigerufenen Mutter, eines Arztes und eines Krankenwärters die Reise nach Jena in die Irrenanstalt des Professor Binswanger antrat. Die Ärzte erklärten die Krankheit als unheilbar, während die Mutter, wie leicht begreiflich, aus jeder vorübergehenden Besserung, Hoffnung auf Genesung schöpfte.
Sein Gedächtnis erwies sich in der ersten Zeit für alle Geschehnisse vor dem Zusammenbruch in Turin als gut. Auf absichtlich, als eine Art Gedächtnisübung gestellte Fragen, zum Beispiel nach Epikur, Aristoteles usw. antwortete er mit geistreichen Ausführungen, während ihn das Gegenwärtige wenig interessierte. »Auch sein Klavierspiel«, berichtete die Mutter an Overbeck, »hat etwas so Sinniges, so daß man merkt, er denkt dabei.« Er war glücklich, wenn sie ihm vorlas, und ließ sich in der Regel vermöge seiner angeborenen Güte und Freundlichkeit leicht lenken.
Ende des Jahres 1890 kehrte seine Schwester nach dem Tode ihres Gatten aus Paraguay zurück. Der Kranke durfte die Anstalt in Jena verlassen und nach Naumburg übersiedeln, wo die Mutter in den ersten Jahren des öfteren größere Spaziergänge mit ihm unternahm. Seit 1894 verschlimmerte sich sein Zustand. Nach dem Ostern 1897 erfolgten Tode der Mutter bezog die Schwester mit ihm in Weimar das auf dem Silberblick gelegene Haus – das heutige Nietzsche-Archiv –, von dessen Veranda er einen schönen Blick auf die Stadt und die Berge genoß. In den Jahren 1898 und 1899 erfolgten neue Schlaganfälle. In ein langes Gewand von dickem, weißem Stoff gekleidet, ruhte er meist auf dem Diwan und empfing zuweilen noch Besuche, immer von der Schwester auf das liebevollste behütet. Am 25. August des neuen Jahrhunderts starb der Seher, der einer vergangenen Zeit das Grablied gesungen und die Morgenröte einer neuen Kultur ankündigte.
Es drängt sich die Frage nach ererbter oder erworbener organischer Erkrankung in den Vordergrund. Bekanntlich glaubte der Psychiater P. J. Möbius die Hypothese aufstellen zu dürfen, daß eine frühere Luës der Grund der späteren paralytischen Erkrankung Nietzsches gewesen sei. Für den Psychiater die zunächst liegende Hypothese, aber den Beweis für seine Behauptung ist uns Möbius durchaus schuldig geblieben. Als Gegenbeweis ließe sich wohl anführen, daß die Ärzte, die Nietzsche frühzeitig zu Rate zog, doch wohl auch diesbezügliche Fragen an ihn gestellt haben dürften, und daß er, wenn er sie hätte bejahen müssen, wahrlich nicht dazu gekommen wäre, mit jener souveränen Unbefangenheit, fernab von der Berührung jeder derartigen Mutmaßung, über seine Krankheit in seinen Schriften und Briefen, sowie in seinen Gesprächen – ich erinnere an die Unterredung mit Deussen – sich zu äußern und unter die Erklärungsmöglichkeiten Hinweise aufzunehmen, die eventuell Veranlassung bieten, die Frage nach der Vererbung zu stellen.
Sein Vater ist bekanntlich ebenfalls an einem Gehirnleiden gestorben; aber da kein Anhalt sich bietet, der uns annehmen läßt, daß die Gehirnerschütterung, die er bei einem Sturz erlitt, es nur ausgelöst habe, ist es ausgeschlossen, seine Todesart zur Beweisführung heranzuziehen, und wir sind einzig auf die ganz allgemein gehaltenen Bemerkungen Nietzsches angewiesen, die zu einem endgültigen Urteil keinenfalls ausreichen.
Frau Förster-Nietzsche schreibt, ihren Bruder betreffend: »Die Ärzte nannten seine Krankheit ›eine atypische Form der Paralyse‹, d. h. eine Paralyse die durchaus nicht die Kennzeichen dieser Krankheit trug – also nicht Paralyse war« und führt den Schlaganfall in Turin auf den fortgesetzten Gebrauch von Chloral und eines andern Schlafmittels zurück. Das ist jedenfalls nicht unbedingt von der Hand zu weisen; denn selbst Möbius gesteht zu, auch der Chloralismus Nietzsches könne die beobachteten Wirkungen hervorgebracht haben.
Am kläglichsten nehmen sich jedenfalls die psychiatrisch-philosophischen Untersuchungen aus, die nach der Art von Max Nordau und Hermann Türk aus Nietzsches Werken den Beweis frühzeitiger geistiger Erkrankung zu führen versuchen. Dem einen gilt dies, dem andern gilt das, je nachdem wo gerade sein Widerspruch einsetzt, als Beweis, der jedoch vor jedem einsichtigen Urteil in nichts zerfällt. Bei Wilhelm Schacht zum Beispiel lesen wir: »Wenn Nietzsche sagt: ›ein Gedanke kommt, wenn er will, nicht wenn ich will‹, so drückt sich darin schon das Gefühl aus, welches er seiner eigenen, frei und unabhängig mit ihm spielenden Phantasie gegenüber empfand, die er nicht mehr bändigen konnte, die schon Macht über ihn gewonnen hatte.« Welcher Dichter, welcher Denker ist, auf diese Weise geschaut, nicht irrsinnig zu nennen? Eben das zeichnet ja das geniale Wesen aus, daß es nichts bewußt erklügelt, sondern daß dank der unterbewußt waltenden Kräfte der Einfall dann ans Licht tritt, wenn er will. »Einfälle sind Eingebungen des Genies«, schreibt Kant.
Auch wenn wir Paralyse bei Nietzsche annehmen, ergibt sich durchaus nicht, daß sein geistiges Schaffen vor dem Zusammenbruch eine Hemmung erfuhr, viel eher sogar, daß ihm dadurch eine Steigerung zuteil wurde. Als ich durch persönlichen Verkehr mit einem anderen Genie, nämlich Hugo Wolf, der ebenfalls in Wahnsinn fiel, zu der Vermutung kam, daß die außerordentliche Steigerung seiner Produktivität gerade aus seiner krankhaften Veranlagung und deren Entwicklung zu erklären sei, ging ich auf Veranlassung einer Freundin des Komponisten dieser Vermutung nach. Die von mir befragten Ärzte konnten keine bestimmte Antwort über die Möglichkeit erteilen, um so bedeutsamer erschienen mir unter diesen Umständen Ausführungen von Dr. Möbius, die meine laienhafte Ansicht vollauf bestätigten. Ich zitiere diese Ausführungen wörtlich: »Ja, es könnte einer die Meinung aufstellen, unter Umständen würden durch eine Gehirnkrankheit die Geisteskräfte gesteigert. Es sei denkbar, daß das krankhafte Feuer Leistungen hervorbringe, die ohnedem unmöglich wären, und ein solcher Fall liege in Nietzsches ›Zarathustra‹ vor.« Möbius führt zur Unterstützung dieser Meinung an, was V. Parant über Zunahme der geistigen Fähigkeiten im Beginn der progressiven Paralyse geschrieben hat, und bleibt, trotzdem die Literatur ähnliche Mitteilungen sonst nicht aufweise und befragte Fachgenossen nichts davon wissen wollten, bei der Überzeugung: »Immerhin wäre eine Steigerung der Leistungen durch die Paralyse nicht ganz undenkbar.« Er stützte sich dabei auf die Erkenntnis, die Paralyse sei eine durchaus lokalisierte Erkrankung, die sich ihre Stellen aussuche, und folgerte: »Nimmt man an, es seien im Anfange durch Erkrankung bestimmter Fasern nur die Hemmungen ausgeschaltet, deren Wegfall Fehlen des Ermüdungsgefühles und Euphorie ergibt, so ist zunächst eine gesteigerte Leistung der arbeitenden Teile zu erwarten. Manche werden auch daran denken, daß durch die von den kranken Stellen ausgehende Reizung der Blutzufluß im ganzen gesteigert werde und daß die Hyperämie die Mehrarbeit begünstige.«
Damit sei durchaus nicht gesagt, daß wir uns das geistige Schaffen Nietzsches nur aus der Einwirkung einer Paralyse zu erklären vermöchten, statt aus der bloßen Tatsache der genialen Veranlagung. Die Oberflächlichkeit von einseitig gebildeten Psychiatern, wie sie der Typus Lombroso repräsentiert, hat die Frage nach der Verwandtschaft von Genie und Wahnsinn verwirrt. In der »Fröhlichen Wissenschaft« vergleicht Nietzsche Europa einem Kranken, welcher der ewigen Verwandlung seines Leidens den höchsten Dank schuldig sei; Gefahren, Schmerzen »haben zuletzt eine intellektuale Reizbarkeit erzeugt, welche beinahe so viel als Genie, und jedenfalls die Mutter alles Genies ist«.
Dem Genie begegnen wir nur dort, wo die nüchterne Verstandestätigkeit die Vorherrschaft verloren hat, wo die unmittelbare schöpferische Tätigkeit nicht durch Übermacht des Bewußtseins im Bann gehalten wird, sondern sich auszuwirken vermag. Beim normalen Menschen öffnen und schließen sich gleichsam die Schleusen und Wehre des Bewußtseins automatisch und gleichen die bewußten und unterbewußten Zuflüsse aus, beim Genie dagegen ergibt sich eine Hochflut im Unterbewußtsein; aber nur dann, wenn die schützenden Dämme durchbrochen werden, dürfen wir von Irrsinn sprechen. Jedes Genie als eine pathologische Erscheinung zu werten, gilt mir daher trotz der verwandten Symptome als Mißbrauch des Wortes.
Die Verwandtschaft zwischen Genie und Wahnsinn finden wir mit Schopenhauer wohl viel richtiger in der mangelnden Erkenntnis der Relationen der Dinge. Auch das Genie, indem es in den Dingen nur die Idee sucht, verliert wohl darüber die Erkenntnis des Zusammenhanges der Dinge zeitweilig aus den Augen. Das Erkennen wird ihm zum Zweck des ganzen Lebens, das eigene Dasein zur Nebensache, zum bloßen Mittel. Sein Unterbewußtsein wird zur Camera obscura, in der wesenhaft sich die Ideen spiegeln, die es dank seiner Phantasie zu einem Weltbild vereinigt. Weder die unmittelbare Nützlichkeit des Zweckes, noch die kluge Ausnutzung der Mittel bestimmen sein Verhalten. Beide, das Genie und der Wahnsinnige, leben in einer anderen Welt als der für alle vorhandenen. Die anatomischen und physiologischen Bedingungen mögen verwandte sein, nämlich das abnorme Überwiegen der Sensibilität über die Irritabilität und Reproduktionskraft. Wie man in jedem Kinde gewissermaßen ein Genie sehen darf, so umgekehrt im Genie ein großes Kind, das fremd in die Welt schaut und den lauteren und unschuldigeren Teil des Menschen in sich bewahrt, woraus sich uns auch seine gleichsam überirdische Heiterkeit erklärt, der meist eine tiefe Melancholie als Untergrund dient. Wo das Genie seine abnorm erhöhte Erkenntniskraft auf die Angelegenheiten des Willens richtet, faßt es diese leicht zu lebhaft auf, steht alles in zu grellen Farben, ins Ungeheuere vergrößert und verfällt auf Extreme, so daß man Schopenhauers Gegenüberstellung recht wohl versteht: Das Genie ist ein Monstrum per excessum, der Wahnsinnige ein Monstrum per defectum.
Während für philiströse Naturen in der Verwandtschaft von Genie und Wahnsinn eine Verurteilung jedes Genies liegt, empfindet der naive Mensch eher umgekehrt. Der Ausbruch des Wahnsinns bei einem geistigen Menschen bestätigt ihm gleichsam dessen Genialität und umgibt ihn mit der Aureole der Heiligkeit.
Das Volk hat ein instinktives Gefühl für den Fluch der Einsamkeit, die jedes Genie zu erleiden hat. »Der Mensch von Genie«, sagt Schopenhauer, »ist verdammt, in einer öden Welt zu leben, wo er nicht auf seinesgleichen trifft, wie auf einer Insel, die keine anderen Bewohner hat, als Affen und Papageien.« Dieses Gefühlsverständnis dafür, daß das Genie gleichsam die Leiden der Welt auf sich nimmt, daß es am Menschen selbst leidet und um des Menschen selbst willen lebt und schafft, erfüllt uns mit Ehrfurcht und einem Gebot fast immer verspätet auftretender Dankbarkeit. Geben wir dieser Ehrfurcht Raum in Hirn und Herzen, nachdem unser Erkennen den Mysterienpfaden nachgegangen ist, die Nietzsche als tragischer Mensch wandelte. Er grub als Denker zu tief, er stieg als Dichter zu hoch, er schaute als Seher zu groß, er wollte als Werte bestimmender, Gesetze erlassender Prophet und Philosoph zu stark, um bei aller Wirklichkeitsfreude an der flachen Niedrigkeit und Kleinheit des Irdischen, mit der optimistische Anpassung in ihrer Nüchternheit sich zufrieden gibt, Genüge zu finden: er errichtete uns ein Ziel, das nicht als jenseitige Verheißung unsere Niedrigkeit und Ohnmacht trösten soll, sondern als Blickpunkt übermenschlicher Sehnsucht unsere Willensbejahung und Lebenssteigerung stärken muß; denn seine Liebe entzündete sich an der stummen Schönheit der Notwendigkeit. Wie symbolisch bedeutsam ist es, daß die letzten Verse, die das letzte Gedicht seiner Werke beschließen, also lauten:
Schild der Notwendigkeit!
Höchstes Gestirn des Seins!
– das kein Wunsch erreicht,
– das kein Nein befleckt,
ewiges Ja des Seins,
ewig bin ich dein Ja:
denn ich liebe dich, o Ewigkeit – –
Rückblick und Ausblick
Willst du dich des Lebens freuen,
so mußt der Welt du Wert verleihen.
Goethe an Schopenhauer.
Wir sind gewohnt zwischen arm und reich, hoch und nieder, Gebildeten und Ungebildeten zu unterscheiden, je nachdem wir von der Frage des Besitzes, der Stellung oder den Erfolgen der Erziehung ausgehen. Aber es gibt einen Gegensatz, der tiefer begründet ist als solche soziale Trennungen: Der Mensch, der nicht nur Person, sondern Persönlichkeit ist, nicht nur ein Ich, sondern ein Selbst darstellt, der nicht nur durch die Menschen, sondern am Menschen leidet, der nicht nur für die Wandlung von Institutionen kämpft, sondern um der höheren Idee willen lebt, die er über dem Erreichten als Ideal erahnt und schöpferisch zu versichtbaren, zu verwirklichen strebt – »Dort wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist« –, dieser Mensch in seiner Einzigkeit ist viel tiefer und umfänglicher von den Menschen geschieden, die bei allem feindseligen Wettstreit unter sich doch in ihren Leiden und Freuden an der Realität sich egoistisch und altruistisch verbunden fühlen. Er ist ein primärer Mensch, zu dem alle anderen sich sekundär verhalten. Der Leidensweg solcher Menschen primärer Art führte – wir eignen uns damit eine Zusammenstellung Hans Blühers an – von Plato über Christus, Lionardo da Vinci, zu Goethe und knapp an Schopenhauer vorbei zu – Nietzsche.
Schon in Nietzsches ersten wesenhaften Schriften kommt dieser Gegensatz zutage. Er tritt dem Optimismus seiner Zeit entgegen, die sich von unzulänglichen kulturellen Errungenschaften befriedigt fühlte. Er spricht es aus, daß wir von der Bildungshöhe der Zeit Goethes herabgesunken sind, weil wir nicht an der aristokratischen Natur des Geistes festhielten, daß wir einer Erneuerung der sittlichen Kräfte bedürfen, verlangt im Rückblick auf die Antike eine Renaissance der Kultur und ruft uns zu: wagt es, tragische Menschen zu werden!
Als tragischer Mensch gilt ihm, wer nicht untätig durch Verzicht, unselbstherrlich durch Anpassung, unkriegerisch durch Kompromisse den notwendigen Gegensätzen des Lebens ausweicht, sondern unerschrocken in die Abgründe pessimistischer Erkenntnis hinab und hoffnungsselig zu den Möglichkeiten, die den Menschen geboten sind, hinaufzusehen wagt.
Galt Nietzsche schon der Mensch der Goethe-Zeit und der Individualist der Renaissance höher als der Träger der Gegenwart, wieviel mehr der Hellene in seiner Kunstbedürftigkeit aus Lebensdrang. »Der Grieche kannte und empfand die Schrecken und Entsetzlichkeiten des Daseins: um überhaupt leben zu können, mußte er vor sich hin die Traumgeburt der Olympischen stellen.«
Als große tragische Menschen verehrte Nietzsche damals Schopenhauer und Wagner. Schopenhauer, weil er trotz skeptischem Unmut oder kritisierender Entsagung sich dem Leben als einem Ganzen gegenüberstellt und in seinem tiefen Verlangen nach dem Genie uns zur Höhe der tragischen Betrachtung leitet. Wagner, weil er ihm als ein solches Genie galt, das damals noch antik fühlte und ihm berufen schien, aus dem Geiste der Musik eine Wiedergeburt der Tragödie, aus dem Geiste der Tragödie eine Wiedergeburt der Kultur zu verheißen. Ihre Gegenbilder sah er, wie uns die »Unzeitgemäßen Betrachtungen« zeigten, in den typischen Vertretern optimistischer Selbstgefälligkeit, in den Verkündern rein historischer Wertungen, die durch Überbetonung der Wissenschaftlichkeit dem produktiven Leben lähmend entgegenwirken.
Aber Schopenhauer war zu buddhistischer Verneinung des Lebens gelangt, aber Wagner bot nicht die von Nietzsche erhoffte apollinische Vision aus dem dionysischen Geiste der Musik, sondern, auch in Bayreuth, zu Nietzsches Enttäuschung nur den naturalistisch wirkenden Schein der Szene. Nicht Schopenhauer entsprach dem Anruf Goethes »Willst du dich des Lebens freuen, so mußt der Welt du Wert verleihen«, sondern die Erfüllung dieser kulturell entscheidenden Aufgabe fiel Nietzsche zu.
Er übernahm das Erbe seiner als Vorbilder erschauten Meister dort, wo sie ihrer Aufgabe untreu geworden; er mußte sie bekämpfen, wo sie nicht das Diesseits um der Steigerung des Lebens willen verklärten, sondern, christlich befangen, nach einem Jenseits ausschauten. Die Loslösung von diesen Vorbildern war unvermeidlich, sollte Nietzsche zu sich selbst und den eigenen Wegen seiner Aufgabe gelangen.
Skeptisch gegen jede seitherige absolute Wertung mit ihrer Verkennung der bloß relativistischen und perspektivischen Optik, skeptisch gegen jede umschleiernde Idealisierung der Wirklichkeit, wendete er sich von aller Metaphysik ab, um zunächst als Positivist aus der Erfahrung die Voraussetzungen einer neuen wahrhaftigen Kultur herzuleiten. Das Stoffliche, Unvollkommene, ja das Böse und Furchtbare erheischte von ihm eine Würdigung als wurzelhafte Triebkraft, wenn die neue Kultur keimen und sprießen sollte, das Individuelle durfte nicht mehr im Sozialen untergehen. Dem Mittelalter war die Allgemeinheit alles, der Einzelne nichts, der Renaissance der Einzelne alles, die Allgemeinheit nichts. Das Verlangen nach Versöhnung der Kontraste, das Nietzsche als Erbteil seiner Herkunft für sich in Anspruch nahm, ließ ihn auch hier nach einer Synthese ausschauen.
Ich habe diese Gegensätzlichkeit einmal in die Formel gebracht: Wer ganz und gar in der Gemeinschaft aufgeht, bleibt ihr das Beste schuldig, das er ihr geben kann: die Höherentwicklung seines Selbst. Wer ganz und gar auf sich beharrt, bleibt sich das Beste schuldig, das er sich geben kann: die schöpferische Entfaltung seines Selbst innerhalb der Gemeinschaft.
Nietzsche aber erkennt die Wechselbeziehung von Gemeinschaft und Einzelheit, die organische Verbundenheit von Wurzel und Blüte in der Entwicklung des überragenden Einzelnen aus den Schichten der Niederung. Dies besagt uns die Lehre vom Übermenschen als Zielsetzung unserer Kulturentwicklung. In ihr haben wir den Kern seiner Philosophie zu begreifen.
Fragen wir uns, worin diese Weltanschauung sich unterscheidet von dem, was bisher als Ziel aller religiösen und philosophischen, aller humanitären Sinngebung des Lebens galt, so müssen wir uns sagen: hier Zähmung des Tieres Mensch durch Zivilisation, dort Züchtung des höheren Menschen durch Kultur. Die unmittelbar aus dem Gefühlsleben gebotene Dichtung des »Zarathustra« veranschaulicht uns mit magisch waltender Schöpferfreude, mit hellseherisch offenbarender Erkennerfreude, voll Ekel am alltäglichen Menschen, voll Lust am möglichen Menschen das Ziel, das bestimmt ist, der Welt neuen Wert zu verleihen.
Dieses Ziel kann unter Nietzsches Führung nur der höhere freiere Mensch erschauen, und doch ist es letzten Endes nicht für ihn allein erstellt. Wir alle, ohne Ausnahme, vom Höchsten bis hinab zum Niedersten sollen seiner Verwirklichung dienstbar werden. Die Höheren in klarer Erkenntnis, die Mittleren dank der Führung, die Niederen kraft des Zwanges. Dieses Ziel erheischt: wirke für eine Gemeinsamkeit und Rangordnung, die die Steigerung des Menschen fördert; dieses Ziel erheischt: vollende dich als Einzelner in mutiger Selbstliebe, in unerschrockener Selbstbejahung! Nicht nur als Denker und Dichter, nicht nur als Künder und Künstler, sondern als Seher und Setzer eines neuen Welt- und Wertzieles haben wir Nietzsche zu verstehen, und zu begreifen, daß er als primärer Mensch einen Wendepunkt in der Entwicklung des kulturellen Menschen bedeutet. Dann erst werden wir seinem Leben und seiner Lehre voll gerecht.
Ein Wendepunkt! Nicht mehr sehen wir uns verwiesen auf die Rückverbindung mit einem als vollkommen gedachten, als Gott verpersönlichten Ursein, sei es durch dogmatischen Glauben, sei es durch mystische Einswerdung, sondern auf die tragische Einordnung in das Werden.
Das Werden selbst ist der Sinn des Lebens! Wie die Kunst für den Schaffenden immer am Ziele ist, selbst Ziel ist und nur historisch das Neue das Frühere voraussetzt, so das Werden. Aber wiederum wie das Werk der Kunst nicht im Bewußtsein des Genießenden zum endgültigen Abschluß gelangt, sondern in das Überbewußtsein ausstrahlt, auch in seiner Vollendetheit produktiv weiter wirkt, so das allzeit lebendige Werden, das allzeit schöpferische Leben. Dem Baum ist es nicht um die Frucht, sondern um den Samen zu tun, belehrt uns Nietzsche und veranschaulicht uns so die Ewigkeit des Werdens.
Wohl ist alles, was uns Ziel heißt, schließlich nur relativistisch und perspektivisch zu verstehen. Auch den Übermenschen nennt Nietzsche nur unsere nächste Stufe und weist damit zugleich über sich selbst hinaus; denn auch jede Zielsetzung ist dem Werden eingeordnet. Nur wenn unser Rückblick auf Nietzsches Leben und Lehre uns zugleich einen Ausblick erschließt, verstehen wir das Werden in seinem Sinne.
Auch unsere Ausführungen sind zeitweise zu Synthesen gelangt, die einen Bogen spannten über von ihm erlebte Gegensätzlichkeiten; aber Ruhepunkte des Aufstieges durften uns immer nur als Stationen, nicht als Endpunkte gelten. Wollten wir auch jetzt noch nach einem friedfertigen Abschluß trachten, so verfielen wir Nietzsches produktivem Wirken gegenüber in den gleichen Fehler, den jene begingen, die ihn rein historisch in den Werdegang der seitherigen Philosophie einordneten mit der Genugtuung, daß durch ihn die Erkenntnis bereichert wurde, aber trotzdem alles beim alten verbleibe.
Von der Bergeshöhe Zarathustras aus gesehen, verlieren wohl jene Thesen und Antithesen, die nur in der Niederung einander ausschließen, ihre sich aufhebende Gegensätzlichkeit: Egoismus und Altruismus, Individualismus und Sozialismus, Optimismus und Pessimismus werden zu Korrelata. Aber weder Zarathustra noch Nietzsche selbst sind Versöhner radikaler Gegensätze, sondern Kämpfer für die Selbstherrlichkeit der Einzelnen, die ihnen als Gipfel der Höherentwicklung der Menschheit gelten.
Der schwesterlichen Liebe seiner Biographin dürfen wir es ohne Zögern nachsehen, daß sie zu vermitteln strebte, daß sie seine Güte als Mensch der Unerbittlichkeit als Kämpfer beimischte, die Härte seiner Angriffe zuweilen in der Beurteilung euphemistisch abschwächte: wir aber dürfen nicht davor zurückschrecken, die notwendige Ungerechtigkeit gegen seine typischen Feinde Schopenhauer, Wagner, Sokrates, philiströses Deutschtum und moralistisches Christentum ohne jede unangebrachte Beschönigung, wenn auch von hoher Warte aus, zuzugestehen, wir müssen – getreu seinem Haß gegen jeden feigen Kompromiß, getreu seinem unentwegten Radikalismus – uns um der unerbittlichen Wahrheit willen dazu verstehen, ihn in seiner charakteristischen Einseitigkeit als Kämpfer und Führer zu erschauen.
Nur dann verkleinern wir ihn nicht, wenn wir die Grausamkeit nicht ableugnen, die sein Vernichtermut sich aufzwang; nur dann, wenn wir verstehend teilnehmen an seiner radikalen Verneinung dessen, was Tausenden, in seinem Sinne zum Nachteil ihrer Befreiung und Steigerung, als höchstes Gut, als auszeichnende Tugend in Religion, Moral, Humanität unantastbar gilt.
Den ganzen Positivismus in sich aufzunehmen und doch Träger des Idealismus sein, hat Nietzsche als seine persönliche Aufgabe bezeichnet; er hätte hinzufügen können: den ganzen seitherigen Idealismus in sich zu überwinden und doch der Idee der spiralmäßigen Höherentwicklung des Typus Mensch treu zu bleiben.
Was aber haben wir als unsere Aufgabe zu erkennen, um uns der Nachfolge Nietzsches rühmen zu dürfen? Sprechen wir es so schlicht wie möglich aus: Ehrlichkeit. Erraffen wir den Mut zur Ehrlichkeit, so müssen wir uns – jeder vor sich selbst – auch im kleinen eingestehen: nicht nur die christlichen Tugenden, nicht nur die Forderungen der Humanität, nicht nur die hochtrabende Begeisterung für das Wahre, Schöne, Gute, nicht nur die gelegentliche Hingebung an Kunst und Wissenschaft, sondern selbst der Moralbegriff der Pflicht sind uns schillernde Gewänder geworden, mit denen wir die Nacktheit unseres Egoismus schamhaft umschleiern. Der Mut zur Ehrlichkeit vor uns selbst aber fehlt uns gar oft nur darum, weil uns der Mut zur Anerkennung unseres von der Natur gegebenen Egoismus fehlt. Daß er aus unserem Unterbewußtsein heraus uns im Fühlen, Denken, Handeln fortgesetzt bestimmt, das wissen wir, das können wir uns heute nicht mehr ableugnen. Aber immer auf halb und halb eingestellt, räsonieren wir vor uns selbst: Unbewußt ja, da sind wir alle dem Egoismus untertan, aber eben darum soll er uns nicht auch das Bewußtsein vergiften, halten wir uns wenigstens die Gesinnung rein.
Es gab Zeiten, da man mit solchen Maximen sich sein Gewissen reinigen konnte, da die Überzeugung »der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach« den Weg zur Selbstrechtfertigung erschloß; aber heute wissen wir, daß es sich anders verhält. Nicht bei der bewußten Absicht liegt die letzte Entscheidung, sondern unser Fühlen und Denken ist abhängig von unserem unbewußten Sein. Auch der Geist ist nur Werkzeug unserer organischen Konstitution. Nur solche Gedanken, die wir uns einverleiben, haben den Erfolg, aus unserer Wesenhaftigkeit heraus tathaft zu wirken. »Was dich in Wahrheit hebt und hält, muß in dir selber leben.« (Theodor Fontane.) Heute dürfen wir uns nicht mehr der radikalen Mahnung verschließen, die absolute Trennung von Fleisch und Geist als unzulässig zu erkennen, heute müssen wir, um der Ehrlichkeit willen, von uns fordern: Wirklichkeitserkenntnis und Idealismus in Einklang zu setzen. Auf Kosten des Idealismus! Eine erschreckende Forderung für den, der von der Sündhaftigkeit der Menschen überzeugt ist, eine erhebende Forderung für den, der amoralisch auf die Tatsachen menschlicher Triebhaftigkeit hinblickt und sie – bejaht. Nun muß uns Idealismus, soll er nicht in eitel Dunst aufgehen, nicht mehr das Hinwegdenken des Niedrigen, sondern die Verdichtung des Wesenhaften bedeuten. Nun gilt es nicht mehr unseren Egoismus feig zu verleugnen, sondern ihn als Willen zur Macht anzuerkennen, zugleich aber scharf zu unterscheiden, welche Ziele dieser Machtwille sich stellt und mit welchen Mitteln er sich auswirkt.
Abgesehen von allem, was auch uns als allgemein verbindlich verbleibt, treten nun neue Forderungen an uns heran, die sich aus der gewonnenen Neueinstellung zur Umwertung der Werte ergeben. Sind es wieder nur kategorische Imperative oder allgemein gültige Dogmen, die von jedem das gleiche fordern? Die Einsicht in den Relativismus aller Wertungen heißt uns diese Frage verneinen, heißt uns übrigens auch Nietzsche gegenüber nicht in blinde Nachbetung verfallen, sondern durch ihn zur sehenden Erkenntnis unserer selbsteigenen Pflicht gelangen. Wie uns Glück schließlich immer nur das bedeutet, was gerade uns als das höchste Gut gilt, gemäß unserer Eigenart, so bedeutet uns Pflicht als Komplex immer nur das, was sich gerade uns als die eigentliche Aufgabe unseres Lebens erschließt. Inwiefern der Erfüllung dieser Pflicht durch unsere Unzulänglichkeit Grenzen gezogen sind, aber auch inwiefern wir diese Grenzen zu erweitern und neu zu bestimmen vermögen, darüber kann einzig unsere eigene Gewissenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit entscheiden. Aus der natürlichen Ungleichheit der Rechte folgt auch eine Ungleichheit der Pflichten, weil die Wesensunterschiede zwischen Mensch und Mensch nach Art, Gattung und Persönlichkeit eine Ungleichheit der Aufgaben und eine Verschiedenheit der Teilnahme an gemeinsamen Aufgaben bestimmt.
Wahrhaftigkeit! Aber wir können nicht ohne Illusionen leben. Wir bedürfen der Fiktionen als Mittel, um uns Wege zu erschließen, wir bedürfen der Hypothesen, um uns Möglichkeiten vorzustellen, wir bedürfen idealer Zielsetzungen, um unseren Aufstieg zu ermutigen. Auch das Dogma absoluter Wahrheit erfriert im Eise dieser Erwägungen, nicht aber das Ideal der Wahrhaftigkeit, so wenig als unser Gemüt die Religiosität preisgibt, wenn unsere Vernunft auf die Religion verzichtet.
Wieviel Lügenhaftigkeit zwischen theoretischem Idealismus und praktischem Tun wir heute noch hinnehmen, bestimmt den Grad unserer Ehrlichkeit; wieviel Wahrheit zwischen Wirklichkeit und Scheinbedürftigkeit wir zu ertragen vermögen, kennzeichnet das Maß unserer Seelenstärke; wieviel neue Ziel- und Wertsetzung wir uns einverleiben, bekundet die Macht unseres schöpferischen Willens und endlich wieviel Gegensätzlichkeit von Leid und Lust, von Zufall und Kausalität, von Irrtum und Wahrheit wir in uns harmonisch vereinigen können, die Gesundheit und den Reichtum unserer Menschlichkeit.
Nietzsches Philosophie ist in ihrem Kerne Axiologie, das aber heißt: Wertbestimmung, Rangerteilung, Zielsetzung, Sinngebung und Formgestaltung der Möglichkeiten am vornehmsten Material, das die Natur bietet: am Menschen. Die Voraussetzung hierfür liegt im urständig Schöpferischen. Ein magischer Zauber geht aus von dem Worte, mit dem Nietzsche diesen Urquell aller Spontaneität benennt. Die Fülle der Natur an zeugender und gebärender Kraft, an tiefster Leidenschaft und höchster Freudenschaft, ihre Wunderwirksamkeit im Schaffen und Vernichten und Wiederschaffen, ihr Einssein im Genius der Gattung und ihr unendlicher Reichtum im Vielsein der Individuen, dieses Mysterium des unerschöpflichen Lebens, dem alle Entelechie als ein Stück Ewigkeit sich verdankt, heißt ihm: Dionysos.
Von seinem ersten Buche »Der Geburt der Tragödie« an bis zum »Ecce homo« hat er sich als der Jünger des Dionysos gefühlt, als der Ja-Sager zu allem was ist, als der frohe Botschafter dieser Lehre im Widerspruch zu allem, was das Leben herabsetzt, statt die Welt mit dem Jubel des Daseins, dem Reichtum der Formen, der Wertsetzung der höchsten Ziele miterlebend zu beschenken. Das letzte Wort seines letzten Werkes lautet: »Dionysos gegen den Gekreuzigten!« Darum Immoralist, darum Anti-Metaphysiker, darum Anti-Nihilist, darum Anti-Christ! Und darum Verkünder einer neuen Lehre, die das verhängnisvolle Erbteil der Vergangenheit als Negation des Lebens bekämpft, und darum Verkünder einer neuen Lehre, die von uns verlangt, daß wir treu zur Erde stehen aus Freude am Seienden, aus Fernstenliebe zum Werdenden.
Nietzsche-Literatur
Nietzsche, Friedrich: Werke. Groß 8°. Gesamt-Ausgabe (19 Bde.).
Nietzsche, Friedrich: Werke. Taschen-Ausgabe (11 Bde.).
Nietzsche, Friedrich: Gesammelte Briefe (6 Bde.).
Nietzsche, Friedrich: Briefe, ausgewählt von Rich. Oehler.
Nietzsche, Friedrich: Briefwechsel mit Franz Overbeck.
Förster-Nietzsche, Elisabeth: Das Leben Friedrich Nietzsches (3 Bde.).
Förster-Nietzsche, Elisabeth: Der junge Nietzsche. – Der einsame Nietzsche.
Förster-Nietzsche, Elisabeth: Wagner und Nietzsche zur Zeit ihrer Freundschaft.
Heckel, Karl: Briefe Richard Wagners an Emil Heckel.
Bertram, Ernst: Nietzsche.
Brandes, Georg: Friedrich Nietzsche (Sammelwerk: Menschen und Werke).
Richter, Raoul: Friedrich Nietzsche. Sein Leben und sein Werk.
Meyer, Richard M.: Nietzsche. Sein Leben und seine Werke.
Andreas-Salomé, Lou: Friedrich Nietzsche in seinen Werken.
Bernoulli, Carl Albrecht: Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche (2 Bde.).
Pfänder, A.: Nietzsche (Sammelwerk: Große Denker).
Ewald, Oskar: Nietzsches Lehre in ihren Grundbegriffen.
Moebius, P. J.: Nietzsche.
Schacht, Wilhelm: Nietzsche.
Riehl, Alois: Friedrich Nietzsche als Künstler und Denker.
Joël: Nietzsche und die Romantik.
Simmel: Schopenhauer-Nietzsche.
Oehler, Dr. Richard: Friedrich Nietzsche und die Vorsokratiker.
Oehler, Max: Den Manen Nietzsches.
Hasse, Heinrich: Das Problem des Sokrates bei Friedrich Nietzsche.
Horneffer, Ernst: Nietzsches Lehre von der Ewigen Wiederkunft.
Schellwien, R.: Max Stirner und Friedrich Nietzsche.
Levenstein, Adolf: Friedrich Nietzsche im Urteil der Arbeiterklasse.
Deussen, Paul: Erinnerungen an Friedrich Nietzsche.
von Salis-Marschlins, Meta: Philosoph und Edelmensch.
von Ungern-Sternberg, Isabelle: Nietzsche im Spiegelbild seiner Schrift.
Bergson, Henri: Schöpferische Entwicklung.
Blüher, Hans: Die Aristie des Jesus von Nazareth.
Spengler, O.: Der Untergang des Abendlandes.
Ziegler, Leopold: Gestaltwandel der Götter.
Карл Геккель: Ницше. Его жизнь и его учение (1922)
Этот венец Смеющегося, этот венок из роз: вам, моим братьям, бросаю я этот венец! Смех провозгласил я священным; вы, высшие люди, научитесь у меня – смеяться!
Так говорил Заратустра.
Предисловие
Моё личное знакомство с Ницше произошло в юные годы в декабре 1871 года. Тогда Ричард Вагнер в моём родном городе Мангейме дирижировал концертом, который был первым, организованным для "Байройтских фестивальных игр" недавно основанным моим отцом "Обществом Вагнера". Вместе с фрау Козимой Вагнер Ницше прибыл из Базеля в Мангейм за несколько дней до концерта, чтобы присутствовать не только на самом концерте, но и на репетициях, а также на премьере "Идиллии Зигфрида", которая проходила в кругу приглашённых гостей. Он часто сопровождал Вагнера, когда тот навещал моего отца Эмиля Геккеля, и я узнал о глубоких беседах, которые в те дни вели между собой Вагнер, фрау Козима и Ницше. Они касались главным образом греков и Шопенгауэра, а также культурных отношений в Германии и пробудили во мне интерес к базельскому профессору, так преданно служившему Вагнеру и с таким теплом относившемуся к устремлениям Общества Вагнера.
Когда после отъезда Вагнера распространился слух, что он смертельно заболел тифом в Трибшене под Люцерном, Ницше послал телеграмму моему отцу: "Слух совершенно безоснователен; лучшие вести из Трибшена. Сердечные новогодние пожелания Вагнеровскому обществу. Профессор Ницше".
И снова я услышал о Ницше, когда в мае следующего года он встретился с моим отцом на закладке фундамента Фестивального театра в Байройте. После этого Ницше, его друг фон Герсдорф и мой отец вместе с Вагнером вернулись в город. Вагнер сидел серьезный и молчаливый и, как так точно выразился Ницше, "долго смотрел внутрь себя". В своём несвоевременном размышлении "Рихард Вагнер в Байройте", первом сочинении, с которым я познакомился у Ницше, он привязывает к этому возвращению с Фестивального холма глубокомысленные размышления, которые завершает словами: "Что же Вагнер в те дни внутренне узрел — как он стал тем, кем он есть и кем он будет — это мы, его ближайшие, можем до некоторой степени проследить: и лишь с этой вагнеровской точки зрения мы сможем понять его великий поступок — чтобы с этим пониманием гарантировать его плодотворность". И в более поздние годы Ницше ещё с теплотой вспоминал дни закладки фундамента и "маленькое общество, которое их праздновало и которому не приходилось желать пальцев для нежных дел".
Впоследствии мне предстояло узнать больше о Ницше и косвенно пережить это. Когда мой отец предложил Вагнеру разложить в немецких книжных магазинах списки для подписки на патронажные билеты на фестиваль и одновременно выпустить обращение, тот попросил его обратиться к Ницше за помощью в составлении манифеста, так как у него было к нему "особое доверие — именно к нему". Ницше откликнулся на этот призыв и написал свой целенаправленный "Призыв к немцам". Перед этим он написал в Мангейм:
Уважаемый господин Геккель,
то, что Вы от меня требуете, будет выполнено. Ваш проект для книгопродавцев кажется мне превосходным, как и весь план, который снова говорит в пользу его автора. Оставьте мне проект для более детального изучения еще на несколько днейНет: я сразу же его отправлю и уже просмотрел., возможно, тогда я смогу прислать и свой. Я приеду, если мое здоровье хоть как-то позволит, 30-го текущего месяца в Байройт. От своего проекта я хочу здесь сделать несколько печатных оттисков: так его будет легче обозреть и, при необходимости, пересмотреть.
Преданный Вам Ницше.
Базель, 19 октября 1873 г.
Вагнер вполне одобрил версию "Призыва"; но делегаты вагнеровских обществ были мнения, что тот, несомненно, выражает чувства всех друзей, но не сможет обратить противников и равнодушных.
В письме к барону фон Герсдорфу Ницше писал об этом: "Итак, я был в пути с вечера среды до утра понедельника, туда один, обратно вместе с Геккелем. В Байройте собралось около дюжины человек, все делегаты союзов, и я единственный патрон как таковой. – После осмотра в грязи, тумане и темноте состоялось главное заседание в зале ратуши, на котором мой "Призыв" был вежливо, но решительно отклонён делегатами; я сам протестовал против переработки и рекомендовал профессора Штерна для быстрого изготовления нового изделия. В то же время превосходное предложение Геккеля об организации сборных пунктов у всех немецких книготорговцев было одобрено".
– Выросший в почитании Вагнера, я углубился после посещения первых Байройтских театральных фестивалей в изучение Шопенгауэра, позже опубликовал философские толкования "Парсифаля", но уже тогда различал два направления в творчестве Вагнера: жизнерадостное "Зигфрида" и аскетическое "Парсифаля". Я оценивал произведения Вагнера с этой точки зрения как дополняющие друг друга противоположности. И вот, когда я познакомился с работами Ницше, написанными после его разрыва с Байройтом, я увидел в самом Вагнере и Ницше контrapункты культурного развития. Эта идея побудила меня в то время, когда в Ницше видели лишь произвольное отступничество от Вагнера, а в Вагнере — лишь отказ от его прежнего мировоззрения, к рассмотрению с высоты птичьего полета, стремясь быть справедливым к обоим. И так я предпринял в эссе "Вагнер и Ницше", опубликованном в 1897 году в "Neue Deutsche Rundschau", первую попытку представить разрыв двух друзей как необходимый, исходя из их внутренней природы и развития, и указать на полярность их стремлений.
Что эта точка зрения соответствует собственному воззрению Ницше, свидетельствует его афоризм "Звёздная дружба", в котором он, имея в виду Вагнера, написал: "Вероятно, существует колоссальная кривая и звёздная траектория, в которой наши столь разные пути и цели могут быть включены как малые отрезки пути – возвысимся до этой мысли".
С большим волнением я ожидал, как будут восприняты мои высказывания как в Ванфриде, так и в Архиве Ницше. Но в Байройте по-прежнему видели только отход Ницше от Вагнера, а не его собственный подъем, и поэтому фрау Вагнер писала мне: у Ницше не было целей, а была тяжелая болезнь, которая отделила его от Байройта; здесь едва ли можно говорить даже о разногласиях. В полное противоположность этому была оценка, которую мой очерк получил в Веймаре. Фрау д-р Фёрстер писала моему отцу: "Только что я отложила статью вашего сына в "Neuen Deutschen Rundschau" и могу сказать, что впервые прочитала статью о моем брате с искренней радостью".
Охотно откликнулся я на просьбу госпожи д-ра Фёрстер посетить её в Архиве Ницше. Там я выступил перед приглашённой аудиторией с докладом о взаимоотношениях Ницше и Вагнера и с тех пор постоянно поддерживал связь с домом на Зильберблике в Веймаре, где Ницше скончался в 1900 году. Не раз госпожа др. Фёрстер делилась со мной разъясняющими сведениями, за что я выражаю здесь свою благодарность.
Но и ещё одной женщине я должен с благодарностью упомянуть здесь: авторе "Мемуаров идеалистки" Мальвиды фон Мейзенбуг, общей подруге Вагнера и Ницше. В ходе многолетней переписки она любяще предоставила мне немало значимых сведений о Ницше.
Основные сведения о его жизни основываются прежде всего на письмах Ницше, на биографиях, написанных сестрой, и на воспоминаниях, опубликованных людьми, которые с ним общались. Они были дополнены личными сообщениями, которыми я обязан своему отцу, Петру Гасту, барону фон Зейдлицу, др. М. Г. Конраду и другим.
Мой очерк "Вагнер и Ницше" в "Neuen Deutschen Rundschau" образует своего рода исходную точку для настоящей книги. Подчеркивая полярность между Ницше и Вагнером, Ницше и Шопенгауэром, Ницше и Сократом, а также отношение Ницше к христианству, она резко и отчетливо выделяет основные линии его мировоззрения, надеясь тем самым справиться с мощной односторонностью его радикализма и избежать опасности любого сглаживающего компромисса, которому поддались многие труды ницшеанской литературы.
Этой цели нужно было достичь, одновременно рассматривая его жизнь и учение. Я сказал себе: чем короче и лаконичнее мне удастся, свободно от любой учёной мишуры, обрисовать основные линии его жизни и творчества и органично связать с ними все приводимые детали, тем легче будет читателю проникнуть в мыслительный мир Ницше и пережить его вместе со мной. Лишь тогда, когда то, чему он учил и чем жил, что думал, сочинял и видел, сольётся для нас в полный образ творческой личности, мы можем надеяться понять, в какой мере с Ницше, этим человеком-вехой, начинается новая эпоха в истории культуры, в которой не презрители жизни, а просветители жизни, из тяжко обременённого настоящего, укажут нам пути к спасению будущего.
Шёнгайзинг под Мюнхеном, Пасха 1922.
Карл Геккель.
Введение
Какую философию выбирает человек, зависит от того, какой он человек.
Фихте.
Между сущностью человека и событиями его жизни существует глубокая связь. Внешние силы влияют на органическое развитие внутренних сил. В свою очередь, сущность человека определяет, какие события становятся переживаниями и приобретают судьбоносное значение. Это взаимодействие извне внутрь и изнутри наружу определяет как его действия, так и его познание, его жизнь, так и его мировоззрение.
Жизнеописания художников и мыслителей стремятся не только удовлетворить историческому изложению в хронологической последовательности, но и раскрыть понимание сущности и деятельности. Они не только показывают нам поводы, которые привели к определённым проблемам, но и из сущности выявляют предпосылки, обусловившие формирование жизни.
У Ницше, поэта, мыслителя и провидца, исследованию этих взаимосвязей придается особое значение, ибо сама жизнь составляет проблему его духовной деятельности. Как и Шопенгауэр, он стремился к радикальному решению вопроса о том, следует ли жизнь утверждать или отрицать. Но если Шопенгауэр из познания трагичности жизни заключил о необходимости отрицающей оценки, то Ницше сделал вывод: жизнь становится ценной через утверждающую оценку. Нам не нужны утешения в потустороннем, которое компенсировало бы страдания этого мира, — ценность жизни зависит от того, как мы определяем её содержание. Потому и звучит призыв Ницше: "Друзья, оставайтесь верны земле!" Жизнь, рассматриваемая как организм в противоположность механизму реальности, хочет непрерывно превосходить саму себя, во всяком случае — непрерывно изменяться. Это становление и изменение требует от нас постоянных новых оценок. И потому ранг, который принадлежит отдельному человеку, определяется степенью его способности придавать жизни содержание. Кто принимает ценность жизни как данную саму по себе, будет относиться к ней прежде всего как наслаждающийся; кто чувствует себя призванным придать ей эту ценность, — как творящий. "Стремлюсь ли я к счастью? Я стремлюсь к своему делу". И: "Творчество — это великое избавление от страдания и облегчение жизни". Для первого добродетель — это следование авторитетно данным предписаниям, для второго — в античном смысле — доблесть. Там требование: проявление альтруизма, здесь требование: очищение эгоизма. То — идеал массовых слабых, это — идеал отдельных сильных. Там стадная мораль, здесь мораль господ. Там принижение естественных сил воли, как к этому стремится христианство, здесь их энергичное обуздывание, как требует Гёте словами: "Преимущество человека состоит не в умеренной, а в обуздавшейся силе". Там как следствие: социализм, здесь: индивидуализм.
Взаимодействие и взаимоподдержка целого и индивидов очевидны; но вопрос остается открытым: кому принадлежит право определять цель? Заключается ли она в наибольшем счастье наибольшего числа людей или в том, чтобы тип "человек" достиг своего наивысшего возвышения? Тот, кто видит сущность и цель существования лишь в наслаждении, которое дарует ему счастье, должен требовать, чтобы даже великий индивид в конечном счете не знал иной задачи, кроме как служить благополучию целого в их понимании; тот же, кто видит сущность и цель жизни в росте и возвышении, обязанных развертыванию творческой воли, поймет слова Ницше: "Цель человечества заключается в его высших образцах".
Создающий в смысле Ницше должен требовать подчинения слабого сильному, малого великому. Но он может это делать только в том случае, если сам ставит себя на службу идеалу, который сияет в направлении восхождения к более высокой жизни. Не каждый призван к этому восхождению, требующему собственных путей и самодержавной деятельности; но каждый может косвенно служить этой цели, выполняя условия, способствующие возникновению и развитию таких высших людей. В первой период творчества Ницше в перспективе его учения стояло: гений; во второй период: знающий, а в третий период: сверхчеловек как творческий законодатель такой ценностной доктрины.
Что можем мы сделать, чтобы тип человека в отношении идеала сверхчеловека получил повышение? Ответ гласит: мы можем создать культурное сообщество, в котором расцветает высший человек. Гений всегда был вынужден развиваться в противоположность господствующей культуре или некультуре; мудрец становился в стороне от неё; сверхчеловек же мыслится как гармоничный целостный человек, который вырастает из культурных условий, в которые он способен укорениться. Повышение типа означает прежде всего повышение уровня. Для кого "равенство" служит паролем, тот будет стремиться к уравниванию высотных различий в ущерб великим; кто признаёт неравенство как данность, тот в низшем распознает и чтит слои, из которых возвышается высокое, и с тоской взирает на него. Всё будущее укоренено в низине народа. Из него восходят силы, которые когда-нибудь развернутся в цветение. Это понимание учит нас органической взаимосвязи корня и цветка. Такое познание возвышает отношение между высоким и низким.
– Кант определил границы нашего познания. Мы познаём только явления. Но из явления мы заключаем, "что ему должно соответствовать нечто, что само по себе не является явлением", а именно "вещь в себе". Вещь в себе означает существующее независимо от нашего восприятия, то есть подлинно сущее. Шопенгауэр заключил: это самое сокровенное, ядро каждого отдельного существа и всего целого. Для внешнего восприятия оно не познаваемо, но внутреннее восприятие, "самосознание", хотя и не может обнажить его полностью, но способно в значительной мере его раскрыть. Предметом самосознания всегда является только собственное желание. Оно дано нам непосредственно, по крайней мере как слепой, бесцельный порыв. Этот порыв, как нечто не поддающееся дальнейшему определению, Шопенгауэр назвал "волей к жизни".
Долгое время Ницше тоже довольствовался этим определением. Но затем он пришёл к убеждению, что: сущность всего происходящего — не воля к жизни (Шопенгауэр), а воля к усилению жизни; не борьба за существование (Дарвин), а борьба за более высокое, более сильное существование; не стремление к самосохранению (Спиноза), а стремление к самоусилению. Даже принцип воли и борьбы Эмпедокла для него превратился в соревнование за победу и превосходство. "Где я находил живое, там я находил волю к власти, и даже в воле служащего я находил волю быть господином".
Воля к власти присуща всем людям; но то, к какой именно власти стремится человек и с какой целью, определяет его ранг. Даже высшему человеку достигнутая зрелость побуждает стремиться к наивысшей власти над вещами, и это стремление исходит из глубинного изобилия и необходимости. У Ницше этот инстинкт уже не мыслится слепым, как у Шопенгауэра, — всякое действие должно обретать смысл. Он не мыслится безудержным, ибо повелевающий должен владеть своими силами. Но он и не мыслится уступчивым, ибо творцу новых ценностей не следует поддаваться гуманитарным порывам. Добродетель господина, добродетель воспитателя — это та, которая овладевает и своим состраданием ради далёкой цели. В перспективе этого воззрения стоит: сверхчеловек как властелин Земли, и требование: упразднение всего, что противостоит естественному развитию человеческих способностей, и, наконец, замещение случайности объединением всех сил для этой новой цели.
Таким образом, указано направление пути к высшему развитию человечества, которое определяет истинный смысл учения Ницше о восходящей жизни. Он противопоставил теории нисхождения Дарвина равноценную теорию восхождения.
Как его слова "господская мораль", "сверхчеловек", "имморализм" и т.д., так и "воля к власти" были истолкованы в смысле пробуждения низменных инстинктов и жестокого насилия на социальной почве. Это не должно нас удивлять; ибо судьба гения всегда заключалась в том, чтобы оставаться непонятым, не только как человек, говорящий на своем языке в чужой стране, но и гений стоит со своими провидческими убеждениями вне своего времени. Нам, живущим после него, может показаться удивительным, что даже те, кто считал себя его друзьями, не поняли учения Ницше в его полном значении; но мы не имеем права упрекать их за это. Как свет вновь возникшей далекой звезды достигает нас лишь спустя годы, так и произведение гения требует лет и десятилетий, прежде чем его лучи коснутся духовного ока. Наше исторически образованное поколение сегодня часто гордится тем, что либерально приветствует все новое, чтобы не казаться отсталым; но оно ошибается: таким образом оно способно уловить лишь "современное", живущее на переднем крае времени, но не способно узреть неожиданные ценности.
Переходя к рассмотрению жизни Ницше, становится ясно, что не только непонимание его слов и учения ставило его вне своего времени, но и открывается пропасть, которая всегда зияет широкой и глубокой между людьми, живущими идеей, и теми, для кого интеллект — лишь инструмент, чтобы утвердиться в реальности.
Элизабет Фёрстер, заслуженная биограф Ницше, с сестринской любовью и почитанием подчеркнула черты Ницше, которые вызывают симпатию к его личности даже у посторонних; с другой стороны, предпринимались попытки вписать учение Ницше в историческое развитие философии, чтобы таким образом, тем или иным способом, преодолеть разрывы, отделяющие его от нашего времени. Задачей же этой книги я, напротив, хотел бы обозначить радикальное изложение противоположности, отделяющей Ницше и его учение от современности и её всё ещё самодовольного оптимизма в отношении достигнутых цивилизации и культуры. Безусловно, при этом возникает и для нас синтез; но не с мировоззрениями прошлого или жизненными принципами настоящего, а с ожиданиями будущего.
Сын
В жизни нет ничего завершённого, бесконечное находится в движении.
Гёте.
Глубина нашего познания и лестница наших расчетов не простираются до первофеноменов природы. Мы не можем заключить: такие свойства у матери, такие у отца, значит, сын будет таким-то и таким-то. Ибо в каждом индивидууме воплощается собственный творческий волевой импульс, спонтанность которого мы не в состоянии постичь. Поэтому нельзя рассматривать человека лишь как результирующую его предков. Однако мы можем рассматривать свойства последних как предпосылки и ограничения, в рамках которых природа творит свое дело. В этом смысле для описания жизни всегда интересно исследовать задатки и развитие предков. Конечно, мы не должны скрывать от себя, что обычно мы улавливаем лишь очевидные проявления психики, а не скрытую бессознательную душевную жизнь, анализ которой позволил бы сделать более глубокие выводы.
Ницше уже в молодые годы играл с мыслью, что его прадед происходит от польского графа Niecki (Niëtzky), который в 1715 году бежал в Германию. Достоверных доказательств этого происхождения получить не удалось. Тем не менее, физиогномика и определенные черты характера Ницше делают славянское влияние весьма вероятным.
Документально подтвержденная семейная история Ницше начинается с его прадеда Готтхельфа Энгельберта Ницше, акцизного инспектора в Бибре. Ему приписывают здоровье и жизнерадостность, а также красоту даже в преклонном возрасте. Он прожил 92 года.
Его сын Dr. Фридрих Август Людвиг Ницше (1756–1826) был пастором в Вольмирштедте в Тюрингии и позже пастором и суперинтендентом в Эйленбурге. Глубокое знакомство с языками древности позволило ему написать высоко оценённые сочинения, свидетельствующие о благочестивом духе. Каждая радость наполняла его, и каждая боль увеличивала ценность его служения. Подчеркивалось также достоинство его характера и внешности.
Он был женат дважды. Его вторая жена (бабушка Ницше) Эрдмута Крюгер, урождённая Краузе (1778–1859), происходила из пасторской семьи, члены которой были весёлыми и деятельными людьми. Саму её описывают как милую и способную женщину, полную желания доставить радость. Её чудесная гармония мышления, речи и поступков не могла смириться с внешней и строгой набожностью. "Не знаю, чего люди хотят сейчас, раньше мы радовались своим и чужим добродетелям, а теперь радуются своим и чужим грехам. Чем греховнее, тем лучше".
Отец Ницше Карл Людвиг Ницше (1813–1849) известен тем, что с отличием сдал экзамены и, будучи пастором в Рёккене (около Лютцена), своей воодушевлённой деятельностью завоевал сердца своей общины. Его описывают как благородную, поэтическую личность, необычайно одарённую в музыке. Сам Ницше изображал его как "нежного, любезного и болезненного, словно существо, предназначенное для преходящего, скорее доброе воспоминание о жизни, нежели саму жизнь".
Основными чертами большинства членов семьи Ницше называют живой весёлый дух, строгое чувство истины, любовь к достойным, вежливым формам, но также и склонность к уединённой независимости.
Мать, Франциска (1826–1897), происходила из семьи Öhler. Она, очевидно, обладала практическим умом и охотно приспосабливалась к миру. Она рано опасалась, что её сыну из-за его идеалистического склада ума и стремления к независимости грозили трудности. Из-за её богобоязненности ей было недоступно понимание его атеистического мировоззрения. Но и мать, и сын умели сохранять уважение к убеждениям друг друга.
Забота сестры о больном Ницше общеизвестна. Не так широко известна деятельность матери. Из её писем верному другу Ницше Францу Овербеку мы узнаём, с какой любящей и самоотверженной преданностью она заботилась о больном, чей сложный уход она взяла на себя в первые дни его помешательства. Её письма свидетельствуют об острой наблюдательности и доказывают в своём языковом выражении здоровый естественный ум. Называть её "значительной натурой" и сравнивать с матерью Гёте, однако, нет оснований; для этого она была недостаточно своеобразна и самодовольна, но её естественный талант не следует недооценивать.
Фридрих Вильгельм Ницше родился 15 октября 1844 года в Рёккене; его сестра Элизабет — двумя годами позже; третий ребёнок, Йозеф, умер уже на втором году жизни.
Мы знаем о многих художниках, что они происходили из ремесленных семей, и пришли к выводу, что ремесленная практика со временем возвышалась до свободного художественного творчества. Возможно, так же обстоит дело и с мыслителями. "Там, где нужда, необходимость долго принуждали людей общаться, быстро и тонко понимать друг друга, наконец, возникает избыток силы и общения, своего рода состояние, которое постепенно накопилось и теперь ждет наследника, который расточительно его истратит". Это относится и к Ницше. Из того факта, что его предки были богословами и учеными, полными достоинства и величия, можно, пожалуй, вывести предпосылки для его философского призвания. Но некрологи и семейные традиции ограничиваются почти исключительно освещенными внешними сторонами. Развивался ли уже у предков Ницше под оболочкой противоречие строгой вере, противоположность конвенциональной морали и стремление вступить в борьбу с господствующим мировоззрением? Это вопросы, которые напрашиваются. Но ответ с достаточными доказательствами остается нам недоступен.
Более благоприятно обстоит дело со знанием о влиянии воспитания и обстоятельств, в которых вырос Ницше. О родителях Шопенгауэра нам известно, что они жили в разладе и не обеспечили сыну радостной юности. Не без основания его озлобленность связывали с этим обстоятельством. Совершенно иная картина предстает перед нами при взгляде на родительский дом Ницше, так что сестринское описание той поры кажется почти идиллией.
Ницше как философ, как и Шопенгауэр, был во все времена пессимистом. Называть его оптимистом возможно лишь при совершенно неправильном употреблении этого слова. Ибо всякое существенное выражение боли из-за дисгармонии между желаемым и реальным миром означает пессимизм. Противоположность между пессимизмом Шопенгауэра и Ницше заключается меньше в познании, чем в темпераменте. Там вывод: жизнь всегда сопряжена с неудовольствием, следовательно, нужно отрицать волю к жизни; здесь то же познание, но вывод: следовательно, нужно также извлекать силы из страдания и на основе "идеальности несчастья" очищаться и повышать ценность жизни.
Ницше с детства был здоровым и крепким. Он рано проявил страстность, но также и способность к самообладанию. Его родители не обращались с ним с суровой строгостью, благодаря чему он избежал того упрямства, в которое впадает любой характер при ошибках воспитания.
После ранней смерти отца мать с двумя детьми переехала в Наумбург. Фриц посещал гражданскую школу. Он производил на других детей странное впечатление. Его называли "маленьким пастором". Через год он поступил в частную школу вместе с двумя друзьями Вильгельмом Пиндером и Густавом Кругом, а затем в гимназию. Вильгельм Пиндер, с которым он в детстве написал пьесу "Боги на Олимпе", называет основной чертой его характера некоторую меланхолию, проявлявшуюся во всем его существе. "С самого раннего детства он любил одиночество и предавался своим мыслям". В голосе и выборе выражений было нечто особенное, что отличало его от сверстников. По отношению к друзьям он проявлял много инициативы в изобретении и руководстве играми и оказывал на них воспитательное влияние. Помимо своих поэтических произведений, он пробовал себя в музыкальных композициях и практиковал, даже по отношению к себе, суверенную критику.
В восемнадцать лет он поступил в земельную школу Пфорта под Наумбургом, где нашел друзей в лице Пауля Дойссена и барона фон Герсдорфа, из которых последний особенно наслаждался его импровизациями. На трезвые натуры он производил впечатление чудака, как я мог заключить из суждения одного из его бывших одноклассников, с которым я случайно встретился в Швейцарии. Во время конфирмации он еще полностью верил в христианство. Только в двадцать два года он осознал "свободную позицию". При расставании с Пфортой Ницше написал стихотворение "Неизвестному Богу", которое заканчивается характерными словами:
Я хочу познать тебя, Неизвестный,
ты, глубоко проникающий в мою душу,
мою жизнь, как буря, проносящийся,
ты, непостижимый, мне родственный!
Я хочу познать тебя, даже служить тебе.
Студент
Всякая бурная нетерпимость к несовершенству есть слабость.
Новалис.
Школьные годы показали нам у Ницше типичный образ фантазирующего мальчика, который находит удовлетворение в продуктивной работе и её восприятии немногими единомышленниками, но в остальном ведёт себя отрешённо от мира. С переходом в университет в Бонне пробуждается, однако, желание преодолеть эту отрешённость и расширить круги влияния. Он становится членом студенческого братства "Франкония", с удовольствием участвует в внешних проявлениях студенческой жизни, чтобы погрузиться в поток общности; пользуется также популярностью среди сокурсников, особенно благодаря своей музыкальной деятельности, которая в то время находилась под знаком Шумана.
Многосторонние способности Ницше затрудняли ему выбор профессии. Он решается на филологию, но ради матери записывается и на теологический факультет, чтобы вскоре отозвать эту уступку. Очень показательно для его дальнейших путей, пишет он уже тогда сестре: "Ищем ли мы в наших исследованиях покой, мир, счастье? Нет, только истину, даже если она будет крайне отталкивающей и безобразной".
Он нашел в науке, требующей холодного рассудка, логической строгости, однообразной работы, "не затрагивающей сразу сердце своими результатами", противовес изменчивым и беспокойным наклонностям своей натуры, но и филология уже тогда не была для него истинной целью.
Характерный для Ницше случай мы узнаем из воспоминаний Дойссена. Ницше приехал в Кёльн и попросил проводника показать ему достопримечательности. В конце прогулки тот привел его в публичный дом. Об этом Ницше сообщил Дойссену: "Я вдруг оказался окружен полудюжиной существ в блестках и вуали, которые с ожиданием смотрели на меня. Некоторое время я стоял безмолвно. Затем инстинктивно направился к пианино как к единственному одушевленному существу в этом обществе и ударил по нескольким аккордам. Это разрядило мое оцепенение, и я обрел свободу".
Что такая натура не могла долго мириться с ролью "веселого студента", нас не удивит. Когда его критика студенческой жизни начинается и дух поэзии улетучивается, он чувствует себя одиноким в "Франконии" и объявляет о своем выходе.
Поскольку его почитаемый учитель Фридрих Ричль принимает приглашение в Лейпциг, он тоже переезжает туда, движимый надеждой посвятить себя там более интенсивно музыке. Случай заставляет его взгляд упасть на главное произведение Шопенгауэра "Мир как воля и представление". Только тот, чья собственная юность пришлась на время, когда Шопенгауэр воспринимался как решающее откровение, может представить, как мощно эта философия должна была подействовать на жизненную серьёзность такого человека, как Ницше. Но в то время как другим требовались многие годы, чтобы снова освободиться от "мировой скорби", которая овладевала умами как депрессивное давление, Ницше очень скоро находит в Шопенгауэре силу, которая, подобно музыке, возвышает и ведет к той, хотя и грустной, но счастливой настроенности, в которой человек видит, как с него спадают земные покровы. Он описывает несравненный подъем, который испытывал при наблюдении за сильной грозой: "Что значил для меня человек и его беспокойное желание! Что значило вечное: ты должен, ты не должен. Как иначе молния, буря, град: свободные силы без этики! Как они счастливы, как могущественны, чистая воля, без помутнений от интеллекта!"
Это уже не пессимизм Шопенгауэра, а по сути пессимизм Ницше, который утверждает боль и страдание ради возвышения, восхищается силами стихии ради подъема, который позволяет смотреть на интеллект и этику свысока.
С единомышленниками он основал филологическое общество. Прочитанный там доклад: "Последняя редакция Феогнидеи" он передает своему учителю Ричлю, который с этого момента уделяет ему особое внимание. Также рассуждения о источниках Лаэртия вызывают его полное восхищение. Эти и другие работы были опубликованы в "Рейнском музее".
Из лейпцигского периода стоит упомянуть восторженное увлечение Ницше знаменитой актрисой Хедвиг Раабе, но прежде всего — его дружбу с Эрвином Роде. Роде, будучи студентом, из-за своей нервной натуры мало верил в собственные силы, но благодаря дружбе с Ницше этот лейпцигский период стал для него "самым благодатным временем всей его жизни, самой крепкой опорой его нравственного существования". Робко заглядывал он в страну чистейшей дружбы, "как бедный ребенок в богатые сады", и был Ницше безмерно благодарен за то, что тот открыл ему эту страну. Но и сам Ницше чувствовал себя счастливым "в постоянном общении с другом, который не просто товарищ по учебе или связан со мной общими переживаниями, но чья жизненная серьезность действительно достигает той же степени, что и мой собственный смысл, чья оценка вещей и людей подчиняется примерно тем же законам, что и моя, чье существо в целом оказывает на меня укрепляющее и закаляющее воздействие".
Осенью 1867 года Ницше становится добровольцем-одногодичником в конной артиллерии в Наумбурге. Ему нелегко подчиняться душераздирающему принуждению военной службы. "Иногда я шепчу, спрятавшись под брюхом лошади: Шопенгауэр, помоги!" Травма, которую он получил, прыгая на лошадь, принимает серьёзный характер и через пять месяцев службы возвращает его к книгам и рукописям. Его план — теперь получить докторскую степень и одновременно подумать о хабилитации в качестве приват-доцента, но прежде провести год в Париже с другом Роде.
Ницше был более усерден в обучении тому, как быть учителем, чем в обучении тому, "чему учат в университетах". Для приобретения знаний он доверял инстинкту собирать достойное знания по собственной системе. Неожиданный досуг во второй половине военной службы способствовал этой независимой работе, начавшейся ещё в Шульпфорте. Своей философской предрасположенности и этому стремлению к самостоятельности Ницше был обязан тем, что он не стоял, как многие филологи, слишком близко к своей задаче, а обрёл архимедову точку вне событий, чтобы оттуда восхищаться и любить. Философия была его целью, филология — лишь средством; познать общечеловеческое — уже в студенческие годы его задача. Поскольку он относился к своим задачам продуктивно и черпал из собственного жизненного источника, он приходил к результатам, которые удивляли не только его учителей.
Когда в Базеле предстояло заново заполнить должность профессора классической филологии, профессор Вильгельм Фишер, прочитавший эссе Ницше в "Рейнском музее", обратился к Ричлю в Лейпциге с вопросом, считает ли тот Ницше подходящим для этой должности. Ричль ответил, что Ницше не имеет хабилитации, более того, даже не защитил докторскую диссертацию, основной упор в его учебе был сделан на истории греческой литературы с особым акцентом на философии; но благодаря своему таланту он, несомненно, сможет успешно освоить и другие области, ибо "он сможет сделать всё, что захочет". Это заключение привело к назначению двадцатичетырехлетнего Ницше на должность в Базельском университете. Ему была присуждена докторская степень на основании уже опубликованных работ, и его освободили даже от устного экзамена.
Ницше осознавал опасности, которые эта профессия могла таить для его личного развития. "Быть филистером, стадным человеком – от этого пусть убережет меня Зевс и все музы!" — писал он фон Герсдорфу. Он знает, что у него нет к этому предрасположенности; но не приблизит ли его к этой опасности роль "специалиста"? Не притупит ли постоянная концентрация мышления на определенных областях знания и проблемах свободную восприимчивость и не подорвет ли философский смысл в корне? Не следует забывать, что Ницше благодаря Шопенгауэру научился видеть достоинство университетских профессоров в критическом свете, чтобы понять, почему он задавал себе такие вопросы. Но он говорит себе: "слишком глубоко уже укоренилась философская серьезность, слишком ясно показал мне великий мистагог Шопенгауэр истинные и существенные проблемы жизни и мышления, чтобы когда-либо можно было опасаться позорного отступления от ›Идеи‹".
Он хочет быть больше, чем просто воспитателем талантливых филологов: "поколение учителей настоящего, забота о подрастающем потомстве — всё это стоит перед моим взором". Не звучит ли здесь уже тема "воспитания воспитателей" и таинственный мотив "любви к дальним"? Не раннее призвание, как бы редко оно ни встречалось, было самым удивительным, а сильная убеждённость в своём истинном призвании, которая возвышала его над достоинством его должности.
Учитель
Мне ненавистно все то, что лишь поучает меня, не способствуя моей деятельности или не вдохновляя меня самым непосредственным образом.
Гёте.
Когда Ницше вступил в должность в Базеле, он был полон решимости не отодвигать на второй план ни свои художественные, ни этические воззрения перед наукой, но стремиться к их гармоническому объединению. Он начал свою вступительную речь (28 мая 1869 года) о "Гомере и классической филологии" с заявления, что филология заключает в себе императивистские элементы как на художественной, так и на этической почве и по своему происхождению во все времена была также педагогикой, а затем перешел к бичеванию оптимизма и самодовольства современного человека. Это была декларация войны духу времени, но не ценности жизни. "Жизнь стоит того, чтобы жить, говорит искусство, жизнь стоит того, чтобы познавать, говорит наука". Сопоставьте это высказывание с утверждением Шопенгауэра: "Ценность жизни заключается как раз в том, что она учит нас не желать её", чтобы понять противоположность.
После вступительной речи якобы высказался Якоб Буркхардт, что Ницше в равной мере художник, как и учёный. Также иначе вступительной речи приписывают благоприятное впечатление. Однако сомнительно, что оно было всеобщим, как и то, что впоследствии все слушатели охотно соглашались с воззрениями Ницше. Ведь один ученик его преемника сказал тому в похвалу: Никогда он, как это, по слухам, делал Ницше, не манил нас благами, которые тогда могли быть для нас лишь призраками, и никогда не импровизировал о философах.
Ницше был полностью осознавал свою противоположность ожиданиям своих учеников и коллег. Тем радостнее он приветствовал в Буркхардте единомышленника и был счастлив, завоевав его расположение. Он посещал его лекцию "О изучении истории" и позже также ту, что была посвящена "Греческой культурной истории".
"Дух — это сила, идеально воспринимать всё временное. Он идеален по своей природе, сами же вещи таковыми не являются".
"Недостаточно того, что прекрасное представляется как переходный пункт и воспитание к истине; ибо искусство в высокой степени существует ради себя самого".
"Наша жизнь — это дело, тогдашняя (в Средневековье) была бытием; весь народ едва существовал, зато народное процветало".
Такие высказывания Буркхардта, несомненно, были близки душе Ницше, и некоторые из следующих могли повлиять на формирование его убеждений.
"Вообще современный дух стремится к толкованию всей загадки жизни независимо от христианства".
"Решающее, созревающее и всесторонне воспитывающее — это скорее властный инстинкт, который как неудержимое стремление выводит на свет великую личность".
"Зло на земле, безусловно, является частью великой мировой исторической экономии: это сила, право сильного над слабым".
"Зендская религия могла быть лишь единовременной и внезапной, несущей отпечаток великой, очень великой личности, поэтому в личности Заратустры не приходится сомневаться".
Последнее место, как мне кажется, позволяет предположить, что, возможно, Ницше подсознательно повлияло на него, когда он назвал героя своей поэмы Заратустра. В личном общении не только Буркхардт часто вдохновлял Ницше, но и от него, как мы позже увидим, многое получил. Но чтобы правильно понять их дружеские отношения, нужно учитывать большую разницу в возрасте в двадцать шесть лет и гораздо более обширные знания Буркхардта. Ницше был восхищающимся. Рядом с его стремлением к общению и юношеским энтузиазмом Буркхардт должен был казаться сдержанным и "нефанатичным". Роде не нашел в нем силы надежды и способности к жизнеутверждающей иллюзии, а Ницше говорил о его сдержанности из отчаяния. Они охотно беседовали о Шопенгауэре; но отношение к пессимизму все же не было одинаковым. Хотя Буркхардт, имея в виду греков, создал выражение о пессимизме познания и оптимизме темперамента, ему была чужда всякая страстная утверждение жизни. Гораздо больше он склонялся к тому, чтобы искать разрешение противоречия в Диогеновой проблеме, как я назвал бы то воззрение, которое, пренебрегая миром, ищет счастья собственного удовлетворения в независимом образе мыслей и созерцательном размышлении при суверенном уединении. Характерно, что он назвал Диогена "истинным веселым пессимистом".
Летом 1870 года Ницше в течение трех часов говорил об "Эдипе-царе Софокла". Поскольку эти и другие упомянутые лекции были включены в его труды лишь как "Philologica", они мало известны, но содержат множество философских мыслей, выходящих за рамки филологической задачи. Подчеркивается, что античность не спрашивала, соотносятся ли вина и страдания в точных пропорциях, и не видела в несчастье наказания. Ницше защищает бессознательное против сократовых принципов, которые хотят все обосновать разумом. В своих лекциях о "изучении классической филологии" (лето 1871) он осуждал простое стремление к познанию. "Прежде всего необходимо: радость от существующего. Задача учителя — нести эту радость дальше". Ибо идеальным учителем для него является только тот, кто чувствует себя посредником между великими гениями и новыми становящимися гениями, между великим прошлым и будущим.
С тех пор как Шпенглер написал "Закат Европы", наше внимание обращено на то, что история — это оформленная душевность, что, следовательно, недостаточно прослеживать предметную связь причины и следствия, но необходимо раскрывать морфологические родства через аналогии. И Ницше учил относительно античности: "Мы не выросли из того же элемента, который здесь должен быть объяснен. Поэтому мы должны пытаться приблизиться посредством аналогий. В этом смысле наше понимание античности — это непрерывное, возможно, бессознательное параллелирование".
В его более поздних лекциях (История греческой литературы, Риторика и др.) в предшествующих записях реже излагаются философские мысли, тем не менее мы встречаем кое-что, что обогащает сокровищницу его характерных высказываний. Например:
"Греки общались со своими богами, как низшая каста с высшей, более могущественной и благородной, но при этом знающей о своём общем происхождении".
Среди друзей, которых Ницше нашел в Базеле, после Буркхардта мы должны назвать прежде всего Франца Овербека. Его дед переехал из Германии в Англию, сын — в Россию, и только внук, сын француженки, вернулся в Германию. Он выбрал путь теолога и развился в выдающегося церковного историка с космополитическим складом ума. У него не было творческой фантазии, но из его писем к Трайчке следует здоровое отвращение ко всему мещанскому, понимание того, что христианство утратило власть над современными народами, теплый интерес к объединению Германии, а также убеждение, что культура стоит выше политики и человеческие идеалы ценнее политических. Overbeck последовал в 1870 году призыву в Базель и стал там соседом Ницше по дому. Между ними завязалось ежедневное, непрерывное и безоблачное общение. Внутренняя общность проявляется в словах Overbeck: "Мы — две учёные натуры, которые хотят выйти за свои пределы; только так я могу объяснить нашу глубокую дружбу при столь огромной неравномерности наших способностей и столь же значительной разнице наших темпераментов".
Overbeck был осведомлен о духовном превосходстве Ницше без зависти. Истинную величину Ницше он никогда не признавал полностью, но обладал тонким пониманием тяжести задачи, которую Ницше поставил перед собой благодаря своему гениальному дару, и полюбил его. Спокойная и обдуманная натура Overbeck'a благотворно успокаивающе воспринималась его другом. В частых проявлениях общей безудержной веселости оба могли найти временное освобождение от давления чуждой им среды. Мы хотим себя, но ничего для себя, гласит смысл смелого признания Overbeck'a. Он не видел культурные условия в новом Германском рейхе "розовыми", как Тречке, а испытывал почти такое же сильное отвращение к "лизоблюдской варварской культуре", как и Ницше. Там, где требовалось признать свой радикализм, этот лично обаятельный человек и исследователь делал это серьезно и откровенно и укреплял надежду Ницше на то, что то, чего они хотели в "жутком одиночестве", однажды станет делом.
Уже через год после своего назначения Ницше стал ординарным профессором в Базеле. Когда началась война, он отправился во Францию в качестве санитара, но во время транспортировки раненых заболел дизентерией и дифтеритом и, еще не полностью оправившись, возобновил свою преподавательскую деятельность в Базеле.
Если мы попытаемся понять, в каком понимании Буркхардт, Ницше и Овербек особенно осознавали свое единство, то придем к проблеме образования.
Как изначально "творение" означало лишь акт сотворения, а не сотворённое, так и "образование" — создание или возникновение образа. Но даже когда мы используем это слово для обозначения результата, можно различать образование культуры и образование цивилизации. Там — рост, формирование и оживление; здесь — воспитанность, шлифовка и поучение. Культурное образование приобретает тот, кто усваивает прозрения прошлых эпох как духовную пищу, делая их частью своей собственной природы; образование в смысле цивилизации — тот, кто лишь отражает эти прозрения. Программа наших школ направлена только на последнее. Она открывает индивиду пути к приобретению, тем самым способствуя цивилизационному развитию общества и косвенно — могуществу государства. Она стремится сделать образование как можно более всеобщим. Но это стремление к расширению вынуждает индивида к специализации. Естественным следствием этого является уменьшение знаний; ибо специализация пожирает своих творений, как вампир, что доказывает нам узость горизонта у специалистов. Пагубное воздействие уплощения образования через чрезмерное распространение мы видим в хаосе нашей литературно-художественной общественности. Оно привело к тому, что журналист, слуга момента, занял место великого гения, избавителя от момента.
Уже в младших классах наших школ требуют сочинений, в которых с мальчишеским превосходством критикуют наших классиков. Каждого безоговорочно считают существом, способным к литературе, которое должно иметь собственные мнения о самых серьёзных вещах и личностях, тогда как правильное воспитание должно подавлять смехотворное стремление к преждевременной самостоятельности суждений, чтобы приучить молодых людей к строгому повиновению под скипетром гения. Ведь среди многих тысяч едва ли найдётся один, призванный к литературной деятельности. Думают, что воспитывают свободные личности, но, не принимая ближайшую практическую дисциплину в слове и письме как священный долг, не достигают даже овладения родным языком; а ведь только с правильной манерой речи начинается образование. Мы опустились с той высоты образования, которой немецкая сущность достигла благодаря усилиям своих великих поэтов и мыслителей, потому что не придерживались аристократической природы духа.
Также и при взгляде на университет и "академическую свободу" возникает та же картина псевдокультуры нашего "нынешнего времени". "Никогда так сильно не ненавидели всякое рабство, и, конечно, рабство воспитания и образования".
Мы воспроизвели здесь основное содержание пяти лекций, которые Ницше прочитал в 1872 году о "Будущем наших образовательных учреждений". Эти мысли следует радикально осмыслить и осознать их противоположность всему, что выдается за современные идеи, создающие иллюзию культурного подъема. Основой нашего образования может стать плодородная почва лишь в устойчивом философском удивлении перед серьезными проблемами, которые ставит перед нами жизнь. Если же оно ведет лишь к историческому толкованию и филологическому взвешиванию, то возникает лишь знание о знании, а вместо воодушевления — nil admirari, но не те начала, благодаря которым мы становимся личностью. Истинное же образовательное учреждение должно укореняться в внутреннем обновлении и возбуждении нравственных сил.
В каком же смысле следует преподавать и поощрять истинное образование? Пример этому дают нам лекции Ницше о "Философии в трагическую эпоху греков". Кто получает удовольствие от великих людей вообще, тот получает удовольствие и от их философских систем, но лишь постольку, поскольку из них складывается образ личности. Следовательно, не стремиться к полноте; ибо что нам даст простое перечисление всех возможных, давно опровергнутых систем, а выбирать и ограничиваться. Только когда сама личность снова заговорит с нами, мы снова услышим полифонию греческой природы.
Фалес и Гераклит предстают перед нами через Ницше как творческие мастера, полные гениального предчувствия будущей плодотворности своих идей. Возможно, многие из его учеников и у Ницше, например, в рассуждениях об Анаксимандре, сначала услышат лишь изложение системы, но как живо выступает затем на свет личность. Главный акцент Ницше делал на деятельности Гераклита и его учении о полярности, то есть о разделении силы на две качественно различные, противоположные и стремящиеся к воссоединению деятельности. Через Гераклита вина переносится в ядро вещей, освобождая тем самым мир становления и индивидов, хотя они и остаются приговоренными нести её последствия. Жизнь, в этом смысле, больше не означает наказание за совершённое, а оправдание становления. Кто не разглядывает по отдельности, а воспринимает целостно, для того всё противоречивое сливается в гармонию. Такое познание не требует этического императива: "Ты должен!", ибо для Гераклита мир был невинной игрой Эона. Он провозглашает не истины, постигнутые по лестнице логики, а интуитивно схваченные. "Становление — не моральное, а художественное явление". Понятно, почему Ницше причислял его к своим предкам.
Ницше проложил мосты от греческой культуры к самому недавнему прошлому, цитируя Канта и особенно Шопенгауэра. Но истинное образование проявляется прежде всего в том, что мы узнаем великое в своей собственной современности. "Справедливо говорят, что народ характеризуется не столько своими великими людьми, сколько тем, как он их узнает и чтит". Он не был бы Ницше, если бы его не переполняло стремление и здесь поставить себя на службу культуры. Такие решения не принимаются произвольно или случайно. Мы можем сегодня сказать, что встретить тогда этого человека было судьбой Ницше, раскрытием его сущности, испытанием его принципов, так что он мог ликуя сообщить другу: "Я нашел человека, который как никто другой раскрыл мне образ того, что Шопенгауэр называет „гением“, и который полностью проникнут этой удивительно глубокой философией. Это не кто иной, как Рихард Вагнер… В нем царит столь безусловный идеализм, столь глубокая и трогательная человечность, столь возвышенная серьезность жизни, что я чувствую себя рядом с ним как рядом с божественным".
Ученик
Почитающая сила в нас так же существенна, как и объект почитания.
Буркхардт.
Жизненная история Ричарда Вагнера стала прежде всего историей страданий потому, что стремление Вагнера было направлено на то, чтобы поставить театр на службу культуры. Речь шла не о реформации театра, а о регенерации всех наших культурных отношений в духе гречества. Фрау Вагнер однажды написала мне: "Слово "реформация искусства" в Ванфриде было особенно нелюбимо. Что там было реформировать? — часто говорили, — разве оперу?"
Когда Вагнер в 1862 году опубликовал поэтическое произведение "Кольцо нибелунга", он видел перед собой два пути для завершения и соответствующего стилю исполнения этого произведения. Либо объединение любителей искусства, либо поддержка князя. Этим князем оказался молодой баварский король. Людвиг Второй пригласил Ричарда Вагнера в Мюнхен для осуществления его планов, а также его друга Ганса фон Бюлова, который был женат на дочери Листа, Козиме. Король провозгласил: "Всё должно быть проникнуто серьёзностью искусства!" Но реакционное, ультрамонтанское и филистерское сопротивление оказалось непреодолимым. Вагнер увидел, как рушатся его планы, и был вынужден покинуть Мюнхен. Он уехал физически и душевно глубоко потрясённый в Трибшен под Люцерном, без надежды на спасение. Но оно всё же пришло к нему благодаря любви фрау Козимы. Ханс фон Бюлов однажды сказал: "Творец идёт впереди воспроизводящего". Эти слова должны были обернуться для него ужасающей трагедией. Его супруга рассталась с ним, чтобы в жертвенной преданности гению Вагнера сохранить его для мира. Она создала Вагнеру дом в Трибшене, оградив его от всего враждебного и мешающего, в блаженном уединении.
Найти его Ницше отправился весной 1869 года. Он давно восхищался его произведениями, особенно "Тристаном и Изольдой", и неутомимой энергией, с которой Вагнер поддерживал веру в себя "под крики всей „образованной“ общественности". При предыдущей встрече в Лейпциге он слышал, как Вагнер с неописуемым теплом говорил о Шопенгауэре, но только визит в Трибшен приобрёл решающее значение. Встречи повторялись, письма летали туда и обратно. Ницше писал Роде, который всегда узнавал обо всём, что глубоко волновало его: "Что я там учусь и вижу, слышу и понимаю, неописуемо. Шопенгауэр и Гёте, Эсхил и Пиндар всё ещё живы, поверь мне". Но и работы Ницше встречали у Вагнера и его умной жены тёплое и проникновенное понимание. Как вестник из лучшего и более чистого мира, он пришел к ним по слову Вагнера. Для него оборудовали две комнаты. Вагнер заявил: "Теперь у меня нет никого, с кем я мог бы относиться серьезно, кроме Вас — за исключением единственной", а госпожа Вагнер могла сообщить, что благодаря ему преодолевались мрачные настроения, так как он благотворно влиял на творческую деятельность Вагнера. Он принимал живейшее участие во всех радостях и страданиях в Трибшене и не раз думал оставить профессуру, чтобы непосредственно поступить на службу гению. Но Вагнер был убежден, что и как философ он помогает ему осуществить великую "Ренессанс" культуры.
В 1871 году Вагнер вернулся к идее поставить "Кольцо нибелунга" в соответствующем стиле благодаря объединению любителей искусства. На его публичный призыв к регистрации сначала откликнулся только мой отец и инициировал создание вагнеровских обществ, что, хотя и не принесло достаточной финансовой помощи, но все же создало народную основу для предприятия. Предположение Рауля Рихтера, что создание обществ было инициировано по предложению Ницше, неверно, но Ницше встретил движение с симпатией. Он стал не только членом Мангеймского вагнеровского общества, но и намеревался основать такое же в Швейцарии, написал свой уже упоминавшийся "Призыв", побудил Вагнера включить в публичное обращение к обществам особое предупреждение не затемнять идеальность предприятия чрезмерным рвением в деловой пропаганде, и вербовал среди своих друзей для Байройта, при этом лично познакомил с Вагнером свою сестру, Роде и фон Герсдорфа. Особенно фон Герсдорф стал восторженным почитателем. Он, по свидетельству Овербека, был прекрасным образцом истинного дворянина, полного достоинства и благородства при простых манерах; человек, на которого можно было положиться. Величайшим делом Ницше в пользу Вагнера и его целей было то, что он завершил давно готовившуюся книгу о греках "Рождение трагедии из духа музыки" надеждой на их возрождение и связал это с Вагнером.
Дем произведению лежит в основе Гераклитское познание о полярности. Как поколение зависит от двойственности полов, от постоянной борьбы и лишь периодически наступающего примирения, так и дальнейшее развитие искусства зависит от дуализма Дионисийского и Аполлоновского. Как в дереве соединяются питающая корни теплота земли и раскрывающее цветы свет солнца, так и в совершенном произведении искусства соединяются эти две полярные силы.
Когда мы думаем о весенних празднествах первобытных людей и народов, где в опьянении полового возбуждения всё субъективное исчезает в самозабвении и союз между человеком и человеком обновляется, как будто речь идёт о возвращении к первоединству, мы получаем представление о чарах Дионисийского. Когда мы думаем о творческой силе поэтически действующей фантазии в сне, как об умеренном ограничении и освобождении от более диких порывов, мы получаем представление о мудрой спокойствии Аполлонического. Там — мистическое самоотречение вплоть до чувства единства как гения рода, здесь — видение собственного индивидуального состояния, чьё единство с глубочайшей основой мира раскрывается в притчеобразном сне.
Дионисийское выражается прежде всего в музыке, аполлоническое — в искусстве скульптора, но также и поэта. У диких народов те весенние праздники в своем смешении сладострастия и жестокости характеризовались разгулом сексуальной распущенности, у греков в дионисийских оргиях они обрели значение праздников мирового искупления и дней просветления благодаря противодействию аполлонического стремления к красоте. Ужасающее сладострастие бытия и просветляющая радость видимости, экспрессионизм родового существа и импрессионизм единичного явления соединились. Из их союза возникла греческая трагедия.
Встречаемся ли мы в "греческой веселости" с оптимизмом, как в самодовольстве современной цивилизации? Нет, эта веселость была необходимым противовесом глубокому трагическому познанию. Радостные иллюзии одержали верх над ужасающей глубиной мировосприятия. "Здесь нет и намека на аскетизм, духовность и долг: здесь к нам говорит лишь пышное, даже триумфальное существование, в котором все существующее обожествляется, независимо от того, хорошо оно или плохо".
В этой интерпретации гречества Ницше мы узнаем как корни его иллюзионизма, позволяющего человеку самому определять ценность жизни, так и его аморализм, оценивающий существование не с этической, а с художественной точки зрения.
Как возникла греческая трагедия? Ницше отвечает: из трагического хора. Чтобы понять это, нам нужно оглянуться на происхождение слова и его развитие. Из первоначального значения хора как ограниченного танцевального пространства сначала возникло переносное применение к хоровому танцу, который, соединённый с пением, исполнялся в честь божества по праздничным случаям, чтобы затем полностью использоваться для этого пения.
Вспомним признание Шиллера: "Чувство у меня сначала без определённого и ясного предмета; он формируется лишь позже. Некое музыкальное настроение души предшествует, и только затем у меня возникает поэтическая идея". Подобным образом следует представлять себе музыкальное настроение на дионисийских празднествах греков — как общность сильнейших чувств, доводящую до самозабвения, которая сначала находила выражение в танцах и песнях и так долго усиливалась и углублялась, пока эта музыка не становилась для охваченных дионисийских юношей как бы видимой. Только когда мы видим истоки трагедии в дионисийском хоре, нам становится понятна орхестра перед сценой; ибо сцена и действие изначально мыслились лишь как видение. Аналогично объяснял Вагнер отношение музыки и действия; только теперь это уже не хор, а оркестр, который призван выполнять творческую задачу музыки. "Она звучит, и то, что она звучит, вы можете узреть там, на сцене".
Греческая трагедия должна была погибнуть, когда дух музыки исчез из неё. Дух музыки был уничтожен оптимистической диалектикой. Эта антидионисийская тенденция нашла своё невероятно величественное выражение в Сократе. Поэтому для Ницше он — тип теоретического человека, который ищет спасения не в бессознательности художественного творчества, а в сознательности научного познания. Как только наука осознаёт границы своих возможностей, она должна инстинктивно превратиться в искусство. Ибо только искусство способно открыть врата в метафизическое. Лишь теоретический оптимизм, воплощённый в Сократе, может в своём высокомерии верить в познаваемость природы вещей через знание.
Кант и Шопенгауэр научили нас познавать границы науки, а немецкая музыка, которую мы должны понимать прежде всего в её могущественном солнечном течении от Баха к Бетховену, от Бетховена к Вагнеру, гарантирует нам постепенное пробуждение дионисийского духа. Мы должны признать, что со времени благороднейшей борьбы за образование Гёте, Шиллера и Винкельмана мы всё больше перестали идти по одному пути к образованию и к грекам; но у нас ещё остаётся надежда, что из духа музыки произойдёт возрождение эллинской древности. Время сократского человека прошло, восклицает теперь Ницше, осмельтесь быть трагическими людьми; ибо вы должны быть искуплены!
К Новому году 1872 года Ницше отправил свою книгу Вагнеру, надеясь позже многое сделать лучше. "Позже я называю здесь время исполнения, байройтский культурный период". Вагнер ответил восторженно: "Прекраснее вашей книги я еще ничего не читал! Все великолепно!" и заверил его: "Глубоко и далеко я смотрю вместе с вами, и безграничные просторы самой надежной деятельности открываются передо мной – передо мной – с вами рядом".
Ещё в своей первой книге Ницше не говорит совсем своим собственным языком, ещё не преодолено полностью тяжеловесие и затянутость стиля, ещё изобилие образов порой мешает ясности, но тем не менее эта книга уже с большой определённостью выразила дистанцию подлинной культуры от цивилизации эпохи. В своём первоначальном замысле это произведение, прославляющее пессимизм силы, рассматривающее науку через призму художника, а искусство — через призму жизни, возможно, не носило непосредственно характера боевого манифеста. Но когда Ницше пытался согласовать его со Шопенгауэром и возлагал надежды на Вагнера, оно сразу вмешалось в современные течения и потому встретило как предвзятое одобрение, так и предвзятое отторжение. Как и сам Вагнер, его почитатели приняли книгу с восторгом. Впереди Ганс фон Бюлов, лично отобранный Ницше, который однажды случайно выдал свою подсознательную оценку, ошибочно процитировав название как "Возрождение трагедии". Противоположную позицию заняла учёность. Боннский профессор с эмфазой объявил книгу "чистой чепухой"; кто пишет такое, тот "научно мёртв". Даже Ричль опасался, что она может соблазнить молодёжь на незрелое презрение к науке, а Ульрих фон Виламовиц почувствовал себя призванным публично защитить традиционную оценку эллинизма в работе "Филология будущего" против Ницше. Он "научился у Винкельмана видеть сущность греческого искусства только в прекрасном" и считал, что Ницше разрушил образы богов, "чтобы поклониться идолу Ричарда Вагнера в их прахе".
Роде, как храбрый соратник Ницше по оружию, выступил с контрработой, которая по совету Овербека получила название "Afterphilologie". Еще раньше сам Ричард Вагнер в "Послании" с полемческой остротой отреагировал на нападки и призвал своего молодого друга "из самого благородного источника немецкого духа дать разъяснение и указание о том, какой должна быть немецкая культура, чтобы помочь возродившейся нации достичь ее самых благородных целей".
Основная ценность книги Ницше заключается прежде всего в различении дионисийского и аполлонического начал, которое было сначала воспринято Буркхардтом и Вагнером и сегодня стало общепринятым. Еще одно значение оно приобрело благодаря радикальному противопоставлению инстинкта и интеллекта, бессознательного и сознательного бытия. Уже Гёте учил: "Все, что делает гений, происходит бессознательно", и ясно выразил это: "Сознание поэта — прекрасная вещь, но истинная творческая сила в конечном счете кроется в бессознательном". Но лишь с тех пор, как Ницше с наибольшей остротой доказал, что Сократ хотел сделать инстинкт критиком, а сознание — творцом, тогда как у всех продуктивных людей, наоборот, инстинкт является творчески-аффирмативной силой: приблизились ли мы к пониманию, какое решающее значение имеет бессознательное в жизни человека, ведь и наше познание определяется нашей инстинктивной жизнью. "Самый отчужденный расчет и высшая духовность теоретической философии всегда остаются лишь последним, самым бледным отпечатком физиологического факта". Во всем, что становится нам сознательным, мы можем видеть лишь знаки внутреннего процесса.
Конец апреля 1879 года ознаменовался переездом Вагнера из Трибшена в Байройт. С грустью прощался и Ницше. "Трибшен перестал существовать. Мы бродили среди одних развалин, печаль витала в воздухе, в облаках… ах, было так безутешно". И много лет спустя он писал, вспоминая свою близкую дружбу с Вагнером: "Я легко отказываюсь от остатка своих человеческих отношений; я не отдал бы ни за что дни Трибшена из своей жизни, дни доверия, веселья, возвышенных случайностей… глубоких мгновений".
Трибшен перестал существовать; но Байройт стоял не только на горизонте его надежд, но и определял тогда ту точку зрения, с которой он оставался решительным принести себя в жертву становящейся культуре. Ибо это была готовность к жертве, поистине не склонность к спорам, что побуждала его взяться за изнурительную борьбу против безыдейности времени, несмотря на то, что его чувствительная натура могла бы отговорить его от этого. То, что он был вполне осознанно этого, кажется, подтверждает восклицание в "Рождении трагедии": "Ах! В этом волшебство этих битв, что тот, кто их видит, должен и сражаться!"
Борец
Знаешь ли, как Персей убил Медузу,
Перед взглядом которой жизнь цепенеет?
Только в зеркале щита он увидел
Неподвижное окаменевающее лицо Горгоны.
Так и я борюсь с миром;
Бесстрашно в мысленном образе созерцаю его сущность.
Кто защищает дело ради самого дела, тот часто в ходе спора обнаруживает, что противнику вовсе не важно это дело, а им руководят какие-то личные мотивы. Ричард Вагнер неоднократно высказывался об этом разочаровывающем опыте. В самом деле, нападки противников из-за уязвлённой гордости и других неблаговидных мотивов были направлены меньше против его искусства, чем против его личности. Он был вынужден и сам переходить на личности, чтобы не сражаться с ветряными мельницами. Такие битвы легко производят на постороннего неприятное и недоразуменное впечатление.
У Ницше всё иначе. У него не было личных врагов, и ему всегда было дозволено защищать свои идеи ради самих идей. Там, где он сам выступал нападающим, борьба тем более не велась против личности как таковой, а против типа. В "Рождении трагедии" Сократ сгустился для него в такой тип теоретического оптимиста, а когда он решил обратиться к "Байройтским горизонтам" в настоящем, он увидел в Давиде Фридрихе Штраусе, авторе "Пивобанкового евангелия" об "старой и новой вере", тип "образованного филистера".
"Культура — это прежде всего единство художественного стиля во всех проявлениях жизни народа". Проницательный человек знает, как далеко мы от такой культуры. Не так обстоит дело с образовательным филистером. Его самодовольный оптимизм чувствует себя хорошо в этом хаотическом смешении всех стилей. Он даже не подозревает, что он филистер, а мнит себя сыном муз и культурным человеком. Неудивительно! Ведь для тех, кто всегда видит только поверхность вещей, он действительно является либеральным борцом за современные идеи. Штраус никогда не проникает в глубину. Почему же тогда его исповеднический пыл не должен удовлетвориться тем, чтобы выступать за реформаторские идеи, успех которых среди образованных людей его времени гарантирован? Страусс не имеет чувства элементарной первоначальности и органического роста, как они проявляются в языке народа. Почему же тогда его писательский талант не должен считать достаточным, если он делает себя понятным в небрежности фразеологического стиля среди единомышленников? Когда Страусс вскоре после публикации этого первого "Несвоевременного размышления" скончался после тяжелых страданий, Ницше сильно испугался мысли, что, возможно, усложнил ему последние дни жизни; ибо его боевой принцип гласил: я атакую только те вещи, которые победоносны; я атакую только те вещи, где я не найду союзников, где я стою один; я никогда не атакую личности.
Ницше, конечно, думал не только о Штраусе, но и о таких писателях, как Ауэрбах и Фрейтаг, учёных, как Гервинус и Куно Фишер, критиках, как Любке и Ганслик, чтобы сражаться с ними как с "несовременными"; но уже из имён видно, что и здесь речь шла лишь об их типичном значении для вкуса и настроения эпохи.
Из академических лекций мы уже знаем, как Ницше презирал всякую бесполезную нагрузку на память, всякую бесцельную кротовью работу. Конечно, нам нужна история. Но нужна она нам для жизни и действия, а не для удобного бегства от жизни и действия. Историческое чувство нашего времени без этой цели легко может превратиться в гипертрофированную добродетель, ведущую к гибели.
Эта проницательность, а не какое-либо учёное или литературное намерение, побудила Ницше к его второй несвоевременной размышлению: "О пользе и вреде истории для жизни". История принадлежит прежде всего деятельному и могущественному, кто ведёт великую борьбу и способен найти свои образцы лишь в прошлом. Этот деятельный видит историю монументально, а также мифологически. Ещё Ницше явно отвергает возможность того, что в игре костей будущего и случая когда-либо снова выпадет то же самое. Поэтому он предупреждает об обмане через аналогии. Но подстерегает ещё одна опасность: если это монументальное созерцание правят, то страдает само прошлое. Тогда видят лишь отдельные факты, а не полноту событий. Оно также соблазняет роковой ошибкой: смотрите, великое уже здесь, и созерцающий упускает из виду поиск действующей величины в настоящем.
История нуждается также в тех, кто хранит и почитает, чья пиета служит жизни. Но их антикварное созерцание принимает каждое отдельное явление без различения ценностей слишком важно, часто мумифицирует в слепой страсти к собиранию там, где, как им кажется, они сохраняют. Как может быть иначе, если они не вдохновляют и не воодушевляют свежую жизнь настоящего. Они порождают знатоков великого, но не мастеров; они сохраняют, но не творят; ибо они почитают лишь то, что было, и недооценивают то, что будет.
Лучше обстоит дело с третьим подходом: критическим. Но он, как и всякая критика, легко впадает в противоположную ошибку. Не в чрезмерное утверждение, а в слишком далеко идущее отрицание того, что было. Он показывает нам попытку как бы задним числом создать прошлое, из которого хотелось бы происходить, в противоположность тому, из которого происходишь на самом деле.
Каждый из этих способов рассмотрения Ницше называет целебным, если они служат продуктивной жизни, но вредным, если они ей противоречат. Против целебности грешит историография нашего времени, независимо от того, проявляется ли она в монументальной, антикварной или критической форме, как только она чрезмерно подчеркивает научность по принципу: fiat veritas, pereat vita. Тогда история учит нас не слишком мало, а слишком много. "Человек должен даже не знать о вещи больше, чем он мог бы создать". Нашим педагогам следует принять это к сведению: любое историческое знание, усвоенное без необходимости, оказывается обременительной ношей. Это, конечно, знание ради образования, но из него не проистекает чувство образования, не рождается образовательное решение.
Живой и растущий народ должен инстинктивно сохранять здоровый неисторический смысл по отношению к этой научности, иначе он не сможет воспитывать сильные личности или давать новым переживаниям созревать в бессознательном до художественных идей. Искусство бежит, когда народ сразу же накрывает свои деяния историческим шатром. Если за историческим порывом не стоит строительный инстинкт, то творческий инстинкт ослабевает; ибо историю выдерживают только сильные личности, слабых она уничтожает полностью.
Такая истощённость и паралич привели к тому, что сегодня антикварные запоздалые старцы пассивно, как Шпенглер, говорят об "Упадке Запада", тогда как Ницше противопоставляет средневековому memento mori Гёте memento vivere и в неослабевающей радости творчества спрашивает: "Что значат несколько тысячелетий, чтобы в начале такого времени ещё говорить о „юности“, а в конце уже об „старении человечества“?" Если мы хотим узнать, как Ницше относился к такому фатализму, исключающему жизнеутверждающую иллюзию, то можем найти ответ в нападках, которые он обрушил на автора "Философии бессознательного". Эд. фон Гартман говорит о "преданности „мировому процессу“". Слово, которое Ницше особенно ненавидел. И Гартман, как и Шпенглер, считал, что может "предопределять историю". Он пришел к следующему выводу: время больше не нуждается в гениях; ибо оно движется вперед к стадии социального развития, которая каждому работнику предоставляет достаточно досуга, чтобы вести "комфортное существование". Против этого исключения высшего развития жизни Ницше как индивидуалистический борец бросил слова: "Нет, цель человечества не может лежать в конце, а только в ее высших образцах". И поэтому необходимо преодолеть "историческую болезнь", независимо от того, заставляет ли она нас оптимистично верить, что благодаря социальному развитию мы видим вершину непосредственно перед собой, или фаталистически указывает нам на гибель. Не ученый, который видит только нечто ставшее, историческое, а свободный образованный человек, который ищет нечто сущее, вечное, использует историю на службе жизни. Не cogito ergo sum, а _vivo ergo cogito!_ должно быть нашим девизом.
Три образа человека воздвигла наша эпоха один за другим, чтобы прославить собственную жизнь. В третьем неактуальном размышлении: "Шопенгауэр как воспитатель" Ницше посвящает себя их проверке. Вот сначала человек Руссо, который в своей нужде, противостоя лжи цивилизации, взывает к святой природе. Только природа добра, только естественный человек человечен. Из такого познания могут произрасти страшные решения революционного преобразования.
Здесь также человек Гёте (Фауст). Его можно было бы считать высшим и самым смелым образом человека Руссо, если бы он одновременно был подлинным, своего рода религиозным и демоническим гением переворота, отрицающей силой из доброты. Но человек Гёте уклоняется здесь от человека Руссо; ибо он ненавидит всякое насильственное, всякий скачок — а это значит: всякое действие. Человек Гёте — это созерцательный человек в высоком стиле, сохраняющая и примиряющая сила. Немного больше дикости — и его добродетели стали бы больше. Это сам Гёте почувствовал. "Вы раздражительны и горьки, — говорит он через Ярно Вильгельму Мейстеру, — это хорошо и правильно, но если вы станете по-настоящему злыми, то будет ещё лучше".
Обратите внимание на этот ход мыслей, чтобы понять, почему Ницше требовал озлобления человека. "Необходимо, чтобы мы однажды стали по-настоящему злыми, чтобы стало лучше". Не бунт руссоистского человека считает Ницше идеалом, ибо в этом бунте скрыто чувство мести масс; но и не созерцательность и уживчивость гётевского человека может быть истинной целью, ибо здесь отсутствует претворение в решительное действие; чего требует Ницше, так это того способа отрицания и разрушения, который как раз является выражением стремления к чему-то вечно неразрушимому. Эту задачу выполняет человек Шопенгауэра. Этот человек обладает удивительным спокойствием для себя и своего личного блага, в своём познании полон сильного пожирающего огня; высоко вознесённый над угрюмыми и раздражительными размышлениями, он принимает на себя добровольные страдания истины, приобретает тот способ уничтожения, который является выражением стремления к чему-то вечно неразрушимому. Он знает, что это путь страдания, но не того бессмысленного страдания животной жизни, а героический жизненный путь, который стремится к человеку, но как к чему-то, что высоко стоит над нами. Всё остальное — продолжение животности, бегство от самих себя. "Ибо твое истинное существо не скрыто глубоко в тебе, а невообразимо высоко над тобой, или по крайней мере над тем, что ты обычно принимаешь за своё Я". Даже над величайшим человеком возвышается его собственный идеал.
Этот воинственный человек, которого наш философ называет шопенгауэровским человеком, на самом деле — ницшеанский человек.
Сначала мы видим в каждой личности лишь внешнее отражение её образа. Это отражение оживает лишь тогда, когда мы вливаем в него свою собственную кровь. Теперь, конечно, не было бы ничего ошибочнее, чем считать внутренне безучастного наблюдателя жизни, которого, например, Куно Фишер видел в Шопенгауэре, более подлинным, чем активного борца, которого узрел Ницше. Ницше постиг идею Шопенгауэра, Фишер же увидел лишь реальность, которая по сравнению с идеей всегда теряет в достоинстве.
Кроме честности, Ницше восхваляет у Шопенгауэра как выдающееся качество "подлинную возвышающую веселость". Это может быть понято превратно, если думать о дешевом оптимизме поверхностного весельчака, который слеп к страданиям мира. То, что Ницше видит глубоко в основе, — это веселость победителя, который, поскольку он мыслит самое глубокое, должен любить самое живое. И это толкование свидетельствует о субъективной доле Ницше в его идеальном образе Шопенгауэра. Только жизнеутверждающий пессимизм Ницше мог привести к тому, чтобы воскликнуть вместе с Гёте: "Что же такое живое существо за чудесная, драгоценная вещь! Как соразмерно оно своему состоянию, как истинно, как сущностно!" В то время как Шопенгауэр провозглашал: "Все прекрасно видеть, но ужасно быть".
И все же было бы ошибкой думать, что Ницше, говоря о Шопенгауэре, сознательно имел в виду самого себя. Всякое величие начинается с того, что человек любит великое и познает его в его истинной сущности. Так получают первое посвящение в культуру. В этом смысле Ницше любил Шопенгауэра и Вагнера. Но культура не удовлетворяется таким внутренним переживанием, а требует — и это нельзя повторять слишком часто — в конечном счете и прежде всего действия. То есть борьбы против всего, что противоречит высокой цели культуры — найти истинного человека, будь то эгоизм приобретателей, которые верят в необходимую связь между интеллектом и собственностью, между богатством и культурой, будь то эгоизм государства, которое считает великие массовые движения важнейшим и главным в истории, будь то эгоизм всех тех, кто притворяется и скрывает за элегантной формой свою варварство.
Мы взываем ко стольким вещам — и не только сегодня — к лидерам, которые должны вывести нас с ложного пути на путь истинный, и готовы без сопротивления следовать за ними, только не — в вопросах культуры. Что другие в науке и искусстве знают и умеют больше, мы признаём более или менее осознанно, но что нам также нужны воспитатели и руководители на пути к самим себе, что великие мыслители и поэты не думают и не творят для того, чтобы выдержать перед "общественным мнением" как перед экзаменационной комиссией, что они не ищут своих успехов в том, чтобы мы, как актёрам, аплодировали им, а следуем за ними, преображаясь по их образу с состязающейся душой: против этого всегда бодрствует пассивное сопротивление нашего комфорта. Ницше охарактеризовал его как лень метким словом: Общественные мнения — частные лени!
Идеалист
Самое ужасное для ученика — это то, что в конце концов он должен восстать против мастера. Чем сильнее то, что дает мастер, тем больше недовольство, даже отчаяние у принимающего.
Гёте.
Гётев призыв рассматривать дело человечества как своё собственное, пожалуй, не был столь страстно и преданно воспринят ни одним великим умом, как Ницше. Если мы назовём идеализмом стремление воплощать идеи и идеалы в индивидуальной и социальной жизни, то прежде всего должны назвать того идеалиста, который видел свою задачу в том, чтобы коренным образом перестроить всю культурную жизнь в этом смысле. Как гениальные образцы этого идеализма Ницше почитал и Шопенгауэра, и Вагнера. Но в то время как сравнение идеи и реальности привело Шопенгауэра к пессимистическому отрицанию самой жизни, Ницше отвергал лишь плоский оптимизм, довольствующийся достижениями временно данных жизненных условий, но не саму волю к жизни.
Отвращение от Шопенгауэра, следовательно, не могло не наступить; но оно не обязательно должно было повлечь за собой и отвращение от Вагнера; ибо как художник и тот утверждал жизнь. "Создания искусства — высшая цель наслаждения воли". Однако возникает вопрос: совмещалось ли ницшеанское почитание Вагнера с его высокой оценкой античности и "учением о здоровье жизни", которое он черпал из античности? Действительно ли соединяло творчество Вагнера дионисийское и аполлоническое, как античная трагедия? Или Вагнер все же стоял на почве христианства, независимо от того, осознавал он это или нет?
Античность и христианство, Ренессанс и Реформация, утверждение жизни ради её усиления и отрицание жизни ради спасения души: для Ницше это были взаимоисключающие противоположности, требовавшие от исповедника безусловного выбора. Конечно, драматург может с равной художественной любовью относиться к представителям обоих контрастов, как это действительно происходит у Вагнера, и в одном произведении праздновать победу самодержавной личности — вспомним Вальтера Штольцинга и Зигфрида — а в другом, напротив — вспомним Тангейзера и Парсифаля — изображать отречение от личности ради метафизического единства; но этим вопрос не снимается, к чему в конечном счёте привержен он и его искусство. Ницше верил, что Вагнер утверждает жизнь в античном смысле. Он считал, что его искусство может полностью отвратить немцев от "застоявшегося христианства", его немецкая мифология может оказаться ослабляющей и приучить к политеизму. Но не только осознание христианских тенденций Вагнера привело к отчуждению Ницше, а оно произошло в эстетической сфере. Искусство в духе античной трагедии или современный театр? Это был решающий вопрос. Рождение аполлонической визии из дионисийского духа музыки или натуралистически действующая иллюзия сцены, подчиняющая себе музыку? Будет ли сценическое действие в будущем в своем истинном существе лишь визуализацией глубоко внутренних процессов, которые мы переживаем в симфониях Бетховена, или, наоборот, сцена и певцы будут определять характер музыки?
Уже когда Вагнер в привлечении хора в Девятой симфонии увидел торжественное признание границ абсолютной музыки и освобождение к всеобщему искусству, Ницше назвал это представление "чудовищным эстетическим суеверием"; ибо симфонист стремился не к непонятному слову, а к более приятному и радостному звуку. Это высказывание имеет симптоматическое значение; ибо оно доказывает, что Ницше никогда, даже в период самого горячего поклонения Вагнеру, не видел в равноправном объединении искусств в театре как таковом цели, которая превосходила бы высокую ценность абсолютной музыки.
Пока Вагнер называл поэта создателем, а музыку — рождающей и тем самым признавал в своих произведениях равноправие поэтического искусства и музыки, Ницше видел в том обстоятельстве, что текст у Вагнера всё ещё определяет музыку, лишь последствие оперной тенденции и называл требование драматического певца, изменяющего музыку, само по себе противоестественным.
Только если мы представим себе решительную антипатию Ницше ко всему театральному во всей её отчётливости, мы сможем получить истинное представление о его взглядах. Тогда для нас проблема уже не будет звучать как "как Ницше мог стать противником Байройта", а как: "как было возможно, что он не осознал своего противоречия с самого начала?" Объяснение этому вытекает из пяти обстоятельств:
Ницше чувствовал себя единым с Вагнером в почитании Шопенгауэра.
Он обнаружил у Вагнера то же презрение к тому, что образованные люди в Германии ошибочно называли культурой и что Вагнер именовал "военной цивилизацией".
Он восхищался "Тристаном и Изольдой", когда сначала познакомился с этим произведением, наиболее далёким от театральности, по клавирному извлечению, а затем услышал его в Мюнхене под управлением Бюлова.
Его личное общение с Вагнером открыло перед ним образ гения, служению которому, по Шопенгауэру, считается высшей задачей того, кто стремится способствовать культурному развитию своего народа.
И наконец: он предался вере, что в Байройте возникнет новая художественная форма как окончательная победа над всякой театральностью.
Здесь возникает для нас вопрос: Как представлял себе Ницше эту форму искусства? Мы уже знаем, что он оценивал античную трагедию как видение, возникшее из духа музыки. Музыка и мимика казались ему существенным. Поскольку и Вагнер придавал наибольшее значение понятному само по себе действию, то есть мимике, Ницше пришел к выводу, что Вагнер стремится неосознанно к форме искусства, в которой преодолено изначальное зло оперы, а именно: "величайшая симфония", главные инструменты которой поют песню, которая может быть осмыслена через действие.
Совпадало ли это предположение на самом деле с тем, что Вагнер, объединяя все искусства, признал своей задачей, не противоречила ли эта подчиненность слова в принципе его цели? Мы можем воздержаться от ответа на этот вопрос с нашей стороны, ибо сам Ницше все яснее осознавал противоречивость своего взгляда взгляду Вагнера. Таким образом, для него оставались только две возможности. Либо он обращался к цели Вагнера, либо признавал: здесь наши пути расходятся.
Что его природе была открыта лишь последняя из этих решений, становится ясно, когда мы обращаем внимание на то, с каким рвением он подчеркивал "отвратительный вид певца", восставал против "ложности" понятия драматической музыки и какое симптоматическое значение придавал сопротивлению, с которым сталкивалось стремление Вагнера, и видел в этом не непонимание, а инстинктивную неприязнь.
Понимание и желание давно уже боролись друг с другом, прежде чем он осознал это. Его тоска и глубинная потребность души были направлены на то, чтобы в преданной, но сохраняющей самостоятельность суждения дружбе с Вагнером совместно вести борьбу за возрождение немецкой сущности.
Более богатый жизненный опыт позволил Вагнеру гораздо раньше Ницше предчувствовать опасности, которые грозили их дружбе из-за подсознательных противоречий в их взглядах. Вновь и вновь возникали случайные разногласия, которые в биографиях Ницше обычно оцениваются лишь как необоснованные недоразумения. Фрау Фёрстер объясняет их склонностью Вагнера к недоверию, но если мы заглянем вглубь, то обнаружим смутное чувство Вагнера, что Ницше противоречит его собственной природе и, возможно, его высокой цели.
Хотя Ницше и признавал театр единственной основой для художественного возрождения масс, но когда Байройтское предприятие в следующие годы оказалось на грани провала, его страстная любовь к истине побудила его хотя бы перед самим собой отчитаться, почему же так происходит. Из его наследия мы знаем, что в 1874 году, то есть за два года до первых театральных фестивалей, он признался себе, что́ именно в Вагнере казалось ему чуждым. Он видел в Вагнере "перемещённого актёра", который хочет подражать человеку лишь как самому действенному и подлинному: в высшем аффекте, и в этих записанных самодиалогах, чрезвычайно характерных для его антитеатральной натуры, приходит к восклицанию: "Опьяняющее, чувственное, экстатическое, внезапное, возбуждение любой ценой — ужасные тенденции!" Уже тогда он видит и в театральности Вагнера, смело борющейся против времени, враждебного искусству: "Яд против яда".
Нужно представить себе эти противоречивые чувства и мысли, чтобы понять, как тяжело было Ницше завершить свою четвертую несвоевременную рассмотрение: "Рихард Вагнер в Байройте". Биография Вагнера была ему известна из его автобиографии, напечатанной в нескольких экземплярах для друзей, там он узнал о бурной воле в стремительном потоке и считал, что "связанный с узким духом, такой воля при своем безграничном тираническом стремлении могла бы стать роковой"; но он знал также, благодаря произведениям и личному общению, "творческую, безвинную, более светлую сферу" в сущности Вагнера и воссоздавал в памяти противоречие и потрясающие трагические конфликты, которые следовали из двойственной природы Вагнера, чтобы восхищаться настойчивостью, с которой тот сохранял верность своему высшему "я", требовавшему целостных деяний его многоголосой сущности.
Но снова и снова проявляется противоречие его собственной природы против любой преданности аффекту и заставляет нас с особой силой пережить внутренний отход от Байройта. Это одновременно означает отход Ницше от его прежней высокой оценки искусства вообще. Он спрашивает себя, какая задача отведена современному искусству, и отвечает: тупость или опьянение! Так или иначе, современная душа требует хотя бы на мгновения привести сознание к незнанию. Искусство не должно возвращать его к невинности, а лишь помочь преодолеть чувство вины. Кто хотел бы восстановить нетронутую святость искусства, какой обладали греки, тот должен был бы сначала освободиться от современной души. Как предательски звучат его слова, выдающие глубинные противоречия: "Подчиняясь, казалось бы, изливающейся и переполняющей природе Вагнера, созерцающий сам причастен к её силе и таким образом как бы становится могущественным против него через него; и каждый, кто тщательно исследует себя, знает, что даже для созерцания нужна таинственная враждебность, враждебность встречного взгляда".
Он еще не отвергает дифирамбического драматурга, еще не считает себя вправе это делать, ибо сначала нужно претворить Байройт в дело, но уже встает перед ним вопрос: почему искусство может стать опасностью? Он отвечает: Если наслаждающийся искусством относится к нему так же серьезно, как только творить и может творить, то близок соблазн слишком легко отнестись к самой жизни. Переоценка искусства усиливает тоску по высоте, но парализует тоску из высоты к глубине, любящее стремление к земле ("Друзья, оставайтесь верны земле!") и к счастью общности. Вероятно, Вагнер энергично сопротивлялся любому виду искусства, которое претендует лишь на роскошь, и стремился говорить языком единственного доселе художника, "поэтического народа"; вероятно, ему удалось создать в "Тристане и Изольде" подлинное Opus metaphysicum всего искусства, в "Нюрнбергских мейстерзингерах" — пробудить истинную немецкую веселость, которой не хватает современности, но произведение за произведением воспринималось временем лишь как средство удовлетворения мнимых потребностей; вероятно, серьёзные друзья предвещали подспудное движение многих душ и, быть может, семя подлинно человеческого общества, которое завершится в далёком будущем.
Будет ли это движение действительно достаточно могущественным, чтобы поставить искусство на службу новой жизни? От того, как будет отвечено на этот вопрос, зависит для Ницше не только значение Байройта, но и значение искусства как такового для нашего времени. Каждое произведение искусства противоречит самому себе, если не может быть понято в своем истинном смысле. "Чтобы событие обрело величие, должны совпасть две вещи: великий смысл тех, кто его совершает, и великий смысл тех, кто его переживает". Если этого единства нет, то и произведение обречено, ибо "само по себе ни одно событие не имеет величия". Только достигнув своей намеченной цели, оно обретает исполнение. Лишь если в Байройте о успехе будет решать слушатель, переживающий музыку из ее духа, а не сентиментальный слушатель, который как моральное существо подчиняется аффекту, лишь тогда оно исполнит свою цель. Ибо любое театр как таковое, будучи приспособленным для масс, означает нечто ниже искусства. Театр не должен становиться господином над искусствами!
Так, веря и сомневаясь, надеясь и страшась, Ницше считал себя обязанным с теплым красноречием, с глубокой воодушевленностью выступать и содействовать Байройту и наложить на свои сомнения, можно ли возродить искусство из театра, "пятилетнее пифагорейское молчание". Сначала произведение должно было стать делом, должно было сойти со сцены во всей своей живости, чтобы показать, не найдет ли оно все же предназначенную аудиторию и не сможет ли утвердиться как утреннее посвящение в борьбе за культуру.
Болезнь помешала Ницше в 1875 году последовать приглашению Вагнера и присутствовать на репетициях и первых пробах. Так он попал на первые театральные фестивали в Байройт только в 1876 году — и был глубоко разочарован! Нет, это был не тот праздник, на который он надеялся в высшей идеальности, где присутствовали бы только призванные, несовременные люди, идеальные зрители, а Вагнер, вынужденный финансовыми трудностями, должен был открыть двери дома и для любопытных и злонамеренных. По мнению Ницше, именно они придали фестивалю его характер. К огорчению и Вагнера. "Первоначально запланированное предприятие, таким образом, по сути полностью провалилось", — писал он с болью еще до фестивалей моему отцу, имея в виду необходимость допустить не только покровителей, но и любопытных. Вагнер мог найти утешение в том, что, несмотря на всю недоброжелательность обстоятельств, ему удалось создать великий пример стилистически соответствующего исполнения своего произведения ("О друг Геккель, это было хорошо!"). Ницше же видел только крах своих наивысших культурных надежд. Теперь и само произведение для него уже не означало "величайшую симфонию", а лишь "большую оперу". Вагнер, по крайней мере, мог радоваться воздействию на истинно призванных, Ницше же видел только силу нервного воздействия на непризванных. Влияние музыки, которое он уже раньше считал роковым, никоим образом не соответствовало умеренности древних, которую он считал соответствующей человеческой природе. Он содрогался перед натурализмом жеста, пения в сравнении с оркестром. Конечно, произведение Вагнера оставалось высшим, что могла предложить современное искусство, но оно не означало общее омовение душ. "Там пробуждается новый гений, там раскрывается царство добра!" — провозгласил Ницше как идеалист в пылающем воодушевлении, и теперь он видел свои ожидания обманутыми, свои прекраснейшие надежды уничтоженными, преждевременно он уехал из Байройта… "его глаза были полны слез".
Позитивист
Внутренняя тенденция непосредственно установить полную гармонию между спекулятивной и активной жизнью в конечном счете должна рассматриваться как счастливая привилегия позитивного духа.
Комт.
Где мы с любовью почитаем, наше чувство воспринимает как кощунство желание трезво познавать. Это хорошо. Ибо к любви принадлежит стыд и уважение к атмосфере, окружающей почитаемого человека или предмет. То, что энтузиасту кажется истиной, цинику представляется иллюзией. Но, возможно, лишь потому, что ему недостает органа для сущностного сопереживания, которым обладает любовь. Мы не можем и не должны всегда оценивать так, как познаем без благоговения; ибо такое познание в некоторых обстоятельствах оказывается враждебным жизни. Аромат цветка можно уничтожить, только разрушив сам цветок. Защищать ценность иллюзии для жизни с чистой совестью остается задачей для каждого, кто ценит жизнь как таковую.
Но что, если наша высшая любовь и почитание принадлежат самому познанию? Не должны ли мы тогда, из любви, нападать на любое другое чувство, почитающее иллюзию, то есть всё же прорывать атмосферу? Мы должны это делать как в исследовании не-Я, так и по отношению к самим себе. Принуждение, полное роковой трагичности: "Познавший себя — сам себе палач". У Ницше эта трагичность углубилась потрясающим образом; ибо его любовь принадлежит не только идее познания, но одновременно и иллюзии жизни.
Только тот, кто чувствует и осмысливает глубину проблемы, которую представляет этот конфликт, понимает, какое требование он предъявлял к Ницше. Человек, мыслящий нечисто, спасается компромиссами; тот, кто мыслит чисто, должен менять свои мнения, как меняют изношенную одежду. Но именно эта смена убеждений из убеждения, эта неверность из верности остается недоступной большинству людей. Только там, где существует этот высший героизм радикального решения, Ницше видит своих равных. В этом глубокий смысл его слов: "Только тот, кто меняется, остается со мной в родстве". Пусть же никто не думает, что знает Ницше, человека и мыслителя, если ему не открывается в полном значении этот героизм, сделавший Ницше трагической фигурой редкой величины.
По Протагору, человек — мера всех вещей. Истина — нечто относительное. Это значит: она действительна лишь в отношении и в сравнении с чем-то. Нет абсолютной истины, независимой от таких сравнений. Единственная возможность соединить в одно целое слепую любовь и ослеплённое познание открылась Ницше через понимание относительности всех человеческих оценок. Радикальный релятивизм, как бы парадоксально ни звучало это название, стал его целью. Его целью, но не данной предпосылкой. И потому это требовало борьбы, которая потрясающе разыгрывалась в его сущности и в его произведениях выражалась с мощной страстью.
Он, пока идеалистическое почитание имело в нём перевес, в целом утверждал Шопенгауэра и Вагнера, а в частностях отрицал, и он, когда позитивистский познавательный порыв обрёл перевес, в целом отрицал Шопенгауэра и Вагнера, но в частностях утверждал. В этом не было никакого миролюбивого примирительного произвола, а была воинственно решающая необходимость, чтобы обеспечить победу своему релятивистски оценивающему "я". Однако не следует путать релятивизм с объективностью. Та хочет заглушить голос субъекта, этот стремится гармонично соединить оба голоса.
Слишком легко отделаться, если различать у Ницше лишь два полярно различных периода — период поклонения и период познания — и не учитывать при этом, как там, так и здесь, преобладающее стремление к точке безразличия между этими полюсами, то есть желание перекинуть мост через противоположности. Его отношение к Шопенгауэру и Вагнеру предлагает наиболее яркие, но не единственные примеры дружественно-враждебных суждений.
В 1870 году Ницше получил в подарок от своей сестры произведения Лабрюйера и Вовенарга, а от фрау Вагнер — произведения Монтеня. Влияние французских моралистов на него было чрезвычайным. Не только то, что он научился ценить у них афоризм, но и то, что он чувствовал себя ближе к античности с упомянутыми, включая Фонтенеля и Шамфора, чем с какой-либо другой группой народов. Они означали для него важное звено в великой и непрерывной цепи Ренессанса. Ницше ценил их ясность и изящную определенность, а также французский остроумие выражения. Без сомнения, они благоприятно повлияли на кристально чистый стиль его афоризмов.
Уже в своей третьей "Несвоевременной размышлении" Ницше писал: "Я знаю только одного писателя, которого в вопросе честности ставлю наравне с Шопенгауэром, а то и выше: это Монтень. То, что такой человек писал, поистине увеличило радость жить на этой земле". Монтень был релятивистом, как и Гёте. Как релятивист проявляет себя и Ницше в своей оценке французских моралистов. При всем уважении к их тонкому обращению с деликатными проблемами, все же проявляется его противоположность, особенно в вопросе пессимизма. У Лабрюйера он с отвращением ощущал угнетенность, проистекающую из низкого социального положения, у Фонтенеля сомневался, не казались ли самому автору его бессмертные "Разговоры мертвых" пародией на безобидный остроумие, у Шамфора сокрушался, что инстинкт мести, как материнское наследство, оказался сильнее его мудрости и заставил его в эпоху революции надеть одеяние черни, как его род рясы из мешковины, а у самого знатного из всех презирателей людей, у Ларошфуко, он ценил ясное понимание движущих сил человеческой души, но отвергал их "христиански омраченную оценку".
Эти высказывания частично содержатся в книге для свободных умов "Человеческое, слишком человеческое", рассмотрению которой посвящена эта глава. Они показывают нам Ницше как тонкого психолога, который скептически относится к любой абсолютной оценке и всегда спрашивает: истинно — в какой мере? свободно — для чего? хорошо — для кого и для чего?
Книга была написана в основном в Сорренто. Там Ницше провел несколько месяцев вскоре после Байройтских фестивалей вместе с Мальвидой фон Мейзенбуг, автором "Мемуаров идеалистки", д-ром Паулем Ре, автором "Психологических наблюдений", и молодым поэтом Альбертом Бреннером. Из-за состояния здоровья, которое постоянно ухудшалось из-за сильных приступов мигрени, он взял годичный отпуск в Базельском университете. Новый друг, приобретенный в Байройте, барон фон Зейдлиц, также приехал в Сорренто. Кроме того, его там посетил д-р Михаэль Георг Конрад, который, благодаря своему чутью на независимые умы, рано открыл для себя и Ницше.
В "Человеческом, слишком человеческом" происходит отказ Ницше от гения в пользу мудреца, от монархического искусства к республиканской науке, от идеалистической метафизики к реалистическому позитивизму. Позитивизм, как уже говорит его название, ограничивается тем, что дано опытом как "положительное". Он не оставляет места для религиозных и метафизических оснований. Он приобрел философское значение прежде всего во Франции благодаря Конту и в Англии благодаря Миллю и Спенсеру.
С неумолимой строгостью Ницше как позитивист проверял самого себя и всё, к чему было привязано его сердце. Но его удовлетворяла не одна лишь радость исследования, а тянуло к "птичьей свободе", "птичьему обзору", "птичьему удальству".
Он отрекается от моральной воли Шопенгауэра и романтизма Вагнера, стремится возвыситься над всякой безусловностью и освободиться от всякого исключительного поклонения. Позднее он истолковал этот подход как "отталкивание самого приятного, часто самого почитаемого".
Представление о развитии по следам Дарвина теперь овладевает Ницше. Он требует в духе естественных наук исторического философствования. Оно должно принципиально отказываться от всякой метафизики и учить нас: то, что мы теперь называем жизнью и опытом человека, возникло постепенно и всё ещё полностью находится в процессе становления. До сих пор оно развивалось бессознательно и искало свою поддержку прежде всего в религии и искусстве. Теперь же, подчёркивая значение науки для культуры, Ницше ставит нас перед важным решением. Он говорит: люди могут и должны теперь сознательно решить развиваться дальше к новой культуре. Чтобы это осуществить, они должны обрести полную ясность в том, что вредит культурному возвышению жизни, а что способствует ему. Колоссальная задача великих умов настоящего и будущего заключается в том, чтобы познать условия культуры. Философия, следовательно, должна заменить религию. Способна ли она на это? Ницше говорит: она может, исполняя её обоснованные потребности и устраняя её заблуждения, такие как христианская душевная нужда, стоны о внутренней испорченности, забота о вечном спасении. Искусство может лишь облегчить переход, разгружая перегруженное чувствами сердце. Слова вроде пессимизм и оптимизм теряют здесь своё право на существование, ибо они происходят из теологического понимания мира. Как поносящему, так и прославляющему мировоззрению мы должны воздерживаться; вместо этого следует сознательно исследовать и профессионально проверять, как химик. Психологическое наблюдение теперь признаётся Ницше необходимым, ибо величайшие философские заблуждения возникли лишь потому, что до сих пор отсутствовал психологический анализ. Нужно обнажить Человеческое, слишком человеческое, чтобы таким образом добраться до истока наших убеждений и поступков.
Такие испытания не только позволяют нам избегать вредного, но и приводят к положительным результатам, которые, кажется, способны нас возвысить. Таким образом мы приходим к суверенной оценке жизни. Например, когда Ницше учит нас: злоба не ставит своей целью саму по себе боль другого, а две точки зрения — самооборона и самосохранение — достаточны, чтобы объяснить нам, что и человек, который кажется нам злобным, в основе своей стремится лишь к удовольствию для себя или к отражению неприятностей. Скажем себе, что всё происходит по необходимости, и вывод о безответственности человека приведёт нас к тому, чтобы переосмыслить понятия вины и греховности. При таком переосмыслении мы приходим к пониманию: злые поступки с равным правом можно назвать огрубевшими добрыми, как и добрые мы должны объяснять сублимированными злыми. Но даже там, где отсутствует понимание подоплёки, мы не обречены на отчаяние; ибо перед лицом зла, причину которого мы не в силах устранить, нашей жизненной смелости всегда остаётся возможность переосмыслить его в добро, польза которого, возможно, станет очевидной лишь позже.
Но такая жизненная мудрость, соединенная с энергией, чтобы претворить ее в дело, приобретается лишь тем, кто находит время подумать о себе и о жизни. Чиновники, купцы, ученые обычно действуют лишь как родовые существа, а не как вполне определенные, единственные в своем роде люди; как такие они ленивы. При этом важно не только культивировать самопознание, но и целенаправленно направлять волю на раскрытие собственного "я". Еще выше слова: "Познай самого себя!" должно стоять напутствие: "Хотите быть самим собой!"
Благодаря досугу, который она нам дарит, даже болезнь приобретает ценность; ибо она способствует размышлениям о себе и побуждает нас целесообразно формировать свои взгляды. Нужно иметь твердые спокойные линии на горизонте своей жизни, как бы горные и лесные линии, иначе не будет счастья и не дашь счастья. Но даже против счастья часто восстает наше жизнеотрицание. В своем тщеславии мы так высоко ценим отличие, заключенное в несчастье, что обычно протестуем, когда кто-то называет нас счастливыми, как будто чувствовать себя счастливым — это знак поверхностности, непритязательности, обыденности.
Для сознательной проверки нашего образа жизни Ницше в своих афоризмах дает нам таким образом множество указаний, которые учат нас, как мы можем освободиться от своих душевных препятствий, чтобы стремиться к тому космополитизму духа, который без высокомерия может сказать: ничего духовного мне более не чуждо.
Мы тщетно ищем здесь восхваление искусства; ибо страстное увлечение им в ущерб другим факторам культуры привело после кризиса в Байройте к противоположному движению маятника его оценки — к критической отстраненности от искусства. Однако мы не должны видеть в этом противоречивый переворот его сущностного воззрения, как это часто случается при поверхностном рассмотрении. Его взгляд был и оставался направлен на культуру. Теперь приобретенная более высокая точка зрения заставила его искать дополнение, служащее противоядием от опасностей искусства. Он нашел его в культе культуры, который умеет оказывать понимающее признание и материальному, несовершенному, а также злу и ужасному, признавая, что все это необходимо. Мелодия не может обойтись без генерального баса, учит нас Ницше как музыкант и мыслитель.
Сохраняя тенденцию такого балансирования, мы теперь видим, как вертикально восходящая строгость идеала шопенгауэровского человека соединяется с горизонтально распространяющейся терпимостью, примерно в смысле Гете. Субъективная взволнованность эмоциональной интуиции перед байройтским кризисом уравновешивается объективным спокойствием исторической критики, жар инстинктивного понимания охлаждается льдом интеллектуальной проверки. Ницше отнюдь не хочет оскорблять то, что он некогда почитал, а лишь установить относительность таких оценок через историческое освещение. "Нужно любить религию и искусство как мать и кормилицу — иначе нельзя стать мудрым".
Иногда, если он всё же приходит к односторонней оценке, он сам призывает читателя к дополнению. Так, к утверждению, что дальнейшее существование искусства для нас лишь во вред, ибо без искусства люди имели бы больше досуга, чтобы размышлять о своей работе и о радостях, которые они могли бы проявить, он добавляет слова: "Несомненно, найдётся немало сильных и разумных читателей, которые сумеют здесь сделать хорошее возражение". Гёте, возможно, ответил бы ему то, что он написал Каролине Гердер по поводу подобного замечания: "Почему не следует почитать всё, что возвышает дух и помогает нам пройти через тяжёлую жизнь! Если вы отбросите соль, чем же тогда солить?" И, несомненно, Ницше тоже признал бы справедливым ответ, что посредством искусства мы стремимся не от себя прочь, а, напротив, к себе и за свои пределы.
"Человеческое, слишком человеческое" содержит, помимо обилия бессмертных афоризмов мудрости, безусловно, еще много незрелых плодов, что само собой разумеется для книги, которая лишь прокладывает путь от некритического энтузиазма. Здесь Ницше по-прежнему предстает перед нами в основном как ищущий. "Патос обладания истиной теперь значит очень мало по сравнению с тем, правда, более мягким и беззвучным пафосом поиска истины, который не устает переучиваться и заново проверять". То, что Ницше был сам себе сознателен в том, что всякое эмпирическое исследование может означать лишь дополнение и исправление его прежних воззрений, свидетельствуют нам найденные в его наследии слова, которые он намеревался включить в предисловие: "Необходимо вобрать в себя весь позитивизм и все же оставаться носителем идеализма".
Свободный дух
Человек поступает наиболее правдиво, когда из всех существующих в данный момент целей он следует самой высокой.
Буркхардт.
Не все идеи, которые Ницше публиковал вне систематических связей, можно назвать в собственном смысле афоризмами. Только те мысли, которые представлены в особой, отточенной художественной форме и обрели свою самодовлеющую завершенность или заостренность, заслуживают такого названия. Первая часть "Человеческого, слишком человеческого", в которой главным образом идеи, собранные Ницше изначально под заголовком "Плуг", нашли почти систематическое, как можно сказать, объединение, содержит гораздо меньше настоящих афоризмов, чем вторая часть, включающая две изначально самостоятельные сборники "Смешанные мнения и изречения" и "Странник и его тень". В первой части мы встречаем расположение по основным разделам, в которые отдельные рассуждения органично вписываются, тогда как афоризмы второй части, хотя и часто составленные параллельно тому делению первой, проявляют гораздо большую самостоятельность и носят характер сентенций и максим.
Они показывают нам Ницше прежде всего как тонкого исследователя человеческих инстинктов и чувств. Возможно, психология обязана его идеям гораздо больше, чем осознает. Только благодаря ницшевскому пониманию того, насколько все относительно должно оцениваться, была создана та атмосфера, в которой она смогла развиться до своего нынешнего состояния. Психоаналитик встречает у Ницше высказывания, которые сегодня считаются догмами. Например, когда Ницше в афоризме "Из толкования снов" говорит: "Что иногда наяву не знаешь и не чувствуешь точно — есть ли у тебя хорошая или плохая совесть по отношению к человеку, — об этом совершенно недвусмысленно учит сон".
Для проверки фактического, как это проявляется во втором периоде его творчества, Ницше, безусловно, в значительной степени был вдохновлён "Историей материализма" Ф. А. Ланге. Ему он обязан многим. Прежде всего — более глубокому пониманию открытия Кантом наших форм созерцания. Уже будучи студентом, он изложил в письме фон Герсдорфу в трёх предложениях то, что Ланге говорил ему об этом. Мир чувств — это продукт нашей организации. Но это относится и к нашим органам самим по себе. Наша истинная организация остаётся для нас столь же неизвестной, как и истинные внешние вещи; ибо перед нами всегда лишь продукт обоих.
Эта идея должна была со временем привести к отказу от взгляда Шопенгауэра, что самосознание дает нам метафизическое понимание, и направить Ницше на позитивистское исследование организации. Задача, которую он поставил перед собой в "Человеческом, слишком человеческом", может быть охарактеризована следующим образом: чтобы понять происхождение и развитие понятий, необходимо изучить физические и психические предпосылки нашей организации, причем только с точки зрения их фактичности, оставляя в стороне вопрос об их индивидуальной и социальной ценности.
Упоминание Ф. А. Ланге дает нам повод рассмотреть спорный вопрос: читал ли Ницше Штирнера, а значит, знал ли его главное произведение "Единственный и его собственность"? Ни в своих работах, ни в письмах он не упоминает Штирнера. Также нет достоверных свидетельств, что он когда-либо произносил его имя в разговорах. Однако Овербек установил факт, что Ницше обратил внимание своего ученика Баумгартнера на Штирнера. Следовательно, Ницше все же знал о Штирнере. Вероятно, через Ланге. Из его книги он узнал, что Штирнер "самым безжалостным и последовательным образом проповедовал эгоизм", а также, что Штирнер отвергал не только всякую моральную идею, но и все, что возвышается над индивидом и его произволом как внешняя власть, вера или просто понятие. Вот что знал Ницше. Но это знание о существовании Штирнера и его прославлении эгоизма еще не доказывает, что Ницше держал в руках само произведение Штирнера. Поэтому нам придется искать внутренние доказательства. Возможно, они решат вопрос.
Штирнер и Ницше — самые значительные сознательные поборники духовной независимости. Между ними существует типичное родство душ. Только они довели до крайних последствий свои идеи о самодержавии индивида. Поэтому возникает множество точек соприкосновения. Тем не менее нигде не найти высказывания Ницше, которое указывало бы на отцовство Штирнера. Но бросаются в глаза не только духовные совпадения, но и противоречия. Штирнер признает реальностью только отдельного человека. Ни один человек не равен другому. Каждый — уникален. Каждому от природы дано право считать мир своей собственностью и обращаться с ним и со всеми другими людьми в соответствии со своей природой и своим усмотрением. Пусть каждый сопротивляется этому, как только может. Ницше исходит из совершенно иного убеждения. Человек изначально социально предрасположен. Только через культуру он развивается в самодержавную личность. Таким образом, для Ницше то, что Штирнер принимает как естественную предпосылку, не является предпосылкой, а выступает как культурная цель. Это создает большое различие. Штирнер отвергает государство с радикальной, но односторонней последовательностью для каждого человека, не ставя вопроса о способности к самообладанию и самоопределению. Как иначе Ницше. Последний как раз возлагает на государство задачу обуздывать зверя в человеке, чтобы человек в человеке смог раскрыться. Ницше стремится к различению рангов, определяемому ценностью личности отдельного человека и типичной ценностью классов; Штирнер, напротив, не признает никакой иерархии. Штирнер пришел своим путем к высоконравственному прославлению анархии. Ницше пришел к столь же высоконравственному прославлению господства и владычества, которое призвано сдерживать распущенность необузданных натур.
В своих отрицаниях они иногда сходятся. Например, когда Штирнер пишет: "Не называй людей грешниками: ты, который думаешь, что любишь людей, именно ты бросаешь их в грязь греха… Я же говорю тебе, ты никогда не видел грешника, ты только… мечтал о нём". Так думал и Ницше. Но при сравнении их положительных требований не обнаруживается не только никакого совпадения, но и решительное противоречие. Однако ни в коем случае нельзя найти доказательств того, что Ницше должен был читать Штирнера.
Возможно, нам удастся привести косвенные доказательства противоположного утверждения. Ницше всегда выбирал себе величайших как достойных противников. Не какого-то Хинца или Кунца он клеймил как образовательного филистера, а Давида Фридриха Штрауса; не какого-то случайного университетского профессора он атаковал, чтобы поразить рационализм, а Сократа, и когда ему нужно было выставить свое эллинизм против христианства в области искусства, он с кровоточащим сердцем переоценил Вагнера как противника.
И это типичное стремление Ницше к достойному противнику должно было в данном случае обратиться в свою противоположность? Когда Ницше боролся с пессимизмом и анархизмом как с родственными учениями о бессилии и отчаянии, когда он буквально говорил: между христианином и анархистом можно поставить полное равенство: их цель, их инстинкт направлены только на разрушение, неужели он не бросил вызов характерному представителю анархизма, несмотря на знакомство с его трудом? Это противоречило бы любому психологическому предположению. Нет, Ницше, конечно, знал о Штирнере, но никогда не читал его книгу.
– Ницше хотел изначально опубликовать "Человеческое, слишком человеческое" анонимно, чтобы обеспечить объективную дискуссию и щадить чувства своих друзей, но перед ними самими признать своё авторство. Открытая честность, с которой он анализировал себя, дала ему уверенность в том, что и его друзья окажутся достаточно великодушны, чтобы позволить себе такую же откровенность. Таким образом, по словам Бернулли, следующее высказывание относится к Овербеку: "Большинство мыслителей пишут плохо, потому что они передают не только свои мысли, но и процесс мышления этих мыслей".
Особенно богата книга такими анализами Вагнера. Отъезд Ницше из Байройта — мы это уже знаем — ещё не означал для него отречения от личности Вагнера. После фестиваля Вагнер тоже находился в Сорренто, и состоялось около шести встреч. На последней Вагнер, как говорят, изложил другу свой замысел "Парсифаля"; к ужасу Ницше, который с тех пор считал его на пути к "германскому язычеству". Во всяком случае, и этот разговор не привёл к открытому разрыву, ведь позже Вагнер прислал Ницше своё стихотворение "Парсифаль" с посвящением: "Моему дорогому другу Фридриху Ницше. Ричард Вагнер, оберкирхенрат". Юмористическая добавка действительно не позволяет поверить в личную ссору! И Ницше сопроводил передачу "Человеческого, слишком человеческого" Вагнеру дружеским посвящением в стихах.
И все же эта отправка привела к прояснению и — разрыву. Отправки не происходили одновременно. Только в более поздних воспоминаниях Ницше они "пересекались". Эта ошибка памяти становится значимой, если рассматривать ее в свете психоанализа. Она раскрывает нам, как подсознание Ницше относилось к этому решению: оно стало необходимым для обеих сторон, не по чьей-либо произвольной вине, ни с одной, ни с другой стороны; оно произошло "одновременно", когда их новые произведения "пересекались", как пересекаются шпаги двух дуэлянтов.
Разрыв не планировался, но действительно требовалась полная наивность и идеалистическое мировоззрение гения, чтобы заставить Ницше поверить: Вагнер благожелательно воспримет его афоризмы. Даже откровенность имеет свои пределы, когда речь идет о сохранении собственного жизненного труда. Вагнер знал, что находится в гуще борьбы за спасение своего великого, но находящегося под угрозой предприятия. Как он мог допустить высказывания друга, которые так решительно оспаривали его ценность? Он не ответил напрямую. Но в статье "Байройтских листов" "Публика и популярность" его отказ прозвучал ясно и резко, хотя он избегал называть имя. В другой статье "Будем ли мы надеяться?" он коснулся неприятного для него суждения Ницше о Лютере.
Сестра Ницше тщетно пыталась наладить взаимопонимание в письме, адресованном в "Ванфрид". Фрау Вагнер ответила ей, что новое произведение Ницше можно оправдать лишь как патологическое, но ни в коем случае не признать его ценным. Таким образом, всякое личное общение стало невозможным. Лишь меланхолическое, дружеское воспоминание продолжало течь подводным течением; ведь сколько красоты и величия они вместе стремились достичь, какое счастье, полное блаженных надежд, они вместе испытали в Трибшене!
Вагнера огорчало, что отныне он "должен быть полностью исключен из участия в жизни и нуждах Ницше", и поэтому он горячо просил Овербека сообщать ему новости о их общем друге. Он писал: "Хотя я всегда чувствовал, что Ницше, соединяясь со мной, был охвачен духовным жизненным кризисом, и мне казалось удивительным, что этот кризис мог породить в нем столь душевный, сияющий и согревающий огонь, как тот, что проявился в нем к изумлению всех, и я с подлинным ужасом должен был увидеть в последнем решении его внутреннего жизненного процесса, как сильно и в конце концов невыносимо этот кризис должен был его угнетать: я должен, наконец, признать, что с таким насильственным психическим процессом с моральных позиций невозможно справиться, и остается лишь потрясенное молчание".
Ницше, в свою очередь, снова и снова просил Мальвиду фон Мейзенбуг рассказывать ему о Вагнере и писал барону фон Зейдлицу, что ему очень приятно и желательно, чтобы один из его друзей проявлял к Вагнеру доброту и дружелюбие, на что он сам уже не способен. "Его и мои стремления расходятся. Это причиняет мне достаточно боли — но во имя истины нужно быть готовым к любой жертве".
Запланированная на то время книга "Новый обзор" должна была содержать следующие слова: "О Вагнере, как и о Шопенгауэре, можно говорить беспристрастно, даже при их жизни — их величие останется победоносным, что бы ни пришлось положить на другую чашу весов. Тем более следует предупреждать об опасности их влияния".
Разрыв с Вагнером был тем более болезненным для Ницше, что и большинство его других друзей отнеслись отвергающе к "Человеческому, слишком человеческому". Кроме Буркхардта, который неоднократно называл его "суверенной книгой", только д-р Рее и Петер Гаст полностью оценили её. Роде и некоторые другие наслаждались отдельными деталями, но количество совершенно неверно понятых писем было велико.
Несмотря на то что здоровье Ницше продолжало ухудшаться, зимой 1877 года он вновь начал читать лекции в Базеле и тем самым взял на себя больше, чем позволяла его физическая стойкость. После Пасхи 1879 года его состояние настолько ухудшилось, что сестра была вызвана Овербеком в Базель. Тогда он окончательно сложил с себя профессорскую должность и отправился сначала в Бремгартен под Берном, а затем в Санкт-Мориц в Энгадине. Исполненный предчувствий смерти, он прощался с друзьями в письмах. Вскоре, однако, он смог написать: "Энгадин вернул меня к жизни".
Ницше не зря назвал "Человеческое, слишком человеческое", решившее его дальнейшие жизненные пути, "книгой для свободных духов". Он освободился от всякого некритического поклонения и пробился к свободному духу. Как пролог к теперь осознанной задаче звучат его слова: "Я хочу вернуть людям покой, без которого не может возникнуть и существовать никакая культура. Также и простоту. Покой, простота и величие!"
Скептик
Образованные противоречат другим.
Мудрые противоречат себе.
Оскар Уайльд.
Кто двадцать или тридцать лет назад или еще раньше пришел к Ницше, имел по сравнению с сегодняшним читателем существенные преимущества. Предполагая, что он серьезно участвовал в культурном движении своего времени. Как же это было? Вспомним. Разве мы не видели в Шопенгауэре и Вагнере гениев, которые указывали нашей тоске по искусству и культуре цель? Так и было. И Ницше, в течение своего первого творческого периода, был их призванным адвокатом. И вот, когда Вагнер и Шопенгауэр вошли в нашу плоть и кровь, когда мы испытали их власть во благе и во зле, когда нас угнетал пессимизм Шопенгауэра, когда мы учуяли в превосходстве Вагнера опасность для самодержавного развития аполлонических искусств, когда мы почувствовали потребность найти противовес расслабляющему квиетизму одного и опьяняющему воздействию на нервы другого, — снова Ницше стал для нас освободителем от некритического энтузиазма. И нам, как и ему, была нужна преодоление. Так мы переживали Ницше душой. Там, где современный читатель находит лишь подтверждения или думает, что вместе с философом преодолевает в себе нечто, исключительная страстность чего для него вообще не существует.
Это было одно. Радостное союзничество! Но у нас было еще одно преимущество. Чувства и радикальные мысли, которые сегодня каждому серьезному человеку уже как-то знакомы, тогда были для нас совершенно новыми и чуждыми. Так возникало страстное внутреннее сопротивление. Совершенно в духе любой типичной тоски по зачатию. Мы бессознательно требовали от Ницше убедить нас, но столь же бессознательно испытывали потребность сопротивляться ему. Принимающий — вот тайна всякой любви — не хочет беззащитно впитывать чужое, а хочет быть побежденным и завоеванным. Примерно так мы относились к имморализму Ницше. Сопротивляясь, мы лишь нашли сознательный путь к нашим основаниям, но также, как бы ни отвергали его слово, к тоске по их преодолению. Так Ницше стал для нас подлинным переживанием и событием.
Современному читателю, как уже было сказано, этот опыт затруднён. Именно потому, что Ницше уже издалека кажется ему знакомым. И всё же, чтобы не лишиться плодотворной восприимчивости из-за бесстрастной, чисто исторической оценки, он должен пройти подобный путь. Он должен сопротивляться ему в соответствии со своей индивидуальностью; лишь тогда, в поражении, его жажда новой доктрины будет по-настоящему удовлетворена. Биограф не может снять с читателя это сопротивление, которое должна оказать его собственная природа, а может лишь временно пробудить критическую волю. Так примерно и следует читать Ницше. Он сам часто выражал это словами и без слов. Ведь многое становится истинным лишь тогда, когда противоречишь учителю, то есть через дополняющее противопоставление раскрывая относительность истины.
"Моргенрёте", то произведение, в котором наш философ преимущественно скептически настроен, а потому очень часто воздерживается от окончательных решений, дает особый повод для подобных размышлений. Например: Ницше полемизирует с высказыванием "Доверяй своему чувству!". Чувства — не нечто последнее, первоначальное; за чувствами стоят суждения и оценки, которые в форме чувств (склонностей, антипатий) передаются нам по наследству. Вдохновение, исходящее из чувства, — это внук какого-то суждения. Доверять своему чувству, говорит Ницше, значит, следовательно, больше повиноваться своим предкам, чем богам, которые в нас: нашему разуму и нашему опыту. Совершенно верно. Но действительно ли в нас действуют только унаследованные чувства? Разве чувство не является одновременно реакцией сознания на представления, которые передают нам наш разум и наш опыт? Разве вдохновение чувства не означает язык того, что мы усвоили из этого и что теперь проявляется инстинктивно? Ницше, конечно, не хотел сказать: следуй только своему интеллекту. Следовательно, его высказывание нужно читать критически. Тогда он ставит перед нами вопрос: что в твоем чувстве действует только атавистически, что из этого согласуется с твоим разумом и опытом? Таким образом, он предупреждает нас о ложно примененной пиети, но не о самом инстинктивном чувстве.
Друзья, которые не разделяли новые взгляды Ницше, но всё же желали ему добра, поступили легко — ах, всегда поступают легко! — объявив новые мысли продуктами его болезни. Она действительно определяющим образом повлияла на его философию. Но не так, как до сих пор принято думать. Его тяжёлое страдание не ввело его в какие-либо болезненные фантазии о жизни, а, напротив, оказалось плодотворным. Оно, конечно, таило опасность помрачения ценности жизни, но этой опасности Ницше противостоял с достойным восхищения героизмом. Сначала он попытался с "ужасающей холодностью" взглянуть на вещи как скептик. Все те мелкие лживые чародейства, в которых они обычно купаются, для него исчезли. Даже он сам предстал перед собой без пуха и красок. Он вознёсся над своей индивидуальной жизнью и страданиями, чтобы защитить жизнь от тирании боли. Это была настоящая борьба гордости — стоять в таком отчаянном бою. Это состояние требовало противодействия, и Ницше нашел его в стремлении к собственной отчужденности и деперсонализации, как они представляются психологу в трезвом исследовании и познании, чтобы без иллюзий взирать на все основания и без головокружения — на всю безосновательность. Из переживания собственного страдания возникло перед ним типичное изображение человечества, которое страдает глубже, чем от самого страдания, от его обоснований и истолкований. Вид физических мук заставляет нас вскрикивать от возмущения. Но где же это сочувствие к душевным мукам, которые приносит господствующее над нами христианство своей доктриной о грехе и проклятии? "Да, какое ужасное место сумело христианство сделать из земли уже тем, что повсюду воздвигало крест и таким образом обозначало землю как место, где праведник умирает в муках".
Как удалось превратить совесть в источник мучений из половых возбуждений. "Разве не ужасно делать необходимые и регулярные чувства источником внутреннего страдания?" Не кроется ли, спрашивает он нас, обратная сторона христианского сострадания в глубоком недоверии ко всем радостям ближних? Всякому справедливому суждению через познание нашей конституции противодействовали из религиозного и морального фанатизма.
Ницше, как само собой разумеется и как он всё же подчёркивает для близоруких людей, не отрицал, что многие поступки, называемые безнравственными, следует избегать, а многие, именуемые нравственными, — поощрять, но — и то, и другое по иным причинам, чем прежде. "Нам предстоит переучиться — чтобы, наконец, возможно, очень поздно, достичь ещё большего: перечувствовать". Прежде всего, мы должны понять, что сострадание, пусть оно и уменьшает страдание здесь и там, но, проявляясь как слабость, как любое погружение в аффект, действует лишь разрушительно. Кто постоянно держит перед душой всё горе, которое может обнаружить в своём окружении, неизбежно заболеет и впадёт в меланхолию. Прежде всего, тот, кто хочет служить человечеству в каком бы то ни было смысле как врач, не должен ему поддаваться. Если мы позволим себе омрачаться горем и страданиями других смертных, то не сможем быть им ни полезными, ни ободряющими. Суть подлинно нравственного заключается не в том, чтобы учитывать лишь ближайшие и непосредственные последствия наших действий, а в том, чтобы, при необходимости, способствовать более отдаленным целям даже через страдания других. Уже укрепляя общее чувство человеческой мощи, мы тем самым достигаем положительного увеличения счастья. Прочь, значит, с переоценкой альтруистических поступков, вернем людям смелость совершать действия, клейменные как эгоистичные. Тем самым мы лишим образ жизни его злого обличия! "Это очень значительное событие! Если человек не считает себя злым, он перестает им быть!"
За похвалой бескорыстных безличных поступков стоит страх перед всем индивидуальным. И наше чрезмерное восхваление трудолюбия тоже происходит из этого подсознательного страха. Работай, работай, тогда у тебя не будет времени на столь опасные размышления, заботы, любовь и ненависть! Мораль хочет сделать индивида безвредным. Раньше она требовала от него подавлять все сомнения и одобрять пути своего правительства, сегодня — своей партии. При этом всегда подавляется следующее: хочешь себя самого! Ницше, напротив, требует: "Как можно меньше государства!" Давайте же наконец отнесемся к этому требованию серьезно! Но мы обменяли прежнее немецкое образование — вспомним о Гёте — на политическое и национальное безумие. Через социальное государство зло лишь умножается. "Фу! иметь цену, за которую ты перестаешь быть личностью, а становишься винтиком!"
Мы обманываем не только себя, когда ошибочно выдаём свои эгоистичные порывы за альтруистичные, но и в моральной изнеженности кроется большая опасность для нашего благополучия. "Есть нежно моральные натуры, которые при каждом успехе испытывают стыд, а при каждой неудаче — угрызения совести". Найдёшь ли ты смелость серьёзно проверить свои собственные сомнения относительно происхождения не только своих антипатий, но и симпатий, и устоять перед этими сомнениями, ты тем самым активно противостоишь изнеженности своей совести. Иногда необходимо одиночество, чтобы обрести время для саморефлексии. Дух должен обрести крылья. Только тогда мы, когда это необходимо, отрешаемся от себя и обретаем чистый, очищающий взгляд, который свободно и мягко взирает на собственное темперамент. Тогда у нас появляется способность экспериментировать с самими собой. Но мы не должны относиться к себе слишком патетически; противоположное — это хороший тон у всех высших людей. Тот, у кого есть великое третье око, которым он как зритель смотрит через два других в мир, обретает тем самым и тогда еще маленькую дверцу к радости, когда собственные страсти на него обрушиваются. Только среди тех, кто не алчет расширения, мы встречаем тихое, самодостаточное внутри всеобщего порабощения. Ницше поет высокое песнопение познанию. Пусть реальность будет безобразной, познание даже самой безобразной реальности прекрасно. Счастье познающих умножает красоту мира.
– "Утренняя заря" разделена на пять книг. Её символическое название можно применить и к самому произведению. В первой части ещё много теневой полумглы, силуэтных очертаний, порой расплывчатых и неопределённых; но затем обретённые мысли приобретают более чёткие контуры и пластичные формы. Скепсис господствует и в манере выражения. Многое имеет значение лишь как фикция, другое — лишь как средство для раскрытия перспектив. Уже на горизонте восходят новые мысли, которые для временного созерцания ещё лежат вдали. Прежде всего — "Воля к власти", чьё значение для последующих путей познания неоднократно предвещается. Заключительная часть книги — она была добавлена позже — полна мягкого сияния красок. Она подобна дружелюбному, солнечно-осчастлививающему утру выздоравливающего в блаженном одиночестве.
Кант однажды говорит: "Скептицизм — это место отдыха для человеческого разума, где он может обдумать своё догматическое странствие и составить план местности, в которой находится, чтобы в дальнейшем выбрать свой путь с большей уверенностью". Он добавляет: "но не место жительства для постоянного пребывания". Так же воспринимал его и Ницше. Скепсис для него означает мучительную инквизицию против наших инстинктов и их лжи, а также против интеллекта как инструмента инстинктов и называется им послесловием гордости. Он допускает скепсис только для созерцательного. Кто хочет действовать, должен закрыть дверь для сомнений. Ницше же хочет воздействовать на нашу волю, а значит, действовать. Значим для его личной позиции по отношению к скептицизму небольшой диалог: "Ты только что перестал быть скептиком! Ведь ты отрицаешь! – И благодаря этому я снова научился говорить „да“".
Как его идеализм получил лишь критическое дополнение через позитивистское рассмотрение, так и его утверждение мира — через скептицизм.
Маленький святой
Не стремись возлагать святость на дело, святость следует возлагать на бытие; ибо не дела освящают нас, а мы хотим освящать дела.
Мастер Экхарт.
Из времени "Утренней зари" до нас дошли ценные рассуждения Ницше о социализме. Их опубликовали под названием: "Взгляды на настоящее и будущее народов" из наследия.
Прежде чем рассмотреть эти мысли Ницше о социализме, давайте посмотрим, как сами сторонники социалистических тенденций относились к Ницше. Когда весть о его философии распространилась в более широких кругах, в первую очередь обратили внимание на его радикальное противоречие существующим временным отношениям. Кто бы ни выступал против них, тому было близко предположить в нем единомышленника. От этого соблазна не осталась свободной и социал-демократия. Читали Кальтхоффа "Проповеди Заратустры", устраивали в свободнорелигиозных рабочих объединениях регулярные воскресные "Заратустра-богослужения" и находили у "Антихриста" религиозность и любовь к вечности как замену конфессиональным религиям ("в каждой религии религиозный человек — исключение"), у "Имморалиста" — этические цели и оценки как противоположность существующей морали, у "Индивидуалиста" — революционное отрицание господствующего общества.
Но его аристократические оценки, прежде всего его различие между моралью господ и моралью стада, его предупреждение о сострадании, его совершенно непонятое подчёркивание "воли к власти" вскоре вызвали перелом в первоначальной оценке. И вместе с тем — ослабление едва пробудившегося интереса.
Все же и в дальнейшем Ницше читался в рабочих кругах больше, чем можно было предположить при недостаточной подготовке. В ходе массового исследования социально-психологической стороны современного крупного производства, проведенного Адольфом Левенштейном примерно через двенадцать лет после смерти Ницше, выяснилось, что 37 металлистов, 16 текстильщиков, 2 горняка и 54 рабочих других профессий занимались ницшевским "Заратустрой", что привело к переписке с ними и публикации ряда ответов. Приветствовалось, что он стремится создать место для сильных личностей, но его учение о рангах называли презрением ко всему "глубинному бытию", утверждали, что обновление человека может быть плодотворным только как обновление человечества, благородный человек должен укореняться в "экономической" силе своего народа; лишь с осуществлением социализма, следовательно, наступит утро ницшевского человека.
В социалистическом лагере лишь единицы признавали, что Ницше, возможно, прав, выступая против "бессмыслицы уравниловки", ведь никто всерьез не верит в равенство, но утешались тем, что социализм, создавая образовательные и развивающие возможности для многих, восстанавливает неравенство физических и умственных способностей в их изначальном праве, тогда как для Ницше люди — всего лишь "цифры". Таким образом, пришли к выводу: объединение Маркса и Ницше означает истинное спасение.
Некоторые, однако, описывали знакомство с произведениями Ницше как личное переживание. Иногда с простым здравым смыслом, а однажды — у слесаря и бывшего коробейника — с решительным поэтическим даром и интуитивным пониманием. Он спрашивает: "Цветет ли цветок так прекрасно и сияюще, как образец здоровья, цветет ли он, быть может, из добродетели?" и делает вывод из невысказанного ответа: и человек, если его тянет обновиться, как постоянно текущий ручей, чтобы быть ясным, чтобы могло бить ключом новое, поступает не из добродетели, а все это есть: "лишь стремление к жизни, к цветению, к плодоношению, ибо мы от природы созданы для этого".
Один прядильщик, конечно, обязан Ницше лишь "несколькими приятными часами", ничего особенного тот ему не дал; стадо, возможно, может существовать без сверхчеловека, но сверхчеловек не может без стада. Один красильщик, напротив, ценит прежде всего золотые слова о условиях хорошего брака, а один поденщик Ницше стал переломным моментом в его жизни и духовном развитии. Он понял как ключевой пункт его философии взбадривание воли до крайности, до самопреодоления, до самовоспитания во имя идеи, до преданности делу. "Не откуда вы пришли, пусть отныне будет вашей честью, а куда вы идете!" Несимпатичен ему, однако, "жестокий господин".
Против обвинения в том, что он проповедует право сильного над слабым, металлист защищает Ницше; ведь его борьба направлена скорее против современного государства, которое загоняет человека в предписанную схему. В ответ берлинский токарь заявляет: "Конечно, все мы, люди, чувствуем субъективно, но было бы неправильно требовать от среднего рабочего, чтобы он в Ницше видел не сверхчеловека, а идеалиста". Наконец, один лишь отворачивается от социализма, прежде всего от его теоретиков, которые ставят всё на одну политическую карту; ибо Ницше научил его: "Жизнь мы возвышаем и умножаем через углубление и духовное преображение".
Как бы разнообразны ни были мнения, отражающиеся в ответах на вопрос "Что дал тебе Ницше?" у тех, кто из рабочего класса стремится к одиночному возвышению, среди них — и как же иначе — не найти ни одного, которое бы объективно раскрывало отношение Ницше к социализму. Каждый исходит лишь из вопроса, как Ницше относился к благополучию масс, не понимая, что он оценивал социализм исключительно с точки зрения целей человечества.
С обоснованным сомнением Ницше спрашивал, могут ли в социалистически организованных условиях возникнуть такие же великие результаты человечества, как в свободе и дикости прошлых времён. Неизбежное отрицание этого вопроса уже предопределило его отношение к социал-демократии, ибо производство великих людей и великих дел всегда считалось им высшей целью.
Что касается страданий низших слоев, то, по его убеждению, ошибка — мерить их мерой собственных чувств высшего, как будто сам, со своим крайне раздражительным и способным к страданию мозгом, оказываешься на их месте. Страдания и лишения возрастают с ростом культуры индивида. Низшие слои — самые тупые; улучшать их положение значит одновременно делать их более способными к страданию. Поэтому его главный аргумент против социализма остается в силе: он хочет создать избыток праздности для обычных натур. Это может оказаться только роковым, ибо: "Умеренный обыватель становится обузой для себя и для мира".
Снова возникает требование: "Как можно меньше государства!" Без традиционного государственного принуждения отдельный человек сэкономит много сил, которые растрачиваются в борьбе с ним. Кто индивидуально предрасположен, тот снова и снова убеждается на собственном опыте, как это государственное принуждение давит на его личность через бесчисленные бессмысленные вещи. Однако, по убеждению Ницше, причина государственной опеки кроется не только в социалистах; ведь прежде всего это купцы, которые хотят сделать этот "кресло забот государства" как можно более привлекательным. Ницше выступает одновременно против всех политических выскочек, как будто предвидел опасности, которым мы должны были подвергнуться после мировой войны. Только там, где из поколения в поколение передается благородное мировоззрение, где проявлялись доброта и величие, мы находим предпосылки для той высшей гордости, которая отцовски и доброжелательно склоняется к другим. Но Ницше при этом не думает о реакции, напротив, он заявляет: "Мы хотим быть смертельными врагами тех из наших, кто прибегает к лжи и хочет реакции! … Что нам до князей и священников нашего времени, которые должны и хотят жить самообманом!"
Он всё же снова сходится с Штирнером и в положительном ключе, когда говорит о сообществе свободных индивидов и заставляет его объяснить: 1. Бога нет. 2. Нет награды и наказания за добро и зло (нравственный мировой порядок). 3. Добро и зло зависят от идеала и направления, в котором мы живём. И Ницше, произнося слово "идеал", как и Штирнер, не имеет в виду освящённый концепт, а под идеалом понимает предвосхищение надежд наших господствующих влечений. Такое мировоззрение — давайте отдадим себе в этом полный отчёт — означает шаг вперёд, далеко превосходящий любой "прогресс".
У социалистов Ницше признаёт: здесь тоже присутствуют подлинные влечения и воля к власти. Ассоциация и небывалое влияние отдельных личностей. Через них возвращается время дикости, но и омоложения сил.
Надежда Ницше на сообщество свободных индивидов вместо понятия несвободного государства так же далека от индустриального государства, как и от социалистического. Он редко задумывался о практической возможности такого сообщества; и здесь для него было важно лишь распознать основополагающие идеи. Не может быть и речи о презрении к низшим слоям, в котором его обвиняли социалистические фанатики. Напротив, он очень серьезно думал об их благе и был убежден, что просвещенная забота при скромных требованиях могла бы обеспечить им жизнь в довольстве. Он хочет, чтобы им было легко, не навязывая им невозможного. Тяжело должно быть только тому, кто по призванию и ради человечества призван прокладывать новые пути; ибо лишь из его глубочайшего недовольства современными условиями вырастают его высшие цели.
Ницше редко имел возможность общаться с народом. Но когда такая возможность представлялась, сразу проявлялась его благородная натура. Так, его генуэзская хозяйка из того времени, когда он работал над "Утренней зарей", рассказывала, как дружелюбно он общался со всеми жильцами дома и как сочувственно относился ко всем их маленьким горестям и радостям. Они называли его "il santo" или "il piccolo santo". Слово, которое гораздо точнее характеризует его истинную сущность в отношении к народу, чем интерпретации его мыслей партийными политиками. Там, где его личность могла проявляться непосредственно, тепло ощущалась полнота его внутренней доброты. Люди восхищались его трогательной стойкостью в перенесении страданий, пересказывали его ответ "sono contento", который он с удовольствием давал на вопрос о том, как у него дела, и считали его воплощением того духа, который он тогда выразил следующими словами: "Независимость, не оскорбляющая глаз, смягчённая и завуалированная гордость, гордость, которая расплачивается с другими тем, что не соперничает за их почести и удовольствия и терпит насмешки. Это должно облагородить мои привычки: никогда не быть низким и всегда оставаться приветливым, не алчным, но всегда спокойно стремиться и взлетать ввысь; простым, даже скупым к себе, но мягким к другим".
Время в его жизни, полностью охваченное глубокой благодарностью выздоравливающего, было как нельзя более подходящим, чтобы выразить личную мягкость Ницше, которая вполне сочеталась со строгостью его идеалов. "Это и есть правильный идеалистический эгоизм: всегда заботиться и бодрствовать, сохраняя душу спокойной, чтобы наша плодотворность завершилась прекрасно! Так, в этой опосредованной форме, мы заботимся и бодрствуем ради пользы всех; и настроение, в котором мы живем, это гордое и мягкое настроение, — это масло, которое распространяется далеко вокруг нас, даже на беспокойные души".
Из одной из его записных книжек того времени следует, что он искренне радовался слову "il santo" из уст этих простых людей и с благодарностью принимал свечи, которые они дарили ему для его одиноких вечерних часов. Он писал: "Я думаю, что многие из нас, если бы с их воздержанными, умеренными нравами, их кротостью, их чувством справедливости были перенесены в полуварварство VI–X веков, были бы почитаемы как святые".
Надеюсь, меня не поймут неправильно, если я сравню Ницше с святым. Конечно, он возводил происхождение этого "редкого образца человечества" к тем неизлечимым самоуничижителям, которые из подсознательных чувств мести обращались к великим моральным словам и проявляли себя как врожденные враги духа; но что он иногда связывал это слово и с представлением о мягкой доброте, доказывает нам его изречение, которое Эрвин Роде однажды привел, когда нужно было охарактеризовать благородную сущность Ницше несколькими словами. Оно гласит:
Чтоб счастье его нас не гнело,
Он надевает дьявольские штуки,
Дьявольский юмор и дьявольский наряд,
Но напрасно! Из его взгляда
Светится святость!
Анти-метафизик
Каждое состояние, да, каждый миг ценен, ибо он — представитель вечности.
Гёте.
Если мы обратимся к письмам Ницше за время после его ухода с преподавательской должности в Базеле, чтобы узнать о внешнем ходе его жизни, то узнаем, что зиму 1879 на 1880 год он провел в Наумбурге в очень плохом состоянии здоровья, но тем не менее написал Мальвиде фон Мейзенбуг: "Никакая боль не смогла и не должна смочь соблазнить меня на ложное свидетельство о жизни, как я ее познаю". Все сильнее в нем пробуждалась тоска по югу и солнцу. Она привела его из Наумбурга в Риву, а затем в Венецию. Волшебное очарование Венеции дало ему новую радость творчества. "Сто глубоких одиночеств образуют вместе город Венецию – в этом ее очарование". Когда летняя жара и москиты изгнали его из города на лагунах, он решил пройти, к сожалению, безуспешный курс лечения в Мариенбаде.
Читая письма Ницше, вместе с ним переживаешь борьбу, которую сердце и разум ведут друг с другом, преодолевая тяжкие физические и душевные страдания, прежде чем дух одерживает свои победы и превозмогает. Особенно в Мариенбаде его сильно угнетало то, что из-за новизны своих мыслей и их радикальной формулировки он терял симпатию многих когда-то близких людей, любовь которых была для него так важна. Иногда после душевных бесед, даже с совершенно незнакомыми людьми, его охватывало чувство, что, пожалуй, глупо хотеть быть правым ценой любви. Тогда и его, так храбро скрывавшего в себе всякую душевную боль, тянуло на жалобы, что он не может поделиться своим самым ценным с немногими людьми из своего ближнего круга, чтобы не потерять их симпатию.
Из Мариенбада он отправился в начале осени снова к матери и сестре в Наумбург, а затем на озеро Маджоре в Стрезу, чтобы наконец завершить в Генуе "Утреннюю зарю". Грозовую весну 1881 года он провел в Рикаро близ Виченцы. Она оказалась крайне неблагоприятной для его самочувствия. Тем радостнее сложилось его летнее пребывание в Энгадине. Ведь теперь он открыл для себя "самый прелестный уголок земли", "героическую идиллию" Зильс-Мария.
Как лучше всего понять пейзажи Сегантини, если знаешь Энгадин и его особенность оптического воздействия, которая в чистом солнечном горном воздухе приближает к нам самое далекое, так и из атмосферы Зильс-Марии, "где Италия и Финляндия соединились в союз и, кажется, стали родиной всех серебристых оттенков природы", можно понять неповторимое чувство близости счастья у Ницше, которое ликует как радость жизни, рожденная из творческого познания, сияет как радость света, самой бесстрашной честности, вздыхает как радость высот, свободная от всякого тумана унаследованных иллюзий, и раскрывается как радость вечности.
В Зильс-Марии родилась та мысль, которая так потрясла Ницше, сделала его так невыразимо счастливым, что он в экстазе плакал от ликования и под первым наброском написал: "Начало августа 1881 года в Зильс-Марии, 6000 футов над морем и намного выше всех человеческих дел". Это была мысль о Вечном Возвращении Того же Самого.
Как получилось, что именно эта мысль, как откровение, могла так воодушевить его? Мы, вероятно, на верном пути, если предположим, что благодаря этой идее подсознательное противоречие его собственной учению нашло для него разрешение. Она означала для его учения не что иное, как возможность существовать без метафизики.
Во время своего первого творческого периода Ницше сознательно находился под влиянием метафизики Шопенгауэра, а во второй период он хотел придерживаться только эмпирически данного. Но этот отказ его мышления от всего, что лежит за явлением по сути, не мог удовлетворить его на долгое время и соответствовать его стремлению к вечности. Метафизика на своих прежних путях казалась ему недостойной свободного духа, а позитивизм — недостаточным для серьезной философии. Это двойное отрицание окутывало любой выход во мрак. Тогда ему внезапно засияла возможность спасения из этой ночи, как звезда. Перед ним предстала учение, которое, не требуя религиозной веры в бессмертие, тем не менее не обязывало его принимать идею преходящести индивида, а провозглашало его продолжение через включение в круговорот вечности, учение, которое, несмотря на это, не рассказывало о каком-либо потустороннем мире, а видело истинную тайну мира не в невидимом, а в видимом, учение, которое провозглашало: "Эта жизнь — твоя вечная жизнь!" В этих пяти словах заключен решающий смысл учения о Вечном Возвращении Того же Самого, смысл, который сохраняется даже тогда, когда теоретическое обоснование Ницше нас не убеждает.
Ницше однажды сказал: "Чем абстрактнее истина, которую хотят преподать, тем больше нужно сначала соблазнить чувства". Последуем этому предупреждению, чтобы сначала подготовить мыслимость его учения. В шахматах возможно чрезвычайно много комбинаций; однако их число ограничено. Отсюда следует, что при бесконечно многих играх одна и та же игра неизбежно должна повториться. Это относится не только к отдельной игре, но и к последовательности всех возможных игр, так что мы приходим к выводу, что одна и та же последовательность, содержащая все, но и действительно все возможности, должна повторяться и снова повторяться, как только мы думаем о бесконечно большом числе игр. Таким образом, в шахматной игре для нас возникает вечное возвращение того же самого для всего круга возможностей. Я считаю, что эта необходимость представима для нашего мышления. Что следует из этого для вопроса о ходе мира? Если всесильная сила, как предполагает Ницше, не является бесконечной, а определена в своей мере, то и число положений, изменений, комбинаций этой всесильной силы, хотя и невероятно велико и практически неисчислимо, всё же определено по числу, как определено число возможностей в шахматной игре.
Если нашей фантазии удается представить бесконечное время, то мы можем, следуя Ницше, сделать вывод: значит, все возможные комбинации уже когда-то существовали. Отсюда следует, что и нынешнее развитие является повторением, и что это же самое повторение той же комбинации происходит и будет происходить в вечности.
Этой аргументации логически невозможно противоречить, как бы ни сопротивлялась наша фантазия такому представлению. Вопрос, однако, в том, верно ли предположение Ницше. Можем ли мы согласиться с ним, что время, хотя и бесконечно, но общая сила конечна. Только тогда мы должны будем следовать за ним: "Все существовало бесчисленное количество раз, поскольку общая конфигурация всех сил повторяется".
Учение о вечном возвращении появляется не впервые у Ницше, а идея возвращения тождественного уходит корнями в глубокую древность. Встречаем её у орфиков, у Пифагора, у Гераклита, Анаксимандра и Эмпедокла; затем у Платона и стоиков.
Олер подробно доказал нам повторное появление этой мысли в античности, а Лихтенбергер — её возвращение у двух французов Л. А. Бланки и Густава Ле Бона; Зиммель математически опроверг теорию Ницше, Лу Саломе указала на неё как на перевёртыш индийского учения о перевоплощении: "не освобождение от принуждения возвращения, а радостное обращение к нему"; Оскар Эвальд раскрыл её глубокую связь у Ницше с учением о сверхчеловеке, а Эрнст Хорнеффер сообщил о судьбах публикации через Архив Ницше.
Для Ницше учение о Вечном Возвращении означало крайнюю форму фатализма. Оно тесно связано с вопросом о свободе воли. Как активные существа, мы верим в свободную волю, потому что постоянно переживаем в своём сознании сосуществование различных влечений и победу одного над другими. Как познающие существа, напротив, мы убеждены в детерминированности всего происходящего, а значит, и в том, что поступки людей вытекают из их характера и действующих мотивов с необходимостью. Так возникает парадокс: всё необходимо предопределено, но и то предопределено, что мы, как действующие, в это не верим.
Этому противоречию подчинено и учение Ницше. Только метафизика, которая учит нас, что свобода — это отрицательное понятие, означающее столько же, сколько и беспричинность, первоначальность, снимает противоречие между необходимостью и свободой, утверждая, что необходимость касается действия и деятельности, а свобода — бытия и сущности. Она неизбежно привела к различению мира явлений и мира как воли. Однако эту двойственность отрицал Ницше, когда применял понятия бесконечного и вечного к миру как явлению.
Даже при чисто логическом рассмотрении в теории Ницше можно обнаружить противоречие. Если я переживаю сегодня что-то, что уже переживал однажды или много раз, то это отличается от предыдущего переживания уже тем, что это такое-то по счету повторение. Поскольку прошлое продолжает жить в настоящем и будущем, само повторение создает различие. Таким образом, понятие "Вечное возвращение того же самого" уже в себе самом содержит опровержение.
Лучше всего мы опровергаем учение Ницше, если противопоставляем ему другое решение как идеал.
Если мы не верим, как мифологическая метафизика, в единоразовое творение, но, напротив, видим в всём, что происходит в нас и вокруг нас, постоянное творение, то мы приходим на своём пути к тому же результату, к которому стремился Ницше. И мы не спрашиваем, наслаждаясь благоговейным созерцанием непрерывного становления, о никогда не достижимой причине первопричины; и мы принимаем всесилу как данность и определяем природу как "рождающую силу". Если мы поступаем так:
То прошлое постоянно,
Будущее живёт заранее,
Мгновение — вечность.
Этими словами Гёте сказано точно то же, что Ницше выразил в пяти словах: "Эта жизнь — твоя вечная жизнь".
Учение о вечной непрерывной творении согласуется не только с Майстером Экхартом, Силезиусом, Карданом, Гельмонтом, Декартом и Лейбницем, но и, отказываясь от любого мифологического подтекста, с Гёте. Он верил, как следует, среди прочего, из письма к Таушеру, в "внутреннее непрерывное творение", а также в "изначальное одновременное различие". Анри Бергсон также провозглашает в своей книге "Творческая эволюция": всё в понятии творческого остаётся тёмным, пока мы, как привыкли, думаем о вещах, которые создаются, и о вещи, которая творит. Если же мы отвлечёмся от Бога как от чего-то завершённого и вместо этого предположим изначальную, непрерывно творчески излучающую силу, представление о непрекращающейся жизни, которая есть действие и свобода, то чудо исчезает для нас; тогда мы познаём творение в самих себе, как только действуем свободно.
Эта идея непрерывного творения, которую мы получаем через высказывания Гёте и учение Бергсона в соответствии с атеизмом Ницше, убедительным образом выполняет задачу неразрывно связать временную жизнь с понятием вечности. Она позволяет нам отвергнуть учение Ницше, не теряя при этом результата, к которому он стремился.
Нецше сам понял недоказуемость своей теории после того, как безуспешно искал достаточные физические подтверждения для неё в работе Роберта Майера "Учение о сохранении силы", в труде Бансена "К философии истории" и в других источниках. Однако он надеялся спасти свою теорию хотя бы как гипотезу, сказав: "Если круговое повторение — всего лишь вероятность или возможность, даже мысль о возможности может потрясти и преобразовать нас, а не только чувства и определённые ожидания. Как подействовала возможность вечного проклятия!"
Учение Ницше также называли вымыслом. Но я хотел бы отвергнуть и это определение. Согласно Вайхингеру, под вымыслом мы понимаем лишь художественный приём ума, то есть утверждение, которое мы выдвигаем с определённой теоретической или практической целью, хотя и убеждены в его нереальности или даже невозможности. К Ницше это не относится. По его замыслу, учение изначально должно было действовать как догма или, по крайней мере, как гипотеза. К счастью для нас, оно не справилось с этой задачей. Ибо впоследствии Ницше пришёл к убеждению, что его истинность можно передать лишь поэтическим языком, как это и произошло в "Заратустре". Очень показательно, что в его подсознании возникновение учения о Вечном Возвращении и рождение Заратустры слились воедино, так что позже в его памяти они совпали. Соответствующее место в "Ecce homo" гласит: "Теперь я рассказываю историю Заратустры. Основная концепция произведения, мысль о Вечном Возвращении, эта высшая формула утверждения, которая вообще может быть достигнута, относится к августу 1881 года: она набросана на лист с подписью: "6000 футов по ту сторону человека и времени".
Поэтому мы поступаем совершенно произвольно, когда в конечном итоге придерживаемся только символического значения мысли. Место, чтобы высказаться по этому поводу, может быть только глава, посвященная Заратустре. Здесь же нам должно хватить того, чтобы еще раз подчеркнуть, что сознание Ницше было направлено на то, чтобы вдали от всех недоступных областей провозгласить антиметафизическое учение, но он был так счастлив от сияния своего учения именно потому, что практическое значение, которое он ему придавал, возвращало его от позитивизма к философии.
"Религиозная вера убывает, и человек начинает понимать себя как преходящее и несущественное, он становится наконец слабым, он не упражняется так в стремлении, терпении, он хочет настоящего наслаждения, он облегчает себе жизнь". Но, провозгласил Ницше в "Весёлой науке", "если эта мысль обретёт над тобой власть, она преобразит тебя, как ты есть, и, возможно, раздавит; вопрос при всём и каждом: „хочешь ли ты этого ещё раз и ещё бесчисленное множество раз?“ — ляжет как величайший груз на твои действия!" Так он приходит к призыву: "Впечатаем образ вечности в нашу жизнь! Эта мысль содержит больше, чем все религии, которые презирали эту жизнь как преходящую и учили смотреть на неопределённую другую жизнь". Новая вера должна быть "религией самых свободных, самых светлых и самых возвышенных душ — прекрасным лугом между позолоченным льдом и чистым небом".
Не может быть никаких сомнений: мысль о Вечном Возвращении пришла к Ницше как внезапное озарение. Но это не означает, что он не искал её задолго до этого. Странно, что этот вопрос ещё не был исследован. Его письма не дают никаких намёков. Но как обстоит дело с последним афоризмом "Утренней зари", которому как заключительному слову придаётся особое значение? Он озаглавлен "Мы, воздухоплаватели духа". Его начало спрашивает: Все эти смелые птицы, которые летят дальше всех, где-то они не смогут лететь дальше и сядут на мачту или на скудную скалу. Хотят ли они перелететь через море? А его конец звучит так: "Куда увлекает нас это могучее желание, которое для нас значимее любого наслаждения? Почему же именно в этом направлении, туда, где до сих пор заходили все солнца человечества? Скажут ли о нас когда-нибудь, что и мы, держа курс на запад, надеялись достичь Индии, но что наша судьба — потерпеть крушение о бесконечность? Или, братья мои? Или?"
Значим этот вывод, конечно. На это позже указал сам Ницше словами: "Эта книга заканчивается „Или“? – это единственная книга, которая заканчивается „Или“…" Значим для чего? Является ли наша участь – потерпеть неудачу на Бесконечности? Когда Ницше ответил на этот вопрос "Или", он, вероятно, открыл нам, что искал учение, которое должно было бы устранить эту опасность неудачи на бесконечности. Если это так, то мы понимаем, как сильно должен был обрадовать его момент, который подарил ему это учение. Как значимыми тогда кажутся нам стихи, которые он написал Лу Саломе в экземпляр "Веселой науки" с дарственной надписью:
Подруга, сказал Колумб, не верь
Больше генуэзцу!
Он всегда смотрит в синеву,
Дальнее слишком его манит!
Кого любит, того охотно зовет
Далеко в пространство и время, –
Над нами звезда за звездой сияет,
Вокруг нас бушует вечность.
Ясный возвышенный звук этого стихотворения соответствует светлому A-дур тону той книги, в которой Ницше как антиметафизик – так он сам себя назвал – впервые провозгласил свое учение о Вечном Возвращении и в которой он выразил свою героическую утверждение жизни наиболее решительно. Поэтому мы можем озаглавить следующую главу, посвященную рассмотрению "Веселой науки", "Да-говорящий" и предварить ее стихами Готфрида Келлера, которые сам Ницше однажды выбрал как точный выражение своего утверждения жизни.
Да-говорящий
Пейте, о глаза, что ресницы держат,
Из золотого изобилия мира!
Готфрид Келлер.
Утренняя заря — это утвердительная книга, глубокая, но светлая и добрая. То же самое верно еще раз и в высшей степени для gaya scienza: почти в каждом предложении этой книги нежность и шалость нежно держатся за руки", — писал Ницше в "Ecce homo". Провансальским термином gaya scienza — так трубадуры называли свое искусство — он хотел напомнить о единстве певца, рыцаря и вольнодумца, которым та чудесная ранняя культура провансальцев отличается от всех двусмысленных культур.
"Весёлая наука" или "Gaya Scienza" была написана в том виде, в каком её представляет первое издание, зимой 1881–1882 годов в Генуе. Туда Ницше отправился ещё осенью из Энгадина. Изначально она задумывалась как продолжение "Утренней зари", прежде чем получила собственный заголовок. Продуктивность Ницше требовала самого ясного неба и полной радости духа и тела. Самое ясное небо дарила ему Генуя, а полную радость он обрёл благодаря очаровательному чувству выздоровления, которое его изменчивое здоровье снова и снова ему дарило. Во время приступов болезни он воздерживался от любой работы. "Я не доверяю ни одной мысли, возникшей в угнетённом состоянии души и опечаленных внутренностях, и что уж говорить о том, что написано при головной боли — это непременно будет уничтожено", — сообщал он однажды своей сестре, которая рано проявила себя как его храбрый товарищ.
При описании его жизни создается впечатление, что изначально у ее брата была мигрень, которая усугубилась лишь из-за умственного перенапряжения при очень чувствительных глазах, неправильной диеты и чрезмерного употребления лекарств. Другие придерживаются мнения, что у Ницше, если проследить его письма с описанием болезни, уже на ранних этапах складывается впечатление глубокого и тяжелого недуга, с которым его крепкая натура и осторожный, осмотрительный образ жизни боролись с огромной силой воли и большой целесообразностью.
"Веселую науку" предваряет ряд изречений, которые вводят её под названием "Шутка, хитрость и месть". Это название взято из одноимённого песенного спектакля Гете, музыку к которому написал Петер Гаст. В качестве характерной черты я хотел бы отметить, что несколько небольших стихотворений, на которые, несомненно, оказали влияние версии Гете и Ганса Сакса, начинаются с восклицания "Да!". Так же, как и следующее:
Да! Я знаю, откуда я родом!
Ненасытно, как пламя,
Горю и сгораю я.
Светом становится всё, что я схвачу,
Углем всё, что я оставлю:
Пламя я, без сомнения!
"Свет станет всем, что я коснусь!" Родственные мысли возвращаются и в самой книге. В чистом воздухе Ницше чувствует себя соперником луча света. "Принести земле свет, быть светом земли! И для этого у нас есть наши крылья и наша быстрота и строгость, ради этого мы мужественны и сами страшны, как огонь".
Также там, где он должен отрицать, он теперь чаще всего добавляет утверждение. Например, в афоризме "Против клеветников природы" он противопоставляет тем неприятным людям, у которых каждое естественное влечение сразу искажается, благородные натуры, которые могут предаваться своим инстинктам с грацией и беззаботностью, которые не боятся самих себя, тех свободнорожденных птиц, которые могут петь с ним: "куда бы мы ни пришли, вокруг нас всегда будет свобода и солнечный свет". Среди них чаще всего встречаются счастливцы, которые умеют импровизировать в жизни и способны вписать даже самый случайный тон в тематическую ткань, придавая случайности прекрасный смысл и душу. Но также и те гордые, которых неудача намерения не угнетает, а которые могут сказать: "Я знаю больше о жизни, потому что так часто был на грани её потерять, и именно поэтому у меня больше жизни, чем у всех вас". Такие люди отвергают отрицательные добродетели, те, суть которых — отрицание и отказ сами по себе. Их цель определяет не только их действия, но и их бездействие; ведь, действуя, мы также и бездействуем.
Характерно для высокой оценки Ницше всей естественной прелести то, что теперь он предпочитает эпикурейцев, имеющих собственный сад, среди духовных тружеников стоикам. "Для них это была бы потеря всех потерь — утратить тонкую раздражительность и получить взамен стоическую жесткую кожу с ежовыми иглами".
Его отказ от нападения и защиты выражается также непосредственно в словах, трогающих симпатией. "Не будем бороться в прямом бою! – и это всё порицание, наказание и желание исправить. Но возвысимся сами ещё выше! Придадим нашему примеру всё более яркие краски! Затеним других нашим светом!" Но даже это собственное высказывание теперь кажется ему слишком порицающим. Поэтому он, как безоговорочный утвердитель, добавляет: "Нет! Не будем ради него сами становиться темнее, как все наказывающие и недовольные! Лучше отойдём в сторону! Отвернёмся!"
Пусть читатель не подозревает за такими словами усталости от борьбы. В них звучит лишь то же допущение, с которым мы встречаемся и в гетевской веселости. Ибо Ницше не был разочарован жизнью. "Жизнь как средство познания — с этим принципом в сердце можно жить не только мужественно, но даже весело и весело смеяться! И кто вообще хорошо умел бы смеяться и жить, если бы не научился прежде хорошо понимать войну и победу?"
Только из этой мужественно-радостной утверждения жизни Ницше мог противопоставить религии сострадания, так часто им критикуемой, сорадование. Хотя с добрыми намерениями и лучшими побуждениями, но все же ошибочно пытались притупить остроту его резких слов против сострадания, как бы оправдываясь, что Ницше был мягкосердечен и слишком чувствителен, поэтому сам нуждался в напоминании: стань жестоким! — чтобы не погибнуть от сострадания; как вообще охотно подчеркивали субъективность его учения, которое якобы включало жизненные предписания в пользу его желаемого "Я", а не соответствовало его истинной сущности. Но такие субъективные объяснения допустимы лишь постольку, поскольку они не умаляют объективного значения его учения и его радикализма.
Ницше не отказывался в жизни от практического сострадания, если мог этим облегчить чью-то боль; но такая готовность помочь никоим образом не противоречит его отвержению опасностей интеллектуально возвеличенного сострадания. Разве то, от чего мы страдаем глубже и личнее всего, не остается почти непонятным и недоступным для всех остальных? Разве наше страдание не всегда истолковывается слишком поверхностно? В сущности сострадательного аффекта лежит то, что он лишает чужое страдание подлинно личного. Чаще всего в интеллектуальной легкомысленности, с которой сострадающий играет судьбу, есть что-то возмутительное. Он хочет помочь и не думает о том, что существует личная необходимость несчастья. А уж сострадание к самому себе, эта "религия уюта", которая не ведает, что счастье и несчастье — близнецы, которые вместе растут или, как у уютных людей, вместе — остаются маленькими.
Как часто легче поддаться состраданию, чем закрыться от него, когда речь идет о том, чтобы упорствовать на собственном пути в намеренном неведении о том, что современным людям кажется самым важным. Помогать? Да! Но только там, где на основе родственной природы по-настоящему вживаешься в существующую нужду и понимаешь ее. Помогать так, как лучше всего помогаешь самому себе: делать друзей смелее, выносливее, проще, веселее! То есть учить тому, что сейчас так мало кто понимает, а проповедники сострадания — меньше всех: — сорадованию!
Также Гёте спрашивал: "Можешь ли ты, когда внутренняя душа твоих друзей мучима тревожной страстью, разорвана горем, дать им каплю облегчения?" и отвечал: "Ты не можешь ничего для своих друзей, кроме как оставить им их радость и умножить их счастье, наслаждаясь им вместе с ними!"
Ницше, безусловно, уже многим людям укрепил сопротивляемость невзгодам жизни благодаря своему мощному акценту на сорадовании. Тот, кто усваивает его мысли, становится в некотором роде иммунным к опасностям депрессии. Удары судьбы никто не в силах отвратить. Но, умножая радость в мире, мы повышаем способность переносить страдания непоколебимо и достойно. То, что жизнеутверждение Ницше не следует понимать в смысле безудержного "выживания" [Auslebens], сегодня едва ли нуждается в доказательстве. Как мог бы он, так усердно стремившийся наложить на нашу жизнь печать вечности, в своем прославлении радости жизни хотя бы издалека подумать о опьянении мимолетных людей в пошлом наслаждении! Только того, кого наполняет священная серьезность, связывающая его с вечностью, обретает глубину, из которой лишь подлинная радость и самая светлая жизнеутверждающая сила способны возвыситься.
Меня часто спрашивали, какое произведение Ницше я рекомендую прочитать в первую очередь. Я рекомендую "Весёлую науку". Это не только "самая обаятельная книга" Ницше, но и та, которая приносит наибольшую непосредственную радость и, следовательно, вводит в дух его учения. "Я хочу всё больше учиться видеть в необходимом прекрасное: — так я стану одним из тех, кто делает вещи прекрасными. _Amor fati_: пусть это отныне будет моей любовью!"
Amor fati, как любовь к судьбе, было провозглашение, которое одновременно и ему, тяжело страдающему, приносило не только утешение, но и укрепляло мужество и гордость не отчаиваться ни в какой жизненной ситуации. Только тот является истинным учеником Ницше, кто не отказывается следовать за ним в этом. Если мы раздуваем, оплакиваем и охаем наше личное несчастье, даже если это только в разговоре с самим собой, то тем самым мы увеличиваем раздражение и, как правило, моральное негодование, отравляющее жизнь. Как легко должны мы все находить наше частное несчастье, как только взвесим его с тяжестью исполненной боли подлинной любви к дальнему Ницше. Его гений научил его сверхлично принимать в себя великое страдание человечества, чтобы противостоять омрачению жизни малым страданием. Не для того, чтобы искать жертвенной смерти, а чтобы, несмотря ни на что и ни на что, уметь жить и через гордость перенесения и мудрую осмысленность придать вечной значимости ценность жизни, преображая её в радость, исполненный храбрым решением: "во всём и во всём великом: я хочу когда-нибудь стать только тем, кто говорит „да“!"
– Последняя книга "Весёлой науки" так же, как и предисловие ко второму изданию, была написана лишь четыре года спустя. Хотя по ходу мыслей она непосредственно примыкает к первым частям, из неё мы видим, как были правы, ожидая в "Весёлой науке" перехода с ледяных полей аналитической науки на плодородную почву философии, определяющей ценности. Теперь философ с сознательной решимостью заявляет, что великие проблемы не по плечу тем, кто прикасается к ним лишь щупальцами холодной любопытной мысли. "Самоотречение не имеет цены ни на небе, ни на земле; великие проблемы требуют великой любви, и на неё способны лишь сильные, цельные, уверенные духи, твёрдо стоящие на самих себе".
Также стремление к уверенности, "которое сегодня в широких массах разряжается научно-позитивистски", называется лишь инстинктом слабости. Специалист проявляется почти во всех книгах учёных, и "у каждого специалиста есть свой горб". Но и этому отрицанию Ницше сразу же почтительно противопоставляет как утверждение оценку любого рода мастерства и компетентности.
Искусство вновь вступает в свои права на внимание. И искусство, как и философия, предполагает страдающих. Но есть два рода страдающих: те, кто страдает от обнищания жизни и ищет избавления от себя или опьянения, и те, кто страдает от избытка жизни и потому хочет дионисийского искусства, а также трагического взгляда и понимания жизни. Искусство такого происхождения, в котором воля к увековечиванию исходит из благодарности и любви, всегда будет апотеозным искусством, "возможно, дифирамбическим, как у Рубенса, блаженно-ироничным, как у Хафиза, светлым и добрым, как у Гёте, и расстилающим гомеровский свет и сияние славы над всеми вещами".
Помимо проблем жизни, познания, сознания, религии и морали — уже упоминается "По ту сторону добра и зла", и снова упоминается "Воля к власти" — мы слышим звуки, предвещающие Заратустру. Галкиониец, бездомный, добрый европеец, свободный дух, безбожник и аргонавты идеала противостоят гуманитарию и современному человеку и возвещают нам как предвестники сверхчеловека возвышение типа человека. Идеал "человечески-сверхчеловеческого благополучия и благоволения, которое часто будет казаться бесчеловечным", восходит в перспективе, и притом совершенно в духе обещания, которым наполнена "Весёлая наука", как радостнейшее творческое утверждение жизни.
Друг
Freundschaft может возникнуть только на практике, на практике обрести продолжительность. Симпатия, даже любовь — всё это не помогает дружбе. Истинная, активная, продуктивная дружба заключается в том, что мы идём в ногу по жизни, что он одобряет мои цели, я — его, и что мы так неуклонно продолжаем идти вместе, какими бы ни были различия в нашем образе мышления и жизни.
Гёте.
У нас нет общего указателя к произведениям Ницше. Архив Ницше намеревался его составить, но пришел к выводу, что эту задачу едва ли можно решить удовлетворительным образом. Возможно, скорее следовало бы подумать о лексиконе Ницше, вроде того, как Фрауэнштедт составил свой лексикон Шопенгауэра. Ричард М. Мейер планировал такой, но умер до его осуществления. Конечно, и словарь остался бы бесполезным начинанием, если бы он представлял лишь скелет философии Ницше. У Ницше мы не можем обойтись без душевных колебаний, которые раскрываются в слове, тоне и цвете его афоризмов, без музыки его языка, передающей их нашему чувственному пониманию.
Теперь, даже без такой вспомогательной книги, мы можем надеяться, что ни одно существенное высказывание о его взглядах на дружбу не ускользнет от нас. Не систематический поиск, а инстинктивное нахождение должно привести нас к ним; ибо там, где не недостает сопереживания, "Величество Случай" всегда оказывается милостивым.
Сияние славы, окружающее сегодня любовь между полами, обязано христианскому Средневековью. Античность его не знала. Тем выше она ценила дружбу. И как античность, так поступал и Ницше. В то время, когда он с предпочтением анализировал инстинктивное происхождение чувств, он видел в любви прежде всего стремление к новому владению. Любящий хочет безусловного единоличного обладания желанным человеком, он хочет быть любимым одним, и как самое высшее и желанное обитать и господствовать в душе другого. Как же можно в любви видеть противоположность эгоизма?! Но, говорит Ницше, есть здесь и там на земле своего рода продолжение любви, при котором это алчное желание двух людей друг к другу "уступило место общему высокому стремлению к идеалу, стоящему над ними: но кто знает эту любовь? кто испытал её? Её истинное имя — дружба". – "Любовь прощает влюблённому даже желание", говорится в другом месте. Но это лишь подтверждает, что Ницше не считал желание, даже когда оно возвышенно проявляется как любовь, высшим, а дружбу, и притом дружбу, рождённую из стремления к общему идеалу. Да, кто испытал её? Ему пришлось обратиться к античности, чтобы найти примеры её высшей оценки.
Что чувство дружбы в древности считалось высшим чувством, выше даже самой прославленной гордости самодостаточных и мудрецов, для этого Ницше приводит в качестве доказательства вопрос, который задал тот македонский царь, когда презрительный к миру философ Афин отклонил его дар: "Как? Разве у него нет друга?" Ибо этим вопросом царь хотел сказать: "Я чту эту гордость мудреца и независимого, но я чтил бы его человечность еще выше, если бы друг в нем одержал победу над его гордостью. Перед мной философ унизился, показав, что не знает одного из двух высших чувств – и притом высшего".
Возможно, Ницше уже думал об этой анекдоте, когда в "Утренней заре" заметил, что только в античности мог возникнуть возражение против философской жизни, что с ней становишься бесполезным для своих друзей. Это возражение никогда не пришло бы в голову современному человеку. Ведь у нас есть только идеализированная половая любовь, тогда как все великие доблести античных людей основывались на том, что мужчина стоял рядом с мужчиной. Характеризуя свой идеал мужской культуры, Ницше произносит изречение: "Возможно, наши деревья не растут так высоко из-за плюща и виноградных лоз на них".
Среди людей, обладающих особым даром к дружбе, Ницше выделяет два типа. Один, постоянно восходящий, находит для каждой фазы своего развития точно соответствующего друга, другой оказывает притягательное воздействие на очень разных характеров и таланты, так что приобретает целый круг друзей, которые также вступают в дружеские отношения между собой. "Лучший друг, вероятно, получит лучшую жену, потому что хороший брак основывается на таланте к дружбе". Хороший брак, согласно высокому представлению Ницше, — это прежде всего духовная дружба двух людей разного пола. "Сорадование — не сострадание делает друга". Недостаток друзей указывает на зависть и высокомерие. Как рабские, так и тиранические натуры не имеют друзей. "Ты раб? Тогда ты не можешь быть другом. Ты тиран? Тогда ты не можешь иметь друзей". Очень тонко психологическое наблюдение, что отсутствие доверительности между друзьями — это ошибка, которую нельзя упрекнуть, не сделав её неизлечимой. Люди, которые дарят нам своё полное доверие, не имеют из-за этого права на наше; ибо "дарами не приобретается право".
Если Ницше не видел половую любовь в идеалистическом свете, к которому мы привыкли, то у него, в отличие от Шопенгауэра, не было и повода ее поносить. Он, вероятно, никогда не страдал от власти сексуального инстинкта. Поэтому ему было легко — ибо "степень и характер сексуальности человека простираются до самых вершин его духа" — сохранять наибольшую откровенность и в вопросах половых отношений и отвергать всякое "дьявольское" осуждение природы. "Что такое целомудрие у мужчины?" — спрашивает он однажды и отвечает: "То, что его сексуальный вкус остался благородным; что он в eroticis не терпит ни грубости, ни болезненности, ни расчетливости!" Однако как высоко он ценил всякую истинную любовь, даже если она выходила за рамки обычаев, свидетельствуют его слова: "Что бы ни делалось из любви, оно всегда совершается по ту сторону добра и зла".
Эта мысль заставила его симпатизировать современным французским романистам. Он оценил Бурже, Лоти, Мейлака, Анатоля Франса, Леметра как деликатных психологов; Мериме был ему близок также благодаря своему честному атеизму. Особенно высоко он ценил Стендаля, чье высказывание: "Dans le vrai Amour c'est l'âme qui enveloppe le corps" он назвал самым целомудренным словом, которое когда-либо слышал.
В жизни Ницше редко встречаются периоды, когда любовь к женщине оказывала на него влияние. Его увлечение "светлым ангелом" Хедвиг Раабе уже упоминалось; вспомним еще его юношеский восторг перед очаровательной берлинкой фрейлейн Анной Ретель, с которой он некоторое время музицировал, так что нам остается лишь упомянуть, что во время Байройтских фестивалей он влюбился в красивую француженку, мадам О., и писал ей письма, полные личного обаяния; ибо его более поздняя склонность к одной голландке едва ли была глубокой. Ее отказ от его предложения руки и сердца, которое, очевидно, было несколько неожиданным, во всяком случае, не потряс его.
Чем больше число имен, когда мы вспоминаем женщин, к которым Ницше питал дружеские чувства, хотя он признавал только "единственную женщину большого стиля" — фрау Козиму Вагнер. Он ценил ее не только как первый голос в вопросах вкуса, но и позже называл ее самой почитаемой женщиной, которую знало его сердце, и самой симпатичной женщиной, которую он встречал в жизни. Так, в письме к Мальвиде фон Мейзенбуг, своей "материнской подруге", чья глубокая привязанность к приемной дочери Ольге дала ему понять один из прекраснейших мотивов: "мотив материнской любви без физической связи между матерью и ребенком", как одно из величайших откровений милосердия. Её матерински-любящая сущность и её идеализм служили для него зеркалом для каждого добросовестного человека. Но даже если он иногда называет её "лучшей подругой на свете", его отношения с ней имели общую высокую цель как предпосылку совершенной дружбы только во времена поклонения Вагнеру. Как "идеалистке" ей в конечном счёте не хватало глубины трагического познания, без которого любой радости не хватает корневой силы. С тех пор как Ницше восходил на свою высоту, это была, по сути, только благодарность за тёплое участие в его жизни, что поддерживало их отношения.
Так ценны временно отношения с фрау тайным советником Ричль, фрау профессором Овербек, фрау Марией Баумгартнер и почитательницами из Байройтского круга ни были для Ницше, так же стимулирующе складывалось общение с умными женщинами разных наций в Зильс-Марии, о дружбе в высоком смысле Ницше здесь не может быть и речи, как и в случае с Метой фон Залис, опубликовавшей воспоминания о нем, которые демонстрируют понимание его аристократического мировоззрения, или с фрайфрау фон Унгерн-Штернберг, которая с тонким психологическим пониманием опубликовала графологический анализ его почерка. Жена его друга фон Зейдлица произвела на Ницше такое симпатичное впечатление, что он однажды пожелал себе в качестве супруги храброе маленькое существо à la Ирене Зейдлиц. Среди женщин, с которыми он общался, сестра действительно больше всего соответствовала идеалу дружбы. "Сестра для философа — очень благотворное учреждение, особенно если она веселая, смелая и любящая". То, что и в общении с ней порой возникали разногласия, нам не нужно убеждаться в этом с помощью полемики Бернулли — сама она неоднократно на них указывала. Но она, как сказала о ней одна француженка, была "espiègle". Его отрицание оптимистично довольствующейся среды, его утверждение реальности, узренной в идеале, отражались в её чувствах и мыслях, так что пространственная разлука с ней из-за её переезда в Парагвай с супругом д-ром Фёрстером стала для Ницше тяжёлой потерей.
Мать, сестра и фрейлейн фон Мейзенбуг продолжали усердно стараться найти для Ницше достойную женщину; ибо, как бы серьезно он сам ни желал хорошей жены, его философские жизненные цели всегда значили для него больше, чем личные желания. Он признается: "Всегда есть что-то более необходимое, чем жениться: Боже, так было и со мной". Много ума у женщины он ценил очень мало. Скорее он был бы готов удовольствоваться хорошей хозяйственной женой, которая должна быть молодой, очень веселой, очень бодрой и мало или совсем не образованной. Однажды, когда ему на прогулке встретилась очаровательная темноглазая девушка, чей сердечный смех напомнил ему сестру, и которая смотрела на него нежно, как лань, у него потеплело на сердце. "Конечно, мне было бы хорошо иметь рядом что-то столь прелестное — но было бы хорошо ей? Не сделали бы мои взгляды ее несчастной, и не разбил бы я себе сердце (предполагая, что я полюбил бы ее), видя, как страдает столь милое существо?"
Перед такими сомнениями решение давалось с трудом. Однако брак по выбору Гёте — и об этом он тоже подумал — вряд ли мог состояться, потому что чувственность Ницше была недостаточно сильна. Таким образом, его потребность в откровенности и общности сохранялась в идеальном стремлении к дружбе.
Ницше имел теплосердечных друзей в каждом периоде своей жизни. После первых юношеских товарищей Пиндера и Круга, в Шульпфорте: Дойссена, фон Герсдорфа, Мушаке. Будучи студентом, помимо своего учителя Ричля, прежде всего Эрвина Роде. Затем во время преподавательской деятельности в Базеле, помимо Вагнера и Буркхардта, Овербека и кантианца д-ра Генриха Ромундта. После разрыва с Вагнером: д-р Пауль Ре, барон фон Зейдлиц и Петер Гаст. Кроме того, тонкие понимания и почитатели среди музыкантов Карла Фукса и Ганса фон Бюлова, в Георге Брандесе, Карле Хиллебранде, Максе Хайнце, Хуго фон Зенгере, Ипполите Тэне и других.
Именно потому что большинство его друзей были самодовольными личностями, они не могли пройти вместе с Ницше те метаморфозы, которые у него совершались как радикальные переживания. Больше всех, пожалуй, его любил Роде. Поэтому Ницше особенно тяжело переносил, что и Роде, с которым в молодые годы он чувствовал полную гармонию в своих идеальных целях, не следовал за ним в его преобразованиях. Пусть мир остается нем, потому что его учение еще не дошло до его ушей, если бы только не отсутствовало эхо друзей. О них он думал, когда писал, они даже определяли его стиль согласно установленному им правилу двойной реляции. "Стиль должен быть тебе подходящим в отношении совершенно определенного человека, которому ты хочешь себя выразить". Он болезненнее ощущал отсутствие одобрения Роде, потому что и его переписка с другом Герсдорфом прервалась, когда он встал на сторону Мальвиды фон Мейзенбуг в ссоре с другом. Таким образом, в то время, когда он больше всего нуждался в восторженном одобрении друзей, у него оставался только Петер Гаст.
Heinrich Köselitz — принявший имя Peter Gast — с 1875 года в Базеле, хотя и обучался музыке, слушал лекции Ницше, после того как ещё раньше увлекался им благодаря "Рождению трагедии" и "Несвоевременным размышлениям". Уже в Базеле он оказал ему помощь, переписав для него четвёртое "Несвоевременное размышление". Позднее, по мере нарастающей близорукости Ницше, он часто записывал под его диктовку, читал корректуры его сочинений и радовал одинокого своей игрой на фортепиано. Тем не менее Ницше долго колебался, стоит ли посвящать его глубже в свою философию. Он был убеждён, как свидетельствует одно место в письме, что для этого требуется большая зрелость. "Heinrich von Stein ещё слишком молод для меня. Я бы его испортил. Gast был бы скоро испорчен, мне нужно тысяча оглядок по отношению к нему".
При корректуре Гаст познакомился с "Заратустрой" и написал Ницше восторженный письмо, полное тонкого понимания. Лишь тогда всегда готовый ученик и последователь, этот человек "с золотым сердцем и выразительной головой музыканта" (фон Унгерн-Штернберг) стал его другом. Ницше оставался осторожен, чтобы не отвлекать его от основной профессии. Многое из того, что Гаст исполнял музыкально, восходит к инициативе Ницше, который никогда не скупился на ободряющие похвалы. "Одинокие без радостного ободряющего призыва легко становятся мрачными, теряют свою способность и свои произведения вместе с ней". Он также старался поддерживать его практически, например, когда ходатайствовал перед Гансом фон Бюловом о постановке оперы Гаста "Лев из Флоренции".
Ницше, как видно из его писем Петру Гасту, действительно чрезвычайно высоко ценил его музыку. Не только её весёлость, но и целостность её стиля в высокой степени соответствовали тому, что он ожидал от музыки будущего. Композиции Гаста были для него большим утешением. Однако не подлежит сомнению, что объективно они не обладают такой выдающейся значимостью. Воздействие на публику оставалось его музыке недоступным. Но Гаст мог утешаться тем, что она всё же выполнила значительную часть своего предназначения, радуя Ницше. Тем самым она сделала больше, чем если бы, несмотря на ограниченность своей ценности, доставила мимолётное развлечение ненасытной концертной аудитории.
Это, вероятно, почувствовал и сам Гаст. Ведь когда мой друг д-р Оскар Гроэ в Мангейме, заслуженный покровитель Хуго Вольфа, по моему предложению в более поздние годы обратился к Гасту, чтобы завоевать для него концертный зал, Гаст отклонил это предложение, мотивируя тем, что он решительно настроен противиться любому публичному исполнению своих произведений. Ему было достаточно того, что он стал для Ницше не только другом — "истинным другом моих друзей" — но и радовал его своей музыкой как его "Маэстро Пьетро Гасти". Он видел свою жизненную задачу в том, чтобы полностью посвятить себя Ницше и его произведениям. И поистине, он совершил великое. Только он из троих, кого Ницше считал призванными стать друзьями из учеников и последователей, оправдал этот призыв. Двое других, Лу Саломе и также Генрих фон Штейн, горько разочаровали Ницше. Всех троих он в своем отшельническом стремлении к дружбе переоценил в их способностях. Но только Гаст заслужил эту переоценку и в гордой скромности произнес у гроба Ницше слова: "Как могли мы быть твоими друзьями? Только потому, что ты нас переоценил".
Разочарованный
Что вы никогда не переоценивали,
Того вы никогда не имели.
Гёте.
"Через ежедневные лишения возвышать себя и других, с идеей чистоты перед глазами, всегда как Эксельсор — так я желаю свою и жизнь своих друзей." Пусть каждый представит себе, что это значит и требует. Тогда поймет, как легко здесь надежда обманывает, а успех разочаровывает. Логично изложенные доводы убеждают наш разум, тепло представленные чувства завоевывают наше сердце, красноречиво развернутые убеждения подчиняют наше мировоззрение, но с такой силой воздействовать на чувства и душу, чтобы наша воля вступила на новые пути — это может проявиться в эпохи религиозного подъема под властью внушения как слепое подражание, ибо все определенное имеет (по Буркхардту) королевское право по сравнению с тусклым, неопределенным и анархичным, но вести индивида к самому себе, чтобы он собственными силами стремился к высокой и далекой цели, поставленной над ним, — это требует не только большой авторитетной силы от ведущего, но и родственной природы у избранного для этого.
И именно за такими рыбами, и только за такими, Ницше метает удочку своей тоски. Поэтому он с величайшей радостью встретил известие от Ре и Мейзенбуг о молодой финке Лу Саломе, которая призвана стать его ученицей и последовательницей в самом прекрасном смысле. Если описание её внешности, которое я получил от друга, соответствует действительности, то от неё едва ли исходило то очарование, которое сразу пленяет чувства. Но для Ницше это могло лишь укрепить надежду, что между ними возможно постоянное прекрасное дружеское отношение. "Женщины вполне могут заключить дружбу с мужчиной; но чтобы поддерживать её — для этого, пожалуй, должна помочь небольшая физическая антипатия".
Первая встреча произошла во время его возвращения из Мессины в Германию в Риме, в соборе Святого Петра. Лу Саломе действительно оказалась исключительным умом. Она приняла его приглашение в Таутенбург в Тюрингии, где он провел лето 1882 года со своей сестрой. Его общение с Саломе длилось около пяти месяцев. В это время он пытался посвятить ее в свое учение. Несколько писем, которые Ницше написал ей, содержат места, полные восторженной радости. Как он мог не ликовать, читая ее стихотворение "К боли", которое он под названием "Гимн жизни" сначала положил на музыку для голоса с фортепианным сопровождением, а затем для хора и оркестра. Не только заключительные строки, взывающие к жизни и составляющие кульминацию музыкальной обработки:
У тебя не осталось счастья, чтобы дать мне,
Хорошо, у тебя ещё есть твоя боль!
а всё стихотворение дышит духом Ницше. В этих строфах его прекрасная мысль — даже через повседневную нужду возвышать себя и других — нашла благородный отклик. Если истинная сущность поэтессы соответствовала этому настрою, если стихотворение было больше, чем интеллектуальная адаптация и репродуктивное восприятие, то для Ницше действительно была найдена призванная ученица.
Ему, как свидетельствуют его собственные слова, описали Лу Саломе как существо, почти слишком хорошее для этого мира, мученицу познания с детских лет, отдающую каждое счастье и каждое удобство жизни, да и здоровье ради одного: истины. Ему представили её как совершенно бескорыстную и испытанную в долгой школе самопожертвования. Его собственное суждение вскоре признало, что она не соответствует этому описанию. Но, возможно, благодаря своим духовным задаткам она могла бы стать такой. По крайней мере, это, похоже, надеялся Ницше. "Как вы бедны в почитании, благодарности, почтительности, вежливости, восхищении — не говоря уже о высоких вещах…" Так пишет мужчина двадцатипятилетней девушке, пожалуй, только тогда, когда верит, что может воспитать её через величайшую откровенность. Однако в этом Ницше ошибался. Без сомнения, она в высокой степени обладала способностью понимать учения его позитивистского периода, но не способностью переживать его идеалы. То, что для него было вопросом его сущностной личности, для неё оставалось лишь делом интеллекта. В книге, которую она позже опубликовала как Лу Андреас-Саломе, "Фридрих Ницше в своих произведениях", можно прочитать следующее предложение: "Единственное подлинно определяющее ценность различие между людьми заключается исключительно в характере и степени их интеллектуальных способностей; возвышать людей значит, следовательно, не что иное, как нести среди них понимание".
Этот афоризм, при всей своей односторонности, гораздо меньше характерен для Ницше — даже если он должен был относиться только к его позитивизму — чем для самой писательницы. Единственное различие заключается в интеллекте! Так судит только человек, который не имеет чувства благородства бытия через наследственность поколений, ни понимания бессознательной движущей силы роста и становления. Тем самым автор не только осудила сама себя, но и непреднамеренно, типичным образом доказала, что Ницше не мог раствориться в позитивизме, не мог придерживаться такого способа рассмотрения, который все же предоставлял доказательства для подобной оценки жизни. "Следует устраивать жизнь на основе самого надежного, доказуемого: не как раньше, на основе самого отдаленного, неопределенного, горизонтально-облачного". Такое высказывание противоречило истинной сущности Ницше, которая наиболее точно выражалась в его любви к самому далекому, в перспективе которой стоит сверхчеловек.
Ницше со временем отдалился бы от Саломе и от Рее — столько мы уже можем предположить — даже без принуждения внешних разоблачений, и именно с того момента, как он перестал чувствовать себя Дон Жуаном познания.
Книга Саломе содержит немало остроумных толкований. Она также показывает, что некоторые из наставлений Ницше, которые он записал для неё под заголовком "К учению о стиле", были ею усвоены. "Первое, что необходимо, — это жизнь: стиль должен жить". Её дар формирования отнюдь не следует недооценивать. Тем хуже, что у неё отсутствует интеллектуальная совесть.
Кто так безмерно лжёт, не только когда речь идёт о собственных отношениях с Ницше, но и касательно дистанции между Ницше и Рее, заслуживает самой суровой критики даже при совершенно объективной проверке. Даже если утверждение, что она совершила сознательную фальсификацию, когда отнесла афоризм Ницше "Звёздная дружба" к Рее, не соответствует действительности, это, во всяком случае, с психологической точки зрения, означает грубую ошибку из-за поверхностности. Спотла ли Лу Саломе на самом деле с Рее втайне над серьёзностью Ницше и его воодушевлённой преданностью своим идеалам, мы не можем решить, но её поведение говорит в пользу этого. Обвиняла ли её фрау Фёрстер и были ли эти обвинения, которые скорее подтверждаются, чем ослабляются тусклой защитой фрау Овербек — она сама об этом молчала — в полной мере обоснованными, нам не судить, но из собственных слов Ницше мы получаем убеждение, что его "человечность" подарила ему переживание, атмосфера которого не вписывалась в стиль его жизни. Как глубоко страдал Ницше, свидетельствует его мучительный возглас: "ужасное сострадание, ужасное разочарование, ужасное чувство уязвлённого гордости мучает меня – как я ещё выдержу? Где ещё есть человек, которому можно доверять, которого можно почитать!" Ему сделали невозможным следовать его принципу: "Где больше нельзя любить, там следует – пройти мимо", ибо уязвлённая гордость требовала резкого упрека с его стороны. Он обратил его к Лу Саломе в словах: "Я не делаю вам сегодня никакого упрека, кроме того, что вы не были со мной откровенны в нужное время". Я дал вам в Люцерне свою работу о Шопенгауэре — я сказал вам, что там изложены мои основные убеждения и что, как я верю, они совпадают и с вашими. Тогда вы должны были прочитать и сказать Нет! (в таких вещах я ненавижу всякую поверхностность) — мне бы многое удалось сэкономить! Такое стихотворение, как "К боли", в ваших устах — глубокая ложь". Он усерднейшим образом стремился вычеркнуть воспоминания о ней из своей жизни; ибо "У вас могут быть только враги, которых стоит ненавидеть, но не враги, которых можно презирать. Вы должны гордиться своими врагами".
Совсем иначе обстояло дело со второй разочарованием, которое Ницше пережил два года спустя, когда он снова надеялся обрести способного ученика, в котором его учение могло бы жить дальше. Уже в год своего знакомства с Лу Саломе Ницше отправил Генриху фон Штейну, который навестил его в Лейпциге, но не застал, "Веселую науку". В ответ он получил от него двенадцать бесед, которые Штейн под заголовком "Герои и мир" опубликовал с предисловием в виде письма Рихарда Вагнера. Несколько писем было обменено, благодаря которым они быстро сблизились.
Хайнрих фон Штейн не был духовно близок Ницше. Духовно близок он был скорее Ричарду Вагнеру, по рекомендации Мальвиды фон Мейзенбуг он был приглашён к нему в качестве домашнего учителя. В духе Вагнера, вероятно, и по его предложению, он написал эссе "Шекспир как судья Ренессанса". Дух Реформации, а не дух Ренессанса, как у Ницше, соответствовал убеждениям Штейна. Будучи изначально теологом, воспитанным в христианстве, он освободился от догмы, но не от морали христианства.
"Голова и сердце должны звучать вместе, если должен возникнуть аккорд". Это характерное выражение Штейна. Он относился к этому требованию серьёзно и искренне. Тем самым он доказал своё сущностное родство с Ницше. Штейн тяжело страдал от диссонансов жизни, противоречия между бредом и реальностью. Такой человек, тесно связанный состраданием, полный рыцарских чувств, созданный для великого свободного послушания, ждал призванного вождя. Обстоятельства привели его к этому в лице Рихарда Вагнера. Он был ему глубоко предан, как я однажды смог убедиться сам. Это произошло вскоре после первой постановки "Парсифаля". Покровители фестиваля собрались в Байройте на заседание. Общество выполнило свою задачу, насколько это было возможно, и должно было распуститься по желанию Вагнера. Обсуждение шло туда-сюда. Вдруг стройная благородная фигура вскочила и воскликнула в зал примерно следующее: "Что всё это значит?! Здесь нужно ответить только на один вопрос: должно ли общество распуститься или нет? Вагнер говорит "да", хотите ли вы сказать "нет"?" – После этих немногих слов Штайн снова занял своё место; но их хватило, чтобы внести ясность в обсуждение.
Это действительно была прямая и решительная личность, какую гений нуждается в ученике, чтобы его воля была радикально осуществлена. Но этот человек принадлежал Вагнеру. Навсегда? Это был вопрос, который занимал Ницше. В своем первом письме Штейну стоят слова: "Мне рассказали, что вы, больше, чем кто-либо другой, возможно, обратились к Шопенгауэру и Вагнеру сердцем и умом. Это нечто неоценимое при условии, что это имеет свое время". Поскольку Штейн чувствовал себя несчастным под властью пессимизма и с тоской произносил высказывания вроде: "Радость — это страсть, через которую мы становимся лучше. Сколько радости ты крадешь и портишь себе и другим, столько ты грешишь", Ницше, вероятно, считал себя призванным освободить Штейна от власти шопенгауэровской и вагнеровской метафизики и предавался надежде, что тот ему предназначен.
Он сначала выразил Штейну свое удивление по поводу того, что тот в своих стихотворениях выбирает сплошь проблемы жестокости и не стремится к высоте, с которой трагическая проблема лежит под нами. Он признался ему: "Я хотел бы лишить человеческое существование части его разрывающего сердце и жестокого характера". Еще не пришло время вести его к глубинам и высотам своего учения. Но того немного, что он ему сообщил, хватило, чтобы пробудить в Штейне предчувствие, что призыв к освобождению от его мучительных мыслей обращен к нему, и что там, как "смелый, который не стыдится своего глубокого внутреннего мира", он найдет то, в чем больше всего нуждался: "доверье к собственному дыханию". И так он отправился в Зильс-Марию, не ради Энгадина, а ради Ницше.
Три дня, которые он провел там в августе 1884 года, стали для него и Ницше переживанием, которое случается редко. Здесь встретились и поняли друг друга два человека, которые могли вместе — смеяться. Слово, взятое буквально и символически. Штейн записал в свой дневник восторженные восклицания: "Великолепное впечатление от его свободного духа, его образного языка!" Ницше тоже был глубоко тронут. Только с таким человеком он мог обсуждать моральные проблемы. У других он так легко читал на лицах, что они его не понимают и только зверь в них радуется, что может сбросить оковы. "Штейн — гордая и чистая натура господина; он не подходит к этим низким рабским душам".
Стейн сожалел, что не продлил свой визит дольше, ибо "в глубине внимает и бодрствует бесконечная тоска по подлинной свободной жизни". Ницше ответил ему, глубоко обрадованный, исполненный тайных надежд: "Отныне вы один из немногих, чья судьба в хорошем и плохом принадлежит моей судьбе". С такой же решимостью ответил ему Стейн: "То, что я не могу дать вам ничего, чего вы уже не обладали бы богаче и лучше, совершенно очевидно. Что же я могу вам принести: верное сердечное сопровождение и понимание. И этим всё сказано". То, что ещё оставалось сказать, казалось, почти ускользало от слова. Но Ницше нашёл для этого выражение в одном из своих прекраснейших стихотворений "Тоска отшельника", которое он сочинил для Стейна и послал ему в письме. Он жаловался Стейну на непонимание старых друзей своих новых целей и в конце обратился к нему, новому другу, с тёплым призывом:
О юношеские стремления, которые себя не поняли!
Тех, кого я жаждал,
Кого я считал родственным-преображенным себе –
Что они старыми стали, их унесло:
Только кто меняется, остается со мной родным!
О полдень жизни! Второе время юности!
О летний сад!
Беспокойное счастье в стоянии, вглядывании и ожидании!
Друзей я жду, день и ночь готов: –
Новых друзей! Идите! Время! Время!
Штейн был без средств и привязан к своей профессии. Поэтому нам понятно, что после получения стихотворения Ницше он ответил: "На такой призыв у меня мог быть только один ответ: прийти; посвятить себя пониманию Нового, что вы хотите сказать, как самому благородному призванию. Это мне запрещено".
Ницше мог бы оплакивать этот ответ, но он не был способен поколебать его дружбу со Штейном. Однако дело обстояло иначе с теми словами, которые последовали. Ницше неявно сказал ему: освободись от Вагнера, приди ко мне! И что ответил ему Штейн? Он ответил ему: оставь себя и вернись к Вагнеру! Так и не иначе Ницше должен был понять удивительное приглашение Штейна приехать в Берлин и принять участие в работе над его "Вагнер-Лексиконом".
Объяснение такой наглости заключается в том, что Штейн, если не по поручению, то, как я знаю из личных сообщений, с ведома Ванфрида отправился в Зильс-Мария в надежде снова привлечь Ницше на сторону Байройта. Там он полностью поддался чарам Ницше, но теперь, издалека, вероятно, вспомнил о своей первоначальной цели. Он благоговейно почитает Ницше, но его Blickkraft (слово, придуманное им самим) все же не была достаточно велика, чтобы раскрыть перед ним несравненное самовластие Ницше, иначе он никогда не осмелился бы возложить на него такую черную работу на службе Байройта.
Если Лу Саломе разочаровала Ницше, потому что её человечность не соответствовала уровню её интеллекта, то Штейн разочаровал его, потому что его познание не соответствовало уровню его человечности. Тот, кто читает сочинения Штейна, даже если симпатизирует его идее о стремлении к "культуре чувств", едва ли сможет отогнать сомнение, действительно ли Штейн стоял духовно так высоко, как, вероятно, предполагал Ницше. Он был "совершенно серьёзным человеком", но радикальное познание несовместимости взаимно уничтожающих противоположностей ему не было дано. Во всяком случае, ещё не в тот решающий час. Душа Ницше была вновь болезненно ранена. "Какой тёмный письмо написал мне Штейн! И это в ответ на такое стихотворение! Никто больше не знает, как себя вести!"
Значимо ли переживание Лу потому, что оно показало нам, какой сфере Ницше не принадлежал, так переживание Штейна типично для судьбы мыслителя, чья величина обрекла его на одиночество.
Amor fati! И на этот раз Ницше остался верен этому слову. Стихотворение, предназначенное для Штейна, получило не только новый заголовок "Из высоких гор", но и его конец претерпел переработку. Тот, кто, несмотря на все болезненные переживания, снова и снова говорил жизни "да", праздновал исполнение своей тоски по отшельничеству как праздник праздников. Не в Штейне он нашел так страстно желанного товарища, а создал его единственно из себя самого.
Друг Заратустра пришел, гость гостей!
Теперь смеется мир, великий занавес разорвался,
Свадьба пришла для света и тьмы…
Провидец
Что может стать один, я считаю "малым",
Что "никогда не станет", может быть его высшим.
Юбельакер.
Мы следовали принципу выбирать только те заголовки, которые сам Ницше обозначил. Поэтому мы должны отказаться от того, чтобы назвать эту главу "сверхчеловек", как бы сильно ни возникало искушение. Как провидец, Ницше узрел сверхчеловека, как поэт он создал провозвестника сверхчеловека, он создал Заратустру.
Популяризация неквалифицированными толкователями скорее затруднила, чем способствовала кристаллизации этой идеи в нашем представлении. Пусть промышленник под "сверхчеловеком" понимает грубую энергию, возвышающуюся над уровнем буржуазной деловой активности, свободную от любых угрызений совести, или образованный в литературном и историческом плане человек представляет себе нечто вроде суммы Гёте и Наполеона — смысл ницшевского учения от этого в его основе не затрагивается, как и от естественнонаучного понимания сверхчеловека как представителя будущей высшей породы в дарвиновском смысле. Но даже там, где такие произвольные интерпретации отвергаются, потому что проникли глубже в понимание одинокого философа, всё равно отсутствует окончательный ответ на вопрос: что понимал Ницше под сверхчеловеком?
Сестра и биограф Ницше пишет: "Слово "сверхчеловек" представляется мне лишь обобщающим выражением для высшего и сильнейшего человека, как обозначение существ, которые оправдывают наше существование". То есть как превосходная степень. Объяснение, которое не дает нам различающей противоположности понятию "человек". Для Петера Гаста сверхчеловек — это символ, допускающий разные толкования для разных людей, для Оскара Эвальда же — не символ, а эманация. Но и Эвальд приходит, хотя он и верит, что нашел смысл сверхчеловека в историческом человеке, соединяющем прошлое и будущее, к затруднительному заявлению: "Сверхчеловек у самого Ницше не есть нечто единое, а представляет собой пестрое разнообразие, не четко очерченное, а разноцветное и полифоничное. Померанский юнкер, француз ancien régime, Наполеон, Гёте, Чезаре Борджиа, греческий философ и римский Цезарь спорят за одно и то же право". Возможно, вина за эту неясность "пестрого разнообразия" лежит не столько на Ницше, сколько на его интерпретаторах, среди которых Эвальд кажется мне самым значительным.
Чтобы сначала проследить за следами возникновения, мы не должны ограничиваться непосредственными высказываниями Ницше, а должны проследить ход мыслей, в ходе которого постепенно возникла потребность в обозначении, которое нельзя было покрыть привычным словарным запасом и заставило его выбрать слово "сверхчеловек". Если мы придем к представлению, которое не исчерпывалось бы никаким другим словом, то (но только тогда) мы можем считать нашу задачу выполненной.
Начальной точкой служит человек как этическое понятие. Но не в смысле христианской оценки, а в смысле античной гуманистичности. Современную гуманистичность, которая не желает понимать, что нет по-настоящему прекрасной поверхности без ужасающей глубины, надлежит преодолеть через немецкое возрождение античного мира. Призванным вождем в борьбе за это преобразование Ницше видел Гения. Прочь с тупым сопротивлением воспитателям на культурном поприще, дабы немецкий гений не жил более униженным и отчужденным от дома и родины! Примерно так звучал ницшевский оракул во время его первого творческого периода, когда он почитает Шопенгауэра и Вагнера.
До сих пор гений, возвышающийся над всеми людьми, представал как идеальное воплощение в перспективе его образа будущего, но теперь эта высшая оценка претерпевает переворот. То, что мир называет гением, предстает перед Ницше как карикатура. Еще болезненнее, чем физическая и умственная неполноценность в мире, он ощущает дисгармонию в сущности величайших. Он называет их калеками, у которых всего слишком мало, а чего-то одного — слишком много. Даже у первых и величайших он находит "Человеческое, слишком человеческое", что не следует реформировать, а преодолевать. Ранее, будучи последователем Вагнера, он верил в безусловную силу страсти, но теперь, после этой высокой оценки Дионисийского с прославлением ночной глубины в сущности человека, последовало восхваление Аполлона. Так началась новая эпоха в жизнепонимании Ницше.
Мы, дети будущего, восклицает Ницше в то время, как могли бы мы чувствовать себя дома в этом сегодня! Мы не гуманисты! Мы не говорим о нашей любви к человечеству! Лживое самовосхваление расы, которое особенно в Германии сужает идеалы, для него отвратительно, и он противопоставляет ему слово: "Мы, хорошие европейцы!" Почетное свидетельство для нас, обязанных наследников тысячелетий, но не конечная цель. Ведь и "Европа" все еще означает сумму древних командных суждений, которые перешли в нашу плоть и кровь и противостоят более высокому развитию. И так он отличает от этих космополитических европейцев в возвышенном и почетном смысле: бездомных, как бы вторую ступень своей теории восхождения. Бездомные для него — это такие культурные индивиды, которые ставят себя не только по ту сторону добра и зла, но и сознательно отворачиваются от стремления к человеческому, самому мягкому, правовому веку, ибо в этом стремлении видят выражение глубокого ослабления и упадка сил. Эти бездомные должны, если они правильно понимают свою жизненную задачу, чувствовать себя не только щедрыми и богатыми духом, но и как завоеватели. Ибо только тогда они имеют право считать себя бездомными, не принадлежащими более этому гуманитарному миру, если в них живет стремление "к усилению и возвышению типа человека".
Кто соответствует идеалу этих несвоевременных, бездомных негуманитариев? Гений? Его осознанная дисгармония велит нам сказать "нет". Положительно познающий? Внезапное возвеличивание Ницше наукой вместо искусства, кажется, указывает на него. Но вскоре он признался себе: Нет, и знающие тащили народную телегу, служили суеверию, а не истине. А сама истина — не более чем остаток неопровергнутых заблуждений? Так Ницше приходит к вопросу: Не является ли, быть может, только неверие, всякое неверие, тем, за что борются бездомные? Но так как он не находил удовлетворения ни в отрицании, ни в сомнении, то отвечает как призванный утвердитель, когда начинается его третий творческий период: Вы знаете это лучше, мои друзья! скрытое Да в вас сильнее всех Нет и Возможно, которыми вы больны вместе со своим временем; и если вы должны отправиться в море, вы, эмигранты, то и вас к этому принуждает вера.
Эти предложения, которые в основном находятся в посмертных публикациях, относятся к периоду, когда Ницше ещё не нашёл решающего слова для самого дальнего, высшего цели, а был в затруднении с именем. Однако нам уже ясно указывается направление и путь к этому новому идеалу: преодоление всего, что противостоит естественному развитию человеческих способностей, и замена случайности объединением всех сил для этой новой цели. Фемининный идеал морали сострадания противопоставлен этому высшему возвышению сознания силы, этому радостно утверждающему мужскому идеалу. Забота гуманизма не посвящена высшему развитию как таковому, не вершинам в редких личностях, а её забота служит в первую очередь стремлению к счастью большинства, которое всегда предполагает негативную формулировку. Устремления искусства с его театральным криком страсти направлены на причудливое; философия хочет самоотчуждения. Путь современного гуманизма ведёт поэтому не к цели, на которой человек вырастает над собой, а к смирившемуся, по расчёту мирно умеренному, способному приспособиться к любому окружению, уютному "последнему человеку", который живёт долго и медленно. То есть к концу без чести.
Перед лицом этой угрожающей деградации Ницше требует, чтобы человек пустил стрелу своей тоски за пределы человеческого, чтобы он меньше думал о сохранении и поддержании, а больше о том, чтобы взращивать зародыш своих высших надежд, руководствуясь познанием: человек — это нечто, что должно быть преодолено. Таким образом, Ницше ясно указывает направление к высшему размножению человечества. Но и вопрос о том, как нам практически представить задачу тех, кого он называет бездомными негуманитаристами, не вызывает у нас затруднений. Их культурное призвание — основание олигархии над народами и их интересами. То есть господство высших людей, которое, однако, не следует толковать в смысле наших существующих политических отношений.
Ницше уже требовал от хорошего европейца, чтобы его отличали мужество ума и сердца, но от высшего человека он ожидает, что достигнутая мужественность побудит его стремиться к наивысшей власти над вещами; всё — из глубочайшей полноты и необходимости. На место старого императива "Ты должен!" должен прийти новый: "Я должен" сверхмощного, Творящего. Этот инстинкт не мыслится слепым, ибо всё действие должно обретать смысл. Он не мыслится безудержным, ибо повелевающий должен владеть своими силами. Но он не мыслится и уступчивым, ибо творец новых ценностей не должен поддаваться гуманитарным порывам. Добродетель господина, добродетель селекционера — та, что овладевает и своим состраданием ради далёкой цели.
Число и мощь этих разрядов силы определяют ценность живого существа. Мы не должны представлять эту силу однородной; ибо человек взрастил в себе противоположные влечения и импульсы. Мы видим могучие инстинкты, борющиеся друг с другом, и называем того сильным, кто их обуздывает и объемлет. Высший человек для нас — тот, кто соединяет в себе наибольшее разнообразие влечений и в относительно наибольшей силе. Благодаря этому синтезу он — повелитель земли.
Только этот тип законодателей призван к типичному формированию человека. Они — творцы; а остальные, по сравнению с ними, — лишь глина. Тот, кто определяет ценности и направляет избраннейшие натуры, — высший человек. Этот идеальный образ будущего, к которому следует стремиться, этот господин Земли, выросший за пределы всех требований человеческого, самого мягкого, самого законного века, за пределы всей современной гуманности, который не только находит и создает новые ценности, но и возводит их в закон благодаря своей силе и величию: это сверхчеловек.
Сверхчеловек — это гений, не страдающий от дисгармонии, мудрец, не знающий самоотчуждения, провидец, не впадающий в фанатизм, то есть человек, который, несмотря на свою интуитивную силу, несмотря на свои этические цели, несмотря на свою духовность, остается гармоничной целостной личностью. Не тяжелый, а легкий; ибо и галкионическое мыслится как существенное для этой величины.
Для сверхчеловека все знание — лишь средство для творчества. Но и аффект творца мы должны представлять себе вознесенным на высоту. "Не ваять больше мрамор!" — восклицает Ницше. Сверхчеловек творит самого человека как художник.
Ни одно гуманистическое время не может надеяться на порождение этого высшего цветка мужественности, а только более высокая культура, которая развила более высокий тип человека. Конечно: повышение типа означает прежде всего повышение уровня. Но помимо этого существует еще одно последнее усиление: порождение редких отдельных личностей, в культурных условиях, в которых они могут укорениться. Только когда мы осознаем эту аскенденцию, мы понимаем, в каком смысле Ницше провозгласил: Смотрите, я учу вас сверхчеловеку!
Если гений находится в самом резком противоречии с некультурностью своего времени и его тенденциями, то, в противоположность этому, сверхчеловека следует представлять в его гармоничной связанности при всей его первоначальности и всем противодействии в частностях, как естественный продукт будущей высшей культуры. В сверхчеловеке гармонично соединяются индивидуалистические и коммунистические силы: коммунистические силы будущей правящей касты. Вот в чем новизна ницшеанского представления по сравнению с культом гения и героя прежних времен. И вот в чем, прежде всего, заключается преимущество, на которое так мало обращают внимание ницшеанцы: их учитель не застрял в индивидуализме.
Опасность непонимания заключается гораздо меньше там, где сверхчеловек понимается слишком конкретно в дарвинистском смысле, а в растворении всякого определимого представления. Нет, сверхчеловек для Ницше — это не "просто призыв", не просто бесконечная возможность развития или постулат в перманентности, а этическое идеал. Идеал, который, как и любой другой, как продукт фантазии, парит перед нами. Нечто, что не находится между небом и землей, но и не то, что возводит бесцельность в цель и как бы объективирует бесконечность развития, а образ, который нашей способности воображения на определенной ступени культуры представляется реализуемым. Ведь Ницше прямо говорит: "Сверхчеловек — это наша следующая ступень".
Был ли этот высший тип когда-либо? Конечно, отвечает нам Ницше, но как случайность, как исключение, а не как желанный. Его воспринимали как нечто ужасное, и из страха вывели противоположный тип: "домашнее животное, стадное животное, больное животное человек, христианин". Но Ницше был давно убеждён, что благодаря счастливым изобретениям можно воспитать великую личность гораздо лучше и выше, чем это делалось до сих пор случайностями. Он отнюдь не отрицал, что человечество сегодня обладает огромной силой моральных чувств, но всё больше укреплялось его понимание того, что ему не хватает цели, на которую можно было бы направить всю эту силу.
Где находится эта цель? В отличие от американца Дрейпера, который заявил, что великих людей больше не может и не должно быть, Ницше оставался при своем раннем убеждении: "Цель человечества заключается в его высших образцах". Позднее он зашел так далеко, что назвал возможность порождения отдельных великих людей подлинной задачей человечества. "Это и ничего другого". Можем ли мы хоть на мгновение усомниться в том, что для него сверхчеловек — не ступень, доступная каждому, а высшая вершина в перспективе сегодня представимого будущего? Его требование никогда не звучит как: "Стань сверхчеловеком!" А как: "Внеси вклад в создание культуры, которая увеличивает возможность становления отдельных великих людей, "поступай так, как если бы ты хотел породить сверхчеловека из себя".
Учение Ницше имеет целью, чтобы самое далекое стало причиной сегодняшнего. Требует ли он от женщины, чтобы ее надежда звучала: "Пусть я рожу сверхчеловека", или говорит ли он: "Пусть друг будет для вас праздником земли и предчувствием сверхчеловека", — его учение всегда завершается требованием: вы должны стать предками сверхчеловека.
Это учение Ницше о восхождении.
Заратустра — не только провозвестник сверхчеловека, но и живет свое учение как творец человека. В этом смысле в Заратустре понятие сверхчеловека обретает высшую реальность; ибо "в бесконечной дали лежит все то, что до сих пор называлось великим в человеке, под ним".
Поэт
Кто знает, не является ли и человек снова лишь броском к более высокой цели.
Гёте.
Берегись пытаться постичь чистым разумом самое глубокое и личное произведение Ницше "Так говорил Заратустра"! Это предупреждение следовало бы крикнуть каждому читателю. Ибо в этом произведении говорит и поёт поэт. Кто стремится познать с навязчивым взглядом, как мог бы он увидеть больше, чем поверхностные причины, напоминает нам Ницше. "Некоторые души никогда не откроешь, если не изобретёшь их заранее". Это относится не только к душе человека, но и к душе поэзии. В каждом напутствии, что произведение искусства должно быть узрено, прочувствовано, пережито, заключается требование, чтобы оно зародилось в нас, дабы творческая фантазия пришла к образу символического значения.
Если из поэзии "Заратустры", как это обычно происходит, извлекать лишь поэтически облачённые тезисы, то можно дойти только до поверхности, но не до души. Если же, напротив, дать Заратустре самому и всем образам произведения ожить перед глазами воображения, то можно эмоционально постичь мифический смысл. Нам не нужны школьные комментарии, какие предлагали Науманн и Вайхельт, чтобы проникнуть в дух произведения. "Так говорил Заратустра" — не догматическое учение для догматиков. Это также не роман, который можно воспринимать несимволически. "Меня тошнит от того, что Заратустра выходит в мир как развлекательная книга; кто достаточно серьёзен для неё?" — писал Ницше Гасту. Но книга не хочет быть понята и как Евангелие новой откровенной религии. "Здесь не говорит пророк, ни один из тех ужасающих гибридов болезни и воли к власти, которых называют основателями религий". Это также не проповедь. "Здесь не говорит фанатик, здесь не проповедуют".
Что же такое "Так говорил Заратустра"? Ницше дал нам ответ на этот вопрос, который имеет больше, чем образное значение. Он сказал: "Можно, пожалуй, весь Заратустру причислить к музыке; — безусловно, чтобы услышать возрождение, было необходимым условием для этого". И уже раньше, вскоре после создания первой части, он писал Гасту: "К какой же рубрике на самом деле относится этот Заратустра? Я почти думаю, что к симфониям". После завершения третьей части он спросил верного помощника: "Довольны ли вы и финалом моей симфонии?" И год спустя он обозначил теми же словами четвертую часть в письме к Паулю Генриху Видеманну. Но и гораздо позже, а именно в своей автобиографической зарисовке "Ecce homo" он пишет: "Прежде всего нужно правильно услышать тон, исходящий из этих уст, этот алкионский тон, чтобы не сделать смысл его мудрости безжалостно несправедливым", и далее: "Это привилегия, не имеющая себе равных, быть здесь слушателем". Почти можно сказать о "Заратустре" то, что Ницше однажды сказал о книге музыканта: она лишь случайно написана не нотами, а словами. Феникс Музыки пролетел мимо него с "более легким и сияющим оперением", прежде чем он создал "Заратустру".
"Музыка — это мелодия, к которой мир — текст", говорит Шопенгауэр. Если же исходить из мира, поэтически узренного мира Заратустры, то нам следует, значит, найти мелодию, к которой он является текстом. Поскольку нам не дано заставить её звучать — такая музыка была бы наиболее исчерпывающим толкованием "Заратустры", — то мы должны попытаться через слово хотя бы раскрыть существенный характер этой мелодии.
Я отдаю себе отчет в трудностях, которые представляет такое рассмотрение, но все же решаюсь на него; ибо сам Ницше указал нам путь. В его самом раннем плане произведения в качестве диспозиции первой книги стоят знаменательные слова: "В стиле первого предложения Девятой симфонии. Chaos sive natura: Об обесчеловечивании природы". Обесчеловечивание природы в данном случае означает: возвращение к Дионису, творческой воле природы, развивающейся из хаоса.
Вспомним ещё раз признание Шиллера: "Чувство у меня сначала без определённого и ясного предмета; он формируется лишь позже. Некая музыкальная настроенность души предшествует, и лишь затем следует поэтическая идея". Эти слова Ницше процитировал в "Рождении трагедии", чтобы из первоначальной идентичности лирика с музыкантом объяснить возникновение греческой трагедии, в которой музыка как бы стала видимой. Дионисийско-музыкальное очарование, коснувшись Аполлона, разбрасывало вокруг себя искры образов, лирические стихотворения, которые в своём высшем развитии называются трагедиями и драматическими дифирамбами. Так же должны мы представлять себе возникновение "Заратустры".
Какая речь соответствовала такой поэзии? До сих пор принято утверждать о стилистическом родстве с Библией. Но как бы ни были многочисленны отзвуки отдельных библейских слов, чаще всего в перевернутом виде, Ницше было так же далеко от стилистической опоры на Библию, как и от ее духа. Заратустра — это отнюдь не параллельное явление Иисусу, как утверждает Вайхельт, а возник из духа античности. Какая же речь соответствовала такой поэзии? Сам Ницше дал нам ответ: "Язык дифирамба. Дифирамб — это торжественная и праздничная песнь в честь творческой воли природы, хвалебный гимн в честь и прославление Диониса. В дионисийском дифирамбе человек побуждается к высшему напряжению всех своих символических способностей".
Как нам понимать "Так говорил Заратустра"? Ответ: символически. "Всё, что происходит, есть символ, и, полностью представляя себя, оно указывает на остальное", — говорит Гёте, который снова и снова наиболее надёжно вводит нас в духовный мир Ницше, когда речь идёт о том, чтобы по таинственным тропам внутренних переживаний и превращений одинокого философа вместе с ним достичь солнечных высот. Следовательно, "Заратустру" нужно понимать символически, а не догматически. Поэтому это решительная ошибка, когда Ричард М. Мейер называет его "драматико-дидактическим эпосом".
Символически понятый, Заратустра провозглашает нам как необходимое условие для усиления жизни: взаимосвязь наслаждения и страдания и освящение этого союза через любовь к вечности. "Я, Заратустра, защитник жизни, защитник страдания, защитник круга…!" Этим предложением отмечены первые три части "Заратустры", из которых изначально состояло произведение и на которые мы сначала ограничимся.
Как защитник жизни, жизни, стремящейся к высотам сверхчеловека, мы узнаем Заратустру в первой части. Как защитник страдания, которое в творящем преодолевает само себя, он возвращается во второй части к своим ученикам. "Творчество — это великое избавление от страдания и облегчение жизни. Но чтобы был творящий, для этого необходимо само страдание и много превращений". И как защитник круга, он утверждает в третьей части страдание и радость. "Всё уходит, всё возвращается; вечно катится колесо бытия. Всё умирает, всё снова расцветает; вечно течёт год бытия".
Раскроем широко глаза, чтобы узреть видение симфонии Заратустры как поэзию! Мы видим Заратустру, крепкого мужчину сорока лет, спускающегося с гор как странник. Туда, в забвение, он некогда унес пепел чужих метафизических мыслей своей юности. В горном одиночестве родилось его учение о творческой воле. Теперь он приносит ее огонь в долины. Не к богобоязненным, для которых старый бог еще жив, ибо они не нуждаются в нем, но к народу, который потерял старую веру. Ему он возвещает: все существа до сих пор творили нечто выше себя. И человек, сегодняшний человек, — это нечто, что должно быть преодолено. Взгляните на идеал над вами! Я учу вас сверхчеловеку! Но народ жаждет счастья в уюте, которое можно обрести лишь в разумном отказе от всякого высшего роста.
Заратустра понимает: не к народу должен я обращаться, чтобы быть понятым, а только к отдельным избранным спутникам. Им он возвещает, что дух, смиренный в благоговении, должен сначала завоевать себе "я хочу!" с львиной отвагой, но затем ему потребуется еще одно превращение, чтобы возникло новое первое движение, священное "да". Мотив обесчеловечивания природы, chaos sive natura, звучит в таинственных аккордах. Оно требует: возвращения к невинности ребенка! Как ребенок играет в невинности, так и творчество человека, устанавливающего новые ценности, должно быть игрой невинности. "Творящее "я" создало себе уважение и презрение, оно создало себе радость и страдание. Творящее тело создало дух как руку своей воли".
Речи Заратустры указывают друзьям на опасности, угрожающие творческой воле: через довольство, поношение природы и тела, угасание добродетели, уплощение образования и также через рост доброты без одновременного укрепления инстинктов. Чем выше дерево стремится ввысь и к свету, тем сильнее должны его корни устремляться к земле, вниз — во тьму, глубину, в зло. Та же самая тема, которая в начале обещающе развилась из мотива творения, завершает и первую часть: "Мертвы все боги: теперь мы хотим, чтобы жил сверхчеловек".
Так Заратустра наставляет своих учеников и оставляет их одних, чтобы посеянное семя, не подвергаясь его влиянию, могло взойти. Он возвращается в горы и в одиночество своей пещеры.
Луны и годы проходят. Но однажды утром до него доходит весть, что образ его учения искажен и ему грозит потеря друзей. Снова видим мы, как он спускается в долины и плывет через обширные моря к блаженным островам, где живут его друзья.
"– и лишь когда вы все отречетесь от меня, я вернусь к вам. Воистину, другими глазами, братья мои, стану я тогда искать своих потерянных; иной любовью стану я тогда любить вас". Ницше использовал эти слова из первой части как эпиграф ко второй; но из этого эпиграфа, "что почти неприлично говорить музыканту, вытекают иные гармонии и модуляции, нежели в первой части", говорится в одном из писем Гасту. Иные гармонии и модуляции! Но лейтмотив творческой воли господствует и над этой второй частью симфонии Заратустры. К нему присоединяется тема страдания.
Сознательная способность к душевным страданиям — мерило культурной высоты человека. Низкий человек страдает тупо и глухо. Сознательная способность страдать распространяется и на сострадание судьбе других. Кто знает философию Ницше, тот уже знает, какие опасности видел Ницше в дальнейшем развитии сострадания. И здесь, как и во всём остальном, через Заратустру выражается собственное мировоззрение и жизненная позиция поэта. Он провозглашает "высших" людей, которых теперь считает своими учениками: "Горе всем любящим, у которых нет ещё высоты, превышающей их сострадание". Ибо только эта великая любовь жертвует собой и ближними ради восхождения к идеалу. В этом все творцы должны быть жёсткими. Жёсткими прежде всего по отношению к себе, строгими к себе даже в преданности метафизическим утешительным основам. Ибо, учит Заратустра антиметафизически во второй части произведения высших людей: "Бог — предположение: но я хочу, чтобы ваше предположение ограничивалось мыслимостью".
Везде, где преступаются эти границы, Ницше видит опасности для восхождения. Это касается религиозной веры в месть, наказание, вознаграждение, возмездие. Но это относится и к познанию, остающемуся самоцелью, к морали, не признающей обусловленность всех оценок, к возвышенности, лишённой красоты, к атавистически перегруженному образованию, к бездеятельному созерцанию и презрению к людям, если оно в непродуктивной резигнации отказывается от иллюзий, без которых невозможна творческая жизнь. "Чтобы жизнь была достойна созерцания, её игра должна быть хорошо сыграна: для этого нужны хорошие актёры".
В иллюзиях пребывают прежде всего тщеславные. Их игра, по Ницше, служит лекарством от меланхолии. И потому он щадит тщеславие. В игре жизни мы должны преодолеть робость, которая пугается мысли, что связь удовольствия и страдания никогда не разрывается, а вечно длится, где бы ни царила жизнь. "Совершить великое трудно: но труднее — повелевать великим". Не нужно здесь пафоса; ибо "самые тихие слова приносят бурю. Мысли, приходящие на голубиных лапках, правят миром". Еще не решается Заратустра произнести самую бездонную из этих мыслей, и потому мы снова видим, как он возвращается в одиночество.
Создал ли первый "Заратустра" идеал для человека как цель его стремлений, выходящую за пределы самого себя: сверхчеловека, учил ли второй "Заратустра", что даже в добре есть несовершенное, трусливое, а значит, плохое, то третий "Заратустра" раскрывает, что в зле есть творческое и сильное, а значит, хорошее: наслаждение как садовое счастье земли, как переполняющая благодарность будущего к настоящему, властолюбие как жажда власти высокого, эгоизм, который провозглашает "я" здоровым и святым в здоровой любви. Воля к уничтожению прославляется; ибо кто мыслит и чувствует радикально и хочет сильного, тот должен отвергнуть слабое. Чтобы пшеница цвела, мы должны выполоть сорняки. И потому Заратустра разбивает старые скрижали, написанные слабосердечными, и устанавливает новые скрижали, которые гласят: "Лучшее должно господствовать, лучшее хочет также господствовать! И где учение звучит иначе, там – не хватает лучшего". Но для этого лучшего человеку необходимо и его худшее.
Заратустра созрел для своих плодов. Лишь теперь ему дана сила повелевающего, лишь теперь он способен возвестить друзьям свою высшую истину, которая гласит: эта жизнь есть одновременно твоя вечная жизнь. Недостаточно одобрения и согласия с познанием, но требуется решительная сила действия, чтобы колоссальное, безграничное "да" и "аминь" жизни вступили в силу. Не один дух должен говорить, но смелость к собственному "я" должна произнести: "Была ли это жизнь? Хорошо! Еще раз!" Требуется также преодолеть отвращение, чтобы вечная воля к жизни сознательно праздновала свою победу. Теперь Заратустра провозглашает учение о Вечном Возвращении Того же. "Все рушится, все складывается заново; вечно строится тот же дом бытия. Все расстается, все снова приветствует друг друга; вечно остается верен себе круг бытия".
Обратите внимание, как часто в всей красноречивости Заратустры теперь проявляется тоска поэта говорить силой музыки и как его язык самым тесным образом непосредственно соединяется со звуком. "Тонами танцует наша любовь на пестрых радугах". Он хочет перенять пение у певчих птиц и возвещает своим животным: "Что я снова должен петь – это утешение я изобрел себе и это исцеление". Его животные отвечают ему: "Не говори дальше, сначала сделай себе лиру, новую лиру". И он говорит своей душе: "Но если ты не хочешь плакать, не изливать свою пурпурную печаль, то должна будешь петь, о моя душа! – петь, с бурным пением, пока все моря не утихнут, чтобы они прислушивались к твоей тоске…" И теперь следует тот чудесный дифирамб под названием "Другая танцевальная песня", который заканчивается бессмертными тонами:
О человек! Будь внимателен!
Что говорит глубокая полночь?
"Я спал, я спал —,
Из глубокого сна я пробудился:
Мир глубок,
И глубже, чем думал день.
Глубока его скорбь —,
Радость — глубже, чем сердцебиение:
Скорбь говорит: исчезни!
Но всякая радость хочет вечности —,
— хочет глубокой, глубокой вечности!"
Ницше позже разъяснил нам эти слова: так богата радость, что она жаждет скорби; потому что она хочет самой себя, поэтому хочет и сердцебиения! "Боль — тоже радость, проклятие — тоже благословение, ночь — тоже солнце!"
Но даже после этих звуков Ницше нашел еще одно усиление в "Песне "Да и Аминь": Семь печатей" с семикратно повторяющимся рефреном: "Ибо я люблю тебя, о вечность!"
Так в третьей части симфонии Заратустры идея вечности стала господствующим лейтмотивом.
Неоднократно утверждалось, что между учением о сверхчеловеке и учением о вечном возвращении зияет противоречие. Но оно разрешается само собой, если мы понимаем оба учения в символическом смысле Ницше.
"Сверхчеловек — наша следующая ступень." В этих словах Ницше сказано, что сверхчеловека не следует рассматривать лишь как максимум скрытых способностей человека, а скорее как идеал, который должен органически и социально раскрыться, причем его реализация не означает конца идеального стремления. "В середине пути возникает сверхчеловек". Он обозначает ту ступень, на которой человек становится настолько добр к себе и к жизни, что утверждает и радость, и страдание; ибо все вещи взаимосвязаны. Это безусловное утверждение жизни находит свой символ в учении о вечном возвращении.
Не это, следовательно, решает, что это учение верят как догма, а что мысль не только терпится как возможность, но и желается, чтобы тем самым запечатлеть вечную ценность всего действия и бездействия. Мы уже высказали, что это существенное значение сохраняется даже тогда, когда мы думаем не о равномерном повторении, а о преобразованиях продолжающегося творения.
Представляем ли мы себе эту вечную оценку как круг или как спираль, в обоих случаях мы связаны не с учением о метаморфозе (переселении душ), а с учением о палингенезии. Превосходно определил оба понятия Шопенгауэр. "Можно было бы очень хорошо различать метаморфозу как переход всей так называемой души в другое тело — и палингенезию как разложение и новое образование индивида, при котором сохраняется лишь его воля, принимая форму нового существа, получает новый интеллект".
Очень верно говорит Оскар Эвальд: "Обычный человек видит явления, приходящие и уходящие, высший человек видит их непрерывность за явлениями". Эта вера в непрерывность символизируется учением Ницше о вечном возвращении.
Если мы зададимся вопросом, какая же идея выражается в поэзии "Заратустры" как отражение волеизъявления, воспринятого дионисийски-музыкально, то можем сформулировать её императивистски следующими словами: Чувствуй, думай, желай, действуй так, чтобы при олигархии высших людей стала возможна культура, в которой гармоничный целостный человек, здоровый телом и духом, призванный быть законодателем сверхчеловек, мог бы пустить корни и развиться, не нуждаясь в надежде на другую жизнь, но живя эту жизнь как свою вечную жизнь и находя высшее утверждение в желании: Это жизнь? Хорошо, ещё раз! Ибо я люблю тебя, о вечность!
Надеющийся
Если бы мне пришлось начать жизнь заново, я жил бы так же, как жил.
Монтень.
Первая часть "Заратустры" была написана в феврале 1883 года в Рапалло. "Заключительная часть была завершена точно в священный час, когда Ричард Вагнер умер в Венеции". То есть 13 февраля. Вторая часть была написана между 26 июня и 6 июля того же года в Зильс-Марии. "Летом, вернувшись на священное место, где первая молния мысли о Заратустре осветила меня, я нашел второго „Заратустру“. Десяти дней хватило; ни в одном случае, ни при первом, ни при третьем и последнем, мне не потребовалось больше". Третья часть была написана в конце января 1884 года в Ницце.
В десять дней! Трудно представить себе это, учитывая объем работы, даже если мы говорим себе, что, конечно, многое было заранее продумано. Д-р. Панету из Вены Ницше однажды сказал в то время, когда создавался третий "Заратустра", что он верит в свои поэтические силы до любой степени; он так долго их сдерживал, что теперь ему нужно только открыть шлюзы. Его одновременное сообщение о том, что он хочет также завершить несколько композиций и оставить их в качестве дополнения к своим сочинениям, ибо он может выразить в тонах многое, что нельзя выразить словами, подтверждает тесную связь слова и музыки у Ницше.
О восхищении, в котором он создал своего "Заратустру", мы получаем убедительное представление, когда читаем в "Ecce homo", как он ощущал силу вдохновения. А именно как откровение в том смысле, что внезапно с невыразимой уверенностью и тонкостью становится видимым, слышимым нечто, что потрясает до глубины души, исключает любой произвол и выбор и непосредственно в образе и подобии предлагает ближайшее, вернейшее, простейшее выражение.
Только из первоначальности и непосредственности творческой интуиции можно объяснить, что произведение могло возникнуть в срок, который показался бы нам невозможным при работе, вырванной у сознания силой разума. И при этом — в самых неблагоприятных обстоятельствах. Нарушения здоровья, трудности с издателем, отсутствие сочувственных одобрений, случайные разногласия самого разного рода не могли помешать потоку его работы. Но труднее всего, пожалуй, было преодолеть возникающую время от времени собственную депрессию. И к Ницше, как к другим людям, подступало искушение увидеть в сострадании добродетель, которой следует принести в жертву своё высшее познание. Тогда прозрение, что и воля к творчеству происходит от воли к власти, а значит, от жажды господства, пыталось его остановить; тогда он усомнился и в том, может ли существовать "обязанность перед истиной", если абсолютная правильность никогда не может быть установлена. Сомнения охватили и его, любящего и надеющегося, не усилит ли он, так потрясши наслаждение человека существующим, еще больше великую усталость культурного человечества, вместо того чтобы поднять его, не потеряет ли оно силы, если он лишит всего, что сегодня признается добродетелью, мнимого величия; ибо жизнь нуждается в иллюзиях. Но он преодолел это искушение, исполненный убеждения, что его учение дает человечеству то, в чем оно нуждается больше всего: новую цель!
Сегодня мы, вероятно, согласны с тем, что учение Ницше способно на это. Неважно, видим ли мы как индивидуалисты в гармоничном всесторонне развитом человеке, законодателе будущего, который означает вершину нашего развития, или же как общественные существа ценим сверхчеловека лишь как точку зрения, указывающую нам направление к более высокой культуре. Сегодня да, но тогда, при появлении его труда, не нашлось никого или почти никого, кто разделял бы эту веру с Ницше. Неудивительно, что в нём возникали сомнения, искушения подступали к нему, которые он мог преодолеть только силой своей веры в себя и надежды на будущее. Внутренняя борьба между сомнением и надеждой стала для него новым переживанием. Этому переживанию мы обязаны поэзией четвёртого "Заратустры".
Изначально он не должен был выходить как заключительная часть его бессмертного произведения, а под названием: "Полдень и вечность" с добавлением: "Первая часть: Искушение Заратустры". Еще две части должны были последовать за ней, для чего, вероятно, существовали наброски, однако они не дают нам ясного представления о запланированном продолжении. Если бы Ницше было суждено их осуществить, у нас было бы самостоятельная вторая книга "Так говорил Заратустра". Однако после его смерти — он напечатал "Полдень и вечность" лишь в небольшом количестве экземпляров для нескольких друзей — было естественно включить это произведение как четвертую часть в его труд. Эта четвертая часть была написана зимой 1884/85 в Ментоне.
Мы, вероятно, лучше всего поймем его, если предположим, что он отражает преодоление Ницше депрессивных искушений через твердую веру Надеющегося. В период перед созданием четвертого "Заратустры" Ницше записал слова: "Чтобы творить, мы должны дать себе большую свободу, чем когда-либо нам давалась; для этого — освобождение от морали и облегчение через праздники (предчувствия будущего! Праздновать будущее, а не прошлое! Создавать миф будущего! Жить в надежде!). Блаженные мгновения! А затем снова закрыть занавес и обратить мысли к твердым, ближайшим целям!"
В четвертой части Заратустра не спускается вновь в долины, а "высшие люди" приходят к нему в своей нужде. Кого Ницше называет высшими людьми? Прежде всего тех, кто не удовлетворяется сегодняшним днем черни, кто предпочитает отчаяние, чем смириться с покорностью. "Что вы презираете, вы, высшие люди, это вселило в меня надежду. Ибо великие презирающие — это великие почитающие". Их страдание, их отчаяние значат для Заратустры искушение к состраданию, которое он с трудом преодолевает, более того, которому он рискует поддаться. Они еще не на своей высоте, но они на пути к высоте. Здесь предсказатель, который в своём разочаровании провозглашает: "Всё равно, ничего не стоит, мир лишён смысла, знание душит". Заратустра же возражает ему: "Есть ещё блаженные острова". Двум королям, которых тошнит от того, что они не первые и всё же должны значить, он улыбается их миролюбию. Совестливый духа, который как учёный хочет основательно знать одно, но от всего остального отказывается, не может его удовлетворить в своей узкой скромности. Старый чародей и художник, который играет кающегося духа, который стал обольстителем всех, но сам разочаровался и теперь тоскует по великому, он охотно принимает у себя, но как он может считаться великим и подлинным?!
И черный длинный человек с худощавым бледным лицом, последний папа, чья прекрасная рука, всегда раздававшая благословения, заслуживает почтения, и который в своей меланхолии ищет утешения, и самый безобразный человек, презирающий себя и сострадание людей, но тяжело страдающий от своей мстительной ярости: все они нуждаются в помощи Заратустры. Он приглашает их всех вечером в свою пещеру. Также добровольного нищего, который без разбора раздавал свое богатство, не овладев искусством даяния, ибо он должен научиться гордости и мудрости у орла и змеи Заратустры. И наконец, тень Заратустры, которая уже многое прошла за ним, всегда следуя как его преемник, но не нашла его заповеди: и его он может пригласить только как гостя в свою пещеру, но не признать равноправным другом. "Плохо отплачивают учителю, если остаются только учениками".
Увидев так высших людей, ищущих Заратустру, как типы, нам едва ли хочется узнать, кто послужил моделью для отдельных их черт. Какое это имеет значение?! Прежде чем их общее приветствие происходит в пещере Заратустры, Ницше снова одаривает нас словопением, непосредственно возникшим из музыки, колыбельной песней, названной "Полдень". Как в том дифирамбе "Другая танцевальная песня" ритм движения разворачивается в словах, так здесь — ритм постепенного успокоения. "Бойся! Жаркий полдень спит на полях. Не пой! Тише! Мир совершенен". Снова нужно быть слушателем, слушателем полдня и слушателем вечности.
Когда поздним вечером Заратустра возвращается в свою пещеру, где находит собравшихся гостей, он вновь читает их души. Они отчаивающиеся, но они поняли: наше спасение — в Заратустре. Таким образом, они служат ему предзнаменованием, что придут лучшие, более высокие, чем они. Один из королей провозглашает: последний остаток Бога среди людей направляется к тебе. Это: "все люди великой тоски, великого отвращения, великой пресыщенности. Все, кто не хочет жить, или они снова учатся надеяться — или они учатся у тебя, о Заратустра, великой надежде". Но Заратустра знает, что одной тоски недостаточно. Он ждет: "более высоких, более сильных, более победоносных, более благодушных, тех, кто построен под прямым углом в теле и душе: должны прийти смеющиеся львы". Только такие люди соединяют в себе сильную волю и радостное утверждение жизни. "Что бы я ни отдал, чтобы иметь это: этих детей, эту живую посадку, эти жизненные деревья моей воли и моей высшей надежды!"
Фест "Тайной вечери", празднуемый в пещере Заратустры, — не праздник смирения и усталости, а праздник гордости и возвышения. На этом празднике говорят о творцах, которые забывают всю печаль и всю плебейскую тоску, которые учатся танцевать и смеяться. "Этот венец смеющегося, этот венок из роз: вам, братья мои, бросаю я этот венец! Смех провозгласил я священным; вы, высшие люди, научитесь у меня — смеяться!"
Гости его, конечно, умеют смеяться. Но их смех ещё не его смех. Он рождается из пародии и осмеяния. И в таком виде он — знак выздоровления и освобождения, ибо "не гневом, а смехом убивают". И даже из безумия может взойти удовлетворённость жизнью и желание прожить её ещё раз. Потому Заратустра вправе ответить им "пьяной песней", которая глубоко, но вместе с тем и дерзко перелагает его "полночное песнопение" "О человек! Будь внимателен!".
Тем не менее, для Заратустры остается убеждение: это еще не мои истинные спутники. Его утренний шаг для них еще не является призывом к пробуждению. Однако он встречает знаки, которые заставляют его говорить: "мои дети близко, мои дети!" Эта надежда освобождает его от опасностей искушения страданием и состраданием, а также от опасности отказаться от своей цели ради собственного счастья. "Мое страдание и мое сострадание — что в этом? Стремлюсь ли я к счастью? Я стремлюсь к своему делу!" С этой мыслью заканчивается четвертый "Заратустра" и еще раз заставляет нас вспомнить тему первого предложения: мотив творческой воли, но еще не само исполнение.
Три первые части книги образуют завершенное произведение; четвертая часть, как мы уже упоминали, является началом второй книги, за которой должны были последовать еще две части. Как Ницше представлял себе это продолжение? Только предположения на основе разрозненных записей могут дать нам ответ на этот вопрос. Поэт изначально планировал ввести Панас, которую Заратустра любит и из сострадания заносит над ним кинжал. "В тот момент, когда она направляет кинжал, Заратустра понимает всё и умирает от боли из-за этого сострадания". Но эту мысль Ницше, вероятно, оставил; ибо она не возвращается в более поздних планах.
Придерживаясь строго его оставленных записей, мы хотим теперь составить представление о том, как Ницше, вероятно, представлял себе продолжение "Заратустры". Учение о Вечном Возвращении оказывается сначала раздавляющим для благородных, более того, даже кажется средством их истребления, так что остались бы именно низшие, менее чувствительные натуры. Возникает поэтому мысль: "Надо подавить это учение и убить Заратустру". Заратустра же отвечает: Вы не знаете меня. Я дал вам это тяжчайшее бремя, чтобы слабаки погибли от него. – Кротость и мягкость — признаки силы, еще не уверенной в себе. С выздоровлением Заратустры от его искушений Цезарь предстает перед нами, неумолимо добрый — пропасть между творческим духом, добротой и мудростью теперь уничтожена. Свет и покой отличают Заратустру. Его не владеет чрезмерная тоска, но он видит свое счастье в правильно использованном увековеченном мгновении. Так он предстает как тип, которым должен жить сверхчеловек, а именно: как эпикурейский бог. "Дионисийский мир вечного самосозидания, вечного саморазрушения" остается вместо утопического исполнения целью и содержанием его учения. Но воспитание лучших людей требует тяжелых жертв: оставление родины, семьи, отечества. Непреклонная жизнь под презрением господствующей морали.
Большие люди хотят вписаться в большие сообщества. Обратите внимание на этот культурно важный коммунистический аспект! Они хотят придать единую форму многообразному, неупорядоченному, их привлекает видение и формирование хаоса. Тот, кто определяет ценности и направляет волю тысячелетий, управляя высшими натурами, — это высший человек. Исполненный этой убежденности, Заратустра призывает к борьбе и использованию силы, которую представляет человечество.
Так примерно представлял себе Ницше теперь Заратустру. Четвёртая часть заканчивалась объявлением, что его дети идут к нему, то есть те люди, которые развились на основе его учения. Поэтому он прощается со своей пещерой, прощается навсегда и идёт им навстречу со своими животными, то есть со своей гордостью, своей мудростью, своей отвагой, вплоть до города. Воссоединение с ними означает триумфальное шествие. Город называет его городом чумы. Замечание: "Костёр. Старая культура сожжена" — позволяет предположить драматический, полный жизни кульминационный момент. Весенний праздник должен был последовать за этим событием. Весенний праздник с хорами. Заратустра требует отчета. Он спрашивает: "Что вы сделали?" Характер нового сообщества раскрывается. Заратустра задает новые вопросы и сам на них отвечает. Они касаются выбора мест проживания, решения проводить эксперименты во благо культуры с преступниками вместо наказаний, освобождения женщины в самой женщине, увеличения количества машин, а также их преобразования в прекрасное, а также распределения дня. Невинность становления должна быть сохранена, освящение даже самого малого должно произойти, вызов врага становится необходимым, чтобы новый дворянский род и новые короли, как образец и учителя, могли себя проявить.
Новому типу грозит крайняя опасность, ибо "добрые" теперь выступают против высшего человека, против исключений. Умаление и стыд могущественных остается грозной судьбой человечества, стремящегося вверх. При отсутствии возвышающих людей безобразие, зависть и мелочность плебея, моральное лицемерие становятся опасностью, что все высокие натуры задохнутся и мировое правление перейдет в руки посредственностей. Заратустра поэтому подстрекает своих учеников к завоеванию земли. Не посредственности должны править, а только те призваны быть законодателями будущего, кто устанавливает новый великий факт оценок и как повелевающие превращает эти оценки в реальность.
Заратустра сам доказывает себя как такой законодатель. Час его победы настал. Он спрашивает всю массу на дионисийском весеннем празднике — и тем самым приводит к последнему решению: Хотите ли вы всё это (радость и страдание жизни) ещё раз?, и когда все отвечают Да!, он умирает от счастья.
Предчувствуя, радостно, ужасно хотел Ницше изобразить этот решающий момент. Небо ясное, глубокое. Глубокая тишина. Животные вокруг Заратустры. Он, умирая, закрыл голову, простёр руки над каменной плитой. Так кажется, что он спит. Наступает ужасная тишина. Что-то светящееся проходит у всех над мыслями.
Заключение произведения составляют слова восхваляющих. Мы узнаём: великий полдень стал переломным моментом. Высшее развитие индивида означает преодоление "человека", превосходство над всей прежней моралью. Смерть лишена своей случайности. В самом творчестве умирает творящий, творец из доброты и мудрости.
Если мы, несмотря на большую осторожность, возможно, упуская кое-что, из намекающих записей получаем хотя бы смутные очертания того, как примерно Ницше представлял себе оформление двух последних частей "Заратустры", то мы приобретаем тем самым представление о том, что произведение таким образом значимо пришло бы к завершению. Однако в 1885 году Ницше, как свидетельствует пометка в его записной книжке, окончательно принял решение отказаться от осуществления этого замысла. "Я хочу говорить и больше не быть Заратустрой". Представление о стиле, в котором должна была развиваться пластичная проработка заключительных частей, дает нам, вероятно, сохранившийся фрагмент.
Поскольку оно было включено только в большое собрание его сочинений, а во всех остальных изданиях отсутствует, оно малоизвестно. Я приводю его с любезного разрешения госпожи Фёрстер-Ницше в качестве завершения нашего рассмотрения Заратустры для публикации, а именно в той редакции, в которой оно было впервые опубликовано в журнале "Pan".
Заратустра перед королём.
"Уже не время для королей: народы больше не достойны иметь королей.
Ты сказал это, король: образ, который идёт впереди народа, образ, по которому все становятся творцами: этот образ должен быть для народа королём.
Уничтожать, уничтожать должен ты, о король, людей, перед которыми не идёт никакой образ: это худшие враги всего человечества!
И если сами короли таковы, то уничтожай, о король, королей, если ты на это способен!"
***
"Мои судьи и защитники права согласились уничтожить вредного человека; они спрашивают меня, хочу ли я позволить праву идти своим чередом или предпочту милость праву".
"Что труднее выбрать для короля — милость или право?"
"Право", — ответил король, ибо он был мягкого нрава.
"Так выбери право и позволь милости стать для насильника его собственным поражением".
"Я узнаю Заратустру, — сказал король с улыбкой, — кто же, кроме Заратустры, умел бы так гордо унижаться? Но то, что ты поднял, было смертным приговором".
И он медленно читал его, полушёпотом, как будто разговаривая сам с собой: "Приговорён к смерти — Заратустра, соблазнитель народа".
— Убей его, если у тебя хватит силы, — снова воскликнул Заратустра страшным голосом; и его взгляд пронзал мысли короля.
И король задумчиво отступил на несколько шагов, вплоть до ниши окна; он не произнес ни слова и не посмотрел на Заратустру. Наконец он повернулся к окну.
Но когда он выглянул в окно, то увидел нечто, от чего изменилось выражение его лица.
— Заратустра, — сказал он с вежливостью короля, — прости, что я не ответил тебе сразу. Ты дал мне совет: и, поистине, я охотно послушался бы его! — Но он пришел слишком поздно!
С этими словами он разорвал пергамент и бросил его на пол. Молча они разошлись.
Что же увидел король из своего окна, так это народ: народ ждал Заратустру.
Аристократ
Истинно, никто не мудр,
кто не знает тьмы,
неизбежной и тихой,
что всех его отделяет.
Герман Гессе.
Среди философов тоже есть те, кто проецирует свой образ как художник с данной точки зрения на плоскость, и те, кто, подобно скульптору, исследует свою проблему с разных сторон и таким образом формирует своё творение. Кто здесь и там относится к скульптуре так, как это уместно только перед картиной, тот неизбежно приходит к осуждающему непониманию.
Сколько же уже написано о "противоречиях" у Ницше! Доброжелатели пытались объяснить их его развитием. Они подчеркивали противоположность различных периодов его творчества, чтобы, в лучшем случае, обнаружить скрытую связь, благодаря его личности. Но даже внутри отдельных творческих периодов не возникает единства, если мы оцениваем его произведения как картину, а не как скульптуру. Учение Ницше должно восприниматься глазами скульптора; ибо он не признает безусловных истин, которые изначально допускают лишь одну точку зрения. Не достаточно указать на метаморфозы, которые каждый человек переживает в своем переходе от юноши к мужчине, чтобы понять постоянное в творчестве Ницше; важно следовать за ним по тайным путям его внутреннего переживания, чтобы узреть единство в многообразии.
Нужно понять, что в стремлении непрестанно доводить всё до конца, при каждом слове думая "всегда о самом крайнем выражении", многие суперлативы в утверждении и отрицании требуют противопоставления уравновешивающего противовеса; нужно понять, что Ницше, несмотря на свою односторонность как борца, охватывает самые разные проблемы. Он объясняет наслаждение через страдание и страдание через наслаждение, пессимизм как мировую скорбь из слабости и пессимизм как трагическое познание из силы; ибо язык и понятия не однозначны. Он прославляет позитивизм как ограничение опытно данным и вновь осуждает его как одностороннюю критику специалистов; он видит в сомнении то кровососущего паука, то вновь прославляет скепсис как дерзкую мужественность. Не из-за недостатка последовательности, а из-за логической необходимости меняющихся взглядов и освещения. Поэтому повторим ещё раз: мы должны рассматривать учение Ницше так, как рассматриваем скульптуру.
Философ, который не верит в абсолютные истины, существующие независимо от реального мира, а чья проблема — сама многообразная жизнь со всеми её необходимыми противоречиями, может прийти к единству только так, как музыкант ставит контрапункты, как архитектор уравновешивает горизонтали и вертикали. Ницше как поэт вдохновляет воображение, чтобы оно соединяло то, что для трезвого рассудка существует раздельно; Ницше как мыслитель возводит само противоречие в принцип жизни.
Поскольку для Ницше не только понятийное познание, не логическое выведение посредством разумных оснований, не унификация в системе составляют цель его мировоззрения, а учение вырастает из переживания, то одновременное рассмотрение жизни и учения неизбежно необходимо, чтобы мы могли распознать органическую связь сущности и воли у него. О воле: ибо для Ницше философ в конечном счете призван не к созерцательному мудрецу, а к творческому законодателю человечества. Как Гёте как поэт не стремился черпать поэзию из действительности, а стремился поэтизировать саму действительность, так и Ницше не хочет абстрагировать учения о ценностях из жизни, а хочет превратить саму жизнь в ценности.
Каждую философию можно истолковать как исповедь её автора, причем как в отношении начала, так и цели. Его сущность, но также и стремления его становления, инстинктивное желание в действии и бездействии выдают себя в философских оценках. Но в то время как история философов предлагает нам здесь лишь примеры, которые ещё предстоит раскрыть аналитически, Ницше был полностью осознавал этот факт. "Оценки человека выдают что-то о строении его души и в чём она видит свои жизненные условия, свою подлинную нужду", — говорит Ницше. Также и Гёте заявил: "Всё, что стало известно обо мне, — лишь обломки большой исповеди".
Мы облегчаем себе понимание пути развития Ницше и прорастания, цветения и созревания его учения, если ищем характерную черту, которая изначально заложена в его сущности. Нас интересует только одна значимая черта; нас не волнует, что Бернулли обнаружил у Ницше человеческое, слишком человеческое, и не имеют значения для этой цели многочисленные симпатичные частные черты, которые приводит биография сестры. В качестве такой значимой черты у Ницше мы можем выделить его аристократическую предрасположенность и настроенность. Аристократия для греков изначально означала власть лучших, самых способных, самых храбрых. Это происхождение слова сохраняется в применении Ницше, при этом он постоянно подчеркивает, что выращивание благородных инстинктов достигается только в течение поколений.
Уже при рассмотрении его юности мы встречаем у Ницше настроение, которое отделяло его от "слишком многих", и чем дальше мы прослеживаем его развитие, тем больше понимаем, что он мог свободно дышать только среди себе подобных. "У него была бесшумная манера говорить, осторожная, задумчивая походка, спокойные черты лица и глаза, устремленные внутрь, как бы вдаль. Его легко можно было не заметить, настолько незаметной была его внешность. В обычной жизни он был очень вежлив, почти по-женски мягок, постоянно доброжелательно уравновешен; он наслаждался изысканными формами общения, и при первой встрече бросалось в глаза его нарочито изысканное поведение". Так описывает его Алоис Риль, правда, не по собственным наблюдениям, а по сообщениям его друзей.
Meta von Salis-Marschlins, с которой Ницше между 1884 и 1887 годами неоднократно общался лично в Цюрихе и Зильс-Марии, упоминает его спокойную манеру речи с тихим голосом, полным мягкости и мелодии, и взгляд, обращённый внутрь себя. Она подчёркивает осторожное колебание, с которым он рассматривал всех, кто к нему приближался. Иногда он был очень весел и склонен к безобидным шуткам. Озаряла ли улыбка его загорелое лицо, оно приобретало трогательно детское, вызывающее сочувствие выражение. Она говорит: Ницше испытывал и проявлял сорадование, как немногие. Необычайно симпатично её трогала его врождённая вежливость, такт сердца и изысканные манеры. Чрезмерная сдержанность нравилась ему всё же больше, чем грубость и бесформенность. Характерен высказанный в разговоре с ней афоризм: "Все нелегитимное мне, собственно, ужасно". Она озаглавила свои воспоминания "Философ и благородный человек" и назвала его "философом аристократизма".
Фрейхерр фон Зейдлиц, с которым Ницше в Сорренто долгое время находился в личном общении, говорит: "Яснейший кристалл его глубочайшей сути был высшим благородством, которого может достичь дух: истинная урбанистичность". Он утверждает, что не знал – ни одного! – более благородного человека, чем он. "Подлинно новое в Ницше заключается в том, что между всех строк его произведений он провозглашает будущую аристократию – не только духа, но, что гораздо важнее, характера". Безжалостен он был только к идеям, а не к людям как носителям этих идей.
Когда Георг Брандес в 1887 году первым, кто серьезно занимался Ницше издалека, прочитал в Копенгагенском университете лекции о его философии, Ницше особенно радостно приветствовал, что Брандес отдал должное его аристократическому мировоззрению. "Аристократический радикализм — самое умное слово, которое я когда-либо читал о себе".
Брандес обратил внимание на его более глубокое значение после получения "По ту сторону добра и зла" и "Генеалогии морали". Прежде чем мы прочитаем в этих работах оправдание Ницше называть себя "имморалистом", давайте проследим предпосылки для этого в "По ту сторону добра и зла".
В доисторическое время ценность или неценность поступка выводилась только из его последствий. Ницше поэтому называет этот период доморальным периодом человечества. Лишь из бессознательного последействия господства аристократических ценностей и веры в "происхождение" возник моральный период. Только теперь в оценке поступка акцент больше не ставился на последствия, а с моральным нажимом — на мотивы. Против этой оценки, предполагающей неравенство, боролись нивелировщики как красноречивые защитники демократического вкуса и его "современных идей". Кто рабски настроен, тот хочет безусловного. Он понимает только тиранию. Даже в морали. Наиболее типично это проявляется во Французской революции, которую Ницше, где бы он ее ни упоминал, осуждает самым резким образом. То, что Французская революция выступала против религии, и притом ради демократии, не должно нас удивлять. Ибо для сильных, независимых, подготовленных и предопределенных к командованию религия — это еще одно средство преодоления сопротивления, возможность господствовать. Религия представляется им узой, связывающей правителей и подданных. Для них она — выход из тягот грубого правления. Обычным людям она способна одновременно дать бесценное довольство своей судьбой и природой, многократный покой сердца, облагораживание повиновения, нечто от просветления и украшения. Но демократический прогресс противоречит этому просветлению.
Наряду с моральной и доморальной оценкой Ницше в этом историческом рассмотрении одновременно указывает на внеморальную оценку. Пока полезность и сохранение общины решают в суждениях о ценности, еще нет "морали любви к ближнему". Альтруистические добродетели еще встречают некоторое пренебрежение. Так было в лучшие времена Рима. Только когда опасность сильных влечений, таких как предпринимательский дух и жажда власти, стала восприниматься как роковая, противоположные влечения и наклонности обрели моральную честь. Страх — мать этой морали. То, что возвышает индивида над массой, было ею заклеймено, а средний уровень желаний возвеличено.
Эта рефлексия уже открыла нам противоположность античного и христианского мировоззрения. Аристократическое мышление остается близким первому, но "демократическое движение делает наследие христианским". Очень показательно, что Ницше, переходя к современности, спрашивает: "Мы, которые придерживаемся иной веры, – мы, для которых демократическое движение является не только формой упадка политической организации, но и формой упадка, то есть уменьшения человека, как посредственности и обесценивания: куда должны мы устремлять свои надежды?" Ответ гласит: К новым философам, к духам, достаточно сильным и оригинальными, чтобы дать импульсы к противоположным оценкам, к переоценке ценностей.
Услышав уже в историческом изложении проблемы морали мелодическое руководство, которое Ницше отводит аристократическому настрою, мы еще отчетливее воспринимаем его значение там, где его личное эмоциональное восприятие выражается непосредственно. Тогда проблема морали предстает как проблема ранга. "Существует инстинкт ранга, который более всего, уже сам по себе является признаком высокого ранга; существует наслаждение нюансами почтения, которые позволяют судить о благородном происхождении и привычках".
В эту проблему ранга одновременно включён вопрос о возможности "величия". Там, где "равенство прав" слишком легко грозит превратиться в равенство в неправе, как это происходит сегодня, мы должны, как и Ницше, опасаться, что это движение будет всё больше разрастаться в совместную войну против всего редкого, чужого, привилегированного. "Сегодня принадлежность к знати, желание быть самим собой, способность быть иным, умение стоять особняком и жить на собственный страх и риск входят в понятие величия". Плебейскому честолюбию двери к такому пониманию закрыты. Путь к науке ему открыт, но не к — философии. "Многие поколения должны были подготовить возникновение философа; каждая из его добродетелей должна была быть приобретена, взращена, унаследована, усвоена по отдельности, и не только смелая, лёгкая, изящная походка и бег его мыслей, но прежде всего готовность к великой ответственности…"
Признаем, что Ницше таким образом резко отделил область ученых, "научных работников", что указал им ту сферу, где они могут фиксировать факты прежних установлений ценностей и, придавая им формальный характер, делать их удобными для использования, где они способны приносить благо, но признаем и то, что он тем самым наложил на всех тружеников скромность перед великими его рода, которые должны делать больше, чем просто познавать, а именно "быть чем-то новым, означать что-то новое, представлять новые ценности". Взглянем вместе с Ницше в пропасть, зияющую между знанием и умением! "Тот, кто умеет в большом стиле, творящий, возможно, должен быть невеждой".
Ницшевское аристократическое мировоззрение также согласуется с его смелым стремлением оставаться верным земле и отвергать все утешения метафизического происхождения и значимости морали. Если в "Так говорил Заратустра" он поставил себе задачу требовать обесчеловечивания природы, подчеркивая хаотичное в ней, то в "По ту сторону добра и зла" он приступил к задаче "перевести человека обратно в природу". Тем самым он стал отцом психоанализа. Как он объяснял страсть любви из властолюбия похоти, как он сам истолковывал вид воли познания из половой предрасположенности, как он видел в добре сублимированное зло, а в зле огрубленное добро, как он, столкнувшись с догмами веры, давал слово подозрению, что в их основе лежит подземная вражда, которая "даже не достигла порога сознания": так же он сводит все моральные оценки к подсознательным влечениям, чтобы, куда бы он ни направлял свой взор как исследователь души в эти тайны, повсюду встречать волю к власти.
В наследии Ницше найдены ответы на вопрос "Что такое благородство?". Они гласят, среди прочего, что благородство — это: тщательность в мелочах слова, одежды, осанки, поскольку эта тщательность отделяет; благородство — даже легкомысленный вид, защищающий от нескромного любопытства; медленный жест, медленный взгляд, позволяющий вещам приближаться к себе; терпение нищеты и скудости, болезни; уклонение от мелких почестей; одиночество; наслаждение формами; недоверие ко всем видам распущенности, включая свободу печати и мысли, ибо при них дух становится ленивым и неуклюжим; отвращение к демагогии, к плебейской фамильярности; избегание любой обобщенности. Он завершил эти записи словами:
"– Мы ценим добрых как стадных животных: мы знаем, что среди самых худших, злобных и жестоких людей часто скрыта бесценная капля доброты, которая превосходит всю простую добродушность молочных душ.
– Мы не считаем человека нашего рода опровергнутым его пороками или глупостями. Мы знаем, что нас трудно распознать и что у нас есть все основания давать о себе поверхностное представление".
Какое решающее значение Ницше придавал вопросу "Что такое благородство?", доказывает нам также тот факт, что он поставил этот вопрос в качестве заголовка последней главной части "По ту сторону добра и зла" и недвусмысленно провозгласил: "Всякое возвышение типа „человек“ до сих пор было делом аристократического общества – и так будет всегда снова…"
Имморалист
Человеческое суждение о прекрасном отделяло безобразное от прекрасного;
Человеческое суждение о добром отделяло плохое от хорошего.
Лао-Цзы.
Мы все называем хорошим то, что нам полезно и способствует нашим целям. Но как мы называем то, что нам вредит и противоречит нашим целям? Плохим или злым? Одни называют это плохим, другие называют это злым. Кто называет это плохим? Правящие. Кто называет это злым? Подчиненные. Таким образом, существует два вида морали. Мораль сильных и мораль слабых. "Существует мораль господ и мораль рабов".
Однако во всех высших и смешанных культурах, даже в одном и том же человеке, существуют сосуществование и переплетение обеих моралей. Там, где господствующие определяют ценности, понятие "хороший" имеет иное значение, чем у подчиненных. Там хорошими называют возвышенные гордые состояния души, которые воспринимаются как отличительные и определяющие иерархию. Здесь же хорошими называют и прославляют те качества, которые служат для облегчения существования страдающим. Там оценку определяют чувство полноты, силы, самообладания, благородства и храбрости, вера в себя и гордость собой. Здесь же пессимистическое недоверие ко всему положению человека приводит к прославлению сострадания, теплого сердца, терпения, трудолюбия, смирения и скромности, доброты, самоотверженности.
Остановимся на мгновение, и мы сразу придем к выводу, что, хотя мы и высоко ценим с этической точки зрения добродетели, сгруппированные вокруг самодовлеющей значимости, мы давно привыкли называть моральными только те свойства, которые образуют круг вокруг самоотверженности. Поэтому популярный язык и образ мышления не знают двух моральностей, а говорят лишь об одной морали, которая ставит выше сострадание и пассивные добродетели, чем жесткую последовательность, требуемую культурной иерархией для сохранения и повышения жизни.
Ницше был, таким образом, полностью вправе называть себя имморалистом как философ, устанавливающий ценности, который возлагал свои надежды на будущее на мужскую культуру и не находился под властью тех оценок, именуемых "моралью", а настаивал на том, что находится по ту сторону её суждений о добре и зле. Жаловались (особенно это делала его сестра), что Ницше не написал вместо этого "аморалист", потому что словом "имморалист" он порождает недоразумения. Но это означало бы притупить остриё его радикализма. Аморальным мы называем то, где мы исключаем как вопрос о добре и зле, так и о добре и плохом в моральном смысле.
По отношению к искусству и науке мы должны быть аморальны; ибо их внутренние законы не подчиняются вопросу о том, что требуют наши нравственные интересы. Но как имморалист судит тот, кто противостоит тому, что в противоположность рангообразующей личности считается моралью в нивелирующем обществе. Ницше неоднократно заявлял, что не отступает перед тем, чтобы скомпрометировать себя своими взглядами, более того, что он вызывает эту опасность, чтобы его не путали с другими; как же он мог в этом случае стать тихоней, только потому, что злой воле было дозволено путать имморалистическое мировоззрение с отсутствием этики. Мораль касается отношений между людьми, этика — отношений между человеком и человечеством и его высшими целями. То, что Ницше не отвергал мораль в целом, а лишь её нивелирующую тенденцию, направленную против своеобразного, редкого, высокого, как могли бы мы это не заметить, даже если бы он нам этого не сказал!
В афоризме под заголовком "Мы, имморалисты" в "По ту сторону добра и зла" сказано: "Этот мир, который нас касается, в котором мы должны бояться и любить, этот почти невидимый, неслышимый мир тонких приказов, тонкого повиновения, мир „почти“ во всех отношениях, коварный, опасный, острый, нежный: да, он хорошо защищён от грубых зрителей и назойливого любопытства!"
"По ту сторону добра и зла" изначально должно было стать своего рода глоссарием к "Так говорил Заратустра". Оно было написано в процессе создания этого произведения в 1883–85 годах и завершено в 1886 году в Ницце. Тем временем Ницше приступил к переработке "Человеческого, слишком человеческого". Новое произведение он намеревался выпустить как второй том этого труда. Однако оно было опубликовано как самостоятельное произведение, когда та переработка не состоялась. Глоссарием к "Заратустре" это произведение является в том смысле, в каком Ницше мог назвать свои прежние работы предшествующими комментариями к своей поэзии.
Следовало, написанное в 1887 году, полемическое сочинение "К генеалогии морали" как всеобъемлющее изложение уже сообщённого афоризма из "По ту сторону добра и зла", который набрасывал теорию морали господ и рабов. Не следует упускать из виду предисловие; ибо оно учит нас, как значимо Ницше уже в своих ранних сочинениях ставил вопрос о ценности морали, или точнее, о безценности морали сострадания. В этом он с самого начала видел утомление, обращённое против жизни.
Поскольку ценность морали считалась априорной, данной до всякого опыта, хотя Лао-Цзы, за две с половиной тысячи лет до Ницше, уже признавал её происхождение из человеческих суждений, ни на мгновение не колебались, приравнивая "Доброго" к более ценному, чем "Злого", и к высшему развитию жизни. "А что, если всё наоборот? Что, если в „Добром“ кроется и симптом упадка, и вместе с тем опасность, соблазн, яд, наркотик, благодаря которому настоящее живёт за счёт будущего? Возможно, уютнее, безопаснее, но и в меньшем масштабе, ниже? … Так что именно мораль виновата в том, что высшая мощь и великолепие типа „человек“, возможные сами по себе, никогда не будут достигнуты? Так что именно мораль — опасность из опасностей? …"
Вопрос о происхождении морали у Ницше был уже ранее подтолкнут его личным общением с д-ром Рее. Его работа "Происхождение моральных чувств" была оценена Ницше, но, поскольку она основывалась на альтруистической английской психологии, воспринималась как антипод. Ницше отказался опровергать её — "что мне до опровержений!", — а решил, "как подобает позитивному духу", вместо маловероятного поставить более вероятное. Он пришел к убеждению, что понятие "хороший" изначально не происходит от тех, кому оказывали добро, а что благородные, могущественные сами считали себя "хорошими", в противоположность всему низкому и подлому. Мораль исходила не из вопроса о ценности поступка, а из оценки самого человека. Таким образом, она изначально не была связана с бескорыстными действиями. Мораль, "этот знаковый язык аффектов", не является первофеноменом, а чем-то ставшим, и поскольку только благородным принадлежало господское право давать имена, изначально это было нечто совсем иное, чем то, что сегодня считается нравственностью. Но "господа ушли, мораль простолюдина одержала победу".
С чего началась эта революция в оценках, это восстание рабов в морали? Тем, отвечает Ницше, что само рессентимент стало творческим. Что означает рессентимент? Мы должны совершенно ясно понять этот термин, чтобы правильно понять Ницше. Всякая благородная оценка действует и растет спонтанно, она говорит "да" самой себе. Там, где она определяется извне к мести, она сразу же переходит к действию. Но оценка угнетенных не знает этой спонтанности. Ей всегда нужна противоположная и внешняя среда, чтобы вообще действовать. Поскольку ей отказано в непосредственном действии как возмездии и уравнении, она прибегает к воображаемой мести. Эта отложенная ненависть, это подземное чувство мести бессильных, неполноценных, которое искажает образ противника: это и есть рессентимент. "Все инстинкты, которые не разряжаются наружу, обращаются внутрь".
Люди, которым повезло, чувствуют себя счастливыми в своей деятельности; их счастье заключается в удовольствии от активности; угнетённые, тлеющие от ядовитых и враждебных чувств, понимают под счастьем как пассивные натуры: оцепенение, покой, субботу. Человеку с рессентиментом не хватает наивной радостности, его душа косит, его дух любит укрытия, он ищет прежде всего уют. Ах, он не может доверять своим бессознательным инстинктам, но ему нужна на каждом шагу рассудительность. Почтение перед врагом? Нет, он его не знает, но видит с полным недоверием и жаждой мести только "злого врага".
С полным отвращением восклицает поэтому Ницше: "Можно быть совершенно правым, когда не избавляешься от страха перед светловолосой бестией в основе благородной расы и остаешься настороже: но кто не предпочел бы сто раз скорее бояться, если при этом можно еще и восхищаться, чем не бояться, но при этом не избавляться от отвратительного зрелища неудавшегося, уменьшенного, чахлого, отравленного?"
Скрытый инстинкт мести низших не только очерняет побуждения сильных, но и позолотит побуждения слабых. Это фальшивое золото называется им: мораль. Бессилие, которое не может отомстить, он называет: доброта, ожидание из трусости: терпение, неспособность к борьбе: миролюбие, желание пощады: справедливость. Они провозглашают не: каждому своё, а: равное право для всех. Но чего жаждет их справедливость? Победы Бога, праведного Бога как проклятия над нечестивыми, мести всем, кто чувствует иначе, мыслит высоко и свободно; ибо только богобоязненных они называют: праведными.
Совесть? Для самодовольного индивида это означает: гордое знание о своей ответственности. Человек рессентимента знает только "дурную совесть". Она возникает из подсознательных чувств, которые не нашли пути к свободе и потому ищут удовлетворения окольными путями. Ницше называет это болезнью, "страданием человека от самого себя, как следствие насильственного отрыва от животного прошлого".
Ницше исследует отсюда чувство вины верующих, "грех", и, с другой стороны, своего рода вторую невинность у атеиста. Он выступает против любого самомучения через враждебные жизни идеалы и различает между светлым аскетизмом того, кто подчиняет свои животные инстинкты более высокому доминирующему инстинкту, и мрачным аскетизмом как клеветой на естественные инстинкты жизни. Безусловно, и благородная система ценностей, которая отстаивает привилегию немногих, но биологически ценных, против притязаний большинства, судит несправедливо, если при определенных обстоятельствах она не признает презираемую ею сферу; но ее внезапность, будь то гнев, любовь, благоговение, благодарность или месть, осуществляется в мгновенной реакции, поэтому ее поведение не отравляет.
Самое резкое противоречие между здоровым утвердительным инстинктом и отрицательными влечениями из мести Ницше видит в борьбе между "Римом против Иудеи, Иудеей против Рима" и их отражении в противоположности Ренессанса и Реформации. Как имморалист он прославляет последствия Ренессанса и осуждает Реформацию, которая восстановила церковь, находившуюся на грани гибели. Как имморалист он спрашивает "ценность для чего"; ибо то, что служит долговечности рас, может быть противоположным тому, что служит возвышению типа человека.
Для кого и против кого выступает Ницше, в этом после всего сказанного не может быть никаких сомнений. Он столь же решительно утверждает самодержавие удачно сложившихся индивидов, сколь отвергает подземное чувство жаждущей мести бунтарской массы и демократическое нивелирование. Но Ницше не партийный человек! "Чем больше глаз, разных глаз мы сумеем задействовать для одного и того же дела, тем полнее будет наше понятие об этом деле, наша „объективность“". Это высказывание Ницше относится и к его собственной личности, которую следует воспринимать перспективно. Тот, кто так ясно, как Ницше, отвергал всякую ограниченность реакционеров, бичевал их шовинизм, расовую предвзятость, отсталость, кто отвергал и антисемитов, и анархистов как людей рессентимента, того мы должны всегда оценивать с более высокой точки зрения, нежели с позиции какой-либо партии. Мы должны — при условии, что мы такие читатели, которых он признавал бы, — прийти к взгляду в желаемое будущее, которое не терпит одностороннего политического рассмотрения.
Ницше объяснил и прославил самоутверждение тех, кто призван повелевать, как определяющее ранг; но ничто не чуждо ему более, чем унижать из-за этого низко поставленных людей как таковых. Народу соответствует иная мораль и мировоззрение, нежели тем, кто возвышается над низиной. Мораль и мировоззрение, подходящие народу, должны сохраняться у него. Их следует бороться, поскольку они неоправданно стремятся упразднить иерархию, их следует оберегать и взращивать, поскольку они служат сохранению иерархии.
Давайте вспомним одно: все будущее уходит корнями в низины народа. Из него поднимаются силы, которые должны раскрыться в цветении. Мы, люди культуры, требуем, чтобы нас оценивали как цветок. Мы имеем на это право только тогда, когда чтим и корень, который снабжает нас омолаживающими силами. Только тогда мы можем надеяться убедить униженных, что это бессмысленное начинание — вырывать культурное растение, чтобы теперь воткнуть цветок вниз в землю, дабы корень наслаждался солнцем, которое должно его засушить. Только слепые фанатики жаждут переворота верха и низа или абсолютного уравнивания. Каждый здраво чувствующий в конечном счете стремится к иерархии, в рамках которой он обретает свое право, но лишь свое право как часть организма.
Гёте говорит: "Когда человек поставлен на вершину природы, он снова видит себя как целую природу, которая должна произвести в себе новую вершину… Тогда вселенная, если бы она могла ощущать себя, достигнув цели, ликовала бы и восхищалась вершиной своего собственного существа и становления". Как такая вершина задуман сверхчеловек. Следует постоянно подчеркивать, что он не индивидуалистическая фантасмагория, а был задуман Ницше как возможное порождение более высокой, единой культуры. То, что такая культура не ожидалась Ницше от грубого господства сильных, а от выполнения высокой задачи осмысленного и целенаправленного руководства, подтверждают его слова: "справедливость должна возрастать во всем, а насильственные инстинкты — слабеть". Кто видит в нем лишь прославление "светловолосой бестии", тому следует противопоставить его слова: "лучше дважды погибнуть, чем сделать себя ненавистным и внушающим страх".
Не нужно срывать горы, чтобы заполнить долины, как полагают фанатики равенства, а необходимо создать политические и культурные условия, в которых высокое и низкое, каждое согласно своей природе, сознательно и бессознательно служат высшей жизненной цели. Тогда не найдет пастбища ни демагогическое, ни реакционное честолюбие, а возникнет творческая личность, в которой корневые силы расцветут. В смысле того, что Гёте называл новым пиком, а Ницше — сверхчеловеком.
Опасность опасностей, враг врагов такого повышения жизни — это господство "морали", которая ценит слабость выше силы, считает пассивность более ценным счастьем, чем активность в наслаждении сознательного желания, поощряет самоотречение вместо мужества и гордой веры в собственное "я", подавляет сорадование в пользу сентиментального сострадания, из рессентимента возмущается естественностью человека, вместо того чтобы из полноты силы прославлять сильные инстинкты, тем самым взращивая то, что принижает жизнь, и борясь с тем, что возвышает жизнь.
Так учит нас ницшеанский имморализм.
Анти-нигилист
Есть только одно героизм в мире: видеть мир таким, какой он есть, и любить его.
Ромен Роллан.
Ницше предсказал мировую войну. Преодолевая противоречия между нациями, Европа стремится сложиться в великое единство. Наполеон, "первый и самый передовой человек нового времени", был представителем и борцом за эту идею. Но, пытаясь насильственно ее осуществить, он вызвал мощную противодействующую реакцию девятнадцатого века. Процесс становления европейца требовал искусства адаптации. Оно было нарушено. Благодаря болезненному отчуждению, которое националистическое безумие внесло между народами Европы, мы вступили в "классическую эпоху войны". Причем не только войны оружия, но и войны "средств, талантов, дисциплины". Так кризис должен был разразиться, и теперь Европа может преодолеть прежние идеалы и двинуться к новым целям.
Демократическое движение, способствующее сближению различных наций, также ускоряет потрясение и разложение прежних культурных ценностей. И моральное развитие питало этот процесс распада. Оно, благодаря воспитанной на протяжении тысячелетий правдивости, привело к тому, что эта правдивость обращается против самой морали и подвергает её скептическому исследованию.
Но Ницше предсказал не только мировую войну, но и рост того движения, которое мы наблюдаем сегодня. На поставленный им самим вопрос, каким будет следующее последствие кризисного уничтожения того, что до сих пор ценилось выше всего, его значимый ответ звучит так: пришествие нигилизма.
Когда речь заходит о нигилистах, мы представляем разрушителей, уничтожителей цивилизационных достижений. Так думает и Ницше. Но не только эту "самую нездоровую породу людей в Европе" он имеет в виду. Он трактует понятие гораздо шире и, тем самым, культурнее. Нигилизм возник не из социальных неполадок, его корни уходят глубже. Как активный нигилизм разрушения, так и пассивный нигилизм бесцельности проистекают из одной и той же причины. Эту причину Ницше видит в обесценивании старых идеалов.
Вот неожиданное открытие о самом себе. Поскольку мы, более свободные люди — и в первую очередь сам Ницше — переживаем в себе это обесценивание, мы тоже нигилисты. С этим ничего не поделаешь. Мы остаемся ими, пока не преодолеем отрицание. А это нам удастся лишь тогда, когда мы поставим перед собой новые цели. Наш пассивный нигилизм — и пусть это будет сказано дважды и трижды тем, кто слишком легко удовлетворяется — это признак слабости. Будь то поиск исцеления в буддизме и мистике или отказ от всякого смысла в безнадежной раздвоенности: он проистекает из недостатка инстинктивной уверенности.
Эту слабость Ницше учит нас преодолевать. Ему он противопоставляет себя творчески как антинигилист, как философ, устанавливающий новые ценности, как законодатель будущего, как прославляющий всё, что делает сильным, с самодержавной мощью, какую человечество редко испытывало. Обесценивание старых идеалов он воспринял как свою отрицательную задачу, переоценка в новые идеалы означает его положительную цель. И ему пришлось отрицать и разрушать, но только для того, чтобы заново утверждать, заново строить.
Как "переоценку всех ценностей" Ницше поэтому обозначил своё великое, оставшееся незавершённым произведение "Воля к власти", которое он в основном написал в 1884–88 годах.
Его первая книга, следуя замыслу Ницше, показывает нам европейский нигилизм как самую страшную из всех опасностей. Огромные силы освобождены, которые противоречат друг другу и взаимно уничтожаются, потому что отсутствует положительное направление к целеполагающей цели. В втором книге "Воли к власти" нам показана в её критике высших ценностей, существовавших до сих пор, повсюду проявляющаяся дисгармония между идеалами и условиями их осуществления. В третьей книге раскрывается перед нами проблема законодателя и показан принцип новой установки ценностей, а в последней книге, "Воспитание и выращивание", говорится о том, какими должны быть те люди, которые обладают всеми свойствами современной души, но достаточно сильны, чтобы преобразовать их в чистое здоровье.
По этому найденному плану записанные в многих тетрадях записи Ницше были впоследствии упорядочены. Мы можем назвать их лишь отчасти афоризмами, так как они еще не получили свою окончательную форму. Но читатель, знакомый с более ранними произведениями, находит в этой незавершенности дополнительный стимул, если он склонен к догадкам и сотворчеству. Он понимает, что здесь выражается контрдвижение, призванное в каком-то будущем заменить нигилизм.
Вспомним еще раз: Ницше не хочет отнимать у народа, и у всех, кто способен верить вместе с ним, религию и мораль, а обращается исключительно к тем, кто утратил эту веру и нуждается в новом смысле.
Пессимизм — это преддверие нигилизма. В его моральном осуждении уже заключается отказ от воли к существованию. Любая чисто моральная оценка заканчивается нигилизмом, как только вера в сверхмирскую авторитетность подвергается сомнению. Будь то Бог, совесть или разум — их цель всегда одна: обойти собственное стремление к цели и свалить ответственность с себя. Тем, что мораль клеветала на естественность, на самые могучие и перспективные инстинкты жизни, она неизбежно привела к ослаблению всех жизнесохраняющих и жизнеусиливающих сил. Она сделала это и продолжает делать до сих пор. И поэтому Ницше, как её принципиальный противник, учит: сказать "нет" всему, что ослабляет, что расслабляет, сказать "да" всему, что укрепляет, что накапливает силу, что оправдывает чувство. А это означает признать волю к власти благотворной. "Жизнь — это не приспособление внутренних условий к внешним, а воля к власти, которая изнутри всё больше подчиняет и усваивает "внешнее"". Это определение следует удержать. Нигилизм, в противоположность этому, означает: волю в ничто.
Сегодня сильнейшими оказываются те, кому не нужны крайние убеждения, те, кто не только признает, но и любит значительную долю случайности и даже бессмыслицы, те, кто может думать о человеке с существенным умалением его ценности. Ибо это люди, уверенные в своей силе, которые сознательно и с гордостью представляют достигнутую мощь человека.
Внешняя подвижность современного человека, несмотря на её престиссимо в темпе, не является признаком силы. Она слишком часто проистекает из реактивности и растрачивает свои силы частично в бесцельном присвоении, частично в бесцельной защите. В результате происходит глубокое ослабление спонтанности. Даже крайняя осознанность современного человека, самопознание, самоанализ являются признаками огромной декаданса; ибо сильные расы, сильные натуры не настроены на безграничное понимание или на простое отражение, их сила заключается в бессознательном. Современная толерантность — это неспособность сказать "да" и "нет", современная объективность — отсутствие личности, отсутствие воли, неспособность к любви. Не порча человека, а его изнеженность и моральное разложение — проклятие, как доказывает нам всеобщее помрачение.
И все же Ницше уже в первой книге "Воли к власти" — при условии, что расположение материала соответствует его последним намерениям — приходит к тому, чтобы с надеждой взирать на признаки укрепления. Здоровье растет, истинные условия сильного тела сегодня лучше распознаются и постепенно создаются, прежняя иерархия переворачивается, уже не священники, а имморалисты как защитники жизни определяют направление пути, достигнуто более радостное, благожелательное, гетевское отношение к чувственности, наше отношение к познанию, морали, политике, искусству, самой природе стало более естественным. Есть признаки того, что люди меньше, чем раньше, стыдятся своих инстинктов и воспринимают эту "озлобленность" как нечто более высокое. Цивилизация как приручение человека-животного теряет влияние в пользу культуры, которая предполагает развитие силы воли для своего роста.
Второе книга "Воли к власти" начинается с критики религии. Кроме Штирнера, ни один философ не требовал с таким радикализмом вернуть все идеальные представления, всю красоту и возвышенность, которые мы приписали реальным и воображаемым вещам, как собственность и творения людей.
Если мы сегодня спросим кого-то, как получается, что мы способны на то или иное, и он ответит: благодаря способности, то этот ответ покажется нам смешным. Но если на вопрос, что является причиной того, что мы думаем и чувствуем, мы услышим ответ: дух, душа, то это объяснение, хотя и использует слово другого корня, не менее наивно. Однако именно так поступает христианин, когда сводит надежду, покой, чувство спасения и т.д. к вдохновению от Бога. Он не решается считать себя причиной сильных аффектов или чувства силы; вместо этого он подставляет более сильную личность, божество. Эту психологическую логику использовали моралисты и философы так же, как и священники. Речь всегда идет о нигилистическом умалении жизни.
Спросим себя без всяких предрассудков: в какой мере нравственность, возникшая из христианства, полезна жизни, в какой мере вредит ей? Без сомнения, она сдерживает безмерного человека, не способного к самообладанию. В этом её благословение. Но что она делает с другой стороны? Она подрывает наслаждение жизнью, благодарность к жизни; она препятствует её украшению, её облагораживанию, а также её честному познанию. Сведённое воедино: нравственность тормозит развитие жизни. И поскольку жизнь есть воля к власти, поскольку она — благо нам, что так! – высшая форма проявления стремится в высшем человеке к собственной оценке ценностей, Ницше снова и снова противостоит всеобщности христианской морали. Она сама поступает столь же аморально, как и любая вещь на земле. Высший человек не должен поддаваться соблазну подчинить ей закон, определяющий его ранг. Он совершает психологическое преступление, если превращает неприятность и несчастье в несправедливость и вину, поносит сильные чувства наслаждения как греховные, позволяет себе обесцениться; ибо его высшее — это: мужество быть самим собой, любовь к неидеализированной природе и реальности.
Происхождение морали было гениально переосмыслено Ницше уже в "Генеалогии морали", а проверку её ценностей он предпринял, проникая в мельчайшие детали, в "Воле к власти". Слово "идеал" Ницше использует в двух значениях, которые мы должны строго различать. Там, где оно обозначает смысл и цель, которые отдельный человек ставит перед собой на основе своей сущности, где оно указывает на образ, предстоящий его "я", Ницше по-прежнему признаёт его; но поскольку оно является лишь продуктом "желаемого", освящённого религией и моралью, оно лишается им своего очарования. Тот идеал определяет путь к росту, к более высокому типу человека, этот означает бред абстрактного совершенства. Тот ведет к самоутверждению, этот — к самоотрицанию. С тем живут в положительных, с этим — в отрицательных чувствах. Никогда не следует свой идеал как единственный идеал бездумно обобщать. Так определяла это высокая самооценка Гёте, так и аристократический радикализм Ницше. Ведь этим уничтожается естественная иерархия душ.
Сильный признаёт, что добро и зло обусловливают друг друга, точно так же, как удовольствие и боль дополняют друг друга; его идеал доблести охватывает целого человека. Слабый же хочет признавать только добро, как и чувство счастья он считает возможным без необходимого противопоставления; его идеал добродетельности довольствуется получеловеком. Добродетельность в его понимании кастрирует человека.
Мы, имморалисты, как учит нас Ницше, не хотим уничтожить силу морали, но хотим стать её хозяевами; ибо реальный человек представляет для нас гораздо более высокую ценность, чем "желаемый" любой из прежних идеалов.
Возможно, через Ницше мы придем к тому, чтобы свести волю к власти к радости творчества как к её источнику, хотя она всегда измеряется лишь количеством усиленной и органической власти, то есть повышением жизненного чувства. Возможно, ибо "только невинность становления дарует нам величайшую смелость и величайшую свободу" и учит нас "воспринимать мир как саморождающееся произведение искусства".
Попробуем взглянуть на философию Ницше под этим углом. Эгоизм художника — это стремление к своему материалу. Художественная воля, работающая над типом человека, видит низший вид как основу, на которой может стоять высший. Однако для того, чтобы действительно возникли существа высшей ценности, должны прийти на помощь благоприятные случайности. То, что художественный воспитатель может повысить от себя, это: мужество, проницательность, твердость, независимость, чувство ответственности. Также божественное "да" себе из животной полноты и совершенства. И далее, нет, прежде всего: уважение к себе. Тогда он будет знать, как сохранить боевую и оружийную годность и в духовном. Художник в человеке требует господства над страстями, а не их ослабления или искоренения. Ибо великий человек велик благодаря свободному пространству своих желаний. Выше: Ты должен! стоит: Я хочу! Выше я хочу стоит: Я есть!
Это большое заблуждение — видеть в этом идеале усиление того, что до сих пор называли свободным духом, ибо эта свобода стремилась вширь; героический художник-тиран же хочет воспитывать человека ввысь, а не в удобство и посредственность, он в общении с людьми всегда стремится сделать из них что-то. Из любви? Да! Но не из рабской любви, а из той божественной любви, которая одновременно презирает и любит и пересоздает любимое, возносит его.
Истинный "королевский философ" — это такой художник человека, законодатель таких ценностных определений, повелевающий, творящий; ибо всё знание для него лишь средство творчества. Но для этого не подходит мораль слабости, а только телесно-духовная дисциплина, делающая сильным. Такой философ одинок не потому, что он хочет быть один, а потому что не находит себе равных. "Les aigles ne volent point en compagnie", — говорил Галиани. Ему трудно удержаться наверху среди нисходящих опасных водоворотов времени. Он может с гораздо большим правом сказать о себе, чем это остроумно заметил Кристиан Моргенштерн: "Я не хотел бы жить, если бы не жил Я"; ибо у него есть только он сам и его воля к творчеству, соединённая с надеждой, что настало время: в большом стиле преодолеть бессмысленную мораль латентного христианства, этого смертельного врага возвышения человека. "Власть сама по себе зла". Это слово Шлоссера должно было осудить власть. "Власть сама по себе зла". Так звучит и у Ницше, но как оправдание зла. "Самый могущественный человек, Творец, должен быть самым злым, поскольку он навязывает своё идеал всем людям против их идеалов и переделывает их по своему образу. Зло здесь означает: жёсткость, боль, насилие". Теоретическая философия приходит к выводу: "всё лишь субъективно". И Ницше судит по этому знанию, но у него оно приобретает более яркий звук, более радостный цвет, оно звучит у него так: "это также наше дело! – будем гордиться этим"!
"Воля к власти" показывает нам в наброске, как Ницше представлял себе свою философию будущего. Лишь собственное желание, собственная нерешительность являются отцом мысли у тех, кто верит, что Ницше, проживи он дольше и продолжай творить, в конце концов снова вернулся бы к христианству. Ничто, абсолютно ничто не указывает на такую возможность. Он чувствовал и мыслил по-эллински и остался верен этому чувству. Если хочется сконцентрировать его философию в одной формуле, можно сказать: Смысл мира заключается в становлении, смысл жизни — в оценке. Мы не знаем никакой "истинной мира" бытия как противоположности миру видимости. Первый означал бы мир без действия и противодействия, но мир, который мы ощущаем и познаем живыми, постоянно является результатом деятельности и сопротивления в свете нашего оценивания и ценности. И поистине с этим знанием можно жить смело, с ним можно "вопреки всем силам, сохраняться". И не только сохраняться, но и расти и раскрываться.
Антихрист
Ни на земле, ни на воде не найдешь ты путь к гипербореям.
Пиндар.
Представление о легендарном народе, о котором нельзя сказать, где он живет, Ницше использовал, чтобы охарактеризовать свой потусторонний мир всех современных идей. Потусторонний мир Севера, льда, смерти… потусторонний мир всех чувств мести и обид, потусторонний мир высшего типа человека, которого нужно воспитывать, против которого христианство, запрещая все основные инстинкты и становясь на сторону всего слабого, низкого, неудавшегося, вело смертельную войну.
Против этого смертельного врага своего гиперборейского идеала Ницше нанес мощный удар в своей страстной работе "Антихрист, опыт критики христианства", написанной в 1888 году как первая книга "Переоценки всех ценностей" и в значительной степени основанной на набросках к "Воле к власти". Против этого смертельного врага Ницше защищал инстинкты сохранения сильной жизни. С высоты, освещенной солнцем, христианство представляется ему умножителем страданий, хранителем всего несчастного. Ибо через свою мораль сострадания депрессия, порождаемая страданием, становится заразной и соблазняет нигилистически к отрицанию жизни, придавая ей мрачный и сомнительный облик.
Оно сохраняет то, что созрело для гибели; тем самым оно нарушает закон развития, основанный на законе селекции, и угрожает ради слабых и немощных всему сильному и жизнерадостному. С непоколебимой решимостью Ницше выражает это: "Здесь быть врачом, здесь быть неумолимым, здесь вести нож – это принадлежит нам, это наша человеческая любовь, такова мы, философы, мы гипербореи!"
С "Антихристом" он сознательно объявил войну всему, "что имеет кровь теологов в теле", то есть всей философии, влиявшей на очевидное и скрытое христианство, и её идеалам. При этом вспоминается высказывание Флобера: "Что сделала философия? Ничего, она из века в век делала Бога больше".
Не против злоупотреблений и отклонений внутри церковного христианства, а прежде всего против высших представителей христиански ориентированного мировоззрения направляет Ницше своё оружие. Смелость к крайнему выражению возрастает до безмерности; ни одно смягчающее, посредническое слово не хочет привлечь к себе полумеры, любые полумеры, но он осмеливается один – ещё не родились его соратники – принять бой: "Эта книга принадлежит немногим. Возможно, ещё ни один из них не живёт".
Кто придерживается веры в потусторонний мир, Бога, или истинную жизнь, или нирвану, спасение, блаженство… кто стремится подчинить свою творческую волю, свою личность какому-либо абстрактному понятию ради "мира души", кто из-за бессилия отказывается от самых мужественных добродетелей и влечений и признаёт себя "добрым самим по себе", из которого исключено всё сильное, храброе, властное, гордое, кто открыто или тайно верит в Бога, противоречащего жизни, кто, следовательно, обожествляет ничто, освящает волю к ничто: тот плывёт по другим водам, нежели те, что ведут к земле гипербореев.
Ницше строго различает христианство как историческую реальность и личность его основателя. Что отрицал Христос? "Всё, что сегодня называется христианским", — отвечает Ницше. "Христианство — это полное равнодушие к догмам, культу, священникам, церкви, теологии".
Нитше подчеркивает учение Христа о внутренней жизни с решительным уважением. Царство Небесное — это состояние сердца. Иисус повелевает: не следует оказывать сопротивление ни делом, ни в сердце тому, кто зол на нас. Не следует гневаться ни на кого, не следует никого презирать. Не следует судить. Следует мириться, следует прощать. "Блаженство" — не обещанное: оно есть, когда живешь и действуешь так-то и так-то. Но через Павла этот наивный подход к буддийскому движению за мир был превращен в языческую мистическую доктрину, так что христианство в конце концов — совершенно в противоречии с волей своего основателя — научилось мириться со всей государственной организацией… и ведет войны, осуждает, мучает, клянется, ненавидит. Только паулинианское христианство выдвинуло на первый план понятия вины и искупления. Только против этого направлен "Антихрист".
Первохристианство, как и родственный ему буддизм, стоят как нигилистические религии вдали от утверждения жизни, но Ницше ценит в них то, что они не учат "борьбе против греха", а, признавая право реальности, учат "борьбе против страдания". Будда выступал против психологических последствий чрезмерной раздражительности чувствительности и роковой переинтеллектуализации, проявлявшихся в виде депрессии, действуя гигиенически. Его решительное отвращение к любому чувству мести ("Не враждой кончается вражда") позволило ему в мягком климате среди кротких и либерально настроенных людей стремиться к той же цели, которую Ницше при других предпосылках, других возможностях пытается достичь иным способом: преодоление подсознательного недовольства человека собой и как венок победы за это: веселость. Паулиновское христианство, однако, когда оно стремилось к власти среди варварских народов, имело перед собой не усталых людей, а внутренне одичавших и раздирающих себя, то есть сильных людей, но неудавшихся; оно хотело овладеть хищниками, и его средство для этого — сделать их больными, чтобы ослабить и приручить. Для Ницше паулиновское христианство не является контрдвижением против еврейского инстинкта, а, напротив, его логическим продолжением, еще одним шагом в его ужасающей логике.
Также Генрих Гейне пришёл к убеждению, хотя и по другим соображениям, что не иудаизм и христианство являются противоположностями, а противоположность лежит между еврейско-христианской моралью и эллинским мировосприятием. Что такое еврейская, что такое христианская мораль? — спрашивает Ницше в одном дыхании и отвечает: "Лишить случайность её невинности; запятнать несчастье понятием ›греха‹; благополучие как опасность, как искушение; физическое недомогание отравить червями совести…"
Как антихрист Ницше в своём так озаглавленном труде борется против оденестествления человека, против поношения и ослабления животных инстинктов, против пессимизма морали, нигилизма мировоззрения, против бегства в непостижимое и немыслимое, как это делает вся его философия, только на этот раз самый могущественный, роковой враг радости бытия, невинности, утверждения жизни, удачности высшего человека и усиления жизни из творческой воли к власти атакуется непосредственнее, решительнее, экстремальнее в выражении.
Ницше, как и все познающие, терпим к прошлому с великодушным самообладанием; он не хочет винить человечество за его болезни и заблуждения, но тем яростнее бичует трусость тех, кто сегодня, несмотря на обретённое знание, обманывает себя и других, продолжая произносить слова "потусторонний мир", "Страшный суд", "бессмертие души", хотя их инстинкт и разум этому противоречат.
Настоящее подлинное христианство, напротив, по-прежнему представляется Ницше возможным, а для некоторых людей даже необходимым, ибо для них оно означает не веру, а действие, многое-не-делать, прежде всего — иное бытие. Христос своим смертью мог хотеть лишь одного: публично предоставить самое сильное испытание, доказательство своего учения — учения о превосходстве над любым чувством вражды в блаженном покое сердца. Но именно самое неевангельское чувство мести снова вышло на первый план. Потребовалось возмездие, суд. "Радостной вести" на пятки последовала наихудшая: весть Павла.
Паулиновское христианство объявило беспощадную войну любому чувству почтения и дистанции между людьми; оно выковало оружие против всего благородного, радостного, возвышенного на земле, против нашего счастья на земле. Аристократизм настроения был подкопан подземным образом ложью о душевном равенстве, христианские ценностные суждения — это то, что переводит любую революцию лишь в кровь и преступления. "Евангелие низов — делает низов", учит Ницше и приходит к выводу: "Анархист и христианин — одного происхождения".
Посмотрите на "Антихриста" с этой точки зрения, чтобы понять: Ницше борется не с Христом — этим благороднейшим явлением, — а с Павлом, с историческим христианством, которое победило античность и прервало её непосредственное влияние на протяжении двух тысячелетий. "Христианство было победой, в результате которой погибло благородное мировоззрение — христианство до сих пор остаётся величайшим несчастьем человечества".
Всегда следует понимать такие слова в контексте цели повышения жизненного уровня, роста культуры, а не с точки зрения утешения, которое они означают для угнетённых, нуждающихся в утешении. Не им, мы должны повторить это ещё раз, а более свободным, высшим людям хочет сделать презрительным христианство этот бесстрашный критик, сравнивая Библию к её невыгоде с благородным законником Ману, над которым сияет солнце триумфального благополучия в себе и в жизни.
Что от "Антихриста" не исходит в полной мере того воздействия, которого можно было бы ожидать от подобной полемической работы Ницше, объясняется не столько сопротивлением догматических верующих, сколько тем, что латентное христианство в нас всех ещё чрезвычайно определяет наше мышление, а возможно, и самой формой полемического сочинения. Даже атеист испытывает перед христианством благоговение благодаря детским воспоминаниям и ценит его как знамя в борьбе против материализма низменных интересов. Он хочет суверенно преодолеть его, но ярость нападок, безмерный натиск аффекта порождают в нём ощущение, будто здесь "негодование" задаёт тон. Несправедливо, ибо не подсозначная злоба, а величие его задачи заставляла бесстрашного антихриста развернуть всю свою энергию, не недовольство, а удаль боевой радости высвобождала все силы. Как первые две части "Заратустры" в цветах, как личное противодействие муке и смятению его души, получились "веселее и радостнее", чем предполагал Ницше, так, наоборот, эйфория последних лет в Турине повлияла на строгий серьез, возникших там сочинений ("Грубые письма – у меня знак веселья") на резкость тона, на крикливость красок.
Только к концу произведения временно звучат более радостные ноты. Здесь философ цитирует переведенные им отрывки из священнического, но тем не менее не пессимистического свода законов Ману (он читал его во французском переводе Луи Жакольо) и переходит к тому, чтобы представить кастовую систему как санкцию естественного порядка. Нравственное негодование и пессимизм неотделимы от представления о чандале, то есть о низших; утвердительный смысл самых духовных, напротив, в конечном счете рассматривает мир как совершенный, ибо он оценивает несовершенное как принадлежное необходимое низшее, всю посредственность — как широкую основу пирамиды культуры. На вершине же стоят самые духовные люди, которые одновременно как самые сильные находят свое счастье в самопреодолении. Для Ману и Ницше вторыми считаются стражи права, хранители порядка и безопасности; царь означает для них высшую форму воина, судьи и хранителя закона. Эта иерархия, которую мы уже оценили в учении о сверхчеловеке как идеал Ницше, по его мнению, не формулирует какую-либо произвольную государственную конституцию, а, как он утверждает, высший закон жизни. Ибо разделение этих трех типов необходимо для сохранения общества и возможности появления высших и высших типов. Способствуемая этим неравенство прав является условием того, что вообще существуют права. "Право — это привилегия. В своем роде бытия каждый имеет и свою привилегию".
Такой естественной иерархии, в этом мы без возражений согласимся с Ницше, стремления христианства с его равенством душ перед Богом решительно противоречат. Это противоречие проявилось не только в отношении к Римской империи — что лишило нас плодов античной культуры, — но и вновь, когда оно восстало против Ренессанса. Тогда в Риме действительно готовилось преодоление христианства через триумф жизни, через великое "да" всему высокому, прекрасному, дерзкому. Но что произошло? Лютер увидел лишь развращенность папства. Нападая на церковь, он восстановил её. И вот: Реформация уничтожила нечто невозвратимое, что с Ренессансом хотело стать для нас спасительной реальностью…
Представим себе в заключение вопрос, как Ницше оценил бы движение к мистике, которое сегодня в слове, звуке и образе, в экспрессионизме, в совместных медитациях и философски облачённых часах благочестия, вдали от шума мира, отчасти смешанное с оккультизмом, находит новых тысяч последователей и, вероятно, служит им заменой невозможной догматической веры, заменой улетучившихся идеалов: так мы можем предположить, что он признал бы это движение нигилизмом после потери прежних высших ценностей, явлением истощения после напряжений войны, утешением против разочарований всех видов, чтобы, возможно, как и буддизм, мягко оценить его как спасительную защиту от опасностей чувствительности и переинтеллектуализации. Но и это движение означает бегство от реальности, уклонение от цели высшего развития жизни, и поэтому он никогда не позволил бы ему кокетничать с его именем и его учением, как это часто происходит у его последователей.
В Дионисовских дифирамбах, этих песнях Заратустры, также созданных в 1888 году, перед нашим воображением в ярких красках восстает земля гипербореев как одинокий остров в море. В стихотворении "Солнце заходит", одном из самых прекрасных, которые у нас есть, этот остров возникает перед нами, как то Орплид, о котором пел Мёрике. В "Огненном знаке" ("Здесь, где между морей вырос остров") одинокий зажигает на нем свой маяк, а в "Славе и вечности" его сердце открывает нам, как мало он стремится к одобрению современников, как для него, подобно Гёте, все происходящее становится символом необходимого, и как ему, снова подобно Гёте, позволяет идея "вечное в преходящем".
Музыкант
Разве в наше время мы не можем больше смеяться от души и быть безудержно веселыми, должны ли мы посыпать голову пеплом, надевать власяницы, покрывать лоб глубокомысленными морщинами и проповедовать самобичевание?
Хуго Вольф.
Восхищенно говорят о ницшеанском Klavierspiel, его импровизациях и фантазировании за роялем сестра, Дойссен, фон Герсдорф, Крецер, Петер Гаст, фон Зейдлиц и другие. В Трибшене тоже охотно слушали его игру и были глубоко тронуты, когда при прощании с этой "островом блаженных" он выразил свою печаль, фантазируя за роялем. По описанию Гаста, его удар был очень интенсивным, но не жестким. Можно было бы, пожалуй, говорить не о рояльной игре, а об игре по партитуре, когда речь шла о воспроизведении оркестровых произведений, если читать у Петра Гаста, что его говорящая игра была полифоничной с разнообразнейшими нюансами, так что из оркестрового звучания здесь выделялись валторна или флейты и скрипки, там — тромбоны. Зейдлиц говорит: "Он играет с предельной выразительностью и глубокой убежденностью, которая неотразимо проникает в слушателя".
В юности — ведь изначально он хотел стать не филологом, а музыкантом — он написал, помимо оратории, большое количество композиций, романтический характер которых проявляется в том, что сохранилось до нас (его сестра частично опубликовала это в биографии). Например, фортепианная фантазия "При лунном свете на пуште", простое песнопение с необычными переходами к стихотворению Шамиссо "Ребёнок к погасшей свече" и мужской хор 1870 года "Ах, я должен теперь уйти", музыку которого, как бы она ни недостигала желаемой народности, я всё же оценил бы выше, чем это сделала в своём суждении сестра. Также в архиве Ницше, вероятно, ещё хранятся эскиз оперы и рапсодия — оба вдохновлённые сагой об Эрманарихе.
Число композиций более позднего периода невелико. Шумана еще в боннские студенческие годы вдохновил на создание музыкальных произведений по стихам Шамиссо и Петёфи, но вскоре у Ницше пробудилось сопротивление романтизму этого "приторного саксонца", возможно, не без влияния Ричарда Вагнера, которому музыка Шумана была антипатична. Особенно отталкивала Ницше "Манфред-музыка" Шумана. Он воспринимал поэзию Байрона совсем иначе и чувствовал себя вынужденным из-за этого противоречия самому сочинить "Manfred-Meditation". Когда он исполнил её в Трибшене, она, очевидно, была принята очень дружелюбно, но не получила решающей оценки. Ницше же жаждал решительного суждения. Переадресовали ли его здесь к Хансу фон Бюлову Вагнер и его жена или он пришёл к этому решению по собственной инициативе, мы не знаем. Ранее он отправил Бюлову свою "Рождение трагедии" и нашёл не только живой отклик, но и, как упоминалось ранее, Бюлов лично навестил его в Базеле и в знак благодарности исполнил баркаролу Шопена. Афоризм 160 в "Страннике и его тени" обязан своим возникновением воспоминанию о том часе.
Он отправил Бюлову свою "Медитацию Манфреда". Рыцарский борец за искусство Вагнера мог судить очень мягко и снисходительно, когда речь шла о том, чтобы ободрить новичка. Я сам это испытал, когда он не только очень доброжелательно оценил моё юношеское стихотворение, но и передал его друзьям для чтения. Но он мог и чрезвычайно резко судить, когда дело касалось музыки, которую он так свято чтил. Так, он написал одному всеобщей боязни франкфуртскому музыкальному рецензенту о его музыке, что находит её "пустой, бесцветной, претенциозной, холодной и чрезвычайно вычурной", и даже перед Ницше он считал себя обязанным быть предельно откровенным. Он назвал композицию в письме к её автору крайней степенью фантастической экстравагантности, неприятной и антимузыкальной, назвал её музыкальным продуктом лихорадки, в котором, несмотря на всё заблуждение, угадывается необычный, отличительный дух, но который заставляет его думать скорее о lendemain вакханалии, чем о самой вакханалии. Ницше был крайне потрясён, ибо был убеждён, что пишет по меньшей мере "естественную музыку". Его трибшенские друзья представили медитацию теперь Листу, чей вердикт звучал менее отрицательно, но Ницше придерживался высказывания Бюлова и решил отказаться от сочинения музыки. "Вы мне очень помогли — это признание, которое я делаю всё ещё с некоторой болью", — писал он ему, и более поздние письма доказывают, что обе благородные натуры сохранили взаимное уважение.
Ницше, несмотря на многие вздохи — "я хотел бы сейчас быть музыкантом больше, чем когда-либо!" — за редкими исключениями остался верен своему намерению. Помимо случайной композиции для четырёх рук "Monodie à deux", которую он написал к свадьбе Ольги Герцен (приёмной дочери Мальвиды фон Мейзенбуг) с Габриэлем Монодом, он сочинил свой, к сожалению, малоизвестный "Гимн жизни". Вероятно, его самое значительное музыкальное произведение, хотя оно и не обладает тем богатством мелодий, которого Ницше желал ему. Его надежда на то, что через это хоровое произведение, в котором страсть и серьёзность выражают главный аффект его философии — отношение к боли жизни как к вызову судьбы, — откроется путь к более широкой публике, не сбылась, хотя гимн по праву был признан очень достойным, чистым в построении и благозвучным.
Даже если мы признаем, что Ницше не был призван выражать свою музыкальную одаренность в звуках, а его душа могла петь только словами, что его музыкальность полностью раскрывалась лишь в звучании и ритмах его языка, в тайнах его синтаксических каденций — мы не должны упускать из виду, что музыка была для него жизненным элементом. Даже преувеличение того факта, что его чувствительная натура не могла вынести нервных потрясений от современной музыки, что как глубоко страдающий человек он нуждался в утешении через искусство, не должно соблазнять нас недооценивать принципиальное значение его музыкальных суждений.
Его высказыванию, что тот, кто не видит, что происходит на сцене — мы знаем, как близорук был Ницше, — для того драматическая музыка — нечто нелепое, придается более чем только личное значение; ибо музыка, по Ницше, "не говорит на каком-то всеобщем вневременном языке, как так часто говорили в ее честь", а теснейшим образом связана с развитием культур. Очень многое, что было порождением более раннего времени, не может совпадать с тем, чего мы ожидаем в будущем, как только мы прислушаемся ушами Ницше к прелюдиям будущей культуры.
Тогда мы понимаем, что уже в "Страннике и его тени" и в "Утренней заре" он, при всем уважении, не чтит нашу классическую музыку слепым поклонением, а оценивает её с точки зрения будущего. "Наша музыка когда-то следовала за христианским учёным и сумела перевести его идеал в звуки; почему бы ей наконец не найти тот более светлый, радостный и всеобщий звук, который соответствует идеальному мыслителю?"
Конечно, он признаёт, что у Баха слушателю становится так, будто мы присутствуем при сотворении мира Богом. Чувствуется, что здесь происходит нечто великое. Но в нём ещё много грубой христианскости, германскости, схоластики. Бах стоит на пороге европейской музыки, но оглядывается отсюда на Средневековье.
Бетховен открывает свои мелодии в песнях нищих и детей. Это музыка о музыке как просветлённые воспоминания из "лучшего мира", подобно тому, как Платон представлял себе идеи.
Моцарт же находит свои мелодии не в слушании музыки, а в созерцании жизни, подвижной южной жизни: он всегда мечтал об Италии, когда не был там.
Шуберт из всех обладал наибольшим музыкальным наследием. Если Бетховена можно назвать идеальным слушателем музыканта, то Шуберт имеет право называться самим идеальным музыкантом.
Мы видим: все они обращались к уху своего времени. Этого хочет и современная музыка. Но к совести трудолюбивого века, который жертвует музыке лишь остатки своего времени, к сожалению, не способно обратиться искусство, музыка утренней тишины, ибо она предполагает неистраченные, полные сил утренние души зрителей и слушателей. Поэтому великое искусство, чтобы преодолеть эту усталость, прибегает к оцепенениям, опьянениям, потрясениям, слезным припадкам. Для эпохи, которая когда-нибудь снова введет в жизнь свободные, полные праздничные и радостные дни, это великое искусство, вероятно, окажется непригодным.
Чем глубже проникаешь в понимание развития его личности и учения у Ницше, тем больше исчезают и здесь все кажущиеся противоречия, тем больше приобретают его высказывания о музыке, судьба которой была ему так близка, симптоматическое значение. Они напоминают нам о его переходе от метафизика к безусловному утвердителю посюстороннего и его развитии от немца к "хорошему европейцу". Совсем не требуется оправданий, как те, что приводит госпожа Фёрстер, для его осуждений германскости, ибо эти суждения следует истолковывать не как антинемецкие, а как сверхнемецкие.
В "Рождении трагедии" Ницше с восхищением говорил о немецкой музыке, которую мы должны понимать прежде всего в её могущественном солнечном течении от Баха к Бетховену, от Бетховена к Вагнеру. Тогда он сравнивал музыку Бетховена с одиноким пением полубога и находил в ней "то подлинное и единственное немецкое веселье", которое другими народами вообще не понимается. Но пафос Бетховена, то страстное желание, которое развилось из этоса, в "Рихарде Вагнере в Байройте" признаётся роковым для симфонистов после Бетховена, для немецкой музыки, потому что оно только лепечет и порождает лишь неясные образы. В "Человеческом, слишком человеческом" удовольствие от возвышенных, широко раскинутых настроений, сосуществование экстаза и наивного в современной музыке уже воспринимается как негреческое. Было время, когда Ницше ставил перед нами задачу: найти культуру, соответствующую Бетховену. Но и против Бетховена его природа развивалась в сопротивлении, потому что он не хочет опускать землю перед звёздным куполом, о котором мечтает его метафизическое искусство.
Где он по-прежнему его прославляет, там он теперь воспринимает его как сверхнемецкого. Не только его одного. Бетховенское отшельническое смирение, моцартовская прелесть и грация сердца, ганделевская несгибаемая мужественность, баховская безмятежная и просветлённая внутренняя жизнь больше не признаются немецкими свойствами. Как Шопенгауэр философствовал поверх немцев, Гёте в "Торквато Тассо" и "Ифигении" сочинял стихи поверх них, так и Бетховен сочинял музыку поверх них. У него и у Россини спелось восемнадцатое столетие, столетие восторженности, разбитых идеалов и мимолётного счастья.
Особенно в 1881 и 1882 годах, когда Ницше писал "Весёлую науку", осуждение немецкой музыки как таковой распространилось и на Бетховена. В противовес этому Моцарт становится ему всё ближе. Теперь он пишет Роде: "Человек, который мне подобен, profondement triste, не может долго выдерживать вагнеровскую музыку. Нам нужен юг, солнце, во что бы то ни стало — светлое, безобидное, невинное моцартовское блаженство и нежность в звуках". И добавляет: "На самом деле, мне следовало бы иметь вокруг себя людей такого же склада, как музыка, которую я люблю: таких, с которыми можно отдохнуть от себя и посмеяться над собой".
Моцарт был завершением великого векового европейского вкуса, говорит нам "По ту сторону добра и зла", и мы можем считать себя счастливыми, что его вера в юг еще может обращаться к какому-то остатку в нас. На музыку Бетховена, напротив, ложится тот же свет, в котором купалась Европа, когда она мечтала с Руссо, когда танцевала вокруг дерева свободы революции и наконец почти поклонялась Наполеону. То, что пришло в немецкой музыке после, принадлежит романтизму, тому промежутку, который предшествовал наступлению демократии. Schumann уже означал лишь немецкое событие, а не европейское, как Бетховен и в ещё большей степени Моцарт. Предчувствие, что Европа хочет стать единой, отсутствует в нём, тогда как Вагнер, несмотря на свои заблуждения о себе самом, тесно связан с французской поздней романтикой, и его образ Зигфрида настолько свободен, суров и здорово бодр, что здесь вкус старых утомлённых культурных народов остаётся позади. Кто глубоко усваивает эту высокую оценку "антикатолически" воспринимаемого Зигфрида, тому не требуется объяснений, почему для Ницше Вагнер "Парсифаля" должен был считаться врагом южной, наднемецкой музыки.
Музыка, которую жаждет Ницше, хочет стать госпожой над хаосом, которым является человек, хочет заставить его стать формой: логичной, простой, однозначной. Ее великий стиль должен быть мужественным и противоречить женщине в нашей музыке. Чтобы быть классиком, нужно обладать всеми сильными, казалось бы, противоречивыми дарованиями и страстями, но так, чтобы они шли вместе под одним ярмом, нужно быть имморалистом, завершающим и ведущим вперед духом, говорящим "да" во всех случаях, даже со своей ненавистью.
Что Ницше на самом деле хочет от музыки — это уже стоит перед нами — он еще раз ясно выразил в "Ecce homo". Он хочет, чтобы она была веселой и глубокой, как октябрьский полдень, чтобы она была своеобразной, безудержной, нежной, маленькой сладкой женщиной из низменности и грации.
Поэтому "Кармен" Бизе была полностью оценена Ницше задолго до того, как она нашла свой путь в Германии со сцены на сцену, тогда как Вагнера он, как известно, отвергал. У Бизе он встретил музыку, которая "создана для рожденных средиземноморцев, хороших европейцев", ибо она открыла кусочек юга в музыке. Здесь он как алкионид находит la gaya scienza, легкие ноги, остроумие, огонь, грацию, танец звезд, озорной дух, световые дрожи юга. Здесь говорит к нему другая чувственность, другая чувствительность, другая веселость. Где бы он ни встречался с такой манерой чувствовать в итальянских и испанских звуках, у Одрана, у Оффенбаха, у Россаро, у Вильбака, его сердце ликует. Снова и снова он хочет "горячими южными ветрами Кармен изгнать водяные пары вагнеровского идеала".
Наряду с Бизе он оставался благосклонен прежде всего к Шопену. Его благородство напоминало ему о ван Дейке. Почти все состояния и образы жизни имеют блаженный момент. Шопен сумел так заставить звучать такой блаженный момент жизни на берегу в своей Баркароле, что даже богам могло бы захотеться долго лежать летними вечерами в лодке.
Ожидание Ницше, что его маэстро Пьетро Гасти создаст ту музыку, которую он воображал для грядущего времени, и покорит ею мир, не сбылось. На это не хватило творческой силы Гаста. Но из творчества другого тондайхтера, чье развитие Ницше, к сожалению, уже не застал, мы вполне можем составить представление о музыке в ницшевском смысле. Догадываетесь, кого я имею в виду: Хуго Вольф. Как Вольф в своем убеждении, что с Вагнером достигнута высота, которую преодолевать не наша задача, совпадал с Ницше, но при этом необходимо восстановить связь с Моцартом, как он приветствовал "Кармен" вполне в духе Ницше и отвергал Брамса тоже вполне в духе Ницше, так и сам он, вдохновленный Ницше, стремился направить музыку по тому пути, который тот ей предопределил. Гордая, уверенная в победе музыка, которая не выпрашивает аплодисментов у жаждущей сенсаций публики, не стремится преодолеть её усталость нервным потрясением. Гордая, уверенная в победе музыка, которая говорит на своём звучно-радостном языке, исходя из радости о себе самой и о красоте жизни, соединяющая в пластичных темах острейшую характеристику с благороднейшим звучанием, "усердствуя к совершенству в малом", которая "знает только печаль глубочайшего счастья и больше никакой печали" (вспомним дуэт из "Коррехидора": "В такие вечерние часы"), у которой в сердце — чистая совесть, а на шее сидит проказник, которая умеет "ликовать звучно-радостно".
Чтобы понять, что Ницше отвергал в старой и новой музыке как северное, обратимся к его суждениям, а через Вольфа получим представление о том, какой должна быть музыка будущего по Ницше, чтобы соответствовать культуре алкионского склада. Тогда станет ясно, что его природе и философии вполне соответствовало противодействие влиянию Вагнера и борьба с подавляющим очарованием, которое, к огорчению Ницше, действовало даже на тех, кого он считал призванными идти путями, ведущими к будущей культуре, — борьба, выразившаяся в его памфлете "Дело Вагнера".
Памфлетист
В любви … душа становится рабыней, и слишком часто приносят в жертву себя, то есть то, что приносить в жертву нельзя.
Мальвида фон Мейзенбуг.
В Сорренто Ницше однажды — это было в 1878 году — сказал барону фон Зейдлицу, чей энтузиазм по отношению к Вагнеру он тогда ещё одобрял: "Не дай нам Бог впасть в искушение писать пасквили о наших друзьях; материала, конечно, было бы больше, чем о врагах; но именно поэтому —!" Это высказывание показывает, что Ницше должен был прилагать усилия, чтобы как честный психолог не выражаться слишком откровенно. Тогда такая сдержанность ещё казалась ему долгом, десять лет спустя он увидел в ней недостаток мужества. "Даже самый храбрый из нас редко имеет мужество для того, что он на самом деле знает…"
Поскольку эта смелость у Ницше – как, вероятно, ясно показал нам его жизненный путь – непрерывно росла, он пришел к тому, чтобы написать – не пасквиль против своего друга-врага, ибо пасквиль всегда направлен на личность, а скорее памфлет против влияния Вагнера. "Всё, что основывается на почтении, требует со стороны нападающего для борьбы с ним известного дерзкого, безжалостного, даже бесстыдного настроения…", — заявил он без всякого приукрашивания. Отсюда мы понимаем, что он сам назвал свою работу "Дело Вагнера" памфлетом и открыто признался, что гордится этим "памфлетом против Вагнера". Он был убежден, что невозможно "высказать столь решительные вещи яснее и деликатнее", чем это сделано в этой "дерзкой фарсе". Он полностью отдавал себе отчет в том, что стиль этого произведения – намерение сочинения определяло для него его стиль – не похож на его прежнюю манеру письма, а что на место утонченного нейтралитета и колеблющегося продвижения вперед пришло allegro feroce страсти.
Но и личная нужда оказала своё влияние, которую мы не должны упускать из виду. "Мёртвое тупое одиночество", в котором он находился, требовало отвлечения, ибо порой он чувствовал себя тогда неописуемо меланхоличным. Против этого избытка чувств он сражался со всей силой страстным стилем своих сочинений в Туринский период 1888 года. Страсть оглушает. "Сейчас как раз печатается небольшой памфлет музыкального содержания, который, кажется, продиктован самой весёлой прихотью: и веселье оглушает. Оно мне полезно, оно заставляет забыть. Я действительно очень много смеюсь над такими произведениями —".
Как глубоко позволяют нам заглянуть в состояние его психики эти предложения, которые мы обязаны черновику письма, предназначенного Овербеку. Смелое стремление выразить без оглядки на формы нейтральности то, что агрессивно приходило ему в голову как убеждение, и душевная потребность преодолеть угрожающую меланхолию через страстность, объясняют нам как ярость "Антихриста", так и обилие едкого сарказма в "Деле Вагнера", сарказма, который уже не мог быть подавлен никаким уважительным состраданием, основанным на почитании. Он вовсе не хочет злобно принижать маэстро из Байройта – "Вагнер был чем-то совершенным" –, но пародийно преодолеть благоговение перед его целями и воздействием, чтобы освободить путь для своих собственных целей и воздействия. Главное — добиться перехода от пессимистически окрашенного идеализма к благодарной радости реальности, от романтического бегства в метафизику к чувственной близости к природе, от христианской и демократически ориентированной морали к аристократической иерархии ценностей, от декадентской современности стерильной цивилизации к плодотворному росту культуры, от театрального преклонения искусства перед инстинктами масс к сознательному воспитанию избранных личностей, от ослабления и укрощения инстинктов из-за оскорбления природы к их укреплению и культивации ради высшего раскрытия жизни и возвышения человека.
Только мимолётно он ещё признаёт то, что у Вагнера в духе этого переворота оказывается способствующим. Великолепный образ Зигфрида остаётся для него и теперь неприкосновенным. Первоначальное завершение "Кольца нибелунга", замышленное оптимистически и лишь позже переработанное в духе философии Шопенгауэра, означало для Ницше "закат богов старой морали" и "восход золотого века". Даже там решительный борец сохранял свою радость от Вагнера, где тот не ставил своё искусство на службу альфресковому стилю театральности. Он находит его достойным восхищения, очаровательным в изобретении мельчайших деталей, в вымысле подробностей.
Как "Антихрист" был извлечен из подготовительных работ к "Воле к власти", так и "Случай Вагнера", содержание которого изначально предназначалось для главы "Современность". Аналогично он обозначил "Сумерки идолов" как выдержку из "Воли к власти". Что побудило Ницше так опережать публикацию своего главного труда? Вероятно, чувство, что его жизненный срок может быть не столь долгим, чтобы он мог спокойно дожидаться постепенного воздействия своих произведений, но что настало время высказать решающее в самой резкой ясности, чтобы наконец быть услышанным и замеченным.
Уже четыре года назад он ответил одному моему другу-химику, когда тот во время совместных прогулок в Сильс-Марии уговаривал его ради здоровья временно прекратить работу, что он не может терять время, ибо ещё многое должен предложить человечеству. Вероятно, из того же чувства он писал из Турина своей сестре, что после того, как его состояние здоровья долгое время мешало ему работать, он теперь пытался компенсировать большую потерю времени для своей задачи ещё более напряжённой работой. Но не только интенсивность работы возросла — его также побуждало усилить непосредственное воздействие, устранив всякую замедляющую нейтральность.
Также и "Сумерки идолов" вследствие этого во многом проникнуты духом, который характеризует нас слово памфлетист. Глава "Проблема Сократа" в этом отношении представляет собой аналог "Делу Вагнера". В стремлении к "разумности любой ценой" Ницше видит у Сократа попытку сделать из разума тирана, и притом ради своего спасения от анархии инстинктов.
Как психоаналитики сегодня у Оригена, Павла, Августина и многих других истолковывают их обращения как попытки освободиться от мук вытесненной сексуальности, так поступил уже Ницше, когда писал: "На décadence у Сократа указывает не только признанное разнузданность и анархия в инстинктах: именно на это указывает также и суперфетация логического и та рахитическая злоба, которая его отличает".
Непроизвольно это суждение наводит нас на вопрос, не могли ли и у Ницше вытесненные в подсознание чувства разжечь гнев его слов против Сократа. Для ярости нападок на Вагнера мы уже нашли такое объяснение в насильственном преодолении его бывшего и никогда не угасшего полностью поклонения — но какие чувства должен был преодолеть Ницше по отношению к Сократу? Ответ, который дает Бертрам в своей превосходной книге о Ницше, гласит: воспитатель в Ницше боролся с фанатиком познания в собственной груди. Но мы напрасно ищем подтверждений в сочинениях Ницше, которые обосновали бы это утверждение.
Нитше в своих ранних периодах творчества неоднократно находил слова признания для оригинальности Сократа, действительно, он причислял его к тем людям, которые осмеливаются "быть ради самих себя", действительно, он видел в "Воспоминаниях о Сократе" пересечение многих путей самых разных философских образцов жизни и темпераментов, установленных разумом и привычкой и все направленные острием к радости жизни и собственного "я". Но эти оценки, которые в основном относятся к периоду его позитивизма, никогда не свидетельствуют о решительной внутренней общности, а очень рано он все же обозначил Сократа то как прообраз, то как тип или как родоначальника теоретического человека, с которым он боролся, и выбрал его мишенью для своих атак, где бы он ни противопоставлял оптимистическое познание и трагическую потребность в искусстве. Мысль греков в трагическую эпоху всегда воспринималась им либо как пессимистическая в познании, либо как художественно-оптимистическая. К обоим подходам Сократ, как мистагог науки, относился антиподально. Но и науку он никогда не видел в нём с внутренним участием как соответствующий образец. Ведь он слышал, как сократовы школы задают вопрос: какое познание мира и жизни делает человека счастливейшим? Вопрос, который, по героическому убеждению Ницше, перерезал жизненные артерии научного исследования. Считать что-то истинным лишь потому, что это нас радует, всегда казалось ему изменой задаче познания.
Приближалось ли это искушение к неверности самому себе, цели и делу также и к Ницше в то время, когда он острее, чем когда-либо, осознавал свою незамеченность и безутешное одиночество с угрожающей меланхолией, напоминала ли и ему голос искусителя искать освобождения и спасения от подавляющего бремени своей задачи в простой разумности, согласно учению Сократа, и противостояла ли его мужественно выдерживающая верность собственному "я", его жертвенная преданность своему делу именно поэтому с наибольшей яростью, чтобы заглушить этот сократический голос искусителя pamphletischen Schmähungen против Сократа? Ограничимся тем, что укажем на эту возможность; ибо враждебность к Сократу проявляется задолго до этого в столь ярком свете, и мы понимаем даже без подобного психологического объяснения, что в то время, когда Ницше безудержно отдавался аффекту своей боевой страсти, его гнев против того мировоззрения, которое для него типично воплощалось в Сократе, ярко вспыхнул. Как Ницше видел в Давиде Фридрихе Штраусе своего рода представителя всей образованной мещанственности, как он просто говорит Паскаль, когда думает об отречении от себя через христианскую религиозность, боролся с Шопенгауэром и Вагнером как с типами, так и здесь он следовал своим греческим учителям, для которых "самое абстрактное всегда снова сливается в личность", называя Сократа роковой переоценкой ранга инстинкта интеллектом.
В "Сумерках идолов" к "Проблеме Сократа" примыкают размышления о "Разуме в философии" и "Мораль как противоестественность", а также другие часто саркастически окрашенные рассуждения. Это произведение, которое тем не менее относится к самым коротким, но наиболее содержательным работам Ницше, изначально должно было носить название "Праздность психолога". Но когда Петер Гаст написал автору: "Шаг великана, от которого горы дрожат в безднах, уже не праздность", и попросил его о более пышном, великолепном названии, Ницше, снова бросив косой взгляд на Вагнера, решил назвать его "Сумерки идолов, или Как философствуют молотом". Первоначальное название этой "философской ереси" наверняка произвело бы меньше впечатления, но, как мне кажется, яснее указало бы на принадлежность произведения к выраженным психологическим работам Ницше.
О внешней биографии Ницше после завершения "Заратустры" рассказать особо нечего. Чтобы противостоять его одиночеству, Овербек предложил ему снова стать учителем, "я имею в виду не академическим, а учителем (например, немецкого языка) в старшей школе". Буркхардт уже раньше настоятельно призывал его читать лекции по всемирной истории ex professo и как бы стать его преемником в Базеле. Ницше серьезно обдумал предложение Овербека, посоветовался об этом с Гастом, но пришел к выводу, что даже полезная и эффективная преподавательская деятельность может быть для него лишь облегчением жизни; только после выполнения своей главной задачи у него появится чистая совесть для такого существования. Кроме того, климат Базеля для него совершенно невыносим, так как ему нужен чистый небосвод, чтобы не погибнуть от своего "ужасного темперамента". Поиск ясного неба — "мои враги, облака" — определял выбор мест пребывания. Помимо Зильс-Марии, он особенно, в зависимости от времени года, считал подходящими для себя Ниццу и Турин.
Его с трудом сохраняемое душевное равновесие на некоторое время сильно пошатнулось из-за разногласий с родственниками. Помолвка его сестры с колонизатором д-р Бернхард Фёрстер, чьи антисемитские взгляды были противны Ницше, послужила поводом и заставила его в письмах к Овербеку выносить суровые приговоры сестре. Д-р Рее и Лу Саломе в такие часы казались ему в более благоприятном свете, чем раньше. Но вскоре он снова пришел к выводу о Саломе: "Человека такого рода, у которого отсутствует благоговение, следует избегать". Его все возрастающее одиночество тяжело угнетало его. "Вагнер был безусловно самым полным человеком, которого я узнал, и в этом смысле я уже шесть лет страдаю от большой потери," жаловался он Овербеку. Ему так не хватает человека, с которым он мог бы размышлять о будущем человечества. "Я из-за долгого отсутствия общества, которое мне подходит, внутренне совсем болен и изранен. Ничто мне не помогает, никто не придумывает ничего, что могло бы меня развеселить и возвысить…" и "Должен быть кто-то, кто жил бы для меня, как говорят".
Отменяющие осуждающие суждения о сестре слова признания её ценности после братского свидания в Цюрихе были высказаны Овербеку. Он был счастлив снова обрести прежнюю неослабевающую сердечность. Тем болезненнее он переживал пространственную разлуку из-за её переезда с супругом в Парагвай. В своих письмах он снова и снова оплакивает эту разлуку. "Только с тех пор, как ты ушла так далеко, я понял, сколько ты для меня значила. Ты была моим отдыхом, мостом к другим".
Временами казалось, что немецко-итальянец Пауль Ланцки призван стать его учеником; но и он, как раньше д-р Панет и Альберт Конради, не получил от Ницше разрешения писать о нём, из опасения, что и он не сможет постичь суть его учения. Правда, в 1886 году, как рассказывал мне его домовладелец Дурих, в Сильс-Марии его посещали различные учёные, но, за исключением таких случайных перерывов, он жил совершенно уединённо. Уединённость означала прежде всего непонимание, ибо он отчётливо осознавал, что тот, кто ожидает роста культуры от того, "что называется улучшением человека или даже очеловечиванием", не сможет понять его цель — увеличение типа человека. Только у Буркхардта и Ипполита Тэна он считал возможным предположить понимание. И Буркхардт, и Ницше очень высоко ценили Тэна. Ницше отправил ему как "первому современному историку" своё значимое произведение "По ту сторону добра и зла" и получил ответ, свидетельствующий о очень внимательном прочтении книги. Он встретил у него направление от индивидуального к типичному, соединённое с предпочтением сильных экспрессивных типов, причём скорее наслаждающихся, чем пуритан. Иначе относился к Тэну Эрвин Роде, который, по его мнению, слишком стремился объяснить характер великих людей расой, средой и временем. После десятилетней разлуки Ницше навестил своего старого "боевого товарища" в Лейпциге, где тот чувствовал себя совершенно не на месте, так что его нервная раздражительность особенно резко подчеркнула возникшее расхождение в их убеждениях. Оба были разочарованы. И когда Ницше некоторое время спустя получил от Роде письмо, содержавшее явно преувеличенно пренебрежительную оценку Тэна, он защитил его способом, обидевшим Роде. Хотя оба пытались последующими письмами достичь примирения, разрыв их некогда такой прекрасной сердечной дружбы всё же произошёл. Так Ницше потерял и Роде.
Решительное выступление Георга Брандеса в Копенгагене в защиту его философии и её аристократического радикализма, возобновление переписки с другом фон Герсдорфом, а также визит Дойссена, чьи труды об индийской религии он высоко и благодарно ценил, принесли светлые моменты в омрачённое существование Ницше, но они могли осветить его лишь временно. Ему не хватало непосредственного воздействия от человека к человеку. Только приобретение учеников могло его принести.
Без сомнения, Ницше преследовал своей памфлетной атакой на Вагнера и эту лично направленную цель. Она должна была открыть глаза людям, которых он, как некогда Генриха фон Штейна, считал призванными принадлежать ему, преодолев благоговение перед Вагнером, на несовместимость их целей. "Старый соблазнитель отнимает у меня, даже после своей смерти, остаток людей, на которых я мог бы воздействовать", — можно прочитать в письме к Мальвиде фон Мейзенбуг. То, что такой человек, как граф Гобино, присоединился к Вагнеру, хотя его отношение к христианству и Ренессансу делало его гораздо более родственным по духу Ницше, объясняется тем, что Вагнер уже был признан авторитетом в области культуры, тогда как значение Ницше еще не было признано. Также мы знаем из высказываний госпожи Вагнер, что в Байройте с свободной высокой позиции вполне признавали и умели оценить антихристианские взгляды Гобино.
То, что Ницше был действительно полностью убежден, что его "Дело Вагнера" написано "как можно более сдержанно и весело", доказывает нам тот факт, что он даже отправил Мальвиде фон Мейзенбуг, несмотря на её горячий энтузиазм по отношению к Вагнеру, несколько экземпляров для распространения, чем лишь добился того, что и дружба с этой "идеалисткой", которая любила его по-матерински, но так и не смогла проникнуть в глубины его философии, рухнула. То, что и Мальвида фон Мейзенбуг позже, с временной дистанции, признала необходимость разрыва между двумя великими умами, доказывает мне письмо от 22 февраля 1897 года. Я отправил ей своё упомянутое во введении эссе "Вагнер и Ницше". Она ответила: "Я очень обрадовалась, потому что оно такое справедливое и, безусловно, полностью правильно объясняет дело в целом. То, что, несмотря на внутренние различия, разрыв мог бы произойти менее насильственно и в более благородной форме, было бы благом для всех, кто был близок к обоим, так же как хронология событий останется вечной болью".
Приём, который нашёл "Случай Вагнера" среди друзей и противников, доказал Ницше, что памфлет воспринимали как свидетельство внезапной перемены убеждений, а не как заключительное слово о противоречии их целей, которое развивалось медленно и непрерывно обострялось. Доказательством этому могли служить лишь прежние замечания о Вагнере в сочинениях Ницше. Одинокий борец попросил Карла Шпиттелера, поэта с греческим чувством, опубликовать такую подборку. Но Шпиттелер отказался. Так предпринял и сам Ницше – ведь он всегда был вынужден полагаться только на себя – чтобы в сочинении "Ницше против Вагнера, документы психолога" привести доказательство того, что Вагнер и он давно уже являются антиподами. Цель этой небольшой книги точно выражена в письме Ницше своему издателю Науманну: "После того как в „Деле Вагнера“ я написал небольшую комедию, здесь говорит серьёзность: ибо мы – Вагнер и я – в основе пережили трагедию". Трагедию! Сумеем ли мы увидеть в отношениях этих противоборствующих друзей именно её!
Берегитесь, кто враждебно относится к Вагнеру, от злобной радости, но пусть и тот, кто предан мастеру из Байройта, не упускает из виду через чересчур человеческое толкование нападок Ницше выдающееся культурное значение этого героического поединка! Как тяжело страдающий человек, Ницше пал в этой войне от своих ран. Остался ли он победителем как философ, или же, как так чудесно говорит его афоризм "Звёздная дружба", существует невидимая кривая и звёздная траектория, в которой их столь разные пути и цели могут быть включены как малые отрезки пути: это сможет открыть только далёкое время. Нам же остаётся лишь постичь радикальное противоположение этих двух великих земных врагов и звёздных друзей через погружение в трагедию и понять необходимость их разрыва и борьбы как роковую.
Ecce homo
Все уходящие говорят как пьяные и охотно берутся за праздник.
Гёльдерлин.
Где мы до сих пор говорили об "_Ecce homo", там называли это автобиографическим очерком. Но это обозначение не выявляет суть сочинения. "Это скорее психография, чем биография", — пишет д-р Рихард Элер в предисловии, открывающем публикацию в карманном издании. Также и издатель "Ecce homo" в большом собрании сочинений Ницше, д-р Отто Вайс_, совершенно верно признаёт это произведение психологическим самоанализом; ибо "жизнь и учение, мышление и творчество у него почти сливаются в тождество".
Ницше начал его в свой сорок четвертый день рождения, то есть 15 октября 1888 года, в Турине и завершил в течение трех недель. Он осознавал, что за столь короткое время справился с крайне сложной задачей: рассказать о себе, своих книгах, своих взглядах и отчасти, насколько это было необходимо, о своей жизни. Вопреки первоначальному намерению, он предназначил его для публики с мужеством до крайности; оно должно было распространить о нем "немного света и ужаса", вызвать "удивление беспрецедентное" и как подготовительное сочинение, как "огнедышащее предисловие" к его грядущему труду "Переоценка всех ценностей" создать настоящее напряжение, чтобы тот не остался незамеченным, как "Заратустра".
Эта психография Ницше, как и предыдущие труды, была написана в состоянии эйфории. Он чувствовал себя невероятно вдохновлённым "благодаря неповторимому благополучию, единственному в моей жизни". Он отдавал себе отчёт в избытке, наполняющем его изложение, как свидетельствуют его письма фрейлейн фон Залис-Маршлинс, Петеру Гасту и Георгу Брандесу. Он считал, что это сочинение написано с цинизмом, становящимся мировым историческим, в манере, утраченной мастерами-певцами: "в манере мировых правителей".
Разрывающе осознанное несоответствие между величием его задачи и ничтожностью его современников заставляет его воскликнуть в предисловии: "Слушайте меня! ибо я тот-то и тот-то. Не путайте меня прежде всего!" Он хочет быть признанным как противоположная натура тому типу человека, которого до сих пор чтили как добродетельного, как противоположность всех моралистов, для которых идеализм не означает уплотнение и подчеркивание сущностного в реальности, а как проклятие действительности — веру в вымышленный мир. В этом он принципиально отличается от романтизма, как бы ни соприкасалось его учение о чувствах с ним. Если понять этот сильный, осознанный волевой порыв Ницше — изобразить себя как противоположный тип моральному идеалисту, — то едва ли поддашься искушению говорить о "мегаломании", хотя он и использует самые сильные слова, чтобы проиллюстрировать себя и ценность своих трудов. Намеренно он выбирает заголовки вроде "Почему я так мудр", "Почему я так умен", "Почему я пишу такие хорошие книги" и "Почему я — судьба". Они должны позволить читателю взлететь на высоту созерцания, где Ницше, свободный от всякой кокетливой скромности, говорит о себе в самых высоких тонах не как о частном лице — "я пользуюсь личностью лишь как сильным увеличительным стеклом", — а как о "ученике философа Диониса".
Ему нужно было подчеркнуть роковое в своём появлении. Это намерение становится осознанным для психологически одарённого читателя во многих деталях. Ницше хочет, чтобы его понимали символически в "Ecce homo". А именно в том смысле, в котором Гёте писал Карлу Эрнсту Шубарту: "Всё, что происходит, есть символ, и, полностью представляя себя, оно указывает на остальное".
Большое значение, которое он придает своему происхождению, акцент на своей конституции, вызывающей постоянную смену болезни и выздоровления, и, прежде всего, связь с случайностью показывают, насколько ему было важно раскрывать скрытые взаимосвязи. Если он придает особое значение тому, что свадьба его бабушки состоялась в тот день, когда Наполеон вошел в Эйленбург, и дате его рождения в день рождения Фридриха Вильгельма Четвертого, если он говорит о том, как его внимание было обращено на Шопенгауэра: "Называть это случайностью было бы грехом против Святого Духа Шопенгауэра", если он как воспринимает как предзнаменование, что при его первом посещении Трибшена ему навстречу прозвучали аккорды из "Зигфрида": "Ранил меня тот, кто меня пробудил", когда он неоднократно указывает на то, что первый "Заратустра" был завершён в священный час, когда Ричард Вагнер умер в Венеции, или когда он связывает исторические обстоятельства своих мест пребывания с собой, почтительно отмечает места, где к нему приходили решающие идеи его произведений, и таким образом сплетает в сеть разнообразные нити всякого рода: во всём этом мы не должны видеть суеверия или фантасмагории, а сопряжение-в-единое того, "что есть обломок и загадка и ужасный случай".
Если эту включённость случайного в скрытую каузальность, эту символизацию через свободную интерпретацию назвать мистикой, то это, во всяком случае, не мистика в смысле "созерцания с закрытыми глазами" согласно греческому происхождению слова, а ясновидящее сверхсознание своей им познанной уникальности и своей воспринимаемой как фатум миссии, призвать решение с неисчислимым дальним воздействием. "Никто не знал до меня правильного пути, пути вверх: лишь со мной снова появляются надежды, задачи, продвигающиеся пути культуры – я их радостный вестник… Именно поэтому я также судьба".
Такой язык мы встречаем только у основателей религий. И все же Ницше был полной противоположностью такого человека, как бы ни сходились здесь по закону полярности крайности. Конечно, религии в сущности — творения отдельных людей, они не могли возникнуть постепенно, иначе не обладали бы победоносным блеском своего расцвета, но предпосылками их возникновения были метафизические потребности и склонность к созерцанию. Они требовали, как верно заметил Буркхардт, состояния экзальтации при рождении, так что сегодня мы уже не можем себе представить полную некритичность тех времен и людей.
Где можно было бы заметить что-либо из этого у Ницше, где проявлялись массы, которых он стремился опьянить, где он, кроме Петера Гаста, находил своих учеников при жизни? Но, конечно, одно у него было общего с великими основателями религий: "королевское право определенного перед тупым, нерешительным и анархическим". (Буркхардт.) Сознание этого королевского права позволяло ему не только в своей авто-психографии звучать в тональности мирового правителя, но и через заголовок "Ecce homo" воздвигнуть противоположный образ явлению Христа, увиденному Павлом, его противоположный образ.
Подтвердит ли будущее самооценку Ницше? Если мы отдадим себе отчет в смене перспектив, которая произошла благодаря его влиянию за последние двадцать лет, и признаем, что нигилизм — это слово, взятое в самом широком смысле, — требует мощного противодействия, если мы не хотим пережить крах всей культуры, то мы, вероятно, допустим и будем надеяться на эту возможность. Будет ли его учение о ценностях, как предполагал Ницше, пробивать себе путь кризисно или же оно постепенно уплотнится в центр нашего миропонимания, остается вопросом второстепенного значения.
Ницше признавал себя декадентом, но мог утверждать, что одновременно является и его противоположностью. Находить противоядия против любой угрозы личного и культурного вырождения по инстинкту исцеления он считал здесь самым верным признаком. Он вновь поставил перед нами идеал благополучия. Свобода от рессентимента — его главное отличие. Чтобы сохранить её, порой по гигиеническим причинам следует вообще перестать реагировать и временно предаться зимней спячке фатализма, пока не будет преодолено всякое истощение и с выздоровлением жизнь снова не станет богатой и гордой. Но и агрессивное пафос — в этом смысле Ницше, воинственно настроенный, снова и снова искал равных себе противников — необходимо, чтобы мы не стали жертвой подсознательной мести. Только так можно уберечься от угрызений совести. К удачливости относится также здоровое чувство тела. Это придает значение вопросу, который до сих пор не занимали философы, потому что они утратили связь с реальностью: вопросу о целесообразном питании — "все предрассудки исходят из внутренностей" — и в связи с этим индивидуально принимаемому решению о месте и климате, а также лично определенному способу отдыха.
Для творческого человека к этим диетическим предписаниям для тела и души в эпоху интеллектуализма добавляется ещё одно напутствие, а именно требование сохранять всю поверхность сознания чистой от великих императивов, которые порождает идеализм. Не мудрость "Познай самого себя", а искусство "Забывания себя" оберегает нас от опасности в конечном счёте реагировать мыслью лишь на внешние поводы и при этом растрачивать силы на критику. Художественный инстинкт, учит нас Ницше, не должен понимать себя, чтобы организующая идея могла расти в глубине. Важно ничего не смешивать, ничего не примирять преждевременно, чтобы множественность в бессознательном, которая тем не менее является противоположностью хаоса, сгустилась в произведение. То, что здесь сказано о произведении, относится и к самой жизни, к творческой жизни в её судьбоносном значении.
Любовь и преданность собственному предназначению, этот мотив _Amor fati, который господствовал в жизненной симфонии Ницше, определял его развитие. "Моя формула величия в человеке — amor fati: не желать ничего иного, ни вперед, ни назад, ни в вечности. Не просто терпеть необходимое, и тем более не скрывать его — весь идеализм есть ложь перед необходимым, — но любить_ его…"
Здесь действительно происходит эллинское возрождение. Трагические силы: Дике, Ананке, Мойра, как справедливость, необходимость, судьба, господствующие над всем, были признаны в одном дыхании этим Amor fati без мифологического представления. Все, что для современного человека и его стремления считается потусторонним, снова включено в посюстороннее. Здесь то, что у христианских народов называется Богом, принято в самость человека, земное пронизано божественным, и тем самым преодолен дуализм Бога и мира, освящение мира, к которому стремился Гёте в "Вильгельме Мейстере", достигнуто через безоговорочное утверждение реальности. Наиболее отчетливо это проявляется в оценке Ницше чувственности. "Всякое презрение к половой жизни, всякое осквернение её понятием „нечисто“ — это само преступление против жизни, это истинный грех против святого духа жизни". Так говорит только гений сердца, которому для своего блаженства не нужен вера в потустороннюю силу, но который становится богаче сам по себе, чем более доверительно и самодержавно он себя проявляет.
Как психограф Ницше проверял свои произведения, начиная с "Рождения трагедии", и показывает нам их внутреннюю необходимую связь. Интерпретации собственных произведений отнюдь не всегда надежны в искусстве и философии. То, что было создано бессознательно, получает в них последующее толкование через сознание, которое становится возможным лишь посредством абстракции. Например, "Сообщение своим друзьям" Ричарда Вагнера истолковывает смысл "Тангейзера", "Лоэнгрина" и т.д. на основе впоследствии приобретенных философских и психологических взглядов и не свободно от произвола, как и любое другое постороннее толкование. Совсем иначе у Ницше. Не литературно, не филологически рассматривает он свои произведения, а лишь как психолог самого себя, через толкование своего роста, своего развития при полном осознании препятствий и навязанных обходных путей. Насколько субъективным может показаться его восторг перед собственным творчеством трезвому читателю, настолько безличными кажутся его слова, как только понимаешь, что Ницше чувствовал себя лишь радостным вестником, через которого хочет открыться новое учение о спасении, учение о спасении подлинной жизни.
Если Ницше бросает жесткие слова против немцев и в доказательство их обоснованности приводит обстоятельство, как мало его до сих пор понимали в европейском "плоскогорье", тогда как его читатели уже повсюду находились в других местах, что еще он хочет этим сказать, как не: поймите, как далеко вы еще от понимания или даже выполнения задачи, которая была поставлена вам через меня. Такие слова произносят не там, где отчаялись в возможности решающего понимания, а там, где как воспитатель хотят пробудить стыд за прежнее упущение и самопознание, в убеждении, что обращаются к тем, кто призван судьбой испытать на себе преобразование всех ценностей и пережить "настоящее возвращение немецкой серьезности и немецкой страсти в духовных делах". Поэтому верно то, что Ницше говорит о "Заратустре", и тем более верно это для "Ecce homo": "Из этого сочинения говорит огромная надежда".
Больной
Самое быстрое животное, которое несет вас к совершенству, — это страдание.
Мастер Экхарт.
О проявлениях болезни у Ницше мы узнаем из его писем — Ницше-архив содержит около 1500 из них — а также из описаний его сестры. В юности он был совершенно здоров. Только его близорукость может считаться наследственным недугом. Заболевание, которым он заразился при транспортировке раненых с французских полей сражений: дизентерия и дифтерия глотки, объясняется как инфекция. Оно было преодолено применением сильных средств; но он не полностью выздоровел, когда возобновил свои лекции в Базеле. По убеждению его сестры, острые лекарства повредили его желудок и заложили основу для сильной мигрени, которая никогда больше его не покидала.
Признание в письме: "Наш брат никогда не страдает чисто физически, всё пронизано глубокими духовными кризисами, так что я даже не представляю, как мог бы снова стать здоровым одними лишь аптеками и кухнями" и осознанная необходимость "приобрести некоторую жесткость кожи из-за большой внутренней уязвимости и способности страдать" указывают нам на то, что он уже тогда подвергался атакам с обеих сторон. В разговоре с Роде он жалуется уже в 1871 году на бессонницу: "по-прежнему из двух ночей одну провожу без сна", а три года спустя, в письме к матери: "слабость желудка берёт верх".
Когда он находился на лечении в Штайнабаде в Шварцвальде, д-р Й. Виль, соглашаясь с проф. Х. Иммерманом из Базеля, поставил диагноз: нервное расстройство желудка. Среди четырех врачей, которые обследовали его в 1878 и 1879 годах, двое утверждали, что причиной его болей является заболевание головы, тогда как двое других, в том числе проф. Грефе из Галле, винили в этом перенапряжение глаз. Позднее его лечил д-р Отто Айзер из Франкфурта-на-Майне с благоприятным результатом, так что он мог временно считать себя выздоровевшим или по крайней мере выздоравливающим. Но снова и снова после более коротких или длинных пауз возникали головные боли вместе с мучительной рвотой. Вскоре мы слышим самого Ницше, например, в письме к матери от июля 1881 года, который ставит диагноз — трудно оцениваемое заболевание мозга. Когда Дойссен навестил его летом 1887 года в Зильс-Марии, он признался доверенному другу: "Я думаю, что мне осталось недолго; я сейчас в том возрасте, в котором умер мой отец, и я чувствую, что паду жертвой того же недуга, что и он".
Если мы читаем в письме к сестре 1886 года: "Создай мне маленький круг людей, которые хотят меня слушать и понимать, и я буду — здоров" и встречаем подобные замечания, то, конечно, и нас посещает соблазн искать в его безрадостной отгороженности от людей своего времени постоянно возобновляющуюся причину его тяжёлого страдания. Но любой психолог учит нас, что решают не внешние обстоятельства сами по себе, а отношение к ним.
В первые дни 1889 года Ницше отправлял друзьям и знакомым письма и записки, подписанные обычно "Дионис" или "Распятый", которые свидетельствовали о начале его душевного расстройства. Это побудило Франца Овербека срочно пригласить его к себе, но когда базельский психиатр указал ему на опасность, которую таило в себе это приглашение, он поспешил сам отправиться в Турин. Там он узнал, что Ницше из-за инсульта упал на улице без сознания. С тех пор у него стали проявляться бредовые идеи. Овербеку удалось перевезти его в Базель, откуда в сопровождении приехавшей матери, врача и санитара он отправился в Йену в психиатрическую клинику профессора Бинсвангера. Врачи объявили болезнь неизлечимой, тогда как мать, что легко понять, видела надежду на выздоровление в каждом временном улучшении.
Его память в первое время хорошо сохраняла все события до краха в Турине. На намеренно заданные вопросы, как своего рода упражнение для памяти, например, об Эпикуре, Аристотеле и т.д., он отвечал остроумными рассуждениями, тогда как настоящее его мало интересовало. "Даже его игра на пианино", — сообщала мать Овербеку, — "столь осмысленна, что видно, он при этом думает". Он был счастлив, когда она читала ему вслух, и обычно, благодаря своей врожденной доброте и дружелюбию, легко поддавался руководству.
В конце 1890 года его сестра вернулась из Парагвая после смерти своего супруга. Больному разрешили покинуть клинику в Йене и переехать в Наумбург, где мать в первые годы часто совершала с ним длинные прогулки. С 1894 года его состояние ухудшилось. После смерти матери в пасхальные дни 1897 года сестра поселилась с ним в Веймаре в доме на Зильберблике — нынешнем Архиве Ницше, — с веранды которого он наслаждался прекрасным видом на город и горы. В 1898 и 1899 годах произошли новые инсульты. Одетый в длинное платье из толстой белой ткани, он обычно отдыхал на диване и иногда ещё принимал посетителей, всегда заботливо охраняемый сестрой. 25 августа нового столетия скончался провидец, спевший погребальную песнь ушедшей эпохе и возвестивший рассвет новой культуры.
Вопрос о наследственном или приобретенном органическом заболевании выходит на первый план. Как известно, психиатр П. Й. Мёбиус считал, что может выдвинуть гипотезу о том, что более ранний сифилис стал причиной позднейшего паралитического заболевания Ницше. Для психиатра это наиболее очевидная гипотеза, но Мёбиус так и не предоставил нам доказательств своего утверждения. В качестве контраргумента можно привести то, что врачи, к которым Ницше обращался на ранних стадиях, вероятно, задавали ему соответствующие вопросы, и если бы он должен был ответить утвердительно, то, безусловно, не стал бы с той суверенной непринужденностью, вдали от любого прикосновения к подобным предположениям, высказываться о своей болезни в своих сочинениях и письмах, а также в беседах — я напоминаю о разговоре с Дойссеном — и включать в число возможных объяснений указания, которые, возможно, дают повод поставить вопрос о наследственности.
Его отец, как известно, также умер от заболевания мозга; но поскольку нет никаких оснований предполагать, что сотрясение мозга, полученное им при падении, лишь спровоцировало его, невозможно использовать его смерть в качестве доказательства, и мы вынуждены полагаться исключительно на весьма общие замечания Ницше, которые ни в коем случае не достаточны для окончательного суждения.
Frau Förster-Nietzsche пишет, касаясь своего брата: "Врачи назвали его болезнь ›атипичной формой паралича‹, то есть параличом, который вовсе не имел признаков этого заболевания – а значит, не был параличом" и связывает инсульт в Турине с продолжительным употреблением хлорала и другого снотворного. Это, во всяком случае, не обязательно отвергать; ведь даже Мёбиус признаёт, что и хлорализм Ницше мог вызвать наблюдаемые эффекты.
Самыми жалкими, во всяком случае, выглядят психиатрически-философские исследования, которые, по примеру Макса Нордау и Германа Тюрка, пытаются доказать раннее душевное заболевание Ницше, опираясь на его труды. Для одного это служит доказательством, для другого — то, в зависимости от того, где именно начинается их возражение, но перед любым здравым суждением это доказательство рассыпается в прах. У Вильгельма Шахта, например, мы читаем: "Когда Ницше говорит: „мысль приходит, когда она хочет, а не когда я хочу“, это уже выражает чувство, которое он испытывал по отношению к собственной фантазии, свободно и независимо играющей с ним, которую он уже не мог обуздать, которая уже овладела им". Какой поэт, какой мыслитель, если смотреть на него таким образом, не может быть назван безумным? Именно это и отличает гениальную натуру — то, что она ничего не выдумывает сознательно, а благодаря подсознательно действующим силам озарение приходит тогда, когда оно хочет. "Озарения — это вдохновения гения", — пишет Кант.
Даже если предположить, что у Ницше была паралич, это отнюдь не означает, что его умственная деятельность перед крахом испытывала торможение; скорее, напротив, ему, возможно, была дана степень усиления. Когда я, благодаря личному общению с другим гением, а именно с Хуго Вольфом, который также сошел с ума, пришел к предположению, что необычайное усиление его продуктивности можно объяснить именно его болезненной предрасположенностью и её развитием, я по просьбе подруги композитора занялся исследованием этой гипотезы. Врачи, которых я опрашивал, не могли дать определенного ответа о возможности этого, тем более значимыми показались мне в этих обстоятельствах высказывания д-ра Мёбиуса, полностью подтвердившие моё дилетантское мнение. Я цитирую эти высказывания дословно: "Да, кто-то мог бы высказать мнение, что при определенных обстоятельствах умственные способности могут усилиться из-за болезни мозга. Возможно, что патологический огонь порождает достижения, которые иначе были бы невозможны, и такой случай представлен в "Заратустре" Ницше. Мёбиус приводит в поддержку этого мнения то, что В. Парант написал об увеличении умственных способностей в начале прогрессивного паралича, и, несмотря на то, что литература не содержит подобных сообщений и опрошенные специалисты ничего об этом не знали, остается при убеждении: "Впрочем, усиление достижений благодаря параличу не совсем немыслимо". Он опирался при этом на вывод, что паралич — это вполне локализованное заболевание, которое выбирает себе места, и заключил: "Если предположить, что в начале из-за поражения определённых волокон выключаются только тормоза, отсутствие которых приводит к отсутствию чувства усталости и эйфории, то сначала можно ожидать повышенной работоспособности работающих частей. Некоторые также подумают, что раздражение, исходящее от больных мест, усиливает приток крови в целом и что гиперемия способствует повышенной работе".
Таким образом, это отнюдь не означает, что мы можем объяснить духовное творчество Ницше лишь воздействием паралича, а не простым фактом гениальной предрасположенности. Поверхностность односторонне образованных психиатров, каких представляет тип Ломброзо, запутала вопрос о родстве гения и безумия. В "Весёлой науке" Ницше сравнивает Европу с больным, который должен быть безмерно благодарен за вечную переменчивость своего страдания; опасности, боли "в конце концов породили интеллектуальную раздражительность, которая почти равна гению, и во всяком случае является матерью всего гения".
Гению мы встречаемся лишь там, где трезвая деятельность разума утратила господство, где непосредственная творческая деятельность не сдерживается преобладанием сознания, а может проявиться. У нормального человека шлюзы и запруды сознания как бы открываются и закрываются автоматически, уравновешивая сознательные и подсознательные потоки; у гения же возникает наводнение в подсознании; но лишь тогда, когда защитные дамбы прорываются, мы вправе говорить о безумии. Оценивать каждого гения как патологическое явление кажется мне, несмотря на схожие симптомы, злоупотреблением словом.
Родство между гением и безумием мы, вероятно, найдем с Шопенгауэром гораздо точнее в недостаточном познании отношений вещей. Также и гений, ища в вещах лишь идею, временно теряет из виду познание связи вещей. Познание становится для него целью всей жизни, собственное существование — второстепенным, лишь средством. Его подсознание превращается в Camera obscura, в которой по сути отражаются идеи, которые благодаря его фантазии он объединяет в картину мира. Ни непосредственная полезность цели, ни умное использование средств не определяют его поведение. Оба, и гений, и безумный, живут в ином мире, нежели тот, что существует для всех. Анатомические и физиологические условия могут быть родственными, а именно — аномальное преобладание чувствительности над раздражимостью и репродуктивной силой. Как в каждом ребенке можно усмотреть своего рода гения, так и в гении, наоборот, — большое дитя, которое чуждо смотрит на мир и сохраняет в себе более чистую и невинную часть человека, откуда и проистекает его как бы сверхъестественная веселость, которой обычно служит глубокая меланхолия в качестве основы. Там, где гений направляет свою аномально повышенную познавательную силу на дела воли, он легко слишком живо воспринимает их, все предстает в слишком ярких красках, увеличенное до чудовищных размеров, и склоняется к крайностям, так что противопоставление Шопенгауэра становится вполне понятным: гений — это чудовище per excessum, безумный — чудовище per defectum.
Для филистерских натур родство гения и безумия служит осуждением любого гения, тогда как наивный человек воспринимает это скорее наоборот. Приступ безумия у духовного человека как бы подтверждает его гениальность и окружает его ореолом святости.
Народ имеет инстинктивное чувство проклятия одиночества, которое должно испытать каждое гениальное существо. "Человек гения", говорит Шопенгауэр, "обречен жить в пустынном мире, где он не встречает себе подобных, как на острове, единственными обитателями которого являются обезьяны и попугаи". Это понимание того, что гений как бы берет на себя страдания мира, что он страдает от человека и ради самого человека живет и творит, наполняет нас благоговением и повелением почти всегда запоздалой благодарности. Дадим этому благоговению место в уме и сердце, после того как наше познание последовало по таинственным тропам, которыми как трагический человек шел Ницше. Он копался как мыслитель слишком глубоко, взлетал как поэт слишком высоко, взирал как провидец слишком широко, хотел как пророк и философ, определяющий ценности и издающий законы, слишком сильно, чтобы, при всей радости реальности, удовлетвориться плоской низостью и малостью земного, с которой оптимистическая адаптация в своей трезвости мирится: он воздвиг нам цель, которая не должна утешать нашу низость и бессилие как потустороннее обещание, а должна укреплять наше утверждение воли и усиление жизни как точка зрения сверхчеловеческого стремления; ибо его любовь воспламенилась от немой красоты необходимости. Как символически значимо, что последние строки, завершающие последнее стихотворение его произведений, звучат так:
Щит необходимости!
Высшая звезда бытия!
— которого не достигает желание,
— которого не пятнает "нет",
вечное "да" бытия,
вечно я — твоё "да":
ибо люблю тебя, о вечность – –
Взгляд назад и вперёд
Хочешь радоваться жизни,
должен миру придать ценность.
Гёте — Шопенгауэру.
Мы привыкли различать бедных и богатых, высоких и низких, образованных и необразованных, в зависимости от того, исходим ли мы из вопроса владения, положения или успехов воспитания. Но есть противоположность, которая обоснована глубже, чем такие социальные разделения: человек, который является не только личностью, но и индивидуальностью, представляет не только "я", но и "самость", страдает не только от людей, но и за людей, борется не только за преобразование институтов, но и живет ради высшей идеи, которую он предчувствует как идеал над достигнутым и стремится творчески стремится реализовать – "Там, где кончается государство, начинается человек, который не лишний" – этот человек в своей уникальности гораздо глубже и шире отделен от людей, которые, несмотря на всю враждебную конкуренцию между собой, в своих страданиях и радостях эгоистично и альтруистично связаны с реальностью. Он — первичный человек, к которому все остальные относятся как вторичные. Путь страданий таких первичных людей — мы заимствуем здесь составленную Хансом Блюхером схему — ведет от Платона через Христа, Леонардо да Винчи, к Гёте и, едва не задев Шопенгауэра, к — Ницше.
Уже в первых существенных произведениях Ницше проявляется этот контраст. Он выступает против оптимизма своего времени, которое удовлетворялось несовершенными культурными достижениями. Он заявляет, что мы опустились с высоты образования эпохи Гёте, потому что не придерживались аристократической природы духа, что нам необходим возрождение нравственных сил, требует, оглядываясь на античность, ренессанса культуры и призывает нас: осмельтесь стать трагическими людьми!
Трагическим человеком он считает того, кто не уклоняется от необходимых противоречий жизни, бездействуя через отказ, подчиняясь через адаптацию, избегая борьбы через компромиссы, но кто смело смотрит в бездны пессимистического познания и, полный надежды, осмеливается взглянуть на возможности, которые предлагаются человеку.
Уже человек эпохи Гёте и индивидуалист Ренессанса казались Ницше выше носителя современности, тем более эллин в своей потребности в искусстве из жизненного порыва. "Грек знал и чувствовал ужасы и ужасные стороны существования: чтобы вообще иметь возможность жить, он должен был поставить перед собой сновидческое творение Олимпийцев".
В то время Ницше почитает Шопенгауэра и Вагнера как великих трагических людей. Шопенгауэра — потому что, несмотря на скептический уныние или критически отреченное воздержание, он противостоит жизни как целому и в своем глубоком стремлении к гению ведет нас к высотам трагического созерцания. Вагнера — потому что тот представлялся ему таким гением, который еще чувствовал античность и казался призванным обещать из духа музыки возрождение трагедии, а из духа трагедии — возрождение культуры. Их противоположности он видел, как показывают нам "Несвоевременные размышления", в типичных представителях оптимистического самодовольства, в проповедниках чисто исторических оценок, которые, чрезмерно подчеркивая научность, парализующе действуют на продуктивную жизнь.
Но Шопенгауэр пришёл к буддийскому отрицанию жизни, а Вагнер не предложил ницшеанской аполлонической визии из дионисийского духа музыки, а, даже в Байройте, к разочарованию Ницше, лишь естественно выглядящую иллюзию сцены. Не Шопенгауэр соответствовал призыву Гёте: "Хочешь радоваться жизни, должен ты миру ценность придать", а выполнение этой культурно решающей задачи выпало на долю Ницше.
Он принял наследие своих почитаемых как образцы мастеров там, где они изменили своей задаче; он должен был бороться с ними, где они не прославляли этот мир ради возвышения жизни, а, будучи связаны христианством, стремились к потустороннему. Разрыв с этими образцами был неизбежен, если Ницше хотел прийти к себе и собственным путям своей задачи.
Скептически относясь к любой прежней абсолютной оценке с её непониманием чисто релятивистской и перспективной оптики, скептически относясь к любой вуалирующей идеализации действительности, он отвернулся от всякой метафизики, чтобы сначала как позитивист из опыта вывести предпосылки новой истинной культуры. Материальное, несовершенное, да, даже злое и ужасное требовало от него признания как корневой движущей силы, если новая культура должна была прорасти и расцвести; индивидуальное не должно было больше тонуть в социальном. Для Средневековья всеобщность была всем, отдельный человек — ничем; для Ренессанса отдельный человек был всем, всеобщность — ничем. Стремление к примирению контрастов, которое Ницше как наследие своего происхождения присвоил себе, заставляло его и здесь искать синтеза.
Я однажды выразил эту противоречивость в формуле: Тот, кто полностью растворяется в общине, остается должен ей лучшее, что он может ей дать: высшее развитие своего "Я". Тот, кто полностью настаивает на себе, остается должен себе лучшее, что он может себе дать: творческое раскрытие своего "Я" внутри общины.
Ницше же признает взаимосвязь общины и индивидуальности, органическую связь корня и цветка в развитии выдающейся личности из слоев низин. Об этом говорит нам учение о сверхчеловеке как о цели нашего культурного развития. В нем мы должны понять суть его философии.
Если мы спросим себя, чем отличается это мировоззрение от того, что до сих пор считалось целью всех религиозных и философских, всех гуманитарных смыслов жизни, то должны признать: здесь — укрощение животного человека через цивилизацию, там — выращивание высшего человека через культуру. Непосредственно рождённая из чувственной жизни поэзия "Заратустры" наглядно показывает нам с магически властвующей радостью творца, с провидчески открывающей радостью познающего, полная отвращения к повседневному человеку, полная наслаждения возможным человеком ту цель, которая призвана придать миру новую ценность.
Это цель, которую под руководством Ницше может узреть только более высокий и свободный человек, и все же в конечном счете она создана не только для него одного. Мы все, без исключения, от высших до низших, должны служить ее осуществлению. Высшие — благодаря ясному познанию, средние — благодаря руководству, низшие — благодаря принуждению. Эта цель требует: действуй ради общности и иерархии, способствующих возвышению человека; эта цель требует: совершенствуйся как личность в смелой самолюбви, в неустрашимом самоутверждении! Не только как мыслителя и поэта, не только как провозвестника и художника, но как провидца и установщика новой мировой и ценностной цели мы должны понимать Ницше и осознавать, что как первичный человек он означает переломный момент в развитии культурного человека. Только тогда мы полностью отдадим должное его жизни и учению.
Поворотный момент! Больше мы не видим себя отсылаемыми к обратной связи с изначальным бытием, мыслимым как совершенное, олицетворенное как Бог, будь то через догматическую веру или через мистическое единение, но к трагическому вхождению в становление.
Само становление — смысл жизни! Как искусство для творца всегда у цели, само является целью и лишь исторически новое предполагает предыдущее, так и становление. Но вновь, как произведение искусства не достигает окончательного завершения в сознании наслаждающегося, а излучается в сверхсознание, продолжая продуктивно действовать и в своей завершенности, так и всегда живое становление, всегда творческая жизнь. Дереву важно не плод, а семя, учит нас Ницше и таким образом наглядно показывает нам вечность становления.
Всё, что называется нашей целью, в конечном счёте можно понять лишь относительно и перспективно. И сверхчеловека Ницше называет лишь нашей следующей ступенью, тем самым указывая и за пределы самого себя; ибо любая цель подчинена становлению. Только если наш взгляд назад на жизнь и учение Ницше одновременно открывает нам перспективу, мы понимаем становление в его смысле.
Наши рассуждения тоже порой приводили к синтезам, охватывающим пережитые им противоречия; но точки покоя в восхождении могли служить нам лишь станциями, а не конечными пунктами. Если бы и сейчас мы стремились к мирному завершению, то впали бы в ту же ошибку по отношению к продуктивному творчеству Ницше, что и те, кто чисто исторически вписывал его в развитие последующей философии с удовлетворением, что благодаря ему познание обогатилось, но всё осталось по-старому.
С высоты горы Заратустры, возможно, те тезисы и антитезисы, которые исключают друг друга лишь в низине, теряют свою взаимно уничтожающую противоположность: эгоизм и альтруизм, индивидуализм и социализм, оптимизм и пессимизм становятся коррелятами. Но ни Заратустра, ни сам Ницше не являются примирителями радикальных противоположностей, а борцами за самодержавие отдельных, которые для них являются вершиной высшего развития человечества.
Благодаря сестринской любви его биографа мы без колебаний можем простить ей то, что она стремилась примирить, что она смешивала его доброту как человека с непреклонностью как борца, иногда смягчая в оценке жесткость его атак эвфемистически: мы же не должны отступать перед необходимостью признать несправедливость по отношению к его типичным врагам — Шопенгауэру, Вагнеру, Сократу, филистерскому немецкому духу и моралистическому христианству — без всякого неуместного смягчения, пусть даже и с высокой точки зрения; мы должны — верные его ненависти к любому трусливому компромиссу, верные его неустанному радикализму — ради непреклонной истины быть готовыми увидеть его в характерной односторонности как борца и вождя.
Только тогда мы не уменьшаем его, если не отрицаем жестокость, которую его воля к уничтожению навязала себе; только тогда, если мы понимающе участвуем в его радикальном отрицании того, что для тысяч, в его понимании к ущербу их освобождения и возвышения, считается высшим благом, отличительной добродетелью в религии, морали, гуманизме, оставаясь неприкосновенным.
Вобрать в себя весь позитивизм и всё же оставаться носителем идеализма — Ницше обозначил это как свою личную задачу; он мог бы добавить: преодолеть в себе весь прежний идеализм и всё же оставаться верным идее спиралевидного высшего развития типа человека.
Что же мы должны признать своей задачей, чтобы иметь право гордиться преемственностью Ницше? Скажем это как можно проще: честность. Если мы обретём смелость быть честными, то должны будем признаться — каждый перед самим собой — даже в мелочах: не только христианские добродетели, не только требования гуманности, не только высокопарный энтузиазм по отношению к Истине, Красоте, Добру, не только случайное увлечение искусством и наукой, но даже само понятие морального долга стали для нас переливающимися одеждами, которыми мы стыдливо прикрываем наготу нашего эгоизма. Смелость быть честными перед самими собой часто отсутствует у нас лишь потому, что нам не хватает смелости признать наш данный природой эгоизм. То, что он непрерывно определяет наше чувствование, мышление и действие, исходя из нашего подсознания, мы знаем, сегодня мы не можем этого отрицать. Но, настроенные наполовину, мы рассуждаем перед самими собой: бессознательно, да, здесь мы все подчинены эгоизму, но именно поэтому он не должен отравлять и наше сознание, давайте хотя бы сохраним чистоту намерений.
Времена были, когда такими максимами можно было очистить свою совесть, когда убеждение "дух готов, но плоть слаба" открывало путь к самооправданию; но сегодня мы знаем, что дело обстоит иначе. Не в сознательном намерении лежит последнее решение, а наше чувствование и мышление зависит от нашего бессознательного бытия. И дух — лишь орудие нашей органической конституции. Только те мысли, которые мы усваиваем, имеют успех, действуя из нашей сущности. "Что тебя в истине возносит и держит, должно жить в тебе самом". (Теодор Фонтане.) Сегодня мы не можем более закрываться от радикального напутствия, признавая абсолютное разделение плоти и духа недопустимым, сегодня мы, ради честности, должны требовать от себя: привести познание реальности и идеализм в гармонию. За счёт идеализма! Пугающее требование для того, кто убеждён в греховности людей, возвышающее требование для того, кто аморально взирает на факты человеческой страстности и — утверждает их. Теперь идеализм, чтобы не раствориться в пустом тумане, должен означать для нас не отвлечение от низменного, а уплотнение сущностного. Теперь речь идёт не о том, чтобы трусливо отрекаться от нашего эгоизма, а о том, чтобы признать его волей к власти, но при этом чётко различать, какие цели ставит перед собой эта воля к власти и какими средствами она осуществляется.
Помимо всего, что остается для нас общеобязательным, теперь к нам предъявляются новые требования, вытекающие из приобретенной новой установки по переоценке ценностей. Являются ли это снова лишь категорическими императивами или общезначимыми догмами, требующими от каждого одного и того же? Понимание релятивизма всех оценок заставляет нас ответить на этот вопрос отрицательно, заставляет нас, кстати, не впадать в слепое подражание Ницше, а через него прийти к прозревающему познанию нашего собственного долга. Как счастье в конечном счете для нас всегда означает лишь то, что мы считаем высшим благом в соответствии с нашей природой, так и долг как комплекс всегда означает для нас лишь то, что открывается нам как подлинная задача нашей жизни. В какой мере выполнению этого долга ставят пределы наши недостатки, но также и в какой мере мы можем расширять и заново определять эти пределы — об этом может судить только наша собственная добросовестность и правдивость. Из естественного неравенства прав следует также неравенство обязанностей, поскольку различия в сущности между людьми по роду, виду и личности определяют неравенство задач и различие в участии в общих задачах.
Искренность! Но мы не можем жить без иллюзий. Нам нужны вымыслы как средство, чтобы открывать себе пути, нам нужны гипотезы, чтобы представлять возможности, нам нужны идеальные цели, чтобы воодушевлять наш подъем. Догма абсолютной истины замерзает во льду этих размышлений, но не идеал искренности, так же как наше чувство не отказывается от религиозности, когда наш разум отказывается от религии.
Сколько лживости между теоретическим идеализмом и практической деятельностью мы сегодня еще терпим, определяет степень нашей честности; сколько истины между реальностью и потребностью в видимости мы способны вынести, характеризует меру нашей душевной силы; сколько новых целей и ценностей мы усваиваем, свидетельствует о мощи нашей творческой воли и, наконец, сколько противоположностей между страданием и наслаждением, случайностью и каузальностью, заблуждением и истиной мы можем гармонично соединить в себе, определяет здоровье и богатство нашей человечности.
Философия Ницше в своём ядре — это аксиология, а это значит: определение ценностей, распределение рангов, постановка целей, придание смысла и формирование возможностей из самого благородного материала, который предлагает природа: из человека. Предпосылкой для этого служит изначально творческое начало. Волшебное очарование исходит от слова, которым Ницше называет этот первоисточник всей спонтанности. Полнота природы в порождающей и рождающей силе, в глубочайшей страсти и высшей радости, её чудотворная сила в творении и уничтожении и воссоздании, её единство в гении рода и её бесконечное богатство в многообразии индивидов — это таинство неисчерпаемой жизни, которой все энтелехии обязаны как частице вечности, он называет: Дионис.
С первого своего сочинения "Рождение трагедии" и до "Ecce homo" он ощущал себя учеником Диониса, утвердителем всего сущего, радостным вестником этого учения в противовес всему, что принижает жизнь, вместо того чтобы одаривать мир ликованием бытия, богатством форм, утверждением высших целей. Последнее слово его последнего труда гласит: "Дионис против Распятого!". Потому имморалист, потому антиметафизик, потому антинигилист, потому антихристианин! И потому провозвестник нового учения, которое борется с роковым наследием прошлого как отрицанием жизни, и потому провозвестник нового учения, которое требует от нас верности земле из радости сущему, из дальнелюбия к становящемуся.
Литература о Ницше
Ницше, Фридрих: Сочинения. Большой формат 8°. Полное собрание сочинений (19 томов).
Ницше, Фридрих: Сочинения. Карманное издание (11 томов).
Ницше, Фридрих: Собрание писем (6 томов).
Ницше, Фридрих: Письма, отобранные Рих. Оелером.
Ницше, Фридрих: Переписка с Францем Овербеком.
Фёрстер-Ницше, Элизабет: Жизнь Фридриха Ницше (3 тома).
Фёрстер-Ницше, Элизабет: Молодой Ницше. – Одинокий Ницше.
Фёрстер-Ницше, Элизабет: Вагнер и Ницше во времена их дружбы.
Геккель, Карл: Письма Рихарда Вагнера к Эмилю Геккелю.
Бертрам, Эрнст: Ницше.
Брандес, Георг: Фридрих Ницше (Сборник: Люди и произведения).
Рихтер, Рауль: Фридрих Ницше. Его жизнь и творчество.
Мейер, Ричард М.: Ницше. Его жизнь и его труды.
Андреас-Саломе, Лу: Фридрих Ницше в его произведениях.
Bernoulli, Carl Albrecht: Франц Овербек и Фридрих Ницше (2 тома).
Пфендер, А.: Ницше (Сборник: Великие мыслители).
Эвальд, Оскар: Учение Ницше в его основных понятиях.
Мёбиус, П. Й.: Ницше.
Шахт, Вильгельм: Ницше.
Риль, Алоиз: Фридрих Ницше как художник и мыслитель.
Йоэль: Ницше и романтизм.
Зиммель: Шопенгауэр-Ницше.
Олер, д-р Ричард: Фридрих Ницше и досократики.
Олер, Макс: Памяти Ницше.
Хассе, Генрих: Проблема Сократа у Фридриха Ницше.
Хорнеффер, Эрнст: Учение Ницше о Вечном Возвращении.
Шелльвиен, Р.: Макс Штирнер и Фридрих Ницше.
Левенштейн, Адольф: Фридрих Ницше в суждении рабочего класса.
Дойссен, Пауль: Воспоминания о Фридрихе Ницше.
фон Залис-Маршлинс, Мета: Философ и благородный человек.
von Ungern-Sternberg, Isabelle: Ницше в зеркале своего письма.
Бергсон, Анри: Творческая эволюция.
Блюхер, Ханс: Аристия Иисуса из Назарета.
Шпенглер, О.: Закат Европы.
Циглер, Леопольд: Метаморфозы богов.