Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister (Zweiten Ausgabe, 1886)
Dieses monologische Buch, welches in Sorrent während eines Winteraufenthaltes (1876 auf 1877) entstand, würde jetzt der Öffentlichkeit nicht übergeben werden, wenn nicht die Nähe des 30. Mai 1878 den Wunsch allzu lebhaft erregt hätte, einem der größten Befreier des Geistes zur rechten Stunde eine persönliche Huldigung darzubringen.
[Einleitende Bemerkung.]
An Stelle einer Vorrede.
"—eine Zeit lang erwog ich die verschiedenen Beschäftigungen, denen sich die Menschen in diesem Leben überlassen und machte den Versuch, die beste von ihnen auszuwählen. Aber es thut nicht noth, hier zu erzählen, auf was für Gedanken ich dabei kam: genug, dass für meinen Theil mir Nichts besser erschien, als wenn ich streng bei meinem Vorhaben verbliebe, das heisst: wenn ich die ganze Frist des Lebens darauf verwendete, meine Vernunft auszubilden und den Spuren der Wahrheit in der Art und Weise, welche ich mir vorgesetzt hatte, nachzugehen. Denn die Früchte, welche ich auf diesem Wege schon gekostet hatte, waren der Art, dass nach meinem Urtheile in diesem Leben nichts Angenehmeres, nichts Unschuldigeres gefunden werden kann; zudem liess mich jeder Tag, seit ich jene Art der Betrachtung zu Hülfe nahm, etwas Neues entdecken, das immer von einigem Gewichte und durchaus nicht allgemein bekannt war. Da wurde endlich meine Seele so voll von Freudigkeit, dass alle übrigen Dinge ihr Nichts mehr anthun konnten."
Aus dem Lateinischen des Cartesius.
Vorrede.
1
Es ist mir oft genug und immer mit grossem Befremden ausgedrückt worden, dass es etwas Gemeinsames und Auszeichnendes an allen meinen Schriften gäbe, von der "Geburt der Tragödie" an bis zum letzthin veröffentlichten "Vorspiel einer Philosophie der Zukunft": sie enthielten allesammt, hat man mir gesagt, Schlingen und Netze für unvorsichtige Vögel und beinahe eine beständige unvermerkte Aufforderung zur Umkehrung gewohnter Werthschätzungen und geschätzter Gewohnheiten. Wie? Allesnur—menschlich-allzumenschlich? Mit diesem Seufzer komme man aus meinen Schriften heraus, nicht ohne eine Art Scheu und Misstrauen selbst gegen die Moral, ja nicht übel versucht und ermuthigt, einmal den Fürsprecher der schlimmsten Dinge zu machen: wie als ob sie vielleicht nur die bestverleumdeten seien? Man hat meine Schriften eine Schule des Verdachts genannt, noch mehr der Verachtung, glücklicherweise auch des Muthes, ja der Verwegenheit. In der That, ich selbst glaube nicht, dass jemals Jemand mit einem gleich tiefen Verdachte in die Welt gesehn hat, und nicht nur als gelegentlicher Anwalt des Teufels, sondern ebenso sehr, theologisch zu reden, als Feind und Vorforderer Gottes; und wer etwas von den Folgen erräth, die in jedem tiefen Verdachte liegen, etwas von den Frösten und Aengsten der Vereinsamung, zu denen jede unbedingte Verschiedenheit des Blicks den mit ihr Behafteten verurtheilt, wird auch verstehn, wie oft ich zur Erholung von mir, gleichsam zum zeitweiligen Selbstvergessen, irgendwo unterzutreten suchte—in irgend einer Verehrung oder Feindschaft oder Wissenschaftlichkeit oder Leichtfertigkeit oder Dummheit; auch warum ich, wo ich nicht fand, was ich brauchte, es mir künstlich erzwingen, zurecht fälschen, zurecht dichten musste (—und was haben Dichter je Anderes gethan? und wozu wäre alle Kunst in der Welt da?). Was ich aber immer wieder am nöthigsten brauchte, zu meiner Kur und Selbst-Wiederherstellung, das war der Glaube, nicht dergestalt einzeln zu sein, einzeln zu sehn, —ein zauberhafter Argwohn von Verwandtschaft und Gleichheit in Auge und Begierde, ein Ausruhen im Vertrauen der Freundschaft, eine Blindheit zu Zweien ohne Verdacht und Fragezeichen, ein Genuss an Vordergründen, Oberflächen, Nahem, Nächstem, an Allem, was Farbe, Haut und Scheinbarkeit hat. Vielleicht, dass man mir in diesem Betrachte mancherlei "Kunst," mancherlei feinere Falschmünzerei vorrücken könnte: zum Beispiel, dass ich wissentlich-willentlich die Augen vor Schopenhauer's blindem Willen zur Moral zugemacht hätte, zu einer Zeit, wo ich über Moral schon hellsichtig genug war; insgleichen dass ich mich über Richard Wagner's unheilbare Romantik betrogen hätte, wie als ob sie ein Anfang und nicht ein Ende sei; insgleichen über die Griechen, insgleichen über die Deutschen und ihre Zukunft—und es gäbe vielleicht noch eine ganze lange Liste solcher Insgleichen?— gesetzt aber, dies Alles wäre wahr und mit gutem Grunde mir vorgerückt, was wisst ihr davon, was könntet ihr davon wissen, wie viel List der Selbst-Erhaltung, wie viel Vernunft und höhere Obhut in solchem Selbst-Betruge enthalten ist,—und wie viel Falschheit mir noch noth thut, damit ich mir immer wieder den Luxus meiner Wahrhaftigkeit gestatten darf? ... Genug, ich lebe noch; und das Leben ist nun einmal nicht von der Moral ausgedacht: es will Täuschung, es lebt von der Täuschung ... aber nicht wahr? da beginne ich bereits wieder und thue, was ich immer gethan habe, ich alter Immoralist und Vogelsteller—und rede unmoralisch, aussermoralisch, "jenseits von Gut und Böse"? —
2
— So habe ich denn einstmals, als ich es nöthig hatte, mir auch die "freien Geister" erfunden, denen dieses schwermüthig-muthige Buch mit dem Titel "Menschliches, Allzumenschliches" gewidmet ist: dergleichen "freie Geister" giebt es nicht, gab es nicht,—aber ich hatte sie damals, wie gesagt, zur Gesellschaft nöthig, um guter Dinge zu bleiben inmitten schlimmer Dinge (Krankheit, Vereinsamung, Fremde, Acedia, Unthätigkeit): als tapfere Gesellen und Gespenster, mit denen man schwätzt und lacht, wenn man Lust hat zu schwätzen und zu lachen, und die man zum Teufel schickt, wenn sie langweilig werden,—als ein Schadenersatz für mangelnde Freunde. Dass es dergleichen freie Geister einmal geben könnte, dass unser Europa unter seinen Söhnen von Morgen und Uebermorgen solche muntere und verwegene Gesellen haben wird, leibhaft und handgreiflich und nicht nur, wie in meinem Falle, als Schemen und Einsiedler-Schattenspiel: daran möchte ich am wenigsten zweifeln. Ich sehe sie bereits kommen, langsam, langsam; und vielleicht thue ich etwas, um ihr Kommen zu beschleunigen, wenn ich zum Voraus beschreibe, unter welchen Schicksalen ich sie entstehn, auf welchen Wegen ich sie kommen sehe? — —
3
Man darf vermuthen, dass ein Geist, in dem der Typus "freier Geist" einmal bis zur Vollkommenheit reif und süss werden soll, sein entscheidendes Ereigniss in einer grossen Loslösung gehabt hat, und dass er vorher um so mehr ein gebundener Geist war und für immer an seine Ecke und Säule gefesselt schien. Was bindet am festesten? welche Stricke sind beinahe unzerreissbar? Bei Menschen einer hohen und ausgesuchten Art werden es die Pflichten sein: jene Ehrfurcht, wie sie der Jugend eignet, jene Scheu und Zartheit vor allem Altverehrten und Würdigen, jene Dankbarkeit für den Boden, aus dem sie wuchsen, für die Hand, die sie führte, für das Heiligthum, wo sie anbeten lernten,—ihre höchsten Augenblicke selbst werden sie am festesten binden, am dauerndsten verpflichten. Die grosse Loslösung kommt für solchermaassen Gebundene plötzlich, wie ein Erdstoss: die junge Seele wird mit Einem Male erschüttert, losgerissen, herausgerissen,—sie selbst versteht nicht, was sich begiebt. Ein Antrieb und Andrang waltet und wird über sie Herr wie ein Befehl; ein Wille und Wunsch erwacht, fortzugehn, irgend wohin, um jeden Preis; eine heftige gefährliche Neugierde nach einer unentdeckten Welt flammt und flackert in allen ihren Sinnen. "Lieber sterben als hier leben"—so klingt die gebieterische Stimme und Verführung: und dies "hier," dies "zu Hause" ist Alles, was sie bis dahin geliebt hatte! Ein plötzlicher Schrecken und Argwohn gegen Das, was sie liebte, ein Blitz von Verachtung gegen Das, was ihr "Pflicht" hiess, ein aufrührerisches, willkürliches, vulkanisch stossendes Verlangen nach Wanderschaft, Fremde, Entfremdung, Erkältung, Ernüchterung, Vereisung, ein Hass auf die Liebe, vielleicht ein tempelschänderischer Griff und Blick rückwärts, dorthin, wo sie bis dahin anbetete und liebte, vielleicht eine Gluth der Scham über Das, was sie eben that, und ein Frohlocken zugleich, dass sie es that, ein trunkenes inneres frohlockendes Schaudern, in dem sich ein Sieg verräth—ein Sieg? über was? über wen? ein räthselhafter fragenreicher fragwürdiger Sieg, aber der erste Sieg immerhin:—dergleichen Schlimmes und Schmerzliches gehört zur Geschichte der grossen Loslösung. Sie ist eine Krankheit zugleich, die den Menschen zerstören kann, dieser erste Ausbruch von Kraft und Willen zur Selbstbestimmung, Selbst-Werthsetzung, dieser Wille zum freien Willen: und wie viel Krankheit drückt sich an den wilden Versuchen und Seltsamkeiten aus, mit denen der Befreite, Losgelöste sich nunmehr seine Herrschaft über die Dinge zu beweisen sucht! Er schweift grausam umher, mit einer unbefriedigten Lüsternheit; was er erbeutet, muss die gefährliche Spannung seines Stolzes abbüssen; er zerreisst, was ihn reizt. Mit einem bösen Lachen dreht er um, was er verhüllt, durch irgend eine Scham geschont findet: er versucht, wie diese Dinge aussehn, wenn man sie umkehrt. Es ist Willkür und Lust an der Willkür darin, wenn er vielleicht nun seine Gunst dem zuwendet, was bisher in schlechtem Rufe stand,—wenn er neugierig und versucherisch um das Verbotenste schleicht. Im Hintergrunde seines Treibens und Schweifens—denn er ist unruhig und ziellos unterwegs wie in einer Wüste—steht das Fragezeichen einer immer gefährlicheren Neugierde. Kann man nicht alle Werthe umdrehn? und ist Gut vielleicht Böse? und Gott nur eine Erfindung und Feinheit des Teufels? Ist Alles vielleicht im letzten Grunde falsch? Und wenn wir Betrogene sind, sind wir nicht eben dadurch auch Betrüger? müssen wir nicht auch Betrüger sein?"—solche Gedanken führen und verführen ihn, immer weiter fort, immer weiter ab. Die Einsamkeit umringt und umringelt ihn, immer drohender, würgender, herzzuschnürender, jene furchtbare Göttin und mater saeva cupidinum—aber wer weiss es heute, was Einsamkeit ist? ...
4
Von dieser krankhaften Vereinsamung, von der Wüste solcher Versuchs-Jahre ist der Weg noch weit bis zu jener ungeheuren überströmenden Sicherheit und Gesundheit, welche der Krankheit selbst nicht entrathen mag, als eines Mittels und Angelhakens der Erkenntniss, bis zu jener reifen Freiheit des Geistes, welche ebensosehr Selbstbeherrschung und Zucht des Herzens ist und die Wege zu vielen und entgegengesetzten Denkweisen erlaubt—, bis zu jener inneren Umfänglichkeit und Verwöhnung des Ueberreichthums, welche die Gefahr ausschliesst, dass der Geist sich etwa selbst in die eignen Wege verlöre und verliebte und in irgend einem Winkel berauscht sitzen bliebe, bis zu jenem Ueberschuss an plastischen, ausheilenden, nachbildenden und wiederherstellenden Kräften, welcher eben das Zeichen der grossen Gesundheit ist, jener Ueberschuss, der dem freien Geiste das gefährliche Vorrecht giebt, auf den Versuch hin leben und sich dem Abenteuer anbieten zu dürfen: das Meisterschafts-Vorrecht des freien Geistes! Dazwischen mögen lange Jahre der Genesung liegen, Jahre voll vielfarbiger schmerzlich-zauberhafter Wandlungen, beherrscht und am Zügel geführt durch einen zähen Willen zur Gesundheit, der sich oft schon als Gesundheit zu kleiden und zu verkleiden wagt. Es giebt einen mittleren Zustand darin, dessen ein Mensch solchen Schicksals später nicht ohne Rührung eingedenk ist: ein blasses feines Licht und Sonnenglück ist ihm zu eigen, ein Gefühl von Vogel-Freiheit, Vogel-Umblick, Vogel-Uebermuth, etwas Drittes, in dem sich Neugierde und zarte Verachtung gebunden haben. Ein "freier Geist"—dies kühle Wort thut in jenem Zustande wohl, es wärmt beinahe. Man lebt, nicht mehr in den Fesseln von Liebe und Hass, ohne ja, ohne Nein, freiwillig nahe, freiwillig ferne, am liebsten entschlüpfend, ausweichend, fortflatternd, wieder weg, wieder empor fliegend; man ist verwöhnt, wie Jeder, der einmal ein ungeheures Vielerlei unter sich gesehn hat,—und man ward zum Gegenstück Derer, welche sich um Dinge bekümmern, die sie nichts angehn. In der That, den freien Geist gehen nunmehr lauter Dinge an—und wie viele Dinge!—welche ihn nicht mehr bekümmern ...
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Ein Schritt weiter in der Genesung: und der freie Geist nähert sich wieder dem Leben, langsam freilich, fast widerspänstig, fast misstrauisch. Es wird wieder wärmer um ihn, gelber gleichsam; Gefühl und Mitgefühl bekommen Tiefe, Thauwinde aller Art gehen über ihn weg. Fast ist ihm zu Muthe, als ob ihm jetzt erst die Augen für das Nahe aufgiengen. Er ist verwundert und sitzt stille: wo war er doch? Diese nahen und nächsten Dinge: wie scheinen sie ihm verwandelt! welchen Flaum und Zauber haben sie inzwischen bekommen! Er blickt dankbar zurück,—dankbar seiner Wanderschaft, seiner Härte und Selbstentfremdung, seinen Fernblicken und Vogelflügen in kalte Höhen. Wie gut, dass er nicht wie ein zärtlicher dumpfer Eckensteher immer "zu Hause," immer "bei sich" geblieben ist! er war ausser sich: es ist kein Zweifel. Jetzt erst sieht er sich selbst—, und welche Ueberraschungen findet er dabei! Welche unerprobten Schauder! Welches Glück noch in der Müdigkeit, der alten Krankheit, den Rückfällen des Genesenden! Wie es ihm gefällt, leidend stillzusitzen, Geduld zu spinnen, in der Sonne zu liegen! Wer versteht sich gleich ihm auf das Glück im Winter, auf die Sonnenflecke an der Mauer! Es sind die dankbarsten Thiere von der Welt, auch die bescheidensten, diese dem Leben wieder halb zugewendeten Genesenden und Eidechsen:—es giebt solche unter ihnen, die keinen Tag von sich lassen, ohne ihm ein kleines Loblied an den nachschleppenden Saum zu hängen. Und ernstlich geredet: es ist eine gründliche Kur gegen allen Pessimismus (den Krebsschaden alter Idealisten und Lügenbolde, wie bekannt—) auf die Art dieser freien Geister krank zu werden, eine gute Weile krank zu bleiben und dann, noch länger, noch länger, gesund, ich meine ,gesünder" zu werden. Es ist Weisheit darin, Lebens-Weisheit, sich die Gesundheit selbst lange Zeit nur in kleinen Dosen zu verordnen.
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Um jene Zeit mag es endlich geschehn, unter den plötzlichen Lichtern einer noch ungestümen, noch wechselnden Gesundheit, dass dem freien, immer freieren Geiste sich das Räthsel jener grossen Loslösung zu entschleiern beginnt, welches bis dahin dunkel, fragwürdig, fast unberührbar in seinem Gedächtniss gewartet hatte. Wenn er sich lange kaum zu fragen wagte "warum so abseits? so allein? Allem entsagend, was ich verehrte? der Verehrung selbst entsagend? warum diese Härte, dieser Argwohn, dieser Hass auf die eigenen Tugenden?"—jetzt wagt und fragt er es laut und hört auch schon etwas wie Antwort darauf. "Du solltest Herr über dich werden, Herr auch über die eigenen Tugenden. Früher waren sie deine Herren; aber sie dürfen nur deine Werkzeuge neben andren Werkzeugen sein. Du solltest Gewalt über dein Für und Wider bekommen und es verstehn lernen, sie aus- und wieder einzuhängen, je nach deinem höheren Zwecke. Du solltest das Perspektivische in jeder Werthschätzung begreifen lernen—die Verschiebung, Verzerrung und scheinbare Teleologie der Horizonte und was Alles zum Perspektivischen gehört; auch das Stück Dummheit in Bezug auf entgegengesetzte Werthe und die ganze intellektuelle Einbusse, mit der sich jedes Für, jedes Wider bezahlt macht. Du solltest die nothwendige Ungerechtigkeit in jedem Für und Wider begreifen lernen, die Ungerechtigkeit als unablösbar vom Leben, das Leben selbst als bedingt durch das Perspektivische und seine Ungerechtigkeit. Du solltest vor Allem mit Augen sehn, wo die Ungerechtigkeit immer am grössten ist: dort nämlich, wo das Leben am kleinsten, engsten, dürftigsten, anfänglichsten entwickelt ist und dennoch nicht umhin kann, sichals Zweck und Maass der Dinge zu nehmen und seiner Erhaltung zu Liebe das Höhere, Grössere, Reichere heimlich und kleinlich und unablässig anzubröckeln und in Frage zu stellen,—du solltest das Problem der Rangordnung mit Augen sehn und wie Macht und Recht und Umfänglichkeit der Perspektive mit einander in die Höhe wachsen. Du solltest"—genug, der freie Geist weiss nunmehr, welchem "du sollst" er gehorcht hat, und auch, was er jetzt kann, was er jetzt erst—darf ...
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Dergestalt giebt der freie Geist sich in Bezug auf jenes Räthsel von Loslösung Antwort und endet damit, indem er seinen Fall verallgemeinert, sich über sein Erlebniss also zu entscheiden. "Wie es mir ergieng, sagt er sich, muss es jedem ergehn, in dem eine Aufgabe leibhaft werden und "zur Welt kommen" will. Die heimliche Gewalt und Nothwendigkeit dieser Aufgabe wird unter und in seinen einzelnen Schicksalen walten gleich einer unbewussten Schwangerschaft,—lange, bevor er diese Aufgabe selbst in's Auge gefasst hat und ihren Namen weiss. Unsre Bestimmung verfügt über uns, auch wenn wir sie noch nicht kennen; es ist die Zukunft, die unserm Heute die Regel giebt. Gesetzt, dass es das Problem der Rangordnung ist, von dem wir sagen dürfen, dass es unser Problem ist, wir freien Geister: jetzt, in dem Mittage unsres Lebens, verstehn wir es erst, was für Vorbereitungen, Umwege, Proben, Versuchungen, Verkleidungen das Problem nöthig hatte, ehe es vor uns aufsteigen durfte, und wie wir erst die vielfachsten und widersprechendsten Noth- und Glücksstände an Seele und Leib erfahren mussten, als Abenteurer und Weltumsegler jener inneren Welt, die "Mensch" heisst, als Ausmesser jedes "Höher" und "Uebereinander," das gleichfalls "Mensch" heisst—überallhin dringend, fast ohne Furcht, nichts verschmähend, nichts verlierend, alles auskostend, alles vom Zufälligen reinigend und gleichsam aussiebend—bis wir endlich sagen durften, wir freien Geister: "Hier—ein neues Problem! Hier eine lange Leiter, auf deren Sprossen wir selbst gesessen und gestiegen sind,—die wir selbst irgend wann gewesen sind! Hier ein Höher, ein Tiefer, ein Unter-uns, eine ungeheure lange Ordnung, eine Rangordnung, die wir sehen: hier—unser Problem!" —
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— Es wird keinem Psychologen und Zeichendeuter einen Augenblick verborgen bleiben, an welche Stelle der eben geschilderten Entwicklung das vorliegende Buch gehört (oder gestellt ist—). Aber wo giebt es heute Psychologen? In Frankreich, gewiss; vielleicht in Russland; sicherlich nicht in Deutschland. Es fehlt nicht an Gründen, weshalb sich dies die heutigen Deutschen sogar noch zur Ehre anrechnen könnten: schlimm genug für Einen, der in diesem Stücke undeutsch geartet und gerathen ist! Dies deutsche Buch, welches in einem weiten Umkreis von Ländern und Völkern seine Leser zu finden gewusst hat—es ist ungefähr zehn Jahr unterwegs—und sich auf irgend welche Musik und Flötenkunst verstehn muss, durch die auch spröde Ausländer-Ohren zum Horchen verführt werden,—gerade in Deutschland ist dies Buch am nachlässigsten gelesen, am schlechtesten gehört worden: woran liegt das?— "Es verlangt zu viel, hat man mir geantwortet, es wendet sich an Menschen ohne die Drangsal grober Pflichten, es will feine und verwöhnte Sinne, es hat Ueberfluss nöthig, Ueberfluss an Zeit, an Helligkeit des Himmels und Herzens, an otium im verwegensten Sinne:—lauter gute Dinge, die wir Deutschen von Heute nicht haben und also auch nicht geben können."— Nach einer so artigen Antwort räth mir meine Philosophie, zu schweigen und nicht mehr weiter zu fragen; zumal man in gewissen Fällen, wie das Sprüchwort andeutet, nur dadurch Philosoph bleibt, dass man—schweigt.
Nizza, im Frühling 1886.
Erstes Hauptstück. Von den ersten und letzten Dingen.
1
Chemie der Begriffe und Empfindungen. — Die Philosophischen Probleme nehmen jetzt wieder fast in allen Stücken dieselbe Form der Frage an, wie vor zweitausend Jahren:—wie kann Etwas aus seinem Gegensatz entstehen, zum Beispiel Vernünftiges aus Vernunftlosem, Empfindendes aus Todtem, Logik aus Unlogik, interesseloses Anschauen aus begehrlichem Wollen, Leben für Andere aus Egoismus, Wahrheit aus Irrthümern? Die metaphysische Philosophie half sich bisher über diese Schwierigkeit hinweg, insofern sie die Entstehung des Einen aus dem Andern leugnete und für die höher gewertheten Dinge einen Wunder-Ursprung annahm, unmittelbar aus dem Kern und Wesen des "Dinges an sich" heraus. Die historische Philosophie dagegen, welche gar nicht mehr getrennt von der Naturwissenschaft zu denken ist, die allerjüngste aller philosophischen Methoden, ermittelte in einzelnen Fällen (und vermuthlich wird diess in allen ihr Ergebniss sein), dass es keine Gegensätze sind, ausser in der gewohnten Übertreibung der populären oder metaphysischen Auffassung und dass ein Irrthum der Vernunft dieser Gegenüberstellung zu Grunde liegt: nach ihrer Erklärung giebt es, streng gefasst, weder ein unegoistisches Handeln, noch ein völlig interesseloses Anschauen, es sind beides nur Sublimirungen, bei denen das Grundelement fast verflüchtigt erscheint und nur noch für die feinste Beobachtung sich als vorhanden erweist.— Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind? Werden Viele Lust haben, solchen Untersuchungen zu folgen? Die Menschheit liebt es, die Fragen über Herkunft und Anfänge sich aus dem Sinn zu schlagen: muss man nicht fast entmenscht sein, um den entgegengesetzten Hang in sich zu spüren? —
2
Erbfehler der Philosophen. — Alle Philosophen haben den gemeinsamen Fehler an sich, dass sie vom gegenwärtigen Menschen ausgehen und durch eine Analyse desselben an's Ziel zu kommen meinen. Unwillkürlich schwebt ihnen "der Mensch" als eine aeterna veritas, als ein Gleichbleibendes in allem Strudel, als ein sicheres Maass der Dinge vor. Alles, was der Philosoph über den Menschen aussagt, ist aber im Grunde nicht mehr, als ein Zeugniss über den Menschen eines sehr beschränkten Zeitraumes. Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen; manche sogar nehmen unversehens die allerjüngste Gestaltung des Menschen, wie eine solche unter dem Eindruck bestimmter Religionen, ja bestimmter politischer Ereignisse entstanden ist, als die feste Form, von der man ausgehen müsse. Sie wollen nicht lernen, dass der Mensch geworden ist, dass auch das Erkenntnissvermögen geworden ist; während Einige von ihnen sogar die ganze Welt aus diesem Erkenntnissvermögen sich herausspinnen lassen.— Nun ist alles Wesentliche der menschlichen Entwickelung in Urzeiten vor sich gegangen, lange vor jenen vier tausend Jahren, die wir ungefähr kennen; in diesen mag sich der Mensch nicht viel mehr verändert haben. Da sieht aber der Philosoph "Instincte" am gegenwärtigen Menschen und nimmt an, dass diese zu den unveränderlichen Thatsachen des Menschen gehören und insofern einen Schüssel zum Verständniss der Welt überhaupt abgeben können; die ganze Teleologie ist darauf gebaut, dass man vom Menschen der letzten vier Jahrtausende als von einem ewigen redet, zu welchem hin alle Dinge in der Welt von ihrem Anbeginne eine natürliche Richtung haben. Alles aber ist geworden; es giebt keine ewigen Thatsachen: sowie es keine absoluten Wahrheiten giebt.— Demnach ist das historische Philosophiren von jetzt ab nöthig und mit ihm die Tugend der Bescheidung.
3
Schätzung der unscheinbaren Wahrheiten. — Es ist das Merkmal einer höhern Cultur, die kleinen unscheinbaren Wahrheiten, welche mit strenger Methode gefunden wurden, höher zu schätzen, als die beglückenden und blendenden Irrthümer, welche metaphysischen und künstlerischen Zeitaltern und Menschen entstammen. Zunächst hat man gegen erstere den Hohn auf den Lippen, als könne hier gar nichts Gleichberechtigtes gegen einander stehen: so bescheiden, schlicht, nüchtern, ja scheinbar entmuthigend stehen diese, so schön, prunkend, berauschend, ja vielleicht beseligend stehen jene da. Aber das mühsam Errungene, Gewisse, Dauernde und desshalb für jede weitere Erkenntniss noch Folgenreiche ist doch das Höhere, zu ihm sich zu halten ist männlich und zeigt Tapferkeit, Schlichtheit, Enthaltsamkeit an. Allmählich wird nicht nur der Einzelne, sondern die gesammte Menschheit zu dieser Männlichkeit emporgehoben werden, wenn sie sich endlich an die höhere Schätzung der haltbaren, dauerhaften Erkenntnisse gewöhnt und allen Glauben an Inspiration und wundergleiche Mittheilung von Wahrheiten verloren hat.— Die Verehrer der Formen freilich, mit ihrem Maassstabe des Schönen und Erhabenen, werden zunächst gute Gründe zu spotten haben, sobald die Schätzung der unscheinbaren Wahrheiten und der wissenschaftliche Geist anfängt zur Herrschaft zu kommen: aber nur weil entweder ihr Auge sich noch nicht dem Reiz der schlichtesten Form erschlossen hat oder weil die in jenem Geiste erzogenen Menschen noch lange nicht völlig und innerlich von ihm durchdrungen sind, so dass sie immer noch gedankenlos alte Formen nachmachen (und diess schlecht genug, wie es Jemand thut, dem nicht mehr viel an einer Sache liegt). Ehemals war der Geist nicht durch strenges Denken in Anspruch genommen, da lag sein Ernst im Ausspinnen von Symbolen und Formen. Das hat sich verändert; jener Ernst des Symbolischen ist zum Kennzeichen der niederen Cultur geworden; wie unsere Künste selber immer intellectualer, unsere Sinne geistiger werden, und wie man zum Beispiel jetzt ganz anders darüber urtheilt, was sinnlich wohltönend ist, als vor hundert Jahren: so werden auch die Formen unseres Lebens immer geistiger, für das Auge älterer Zeiten vielleicht hässlicher, aber nur weil es nicht zu sehen vermag, wie das Reich der inneren, geistigen Schönheit sich fortwährend vertieft und erweitert und in wie fern uns Allen der geistreiche Blick jetzt mehr gelten darf, als der schönste Gliederbau und das erhabenste Bauwerk.
4
Astrologie und Verwandtes. — Es ist wahrscheinlich, dass die Objecte des religiösen, moralischen und ästhetischen Empfindens ebenfalls nur zur Oberfläche der Dinge gehören, während der Mensch gerne glaubt, dass er hier wenigstens an das Herz der Welt rühre; er täuscht sich, weil jene Dinge ihn so tief beseligen und so tief unglücklich machen, und zeigt also hier denselben Stolz wie bei der Astrologie. Denn diese meint, der Sternenhimmel drehte sich um das Loos des Menschen; der moralische Mensch aber setzt voraus, Das, was ihm wesentlich am Herzen liege, müsse auch Wesen und Herz der Dinge sein.
5
Missverständniss des Traumes.— Im Traume glaubte der Mensch in den Zeitaltern roher uranfänglicher Cultur eine zweite reale Welt kennen zu lernen; hier ist der Ursprung aller Metaphysik. Ohne den Traum hätte man keinen Anlass zu einer Scheidung der Welt gefunden. Auch die Zerlegung in Seele und Leib hängt mit der ältesten Auffassung des Traumes zusammen, ebenso die Annahme eines Seelenscheinleibes, also die Herkunft alles Geisterglaubens, und wahrscheinlich auch des Götterglaubens. "Der Todte lebt fort; denn er erscheint dem Lebenden im Traume": so schloss man ehedem, durch viele Jahrtausende hindurch.
6
Der Geist der Wissenschaft im Theil, nicht im Ganzen mächtig.— Die abgetrennten kleinsten Gebiete der Wissenschaft werden rein sachlich behandelt: die allgemeinen grossen Wissenschaften dagegen legen, als Ganzes betrachtet, die Frage—eine recht unsachliche Frage freilich—auf die Lippen: wozu? zu welchem Nutzen? Wegen dieser Rücksicht auf den Nutzen werden sie, als Ganzes, weniger unpersönlich, als in ihren Theilen behandelt. Bei der Philosophie nun gar, als bei der Spitze der gesammten Wissenspyramide, wird unwillkürlich die Frage nach dem Nutzen der Erkenntniss überhaupt aufgeworfen, und jede Philosophie hat unbewusst die Absicht, ihr den höchsten Nutzen zuzuschreiben. Desshalb giebt es in allen Philosophien so viel hochfliegende Metaphysik und eine solche Scheu vor den unbedeutend erscheinenden Lösungen der Physik; denn die Bedeutsamkeit der Erkenntniss für das Leben soll so gross als möglich erscheinen. Hier ist der Antagonismus zwischen den wissenschaftlichen Einzelgebieten und der Philosophie. Letztere will, was die Kunst will, dem Leben und Handeln möglichste Tiefe und Bedeutung geben; in ersteren sucht man Erkenntniss und Nichts weiter,—was dabei auch herauskomme. Es hat bis jetzt noch keinen Philosophen gegeben, unter dessen Händen die Philosophie nicht zu einer Apologie der Erkenntniss geworden wäre; in diesem Puncte wenigstens ist ein jeder Optimist, dass dieser die höchste Nützlichkeit zugesprochen werden müsse. Sie alle werden von der Logik tyrannisirt: und diese ist ihrem Wesen nach Optimismus.
7
Der Störenfried in der Wissenschaft. — Die Philosophie schied sich von der Wissenschaft, als sie die Frage stellte: welches ist diejenige Erkenntniss der Welt und des Lebens, bei welcher der Mensch am glücklichsten lebt? Diess geschah in den sokratischen Schulen: durch den Gesichtspunct des Glücks unterband man die Blutadern der wissenschaftlichen Forschung—und thut es heute noch.
8
Pneumatische Erklärung der Natur.— Die Metaphysik erklärt die Schrift der Natur gleichsam pneumatisch, wie die Kirche und ihre Gelehrten es ehemals mit der Bibel thaten. Es gehört sehr viel Verstand dazu, um auf die Natur die selbe Art der strengeren Erklärungskunst anzuwenden, wie jetzt die Philologen sie für alle Bücher geschaffen haben: mit der Absicht, schlicht zu verstehen, was die Schrift sagen will, aber nicht einen doppelten Sinn zu wittern, ja vorauszusetzen. Wie aber selbst in Betreff der Bücher die schlechte Erklärungskunst keineswegs völlig überwunden ist und man in der besten gebildeten Gesellschaft noch fortwährend auf Ueberreste allegorischer und mystischer Ausdeutung stösst: so steht es auch in Betreff der Natur—ja noch viel schlimmer.
9
Metaphysische Welt. — Es ist wahr, es könnte eine metaphysische Welt geben; die absolute Möglichkeit davon ist kaum zu bekämpfen. Wir sehen alle Dinge durch den Menschenkopf an und können diesen Kopf nicht abschneiden; während doch die Frage übrig bleibt, was von der Welt noch da wäre, wenn man ihn doch abgeschnitten hätte. Diess ist ein rein wissenschaftliches Problem und nicht sehr geeignet, den Menschen Sorgen zu machen; aber Alles, was ihnen bisher metaphysische Annahmen werthvoll, schreckenvoll, lustvoll gemacht, was sie erzeugt hat, ist Leidenschaft, Irrthum und Selbstbetrug; die allerschlechtesten Methoden der Erkenntniss, nicht die allerbesten, haben daran glauben lehren. Wenn man diese Methoden, als das Fundament aller vorhandenen Religionen und Metaphysiken, aufgedeckt hat, hat man sie widerlegt. Dann bleibt immer noch jene Möglichkeit übrig; aber mit ihr kann man gar Nichts anfangen, geschweige denn, dass man Glück, Heil und Leben von den Spinnenfäden einer solchen Möglichkeit abhängen lassen dürfte.— Denn man könnte von der metaphysischen Welt gar Nichts aussagen, als ein Anderssein, ein uns unzugängliches, unbegreifliches Anderssein; es wäre ein Ding mit negativen Eigenschaften.— Wäre die Existenz einer solchen Welt noch so gut bewiesen, so stünde doch fest, dass die gleichgültigste aller Erkenntnisse eben ihre Erkenntniss wäre: noch gleichgültiger als dem Schiffer in Sturmesgefahr die Erkenntniss von der chemischen Analysis des Wassers sein muss.
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Harmlosigkeit der Metaphysik in der Zukunft. — Sobald die Religion, Kunst und Moral in ihrer Entstehung so beschrieben sind, dass man sie vollständig sich erklären kann, ohne zur Annahme metaphysischer Eingriffe am Beginn und im Verlaufe der Bahn seine Zuflucht zu nehmen, hört das stärkste Interesse an dem rein theoretischen Problem vom "Ding an sich" und der "Erscheinung" auf. Denn wie es hier auch stehe: mit Religion, Kunst und Moral rühren wir nicht an das "Wesen der Welt an sich"; wir sind im Bereiche der Vorstellung, keine "Ahnung" kann uns weitertragen. Mit voller Ruhe wird man die Frage, wie unser Weltbild so stark sich von dem erschlossenen Wesen der Welt unterscheiden könne, der Physiologie und der Entwickelungsgeschichte der Organismen und Begriffe überlassen.
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Die Sprache als vermeintliche Wissenschaft. — Die Bedeutung der Sprache für die Entwickelung der Cultur liegt darin, dass in ihr der Mensch eine eigene Welt neben die andere stellte, einen Ort, welchen er für so fest hielt, um von ihm aus die übrige Welt aus den Angeln zu heben und sich zum Herrn derselben zu machen. Insofern der Mensch an die Begriffe und Namen der Dinge als an aeternae veritates durch lange Zeitstrecken hindurch geglaubt hat, hat er sich jenen Stolz angeeignet, mit dem er sich über das Thier erhob: er meinte wirklich in der Sprache die Erkenntniss der Welt zu haben. Der Sprachbildner war nicht so bescheiden, zu glauben, dass er den Dingen eben nur Bezeichnungen gebe, er drückte vielmehr, wie er wähnte, das höchste Wissen über die Dinge mit den Worten aus; in der That ist die Sprache die erste Stufe der Bemühung um die Wissenschaft. Der Glaube an die gefundene Wahrheit ist es auch hier, aus dem die mächtigsten Kraftquellen geflossen sind. Sehr nachträglich—jetzt erst—dämmert es den Menschen auf, dass sie einen ungeheuren Irrthum in ihrem Glauben an die Sprache propagirt haben. Glücklicherweise ist es zu spät, als dass es die Entwickelung der Vernunft, die auf jenem Glauben beruht, wieder rückgängig machen könnte.— Auch die Logik beruht auf Voraussetzungen, denen Nichts in der wirklichen Welt entspricht, z.B. auf der Voraussetzung der Gleichheit von Dingen, der Identität des selben Dinges in verschiedenen Puncten der Zeit: aber jene Wissenschaft entstand durch den entgegengesetzten Glauben (dass es dergleichen in der wirklichen Welt allerdings gebe). Ebenso steht es mit der Mathematik, welche gewiss nicht entstanden wäre, wenn man von Anfang an gewusst hätte, dass es in der Natur keine exact gerade Linie, keinen wirklichen Kreis, kein absolutes Grössenmaass gebe.
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Traum und Cultur. — Die Gehirnfunction, welche durch den Schlaf am meisten beeinträchtigt wird, ist das Gedächtniss: nicht dass es ganz pausirte,—aber es ist auf einen Zustand der Unvollkommenheit zurückgebracht, wie es in Urzeiten der Menschheit bei Jedermann am Tage und im Wachen gewesen sein mag. Willkürlich und verworren, wie es ist, verwechselt es fortwährend die Dinge auf Grund der flüchtigsten Aehnlichkeiten: aber mit der selben Willkür und Verworrenheit dichteten die Völker ihre Mythologien, und noch jetzt pflegen Reisende zu beobachten, wie sehr der Wilde zur Vergesslichkeit neigt, wie sein Geist nach kurzer Anspannung des Gedächtnisses hin und her zu taumeln beginnt und er, aus blosser Erschlaffung, Lügen und Unsinn hervorbringt. Aber wir Alle gleichen im Traume diesem Wilden; das schlechte Wiedererkennen und irrthümliche Gleichsetzen ist der Grund des schlechten Schliessens, dessen wir uns im Traume schuldig machen: so dass wir, bei deutlicher Vergegenwärtigung eines Traumes, vor uns erschrecken, weil wir so viel Narrheit in uns bergen.— Die vollkommene Deutlichkeit aller Traum-Vorstellungen, welche den unbedingten Glauben an ihre Realität zur Voraussetzung hat, erinnert uns wieder an Zustände früherer Menschheit, in der die Hallucination ausserordentlich häufig war und mitunter ganze Gemeinden, ganze Völker gleichzeitig ergriff. Also: im Schlaf und Traum machen wir das Pensum früheren Menschenthums noch einmal durch.
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Logik des Traumes. — Im Schlafe ist fortwährend unser Nervensystem durch mannichfache innere Anlässe in Erregung, fast alle Organe secerniren und sind in Thätigkeit, das Blut macht seinen ungestümen Kreislauf, die Lage des Schlafenden drückt einzelne Glieder, seine Decken beeinflussen die Empfindung verschiedenartig, der Magen verdaut und beunruhigt mit seinen Bewegungen andere Organe, die Gedärme winden sich, die Stellung des Kopfes bringt ungewöhnliche Muskellagen mit sich, die Füsse, unbeschuht, nicht mit den Sohlen den Boden drückend, verursachen das Gefühl des Ungewöhnlichen ebenso wie die andersartige Bekleidung des ganzen Körpers,—alles diess nach seinem täglichen Wechsel und Grade erregt durch seine Aussergewöhnlichkeit das gesammte System bis in die Gehirnfunction hinein: und so giebt es hundert Anlässe für den Geist, um sich zu verwundern und nach Gründen dieser Erregung zu suchen: der Traum aber ist das Suchen und Vorstellen der Ursachen für jene erregten Empfindungen, das heisst der vermeintlichen Ursachen. Wer zum Beispiel seine Füsse mit zwei Riemen umgürtet, träumt wohl, dass zwei Schlangen seine Füsse umringeln: diess ist zuerst eine Hypothese, sodann ein Glaube, mit einer begleitenden bildlichen Vorstellung und Ausdichtung: "diese Schlangen müssen die causa jener Empfindung sein, welche ich, der Schlafende, habe,"—so urtheilt der Geist des Schlafenden. Die so erschlossene nächste Vergangenheit wird durch die erregte Phantasie ihm zur Gegenwart. So weiss Jeder aus Erfahrung, wie schnell der Träumende einen starken an ihn dringenden Ton, zum Beispiel Glockenläuten, Kanonenschüsse in seinen Traum verflicht, das heisst aus ihm hinterdrein erklärt, so dass er zuerst die veranlassenden Umstände, dann jenen Ton zu erleben meint. — Wie kommt es aber, dass der Geist des Träumenden immer so fehl greift, während der selbe Geist im Wachen so nüchtern, behutsam und in Bezug auf Hypothesen so skeptisch zu sein pflegt? so dass ihm die erste beste Hypothese zur Erklärung eines Gefühls genügt, um sofort an ihre Wahrheit zu glauben? (denn wir glauben im Traume an den Traum, als sei er Realität, das heisst wir halten unsre Hypothese für völlig erwiesen).— Ich meine: wie jetzt noch der Mensch im Traume schliesst, so schloss die Menschheit auch im Wachen viele Jahrtausende hindurch: die erste causa, die dem Geiste einfiel, um irgend Etwas, das der Erklärung bedurfte, zu erklären, genügte ihm und galt als Wahrheit. (So verfahren nach den Erzählungen der Reisenden die Wilden heute noch.) Im Traum übt sich dieses uralte Stück Menschenthum in uns fort, denn es ist die Grundlage, auf der die höhere Vernunft sich entwickelte und in jedem Menschen sich noch entwickelt: der Traum bringt uns in ferne Zustände der menschlichen Cultur wieder zurück und giebt ein Mittel an die Hand, sie besser zu verstehen. Das Traumdenken wird uns jetzt so leicht, weil wir in ungeheuren Entwickelungsstrecken der Menschheit gerade auf diese Form des phantastischen und wohlfeilen Erklärens aus dem ersten beliebigen Einfalle heraus so gut eingedrillt worden sind. Insofern ist der Traum eine Erholung für das Gehirn, welches am Tage den strengeren Anforderungen an das Denken zu genügen hat, wie sie von der höheren Cultur gestellt werden.— Einen verwandten Vorgang können wir geradezu als Pforte und Vorhalle des Traumes noch bei wachem Verstande in Augenschein nehmen. Schliessen wir die Augen, so producirt das Gehirn eine Menge von Lichteindrücken und Farben, wahrscheinlich als eine Art Nachspiel und Echo aller jener Lichtwirkungen, welche am Tage auf dasselbe eindringen. Nun verarbeitet aber der Verstand (mit der Phantasie im Bunde) diese an sich formlosen Farbenspiele sofort zu bestimmten Figuren, Gestalten, Landschaften, belebten Gruppen. Der eigentliche Vorgang dabei ist wiederum eine Art Schluss von der Wirkung auf die Ursache; indem der Geist fragt: woher diese Lichteindrücke und Farben, supponirt er als Ursachen jene Figuren, Gestalten: sie gelten ihm als die Veranlassungen jener Farben und Lichter, weil er, am Tage, bei offenen Augen, gewohnt ist, zu jeder Farbe, jedem Lichteindrucke eine veranlassende Ursache zu finden. Hier also schiebt ihm die Phantasie fortwährend Bilder vor, indem sie an die Gesichtseindrücke des Tages sich in ihrer Production anlehnt, und gerade so macht es die Traumphantasie:—das heisst die vermeintliche Ursache wird aus der Wirkung erschlossen und nach der Wirkung vorgestellt: alles diess mit ausserordentlicher Schnelligkeit, so dass hier wie beim Taschenspieler eine Verwirrung des Urtheils entstehen und ein Nacheinander sich wie etwas Gleichzeitiges, selbst wie ein umgedrehtes Nacheinander ausnehmen kann.— Wir können aus diesen Vorgängen entnehmen, wie spät das schärfere logische Denken, das Strengnehmen von Ursache und Wirkung, entwickelt worden ist, wenn unsere Vernunft- und Verstandesfunctionen jetzt noch unwillkürlich nach jenen primitiven Formen des Schliessens zurückgreifen und wir ziemlich die Hälfte unseres Lebens in diesem Zustande leben.— Auch der Dichter, der Künstler schiebt seinen Stimmungen und Zuständen Ursachen unter, welche durchaus nicht die wahren sind; er erinnert insofern an älteres Menschenthum und kann uns zum Verständnisse desselben verhelfen.
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Miterklingen.— Alle stärkeren Stimmungen bringen ein Miterklingen verwandter Empfindungen und Stimmungen mit sich; sie wühlen gleichsam das Gedächtniss auf. Es erinnert sich bei ihnen Etwas in uns und wird sich ähnlicher Zustände und deren Herkunft bewusst. So bilden sich angewöhnte rasche Verbindungen von Gefühlen und Gedanken, welche zuletzt, wenn sie blitzschnell hinter einander erfolgen, nicht einmal mehr als Complexe, sondern als Einheiten empfunden werden. In diesem Sinne redet man vom moralischen Gefühle, vom religiösen Gefühle, wie als ob diess lauter Einheiten seien: in Wahrheit sind sie Ströme mit hundert Quellen und Zuflüssen. Auch hier, wie so oft, verbürgt die Einheit des Wortes Nichts für die Einheit der Sache.
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Kein Innen und Aussen in der Welt. — Wie Demokrit die Begriffe Oben und Unten auf den unendlichen Raum übertrug, wo sie keinen Sinn haben, so die Philosophen überhaupt den Begriff "Innen und Aussen" auf Wesen und Erscheinung der Welt; sie meinen, mit tiefen Gefühlen komme man tief in's Innere, nahe man sich dem Herzen der Natur. Aber diese Gefühle sind nur insofern tief, als mit ihnen, kaum bemerkbar, gewisse complicirte Gedankengruppen regelmässig erregt werden, welche wir tief nennen; ein Gefühl ist tief, weil wir den begleitenden Gedanken für tief halten. Aber der tiefe Gedanke kann dennoch der Wahrheit sehr fern sein, wie zum Beispiel jeder metaphysische; rechnet man vom tiefen Gefühle die beigemischten Gedankenelemente ab, so bleibt das starke Gefühl übrig, und dieses verbürgt Nichts für die Erkenntniss, als sich selbst, ebenso wie der starke Glaube nur seine Stärke, nicht die Wahrheit des Geglaubten beweist.
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Erscheinung und Ding an sich. — Die Philosophen pflegen sich vor das Leben und die Erfahrung—vor Das, was sie die Welt der Erscheinung nennen—wie vor ein Gemälde hinzustellen, das ein für alle Mal entrollt ist und unveränderlich fest den selben Vorgang zeigt: diesen Vorgang, meinen sie, müsse man richtig ausdeuten, um damit einen Schluss auf das Wesen zu machen, welches das Gemälde hervorgebracht habe: also auf das Ding an sich, das immer als der zureichende Grund der Welt der Erscheinung angesehen zu werden pflegt. Dagegen haben strengere Logiker, nachdem sie den Begriff des Metaphysischen scharf als den des Unbedingten, folglich auch Unbedingenden festgestellt hatten, jeden Zusammenhang zwischen dem Unbedingten (der metaphysischen Welt) und der uns bekannten Welt in Abrede gestellt: so dass in der Erscheinung eben durchaus nichtdas Ding an sich erscheine, und von jener auf dieses jeder Schluss abzulehnen sei. Von beiden Seiten ist aber die Möglichkeit übersehen, dass jenes Gemälde—Das, was jetzt uns Menschen Leben und Erfahrung heisst—allmählich geworden ist, ja noch völlig im Werdenist und desshalb nicht als feste Grösse betrachtet werden soll, von welcher aus man einen Schluss über den Urheber (den zureichenden Grund) machen oder auch nur ablehnen dürfte. Dadurch, dass wir seit Jahrtausenden mit moralischen, ästhetischen, religiösen Ansprüchen, mit blinder Neigung, Leidenschaft oder Furcht in die Welt geblickt und uns in den Unarten des unlogischen Denkens recht ausgeschwelgt haben, ist diese Welt allmählich so wundersam bunt, schrecklich, bedeutungstief, seelenvoll geworden, sie hat Farbe bekommen,—aber wir sind die Coloristen gewesen: der menschliche Intellect hat die Erscheinung erscheinen lassen und seine irrthümlichen Grundauffassungen in die Dinge hineingetragen. Spät, sehr spät—besinnt er sich: und jetzt scheinen ihm die Welt der Erfahrung und das Ding an sich so ausserordentlich verschieden und getrennt, dass er den Schluss von jener auf dieses ablehnt—oder auf eine schauerlich geheimnissvolle Weise zum Aufgeben unsers Intellectes, unsers persönlichen Willens auffordert: um dadurch zum Wesenhaften zu kommen, dass man wesenhaft werde. Wiederum haben Andere alle charakteristischen Züge unserer Welt der Erscheinung—das heisst der aus intellectuellen Irrthümern herausgesponnenen und uns angeerbten Vorstellung von der Welt—zusammengelesen und anstatt den Intellect als Schuldigen anzuklagen, das Wesen der Dinge als Ursache dieses thatsächlichen, sehr unheimlichen Weltcharakters angeschuldigt und die Erlösung vom Sein gepredigt.— Mit all diesen Auffassungen wird der stetige und mühsame Process der Wissenschaft, welcher zuletzt einmal in einer Entstehungsgeschichte des Denkens seinen höchsten Triumph feiert, in entscheidender Weise fertig werden, dessen Resultat vielleicht auf diesen Satz hinauslaufen dürfte: Das, was wir jetzt die Welt nennen, ist das Resultat einer Menge von Irrthümern und Phantasien, welche in der gesammten Entwickelung der organischen Wesen allmählich entstanden, in einander verwachsen [sind] und uns jetzt als aufgesammelter Schatz der ganzen Vergangenheit vererbt werden,—als Schatz: denn der Werth unseres Menschenthums ruht darauf. Von dieser Welt der Vorstellung vermag uns die strenge Wissenschaft thatsächlich nur in geringem Maasse zu lösen—wie es auch gar nicht zu wünschen ist—, insofern sie die Gewalt uralter Gewohnheiten der Empfindung nicht wesentlich zu brechen vermag: aber sie kann die Geschichte der Entstehung jener Welt als Vorstellung ganz allmählich und schrittweise aufhellen—und uns wenigstens für Augenblicke über den ganzen Vorgang hinausheben. Vielleicht erkennen wir dann, dass das Ding an sich eines homerischen Gelächters werth ist: dass es so viel, ja Alles schien und eigentlich leer, nämlich bedeutungsleer ist.
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Metaphysische Erklärungen. — Der junge Mensch schätzt metaphysische Erklärungen, weil sie ihm in Dingen, welche er unangenehm oder verächtlich fand, etwas höchst Bedeutungsvolles aufweisen: und ist er mit sich unzufrieden, so erleichtert sich diess Gefühl, wenn er das innerste Welträthsel oder Weltelend in dem wiedererkennt, was er so sehr an sich missbilligt. Sich unverantwortlicher fühlen und die Dinge zugleich interessanter finden—das gilt ihm als die doppelte Wohlthat, welche er der Metaphysik verdankt. Später freilich bekommt er Misstrauen gegen die ganze metaphysische Erklärungsart, dann sieht er vielleicht ein, dass jene Wirkungen auf einem anderen Wege eben so gut und wissenschaftlicher zu erreichen sind: dass physische und historische Erklärungen mindestens ebenso sehr jenes Gefühl der Unverantwortlichkeit herbeiführen, und dass jenes Interesse am Leben und seinen Problemen vielleicht noch mehr dabei entflammt wird.
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Grundfragen der Metaphysik. — Wenn einmal die Entstehungsgeschichte des denkens geschrieben ist, so wird auch der folgende Satz eines ausgezeichneten Logikers von einem neuen Lichte erhellt dastehen: "Das ursprüngliche allgemeine Gesetz des erkennenden Subjects besteht in der inneren Nothwendigkeit, jeden Gegenstand an sich, in seinem eigenen Wesen als einen mit sich selbst identischen, also selbstexistirenden und im Grunde stets gleichbleibenden und unwandelbaren, kurz als eine Substanz zu erkennen." Auch dieses Gesetz, welches hier "ursprünglich" genannt wird, ist geworden: es wird einmal gezeigt werden, wie allmählich, in den niederen Organismen, dieser Hang entsteht, wie die blöden Maulwurfsaugen dieser Organisationen zuerst Nichts als immer das Gleiche sehen, wie dann, wenn die verschiedenen Erregungen von Lust und Unlust bemerkbarer werden, allmählich verschiedene Substanzen unterschieden werden, aber jede mit Einem Attribut, das heisst einer einzigen Beziehung zu einem solchen Organismus.— Die erste Stufe des Logischen ist das Urtheil; dessen Wesen besteht, nach der Feststellung der besten Logiker, im Glauben. Allem Glauben zu Grunde liegt die Empfindung des Angenehmen oder Schmerzhaften in Bezug auf das empfindende Subject. Eine neue dritte Empfindung als Resultat zweier vorangegangenen einzelnen Empfindungen ist das Urtheil in seiner niedrigsten Form.— Uns organische Wesen interessirt ursprünglich Nichts an jedem Dinge, als sein Verhältniss zu uns in Bezug auf Lust und Schmerz. Zwischen den Momenten, in welchen wir uns dieser Beziehung bewusst werden, den Zuständen des Empfindens, liegen solche der Ruhe, des Nichtempfindens: da ist die Welt und jedes Ding für uns interesselos, wir bemerken keine Veränderung an ihm (wie jetzt noch ein heftig Interessirter nicht merkt, dass Jemand an ihm vorbeigeht). Für die Pflanze sind gewöhnlich alle Dinge ruhig, ewig, jedes Ding sich selbst gleich. Aus der Periode der niederen Organismen her ist dem Menschen der Glaube vererbt, dass es gleiche Dinge giebt (erst die durch höchste Wissenschaft ausgebildete Erfahrung widerspricht diesem Satze). Der Urglaube alles Organischen von Anfang an ist vielleicht sogar, dass die ganze übrige Welt Eins und unbewegt ist.— Am fernsten liegt für jene Urstufe des Logischen der Gedanke an Causalität: ja jetzt noch meinen wir im Grunde, alle Empfindungen und Handlungen seien Acte des freien Willens; wenn das fühlende Individuum sich selbst betrachtet, so hält es jede Empfindung, jede Veränderung für etwas Isolirtes, das heisst Unbedingtes, Zusammenhangloses: es taucht aus uns auf, ohne Verbindung mit Früherem oder Späterem. Wir haben Hunger, aber meinen ursprünglich nicht, dass der Organismus erhalten werden will, sondern jenes Gefühl scheint sich ohne Grund und Zweck geltend zu machen, es isolirt sich und hält sich für willkürlich. Also: der Glaube an die Freiheit des Willens ist ein ursprünglicher Irrthum alles Organischen, so alt, als die Regungen des Logischen in ihm existiren; der Glaube an unbedingte Substanzen und an gleiche Dinge ist ebenfalls ein ursprünglicher, ebenso alter Irrthum alles Organischen. Insofern aber alle Metaphysik sich vornehmlich mit Substanz und Freiheit des Willens abgegeben hat, so darf man sie als die Wissenschaft bezeichnen, welche von den Grundirrthümern des Menschen handelt, doch so, als wären es Grundwahrheiten.
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Die Zahl. — Die Erfindung der Gesetze der Zahlen ist auf Grund des ursprünglich schon herrschenden Irrthums gemacht, dass es mehrere gleiche Dinge gebe (aber thatsächlich giebt es nichts Gleiches), mindestens dass es Dinge gebe (aber es giebt kein "Ding"). Die Annahme der Vielheit setzt immer voraus, dass es Etwas gebe, das vielfach vorkommt: aber gerade hier schon waltet der Irrthum, schon da fingiren wir Wesen, Einheiten, die es nicht giebt.— Unsere Empfindungen von Raum und Zeit sind falsch, denn sie führen, consequent geprüft, auf logische Widersprüche. Bei allen wissenschaftlichen Feststellungen rechnen wir unvermeidlich immer mit einigen falschen Grössen: aber weil diese Grössen wenigstens constant sind, wie zum Beispiel unsere Zeit- und Raumempfindung, so bekommen die Resultate der Wissenschaft doch eine vollkommene Strenge und Sicherheit in ihrem Zusammenhange mit einander; man kann auf ihnen fortbauen—bis an jenes letzte Ende, wo die irrthümliche Grundannahme, jene constanten Fehler, in Widerspruch mit den Resultaten treten, zum Beispiel in der Atomenlehre. Da fühlen wir uns immer noch zur Annahme eines "Dinges" oder stofflichen "Substrats," das bewegt wird, gezwungen, während die ganze wissenschaftliche Procedur eben die Aufgabe verfolgt hat, alles Dingartige (Stoffliche) in Bewegungen aufzulösen: wir scheiden auch hier noch mit unserer Empfindung Bewegendes und Bewegtes und kommen aus diesem Zirkel nicht heraus, weil der Glaube an Dinge mit unserem Wesen von Alters her verknotet ist.— Wenn Kant sagt "der Verstand schöpft seine Gesetze nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor," so ist diess in Hinsicht auf den Begriff der Natur völlig wahr, welchen wir genöthigt sind, mit ihr zu verbinden (Natur = Welt als Vorstellung, das heisst als Irrthum), welcher aber die Aufsummirung einer Menge von Irrthümern des Verstandes ist.— Auf eine Welt, welche nicht unsere Vorstellung ist, sind die Gesetze der Zahlen gänzlich unanwendbar: diese gelten allein in der Menschen-Welt.
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Einige Sprossen zurück. — Die eine, gewiss sehr hohe Stufe der Bildung ist erreicht, wenn der Mensch über abergläubische und religiöse Begriffe und Aengste hinauskommt und zum Beispiel nicht mehr an die lieben Englein oder die Erbsünde glaubt, auch vom Heil der Seelen zu reden verlernt hat: ist er auf dieser Stufe der Befreiung, so hat er auch noch mit höchster Anspannung seiner Besonnenheit die Metaphysik zu überwinden. Dann aber ist eine rückläufige Bewegung nöthig: er muss die historische Berechtigung, ebenso die psychologische in solchen Vorstellungen begreifen, er muss erkennen, wie die grösste Förderung der Menschheit von dorther gekommen sei und wie man sich, ohne eine solche rückläufige Bewegung, der besten Ergebnisse der bisherigen Menschheit berauben würde.— In Betreff der philosophischen Metaphysik sehe ich jetzt immer Mehrere, welche an das negative Ziel (dass jede positive Metaphysik Irrthum ist) gelangt sind, aber noch Wenige, welche einige Sprossen rückwärts steigen; man soll nämlich über die letzte Sprosse der Leiter wohl hinausschauen, aber nicht auf ihr stehen wollen. Die Aufgeklärtesten bringen es nur so weit, sich von der Metaphysik zu befreien und mit Ueberlegenheit auf sie zurückzusehen: während es doch auch hier, wie im Hippodrom, noth thut, um das Ende der Bahn herumzubiegen.
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Muthmaasslicher Sieg der Skepsis. — Man lasse einmal den skeptischen Ausgangspunct gelten: gesetzt, es gäbe keine andere, metaphysische Welt und alle aus der Metaphysik genommenen Erklärungen der uns einzig bekannten Welt wären unbrauchbar für uns, mit welchem Blick würden wir dann auf Menschen und Dinge sehen? Diess kann man sich ausdenken, es ist nützlich, selbst wenn die Frage, ob etwas Metaphysisches wissenschaftlich durch Kant und Schopenhauer bewiesen sei, einmal abgelehnt würde. Denn es ist, nach historischer Wahrscheinlichkeit, sehr gut möglich, dass die Menschen einmal in dieser Beziehung im Ganzen und Allgemeinen skeptisch werden; da lautet also die Frage: wie wird sich dann die menschliche Gesellschaft, unter dem Einfluss einer solchen Gesinnung, gestalten? Vielleicht ist der wissenschaftliche Beweis irgend einer metaphysischen Welt schon so schwierig, dass die Menschheit ein Misstrauen gegen ihn nicht mehr los wird. Und wenn man gegen die Metaphysik Misstrauen hat, so giebt es im Ganzen und Grossen die selben Folgen, wie wenn sie direct widerlegt wäre und man nicht mehr an sie glauben dürfte. Die historische Frage in Betreff einer unmetaphysischen Gesinnung der Menschheit bleibt in beiden Fällen die selbe.
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Unglaube an das "monumentum aere perennius."— Ein wesentlicher Nachtheil, welchen das Aufhören metaphysischer Ansichten mit sich bringt, liegt darin, dass das Individuum zu streng seine kurze Lebenszeit in's Auge fasst und keine stärkeren Antriebe empfängt, an dauerhaften, für Jahrhunderte angelegten Institutionen zu bauen; es will die Frucht selbst vom Baume pflücken, den es pflanzt, und desshalb mag es jene Bäume nicht mehr pflanzen, welche eine Jahrhundert lange gleichmässige Pflege erfordern und welche lange Reihenfolgen von Geschlechtern zu überschatten bestimmt sind. Denn metaphysische Ansichten geben den Glauben, dass in ihnen das letzte endgültige Fundament gegeben sei, auf welchem sich nunmehr alle Zukunft der Menschheit niederzulassen und anzubauen genöthigt sei; der Einzelne fördert sein Heil, wenn er zum Beispiel eine Kirche, ein Kloster stiftet, es wird ihm, so meint er, im ewigen Fortleben der Seele angerechnet und vergolten, es ist Arbeit am ewigen Heil der Seele.— Kann die Wissenschaft auch solchen Glauben an ihre Resultate erwecken? In der That braucht sie den Zweifel und das Misstrauen als treuesten Bundesgenossen; trotzdem kann mit der Zeit die Summe der unantastbaren, das heisst alle Stürme der Skepsis, alle Zersetzungen überdauernden Wahrheiten so gross werden (zum Beispiel in der Diätetik der Gesundheit), dass man sich daraufhin entschliesst, "ewige" Werke zu gründen. Einstweilen wirkt der Contrast unseres aufgeregten Ephemeren-Daseins gegen die langathmige Ruhe metaphysischer Zeitalter noch zu stark, weil die beiden Zeiten noch zu nahe gestellt sind; der einzelne Mensch selber durchläuft jetzt zu viele innere und äussere Entwickelungen, als dass er auch nur auf seine eigene Lebenszeit sich dauerhaft und ein für alle Mal einzurichten wagt. Ein ganz moderner Mensch, der sich zum Beispiel ein Haus bauen will, hat dabei ein Gefühl, als ob er bei lebendigem Leibe sich in ein Mausoleum vermauern wolle.
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Zeitalter der Vergleichung. — je weniger die Menschen durch das Herkommen gebunden sind, um so grösser wird die innere Bewegung der Motive, um so grösser wiederum, dem entsprechend, die äussere Unruhe, das Durcheinanderfluten der Menschen, die Polyphonie der Bestrebungen. Für wen giebt es jetzt noch einen strengeren Zwang, an einen Ort sich und seine Nachkommen anzubinden? Für wen giebt es überhaupt noch etwas streng Bindendes? Wie alle Stilarten der Künste neben einander nachgebildet werden, so auch alle Stufen und Arten der Moralität, der Sitten, der Culturen.— Ein solches Zeitalter bekommt seine Bedeutung dadurch, dass in ihm die verschiedenen Weltbetrachtungen, Sitten, Culturen verglichen und neben einander durchlebt werden können; was früher, bei der immer localisirten Herrschaft jeder Cultur, nicht möglich war, entsprechend der Gebundenheit aller künstlerischen Stilarten an Ort und Zeit. Jetzt wird eine Vermehrung des ästhetischen Gefühls endgültig unter so vielen der Vergleichung sich darbietenden Formen entscheiden: sie wird die meisten,—nämlich alle, welche durch dasselbe abgewiesen werden,—absterben lassen. Ebenso findet jetzt ein Auswählen in den Formen und Gewohnheiten der höheren Sittlichkeit statt, deren Ziel kein anderes, als der Untergang der niedrigeren Sittlichkeiten sein kann. Es ist das Zeitalter der Vergleichung! Das ist sein Stolz,—aber billigerweise auch sein Leiden. Fürchten wir uns vor diesem Leiden nicht! Vielmehr wollen wir die Aufgabe, welche das Zeitalter uns stellt, so gross verstehen, als wir nur vermögen: so wird uns die Nachwelt darob segnen,—eine Nachwelt, die ebenso sich über die abgeschlossenen originalen Volks-Culturen hinaus weiss, als über die Cultur der Vergleichung, aber auf beide Arten der Cultur als auf verehrungswürdige Alterthümer mit Dankbarkeit zurückblickt.
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Möglichkeit des Fortschritts. — Wenn ein Gelehrter der alten Cultur es verschwört, nicht mehr mit Menschen umzugehen, welche an den Fortschritt glauben, so hat er Recht. Denn die alte Cultur hat ihre Grösse und Güte hinter sich und die historische Bildung zwingt Einen, zuzugestehen, dass sie nie wieder frisch werden kann; es ist ein unausstehlicher Stumpfsinn oder ebenso unleidliche Schwärmerei nöthig, um diess zu leugnen. Aber die Menschen können mit Bewusstsein beschliessen, sich zu einer neuen Cultur fortzuentwickeln, während sie sich früher unbewusst und zufällig entwickelten: sie können jetzt bessere Bedingungen für die Entstehung der Menschen, ihre Ernährung, Erziehung, Unterrichtung schaffen, die Erde als Ganzes ökonomisch verwalten, die Kräfte der Menschen überhaupt gegen einander abwägen und einsetzen. Diese neue bewusste Cultur tödtet die alte, welche, als Ganzes angeschaut, ein unbewusstes Thier- und Pflanzenleben geführt hat; sie tödtet auch das Misstrauen gegen den Fortschritt,—er ist möglich. Ich will sagen: es ist voreilig und fast unsinnig, zu glauben, dass der Fortschritt nothwendig erfolgen müsse; aber wie könnte man leugnen, dass er möglich sei? Dagegen ist ein Fortschritt im Sinne und auf dem Wege der alten Cultur nicht einmal denkbar. Wenn romantische Phantastik immerhin auch das Wort "Fortschritt" von ihren Zielen (z.B. abgeschlossenen originalen Volks-Culturen) gebraucht: jedenfalls entlehnt sie das Bild davon aus der Vergangenheit; ihr Denken und Vorstellen ist auf diesem Gebiete ohne jede Originalität.
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Privat- und Welt-Moral. — Seitdem der Glaube aufgehört hat, dass ein Gott die Schicksale der Welt im Grossen leite und, trotz aller anscheinenden Krümmungen im Pfade der Menschheit, sie doch herrlich hinausführe, müssen die Menschen selber sich ökumenische, die ganze Erde umspannende Ziele stellen. Die ältere Moral, namentlich die Kant's, verlangt vom Einzelnen Handlungen, welche man von allen Menschen wünscht: das war eine schöne naive Sache; als ob ein Jeder ohne Weiteres wüsste, bei welcher Handlungsweise das Ganze der Menschheit wohlfahre, also welche Handlungen überhaupt wünschenswerth seien; es ist eine Theorie wie die vom Freihandel, voraussetzend, dass die allgemeine Harmonie sich nach eingeborenen Gesetzen des Besserwerdens von selbst ergeben müsse. Vielleicht lässt es ein zukünftiger Ueberblick über die Bedürfnisse der Menschheit durchaus nicht wünschenswerth erscheinen, dass alle Menschen gleich handeln, vielmehr dürften im Interesse ökumenischer Ziele für ganze Strecken der Menschheit specielle, vielleicht unter Umständen sogar böse Aufgaben zu stellen sein.— Jedenfalls muss, wenn die Menschheit sich nicht durch eine solche bewusste Gesammtregierung zu Grunde richten soll, vorher eine alle bisherigen Grade übersteigende Kenntniss der Bedingungen der Cultur, als wissenschaftlicher Maassstab für ökumenische Ziele, gefunden sein. Hierin liegt die ungeheure Aufgabe der grossen Geister des nächsten Jahrhunderts.
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Die Reaction als Fortschritt. — Mitunter erscheinen schroffe, gewaltsame und fortreissende, aber trotzdem zurückgebliebene Geister, welche eine vergangene Phase der Menschheit noch einmal heraufbeschwören: sie dienen zum Beweis, dass die neuen Richtungen, welchen sie entgegenwirken, noch nicht kräftig genug sind, dass Etwas an ihnen fehlt: sonst würden sie jenen Beschwörern besseren Widerpart halten. So zeugt zum Beispiel Luther's Reformation dafür, dass in seinem Jahrhundert alle Regungen der Freiheit des Geistes noch unsicher, zart, jugendlich waren; die Wissenschaft konnte noch nicht ihr Haupt erheben. Ja, die gesammte Renaissance erscheint wie ein erster Frühling, der fast wieder weggeschneit wird. Aber auch in unserem Jahrhundert bewies Schopenhauer's Metaphysik, dass auch jetzt der wissenschaftliche Geist noch nicht kräftig genug ist: so konnte die ganze mittelalterliche christliche Weltbetrachtung und Mensch-Empfindung noch einmal in Schopenhauer's Lehre, trotz der längst errungenen Vernichtung aller christlichen Dogmen, eine Auferstehung feiern. Viel Wissenschaft klingt in seine Lehre hinein, aber sie beherrscht dieselbe nicht, sondern das alte, wohlbekannte "metaphysische Bedürfniss." Es ist gewiss einer der grössten und ganz unschätzbaren Vortheile, welche wir aus Schopenhauer gewinnen, dass er unsere Empfindung zeitweilig in ältere, mächtige Betrachtungsarten der Welt und Menschen zurückzwingt, zu welchen sonst uns so leicht kein Pfad führen würde. Der Gewinn für die Historie und die Gerechtigkeit ist sehr gross: ich glaube, dass es jetzt Niemandem so leicht gelingen möchte, ohne Schopenhauer's Beihülfe dem Christenthum und seinen asiatischen Verwandten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen: was namentlich vom Boden des noch vorhandenen Christenthums aus unmöglich ist. Erst nach diesem grossen Erfolge der Gerechtigkeit, erst nachdem wir die historische Betrachtungsart, welche die Zeit der Aufklärung mit sich brachte, in einem so wesentlichen Puncte corrigirt haben, dürfen wir die Fahne der Aufklärung—die Fahne mit den drei Namen: Petrarca, Erasmus, Voltaire—von Neuem weiter tragen. Wir haben aus der Reaction einen Fortschritt gemacht.
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Ersatz der Religion. — Man glaubt einer Philosophie etwas Gutes nachzusagen, wenn man sie als Ersatz der Religion für das Volk hinstellt. In der That bedarf es in der geistigen Oekonomie gelegentlich überleitender Gedankenkreise; so ist der Uebergang aus Religion in wissenschaftliche Betrachtung ein gewaltsamer, gefährlicher Sprung, Etwas, das zu widerrathen ist. Insofern hat man mit jener Anempfehlung Recht. Aber endlich sollte man doch auch lernen, dass die Bedürfnisse, welche die Religion befriedigt hat und nun die Philosophie befriedigen soll, nicht unwandelbar sind; diese selbst kann man schwächen und ausrotten. Man denke zum Beispiel an die christliche Seelennoth, das Seufzen über die innere Verderbtheit, die Sorge um das Heil,—alles Vorstellungen, welche nur aus Irrthümern der Vernunft herrühren und gar keine Befriedigung, sondern Vernichtung verdienen. Eine Philosophie kann entweder so nützen, dass sie jene Bedürfnisse auch befriedigt oder dass sie dieselben beseitigt; denn es sind angelernte, zeitlich begränzte Bedürfnisse, welche auf Voraussetzungen beruhen, die denen der Wissenschaft widersprechen. Hier ist, um einen Uebergang zu machen, die Kunst viel eher zu benutzen, um das mit Empfindungen überladene Gemüth zu erleichtern; denn durch sie werden jene Vorstellungen viel weniger unterhalten, als durch eine metaphysische Philosophie. Von der Kunst aus kann man dann leichter in eine wirklich befreiende philosophische Wissenschaft übergehen.
28
Verrufene Worte. — Weg mit den bis zum Ueberdruss verbrauchten Wörtern Optimismus und Pessimismus! Denn der Anlass, sie zu gebrauchen, fehlt von Tag zu Tage mehr: nur die Schwätzer haben sie jetzt noch so unumgänglich nöthig. Denn wesshalb in aller Welt sollte Jemand Optimist sein wollen, wenn er nicht einen Gott zu vertheidigen hat, welcher die beste der Welten geschaffen haben muss, falls er selber das Gute und Vollkommene ist,—welcher Denkende hat aber die Hypothese eines Gottes noch nöthig?— Es fehlt aber auch jeder Anlass zu einem pessimistischen Glaubensbekenntniss, wenn man nicht ein Interesse daran hat, den Advocaten Gottes, den Theologen oder den theologisirenden Philosophen ärgerlich zu werden und die Gegenbehauptung kräftig aufzustellen: dass das Böse regiere, dass die Unlust grösser sei, als die Lust, dass die Welt ein Machwerk, die Erscheinung eines bösen Willens zum Leben sei. Wer aber kümmert sich jetzt noch um die Theologen—ausser den Theologen?— Abgesehen von aller Theologie und ihrer Bekämpfung liegt es auf der Hand, dass die Welt nicht gut und nicht böse, geschweige denn die beste oder die schlechteste ist, und dass diese Begriffe "gut" und "böse" nur in Bezug auf Menschen Sinn haben, ja vielleicht selbst hier, in der Weise, wie sie gewöhnlich gebraucht werden, nicht berechtigt sind: der schimpfenden und verherrlichenden Weltbetrachtung müssen wir uns in jedem Falle entschlagen.
29
Vom Dufte der Blüthen berauscht. — Das Schiff der Menschheit, meint man, hat einen immer stärkeren Tiefgang, je mehr es belastet wird; man glaubt, je tiefer der Mensch denkt, je zarter er fühlt, je höher er sich schätzt, je weiter seine Entfernung von den anderen Thieren wird,—je mehr er als das Genie unter den Thieren erscheint,—um so näher werde er dem wirklichen Wesen der Welt und deren Erkenntniss kommen: diess thut er auch wirklich durch die Wissenschaft, aber er meint diess noch mehr durch seine Religionen und Künste zu thun. Diese sind zwar eine Blüthe der Welt, aber durchaus nicht der Wurzel der Welt näher, als der Stengel ist: man kann aus ihnen das Wesen der Dinge gerade gar nicht besser verstehen, obschon diess fast Jedermann glaubt. Der Irrthum hat den Menschen so tief, zart, erfinderisch gemacht, eine solche Blüthe, wie Religionen und Künste, herauszutreiben. Das reine Erkennen wäre dazu ausser Stande gewesen. Wer uns das Wesen der Welt enthüllte, würde uns Allen die unangenehmste Enttäuschung machen. Nicht die Welt als Ding an sich, sondern die Welt als Vorstellung (als Irrthum) ist so bedeutungsreich, tief, wundervoll, Glück und Unglück im Schoosse tragend. Diess Resultat führt zu einer Philosophie der logischen Weltverneinung: welche übrigens sich mit einer praktischen Weltbejahung ebensogut wie mit deren Gegentheile vereinigen lässt.
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Schlechte Gewohnheiten im Schliessen. — Die gewöhnlichsten Irrschlüsse der Menschen sind diese: eine Sache existirt, also hat sie ein Recht. Hier wird aus der Lebensfähigkeit auf die Zweckmässigkeit, aus der Zweckmässigkeit auf die Rechtmässigkeit geschlossen. Sodann: eine Meinung beglückt, also ist sie die wahre, ihre Wirkung ist gut, also ist sie selber gut und wahr. Hier legt man der Wirkung das Prädicat beglückend, gut, im Sinne des Nützlichen, bei und versieht nun die Ursache mit dem selben Prädicat gut, aber hier im Sinne des Logisch-Gültigen. Die Umkehrung der Sätze lautet: eine Sache kann sich nicht durchsetzen, erhalten, also ist sie unrecht; eine Meinung quält, regt auf, also ist sie falsch. Der Freigeist, der das Fehlerhafte dieser Art zu schliessen nur allzu häufig kennen lernt und an ihren Folgen zu leiden hat, unterliegt oft der Verführung, die entgegengesetzten Schlüsse zu machen, welche im Allgemeinen natürlich ebenso sehr Irrschlüsse sind: eine Sache kann sich nicht durchsetzen, also ist sie gut; eine Meinung macht Noth, beunruhigt, also ist sie wahr.
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Das Unlogische nothwendig. — Zu den Dingen, welche einen Denker in Verzweifelung bringen können, gehört die Erkenntniss, dass das Unlogische für den Menschen nöthig ist, und dass aus dem Unlogischen vieles Gute entsteht. Es steckt so fest in den Leidenschaften, in der Sprache, in der Kunst, in der Religion und überhaupt in Allem, was dem Leben Werth verleiht, dass man es nicht herausziehen kann, ohne damit diese schönen Dinge heillos zu beschädigen. Es sind nur die allzu naiven Menschen, welche glauben können, dass die Natur des Menschen in eine rein logische verwandelt werden könne; wenn es aber Grade der Annäherung an dieses Ziel geben sollte, was würde da nicht Alles auf diesem Wege verloren gehen müssen! Auch der vernünftigste Mensch bedarf von Zeit zu Zeit wieder der Natur, das heisst seiner unlogischen Grundstellung zu allen Dingen.
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Ungerechtsein nothwendig. — Alle Urtheile über den Werth des Lebens sind unlogisch entwickelt und desshalb ungerecht. Die Unreinheit des Urtheils liegt erstens in der Art, wie das Material vorliegt, nämlich sehr unvollständig, zweitens in der Art, wie daraus die Summe gebildet wird, und drittens darin, dass jedes einzelne Stück des Materials wieder das Resultat unreinen Erkennens ist und zwar diess mit voller Nothwendigkeit. Keine Erfahrung zum Beispiel über einen Menschen, stünde er uns auch noch so nah, kann vollständig sein, so dass wir ein logisches Recht zu einer Gesammtabschätzung desselben hätten; alle Schätzungen sind voreilig und müssen es sein. Endlich ist das Maass, womit wir messen, unser Wesen, keine unabänderliche Grösse, wir haben Stimmungen und Schwankungen, und doch müssten wir uns selbst als ein festes Maass kennen, um das Verhältniss irgend einer Sache zu uns gerecht abzuschätzen. Vielleicht wird aus alledem folgen, dass man gar nicht urtheilen sollte; wenn man aber nur leben könnte, ohne abzuschätzen, ohne Abneigung und Zuneigung zu haben!—denn alles Abgeneigtsein hängt mit einer Schätzung zusammen, ebenso alles Geneigtsein. Ein Trieb zu Etwas oder von Etwas weg, ohne ein Gefühl davon, dass man das Förderliche wolle, dem Schädlichen ausweiche, ein Trieb ohne eine Art von erkennender Abschätzung über den Werth des Zieles, existirt beim Menschen nicht. Wir sind von vornherein unlogische und daher ungerechte Wesen, und können diess erkennen: diess ist eine der grössten und unauflösbarsten Disharmonien des Daseins.
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Der Irrthum über das Leben zum Leben nothwendig. — Jeder Glaube an Werth und Würdigkeit des Lebens beruht auf unreinem Denken; er ist allein dadurch möglich, dass das Mitgefühl für das allgemeine Leben und Leiden der Menschheit sehr schwach im Individuum entwickelt ist. Auch die seltneren Menschen, welche überhaupt über sich hinaus denken, fassen nicht dieses allgemeine Leben, sondern abgegränzte Theile desselben in's Auge. Versteht man es, sein Augenmerk vornehmlich auf Ausnahmen, ich meine auf die hohen Begabungen und die reinen Seelen zu richten, nimmt man deren Entstehung zum Ziel der ganzen Weltentwickelung und erfreut sich an deren Wirken, so mag man an den Werth des Lebens glauben, weil man nämlich die anderen Menschen dabei übersieht: also unrein denkt. Und ebenso, wenn man zwar alle Menschen in's Auge fasst, aber in ihnen nur eine Gattung von Trieben, die weniger egoistischen, gelten lässt und sie in Betreff der anderen Triebe entschuldigt: dann kann man wiederum von der Menschheit im Ganzen Etwas hoffen und insofern an den Werth des Lebens glauben: also auch in diesem Falle durch Unreinheit des Denkens. Mag man sich aber so oder so verhalten, man ist mit diesem Verhalten eine Ausnahme unter den Menschen. Nun ertragen aber gerade die allermeisten Menschen das Leben, ohne erheblich zu murren, und glauben somit an den Werth des Daseins, aber gerade dadurch, dass sich Jeder allein will und behauptet, und nicht aus sich heraustritt wie jene Ausnahmen: alles Ausserpersönliche ist ihnen gar nicht oder höchstens als ein schwacher Schatten bemerkbar. Also darauf allein beruht der Werth des Lebens für den gewöhnlichen, alltäglichen Menschen, dass er sich wichtiger nimmt, als die Welt. Der grosse Mangel an Phantasie, an dem er leidet, macht, dass er sich nicht in andere Wesen hineinfühlen kann und daher so wenig als möglich an ihrem Loos und Leiden theilnimmt. Wer dagegen wirklich daran theilnehmen könnte, müsste am Werthe des Lebens verzweifeln; gelänge es ihm, das Gesammtbewusstsein der Menschheit in sich zu fassen und zu empfinden, er würde mit einem Fluche gegen das Dasein zusammenbrechen,—denn die Menschheit hat im Ganzen keine Ziele, folglich kann der Mensch, in Betrachtung des ganzen Verlaufes, nicht darin seinen Trost und Halt finden, sondern seine Verzweifelung. Sieht er bei Allem, was er thut, auf die letzte Ziellosigkeit der Menschen, so bekommt sein eigenes Wirken in seinen Augen den Charakter der Vergeudung. Sich aber als Menschheit (und nicht nur als Individuum) ebenso vergeudet zu fühlen, wie wir die einzelne Blüthe von der Natur vergeudet sehen, ist ein Gefühl über alle Gefühle.— Wer ist aber desselben fähig? Gewiss nur ein Dichter: und Dichter wissen sich immer zu trösten.
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Zur Beruhigung. — Aber wird so unsere Philosophie nicht zur Tragödie? Wird die Wahrheit nicht dem Leben, dem Besseren feindlich? Eine Frage scheint uns die Zunge zu beschweren und doch nicht laut werden zu wollen: ob man bewusst in der Unwahrheit bleiben könne? oder, wenn man diess müsse, ob da nicht der Tod vorzuziehen sei? Denn ein Sollen giebt es nicht mehr; die Moral, insofern sie ein Sollen war, ist ja durch unsere Betrachtungsart ebenso vernichtet wie die Religion. Die Erkenntniss kann als Motive nur Lust und Unlust, Nutzen und Schaden bestehen lassen: wie aber werden diese Motive sich mit dem Sinne für Wahrheit auseinandersetzen? Auch sie berühren sich ja mit Irrthümern (insofern, wie gesagt, Neigung und Abneigung und ihre sehr ungerechten Messungen unsere Lust und Unlust wesentlich bestimmen). Das ganze menschliche Leben ist tief in die Unwahrheit eingesenkt; der Einzelne kann es nicht aus diesem Brunnen herausziehen, ohne dabei seiner Vergangenheit aus tiefstem Grunde gram zu werden, ohne seine gegenwärtigen Motive, wie die der Ehre, ungereimt zu finden und den Leidenschaften, welche zur Zukunft und zu einem Glück in derselben hindrängen, Hohn und Verachtung entgegenzustellen. Ist es wahr, bliebe einzig noch eine Denkweise übrig, welche als persönliches Ergebniss die Verzweifelung, als theoretisches eine Philosophie der Zerstörung nach sich zöge?— Ich glaube, die Entscheidung über die Nachwirkung der Erkenntniss wird durch das Temperament eines Menschen gegeben: ich könnte mir eben so gut, wie jene geschilderte und bei einzelnen Naturen mögliche Nachwirkung, eine andere denken, vermöge deren ein viel einfacheres, von Affecten reineres Leben entstünde, als das jetzige ist: so dass zuerst zwar die alten Motive des heftigeren Begehrens noch Kraft hätten, aus alter vererbter Gewöhnung her, allmählich aber unter dem Einflusse der reinigenden Erkenntniss schwächer würden. Man lebte zuletzt unter den Menschen und mit sich wie in der Natur, ohne Lob, Vorwürfe, Ereiferung, an Vielem sich wie an einem Schauspiel weidend, vor dem man sich bisher nur zu fürchten hatte. Man wäre die Emphasis los und würde die Anstachelung des Gedankens, dass man nicht nur Natur oder mehr als Natur sei, nicht weiter empfinden. Freilich gehörte hierzu, wie gesagt, ein gutes Temperament, eine gefestete, milde und im Grunde frohsinnige Seele, eine Stimmung, welche nicht vor Tücken und plötzlichen Ausbrüchen auf der Hut zu sein brauchte und in ihren Aeusserungen Nichts von dem knurrenden Tone und der Verbissenheit an sich trüge,—jenen bekannten lästigen Eigenschaften alter Hunde und Menschen, die lange an der Kette gelegen haben. Vielmehr muss ein Mensch, von dem in solchem Maasse die gewöhnlichen Fesseln des Lebens abgefallen sind, dass er nur deshalb weiter lebt, um immer besser zu erkennen, auf Vieles, ja fast auf Alles, was bei den anderen Menschen Werth hat, ohne Neid und Verdruss verzichten können, ihm muss als der wünschenswertheste Zustand jenes freie, furchtlose Schweben über Menschen, Sitten, Gesetzen und den herkömmlichen Schätzungen der Dinge genügen. Die Freude an diesem Zustande theilt er gerne mit und er hat vielleicht nichts Anderes mitzutheilen,—worin freilich eine Entbehrung, eine Entsagung mehr liegt. Will man aber trotzdem mehr von ihm, so wird er mit wohlwollendem Kopfschütteln auf seinen Bruder hinweisen, den freien Menschen der That, und vielleicht ein Wenig Spott nicht verhehlen: denn mit dessen "Freiheit" hat es eine eigene Bewandtniss.
Zweites Hauptstück. Zur Geschichte der moralischen Empfindungen.
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Vortheile der psychologischen Beobachtung. — Dass das Nachdenken über Menschliches, Allzumenschliches—oder wie der gelehrtere Ausdruck lautet: die psychologische Beobachtung—zu den Mitteln gehöre, vermöge deren man sich die Last des Lebens erleichtern könne, dass die Uebung in dieser Kunst Geistesgegenwart in schwierigen Lagen und Unterhaltung inmitten einer langweiligen Umgebung verleihe, ja dass man den dornenvollsten und unerfreulichsten Strichen des eigenen Lebens Sentenzen abpflücken und sich dabei ein Wenig wohler fühlen könne: das glaubte man, wusste man—in früheren Jahrhunderten. Warum vergass es dieses Jahrhundert, wo wenigstens in Deutschland, ja in Europa, die Armuth an psychologischer Beobachtung durch viele Zeichen sich zu erkennen giebt? Nicht gerade in Roman, Novelle und philosophischer Betrachtung,—diese sind das Werk von Ausnahmemenschen; schon mehr in der Beurtheilung öffentlicher Ereignisse und Persönlichkeiten: vor Allem aber fehlt die Kunst der psychologischen Zergliederung und Zusammenrechnung in der Gesellschaft aller Stände, in der man wohl viel über Menschen, aber gar nicht über den Menschen spricht. Warum doch lässt man sich den reichsten und harmlosesten Stoff der Unterhaltung entgehen? Warum liest man nicht einmal die grossen Meister der psychologischen Sentenz mehr?—denn, ohne jede Uebertreibung gesprochen: der Gebildete in Europa, der La Rochefoucauld und seine Geistes- und Kunstverwandten gelesen hat, ist selten zu finden; und noch viel seltener Der, welcher sie kennt und sie nicht schmäht. Wahrscheinlich wird aber auch dieser ungewöhnliche Leser viel weniger Freude an ihnen haben, als die Form jener Künstler ihm geben sollte; denn selbst der feinste Kopf ist nicht vermögend, die Kunst der Sentenzen-Schleiferei gebührend zu würdigen, wenn er nicht selber zu ihr erzogen ist, in ihr gewetteifert hat. Man nimmt, ohne solche practische Belehrung, dieses Schaffen und Formen für leichter als es ist, man fühlt das Gelungene und Reizvolle nicht scharf genug heraus. Desshalb haben die jetzigen Leser von Sentenzen ein verhältnissmässig unbedeutendes Vergnügen an ihnen, ja kaum einen Mund voll Annehmlichkeit, so dass es ihnen ebenso geht, wie den gewöhnlichen Betrachtern von Kameen: als welche loben, weil sie nicht lieben können und schnell bereit sind zu bewundern, schneller aber noch, fortzulaufen.
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Einwand. — Oder sollte es gegen jenen Satz, dass die psychologische Beobachtung zu den Reiz-, Heil- und Erleichterungsmitteln des Daseins gehöre, eine Gegenrechnung geben? Sollte man sich genug von den unangenehmen Folgen dieser Kunst überzeugt haben, um jetzt mit Absichtlichkeit den Blick der sich Bildenden von ihr abzulenken? In der That, ein gewisser blinder Glaube an die Güte der menschlichen Natur, ein eingepflanzter Widerwille vor der Zerlegung menschlicher Handlungen, eine Art Schamhaftigkeit in Hinsicht auf die Nacktheit der Seele mögen wirklich für das gesammte Glück eines Menschen wünschenswerthere Dinge sein, als jene, in einzelnen Fällen hilfreiche Eigenschaft der psychologischen Scharfsichtigkeit; und vielleicht hat der Glaube an das Gute, an tugendhafte Menschen und Handlungen, an eine Fülle des unpersönlichen Wohlwollens in der Welt die Menschen besser gemacht, insofern er dieselben weniger misstrauisch machte. Wenn man die Helden Plutarch's mit Begeisterung nachahmt, und einen Abscheu davor empfindet, den Motiven ihres Handelns anzweifelnd nachzuspüren, so hat zwar nicht die Wahrheit, aber die Wohlfahrt der menschlichen Gesellschaft ihren Nutzen dabei: der psychologische Irrthum und überhaupt die Dumpfheit auf diesem Gebiete hilft der Menschlichkeit vorwärts, während die Erkenntniss der Wahrheit vielleicht durch die anregende Kraft einer Hypothese mehr gewinnt, wie sie La Rochefoucauld der ersten Ausgabe seiner "Sentences et maximes morales" vorangestellt hat: "Ce que le monde nomme vertu n'est d'ordinaire qu'un fantôame formé par nos passions, à qui on donne un nom honnête pour faire impunément ce qu'on veut." La Rochefoucauld und jene anderen französischen Meister der Seelenprüfung (denen sich neuerdings auch ein Deutscher, der Verfasser der "Psychologischen Beobachtungen" zugesellt hat) gleichen scharf zielenden Schützen, welche immer und immer wieder in's Schwarze treffen,—aber in's Schwarze der menschlichen Natur. Ihr Geschick erregt Staunen, aber endlich verwünscht ein Zuschauer, der nicht vom Geiste der Wissenschaft, sondern der Menschenfreundlichkeit geleitet wird, eine Kunst, welche den Sinn der Verkleinerung und Verdächtigung in die Seelen der Menschen zu pflanzen scheint.
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Trotzdem. — Wie es sich nun mit Rechnung und Gegenrechnung verhalte: in dem gegenwärtigen Zustande einer bestimmten einzelnen Wissenschaft ist die Auferweckung der moralischen Beobachtung nöthig geworden, und der grausame Anblick des psychologischen Secirtisches und seiner Messer und Zangen kann der Menschheit nicht erspart bleiben. Denn hier gebietet jene Wissenschaft, welche nach Ursprung und Geschichte der sogenannten moralischen Empfindungen fragt und welche im Fortschreiten die verwickelten sociologischen Probleme aufzustellen und zu lösen hat:—die ältere Philosophie kennt die letzteren gar nicht und ist der Untersuchung von Ursprung und Geschichte der moralischen Empfindungen unter dürftigen Ausflüchten immer aus dem Wege gegangen. Mit welchen Folgen: das lässt sich jetzt sehr deutlich überschauen, nachdem an vielen Beispielen nachgewiesen ist, wie die Irrthümer der grössten Philosophen gewöhnlich ihren Ausgangspunct in einer falschen Erklärung bestimmter menschlicher Handlungen und Empfindungen haben, wie auf Grund einer irrthümlichen Analysis, zum Beispiel der sogenannten unegoistischen Handlungen, eine falsche Ethik sich aufbaut, dieser zu Gefallen dann wiederum Religion und mythologisches Unwesen zu Hülfe genommen werden, und endlich die Schatten dieser trüben Geister auch in die Physik und die gesammte Weltbetrachtung hineinfallen. Steht es aber fest, dass die Oberflächlichkeit der psychologischen Beobachtung dem menschlichen Urtheilen und Schliessen die gefährlichsten Fallstricke gelegt hat und fortwährend von Neuem legt, so bedarf es jetzt jener Ausdauer der Arbeit, welche nicht müde wird, Steine auf Steine, Steinchen auf Steinchen zu häufen, so bedarf es der enthaltsamen Tapferkeit, um sich einer solchen bescheidenen Arbeit nicht zu schämen und jeder Missachtung derselben Trotz zu bieten. Es ist wahr: zahllose einzelne Bemerkungen über Menschliches und Allzumenschliches sind in Kreisen der Gesellschaft zuerst entdeckt und ausgesprochen worden, welche gewohnt waren, nicht der wissenschaftlichen Erkenntniss, sondern einer geistreichen Gefallsucht jede Art von Opfern darzubringen; und fast unlösbar hat sich der Duft jener alten Heimath der moralistischen Sentenz—ein sehr verführerischer Duft—der ganzen Gattung angehängt: so dass seinetwegen der wissenschaftliche Mensch unwillkürlich einiges Misstrauen gegen diese Gattung und ihre Ernsthaftigkeit merken lässt. Aber es genügt, auf die Folgen zu verweisen: denn schon jetzt beginnt sich zu zeigen, welche Ergebnisse ernsthaftester Art auf dem Boden der psychologischen Beobachtung aufwachsen. Welches ist doch der Hauptsatz zu dem einer der kühnsten und kältesten Denker, der Verfasser des Buches "Ueber den Ursprung der moralischen Empfindungen" vermöge seiner ein- und durchschneidenden Analysen des menschlichen Handelns gelangt? "Der moralische Mensch, sagt er, steht der intelligiblen (metaphysischen) Welt nicht näher, als der physische Mensch." Dieser Satz, hart und schneidig geworden unter dem Hammerschlag der historischen Erkenntniss, kann vielleicht einmal, in irgendwelcher Zukunft, als die Axt dienen, welche dem "metaphysischen Bedürfniss" der Menschen an die Wurzel gelegt wird,—ob mehr zum Segen, als zum Fluche der allgemeinen Wohlfahrt, wer wüsste das zu sagen?—aber jedenfalls als ein Satz der erheblichsten Folgen, fruchtbar und furchtbar zugleich, und mit jenem Doppelgesichte in die Welt sehend, welches alle grossen Erkenntnisse haben.
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Inwiefern nützlich. — Also: ob die psychologische Beobachtung mehr Nutzen oder Nachtheil über die Menschen bringe, das bleibe immerhin unentschieden; aber fest steht, dass sie nothwendig ist, weil die Wissenschaft ihrer nicht entrathen kann. Die Wissenschaft aber kennt keine Rücksichten auf letzte Zwecke, ebenso wenig als die Natur sie kennt: sondern wie diese gelegentlich Dinge von der höchsten Zweckmässigkeit zu Stande bringt, ohne sie gewollt zu haben, so wird auch die ächte Wissenschaft, als die Nachahmung der Natur in Begriffen, den Nutzen und die Wohlfahrt der Menschen gelegentlich, ja vielfach, fördern und das Zweckmässige erreichen,—aber ebenfalls ohne es gewollt zu haben. Wem es aber bei dem Anhauche einer solchen Betrachtungsart gar zu winterlich zu Muthe wird, der hat vielleicht nur zu wenig Feuer in sich: er möge sich indessen umsehen und er wird Krankheiten wahrnehmen, in denen Eisumschläge noth thun, und Menschen, welche so aus Gluth und Geist "zusammengeknetet" sind, dass sie kaum irgendwo die Luft kalt und schneidend genug für sich finden. Ueberdiess: wie allzu ernste Einzelne und Völker ein Bedürfniss nach Leichtfertigkeiten haben, wie andere allzu Erregbare und Bewegliche zeitweilig schwere niederdrückende Lasten zu ihrer Gesundheit nöthig haben: sollten wir, die geistigeren Menschen eines Zeitalters, welches ersichtlich immer mehr in Brand geräth, nicht nach allen löschenden und kühlenden Mitteln, die es giebt, greifen müssen, damit wir wenigstens so stetig, harmlos und mässig bleiben, als wir es noch sind, und so vielleicht einmal dazu brauchbar werden, diesem Zeitalter als Spiegel und Selbstbesinnung über sich zu dienen? —
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Die Fabel von der intelligibelen Freiheit. — Die Geschichte der Empfindungen, vermöge deren wir Jemanden verantwortlich machen, also der sogenannten moralischen Empfindungen verläuft, in folgenden Hauptphasen. Zuerst nennt man einzelne Handlungen gut oder böse ohne alle Rücksicht auf deren Motive, sondern allein der nützlichen oder schädlichen Folgen wegen. Bald aber vergisst man die Herkunft dieser Bezeichnungen und wähnt, dass den Handlungen an sich, ohne Rücksicht auf deren Folgen, die Eigenschaft "gut" oder "böse" innewohne: mit demselben Irrthume, nach welchem die Sprache den Stein selber als hart, den Baum selber als grün bezeichnet—also dadurch, dass man, was Wirkung ist, als Ursache fasst. Sodann legt man das Gut- oder Böse-sein in die Motive hinein und betrachtet die Thaten an sich als moralisch zweideutig. Man geht weiter und giebt das Prädicat gut oder böse nicht mehr dem einzelnen Motive, sondern dem ganzen Wesen eines Menschen, aus dem das Motiv, wie die Pflanze aus dem Erdreich, herauswächst. So macht man der Reihe nach den Menschen für seine Wirkungen, dann für seine Handlungen, dann für seine Motive und endlich für sein Wesen verantwortlich. Nun entdeckt man schliesslich, dass auch dieses Wesen nicht verantwortlich sein kann, insofern es ganz und gar nothwendige Folge ist und aus den Elementen und Einflüssen vergangener und gegenwärtiger Dinge concrescirt: also dass der Mensch für Nichts verantwortlich zu machen ist, weder für sein Wesen, noch seine Motive, noch seine Handlungen, noch seine Wirkungen. Damit ist man zur Erkenntniss gelangt, dass die Geschichte der moralischen Empfindungen die Geschichte eines Irrthums, des Irrthums von der Verantwortlichkeit ist: als welcher auf dem Irrthum von der Freiheit des Willens ruht.— Schopenhauer schloss dagegen so: weil gewisse Handlungen Unmuth ("Schuldbewusstsein") nach sich ziehen, so muss es eine Verantwortlichkeit geben; denn zu diesem Unmuth wäre kein Grund vorhanden, wenn nicht nur alles Handeln des Menschen mit Nothwendigkeit verliefe—wie es thatsächlich, und auch nach der Einsicht dieses Philosophen, verläuft—, sondern der Mensch selber mit der selben Nothwendigkeit sein ganzes Wesen erlangte,—was Schopenhauer leugnet. Aus der Thatsache jenes Unmuthes glaubt Schopenhauer eine Freiheit beweisen zu können, welche der Mensch irgendwie gehabt haben müsse, zwar nicht in Bezug auf die Handlungen, aber in Bezug auf das Wesen: Freiheit also, so oder so zu sein, nicht so oder so zu handeln. Aus dem esse, der Sphäre der Freiheit und Verantwortlichkeit, folgt nach seiner Meinung das operari, die Sphäre der strengen Causalität, Nothwendigkeit und Unverantwortlichkeit. Jener Unmuth beziehe sich zwar scheinbar auf das operari—insofern sei er irrthümlich—, in Wahrheit aber auf das esse, welches die That eines freien Willens, die Grundursache der Existenz eines Individuums, sei; der Mensch werde Das, was er werden wolle, sein Wollen sei früher, als seine Existenz.— Hier wird der Fehlschluss gemacht, dass aus der Thatsache des Unmuthes die Berechtigung, die vernünftige Zulässigkeit dieses Unmuthes geschlossen wird; und von jenem Fehlschluss aus kommt Schopenhauer zu seiner phantastischen Consequenz der sogenannten intelligibelen Freiheit. Aber der Unmuth nach der That braucht gar nicht vernünftig zu sein: ja er ist es gewiss nicht, denn er ruht auf der irrthümlichen Voraussetzung, dass die That eben nicht nothwendig hätte erfolgen müssen. Also: weil sich der Mensch für frei hält, nicht aber weil er frei ist, empfindet er Reue und Gewissensbisse.— Ueberdiess ist dieser Unmuth Etwas, das man sich abgewöhnen kann, bei vielen Menschen ist er in Bezug auf Handlungen gar nicht vorhanden, bei welchen viele andere Menschen ihn empfinden. Er ist eine sehr wandelbare, an die Entwickelung der Sitte und Cultur geknüpfte Sache und vielleicht nur in einer verhältnissmässig kurzen Zeit der Weltgeschichte vorhanden.— Niemand ist für seine Thaten verantwortlich, Niemand für sein Wesen; richten ist soviel als ungerecht sein. Diess gilt auch, wenn das Individuum über sich selbst richtet. Der Satz ist so hell wie Sonnenlicht, und doch geht hier Jedermann lieber in den Schatten und die Unwahrheit zurück: aus Furcht vor den Folgen.
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Das Ueber-Thier. — Die Bestie in uns will belogen werden; Moral ist Nothlüge, damit wir von ihr nicht zerrissen werden. Ohne die Irrthümer, welche in den Annahmen der Moral liegen, wäre der Mensch Thier geblieben. So aber hat er sich als etwas Höheres genommen und sich strengere Gesetze auferlegt. Er hat desshalb einen Hass gegen die der Thierheit näher gebliebenen Stufen: woraus die ehemalige Missachtung des Sclaven, als eines Nicht-Menschen, als einer Sache zu erklären ist.
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Der unveränderliche Charakter. — Dass der Charakter unveränderlich sei, ist nicht im strengen Sinne wahr; vielmehr heisst dieser beliebte Satz nur so viel, dass während der kurzen Lebensdauer eines Menschen die einwirkenden Motive gewöhnlich nicht tief genug ritzen können, um die aufgeprägten Schriftzüge vieler Jahrtausende zu zerstören. Dächte man sich aber einen Menschen von achtzigtausend Jahren, so hätte man an ihm sogar einen absolut veränderlichen Charakter: so dass eine Fülle verschiedener Individuen sich nach und nach aus ihm entwickelte. Die Kürze des menschlichen Lebens verleitet zu manchen irrthümlichen Behauptungen über die Eigenschaften des Menschen.
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Die Ordnung der Güter und die Moral. — Die einmal angenommene Rangordnung der Güter, je nachdem ein niedriger, höherer, höchster Egoismus das Eine oder das Andere will, entscheidet jetzt über das Moralisch-sein oder Unmoralisch-sein. Ein niedriges Gut (zum Beispiel Sinnengenuss) einem höher geschätzten (zum Beispiel Gesundheit) vorziehen, gilt als unmoralisch, ebenso Wohlleben der Freiheit vorziehen. Die Rangordnung der Güter ist aber keine zu allen Zeiten feste und gleiche; wenn Jemand Rache der Gerechtigkeit vorzieht, so ist er nach dem Maassstabe einer früheren Cultur moralisch, nach dem der jetzigen unmoralisch. "Unmoralisch" bezeichnet also, dass Einer die höheren, feineren, geistigeren Motive, welche die jeweilen neue Cultur hinzugebracht hat, noch nicht oder noch nicht stark genug empfindet: es bezeichnet einen Zurückgebliebenen, aber immer nur dem Gradunterschied nach.— Die Rangordnung der Güter selber wird nicht nach moralischen Gesichtspuncten auf- und umgestellt; wohl aber wird nach ihrer jedesmaligen Festsetzung darüber entschieden, ob eine Handlung moralisch oder unmoralisch sei.
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Grausame Menschen als zurückgeblieben.— Die Menschen, welche jetzt grausam sind, müssen uns als Stufen früherer Culturen gelten, welche übrig geblieben sind: das Gebirge der Menschheit zeigt hier einmal die tieferen Formationen, welche sonst versteckt liegen, offen. Es sind zurückgebliebene Menschen, deren Gehirn, durch alle möglichen Zufälle im Verlaufe der Vererbung, nicht so zart und vielseitig fortgebildet worden ist. Sie zeigen uns, was wir Alle waren , und machen uns erschrecken: aber sie selber sind so wenig verantwortlich, wie ein Stück Granit dafür, dass es Granit ist. In unserm Gehirne müssen sich auch Rinnen und Windungen finden, welche jener Gesinnung entsprechen, wie sich in der Form einzelner menschlicher Organe Erinnerungen an Fischzustände finden sollen. Aber diese Rinnen und Windungen sind nicht mehr das Bett, in welchem sich jetzt der Strom unserer Empfindung wälzt.
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Dankbarkeit und Rache. — Der Grund, wesshalb der Mächtige dankbar ist, ist dieser. Sein Wohlthäter hat sich durch seine Wohlthat an der Sphäre des Mächtigen gleichsam vergriffen und sich in sie eingedrängt: nun vergreift er sich zur Vergeltung wieder an der Sphäre des Wohlthäters durch den Act der Dankbarkeit. Es ist eine mildere Form der Rache. Ohne die Genugthuung der Dankbarkeit zu haben, würde der Mächtige sich unmächtig gezeigt haben und fürderhin dafür gelten. Desshalb stellt jede Gesellschaft der Guten, das heisst ursprünglich der Mächtigen, die Dankbarkeit unter die ersten Pflichten.— Swift hat den Satz hingeworfen, dass Menschen in dem selben Verhältniss dankbar sind, wie sie Rache hegen.
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Doppelte Vorgeschichte von Gut und Böse.— Der Begriff gut und böse hat eine doppelte Vorgeschichte: nämlich einmal in der Seele der herrschenden Stämme und Kasten. Wer die Macht zu vergelten hat, Gutes mit Gutem, Böses mit Bösem, und auch wirklich Vergeltung übt, also dankbar und rachsüchtig ist, der wird gut genannt; wer unmächtig ist und nicht vergelten kann, gilt als schlecht. Man gehört als Guter zu den "Guten," einer Gemeinde, welche Gemeingefühl hat, weil alle Einzelnen durch den Sinn der Vergeltung mit einander verflochten sind. Man gehört als Schlechter zu den "Schlechten," zu einem Haufen unterworfener, ohnmächtiger Menschen, welche kein Gemeingefühl haben. Die Guten sind eine Kaste, die Schlechten eine Masse wie Staub. Gut und schlecht ist eine Zeit lang so viel wie vornehm und niedrig, Herr und Sclave. Dagegen sieht man den Feind nicht als böse an: er kann vergelten. Der Troer und der Grieche sind bei Homer beide gut. Nicht Der, welcher uns Schädliches zufügt, sondern Der, welcher verächtlich ist, gilt als schlecht. In der Gemeinde der Guten vererbt sich das Gute; es ist unmöglich, dass ein Schlechter aus so gutem Erdreiche hervorwachse. Thut trotzdem Einer der Guten Etwas, das der Guten unwürdig ist, so verfällt man auf Ausflüchte; man schiebt zum Beispiel einem Gott die Schuld zu, indem man sagt: er habe den Guten mit Verblendung und Wahnsinn geschlagen.— Sodann in der Seele der Unterdrückten, Machtlosen. Hier gilt jeder andere Mensch als feindlich, rücksichtslos, ausbeutend, grausam, listig, sei er vornehm oder niedrig; böse ist das Charakterwort für Mensch, ja für jedes lebende Wesen, welches man voraussetzt, zum Beispiel für einen Gott; menschlich, göttlich gilt so viel wie teuflisch, böse. Die Zeichen der Güte, Hülfebereitschaft, Mitleid, werden angstvoll als Tücke, Vorspiel eines schrecklichen Ausgangs, Betäubung und Ueberlistung aufgenommen, kurz als verfeinerte Bosheit. Bei einer solchen Gesinnung des Einzelnen kann kaum ein Gemeinwesen entstehen, höchstens die roheste Form desselben: so dass überall, wo diese Auffassung von gut und böse herrscht, der Untergang der Einzelnen, ihrer Stämme und Rassen nahe ist.— Unsere jetzige Sittlichkeit ist auf dem Boden der herrschenden Stämme und Kasten aufgewachsen.
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Mitleiden stärker als Leiden. — Es giebt Fälle, wo das Mitleiden stärker ist, als das eigentliche Leiden. Wir empfinden es zum Beispiel schmerzlicher, wenn einer unserer Freunde sich etwas Schmähliches zu Schulden kommen lässt, als wenn wir selbst es thun. Einmal nämlich glauben wir mehr an die Reinheit seines Charakters, als er; sodann ist unsere Liebe zu ihm, wahrscheinlich eben dieses Glaubens wegen, stärker, als seine Liebe zu sich selbst. Wenn auch wirklich sein Egoismus mehr dabei leidet, als unser Egoismus, insofern er die übelen Folgen seines Vergehens stärker zu tragen hat, so wird das Unegoistische in uns—dieses Wort ist nie streng zu verstehen, sondern nur eine Erleichterung des Ausdrucks—doch stärker durch seine Schuld betroffen, als das Unegoistische in ihm.
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Hypochondrie. — Es giebt Menschen, welche aus Mitgefühl und Sorge für eine andere Person hypochondrisch werden; die dabei entstehende Art des Mitleidens ist nichts Anderes, als eine Krankheit. So giebt es auch eine christliche Hypochondrie, welche jene einsamen, religiös bewegten Leute befällt, die sich das Leiden und Sterben Christi fortwährend vor Augen stellen.
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Oekonomie der Güte. — Die Güte und Liebe als die heilsamsten Kräuter und Kräfte im Verkehre der Menschen sind so kostbare Funde, dass man wohl wünschen möchte, es werde in der Verwendung dieser balsamischen Mittel so ökonomisch wie möglich verfahren: doch ist diess unmöglich. Die Oekonomie der Güte ist der Traum der verwegensten Utopisten.
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Wohlwollen. — Unter die kleinen, aber zahllos häufigen und desshalb sehr wirkungsvollen Dinge, auf welche die Wissenschaft mehr Acht zu geben hat, als auf die grossen seltenen Dinge, ist auch das Wohlwollen zu rechnen; ich meine jene Aeusserungen freundlicher Gesinnung im Verkehr, jenes Lächeln des Auges, jene Händedrücke, jenes Behagen, von welchem für gewöhnlich fast alles menschliche Thun umsponnen ist. Jeder Lehrer, jeder Beamte bringt diese Zuthat zu dem, was für ihn Pflicht ist, hinzu; es ist die fortwährende Bethätigung der Menschlichkeit, gleichsam die Wellen ihres Lichtes, in denen Alles wächst; namentlich im engsten Kreise, innerhalb der Familie, grünt und blüht das Leben nur durch jenes Wohlwollen. Die Gutmüthigkeit, die Freundlichkeit, die Höflichkeit des Herzens sind immerquellende Ausflüsse des unegoistischen Triebes und haben viel mächtiger an der Cultur gebaut, als jene viel berühmteren Aeusserungen desselben, die man Mitleiden, Barmherzigkeit und Aufopferung nennt. Aber man pflegt sie geringzuschätzen, und in der That: es ist nicht gerade viel Unegoistisches daran. Die Summedieser geringen Dosen ist trotzdem gewaltig, ihre gesammte Kraft gehört zu den stärksten Kräften.— Ebenso findet man viel mehr Glück in der Welt, als trübe Augen sehen: wenn man nämlich richtig rechnet, und nur alle jene Momente des Behagens, an welchen jeder Tag in jedem, auch dem bedrängtesten Menschenleben reich ist, nicht vergisst.
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Mitleiden erregen wollen. — La Rochefoucauld trifft in der bemerkenswerthesten Stelle seines Selbst-Portraits (zuerst gedruckt 1658) gewiss das Rechte, wenn er alle Die, welche Vernunft haben, vor dem Mitleiden warnt, wenn er räth, dasselbe den Leuten aus dem Volke zu überlassen, die der Leidenschaften bedürfen (weil sie nicht durch Vernunft bestimmt werden), um so weit gebracht zu werden, dem Leidenden zu helfen und bei einem Unglück kräftig einzugreifen; während das Mitleiden, nach seinem (und Plato's) Urtheil, die Seele entkräfte. Freilich solle man Mitleiden bezeugen, aber sich hüten, es zu haben: denn die Unglücklichen seien nun einmal so dumm, dass bei ihnen das Bezeugen von Mitleid das grösste Gut von der Welt ausmache.— Vielleicht kann man noch stärker vor diesem Mitleid-haben warnen, wenn man jenes Bedürfniss der Unglücklichen nicht gerade als Dummheit und intellectuellen Mangel, als eine Art Geistesstörung fasst, welche das Unglück mit sich bringt (und so scheint es ja La Rochefoucauld zu fassen), sondern als etwas ganz Anderes und Bedenklicheres versteht. Vielmehr beobachte man Kinder, welche weinen und Schreien, damit sie bemitleidet werden, und desshalb den Augenblick abwarten, wo ihr Zustand in die Augen fallen kann; man lebe im Verkehr mit Kranken und Geistig-Gedrückten und frage sich, ob nicht das beredte Klagen und Wimmern, das Zur-Schau-tragen des Unglücks im Grunde das Ziel verfolgt, den Anwesenden weh zu thun: das Mitleiden, welches Jene dann äussern, ist insofern eine Tröstung für die Schwachen und Leidenden, als sie daran erkennen, doch wenigstens noch Eine Macht zu haben, trotz aller ihrer Schwäche: die Macht, wehe zu thun. Der Unglückliche gewinnt eine Art von Lust in diesem Gefühl der Ueberlegenheit, welches das Bezeugen des Mitleides ihm zum Bewusstsein bringt; seine Einbildung erhebt sich, er ist immer noch wichtig genug, um der Welt Schmerzen zu machen. Somit ist der Durst nach Mitleid ein Durst nach Selbstgenuss, und zwar auf Unkosten der Mitmenschen; es zeigt den Menschen in der ganzen Rücksichtslosigkeit seines eigensten lieben Selbst: nicht aber gerade in seiner "Dummheit," wie La Rochefoucauld meint.— Im Zwiegespräche der Gesellschaft werden Dreiviertel aller Fragen gestellt, aller Antworten gegeben, um dem Unterredner ein klein Wenig weh zu thun; desshalb dürsten viele Menschen so nach Gesellschaft: sie giebt ihnen das Gefühl ihrer Kraft. In solchen unzähligen, aber sehr kleinen Dosen, in welchen die Bosheit sich geltend macht, ist sie ein mächtiges Reizmittel des Lebens: ebenso wie das Wohlwollen, in gleicher Form durch die Menschenwelt hin verbreitet, das allezeit bereite Heilmittel ist.— Aber wird es viele Ehrliche geben, welche zugestehen, dass es Vergnügen macht, wehe zu thun? dass man sich nicht selten damit unterhält—und gut unterhält—, anderen Menschen wenigstens in Gedanken Kränkungen zuzufügen und die Schrotkörner der kleinen Bosheit nach ihnen zu schiessen? Die Meisten sind zu unehrlich und ein paar Menschen sind zu gut, um von diesem Pudendum Etwas zu wissen; diese mögen somit immerhin leugnen, dass Prosper Mérimée Recht habe, wenn er sagt: "Sachez aussi qu'il n'y a rien de plus commun que de faire le mal pour le plaisir de le faire."
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Wie der Schein zum Sein wird. — Der Schauspieler kann zuletzt auch beim tiefsten Schmerz nicht aufhören, an den Eindruck seiner Person und den gesammten scenischen Effect zu denken, zum Beispiel selbst beim Begräbniss seines Kindes; er wird über seinen eignen Schmerz und dessen Aeusserungen weinen, als sein eigener Zuschauer. Der Heuchler, welcher immer ein und die selbe Rolle spielt, hört zuletzt auf, Heuchler zu sein; zum Beispiel Priester, welche als junge Männer gewöhnlich bewusst oder unbewusst Heuchler sind, werden zuletzt natürlich und sind dann wirklich, ohne alle Affectation, eben Priester; oder wenn es der Vater nicht so weit bringt, dann vielleicht der Sohn, der des Vaters Vorsprung benutzt, seine Gewöhnung erbt. Wenn Einer sehr lange und hartnäckig Etwas scheinen will, so wird es ihm zuletzt schwer, etwas Anderes zu sein. Der Beruf fast jedes Menschen, sogar des Künstlers, beginnt mit Heuchelei, mit einem Nachmachen von Aussen her, mit einem Copiren des Wirkungsvollen. Der, welcher immer die Maske freundlicher Mienen trägt, muss zuletzt eine Gewalt über wohlwollende Stimmungen bekommen, ohne welche der Ausdruck der Freundlichkeit nicht zu erzwingen ist,—und zuletzt wieder bekommen diese über ihn Gewalt, er ist wohlwollend.
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Der Punct der Ehrlichkeit beim Betruge. — Bei allen grossen Betrügern ist ein Vorgang bemerkenswerth, dem sie ihre Macht verdanken. Im eigentlichen Acte des Betruges unter all den Vorbereitungen, dem Schauerlichen in Stimme, Ausdruck, Gebärden, inmitten der wirkungsvollen Scenerie, überkommt sie der Glaube an sich selbst: dieser ist es, der dann so wundergleich und bezwingend zu den Umgebenden spricht. Die Religionsstifter unterscheiden sich dadurch von jenen grossen Betrügern, dass sie aus diesem Zustande der Selbsttäuschung nicht herauskommen: oder sie haben ganz selten einmal jene helleren Momente, wo der Zweifel sie überwältigt; gewöhnlich trösten sie sich aber, diese helleren Momente dem bösen Widersacher zuschiebend. Selbstbetrug muss da sein, damit Diese und jene grossartig wirken. Denn die Menschen glauben an die Wahrheit dessen, was ersichtlich stark geglaubt wird.
53
Angebliche Stufen der Wahrheit. — Einer der gewöhnlichen Fehlschlüsse ist der: weil Jemand wahr und aufrichtig gegen uns ist, so sagt er die Wahrheit. So glaubt das Kind an die Urtheile der Eltern, der Christ an die Behauptungen des Stifters der Kirche. Ebenso will man nicht zugeben, dass alles jenes, was die Menschen mit Opfern an Glück und Leben in früheren Jahrhunderten vertheidigt haben, Nichts als Irrthümer waren: vielleicht sagt man, es seien Stufen der Wahrheit gewesen. Aber im Grunde meint man, wenn Jemand ehrlich an Etwas geglaubt und für seinen Glauben gekämpft hat und gestorben ist, wäre es doch gar zu unbillig, wenn eigentlich nur ein Irrthum ihn beseelt habe. So ein Vorgang scheint der ewigen Gerechtigkeit zu widersprechen; desshalb decretirt das Herz empfindender Menschen immer wieder gegen ihren Kopf den Satz: zwischen moralischen Handlungen und intellectuellen Einsichten muss durchaus ein nothwendiges Band sein. Es ist leider anders; denn es giebt keine ewige Gerechtigkeit.
54
Die Lüge. — Wesshalb sagen zu allermeist die Menschen im alltäglichen Leben die Wahrheit?— Gewiss nicht, weil ein Gott das Lügen verboten hat. Sondern erstens: weil es bequemer ist; denn die Lüge erfordert Erfindung, Verstellung und Gedächtniss. (Wesshalb Swift sagt: wer eine Lüge berichtet, merkt selten die schwere Last, die er übernimmt; er muss nämlich, um eine Lüge zu behaupten, zwanzig andere erfinden.) Sodann: weil es in schlichten Verhältnissen vortheilhaft ist, direct zu sagen: ich will diess, ich habe diess gethan, und dergleichen; also weil der Weg des Zwangs und der Autorität sicherer ist, als der der List.— Ist aber einmal ein Kind in verwickelten häuslichen Verhältnissen aufgezogen worden, so handhabt es ebenso natürlich die Lüge und sagt unwillkürlich immer Das, was seinem Interesse entspricht; ein Sinn für Wahrheit, ein Widerwille gegen die Lüge an sich ist ihm ganz fremd und unzugänglich, und so lügt es in aller Unschuld.
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Des Glaubens wegen die Moral verdächtigen. — Keine Macht lässt sich behaupten, wenn lauter Heuchler sie vertreten; die katholische Kirche mag noch so viele "weltliche" Elemente besitzen, ihre Kraft beruht auf jenen auch jetzt noch zahlreichen priesterlichen Naturen, welche sich das Leben schwer und bedeutungstief machen, und deren Blick und abgehärmter Leib von Nachtwachen, Hungern, glühendem Gebete, vielleicht selbst von Geisselhieben redet; Diese erschüttern die Menschen und machen ihnen Angst: wie, wenn es nöthig wäre, so zu leben?—diess ist die schauderhafte Frage, welche ihr Anblick auf die Zunge legt. Indem sie diesen Zweifel verbreiten, gründen sie immer von Neuem wieder einen Pfeiler ihrer Macht; selbst die Freigesinnten wagen es nicht, dem derartig Selbstlosen mit hartem Wahrheitssinn zu widerstehen und zu sagen: "Betrogner du, betrüge nicht!"—Nur die Differenz der Einsichten trennt sie von ihm, durchaus keine Differenz der Güte oder Schlechtigkeit; aber was man nicht mag, pflegt man gewöhnlich auch ungerecht zu behandeln. So spricht man von der Schlauheit und der verruchten Kunst der Jesuiten, aber übersieht, welche Selbstüberwindung jeder einzelne Jesuit sich auferlegt und wie die erleichterte Lebenspraxis, welche die jesuitischen Lehrbücher predigen, durchaus nicht ihnen, sondern dem Laienstande zu Gute kommen soll. Ja man darf fragen, ob wir Aufgeklärten bei ganz gleicher Taktik und Organisation eben so gute Werkzeuge, ebenso bewundernswürdig durch Selbstbesiegung, Unermüdlichkeit, Hingebung sein würden.
56
Sieg der Erkenntniss über das radicale Böse. — Es trägt Dem, der weise werden will, einen reichlichen Gewinn ein, eine Zeit lang einmal die Vorstellung vom gründlich bösen und verderbten Menschen gehabt zu haben: sie ist falsch, wie die entgegengesetzte; aber ganze Zeitstrecken hindurch besass sie die Herrschaft und ihre Wurzeln haben sich bis in uns und unsere Welt hinein verästet. Um uns zu begreifen, müssen wir sie begreifen; um aber dann höher zu steigen, müssen wir über sie hinwegsteigen. Wir erkennen dann, dass es keine Sünden im metaphysischen Sinne giebt; aber, im gleichen Sinne, auch keine Tugenden; dass dieses ganze Bereich sittlicher Vorstellungen fortwährend im Schwanken ist, dass es höhere und tiefere Begriffe von gut und böse, sittlich und unsittlich giebt. Wer nicht viel mehr von den Dingen begehrt, als Erkenntniss derselben, kommt leicht mit seiner Seele zur Ruhe und wird höchstens aus Unwissenheit, aber schwerlich aus Begehrlichkeit fehlgreifen (oder sündigen, wie die Welt es heisst). Er wird die Begierden nicht mehr verketzern und ausrotten wollen; aber sein einziges ihn völlig beherrschendes Ziel, zu aller Zeit so gut wie möglich zu erkennen, wird ihn kühl machen und alle Wildheit in seiner Anlage besänftigen. Ueberdiess ist er einer Menge quälender Vorstellungen losgeworden, er empfindet Nichts mehr bei dem Worte Höllenstrafen, Sündhaftigkeit, Unfähigkeit zum Guten: er erkennt darin nur die verschwebenden Schattenbilder falscher Welt- und Lebensbetrachtungen.
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Moral als Selbstzertheilung des Menschen. — Ein guter Autor, der wirklich das Herz für seine Sache hat, wünscht, dass Jemand komme und ihn selber dadurch vernichte, dass er dieselbe Sache deutlicher darstelle und die in ihr enthaltenen Fragen ohne Rest beantworte. Das liebende Mädchen wünscht, dass sie die hingebende Treue ihrer Liebe an der Untreue des Geliebten bewähren könne. Der Soldat wünscht, dass er für sein siegreiches Vaterland auf dem Schlachtfeld falle: denn in dem Siege seines Vaterlandes siegt sein höchstes Wünschen mit. Die Mutter giebt dem Kinde, was sie sich selber entzieht, Schlaf, die beste Speise, unter Umständen ihre Gesundheit, ihr Vermögen.— Sind das Alles aber unegoistische Zustände? Sind diese Thaten der Moralität Wunder, weil sie, nach dem Ausdrucke Schopenhauer's, "unmöglich und doch wirklich" sind? Ist es nicht deutlich, dass in all diesen Fällen der Mensch Etwas von sich, einen Gedanken, ein Verlangen, ein Erzeugniss mehr liebt, als etwas Anderes von sich, dass er also sein Wesen zertheilt und dem einen Theil den anderen zum Opfer bringt? Ist es etwas wesentlich Verschiedenes, wenn ein Trotzkopf sagt: "ich will lieber über den Haufen geschossen werden, als diesem Menschen da einen Schritt aus dem Wege gehn?"—Die Neigung zu Etwas (Wunsch, Trieb, Verlangen) ist in allen genannten Fällen vorhanden; ihr nachzugeben, mit allen Folgen, ist jedenfalls nicht "unegoistisch."—In der Moral behandelt sich der Mensch nicht als individuum, sondern als dividuum.
58
Was man versprechen kann. — Man kann Handlungen versprechen, aber keine Empfindungen; denn diese sind unwillkürlich. Wer Jemandem verspricht, ihn immer zu lieben oder immer zu hassen oder ihm immer treu zu sein, verspricht Etwas, das nicht in seiner Macht steht; wohl aber kann er solche Handlungen versprechen, welche zwar gewöhnlich die Folgen der Liebe, des Hasses, der Treue sind, aber auch aus anderen Motiven entspringen können: denn zu einer Handlung führen mehrere Wege und Motive. Das Versprechen, Jemanden immer zu lieben, heisst also: so lange ich dich liebe, werde ich dir die Handlungen der Liebe erweisen; liebe ich dich nicht mehr, so wirst du doch die selben Handlungen, wenn auch aus anderen Motiven, immerfort von mir empfangen: so dass der Schein in den Köpfen der Mitmenschen bestehen bleibt, dass die Liebe unverändert und immer noch die selbe sei.— Man verspricht also die Andauer des Anscheines der Liebe, wenn man ohne Selbstverblendung Jemandem immerwährende Liebe gelobt.
59
Intellect und Moral. — Man muss ein gutes Gedächtniss haben, um gegebene Versprechen halten zu können. Man muss eine starke Kraft der Einbildung haben, um Mitleid haben zu können. So eng ist die Moral an die Güte des Intellects gebunden.
60
Sich rächen wollen und sich rächen.— Einen Rachegedanken haben und ausführen heisst einen heftigen Fieberanfall bekommen, der aber vorübergeht: einen Rachegedanken aber haben, ohne Kraft und Muth, ihn auszuführen, heisst ein chronisches Leiden, eine Vergiftung an Leib und Seele mit sich herumtragen. Die Moral, welche nur auf die Absichten sieht, taxirt beide Fälle gleich; für gewöhnlich taxirt man den ersten Fall als den schlimmeren (wegen der bösen Folgen, welche die That der Rache vielleicht nach sich zieht). Beide Schätzungen sind kurzsichtig.
61
Warten-können. — Das Warten-können ist so schwer, dass die grössten Dichter es nicht verschmäht haben, das Nicht-warten-können zum Motiv ihrer Dichtungen zu machen. So Shakespeare im Othello, Sophokles im Ajax: dessen Selbstmord ihm, wenn er nur einen Tag noch seine Empfindung hätte abkühlen lassen, nicht mehr nöthig geschienen hätte, wie der Orakelspruch andeutet; wahrscheinlich würde er den schrecklichen Einflüsterungen der verletzten Eitelkeit ein Schnippchen geschlagen und zu sich gesprochen haben—wer hat denn nicht schon, in meinem Falle, ein Schaf für einen Helden angesehen? ist es denn so etwas Ungeheures? Im Gegentheil, es ist nur etwas allgemein Menschliches: Ajax durfte sich dergestalt Trost zusprechen. Die Leidenschaft will nicht warten; das Tragische im Leben grosser Männer liegt häufig nicht in ihrem Conflicte mit der Zeit und der Niedrigkeit ihrer Mitmenschen, sondern in ihrer Unfähigkeit, ein Jahr, zwei Jahre ihr Werk zu verschieben; sie können nicht warten.— Bei allen Duellen haben die zurathenden Freunde das Eine festzustellen, ob die betheiligten Personen noch warten können: ist diess nicht der Fall, so ist ein Duell vernünftig, insofern Jeder von Beiden sich sagt: "entweder lebe ich weiter, dann muss jener augenblicklich sterben, oder umgekehrt." Warten hiesse in solchem Falle an jener furchtbaren Marter der verletzten Ehre angesichts ihres Verletzers noch länger leiden; und diess kann eben mehr Leiden sein, als das Leben überhaupt werth ist.
62
Schwelgerei der Rache.— Grobe Menschen, welche sich beleidigt fühlen, pflegen den Grad der Beleidigung so hoch als möglich zu nehmen und erzählen die Ursache mit stark übertreibenden Worten, um nur in dem einmal erweckten Hass- und Rachegefühl sich recht ausschwelgen zu können.
63
Werth der Verkleinerung. — Nicht wenige, vielleicht die allermeisten Menschen haben, um ihre Selbstachtung und eine gewisse Tüchtigkeit im Handeln bei sich aufrecht zu erhalten, durchaus nöthig, alle ihnen bekannten Menschen in ihrer Vorstellung herabzusetzen und zu verkleinern. Da aber die geringen Naturen in der Ueberzahl sind und es sehr viel daran liegt, ob sie jene Tüchtigkeit haben oder verlieren, so —
64
Der Auf brausende. — Vor Einem, der gegen uns aufbraust, soll man sich in Acht nehmen, wie vor Einem, der uns einmal nach dem Leben getrachtet hat: denn dass wir noch leben, das liegt an der Abwesenheit der Macht zu tödten; genügten Blicke, so wäre es längst um uns geschehen. Es ist ein Stück roher Cultur, durch Sichtbarwerdenlassen der physischen Wildheit, durch Furchterregen Jemanden zum Schweigen zu bringen.— Ebenso ist jener kalte Blick, welchen Vornehme gegen ihre Bedienten haben, ein Ueberrest jener kastenmässigen Abgränzungen zwischen Mensch und Mensch, ein Stück rohen Alterthums; die Frauen, die Bewahrerinnen des Alten, haben auch dieses Survival treuer bewahrt.
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Wohin die Ehrlichkeit führen kann.— Jemand hatte die üble Angewohnheit, sich über die Motive, aus denen er handelte und die so gut und so schlecht waren wie die Motive aller Menschen, gelegentlich ganz ehrlich auszusprechen. Er erregte erst Anstoss, dann Verdacht, wurde allmählich geradezu verfehmt und in die Acht der Gesellschaft erklärt, bis endlich die Justiz sich eines so verworfenen Wesens erinnerte, bei Gelegenheiten, wo sie sonst kein Auge hatte, oder dasselbe zudrückte. Der Mangel an Schweigsamkeit über das allgemeine Geheimniss und der unverantwortliche Hang, zu sehen, was Keiner sehen will—sich selber—brachten ihn zu Gefängniss und frühzeitigem Tod.
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Sträflich, nie gestraft.— Unser Verbrechen gegen Verbrecher besteht darin, dass wir sie wie Schufte behandeln.
67
Sancta simplicitas der Tugend. — Jede Tugend hat Vorrechte: zum Beispiel diess, zu dem Scheiterhaufen eines Verurtheilten ihr eigenes Bündchen Holz zu liefern.
68
Moralität und Erfolg. — Nicht nur die Zuschauer einer That bemessen häufig das Moralische oder Unmoralische an derselben nach dem Erfolge: nein, der Thäter selbst thut diess. Denn die Motive und Absichten sind selten deutlich und einfach genug, und mitunter scheint selbst das Gedächtniss durch den Erfolg der That getrübt, so dass man seiner That selber falsche Motive unterschiebt oder die unwesentlichen Motive als wesentliche behandelt. Der Erfolg giebt oft einer That den vollen ehrlichen Glanz des guten Gewissens, ein Misserfolg legt den Schatten von Gewissensbissen über die achtungswürdigste Handlung. Daraus ergiebt sich die bekannte Praxis des Politikers, welcher denkt: "gebt mir nur den Erfolg: mit ihm habe ich auch alle ehrlichen Seelen auf meine Seite gebracht—und mich vor mir selber ehrlich gemacht."—Auf ähnliche Weise soll der Erfolg die bessere Begründung ersetzen. Noch jetzt meinen viele Gebildete, der Sieg des Christenthums über die griechische Philosophie sei ein Beweis für die grössere Wahrheit des ersteren,—obwohl in diesem Falle nur das Gröbere und Gewaltsamere über das Geistigere und Zarte gesiegt hat. Wie es mit der grösseren Wahrheit steht, ist daraus zu ersehen, dass die erwachenden Wissenschaften Punct um Punct an Epikur's Philosophie angeknüpft, das Christenthum aber Punct um Punct zurückgewiesen haben.
69
Liebe und Gerechtigkeit. — Warum überschätzt man die Liebe zu Ungunsten der Gerechtigkeit und sagt die schönsten Dinge von ihr, als ob sie ein viel höheres Wesen als jene sei? Ist sie denn nicht ersichtlich dümmer als jene?— Gewiss, aber gerade desshalb um so viel angenehmer für Alle. Sie ist dumm und besitzt ein reiches Füllhorn; aus ihm theilt sie ihre Gaben aus, an Jedermann, auch wenn er sie nicht verdient, ja ihr nicht einmal dafür dankt. Sie ist unparteiisch wie der Regen, welcher, nach der Bibel und der Erfahrung, nicht nur den Ungerechten, sondern unter Umständen auch den Gerechten bis auf die Haut nass macht.
70
Hinrichtung. — Wie kommt es, dass jede Hinrichtung uns mehr beleidigt, als ein Mord? Es ist die Kälte der Richter, die peinliche Vorbereitung, die Einsicht, dass hier ein Mensch als Mittel benutzt wird, um andere abzuschrecken. Denn die Schuld wird nicht bestraft, selbst wenn es eine gäbe: diese liegt in Erziehern, Eltern, Umgebungen, in uns, nicht im Mörder,—ich meine die veranlassenden Umstände.
71
Die Hoffnung. — Pandora brachte das Fass mit den Uebeln und öffnete es. Es war das Geschenk der Götter an die Menschen, von Aussen ein schönes verführerisches Geschenk und "Glücksfass" zubenannt. Da flogen all die Uebel, lebendige beschwingte Wesen heraus: von da an schweifen sie nun herum und thun den Menschen Schaden bei Tag und Nacht. Ein einziges Uebel war noch nicht aus dem Fass herausgeschlüpft: da schlug Pandora nach Zeus' Willen den Deckel zu und so blieb es darin. Für immer hat der Mensch nun das Glücksfass im Hause und meint Wunder was für einen Schatz er in ihm habe; es steht ihm zu Diensten, er greift darnach: wenn es ihn gelüstet; denn er weiss nicht, dass jenes Fass, welches Pandora brachte, das Fass der Uebel war, und hält das zurückgebliebene Uebel für das grösste Glücksgut,—es ist die Hoffnung.— Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Uebel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu giebt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Uebel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.
72
Grad der moralischen Erhitzbarkeit unbekannt. — Daran, dass man gewisse erschütternde Anblicke und Eindrücke gehabt oder nicht gehabt hat, zum Beispiel eines unrecht gerichteten, getödteten oder gemarterten Vaters, einer untreuen Frau, eines grausamen feindlichen Ueberfalls, hängt es ab, ob unsere Leidenschaften zur Glühhitze kommen und das ganze Leben lenken oder nicht. Keiner weiss, wozu ihn die Umstände, das Mitleid, die Entrüstung treiben können, er kennt den Grad seiner Erhitzbarkeit nicht. Erbärmliche kleine Verhältnisse machen erbärmlich; es ist gewöhnlich nicht die Qualität der Erlebnisse, sondern ihre Quantität, von welcher der niedere und höhere Mensch abhängt, im Guten und Bösen.
73
Der Märtyrer wider Willen. — In einer Partei gab es einen Menschen, der zu ängstlich und feige war, um je seinen Kameraden zu widersprechen: man brauchte ihn zu jedem Dienst, man erlangte von ihm Alles, weil er sich vor der schlechten Meinung bei seinen Gesellen mehr als vor dem Tode fürchtete; es war eine erbärmliche schwache Seele. Sie erkannten diess und machten auf Grund der erwähnten Eigenschaften aus ihm einen Heros und zuletzt gar einen Märtyrer. Obwohl der feige Mensch innerlich immer Nein sagte, sprach er mit den Lippen immer ja, selbst noch auf dem Schaffot, als er für die Ansichten seiner Partei starb: neben ihm nämlich stand einer seiner alten Genossen, der ihn durch Wort und Blick so tyrannisirte, dass er wirklich auf die anständigste Weise den Tod erlitt und seitdem als Märtyrer und grosser Charakter gefeiert wird.
74
Alltags-Maassstab. — Man wird selten irren, wenn man extreme Handlungen auf Eitelkeit, mittelmässige auf Gewöhnung und kleinliche auf Furcht zurückführt.
75
Missverständniss über die Tugend. — Wer die Untugend in Verbindung mit der Lust kennen gelernt hat, wie Der, welcher eine genusssüchtige Jugend hinter sich hat, bildet sich ein, dass die Tugend mit der Unlust verbunden sein müsse. Wer dagegen von seinen Leidenschaften und Lastern sehr geplagt worden ist, ersehnt in der Tugend die Ruhe und das Glück der Seele. Daher ist es möglich, dass zwei Tugendhafte einander gar nicht verstehen.
76
Der Asket.— Der Asket macht aus der Tugend eine Noth.
77
Die Ehre von der Person auf die Sache übertragen. — Man ehrt allgemein die Handlungen der Liebe und Aufopferung zu Gunsten des Nächsten, wo sie sich auch immer zeigen. Dadurch vermehrt man die Schätzung der Dinge, welche in jener Art geliebt werden oder für welche man sich aufopfert: obwohl sie vielleicht an sich nicht viel werth sind. Ein tapferes Heer überzeugt von der Sache, für welche es kämpft.
78
Ehrgeiz ein Surrogat des moralischen Gefühls. — Das moralische Gefühl darf in solchen Naturen nicht fehlen, welche keinen Ehrgeiz haben. Die Ehrgeizigen behelfen sich auch ohne dasselbe, mit fast gleichem Erfolge.— Desshalb werden Söhne aus bescheidenen, dem Ehrgeiz abgewandten Familien, wenn sie einmal das moralische Gefühl verlieren, gewöhnlich in schneller Steigerung zu vollkommenen Lumpen.
79
Eitelkeit bereichert. — Wie arm wäre der menschliche Geist ohne die Eitelkeit! So aber gleicht er einem wohlgefüllten und immer neu sich füllenden Waarenmagazin, welches Käufer jeder Art anlockt: Alles fast können sie finden, Alles haben, vorausgesetzt, dass sie die gültige Münzsorte (Bewunderung) mit sich bringen.
80
Greis und Tod. — Abgesehen von den Forderungen, welche die Religion stellt, darf man wohl fragen: warum sollte es für einen alt gewordenen Mann, welcher die Abnahme seiner Kräfte spürt, rühmlicher sein, seine langsame Erschöpfung und Auflösung abzuwarten, als sich mit vollem Bewusstsein ein Ziel zu setzen? Die Selbsttödtung ist in diesem Falle eine ganz natürliche naheliegende Handlung, welche als ein Sieg der Vernunft billigerweise Ehrfurcht erwecken sollte: und auch erweckt hat, in jenen Zeiten als die Häupter der griechischen Philosophie und die wackersten römischen Patrioten durch Selbsttödtung zu sterben pflegten. Die Sucht dagegen, sich mit ängstlicher Berathung von Aerzten und peinlichster Lebensart von Tag zu Tage fortzufristen, ohne Kraft, dem eigentlichen Lebensziel noch näher zu kommen, ist viel weniger achtbar.— Die Religionen sind reich an Ausflüchten vor der Forderung der Selbsttödtung: dadurch schmeicheln sie sich bei Denen ein, welche in das Leben verliebt sind.
81
Irrthümer des Leidenden und des Thäters. — Wenn der Reiche dem Armen ein Besitzthum nimmt (zum Beispiel ein Fürst dem Plebejer die Geliebte), so entsteht in dem Armen ein Irrthum; er meint, jener müsse ganz verrucht sein, um ihm das Wenige, was er habe, zu nehmen. Aber jener empfindet den Werth eines einzelnen Besitzthums gar nicht so tief, weil er gewöhnt ist, viele zu haben: so kann er sich nicht in die Seele des Armen versetzen und thut lange nicht so sehr Unrecht, als dieser glaubt. Beide haben von einander eine falsche Vorstellung. Das Unrecht des Mächtigen, welches am meisten in der Geschichte empört, ist lange nicht so gross, wie es scheint. Schon die angeerbte Empfindung, ein höheres Wesen mit höheren Ansprüchen zu sein, macht ziemlich kalt und lässt das Gewissen ruhig: wir Alle sogar empfinden, wenn der Unterschied zwischen uns und einem andern Wesen sehr gross ist, gar Nichts mehr von Unrecht und tödten eine Mücke zum Beispiel ohne jeden Gewissensbiss. So ist es kein Zeichen von Schlechtigkeit bei Xerxes (den selbst alle Griechen als hervorragend edel schildern), wenn er dem Vater seinen Sohn nimmt und ihn zerstückeln lässt, weil dieser ein ängstliches, ominöses Misstrauen gegen den ganzen Heerzug geäussert hatte: der Einzelne wird in diesem Falle wie ein unangenehmes Insect beseitigt, er steht zu niedrig, um länger quälende Empfindungen bei einem Weltherrscher erregen zu dürfen. Ja, jeder Grausame ist nicht in dem Maasse grausam, als es der Misshandelte glaubt; die Vorstellung des Schmerzes ist nicht das Selbe wie das Leiden desselben. Ebenso steht es mit dem ungerechten Richter, mit dem Journalisten, welcher mit kleinen Unredlichkeiten die öffentliche Meinung irre führt. Ursache und Wirkung sind in allen diesen Fällen von ganz verschiedenen Empfindungs- und Gedankengruppen umgeben; während man unwillkürlich voraussetzt, dass Thäter und Leidender gleich denken und empfinden, und gemäss dieser Voraussetzung die Schuld des Einen nach dem Schmerz des Andern misst.
82
Haut der Seele. — Wie die Knochen, Fleischstücke, Eingeweide und Blutgefässe mit einer Haut umschlossen sind, die den Anblick des Menschen erträglich macht, so werden die Regungen und Leidenschaften der Seele durch die Eitelkeit umhüllt: sie ist die Haut der Seele.
83
Schlaf der Tugend.— Wenn die Tugend geschlafen hat, wird sie frischer aufstehen.
84
Feinheit der Scham. — Die Menschen schämen sich nicht, etwas Schmutziges zu denken, aber wohl, wenn sie sich vorstellen, dass man ihnen diese schmutzigen Gedanken zutraue.
85
Bosheit ist selten.— Die meisten Menschen sind viel zu sehr mit sich beschäftigt, um boshaft zu sein.
86
Das Zünglein an der Wage.— Man lobt oder tadelt, je nachdem das Eine oder das Andere mehr Gelegenheit giebt, unsere Urtheilskraft leuchten zu lassen.
87
Lucas 18,14 verbessert.— Wer sich selbst erniedrigt, will erhöhet werden.
88
Verhinderung des Selbstmordes. — Es giebt ein Recht, wonach wir einem Menschen das Leben nehmen, aber keines, wonach wir ihm das Sterben nehmen: diess ist nur Grausamkeit.
89
Eitelkeit. — Uns liegt an der guten Meinung der Menschen, einmal weil sie uns nützlich ist, sodann weil wir ihnen Freude machen wollen (Kinder den Eltern, Schüler den Lehrern und wohlwollende Menschen überhaupt allen übrigen Menschen). Nur wo Jemandem die gute Meinung der Menschen wichtig ist, abgesehen vom Vortheil oder von seinem Wunsche, Freude zu machen, reden wir von Eitelkeit. In diesem Falle will sich der Mensch selber eine Freude machen, aber auf Unkosten seiner Mitmenschen, indem er diese entweder zu einer falschen Meinung über sich verführt oder es gar auf einen Grad der "guten Meinung" absieht, wo diese allen Anderen peinlich werden muss (durch Erregung von Neid). Der Einzelne will gewöhnlich durch die Meinung Anderer die Meinung, die er von sich hat, beglaubigen und vor sich selber bekräftigen; aber die mächtige Gewöhnung an Autorität—eine Gewöhnung, die so alt als der Mensch ist—bringt Viele auch dazu, ihren eigenen Glauben an sich auf Autorität zu stützen, also erst aus der Hand Anderer anzunehmen: sie trauen der Urtheilskraft Anderer mehr, als der eigenen.— Das Interesse an sich selbst, der Wunsch, sich zu vergnügen, erreicht bei dem Eitelen eine solche Höhe, dass er die Anderen zu einer falschen, allzu hohen Taxation seiner selbst verführt und dann doch sich an die Autorität der Anderen hält: also den Irrthum herbeiführt und doch ihm Glauben schenkt.— Man muss sich also eingestehen, dass die eitelen Menschen nicht sowohl Anderen gefallen wollen, als sich selbst, und dass sie so weit gehen, ihren Vortheil dabei zu vernachlässigen; denn es liegt ihnen oft daran, ihre Mitmenschen ungünstig, feindlich, neidisch, also schädlich gegen sich stimmen, nur um die Freude an sich selber, den Selbstgenuss, zu haben.
90
Gränze der Menschenliebe. — Jeder, welcher sich dafür erklärt hat, dass der Andere ein Dummkopf, ein schlechter Geselle sei, ärgert sich, wenn Jener schliesslich zeigt, dass er es nicht ist.
91
Moralité larmoyante. — Wie viel Vergnügen macht die Moralität! Man denke nur, was für ein Meer angenehmer Thränen schon bei Erzählungen edler, grossmüthiger Handlungen geflossen ist!— Dieser Reiz des Lebens würde schwinden, wenn der Glaube an die völlige Unverantwortlichkeit überhand nähme.
92
Ursprung der Gerechtigkeit.— Die Gerechtigkeit (Billigkeit) nimmt ihren Ursprung unter ungefähr gleich Mächtigen, wie diess Thukydides (in dem furchtbaren Gespräche der athenischen und melischen Gesandten) richtig begriffen hat; wo es keine deutlich erkennbare Uebergewalt giebt und ein Kampf zum erfolglosen, gegenseitigen Schädigen würde, da entsteht der Gedanke sich zu verständigen und über die beiderseitigen Ansprüche zu verhandeln: der Charakter des Tausches ist der anfängliche Charakter der Gerechtigkeit. Jeder stellt den Andern zufrieden, indem Jeder bekommt, was er mehr schätzt als der Andere. Man giebt Jedem, was er haben will als das nunmehr Seinige, und empfängt dagegen das Gewünschte. Gerechtigkeit ist also Vergeltung und Austausch unter der Voraussetzung einer ungefähr gleichen Machtstellung: so gehört ursprünglich die Rache in den Bereich der Gerechtigkeit, sie ist ein Austausch. Ebenso die Dankbarkeit.— Gerechtigkeit geht natürlich auf den Gesichtspunct einer einsichtigen Selbsterhaltung zurück, also auf den Egoismus jener Ueberlegung: "wozu sollte ich mich nutzlos schädigen und mein Ziel vielleicht doch nicht erreichen?"—Soviel vom Ursprung der Gerechtigkeit. Dadurch, dass die Menschen, ihrer intellectuellen Gewohnheit gemäss, den ursprünglichen Zweck sogenannter gerechter, billiger Handlungen vergessen haben und namentlich weil durch Jahrtausende hindurch die Kinder angelernt worden sind, solche Handlungen zu bewundern und nachzuahmen, ist allmählich der Anschein entstanden, als sei eine gerechte Handlung eine unegoistische: auf diesem Anschein aber beruht die hohe Schätzung derselben, welche überdiess, wie alle Schätzungen, fortwährend noch im Wachsen ist: denn etwas Hochgeschätztes wird mit Aufopferung erstrebt, nachgeahmt, vervielfältigt und wächst dadurch, dass der Werth der aufgewandten Mühe und Beeiferung von jedem Einzelnen noch zum Werthe des geschätzten Dinges hinzugeschlagen wird.— Wie wenig moralisch sähe die Welt ohne die Vergesslichkeit aus! Ein Dichter könnte sagen, dass Gott die Vergesslichkeit als Thürhüterin an die Tempelschwelle der Menschenwürde hingelagert habe.
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Vom Rechte des Schwächeren. — Wenn sich Jemand unter Bedingungen einem Mächtigeren unterwirft, zum Beispiel eine belagerte Stadt, so ist die Gegenbedingung die, dass man sich vernichten, die Stadt verbrennen und so dem Mächtigen eine grosse Einbusse machen kann. Desshalb entsteht hier eine Art Gleichstellung, auf Grund welcher Rechte festgesetzt werden können. Der Feind hat seinen Vortheil an der Erhaltung.— Insofern giebt es auch Rechte zwischen Sclaven und Herren, das heisst genau in dem Maasse, in welchem der Besitz des Sclaven seinem Herrn nützlich und wichtig ist. Das Recht geht ursprünglich so weit, als Einer dem Andern werthvoll, wesentlich, unverlierbar, unbesiegbar und dergleichen erscheint. In dieser Hinsicht hat auch der Schwächere noch Rechte, aber geringere. Daher das berühmte unusquisque tantum juris habet, quantum potentia valet (oder genauer: quantum potentia valere creditur).
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Die drei Phasen der bisherigen Moralität. — Es ist das erste Zeichen, dass das Thier Mensch geworden ist, wenn sein Handeln nicht mehr auf das augenblickliche Wohlbefinden, sondern auf das dauernde sich bezieht, dass der Mensch also nützlich, zweckmässig wird: da bricht zuerst die freie Herrschaft der Vernunft heraus. Eine noch höhere Stufe ist erreicht, wenn er nach dem Princip der Ehre handelt; vermöge desselben ordnet er sich ein, unterwirft sich gemeinsamen Empfindungen, und das erhebt ihn hoch über die Phase, in der nur die persönlich verstandene Nützlichkeit ihn leitete: er achtet und will geachtet werden, das heisst: er begreift den Nutzen als abhängig von dem, was er über Andere, was Andere über ihn meinen. Endlich handelt er, auf der höchsten Stufe der bisherigen Moralität nach seinem Maassstab über die Dinge und Menschen, er selber bestimmt für sich und Andere, was ehrenvoll, was nützlich ist; er ist zum Gesetzgeber der Meinungen geworden, gemäss dem immer höher entwickelten Begriff des Nützlichen und Ehrenhaften. Die Erkenntnis befähigt ihn, das Nützlichste, das heisst den allgemeinen dauernden Nutzen dem persönlichen, die ehrende Anerkennung von allgemeiner dauernder Geltung der momentanen voranzustellen; er lebt und handelt als Collectiv-Individuum.
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Moral des reifen Individuums. — Man hat bisher als das eigentliche Kennzeichen der moralischen Handlung das Unpersönliche angesehen; und es ist nachgewiesen, dass zu Anfang die Rücksicht auf den allgemeinen Nutzen es war, derentwegen man alle unpersönlichen Handlungen lobte und auszeichnete. Sollte nicht eine bedeutende Umwandelung dieser Ansichten bevorstehen, jetzt wo immer besser eingesehen wird, dass gerade in der möglichst persönlichen Rücksicht auch der Nutzen für das Allgemeine am grössten ist: so dass gerade das streng persönliche Handeln dem jetzigen Begriff der Moralität (als einer allgemeinen Nützlichkeit) entspricht? Aus sich eine ganze Person machen und in Allem, was man thut, deren höchstes Wohl in's Auge fassen—das bringt weiter, als jene mitleidigen Regungen und Handlungen zu Gunsten Anderer. Wir Alle leiden freilich noch immer an der allzugeringen Beachtung des Persönlichen an uns, es ist schlecht ausgebildet,—gestehen wir es uns ein: man hat vielmehr unsern Sinn gewaltsam von ihm abgezogen und dem Staate, der Wissenschaft, dem Hülfebedürftigen zum Opfer angeboten, wie als ob es das Schlechte wäre, das geopfert werden müsste. Auch jetzt wollen wir für unsere Mitmenschen arbeiten, aber nur so weit, als wir unsern eigenen höchsten Vortheil in dieser Arbeit finden, nicht mehr, nicht weniger. Es kommt nur darauf an, was man als seinen Vortheil versteht; gerade das unreife, unentwickelte, rohe Individuum wird ihn auch am rohesten verstehen.
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Sitte und sittlich. — Moralisch, sittlich, ethisch sein heisst Gehorsam gegen ein altbegründetes Gesetz oder Herkommen haben. Ob man mit Mühe oder gern sich ihm unterwirft, ist dabei gleichgültig, genug, dass man es thut. "Gut" nennt man Den, welcher wie von Natur, nach langer Vererbung, also leicht und gern das Sittliche thut, je nachdem diess ist (zum Beispiel Rache übt, wenn Rache-üben, wie bei den älteren Griechen, zur guten Sitte gehört). Er wird gut genannt, weil er "wozu" gut ist; da aber Wohlwollen, Mitleiden und dergleichen in dem Wechsel der Sitten immer als "gut wozu," als nützlich empfunden wurde, so nennt man jetzt vornehmlich den Wohlwollenden, Hülfreichen "gut." Böse ist "nicht sittlich" (unsittlich) sein, Unsitte üben, dem Herkommen widerstreben, wie vernünftig oder dumm dasselbe auch sei; das Schädigen des Nächsten ist aber in allen den Sittengesetzen der verschiedenen Zeiten vornehmlich als schädlich empfunden worden, so dass wir jetzt namentlich bei dem Wort "böse" an die freiwillige Schädigung des Nächsten denken. Nicht das "Egoistische" und das "Unegoistische" ist der Grundgegensatz, welcher die Menschen zur Unterscheidung von sittlich und unsittlich, gut und böse gebracht hat, sondern: Gebundensein an ein Herkommen, Gesetz, und Lösung davon. Wie das Herkommen entstanden ist, das ist dabei gleichgültig, jedenfalls ohne Rücksicht auf gut und böse oder irgend einen immanenten kategorischen Imperativ, sondern vor Allem zum Zweck der Erhaltung einer Gemeinde, eines Volkes; jeder abergläubische Brauch, der auf Grund eines falsch gedeuteten Zufalls entstanden ist, erzwingt ein Herkommen, welchem zu folgen sittlich ist; sich von ihm lösen ist nämlich gefährlich, für die Gemeinschaft noch mehr schädlich als für den Einzelnen (weil die Gottheit den Frevel und jede Verletzung ihrer Vorrechte an der Gemeinde und nur insofern auch am Individuum straft). Nun wird jedes Herkommen fortwährend ehrwürdiger, je weiter der Ursprung abliegt, je mehr dieser vergessen ist; die ihm gezollte Verehrung häuft sich von Generation zu Generation auf, das Herkommen wird zuletzt heilig und erweckt Ehrfurcht; und so ist jedenfalls die Moral der Pietät eine viel ältere Moral, als die, welche unegoistische Handlungen verlangt.
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Die Lust in der Sitte. — Eine wichtige Gattung der Lust und damit der Quelle der Moralität entsteht aus der Gewohnheit. Man thut das Gewohnte leichter, besser, also lieber, man empfindet dabei eine Lust, und weiss aus der Erfahrung, dass das Gewohnte sich bewährt hat, also nützlich ist; eine Sitte, mit der sich leben lässt, ist als heilsam, förderlich bewiesen, im Gegensatz zu allen neuen, noch nicht bewährten Versuchen. Die Sitte ist demnach die Vereinigung des Angenehmen und des Nützlichen, überdiess macht sie kein Nachdenken nöthig. Sobald der Mensch Zwang ausüben kann, übt er ihn aus, um seine Sitten durchzusetzen und einzuführen, denn für ihn sind sie die bewährte Lebensweisheit. Ebenso zwingt eine Gemeinschaft von Individuen jedes einzelne zur selben Sitte. Hier ist der Fehlschluss: weil man sich mit einer Sitte wohl fühlt oder wenigstens weil man vermittelst derselben seine Existenz durchsetzt, so ist diese Sitte nothwendig, denn sie gilt als die einzige Möglichkeit, unter der man sich wohl fühlen kann; das Wohlgefühl des Lebens scheint allein aus ihr hervorzuwachsen. Diese Auffassung des Gewohnten als einer Bedingung des Daseins wird bis auf die kleinsten Einzelheiten der Sitte durchgeführt: da die Einsicht in die wirkliche Causalität bei den niedrig stehenden Völkern und Culturen sehr gering ist, so sieht man mit abergläubischer Furcht darauf, dass Alles seinen gleichen Gang gehe; selbst wo die Sitte schwer, hart, lästig ist, wird sie ihrer scheinbar höchsten Nützlichkeit wegen bewahrt. Man weiss nicht, dass der selbe Grad von Wohlbefinden auch bei anderen Sitten bestehen kann und dass selbst höhere Grade sich erreichen lassen. Wohl aber nimmt man wahr, dass alle Sitten, auch die härtesten, mit der Zeit angenehmer und milder werden, und dass auch die strengste Lebensweise zur Gewohnheit und damit zur Lust werden kann.
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Lust und socialer Instinct.— Aus seinen Beziehungen zu andern Menschen gewinnt der Mensch eine neue Gattung von Lust zu jenen Lustempfindungen hinzu, welche er aus sich selber nimmt; wodurch er das Reich der Lustempfindung überhaupt bedeutend umfänglicher macht. Vielleicht hat er mancherlei, das hierher gehört, schon von den Thieren her überkommen, welche ersichtlich Lust empfinden, wenn sie mit einander spielen, namentlich die Mütter mit den jungen. Sodann gedenke man der geschlechtlichen Beziehungen, welche jedem Männchen ungefähr jedes Weibchen interessant in Ansehung der Lust erscheinen lassen, und umgekehrt. Die Lustempfindung auf Grund menschlicher Beziehungen macht im Allgemeinen den Menschen besser; die gemeinsame Freude, die Lust mitsammen genossen, erhöht dieselbe, sie giebt dem Einzelnen Sicherheit, macht ihn gutmüthiger, löst das Misstrauen, den Neid: denn man fühlt sich selber wohl und sieht den Andern in gleicher Weise sich wohl fühlen. Die gleichartigen Aeusserungen der Lust erwecken die Phantasie der Mitempfindung, das Gefühl etwas Gleiches zu sein: das Selbe thun auch die gemeinsamen Leiden, die selben Unwetter, Gefahren, Feinde. Darauf baut sich dann wohl das älteste Bündniss auf: dessen Sinn die gemeinsame Beseitigung und Abwehr einer drohenden Unlust zum Nutzen jedes Einzelnen ist. Und so wächst der sociale Instinct aus der Lust heraus.
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Das Unschuldige an den sogenannten bösen Handlungen. — Alle "bösen" Handlungen sind motivirt durch den Trieb der Erhaltung oder, noch genauer, durch die Absicht auf Lust und Vermeidung der Unlust des Individuums; als solchermaassen motivirt, aber nicht böse. "Schmerz bereiten an sich" existirt nicht, ausser im Gehirn der Philosophen, ebensowenig "Lust bereiten an sich" (Mitleid im Schopenhauerischen Sinne). In dem Zustand vor dem Staate tödten wir das Wesen, sei es Affe oder Mensch, welches uns eine Frucht des Baumes vorwegnehmen will, wenn wir gerade Hunger haben und auf den Baum zulaufen: wie wir es noch jetzt bei Wanderungen in unwirthlichen Gegenden mit dem Thiere thun würden.— Die bösen Handlungen, welche uns jetzt am meisten empören, beruhen auf dem Irrthume, dass der Andere, welcher sie uns zufügt, freien Willen habe, also dass es in seinem Belieben gelegen habe, uns diess Schlimme nicht anzuthun. Dieser Glaube an das Belieben erregt den Hass, die Rachlust, die Tücke, die ganze Verschlechterung der Phantasie, während wir einem Thiere viel weniger zürnen, weil wir diess als unverantwortlich betrachten. Leid thun nicht aus Erhaltungstrieb, sondern zur Vergeltung—ist Folge eines falschen Urtheils und desshalb ebenfalls unschuldig. Der Einzelne kann im Zustande, welcher vor dem Staate liegt, zur Abschreckung andere Wesen hart und grausam behandeln: um seine Existenz durch solche abschreckende Proben seiner Macht sicher zu stellen. So handelt der Gewaltthätige, Mächtige, der ursprüngliche Staatengründer, welcher sich die Schwächeren unterwirft. Er hat dazu das Recht, wie es jetzt noch der Staat sich nimmt; oder vielmehr: es giebt kein Recht, welches diess hindern kann. Es kann erst dann der Boden für alle Moralität zurecht gemacht werden, wenn ein grösseres Individuum oder ein Collectiv-Individuum, zum Beispiel die Gesellschaft, der Staat, die Einzelnen unterwirft, also aus ihrer Vereinzelung herauszieht und in einen Verband einordnet. Der Moralität geht der Zwang voraus, ja sie selber ist noch eine Zeit lang Zwang, dem man sich, zur Vermeidung der Unlust, fügt. Später wird sie Sitte, noch später freier Gehorsam, endlich beinahe Instinct: dann ist sie wie alles lang Gewöhnte und Natürliche mit Lust verknüpft—und heisst nun Tugend.
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Scham. — Die Scham existirt überall, wo es ein "Mysterium" giebt; diess aber ist ein religiöser Begriff, welcher in der älteren Zeit der menschlichen Cultur einen grossen Umfang hatte. Ueberall gab es umgränzte Gebiete, zu welchen das göttliche Recht den Zutritt versagte, ausser unter bestimmten Bedingungen: zu allererst ganz räumlich, insofern gewisse Stätten vom Fusse der Uneingeweihten nicht zu betreten waren und in deren Nähe Diese Schauder und Angst empfanden. Diess Gefühl wurde vielfach auf andere Verhältnisse übertragen, zum Beispiel auf die geschlechtlichen Verhältnisse, welche als ein Vorrecht und Adyton des reiferen Alters den Blicken der Jugend, zu deren Vortheil, entzogen werden sollten: Verhältnisse, zu deren Schutz und Heilighaltung viele Götter thätig und im ehelichen Gemache als Wächter aufgestellt gedacht wurden. (Im Türkischen heisst desshalb diess Gemach Harem "Heiligthum," wird also mit demselben Worte bezeichnet, welches für die Vorhöfe der Moscheen üblich ist.) So ist das Königthum als ein Centrum, von wo Macht und Glanz ausstrahlt, dem Unterworfenen ein Mysterium voller Heimlichkeit und Scham: wovon viele Nachwirkungen noch jetzt, unter Völkern, die sonst keineswegs zu den verschämten gehören, zu fühlen sind. Ebenso ist die ganze Welt innerer Zustände, die sogenannte "Seele," auch jetzt noch für alle Nicht-Philosophen ein Mysterium, nachdem diese, endlose Zeit hindurch, als göttlichen Ursprungs, als göttlichen Verkehrs würdig geglaubt wurde: sie ist demnach ein Adyton und erweckt Scham.
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Richtet nicht. — Man muss sich hüten, bei der Betrachtung früherer Perioden nicht in ein ungerechtes Schimpfen zu gerathen. Die Ungerechtigkeit in der Sclaverei, die Grausamkeit in der Unterwerfung von Personen und Völkern ist nicht mit unserem Maasse zu messen. Denn damals war der Instinct der Gerechtigkeit noch nicht so weit gebildet. Wer darf dem Genfer Calvin die Verbrennung des Arztes Servet vorwerfen? Es war eine consequente aus seinen Ueberzeugungen fliessende Handlung, und ebenso hatte die Inquisition ein gutes Recht; nur waren die herrschenden Ansichten falsch und ergaben eine Consequenz, welche uns hart erscheint, weil uns jene Ansichten fremd geworden sind. Was ist übrigens Verbrennen eines Einzelnen im Vergleich mit ewigen Höllenstrafen für fast Alle! Und doch beherrschte diese Vorstellung damals alle Welt, ohne mit ihrer viel grösseren Schrecklichkeit der Vorstellung von einem Gotte wesentlich Schaden zu thun. Auch bei uns werden politische Sectirer hart und grausam behandelt, aber weil man an die Nothwendigkeit des Staates zu glauben gelernt hat, so empfindet man hier die Grausamkeit nicht so sehr wie dort, wo wir die Anschauungen verwerfen. Die Grausamkeit gegen Thiere bei Kindern und Italiänern geht auf Unverständniss zurück; das Thier ist namentlich durch die Interessen der kirchlichen Lehre zu weit hinter den Menschen zurückgesetzt worden.— Auch mildert sich vieles Schreckliche und Unmenschliche in der Geschichte, an welches man kaum glauben möchte, durch die Betrachtung, dass der Befehlende und der Ausführende andere Personen sind: ersterer hat den Anblick nicht und daher nicht den starken Phantasie-Eindruck, letzterer gehorcht einem Vorgesetzten und fühlt sich unverantwortlich. Die meisten Fürsten und Militärchefs erscheinen, aus Mangel an Phantasie, leicht grausam und hart, ohne es zu sein.— Der Egoismus ist nicht böse, weil die Vorstellung vom "Nächsten"—das Wort ist christlichen Ursprungs und entspricht der Wahrheit nicht—in uns sehr schwach ist; und wir uns gegen ihn beinahe wie gegen Pflanze und Stein frei und unverantwortlich fühlen. Dass der Andere leidet, ist zu lernen: und völlig kann es nie gelernt werden.
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"Der Mensch handelt immer gut."— Wir klagen die Natur nicht als unmoralisch an, wenn sie uns ein Donnerwetter schickt und uns nass macht: warum nennen wir den schädigenden Menschen unmoralisch? Weil wir hier einen willkürlich waltenden, freien Willen, dort Nothwendigkeit annehmen. Aber diese Unterscheidung ist ein Irrthum. Sodann: selbst das absichtliche Schädigen nennen wir nicht unter allen Umständen unmoralisch; man tödtet z. B. eine Mücke unbedenklich mit Absicht, blos weil uns ihr Singen missfällt, man straft den Verbrecher absichtlich und thut ihm Leid an, um uns und die Gesellschaft zu schützen. Im ersten Falle ist es das Individuum, welches, um sich zu erhalten oder selbst um sich keine Unlust zu machen, absichtlich Leid thut; im zweiten der Staat. Alle Moral lässt absichtliches Schadenthun gelten bei Nothwehr: das heisst wenn es sich um die Selbsterhaltung handelt! Aber diese beiden Gesichtspuncte genügen, um alle bösen Handlungen gegen Menschen, von Menschen ausgeübt, zu erklären: man will für sich Lust oder will Unlust abwehren; in irgend einem Sinne handelt es sich immer um Selbsterhaltung. Sokrates und Plato haben Recht: was auch der Mensch thue, er thut immer das Gute, das heisst: Das, was ihm gut (nützlich) scheint, je nach dem Grade seines Intellectes, dem jedesmaligen Maasse seiner Vernünftigkeit.
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Das Harmlose an der Bosheit. — Die Bosheit hat nicht das Leid des Andern an sich zum Ziele, sondern unsern eigenen Genuss, zum Beispiel als Rachegefühl oder als stärkere Nervenaufregung. Schon jede Neckerei zeigt, wie es Vergnügen macht, am Andern unsere Macht auszulassen und es zum lustvollen Gefühle des Uebergewichts zu bringen. Ist nun das Unmoralische daran, Lust auf Grund der Unlust Anderer zu haben? Ist Schadenfreude teuflisch, wie Schopenhauer sagt? Nun machen wir uns in der Natur Lust durch Zerbrechen von Zweigen, Ablösen von Steinen, Kampf mit wilden Thieren und zwar, um unserer Kraft dabei bewusst zu werden. Das Wissen darum, dass ein Anderer durch uns leidet, soll hier die selbe Sache, in Bezug auf welche wir uns sonst unverantwortlich fühlen, unmoralisch machen? Aber wüsste man diess nicht, so hätte man die Lust an seiner eigenen Ueberlegenheit auch nicht dabei, diese kann eben sich nur im Leide des Anderen zu erkennen geben, zum Beispiel bei der Neckerei. Alle Lust an sich selber ist weder gut noch böse; woher sollte die Bestimmung kommen, dass man, um Lust an sich selber zu haben, keine Unlust Anderer erregen dürfe? Allein vom Gesichtspuncte des Nutzens her, das heisst aus Rücksicht auf die Folgen, auf eventuelle Unlust, wenn der Geschädigte oder der stellvertretende Staat Ahndung und Rache erwarten lässt: nur Diess kann ursprünglich den Grund abgegeben haben, solche Handlungen sich zu versagen.— Das Mitleid hat ebensowenig die Lust des Andern zum Ziele, als, wie gesagt, die Bosheit den Schmerz des Andern an sich. Denn es birgt mindestens zwei (vielleicht mehr) Elemente einer persönlichen Lust in sich und ist dergestalt Selbstgenuss: einmal als Lust der Emotion, welcher Art Mitleid in der Tragödie ist, und dann, wenn es zur That treibt, als Lust der Befriedigung in der Ausübung der Macht. Steht uns überdiess eine leidende Person sehr nahe, so nehmen durch Ausübung mitleidvoller Handlungen uns selbst ein Leid ab.— Abgesehen von einigen Philosophen, so haben die Menschen das Mitleid, in der Rangfolge moralischer Empfindungen immer ziemlich tief gestellt: mit Recht.
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Nothwehr. — Wenn man überhaupt die Nothwehr als moralisch gelten lässt, so muss man fast alle Aeusserungen des sogenannten unmoralischen Egoismus' auch gelten lassen: man thut Leid an, raubt oder tödtet, um sich zu erhalten oder um sich zu schützen, dem persönlichen Unheil vorzubeugen; man lügt, wo List und Verstellung das richtige Mittel der Selbsterhaltung sind. Absichtlich schädigen, wenn es sich um unsere Existenz oder Sicherheit (Erhaltung unseres Wohlbefindens) handelt, wird als moralisch concedirt; der Staat schädigt selber unter diesem Gesichtspunct, wenn er Strafen verhängt. Im unabsichtlichen Schädigen kann natürlich das Unmoralische nicht liegen, da regiert der Zufall. Giebt es denn eine Art des absichtlichen Schädigens, wo es sich nicht um unsere Existenz, um die Erhaltung unseres Wohlbefindens handelt? Giebt es ein Schädigen aus reiner Bosheit, zum Beispiel bei der Grausamkeit? Wenn man nicht weiss, wie weh eine Handlung thut, so ist sie keine Handlung der Bosheit; so ist das Kind gegen das Thier nicht boshaft, nicht böse: es untersucht und zerstört dasselbe wie sein Spielzeug. Weiss man aber je völlig, wie weh eine Handlung einem Andern thut? So weit unser Nervensystem reicht, hüten wir uns vor Schmerz: reichte es weiter, nämlich bis in die Mitmenschen hinein, so würden wir Niemandem ein Leides thun (ausser in solchen Fällen, wo wir es uns selbst thun, also wo wir uns der Heilung halber schneiden, der Gesundheit halber uns mühen und anstrengen). Wir schliessen aus Analogie, dass Etwas Jemandem weh thut, und durch die Erinnerung und die Stärke der Phantasie kann es uns dabei selber übel werden. Aber welcher Unterschied bleibt immer zwischen dem Zahnschmerz und dem Schmerze (Mitleiden), welchen der Anblick des Zahnschmerzes hervorruft? Also: bei dem Schädigen aus sogenannter Bosheit ist der Grad des erzeugten Schmerzes uns jedenfalls unbekannt; insofern aber eine Lust bei der Handlung ist (Gefühl der eignen Macht, der eignen starken Erregung), geschieht die Handlung, um das Wohlbefinden des Individuums zu erhalten und fällt somit unter einen ähnlichen Gesichtspunct wie die Nothwehr, die Nothlüge. Ohne Lust kein Leben; der Kampf um die Lust ist der Kampf um das Leben. Ob der Einzelne diesen Kampf so kämpft, dass die Menschen ihn gut, oder so, dass sie ihn böse nennen, darüber entscheidet das Maass und die Beschaffenheit seines Intellects.
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Die belohnende Gerechtigkeit. — Wer vollständig die Lehre von der völligen Unverantwortlichkeit begriffen hat, der kann die sogenannte strafende und belohnende Gerechtigkeit gar nicht mehr unter den Begriff der Gerechtigkeit unterbringen: falls diese darin besteht, dass man Jedem das Seine giebt. Denn Der, welcher gestraft wird, verdient die Strafe nicht: er wird nur als Mittel benutzt, um fürderhin von gewissen Handlungen abzuschrecken; ebenso verdient Der, welchen man belohnt, diesen Lohn nicht: er konnte ja nicht anders handeln, als er gehandelt hat. Also hat der Lohn nur den Sinn einer Aufmunterung für ihn und Andere, um also zu späteren Handlungen ein Motiv abzugeben; das Lob wird dem Laufenden in der Rennbahn zugerufen, nicht Dem, welcher am Ziele ist. Weder Strafe noch Lohn sind Etwas, das Einem als das Seine zukommt; sie werden ihm aus Nützlichkeitsgründen gegeben, ohne dass er mit Gerechtigkeit Anspruch auf sie zu erheben hätte. Man muss ebenso sagen "der Weise belohnt nicht, weil gut gehandelt worden ist," als man gesagt hat "der Weise straft nicht, weil schlecht gehandelt worden ist, sondern damit nicht schlecht gehandelt werde." Wenn Strafe und Lohn fortfielen, so fielen die kräftigsten Motive, welche von gewissen Handlungen weg, zu gewissen Handlungen hin treiben, fort; der Nutzen der Menschen erheischt ihre Fortdauer; und insofern Strafe und Lohn, Tadel und Lob am empfindlichsten auf die Eitelkeit wirken, so erheischt der selbe Nutzen auch die Fortdauer der Eitelkeit.
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Am Wasserfall. — Beim Anblick eines Wasserfalles meinen wir in den zahllosen Biegungen, Schlängelungen, Brechungen der Wellen Freiheit des Willens und Belieben zu sehen; aber Alles ist nothwendig, jede Bewegung mathematisch auszurechnen. So ist es auch bei den menschlichen Handlungen; man müsste jede einzelne Handlung vorher ausrechnen können, wenn man allwissend wäre, ebenso jeden Fortschritt der Erkenntniss, jeden Irrthum, jede Bosheit. Der Handelnde selbst steckt freilich in der Illusion der Willkür; wenn in einem Augenblick das Rad der Welt still stände und ein allwissender, rechnender Verstand da wäre, um diese Pausen zu benützen, so könnte er bis in die fernsten Zeiten die Zukunft jedes Wesens weitererzählen und jede Spur bezeichnen, auf der jenes Rad noch rollen wird. Die Täuschung des Handelnden über sich, die Annahme des freien Willens, gehört mit hinein in diesen auszurechnenden Mechanismus.
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Unverantwortlichkeit und Unschuld. — Die völlige Unverantwortlichkeit des Menschen für sein Handeln und sein Wesen ist der bitterste Tropfen, welchen der Erkennende schlucken muss, wenn er gewohnt war, in der Verantwortlichkeit und der Pflicht den Adelsbrief seines Menschenthums zu sehen. Alle seine Schätzungen, Auszeichnungen, Abneigungen sind dadurch entwerthet und falsch geworden: sein tiefstes Gefühl, das er dem Dulder, dem Helden entgegenbrachte, hat einem Irrthume gegolten; er darf nicht mehr loben, nicht tadeln, denn es ist ungereimt, die Natur und die Nothwendigkeit zu loben und zu tadeln. So wie er das gute Kunstwerk liebt, aber nicht lobt, weil es Nichts für sich selber kann, wie er vor der Pflanze steht, so muss er vor den Handlungen der Menschen, vor seinen eignen stehen. Er kann Kraft, Schönheit, Fülle an ihnen bewundern, aber darf keine Verdienste darin finden: der chemische Process und der Streit der Elemente, die Qual des Kranken, der nach Genesung lechzt, sind ebensowenig Verdienste, als jene Seelenkämpfe und Nothzustände, bei denen man durch verschiedene Motive hin- und hergerissen wird, bis man sich endlich für das mächtigste entscheidet—wie man sagt (in Wahrheit aber, bis das mächtigste Motiv über uns entscheidet). Alle diese Motive aber, so hohe Namen wir ihnen geben, sind aus den selben Wurzeln gewachsen, in denen wir die bösen Gifte wohnend glauben; zwischen guten und bösen Handlungen giebt es keinen Unterschied der Gattung, sondern höchstens des Grades. Gute Handlungen sind sublimirte böse; böse Handlungen sind vergröberte, verdummte gute. Das einzige Verlangen des Individuums nach Selbstgenuss (sammt der Furcht, desselben verlustig zu gehen) befriedigt sich unter allen Umständen, der Mensch mag handeln, wie er kann, das heisst wie er muss: sei es in Thaten der Eitelkeit, Rache, Lust, Nützlichkeit, Bosheit, List, sei es in Thaten der Aufopferung, des Mitleids, der Erkenntniss. Die Grade der Urtheilsfähigkeit entscheiden, wohin Jemand sich durch diess Verlangen hinziehen lässt; fortwährend ist jeder Gesellschaft, jedem Einzelnen eine Rangordnung der Güter gegenwärtig, wonach er seine Handlungen bestimmt und die der Anderen beurtheilt. Aber dieser Maassstab wandelt sich fortwährend, viele Handlungen werden böse genannt und sind nur dumm, weil der Grad der Intelligenz, welcher sich für sie entschied, sehr niedrig war. Ja, in einem bestimmten Sinne sind auch jetzt noch alle Handlungen dumm, denn der höchste Grad von menschlicher Intelligenz, der jetzt erreicht werden kann, wird sicherlich noch überboten werden: und dann wird, bei einem Rückblick, all unser Handeln und Urtheilen so beschränkt und übereilt erscheinen, wie uns jetzt das Handeln und Urtheilen zurückgebliebener wilder Völkerschaften beschränkt und übereilt vorkommt.— Diess Alles einzusehen, kann tiefe Schmerzen machen, aber darnach giebt es einen Trost: solche Schmerzen sind Geburtswehen. Der Schmetterling will seine Hülle durchbrechen, er zerrt an ihr, er zerreisst sie: da blendet und verwirrt ihn das unbekannte Licht, das Reich der Freiheit. In solchen Menschen, welche jener Traurigkeit fähig sind—wie wenige werden es sein!—wird der erste Versuch gemacht, ob die Menschheit aus einer moralischen sich in eine weise Menschheit umwandeln könne. Die Sonne eines neuen Evangeliums wirft ihren ersten Strahl auf die höchsten Gipfel in der Seele jener Einzelnen: da ballen sich die Nebel dichter, als je, und neben einander lagert der hellste Schein und die trübste Dämmerung. Alles ist Nothwendigkeit,—so sagt die neue Erkenntniss: und diese Erkenntniss selber ist Nothwendigkeit. Alles ist Unschuld: und die Erkenntniss ist der Weg zur Einsicht in diese Unschuld. Sind Lust, Egoismus, Eitelkeit nothwendig zur Erzeugung der moralischen Phänomene und ihrer höchsten Blüthe, des Sinnes für Wahrheit und Gerechtigkeit der Erkenntniss, war der Irrthum und die Verirrung der Phantasie das einzige Mittel, durch welches die Menschheit sich allmählich zu diesem Grade von Selbsterleuchtung und Selbsterlösung zu erheben vermochte—wer dürfte jene Mittel geringschätzen? Wer dürfte traurig sein, wenn er das Ziel, zu dem jene Wege führen, gewahr wird? Alles auf dem Gebiete der Moral ist geworden, wandelbar, schwankend, Alles ist im Flusse, es ist wahr:—aber Alles ist auch im Strome: nach Einem Ziele hin. Mag in uns die vererbte Gewohnheit des irrthümlichen Schätzens, Liebens, Hassens immerhin fortwalten, aber unter dem Einfluss der wachsenden Erkenntniss wird sie schwächer werden: eine neue Gewohnheit, die des Begreifens, Nicht-Liebens, Nicht-Hassens, Ueberschauens, pflanzt sich allmählich in uns auf dem selben Boden an und wird in Tausenden von Jahren vielleicht mächtig genug sein, um der Menschheit die Kraft zu geben, den weisen, unschuldigen (unschuld-bewussten) Menschen ebenso regelmässig hervorzubringen, wie sie jetzt den unweisen, unbilligen, schuldbewussten Menschen—das heisst die nothwendige Vorstufe, nicht den Gegensatz von jenem—hervorbringt.
Drittes Hauptstück. Das religiöse Leben.
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Der doppelte Kampf gegen das Uebel. — Wenn uns ein Uebel trifft, so kann man entweder so über dasselbe hinwegkommen, dass man seine Ursache hebt, oder so, dass man die Wirkung, welche es auf unsere Empfindung macht, verändert: also durch ein Umdeuten des Uebels in ein Gut, dessen Nutzen vielleicht erst später ersichtlich sein wird. Religion und Kunst (auch die metaphysische Philosophie) bemühen sich, auf die Aenderung der Empfindung zu wirken, theils durch Aenderung unseres Urtheils über die Erlebnisse (zum Beispiel mit Hülfe des Satzes: "wen Gott lieb hat, den züchtigt er"), theils durch Erweckung einer Lust am Schmerz, an der Emotion überhaupt (woher die Kunst des Tragischen ihren Ausgangspunct nimmt). Je mehr Einer dazu neigt, umzudeuten und zurechtzulegen, um so weniger wird er die Ursachen des Uebels in's Auge fassen und beseitigen; die augenblickliche Milderung und Narkotisirung, wie sie zum Beispiel bei Zahnschmerz gebräuchlich ist, genügt ihm auch in ernsteren Leiden. Je mehr die Herrschaft der Religionen und aller Kunst der Narkose abnimmt, um so strenger fassen die Menschen die wirkliche Beseitigung der Uebel in's Auge, was freilich schlimm für die Tragödiendichter ausfällt—denn zur Tragödie findet sich immer weniger Stoff, weil das Reich des unerbittlichen, unbezwinglichen Schicksals immer enger wird—, noch schlimmer aber für die Priester: denn diese lebten bisher von der Narkotisirung menschlicher Uebel.
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Gram ist Erkenntniss. — Wie gern möchte man die falschen Behauptungen der Priester, es gebe einen Gott, der das Gute von uns verlangte, Wächter und Zeuge jeder Handlung, jedes Augenblickes, jedes Gedankens sei, der uns liebe, in allem Unglück unser Bestes wolle,—wie gern möchte man diese mit Wahrheiten vertauschen, welche ebenso heilsam, beruhigend und wohlthuend wären, wie jene Irrthümer! Doch solche Wahrheiten giebt es nicht; die Philosophie kann ihnen höchstens wiederum metaphysische Scheinbarkeiten (im Grunde ebenfalls Unwahrheiten) entgegensetzen. Nun ist aber die Tragödie die, dass man jene Dogmen der Religion und Metaphysik nicht glauben kann, wenn man die strenge Methode der Wahrheit im Herzen und Kopfe hat, andererseits durch die Entwickelung der Menschheit so zart, reizbar, leidend geworden ist, um Heil- und Trostmittel der höchsten Art nöthig zu haben; woraus also die Gefahr entsteht, dass der Mensch sich an der erkannten Wahrheit verblute. Diess drückt Byron in unsterblichen Versen aus:
Sorrow is knowledge: they who know the most
must mourn the deepst o'er the fatal truth,
the tree of knowledge is not that of life.
Gegen solche Sorgen hilft kein Mittel besser, als den feierlichen Leichtsinn Horazens, wenigstens für die schlimmsten Stunden und Sonnenfinsternisse der Seele, heraufzubeschwören und mit ihm zu sich selber zu sagen:
quid aeternis minorem
consiliis animum fatigas?
cur non sub alta vel platano vel hac
pinu jacentes—
Sicherlich aber ist Leichtsinn oder Schwermuth jeden Grades besser, als eine romantische Rückkehr und Fahnenflucht, eine Annäherung an das Christenthum in irgend einer Form: denn mit ihm kann man sich, nach dem gegenwärtigen Stande der Erkenntniss, schlechterdings nicht mehr einlassen, ohne sein in intellectuales Gewissen heillos zu beschmutzen und vor sich und Anderen preiszugeben. Jene Schmerzen mögen peinlich genug sein: aber man kann ohne Schmerzen nicht zu einem Führer und Erzieher der Menschheit werden; und wehe Dem, welcher diess versuchen möchte und jenes reine Gewissen nicht mehr hätte!
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Die Wahrheit in der Religion. — In der Periode der Aufklärung war man der Bedeutung der Religion nicht gerecht geworden, daran ist nicht zu zweifeln: aber ebenso steht fest, dass man, in dem darauffolgenden Widerspiel der Aufklärung, wiederum um ein gutes Stück über die Gerechtigkeit hinausgieng, indem man die Religionen mit Liebe, selbst mit Verliebtheit behandelte und ihnen zum Beispiel ein tieferes, ja das allertiefste Verständniss der Welt zuerkannte; welches die Wissenschaft des dogmatischen Gewandes zu entkleiden habe, um dann in unmythischer Form die "Wahrheit" zu besitzen. Religionen sollen also—diess war die Behauptung aller Gegner der Aufklärung—sensu allegorico, mit Rücksicht auf das Verstehen der Menge, jene uralte Weisheit aussprechen, welche die Weisheit an sich sei, insofern alle wahre Wissenschaft der neueren Zeit immer zu ihr hin, anstatt von ihr weg, geführt habe: so dass zwischen den ältesten Weisen der Menschheit und allen späteren Harmonie, ja Gleichheit der Einsichten walte und ein Fortschritt der Erkenntnisse—falls man von einem solchen reden wolle—sich nicht auf das Wesen, sondern die Mittheilung desselben beziehe. Diese ganze Auffassung von Religion und Wissenschaft ist durch und durch irrthümlich; und Niemand würde jetzt noch zu ihr sich zu bekennen wagen, wenn nicht Schopenhauer's Beredtsamkeit sie in Schutz genommen hätte: diese laut tönende und doch erst nach einem Menschenalter ihre Hörer erreichende Beredtsamkeit. So gewiss man aus Schopenhauer's religiös-moralischer Menschen- und Weltdeutung sehr viel für das Verständniss des Christenthums und anderer Religionen gewinnen kann, so gewiss ist es auch, dass er über den Werth der Religion für die Erkenntniss sich geirrt hat. Er selbst war darin ein nur zu folgsamer Schüler der wissenschaftlichen Lehrer seiner Zeit, welche allesammt der Romantik huldigten und dem Geiste der Aufklärung abgeschworen hatten; in unsere jetzige Zeit hineingeboren, würde er unmöglich vom sensus allegoricus der Religion haben reden können; er würde vielmehr der Wahrheit die Ehre gegeben haben, wie er es pflegte, mit den Worten: noch nie hat eine Religion, weder mittelbar, noch unmittelbar, weder als Dogma, noch als Gleichniss, eine Wahrheit enthalten. Denn aus der Angst und dem Bedürfniss ist eine jede geboren, auf Irrgängen der Vernunft hat sie sich in's Dasein geschlichen; sie hat vielleicht einmal, im Zustande der Gefährdung durch die Wissenschaft, irgend eine philosophische Lehre in ihr System hineingelogen, damit man sie später darin vorfinde: aber diess ist ein Theologenkunststück, aus der Zeit, in welcher eine Religion schon an sich selber zweifelt. Diese Kunststücke der Theologie, welche freilich im Christenthum, als der Religion eines gelehrten, mit Philosophie durchtränkten Zeitalters, sehr früh schon geübt wurden, haben auf jenen Aberglauben vom sensus allegoricus hingeleitet, noch mehr aber die Gewohnheit der Philosophen (namentlich er Halbwesen, der dichterischen Philosophen und der philosophirenden Künstler), alle die Empfindungen, welche sie in sich vorfanden, als Grundwesen des Menschen überhaupt zu behandeln und somit auch ihren eigenen religiösen Empfindungen einen bedeutenden Einfluss auf den Gedankenbau ihrer Systeme zu gestatten. Weil die Philosophen vielfach unter dem Herkommen religiöser Gewohnheiten, oder mindestens unter der altvererbten Macht jenes "metaphysischen Bedürfnisses" philosophirten, so gelangten sie zu Lehrmeinungen, welche in der That den jüdischen oder christlichen oder indischen Religionsmeinungen sehr ähnlich sahen,—ähnlich nämlich, wie Kinder den Müttern zu sehen pflegen, nur dass in diesem Falle die Väter sich nicht über jene Mutterschaft klar waren, wie diess wohl vorkommt,—sondern in der Unschuld ihrer Verwunderung von einer Familien-Aehnlichkeit aller Religion und Wissenschaft fabelten. In der That besteht zwischen der Religion und der wirklichen Wissenschaft nicht Verwandtschaft, noch Freundschaft, noch selbst Feindschaft: sie leben auf verschiedenen Sternen. Jede Philosophie, welche einen religiösen Kometenschweif in die Dunkelheit ihrer letzten Aussichten hinaus erglänzen lässt, macht Alles an sich verdächtig, was sie als Wissenschaft vorträgt: es ist diess Alles vermuthlich ebenfalls Religion, wenngleich unter dem Aufputz der Wissenschaft.— Uebrigens: wenn alle Völker über gewisse religiöse Dinge, zum Beispiel die Existenz eines Gottes, übereinstimmten (was, beiläufig gesagt, in Betreff dieses Punctes nicht der Fall ist), so würde diess doch eben nur ein Gegenargument gegen jene behaupteten Dinge, zum Beispiel die Existenz eines Gottes sein: der consensus gentium und überhaupt hominum kann billigerweise nur einer Narrheit gelten. Dagegen giebt es einen consensus omnium sapientium gar nicht, in Bezug auf kein einziges Ding, mit jener Ausnahme, von welcher der Goethe'sche Vers spricht:
Alle die Weisesten aller der Zeiten
lächeln und winken und stimmen mit ein:
Thöricht, auf Bess'rung der Thoren zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sich's gehört!
Ohne Vers und Reim gesprochen und auf unseren Fall angewendet: der consensus sapientium besteht darin, dass der consensus gentium einer Narrheit gilt.
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Ursprung des religiösen Cultus'. — Versetzen wir uns in die Zeiten zurück, in welchen das religiöse Leben am kräftigsten aufblühte, so finden wir eine Grundüberzeugung vor, welche wir jetzt nicht mehr theilen und derentwegen wir ein für alle Mal die Thore zum religiösen Leben uns verschlossen sehen: sie betrifft die Natur und den Verkehr mit ihr. Man weiss in jenen Zeiten noch Nichts von Naturgesetzen; weder für die Erde noch für den Himmel giebt es ein Müssen; eine Jahreszeit, der Sonnenschein, der Regen kann kommen oder auch ausbleiben. Es fehlt überhaupt jeder Begriff der natürlichen Causalität. Wenn man rudert, ist es nicht das Rudern, was das Schiff bewegt, sondern Rudern ist nur eine magische Ceremonie, durch welche man einen Dämon zwingt, das Schiff zu bewegen. Alle Erkrankungen, der Tod selbst ist Resultat magischer Einwirkungen. Es geht bei Krankwerden und Sterben nie natürlich zu; die ganze Vorstellung vom "natürlichen Hergang" fehlt,—sie dämmert erst bei den älteren Griechen, das heisst in einer sehr späten Phase der Menschheit, in der Conception der über den Göttern thronenden Moira. Wenn Einer mit dem Bogen schiesst, so ist immer noch eine irrationelle Hand und Kraft dabei; versiegen plötzlich die Quellen, so denkt man zuerst an unterirdische Dämonen und deren Tücken; der Pfeil eines Gottes muss es sein, unter dessen unsichtbarer Wirkung ein Mensch auf einmal niedersinkt. In Indien pflegt (nach Lubbock) ein Tischler seinem Hammer, seinem Beil und den übrigen Werkzeugen Opfer darzubringen; ein Brahmane behandelt den Stift, mit dem er schreibt, ein Soldat die Waffen, die er im Felde braucht, ein Maurer seine Kelle, ein Arbeiter seinen Pflug in gleicher Weise. Die ganze Natur ist in der Vorstellung religiöser Menschen eine Summe von Handlungen bewusster und wollender Wesen, ein ungeheurer Complex von Willkürlichkeiten. Es ist in Bezug auf Alles, was ausser uns ist, kein Schluss gestattet, dass irgend Etwas so und so sein werde, so und so kommen müsse; das ungefähr Sichere, Berechenbare sind wir: der Mensch ist die Regel, die Natur die Regellosigkeit, —dieser Satz enthält die Grundüberzeugung, welche rohe, religiös productive Urculturen beherrscht. Wir jetzigen Menschen empfinden gerade völlig umgekehrt: je reicher jetzt der Mensch sich innerlich fühlt, je polyphoner sein Subject ist, um so gewaltiger wirkt auf ihn das Gleichmaass der Natur; wir Alle erkennen mit Goethe in der Natur das grosse Mittel der Beschwichtigung für die moderne Seele, wir hören den Pendelschlag der grössten Uhr mit einer Sehnsucht nach Ruhe, nach Heimisch- und Stillewerden an, als ob wir dieses Gleichmaass in uns hineintrinken und dadurch zum Genuss unser selbst erst kommen könnten. Ehemals war es umgekehrt: denken wir an rohe, frühe Zustände von Völkern zurück oder sehen wir die jetzigen Wilden in der Nähe, so finden wir sie auf das stärkste durch das Gesetz, das Herkommenbestimmt: das Individuum ist fast automatisch an dasselbe gebunden und bewegt sich mit der Gleichförmigkeit eines Pendels. Ihm muss die Natur—die unbegriffene, schreckliche, geheimnissvolle Natur—als das Reich der Freiheit, der Willkür, der höheren Macht erscheinen, ja gleichsam als eine übermenschliche Stufe des Daseins, als Gott. Nun aber fühlt jeder Einzelne solcher Zeiten und Zustände, wie von jenen Willkürlichkeiten der Natur seine Existenz, sein Glück, das der Familie, des Staates, das Gelingen aller Unternehmungen abhängen: einige Naturvorgänge müssen zur rechten Zeit eintreten, andere zur rechten Zeit ausbleiben. Wie kann man einen Einfluss auf diese furchtbaren Unbekannten ausüben, wie kann man das Reich der Freiheit binden? so fragt er sich, so forscht er ängstlich: giebt es denn keine Mittel, jene Mächte ebenso durch ein Herkommen und Gesetz regelmässig zu machen, wie du selber regelmässig bist?— Das Nachdenken der magie- und wundergläubigen Menschen geht dahin, der Natur ein Gesetz aufzulegen—: und kurz gesagt, der religiöse Cultus ist das Ergebniss dieses Nachdenkens. Das Problem, welches jene Menschen sich vorlegen, ist auf das engste verwandt mit diesem: wie kann der schwächere Stamm dem stärkeren doch Gesetze dictiren, ihn bestimmen, seine Handlungen (im Verhalten zum schwächeren) leiten? Man wird zuerst sich der harmlosesten Art eines Zwanges erinnern, jenes Zwanges, den man ausübt, wenn man Jemandes Neigung erworben hat. Durch Flehen und Gebete, durch Unterwerfung, durch die Verpflichtung zu regelmässigen Abgaben und Geschenken, durch schmeichelhafte Verherrlichungen ist es also auch möglich, auf die Mächte der Natur einen Zwang auszuüben, insofern man sie sich geneigt macht: Liebe bindet und wird gebunden. Dann kann man Verträgeschliessen, wobei man sich zu bestimmtem Verhalten gegenseitig verpflichtet, Pfänder stellt und Schwüre wechselt. Aber viel wichtiger ist eine Gattung gewaltsameren Zwanges, durch Magie und Zauberei. Wie der Mensch mit Hülfe des Zauberers einem stärkeren Feind doch zu schaden weiss und ihn vor sich in Angst erhält, wie der Liebeszauber in die Ferne wirkt, so glaubt der schwächere Mensch auch die mächtigeren Geister der Natur bestimmen zu können. Das Hauptmittel aller Zauberei ist, dass man Etwas in Gewalt bekommt, das Jemandem zu eigen ist, Haare, Nägel, etwas Speise von seinem Tisch, ja selbst sein Bild, seinen Namen. Mit solchem Apparate kann man dann zaubern; denn die Grundvoraussetzung lautet: zu allem Geistigen gehört etwas Körperliches; mit dessen Hülfe vermag man den Geist zu binden, zu Schädigen, zu vernichten; das Körperliche giebt die Handhabe ab, mit der man das Geistige fassen kann. So wie nun der Mensch den Menschen bestimmt, so bestimmt er auch irgend einen Naturgeist; denn dieser hat auch sein Körperliches, an dem er zu fassen ist. Der Baum und, verglichen mit ihm, der Keim, aus dem er entstand,—dieses räthselhafte Nebeneinander scheint zu beweisen, dass in beiden Formen sich ein und der selbe Geist eingekörpert habe, bald klein, bald gross. Ein Stein, der plötzlich rollt, ist der Leib, in welchem ein Geist wirkt; liegt auf einsamer Haide ein Block, erscheint es unmöglich, an Menschenkraft zu denken, die ihn hierher gebracht habe, so muss also der Stein sich selbst hinbewegt haben, das heisst: er muss einen Geist beherbergen. Alles, was einen Leib hat, ist der Zauberei zugänglich, also auch die Naturgeister. Ist ein Gott geradezu an sein Bild gebunden, so kann man auch ganz directen Zwang (durch Verweigerung der Opfernahrung, Geisseln, in-Fesseln-Legen und Aehnliches) gegen ihn ausüben. Die geringen Leute in China umwinden, um die fehlende Gunst ihres Gottes zu ertrotzen, das Bild desselben, der sie in Stich gelassen hat, mit Stricken, reissen es nieder, schleifen es über die Strassen durch Lehm- und Düngerhaufen; "du Hund von einem Geiste, sagen sie, wir liessen dich in einem prächtigen Tempel wohnen, wir vergoldeten dich hübsch, wir fütterten dich gut, wir brachten dir Opfer und doch bist du so undankbar." Aehnliche Gewaltmaassregeln gegen Heiligen- und Muttergottesbilder, wenn sie etwa bei Pestilenzen oder Regenmangel ihre Schuldigkeit nicht thun wollten, sind noch während dieses Jahrhunderts in katholischen Ländern vorgekommen.— Durch alle diese zauberischen Beziehungen zur Natur sind unzählige Ceremonien in's Leben gerufen: und endlich, wenn der Wirrwarr derselben zu gross geworden ist, bemüht man sich, sie zu ordnen, zu systematisiren, so dass man den günstigen Verlauf des gesammten Ganges der Natur, namentlich des grossen Jahreskreislaufs, sich durch einen entsprechenden Verlauf eines Proceduren-Systems zu verbürgen meint. Der Sinn des religiösen Cultus' ist, die Natur zu menschlichem Vortheil zu bestimmen und zu bannen, also ihr eine Gesetzlichkeit einzuprägen, die sie von vornherein nicht hat; während in der jetzigen Zeit man die Gesetzlichkeit der Natur erkennen will, um sich in sie zu schicken. Kurz, der religiöse Cultus ruht auf den Vorstellungen der Zauberei zwischen Mensch und Mensch; und der Zauberer ist älter, als der Priester. Aber ebenso ruht er auf anderen und edleren Vorstellungen; er setzt das sympathische Verhältniss von Mensch zu Mensch, das Dasein von Wohlwollen, Dankbarkeit, Erhörung Bittender, von Verträgen zwischen Feinden, von Verleihung der Unterpfänder, von Anspruch auf Schutz des Eigenthums voraus. Der Mensch steht auch in sehr niederen Culturstufen nicht der Natur als ohnmächtiger Sclave gegenüber, er ist nicht nothwendig der willenlose Knecht derselben: auf der griechischen Stufe der Religion, besonders im Verhalten zu den olympischen Göttern, ist sogar an ein Zusammenleben von zwei Kasten, einer vornehmeren, mächtigeren und einer weniger vornehmen zu denken; aber beide gehören, ihrer Herkunft nach, irgendwie zusammen und sind Einer Art, sie brauchen sich vor einander nicht zu schämen. Das ist das Vornehme in der griechischen Religiosität.
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Beim Anblick gewisser antiker Opfergeräthschaften. — Wie manche Empfindungen uns verloren gehen, ist zum Beispiel an der Vereinigung des Possenhaften, selbst des Obscönen, mit dem religiösen Gefühl zu sehen: die Empfindung für die Möglichkeit dieser Mischung schwindet, wir begreifen es nur noch historisch, dass sie existirte, bei den Demeter- und Dionysosfesten, bei den christlichen Osterspielen und Mysterien: aber auch wir kennen noch das Erhabene im Bunde mit dem Burlesken und dergleichen, das Rührende mit dem Lächerlichen verschmolzen: was vielleicht eine spätere Zeit auch nicht mehr verstehen wird.
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Christenthum als Alterthum. — Wenn wir eines Sonntag Morgens die alten Glocken brummen hören, da fragen wir uns: ist es nur möglich! diess gilt einem vor zwei Jahrtausenden gekreuzigten Juden, welcher sagte, er sei Gottes Sohn. Der Beweis für eine solche Behauptung fehlt.— Sicherlich ist innerhalb unserer Zeiten die christliche Religion ein aus ferner Vorzeit hereinragendes Alterthum, und dass man jene Behauptung glaubt,—während man sonst so streng in der Prüfung von Ansprüchen ist—, ist vielleicht das älteste Stück dieses Erbes. Ein Gott, der mit einem sterblichen Weibe Kinder erzeugt; ein Weiser, der auffordert, nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr Gericht zu halten, aber auf die Zeichen des bevorstehenden Weltunterganges zu achten; eine Gerechtigkeit, die den Unschuldigen als stellvertretendes Opfer annimmt; Jemand, der seine jünger sein Blut trinken heisst; Gebete um Wundereingriffe; Sünden an einem Gott verübt, durch einen Gott gebüsst; Furcht vor einem jenseits, zu welchem der Tod die Pforte ist; die Gestalt des Kreuzes als Symbol inmitten einer Zeit, welche die Bestimmung und die Schmach des Kreuzes nicht mehr kennt,—wie schauerlich weht uns diess Alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit, an! Sollte man glauben, dass so Etwas noch geglaubt wird?
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Das Ungriechische im Christenthum. — Die Griechen sahen über sich die homerischen Götter nicht als Herren und sich unter ihnen nicht als Knechte, wie die Juden. Sie sahen gleichsam nur das Spiegelbild der gelungensten Exemplare ihrer eigenen Kaste, also ein Ideal, keinen Gegensatz des eigenen Wesens. Man fühlt sich mit einander verwandt, es besteht ein gegenseitiges Interesse, eine Art Symmachie. Der Mensch denkt vornehm von sich, wenn er sich solche Götter giebt, und stellt sich in ein Verhältniss, wie das des niedrigeren Adels zum höheren ist; während die italischen Völker eine rechte Bauern-Religion haben, mit fortwährender Aengstlichkeit gegen böse und launische Machtinhaber und Quälgeister. Wo die olympischen Götter zurücktraten, da war auch das griechische Leben düsterer und ängstlicher.— Das Christenthum dagegen zerdrückte und zerbrach den Menschen vollständig und versenkte ihn wie in tiefen Schlamm: in das Gefühl völliger Verworfenheit liess es dann mit Einem Male den Glanz eines göttlichen Erbarmens hineinleuchten, so dass der Ueberraschte, durch Gnade Betäubte, einen Schrei des Entzückens ausstiess und für einen Augenblick den ganzen Himmel in sich zu tragen glaubte. Auf diesen krankhaften Excess des Gefühls, auf die dazu nöthige tiefe Kopf- und Herz-Corruption wirken alle psychologischen Erfindungen des Christenthums hin: es will vernichten, zerbrechen, betäuben, berauschen, es will nur Eins nicht: das Maass, und desshalb ist es im tiefsten Verstande barbarisch, asiatisch, unvornehm, ungriechisch.
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Mit Vortheil religiös sein. — Es giebt nüchterne und gewerbstüchtige Leute, denen die Religion wie ein Saum höheren Menschenthums angestickt ist: diese thun sehr wohl, religiös zu bleiben, es verschönert sie.— Alle Menschen, welche sich nicht auf irgend ein Waffenhandwerk verstehen—Mund und Feder als Waffen eingerechnet—werden servil: für solche ist die christliche Religion sehr nützlich, denn die Servilität nimmt darin den Anschein einer christlichen Tugend an und wird erstaunlich verschönert.— Leute, welchen ihr tägliches Leben zu leer und eintönig vorkommt, werden leicht religiös: diess ist begreiflich und verzeihlich, nur haben sie kein Recht, Religiosität von Denen zu fordern, denen das tägliche Leben nicht leer und eintönig verfliesst.
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Der Alltags-Christ. — Wenn das Christenthum mit seinen Sätzen vom rächenden Gotte, der allgemeinen Sündhaftigkeit, der Gnadenwahl und der Gefahr einer ewigen Verdammniss, Recht hätte, so wäre es ein Zeichen von Schwachsinn und Charakterlosigkeit, nicht Priester, Apostel oder Einsiedler zu werden und mit Furcht und Zittern einzig am eigenen Heile zu arbeiten; es wäre unsinnig, den ewigen Vortheil gegen die zeitliche Bequemlichkeit so aus dem Auge zu lassen. Vorausgesetzt, dass überhaupt geglaubt wird, so ist der Alltags-Christ eine erbärmliche Figur, ein Mensch, der wirklich nicht bis drei zählen kann, und der übrigens, gerade wegen seiner geistigen Unzurechnungsfähigkeit, es nicht verdiente, so hart bestraft zu werden, als das Christenthum ihm verheisst.
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Von der Klugheit des Christenthums. — Es ist ein Kunstgriff des Christenthums, die völlige Unwürdigkeit, Sündhaftigkeit und Verächtlichkeit des Menschen überhaupt so laut zu lehren, dass die Verachtung der Mitmenschen dabei nicht mehr möglich ist. "Er mag sündigen, wie er wolle, er unterscheidet sich doch nicht wesentlich von mir: ich bin es, der in jedem Grade unwürdig und verächtlich ist," so sagt sich der Christ. Aber auch dieses Gefühl hat seinen spitzigsten Stachel verloren, weil der Christ nicht an seine individuelle Verächtlichkeit glaubt: er ist böse als Mensch überhaupt und beruhigt sich ein Wenig bei dem Satze: Wir Alle sind Einer Art.
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Personenwechsel.— Sobald eine Religion herrscht, hat sie alle Die zu ihren Gegnern, welche ihre ersten jünger gewesen wären.
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Schicksal des Christenthums. — Das Christenthum entstand, um das Herz zu erleichtern; aber jetzt müsste es das Herz erst beschweren, um es nachher erleichtern zu können. Folglich wird es zu Grunde gehen.
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Der Beweis der Lust. — Die angenehme Meinung wird als wahr angenommen: diess ist der Beweis der Lust (oder, wie die Kirche sagt, der Beweis der Kraft), auf welchen alle Religionen so stolz sind, während sie sich dessen doch schämen sollten. Wenn der Glaube nicht selig machte, so würde er nicht geglaubt werden: wie wenig wird er also werth sein!
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Gefährliches Spiel. — Wer jetzt der religiösen Empfindung wieder in sich Raum giebt, der muss sie dann auch wachsen lassen, er kann nicht anders. Da verändert sich allmählich sein Wesen, es bevorzugt das dem religiösen Element Anhängende, Benachbarte, der ganze Umkreis des Urtheilens und Empfindens wird umwölkt, mit religiösen Schatten überflogen. Die Empfindung kann nicht still stehen; man nehme sich also in Acht.
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Die blinden Schüler. — So lange Einer sehr gut die Stärke und, Schwäche seiner Lehre, seiner Kunstart, seiner Religion kennt, ist deren Kraft noch gering. Der Schüler und Apostel, welcher für die Schwäche der Lehre, der Religion und so weiter, kein Auge hat, geblendet durch das Ansehen des Meisters und durch seine Pietät gegen ihn, hat desshalb gewöhnlich mehr Macht, als der Meister. Ohne die blinden Schüler ist noch nie der Einfluss eines Mannes und seines Werkes gross geworden. Einer Erkenntniss zum Siege verhelfen heisst oft nur: sie so mit der Dummheit verschwistern, dass das Schwergewicht der letzteren auch den Sieg für die erstere erzwingt.
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Abbruch der Kirchen.— Es ist nicht genug an Religion in der Welt, um die Religionen auch nur zu vernichten.
124
Sündlosigkeit des Menschen. — Hat man begriffen, "wie die Sünde in die Welt gekommen" ist, nämlich durch Irrthümer der Vernunft, vermöge deren die Menschen unter einander, ja der einzelne Mensch sich selbst für viel schwärzer und böser nimmt, als es thatsächlich der Fall ist, so wird die ganze Empfindung sehr erleichtert, und Menschen und Welt erscheinen mitunter in einer Glorie von Harmlosigkeit, dass es Einem von Grund aus wohl dabei wird. Der Mensch ist inmitten der Natur immer das Kind an sich. Diess Kind träumt wohl einmal einen schweren beängstigenden Traum, wenn es aber die Augen aufschlägt, so sieht es sich immer wieder im Paradiese.
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Irreligiosität der Künstler. — Homer ist unter seinen Göttern so zu Hause: und hat als Dichter ein solches Behagen an ihnen, dass er jedenfalls tief unreligiös gewesen sein muss; mit dem, was der Volksglaube ihm entgegenbrachte—einen dürftigen, rohen, zum Theil schauerlichen Aberglauben—verkehrte er so frei, wie der Bildhauer mit seinem Thon, also mit der selben Unbefangenheit, welche Aeschylus und Aristophanes besassen und durch welche sich in neuerer Zeit die grossen Künstler der Renaissance, sowie Shakespeare und Goethe auszeichneten.
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Kunst und Kraft der falschen Interpretation. — Alle die Visionen, Schrecken, Ermattungen, Entzückungen des Heiligen sind bekannte Krankheits-Zustände, welche von ihm, auf Grund eingewurzelter religiöser und psychologischer Irrthümer, nur ganz anders, nämlich nicht als Krankheiten, gedeutet werden.— So ist vielleicht auch das Dämonion des Sokrates ein Ohrenleiden, das er sich, gemäss seiner herrschenden moralischen Denkungsart, nur anders, als es jetzt geschehen würde, auslegt. Nicht anders steht es mit dem Wahnsinn und Wahnreden der Propheten und Orakelpriester; es ist immer der Grad von Wissen, Phantasie, Bestrebung, Moralität in Kopf und Herz der Interpreten, welcher daraus so viel gemacht hat. Zu den grössten Wirkungen der Menschen, welche man Genie's und Heilige nennt, gehört es, dass sie sich Interpreten erzwingen, welche sie zum Heile der Menschheit missverstehen.
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Verehrung des Wahnsinns. — Weil man bemerkte, dass eine Erregung häufig den Kopf heller machte und glückliche Einfälle hervorrief, so meinte man, durch die höchsten Erregungen werde man der glücklichsten Einfälle und Eingebungen theilhaftig: und so verehrte man den Wahnsinnigen als den Weisen und Orakelgebenden. Hier liegt ein falscher Schluss zu Grunde.
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Verheissungen der Wissenschaft. — Die moderne Wissenschaft hat als Ziel: so wenig Schmerz wie möglich, so lange leben wie möglich,—also eine Art von ewiger Seligkeit, freilich eine sehr bescheidene im Vergleich mit den Verheissungen der Religionen.
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Verbotene Freigebigkeit.— Es ist nicht genug Liebe und Güte in der Welt, um noch davon an eingebildete Wesen wegschenken zu dürfen.
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Fortleben des religiösen Cultus' im Gemüth. — Die katholische Kirche, und vor ihr aller antike Cultus, beherrschte das ganze Bereich von Mitteln, durch welche der Mensch in ungewöhnliche Stimmungen versetzt wird und der kalten Berechnung des Vortheils oder dem reinen Vernunft-Denken entrissen wird. Eine durch tiefe Töne erzitternde Kirche, dumpfe, regelmässige, zurückhaltende Anrufe einer priesterlichen Schaar, welche ihre Spannung unwillkürlich auf die Gemeinde überträgt und sie fast angstvoll lauschen lässt, wie als wenn eben ein Wunder sich vorbereitete, der Anhauch der Architektur, welche als Wohnung einer Gottheit sich in's Unbestimmte ausreckt und in allen dunklen Räumen das Sich-Regen derselben fürchten lässt,—wer wollte solche Vorgänge den Menschen zurückbringen, wenn die Voraussetzungen dazu nicht mehr geglaubt werden? Aber die Resultate von dem Allen sind trotzdem nicht verloren: die innere Welt der erhabenen, gerührten, ahnungsvollen, tiefzerknirschten, hoffnungsseligen Stimmungen ist den Menschen vornehmlich durch den Cultus eingeboren worden; was jetzt davon in der Seele existirt, wurde damals, als er keimte, wuchs und blühte, gross gezüchtet.
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Religiöse Nachwehen. — Glaubt man sich noch so sehr der Religion entwöhnt zu haben, so ist es doch nicht in dem Grade geschehen, dass man nicht Freude hätte, religiösen Empfindungen und Stimmungen ohne begrifflichen Inhalt zu begegnen, zum Beispiel in der Musik; und wenn eine Philosophie uns die Berechtigung von metaphysischen Hoffnungen, von dem dorther zu erlangenden tiefen Frieden der Seele aufzeigt und zum Beispiel von "dem ganzen sichern Evangelium im Blick der Madonnen bei Rafael" spricht, so kommen wir solchen Aussprüchen und Darlegungen mit besonders herzlicher Stimmung entgegen: der Philosoph hat es hier leichter, zu beweisen, er entspricht mit dem, was er geben will, einem Herzen, welches gern nehmen will. Daran bemerkt man, wie die weniger bedachtsamen Freigeister eigentlich nur an den Dogmen Anstoss nehmen, aber recht wohl den Zauber der religiösen Empfindung kennen; es thut ihnen wehe, letztere fahren zu lassen, um der ersteren willen.— Die wissenschaftliche Philosophie muss sehr auf der Hut sein, nicht auf Grund jenes Bedürfnisses—eines gewordenen und folglich auch vergänglichen Bedürfnisses—Irrthümer einzuschmuggeln: selbst Logiker sprechen von "Ahnungen" der Wahrheit in Moral und Kunst (zum Beispiel von der Ahnung, "dass das Wesen der Dinge Eins ist"): was ihnen doch verboten sein sollte. Zwischen den sorgsam erschlossenen Wahrheiten und solchen "geahnten" Dingen bleibt unüberbrückbar die Kluft, dass jene dem Intellect, diese dem Bedürfniss verdankt werden. Der Hunger beweist nicht, dass es zu seiner Sättigung eine Speise giebt, aber er wünscht die Speise. "Ahnen" bedeutet nicht das Dasein einer Sache in irgend einem Grade erkennen, sondern dasselbe für möglich halten, insofern man sie wünscht oder fürchtet; die "Ahnung" trägt keinen Schritt weit in's Land der Gewissheit.— Man glaubt unwillkürlich, die religiös gefärbten Abschnitte einer Philosophie seien besser bewiesen, als die anderen; aber es ist im Grunde umgekehrt, man hat nur den inneren Wunsch, dass es so sein möge,—also dass das Beseligende auch das Wahre sei. Dieser Wunsch verleitet uns, schlechte Gründe als gute einzukaufen.
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Von dem christlichen Erlösungsbedürfniss. — Bei sorgsamer Ueberlegung muss es möglich sein, dem Vorgange in der Seele eines Christen, welchen man Erlösungsbedürfniss nennt, eine Erklärung abzugewinnen, die frei von Mythologie ist: also eine rein psychologische. Bis jetzt sind freilich die psychologischen Erklärungen religiöser Zustände und Vorgänge in einigem Verrufe gewesen, insoweit eine sich frei nennende Theologie auf diesem Gebiete ihr unerspriessliches Wesen trieb: denn bei ihr war es von vornherein, sowie es der Geist ihres Stifters, Schleiermacher's, vermuthen lässt, auf die Erhaltung der christlichen Religion und das Fortbestehen der christlichen Theologen abgesehen; als welche in der psychologischen Analysis der religiösen "Thatsachen" einen neuen Ankergrund und vor Allem eine neue Beschäftigung gewinnen sollten. Unbeirrt von solchen Vorgängern, wagen wir folgende Auslegung des bezeichneten Phänomens. Der Mensch ist sich gewisser Handlungen bewusst, welche in der gebräuchlichen Rangordnung der Handlungen tief stehen, ja er entdeckt in sich einen Hang zu dergleichen Handlungen, der ihm fast so unveränderlich wie sein ganzes Wesen erscheint. Wie gerne versuchte er sich in jener anderen Gattung von Handlungen, welche in der allgemeinen Schätzung als die obersten und höchsten anerkannt sind, wie gerne fühlte er sich voll des guten Bewusstseins, welches einer selbstlosen Denkweise folgen soll! Leider aber bleibt es eben bei diesem Wunsche: die Unzufriedenheit darüber, demselben nicht genügen zu können, kommt zu allen übrigen Arten von Unzufriedenheit hinzu, welche sein Lebensloos überhaupt oder die Folgen jener böse genannten Handlungen in ihm erregt haben; so dass eine tiefe Verstimmung entsteht, mit dem Ausblicke nach einem Arzte, der diese, und alle ihre Ursachen, zu heben vermöchte.— Dieser Zustand würde nicht so bitter empfunden werden, wenn der Mensch sich nur mit anderen Menschen unbefangen vergliche: dann nämlich hätte er keinen Grund, mit sich in einem besonderen Maasse unzufrieden zu sein, er trüge eben nur an der allgemeinen Last der menschlichen Unbefriedigung und Unvollkommenheit. Aber er vergleicht sich mit einem Wesen, welches allein jener Handlungen fähig ist, die unegoistisch genannt werden, und im fortwährenden Bewusstsein einer selbstlosen Denkweise lebt, mit Gott; dadurch, dass er in diesen hellen Spiegel schaut, erscheint ihm sein Wesen so trübe, so ungewöhnlich verzerrt. Sodann ängstigt ihn der Gedanke an das selbe Wesen, insofern dieses als strafende Gerechtigkeit vor seiner Phantasie schwebt: in allen möglichen kleinen und grossen Erlebnissen glaubt er seinen Zorn, seine Drohung zu erkennen, ja die Geisselschläge seines Richter- und Henkerthums schon vorzuempfinden. Wer hilft ihm in dieser Gefahr, welche durch den Hinblick auf eine unermessliche Zeitdauer der Strafe an Grässlichkeit alle anderen Schrecknisse der Vorstellung überbietet?
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Bevor wir diesen Zustand in seinen weiteren Folgen uns vorlegen, wollen wir es doch uns eingestehen, dass der Mensch in diesen Zustand nicht durch seine "Schuld" und "Sünde," sondern durch eine Reihe von Irrthümern der Vernunft gerathen ist, dass es der Fehler des Spiegels war, wenn ihm sein Wesen in jenem Grade dunkel und hassenswerth vorkam, und dass jener Spiegel sein Werk, das sehr unvollkommene Werk der menschlichen Phantasie und Urtheilskraft war. Erstens ist ein Wesen, welches einzig rein unegoistischer Handlungen fähig wäre, noch fabelhafter als der Vogel Phönix; es ist deutlich nicht einmal vorzustellen, schon desshalb, weil der ganze Begriff "unegoistische Handlung" bei strenger Untersuchung in die Luft verstiebt. Nie hat ein Mensch Etwas gethan, das allein für Andere und ohne jeden persönlichen Beweggrund gethan wäre; ja wie sollte er Etwas thun können, das ohne Bezug zu ihm wäre, also ohne innere Nöthigung (welche ihren Grund doch in einem persönlichen Bedürfniss haben müsste)? Wie vermöchte das ego ohne ego zu handeln?— Ein Gott, der dagegen ganz Liebe ist, wie gelegentlich angenommen wird, wäre keiner einzigen unegoistischen Handlung fähig: wobei man sich an einen Gedanken Lichtenberg's, der freilich einer niedrigeren Sphäre entnommen ist, erinnern sollte: "Wir können unmöglich für Andere fühlen, wie man zu sagen pflegt; wir fühlen nur für uns. Der Satz klingt hart, er ist es aber nicht, wenn er nur recht verstanden wird. Man liebt weder Vater, noch Mutter, noch Frau, noch Kind, sondern die angenehmen Empfindungen, die sie uns machen," oder wie La Rochefoucauld sagt: "si on croit aimer sa maîtresse pour l'amour d'elle, on est bien trompé." Wesshalb Handlungen der Liebe höher geschätzt werden, als andere, nämlich nicht ihres Wesens, sondern ihrer Nützlichkeit halber, darüber vergleiche man die schon vorher erwähnten Untersuchungen "über den Ursprung der moralischen Empfindungen." Sollte aber ein Mensch wünschen, ganz wie jener Gott, Liebe zu sein, Alles für Andere, Nichts für sich zu thun, zu wollen, so ist letzteres schon desshalb unmöglich, weil er sehr viel für sich thun muss, um überhaupt Anderen Etwas zu Liebe thun zu können. Sodann setzt es voraus, dass der Andere Egoist genug ist, um jene Opfer, jenes Leben für ihn, immer und immer wieder anzunehmen: so dass die Menschen der Liebe und Aufopferung ein Interesse an dem Fortbestehen der liebelosen und aufopferungsunfähigen Egoisten haben, und die höchste Moralität, um bestehen zu können, förmlich die Existenz der Unmoralität erzwingen müsste (wodurch sie sich freilich selber aufheben würde).— Weiter. die Vorstellung eines Gottes beunruhigt und demüthigt so lange, als sie geglaubt wird, aber wie sie entstanden ist, darüber kann bei dem jetzigen Stande der völkervergleichenden Wissenschaft kein Zweifel mehr sein; und mit der Einsicht in jene Entstehung fällt jener Glaube dahin. Es geht dem Christen, welcher sein Wesen mit dem Gotte vergleicht, so, wie dem Don Quixote, der seine eigne Tapferkeit unterschätzt, weil er die Wunderthaten der Helden aus den Ritterromanen im Kopfe hat; der Maassstab, mit welchem in beiden Fällen gemessen wird, gehört in's Reich der Fabel. Fällt aber die Vorstellung des Gottes weg, so auch das Gefühl der "Sünde" als eines Vergehens gegen göttliche Vorschriften, als eines Fleckens an einem gottgeweihten Geschöpfe. Dann bleibt wahrscheinlich noch jener Unmuth übrig, welcher mit der Furcht vor Strafen der weltlichen Gerechtigkeit, oder vor der Missachtung der Menschen, sehr verwachsen und verwandt ist; der Unmuth der Gewissensbisse, der schärfste Stachel im Gefühl der Schuld, ist immerhin abgebrochen, wenn man einsieht, dass man sich durch seine Handlungen wohl gegen menschliches Herkommen, menschliche Satzungen und Ordnungen vergangen habe, aber damit noch nicht das "ewige Heil der Seele" und ihre Beziehung zur Gottheit gefährdet habe. Gelingt es dem Menschen zuletzt noch, die philosophische Ueberzeugung von der unbedingten Nothwendigkeit aller Handlungen und ihrer völligen Unverantwortlichkeit zu gewinnen und in Fleisch und Blut aufzunehmen, so verschwindet auch jener Rest von Gewissensbissen.
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Ist nun der Christ, wie gesagt, durch einige Irrthümer in das Gefühl der Selbstverachtung gerathen, also durch eine falsche unwissenschaftliche Auslegung seiner Handlungen und Empfindungen, so muss er mit höchstem Erstaunen bemerken, wie jener Zustand der Verachtung, der Gewissensbisse, der Unlust überhaupt, nicht anhält, wie gelegentlich Stunden kommen, wo ihm dies Alles von der Seele weggeweht ist und er sich wieder frei und muthig fühlt. In Wahrheit hat die Lust an sich selber das Wohlbehagen an der eigenen Kraft, im Bunde mit der nothwendigen Abschwächung jeder tiefen Erregung, den Sieg davongetragen; der Mensch liebt sich wieder, er fühlt es,—aber gerade diese Liebe, diese neue Selbstschätzung, kommt ihm unglaublich vor, er kann in ihr allein das gänzlich unverdiente Herabströmen eines Gnadenglanzes von Oben sehen. Wenn er früher in allen Begebnissen Warnungen, Drohungen, Strafen und jede Art von Anzeichen des göttlichen Zornes zu erblicken glaubte, so deutet er jetzt in seine Erfahrungen die göttliche Güte hinein: diess Ereigniss kommt ihm liebevoll, jenes wie ein hülfreicher Fingerzeig, ein drittes und namentlich seine ganze freudige Stimmung als Beweis vor, dass Gott gnädig sei. Wie er früher im Zustande des Unmuthes namentlich seine Handlungen falsch ausdeutete, so jetzt namentlich seine Erlebnisse; die getröstete Stimmung fasst er als Wirkung einer ausser ihm waltenden Macht auf, die Liebe, mit der er sich im Grunde selbst liebt, erscheint als göttliche Liebe; Das, was er Gnade und Vorspiel der Erlösung nennt, ist in Wahrheit Selbstbegnadigung, Selbsterlösung.
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Also: eine bestimmte falsche Psychologie, eine gewisse Art von Phantastik in der Ausdeutung der Motive und Erlebnisse ist die nothwendige Voraussetzung davon, dass Einer zum Christen werde und das Bedürfniss der Erlösung empfinde. Mit der Einsicht in diese Verirrung der Vernunft und Phantasie hört man auf, Christ zu sein.
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Von der christlichen Askese und Heiligkeit. — So sehr einzelne Denker sich bemüht haben, in den seltenen Erscheinungen der Moralität, welche man Askese und Heiligkeit zu nennen pflegt, ein Wunderding hinzustellen, dem die Leuchte einer vernünftigen Erklärung in's Gesicht zu halten, beinahe schon Frevel und Entweihung sei: so stark ist hinwiederum die Verführung zu diesem Frevel. Ein mächtiger Antrieb der Natur hat zu allen Zeiten dazu geführt, gegen jene Erscheinungen überhaupt zu protestiren; die Wissenschaft, insofern sie, wie früher gesagt, eine Nachahmung der Natur ist, erlaubt sich wenigstens gegen die behauptete Unerklärbarkeit, ja Unnahbarkeit derselben Einsprache zu erheben. Freilich gelang es ihr bis jetzt nicht: jene Erscheinungen sind immer noch unerklärt, zum grossen Vergnügen der erwähnten Verehrer des moralisch-Wunderbaren. Denn, allgemein gesprochen: das Unerklärte soll durchaus unerklärlich, das Unerklärliche durchaus unnatürlich, übernatürlich, wunderhaft sein,—so lautet die Forderung in den Seelen aller Religiösen und Metaphysiker (auch der Künstler, falls sie zugleich Denker sind); während der wissenschaftliche Mensch in dieser Forderung das "böse Princip" sieht.— Die allgemeine erste Wahrscheinlichkeit, auf welche man bei Betrachtung der Askese und Heiligkeit zuerst geräth, ist diese, dass ihre Natur eine complicirte ist: denn fast überall, innerhalb der physischen Welt sowohl wie in der moralischen, hat man mit Glück das angeblich Wunderbare auf das Complicirte und mehrfach Bedingte zurückgeführt. Wagen wir es also, einzelne Antriebe in der Seele der Heiligen und Asketen zunächst zu isoliren und zum Schluss sie in einander uns verwachsen zu denken.
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Es giebt einen Trotz gegen sich selbst, zu dessen sublimirtesten Aeusserungen manche Formen der Askese gehören. Gewisse Menschen haben nämlich ein so hohes Bedürfniss, ihre Gewalt und Herrschsucht auszuüben, dass sie, in Ermangelung anderer Objecte, oder, weil es ihnen sonst immer misslungen ist, endlich darauf verfallen, gewisse Theile ihres eigenen Wesens, gleichsam Ausschnitte oder Stufen ihrer selbst, zu tyrannisiren. So bekennt sich mancher Denker zu Ansichten, welche ersichtlich nicht dazu dienen, seinen Ruf zu vermehren oder zu verbessern; mancher beschwört förmlich die Missachtung Anderer auf sich herab, während er es leicht hätte, durch Stillschweigen ein geachteter Mann zu bleiben; andere widerrufen frühere Meinungen und scheuen es nicht, fürderhin inconsequent genannt zu werden: im Gegentheil, sie bemühen sich darum und benehmen sich wie übermüthige Reiter, welche das Pferd, erst wenn es wild geworden, mit Schweiss bedeckt, scheu gemacht ist, am liebsten mögen. So steigt der Mensch auf gefährlichen Wegen in die höchsten Gebirge, um über seine Aengstlichkeit und seine schlotternden Kniee Hohn zu lachen; so bekennt sich der Philosoph zu Ansichten der Askese, Demuth und Heiligkeit, in deren Glanze sein eigenes Bild auf das ärgste verhässlicht wird. Dieses Zerbrechen seiner selbst, dieser Spott über die eigene Natur, dieses spernere se sperni, aus dem die Religionen so viel gemacht haben, ist eigentlich ein sehr hoher Grad der Eitelkeit. Die ganze Moral der Bergpredigt gehört hierher: der Mensch hat eine wahre Wollust darin, sich durch übertriebene Ansprüche zu vergewaltigen und dieses tyrannisch fordernde Etwas in seiner Seele nachher zu vergöttern. In jeder asketischen Moral betet der Mensch einen Theil von sich als Gott an und hat dazu nöthig, den übrigen Theil zu diabolisiren. —
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Der Mensch ist nicht zu allen Stunden gleich moralisch, diess ist bekannt: beurtheilt man seine Moralität nach der Fähigkeit zu grosser aufopfernder Entschliessung und Selbstverleugnung (welche, dauernd und zur Gewohnheit geworden, Heiligkeit ist), so ist er im Affect am moralischsten; die höhere Erregung reicht ihm ganz neue Motive dar, welcher er, nüchtern und kalt wie sonst, vielleicht nicht einmal fähig zu sein glaubte. Wie kommt diess? Wahrscheinlich aus der Nachbarschaft alles Grossen und hoch Erregenden; ist der Mensch einmal in eine ausserordentliche Spannung gebracht, so kann er ebensowohl zu einer furchtbaren Rache, als zu einer furchtbaren Brechung seines Rachebedürfnisses sich entschliessen. Er will, unter dem Einflusse der gewaltigen Emotion, jedenfalls das Grosse, Gewaltige, Ungeheure, und wenn er zufällig merkt, dass ihm die Aufopferung seiner selbst ebenso oder noch mehr genugthut, als die Opferung des Anderen, so wählt er sie. Eigentlich liegt ihm also nur an der Entladung seiner Emotion; da fasst er wohl, um seine Spannung zu erleichtern, die Speere der Feinde zusammen und begräbt sie in seine Brust. Dass in der Selbstverleugnung, und nicht nur in der Rache, etwas Grosses liege, musste der Menschheit erst in langer Gewöhnung anerzogen werden; eine Gottheit, welche sich selbst opfert, war das stärkste und wirkungsvollste Symbol dieser Art von Grösse. Als die Besiegung des schwerst zu besiegenden Feindes, die plötzliche Bemeisterung eines Affectes,—als Diess erscheint diese Verleugnung; und insofern gilt sie als der Gipfel des Moralischen. In Wahrheit handelt es sich bei ihr um die Vertauschung der einen Vorstellung mit der andern, während das Gemüth seine gleiche Höhe, seinen gleichen Fluthstand, behält. Ernüchterte, vom Affect ausruhende Menschen verstehen die Moralität jener Augenblicke nicht mehr, aber die Bewunderung Aller, die jene miterlebten, hält sie aufrecht; der Stolz ist ihr Trost, wenn der Affect und das Verständniss ihrer That weicht. Also: im Grunde sind auch jene Handlungen der Selbstverleugnung nicht moralisch, insofern sie nicht streng in Hinsicht auf Andere gethan sind; vielmehr giebt der Andere dem hochgespannten Gemüthe nur eine Gelegenheit, sich zu erleichtern, durch jene Verleugnung.
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In mancher Hinsicht sucht sich auch der Asket das Leben leicht zu machen, und zwar gewöhnlich durch die vollkommene Unterordnung unter einen fremden Willen oder unter ein umfängliches Gesetz und Ritual; etwa in der Art, wie der Brahmane durchaus Nichts seiner eigenen Bestimmung überlässt und sich in jeder Minute durch eine heilige Vorschrift bestimmt. Diese Unterordnung ist ein mächtiges Mittel, um über sich Herr zu werden; man ist beschäftigt, also ohne Langeweile, und hat doch keine Anregung des Eigenwillens und der Leidenschaft dabei; nach vollbrachter That fehlt das Gefühl der Verantwortung und damit die Qual der Reue. Man hat ein für alle Mal auf eigenen Willen verzichtet, und diess ist leichter, als nur gelegentlich einmal zu verzichten; sowie es auch leichter ist, einer Begierde ganz zu entsagen, als in ihr Maass zu halten. Wenn wir uns der jetzigen Stellung des Mannes zum Staate erinnern, so finden wir auch da, dass der unbedingte Gehorsam bequemer ist, als der bedingte. Der Heilige also erleichtert sich durch jenes völlige Aufgeben der Persönlichkeit sein Leben, und man täuscht sich, wenn man in jenem Phänomen das höchste Heldenstück der Moralität bewundert. Es ist in jedem Falle schwerer, seine Persönlichkeit ohne Schwanken und Unklarheit durchzusetzen, als sich von ihr in der erwähnten Weise zu lösen; überdiess verlangt es viel mehr Geist und Nachdenken.
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Nachdem ich, in vielen der schwerer erklärbaren Handlungen, Aeusserungen jener Lust an der Emotion an sich gefunden habe, möchte ich auch in Betreff der Selbstverachtung, welche zu den Merkmalen der Heiligkeit gehört, und ebenso in den Handlungen der Selbstquälerei (durch Hunger und Geisselschläge, Verrenkungen der Glieder, Erheuchelung des Wahnsinns) ein Mittel erkennen, durch welches jene Naturen gegen die allgemeine Ermüdung ihres Lebenswillens (ihrer Nerven) ankämpfen: sie bedienen sich der schmerzhaftesten Reizmittel und Grausamkeiten, um für Zeiten wenigstens aus jener Dumpfheit und Langenweile aufzutauchen, in welche ihre grosse geistige Indolenz und jene geschilderte Unterordnung unter einen fremden Willen sie so häufig verfallen lässt.
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Das gewöhnlichste Mittel, welches der Asket und Heilige anwendet, um sich das Leben doch noch erträglich und unterhaltend zu machen, besteht in gelegentlichem Kriegführen und in dem Wechsel von Sieg und Niederlage. Dazu braucht er einen Gegner und findet ihn in dem sogenannten "inneren Feinde." Namentlich nützt er seinen Hang zur Eitelkeit, Ehr- und Herrschsucht, sodann seine sinnlichen Begierden aus, um sein Leben wie eine fortgesetzte Schlacht und sich wie ein Schlachtfeld ansehen zu dürfen, auf dem gute und böse Geister mit wechselndem Erfolge ringen. Bekanntlich wird die sinnliche Phantasie durch die Regelmässigkeit des geschlechtlichen Verkehrs gemässigt, ja fast unterdrückt, umgekehrt, durch Enthaltsamkeit oder Unordnung im Verkehre entfesselt und wüst. Die Phantasie vieler christlichen Heiligen war in ungewöhnlichem Maasse schmutzig; vermöge jener Theorie, dass diese Begierden wirkliche Dämonen seien, die in ihnen wütheten, fühlten sie sich nicht allzusehr verantwortlich dabei; diesem Gefühle verdanken wir die so belehrende Aufrichtigkeit ihrer Selbstzeugnisse. Es war in ihrem Interesse, dass dieser Kampf in irgend einem Grade immer unterhalten wurde, weil durch ihn, wie gesagt, ihr ödes Leben unterhalten wurde. Damit der Kampf aber wichtig genug erscheine, um andauernde Theilnahme und Bewunderung bei den Nicht-Heiligen zu erregen, musste die Sinnlichkeit immer mehr verketzert und gebrandmarkt werden, ja die Gefahr ewiger Verdammnis wurde so eng an diese Dinge geknüpft, dass höchstwahrscheinlich durch ganze Zeitalter hindurch die Christen mit bösem Gewissen Kinder zeugten; wodurch gewiss der Menschheit ein grosser Schade angethan worden ist. Und doch steht hier die Wahrheit ganz auf dem Kopfe: was für die Wahrheit besonders unschicklich ist. Zwar hatte das Christenthum gesagt: jeder Mensch sei in Sünden empfangen und geboren, und im unausstehlichen Superlativ-Christenthume des Calderon hatte sich dieser Gedanke noch einmal zusammengeknotet und verschlungen, so dass er die verdrehteste Paradoxie wagte, die es giebt, in dem bekannten Verse:die grösste Schuld des Menschen
ist, dass er geboren ward.
In allen pessimistischen Religionen wird der Zeugungsact als schlecht an sich empfunden, aber keineswegs ist diese Empfindung eine allgemein-menschliche; selbst nicht einmal das Urtheil aller Pessimisten ist sich hierin gleich. Empedokles zum Beispiel weiss gar Nichts vom Beschämenden, Teuflischen, Sündhaften in allen erotischen Dingen; er sieht vielmehr auf der grossen Wiese des Unheils eine einzige heil- und hoffnungsvolle Erscheinung, die Aphrodite; sie gilt ihm als Bürgschaft, dass der Streit nicht ewig herrschen, sondern einem milderen Dämon einmal das Scepter überreichen werde. Die christlichen Pessimisten der Praxis hatten, wie gesagt, ein Interesse daran, dass eine andere Meinung in der Herrschaft blieb; sie brauchten für die Einsamkeit und die geistige Wüstenei ihres Lebens einen immer lebendigen Feind: und einen allgemein anerkannten Feind, durch dessen Bekämpfung und Ueberwältigung sie dem Nicht-Heiligen sich immer von Neuem wieder als halb unbegreifliche, übernatürliche Wesen darstellten. Wenn dieser Feind endlich, in Folge ihrer Lebensweise und ihrer zerstörten Gesundheit, die Flucht für immer ergriff, so verstanden sie es sofort, ihr Inneres mit neuen Dämonen bevölkert zu sehen. Das Auf- und Niederschwanken der Wagschalen Hochmuth und Demuth unterhielt ihre grübelnden Köpfe so gut, wie der Wechsel von Begierde und Seelenruhe. Damals diente die Psychologie dazu, alles Menschliche nicht nur zu verdächtigen, sondern zu lästern, zu geisseln, zu kreuzigen; man wollte sich möglichst schlecht und böse finden, man suchte die Angst um das Heil der Seele, die Verzweiflung an der eignen Kraft. Alles Natürliche, an welches der Mensch die Vorstellung des Schlechten, Sündhaften anhängt (wie er es zum Beispiel noch jetzt in Betreff des Erotischen gewöhnt ist), belästigt, verdüstert die Phantasie, giebt einen scheuen Blick, lässt den Menschen mit sich selber hadern und macht ihn unsicher und vertrauenslos; selbst seine Träume bekommen einen Beigeschmack des gequälten Gewissens. Und doch ist dieses Leiden am Natürlichen in der Realität der Dinge völlig unbegründet: es ist nur die Folge von Meinungen über die Dinge. Man erkennt leicht, wie die Menschen dadurch schlechter werden, dass sie das unvermeidlich-Natürliche als schlecht bezeichnen und später immer als so beschaffen empfinden. Es ist der Kunstgriff der Religion und jener Metaphysiker, welche den Menschen als böse und sündhaft von Natur wollen, ihm die Natur zu verdächtigen und so ihn selber schlecht zu machen: denn so lernt er sich als schlecht empfinden, da er das Kleid der Natur nicht ausziehen kann. Allmählich fühlt er sich, bei einem langen Leben im Natürlichen, von einer solchen Last von Sünden bedrückt, dass übernatürliche Mächte nöthig werden, um diese Last heben zu können; und damit ist das schon besprochene Erlösungsbedürfniss auf den Schauplatz getreten, welches gar keiner wirklichen, sondern nur einer eingebildeten Sündhaftigkeit entspricht. Man gehe die einzelnen moralischen Aufstellungen der Urkunden des Christenthums durch und man wird überall finden, dass die Anforderungen überspannt sind, damit der Mensch ihnen nicht genügen könne; die Absicht ist nicht, dass er moralischer werde, sondern dass er sich möglichst sündhaft fühle. Wenn dem Menschen diess Gefühl nicht angenehm gewesen wäre,—wozu hätte er eine solche Vorstellung erzeugt und sich so lange an sie gehängt? Wie in der antiken Welt eine unermessliche Kraft von Geist und Erfindungsgabe verwendet worden ist, um die Freude am Leben durch festliche Culte zu mehren: so ist in der Zeit des Christenthums ebenfalls unermesslich viel Geist einem andern Streben geopfert worden: der Mensch sollte auf alle Weise sich sündhaft fühlen und dadurch überhaupt erregt, belebt, beseelt werden. Erregen, beleben, beseelen, um jeden Preis—ist das nicht das Losungswort einer erschlafften, überreifen, übercultivirten Zeit? Der Kreis aller natürlichen Empfindungen war hundertmal durchlaufen, die Seele war ihrer müde geworden: da erfanden der Heilige und der Asket eine neue Gattung von Lebensreizen. Sie stellten sich vor Aller Augen hin, nicht eigentlich zur Nachahmung für Viele, sondern als schauderhaftes und doch entzückendes Schauspiel, welches an jenen Gränzen zwischen Welt und Ueberwelt aufgeführt wurde, wo Jedermann damals bald himmlische Lichtblicke, bald unheimliche, aus der Tiefe lodernde Flammenzungen zu erblicken glaubte. Das Auge des Heiligen, hingerichtet auf die in jedem Betracht furchtbare Bedeutung des kurzen Erdenlebens, auf die Nähe der letzten Entscheidung über endlose neue Lebensstrecken, diess verkohlende Auge, in einem halb vernichteten Leibe, machte die Menschen der alten Welt bis in alle Tiefen erzittern; hinblicken, schaudernd wegblicken, von Neuem den Reiz des Schauspiels spüren, ihm nachgeben, sich an ihm ersättigen, bis die Seele in Gluth und Fieberfrost erbebt,—das war die letzte Lust, welche das Alterthum erfand, nachdem es selbst gegen den Anblick von Thier- und Menschenkämpfen stumpf geworden war.
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Um das Gesagte zusammenzufassen: jener Seelenzustand, dessen sich der Heilige oder Heiligwerdende erfreut, setzt sich aus Elementen zusammen, welche wir Alle recht wohl kennen, nur dass sie sich unter dem Einfluss anderer als religiöser Vorstellungen anders gefärbt zeigen und dann den Tadel der Menschen ebenso stark zu erfahren pflegen, wie sie, in jener Verbrämung mit Religion und letzter Bedeutsamkeit des Daseins, auf Bewunderung, ja Anbetung rechnen dürfen,—mindestens in früheren Zeiten rechnen durften. Bald übt der Heilige jenen Trotz gegen sich selbst, der ein naher Verwandter der Herrschsucht ist und auch dem Einsamsten noch das Gefühl der Macht giebt; bald springt seine angeschwellte Empfindung aus dem Verlangen, seine Leidenschaften dahinschiessen zu lassen, über in das Verlangen, sie wie wilde Rosse zusammenstürzen zu machen, unter dem mächtigen Druck einer stolzen Seele; bald will er ein völliges Aufhören aller störenden, quälenden, reizenden Empfindungen, einen wachen Schlaf, ein dauerndes Ausruhen im Schoosse einer dumpfen, thier- und pflanzenhaften Indolenz; bald sucht er den Kampf und entzündet ihn in sich, weil ihm die Langeweile ihr gähnendes Gesicht entgegenhält: er geisselt seine Selbstvergötterung mit Selbstverachtung und Grausamkeit, er freut sich an dem wilden Aufruhre seiner Begierden, an dem scharfen Schmerz der Sünde, ja an der Vorstellung des Verlorenseins, er versteht es, seinem Affect, zum Beispiel dem der äussersten Herrschsucht, einen Fallstrick zu legen, so dass er in den der äussersten Erniedrigung übergeht und seine aufgehetzte Seele durch diesen Contrast aus allen Fugen gerissen wird; und zuletzt: wenn es ihn gar nach Visionen, Gesprächen mit Todten oder göttlichen Wesen gelüstet, so ist es im Grunde eine seltene Art von Wollust, welche er begehrt, aber vielleicht jene Wollust, in der alle anderen in einen Knoten zusammengeschlungen sind. Novalis, eine der Autoritäten in Fragen der Heiligkeit durch Erfahrung und Instinct, spricht das ganze Geheimniss einmal mit naiver Freude aus: "Es ist wunderbar genug, dass nicht längst die Association von Wollust, Religion und Grausamkeit die Menschen aufmerksam auf ihre innige Verwandtschaft und gemeinschaftliche Tendenz gemacht hat."
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Nicht Das, was der Heilige ist, sondern Das, was er in den Augen der Nicht-Heiligen bedeutet, giebt ihm seinen welthistorischen Werth. Dadurch, dass man sich über ihn irrte, dass man seine Seelenzustände falsch auslegte und ihn von sich so stark als möglich abtrennte, als etwas durchaus Unvergleichliches und fremdartig-Uebermenschliches: dadurch gewann er die ausserordentliche Kraft, mit welcher er die Phantasie ganzer Völker, ganzer Zeiten beherrschen konnte. Er selbst kannte sich nicht; er selbst verstand die Schriftzüge seiner Stimmungen, Neigungen, Handlungen nach einer Kunst der Interpretation, welche ebenso überspannt und künstlich war, wie die pneumatische Interpretation der Bibel. Das Verschrobene und Kranke in seiner Natur, mit ihrer Zusammenkoppelung von geistiger Armuth, schlechtem Wissen, verdorbener Gesundheit, überreizten Nerven, blieb seinem Blick ebenso wie dem seiner Beschauer verborgen. Er war kein besonders guter Mensch, noch weniger ein besonders weiser Mensch: aber er bedeutete Etwas, das über menschliches Maass in Güte und Weisheit hinausreiche. Der Glaube an ihn unterstützte den Glauben an Göttliches und Wunderhaftes, an einen religiösen Sinn alles Daseins, an einen bevorstehenden letzten Tag des Gerichtes. In dem abendlichen Glanze einer Weltuntergangs-Sonne, welche über die christlichen Völker hinleuchtete, wuchs die Schattengestalt des Heiligen in's Ungeheure: ja bis zu einer solchen Höhe, dass selbst in unserer Zeit, die nicht mehr an Gott glaubt, es noch genug Denker giebt, welche an den Heiligen glauben.
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Es versteht sich von selbst, dass dieser Zeichnung des Heiligen, welche nach dem Durchschnitt der ganzen Gattung entworfen ist, manche Zeichnung entgegengestellt werden kann, welche eine angenehmere Empfindung hervorbringen möchte. Einzelne Ausnahmen jener Gattung heben sich heraus, sei es durch grosse Milde und Menschenfreundlichkeit, sei es durch den Zauber ungewöhnlicher Thatkraft; andere sind im höchsten Grade anziehend, weil bestimmte Wahnvorstellungen über ihr ganzes Wesen Lichtströme ausgiessen: wie es zum Beispiel mit dem berühmten Stifter des Christenthums der Fall ist, der sich für den eingeborenen Sohn Gottes hielt und desshalb sich sündlos fühlte; so dass er durch eine Einbildung—die man nicht zu hart beurtheilen möge, weil das ganze Alterthum von Göttersöhnen wimmelt—das selbe Ziel erreichte, das Gefühl völliger Sündlosigkeit, völliger Unverantwortlichkeit, welches jetzt durch die Wissenschaft Jedermann sich erwerben kann.— Ebenfalls habe ich abgesehen von den indischen Heiligen, welche auf einer Zwischenstufe zwischen dem christlichen Heiligen und dem griechischen Philosophen stehen und insofern keinen reinen Typus darstellen: die Erkenntniss, die Wissenschaft—soweit es eine solche gab—, die Erhebung über die anderen Menschen durch die logische Zucht und Schulung des Denkens wurde bei den Buddhaisten als ein Kennzeichen der Heiligkeit ebenso gefordert, wie die selben Eigenschaften in der christlichen Welt, als Kennzeichen der Unheiligkeit, abgelehnt und verketzert werden.
Viertes Hauptstück. Aus der Seele der Künstler und Schriftsteller.
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Das Vollkommene soll nicht geworden sein. — Wir sind gewöhnt, bei allem Vollkommenen die Frage nach dem Werden zu unterlassen: sondern uns des Gegenwärtigen zu freuen, wie als ob es auf einen Zauberschlag aus dem Boden aufgestiegen sei. Wahrscheinlich stehen wir hier noch unter der Nachwirkung einer uralten mythologischen Empfindung. Es ist uns beinahe noch so zu Muthe (zum Beispiel in einem griechischen Tempel wie der von Pästum), als ob eines Morgens ein Gott spielend aus solchen ungeheuren Lasten sein Wohnhaus gebaut habe: anderemale als ob eine Seele urplötzlich in einen Stein hineingezaubert sei und nun durch ihn reden wolle. Der Künstler weiss, dass sein Werk nur voll wirkt, wenn es den Glauben an eine Improvisation, an eine wundergleiche Plötzlichkeit der Entstehung erregt; und so hilft er wohl dieser Illusion nach und führt jene Elemente der begeisterten Unruhe, der blind greifenden Unordnung, des aufhorchenden Träumens beim Beginn der Schöpfung in die Kunst ein, als Trugmittel, um die Seele des Schauers oder Hörers so zu stimmen, dass sie an das plötzliche Hervorspringen des Vollkommenen glaubt.— Die Wissenschaft der Kunst hat dieser Illusion, wie es sich von selbst versteht, auf das bestimmteste zu widersprechen und die Fehlschlüsse und Verwöhnungen des Intellects aufzuzeigen, vermöge welcher er dem Künstler in das Netz läuft.
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Der Wahrheitssinn des Künstlers. — Der Künstler hat in Hinsicht auf das Erkennen der Wahrheiten eine schwächere Moralität, als der Denker; er will sich die glänzenden, tiefsinnigen Deutungen des Lebens durchaus nicht nehmen lassen und wehrt sich gegen nüchterne, schlichte Methoden und Resultate. Scheinbar kämpft er für die höhere Würde und Bedeutung des Menschen; in Wahrheit will er die für seine Kunst wirkungsvollsten Voraussetzungen nicht aufgeben, also das Phantastische, Mythische, Unsichere, Extreme, den Sinn für das Symbolische, die Ueberschätzung der Person, den Glauben an etwas Wunderartiges im Genius: er hält also die Fortdauer seiner Art des Schaffens für wichtiger, als die wissenschaftliche Hingebung an das Wahre in jeder Gestalt, erscheine diese auch noch so schlicht.
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Die Kunst als Todtenbeschwörerin. — Die Kunst versieht nebenbei die Aufgabe zu conserviren, auch wohl erloschene, verblichene Vorstellungen ein Wenig wieder aufzufärben; sie flicht, wenn sie diese Aufgabe löst, ein Band um verschiedene Zeitalter und macht deren Geister wiederkehren. Zwar ist es nur ein Scheinleben wie über Gräbern, welches hierdurch entsteht, oder wie die Wiederkehr geliebter Todten im Traume, aber wenigstens auf Augenblicke wird die alte Empfindung noch einmal rege und das Herz klopft nach einem sonst vergessenen Tacte. Nun muss man wegen dieses allgemeinen Nutzens der Kunst dem Künstler selber es nachsehen, wenn er nicht in den vordersten Reihen der Aufklärung und der fortschreitenden Vermännlichung der Menschheit steht: er ist zeitlebens ein Kind oder ein Jüngling geblieben und auf dem Standpunct zurückgehalten, auf welchem er von seinem Kunsttriebe überfallen wurde; Empfindungen der ersten Lebensstufen stehen aber zugestandenermaassen denen früherer Zeitläufte näher, als denen des gegenwärtigen Jahrhunderts. Unwillkürlich wird es zu seiner Aufgabe, die Menschheit zu verkindlichen; diess ist sein Ruhm und seine Begränztheit.
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Dichter als Erleichterer des Lebens. — Die Dichter, insofern auch sie das Leben der Menschen erleichtern wollen, wenden den Blick entweder von der mühseligen Gegenwart ab oder verhelfen der Gegenwart durch ein Licht, das sie von der Vergangenheit herstrahlen machen, zu neuen Farben. Um diess zu können, müssen sie selbst in manchen Hinsichten rückwärts gewendete Wesen sein: so dass man sie als Brücken zu ganz fernen Zeiten und Vorstellungen, zu absterbenden oder abgestorbenen Religionen und Culturen gebrauchen kann. Sie sind eigentlich immer und nothwendig Epigonen. Es ist freilich von ihren Mitteln zur Erleichterung des Lebens einiges Ungünstige zu sagen: sie beschwichtigen und heilen nur vorläufig, nur für den Augenblick; sie halten sogar die Menschen ab, an einer wirklichen Verbesserung ihrer Zustände zu arbeiten, indem sie gerade die Leidenschaft der Unbefriedigten, welche zur That drängen, aufheben und palliativisch entladen.
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Der langsame Pfeil der Schönheit. — Die edelste Art der Schönheit ist die, welche nicht auf einmal hinreisst, welche nicht stürmische und berauschende Angriffe macht (eine solche erweckt leicht Ekel), sondern jene langsam einsickernde, welche man fast unbemerkt mit sich fortträgt und die Einem im Traum einmal wiederbegegnet, endlich aber, nachdem sie lange mit Bescheidenheit an unserm Herzen gelegen, von uns ganz Besitz nimmt, unser Auge mit Thränen, unser Herz mit Sehnsucht füllt.— Wonach sehnen wir uns beim Anblick der Schönheit? Darnach, schön zu sein: wir wähnen, es müsse viel Glück damit verbunden sein.— Aber das ist ein Irrthum.
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Beseelung der Kunst. — Die Kunst erhebt ihr Haupt, wo die Religionen nachlassen. Sie übernimmt eine Menge durch die Religion erzeugter Gefühle und Stimmungen, legt sie an ihr Herz und wird jetzt selber tiefer, seelenvoller, so dass sie Erhebung und Begeisterung mitzutheilen vermag, was sie vordem noch nicht konnte. Der zum Strome angewachsene Reichthum des religiösen Gefühls bricht immer wieder aus und will sich neue Reiche erobern: aber die wachsende Aufklärung hat die Dogmen der Religion erschüttert und ein gründliches Misstrauen eingeflösst: so wirft sich das Gefühl, durch die Aufklärung aus der religiösen Sphäre hinausgedrängt, in die Kunst; in einzelnen Fällen auch auf das politische Leben, ja selbst direct auf die Wissenschaft. Ueberall, wo man an menschlichen Bestrebungen eine höhere düstere Färbung wahrnimmt darf man vermuthen, dass Geistergrauen, Weihrauchduft und Kirchenschatten daran hängen geblieben sind.
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Wodurch das Metrum verschönert. — Das Metrum legt Flor über die Realität; es veranlasst einige Künstlichkeit des Geredes und Unreinheit des Denkens; durch den Schatten, den es auf den Gedanken wirft, verdeckt es bald, bald hebt es hervor. Wie Schatten nöthig ist, um zu verschönern, so ist das "Dumpfe" nöthig, um zu verdeutlichen.— Die Kunst macht den Anblick des Lebens erträglich, dadurch dass sie den Flor des unreinen Denkens über dasselbe legt.
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Kunst der hässlichen Seele. — Man zieht der Kunst viel zu enge Schranken, wenn man verlangt, dass nur die geordnete, sittlich im Gleichgewicht schwebende Seele sich in ihr aussprechen dürfe. Wie in den bildenden Künsten, so auch giebt es in der Musik und Dichtung eine Kunst der hässlichen Seele, neben der Kunst der schönen Seele; und die mächtigsten Wirkungen der Kunst, das Seelenbrechen, Steinebewegen und Thierevermenschlichen ist vielleicht gerade jener Kunst am meisten gelungen.
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Die Kunst macht dem Denker das Herz schwer. — Wie stark das metaphysische Bedürfniss ist und wie sich noch zuletzt die Natur den Abschied von ihm schwer macht, kann man daraus entnehmen, dass noch im Freigeiste, wenn er sich alles Metaphysischen entschlagen hat, die höchsten Wirkungen der Kunst leicht ein Miterklingen der lange verstummten, ja zerrissenen metaphysischen Saite hervorbringen, sei es zum Beispiel, dass er bei einer Stelle der neunten Symphonie Beethoven's sich über der Erde in einem Sternendome schweben fühlt, mit dem Traume der Unsterblichkeit im Herzen: alle Sterne scheinen um ihn zu flimmern und die Erde immer tiefer hinabzusinken.— Wird er sich dieses Zustandes bewusst, so fühlt er wohl einen tiefen Stich im Herzen und seufzt nach dem Menschen, welcher ihm die verlorene Geliebte, nenne man sie nun Religion oder Metaphysik, zurückführe. In solchen Augenblicken wird sein intellectualer Charakter auf die Probe gestellt.
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Mit dem Leben spielen. — Die Leichtigkeit und Leichtfertigkeit der homerischen Phantasie war nöthig, um das übermässig leidenschaftliche Gemüth und den überscharfen Verstand des Griechen zu beschwichtigen und zeitweilig aufzuheben. Spricht bei ihnen der Verstand: wie herbe und grausam erscheint dann das Leben! Sie täuschen sich nicht, aber sie umspielen absichtlich das Leben mit Lügen. Simonides rieth seinen Landsleuten, das Leben wie ein Spiel zu nehmen; der Ernst war ihnen als Schmerz allzubekannt (das Elend der Menschen ist ja das Thema, über welches die Götter so gern singen hören) und sie wussten, dass einzig durch die Kunst selbst das Elend zum Genusse werden könne. Zur Strafe für diese Einsicht waren sie aber von der Lust, zu fabuliren, so geplagt, dass es ihnen im Alltagsleben schwer wurde, sich von Lug und Trug frei zu halten, wie alles Poetenvolk eine solche Lust an der Lüge hat und obendrein noch die Unschuld dabei. Die benachbarten Völker fanden das wohl mitunter zum Verzweifeln.
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Glaube an Inspiration. — Die Künstler haben ein Interesse daran, dass man an die plötzlichen Eingebungen, die sogenannten Inspirationen glaubt; als ob die Idee des Kunstwerks, der Dichtung, der Grundgedanke einer Philosophie, wie ein Gnadenschein vom Himmel herableuchte. In Wahrheit producirt die Phantasie des guten Künstlers oder Denkers fortwährend, Gutes, Mittelmässiges und Schlechtes, aber seine Urtheilskraft, höchst geschärft und geübt, verwirft, wählt aus, knüpft zusammen; wie man jetzt aus den Notizbüchern Beethoven's ersieht, dass er die herrlichsten Melodien allmählich zusammengetragen und aus vielfachen Ansätzen gewissermaassen ausgelesen hat. Wer weniger streng scheidet und sich der nachbildenden Erinnerung gern überlässt, der wird unter Umständen ein grosser Improvisator werden können; aber die künstlerische Improvisation steht tief im Verhältniss zum ernst und mühevoll erlesenen Kunstgedanken. Alle Grossen waren grosse Arbeiter, unermüdlich nicht nur im Erfinden, sondern auch im Verwerfen, Sichten, Umgestalten, Ordnen.
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Nochmals die Inspiration. — Wenn sich die Productionskraft eine Zeit lang angestaut hat und am Ausfliessen durch ein Hemmnis gehindert worden ist, dann giebt es endlich einen so plötzlichen Erguss, als ob eine unmittelbare Inspiration, ohne vorhergegangenes inneres Arbeiten, also ein Wunder sich vollziehe. Diess macht die bekannte Täuschung aus, an deren Fortbestehen, wie gesagt, das Interesse aller Künstler ein wenig zu sehr hängt. Das Capital hat sich eben nur angehäuft, es ist nicht auf einmal vom Himmel gefallen. Es giebt übrigens auch anderwärts solche scheinbare Inspiration, zum Beispiel im Bereiche der Güte, der Tugend, des Lasters.
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Die Leiden des Genius' und ihr Werth. — Der künstlerische Genius will Freude machen, aber wenn er auf einer sehr hohen Stufe steht, so fehlen ihm leicht die Geniessenden; er bietet Speisen, aber man will sie nicht. Das giebt ihm ein unter Umständen lächerlich-rührendes Pathos; denn im Grunde hat er kein Recht, die Menschen zum Vergnügen zu zwingen. Seine Pfeife tönt, aber Niemand will tanzen: kann das tragisch sein?— Vielleicht doch. Zuletzt hat er als Compensation für diese Entbehrung mehr Vergnügen beim Schaffen, als die übrigen Menschen bei allen anderen Gattungen der Thätigkeit haben. Man empfindet seine Leiden übertrieben, weil der Ton seiner Klage lauter, sein Mund beredter ist; und mitunter sind seine Leiden wirklich sehr gross, aber nur desshalb, weil sein Ehrgeiz, sein Neid so gross ist. Der wissende Genius, wie Kepler und Spinoza, ist für gewöhnlich nicht so begehrlich und macht von seinen wirklich grösseren Leiden und Entbehrungen kein solches Aufheben. Er darf mit grösserer Sicherheit auf die Nachwelt rechnen und sich der Gegenwart entschlagen; während ein Künstler, der diess thut, immer ein verzweifeltes Spiel spielt, bei dem ihm wehe um's Herz werden muss. In ganz seltenen Fällen,—dann, wenn im selben Individuum der Genius des Könnens und des Erkennens und der moralische Genius sich verschmelzen—kommt zu den erwähnten Schmerzen noch die Gattung von Schmerzen hinzu, welche als die absonderlichsten Ausnahmen in der Welt zu nehmen sind: die ausser- und überpersönlichen, einem Volke, der Menschheit, der gesammten Cultur, allem leidenden Dasein zugewandten Empfindungen: welche ihren Werth durch die Verbindung mit besonders schwierigen und entlegenen Erkenntnissen erlangen (Mitleid an sich ist wenig werth).— Aber welchen Maassstab, welche Goldwage giebt es für deren Aechtheit? Ist es nicht fast geboten, misstrauisch gegen Alle zu sein, welche von Empfindungen dieser Art bei sich reden?
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Verhängniss der Grösse. — Jeder grossen Erscheinung folgt die Entartung nach, namentlich im Bereiche der Kunst. Das Vorbild des Grossen reizt die eitleren Naturen zum äusserlichen Nachmachen oder zum Ueberbieten; dazu haben alle grossen Begabungen das Verhängnissvolle an sich, viele schwächere Kräfte und Keime zu erdrücken und um sich herum gleichsam die Natur zu veröden. Der glücklichste Fall in der Entwickelung einer Kunst ist der, dass mehrere Genie's sich gegenseitig in Schranken halten; bei diesem Kampfe wird gewöhnlich den schwächeren und zarteren Naturen auch Luft und Licht gegönnt.
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Die Kunst dem Künstler gefährlich. — Wenn die Kunst ein Individuum gewaltig ergreift, dann zieht es dasselbe zu Anschauungen solcher Zeiten zurück, wo die Kunst am kräftigsten blühte, sie wirkt dann zurückbildend. Der Künstler kommt immer mehr in eine Verehrung der plötzlichen Erregungen, glaubt an Götter und Dämonen, durchseelt die Natur, hasst die Wissenschaft, wird wechselnd in seinen Stimmungen, wie die Menschen des Alterthums, und begehrt einen Umsturz aller Verhältnisse, welche der Kunst nicht günstig sind, und zwar diess mit der Heftigkeit und Unbilligkeit eines Kindes. An sich ist nun der Künstler schon ein zurückbleibendes Wesen, weil er beim Spiel stehen bleibt, welches zur Jugend und Kindheit gehört: dazu kommt noch, dass er allmählich in andere Zeiten zurückgebildet wird. So entsteht zuletzt ein heftiger Antagonismus zwischen ihm und den gleichalterigen Menschen seiner Periode und ein trübes Ende; so wie, nach den Erzählungen der Alten, Homer und Aeschylus in Melancholie zuletzt lebten und starben.
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Geschaffene Menschen.— Wenn man sagt, der Dramatiker (und der Künstler überhaupt) schaffe wirklich Charaktere, so ist diess eine schöne Täuschung und Uebertreibung, in deren Dasein und Verbreitung die Kunst einen ihrer ungewollten, gleichsam überschüssigen Triumphe feiert. In der That verstehen wir von einem wirklichen lebendigen Menschen nicht viel und generalisiren sehr oberflächlich, wenn wir ihm diesen und jenen Charakter zuschreiben: dieser unserer sehr unvollkommenen Stellung zum Menschen entspricht nun der Dichter, indem er ebenso oberflächliche Entwürfe zu Menschen macht (in diesem Sinne "Schafft"), als unsere Erkenntniss der Menschen oberflächlich ist. Es ist viel Blendwerk bei diesen geschaffenen Charakteren der Künstler; es sind durchaus keine leibhaftigen Naturproducte, sondern ähnlich wie die gemalten Menschen ein Wenig allzu dünn, sie vertragen den Anblick aus der Nähe nicht. Gar wenn man sagt, der Charakter des gewöhnlichen lebendigen Menschen widerspreche sich häufig, der vom Dramatiker geschaffene sei das Urbild, welches der Natur vorgeschwebt habe, so ist diess ganz falsch. Ein wirklicher Mensch ist etwas ganz und gar Nothwendiges (selbst in jenen sogenannten Widersprüchen), aber wir erkennen diese Nothwendigkeit nicht immer. Der erdichtete Mensch, das Phantasma, will etwas Nothwendiges bedeuten, doch nur vor Solchen, welche auch einen wirklichen Menschen nur in einer rohen, unnatürlichen Simplification verstehen: so dass ein paar starke, oft wiederholte Züge, mit sehr viel Licht darauf und sehr viel Schatten und Halbdunkel herum, ihren Ansprüchen vollständig genügen. Sie sind also leicht bereit, das Phantasma als wirklichen, nothwendigen Menschen zu behandeln, weil sie gewöhnt sind, beim wirklichen Menschen ein Phantasma, einen Schattenriss, eine willkürliche Abbreviatur für das Ganze zu nehmen.— Dass gar der Maler und der Bildhauer die "Idee" des Menschen ausdrücke, ist eitel Phantasterei und Sinnentrug,: man wird vom Auge tyrannisirt, wenn man so Etwas sagt, da dieses vom menschlichen Leibe selbst nur die Oberfläche, die Haut sieht; der innere Leib gehört aber eben so sehr zur Idee. Die bildende Kunst will Charaktere auf der Haut sichtbar werden lassen; die redende Kunst nimmt das Wort zu dem selben Zwecke, sie bildet den Charakter im Laute ab. Die Kunst geht von der natürlichen Unwissenheit des Menschen über sein Inneres (in Leib und Charakter) aus: sie ist nicht für Physiker und Philosophen da.
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Selbstüberschätzung im Glauben an Künstler und Philosophen. — Wir Alle meinen, es sei die Güte eines Kunstwerks, eines Künstlers bewiesen, wenn er uns ergreift, erschüttert. Aber da müsste doch erst unsere eigene Güte in Urtheil und Empfindung bewiesen sein: was nicht der Fall ist. Wer hat mehr im Reiche der bildenden Kunst ergriffen und entzückt, als Bernini, wer mächtiger gewirkt, als jener nachdemosthenische Rhetor, welcher den asianischen Stil einführte und durch zwei Jahrhunderte zur Herrschaft brachte? Diese Herrschaft über ganze Jahrhunderte beweist Nichts für die Güte und dauernde Gültigkeit eines Stils; desshalb soll man nicht zu sicher in seinem guten Glauben an irgend einen Künstler sein: ein solcher ist ja nicht nur der Glaube an die Wahrhaftigkeit unserer Empfindung, sondern auch an die Unfehlbarkeit unseres Urtheils, während Urtheil oder Empfindung oder beides selber zu grob oder zu fein geartet, überspannt oder roh sein können. Auch die Segnungen und Beseligungen einer Philosophie, einer Religion beweisen für ihre Wahrheit Nichts: ebensowenig als das Glück, welches der Irrsinnige von seiner fixen Idee her geniesst, Etwas für die Vernünftigkeit dieser Idee beweist.
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Cultus des Genius' aus Eitelkeit. — Weil wir gut von uns denken, aber doch durchaus nicht von uns erwarten, dass wir je den Entwurf eines Rafaelischen Gemäldes oder eine solche Scene wie die eines Shakespeare'schen Drama's machen könnten, reden wir uns ein, das Vermögen dazu sei ganz übermässig wunderbar, ein ganz seltener Zufall, oder, wenn wir noch religiös empfinden, eine Begnadigung von Oben. So fördert unsere Eitelkeit, unsere Selbstliebe, den Cultus des Genius': denn nur wenn dieser ganz fern von uns gedacht ist, als ein miraculum, verletzt er nicht (selbst Goethe, der Neidlose, nannte Shakespeare seinen Stern der fernsten Höhe; wobei man sich jenes Verses erinnern mag: "die Sterne, die begehrt man nicht"). Aber von jenen Einflüsterungen unserer Eitelkeit abgesehen, so erscheint die Thätigkeit des Genie's durchaus nicht als etwas Grundverschiedenes von der Thätigkeit des mechanischen Erfinders, des astronomischen oder historischen Gelehrten, des Meisters der Taktik. Alle diese Thätigkeiten erklären sich, wenn man sich Menschen vergegenwärtigt, deren Denken in Einer Richtung thätig ist, die Alles als Stoff benützen, die immer ihrem innern Leben und dem Anderer mit Eifer zusehen, die überall Vorbilder, Anreizungen erblicken, die in der Combination ihrer Mittel nicht müde werden. Das Genie thut auch Nichts, als dass es erst Steine setzen, dann bauen lernt, dass es immer nach Stoff sucht und immer an ihm herumformt. Jede Thätigkeit des Menschen ist zum Verwundern complicirt, nicht nur die des Genie's: aber keine ist ein "Wunder."—Woher nun der Glaube, dass es allein beim Künstler, Redner und Philosophen Genie gebe? dass nur sie "Intuition" haben? (womit man ihnen eine Art von Wunder-Augenglas zuschreibt, mit dem sie direct in's "Wesen" sehen!) Die Menschen sprechen ersichtlich dort allein von Genius, wo ihnen die Wirkungen des grossen Intellectes am angenehmsten sind und sie wiederum nicht Neid empfinden wollen. Jemanden "göttlich" nennen heisst "hier brauchen wir nicht zu wetteifern." Sodann: alles Fertige, Vollkommene wird angestaunt, alles Werdende unterschätzt. Nun kann Niemand beim Werke des Künstlers zusehen, wie es geworden ist; das ist sein Vortheil, denn überall, wo man das Werden sehen kann, wird man etwas abgekühlt. Die vollendete Kunst der Darstellung weist alles Denken an das Werden ab; es tyrannisirt als gegenwärtige Vollkommenheit. Desshalb gelten die Künstler der Darstellung vornehmlich als genial, nicht aber die wissenschaftlichen Menschen. In Wahrheit ist jene Schätzung und diese Unterschätzung nur eine Kinderei der Vernunft.
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Der Ernst des Handwerks. — Redet nur nicht von Begabung, angeborenen Talenten! Es sind grosse Männer aller Art zu nennen, welche wenig begabt waren. Aber sie bekamen Grösse, wurden Genie's (wie man sagt), durch Eigenschaften, von deren Mangel Niemand gern redet, der sich ihrer bewusst ist: sie hatten Alle jenen tüchtigen Handwerker-Ernst, welcher erst lernt, die Theile vollkommen zu bilden, bis er es wagt, ein grosses Ganzes zu machen; sie gaben sich Zeit dazu, weil sie mehr Lust am Gutmachen des Kleinen, Nebensächlichen hatten, als an dem Effecte eines blendenden Ganzen. Das Recept zum Beispiel, wie Einer ein guter Novellist werden kann, ist leicht zu geben, aber die Ausführung setzt Eigenschaften voraus, über die man hinwegzusehen pflegt, wenn man sagt "ich habe nicht genug Talent." Man mache nur hundert und mehr Entwürfe zu Novellen, keinen länger als zwei Seiten, doch von solcher Deutlichkeit, dass jedes Wort darin nothwendig ist; man schreibe täglich Anekdoten nieder, bis man es lernt, ihre prägnanteste, wirkungsvollste Form zu finden, man sei unermüdlich im Sammeln und Ausmalen menschlicher Typen und Charaktere, man erzähle vor Allem so oft es möglich ist und höre erzählen, mit scharfem Auge und Ohr für die Wirkung auf die anderen Anwesenden, man reise wie ein Landschaftsmaler und Costümzeichner, man excerpire sich aus einzelnen Wissenschaften alles Das, was künstlerische Wirkungen macht, wenn es gut dargestellt wird, man denke endlich über die Motive der menschlichen Handlungen nach, verschmähe keinen Fingerzeig der Belehrung hierüber und sei ein Sammler von dergleichen Dingen bei Tag und Nacht. In dieser mannichfachen Uebung lasse man einige zehn Jahre vorübergehen: was dann aber in der Werkstätte geschaffen wird, darf auch hinaus in das Licht der Strasse.— Wie machen es aber die Meisten? Sie fangen nicht mit dem Theile, sondern mit dem Ganzen an. Sie thun vielleicht einmal einen guten Griff, erregen Aufmerksamkeit und thun von da an immer schlechtere Griffe, aus guten, natürlichen Gründen.— Mitunter, wenn Vernunft und Charakter fehlen, um einen solchen künstlerischen Lebensplan zu gestalten, übernimmt das Schicksal und die Noth die Stelle derselben und führt den zukünftigen Meister schrittweise durch alle Bedingungen seines Handwerks.
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Gefahr und Gewinn im Cultus des Genius'. — Der Glaube an grosse, überlegene, fruchtbare Geister ist nicht nothwendig, aber sehr häufig noch mit jenem ganz- oder halbreligiösen Aberglauben verbunden, dass jene Geister übermenschlichen Ursprungs seien und gewisse wunderbare Vermögen besässen, vermittelst deren sie ihrer Erkenntnisse auf ganz anderem Wege theilhaftig würden, als die übrigen Menschen. Man schreibt ihnen wohl einen unmittelbaren Blick in das Wesen der Welt, gleichsam durch ein Loch im Mantel der Erscheinung, zu und glaubt, dass sie ohne die Mühsal und Strenge der Wissenschaft, vermöge dieses wunderbaren Seherblickes, etwas Endgültiges und Entscheidendes über Mensch und Welt mittheilen könnten. So lange das Wunder im Bereiche der Erkenntniss noch Gläubige findet, kann man vielleicht zugeben, dass dabei für die Gläubigen selber ein Nutzen herauskomme, insofern diese durch ihre unbedingte Unterordnung unter die grossen Geister, ihrem eigenen Geiste für die Zeit der Entwickelung die beste Disciplin und Schule verschaffen. Dagegen ist mindestens fraglich, ob der Aberglaube vom Genie, von seinen Vorrechten und Sondervermögen für das Genie selber von Nutzen sei, wenn er in ihm sich einwurzelt. Es ist jedenfalls ein gefährliches Anzeichen, wenn den Menschen jener Schauder vor sich selbst überfällt, sei es nun jener berühmte Cäsaren-Schauder oder der hier in Betracht kommende Genie-Schauder; wenn der Opferduft, welchen man billigerweise allein einem Gotte bringt, dem Genie in's Gehirn dringt, so dass er zu schwanken und sich für etwas Uebermenschliches zu halten beginnt. Die langsamen Folgen sind: das Gefühl der Unverantwortlichkeit, der exceptionellen Rechte, der Glaube, schon durch seinen Umgang zu begnadigen, wahnsinnige Wuth bei dem Versuche, ihn mit Anderen zu vergleichen oder gar ihn niedriger zu taxiren und das Verfehlte seines Werkes in's Licht zu setzen. Dadurch, dass er aufhört, Kritik gegen sich selbst zu üben, fällt zuletzt aus seinem Gefieder eine der Schwungfedern nach der anderen aus: jener Aberglaube gräbt die Wurzeln seiner Kraft an und macht ihn vielleicht gar zum Heuchler, nachdem seine Kraft von ihm gewichen ist. Für grosse Geister selbst ist es also wahrscheinlich nützlicher, wenn sie über ihre Kraft und deren Herkunft zur Einsicht kommen, wenn sie also begreifen, welche rein menschlichen Eigenschaften in ihnen zusammengeflossen sind, welche Glücksumstände hinzutraten—also einmal anhaltende Energie, entschlossene Hinwendung zu einzelnen Zielen, grosser persönlicher Muth, sodann das Glück einer Erziehung, welche die besten Lehrer, Vorbilder, Methoden frühzeitig darbot. Freilich, wenn ihr Ziel ist, die grösstmögliche Wirkungzu machen, so hat die Unklarheit über sich selbst und jene Beigabe eines halben Wahnsinns immer viel gethan; denn bewundert und beneidet hat man zu allen Zeiten gerade jene Kraft an ihnen, vermöge deren sie die Menschen willenlos machen und zum Wahne fortreissen, dass übernatürliche Führer vor ihnen her giengen. Ja, es erhebt und begeistert die Menschen, Jemanden im Besitz übernatürlicher Kräfte zu glauben: insofern hat der Wahnsinn, wie Plato sagt, die grössten Segnungen über die Menschen gebracht.— In einzelnen seltenen Fällen mag dieses Stück Wahnsinn wohl auch das Mittel gewesen sein, durch welches eine solche nach allen Seiten hin excessive Natur fest zusammengehalten wurde: auch im Leben der Individuen haben die Wahnvorstellungen häufig den Werth von Heilmitteln, welche an sich Gifte sind; doch zeigt sich endlich, bei jedem "Genie," das an seine Göttlichkeit glaubt, das Gift in dem Grade, als das "Genie" alt wird: man möge sich zum Beispiel Napoleon's erinnern, dessen Wesen sicherlich gerade durch seinen Glauben an sich und seinen Stern und durch die aus ihm fliessende Verachtung der Menschen zu der mächtigen Einheit zusammenwuchs, welche ihn aus allen modernen Menschen heraushebt, bis endlich aber dieser selbe Glaube in einen fast wahnsinnigen Fatalismus übergieng, ihn seines Schnell- und Scharfblickes beraubte und die Ursache seines Unterganges wurde.
165
Das Genie und das Nichtige. — Gerade die originellen, aus sich schöpfenden Köpfe unter den Künstlern können unter Umständen das ganz Leere und Schaale hervorbringen, während die abhängigeren Naturen, die sogenannten Talente, voller Erinnerungen an alles mögliche Gute stecken und auch im Zustand der Schwäche etwas Leidliches produciren. Sind die Originellen aber von sich selber verlassen, so giebt die Erinnerung ihnen keine Hülfe: sie werden leer.
166
Das Publicum. — Von der Tragödie begehrt das Volk eigentlich nicht mehr, als recht gerührt zu werden, um sich einmal ausweinen zu können; der Artist dagegen, der die neue Tragödie sieht, hat seine Freude an den geistreichen technischen Erfindungen und Kunstgriffen, an der Handhabung und Vertheilung des Stoffes, an der neuen Wendung alter Motive, alter Gedanken. Seine Stellung ist die ästhetische Stellung zum Kunstwerk, die des Schaffenden; die erstbeschriebene, mit alleiniger Rücksicht auf den Stoff, die des Volkes. Von dem Menschen dazwischen ist nicht zu reden, er ist weder Volk noch Artist und weiss nicht, was er will: so ist auch seine Freude unklar und gering.
167
Artistische Erziehung des Publicums. — Wenn das selbe Motiv nicht hundertfältig durch verschiedene Meister behandelt wird, lernt das Publicum nicht über das Interesse des Stoffes hinauskommen; aber zuletzt wird es selbst die Nuancen, die zarten, neuen Erfindungen in der Behandlung dieses Motives fassen und geniessen, wenn es also das Motiv längst aus zahlreichen Bearbeitungen kennt und dabei keinen Reiz der Neuheit, der Spannung mehr empfindet.
168
Künstler und sein Gefolge müssen Schritt halten. — Der Fortgang von einer Stufe des Stils zur andern muss so langsam sein, dass nicht nur die Künstler, sondern auch die Zuhörer und Zuschauer diesen Fortgang mitmachen und genau wissen, was vorgeht. Sonst entsteht auf einmal jene grosse Kluft zwischen dem Künstler, der auf abgelegener Höhe seine Werke schafft, und dem Publicum, welches nicht mehr zu jener Höhe hinaufkann und endlich missmuthig wieder tiefer hinabsteigt. Denn wenn der Künstler sein Publicum nicht mehr hebt, so sinkt es schnell abwärts, und zwar stürzt es um so tiefer und gefährlicher, je höher es ein Genius getragen hat, dem Adler vergleichbar, aus dessen Fängen die in die Wolken hinaufgetragene Schildkröte zu ihrem Unheil hinabfällt.
169
Herkunft des Komischen. — Wenn man erwägt, dass der Mensch manche hunderttausend Jahre lang ein im höchsten Grade der Furcht zugängliches Thier war und dass alles Plötzliche, Unerwartete ihn kampfbereit, vielleicht todesbereit sein hiess, ja dass selbst später, in socialen Verhältnissen, alle Sicherheit auf dem Erwarteten, auf dem Herkommen in Meinung und Thätigkeit beruhte, so darf man sich nicht wundern, dass bei allem Plötzlichen, Unerwarteten in Wort und That, wenn es ohne Gefahr und Schaden hereinbricht, der Mensch ausgelassen wird, in's Gegentheil der Furcht übergeht: das vor Angst zitternde, zusammengekrümmte Wesen schnellt empor, entfaltet sich weit,—der Mensch lacht. Diesen Uebergang aus momentaner Angst in kurz dauernden Uebermuth nennt man das Komische. Dagegen geht im Phänomen des Tragischen der Mensch schnell aus grossem, dauerndem Uebermuth in grosse Angst über; da aber unter Sterblichen der grosse dauernde Uebermuth viel seltener, als der Anlass zur Angst ist, so giebt es viel mehr des Komischen, als des Tragischen in der Welt; man lacht viel öfter, als dass man erschüttert ist.
170
Künstler-Ehrgeiz. — Die griechischen Künstler, zum Beispiel die Tragiker dichteten, um zu siegen; ihre ganze Kunst ist nicht ohne Wettkampf zu denken: die hesiodische gute Eris, der Ehrgeiz, gab ihrem Genius die Flügel. Nun verlangte dieser Ehrgeiz vor Allem, dass ihr Werk die höchste Vortrefflichkeit vor ihren eigenen Augen erhalte, so wie sie also die Vortrefflichkeit verstanden, ohne Rücksicht auf einen herrschenden Geschmack und die allgemeine Meinung über das Vortreffliche an einem Kunstwerk; und so blieben Aeschylus und Euripides lange Zeit ohne Erfolg, bis sie sich endlich Kunstrichter erzogen hatten, welche ihr Werk nach den Maassstäben würdigten, welche sie selber anlegten. Somit erstreben sie den Sieg über Nebenbuhler nach ihrer eigenen Schätzung, vor ihrem eigenen Richterstuhl, sie wollen wirklich vortrefflicher sein; dann fordern sie von Aussen her Zustimmung zu dieser eigenen Schätzung, Bestätigung ihres Urtheils. Ehre erstreben heisst hier "sich überlegen machen und wünschen, dass es auch öffentlich so erscheine." Fehlt das Erstere und wird das Zweite trotzdem begehrt, so spricht man von Eitelkeit. Fehlt das Letztere und wird es nicht vermisst, so redet man von Stolz.
171
Das Nothwendige am Kunstwerk. — Die, welche so viel von dem Nothwendigen an einem Kunstwerk reden, übertreiben, wenn sie Künstler sind, in majorem artis gloriam, oder wenn sie Laien sind, aus Unkenntniss. Die Formen eines Kunstwerkes, welche seine Gedanken zum Reden bringen, also seine Art zu sprechen sind, haben immer etwas Lässliches, wie alle Art Sprache. Der Bildhauer kann viele kleine Züge hinzuthun oder weglassen: ebenso der Darsteller, sei es ein Schauspieler oder, in Betreff der Musik, ein Virtuos oder Dirigent. Diese vielen kleinen Züge und Ausfeilungen machen ihm heute Vergnügen, morgen nicht, sie sind mehr des Künstlers als der Kunst wegen da, denn auch er bedarf, bei der Strenge und Selbstbezwingung, welche die Darstellung des Hauptgedankens von ihm fordert, gelegentlich des Zuckerbrodes und der Spielsachen, um nicht mürrisch zu werden.
172
Den Meister vergessen machen. — Der Clavierspieler, der das Werk eines Meisters zum Vortrag bringt, wird am besten gespielt haben, wenn er den Meister vergessen liess und wenn es so erschien, als ob er eine Geschichte seines Lebens erzähle oder jetzt eben Etwas erlebe. Freilich: wenn er nichts Bedeutendes ist, wird Jedermann seine Geschwätzigkeit verwünschen, mit der er uns aus seinem Leben erzählt. Also muss er verstehen, die Phantasie des Zuhörers für sich einzunehmen. Daraus wiederum erklären sich alle Schwächen und Narrheiten des "Virtuosenthums."
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Corriger la fortune. — Es giebt schlimme Zufälligkeiten im Leben grosser Künstler, welche zum Beispiel den Maler zwingen, sein bedeutendstes Bild nur als flüchtigen Gedanken zu skizziren oder zum Beispiel Beethoven zwangen, uns in manchen grossen Sonaten (wie in der grossen B-dur) nur den ungenügenden Clavierauszug einer Symphonie zu hinterlassen. Hier soll der späterkommende Künstler das Leben der Grossen nachträglich zu corrigiren suchen: was zum Beispiel Der thun würde, welcher, als ein Meister aller Orchesterwirkungen, uns jene, dem Clavier-Scheintode verfallene Symphonie zum Leben erweckte.
174
Verkleinern. — Manche Dinge, Ereignisse oder Personen, vertragen es nicht, im kleinen Maassstabe behandelt zu werden. Man kann die Laokoon-Gruppe nicht zu einer Nippesfigur verkleinern; sie hat Grösse nothwendig. Aber viel seltener ist es, dass etwas von Natur Kleines die Vergrösserung verträgt; wesshalb es Biographen immer noch eher gelingen wird, einen grossen Mann klein darzustellen, als einen kleinen gross.
175
Sinnlichkeit in der Kunst der Gegenwart. — Die Künstler verrechnen sich jetzt häufig, wenn sie auf eine sinnliche Wirkung ihrer Kunstwerke hinarbeiten; denn ihre Zuschauer oder Zuhörer haben nicht mehr ihre vollen Sinne und gerathen, ganz wider die Absicht des Künstlers, durch sein Kunstwerk in—eine "Heiligkeit" der Empfindung, welche der Langweiligkeit nahe verwandt ist.— Ihre Sinnlichkeit fängt vielleicht dort an, wo die des Künstlers gerade aufhört, sie begegnen sich also höchstens an Einem Puncte.
176
Shakespeare als Moralist. — Shakespeare hat über die Leidenschaften viel nachgedacht und wohl von seinem Temperamente her zu vielen einen sehr nahen Zugang gehabt (Dramatiker sind im Allgemeinen ziemlich böse Menschen). Aber er vermochte nicht, wie Montaigne, darüber zu reden, sondern legte die Beobachtungen über die Passionen den passionirten Figuren in den Mund: was zwar wider die Natur ist, aber seine Dramen so gedankenvoll macht, dass sie alle anderen leer erscheinen lassen und leicht einen allgemeinen Widerwillen gegen sie erwecken.— Die Sentenzen Schiller's (welchen fast immer falsche oder unbedeutende Einfälle zu Grunde liegen) sind eben Theatersentenzen und wirken als solche sehr stark: während die Sentenzen Shakespeare's seinem Vorbilde Montaigne Ehre machen und ganz ernsthafte Gedanken in geschliffener Form enthalten, desshalb aber für die Augen des Theaterpublicums zu fern und zu fein, also unwirksam sind.
177
Sich gut zu Gehör bringen. — Man muss nicht nur verstehen, gut zu spielen, sondern auch sich gut zu Gehör zu bringen. Die Geige in der Hand des grössten Meisters giebt nur ein Gezirp von sich, wenn der Raum zu gross ist; man kann da den Meister mit jedem Stümper verwechseln.
178
Das Unvollständige als das Wirksame. — Wie Relieffiguren dadurch so stark auf die Phantasie wirken, dass sie gleichsam auf dem Wege sind, aus der Wand herauszutreten und plötzlich, irgend wodurch gehemmt, Halt machen: so ist mitunter die reliefartig unvollständige Darstellung eines Gedankens, einer ganzen Philosophie wirksamer, als die erschöpfende Ausführung: man überlässt der Arbeit des Beschauers mehr, er wird aufgeregt, das, was in so starkem Licht und Dunkel vor ihm sich abhebt, fortzubilden, zu Ende zu denken und jenes Hemmniss selber zu überwinden, welches ihrem völligen Heraustreten bis dahin hinderlich war.
179
Gegen die Originalen.— Wenn die Kunst sich in den abgetragensten Stoff kleidet, erkennt man sie am besten als Kunst.
180
Collectivgeist.— Ein guter Schriftsteller hat nicht nur seinen eigenen Geist, sondern auch noch den Geist seiner Freunde.
181
Zweierlei Verkennung. — Das Unglück scharfsinniger und klarer Schriftsteller ist, dass man sie für flach nimmt und desshalb ihnen keine Mühe zuwendet: und das Glück der unklaren, dass der Leser sich an ihnen abmüht und die Freude über seinen Eifer ihnen zu Gute schreibt.
182
Verhältniss zur Wissenschaft. — Alle Die haben kein wirkliches Interesse an einer Wissenschaft, welche erst dann anfangen, für sie warm zu werden, wenn sie selbst Entdeckungen in ihr gemacht haben.
183
Der Schlüssel. — Der eine Gedanke, auf den ein bedeutender Mensch, zum Gelächter und Spott der Unbedeutenden, grossen Werth legt, ist für ihn ein Schlüssel zu verborgenen Schatzkammern, für jene nicht mehr, als ein Stück alten Eisens.
184
Unübersetzbar.— Es ist weder das Beste, noch das Schlechteste an einem Buche, was an ihm unübersetzbar ist.
185
Paradoxien des Autors. — Die sogenannten Paradoxien des Autors, an welchen ein Leser Anstoss nimmt, stehen häufig gar nicht im Buche des Autors, sondern im Kopfe des Lesers.
186
Witz.— Die witzigsten Autoren erzeugen das kaum bemerkbarste Lächeln.
187
Die Antithese.— Die Antithese ist die enge Pforte, durch welche sich am liebsten der Irrthum zur Wahrheit schleicht.
188
Denker als Stilisten.— Die meisten Denker schreiben schlecht, weil sie uns nicht nur ihre Gedanken, sondern auch das Denken der Gedanken mittheilen.
189
Gedanken im Gedicht. — Der Dichter führt seine Gedanken festlich daher, auf dem Wagen des Rhythmus': gewöhnlich desshalb, weil diese zu Fuss nicht gehen können.
190
Sünde wider den Geist des Lesers. — Wenn der Autor sein Talent verleugnet, blos um sich dem Leser gleich zu stellen, so begeht er die einzige Todsünde, welche ihm Jener nie verzeiht: im Fall er nämlich Etwas davon merkt. Man darf dem Menschen sonst alles Böse nachsagen: aber in der Art, wie man es sagt, muss man seine Eitelkeit wieder aufzurichten wissen.
191
Gränze der Ehrlichkeit.— Auch dem ehrlichsten Schriftsteller entfällt ein Wort zu viel, wenn er eine Periode abrunden will.
192
Der beste Autor.— Der beste Autor wird der sein, welcher sich schämt, Schriftsteller zu werden.
193
Drakonisches Gesetz gegen Schriftsteller. — Man sollte einen Schriftsteller als einen Missethäter ansehen, der nur in den seltensten Fällen Freisprechung oder Begnadigung verdient: das wäre ein Mittel gegen das Ueberhandnehmen der Bücher.
194
Die Narren der modernen Cultur. — Die Narren der mittelalterlichen Höfe entsprechen unseren Feuilletonisten; es ist die selbe Gattung Menschen, halbvernünftig, witzig, übertrieben, albern, mitunter nur dazu da, das Pathos der Stimmung durch Einfälle, durch Geschwätz zu mildern und den allzu schweren, feierlichen Glockenklang grosser Ereignisse durch Geschrei zu übertäuben; ehemals im Dienste der Fürsten und Adeligen, jetzt im Dienste von Parteien (wie in Partei-Sinn und Partei-Zucht ein guter Theil der alten Unterthänigkeit im Verkehr des Volkes mit dem Fürsten jetzt noch fortlebt). Der ganze moderne Litteratenstand steht aber den Feuilletonisten sehr nahe, es sind die "Narren der modernen Cultur," welche man milder beurtheilt, wenn man sie als nicht ganz zurechnungsfähig nimmt. Schriftstellerei als Lebensberuf zu betrachten, sollte billigerweise als eine Art Tollheit gelten.
195
Den Griechen nach. — Der Erkenntniss steht es gegenwärtig sehr im Wege, dass alle Worte durch hundertjährige Uebertreibung des Gefühls dunstig und aufgeblasen geworden sind. Die höhere Stufe der Cultur, welche sich unter die Herrschaft (wenn auch nicht unter die Tyrannei) der Erkenntniss stellt, hat eine grosse Ernüchterung des Gefühls und eine starke Concentration aller Worte vonnöthen; worin uns die Griechen im Zeitalter des Demosthenes vorangegangen sind. Das Ueberspannte bezeichnet alle modernen Schriften; und selbst wenn sie einfach geschrieben sind, so werden die Worte in denselben noch zu excentrisch gefühlt. Strenge Ueberlegung, Gedrängtheit, Kälte, Schlichtheit, selbst absichtlich bis an die Gränze hinab, überhaupt An-sich-halten des Gefühls und Schweigsamkeit,—das kann allein helfen.— Uebrigens ist diese kalte Schreib- und Gefühlsart, als Gegensatz, jetzt sehr reizvoll: und darin liegt freilich eine neue Gefahr. Denn die scharfe Kälte ist so gut ein Reizmittel, als ein hoher Wärmegrad.
196
Gute Erzähler schlechte Erklärer. — Bei guten Erzählern steht oft eine bewunderungswürdige psychologische Sicherheit und Consequenz, soweit diese in den Handlungen ihrer Personen hervortreten kann, in einem geradezu lächerlichen Gegensatz zu der Ungeübtheit ihres psychologischen Denkens: so dass ihre Cultur in dem einen Augenblicke ebenso ausgezeichnet hoch, als im nächsten bedauerlich tief erscheint. Es kommt gar zu häufig vor, dass sie ihre eigenen Helden und deren Handlungen ersichtlich falsch erklären,—es ist daran kein Zweifel, so unwahrscheinlich die Sache klingt. Vielleicht hat der grösste Clavierspieler nur wenig über die technischen Bedingungen und die specielle Tugend, Untugend, Nutzbarkeit und Erziehbarkeit jedes Fingers (daktylische Ethik) nachgedacht, und macht grobe Fehler, wenn er von solchen Dingen redet.
197
Die Schriften von Bekannten und ihre Leser. — Wir lesen Schriften von Bekannten (Freunden und Feinden) doppelt, insofern fortwährend unsere Erkenntniss daneben flüstert: "das ist von ihm, ein Merkmal seines inneren Wesens, seiner Erlebnisse, seiner Begabung," und wiederum eine andere Art Erkenntniss dabei festzustellen sucht, was der Ertrag jenes Werkes an sich ist, welche Schätzung es überhaupt, abgesehen von seinem Verfasser, verdient, welche Bereicherung des Wissens es mit sich bringt. Diese beiden Arten des Lesens und Erwägens stören sich, wie das sich von selbst versteht, gegenseitig. Auch eine Unterhaltung mit einem Freunde wird dann erst gute Früchte der Erkenntniss zeitigen, wenn Beide endlich nur noch an die Sache denken, und vergessen, dass sie Freunde sind.
198
Rhythmische Opfer. — Gute Schriftsteller verändern den Rhythmus mancher Periode blos desshalb, weil sie den gewöhnlichen Lesern nicht die Fähigkeit zuerkennen, den Tact, welchem die Periode in ihrer ersten Fassung folgte, zu begreifen: desshalb erleichtern sie es ihnen, indem sie bekannteren Rhythmen den Vorzug geben.— Diese Rücksicht auf das rhythmische Unvermögen der jetzigen Leser hat schon manche Seufzer entlockt, denn ihr ist viel schon zum Opfer gefallen.— Ob es guten Musikern nicht ähnlich ergeht?
199
Das Unvollständige als künstlerisches Reizmittel. — Das Unvollständige ist oft wirksamer als die Vollständigkeit, so namentlich in der Lobrede: für ihre Zwecke braucht man gerade eine anreizende Unvollständigkeit, als ein irrationales Element, welches der Phantasie des Hörers ein Meer vorspiegelt und gleich einem Nebel die gegenüberliegende Küste, also die Begränztheit des zu lobenden Gegenstandes, verdeckt. Wenn man die bekannten Verdienste eines Menschen erwähnt und dabei ausführlich und breit ist, so lässt diess immer den Argwohn aufkommen, es seien die einzigen Verdienste. Der vollständig Lobende stellt sich über den Gelobten, er scheint ihn zu übersehen. Desshalb wirkt das Vollständige abschwächend.
200
Vorsicht im Schreiben und Lehren. — Wer erst geschrieben hat und die Leidenschaft des Schreibens in sich fühlt, lernt fast aus Allem, was er treibt und erlebt, nur Das noch heraus, was schriftstellerisch mittheilbar ist. Er denkt nicht mehr an sich, sondern an den Schriftsteller und sein Publicum; er will die Einsicht, aber nicht zum eigenen Gebrauche. Wer Lehrer ist, ist meistens unfähig, etwas Eigenes noch für sein eigenes Wohl zu treiben, er denkt immer an das Wohl seiner Schüler und jede Erkenntniss erfreut ihn nur, so weit er sie lehren kann. Er betrachtet sich zuletzt als einen Durchweg des Wissens und überhaupt als Mittel, so dass er den Ernst für sich verloren hat.
201
Schlechte Schriftsteller nothwendig. — Es wird immer schlechte Schriftsteller geben müssen, denn sie entsprechen dem Geschmack der unentwickelten, unreifen Altersclassen; diese haben so gut ihr Bedürfniss wie die reifern. Wäre das menschliche Leben länger, so würde die Zahl der reif gewordenen Individuen überwiegend oder mindestens gleich gross mit der der unreifen ausfallen; so aber sterben bei Weitem die meisten zu jung, das heisst es giebt immer viel mehr unentwickelte Intellecte mit schlechtem Geschmack. Diese begehren überdiess, mit der grösseren Heftigkeit der Jugend, nach Befriedigung ihres Bedürfnisses, und sie erzwingen sich schlechte Autoren.
202
Zu nah und zu fern. — Der Leser und der Autor verstehen sich häufig desshalb nicht, weil der Autor sein Thema zu gut kennt und es beinahe langweilig findet, so dass er sich die Beispiele erlässt, die er zu Hunderten weiss; der Leser aber ist der Sache fremd und findet sie leicht schlecht begründet, wenn ihm die Beispiele vorenthalten werden.
203
Eine verschwundene Vorbereitung zur Kunst.— An Allem, was das Gymnasium trieb, war das Werthvollste die Uebung im lateinischen Stil: diese war eben eine Kunstübung, während alle anderen Beschäftigungen nur das Wissen zum Zweck hatten. Den deutschen Aufsatz voranzustellen, ist Barbarei, denn wir haben keinen mustergültigen, an öffentlicher Beredtsamkeit emporgewachsenen deutschen Stil; will man aber durch den deutschen Aufsatz die Uebung im Denken fördern, so ist es gewiss besser, wenn man einstweilen von Stil dabei überhaupt absieht, also zwischen der Uebung im Denken und der im Darstellen scheidet. Letztere sollte sich auf mannichfache Fassung eines gegebenen Inhaltes beziehen und nicht auf selbständiges Erfinden eines Inhaltes. Die blose Darstellung bei gegebenem Inhalte war die Aufgabe des lateinischen Stils, für welchen die alten Lehrer eine längst verloren gegangene Feinheit des Gehörs besassen. Wer ehemals gut in einer modernen Sprache schreiben lernte, verdankte es dieser Uebung (jetzt muss man sich nothgedrungen zu den älteren Franzosen in die Schule schicken); aber noch mehr: er bekam einen Begriff von der Hoheit und Schwierigkeit der Form und wurde für die Kunst überhaupt auf dem einzig richtigen Wege vorbereitet, durch Praxis.
204
Dunkles und Ueberhelles neben einander. — Schriftsteller, welche im Allgemeinen ihren Gedanken keine Deutlichkeit zu geben verstehen, werden im Einzelnen mit Vorliebe die stärksten, übertriebensten Bezeichnungen und Superlative wählen: dadurch entsteht eine Lichtwirkung, wie bei Fackelbeleuchtung auf verworrenen Waldwegen.
205
Schriftstellerisches Malerthum. — Einen bedeutenden Gegenstand wird man am besten darstellen, wenn man die Farben zum Gemälde aus dem Gegenstande selber, wie ein Chemiker, nimmt und sie dann wie ein Artist verbraucht: so dass man die Zeichnung aus den Gränzen und Uebergängen der Farben erwachsen lässt. So bekommt das Gemälde Etwas von dem hinreissenden Naturelement, welches den Gegenstand selber bedeutend macht.
206
Bücher, welche tanzen lehren. — Es giebt Schriftsteller, welche dadurch, dass sie Unmögliches als möglich darstellen und vom Sittlichen und Genialen so reden, als ob beides nur eine Laune, ein Belieben sei, ein Gefühl von übermüthiger Freiheit hervorbringen, wie wenn der Mensch sich auf die Fussspitzen stellte und vor innerer Lust durchaus tanzen müsste.
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Nicht fertig gewordene Gedanken. — Ebenso wie nicht nur das Mannesalter, sondern auch Jugend und Kindheit einen Werth an sich haben und gar nicht nur als Durchgänge und Brücken zu schätzen sind, so haben auch die nicht fertig gewordenen Gedanken ihren Werth. Man muss desshalb einen Dichter nicht mit subtiler Auslegung quälen und sich an der Unsicherheit seines Horizontes vergnügen, wie als ob der Weg zu mehreren Gedanken noch offen sei. Man steht an der Schwelle; man wartet wie bei der Ausgrabung eines Schatzes: es ist, als ob ein Glücksfund von Tiefsinn eben gemacht werden sollte. Der Dichter nimmt Etwas von der Lust des Denkers beim Finden eines Hauptgedankens vorweg und macht uns damit begehrlich, so dass wir nach diesem haschen; der aber gaukelt an unserm Kopf vorüber und zeigt die schönsten Schmetterlingsflügel—und doch entschlüpft er uns.
208
Das Buch fast zum Menschen geworden. — Jeden Schriftsteller überrascht es von Neuem, wie das Buch, sobald es sich von ihm gelöst hat, ein eigenes Leben für sich weiterlebt; es ist ihm zu Muthe, als wäre der eine Theil eines Insectes losgetrennt und gienge nun seinen eigenen Weg weiter. Vielleicht vergisst er es fast ganz, vielleicht erhebt er sich über die darin niedergelegten Ansichten, vielleicht selbst versteht er es nicht mehr und hat jene Schwingen verloren, auf denen er damals flog, als er jenes Buch aussann: währenddem sucht es sich seine Leser, entzündet Leben, beglückt, erschreckt, erzeugt neue Werke, wird die Seele von Vorsätzen und Handlungen—kurz: es lebt wie ein mit Geist und Seele ausgestattetes Wesen und ist doch kein Mensch.— Das glücklichste Loos hat der Autor gezogen, welcher, als alter Mann, sagen kann, dass Alles, was von lebenzeugenden, kräftigenden, erhebenden, aufklärenden Gedanken und Gefühlen in ihm war, in seinen Schriften noch fortlebe und dass er selber nur noch die graue Asche bedeute, während das Feuer überall hin gerettet und weiter getragen sei.— Erwägt man nun gar, dass jede Handlung eines Menschen, nicht nur ein Buch, auf irgend eine Art Anlass zu anderen Handlungen, Entschlüssen, Gedanken wird, dass Alles, was geschieht, unlösbar fest sich mit Allem, was geschehen wird, verknotet, so erkennt man die wirkliche Unsterblichkeit, die es giebt, die der Bewegung: was einmal bewegt hat, ist in dem Gesammtverbande alles Seienden, wie in einem Bernstein ein Insect, eingeschlossen und verewigt.
209
Freude im Alter. — Der Denker und ebenso der Künstler, welcher sein besseres Selbst in Werke geflüchtet hat, empfindet eine fast boshafte Freude, wenn er sieht, wie sein Leib und Geist langsam von der Zeit angebrochen und zerstört werden, als ob er aus einem Winkel einen Dieb an seinem Geldschranke arbeiten sähe, während er weiss, dass dieser leer ist und alle Schätze gerettet sind.
210
Ruhige Fruchtbarkeit. — Die geborenen Aristokraten des Geistes sind nicht zu eifrig; ihre Schöpfungen erscheinen und fallen an einem ruhigen Herbstabend vom Baume, ohne hastig begehrt, gefördert, durch Neues verdrängt zu werden. Das unablässige Schaffenwollen ist gemein und zeigt Eifersucht, Neid, Ehrgeiz an. Wenn man Etwas ist, so braucht man eigentlich Nichts zu machen,—und thut doch sehr viel. Es giebt über dem "productiven" Menschen noch eine höhere Gattung.
211
Achilles und Homer.— Es ist immer wie zwischen Achilles und Homer: der Eine hat das Erlebniss, die Empfindung, der Andere beschreibt sie. Ein wirklicher Schriftsteller giebt dem Affect und der Erfahrung Anderer nur Worte, er ist Künstler, um aus dem Wenigen, was er empfunden hat, viel zu errathen. Künstler sind keineswegs die Menschen der grossen Leidenschaft, aber häufig geben sie sich als solche in der unbewussten Empfindung, dass man ihrer gemalten Leidenschaft mehr traut, wenn ihr eigenes Leben für ihre Erfahrung auf diesem Gebiete spricht. Man braucht sich ja nur gehen zu lassen, sich nicht zu beherrschen, seinem Zorn, seiner Begierde offenen Spielraum zu gönnen, sofort schreit alle Welt: wie leidenschaftlich ist er! Aber mit der tiefwühlenden, das Individuum anzehrenden und oft verschlingenden Leidenschaft hat es Etwas auf sich: wer sie erlebt, beschreibt sie gewiss nicht in Dramen, Tönen oder Romanen. Künstler sind häufig zügellose Individuen, soweit sie eben nicht Künstler sind: aber das ist etwas Anderes.
212
Alte Zweifel über die Wirkung der Kunst. — Sollten Mitleid und Furcht wirklich, wie Aristoteles will, durch die Tragödie entladen werden, so dass der Zuhörer kälter und ruhiger nach Hause zurückkehre? Sollten Geistergeschichten weniger furchtsam und abergläubisch machen? Es ist bei einigen physischen Vorgängen, zum Beispiel bei dem Liebesgenuss, wahr, dass mit der Befriedigung eines Bedürfnisses eine Linderung und zeitweilige Herabstimmung des Triebes eintritt. Aber die Furcht und das Mitleid sind nicht in diesem Sinne Bedürfnisse bestimmter Organe, welche erleichtert werden wollen. Und auf die Dauer wird selbst jeder Trieb durch Uebung in seiner Befriedigung gestärkt, trotz jener periodischen Linderungen. Es wäre möglich, dass Mitleid und Furcht in jedem einzelnen Falle durch die Tragödie gemildert und entladen würden: trotzdem könnten sie im Ganzen durch die tragische Einwirkung überhaupt grösser werden, und Plato behielte doch Recht, wenn er meint, dass man durch die Tragödie insgesammt ängstlicher und rührseliger werde. Der tragische Dichter selbst würde dann nothwendig eine düstere, furchtvolle Weltbetrachtung und eine weiche, reizbare, thränensüchtige Seele bekommen, desgleichen würde es zu Plato's Meinung stimmen, wenn die tragischen Dichter und ebenso die ganzen Stadtgemeinden, welche sich besonders an ihnen ergötzen, zu immer grösserer Maass- und Zügellosigkeit ausarten.— Aber welches Recht hat unsere Zeit überhaupt, auf die grosse Frage Plato's nach dem moralischen Einfluss der Kunst eine Antwort zu geben? Hätten wir selbst die Kunst,—wo haben wir den Einfluss, irgend einen Einfluss der Kunst?
213
Freude am Unsinn. — Wie kann der Mensch Freude am Unsinn haben? So weit nämlich auf der Welt gelacht wird, ist diess der Fall; ja man kann sagen, fast überall wo es Glück giebt, giebt es Freude am Unsinn. Das Umwerfen der Erfahrung in's Gegentheil, des Zweckmässigen in's Zwecklose, des Nothwendigen in's Beliebige, doch so, dass dieser Vorgang keinen Schaden macht und nur einmal aus Uebermuth vorgestellt wird, ergötzt, denn es befreit uns momentan von dem Zwange des Nothwendigen, Zweckmässigen und Erfahrungsgemässen, in denen wir für gewöhnlich unsere unerbittlichen Herren sehen; wir spielen und lachen dann, wenn das Erwartete (das gewöhnlich bange macht und spannt) sich, ohne zu schädigen, entladet. Es ist die Freude der Sclaven am Saturnalienfeste.
214
Veredelung der Wirklichkeit. — Dadurch, dass die Menschen in dem aphrodisischen Triebe eine Gottheit sahen und ihn mit anbetender Dankbarkeit in sich wirkend fühlten, ist im Verlaufe der Zeit jener Affect mit höheren Vorstellungsreihen durchzogen und dadurch thatsächlich sehr veredelt worden. So haben sich einige Völker, vermöge dieser Kunst des Idealisirens, aus Krankheiten grosse Hülfsmächte der Cultur geschaffen: zum Beispiel die Griechen, welche in früheren Jahrhunderten an grossen Nerven-Epidemien (in der Art der Epilepsie und des Veitstanzes) litten und daraus den herrlichen Typus der Bacchantin herausgebildet haben.— Die Griechen besassen nämlich Nichts weniger, als eine vierschrötige Gesundheit;—ihr Geheimniss war, auch die Krankheit, wenn sie nur Macht hatte, als Gott zu verehren.
215
Musik.— Die Musik ist nicht an und für sich so bedeutungsvoll für unser Inneres, so tief erregend, dass sie als unmittelbare Sprache des Gefühls gelten dürfte; sondern ihre uralte Verbindung mit der Poesie hat so viel Symbolik in die rhythmische Bewegung, in Stärke und Schwäche des Tones gelegt, dass wir jetzt wähnen, sie spräche direct zum Inneren und käme aus dem Inneren. Die dramatische Musik ist erst möglich, wenn sich die Tonkunst ein ungeheures Bereich symbolischer Mittel erobert hat, durch Lied, Oper und hundertfältige Versuche der Tonmalerei. Die "absolute Musik" ist entweder Form an sich, im rohen Zustand der Musik, wo das Erklingen in Zeitmaass und verschiedener Stärke überhaupt Freude macht, oder die ohne Poesie schon zum Verständniss redende Symbolik der Formen, nachdem in langer Entwickelung beide Künste verbunden waren und endlich die musicalische Form ganz mit Begriffs- und Gefühlsfäden durchsponnen ist. Menschen, welche in der Entwickelung der Musik zurückgeblieben sind, können das selbe Tonstück rein formalistisch empfinden, wo die Fortgeschrittenen Alles symbolisch verstehen. An sich ist keine Musik tief und bedeutungsvoll, sie spricht nicht vom "Willen," vom "Dinge an sich"; das konnte der Intellect erst in einem Zeitalter wähnen, welches den ganzen Umfang des inneren Lebens für die musicalische Symbolik erobert hatte. Der Intellect selber hat diese Bedeutsamkeit erst in den Klang hineingelegt, wie er in die Verhältnisse von Linien und Massen bei der Architektur ebenfalls Bedeutsamkeit gelegt hat, welche aber an sich den mechanischen Gesetzen ganz fremd ist.
216
Gebärde und Sprache. — Aelter als die Sprache ist das Nachmachen von Gebärden, welches unwillkürlich vor sich geht und jetzt noch, bei einer allgemeinen Zurückdrängung der Gebärdensprache und gebildeten Beherrschung der Muskeln, so stark ist, dass wir ein bewegtes Gesicht nicht ohne Innervation unseres Gesichts ansehen können (man kann beobachten, dass fingirtes Gähnen bei Einem, der es sieht, natürliches Gähnen hervorruft). Die nachgeahmte Gebärde leitete Den, der nachahmte, zu der Empfindung zurück, welche sie im Gesicht oder Körper des Nachgeahmten ausdrückte. So lernte man sich verstehen: so lernt noch das Kind die Mutter verstehen. Im Allgemeinen mögen schmerzhafte Empfindungen wohl auch durch Gebärden ausgedrückt worden sein, welche Schmerz ihrerseits verursachen (zum Beispiel durch Haar ausraufen, die-Brust-schlagen, gewaltsame Verzerrungen und Anspannungen der Gesichtsmuskeln). Umgekehrt: Gebärden der Lust waren selber lustvoll und eigneten sich dadurch leicht zum Mittheilen des Verständnisses (Lachen als Aeusserung des Gekitzeltwerdens, welches lustvoll ist, diente wiederum zum Ausdruck anderer lustvoller Empfindungen).— Sobald man sich in Gebärden verstand, konnte wiederum eine Symbolik der Gebärde entstehen: ich meine, man konnte über eine Tonzeichensprache sich verständigen, so zwar, dass man zuerst Ton und Gebärde (zu der er symbolisch hinzutrat), später nur den Ton hervorbrachte.— Es scheint sich da in früher Zeit das Selbe oftmals ereignet zu haben, was jetzt vor unseren Augen und Ohren in der Entwickelung der Musik, namentlich der dramatischen Musik, vor sich geht: während zuerst die Musik, ohne erklärenden Tanz und Mimus (Gebärdensprache), leeres Geräusch ist, wird durch lange Gewöhnung an jenes Nebeneinander von Musik und Bewegung das Ohr zur sofortigen Ausdeutung der Tonfiguren eingeschult und kommt endlich auf eine Höhe des schnellen Verständnisses, wo es der sichtbaren Bewegung gar nicht mehr bedarf und den Tondichter ohne dieselbe versteht. Man redet dann von absoluter Musik, das heisst von Musik, in der Alles ohne weitere Beihülfe sofort symbolisch verstanden wird.
217
Die Entsinnlichung der höheren Kunst. — Unsere Ohren sind, vermöge der ausserordentlichen Uebung des Intellects durch die Kunstentwickelung der neuen Musik, immer intellectualer geworden. Desshalb ertragen wir jetzt viel grössere Tonstärke, viel mehr "Lärm," weil wir viel besser eingeübt sind, auf die Vernunft in ihm hin zu horchen, als unsere Vorfahren. Thatsächlich sind nun alle unsere Sinne eben dadurch, dass sie sogleich nach der Vernunft, also nach dem "es bedeutet" und nicht mehr nach dem "es ist" fragen, etwas abgestumpft worden: wie sich eine solche Abstumpfung zum Beispiel in der unbedingten Herrschaft der Temperatur der Töne verräth; denn jetzt gehören Ohren, welche die feineren Unterscheidungen, zum Beispiel zwischen cis und des, noch machen, zu den Ausnahmen. In dieser Hinsicht ist unser Ohr vergröbert worden. Sodann ist die hässliche, den Sinnen ursprünglich feindselige Seite der Welt für die Musik erobert worden; ihr Machtbereich, namentlich zum Ausdruck des Erhabenen, Furchtbaren, Geheimnissvollen, hat sich damit erstaunlich erweitert; unsere Musik bringt jetzt Dinge zum Reden, welche früher keine Zunge hatten. In ähnlicher Weise haben einige Maler das Auge intellectualer gemacht und sind weit über Das hinausgegangen, was man früher Farben- und Formenfreude nannte. Auch hier ist die ursprünglich als hässlich geltende Seite der Welt vom künstlerischen Verstande erobert worden.— Was ist von alledem die Consequenz? je gedankenfähiger Auge und Ohr werden, um so mehr kommen sie an die Gränze, wo sie unsinnlich werden: die Freude wird in's Gehirn verlegt, die Sinnesorgane selbst werden stumpf und schwach, das Symbolische tritt immer mehr an Stelle des Seienden,—und so gelangen wir auf diesem Wege so sicher zur Barbarei, wie auf irgend einem anderen. Einstweilen heisst es noch: die Welt ist hässlicher als je, aber sie bedeutet eine schönere Welt als je gewesen. Aber je mehr der Ambraduft der Bedeutung sich zerstreut und verflüchtigt, um so seltener werden Die, welche ihn noch wahrnehmen: und die Uebrigen bleiben endlich bei dem Hässlichen stehen und suchen es direct zu geniessen, was ihnen aber immer misslingen muss. So giebt es in Deutschland eine doppelte Strömung der musicalischen Entwickelung: hier eine Schaar von Zehntausend mit immer höheren, zarteren Ansprüchen und immer mehr nach dem "es bedeutet" hinhörend, und dort die ungeheuere Ueberzahl, welche alljährlich immer unfähiger wird, das Bedeutende auch in der Form der sinnlichen Hässlichkeit zu verstehen und desshalb nach dem an sich Hässlichen und Ekelhaften, das heisst dem niedrig Sinnlichen, in der Musik mit immer mehr Behagen greifen lernt.
218
Der Stein ist mehr Stein als früher. — Wir verstehen im Allgemeinen Architektur nicht mehr, wenigstens lange nicht in der Weise, wie wir Musik verstehen. Wir sind aus der Symbolik der Linien und Figuren herausgewachsen, wie wir der Klangwirkungen der Rhetorik entwöhnt sind, und haben diese Art von Muttermilch der Bildung nicht mehr vom ersten Augenblick unseres Lebens an eingesogen. An einem griechischen oder christlichen Gebäude bedeutete ursprünglich Alles Etwas, und zwar in Hinsicht auf eine höhere Ordnung der Dinge: diese Stimmung einer unausschöpflichen Bedeutsamkeit lag um das Gebäude gleich einem zauberhaften Schleier. Schönheit kam nur nebenbei in das System hinein, ohne die Grundempfindung des Unheimlich-Erhabenen, des durch Götternähe und Magie Geweihten, wesentlich zu beeinträchtigen; Schönheit milderte höchstens das Grauen,—aber dieses Grauen war überall die Voraussetzung.— Was ist uns jetzt die Schönheit eines Gebäudes? Das Selbe wie das schöne Gesicht einer geistlosen Frau: etwas Maskenhaftes.
219
Religiöse Herkunft der neueren Musik. — Die seelenvolle Musik entsteht in dem wiederhergestellten Katholicismus nach dem tridentinischen Concil, durch Palestrina, welcher dem neu erwachten innigen und tief bewegten Geiste zum Klange verhalf; später, mit Bach, auch im Protestantismus, soweit dieser durch die Pietisten vertieft und von seinem ursprünglich dogmatischen Grundcharakter losgebunden worden war. Voraussetzung und nothwendige Vorstufe für beide Entstehungen ist die Befassung mit Musik, wie sie dem Zeitalter der Renaissance und Vor-Renaissance zu eigen war, namentlich jene gelehrte Beschäftigung mit Musik, jene im Grunde wissenschaftliche Lust an den Kunststücken der Harmonik und Stimmführung. Andererseits musste auch die Oper vorhergegangen sein: in welcher der Laie seinen Protest gegen eine zu gelehrt gewordene kalte Musik zu erkennen gab und der Polyhymnia wieder eine Seele schenken wollte.— Ohne jene tief religiöse Umstimmung, ohne das Ausklingen des innerlichst-erregten Gemüthes wäre die Musik gelehrt oder opernhaft geblieben; der Geist der Gegenreformation ist der Geist der modernen Musik (denn jener Pietismus in Bach's Musik ist auch eine Art Gegenreformation). So tief sind wir dem religiösen Leben verschuldet.— Die Musik war die Gegenrenaissance im Gebiete der Kunst, zu ihr gehört die spätere Malerei des Murillo, zu ihr vielleicht auch der Barockstil: mehr jedenfalls als die Architektur der Renaissance oder des Alterthums. Und noch jetzt dürfte man fragen: wenn unsere neuere Musik die Steine bewegen könnte, würde sie diese zu einer antiken Architektur zusammensetzen? Ich zweifle sehr. Denn Das, was in dieser Musik regiert, der Affect, die Lust an erhöhten, weit gespannten Stimmungen, das Lebendig-werden-wollen um jeden Preis, der rasche Wechsel der Empfindung, die starke Reliefwirkung in Licht und Schatten, die Nebeneinanderstellung der Ekstase und des Naiven,—das hat Alles schon einmal in den bildenden Künsten regiert und neue Stilgesetze geschaffen:—es war aber weder im Alterthum noch in der Zeit der Renaissance.
220
Das Jenseits in der Kunst. — Nicht ohne tiefen Schmerz gesteht man sich ein, dass die Künstler aller Zeiten in ihrem höchsten Aufschwunge gerade jene Vorstellungen zu einer himmlischen Verklärung hinaufgetragen haben, welche wir jetzt als falsch erkennen: sie sind die Verherrlicher der religiösen und philosophischen Irrthümer der Menschheit, und sie hätten diess nicht sein können ohne den Glauben an die absolute Wahrheit derselben. Nimmt nun der Glaube an eine solche Wahrheit überhaupt ab, verblassen die Regenbogenfarben um die äussersten Enden des menschlichen Erkennens und Wähnens: so kann jene Gattung von Kunst nie wieder aufblühen, welche, wie die divina commedia, die Bilder Rafael's, die Fresken Michelangelo's, die gothischen Münster, nicht nur eine kosmische, sondern auch eine metaphysische Bedeutung der Kunstobjecte voraussetzt. Es wird eine rührende Sage daraus werden, dass es eine solche Kunst, einen solchen Künstlerglauben gegeben habe.
221
Die Revolution in der Poesie. — Der strenge Zwang, welchen sich die französischen Dramatiker auferlegten, in Hinsicht auf Einheit der Handlung, des Ortes und der Zeit, auf Stil, Vers- und Satzbau, Auswahl der Worte und Gedanken, war eine so wichtige Schule, wie die des Contrapuncts und der Fuge in der Entwickelung der modernen Musik oder wie die Gorgianischen Figuren in der griechischen Beredtsamkeit. Sich so zu binden, kann absurd erscheinen; trotzdem giebt es kein anderes Mittel, um aus dem Naturalisiren herauszukommen, als sich zuerst auf das allerstärkste (vielleicht allerwillkürlichste) zu beschränken. Man lernt so allmählich mit Grazie selbst auf den schmalen Stegen schreiten, welche schwindelnde Abgründe überbrücken, und bringt die höchste Geschmeidigkeit der Bewegung als Ausbeute mit heim: wie die Geschichte der Musik vor den Augen aller Jetztlebenden beweist. Hier sieht man, wie Schritt vor Schritt die Fesseln lockerer werden, bis sie endlich ganz abgeworfen scheinen können: dieser Schein ist das höchste Ergebniss einer nothwendigen Entwickelung in der Kunst. In der modernen Dichtkunst gab es keine so glückliche allmähliche Herauswickelung aus den selbstgelegten Fesseln. Lessing machte die französische Form, das heisst die einzige moderne Kunstform, zum Gespött in Deutschland und verwies auf Shakespeare, und so verlor man die Stetigkeit jener Entfesselung und machte einen Sprung in den Naturalismus—das heisst in die Anfänge der Kunst zurück. Aus ihm versuchte sich Goethe zu retten, indem er sich immer von Neuem wieder auf verschiedene Art zu binden wusste; aber auch der Begabteste bringt es nur zu einem fortwährenden Experimentiren, wenn der Faden der Entwickelung einmal abgerissen ist. Schiller verdankt die ungefähre Sicherheit seiner Form dem unwillkürlich verehrten, wenn auch verleugneten Vorbilde der französischen Tragödie und hielt sich ziemlich unabhängig von Lessing (dessen dramatische Versuche er bekanntlich ablehnte). Den Franzosen selber fehlten nach Voltaire auf einmal die grossen Talente, welche die Entwickelung der Tragödie aus dem Zwange zu jenem Scheine der Freiheit fortgeführt hätten; sie machten später nach deutschem Vorbilde auch den Sprung in eine Art von Rousseau'schem Naturzustand der Kunst und experimentirten. Man lese nur von Zeit zu Zeit Voltaire's Mahomet, um sich klar vor die Seele zu stellen, was durch jenen Abbruch der Tradition ein für alle Mal der europäischen Cultur verloren gegangen ist. Voltaire war der letzte der grossen Dramatiker, welcher seine vielgestaltige, auch den grössten tragischen Gewitterstürmen gewachsene Seele durch griechisches Maass bändigte,—er vermochte Das, was noch kein Deutscher vermochte, weil die Natur des Franzosen der griechischen viel verwandter ist, als die Natur des Deutschen—; wie er auch der letzte grosse Schriftsteller war, der in der Behandlung der Prosa-Rede griechisches Ohr, griechische Künstler-Gewissenhaftigkeit, griechische Schlichtheit und Anmuth hatte; ja wie er einer der letzten Menschen gewesen ist, welche die höchste Freiheit des Geistes und eine schlechterdings unrevolutionäre Gesinnung in sich vereinigen können, ohne inconsequent und feige zu sein. Seitdem ist der moderne Geist mit seiner Unruhe, seinem Hass gegen Maass und Schranke, auf allen Gebieten zur Herrschaft gekommen, zuerst entzügelt durch das Fieber der Revolution und dann wieder sich Zügel anlegend, wenn ihn Angst und Grauen vor sich selber anwandelte,—aber die Zügel der Logik, nicht mehr des künstlerischen Maasses. Zwar geniessen wir durch jene Entfesselung eine Zeit lang die Poesien aller Völker, alles an verborgenen Stellen Aufgewachsene, Urwüchsige, Wildblühende, Wunderlich-Schöne und Riesenhaft-Unregelmässige, vom Volksliede an bis zum "grossen Barbaren" Shakespeare hinauf; wir schmecken die Freuden der Localfarbe und des Zeitcostüms, die allen künstlerischen Völkern bisher fremd waren; wir benutzen reichlich die "barbarischen Avantagen" unserer Zeit, welche Goethe gegen Schiller geltend machte, um die Formlosigkeit seines Faust in das günstigste Licht zu stellen. Aber auf wie lange noch? Die hereinbrechende Fluth von Poesien aller Stile aller Völker muss ja allmählich das Erdreich hinwegschwemmen, auf dem ein stilles verborgenes Wachsthum noch möglich gewesen wäre; alle Dichter müssen ja experimentirende Nachahmer, wagehalsige Copisten werden, mag ihre Kraft von Anbeginn noch so gross sein; das Publicum endlich, welches verlernt hat, in der Bändigung der darstellenden Kraft, in der organisirenden Bewältigung aller Kunstmittel die eigentlich künstlerische That zu sehen, muss immer mehr die Kraft um der Kraft willen, die Farbe um der Farbe willen, den Gedanken um des Gedankens willen, ja die Inspiration um der Inspiration willen schätzen, es wird demgemäss die Elemente und Bedingungen des Kunstwerks gar nicht, wenn nicht isolirt, geniessen und zu guterletzt die natürliche Forderung stellen, dass der Künstler isolirt sie ihm auch darreichen müsse. Ja, man hat die "unvernünftigen" Fesseln der französisch-griechischen Kunst abgeworfen, aber unvermerkt sich daran gewöhnt, alle Fesseln, alle Beschränkung unvernünftig zu finden;—und so bewegt sich die Kunst ihrer Auflösung entgegen und streift dabei—was freilich höchst belehrend ist—alle Phasen ihrer Anfänge, ihrer Kindheit, ihrer Unvollkommenheit, ihrer einstmaligen Wagnisse und Ausschreitungen: sie interpretirt, im Zu-Grunde-gehen, ihre Entstehung, ihr Werden. Einer der Grossen, auf dessen Instinct man sich wohl verlassen kann und dessen Theorie Nichts weiter, als ein dreissig Jahre Mehr von Praxis fehlte,—Lord Byron hat einmal ausgesprochen: "Was die Poesie im Allgemeinen anlangt, so bin ich, je mehr ich darüber nachdenke, immer fester der Ueberzeugung, dass wir allesammt auf dem falschen Wege sind, Einer wie der Andere. Wir folgen Alle einem innerlich falschen revolutionären System,—unsere oder die nächste Generation wird noch zu der selben Ueberzeugung gelangen." Es ist diess der selbe Byron, welcher sagt: "Ich betrachte Shakespeare als das schlechteste Vorbild, wenn auch als den ausserordentlichsten Dichter." Und sagt im Grunde Goethe's gereifte künstlerische Einsicht aus der zweiten Hälfte seines Lebens nicht genau das Selbe?—jene Einsicht, mit welcher er einen solchen Vorsprung über eine Reihe von Generationen gewann, dass man im Grossen und Ganzen behaupten kann, Goethe habe noch gar nicht gewirkt und seine Zeit werde erst kommen? Gerade weil seine Natur ihn lange Zeit in der Bahn der poetischen Revolution festhielt, gerade weil er am gründlichsten auskostete, was Alles indirect durch jenen Abbruch der Tradition an neuen Funden, Aussichten, Hülfsmitteln entdeckt und gleichsam unter den Ruinen der Kunst ausgegraben worden war, so wiegt seine spätere Umwandelung und Bekehrung so viel: sie bedeutet, dass er das tiefste Verlangen empfand, die Tradition der Kunst wieder zu gewinnen und den stehen gebliebenen Trümmern und Säulengängen des Tempels mit der Phantasie des Auges wenigstens die alte Vollkommenheit und Ganzheit anzudichten, wenn die Kraft des Armes sich viel zu schwach erweisen sollte, zu bauen, wo so ungeheure Gewalten schon zum Zerstören nöthig waren. So lebte er in der Kunst als in der Erinnerung an die wahre Kunst: sein Dichten war zum Hülfsmittel der Erinnerung, des Verständnisses alter, längst entrückter Kunstzeiten geworden. Seine Forderungen waren zwar in Hinsicht auf die Kraft des neuen Zeitalters unerfüllbar; der Schmerz darüber wurde aber reichlich durch die Freude aufgewogen, dass sie einmal erfüllt gewesen sind und dass auch wir noch an dieser Erfüllung theilnehmen können. Nicht Individuen, sondern mehr oder weniger idealische Masken; keine Wirklichkeit, sondern eine allegorische Allgemeinheit; Zeitcharaktere, Localfarben zum fast Unsichtbaren abgedämpft und mythisch gemacht; das gegenwärtige Empfinden und die Probleme der gegenwärtigen Gesellschaft auf die einfachsten Formen zusammengedrängt, ihrer reizenden, spannenden, pathologischen Eigenschaften entkleidet, in jedem andern als dem artistischen Sinne wirkungslos gemacht; keine neuen Stoffe und Charaktere, sondern die alten, längst gewohnten in immerfort währender Neubeseelung und Umbildung: das ist die Kunst, so wie sie Goethe später verstand, so wie sie die Griechen, ja auch die Franzosen übten.
222
Was von der Kunst übrig bleibt. — Es ist wahr, bei gewissen metaphysischen Voraussetzungen hat die Kunst viel grösseren Werth, zum Beispiel wenn der Glaube gilt, dass der Charakter unveränderlich sei und das Wesen der Welt sich in allen Charakteren und Handlungen fortwährend ausspreche: da wird das Werk des Künstlers zum Bild des ewig Beharrenden, während für unsere Auffassung der Künstler seinem Bilde immer nur Gültigkeit für eine Zeit geben kann, weil der Mensch im Ganzen geworden und wandelbar und selbst der einzelne Mensch nichts Festes und Beharrendes ist.— Ebenso steht es bei einer andern metaphysischen Voraussetzung: gesetzt, dass unsere sichtbare Welt nur Erscheinung wäre, wie es die Metaphysiker annehmen, so käme die Kunst der wirklichen Welt ziemlich nahe zu stehen: denn zwischen der Erscheinungswelt und der Traumbild-Welt des Künstlers gäbe es dann gar zu viel Aehnliches; und die übrigbleibende Verschiedenheit stellte sogar die Bedeutung der Kunst höher, als die Bedeutung der Natur, weil die Kunst das Gleichförmige, die Typen und Vorbilder der Natur darstellte.— Jene Voraussetzungen sind aber falsch: welche Stellung bleibt nach dieser Erkenntniss jetzt noch der Kunst? Vor Allem hat sie durch Jahrtausende hindurch gelehrt, mit Interesse und Lust auf das Leben in jeder Gestalt zu sehen und unsere Empfindung so weit zu bringen, dass wir endlich rufen: "wie es auch sei, das Leben, es ist gut." Diese Lehre der Kunst, Lust am Dasein zu haben und das Menschenleben wie ein Stück Natur, ohne zu heftige Mitbewegung, als Gegenstand gesetzmässiger Entwickelung anzusehen,—diese Lehre ist in uns hineingewachsen, sie kommt jetzt als allgewaltiges Bedürfniss des Erkennens wieder an's Licht. Man könnte die Kunst aufgeben, würde damit aber nicht die von ihr gelernte Fähigkeit einbüssen: ebenso wie man die Religion aufgegeben hat, nicht aber die durch sie erworbenen Gemüths-Steigerungen und Erhebungen. Wie die bildende Kunst und die Musik der Maassstab des durch die Religion wirklich erworbenen und hinzugewonnenen Gefühls-Reichthumes ist, so würde nach einem Verschwinden der Kunst die von ihr gepflanzte Intensität und Vielartigkeit der Lebensfreude immer noch Befriedigung fordern. Der wissenschaftliche Mensch ist die Weiterentwickelung des künstlerischen.
223
Abendröthe der Kunst. — Wie man sich im Alter der Jugend erinnert und Gedächtnissfeste feiert, so steht bald die Menschheit zur Kunst im Verhältniss einer rührenden Erinnerung an die Freuden der Jugend. Vielleicht dass niemals früher die Kunst so tief und seelenvoll erfasst wurde, wie jetzt, wo die Magie des Todes dieselbe zu umspielen scheint. Man denke an jene griechische Stadt in Unteritalien, welche an Einem Tage des Jahres noch ihre griechischen Feste feierte, unter Wehmuth und Thränen darüber, dass immer mehr die ausländische Barbarei über ihre mitgebrachten Sitten triumphire; niemals hat man wohl das Hellenische so genossen, nirgendswo diesen goldenen Nektar mit solcher Wollust geschlürft, als unter diesen absterbenden Hellenen. Den Künstler wird man bald als ein herrliches Ueberbleibsel ansehen und ihm, wie einem wunderbaren Fremden, an dessen Kraft und Schönheit das Glück früherer Zeiten hieng, Ehren erweisen, wie wir sie nicht leicht Unseresgleichen gönnen. Das Beste an uns ist vielleicht aus Empfindungen früherer Zeiten vererbt, zu denen wir jetzt auf unmittelbarem Wege kaum mehr kommen können; die Sonne ist schon hinuntergegangen, aber der Himmel unseres Lebens glüht und leuchtet noch von ihr her, ob wir sie schon nicht mehr sehen.
Fünftes Hauptstück. Anzeichen höherer und niederer Kultur.
224
Veredelung durch Entartung.— Aus der Geschichte ist zu lernen, dass der Stamm eines Volkes sich am besten erhält, in welchem die meisten Menschen lebendigen Gemeinsinn in Folge der Gleichheit ihrer gewohnten und undiscutirbaren Grundsätze, also in Folge ihres gemeinsamen Glaubens haben. Hier erstarkt die gute, tüchtige Sitte, hier wird die Unterordnung des Individuums gelernt und dem Charakter Festigkeit schon als Angebinde gegeben und nachher noch anerzogen. Die Gefahr dieser starken, auf gleichartige, charaktervolle Individuen gegründeten Gemeinwesen ist die allmählich durch Vererbung gesteigerte Verdummung, welche nun einmal aller Stabilität wie ihr Schatten folgt. Es sind die ungebundneren, viel unsichereren und moralisch schwächeren Individuen, an denen das geistige Fortschreiten in solchen Gemeinwesen hängt: es sind die Menschen, welche Neues und überhaupt Vielerlei versuchen. Unzählige dieser Art gehen, ihrer Schwäche wegen, ohne sehr ersichtliche Wirkung zu Grunde; aber im Allgemeinen, zumal wenn sie Nachkommen haben, lockern sie auf und bringen von Zeit zu Zeit dem stabilen Elemente eines Gemeinwesens eine Wunde bei. Gerade an dieser wunden und schwach gewordenen Stelle wird dem gesammten Wesen etwas Neues gleichsam inoculirt; seine Kraft im Ganzen muss aber stark genug sein, um dieses Neue in sein Blut aufzunehmen und sich zu assimiliren. Die abartenden Naturen sind überall da von höchster Bedeutung, wo ein Fortschritt erfolgen soll. Jedem Fortschritt im Grossen muss eine theilweise Schwächung vorhergehen. Die stärksten Naturen halten den Typus fest, die schwächeren helfen ihn fortbilden. — Etwas Aehnliches ergiebt sich für den einzelnen Menschen; selten ist eine Entartung, eine Verstümmelung, selbst ein Laster und überhaupt eine körperliche oder sittliche Einbusse ohne einen Vortheil auf einer anderen Seite. Der kränkere Mensch zum Beispiel wird vielleicht, inmitten eines kriegerischen und unruhigen Stammes, mehr Veranlassung haben, für sich zu sein und dadurch ruhiger und weiser zu werden, der Einäugige wird Ein stärkeres Auge haben, der Blinde wird tiefer in's Innere schauen und jedenfalls schärfer hören. Insofern scheint mir der berühmte Kampf um's Dasein nicht der einzige Gesichtspunct zu sein, aus dem das Fortschreiten oder Stärkerwerden eines Menschen, einer Rasse erklärt werden kann. Vielmehr muss zweierlei zusammen kommen: einmal die Mehrung der stabilen Kraft durch Bindung der Geister in Glauben und Gemeingefühl; sodann die Möglichkeit, zu höheren Zielen zu gelangen, dadurch dass entartende Naturen und, in Folge derselben, theilweise Schwächungen und Verwundungen der stabilen Kraft vorkommen; gerade die schwächere Natur, als die zartere und freiere, macht alles Fortschreiten überhaupt möglich. Ein Volk, das irgendwo anbröckelt und schwach wird, aber im Ganzen noch stark und gesund ist, vermag die Infection des Neuen aufzunehmen und sich zum Vortheil einzuverleiben. Bei dem einzelnen Menschen lautet die Aufgabe der Erziehung so: ihn so fest und sicher hinzustellen, dass er als Ganzes gar nicht mehr aus seiner Bahn abgelenkt werden kann. Dann aber hat der Erzieher ihm Wunden beizubringen oder die Wunden, welche das Schicksal ihm schlägt, zu benutzen, und wenn so der Schmerz und das Bedürfniss entstanden sind, so kann auch in die verwundeten Stellen etwas Neues und Edles inoculirt werden. Seine gesammte Natur wird es in sich hineinnehmen und später, in ihren Früchten, die Veredelung spüren lassen.— Was den Staat betrifft, so sagt Macchiavelli, dass "die Form der Regierungen von sehr geringer Bedeutung ist, obgleich halbgebildete Leute anders denken. Das grosse Ziel der Staatskunst sollte Dauer sein, welche alles Andere aufwiegt, indem sie weit werthvoller ist, als Freiheit". Nur bei sicher begründeter und verbürgter grösster Dauer ist stetige Entwickelung und veredelnde Inoculation überhaupt möglich. Freilich wird gewöhnlich die gefährliche Genossin aller Dauer, die Autorität, sich dagegen wehren.
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Freigeist ein relativer Begriff. — Man nennt Den einen Freigeist, welcher anders denkt, als man von ihm auf Grund seiner Herkunft, Umgebung, seines Standes und Amtes oder auf Grund der herrschenden Zeitansichten erwartet. Er ist die Ausnahme, die gebundenen Geister sind die Regel; diese werfen ihm vor, dass seine freien Grundsätze ihren Ursprung entweder in der Sucht, aufzufallen, haben oder gar auf freie Handlungen, das heisst auf solche, welche mit der gebundenen Moral unvereinbar sind, schliessen lassen. Bisweilen sagt man auch, diese oder jene freien Grundsätze seien aus Verschrobenheit und Ueberspanntheit des Kopfes herzuleiten; doch spricht so nur die Bosheit, welche selber an Das nicht glaubt, was sie sagt, aber damit schaden will: denn das Zeugniss für die grössere Güte und Schärfe seines Intellectes ist dem Freigeist gewöhnlich in's Gesicht geschrieben, so lesbar, dass es die gebundenen Geister gut genug verstehen. Aber die beiden andern Ableitungen der Freigeisterei sind redlich gemeint; in der That entstehen auch viele Freigeister auf die eine oder die andere Art. Desshalb könnten aber die Sätze, zu denen sie auf jenen Wegen gelangten, doch wahrer und zuverlässiger sein, als die der gebundenen Geister. Bei der Erkenntniss der Wahrheit kommt es darauf an, dass man sie hat, nicht darauf, aus welchem Antrieb man sie gesucht, auf welchem Wege man sie gefunden hat. Haben die Freigeister Recht, so haben die gebundenen Geister Unrecht, gleichgültig, ob die ersteren aus Unmoralität zur Wahrheit gekommen sind, die anderen aus Moralität bisher an der Unwahrheit festgehalten haben.— Uebrigens gehört es nicht zum Wesen des Freigeistes, dass er richtigere Ansichten hat, sondern vielmehr, dass er sich von dem Herkömmlichen gelöst hat, sei es mit Glück oder mit einem Misserfolg. Für gewöhnlich wird er aber doch die Wahrheit oder mindestens den Geist der Wahrheitsforschung auf seiner Seite haben: er fordert Gründe, die Anderen Glauben.
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Herkunft des Glaubens. — Der gebundene Geist nimmt seine Stellung nicht aus Gründen ein, sondern aus Gewöhnung; er ist zum Beispiel Christ, nicht weil er die Einsicht in die verschiedenen Religionen und die Wahl zwischen ihnen gehabt hätte; er ist Engländer, nicht weil er sich für England entschieden hat, sondern er fand das Christenthum und das Engländerthum vor und nahm sie an ohne Gründe, wie Jemand, der in einem Weinlande geboren wurde, ein Weintrinker wird. Später, als er Christ und Engländer war, hat er vielleicht auch einige Gründe zu Gunsten seiner Gewöhnung ausfindig gemacht; man mag diese Gründe umwerfen, damit wirft man ihn in seiner ganzen Stellung nicht um. Man nöthige zum Beispiel einen gebundenen Geist, seine Gründe gegen die Bigamie vorzubringen, dann wird man erfahren, ob sein heiliger Eifer für die Monogamie auf Gründen oder auf Angewöhnung beruht. Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe nennt man Glauben.
227
Aus den Folgen auf Grund und Ungrund zurückgeschlossen. — Alle Staaten und Ordnungen der Gesellschaft: die Stände, die Ehe, die Erziehung, das Recht, alles diess hat seine Kraft und Dauer allein in dem Glauben der gebundenen Geister an sie,—also in der Abwesenheit der Gründe, mindestens in der Abwehr des Fragens nach Gründen. Das wollen die gebundenen Geister nicht gern zugeben und sie fühlen wohl, dass es ein Pudendum ist. Das Christenthum, das sehr unschuldig in seinen intellectuellen Einfällen war, merkte von diesem Pudendum Nichts, forderte Glauben und Nichts als Glauben und wies das Verlangen nach Gründen mit Leidenschaft ab; es zeigte auf den Erfolg des Glaubens hin: ihr werdet den Vortheil des Glaubens schon spüren, deutete es an, ihr sollt durch ihn selig werden. Thatsächlich verfährt der Staat ebenso und jeder Vater erzieht in gleicher Weise seinen Sohn: halte diess nur für wahr, sagt er, du wirst spüren, wie gut diess thut. Diess bedeutet aber, dass aus dem persönlichen Nutzen, den eine Meinung einträgt, ihre Wahrheit erwiesen werden soll, die Zuträglichkeit einer Lehre soll für die intellectuelle Sicherheit und Begründetheit Gewähr leisten. Es ist diess so, wie wenn der Angeklagte vor Gericht spräche: mein Vertheidiger sagt die ganze Wahrheit, denn seht nur zu, was aus seiner Rede folgt: ich werde freigesprochen.— Weil die gebundenen Geister ihre Grundsätze ihres Nutzens wegen haben, so vermuthen sie auch beim Freigeist, dass er mit seinen Ansichten ebenfalls seinen Nutzen suche und nur Das für wahr halte, was ihm gerade frommt. Da ihm aber das Entgegengesetzte von dem zu nützen scheint, was seinen Landes- oder Standesgenossen nützt, so nehmen diese an, dass seine Grundsätze ihnen gefährlich sind; sie sagen oder fühlen: er darf nicht Recht haben, denn er ist uns schädlich.
228
Der starke, gute Charakter. — Die Gebundenheit der Ansichten, durch Gewöhnung zum Instinct geworden, führt zu dem, was man Charakterstärke nennt. Wenn Jemand aus wenigen, aber immer aus den gleichen Motiven handelt, so erlangen seine Handlungen eine grosse Energie; stehen diese Handlungen im Einklange mit den Grundsätzen der gebundenen Geister, so werden sie anerkannt und erzeugen nebenbei in Dem, der sie thut, die Empfindung des guten Gewissens. Wenige Motive, energisches Handeln und gutes Gewissen machen Das aus, was man Charakterstärke nennt. Dem Charakterstarken fehlt die Kenntniss der vielen Möglichkeiten und Richtungen des Handelns; sein Intellect ist unfrei, gebunden, weil er ihm in einem gegebenen Falle vielleicht nur zwei Möglichkeiten zeigt; zwischen diesen muss er jetzt gemäss seiner ganzen Natur mit Nothwendigkeit wählen, und er thut diess leicht und schnell, weil er nicht zwischen fünfzig Möglichkeiten zu wählen hat. Die erziehende Umgebung will jeden Menschen unfrei machen, indem sie ihm immer die geringste Zahl von Möglichkeiten vor Augen stellt. Das Individuum wird von seinen Erziehern behandelt, als ob es zwar etwas Neues sei, aber eine Wiederholung werden solle. Erscheint der Mensch zunächst als etwas Unbekanntes, nie Dagewesenes, so soll er zu etwas Bekanntem, Dagewesenem gemacht werden. Einen guten Charakter nennt man an einem Kinde das Sichtbarwerden der Gebundenheit durch das Dagewesene; indem das Kind sich auf die Seite der gebundenen Geister stellt, bekundet es zuerst seinen erwachenden Gemeinsinn; auf der Grundlage dieses Gemeinsinns aber wird es später seinem Staate oder Stande nützlich.
229
Maass der Dinge bei den gebundenen Geistern. — Von vier Gattungen der Dinge sagen die gebundenen Geister, sie seien im Rechte. Erstens: alle Dinge, welche Dauer haben, sind im Recht; zweitens: alle Dinge, welche uns nicht lästig fallen, sind im Recht; drittens: alle Dinge, welche uns Vortheil bringen, sind im Recht; viertens: alle Dinge, für welche wir Opfer gebracht haben, sind im Recht. Letzteres erklärt zum Beispiel, wesshalb ein Krieg, der wider Willen des Volkes begonnen wurde, mit Begeisterung fortgeführt wird, sobald erst Opfer gebracht sind.— Die Freigeister, welche ihre Sache vor dem Forum der gebundenen Geister führen, haben nachzuweisen, dass es immer Freigeister gegeben hat, also dass die Freigeisterei Dauer hat, sodann, dass sie nicht lästig fallen wollen, und endlich, dass sie den gebundenen Geistern im Ganzen Vortheil bringen; aber weil sie von diesem Letzten die gebundenen Geister nicht überzeugen können, nützt es ihnen Nichts, den ersten und zweiten Punct bewiesen zu haben.
230
Esprit fort. — Verglichen mit Dem, welcher das Herkommen auf seiner Seite hat und keine Gründe für sein Handeln braucht, ist der Freigeist immer schwach, namentlich im Handeln; denn er kennt zu viele Motive und Gesichtspuncte und hat desshalb eine unsichere, ungeübte Hand. Welche Mittel giebt es nun, um ihn doch verhältnissmässig stark zu machen, so dass er sich wenigstens durchsetzt und nicht wirkungslos zu Grunde geht? Wie entsteht der starke Geist (esprit fort)? Es ist diess in einem einzelnen Falle die Frage nach der Erzeugung des Genius'. Woher kommt die Energie, die unbeugsame Kraft, die Ausdauer, mit welcher der Einzelne, dem Herkommen entgegen, eine ganz individuelle Erkenntniss der Welt zu erwerben trachtet?
231
Die Entstehung des Genie's. — Der Witz des Gefangenen, mit welchem er nach Mitteln zu seiner Befreiung sucht, die kaltblütigste und langwierigste Benützung jedes kleinsten Vortheils kann lehren, welcher Handhabe sich mitunter die Natur bedient, um das Genie—ein Wort, das ich bitte, ohne allen mythologischen und religiösen Beigeschmack zu verstehen—zu Stande zu bringen: sie fängt es in einen Kerker ein und reizt seine Begierde, sich zu befreien, auf das äusserste.— Oder mit einem anderen Bilde: Jemand, der sich auf seinem Wege im Walde völlig verirrt hat, aber mit ungemeiner Energie nach irgend einer Richtung hin in's Freie strebt, entdeckt mitunter einen neuen Weg, welchen Niemand kennt: so entstehen die Genies, denen man Originalität nachrühmt.— Es wurde schon erwähnt, dass eine Verstümmelung, Verkrüppelung, ein erheblicher Mangel eines Organs häufig die Veranlassung dazu giebt, dass ein anderes Organ sich ungewöhnlich gut entwickelt, weil es seine eigene Function und noch eine andere zu versehen hat. Hieraus ist der Ursprung mancher glänzenden Begabung zu errathen.— Aus diesen allgemeinen Andeutungen über die Entstehung des Genius' mache man die Anwendung auf den speciellen Fall, die Entstehung des vollkommenen Freigeistes.
232
Vermuthung über den Ursprung der Freigeisterei. — Ebenso wie die Gletscher zunehmen, wenn in den Aequatorialgegenden die Sonne mit grösserer Gluth als früher auf die Meere niederbrennt, so mag auch wohl eine sehr starke, um sich greifende Freigeisterei Zeugniss dafür sein, dass irgendwo die Gluth der Empfindung ausserordentlich gewachsen ist.
233
Die Stimme der Geschichte. — Im Allgemeinen scheint die Geschichte über die Erzeugung des Genius' folgende Belehrung zu geben: misshandelt und quält die Menschen,—so ruft sie den Leidenschaften Neid, Hass und Wetteifer zu—treibt sie zum Aeussersten, den Einen wider den Andern, das Volk gegen das Volk, und zwar durch Jahrhunderte hindurch, dann flammt vielleicht, gleichsam aus einem bei Seite fliegenden Funken der dadurch entzündeten furchtbaren Energie, auf einmal das Licht des Genius' empor; der Wille, wie ein Ross durch den Sporn des Reiters wild gemacht, bricht dann aus und springt auf ein anderes Gebiet über.— Wer zum Bewusstsein über die Erzeugung des Genius' käme und die Art, wie die Natur gewöhnlich verfährt, auch praktisch durchführen wollte, würde gerade so böse und rücksichtslos wie die Natur sein müssen.— Aber vielleicht haben wir uns verhört.
234
Werth der Mitte des Wegs. — Vielleicht ist die Erzeugung des Genius' nur einem begränzten Zeitraume der Menschheit vorbehalten. Denn man darf von der Zukunft der Menschheit nicht zugleich alles Das erwarten, was ganz bestimmte Bedingungen irgend welcher Vergangenheit allein hervorzubringen vermochten; zum Beispiel nicht die erstaunlichen Wirkungen des religiösen Gefühles. Dieses selbst hat seine Zeit gehabt und vieles sehr Gute kann nie wieder wachsen, weil es allein aus ihm wachsen konnte. So wird es nie wieder einen religiös umgränzten Horizont des Lebens und der Cultur geben. Vielleicht ist selbst der Typus des Heiligen nur bei einer gewissen Befangenheit des Intellectes möglich, mit der es, wie es scheint, für alle Zukunft vorbei ist. Und so ist die Höhe der Intelligenz vielleicht einem einzelnen Zeitalter der Menschheit aufgespart gewesen: sie trat hervor—und tritt hervor, denn wir leben noch in diesem Zeitalter—, als eine ausserordentliche, lang angesammelte Energie des Willens sich ausnahmsweise auf geistige Ziele durch Vererbung übertrug. Es wird mit jener Höhe vorbei sein, wenn diese Wildheit und Energie nicht mehr gross gezüchtet werden. Die Menschheit kommt vielleicht auf der Mitte ihres Weges, in der mittleren Zeit ihrer Existenz, ihrem eigentlichen Ziele näher, als am Ende. Es könnten Kräfte, durch welche zum Beispiel die Kunst bedingt ist, geradezu aussterben; die Lust am Lügen, am Ungenauen, am Symbolischen, am Rausche, an der Ekstase könnte in Missachtung kommen. Ja, ist das Leben erst im vollkommenen Staate geordnet, so ist aus der Gegenwart gar kein Motiv zur Dichtung mehr zu entnehmen, und es würden allein die zurückgebliebenen Menschen sein, welche nach dichterischer Unwirklichkeit verlangten. Diese würden dann jedenfalls mit Sehnsucht rückwärts schauen, nach den Zeiten des unvollkommenen Staates, der halb-barbarischen Gesellschaft nach unseren Zeiten.
235
Genius und idealer Staat in Widerspruch. — Die Socialisten begehren für möglichst Viele ein Wohlleben herzustellen. Wenn die dauernde Heimath dieses Wohllebens, der vollkommene Staat, wirklich erreicht wäre, so würde durch dieses Wohlleben der Erdboden, aus dem der grosse Intellect und überhaupt das mächtige Individuum wächst, zerstört sein: ich meine die starke Energie. Die Menschheit würde zu matt geworden sein, wenn dieser Staat erreicht ist, um den Genius noch erzeugen zu können. Müsste man somit nicht wünschen, dass das Leben seinen gewaltsamen Charakter behalte und dass immer von Neuem wieder wilde Kräfte und Energien hervorgerufen werden? Nun will das warme, mitfühlende Herz gerade die Beseitigung jenes gewaltsamen und wilden Charakters, und das wärmste Herz, das man sich denken kann, würde eben darnach am leidenschaftlichsten verlangen: während doch gerade seine Leidenschaft aus jenem wilden und gewaltsamen Charakter des Lebens ihr Feuer, ihre Wärme, ja ihre Existenz genommen hat; das wärmste Herz will also Beseitigung seines Fundamentes, Vernichtung seiner selbst, das heisst doch: es will etwas Unlogisches, es ist nicht intelligent. Die höchste Intelligenz und das wärmste Herz können nicht in einer Person beisammen sein, und der Weise, welcher über das Leben das Urtheil spricht, stellt sich auch über die Güte und betrachtet diese nur als Etwas, das bei der Gesammtrechnung des Lebens mit abzuschätzen ist. Der Weise muss jenen ausschweifenden Wünschen der unintelligenten Güte widerstreben, weil ihm an dem Fortleben seines Typus' und an dem endlichen Entstehen des höchsten Intellectes gelegen ist; mindestens wird er der Begründung des "vollkommenen Staates" nicht förderlich sein, insofern in ihm nur ermattete Individuen Platz haben. Christus dagegen, den wir uns einmal als das wärmste Herz denken wollen, förderte die Verdummung der Menschen, stellte sich auf die Seite der geistig Armen und hielt die Erzeugung des grössten Intellectes auf: und diess war consequent. Sein Gegenbild, der vollkommene Weise—diess darf man wohl vorhersagen—wird ebenso nothwendig der Erzeugung eines Christus hinderlich sein.— Der Staat ist eine kluge Veranstaltung zum Schutz der Individuen gegen einander: übertreibt man seine Veredelung, so wird zuletzt das Individuum durch ihn geschwächt, ja aufgelöst,—also der ursprüngliche Zweck des Staates am gründlichsten vereitelt.
236
Die Zonen der Cultur. — Man kann gleichnissweise sagen, dass die Zeitalter der Cultur den Gürteln der verschiedenen Klimate entsprechen, nur dass diese hinter einander und nicht, wie die geographischen Zonen, neben einander liegen. Im Vergleich mit der gemässigten Zone der Cultur, in welche überzugehen unsere Aufgabe ist, macht die vergangene im Ganzen und Grossen den Eindruck eines tropischen Klima's. Gewaltsame Gegensätze, schroffer Wechsel von Tag und Nacht, Gluth und Farbenpracht, die Verehrung alles Plötzlichen, Geheimnissvollen, Schrecklichen, die Schnelligkeit der hereinbrechenden Unwetter, überall das verschwenderische Ueberströmen der Füllhörner der Natur: und dagegen, in unserer Cultur, ein heller, doch nicht leuchtender Himmel, reine, ziemlich gleich verbleibende Luft, Schärfe, ja Kälte gelegentlich: so heben sich beide Zonen gegen einander ab. Wenn wir dort sehen, wie die wüthendsten Leidenschaften durch metaphysische Vorstellungen mit unheimlicher Gewalt niedergerungen und zerbrochen werden, so ist es uns zu Muthe, als ob vor unsern Augen in den Tropen wilde Tiger unter den Windungen ungeheurer Schlangen zerdrückt würden; unserem geistigen Klima fehlen solche Vorkommnisse, unsere Phantasie ist gemässigt, selbst im Traume kommt uns Das nicht bei, was frühere Völker im Wachen sahen. Aber sollten wir über diese Veränderung nicht glücklich sein dürfen, selbst zugegeben, dass die Künstler durch das Verschwinden der tropischen Cultur wesentlich beeinträchtigt sind und uns Nicht-Künstler ein Wenig zu nüchtern finden? Insofern haben Künstler wohl das Recht, den "Fortschritt" zu leugnen, denn in der That: ob die letzten drei Jahrtausende in den Künsten einen fortschreitenden Verlauf zeigen, das lässt sich mindestens bezweifeln; ebenso wird ein metaphysischer Philosoph, wie Schopenhauer, keinen Anlass haben, den Fortschritt zu erkennen, wenn er die letzten vier Jahrtausende in Bezug auf metaphysische Philosophie und Religion überblickt.— Uns gilt aber die Existenz der gemässigten Zone der Cultur selbst als Fortschritt.
237
Renaissance und Reformation. — Die italiänische Renaissance bar—in sich alle die positiven Gewalten, welchen man die moderne Cultur verdankt—also Befreiung des Gedankens, Missachtung der Autoritäten, Sieg der Bildung über den Dünkel der Abkunft,—Begeisterung für die Wissenschaft und die wissenschaftliche Vergangenheit der Menschen, Entfesselung des Individuums, eine Gluth der Wahrhaftigkeit und Abneigung gegen Schein und blosen Effect (welche Gluth in einer ganzen Fülle künstlerischer Charaktere hervorloderte, die Vollkommenheit in ihren Werken und Nichts als Vollkommenheit mit höchster sittlicher Reinheit von sich forderten); ja, die Renaissance hatte positive Kräfte, welche in unserer bisherigen modernen Cultur noch nicht wieder so mächtig geworden sind. Es war das goldene Zeitalter dieses Jahrtausends, trotz aller Flecken und Laster. Dagegen hebt sich nun die deutsche Reformation ab als ein energischer Protest zurückgebliebener Geister, welche die Weltanschauung des Mittelalters noch keineswegs satt hatten und die Zeichen seiner Auflösung, die ausserordentliche Verflachung und Veräusserlichung des religiösen Lebens, anstatt mit Frohlocken, wie sich gebührt, mit tiefem Unmuthe empfanden. Sie warfen mit ihrer nordischen Kraft und Halsstarrigkeit die Menschen wieder zurück, erzwangen die Gegenreformation, das heisst ein katholisches Christenthum der Nothwehr, mit den Gewaltsamkeiten eines Belagerungszustandes und verzögerten um zwei bis drei Jahrhunderte ebenso das völlige Erwachen und Herrschen der Wissenschaften, als sie das völlige In-Eins-Verwachsen des antiken und des modernen Geistes vielleicht für immer unmöglich machten. Die grosse Aufgabe der Renaissance konnte nicht zu Ende gebracht werden, der Protest des inzwischen zurückgebliebenen deutschen Wesens (welches im Mittelalter Vernunft genug gehabt hatte, um immer und immer wieder zu seinem Heile über die Alpen zu steigen) verhinderte diess. Es lag in dem Zufall einer ausserordentlichen Constellation der Politik, dass damals Luther erhalten blieb und jener Protest Kraft gewann: denn der Kaiser schützte ihn, um seine Neuerung gegen den Papst als Werkzeug des Druckes zu verwenden, und ebenfalls begünstigte ihn im Stillen der Papst, um die protestantischen Reichsfürsten als Gegengewicht gegen den Kaiser zu benutzen. Ohne diess seltsame Zusammenspiel der Absichten wäre Luther verbrannt worden wie Huss—und die Morgenröthe der Aufklärung vielleicht etwas früher und mit schönerem Glanze, als wir jetzt ahnen können, aufgegangen.
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Gerechtigkeit gegen den werdenden Gott. — Wenn sich die ganze Geschichte der Cultur vor den Blicken aufthut als ein Gewirr von bösen und edlen, wahren und falschen Vorstellungen und es Einem beim Anblick dieses Wellenschlags fast seekrank zu Muthe wird, so begreift man, was für ein Trost in der Vorstellung eines werdenden Gottes liegt: dieser enthüllt sich immer mehr in den Verwandelungen und Schicksalen der Menschheit, es ist nicht Alles blinde Mechanik, sinn- und zweckloses Durcheinanderspielen von Kräften. Die Vergottung des Werdens ist ein metaphysischer Ausblick—gleichsam von einem Leuchtthurm am Meere der Geschichte herab—, an welchem eine allzuviel historisirende Gelehrtengeneration ihren Trost fand; darüber darf man nicht böse werden, so irrthümlich jene Vorstellung auch sein mag. Nur wer, wie Schopenhauer, die Entwickelung leugnet, fühlt auch Nichts von dem Elend dieses historischen Wellenschlags und darf desshalb, weil er von jenem werdenden Gotte und dem Bedürfniss seiner Annahme Nichts weiss, Nichts fühlt, billigerweise seinen Spott auslassen.
239
Die Früchte nach der Jahreszeit. — Jede bessere Zukunft, welche man der Menschheit anwünscht, ist nothwendigerweise auch in manchem Betracht eine schlechtere Zukunft: denn es ist Schwärmerei, zu glauben, dass eine höhere neue Stufe der Menschheit alle die Vorzüge früherer Stufen in sich vereinigen werde und zum Beispiel auch die höchste Gestaltung der Kunst erzeugen müsse. Vielmehr hat jede Jahreszeit ihre Vorzüge und Reize für sich und schliesst die der anderen aus. Das, was aus der Religion und in ihrer Nachbarschaft gewachsen ist, kann nicht wieder wachsen, wenn diese zerstört ist; höchstens können verirrte, spät kommende Absenker zur Täuschung darüber verleiten, ebenso wie die zeitweilig ausbrechende Erinnerung an die alte Kunst: ein Zustand, der wohl das Gefühl des Verlustes, der Entbehrung verräth, aber kein Beweis für die Kraft ist, aus der eine neue Kunst geboren werden könnte.
240
Zunehmende Severität der Welt. — je höher die Cultur eines Menschen steigt, um so mehr Gebiete entziehen sich dem Scherz, dem Spotte. Voltaire war für die Erfindung der Ehe und der Kirche von Herzen dem Himmel dankbar: als welcher damit so gut für unsere Aufheiterung gesorgt habe. Aber er und seine Zeit, und vor ihm das sechszehnte Jahrhundert, haben diese Themen zu Ende gespottet; es ist Alles, was jetzt Einer auf diesem Gebiete noch witzelt, verspätet und vor Allem gar zu wohlfeil, als dass es die Käufer begehrlich machen könnte. Jetzt fragt man nach den Ursachen; es ist das Zeitalter des Ernstes. Wem liegt jetzt noch daran, die Differenzen zwischen Wirklichkeit und anspruchsvollem Schein, zwischen dem, was der Mensch ist und was er vorstellen will, in scherzhaftem Lichte zu sehen; das Gefühl dieser Contraste wirkt alsbald ganz anders, wenn man nach den Gründen sucht. Je gründlicher Jemand das Leben versteht, desto weniger wird er spottet, nur dass er zuletzt vielleicht noch über die "Gründlichkeit seines Verstehens" spottet.
241
Genius der Cultur. — Wenn Jemand einen Genius der Cultur imaginiren wollte, wie würde dieser beschaffen sein? Er handhabt die Lüge, die Gewalt, den rücksichtslosesten Eigennutz so sicher als seine Werkzeuge, dass er nur ein böses dämonisches Wesen zu nennen wäre; aber seine Ziele, welche hie und da durchleuchten, sind gross und gut. Es ist ein Centaur, halb Thier, halb Mensch und hat noch Engelsflügel dazu am Haupte.
242
Wunder-Erziehung. — Das Interesse in der Erziehung wird erst von dem Augenblick an grosse Stärke bekommen, wo man den Glauben an einen Gott und seine Fürsorge aufgiebt: ebenso wie die Heilkunst erst erblühen konnte, als der Glaube an Wunder-Curen aufhörte. Bis jetzt glaubt aber alle Welt noch an die Wunder-Erziehung: aus der grössten Unordnung, Verworrenheit der Ziele, Ungunst der Verhältnisse sah man ja die fruchtbarsten, mächtigsten Menschen erwachsen: wie konnte diess doch mit rechten Dingen zugehen?—jetzt wird man, bald auch in diesen Fällen, näher zusehen, sorgsamer prüfen: Wunder wird man dabei niemals entdecken. Unter gleichen Verhältnissen gehen fortwährend zahlreiche Menschen zu Grunde, das einzelne gerettete Individuum ist dafür gewöhnlich stärker geworden, weil es diese schlimmen Umstände vermöge unverwüstlicher eingeborener Kraft ertrug und diese Kraft noch geübt und vermehrt hat: so erklärt sich das Wunder. Eine Erziehung, welche an kein Wunder mehr glaubt, wird auf dreierlei zu achten haben: erstens, wie viel Energie ist vererbt? zweitens, wodurch kann noch neue Energie entzündet werden? drittens, wie kann das Individuum jenen so überaus vielartigen Ansprüchen der Cultur angepasst werden, ohne dass diese es beunruhigen und seine Einartigkeit zersplittern,—kurz, wie kann das Individuum in den Contrapunct der privaten und öffentlichen Cultur eingereiht werden, wie kann es zugleich die Melodie führen und als Melodie begleiten?
243
Die Zukunft des Arztes. — Es giebt jetzt keinen Beruf, der eine so hohe Steigerung zuliesse, wie der des Arztes; namentlich nachdem die geistlichen Aerzte, die sogenannten Seelsorger ihre Beschwörungskünste nicht mehr unter öffentlichem Beifall treiben dürfen und ein Gebildeter ihnen aus dem Wege geht. Die höchste geistige Ausbildung eines Arztes ist jetzt nicht erreicht, wenn er die besten neuesten Methoden kennt und auf sie eingeübt ist und jene fliegenden Schlüsse von Wirkungen auf Ursachen zu machen versteht, derentwegen die Diagnostiker berühmt sind: er muss ausserdem eine Beredtsamkeit haben, die sich jedem Individuum anpasst und ihm das Herz aus dem Leibe zieht, eine Männlichkeit, deren Anblick schon den Kleinmuth (den Wurmfrass aller Kranken) verscheucht, eine Diplomaten-Geschmeidigkeit im Vermitteln zwischen Solchen, welche Freude zu ihrer Genesung nöthig haben und Solchen, die aus Gesundheitsgründen Freude machen müssen (und können), die Feinheit eines Polizeiagenten und Advocaten, die Geheimnisse einer Seele zu verstehen, ohne sie zu verrathen,—kurz ein guter Arzt bedarf jetzt der Kunstgriffe und Kunstvorrechte aller andern Berufsclassen: so ausgerüstet, ist er dann im Stande, der ganzen Gesellschaft ein Wohlthäter zu werden, durch Vermehrung guter Werke, geistiger Freude und Fruchtbarkeit, durch Verhütung von bösen Gedanken, Vorsätzen, Schurkereien (deren ekler Quell so häufig der Unterleib ist), durch Herstellung einer geistig-leiblichen Aristokratie (als Ehestifter und Eheverhinderer), durch wohlwollende Abschneidung aller sogenannten Seelenqualen und Gewissensbisse: so erst wird er aus einem "Medicinmann" ein Heiland und braucht doch keine Wunder zu thun, hat auch nicht nöthig, sich kreuzigen zu lassen.
244
In der Nachbarschaft des Wahnsinns. — Die Summe der Empfindungen, Kenntnisse, Erfahrungen, also die ganze Last der Cultur, ist so gross geworden, dass eine Ueberreizung der Nerven- und Denkkräfte die allgemeine Gefahr ist, ja dass die cultivirten Classen der europäischen Länder durchweg neurotisch sind und fast jede ihrer grösseren Familien in einem Gliede dem Irrsinn nahe gerückt ist. Nun kommt man zwar der Gesundheit jetzt auf alle Weise entgegen; aber in der Hauptsache bleibt eine Verminderung jener Spannung des Gefühls, jener niederdrückenden Cultur-Last vonnöthen, welche, wenn sie selbst mit schweren Einbussen erkauft werden sollte, uns doch zu der grossen Hoffnung einer neuen Renaissance Spielraum giebt. Man hat dem Christenthum, den Philosophen, Dichtern, Musikern eine Ueberfülle tief erregter Empfindungen zu danken: damit diese uns nicht überwuchern, müssen wir den Geist der Wissenschaft beschwören, welcher im Ganzen etwas kälter und skeptischer macht und namentlich den Gluthstrom des Glaubens an letzte endgültige Wahrheiten abkühlt; er ist vornehmlich durch das Christenthum so wild geworden.
245
Glockenguss der Cultur. — Die Cultur ist entstanden wie eine Glocke, innerhalb eines Mantels von gröberem, gemeinerem Stoffe: Unwahrheit, Gewaltsamkeit, unbegränzte Ausdehnung aller einzelnen Ich's, aller einzelnen Völker, waren dieser Mantel. Ist es an der Zeit, ihn jetzt abzunehmen? Ist das Flüssige erstarrt, sind die guten, nützlichen Triebe, die Gewohnheiten des edleren Gemüthes so sicher und allgemein geworden, dass es keiner Anlehnung an Metaphysik und die Irrthümer der Religionen mehr bedarf, keiner Härten und Gewaltsamkeiten als mächtigster Bindemittel zwischen Mensch und Mensch, Volk und Volk?— Zur Beantwortung dieser Frage ist kein Wink eines Gottes uns mehr hülfreich: unsere eigene Einsicht muss da entscheiden. Die Erdregierung des Menschen im Grossen hat der Mensch selber in die Hand zu nehmen, seine "Allwissenheit" muss über dem weiteren Schicksal der Cultur mit scharfem Auge wachen.
246
Die Cyklopen der Cultur. — Wer jene zerfurchten Kessel sieht, in denen Gletscher gelagert haben, hält es kaum für möglich, dass eine Zeit kommt, wo an der selben Stelle ein Wiesen- und Waldthal mit Bächen darin sich hinzieht. So ist es auch in der Geschichte der Menschheit; die wildesten Kräfte brechen Bahn, zunächst zerstörend, aber trotzdem war ihre Thätigkeit nöthig, damit später eine mildere Gesittung hier ihr Haus aufschlage. Die schrecklichen Energien—Das, was man das Böse nennt—sind die cyklopischen Architekten und Wegebauer der Humanität.
247
Kreislauf des Menschenthums. — Vielleicht ist das ganze Menschenthum nur eine Entwickelungsphase einer bestimmten Thierart von begränzter Dauer. so dass der Mensch aus dem Affen geworden ist und wieder zum Affen werden wird, während Niemand da ist, der an diesem verwunderlichen Komödienausgang irgend ein Interesse nehme. So wie mit dem Verfalle der römischen Cultur und seiner wichtigsten Ursache, der Ausbreitung des Christenthums, eine allgemeine Verhässlichung des Menschen innerhalb des römischen Reiches überhand nahm, so könnte auch durch den einstmaligen Verfall der allgemeinen Erdcultur eine viel höher gesteigerte Verhässlichung und endlich Verthierung des Menschen, bis in's Affenhafte, herbeigeführt werden.— Gerade weil wir diese Perspective in's Auge fassen können, sind wir vielleicht im Stande, einem solchen Ende der Zukunft vorzubeugen.
248
Trostrede eines desperaten Fortschritts. — Unsere Zeit macht den Eindruck eines Interim-Zustandes; die alten Weltbetrachtungen, die alten Culturen sind noch theilweise vorhanden, die neuen noch nicht sicher und gewohnheitsmässig und daher ohne Geschlossenheit und Consequenz. Es sieht aus, als ob Alles chaotisch würde, das Alte verloren gienge, das Neue nichts tauge und immer schwächlicher werde. Aber so geht es dem Soldaten, welcher marschiren lernt; er ist eine Zeit lang unsicherer und unbeholfener als je, weil die Muskeln bald nach dem alten System, bald nach dem neuen bewegt werden und noch keines entschieden den Sieg behauptet. Wir schwanken, aber es ist nöthig, dadurch nicht ängstlich zu werden und das Neu-Errungene etwa preiszugeben. Ueberdiess können wir in's Alte nicht zurück, wir haben die Schiffe verbrannt; es bleibt nur übrig, tapfer zu sein, mag nun dabei diess oder jenes herauskommen.— Schreiten wir nur zu, kommen wir nur von der Stelle! Vielleicht sieht sich unser Gebahren doch einmal wie Fortschritt an; wenn aber nicht, so mag Friedrich's des Grossen Wort auch zu uns gesagt sein und zwar zum Troste: Ah, mon cher Sulzer, vous ne connaissez pas assez cette race maudite, ä laquelle nous appartenons.
249
An der Vergangenheit der Cultur leiden. — Wer sich das Problem der Cultur klar gemacht hat, leidet dann an einem ähnlichen Gefühle wie Der, welcher einen durch unrechtmässige Mittel erworbenen Reichthum ererbt hat, oder wie der Fürst, der durch Gewaltthat seiner Vorfahren regiert. Er denkt mit Trauer an seinen Ursprung und ist oft beschämt, oft reizbar. Die ganze Summe von Kraft, Lebenswillen, Freude, welche er seinem Besitze zuwendet, balancirt sich oft mit einer tiefen Müdigkeit: er kann seinen Ursprung nicht vergessen. Die Zukunft sieht er wehmüthig an, seine Nachkommen, er weiss es voraus, werden an der Vergangenheit leiden wie er.
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Manieren. — Die guten Manieren verschwinden in dem Maasse, in welchem der Einfluss des Hofes und einer abgeschlossenen Aristokratie nachlässt: man kann diese Abnahme von Jahrzehnt zu Jahrzehnt deutlich beobachten, wenn man ein Auge für die öffentlichen Acte hat: als welche ersichtlich immer pöbelhafter werden. Niemand versteht mehr, auf geistreiche Art zu huldigen und zu schmeicheln; daraus ergiebt sich die lächerliche Thatsache, dass man in Fällen, wo man gegenwärtig Huldigungen darbringen muss (zum Beispiel einem grossen Staatsmanne oder Künstler), die Sprache des tiefsten Gefühls, der treuherzigen, ehrenfesten Biederkeit borgt—aus Verlegenheit und Mangel an Geist und Grazie. So scheint die öffentliche festliche Begegnung der Menschen immer ungeschickter, aber gefühlvoller und biederer, ohne diess zu sein.— Sollte es aber mit den Manieren immerfort bergab gehen? Es scheint mir vielmehr, dass die Manieren eine tiefe Curve machen und wir uns ihrem niedrigsten Stande nähern. Wenn erst die Gesellschaft ihrer Absichten und Principien sicherer geworden ist, so dass diese formbildend wirken (während jetzt die angelernten Manieren früherer formbildender Zustände immer schwächer vererbt und angelernt werden), so wird es Manieren des Umgangs, Gebärden und Ausdrücke des Verkehrs geben, welche so nothwendig und schlicht natürlich erscheinen müssen, als es diese Absichten und Principien sind. Die bessere Vertheilung der Zeit und Arbeit, die zur Begleiterin jeder schönen Mussezeit umgewandelte gymnastische Uebung, das vermehrte und strenger gewordene Nachdenken, welches selbst dem Körper Klugheit und Geschmeidigkeit giebt, bringt diess Alles mit sich.— Hier könnte man nun freilich mit einigem Spotte unserer Gelehrten gedenken, ob denn sie, die doch Vorläufer jener neuen Cultur sein wollen, sich in der That durch bessere Manieren auszeichnen? Es ist diess wohl nicht der Fall, obgleich ihr Geist willig genug dazu sein mag: aber ihr Fleisch ist schwach. Die Vergangenheit ist noch zu mächtig in ihren Muskeln: sie stehen noch in einer unfreien Stellung und sind zur Hälfte weltliche Geistliche, zur Hälfte abhängige Erzieher vornehmer Leute und Stände, und überdiess durch Pedanterie der Wissenschaft, durch veraltete geistlose Methoden verkrüppelt und unlebendig gemacht. Sie sind also, jedenfalls ihrem Körper nach und oft auch zu Dreiviertel ihres Geistes, immer noch die Höflinge einer alten, ja greisenhaften Cultur und als solche selber greisenhaft; der neue Geist, der gelegentlich in diesen alten Gehäusen rumort, dient einstweilen nur dazu, sie unsicherer und ängstlicher zu machen. In ihnen gehen sowohl die Gespenster der Vergangenheit, als die Gespenster der Zukunft um: was Wunder, wenn sie dabei nicht die beste Miene machen, nicht die gefälligste Haltung haben?
251
Zukunft der Wissenschaft.— Die Wissenschaft giebt Dem, welcher in ihr arbeitet und sucht, viel Vergnügen, Dem, welcher ihre Ergebnisse lernt, sehr wenig. Da allmählich aber alle wichtigen Wahrheiten der Wissenschaft alltäglich und gemein werden müssen, so hört auch dieses wenige Vergnügen auf: so wie wir beim Lernen des so bewunderungswürdigen Einmaleins längst aufgehört haben, uns zu freuen. Wenn nun die Wissenschaft immer weniger Freude durch sich macht und immer mehr Freude, durch Verdächtigung der tröstlichen Metaphysik, Religion und Kunst, nimmt: so verarmt jene grösste Quelle der Lust, welcher die Menschheit fast ihr gesammtes Menschenthum verdankt. Desshalb muss eine höhere Cultur dem Menschen ein Doppelgehirn, gleichsam zwei Hirnkammern geben, einmal um Wissenschaft, sodann um Nicht-Wissenschaft zu empfinden: neben einander liegend, ohne Verwirrung, trennbar, abschliessbar; es ist diess eine Forderung der Gesundheit. Im einen Bereiche liegt die Kraftquelle, im anderen der Regulator: mit Illusionen, Einseitigkeiten, Leidenschaften muss geheizt werden, mit Hülfe der erkennenden Wissenschaft muss den bösartigen und gefährlichen Folgen einer Ueberheizung vorgebeugt werden.— Wird dieser Forderung der höheren Cultur nicht genügt, so ist der weitere Verlauf der menschlichen Entwickelung fast mit Sicherheit vorherzusagen: das Interesse am Wahren hört auf, je weniger es Lust gewährt; die Illusion, der Irrthum, die Phantastik erkämpfen sich Schritt um Schritt, weil sie mit Lust verbunden sind, ihren ehemals behaupteten Boden: der Ruin der Wissenschaften, das Zurücksinken in Barbarei ist die nächste Folge; von Neuem muss die Menschheit wieder anfangen, ihr Gewebe zu weben, nachdem sie es, gleich Penelope, des Nachts zerstört hat. Aber wer bürgt uns dafür, dass sie immer wieder die Kraft dazu findet?
252
Die Lust am Erkennen. — Wesshalb ist das Erkennen, das Element des Forschers und Philosophen, mit Lust verknüpft? Erstens und vor Allem, weil man sich dabei seiner Kraft bewusst wird, also aus dem selben Grunde, aus dem gymnastische Uebungen auch ohne Zuschauer lustvoll sind. Zweitens, weil man, im Verlauf der Erkenntniss, über ältere Vorstellungen und deren Vertreter, hinauskommt, Sieger wird oder wenigstens es zu sein glaubt. Drittens, weil wir uns durch eine noch so kleine neue Erkenntniss über Alle erhaben und uns als die Einzigen fühlen, welche hierin das Richtige wissen. Diese drei Gründe zur Lust sind die wichtigsten, doch giebt es, je nach der Natur des Erkennenden, noch viele Nebengründe.— Ein nicht unbeträchtliches Verzeichniss von solchen giebt, an einer Stelle, wo man es nicht suchen würde, meine paraenetische Schrift über Schopenhauer: mit deren Aufstellungen sich jeder erfahrene Diener der Erkenntniss zufrieden geben kann, sei es auch, dass er den ironischen Anflug, der auf jenen Seiten zu liegen scheint, wegwünschen wird. Denn wenn es wahr ist, dass zum Entstehen des Gelehrten "eine Menge sehr menschlicher Triebe und Triebchen zusammengegossen werden muss," dass der Gelehrte zwar ein sehr edles, aber kein reines Metall ist und "aus einem verwickelten Geflecht sehr verschiedener Antriebe und Reize besteht": so gilt doch das Selbe ebenfalls von Entstehung und Wesen des Künstlers, Philosophen, moralischen Genie's—und wie die in jener Schrift glorificirten grossen Namen lauten. Alles Menschliche verdient in Hinsicht auf seine Entstehung die ironische Betrachtung: desshalb ist die Ironie in der Welt so überflüssig.
253
Treue als Beweis der Stichhaltigkeit.— Es ist ein vollkommenes Zeichen für die Güte einer Theorie, wenn ihr Urheber vierzig Jahre lang kein Misstrauen gegen sie bekommt; aber ich behaupte, dass es noch keinen Philosophen gegeben hat, welcher auf die Philosophie, die seine Jugend erfand, nicht endlich mit Geringschätzung—mindestens mit Argwohn—herabgesehen hätte.— Vielleicht hat er aber nicht öffentlich von dieser Umstimmung gesprochen, aus Ehrsucht oder—wie es bei edlen Naturen wahrscheinlicher ist—aus zarter Schonung seiner Anhänger.
254
Zunahme des Interessanten. — Im Verlaufe der höheren Bildung wird dem Menschen Alles interessant, er weiss die belehrende Seite einer Sache rasch zu finden und den Punct anzugeben, wo eine Lücke seines Denkens mit ihr ausgefüllt oder ein Gedanke durch sie bestätigt werden kann. Dabei verschwindet immer mehr die Langeweile, dabei auch die übermässige Erregbarkeit des Gemüthes. Er geht zuletzt wie ein Naturforscher unter Pflanzen, so unter Menschen herum und nimmt sich selber als ein Phänomen wahr, welches nur seinen erkennenden Trieb stark anregt.
255
Aberglauben im Gleichzeitigen. — Etwas Gleichzeitiges hängt zusammen, meint man. Ein Verwandter stirbt in der Ferne, zu gleicher Zeit träumen wir von ihm,—also! Aber zahllose Verwandte sterben und wir träumen nicht von ihnen. Es ist wie bei den Schiffbrüchigen, welche Gelübde thun: man sieht später im Tempel die Votivtafeln Derer, welche zu Grunde giengen, nicht.— Ein Mensch stirbt, eine Eule krächzt, eine Uhr steht still, alles in Einer Nachtstunde: sollte da nicht ein Zusammenhang sein? Eine solche Vertraulichkeit mit der Natur, wie diese Ahnung sie annimmt, schmeichelt den Menschen.— Diese Gattung des Aberglaubens findet sich in verfeinerter Form bei Historikern und Culturmalern wieder, welche vor allem sinnlosen Nebeneinander, an dem doch das Leben der Einzelnen und der Völker so reich ist, eine Art Wasserscheu zu haben pflegen.
256
Das Können, nicht das Wissen, durch die Wissenschaft geübt.— Der Werth davon, dass man zeitweilig eine strenge Wissenschaft streng betrieben hat, beruht nicht gerade auf deren Ergebnissen: denn diese werden, im Verhältniss zum Meere des Wissenswerthen, ein verschwindend kleiner Tropfen sein. Aber es ergiebt einen Zuwachs an Energie, an Schlussvermögen, an Zähigkeit der Ausdauer; man hat gelernt, einen Zweck zweckmässig zu erreichen. Insofern ist es sehr schätzbar, in Hinsicht auf Alles, was man später treibt, einmal ein wissenschaftlicher Mensch gewesen zu sein.
257
Jugendreiz der Wissenschaft. — Das Forschen nach Wahrheit hat jetzt noch den Reiz, dass sie sich überall stark gegen den grau und langweilig gewordenen Irrthum abhebt; dieser Reiz verliert sich immer mehr; jetzt zwar leben wir noch im Jugendzeitalter der Wissenschaft und pflegen der Wahrheit wie einem schönen Mädchen nachzugehen; wie aber, wenn sie eines Tages zum ältlichen, mürrisch blickenden Weibe geworden ist? Fast in allen Wissenschaften ist die Grundeinsicht entweder erst in jüngster Zeit gefunden oder wird noch gesucht; wie anders reizt diess an, als wenn alles Wesentliche gefunden ist und nur noch eine kümmerliche Herbstnachlese dem Forscher übrig bleibt (welche Empfindung man in einigen historischen Disciplinen kennen lernen kann).
258
Die Statue der Menschheit. — Der Genius der Cultur verfährt wie Cellini, als dieser den Guss seiner Perseus-Statue machte: die flüssige Masse drohte, nicht auszureichen, aber sie sollte es: so warf er Schüsseln und Teller und was ihm sonst in die Hände kam, hinein. Und ebenso wirft jener Genius Irrthümer, Laster, Hoffnungen, Wahnbilder und andere Dinge von schlechterem wie von edlerem Metalle hinein, denn die Statue der Menschheit muss herauskommen und fertig werden; was liegt daran, dass hie und da geringerer Stoff verwendet wurde?
259
Eine Cultur der Männer. — Die griechische Cultur der classischen Zeit ist eine Cultur der Männer. Was die Frauen anlangt, so sagt Perikles in der Grabrede Alles mit den Worten: sie seien am besten, wenn unter Männern so wenig als möglich von ihnen gesprochen werde.— Die erotische Beziehung der Männer zu den Jünglingen war in einem, unserem Verständniss unzugänglichen Grade die nothwendige, einzige Voraussetzung aller männlichen Erziehung (ungefähr wie lange Zeit alle höhere Erziehung der Frauen bei uns erst durch die Liebschaft und Ehe herbeigeführt wurde), aller Idealismus der Kraft der griechischen Natur warf sich auf jenes Verhältniss, und wahrscheinlich sind junge Leute niemals wieder so aufmerksam, so liebevoll, so durchaus in Hinsicht auf ihr Bestes (virtus) behandelt worden, wie im sechsten und fünften Jahrhundert,—also gemäss dem schönen Spruche Hölderlin's "denn liebend giebt der Sterbliche vom Besten." Je höher dieses Verhältniss genommen wurde, um so tiefer sank der Verkehr mit der Frau: der Gesichtspunct der Kindererzeugung und der Wollust—Nichts weiter kam hier in Betracht; es gab keinen geistigen Verkehr, nicht einmal eine eigentliche Liebschaft. Erwägt man ferner, dass sie selbst vom Wettkampfe und Schauspiele jeder Art ausgeschlossen waren, so bleiben nur die religiösen Culte als einzige höhere Unterhaltung der Weiber.— Wenn man nun allerdings in der Tragödie Elektra und Antigone vorführte, so ertrug man diess eben in der Kunst, obschon man es im Leben nicht mochte: so wie wir jetzt alles Pathetische im Leben nicht vertragen, aber in der Kunst gern sehen.— Die Weiber hatten weiter keine Aufgabe, als Schöne, machtvolle Leiber hervorzubringen, in denen der Charakter des Vaters möglichst ungebrochen weiter lebte, und damit der überhand nehmenden Nervenüberreizung einer so hochentwickelten Cultur entgegenzuwirken. Diess hielt die griechische Cultur verhältnissmässig so lange jung; denn in den griechischen Müttern kehrte immer wieder der griechische Genius zur Natur zurück.
260
Das Vorurtheil Zu Gunsten der Grösse. — Die Menschen überschätzen ersichtlich alles Grosse und Hervorstechende. Diess kommt aus der bewussten oder unbewussten Einsicht her, dass sie es sehr nützlich finden, wenn Einer alle Kraft auf Ein Gebiet wirft und aus sich gleichsam Ein monströses Organ macht. Sicherlich ist dem Menschen selber eine gleichmässige Ausbildung seiner Kräfte nützlicher und glückbringender; denn jedes Talent ist ein Vampyr, welcher den übrigen Kräften Blut und Kraft aussaugt, und eine übertriebene Production kann den begabtesten Menschen fast zur Tollheit bringen. Auch innerhalb der Künste erregen die extremen Naturen viel zu sehr die Aufmerksamkeit; aber es ist auch eine viel geringere Cultur nöthig, um von ihnen sich fesseln zu lassen. Die Menschen unterwerfen sich aus Gewohnheit Allem, was Macht haben will.
261
Die Tyrannen des Geistes. — Nur wohin der Strahl des mythus fällt, da leuchtet das Leben der Griechen; sonst ist es düster. Nun berauben sich die griechischen Philosophen eben dieses Mythus': ist es nicht, als ob sie aus dem Sonnenschein sich in den Schatten, in die Düsterkeit setzen wollten? Aber keine Pflanze geht dem Lichte aus dem Wege; im Grunde suchten jene Philosophen nur eine hellere Sonne, der Mythus war ihnen nicht rein, nicht leuchtend genug. Sie fanden diess Licht in ihrer Erkenntniss, in dem, was Jeder von ihnen seine "Wahrheit" nannte. Damals aber hatte die Erkenntniss noch einen grösseren Glanz; sie war noch jung und wusste noch wenig von allen Schwierigkeiten und Gefahren ihrer Pfade; sie konnte damals noch hoffen, mit einem einzigen Sprung an den Mittelpunct alles Seins zu kommen und von dort aus das Räthsel der Welt zu lösen. Diese Philosophen hatten—einen handfesten Glauben an sich und ihre "Wahrheit" und warfen mit ihr alle ihre Nachbarn und Vorgänger nieder; Jeder von ihnen war ein streitbarer gewaltthätiger Tyrann. Vielleicht war das Glück im Glauben an den Besitz der Wahrheit nie grösser in der Welt, aber auch nie die Härte, der Uebermuth, das Tyrannische und Böse eines solchen Glaubens. Sie waren Tyrannen, also Das, was jeder Grieche sein wollte und was jeder war, wenn er es sein konnte. Vielleicht macht nur Solon eine Ausnahme; in seinen Gedichten sagt er es, wie er die persönliche Tyrannis verschmäht habe. Aber er that es aus Liebe zu seinem Werke, zu seiner Gesetzgebung; und Gesetzgeber sein ist eine sublimirtere Form des Tyrannenthums. Auch Parmenides gab Gesetze, wohl auch Pythagoras und Empedokles; Anaximander gründete eine Stadt. Plato war der fleischgewordene Wunsch, der höchste philosophische Gesetzgeber und Staatengründer zu werden; er scheint schrecklich an der Nichterfüllung seines Wesens gelitten zu haben, und seine Seele wurde gegen sein Ende hin voll der schwärzesten Galle. Je mehr das griechische Philosophenthum an Macht verlor, um so mehr litt es innerlich durch diese Galligkeit und Schmähsucht; als erst die verschiedenen Secten ihre Wahrheiten auf den Strassen verfochten, da waren die Seelen aller dieser Freier der Wahrheit durch Eifer- und Geifersucht völlig verschlammt, das tyrannische Element wüthete jetzt als Gift in ihrem Körper. Diese vielen kleinen Tyrannen hätten sich roh fressen mögen; es war kein Funke mehr von Liebe und allzuwenig Freude an ihrer eigenen Erkenntniss in ihnen übrig geblieben.— Ueberhaupt gilt der Satz, dass Tyrannen meistens ermordet werden und dass ihre Nachkommenschaft kurz lebt, auch von den Tyrannen des Geistes. Ihre Geschichte ist kurz, gewaltsam, ihre Nachwirkung bricht plötzlich ab. Fast von allen grossen Hellenen kann man sagen, dass sie zu spät gekommen scheinen, so von Aeschylus, von Pindar, von Demosthenes, von Thukydides; ein Geschlecht nach ihnen—und dann ist es immer völlig vorbei. Das ist das Stürmische und Unheimliche in der griechischen Geschichte. Jetzt zwar bewundert man das Evangelium der Schildkröte. Geschichtlich denken heisst jetzt fast so viel, als ob zu allen Zeiten nach dem Satze Geschichte gemacht worden wäre: "möglichst wenig in möglichst langer Zeit!" Ach, die griechische Geschichte läuft so rasch! Es ist nie wieder so verschwenderisch, so maasslos gelebt worden. Ich kann mich nicht überzeugen, dass die Geschichte der Griechen jenen natürlichen Verlauf genommen habe, der so an ihr gerühmt wird. Sie waren viel zu mannichfach begabt dazu, um in jener schrittweisen Manier allmählich zu sein, wie es die Schildkröte im Wettlauf mit Achilles ist: und das nennt man ja natürliche Entwickelung. Bei den Griechen geht es schnell vorwärts, aber eben so schnell abwärts; die Bewegung der ganzen Maschine ist so gesteigert, dass ein einziger Stein, in ihre Räder geworfen, sie zerspringen macht. Ein solcher Stein war zum Beispiel Sokrates; in einer Nacht war die bis dahin so wunderbar regelmässige, aber freilich allzu schleunige Entwickelung der philosophischen Wissenschaft zerstört. Es ist keine müssige Frage, ob nicht Plato, von der sokratischen Verzauberung frei geblieben, einen noch höheren Typus des philosophischen Menschen gefunden hätte, der uns auf immer verloren ist. Man sieht in die Zeiten vor ihm wie in einer Bildner-Werkstätte solcher Typen hinein. Das sechste und fünfte Jahrhundert scheint aber doch noch mehr und Höheres zu verheissen, als es selber hervorgebracht hat; aber es blieb bei dem Verheissen und Ankündigen. Und doch giebt es kaum einen schwereren Verlust, als den Verlust eines Typus', einer neuen, bis dahin unentdeckt gebliebenen höchsten Möglichkeit des philosophischen Lebens. Selbst von den älteren Typen sind die meisten schlecht überliefert; es scheinen mir alle Philosophen von Thales bis Demokrit ausserordentlich schwer erkennbar; wem es aber gelingt, diese Gestalten nachzuschaffen, der wandelt unter Gebilden von mächtigstem und reinstem Typus. Diese Fähigkeit ist freilich selten, sie fehlte selbst den späteren Griechen, welche sich mit der Kunde der älteren Philosophie befassten; Aristoteles zumal scheint seine Augen nicht im Kopfe zu haben, wenn er vor den Bezeichneten steht. Und so scheint es, als ob diese herrlichen Philosophen umsonst gelebt hätten oder als ob sie gar nur die streit- und redelustigen Schaaren der sokratischen Schulen hätten vorbereiten sollen. Es ist hier, wie gesagt, eine Lücke, ein Bruch in der Entwickelung; irgend ein grosses Unglück muss geschehen sein und die einzige Statue, an welcher man Sinn und Zweck jener grossen bildnerischen Vorübung erkannt haben würde, zerbrach oder misslang: was eigentlich geschehen ist, ist für immer ein Geheimniss der Werkstätte geblieben.— Das, was bei den Griechen sich ereignete—dass jeder grosse Denker im Glauben daran, Besitzer der absoluten Wahrheit zu sein, zum Tyrannen wurde, so dass auch die Geschichte des Geistes bei den Griechen jenen gewaltsamen, übereilten und gefährlichen Charakter bekommen hat, den ihre politische Geschichte zeigt—diese Art von Ereignissen war damit nicht erschöpft: es hat sich vieles Gleiche bis in die neueste Zeit hinein begeben, obwohl allmählich seltener und jetzt schwerlich mehr mit dem reinen naiven Gewissen der griechischen Philosophen. Denn im Ganzen redet jetzt die Gegenlehre und die Skepsis zu mächtig, zu laut. Die Periode der Tyrannen des Geistes ist vorbei. In den Sphären der höheren Cultur wird es freilich immer eine Herrschaft geben müssen,—aber diese Herrschaft liegt von jetzt ab in den Händen der Oligarchen des Geistes. Sie bilden, trotz aller räumlichen und politischen Trennung, eine zusammengehörige Gesellschaft, deren Mitglieder sich erkennen und anerkennen, was auch die öffentliche Meinung und die Urtheile der auf die Masse wirkenden Tages- und Zeitschriftsteller für Schätzungen der Gunst oder Abgunst in Umlauf bringen mögen. Die geistige Ueberlegenheit, welche früher trennte und verfeindete, pflegt jetzt zu binden: wie könnten die Einzelnen sich selbst behaupten und auf eigener Bahn, allen Strömungen entgegen, durch das Leben schwimmen, wenn sie nicht ihres Gleichen hier und dort unter gleichen Bedingungen leben sähen und deren Hand ergriffen, im Kampfe eben so sehr gegen den ochlokratischen Charakter des Halbgeistes und der Halbbildung, als gegen die gelegentlichen Versuche, mit Hülfe der Massenwirkung eine Tyrannei aufzurichten? Die Oligarchen sind einander nöthig, sie haben an einander ihre beste Freude, sie verstehen ihre Abzeichen,—aber trotzdem ist ein Jeder von ihnen frei, er kämpft und siegt an seiner Stelle und geht lieber unter, als sich zu unterwerfen.
262
Homer. — Die grösste Thatsache in der griechischen Bildung bleibt doch die, dass Homer so frühzeitig panhellenisch wurde. Alle geistige und menschliche Freiheit, welche die Griechen erreichten, geht auf diese Thatsache zurück. Aber zugleich ist es das eigentliche Verhängniss der griechischen Bildung gewesen, denn Homer verflachte, indem er centralisirte, und löste die ernsteren Instincte der Unabhängigkeit auf. Von Zeit zu Zeit erhob sich aus dem tiefsten Grunde des Hellenischen der Widerspruch gegen Homer; aber er blieb immer siegreich. Alle grossen geistigen Mächte üben neben ihrer befreienden Wirkung auch eine unterdrückende aus; aber freilich ist es ein Unterschied, ob Homer oder die Bibel oder die Wissenschaft die Menschen tyrannisiren.
263
Begabung. — In einer so hoch entwickelten Menschheit, wie die jetzige ist, bekommt von Natur Jeder den Zugang zu vielen Talenten mit. Jeder hat angeborenes Talent, aber nur Wenigen ist der Grad von Zähigkeit, Ausdauer, Energie angeboren und anerzogen, so dass er wirklich ein Talent wird, also wird, was er ist, das heisst: es in Werken und Handlungen entladet.
264
Der Geistreiche entweder überschätzt oder unterschätzt. — Unwissenschaftliche, aber begabte Menschen schätzen jedes Anzeichen von Geist, sei es nun, dass er auf wahrer oder falscher Fährte ist; sie wollen vor Allem, dass der Mensch, der mit ihnen verkehrt, sie gut mit seinem Geist unterhalte, sie ansporne, entflamme, zu Ernst und Scherz fortreisse und jedenfalls vor der Langenweile als kräftigstes Amulet schütze. Die wissenschaftlichen Naturen wissen dagegen, dass die Begabung, allerhand Einfälle zu haben, auf das strengste durch den Geist der Wissenschaft gezügelt werden müsse; nicht Das, was glänzt, scheint, erregt, sondern die oft unscheinbare Wahrheit ist die Frucht, welche er vom Baum der Erkenntniss zu schütteln wünscht. Er darf, wie Aristoteles, zwischen "Langweiligen" und "Geistreichen" keinen Unterschied machen, sein Dämon führt ihn durch die Wüste ebenso wie durch tropische Vegetation, damit er überall nur an dem Wirklichen, Haltbaren, Aechten seine Freude habe.— Daraus ergiebt sich, bei unbedeutenden Gelehrten, eine Missachtung und Verdächtigung des Geistreichen überhaupt, und wiederum haben geistreiche Leute häufig eine Abneigung gegen die Wissenschaft: wie zum Beispiel fast alle Künstler.
265
Die Vernunft in der Schule. — Die Schule hat keine wichtigere Aufgabe, als strenges Denken, vorsichtiges Urtheilen, consequentes Schliessen zu lehren: desshalb hat sie von allen Dingen abzusehen, die nicht für diese Operationen tauglich sind, zum Beispiel von der Religion. Sie kann ja darauf rechnen, dass menschliche Unklarheit, Gewöhnung und Bedürfniss später doch wieder den Bogen des allzustraffen Denkens abspannen. Aber so lange ihr Einfluss reicht, soll sie Das erzwingen, was das Wesentliche und Auszeichnende am Menschen ist—"Vernunft und Wissenschaft des Menschen allerhöchste Kraft"—wie wenigstens Goethe urtheilt.— Der grosse Naturforscher von Baer findet die Ueberlegenheit aller Europäer im Vergleich zu Asiaten in der eingeschulten Fähigkeit, dass sie Gründe für Das, was sie glauben, angeben können, wozu Diese aber völlig unfähig sind. Europa ist in die Schule des consequenten und kritischen Denkens gegangen, Asien weiss immer noch nicht zwischen Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden und ist sich nicht bewusst, ob seine Ueberzeugungen aus eigener Beobachtung und regelrechtem Denken oder aus Phantasien stammen.— Die Vernunft in der Schule hat Europa zu Europa gemacht: im Mittelalter war es auf dem Wege, wieder zu einem Stück und Anhängsel Asiens zu werden,—also den wissenschaftlichen Sinn, welchen es den Griechen verdankte, einzubüssen.
266
Unterschätzte Wirkung des gymnasialen Unterrichts. — Man sucht den Werth des Gymnasiums selten in den Dingen, welche wirklich dort gelernt und von ihm unverlierbar heimgebracht werden, sondern in denen, welche man lehrt, welche der Schüler sich aber nur mit Widerwillen aneignet, um sie, so schnell er darf, von sich abzuschütteln. Das Lesen der Classiker—das giebt jeder Gebildete zu—ist so, wie es überall getrieben wird, eine monströse Procedur: vor jungen Menschen, welche in keiner Beziehung dazu reif sind, von Lehrern, welche durch jedes Wort, oft durch ihr Erscheinen schon einen Mehlthau über einen guten Autor legen. Aber darin liegt der Werth, der gewöhnlich verkannt wird,—dass diese Lehrer die abstracte Sprache der höhern Cultur reden, schwerfällig und schwer zum Verstehen, wie sie ist, aber eine hohe Gymnastik des Kopfes; dass Begriffe, Kunstausdrücke, Methoden, Anspielungen in ihrer Sprache fortwährend vorkommen, welche die jungen Leute im Gespräche ihrer Angehörigen und auf der Gasse fast nie hören. Wenn die Schüler nur hören, so wird ihr Intellect zu einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise unwillkürlich präformirt. Es ist nicht möglich, aus dieser Zucht völlig unberührt von der Abstraction als reines Naturkind herauszukommen.
267
Viele Sprachen lernen. — Viele Sprachen lernen füllt das Gedächtniss mit Worten, statt mit Thatsachen und Gedanken, aus, während diess ein Behältniss ist, welches bei jedem Menschen nur eine bestimmt begränzte Masse von Inhalt aufnehmen kann. Sodann schadet das Lernen vieler Sprachen, insofern es den Glauben, Fertigkeiten zu haben, erweckt und thatsächlich auch ein gewisses verführerisches Ansehen im Verkehre verleiht; es schadet sodann auch indirect dadurch, dass es dem Erwerben gründlicher Kenntnisse und der Absicht, auf redliche Weise die Achtung der Menschen zu verdienen, entgegenwirkt. Endlich ist es die Axt, welche dem feineren Sprachgefühl innerhalb der Muttersprache an die Wurzel gelegt wird: diess wird dadurch unheilbar beschädigt und zu Grunde gerichtet. Die beiden Völker, welche die grössten Stilisten erzeugten, Griechen und Franzosen, lernten keine fremden Sprachen.— Weil aber der Verkehr der Menschen immer kosmopolitischer werden muss, und zum Beispiel ein rechter Kaufmann in London jetzt schon sich in acht Sprachen schriftlich und mündlich verständlich zu machen hat, so ist freilich das Viele-Sprachen-lernen ein nothwendiges Uebel; welches aber zuletzt zum Aeussersten kommend, die Menschheit zwingen wird, ein Heilmittel zu finden: und in irgend einer fernen Zukunft wird es eine neue Sprache, zuerst als Handelssprache, dann als Sprache des geistigen Verkehres überhaupt, für Alle geben, so gewiss, als es einmal Luft-Schifffahrt giebt. Wozu hätte auch die Sprachwissenschaft ein Jahrhundert lang die Gesetze der Sprache studirt und das Nothwendige, Werthvolle, Gelungene an jeder einzelnen Sprache abgeschätzt!
268
Zur Kriegsgeschichte des Individuums. — Wir finden in ein einzelnes Menschenleben, welches durch mehrere Culturen geht, den Kampf zusammengedrängt, welcher sich sonst zwischen zwei Generationen, zwischen Vater und Sohn, abspielt: die Nähe der Verwandtschaft verschärft diesen Kampf, weil jede Partei schonungslos das ihr so gut bekannte Innere der anderen Partei mit hineinzieht; und so wird dieser Kampf im einzelnen Individuum am erbittertsten sein; hier schreitet jede neue Phase über die früheren mit grausamer Ungerechtigkeit und Verkennung von deren Mitteln und Zielen hinweg.
269
Um eine Viertelstunde früher. — Man findet gelegentlich Einen, der mit seinen Ansichten über seiner Zeit steht, aber doch nur um so viel, dass er die Vulgäransichten des nächsten Jahrzehnts vorwegnimmt. Er hat die öffentliche Meinung eher, als sie öffentlich ist, das heisst: er ist einer Ansicht, die es verdient trivial zu werden, eine Viertelstunde eher in die Arme gefallen, als Andere. Sein Ruhm pflegt aber viel lauter zu sein, als der Ruhm der wirklichen Grossen und Ueberlegenen.
270
Die Kunst, zu lesen. — Jede starke Richtung ist einseitig; sie nähert sich der Richtung der geraden Linie und ist wie diese ausschliessend, das heisst sie berührt nicht viele andere Richtungen, wie diess schwache Parteien und Naturen in ihrem wellenhaften Hin- und Hergehen thun: das muss man also auch den Philologen nachsehen, dass sie einseitig sind. Herstellung und Reinhaltung der Texte, nebst der Erklärung derselben, in einer Zunft jahrhundertelang fortgetrieben, hat endlich jetzt die richtigen Methoden finden lassen; das ganze Mittelalter war tief unfähig zu einer streng philologischen Erklärung, das heisst zum einfachen Verstehenwollen dessen, was der Autor sagt,—es war Etwas, diese Methoden zu finden, man unterschätze es nicht! Alle Wissenschaft hat dadurch erst Continuität und Stetigkeit gewonnen, dass die Kunst des richtigen Lesens, das heisst die Philologie, auf ihre Höhe kam.
271
Die Kunst, zu schliessen.— Der grösste Fortschritt, den die Menschen gemacht haben, liegt darin, dass sie richtig schliessen lernen. Das ist gar nicht so etwas Natürliches, wie Schopenhauer annimmt, wenn er sagt: "zu schliessen sind Alle, zu urtheilen Wenige fähig," sondern ist spät erlernt und jetzt noch nicht zur Herrschaft gelangt. Das faische Schliessen ist in älteren Zeiten die Regel: und die Mythologien aller Völker, ihre Magie und ihr Aberglaube, ihr religiöser Cultus, ihr Recht sind die unerschöpflichen Beweis-Fundstätten für diesen Satz.
272
Jahresringe der individuellen Cultur. — Die Stärke und Schwäche der geistigen Productivität hängt lange nicht so an der angeerbten Begabung, als an dem mitgegebenen Maasse von Spannkraft. Die meisten jungen Gebildeten von dreissig Jahren gehen um diese Frühsonnenwende ihres Lebens zurück und sind für neue geistige Wendungen von da an unlustig. Desshalb ist dann gleich wieder zum Heile einer fort und fort wachsenden Cultur eine neue Generation nöthig, die es nun aber ebenfalls nicht weit bringt: denn um die Cultur des Vaters nachzuholen, muss der Sohn die angeerbte Energie, welche der Vater auf jener Lebensstufe, als er den Sohn zeugte, selber besass, fast aufbrauchen; mit dem kleinen Ueberschuss kommt er weiter (denn weil hier der Weg zum zweiten Mal gemacht wird, geht es ein Wenig schneller vorwärts; der Sohn verbraucht, um das Selbe zu lernen, was der Vater wusste, nicht ganz so viel Kraft). Sehr spannkräftige Männer, wie zum Beispiel Goethe, durchmessen so viel als kaum vier Generationen hinter einander vermögen; desshalb kommen sie aber zu schnell voraus, so dass die anderen Menschen sie erst in dem nächsten Jahrhundert einholen, vielleicht nicht einmal völlig, weil durch die häufigen Unterbrechungen die Geschlossenheit der Cultur, die Consequenz der Entwickelung geschwächt worden ist.— Die gewöhnlichen Phasen der geistigen Cultur, welche im Verlauf der Geschichte errungen ist, holen die Menschen immer schneller nach. Sie beginnen gegenwärtig in die Cultur als religiös bewegte Kinder einzutreten und bringen es vielleicht im zehnten Lebensjahre zur höchsten Lebhaftigkeit dieser Empfindungen, gehen dann in abgeschwächtere Formen (Pantheismus) über, während sie sich der Wissenschaft nähern; kommen über Gott, Unsterblichkeit und dergleichen ganz hinaus, aber verfallen den Zaubern einer metaphysischen Philosophie. Auch diese wird ihnen endlich unglaubwürdig; die Kunst scheint dagegen immer mehr zu gewähren, so dass eine Zeit lang die Metaphysik kaum noch in einer Umwandelung zur Kunst oder als künstlerisch verklärende Stimmung übrig bleibt und fortlebt. Aber der wissenschaftliche Sinn wird immer gebieterischer und führt den Mann hin zur Naturwissenschaft und Historie und namentlich zu den strengsten Methoden des Erkennens, während der Kunst eine immer mildere und anspruchslosere Bedeutung zufällt. Diess Alles pflegt sich jetzt innerhalb der ersten dreissig Jahre eines Mannes zu ereignen. Es ist die Recapitulation eines Pensums, an welchem die Menschheit vielleicht dreissigtausend Jahre sich abgearbeitet hat.
273
Zurückgegangen, nicht zurückgeblieben. — Wer gegenwärtig seine Entwickelung noch aus religiösen Empfindungen heraus anhebt und vielleicht längere Zeit nachher in Metaphysik und Kunst weiterlebt, der hat sich allerdings ein gutes Stück zurückbegeben und beginnt sein Wettrennen mit anderen modernen Menschen unter ungünstigen Voraussetzungen: er verliert scheinbar Raum und Zeit. Aber dadurch, dass er sich in jenen Bereichen aufhielt, wo Gluth und Energie entfesselt werden und fortwährend Macht als vulcanischer Strom aus unversiegbarer Quelle strömt, kommt er dann, sobald er sich nur zur rechten Zeit von jenen Gebieten getrennt hat, um so schneller vorwärts, sein Fuss ist beflügelt, seine Brust hat ruhiger, länger, ausdauernder athmen gelernt.— Er hat sich nur zurückgezogen, um zu seinem Sprunge genügenden Raum zu haben: so kann selbst etwas Fürchterliches, Drohendes in diesem Rückgange liegen.
274
Ein Ausschnitt unseres Selbst als künstlerisches Object. — Es ist ein Zeichen überlegener Cultur, gewisse Phasen der Entwickelung, welche die geringeren Menschen fast gedankenlos durchleben und von der Tafel ihrer Seele dann wegwischen, mit Bewusstsein festzuhalten und ein getreues Bild davon zu entwerfen: denn diess ist die höhere Gattung der Malerkunst, welche nur Wenige verstehen. Dazu wird es nöthig, jene Phasen künstlich zu isoliren. Die historischen Studien bilden die Befähigung zu diesem Malerthum aus, denn sie fordern uns fortwährend auf, bei Anlass eines Stückes Geschichte, eines Volkes—oder Menschenlebens uns einen ganz bestimmten Horizont von Gedanken, eine bestimmte Stärke von Empfindungen, das Vorwalten dieser, das Zurücktreten jener vorzustellen. Darin, dass man solche Gedanken- und Gefühlssysteme aus gegebenen Anlässen schnell reconstruiren kann, wie den Eindruck eines Tempels aus einigen zufällig stehen gebliebenen Säulen und Mauerresten, besteht der historische Sinn. Das nächste Ergebniss desselben ist, dass wir unsere Mitmenschen als ganz bestimmte solche Systeme und Vertreter verschiedener Culturen verstehen, das heisst als nothwendig, aber als veränderlich. Und wiederum, dass wir in unserer eigenen Entwickelung Stücke heraustrennen und selbständig hinstellen können.
275
Cyniker und Epikureer. — Der Cyniker erkennt den Zusammenhang zwischen den vermehrten und stärkeren Schmerzen des höher cultivirten Menschen und der Fülle von Bedürfnissen; er begreift also, dass die Menge von Meinungen über das Schöne, Schickliche, Geziemende, Erfreuende ebenso sehr reiche Genuss-, aber auch Unlustquellen entspringen lassen musste. Gemäss dieser Einsicht bildet er sich zurück, indem er viele dieser Meinungen aufgiebt und sich gewissen Anforderungen der Cultur entzieht; damit gewinnt er ein Gefühl der Freiheit und der Kräftigung; und allmählich, wenn die Gewohnheit ihm seine Lebensweise erträglich macht, hat er in der That seltnere und schwächere Unlustempfindungen, als die cultivirten Menschen, und nähert sich dem Hausthier an; überdiess empfindet er Alles im Reiz des Contrastes und—schimpfen kann er ebenfalls nach Herzenslust; so dass er dadurch wieder hoch über die Empfindungswelt des Thieres hinauskommt.— Der Epikureer hat den selben Gesichtspunct wie der Cyniker; zwischen ihm und Jenem ist gewöhnlich nur ein Unterschied des Temperamentes. Sodann benutzt der Epikureer seine höhere Cultur, um sich von den herrschenden Meinungen unabhängig zu machen; er erhebt sich über dieselben, während der Cyniker nur in der Negation bleibt. Er wandelt gleichsam in windstillen, wohlgeschützten, halbdunkelen Gängen, während über ihm, im Winde, die Wipfel der Bäume brausen und ihm verrathen, wie heftig bewegt da draussen die Welt ist. Der Cyniker dagegen geht gleichsam nackt draussen im Windeswehen umher und härtet sich bis zur Gefühllosigkeit ab.
276
Mikrokosmus und Makrokosmus der Cultur. — Die besten Entdeckungen über die Cultur macht der Mensch in sich selbst, wenn er darin zwei heterogene Mächte waltend findet. Gesetzt, es lebe Einer eben so sehr in der Liebe zur bildenden Kunst oder zur Musik als er vom Geiste der Wissenschaft fortgerissen werde, und er sehe es als unmöglich an, diesen Widerspruch durch Vernichtung der einen und volle Entfesselung der anderen Macht aufzuheben: so bleibt ihm nur übrig, ein so grosses Gebäude der Cultur aus sich zu gestalten, dass jene beiden Mächte, wenn auch an verschiedenen Enden desselben, in ihm wohnen können, während zwischen ihnen versöhnende Mittelmächte, mit überwiegender Kraft, um nöthigen falls den ausbrechenden Streit zu schlichten, ihre Herberge haben. Ein solches Gebäude der Cultur im einzelnen Individuum wird aber die grösste Aehnlichkeit mit dem Culturbau in ganzen Zeitperioden haben und eine fortgesetzte analogische Belehrung über denselben abgeben. Denn überall, wo sich die grosse Architektur der Cultur entfaltet hat, war ihre Aufgabe, die einander widerstrebenden Mächte zur Eintracht vermöge einer übermächtigen Ansammelung der weniger unverträglichen übrigen Mächte zu zwingen, ohne sie desshalb zu unterdrücken und in Fesseln zu schlagen.
277
Glück und Cultur. — Der Anblick der Umgebungen unserer Kindheit erschüttert uns: das Gartenhaus, die Kirche mit den Gräbern, der Teich und der Wald,—diess sehen wir immer als Leidende wieder. Mitleid mit uns selbst ergreift uns, denn was haben wir seitdem Alles durchgelitten! Und hier steht jegliches noch so still, so ewig da: nur wir sind so anders, so bewegt; selbst etliche Menschen finden wir wieder, an welchen die Zeit nicht mehr ihren Zahn gewetzt hat, als an einem Eichenbaume: Bauern, Fischer, Waldbewohner—sie sind die selben.— Erschütterung, Selbstmitleid im Angesichte der niederen Cultur ist das Zeichen der höheren Cultur; woraus sich ergiebt, dass durch diese das Glück jedenfalls nicht gemehrt worden ist. Wer eben Glück und Behagen vom Leben ernten will, der mag nur immer der höheren Cultur aus dem Wege gehen.
278
Gleichniss vom Tanze. — Jetzt ist es als das entscheidende Zeichen grosser Cultur zu betrachten, wenn Jemand jene Kraft und Biegsamkeit besitzt, um ebenso rein und streng im Erkennen zu sein als, in andern Momenten, auch befähigt, der Poesie, Religion und Metaphysik gleichsam hundert Schritte vorzugeben und ihre Gewalt und Schönheit nachzuempfinden. Eine solche Stellung zwischen zwei so verschiedenen Ansprüchen ist sehr schwierig, denn die Wissenschaft drängt zur absoluten Herrschaft ihrer Methode, und wird diesem Drängen nicht nachgegeben, so entsteht die andere Gefahr eines schwächlichen Auf- und Niederschwankens zwischen verschiedenen Antrieben. Indessen: um wenigstens mit einem Gleichniss einen Blick auf die Lösung dieser Schwierigkeit zu eröffnen, möge man sich doch daran erinnern, dass der Tanz nicht das Selbe wie ein mattes Hin- und Hertaumeln zwischen verschiedenen Antrieben ist. Die hohe Cultur wird einem kühnen Tanze ähnlich sehen: wesshalb, wie gesagt, viel Kraft und Geschmeidigkeit noth thut.
279
Von der Erleichterung des Lebens. — Ein Hauptmittel, um sich das Leben zu erleichtern, ist das Idealisiren aller Vorgänge desselben; man soll sich aber aus der Malerei recht deutlich machen, was idealisiren heisst. Der Maler verlangt, dass der Zuschauer nicht zu genau, zu scharf zusehe, er zwingt ihn in eine gewisse Ferne zurück, damit er von dort aus betrachte; er ist genöthigt, eine ganz bestimmte Entfernung des Betrachters vom Bilde vorauszusetzen; ja er muss sogar ein ebenso bestimmtes Maass von Schärfe des Auges bei seinem Betrachter annehmen; in solchen Dingen darf er durchaus nicht schwanken. Jeder also, der sein Leben idealisiren will, muss es nicht zu genau sehen wollen und seinen Blick immer in eine gewisse Entfernung zurückbannen. Dieses Kunststück verstand zum Beispiel Goethe.
280
Erschwerung als Erleichterung und umgekehrt. — Vieles, was auf gewissen Stufen des Menschen Erschwerung des Lebens ist, dient einer höheren Stufe als Erleichterung, weil solche Menschen stärkere Erschwerungen des Lebens kennen gelernt haben. Ebenso kommt das Umgekehrte vor: so hat zum Beispiel die Religion ein doppeltes Gesicht, je nachdem ein Mensch zu ihr hinaufblickt, um von ihr sich seine Last und Noth abnehmen zu lassen, oder auf sie hinabsieht, wie auf die Fessel, welche ihm angelegt ist, damit er nicht zu hoch in die Lüfte steige.
281
Die höhere Cultur wird nothwendig missverstanden.— Wer sein Instrument nur mit zwei Saiten bespannt hat, wie die Gelehrten, welche ausser dem Wissenstrieb nur noch einen anerzogenen religiösen haben, der versteht solche Menschen nicht, welche auf mehr Saiten spielen können. Es liegt im Wesen der höheren vielsaitigeren Cultur, dass sie von der niederen immer falsch gedeutet wird; wie diess zum Beispiel geschieht, wenn die Kunst als eine verkappte Form des Religiösen gilt. Ja Leute, die nur religiös sind, verstehen selbst die Wissenschaft als Suchen des religiösen Gefühls, so wie Taubstumme nicht wissen, was Musik ist, wenn nicht sichtbare Bewegung.
282
Klagelied. — Es sind vielleicht die Vorzüge unserer Zeiten, welche ein Zurücktreten und eine gelegentliche Unterschätzung der vita contemplativa mit sich bringen. Aber eingestehen muss man es sich, dass unsere Zeit arm ist an grossen Moralisten, dass Pascal, Epictet, Seneca, Plutarch wenig noch gelesen werden, dass Arbeit und Fleiss—sonst im Gefolge der grossen Göttin Gesundheit—mitunter wie eine Krankheit zu Wüthen scheinen. Weil Zeit zum Denken und Ruhe im Denken fehlt, so erwägt man abweichende Ansichten nicht mehr: man begnügt sich, sie zu hassen. Bei der ungeheuren Beschleunigung des Lebens wird Geist und Auge an ein halbes oder falsches Sehen und Urtheilen gewöhnt, und Jedermann gleicht den Reisenden, welche Land und Volk von der Eisenbahn aus kennen lernen. Selbständige und vorsichtige Haltung der Erkenntniss schätzt man beinahe als eine Art Verrücktheit ab, der Freigeist ist in Verruf gebracht, namentlich durch Gelehrte, welche an seiner Kunst, die Dinge zu betrachten, ihre Gründlichkeit und ihren Ameisenfleiss vermissen und ihn gern in einen einzelnen Winkel der Wissenschaft bannen möchten: während er die ganz andere und höhere Aufgabe hat, von einem einsam gelegenen Standorte aus den ganzen Heerbann der wissenschaftlichen und gelehrten Menschen zu befehligen und ihnen die Wege und Ziele der Cultur zu zeigen.— Eine solche Klage, wie die eben abgesungene, wird wahrscheinlich ihre Zeit haben und von selber einmal, bei einer gewaltigen Rückkehr des Genius' der Meditation, verstummen.
283
Hauptmangel der thätigen Menschen. — Den Thätigen fehlt gewöhnlich die höhere Thätigkeit: ich meine die individuelle. Sie sind als Beamte, Kaufleute, Gelehrte, das heisst als Gattungswesen thätig, aber nicht als ganz bestimmte einzelne und einzige Menschen; in dieser Hinsicht sind sie faul.— Es ist das Unglück der Thätigen, dass ihre Thätigkeit fast immer ein Wenig unvernünftig ist. Man darf zum Beispiel bei dem geldsammelnden Banquier nach dem Zweck seiner rastlosen Thätigkeit nicht fragen: sie ist unvernünftig. Die Thätigen rollen, wie der Stein rollt, gemäss der Dummheit der Mechanik.— Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten so auch jetzt noch, in Sclaven und Freie; denn wer von seinem Tage nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sclave, er sei übrigens wer er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter.
284
Zu Gunsten der Müssigen. — Zum Zeichen dafür, dass die Schätzung des beschaulichen Lebens abgenommen hat, wetteifern die Gelehrten jetzt mit den thätigen Menschen in einer Art von hastigem Genusse, so dass sie also diese Art, zu geniessen, höher zu schätzen scheinen, als die, welche ihnen eigentlich zukommt und welche in der That viel mehr Genuss ist. Die Gelehrten schämen sich des otium. Es ist aber ein edel Ding um Musse und Müssiggehen.— Wenn Müssiggang wirklich der Anfang aller Laster ist, so befindet er sich also wenigstens in der nächsten Nähe aller Tugenden; der müssige Mensch ist immer noch ein besserer Mensch als der thätige.— Ihr meint doch nicht, dass ich mit Musse und Müssiggehen auf euch ziele, ihr Faulthiere? —
285
Die moderne Unruhe. — Nach dem Westen zu wird die moderne Bewegtheit immer grösser, so dass den Amerikanern die Bewohner Europa's insgesammt sich als ruheliebende und geniessende Wesen darstellen, während diese doch selbst wie Bienen und Wespen durcheinander fliegen. Diese Bewegtheit wird so gross, dass die höhere Cultur ihre Früchte nicht mehr zeitigen kann; es ist, als ob die Jahreszeiten zu rasch auf einander folgten. Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Civilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Thätigen, das heisst die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört desshalb zu den nothwendigen Correcturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in grossem Maasse zu verstärken. Doch hat schon jeder Einzelne, welcher in Herz und Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, dass er nicht nur ein gutes Temperament, sondern eine allgemein nützliche Tugend besitze und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine höhere Aufgabe erfülle.
286
Inwiefern der thätige faul ist. — Ich glaube, dass Jeder über jedes Ding, über welches Meinungen möglich sind, eine eigene Meinung haben muss, weil er selber ein eigenes, nur einmaliges Ding ist, das zu allen anderen Dingen eine neue, nie dagewesene Stellung einnimmt. Aber die Faulheit, welche im Grunde der Seele des Thätigen liegt, verhindert den Menschen, das Wasser aus seinem eigenen Brunnen zu schöpfen.— Mit der Freiheit der Meinungen steht es wie mit der Gesundheit: beide sind individuell, von beiden kann kein allgemein gültiger Begriff aufgestellt werden. Das, was das eine Individuum zu seiner Gesundheit nöthig hat, ist für ein anderes schon Grund zur Erkrankung, und manche Mittel und Wege zur Freiheit des Geistes dürfen höher entwickelten Naturen als Wege und Mittel zur Unfreiheit gelten.
287
Censor vitae. — Der Wechsel von Liebe und Hass bezeichnet für eine lange Zeit den inneren Zustand eines Menschen, welcher frei in seinem Urtheile über das Leben werden will; er vergisst nicht und trägt den Dingen Alles nach, Gutes und Böses. Zuletzt, wenn die ganze Tafel seiner Seele mit Erfahrungen voll geschrieben ist, wird er das Dasein nicht verachten und hassen, aber es auch nicht lieben, sondern über ihm liegen bald mit dem Auge der Freude, bald mit dem der Trauer, und, wie die Natur, bald sommerlich, bald herbstlich gesinnt sein.
288
Nebenerfolg. — Wer ernstlich frei werden will, wird dabei ohne allen Zwang die Neigung zu Fehlern und Lastern mit verlieren; auch Aerger und Verdruss werden ihn immer seltener anfallen. Sein Wille nämlich will Nichts angelegentlicher, als Erkennen und das Mittel dazu, das heisst: den andauernden Zustand, in dem er am tüchtigsten zum Erkennen ist.
289
Werth der Krankheit. — Der Mensch, der krank zu Bette liegt, kommt mitunter dahinter, dass er für gewöhnlich an seinem Amte, Geschäfte oder an seiner Gesellschaft krank ist und durch sie jede Besonnenheit über sich verloren hat: er gewinnt diese Weisheit aus der Musse, zu welcher ihn seine Krankheit zwingt.
290
Empfindung auf dem Lande. — Wenn man nicht feste, ruhige Linien am Horizonte seines Lebens hat, Gebirgs- und Waldlinien gleichsam, so wird der innerste Wille des Menschen selber unruhig, zerstreut und begehrlich wie das Wesen des Städters: er hat kein Glück und giebt kein Glück.
291
Vorsicht der freien Geister. — Freigesinnte, der Erkenntniss allein lebende Menschen werden ihr äusserliches Lebensziel, ihre endgültige Stellung zu Gesellschaft und Staat bald erreicht finden und zum Beispiel mit einem kleinen Amte oder einem Vermögen, das gerade zum Leben ausreicht, gerne sich zufrieden geben; denn sie werden sich einrichten so zu leben, dass eine grosse Verwandelung der äusseren Güter, ja ein Umsturz der politischen Ordnungen ihr Leben nicht mit umwirft. Auf alle diese Dinge verwenden sie so wenig wie möglich an Energie, damit sie mit der ganzen angesammelten Kraft und gleichsam mit einem langen Athem in das Element des Erkennens hinabtauchen. So können sie hoffen, tief zu tauchen und auch wohl auf den Grund zu sehen.— Von einem Ereigniss wird ein solcher Geist gerne nur einen Zipfel nehmen, er liebt die Dinge in der ganzen Breite und Weitschweifigkeit ihrer Falten nicht: denn er will sich nicht in diese verwickeln.— Auch er kennt die Wochentage der Unfreiheit, der Abhängigkeit, der Dienstbarkeit. Aber von Zeit zu Zeit muss ihm ein Sonntag der Freiheit kommen, sonst wird er das Leben nicht aushalten.— Es ist wahrscheinlich, dass selbst seine Liebe zu den Menschen vorsichtig und etwas kurzathmig sein wird, denn er will sich nur, so weit es zum Zwecke der Erkenntniss nöthig ist, mit der Welt der Neigungen und der Blindheit einlassen. Er muss darauf vertrauen, dass der Genius der Gerechtigkeit Etwas für seinen Jünger und Schützling sagen wird, wenn anschuldigende Stimmen ihn arm an Liebe nennen sollten.— Es giebt in seiner Lebens- und Denkweise einen verfeinerten Heroismus, welcher es verschmäht, sich der grossen Massen-Verehrung, wie sein gröberer Bruder es thut, anzubieten und still durch die Welt und aus der Welt zu gehen pflegt. Was für Labyrinthe er auch durchwandert, unter welchen Felsen sich auch sein Strom zeitweilig durchgequält hat—kommt er an's Licht, so geht er hell, leicht und fast geräuschlos seinen Gang und lässt den Sonnenschein bis in seinen Grund hinab spielen.
292
Vorwärts. — Und damit vorwärts auf der Bahn der Weisheit, guten Schrittes, guten Vertrauens! Wie du auch bist, so diene dir selber als Quell der Erfahrung! Wirf das Missvergnügen über dein Wesen ab, verzeihe dir dein eignes Ich, denn in jedem Falle hast du an dir eine Leiter mit hundert Sprossen, auf welchen du zur Erkenntniss steigen kannst. Das Zeitalter, in welches du dich mit Leidwesen geworfen fühlst, preist dich selig dieses Glückes wegen; es ruft dir zu, dass dir jetzt noch an Erfahrungen zu Theil werde, was Menschen späterer Zeit vielleicht entbehren müssen. Missachte es nicht, noch religiös gewesen zu sein; ergründe es völlig, wie du noch einen ächten Zugang zur Kunst gehabt hast. Kannst du nicht gerade mit Hülfe dieser Erfahrungen ungeheuren Wegstrecken der früheren Menschheit verständnisvoller nachgehen? Sind nicht gerade auf dem Boden, welcher dir mitunter so missfällt, auf dem Boden des unreinen Denkens, viele der herrlichsten Früchte älterer Cultur aufgewachsen? Man muss Religion und Kunst wie Mutter und Amme geliebt haben,—sonst kann man nicht weise werden. Aber man muss über sie hinaus sehen, ihnen entwachsen können; bleibt man in ihrem Banne, so versteht man sie nicht. Ebenso muss dir die Historie vertraut sein und das vorsichtige Spiel mit den Wagschalen: "einerseits-andererseits." Wandle zurück, in die Fussstapfen tretend, in welchen die Menschheit ihren leidvollen grossen Gang durch die Wüste der Vergangenheit machte: so bist du am gewissesten belehrt, wohin alle spätere Menschheit nicht wieder gehen kann oder darf. Und indem du mit aller Kraft vorauserspähen willst, wie der Knoten der Zukunft noch geknüpft wird, bekommt dein eigenes Leben den Werth eines Werkzeuges und Mittels zur Erkenntniss. Du hast es in der Hand zu erreichen, dass all dein Erlebtes: die Versuche, Irrwege, Fehler, Täuschungen, Leidenschaften, deine Liebe und deine Hoffnung, in deinem Ziele ohne Rest aufgehn. Dieses Ziel ist, selber eine nothwendige Kette von Cultur-Ringen zu werden und von dieser Nothwendigkeit aus auf die Nothwendigkeit im Gange der allgemeinen Cultur zu schliessen. Wenn dein Blick stark genug geworden ist, den Grund in dem dunklen Brunnen deines Wesens und deiner Erkenntnisse zu sehen, so werden dir vielleicht auch in seinem Spiegel die fernen Sternbilder zukünftiger Culturen sichtbar werden. Glaubst du, ein solches Leben mit einem solchen Ziele sei zu mühevoll, zu ledig aller Annehmlichkeiten? So hast du noch nicht gelernt, dass kein Honig süsser als der der Erkenntniss ist und dass die hängenden Wolken der Trübsal dir noch zum Euter dienen müssen, aus dem du die Milch zu deiner Labung melken wirst. Kommt das Alter, so merkst du erst recht, wie du der Stimme der Natur Gehör gegeben, jener Natur, welche die ganze Welt durch Lust beherrscht: das selbe Leben, welches seine Spitze im Alter hat, hat auch seine Spitze in der Weisheit, in jenem milden Sonnenglanz einer beständigen geistigen Freudigkeit; beiden, dem Alter und der Weisheit, begegnest du auf Einem Bergrücken des Lebens, so wollte es die Natur. Dann ist es Zeit und kein Anlass zum Zürnen, dass der Nebel des Todes naht. Dem Lichte zu—deine letzte Bewegung; ein jauchzen der Erkenntniss—dein letzter Laut.
Sechstes Hauptstück. Der Mensch im Verkehr.
293
Wohlwollende Verstellung. — Es ist häufig im Verkehre mit Menschen eine wohlwollende Verstellung nöthig, als ob wir die Motive ihres Handelns nicht durchschauten.
294
Copien. — Nicht selten begegnet man Copien bedeutender Menschen; und den Meisten gefallen, wie bei Gemälden, so auch hier, die Copien besser als die Originale.
295
Der Redner. — Man kann höchst passend reden und doch so, dass alle Weldt über das Gegentheil schreit: nämlich dann, wenn man nicht zu aller Welt redet.
296
Mangel an Vertraulichkeit.— Mangel an Vertraulichkeit unter Freunden ist ein Fehler, der nicht gerügt werden kann, ohne unheilbar zu werden.
297
Zur Kunst des Schenkens.— Eine Gabe ausschlagen zu müssen, blos weil sie nicht auf die rechte Weise angeboten wurde, erbittert gegen den Geber.
298
Der gefährlichste Parteimann.— In jeder Partei ist Einer, der durch sein gar zu gläubiges Aussprechen der Parteigrundsätze die Uebrigen zum Abfall reizt.
299
Rathgeber des Kranken. — Wer einem Kranken seine Rathschläge giebt, erwirbt sich ein Gefühl von Ueberlegenheit über ihn, sei es, dass sie angenommen oder dass sie verworfen werden. Desshalb hassen reizbare und stolze Kranke die Rathgeber noch mehr als ihre Krankheit.
300
Doppelte Art der Gleichheit. — Die Sucht nach Gleichheit kann sich so äussern, dass man entweder alle Anderen zu sich hinunterziehen möchte (durch Verkleinern, Secretiren, Beinstellen) oder sich mit Allen hinauf (durch Anerkennen, Helfen, Freude an fremdem Gelingen).
301
Gegen Verlegenheit. — Das beste Mittel, sehr verlegenen Leuten zu Hülfe zu kommen und sie zu beruhigen, besteht darin, dass man sie entschieden lobt.
302
Vorliebe für einzelne Tugenden. — Wir legen nicht eher besonderen Werth auf den Besitz einer Tugend, bis wir deren völlige Abwesenheit an unserem Gegner wahrnehmen.
303
Warum man widerspricht.— Man widerspricht oft einer Meinung, während uns eigentlich nur der Ton, mit dem sie vorgetragen wurde, unsympathisch ist.
304
Vertrauen und Vertraulichkeit. — Wer die Vertraulichkeit mit einer anderen Person geflissentlich zu erzwingen sucht, ist gewöhnlich nicht sicher darüber, ob er ihr Vertrauen besitzt. Wer des Vertrauens sicher ist, legt auf Vertraulichkeit wenig Werth.
305
Gleichgewicht der Freundschaft. — Manchmal kehrt, im Verhältniss von uns zu einem andern Menschen, das rechte Gleichgewicht der Freundschaft zurück, wenn wir in unsre eigene Wagschale einige Gran Unrecht legen.
306
Die gefährlichsten Aerzte. — Die gefährlichsten Aerzte sind die, welche es dem geborenen Arzte als geborene Schauspieler mit vollkommener Kunst der Täuschung nachmachen.
307
Wann Paradoxien am Platze sind. — Geistreichen Personen braucht man mitunter, um sie für einen Satz zu gewinnen, denselben nur in der Form einer ungeheuerlichen Paradoxie vorzulegen.
308
Wie muthige Leute gewonnen werden.— Muthige Leute überredet man dadurch zu einer Handlung, dass man dieselbe gefährlicher darstellt, als sie ist.
309
Artigkeiten.— Unbeliebten Personen rechnen wir die Artigkeiten, welche sie uns erweisen, zum Vergehen an.
310
Warten lassen. — Ein sicheres Mittel, die Leute aufzubringen und ihnen böse Gedanken in den Kopf zu setzen, ist, sie lange warten zu lassen. Diess macht unmoralisch.
311
Gegen die Vertraulichen. — Leute, welche uns ihr volles Vertrauen schenken, glauben dadurch ein Recht auf das unsrige zu haben. Diess ist ein Fehlschluss; durch Geschenke erwirbt man keine Rechte.
312
Ausgleichsmittel. — Es genügt oft, einem Andern, dem man einen Nachtheil zugefügt hat, Gelegenheit zu einem Witze über uns zu geben, um ihm persönlich Genugthuung zu schaffen, ja um ihn für uns gut zu stimmen.
313
Eitelkeit der Zunge. — Ob der Mensch seine schlechten Eigenschaften und Laster verbirgt oder mit Offenheit sie eingesteht, so wünscht doch in beiden Fällen seine Eitelkeit einen Vortheil dabei zu haben: man beachte nur, wie fein er unterscheidet, vor wem er jene Eigenschaften verbirgt, vor wem er ehrlich und offenherzig wird.
314
Rücksichtsvoll. — Niemanden kränken, Niemanden beeinträchtigen wollen kann ebensowohl das Kennzeichen einer gerechten, als einer ängstlichen Sinnesart sein.
315
Zum Disputiren erforderlich.— Wer seine Gedanken nicht auf Eis zu legen versteht, der soll sich nicht in die Hitze des Streites begeben.
316
Umgang und Anmaassung. — Man verlernt die Anmaassung, wenn man sich immer unter verdienten Menschen weiss; Allein-sein pflanzt Uebermuth. Junge Leute sind anmaassend, denn sie gehen mit Ihresgleichen um, welche alle Nichts sind, aber gerne viel bedeuten.
317
Motiv des Angriffs. — Man greift nicht nur an, um Jemandem wehe zu thun, ihn zu besiegen, sondern vielleicht auch nur, um sich seiner Kraft bewusst zu werden.
318
Schmeichelei. — Personen, welche unsere Vorsicht im Verkehr mit ihnen durch Schmeicheleien betäuben wollen, wenden ein gefährliches Mittel an, gleichsam einen Schlaftrunk, welcher, wenn er nicht einschläfert, nur um so mehr wach erhält.
319
Guter Briefschreiber. — Der, welcher keine Bücher schreibt, viel denkt und in unzureichender Gesellschaft lebt, wird gewöhnlich ein guter Briefschreiber sein.
320
Am hässlichsten. — Es ist zu bezweifeln, ob ein Vielgereister irgendwo in der Welt hässlichere Gegenden gefunden hat, als im menschlichen Gesichte.
321
Die Mitleidigen. — Die mitleidigen, im Unglück jederzeit hülfreichen Naturen sind selten zugleich die sich mitfreuenden: beim Glück der Anderen haben sie Nichts zu thun, sind überflüssig, fühlen sich nicht im Besitz ihrer Ueberlegenheit und zeigen desshalb leicht Missvergnügen.
322
Verwandte eines Selbstmörders.— Verwandte eines Selbstmörders rechnen es ihm übel an, dass er nicht aus Rücksicht auf ihren Ruf am Leben geblieben ist.
323
Undank vorauszusehen.— Der, welcher etwas Grosses schenkt, findet keine Dankbarkeit; denn der Beschenkte hat schon durch das Annehmen zu viel Last.
324
In geistloser Gesellschaft. — Niemand dankt dem geistreichen Menschen die Höflichkeit, wenn er sich einer Gesellschaft gleichstellt, in der es nicht höflich ist, Geist zu zeigen.
325
Gegenwart von Zeugen.— Man springt einem Menschen, der in's Wasser fällt, noch einmal so gern nach, wenn Leute zugegen sind, die es nicht wagen.
326
Schweigen. — Die für beide Parteien unangenehmste Art, eine Polemik zu erwidern, ist, sich ärgern und schweigen: denn der Angreifende erklärt sich das Schweigen gewöhnlich als Zeichen der Verachtung.
327
Das Geheimniss des Freundes. — Es wird Wenige geben, welche, wenn sie um Stoff zur Unterhaltung verlegen sind, nicht die geheimeren Angelegenheiten ihrer Freunde preisgeben.
328
Humanität. — Die Humanität der Berühmtheiten des Geistes besteht darin, im Verkehre mit Unberühmten auf eine verbindliche Art Unrecht zu behalten.
329
Der Befangene. — Menschen, die sich in der Gesellschaft nicht sicher fühlen, benutzen jede Gelegenheit, um an einem Nahegestellten, dem sie überlegen sind, diese Ueberlegenheit öffentlich, vor der Gesellschaft, zu zeigen, zum Beispiel durch Neckereien.
330
Dank.— Eine feine Seele bedrückt es, sich Jemanden zum Dank verpflichtet zu wissen; eine grobe, sich Jemandem.
331
Merkmal der Entfremdung. — Das stärkste Anzeichen von Entfremdung der Ansichten bei zwei Menschen ist diess, dass beide sich gegenseitig einiges Ironische sagen, aber keiner von beiden das Ironische daran fühlt.
332
Anmaassung bei Verdiensten. — Anmaassung bei Verdiensten beleidigt noch mehr, als Anmaassung von Menschen ohne Verdienst. denn schon das Verdienst beleidigt.
333
Gefahr in der Stimme. — Mitunter macht uns im Gespräche der Klang der eigenen Stimme verlegen und verleitet uns zu Behauptungen, welche gar nicht unserer Meinung entsprechen.
334
Im Gespräche. — Ob man im Gespräche dem Andern vornehmlich Recht giebt oder Unrecht, ist durchaus die Sache der Angewöhnung: das Eine wie das Andere hat Sinn.
335
Furcht vor dem Nächsten. — Wir fürchten die feindselige Stimmung des Nächsten, weil wir befürchten, dass er durch diese Stimmung hinter unsere Heimlichkeiten kommt.
336
Durch Tadel auszeichnen. — Sehr angesehene Personen ertheilen selbst ihren Tadel so, dass sie uns damit auszeichnen wollen. Es soll uns aufmerksam machen, wie angelegentlich sie sich mit uns beschäftigen. Wir verstehen sie ganz falsch, wenn wir ihren Tadel sachlich nehmen und uns gegen ihn vertheidigen; wir ärgern sie dadurch und entfremden uns ihnen.
337
Verdruss am Wohlwollen Anderer. — Wir irren uns über den Grad, in welchem wir uns gehasst, gefürchtet glauben: weil wir selber zwar gut den Grad unserer Abweichung von einer Person, Richtung, Partei kennen, jene Andern aber uns sehr oberflächlich kennen und desshalb auch nur oberflächlich hassen. Wir begegnen oft einem Wohlwollen, welches uns unerklärlich ist; verstehen wir es aber, so beleidigt es uns, weil es zeigt, dass man uns nicht ernst, nicht wichtig genug nimmt.
338
Sich kreuzende Eitelkeiten. — Zwei sich begegnende Personen, deren Eitelkeit gleich gross ist, behalten hinterdrein von einander einen schlechten Eindruck, weil jede so mit dem Eindruck beschäftigt war, den sie bei der andern hervorbringen wollte, dass die andere auf sie keinen Eindruck machte; beide merken endlich, dass ihr Bemühen verfehlt ist und schieben je der andern die Schuld zu.
339
Unarten als gute Anzeichen. — Der überlegene Geist hat an den Tactlosigkeiten, Anmaassungen, ja Feindseligkeiten ehrgeiziger Jünglinge gegen ihn sein Vergnügen; es sind die Unarten feuriger Pferde, welche noch keinen Reiter getragen haben und doch in Kurzem so stolz sein werden, ihn zu tragen.
340
Wann es rathsam ist, Unrecht zu behalten. — Man thut gut, gemachte Anschuldigungen, selbst wenn sie uns Unrecht thun, ohne Widerlegung hinzunehmen, im Fall der Anschuldigende darin ein noch grösseres Unrecht unsererseits sehen würde, wenn wir ihm widersprächen und etwa gar ihn widerlegten. Freilich kann Einer auf diese Weise immer Unrecht haben und immer Recht behalten und zuletzt mit dem besten Gewissen von der Welt der unerträglichste Tyrann und Quälgeist werden; und was vom Einzelnen gilt, kann auch bei ganzen Classen der Gesellschaft vorkommen.
341
Zuwenig geehrt. — Sehr eingebildete Personen, denen man Zeichen von geringerer Beachtung gegeben hat, als sie erwarteten, versuchen lange, sich selbst und Andere darüber irre zu führen und werden spitzfindige Psychologiker, um herauszubekommen, dass der Andere sie doch genügend geehrt hat: erreichen sie ihr Ziel nicht, reisst der Schleier der Täuschung, so geben sie sich einer um so grösseren Wuth hin.
342
Urzustände in der Rede nachklingend. — In der Art, wie jetzt die Männer im Verkehre Behauptungen aufstellen, erkennt man oft einen Nachklang der Zeiten, wo dieselben sich besser auf Waffen, als auf irgend Etwas verstanden: sie handhaben ihre Behauptungen bald wie zielende Schützen ihr Gewehr, bald glaubt man das Sausen und Klirren der Klingen zu hören; und bei einigen Männern poltert eine Behauptung herab wie ein derber Knüttel.— Frauen dagegen sprechen so, wie Wesen, welche Jahrtausende lang am Webstuhl sassen oder die Nadel führten oder mit Kindern kindisch waren.
343
Der Erzähler. — Wer Etwas erzählt, lässt leicht merken, ob er erzählt, weil ihn das Factum interessirt oder weil er durch die Erzählung interessiren will. Im letzteren Falle wird er übertreiben, Superlative gebrauchen und Aehnliches thun. Er erzählt dann gewöhnlich schlechter, weil er nicht so sehr an die Sache, als an sich denkt.
344
Der Vorleser. — Wer dramatische Dichtungen vorliest, macht Entdeckungen über seinen Charakter: er findet für gewisse Stimmungen und Scenen seine Stimme natürlicher, als für andere, etwa für alles Pathetische oder für das Scurrile, während er vielleicht im gewöhnlichen Leben nur nicht Gelegenheit hatte, Pathos oder Scurrilität zu zeigen.
345
Eine Lustspiel-Scene, welche im Leben vorkommt. — Jemand denkt sich eine geistreiche Meinung über ein Thema aus, um sie in einer Gesellschaft vorzutragen. Nun würde man im Lustspiel anhören und ansehen, wie er mit allen Segeln an den Punct zu kommen und die Gesellschaft dort einzuschiffen sucht, wo er seine Bemerkung machen kann: wie er fortwährend die Unterhaltung nach Einem Ziele schiebt, gelegentlich die Richtung verliert, sie wiedergewinnt, endlich den Augenblick erreicht: fast versagt ihm der Athem—und da nimmt ihm Einer aus der Gesellschaft die Bemerkung vom Munde weg. Was wird er thun? Seiner eigenen Meinung opponiren?
346
Wider Willen unhöflich. — Wenn Jemand wider Willen einen Andern unhöflich behandelt, zum Beispiel nicht grüsst, weil er ihn nicht erkennt, so wurmt ihn diess, obwohl er nicht seiner Gesinnung einen Vorwurf machen kann; ihn kränkt die schlechte Meinung, welche er bei dem Andern erzeugt hat, oder er fürchtet die Folgen einer Verstimmung, oder ihn schmerzt es, den Andern verletzt zu haben,—also Eitelkeit, Furcht oder Mitleid können rege werden, vielleicht auch alles zusammen.
347
Verräther-Meisterstück. — Gegen den Mitverschworenen den kränkenden Argwohn zu äussern, ob man nicht von ihm verrathen werde, und diess gerade in dem Augenblicke, wo man selbst Verrath übt, ist ein Meisterstück der Bosheit, weil es den Andern persönlich occupirt und ihn zwingt, eine Zeit lang sich sehr unverdächtig und offen zu benehmen, so dass der wirkliche Verräther sich freie Hand gemacht hat.
348
Beleidigen und beleidigt werden. — Es ist weit angenehmer, zu beleidigen und später um Verzeihung zu bitten, als beleidigt zu werden und Verzeihung zu gewähren. Der, welcher das Erste thut, giebt ein Zeichen von Macht und nachher von Güte des Charakters. Der Andere, wenn er nicht als inhuman gelten will, muss schon verzeihen; der Genuss an der Demüthigung des Anderen ist dieser Nöthigung wegen gering.
349
Im Disput. — Wenn man zugleich einer anderen Meinung widerspricht und dabei seine eigene entwickelt, so verrückt gewöhnlich die fortwährende Rücksicht auf die andere Meinung die natürliche Haltung der eigenen: sie erscheint absichtlicher, schärfer, vielleicht etwas übertrieben.
350
Kunstgriff. — Wer etwas Schwieriges von einem Andern erlangen will, muss die Sache überhaupt nicht als Problem fassen, sondern schlicht seinen Plan hinlegen, als sei er die einzige Möglichkeit; er muss es verstehen, wenn im Auge des Gegners der Einwand, der Widerspruch dämmert, schnell abzubrechen und ihm keine Zeit zu geben.
351
Gewissensbisse nach Gesellschaften. — Warum haben wir nach gewöhnlichen Gesellschaften Gewissensbisse? Weil wir wichtige Dinge leicht genommen haben, weil wir bei der Besprechung von Personen nicht mit voller Treue gesprochen oder weil wir geschwiegen haben, wo wir reden sollten, weil wir gelegentlich nicht aufgesprungen und fortgelaufen sind, kurz weil wir uns in der Gesellschaft benahmen, als ob wir zu ihr gehörten.
352
Man wird falsch beurtheilt. — Wer immer darnach hinhorcht, wie er beurtheilt wird, hat immer Aerger. Denn wir werden schon von Denen, welche uns am nächsten stehen ("am besten kennen"), falsch beurtheilt. Selbst gute Freunde lassen ihre Verstimmung mitunter in einem missgünstigen Worte aus; und würden sie unsere Freunde sein, wenn sie uns genau kennten?— Die Urtheile der Gleichgültigen thun sehr weh, weil sie so unbefangen, fast sachlich klingen. Merken wir aber gar, dass Jemand, der uns feind ist, uns in einem geheim gehaltenen Puncte so gut kennt, wie wir uns, wie gross ist dann erst der Verdruss!
353
Tyrannei des Portraits. — Künstler und Staatsmänner, die schnell aus einzelnen Zügen das ganze Bild eines Menschen oder Ereignisses combiniren, sind am meisten dadurch ungerecht, dass sie hinterdrein verlangen, das Ereigniss oder der Mensch müsse wirklich so sein, wie sie es malten; sie verlangen geradezu, dass Einer so begabt, so verschlagen, so ungerecht sei, wie er in ihrer Vorstellung lebt.
354
Der Verwandte als der beste Freund. — Die Griechen, die so gut wussten, was ein Freund sei,—sie allein von allen Völkern haben eine tiefe, vielfache philosophische Erörterung der Freundschaft; sodass ihnen zuerst, und bis jetzt zuletzt, der Freund als ein lösenswerthes Problem erschienen ist—diese selben Griechen haben die Verwandten mit einem Ausdrucke bezeichnet, welcher der Superlativ des Wortes "Freund" ist. Diess bleibt mir unerklärlich.
355
Verkannte Ehrlichkeit. — Wenn Jemand im Gespräche sich selber citirt ("ich sagte damals," "ich pflege zu sagen"), so macht diess den Eindruck der Anmaassung, während es häufiger gerade aus der entgegengesetzten Quelle hervorgeht, mindestens aus Ehrlichkeit, welche den Augenblick nicht mit den Einfällen schmücken und herausputzen will, welche einem früheren Augenblicke angehören.
356
Der Parasit. — Es bezeichnet einen völligen Mangel an vornehmer Gesinnung, wenn Jemand lieber in Abhängigkeit, auf Anderer Kosten, leben will, um nur nicht arbeiten zu müssen, gewöhnlich mit einer heimlichen Erbitterung gegen Die, von denen er abhängt.— Eine solche Gesinnung ist viel häufiger bei Frauen als bei Männern, auch viel verzeihlicher (aus historischen Gründen).
357
Auf dem Altar der Versöhnung. — Es giebt Umstände, wo man eine Sache von einem Menschen nur so erlangt, dass man ihn beleidigt und sich verfeindet: dieses Gefühl, einen Feind zu haben, quält ihn so, dass er gern das erste Anzeichen einer milderen Stimmung zur Versöhnung benützt und jene Sache auf dem Altar dieser Versöhnung opfert, an der ihm früher so viel gelegen war, dass er sie um keinen Preis geben wollte.
358
Mitleid fordern als Zeichen der Anmaassung. — Es giebt Menschen, welche, wenn sie in Zorn gerathen und die Anderen beleidigen, dabei erstens verlangen, dass man ihnen Nichts übel nehme und zweitens, dass man mit ihnen Mitleid habe, weil sie so heftigen Paroxysmen unterworfen sind. So weit geht die menschliche Anmaassung.
359
Köder. — "Jeder Mensch hat seinen Preis,"—das ist nicht wahr. Aber es findet sich wohl für Jeden ein Köder, an den er anbeissen muss. So braucht man, um manche Personen für eine Sache zu gewinnen, dieser Sache nur den Glanz des Menschenfreundlichen, Edlen, Mildthätigen, Aufopfernden zu geben—und welcher Sache könnte man ihn nicht geben?— Es ist das Zuckerwerk und die Näscherei ihrer Seele; andere haben anderes.
360
Verhalten beim Lobe. — Wenn gute Freunde die begabte Natur loben, so wird sie sich öfters aus Höflichkeit und Wohlwollen darüber erfreut zeigen, aber in Wahrheit ist es ihr gleichgültig. Ihr eigentliches Wesen ist ganz träge dagegen und um keinen Schritt dadurch aus der Sonne oder dem Schatten, in dem sie liegt, herauszuwälzen; aber die Menschen wollen durch Lob eine Freude machen und man würde sie betrüben, wenn man sich über ihr Lob nicht freute.
361
Die Erfahrung des Sokrates. — Ist man in einer Sache Meister geworden, so ist man gewöhnlich eben dadurch in den meisten andern Sachen ein völliger Stümper geblieben; aber man urtheilt gerade umgekehrt, wie diess schon Sokrates erfuhr. Diess ist der Uebelstand, welcher den Umgang mit Meistern unangenehm macht.
362
Mittel der Verthierung. — Im Kampf mit der Dummheit werden die billigsten und sanftesten Menschen zuletzt brutal. Sie sind damit vielleicht auf dem rechten Wege der Vertheidigung; denn an die dumme Stirn gehört, als Argument, von Rechtswegen die geballte Faust. Aber weil, wie gesagt, ihr Charakter sanft und billig ist, so leiden sie durch diese Mittel der Nothwehr mehr als sie Leid zufügen.
363
Neugierde. — Wenn die Neugierde nicht wäre, würde wenig für das Wohl des Nächsten gethan werden. Aber die Neugierde schleicht sich unter dem Namen der Pflicht oder des Mitleides in das Haus des Unglücklichen und Bedürftigen.— Vielleicht ist selbst an der vielberühmten Mutterliebe ein gut Stück Neugierde.
364
Verrechnung in der Gesellschaft. — Dieser wünscht interessant zu sein durch seine Urtheile, Jener durch seine Neigungen und Abneigungen, der Dritte durch seine Bekanntschaften, ein Vierter durch seine Vereinsamung—und sie verrechnen sich Alle. Denn Der, vor dem das Schauspiel aufgeführt wird, meint selber dabei das einzig in Betracht kommende Schauspiel zu sein.
365
Duell. — Zu Gunsten aller Ehrenhändel und Duelle ist zu sagen, dass, wenn Einer ein so reizbares Gefühl hat, nicht leben zu wollen, wenn Der und Der das und das über ihn sagt oder denkt, er ein Recht hat, die Sache auf den Tod des Einen oder des Andern ankommen zu lassen. Darüber, dass er so reizbar ist, ist gar nicht zu rechten, damit sind wir die Erben der Vergangenheit, ihrer Grösse sowohl wie ihrer Uebertreibungen, ohne welche es nie eine Grösse gab. Existirt nun ein Ehren-Kanon, welcher Blut an Stelle des Todes gelten lässt, so dass nach einem regelmässigen Duell das Gemüth erleichtert ist, so ist diess eine grosse Wohlthat, weil sonst viele Menschenleben in Gefahr wären.— So eine Institution erzieht übrigens die Menschen in Vorsicht auf ihre Aeusserungen und macht den Umgang mit ihnen möglich.
366
Vornehmheit und Dankbarkeit. — Eine vornehme Seele wird sich gern zur Dankbarkeit verpflichtet fühlen und den Gelegenheiten, bei denen sie sich verpflichtet, nicht ängstlich aus dem Wege zu gehen; ebenso wird sie nachher gelassen in den Aeusserungen der Dankbarkeit sein; während niedere Seelen sich gegen alles Verpflichtet werden sträuben oder nachher in den Aeusserungen ihrer Dankbarkeit übertrieben und allzu sehr beflissen sind. Letzteres kommt übrigens auch bei Personen von niederer Herkunft oder gedrückter Stellung vor: eine Gunst, ihnen erwiesen, deucht ihnen ein Wunder von Gnade.
367
Die Stunden der Beredtsamkeit. — Der Eine hat, um gut zu sprechen, Jemanden nöthig, der ihm entschieden und anerkannt überlegen ist, der Andere kann nur vor Einem, den er überragt, völlige Freiheit der Rede und glückliche Wendungen der Beredtsamkeit finden: in beiden Fällen ist es der selbe Grund; Jeder von ihnen redet nur gut, wenn er sans gêne redet, der Eine, weil er vor dem Höheren den Antrieb der Concurrenz, des Wettbewerbs nicht fühlt, der Andere ebenfalls desshalb angesichts des Niederen.— Nun giebt es eine ganz andere Gattung von Menschen, die nur gut reden, wenn sie im Wetteifer, mit der Absicht zu siegen, reden. Welche von beiden Gattungen ist die ehrgeizigere: die, welche aus erregter Ehrsucht gut, oder die, welche aus eben diesen Motiven schlecht oder gar nicht spricht?
368
Das Talent zur Freundschaft. — Unter den Menschen, welche eine besondere Gabe zur Freundschaft haben, treten zwei Typen hervor. Der Eine ist in einem fortwährenden Aufsteigen und findet für jede Phase seiner Entwickelung einen genau zugehörigen Freund. Die Reihe von Freunden, welche er auf diese Weise erwirbt, ist unter sich selten im Zusammenhang, mitunter in Misshelligkeit und Widerspruch: ganz dem entsprechend, dass die späteren Phasen in seiner Entwickelung die früheren Phasen aufheben oder beeinträchtigen. Ein solcher Mensch mag im Scherz eine Leiterheissen.— Den andern Typus vertritt Der, welcher eine Anziehungskraft auf sehr verschiedene Charaktere und Begabungen ausübt, so dass er einen ganzen Kreis von Freunden gewinnt; diese aber kommen dadurch selber unter einander in freundschaftliche Beziehung, trotz aller Verschiedenheit. Einen solchen Menschen nenne man einen Kreis: denn in ihm muss jene Zusammengehörigkeit so verschiedener Anlagen und Naturen irgendwie vorgebildet sein.— Uebrigens ist die Gabe, gute Freunde zu haben, in manchem Menschen viel grösser, als die Gabe, ein guter Freund zu sein.
369
Taktik im Gespräch. — Nach einem Gespräch mit jemandem ist man am besten auf den Mitunterredner zu sprechen, wenn man Gelegenheit hatte, seinen Geist, seine Liebenswürdigkeit vor ihm im ganzen Glanze zu zeigen. Diess benutzen kluge Menschen, welche Jemanden sich günstig stimmen wollen, indem sie bei der Unterredung ihm die besten Gelegenheiten zu einem guten Witz und dergleichen zuschieben. Es wäre ein lustiges Gespräch zwischen zwei sehr Klugen zu denken, welche sich gegenseitig günstig stimmen wollen und sich desshalb die schönen Gelegenheiten im Gespräch hin und her zuwerfen, während keiner sie annimmt: so dass das Gespräch im Ganzen geistlos und unliebenswürdig verliefe, weil Jeder dem Andern die Gelegenheit zu Geist und Liebenswürdigkeit zuwiese.
370
Entladung des Unmuthes. — Der Mensch, dem Etwas misslingt, führt diess Misslingen lieber auf den bösen Willen eines Anderen, als auf den Zufall zurück. Seine gereizte Empfindung wird dadurch erleichtert, eine Person und nicht eine Sache sich als Grund seines Misslingens zu denken; denn an Personen kann man sich rächen, die Unbilden des Zufalls aber muss man hinunterwürgen. Die Umgebung eines Fürsten pflegt desshalb, wenn diesem Etwas misslungen ist, einen einzelnen Menschen als angebliche Ursache ihm zu bezeichnen und im Interesse aller Höflinge aufzuopfern; denn der Missmuth des Fürsten würde sich sonst an ihnen Allen auslassen, da er ja an der Schicksalsgöttin selber keine Rache nehmen kann.
371
Die Farbe der Umgebung annehmen. — Warum ist Neigung und Abneigung so ansteckend, dass man kaum in der Nähe einer stark empfindenden Person leben kann, ohne wie ein Gefäss mit ihrem Für und Wider angefüllt zu werden? Erstens ist die völlige Enthaltung des Urtheils sehr schwer, mitunter für unsere Eitelkeit geradezu unerträglich; sie trägt da gleiche Farbe mit der Gedanken- und Empfindungsarmuth oder mit der Aengstlichkeit, der Unmännlichkeit: und so werden wir wenigstens dazu fortgerissen, Partei zu nehmen, vielleicht gegen die Richtung unserer Umgebung, wenn diese Stellung unserm Stolze mehr Vergnügen macht. Gewöhnlich aber—das ist das Zweite—bringen wir uns den Uebergang von Gleichgültigkeit zu Neigung oder Abneigung gar nicht zum Bewusstsein, sondern allmählich gewöhnen wir uns an die Empfindungsweise unserer Umgebung, und weil sympathisches Zustimmen und Sichverstehen so angenehm ist, tragen wir bald alle Zeichen und Parteifarben dieser Umgebung.
372
Ironie. — Die Ironie ist nur als pädagogisches Mittel am Platze, von seiten eines Lehrers im Verkehr mit Schülern irgend welcher Art: ihr Zweck ist Demüthigung, Beschämung, aber von jener heilsamen Art, welche gute Vorsätze erwachen lässt und Dem, welcher uns so behandelte, Verehrung, Dankbarkeit als einem Arzte entgegenbringen heisst. Der Ironische stellt sich unwissend und zwar so gut, dass die sich mit ihm unterredenden Schüler, getäuscht sind und in ihrem guten Glauben an ihr eigenes Besserwissen dreist werden und sich Blössen aller Art geben; sie verlieren die Behutsamkeit und zeigen sich, wie sie sind,—bis in einem Augenblick die Leuchte, die sie dem Lehrer in's Gesicht hielten, ihre Strahlen sehr demüthigend auf sie selbst zurückfallen lässt.— Wo ein solches Verhältniss, wie zwischen Lehrer und Schüler, nicht stattfindet, ist sie eine Unart, ein gemeiner Affect. Alle ironischen Schriftsteller rechnen auf die alberne Gattung von Menschen, welche sich gerne allen Anderen mit dem Autor zusammen überlegen fühlen wollen, als welchen sie für das Mundstück ihrer Anmaassung ansehen.— Die Gewöhnung an Ironie, ebenso wie die an Sarkasmus, verdirbt übrigens den Charakter, sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen Ueberlegenheit: man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das Lachen gelernt hat, ausser dem Beissen.
373
Anmaassung. — Vor Nichts soll man sich so hüten, als vor dem Aufwachsen jenes Unkrautes, welches Anmaassung heisst und uns jede gute Ernte verdirbt; denn es giebt Anmaassung in der Herzlichkeit, in der Ehrenbezeigung, in der wohlwollenden Vertraulichkeit, in der Liebkosung, im freundschaftlichen Rathe, im Eingestehen von Fehlern, in dem Mitleid für Andere, und alle diese schönen Dinge erwecken Widerwillen, wenn jenes Kraut dazwischen wächst. Der Anmaassende, das heisst Der, welcher mehr bedeuten will als er ist oder gilt, macht immer eine falsche Berechnung. Zwar hat er den augenblicklichen Erfolg für sich, insofern die Menschen, vor denen er anmaassend ist, ihm gewöhnlich das Maass von Ehre zollen, welches er fordert, aus Angst oder Bequemlichkeit; aber sie nehmen eine schlimme Rache dafür, insofern sie ebensoviel, als er über das Maass forderte, von dem Werthe subtrahiren, den sie ihm bis jetzt beilegten. Es ist Nichts, was die Menschen sich theurer bezahlen lassen, als Demüthigung. Der Anmaassende kann sein wirkliches grosses Verdienst so in den Augen der Andern verdächtigen und klein machen, dass man mit staubigen Füssen darauf tritt. Selbst ein stolzes Benehmen sollte man sich nur dort erlauben, wo man ganz sicher sein kann, nicht missverstanden und als anmaassend betrachtet zu werden, zum Beispiel vor Freunden und Gattinnen. Denn es giebt im Verkehre mit Menschen keine grössere Thorheit, als sich den Ruf der Anmaassung zuzuziehen; es ist noch schlimmer, als wenn man nicht gelernt hat, höflich zu lügen.
374
Zwiegespräch. — Das Zwiegespräch ist das vollkommene Gespräch, weil Alles, was der Eine sagt, seine bestimmte Farbe, seinen Klang, seine begleitende Gebärde in strenger Rücksicht auf den Anderen, mit dem gesprochen wird, erhält, also dem entsprechend, was beim Briefverkehr geschieht, dass ein und der selbe zehn Arten des seelischen Ausdrucks zeigt, je nachdem er bald an Diesen, bald an Jenen schreibt. Beim Zwiegespräch giebt es nur eine einzige Strahlenbrechung des Gedankens: diese bringt der Mitunterredner hervor, als der Spiegel, in welchem wir unsere Gedanken möglichst schön wiedererblicken wollen. Wie aber ist es bei zweien, bei dreien und mehr Mitunterrednern? Da verliert nothwendig das Gespräch an individualisirender Feinheit, die verschiedenen Rücksichten kreuzen sich, heben sich auf; die Wendung, welche dem Einen wohlthut, ist nicht der Sinnesart des Andern gemäss. Desshalb wird der Mensch im Verkehr mit Mehreren gezwungen, sich auf sich zurückzuziehen, die Thatsachen hinzustellen, wie sie sind, aber jenen spielenden Aether der Humanität den Gegenständen zu nehmen, welcher ein Gespräch zu den angenehmsten Dingen der Welt macht. Man höre nur den Ton, in welchem Männer im Verkehr mit ganzen Gruppen von Männern zu reden pflegen, es ist als ob der Grundbass aller Rede der sei: "das bin ich, das sage ich, nun haltet davon, was ihr wollt!" Diess ist der Grund, wesshalb geistreiche Frauen bei Dem, welcher sie in der Gesellschaft kennen lernte, meistens einen befremdenden, peinlichen, abschreckenden Eindruck hinterlassen: es ist das Reden zu Vielen, vor Vielen, welches sie aller geistigen Liebenswürdigkeit beraubt und nur das bewusste Beruhen auf sich selbst, ihre Taktik und die Absicht auf öffentlichen Sieg in grellem Lichte zeigt: während die selben Frauen im Zwiegespräche wieder zu Weibern werden und ihre geistige Anmuth wiederfinden.
375
Nachruhm. — Auf die Anerkennung einer fernen Zukunft hoffen, hat nur Sinn, wenn man die Annahme macht, dass die Menschheit wesentlich unverändert bleibe und dass alles Grosse nicht für Eine, sondern für alle Zeiten als gross empfunden werden müsse. Diess ist aber ein Irrthum; die Menschheit, in allem Empfinden und Urtheilen über Das, was schön und gut ist, verwandelt sich sehr stark; es ist Phantasterei, von sich zu glauben, dass man eine Meile Wegs voraus sei und dass die gesammte Menschheit unsere Strasse ziehe. Zudem: ein Gelehrter, der verkannt wird, darf jetzt bestimmt darauf rechnen, dass seine Entdeckung von Anderen auch gemacht wird, und dass ihm besten Falls einmal später von einem Historiker zuerkannt wird, er habe diess und jenes auch schon gewusst, sei aber nicht im Stande gewesen, seinem Satz Glauben zu verschaffen. Nicht-anerkannt-werden wird von der Nachwelt immer als Mangel an Kraft ausgelegt.— Kurz, man soll der hochmüthigen Vereinsamung nicht so leicht das Wort reden. Es giebt übrigens Ausnahmefälle; aber zumeist sind es unsere Fehler, Schwächen und Narrheiten, welche die Anerkennung unserer grossen Eigenschaften verhindern.
376
Von den Freunden. — Ueberlege nur mit dir selber einmal, wie verschieden die Empfindungen, wie getheilt die Meinungen selbst unter den nächsten Bekannten sind; wie selbst gleiche Meinungen in den Köpfen deiner Freunde eine ganz andere Stellung oder Stärke haben, als in deinem; wie hundertfältig der Anlass kommt zum Missverstehen, zum feindseligen Auseinanderfliehen. Nach alledem wirst du dir sagen: wie unsicher ist der Boden, auf dem alle unsere Bündnisse und Freundschaften ruhen, wie nahe sind kalte Regengüsse oder böse Wetter, wie vereinsamt ist jeder Mensch! Sieht Einer diess ein und noch dazu, dass alle Meinungen und deren Art und Stärke bei seinen Mitmenschen ebenso nothwendig und unverantwortlich sind wie ihre Handlungen, gewinnt er das Auge für diese innere Nothwendigkeit der Meinungen aus der unlösbaren Verflechtung von Charakter, Beschäftigung, Talent, Umgebung,—so wird er vielleicht die Bitterkeit und Schärfe jener Empfindung los, mit der jener Weise rief: "Freunde, es giebt keine Freunde!" Er wird sich vielmehr eingestehen: ja es giebt Freunde, aber der Irrthum, die Täuschung über dich führte sie dir zu; und Schweigen müssen sie gelernt haben, um dir Freund zu bleiben; denn fast immer beruhen solche menschliche Beziehungen darauf, dass irgend ein paar Dinge nie gesagt werden, ja dass an sie nie gerührt wird; kommen diese Steinchen aber in's Rollen, so folgt die Freundschaft hinterdrein und zerbricht. Giebt es Menschen, welche nicht tödtlich zu verletzen sind, wenn sie erführen, was ihre vertrautesten Freunde im Grunde von ihnen wissen?— Indem wir uns selbst erkennen und unser Wesen selber als eine wandelnde Sphäre der Meinungen und Stimmungen ansehen und somit ein Wenig geringschätzen lernen, bringen wir uns wieder in's Gleichgewicht mit den Uebrigen. Es ist wahr, wir haben gute Gründe, jeden unserer Bekannten, und seien es die grössten, gering zu achten; aber eben so gute, diese Empfindung gegen uns selber zu kehren.— Und so wollen wir es mit einander aushalten, da wir es ja mit uns aushalten; und vielleicht kommt jedem auch einmal die freudigere Stunde, wo er sagt:
"Freunde, es giebt keine Freunde!" so rief der sterbende Weise;
"Feinde, es giebt keinen Feind!"—ruf' ich, der lebende Thor.
Siebentes Hauptstück. Weib und Kind.
377
Das vollkommene Weib. — Das vollkommene Weib ist ein höherer Typus des Menschen, als der vollkommene Mann: auch etwas viel Selteneres.— Die Naturwissenschaft der Thiere bietet ein Mittel, diesen Satz wahrscheinlich zu machen.
378
Freundschaft und Ehe.— Der beste Freund wird wahrscheinlich die beste Gattin bekommen, weil die gute Ehe auf dem Talent zur Freundschaft beruht.
379
Fortleben der Eltern. — Die unaufgelösten Dissonanzen im Verhältniss von Charakter und Gesinnung der Eltern klingen in dem Wesen des Kindes fort und machen seine innere Leidensgeschichte aus.
380
Von der Mutter her. — Jedermann trägt ein Bild des Weibes von der Mutter her in sich: davon wird er bestimmt, die Weiber überhaupt zu verehren oder sie geringzuschätzen oder gegen sie im Allgemeinen gleichgültig zu sein.
381
Die Natur corrigiren.— Wenn man keinen guten Vater hat, so soll man sich einen anschaffen.
382
Väter und Söhne.— Väter haben viel zu thun, um es wieder gut zu machen, dass sie Söhne haben.
383
Irrthum vornehmer Frauen. — Die vornehmen Frauen denken, dass eine Sache gar nicht da ist, wenn es nicht möglich ist, von ihr in der Gesellschaft zu sprechen.
384
Eine Männerkrankheit.— Gegen die Männerkrankheit der Selbstverachtung hilft es am sichersten, von einem klugen Weibe geliebt zu werden.
385
Eine Art der Eifersucht. — Mütter sind leicht eifersüchtig auf die Freunde ihrer Söhne, wenn diese besondere Erfolge haben. Gewöhnlich liebt eine Mutter sich mehr in ihrem Sohn, als den Sohn selber.
386
Vernünftige Unvernunft.— In der Reife des Lebens und des Verstandes überkommt den Menschen das Gefühl, dass sein Vater Unrecht hatte, ihn zu zeugen.
387
Mütterliche Güte.— Manche Mutter braucht glückliche geehrte Kinder, manche unglückliche: sonst kann sich ihre Güte als Mutter nicht zeigen.
388
Verschiedene Seufzer.— Einige Männer haben über die Entführung ihrer Frauen geseufzt, die meisten darüber, dass Niemand sie ihnen entführen wollte.
389
Liebesheirathen. — Die Ehen, welche aus Liebe geschlossen werden (die sogenannten Liebesheirathen), haben den Irrthum zum Vater und die Noth (das Bedürfniss) zur Mutter.
390
Frauenfreundschaft. — Frauen können recht gut mit einem Manne Freundschaft schliessen; aber um diese aufrecht zu erhalten—dazu muss wohl eine kleine physische Antipathie mithelfen.
391
Langeweile.— Viele Menschen, namentlich Frauen, empfinden die Langeweile nicht, weil sie niemals ordentlich arbeiten gelernt haben.
392
Ein Element der Liebe.— In jeder Art der weiblichen Liebe kommt auch Etwas von der mütterlichen Liebe zum Vorschein.
393
Die Einheit des Ortes und das Drama.— Wenn die Ehegatten nicht beisammen lebten, würden die guten Ehen häufiger sein.
394
Gewöhnliche Folgen der Ehe. — Jeder Umgang, der nicht hebt, zieht nieder, und umgekehrt; desshalb sinken gewöhnlich die Männer etwas, wenn sie Frauen nehmen, während die Frauen etwas gehoben werden. Allzu geistige Männer bedürfen eben so sehr der Ehe, als sie ihr wie einer widrigen Medicin widerstreben.
395
Befehlen lehren.— Kinder aus bescheidenen Familien muss man eben so sehr das Befehlen durch Erziehung lehren, wie andere Kinder das Gehorchen.
396
Verliebt werden wollen.— Verlobte, welche die Convenienz zusammengefügt hat, bemühen sich häufig, verliebt zu werden, um über den Vorwurf der kalten, berechnenden Nützlichkeit hinwegzukommen. Ebenso bemühen sich Solche, die ihres Vortheils wegen zum Christenthum umlenken, wirklich fromm zu werden; denn so wird das religiöse Mienenspiel ihnen leichter.
397
Kein Stillstand in der Liebe.— Ein Musiker, der das langsame Tempo liebt, wird die selben Tonstücke immer langsamer nehmen. So giebt es in keiner Liebe ein Stillstehen.
398
Schamhaftigkeit.— Mit der Schönheit der Frauen nimmt im Allgemeinen ihre Schamhaftigkeit zu.
399
Ehe von gutem Bestand. — Eine Ehe, in der Jedes durch das Andere ein individuelles Ziel erreichen will, hält gut zusammen, zum Beispiel wenn die Frau durch den Mann berühmt, der Mann durch die Frau beliebt werden will.
400
Proteus-Natur.— Weiber werden aus Liebe ganz zu dem, als was sie in der Vorstellung der Männer, von denen sie geliebt werden, leben.
401
Lieben und besitzen. — Frauen lieben meistens einen bedeutenden Mann so, dass sie ihn allein haben wollen. Sie würden ihn gern in Verschluss legen, wenn nicht ihre Eitelkeit widerriethe: diese will, dass er auch vor Anderen bedeutend erscheine.
402
Probe einer guten Ehe.— Die Güte einer Ehe bewährt sich dadurch, dass sie einmal eine "Ausnahme" verträgt.
403
Mittel, Alle zu Allem zu bringen. — Man kann Jedermann so durch Unruhen, Aengste, Ueberhäufung von Arbeit und Gedanken abmatten und schwach machen, dass er einer Sache, die den Schein des Complicirten hat, nicht mehr widersteht, sondern ihr nachgiebt,—das wissen die Diplomaten und die Weiber.
404
Ehrbarkeit und Ehrlichkeit. — Jene Mädchen, welche allein ihrem Jugendreize die Versorgung für's ganze Leben verdanken wollen und deren Schlauheit die gewitzigten Mütter noch souffliren, wollen ganz das Selbe wie die Hetären, nur dass sie klüger und unehrlicher als diese sind.
405
Masken. — Es giebt Frauen, die, wo man bei ihnen auch nachsucht, kein Inneres haben, sondern reine Masken sind. Der Mann ist zu beklagen, der sich mit solchen fast gespenstischen, nothwendig unbefriedigenden Wesen einlässt, aber gerade sie vermögen das Verlangen des Mannes auf das stärkste zu erregen: er sucht nach ihrer Seele—und sucht immer fort.
406
Die Ehe als langes Gespräch. — Man soll sich beim Eingehen einer Ehe die Frage vorlegen: glaubst du, dich mit dieser Frau bis in's Alter hinein gut zu unterhalten? Alles Andere in der Ehe ist transitorisch, aber die meiste Zeit des Verkehrs gehört dem Gespräche an.
407
Mädchenträume. — Unerfahrene Mädchen schmeicheln sich mit der Vorstellung, dass es in ihrer Macht stehe, einen Mann glücklich zu machen; später lernen sie, dass es so viel heisst als: einen Mann geringschätzen, wenn man annimmt, dass es nur eines Mädchens bedürfe, um ihn glücklich zu machen.— Die Eitelkeit der Frauen verlangt, dass ein Mann mehr sei, als ein glücklicher Gatte.
408
Aussterben von Faust und Gretchen. — Nach der sehr einsichtigen Bemerkung eines Gelehrten ähneln die gebildeten Männer des gegenwärtigen Deutschland einer Mischung von Mephistopheles und Wagner, aber durchaus nicht Fausten: welchen die Grossväter (in ihrer Jugend wenigstens) in sich rumoren fühlten. Zu ihnen passen also—um jenen Satz fortzusetzen—aus zwei Gründen die Gretchen nicht. Und weil sie nicht mehr begehrt werden, so sterben sie, scheint es, aus.
409
Mädchen als Gymnasiasten. — Um Alles in der Welt nicht noch unsere Gymnasialbildung auf die Mädchen übertragen! Sie, die häufig aus geistreichen, wissbegierigen, feurigen jungen—Abbilder ihrer Lehrer macht!
410
Ohne Nebenbuhlerinnen. — Frauen merken es einem Manne leicht an, ob seine Seele schon in Besitz genommen ist; sie wollen ohne Nebenbuhlerinnen geliebt sein und verargen ihm die Ziele seines Ehrgeizes, seine politischen Aufgaben, seine Wissenschaften und Künste, wenn er eine Leidenschaft zu solchen Sachen hat. Es sei denn, dass er durch diese glänze,—dann erhoffen sie, im Falle einer Liebesverbindung mit ihm, zugleich einen Zuwachs ihres Glanzes; wenn es so steht, begünstigen sie den Liebhaber.
411
Der weibliche Intellect. — Der Intellect der Weiber zeigt sich als vollkommene Beherrschung, Gegenwärtigkeit des Geistes, Benutzung aller Vortheile. Sie vererben ihn als ihre Grundeigenschaft auf ihre Kinder, und der Vater giebt den dunkleren Hintergrund des Willens dazu. Sein Einfluss bestimmt gleichsam Rhythmus und Harmonie, mit denen das neue Leben abgespielt werden soll; aber die Melodie desselben stammt vom Weibe.— Für Solche gesagt, welche Etwas sich zurecht zu legen wissen: die Weiber haben den Verstand, die Männer das Gemüth und die Leidenschaft. Dem widerspricht nicht, dass die Männer thatsächlich es mit ihrem Verstande so viel weiterbringen: sie haben die tieferen, gewaltigeren Antriebe; diese tragen ihren Verstand, der an sich etwas Passives ist, so weit. Die Weiber wundern sich im Stillen oft über die grosse Verehrung, welche die Männer ihrem Gemüthe zollen. Wenn die Männer vor Allem nach einem tiefen, gemüthvollen Wesen, die Weiber aber nach einem klugen, geistesgegenwärtigen und glänzenden Wesen bei der Wahl ihres Ehegenossen suchen, so sieht man im Grunde deutlich, wie der Mann nach dem idealisirten Manne, das Weib nach dem idealisirten Weibe sucht, also nicht nach Ergänzung, sondern nach Vollendung der eigenen Vorzüge.
412
Ein Urtheil Hesiod's bekräftigt. — Ein Zeichen für die Klugheit der Weiber ist es, dass sie es fast überall verstanden haben, sich ernähren zu lassen, wie Drohnen im Bienenkorbe. Man erwäge doch, was das aber ursprünglich bedeuten will und warum die Männer sich nicht von den Frauen ernähren lassen. Gewiss weil die männliche Eitelkeit und Ehrsucht grösser als die weibliche Klugheit ist; denn die Frauen haben es verstanden, sich durch Unterordnung doch den überwiegenden Vortheil, ja die Herrschaft zu sichern. Selbst das Pflegen der Kinder könnte ursprünglich von der Klugheit der Weiber als Vorwand benutzt sein, um sich der Arbeit möglichst zu entziehen. Auch jetzt noch verstehen sie, wenn sie wirklich thätig sind, zum Beispiel als Haushälterinnen, davon ein sinnverwirrendes Aufheben zu machen: so dass von den Männern das Verdienst ihrer Thätigkeit zehnfach überschätzt zu werden pflegt.
413
Die Kurzsichtigen sind verliebt. — Mitunter genügt schon eine stärkere Brille, um den Verliebten zu heilen; und wer die Kraft der Einbildung hätte, um ein Gesicht, eine Gestalt sich zwanzig Jahre älter vorzustellen, gienge vielleicht sehr ungestört durch das Leben.
414
Frauen im Hass. — Im Zustande des Hasses sind Frauen gefährlicher, als Männer; zuvörderst weil sie durch keine Rücksicht auf Billigkeit in ihrer einmal erregten feindseligen Empfindung gehemmt werden, sondern ungestört ihren Hass bis zu den letzten Consequenzen anwachsen lassen, sodann weil sie darauf eingeübt sind, wunde Stellen (die jeder Mensch, jede Partei hat) zu finden und dort hinein zu stechen: wozu ihnen ihr dolchspitzer Verstand treffliche Dienste leistet (während die Männer beim Anblick von Wunden zurückhaltend, oft grossmüthig und versöhnlich gestimmt werden).
415
Liebe. — Die Abgötterei, welche die Frauen mit der Liebe treiben, ist im Grunde und ursprünglich eine Erfindung der Klugheit, insofern sie ihre Macht durch alle jene Idealisirungen der Liebe erhöhen und sich in den Augen der Männer als immer begehrenswerther darstellen. Aber durch die Jahrhundertelange Gewöhnung an diese übertriebene Schätzung der Liebe ist es geschehen, dass sie in ihr eigenes Netz gelaufen sind und jenen Ursprung vergessen haben. Sie selber sind jetzt noch mehr die Getäuschten, als die Männer, und leiden desshalb auch mehr an der Enttäuschung, welche fast nothwendig im Leben jeder Frau eintreten wird—sofern sie überhaupt Phantasie und Verstand genug hat, um getäuscht und enttäuscht werden zu können.
416
Zur Emancipation der Frauen. — Können die Frauen überhaupt gerecht sein, wenn sie so gewohnt sind, zu lieben, gleich für oder wider zu empfinden? Daher sind sie auch seltener für Sachen, mehr für Personen eingenommen: sind sie es aber für Sachen, so werden sie sofort deren Parteigänger und verderben damit die reine unschuldige Wirkung derselben. So entsteht eine nicht geringe Gefahr, wenn ihnen die Politik und einzelne Theile der Wissenschaft anvertraut werden (zum Beispiel Geschichte). Denn was wäre seltener, als eine Frau, welche wirklich wüsste, was Wissenschaft ist? Die besten nähren sogar im Busen gegen sie eine heimliche Geringschätzung, als ob sie irgend wodurch ihr überlegen wären. Vielleicht kann diess Alles anders werden, einstweilen ist es so.
417
Die Inspiration im Urtheile der Frauen. — Jene plötzlichen Entscheidungen über das Für und Wider, welche Frauen zu geben pflegen, die blitzschnellen Erhellungen persönlicher Beziehungen durch ihre hervorbrechenden Neigungen und Abneigungen, kurz die Beweise der weiblichen Ungerechtigkeit sind von liebenden Männern mit einem Glanz umgeben worden, als ob alle Frauen Inspirationen von Weisheit hätten, auch ohne den delphischen Kessel und die Lorbeerbinde: und ihre Aussprüche werden noch lange nachher wie sibyllinische Orakel interpretirt und zurechtgelegt. Wenn man aber erwägt, dass für jede Person, für jede Sache sich etwas geltend machen lässt, aber ebenso gut auch Etwas gegen sie, dass alle Dinge nicht nur zwei-, sondern drei- und vierseitig sind, so ist es beinahe Schwer, mit solchen plötzlichen Entscheidungen gänzlich fehl zu greifen; ja man könnte sagen: die Natur der Dinge ist so eingerichtet, dass die Frauen immer Recht behalten.
418
Sich lieben lassen. — Weil die eine von zwei liebenden Personen gewöhnlich die liebende, die andere die geliebte Person ist, so ist der Glaube entstanden, es gäbe in jedem Liebeshandel ein gleichbleibendes Maass von Liebe: je mehr eine davon an sich reisse, um so weniger bleibe für die andere Person übrig. Ausnahmsweise kommt es vor, dass die Eitelkeit jede der beiden Personen überredet, sie sei die, welche geliebt werden müsse; so dass sich beide lieben lassen wollen: woraus sich namentlich in der Ehe mancherlei halb drollige, halb absurde Scenen ergeben.
419
Widersprüche in weiblichen Köpfen. — Weil die Weiber so viel mehr persönlich als sachlich sind, vertragen sich in ihrem Gedankenkreise Richtungen, die logisch mit einander in Widerspruch sind: sie pflegen sich eben für die Vertreter dieser Richtungen der Reihe nach zu begeistern und nehmen deren Systeme in Bausch und Bogen an; doch so, dass überall dort eine todte Stelle entsteht, wo eine neue Persönlichkeit später das Uebergewicht bekommt. Es kommt vielleicht vor, dass die ganze Philosophie im Kopf einer alten Frau aus lauter solchen todten Stellen besteht.
420
Wer leidet mehr?— Nach einem persönlichen Zwiespalt und Zanke zwischen einer Frau und einem Manne leidet der eine Theil am meisten bei der Vorstellung, dem anderen Wehe gethan zu haben; während jener am meisten bei der Vorstellung leidet, dem andern nicht genug Wehe gethan zu haben, wesshalb er sich bemüht, durch Thränen, Schluchzen und verstörte Mienen, ihm noch hinterdrein das Herz schwer zu machen.
421
Gelegenheit zu weiblicher Grossmuth. — Wenn man sich über die Ansprüche der Sitte einmal in Gedanken hinwegsetzt, so könnte man wohl erwägen, ob nicht Natur und Vernunft den Mann auf mehrfache Verheirathung nach einander anweist, etwa in der Gestalt, dass er zuerst im Alter von zwei und zwanzig Jahren ein älteres Mädchen heirathet, das ihm geistig und sittlich überlegen ist und seine Führerin durch die Gefahren der zwanziger Jahre (Ehrgeiz, Hass, Selbstverachtung, Leidenschaften aller Art) werden kann. Die Liebe dieser würde später ganz in das Mütterliche übertreten, und sie ertrüge es nicht nur, sondern förderte es auf die heilsamste Weise, wenn der Mann in den dreissiger Jahren mit einem ganz jungen Mädchen eine Verbindung eingienge, dessen Erziehung er selber in die Hand nähme.— Die Ehe ist für die zwanziger Jahre einnöthiges, für die dreissiger ein nützliches, aber nicht nöthiges Institut: für das spätere Leben wird sie oft schädlich und befördert die geistige Rückbildung des Mannes.
422
Tragödie der Kindheit. — Es kommt vielleicht nicht selten vor, dass edel- und hochstrebende Menschen ihren härtesten Kampf in der Kindheit zu bestehen haben: etwa dadurch, dass sie ihre Gesinnung gegen einen niedrig denkenden, dem Schein und der Lügnerei ergebenen Vater durchsetzen müssen, oder fortwährend, wie Lord Byron, im Kampfe mit einer kindischen und zornwüthigen Mutter leben. Hat man so Etwas erlebt, so wird man sein Leben lang es nicht verschmerzen, zu wissen, wer Einem eigentlich der grösste, der gefährlichste Feind gewesen ist.
423
Eltern-Thorheit. — Die gröbsten Irrthümer in der Beurtheilung eines Menschen werden von dessen Eltern gemacht: diess ist eine Thatsache, aber wie soll man sie erklären? Haben die Eltern zu viele Erfahrung von dem Kinde und können sie diese nicht mehr zu einer Einheit zusammenbringen? Man bemerkt, dass Reisende unter fremden Völkern nur in der ersten Zeit ihres Aufenthaltes die allgemeinen unterscheidenden Züge eines Volkes richtig erfassen; je mehr sie das Volk kennen lernen, desto mehr verlernen sie, das Typische und Unterscheidende an ihm zu sehen. Sobald sie nah-sichtig werden, hören ihre Augen auf, fern-sichtig zu sein. Sollten die Eltern desshalb falsch über das Kind urtheilen, weil sie ihm nie fern genug gestanden haben?—Eine ganz andere Erklärung wäre folgende: die Menschen pflegen über das Nächste, was sie umgiebt, nicht mehr nachzudenken, sondern es nur hinzunehmen. Vielleicht ist die gewohnheitsmässige Gedankenlosigkeit der Eltern der Grund, wesshalb sie, einmal genöthigt über ihre Kinder zu urtheilen, so schief urtheilen.
424
Aus der Zukunft der Ehe. — Jene edlen, freigesinnten Frauen, welche die Erziehung und Erhebung des weiblichen Geschlechtes sich zur Aufgabe stellen, sollen einen Gesichtspunct nicht übersehen: die Ehe in ihrer höheren Auffassung gedacht, als Seelenfreundschaft zweier Menschen verschiedenen Geschlechts, also so, wie sie von der Zukunft erhofft wird, zum Zweck der Erzeugung und Erziehung einer neuen Generation geschlossen,—eine solche Ehe, welche das Sinnliche gleichsam nur als ein seltenes, gelegentliches Mittel für einen grösseren Zweck gebraucht, bedarf wahrscheinlich, wie man besorgen muss, einer natürlichen Beihülfe, des Concubinats; denn wenn aus Gründen der Gesundheit des Mannes das Eheweib auch zur alleinigen Befriedigung des geschlechtlichen Bedürfnisses dienen soll, so wird bei der Wahl einer Gattin schon ein falscher, den angedeuteten Zielen entgegengesetzter Gesichtspunct maassgebend sein: die Erzielung der Nachkommenschaft wird zufällig, die glückliche Erziehung höchst unwahrscheinlich. Eine gute Gattin, welche Freundin, Gehülfin, Gebärerin, Mutter, Familienhaupt, Verwalterin sein soll, ja vielleicht abgesondert von dem Manne ihrem eigenen Geschäft und Amte vorzustehen hat, kann nicht zugleich Concubine sein: es hiesse im Allgemeinen zu viel von ihr verlangen. Somit könnte in Zukunft das Umgekehrte dessen eintreten, was zu Perikles' Zeiten in Athen sich begab: die Männer, welche damals an ihren Eheweibern nicht viel mehr als Concubinen hatten, wandten sich nebenbei zu den Aspasien, weil sie nach den Reizen einer kopf- und herzbefreienden Geselligkeit verlangten, wie eine solche nur die Anmuth und geistige Biegsamkeit der Frauen zu schaffen vermag. Alle menschlichen Institutionen, wie die Ehe, gestatten nur einen mässigen Grad von praktischer Idealisirung, widrigenfalls sofort grobe Remeduren nöthig werden.
425
Sturm- und Drangperiode der Frauen. — Man kann in den drei oder vier civilisirten Ländern Europa's aus den Frauen durch einige Jahrhunderte von Erziehung Alles machen, was man will, selbst Männer, freilich nicht in geschlechtlichem Sinne, aber doch in jedem anderen Sinne. Sie werden unter einer solchen Einwirkung einmal alle männlichen Tugenden und Stärken angenommen haben, dabei allerdings auch deren Schwächen und Laster mit in den Kauf nehmen müssen: so viel, wie gesagt, kann man erzwingen. Aber wie werden wir den dadurch herbeigeführten Zwischenzustand aushalten, welcher vielleicht selber ein paar Jahrhunderte dauern kann, während denen die weiblichen Narrheiten und Ungerechtigkeiten, ihr uraltes Angebinde, noch die Uebermacht über alles Hinzugewonnene, Angelernte behaupten? Diese Zeit wird es sein, in welcher der Zorn den eigentlich männlichen Affect ausmacht, der Zorn darüber, dass alle Künste und Wissenschaften durch einen unerhörten Dilettantismus überschwemmt und verschlammt sind, die Philosophie durch sinnverwirrendes Geschwätz zu Tode geredet, die Politik phantastischer und parteiischer als je, die Gesellschaft in voller Auflösung ist, weil die Bewahrerinnen der alten Sitte sich selber lächerlich geworden und in jeder Beziehung ausser der Sitte zu stehen bestrebt sind. Hatten nämlich die Frauen ihre grösste Macht in der Sitte, wonach werden sie greifen müssen, um eine ähnliche Fülle der Macht wiederzugewinnen, nachdem sie die Sitte aufgegeben haben?
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Freigeist und Ehe. — Ob die Freigeister mit Frauen leben werden? Im Allgemeinen glaube ich, dass sie, gleich den wahrsagenden Vögeln des Alterthums, als die Wahrdenkenden, Wahrheit-Redenden der Gegenwart es vorziehen müssen, allein zu fliegen.
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Glück der Ehe. — Alles Gewohnte zieht ein immer fester werdendes Netz von Spinneweben um uns zusammen; und alsobald merken wir, dass die Fäden zu Stricken geworden sind und dass wir selber als Spinne in der Mitte sitzen, die sich hier gefangen hat und von ihrem eigenen Blute zehren muss. Desshalb hasst der Freigeist alle Gewöhnungen und Regeln, alles Dauernde und Definitive, desshalb reisst er, mit Schmerz, das Netz um sich immer wieder auseinander: wiewohl er in Folge dessen an zahlreichen kleinen und grossen Wunden leiden wird,—denn jene Fäden muss er von sich, von seinem Leibe, seiner Seele abreissen. Er muss dort lieben lernen, wo er bisher hasste, und umgekehrt. Ja es darf für ihn nichts Unmögliches sein, auf das selbe Feld Drachenzähne auszusäen, auf welches er vorher die Füllhörner seiner Güte ausströmen liess.— Daraus lässt sich abnehmen, ob er für das Glück der Ehe geschaffen ist.
428
Zunahe. — Leben wir zu nahe mit einem Menschen zusammen, so geht es uns so, wie wenn wir einen guten Kupferstich immer wieder mit blossen Fingern anfassen: eines Tages haben wir schlechtes beschmutztes Papier und Nichts weiter mehr in den Händen. Auch die Seele eines Menschen wird durch beständiges Angreifen endlich abgegriffen; mindestens erscheint sie uns endlich so,—wir sehen ihre ursprüngliche Zeichnung und Schönheit nie wieder.— Man verliert immer durch den allzuvertraulichen Umgang mit Frauen und Freunden; und mitunter verliert man die Perle seines Lebens dabei.
429
Die goldene Wiege. — Der Freigeist wird immer aufathmen, wenn er sich endlich entschlossen hat, jenes mutterhafte Sorgen und Bewachen, mit welchem die Frauen um ihn walten, von sich abzuschütteln. Was schadet ihm denn ein rauherer Luftzug, den man so ängstlich von ihm wehrte, was bedeutet ein wirklicher Nachtheil, Verlust, Unfall, eine Erkrankung, Verschuldung, Bethörung mehr oder weniger in seinem Leben, verglichen mit der Unfreiheit der goldenen Wiege, des Pfauenschweif-Wedels und der drückenden Empfindung, noch dazu dankbar sein zu müssen, weil er wie ein Säugling gewartet und verwöhnt wird? Desshalb kann sich die Milch, welche die mütterliche Gesinnung der ihn umgebenden Frauen reicht, so leicht in Galle verwandeln.
430
Freiwilliges Opferthier. — Durch Nichts erleichtern bedeutende Frauen ihren Männern, falls diese berühmt und gross sind, das Leben so sehr, als dadurch dass sie gleichsam das Gefäss der allgemeinen Ungunst und gelegentlichen Verstimmung der übrigen Menschen werden. Die Zeitgenossen pflegen ihren grossen Männern viel Fehlgriffe und Narrheiten, ja Handlungen grober Ungerechtigkeit nachzusehen, wenn sie nur Jemanden finden, den sie als eigentliches Opferthier zur Erleichterung ihres Gemüthes misshandeln und schlachten dürfen. Nicht selten findet eine Frau den Ehrgeiz in sich, sich zu dieser Opferung anzubieten, und dann kann freilich der Mann sehr zufrieden sein,—falls er nämlich Egoist genug ist, um sich einen solchen freiwilligen Blitz-, Sturm- und Regenableiter in seiner Nähe gefallen zu lassen.
431
Angenehme Widersacher. — Die naturgemässe Neigung der Frauen zu ruhigem, gleichmässigem, glücklich zusammenstimmendem Dasein und Verkehren, das Oelgleiche und Beschwichtigende ihrer Wirkungen auf dem Meere des Lebens, arbeitet unwillkürlich dem heroischeren inneren Drange des Freigeistes entgegen. Ohne dass sie es merken, handeln die Frauen so, als wenn man dem wandernden Mineralogen die Steine vom Wege nimmt, damit sein Fuss nicht daran stosse,—während er gerade ausgezogen ist, um daran zu stossen.
432
Missklang zweier Consonanzen.— Die Frauen wollen dienen und haben darin ihr Glück: und der Freigeist will nicht bedient sein und hat darin sein Glück.
433
Xanthippe. — Sokrates fand eine Frau, wie er sie brauchte,—aber auch er hätte sie nicht gesucht, falls er sie gut genug gekannt hätte: so weit wäre auch der Heroismus dieses freien Geistes nicht gegangen. Thatsächlich trieb ihn Xanthippe in seinen eigenthümlichen Beruf immer mehr hinein, indem sie ihm Haus und Heim unhäuslich und unheimlich machte: sie lehrte ihn, auf den Gassen und überall dort zu leben, wo man schwätzen und müssig sein konnte und bildete ihn damit zum grössten athenischen Gassen-Dialektiker aus: der sich zuletzt selber mit einer zudringlichen Bremse vergleichen musste, welche dem schönen Pferde Athen von einem Gotte auf den Nacken gesetzt sei, um es nicht zur Ruhe kommen zu lassen.
434
Für die Ferne blind. — Ebenso wie die Mütter eigentlich nur Sinn und Auge für die augen- und sinnfälligen Schmerzen ihrer Kinder haben, so vermögen die Gattinnen hoch strebender Männer es nicht über sich zu gewinnen, ihre Ehegenossen leidend, darbend und gar missachtet zu sehen,—während vielleicht alles diess nicht nur die Wahrzeichen einer richtigen Wahl ihrer Lebenshaltung, sondern schon die Bürgschaften dafür sind, dass ihre grossen Ziele irgendwann einmal erreicht werden müssen. Die Frauen intriguiren im Stillen immer gegen die höhere Seele ihrer Männer; sie wollen dieselbe um ihre Zukunft, zu Gunsten einer schmerzlosen, behaglichen Gegenwart, betrügen.
435
Macht und Freiheit. — So hoch Frauen ihre Männer ehren, so ehren sie doch die von der Gesellschaft anerkannten Gewalten und Vorstellungen noch mehr: sie sind seit Jahrtausenden gewohnt, vor allem Herrschenden gebückt, die Hände auf die Brust gefaltet, einherzugehen und missbilligen alle Auflehnung gegen die öffentliche Macht. Desshalb hängen sie sich, ohne es auch nur zu beabsichtigen, vielmehr wie aus Instinct, als Hemmschuh in die Räder eines freigeisterischen unabhängigen Strebens und machen unter Umständen ihre Gatten aufs Höchste ungeduldig, zumal wenn diese sich noch vorreden, dass Liebe es sei, was die Frauen im Grunde dabei antreibe. Die Mittel der Frauen missbilligen und grossmüthig die Motive dieser Mittel ehren,—das ist Männer-Art und oft genug Männer-Verzweiflung.
436
Ceterum censeo. — Es ist zum Lachen, wenn eine Gesellschaft von Habenichtsen die Abschaffung des Erbrechts decretirt, und nicht minder zum Lachen ist es, wenn Kinderlose an der praktischen Gesetzgebung eines Landes arbeiten:—sie haben ja nicht genug Schwergewicht in ihrem Schiffe, um sicher in den Ocean der Zukunft hineinsegeln zu können. Aber ebenso ungereimt erscheint es, wenn Der, welcher die allgemeinste Erkenntniss und die Abschätzung des gesammten Daseins zu seiner Aufgabe erkoren hat, sich mit persönlichen Rücksichten auf eine Familie, auf Ernährung, Sicherung, Achtung von Weib und Kind, belastet und vor sein Teleskop jenen trüben Schleier aufspannt, durch welchen kaum einige Strahlen der fernen Gestirnwelt hindurchzudringen vermögen. So komme auch ich zu dem Satze, dass in den Angelegenheiten der höchsten philosophischen Art alle Verheiratheten verdächtig sind.
437
Zuletzt. — Es giebt mancherlei Arten von Schierling, und gewöhnlich findet das Schicksal eine Gelegenheit, dem Freigeiste einen Becher dieses Giftgetränkes an die Lippen zu setzen,—um ihn zu "strafen," wie dann alle Welt sagt. Was thun dann die Frauen um ihn? Sie werden schreien und wehklagen und vielleicht die Sonnenuntergangs-Ruhe des Denkers stören: wie sie es im Gefängniss von Athen thaten. "O Kriton, heisse doch Jemanden diese Weiber da fortführen!" sagte endlich Sokrates.—
Achtes Hauptstück. Ein Blick auf den Staat.
438
Um das Wort bitten. — Der demagogische Charakter und die Absicht, auf die Massen zu wirken, ist gegenwärtig allen politischen Parteien gemeinsam: sie alle sind genöthigt, der genannten Absicht wegen, ihre Principien zu grossen Alfresco-Dummheiten umzuwandeln und sie so an die Wand zu malen. Daran ist Nichts mehr zu ändern, ja es ist überflüssig, auch nur einen Finger dagegen aufzuheben; denn auf diesem Gebiete gilt, was Voltaire sagt: quand la populace se mêle de raisonner, tout est perdu. Seitdem diess geschehen ist, muss man sich den neuen Bedingungen fügen, wie man sich fügt, wenn ein Erdbeben die alten Gränzen und Umrisse der Bodengestalt verrückt und den Werth des Besitzes verändert hat. Ueberdiess: wenn es sich nun einmal bei aller Politik darum handelt, möglichst Vielen das Leben erträglich zu machen, so mögen immerhin diese Möglichst-Vielen auch bestimmen, was sie unter einem erträglichen Leben verstehen; trauen sie sich den Intellect zu, auch die richtigen Mittel zu diesem Ziele zu finden, was hülfe es, daran zu zweifeln? Sie wollen nun einmal ihres Glückes und Unglückes eigene Schmiede sein; und wenn dieses Gefühl der Selbstbestimmung, der Stolz auf die fünf, sechs Begriffe, welche ihr Kopf birgt und zu Tage bringt, ihnen in der That das Leben so angenehm macht, dass sie die fatalen Folgen ihrer Beschränktheit gern ertragen: so ist wenig einzuwenden, vorausgesetzt, dass die Beschränktheit nicht so weit geht, zu verlangen, es solle Alles in diesem Sinne zur Politik werden, es solle Jeder nach solchem Maassstabe leben und wirken. Zuerst nämlich muss es Einigen mehr als je, erlaubt sein, sich der Politik zu enthalten und ein Wenig bei Seite zu treten: dazu treibt auch sie die Lust an der Selbstbestimmung, und auch ein kleiner Stolz mag damit verbunden sein, zu schweigen, wenn zu Viele oder überhaupt nur Viele reden. Sodann muss man es diesen Wenigen nachsehen, wenn sie das Glück der Vielen, verstehe man nun darunter Völker oder Bevölkerungsschichten, nicht so wichtig nehmen und sich hie und da eine ironische Miene zu Schulden kommen lassen; denn ihr Ernst liegt anderswo, ihr Glück ist ein anderer Begriff, ihr Ziel ist nicht von jeder plumpen Hand, welche eben nur fünf Finger hat, zu umspannen. Endlich kommt—was ihnen gewiss am schwersten zugestanden wird, aber ebenfalls zugestanden werden muss—von Zeit zu Zeit ein Augenblick, wo sie aus ihren schweigsamen Vereinsamungen heraustreten und die Kraft ihrer Lungen wieder einmal versuchen: dann rufen sie nämlich einander zu wie Verirrte in einem Walde, um sich einander zu erkennen zu geben und zu ermuthigen; wobei freilich Mancherlei laut wird, was den Ohren, für welche es nicht bestimmt ist, übel klingt.— Nun, bald darauf ist es wieder stille im Walde, so stille, dass man das Schwirren, Summen und Flattern der zahllosen Insecten, welche in, über und unter ihm leben, wieder deutlich vernimmt. —
439
Cultur und Kaste. —Eine höhere Cultur kann allein dort entstehen, wo es zwei unterschiedene Kasten der Gesellschaft giebt: die der Arbeitenden und die der Müssigen, zu wahrer Musse Befähigten; oder mit stärkerem Ausdruck: die Kaste der Zwangs-Arbeit und die Kaste der Frei-Arbeit. Der Gesichtspunct der Vertheilung des Glücks ist nicht wesentlich, wenn es sich um die Erzeugung einer höheren Cultur handelt; jedenfalls aber ist die Kaste der Müssigen die leidensfähigere, leidendere, ihr Behagen am Dasein ist geringer, ihre Aufgabe grösser. Findet nun gar ein Austausch der beiden Kasten statt, so, dass die stumpferen, ungeistigeren Familien und Einzelnen aus der oberen Kaste in die niedere herabgesetzt werden und wiederum die freieren Menschen aus dieser den Zutritt zur höheren erlangen: so ist ein Zustand erreicht, über den hinaus man nur noch das offene Meer unbestimmter Wünsche sieht.— So redet die verklingende Stimme der alten Zeit zu uns; aber wo sind noch Ohren, sie zu hören?
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Von Geblüt. —Das, was Männer und Frauen von Geblüt vor Anderen voraus haben und was ihnen unzweifelhaftes Anrecht auf höhere Schätzung giebt, sind zwei durch Vererbung immer mehr gesteigerte Künste: die Kunst, befehlen zu können, und die Kunst des stolzen Gehorsams.— Nun entsteht überall, wo das Befehlen zum Tagesgeschäft gehört (wie in der grossen Kaufmanns- und Industrie-Welt), etwas Aehnliches wie jene Geschlechter "von Geblüt," aber ihnen fehlt die vornehme Haltung im Gehorsam, welche bei jenen eine Erbschaft feudaler Zustände ist und die in unserem Cultur-Klima nicht mehr wachsen will.
441
Subordination. — Die Subordination, welche im Militär- und Beamtenstaate so hoch geschätzt wird, wird uns bald ebenso unglaublich werden, wie die geschlossene Taktik der Jesuiten es bereits geworden ist; und wenn diese Subordination nicht mehr möglich ist, lässt sich eine Menge der erstaunlichsten Wirkungen nicht mehr erreichen, und die Welt wird ärmer sein. Sie muss schwinden, denn ihr Fundament schwindet: der Glaube an die unbedingte Autorität, an die endgültige Wahrheit; selbst in Militärstaaten ist der physische Zwang nicht ausreichend, sie hervorzubringen, sondern die angeerbte Adoration vor dem Fürstlichen wie vor etwas Uebermenschlichem.— In freieren Verhältnissen ordnet man sich nur auf Bedingungen unter, in Folge gegenseitigen Vertrages, also mit allen Vorbehalten des Eigennutzes.
442
Volksheere. —Der grösste Nachtheil der jetzt so verherrlichten Volksheere besteht in der Vergeudung von Menschen der höchsten Civilisation; nur durch die Gunst aller Verhältnisse giebt es deren überhaupt,—wie sparsam und ängstlich sollte man mit ihnen umgehen, da es grosser Zeiträume bedarf, um die zufälligen Bedingungen zur Erzeugung so zart organisirter Gehirne zu schaffen! Aber wie die Griechen in Griechenblut wütheten, so die Europäer jetzt in Europäerblut: und zwar werden relativ am meisten immer die Höchstgebildeten zum Opfer gebracht, Die, welche eine reichliche und gute Nachkommenschaft verbürgen; Solche nämlich stehen im Kampfe voran, als Befehlende, und setzen sich überdiess, ihres höheren Ehrgeizes wegen, den Gefahren am meisten aus.— Der grobe Römer-Patriotismus ist jetzt, wo ganz andere und höhere Aufgaben gestellt sind, als patria und honor, entweder etwas Unehrliches oder ein Zeichen der Zurückgebliebenheit.
443
Hoffnung als Anmaassung. — Unsere gesellschaftliche Ordnung wird langsam wegschmelzen, wie es alle früheren Ordnungen gethan haben, sobald die Sonnen neuer Meinungen mit neuer Gluth über die Menschen hinleuchteten. Wünschen kann man diess Wegschmelzen nur, indem man hofft: und hoffen darf man vernünftigerweise nur, wenn man sich und seinesgleichen mehr Kraft in Herz und Kopf zutraut, als den Vertretern des Bestehenden. Gewöhnlich also wird diese Hoffnung eine Anmaassung, eine Ueberschätzung sein.
444
Krieg. — Zu Ungunsten des Krieges kann man sagen: er macht den Sieger dumm, den Besiegten boshaft. Zu Gunsten des Krieges: er barbarisirt in beiden eben genannten Wirkungen und macht dadurch natürlicher; er ist für die Cultur Schlaf oder Winterszeit, der Mensch kommt kräftiger zum Guten und Bösen aus ihm heraus.
445
Im Dienste des Fürsten. — Ein Staatsmann wird, um völlig rücksichtslos handeln zu können, am besten thun, nicht für sich, sondern für einen Fürsten sein Werk auszuführen. Von dem Glanze dieser allgemeinen Uneigennützigkeit wird das Auge des Beschauers geblendet, so dass er jene Tücken und Härten, welche das Werk des Staatsmannes mit sich bringt, nicht sieht.
446
Eine Frage der Macht, nicht des Rechtes.— Für Menschen, welche bei jeder Sache den höheren Nutzen in's Auge fassen, giebt es bei dem Socialismus, falls er wirklich die Erhebung der Jahrtausende lang Gedrückten, Niedergehaltenen gegen ihre Unterdrücker ist, kein Problem des Rechtes (mit der lächerlichen, weichlichen Frage: "wie weit soll man seinen Forderungen nachgeben?"), sondern nur ein Problem der Macht ("wie weit kann man seine Forderungen benutzen?"); also wie bei einer Naturmacht, zum Beispiel dem Dampfe, welcher entweder von dem Menschen in seine Dienste, als Maschinengott, gezwungen wird, oder, bei Fehlern der Maschine, das heisst Fehlern der menschlichen Berechnung im Bau derselben, sie und den Menschen mit zertrümmert. Um jene Machtfrage zu lösen, muss man wissen, wie stark der Socialismus ist, in welcher Modification er noch als mächtiger Hebel innerhalb des jetzigen politischen Kräftespiels benutzt werden kann; unter Umständen müsste man selbst Alles thun, ihn zu kräftigen. Die Menschheit muss bei jeder grossen Kraft—und sei es die gefährlichste—daran denken, aus ihr ein Werkzeug ihrer Absichten zu machen.— Ein Recht gewinnt sich der Socialismus erst dann, wenn es zwischen den beiden Mächten, den Vertretern des Alten und Neuen, zum Kriege gekommen zu sein scheint, wenn aber dann das kluge Rechnen auf möglichste Erhaltung und Zuträglichkeit auf Seiten beider Parteien das Verlangen nach einem Vertrag entstehen lässt. Ohne Vertrag kein Recht. Bis jetzt giebt es aber auf dem bezeichneten Gebiete weder Krieg, noch Verträge, also auch keine Rechte, kein "Sollen."
447
Benutzung der kleinsten Unredlichkeit. — Die Macht der Presse besteht darin, dass jeder Einzelne, der ihr dient, sich nur ganz wenig verpflichtet und verbunden fühlt. Er sagt für gewöhnlich seine Meinung, aber sagt sie einmal auch nicht, um seiner Partei oder der Politik seines Landes oder endlich sich selbst zu nützen. Solche kleine Vergehen der Unredlichkeit oder vielleicht nur einer unredlichen Verschwiegenheit sind von dem Einzelnen nicht schwer zu tragen, doch sind die Folgen ausserordentlich, weil diese kleinen Vergehen von Vielen zu gleicher Zeit begangen werden. Jeder von Diesen sagt sich: "für so geringe Dienste lebe ich besser, kann ich mein Auskommen finden; durch den Mangel solcher kleinen Rücksichten mache ich mich unmöglich." Weil es beinahe sittlich gleichgültig erscheint, eine Zeile, noch dazu vielleicht ohne Namensunterschrift, mehr zu schreiben oder nicht zu schreiben, so kann Einer, der Geld und Einfluss hat, jede Meinung zur öffentlichen machen. Wer da weiss, dass die meisten Menschen in Kleinigkeiten schwach sind, und seine eigenen Zwecke durch sie erreichen will, ist immer ein gefährlicher Mensch.
448
Allzu lauter Ton bei Beschwerden. — Dadurch, dass ein Nothstand (zum Beispiel die Gebrechen einer Verwaltung, Bestechlichkeit und Gunstwillkür in politischen oder gelehrten Körperschaften) stark übertrieben dargestellt wird, verliert zwar die Darstellung bei den Einsichtigen ihre Wirkung, aber wirkt um so stärker auf die Nichteinsichtigen (welche bei einer sorgsamen maassvollen Darlegung gleichgültig geblieben wären). Da diese aber bedeutend in der Mehrzahl sind und stärkere Willenskräfte, ungestümere Lust zum Handeln in sich beherbergen, so wird jene Uebertreibung zum Anlass von Untersuchungen, Bestrafungen, Versprechen, Reorganisationen.— Insofern ist es nützlich, Nothstände übertrieben darzustellen.
449
Die anscheinenden Wettermacher der Politik. — Wie das Volk bei Dem, welcher sich auf das Wetter versteht und es um einen Tag voraussagt, im Stillen annimmt, dass er das Wetter mache, so legen selbst Gebildete und Gelehrte mit einem Aufwand von abergläubischem Glauben grossen Staatsmännern alle die wichtigen Veränderungen und Conjuncturen, welche während ihrer Regierung eintraten, als deren eigenstes Werk bei, wenn es nur ersichtlich ist, dass Jene Etwas davon eher wussten, als Andere, und ihre Berechnung darnach machten: sie werden also ebenfalls als Wettermacher genommen—und dieser Glaube ist nicht das geringste Werkzeug ihrer Macht.
450
Neuer und alter Begriff der Regierung. — Zwischen Regierung und Volk so zu scheiden, als ob hier zwei getrennte Machtsphären, eine stärkere, höhere mit einer schwächeren, niederen, verhandelten und sich vereinbarten, ist ein Stück vererbter politischer Empfindung, welches der historischen Feststellung der Machtverhältnisse in den in meisten Staaten noch jetzt genau entspricht. Wenn zum Beispiel Bismarck die constitutionelle Form als einen Compromiss zwischen Regierung und Volk bezeichnet, so redet er gemäss einem Princip, welches seine Vernunft in der Geschichte hat (ebendaher freilich auch den Beisatz von Unvernunft, ohne den nichts Menschliches existiren kann). Dagegen soll man nun lernen—gemäss einem Princip, welches rein aus dem Kopfe entsprungen ist und erst Geschichte machen soll—, dass Regierung Nichts als ein Organ des Volkes sei, nicht ein vorsorgliches, verehrungswürdiges "Oben" im Verhältniss zu einem an Bescheidenheit gewöhnten "Unten." Bevor man diese bis jetzt unhistorische und willkürliche, wenn auch logischere Aufstellung des Begriffs Regierung annimmt, möge man doch ja die Folgen erwägen: denn das Verhältniss zwischen Volk und Regierung ist das stärkste vorbildliche Verhältniss, nach dessen Muster sich unwillkürlich der Verkehr zwischen Lehrer und Schüler, Hausherrn und Dienerschaft, Vater und Familie, Heerführer und Soldat, Meister und Lehrling bildet. Alle diese Verhältnisse gestalten sich jetzt, unter dem Einflusse der herrschenden constitutionellen Regierungsform, ein Wenig um—sie werden Compromisse. Aber wie müssen sie sich verkehren und verschieben, Namen und Wesen wechseln, wenn jener allerneueste Begriff überall sich der Köpfe bemeistert hat!—wozu es aber wohl ein Jahrhundert noch brauchen dürfte. Hierbei ist Nichts mehr zu wünschen, als Vorsicht und langsame Entwickelung.
451
Gerechtigkeit als Parteien-Lockruf. — Wohl können edle (wenn auch nicht gerade sehr einsichtsvolle) Vertreter der berrschenden Classe sich geloben: "wir wollen die Menschen als gleich behandeln, ihnen gleiche Rechte zugestehen"; insofern ist eine socialistische Denkungsweise, welche auf Gerechtigkeit ruht, möglich, aber wie gesagt nur innerhalb der herrschenden Classe, welche in diesem Falle die Gerechtigkeit mit Opfern und Verleugnungen übt. Dagegen Gleichheit der Rechte fordern, wie es die Socialisten der unterworfenen Kaste thun, ist nimmermehr der Ausfluss der Gerechtigkeit, sondern der Begehrlichkeit.— Wenn man der Bestie blutige Fleischstücke aus der Nähe zeigt und wieder wegzieht, bis sie endlich brüllt: meint ihr, dass diess Gebrüll Gerechtigkeit bedeute?
452
Besitz und Gerechtigkeit. — Wenn die Socialisten nachweisen, dass die Eigenthums-Vertheilung in der gegenwärtigen Menschheit die Consequenz zahlloser Ungerechtigkeiten und Gewaltsamkeiten ist, und in summa die Verpflichtung gegen etwas so unrecht Begründetes ablehnen: so sehen sie nur etwas Einzelnes. Die ganze Vergangenheit der alten Cultur ist auf Gewalt, Sclaverei, Betrug, Irrthum aufgebaut; wir können aber uns selbst, die Erben aller dieser Zustände, ja die Concrescenzen aller jener Vergangenheit, nicht wegdecretiren und dürfen nicht ein einzelnes Stück herausziehen wollen. Die ungerechte Gesinnung steckt in den Seelen der Nicht-Besitzenden auch, sie sind nicht besser als die Besitzenden und haben kein moralisches Vorrecht, denn irgend wann sind ihre Vorfahren Besitzende gewesen. Nicht gewaltsame neue Vertheilungen, sondern allmähliche Umschaffungen des Sinnes thun noth, die Gerechtigkeit muss in Allen grösser werden, der gewaltthätige Instinct schwächer.
453
Der Steuermann der Leidenschaften. — Der Staatsmann erzeugt öffentliche Leidenschaften, um den Gewinn von der dadurch erweckten Gegenleidenschaft zu haben. Um ein Beispiel zu nehmen: so weiss ein deutscher Staatsmann wohl, dass die katholische Kirche niemals mit Russland gleiche Pläne haben wird, ja sich viel lieber mit den Türken verbünden würde, als mit ihm; ebenso weiss er, dass Deutschland alle Gefahr von einem Bündnisse Frankreichs mit Russland droht. Kann er es nun dazu bringen, Frankreich zum Herd und Hort der katholischen Kirche zu machen, so hat er diese Gefahr auf eine lange Zeit beseitigt. Er hat demnach ein Interesse daran, Hass gegen die Katholiken zu zeigen und durch Feindseligkeiten aller Art die Bekenner der Autorität des Papstes in eine leidenschaftliche politische Macht zu verwandeln, welche der deutschen Politik feindlich ist und sich naturgemäss mit Frankreich, als dem Widersacher Deutschlands, verschmelzen muss: sein Ziel ist ebenso nothwendig die Katholisirung Frankreichs, als Mirabeau in der Dekatholisirung das Heil seines Vaterlandes sah.— Der eine Staat will also die Verdunkelung von Millionen Köpfen eines anderen Staates, um seinen Vortheil aus dieser Verdunkelung zu ziehen. Es ist diess die selbe Gesinnung, welche die republicanische Regierungsform des nachbarlichen Staates—le désordre organisé, wie Mérimee sagt—aus dem alleinigen Grunde unterstützt, weil sie von dieser annimmt, dass sie das Volk schwächer, zerrissener und kriegsunfähiger mache.
454
Die Gefährlichen unter den Umsturz-Geistern. — Man theile Die, welche auf einen Umsturz der Gesellschaft bedacht sind, in Solche ein, welche für sich selbst, und in Solche, welche für ihre Kinder und Enkel Etwas erreichen wollen. Die Letzteren sind die Gefährlicheren; denn sie haben den Glauben und das gute Gewissen der Uneigennützigkeit. Die Anderen kann man abspeisen: dazu ist die herrschende Gesellschaft immer noch reich und klug genug. Die Gefahr beginnt, sobald die Ziele unpersönlich werden; die Revolutionäre aus unpersönlichem Interesse dürfen alle Vertheidiger des Bestehenden als persönlich interessirt ansehen und sich desshalb ihnen überlegen fühlen.
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Politischer Werth der Vaterschaft. — Wenn der Mensch keine Söhne hat, so hat er kein volles Recht, über die Bedürfnisse eines einzelnen Staatswesens mitzureden. Man muss selber mit den Anderen sein Liebstes daran gewagt haben; das erst bindet an den Staat fest; man muss das Glück seiner Nachkommen in's Auge fassen, also vor Allem Nachkommen haben, um an allen Institutionen und deren Veränderung rechten, natürlichen Antheil zu nehmen. Die Entwickelung der höhern Moral hängt daran, dass Einer Söhne hat; diess stimmt ihn unegoistisch, oder richtiger: es erweitert seinen Egoismus der Zeitdauer nach, und lässt ihn Ziele über seine individuelle Lebenslänge hinaus mit Ernst verfolgen.
456
Ahnenstolz.— Auf eine ununterbrochene Reihe guter Ahnen bis zum Vater herauf darf man mit Recht stolz sein,—nicht aber auf die Reihe; denn diese hat Jeder. Die Herkunft von guten Ahnen macht den ächten Geburtsadel aus; eine einzige Unterbrechung in jener Kette, Ein böser Vorfahr also hebt den Geburtsadel auf. Man soll Jeden, welcher von seinem Adel redet, fragen: hast du keinen gewaltthätigen, habsüchtigen, ausschweifenden, boshaften, grausamen Menschen unter deinen Vorfahren? Kann er darauf in gutem Wissen und Gewissen mit Nein antworten, so bewerbe man sich um seine Freundschaft.
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Sclaven und Arbeiter. — Dass wir mehr Werth auf Befriedigung der Eitelkeit, als auf alles übrige Wohlbefinden (Sicherheit, Unterkommen, Vergnügen aller Art) legen, zeigt sich in einem lächerlichen Grade daran, dass Jedermann (abgesehen von politischen Gründen) die Aufhebung der Sclaverei wünscht und es auf's Aergste verabscheut, Menschen in diese Lage zu bringen: während Jeder sich sagen muss, dass die Sclaven in allen Beziehungen sicherer und glücklicher leben, als der moderne Arbeiter, dass Sclavenarbeit sehr wenig Arbeit im Verhältniss zu der des "Arbeiters" ist. Man protestirt im Namen der "Menschenwürde": das ist aber, schlichter ausgedrückt, jene liebe Eitelkeit, welche das Nicht-gleich-gestelltsein, das Oeffentlich-niedriger-geschätzt-werden, als das härteste Loos empfindet.— Der Cyniker denkt anders darüber, weil er die Ehre verachtet:—und so war Diogenes eine Zeitlang Sclave und Hauslehrer.
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Leitende Geister und ihre Werkzeuge. — Wir sehen grosse Staatsmänner und überhaupt alle Die, welche sich vieler Menschen zur Durchführung ihrer Pläne bedienen müssen, bald so, bald so verfahren: entweder wählen sie sehr fein und sorgsam die zu ihren Plänen passenden Menschen aus und lassen ihnen dann verhältnissmässige grosse Freiheit, weil sie wissen, dass die Natur dieser Ausgewählten sie eben dahin treibt, wohin sie selber Jene haben wollen; oder sie wählen schlecht, ja nehmen was ihnen unter die Hand kommt, formen aber aus jedem Thone etwas für ihre Zwecke Taugliches. Diese letzte Art ist die gewaltsamere, sie begehrt auch unterwürfigere Werkzeuge; ihre Menschenkenntniss ist gewöhnlich viel geringer, ihre Menschenverachtung grösser, als bei den erstgenannten Geistern, aber die Maschine, welche sie construiren, arbeitet gemeinhin besser, als die Maschine aus der Werkstätte jener.
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Willkürliches Recht nothwendig. — Die Juristen streiten, ob das am vollständigsten durchgedachte Recht oder das am leichtesten zu verstehende in einem Volke zum Siege kommen solle. Das erste, dessen höchstes Muster das römische ist, erscheint dem Laien als unverständlich und desshalb nicht als Ausdruck seiner Rechtsempfindung. Die Volksrechte, wie zum Beispiel die germanischen, waren grob, abergläubisch, unlogisch, zum Theil albern, aber sie entsprachen ganz bestimmten vererbten heimischen Sitten und Empfindungen.— Wo aber Recht nicht mehr, wie bei uns, Herkommen ist, da kann es nur befohlen, Zwang sein; wir haben Alle kein herkömmliches Rechtsgefühl mehr, desshalb müssen wir uns Willkürsrechte gefallen lassen, die der Ausdruck der Nothwendigkeit sind, dass es ein Recht geben müsse. Das logischste ist dann jedenfalls das annehmbarste, weil es das unparteilichste ist: zugegeben selbst, dass in jedem Falle die kleinste Maasseinheit im Verhältniss von Vergehen und Strafe willkürlich angesetzt ist.
460
Der grosse Mann der Masse. — Das Recept zu dem, was die Masse einen grossen Mann nennt, ist leicht gegeben. Unter allen Umständen verschaffe man ihr Etwas, das ihr sehr angenehm ist, oder setze ihr erst in den Kopf, dass diess und jenes sehr angenehm wäre, und gebe es ihr dann. Doch um keinen Preis sofort: sondern man erkämpfe es mit grösster Anstrengung oder scheine es zu erkämpfen. Die Masse muss den Eindruck haben, dass eine mächtige, ja unbezwingliche Willenskraft da sei; mindestens muss sie da zu sein scheinen. Den starken Willen bewundert Jedermann, weil Niemand ihn hat und Jedermann sich sagt, dass, wenn er ihn hätte, es für ihn und seinen Egoismus keine Gränze mehr gäbe. Zeigt sich nun, dass ein solcher starker Wille etwas der Masse sehr Angenehmes bewirkt, statt auf die Wünsche seiner Begehrlichkeit zu hören, so bewundert man noch einmal und wünscht sich selber Glück. Im Uebrigen habe er alle Eigenschaften der Masse: um so weniger schämt sie sich vor ihm, um so mehr ist er populär. Also: er sei gewaltthätig, neidisch, ausbeuterisch, intrigant, schmeichlerisch, kriechend, aufgeblasen, je nach Umständen alles.
461
Fürst und Gott. — Die Menschen verkehren mit ihren Fürsten vielfach in ähnlicher Weise wie mit ihrem Gotte, wie ja vielfach auch der Fürst der Repräsentant des Gottes, mindestens sein Oberpriester war. Diese fast unheimliche Stimmung von Verehrung und Angst und Scham war und ist viel schwächer geworden, aber mitunter lodert sie auf und heftet sich an mächtige Personen, überhaupt. Der Cultus des Genius' ist ein Nachklang dieser Götter-Fürsten-Verehrung. Ueberall, wo man sich bestrebt, einzelne Menschen in das Uebermenschliche hinaufzuheben, entsteht auch die Neigung, ganze Schichten des Volkes sich roher und niedriger vorzustellen, als sie wirklich sind.
462
Meine Utopie. — In einer besseren Ordnung der Gesellschaft wird die schwere Arbeit und Noth des Lebens Dem zuzumessen sein, welcher am wenigsten durch sie leidet, also dem Stumpfesten, und so schrittweise aufwärts bis zu Dem, welcher für die höchsten sublimirtesten Gattungen des Leidens am empfindlichsten ist und desshalb selbst noch bei der grössten Erleichterung des Lebens leidet.
463
Ein Wahn in der Lehre vom Umsturz. — Es giebt politische und sociale Phantasten, welche feurig und beredt zu einem Umsturz aller Ordnungen auffordern, in dem Glauben, dass dann sofort das stolzeste Tempelhaus schönen Menschenthums gleichsam von selbst sich erheben werde. In diesen gefährlichen Träumen klingt noch der Aberglaube Rousseau's nach, welcher an eine wundergleiche, ursprüngliche, aber gleichsam verschüttete Güte der menschlichen Natur glaubt und den Institutionen der Cultur, in Gesellschaft, Staat, Erziehung, alle Schuld jener Verschüttung beimisst. Leider weiss man aus historischen Erfahrungen, dass jeder solche Umsturz die wildesten Energien als die längst begrabenen Furchtbarkeiten und Maasslosigkeiten fernster Zeitalter von Neuem zur Auferstehung bringt: dass also ein Umsturz wohl eine Kraftquelle in einer mattgewordenen Menschheit sein kann, nimmermehr aber ein Ordner, Baumeister, Künstler, Vollender der menschlichen Natur.— Nicht Voltaire's maassvolle, dem Ordnen, Reinigen und Umbauen zugeneigte Natur, sondern Rousseau's leidenschaftliche Thorheiten und Halblügen haben den optimistischen Geist der Revolution wachgerufen, gegen den ich rufe: "Ecrasez l'infame!" Durch ihn ist der Geist der Aufklärung und der fortschreitenden Entwickelung auf lange verscheucht worden—sehen wir zu—ein Jeder bei sich selber—ob es möglich ist, ihn wieder zurückzurufen!
464
Maass. — Die volle Entschiedenheit des Denkens und Forschens, also die Freigeisterei, zur Eigenschaft des Charakters geworden, macht im Handeln mässig: denn sie schwächt die Begehrlichkeit, zieht viel von der vorhandenen Energie an sich, zur Förderung geistiger Zwecke, und zeigt das Halbnützliche oder Unnütze und Gefährliche aller plötzlichen Veränderungen.
465
Auferstehung des Geistes. — Auf dem politischen Krankenbette verjüngt ein Volk gewöhnlich sich selbst und findet seinen Geist wieder, den es im Suchen und Behaupten der Macht allmählich verlor. Die Cultur verdankt das Allerhöchste den politisch geschwächten Zeiten.
466
Neue Meinungen im alten Hause. — Dem Umsturz der Meinungen folgt der Umsturz der Institutionen nicht sofort nach, vielmehr wohnen die neuen Meinungen lange Zeit im verödeten und unheimlich gewordenen Hause ihrer Vorgängerinnen und conserviren es selbst, aus Wohnungsnoth.
467
Schulwesen. — Das Schulwesen wird in grossen Staaten immer höchstens mittelmässig sein, aus dem selben Grunde, aus dem in grossen Küchen besten Falls mittelmässig gekocht wird.
468
Unschuldige Corruption. — In allen Instituten, in welche nicht die scharfe Luft der öffentlichen Kritik hineinweht, wächst eine unschuldige Corruption auf, wie ein Pilz (also zum Beispiel in gelehrten Körperschaften und Senaten).
469
Gelehrte als Politiker. — Gelehrten, welche Politiker werden, wird gewöhnlich die komische Rolle zugetheilt, das gute Gewissen einer Politik sein zu müssen.
470
Der Wolf hinter dem Schafe versteckt. — Fast jeder Politiker hat unter gewissen Umständen einmal einen ehrlichen Mann so nöthig, dass er, gleich einem heisshungrigen Wolfe, in einen Schafstall bricht: nicht aber um dann den geraubten Widder zu fressen, sondern um sich hinter seinen wolligen Rücken zu verstecken.
471
Glückszeiten. — Ein glückliches Zeitalter ist desshalb gar nicht möglich, weil die Menschen es nur wünschen wollen, aber nicht haben wollen und jeder Einzelne, wenn ihm gute Tage kommen, förmlich um Unruhe und Elend beten lernt. Das Schicksal der Menschen ist auf glückliche Augenblickeeingerichtet—jedes Leben hat solche—, aber nicht auf glückliche Zeiten. Trotzdem werden diese als "das jenseits der Berge" in der Phantasie des Menschen bestehen bleiben, als Erbstück der Urväter; denn man hat wohl den Begriff des Glückszeitalters seit uralten Zeiten her jenem Zustande entnommen, in dem der Mensch, nach gewaltiger Anstrengung durch Jagd und Krieg, sich der Ruhe übergiebt, die Glieder streckt und die Fittige des Schlafes um sich rauschen hört. Es ist ein falscher Schluss, wenn der Mensch jener alten Gewöhnung gemäss sich vorstellt, dass er nun auch nach ganzen Zeiträumen der Noth und Mühsal eines Zustandes des Glücks in entsprechender Steigerung und Dauer theilhaftig werden könne.
472
Religion und Regierung. — So lange der Staat oder, deutlicher, die Regierung sich als Vormund zu Gunsten einer unmündigen Menge bestellt weiss und um ihretwillen die Frage erwägt, ob die Religion zu erhalten oder zu beseitigen sei: wird sie höchst wahrscheinlich sich immer für die Erhaltung der Religion entscheiden. Denn die Religion befriedigt das einzelne Gemüth in Zeiten des Verlustes, der Entbehrung, des Schreckens, des Misstrauens, also da, wo die Regierung sich ausser Stande fühlt, direct Etwas zur Linderung der seelischen Leiden des Privatmannes zu thun: ja selbst bei allgemeinen, unvermeidlichen und zunächst unabwendbaren Uebeln (Hungersnöthen, Geldkrisen, Kriegen) gewährt die Religion eine beruhigte, abwartende, vertrauende Haltung der Menge. Ueberall, wo die nothwendigen oder zufälligen Mängel der Staatsregierung oder die gefährlichen Consequenzen dynastischer Interessen dem Einsichtigen sich bemerklich machen und ihn widerspänstig stimmen, werden die Nicht-Einsichtigen den Finger Gottes zu sehen meinen und sich in Geduld den Anordnungen von Oben (in welchem Begriff göttliche und menschliche Regierungsweise gewöhnlich verschmelzen) unterwerfen: so wird der innere bürgerliche Frieden und die Continuität der Entwickelung gewahrt. Die Macht, welche in der Einheit der Volksempfindung, in gleichen Meinungen und Zielen für Alle, liegt, wird durch die Religion beschützt und besiegelt, jene seltenen Fälle abgerechnet, wo eine Priesterschaft mit der Staatsgewalt sich über den Preis nicht einigen kann und in Kampf tritt. Für gewöhnlich wird der Staat sich die Priester zu gewinnen wissen, weil er ihrer allerprivatesten, verborgenen Erziehung der Seelen benöthigt ist und Diener zu schätzen weiss, welche scheinbar und äusserlich ein ganz anderes Interesse vertreten. Ohne Beihülfe der Priester kann auch jetzt noch keine Macht "legitim" werden: wie Napoleon begriff.— So gehen absolute vormundschaftliche Regierung und sorgsame Erhaltung der Religion nothwendig mit einander. Dabei ist vorauszusetzen, dass die regierenden Personen und Classen über den Nutzen, welchen ihnen die Religion gewährt, aufgeklärt werden und somit bis zu einem Grade sich ihr überlegen fühlen, insofern sie dieselbe als Mittel gebrauchen: wesshalb hier die Freigeisterei ihren Ursprung hat.— Wie aber, wenn jene ganz verschiedene Auffassung des Begriffes der Regierung, wie sie in demokratischen Staaten gelehrt wird, durchzudringen anfängt? Wenn man in ihr Nichts als das Werkzeug des Volkswillen sieht, kein Oben im Vergleich zu einem Unten, sondern lediglich eine Function des alleinigen Souverains, des Volkes? Hier kann auch nur die selbe Stellung, welche das Volk zur Religion einnimmt, von der Regierung eingenommen werden; jede Verbreitung von Aufklärung wird bis in ihre Vertreter hineinklingen müssen, eine Benutzung und Ausbeutung der religiösen Triebkräfte und Tröstungen zu staatlichen Zwecken wird nicht so leicht möglich sein (es sei denn, dass mächtige Parteiführer zeitweilig einen Einfluss üben, welcher dem des aufgeklärten Despotismus ähnlich sieht). Wenn aber der Staat keinen Nutzen mehr aus der Religion selber ziehen darf oder das Volk viel zu mannichfach über religiöse Dinge denkt, als dass es der Regierung ein gleichartiges, einheitliches Vorgehen bei religiösen Maassregeln gestatten dürfte,—so wird nothwendig sich der Ausweg zeigen, die Religion als Privatsache zu behandeln und dem Gewissen und der Gewohnheit jedes Einzelnen zu überantworten. Die Folge ist zu allererst diese, dass das religiöse Empfinden verstärkt erscheint, insofern versteckte und unterdrückte Regungen desselben, welchen der Staat unwillkürlich oder absichtlich keine Lebensluft gönnte, jetzt hervorbrechen und bis in's Extreme ausschweifen; später erweist sich, dass die Religion von Secten überwuchert wird und dass eine Fülle von Drachenzähnen in dem Augenblicke gesät worden ist, als man die Religion zur Privatsache machte. Der Anblick des Streites, die feindselige Bloslegung aller Schwächen religiöser Bekenntnisse lässt endlich keinen Ausweg mehr zu, als dass jeder Bessere und Begabtere die Irreligiosität zu seiner Privatsache macht: als welche Gesinnung nun auch in dem Geiste der regierenden Personen die Ueberhand bekommt und, fast wider ihren Willen, ihren Maassregeln einen religionsfeindlichen Charakter giebt. Sobald diess eintritt, wandelt sich die Stimmung der noch religiös bewegten Menschen, welche früher den Staat als etwas Halb- oder Ganzheiliges adorirten, in eine entschieden staatsfeindliche um; sie lauern den Maassregeln der Regierung auf, suchen zu hemmen, zu kreuzen, zu beunruhigen, so viel sie können, und treiben dadurch die Gegenpartei, die irreligiöse, durch die Hitze ihres Widerspruchs in eine fast fanatische Begeisterung für den Staat hinein; wobei im Stillen noch mitwirkt, dass in diesen Kreisen die Gemüther seit der Trennung von der Religion eine Leere spüren und sich vorläufig durch die Hingebung an den Staat einen Ersatz, eine Art von Ausfüllung zu schaffen suchen. Nach diesen, vielleicht lange dauernden Uebergangskämpfen entscheidet es sich endlich, ob die religiösen Parteien noch stark genug sind, um einen alten Zustand heraufzubringen und das Rad zurückzudrehen: in welchem Falle unvermeidlich der aufgeklärte Despotismus (vielleicht weniger aufgeklärt und ängstlicher, als früher) den Staat in die Hände bekommt,—oder ob die religionslosen Parteien sich durchsetzen und die Fortpflanzung ihrer Gegnerschaft, einige Generationen hindurch, etwa durch Schule und Erziehung, untergraben und endlich unmöglich machen. Dann aber lässt auch bei ihnen jene Begeisterung für den Staat nach: immer deutlicher tritt hervor, dass mit jener religiösen Adoration, für welche er ein Mysterium, eine überweltliche Stiftung ist, auch das ehrfürchtige und pietätvolle Verhältniss zu ihm erschüttert ist. Fürderhin sehen die Einzelnen immer nur die Seite an ihm, wo er ihnen nützlich oder schädlich werden kann, und drängen sich mit allen Mitteln heran, um Einfluss auf ihn zu bekommen. Aber diese Concurrenz wird bald zu gross, die Menschen und Parteien wechseln zu schnell, stürzen sich gegenseitig zu wild vom Berge wieder herab, nachdem sie kaum oben angelangt sind. Es fehlt allen Maassregeln, welche von einer Regierung durchgesetzt werden, die Bürgschaft ihrer Dauer; man scheut vor Unternehmungen zurück, welche auf Jahrzehnte, Jahrhunderte hinaus ein stilles Wachsthum haben müssten, um reife Früchte zu zeitigen. Niemand fühlt eine andere Verpflichtung gegen ein Gesetz mehr, als die, sich augenblicklich der Gewalt, welche ein Gesetz einbrachte, zu beugen: sofort geht man aber daran, es durch eine neue Gewalt, eine neu zu bildende Majorität zu unterminiren. Zuletzt—man kann es mit Sicherheit aussprechen—muss das Misstrauen gegen alles Regierende, die Einsicht in das Nutzlose und Aufreibende dieser kurzathmigen Kämpfe die Menschen zu einem ganz neuen Entschlusse drängen: zur Abschaffung des Staatsbegriffs, zur Aufhebung des Gegensatzes "privat und öffentlich." Die Privatgesellschaften ziehen Schritt vor Schritt die Staatsgeschäfte in sich hinein: selbst der zäheste Rest, welcher von der alten Arbeit des Regierens übrigbleibt (jene Thätigkeit zum Beispiel welche die Privaten gegen die Privaten sicher stellen soll), wird zu allerletzt einmal durch Privatunternehmer besorgt werden. Die Missachtung, der Verfall und der Tod des Staates, die Entfesselung der Privatperson (ich hüte mich zu sagen: des Individuums) ist die Consequenz des demokratischen Staatsbegriffes; hier liegt seine Mission. Hat er seine Aufgabe erfüllt—die wie alles Menschliche viel Vernunft und Unvernunft im Schoosse trägt—, sind alle Rückfälle der alten Krankheit überwunden, so wird ein neues Blatt im Fabelbuche der Menschheit entrollt, auf dem man allerlei seltsame Historien und vielleicht auch einiges Gute lesen wird.— Um das Gesagte noch einmal kurz zu sagen: das Interesse der vormundschaftlichen Regierung und das Interesse der Religion gehen mit einander Hand in Hand, so dass, wenn letztere abzusterben beginnt, auch die Grundlage des Staates erschüttert wird. Der Glaube an eine göttliche Ordnung der politischen Dinge, an ein Mysterium in der Existenz des Staates ist religiösen Ursprungs: schwindet die Religion, so wird der Staat unvermeidlich seinen alten Isisschleier verlieren und keine Ehrfurcht mehr erwecken. Die Souveränität des Volkes, in der Nähe gesehen, dient dazu, auch den letzten Zauber und Aberglauben auf dem Gebiete dieser Empfindungen zu verscheuchen; die moderne Demokratie ist die historische Form vom Verfall des Staates. — Die Aussicht, welche sich durch diesen sichern Verfall ergiebt, ist aber nicht in jedem Betracht eine unglückselige: die Klugheit und der Eigennutz der Menschen sind von allen ihren Eigenschaften am besten ausgebildet; wenn den Anforderungen dieser Kräfte der Staat nicht mehr entspricht, so wird am wenigsten das Chaos eintreten, sondern eine noch zweckmässigere Erfindung, als der Staat es war, zum Siege über den Staat kommen. Wie manche organisirende Gewalt hat die Menschheit schon absterben sehen,—zum Beispiel die der Geschlechtsgenossenschaft, als welche Jahrtausende lang viel mächtiger war, als die Gewalt der Familie, ja längst, bevor diese bestand, schon waltete und ordnete. Wir selber sehen den bedeutenden Rechts- und Machtgedanken der Familie, welcher einmal, so weit wie römisches Wesen reichte, die Herrschaft besass, immer blasser und ohnmächtiger werden. So wird ein späteres Geschlecht auch den Staat in einzelnen Strecken der Erde bedeutungslos werden sehen,—eine Vorstellung, an welche viele Menschen der Gegenwart kaum ohne Angst und Abscheu denken können. An der Verbreitung und Verwirklichung dieser Vorstellung zu arbeiten, ist freilich ein ander Ding: man muss sehr anmaassend von seiner Vernunft denken und die Geschichte kaum halb verstehen, um schon jetzt die Hand an den Pflug zu legen,—während noch Niemand die Samenkörner aufzeigen kann, welche auf das zerrissene Erdreich nachher gestreut werden sollen. Vertrauen wir also "der Klugheit und dem Eigennutz der Menschen," dass jetzt noch der Staat eine gute Weile bestehen bleibt und zerstörerische Versuche übereifriger und voreiliger Halbwisser abgewiesen werden!
473
Der Socialismus in Hinsicht auf seine Mittel. — Der Socialismus ist der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus, den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reactionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur je der Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmässiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll. Seiner Verwandtschaft wegen erscheint er immer in der Nähe aller excessiven Machtentfaltungen, wie der alte typische Socialist Plato am Hofe des sicilischen Tyrannen; er wünscht (und befördert unter Umständen) den cäsarischen Gewaltstaat dieses Jahrhunderts, weil er, wie gesagt, sein Erbe werden möchte. Aber selbst diese Erbschaft würde für seine Zwecke nicht ausreichen, er braucht die allerunterthänigste Niederwerfung aller Bürger vor dem unbedingten Staate, wie niemals etwas Gleiches existirt hat; und da er nicht einmal auf die alte religiöse Pietät für den Staat mehr rechnen darf, vielmehr an deren Beseitigung unwillkürlich fortwährend arbeiten muss—nämlich weil er an der Beseitigung aller bestehenden Staaten arbeitet—, so kann er sich nur auf kurze Zeiten, durch den äussersten Terrorismus, hie und da einmal auf Existenz Hoffnung machen. Desshalb bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort "Gerechtigkeit" wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen.— Der Socialismus kann dazu dienen, die Gefahr aller Anhäufungen von Staatsgewalt recht brutal und eindringlich zu lehren und insofern vor dem Staate selbst Misstrauen einzuflössen. Wenn seine rauhe Stimme in das Feldgeschrei "so viel Staat wie möglich" einfällt, so wird dieses zunächst dadurch lärmender, als je: aber bald dringt auch das entgegengesetzte mit um so grösserer Kraft hervor: "so wenig Staat wie möglich."
474
Die Entwickelung des Geistes, vom Staate gefürchtet. — Die griechische Polis war, wie jede organisirende politische Macht, ausschliessend und misstrauisch gegen das Wachsthum der Bildung, ihr gewaltiger Grundtrieb zeigte sich fast nur lähmend und hemmend für dieselbe. Sie wollte keine Geschichte, kein Werden in der Bildung gelten lassen; die in dem Staatsgesetz festgestellte Erziehung sollte alle Generationen verpflichten und auf Einer Stufe festhalten. Nicht anders wollte es später auch noch Plato für seinen idealen Staat. Trotzder Polis entwickelte sich also die Bildung: indirect freilich und wider Willen half sie mit, weil die Ehrsucht des Einzelnen in der Polis auf's Höchste angereizt wurde, so dass er, einmal auf die Bahn geistiger Ausbildung gerathen, auch in ihr bis in's letzte Extrem fortgieng. Dagegen soll man sich nicht auf die Verherrlichungsrede des Perikles berufen: denn sie ist nur ein grosses optimistisches Trugbild über den angeblich nothwendigen Zusammenhang von Polis und athenischer Cultur; Thukydides lässt sie, unmittelbar bevor die Nacht über Athen kommt (die Pest und der Abbruch der Tradition), noch einmal wie eine verklärende Abendröthe aufleuchten, bei der man den schlimmen Tag vergessen soll, der ihr vorangieng.
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Der europäische Mensch und die Vernichtung der Nationen. — Der Handel und die Industrie, der Bücher- und Briefverkehr, die Gemeinsamkeit aller höheren Cultur, das schnelle Wechseln von Ort und Landschaft, das jetzige Nomadenleben aller Nicht-Landbesitzer,—diese Umstände bringen nothwendig eine Schwächung und zuletzt eine Vernichtung der Nationen, mindestens der europäischen, mit sich: so dass aus ihnen allen, in Folge fortwährender Kreuzungen, eine Mischrasse, die des europäischen Menschen, entstehen muss. Diesem Ziele wirkt jetzt bewusst oder unbewusst die Abschliessung der Nationen durch Erzeugung nationaler Feindseligkeiten entgegen, aber langsam geht der Gang jener Mischung dennoch vorwärts, trotz jener zeitweiligen Gegenströmungen: dieser künstliche Nationalismus ist übrigens so gefährlich wie der künstliche Katholicismus es gewesen ist, denn er ist in seinem Wesen ein gewaltsamer Noth- und Belagerungszustand, welcher von Wenigen über Viele verhängt ist, und braucht List, Lüge und Gewalt, um sich in Ansehen zu halten. Nicht das Interesse der Vielen (der Völker), wie man wohl sagt, sondern vor Allem das Interesse bestimmter Fürstendynastien, sodann das bestimmter Classen des Handels und der Gesellschaft, treibt zu diesem Nationalismus; hat man diess einmal erkannt, so soll man sich nur ungescheut als guten Europäer ausgeben und durch die That an der Verschmelzung der Nationen arbeiten: wobei die Deutschen durch ihre alte bewährte Eigenschaft, Dolmetscher und Vermittler der Völker zusein, mitzuhelfen vermögen.— Beiläufig: das ganze Problem der Juden ist nur innerhalb der nationalen Staaten vorhanden, insofern hier überall ihre Thatkräftigkeit und höhere Intelligenz, ihr in langer Leidensschule von Geschlecht zu Geschlecht angehäuftes Geist- und Willens-Capital, in einem neid- und hasserweckenden Maasse zum Uebergewicht kommen muss, so dass die litterarische Unart fast in allen jetzigen Nationen überhand nimmt—und zwar je mehr diese sich wieder national gebärden—, die Juden als Sündenböcke aller möglichen öffentlichen und inneren Uebelstände zur Schlachtbank zu führen. Sobald es sich nicht mehr um Conservirung von Nationen, sondern um die Erzeugung einer möglichst kräftigen europäischen Mischrasse handelt, ist der Jude als Ingredienz ebenso brauchbar und erwünscht, als irgend ein anderer nationaler Rest. Unangenehme, ja gefährliche Eigenschaften hat jede Nation, jeder Mensch; es ist grausam, zu verlangen, dass der Jude eine Ausnahme machen soll. Jene Eigenschaften mögen sogar bei ihm in besonderem Maasse gefährlich und abschreckend sein; und vielleicht ist der jugendliche Börsen-Jude die widerlichste Erfindung des Menschengeschlechtes überhaupt. Trotzdem möchte ich wissen, wie viel man bei einer Gesammtabrechnung einem Volke nachsehen muss, welches, nicht ohne unser Aller Schuld, die leidvollste Geschichte unter allen Völkern gehabt hat und dem man den edelsten Menschen (Christus), den reinsten Weisen (Spinoza), das mächtigste Buch und das wirkungsvollste Sittengesetz der Welt verdankt. Ueberdiess: in den dunkelsten Zeiten des Mittelalters, als sich die asiatische Wolkenschicht schwer über Europa gelagert hatte, waren es jüdische Freidenker, Gelehrte und Aerzte, welche das Banner der Aufklärung und der geistigen Unabhängigkeit unter dem härtesten persönlichen Zwange festhielten und Europa gegen Asien vertheidigten; ihren Bemühungen ist es nicht am wenigsten zu danken, dass eine natürlichere, vernunftgemässere und jedenfalls unmythische Erklärung der Welt endlich wieder zum Siege kommen konnte und dass der Ring der Cultur, welcher uns jetzt mit der Aufklärung des griechisch-römischen Alterthums zusammenknüpft, unzerbrochen blieb. Wenn das Christenthum Alles gethan hat, um den Occident zu orientalisiren, so hat das judenthum wesentlich mit dabei geholfen, ihn immer wieder zu occidentalisiren: was in einem bestimmten Sinne so viel heisst als Europa's Aufgabe und Geschichte zu einer Fortsetzung der griechischen zumachen.
476
Scheinbare Ueberlegenheit des Mittelalters. — Das Mittelalter zeigt in der Kirche ein Institut mit einem ganz universalen, die gesammte Menschheit in sich begreifenden Ziele, noch dazu einem solchen, welches den—vermeintlich—höchsten Interessen derselben galt: dagegen gesehen, machen die Ziele der Staaten und Nationen, welche die neuere Geschichte zeigt, einen beklemmenden Eindruck; sie erscheinen kleinlich, niedrig, materiell, räumlich beschränkt. Aber dieser verschiedene Eindruck auf die Phantasie soll unser Urtheil ja nicht bestimmen; denn jenes universale Institut entsprach erkünstelten, auf Fictionen beruhenden Bedürfnissen, welche es, wo sie noch nicht vorhanden waren, erst erzeugen musste (Bedürfniss der Erlösung); die neuen Institute helfen wirklichen Nothzuständen ab; und die Zeit kommt, wo Institute entstehen, um den gemeinsamen wahren Bedürfnissen aller Menschen zu dienen und das phantastische Urbild, die katholische Kirche, in Schatten und Vergessenheit zu stellen.
477
Der Krieg unentbehrlich. — Es ist eitel Schwärmerei und Schönseelenthum, von der Menschheit noch viel (oder gar: erst recht viel) zu erwarten, wenn sie verlernt hat, Kriege zu führen. Einstweilen kennen wir keine anderen Mittel, wodurch mattwerdenden Völkern jene rauhe Energie des Feldlagers, jener tiefe unpersönliche Hass, jene Mörder-Kaltblütigkeit mit gutem Gewissen, jene gemeinsame organisirende Gluth in der Vernichtung des Feindes, jene stolze Gleichgültigkeit gegen grosse Verluste, gegen das eigene Dasein und das der Befreundeten, jenes dumpfe erdbebenhafte Erschüttern der Seele ebenso stark und sicher mitgetheilt werden könnte, wie diess jeder grosse Krieg thut: von den hier hervorbrechenden Bächen und Strömen, welche freilich Steine und Unrath aller Art mit sich wälzen und die Wiesen zarter Culturen zu Grunde richten, werden nachher unter günstigen Umständen die Räderwerke in den Werkstätten des Geistes mit neuer Kraft umgedreht. Die Cultur kann die Leidenschaften, Laster und Bosheiten durchaus nicht entbehren.— Als die kaiserlich gewordenen Römer der Kriege etwas müde wurden, versuchten sie aus Thierhetzen, Gladiatorenkämpfen und Christenverfolgungen sich neue Kraft zu gewinnen. Die jetzigen Engländer, welche im Ganzen auch dem Kriege abgesagt zu haben scheinen, ergreifen ein anderes Mittel, um jene entschwindenden Kräfte neu zu erzeugen: jene gefährlichen Entdeckungsreisen, Durchschiffungen, Erkletterungen, zu wissenschaftlichen Zwecken, wie es heisst, unternommen, in Wahrheit, um überschüssige Kraft aus Abenteuern und Gefahren aller Art mit nach Hause zu bringen. Man wird noch vielerlei solche Surrogate des Krieges ausfindig machen, aber vielleicht durch sie immer mehr einsehen, dass eine solche hoch cultivirte und daher nothwendig matte Menschheit, wie die der jetzigen Europäer, nicht nur der Kriege, sondern der grössten und furchtbarsten Kriege—also zeitweiliger Rückfälle in die Barbarei—bedarf, um nicht an den Mitteln der Cultur ihre Cultur und ihr Dasein selber einzubüssen.
478
Fleiss im Süden und Norden. — Der Fleiss entsteht auf zwei ganz verschiedene Arten. Die Handwerker im Süden werden fleissig, nicht aus Erwerbstrieb, sondern aus der beständigen Bedürftigkeit der Anderen. Weil immer Einer kommt, der ein Pferd beschlagen, einen Wagen ausbessern lassen will, so ist der Schmied fleissig. Käme Niemand, so würde er auf dem Markte herumlungern. Sich zu ernähren, das hat in einem fruchtbaren Lande wenig Noth, dazu brauchte er nur ein sehr geringes Maass von Arbeit, jedenfalls keinen Fleiss; schliesslich würde er betteln und zufrieden sein.— Der Fleiss englischer Arbeiter hat dagegen den Erwerbssinn hinter sich: er ist sich seiner selbst und seiner Ziele bewusst und will mit dem Besitz die Macht, mit der Macht die grösstmögliche Freiheit und individuelle Vornehmheit.
479
Reichthum als Ursprung eines Geblütsadels. — Der Reichthum erzeugt nothwendig eine Aristokratie der Rasse, denn er gestattet die schönsten Weiber zu wählen, die besten Lehrer zu besolden, er gönnt dem Menschen Reinlichkeit, Zeit zu körperlichen Uebungen und vor Allem Abwendung von verdumpfender körperlicher Arbeit. Soweit verschafft er alle Bedingungen, um, in einigen Generationen, die Menschen vornehm und schön sich bewegen, ja selbst handeln zu machen: die grössere Freiheit des Gemüthes, die Abwesenheit des Erbärmlich-Kleinen, der Erniedrigung vor Brodgebern, der Pfennig-Sparsamkeit.— Gerade diese negativen Eigenschaften sind das reichste Angebinde des Glückes für einen jungen Menschen; ein ganz Armer richtet sich gewöhnlich durch Vornehmheit der Gesinnung zu Grunde, er kommt nicht vorwärts und erwirbt Nichts, seine Rasse ist nicht lebensfähig.— Dabei ist aber zu bedenken, dass der Reichthum fast die gleichen Wirkungen ausübt, wenn Einer dreihundert Thaler oder dreissigtausend jährlich verbrauchen darf: es giebt nachher keine wesentliche Progression der begünstigenden Umstände mehr. Aber weniger zu haben, als Knabe zu betteln und sich zu erniedrigen, ist furchtbar: obwohl für Solche, welche ihr Glück im Glanze der Höfe, in der Unterordnung unter Mächtige und Einflussreiche suchen oder welche Kirchenhäupter werden wollen, es der rechte Ausgangspunct sein mag. (—Es lehrt, gebückt sich in die Höhlengänge der Gunst einzuschleichen.)
480
Neid und Trägheit in verschiedener Richtung. — Die beiden gegnerischen Parteien, die socialistische und die nationale—oder wie die Namen in den verschiedenen Ländern Europa's lauten mögen—sind einander würdig: Neid und Faulheit sind die bewegenden Mächte in ihnen beiden. In jenem Heerlager will man so wenig als möglich mit den Händen arbeiten, in diesem so wenig als möglich mit dem Kopf; in letzterem hasst und neidet man die hervorragenden, aus sich wachsenden Einzelnen, welche sich nicht gutwillig in Reih und Glied zum Zwecke einer Massenwirkung stellen lassen; in ersterem die bessere, äusserlich günstiger gestellte Kaste der Gesellschaft, deren eigentliche Aufgabe, die Erzeugung der höchsten Culturgüter, das Leben innerlich um so viel schwerer und schmerzensreicher macht. Gelingt es freilich, jenen Geist der Massenwirkung zum Geiste der höheren Classen der Gesellschaft zu machen, so sind die socialistischen Schaaren ganz im Rechte, wenn sie auch äusserlich zwischen sich und jenen zu nivelliren suchen, da sie ja innerlich, in Kopf und Herz, schon mit einander nivellirt sind.— Lebt als höhere Menschen und thut immerfort die Thaten der höheren Cultur,—so gesteht euch Alles, was da lebt, euer Recht zu, und die Ordnung der Gesellschaft, deren Spitze ihr seid, ist gegen jeden bösen Blick und Griff gefeit!
481
Grosse Politik und ihre Einbussen. — Ebenso wie ein Volk die grössten Einbussen, welche Krieg und Kriegsbereitschaft mit sich bringen, nicht durch die Unkosten des Krieges, die Stauungen im Handel und Wandel erleidet, ebenso nicht durch die Unterhaltung der stehenden Heere—so gross diese Einbussen auch jetzt sein mögen, wo acht Staaten Europa's jährlich die Summe von zwei bis drei Milliarden darauf verwenden—, sondern dadurch, dass Jahr aus Jahr ein die tüchtigsten, kräftigsten, arbeitsamsten Männer in ausserordentlicher Anzahl ihren eigentlichen Beschäftigungen und Berufen entzogen werden, um Soldaten zu sein: ebenso erleidet ein Volk, welches sich anschickt, grosse Politik zu treiben und unter den mächtigsten Staaten sich eine entscheidende Stimme zu sichern, seine grössten Einbussen nicht darin, worin man sie gewöhnlich findet. Es ist wahr, dass es von diesem Zeitpuncte ab fortwährend eine Menge der hervorragendsten Talente auf dem "Altar des Vaterlandes" oder der nationalen Ehrsucht opfert, während früher diesen Talenten, welche jetzt die Politik verschlingt, andere Wirkungskreise offen standen. Aber abseits von diesen öffentlichen Hekatomben, und im Grunde viel grauenhafter als diese, begiebt sich ein Schauspiel, welches fortwährend in hunderttausend Acten gleichzeitig sich abspielt: jeder tüchtige, arbeitsame, geistvolle, strebende Mensch eines solchen nach politischen Ruhmeskränzen lüsternen Volkes wird von dieser Lüsternheit beherrscht und gehört seiner eigenen Sache nicht mehr, wie früher, völlig an: die täglich neuen Fragen und Sorgen des öffentlichen Wohles verschlingen eine tägliche Abgabe von dem Kopf- und Herz-Capitale jedes Bürgers: die Summe all dieser Opfer und Einbussen an individueller Energie und Arbeit ist so ungeheuer, dass das politische Aufblühen eines Volkes eine geistige Verarmung und Ermattung, eine geringere Leistungsfähigkeit zu Werken, welche grosse Concentration und Einseitigkeit verlangen, fast mit Nothwendigkeit nach sich zieht. Zuletzt darf man fragen: lohnt sich denn all diese Blüthe und Pracht des Ganzen (welche ja doch nur als Furcht der anderen Staaten vor dem neuen Coloss und als dem Auslande abgerungene Begünstigung der nationalen Handels- und Verkehrs-Wohlfahrt zu Tage tritt), wenn dieser groben und buntschillernden Blume der Nation alle die edleren, zarteren, geistigeren Pflanzen und Gewächse, an welchen ihr Boden bisher so reich war, zum Opfer gebracht werden müssen?
482
Und nochmals gesagt.— Oeffentliche Meinungen—private Faulheiten.
Neuntes Hauptstück. Der Mensch mit sich allein.
483
Feinde der Wahrheit.— Ueberzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit, als Lügen.
484
Verkehrte Welt. — Man kritisirt einen Denker schärfer, wenn er einen uns unangenehmen Satz hinstellt; und doch wäre es vemünftiger, diess zu thun, wenn sein Satz uns angenehm ist.
485
Charaktervoll. — Charaktervoll erscheint ein Mensch weit häufiger, weil er immer seinem Temperamente, als weil er immer seinen Principien folgt.
486
Das Eine, was Noth thut.— Eins muss man haben: entweder einen von Natur leichten Sinn oder einen durch Kunst und Wissen erleichterten Sinn.
487
Die Leidenschaft für Sachen. — Wer seine Leidenschaft auf Sachen (Wissenschaften, Staatswohl, Culturinteressen, Künste) richtet, entzieht seiner Leidenschaft für Personen viel Feuer (selbst wenn sie Vertreter jener Sachen sind, wie Staatsmänner, Philosophen, Künstler Vertreter ihrer Schöpfungen sind).
488
Die Ruhe in der That. — Wie ein Wasserfall im Sturz langsamer und schwebender wird, so pflegt der grosse Mensch der That mit mehr Ruhe zu handeln, als seine stürmische Begierde vor der That es erwarten liess.
489
Nicht zu tief. — Personen, welche eine Sache in aller Tiefe erfassen, bleiben ihr selten auf immer treu. Sie haben eben die Tiefe an's Licht gebracht: da giebt es immer viel Schlimmes zu sehen.
490
Wahn der Idealisten. — Alle Idealisten bilden sich ein, die Sachen, welchen sie dienen, seien wesentlich besser, als die anderen Sachen in der Welt, und wollen nicht glauben, dass wenn ihre Sache überhaupt gedeihen soll, sie genau des selben übel riechenden Düngers bedarf, welchen alle anderen menschlichen Unternehmungen nöthig haben.
491
Selbstbeobachtung. — Der Mensch ist gegen sich selbst, gegen Auskundschaftung und Belagerung durch sich selber, sehr gut vertheidigt, er vermag gewöhnlich nicht mehr von sich, als seine Aussenwerke wahrzunehmen. Die eigentliche Festung ist ihm unzugänglich, selbst unsichtbar, es sei denn, dass Freunde und Feinde die Verräther machen und ihn selber auf geheimem Wege hineinführen.
492
Der richtige Beruf. — Männer halten selten einen Beruf aus, von dem sie nicht glauben oder sich einreden, er sei im Grunde wichtiger, als alle anderen. Ebenso geht es Frauen mit ihren Liebhabern.
493
Adel der Gesinnung. — Der Adel der Gesinnung besteht zu einem grossen Teil aus Gutmüthigkeit und Mangel an Misstrauen, und enthält also gerade Das, worüber sich die gewinnsüchtigen und erfolgreichen Menschen so gerne mit Ueberlegenheit und Spott ergehen.
494
Ziel und Wege.— Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, Wenige in Bezug auf das Ziel.
495
Das Empörende an einer individuellen Lebensart. — Alle sehr individuellen Maassregeln des Lebens bringen die Menschen gegen Den, der sie ergreift, auf; sie fühlen sich durch die aussergewöhnliche Behandlung, welche jener sich angedeihen lässt, erniedrigt, als gewöhnliche Wesen.
496
Vorrecht der Grösse.— Es ist das Vorrecht der Grösse, mit geringen Gaben hoch zu beglücken.
497
Unwillkürlich vornehm. — Der Mensch beträgt sich unwillkürlich vornehm, wenn er sich gewöhnt hat, von den Menschen Nichts zu wollen und ihnen immer zu geben.
498
Bedingung des Heroenthums.— Wenn Einer zum Helden werden will, so muss die Schlange vorher zum Drachen geworden sein, sonst fehlt ihm sein rechter Feind.
499
Freund.— Mitfreude, nicht Mitleiden, macht den Freund.
500
Ebbe und Fluth zu benutzen. — Man muss zum Zwecke der Erkenntniss jene innere Strömung zu benutzen wissen, welche uns zu einer Sache hinzieht und wiederum jene, welche uns nach einer Zeit von der Sache fortzieht.
501
Freude an sich.— "Freude an der Sache" so sagt man: aber in Wahrheit, ist es Freude an sich vermittelst einer Sache.
502
Der Bescheidene. — Wer gegen Personen bescheiden ist, zeigt gegen Sachen (Stadt, Staat, Gesellschaft, Zeit, Menschheit) um so stärker seine Anmaassung. Das ist seine Rache.
503
Neid und Eifersucht.— Neid und Eifersucht sind die Schamtheile der menschlichen Seele. Die Vergleichung kann vielleicht fortgesetzt werden.
504
Der vornehmste Heuchler.— Gar nicht von sich zu reden, ist eine sehr vornehme Heuchelei.
505
Verdruss. — Der Verdruss ist eine körperliche Krankheit, welche keineswegs dadurch schon gehoben ist, dass die Veranlassung zum Verdruss hinterdrein beseitigt wird.
506
Vertreter der Wahrheit.— Nicht wenn es gefährlich ist, die Wahrheit zu sagen, findet sie am seltensten Vertreter, sondern wenn es langweilig ist.
507
Beschwerlicher noch, als Feinde. — Die Personen, von deren sympathischem Verhalten wir nicht unter allen Umständen überzeugt sind, während uns irgend ein Grund (z. B. Dankbarkeit) verpflichtet, den Anschein der unbedingten Sympathie unsererseits aufrecht zu erhalten, quälen unsere Phantasie viel mehr, als unsere Feinde.
508
Die freie Natur.— Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
509
Jeder in Einer Sache überlegen. — In civilisirten Verhältnissen fühlt sich Jeder jedem Anderen in Einer Sache wenigstens überlegen: darauf beruht das allgemeine Wohlwollen, insofern Jeder einer ist, der unter Umständen helfen kann und desshalb sich ohne Scham helfen lassen darf.
510
Trostgründe. — Bei einem Todesfall braucht man zumeist Trostgründe, nicht sowohl um die Gewalt des Schmerzes zu lindern, als um zu entschuldigen, dass man sich so leicht getröstet fühlt.
511
Die Ueberzeugungstreuen. — Wer viel zu thun hat, behält seine allgemeinen Ansichten und Standpuncte fast unverändert bei. Ebenso jeder, der im Dienst einer Idee arbeitet: er wird die Idee selber nie mehr prüfen, dazu hat er keine Zeit mehr; ja es geht gegen sein Interesse, sie überhaupt noch für discutirbar zu halten.
512
Moralität und Quantität. — Die höhere Moralität des einen Menschen, im Vergleich zu der eines anderen, liegt oft nur darin, dass die Ziele quantitativ grösser sind. Jenen zieht die Beschäftigung mit dem Kleinen, im engen Kreise, nieder.
513
Das Leben als Ertrag des Lebens. — Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntniss ausrecken, sich selber noch so objectiv vorkommen: zuletzt trägt er doch Nichts davon, als seine eigene Biographie.
514
Die eherne Nothwendigkeit. — Die eherne Nothwendigkeit ist ein Ding, von dem die Menschen im Verlauf der Geschichte einsehen, dass es weder ehern noch nothwendig ist.
515
Aus der Erfahrung.— Die Unvernunft einer Sache ist kein Grund gegen ihr Dasein, vielmehr eine Bedingung desselben.
516
Wahrheit.— Niemand stirbt jetzt an tödtlichen Wahrheiten: es giebt zu viele Gegengifte.
517
Grundeinsicht.— Es giebt keine prästabilirte Harmonie zwischen der Förderung der Wahrheit und dem Wohle der Menschheit.
518
Menschenloos.— Wer tiefer denkt, weiss, dass er immer Unrecht hat, er mag handeln und urtheilen, wie er will.
519
Wahrheit als Circe. — Der Irrthum hat aus Thieren Menschen gemacht; sollte die Wahrheit im Stande sein, aus dem Menschen wieder ein Thier zu machen?
520
Gefahr unserer Cultur.— Wir gehören einer Zeit an, deren Cultur in Gefahr ist, an den Mitteln der Cultur zu Grunde zu gehen.
521
Grösse heisst: Richtung-geben. — Kein Strom ist durch sich selber gross und reich: sondern dass er so viele Nebenflüsse aufnimmt und fortführt, das macht ihn dazu. So steht es auch mit allen Grössen des Geistes. Nur darauf kommt es an, dass Einer die Richtung angiebt, welcher dann so viele Zuflüsse folgen müssen; nicht darauf, ob er von Anbeginn arm oder reich begabt ist.
522
Schwaches Gewissen. — Menschen, welche von ihrer Bedeutung für die Menschheit sprechen, haben in Bezug auf gemeine bürgerliche Rechtlichkeit im Halten von Verträgen, Versprechungen, ein schwaches Gewissen.
523
Geliebt sein wollen.— Die Forderung, geliebt zu werden, ist die grösste der Anmaassungen.
524
Menschenverachtung. — Das unzweideutigste Anzeichen von einer Geringschätzung der Menschen ist diess, dass man Jedermann nur als Mittel zu seinem Zwecke oder gar nicht gelten lässt.
525
Anhänger aus Widerspruch.— Wer die Menschen zur Raserei gegen sich gebracht hat, hat sich immer auch eine Partei zu seinen Gunsten erworben.
526
Erlebnisse vergessen. — Wer viel denkt, und zwar sachlich denkt, vergisst leicht seine eigenen Erlebnisse, aber nicht so die Gedanken, welche durch jene hervorgerufen wurden.
527
Festhalten einer Meinung. — Der Eine hält eine Meinung fest, weil er sich Etwas darauf einbildet, von selbst auf sie gekommen zu sein, der Andere, weil er sie mit Mühe gelernt hat und stolz darauf ist, sie begriffen zu haben: Beide also aus Eitelkeit.
528
Das Licht scheuen. — Die gute That scheut ebenso ängstlich das Licht, als die böse That: diese fürchtet, durch das Bekanntwerden komme der Schmerz (als Strafe), jene fürchtet, durch das Bekanntwerden schwinde die Lust (jene reine Lust an sich selbst nämlich, welche sofort aufhört, sobald eine Befriedigung der Eitelkeit hinzutritt).
529
Die Länge des Tages.— Wenn man viel hineinzustecken hat, so hat ein Tag hundert Taschen.
530
Tyrannengenie. — Wenn in der Seele eine unbezwingliche Lust dazu rege ist, sich tyrannisch durchzusetzen, und das Feuer beständig unterhält, so wird selbst eine geringe Begabung (bei Politikern, Künstlern) allmählich zu einer fast unwiderstehlichen Naturgewalt.
531
Das Leben des Feindes.— Wer davon lebt, einen Feind zu bekämpfen, hat ein Interesse daran, dass er am Leben bleibt.
532
Wichtiger.— Man nimmt die unerklärte dunkle Sache wichtiger, als die erklärte helle.
533
Abschätzung erwiesener Dienste. — Dienstleistungen, die uns jemand erweist, schätzen wir nach dem Werthe, den Jener darauf legt, nicht nach dem, welchen sie für uns haben.
534
Unglück. — Die Auszeichnung, welche im Unglück liegt (als ob es ein Zeichen von Flachheit, Anspruchslosigkeit, Gewöhnlichkeit sei, sich glücklich zu fühlen), ist so gross, dass wenn Jemand Einem sagt: "Aber wie glücklich Sie sind!" man gewöhnlich protestirt.
535
Phantasie der Angst. — Die Phantasie der Angst ist jener böse äffische Kobold, der dem Menschen gerade dann noch auf den Rücken springt, wenn er schon am schwersten zu tragen hat.
536
Werth abgeschmackter Gegner.— Man bleibt mitunter einer Sache nur desshalb treu, weil ihre Gegner nicht aufhören, abgeschmackt zu sein.
537
Werth eines Berufes. — Ein Beruf macht gedankenlos; darin liegt sein grösster Segen. Denn er ist eine Schutzwehr, hinter welche man sich, wenn Bedenken und Sorgen allgemeiner Art Einen anfallen, erlaubtermaassen zurückziehen kann.
538
Talent.— Das Talent manches Menschen erscheint geringer als es ist, weil er sich immer zu grosse Aufgaben gestellt hat.
539
Jugend.— Die Jugend ist unangenehm; denn in ihr ist es nicht möglich oder nicht vernünftig, productiv zu sein, in irgend einem Sinne.
540
Zugrosse Ziele. — Wer sich öffentlich grosse Ziele stellt und hinterdrein im Geheimen einsieht, dass er dazu zu schwach ist, hat gewöhnlich auch nicht Kraft genug, jene Ziele öffentlich zu widerrufen und wird dann unvermeidlich zum Heuchler.
541
Im Strome.— Starke Wasser reissen viel Gestein und Gestrüpp mit sich fort, starke Geister viel dumme und verworrene Köpfe.
542
Gefahren der geistigen Befreiung. — Bei der ernstlich gemeinten geistigen Befreiung eines Menschen hoffen im Stillen auch seine Leidenschaften und Begierden ihren Vortheil sich zu ersehen.
543
Verkörperung des Geistes.— Wenn Einer viel und klug denkt, so bekommt nicht nur sein Gesicht, sondern auch sein Körper ein kluges Aussehen.
544
Schlecht sehen und schlecht hören.— Wer wenig sieht, sieht immer weniger; wer schlecht hört, hört immer Einiges noch dazu.
545
Selbstgenuss in der Eitelkeit. — Der Eitele will nicht sowohl hervorragen, als sich hervorragend fühlen, desshalb verschmäht er kein Mittel des Selbstbetruges und der Selbstüberlistung. Nicht die Meinung der Anderen, sondern seine Meinung von Deren Meinung liegt ihm am Herzen.
546
Ausnahmsweise eitel. — Der für gewöhnlich Selbstgenügsame ist ausnahmsweise eitel und für Ruhm- und Lobsprüche empfänglich, wenn er körperlich krank ist. In dem Maasse, in welchem er sich verliert, muss er sich aus fremder Meinung, von Aussen her, wieder zu gewinnen suchen.
547
Die "Geistreichen".— Der hat keinen Geist, welcher den Geist sucht.
548
Wink für Parteihäupter. — Wenn man die Leute dazu treiben kann, sich öffentlich für Etwas zu erklären, so hat man sie meistens auch dazu gebracht, sich innerlich dafür zu erklären; sie wollen fürderhin als consequent erfunden werden.
549
Verachtung.— Die Verachtung durch Andere ist dem Menschen empfindlicher, als die durch sich selbst.
550
Schnur der Dankbarkeit. — Es giebt sclavische Seelen, welche die Erkenntlichkeit für erwiesene Wohlthaten so weit treiben, dass sie sich mit der Schnur der Dankbarkeit selbst erdrosseln.
551
Kunstgriff des Propheten. — Um die Handlungsweise gewöhnlicher Menschen im Voraus zu errathen, muss man annehmen, dass sie immer den mindesten Aufwand an Geist machen, um sich aus einer unangenehmen Lage zu befreien.
552
Das einzige Menschenrecht. — Wer vom Herkömmlichen abweicht, ist das Opfer des Aussergewöhnlichen; wer im Herkömmlichen bleibt, ist der Sclave desselben. Zu Grunde gerichtet wird man auf jeden Fall.
553
Unter das Thier hinab.— Wenn der Mensch vor Lachen wiehert, übertrifft er alle Thiere durch seine Gemeinheit.
554
Halbwissen. — Der, welcher eine fremde Sprache wenig spricht, hat mehr Freude daran, als Der, welcher sie gut spricht. Das Vergnügen ist bei den Halbwissenden.
555
Gefährliche Hülfbereitschaft. — Es giebt Leute, welche das Leben den Menschen erschweren wollen, aus keinem andern Grunde, als um ihnen hinterdrein ihre Recepte zur Erleichterung des Lebens, zum Beispiel ihr Christenthum, anzubieten.
556
Fleiss und Gewissenhaftigkeit. — Fleiss und Gewissenhaftigkeit sind oftmals dadurch Antagonisten, dass der Fleiss die Früchte sauer vom Baume nehmen will, die Gewissenhaftigkeit sie aber zu lange hängen lässt, bis sie herabfallen und sich zerschlagen.
557
Verdächtigen.— Menschen, welche man nicht leiden kann, sucht man sich zu verdächtigen.
558
Die Umstände fehlen.— Viele Menschen warten ihr Leben lang auf die Gelegenheit, auf ihre Art gut zu sein.
559
Mangel an Freunden. — Der Mangel an Freunden lässt auf Neid oder Anmaassung schliessen. Mancher verdankt seine Freunde nur dem glücklichen Umstande, dass er keinen Anlass zum Neide hat.
560
Gefahr in der Vielheit. — Mit einem Talente mehr steht man oft unsicherer, als mit einem weniger: wie der Tisch besser auf drei, als auf vier Füssen steht.
561
Den Andern zum Vorbild. — Wer ein gutes Beispiel geben will, muss seiner Tugend einen Gran Narrheit zusetzen: dann ahmt man nach und erhebt sich zugleich über den Nachgeahmten,—was die Menschen lieben.
562
Zielscheibe sein. — Die bösen Reden Anderer über uns gelten oft nicht eigentlich uns, sondern sind die Aeusserungen eines Aergers, einer Verstimmung aus ganz anderen Gründen.
563
Leicht resignirt.— Man leidet wenig an versagten Wünschen, wenn man seine Phantasie geübt hat, die Vergangenheit zu verhässlichen.
564
In Gefahr.— Man ist am Meisten in Gefahr, überfahren zu werden, wenn man eben einem Wagen ausgewichen ist.
565
Je nach der Stimme die Rolle. — Wer gezwungen ist, lauter zu reden, als er gewohnt ist (etwa vor einem Halb-Tauben oder vor einem grossen Auditorium), übertreibt gewöhnlich die Dinge, welche er mitzutheilen hat.— Mancher wird zum Verschwörer, böswilligen Nachredner, Intriguanten, blos weil seine Stimme sich am besten zu einem Geflüster eignet.
566
Liebe und Hass.— Liebe und Hass sind nicht blind, aber geblendet vom Feuer, das sie selber mit sich tragen.
567
Mit Vortheil angefeindet. — Menschen, welche der Welt ihre Verdienste nicht völlig deutlich machen können, suchen sich eine starke Feindschaft zu erwecken. Sie haben dann den Trost, zu denken, dass diese zwischen ihren Verdiensten und deren Anerkennung stehe—und dass mancher Andere das Selbe vermuthe: was sehr vortheilhaft für ihre Geltung ist.
568
Beichte.— Man vergisst seine Schuld, wenn man sie einem Andern gebeichtet hat, aber gewöhnlich vergisst der Andere sie nicht.
569
Selbstgenügsamkeit.— Das goldene Vliess der Selbstgenügsamkeit schützt gegen Prügel, aber nicht gegen Nadelstiche.
570
Schatten in der Flamme.— Die Flamme ist sich selber nicht so hell, als den Anderen, denen sie leuchtet: so auch der Weise.
571
Eigene Meinungen. — Die erste Meinung, welche uns einfällt, wenn wir plötzlich über eine Sache befragt werden, ist gewöhnlich nicht unsere eigene, sondern nur die landläufige, unserer Kaste, Stellung, Abkunft zugehörige; die eigenen Meinungen schwimmen selten oben auf.
572
Herkunft des Muthes. — Der gewöhnliche Mensch ist muthig und unverwundbar wie ein Held, wenn er die Gefahr nicht sieht, für sie keine Augen hat. Umgekehrt: der Held hat die einzig verwundbare Stelle auf dem Rücken, also dort, wo er keine Augen hat.
573
Gefahr im Arzte.— Man muss für seinen Arzt geboren sein, sonst geht man an seinem Arzt zu Grunde.
574
Wunderliche Eitelkeit. — Wer dreimal mit Dreistigkeit das Wetter prophezeit hat und Erfolg hatte, der glaubt im Grunde seiner Seele ein Wenig an seine Prophetengabe. Wir lassen das Wunderliche, Irrationelle gelten, wenn es unserer Selbstschätzung schmeichelt.
575
Beruf.— Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens.
576
Gefahr persönlichen Einflusses. — Wer fühlt, dass er auf einen Anderen einen grossen innerlichen Einfluss ausübt, muss ihm ganz freie Zügel lassen, ja gelegentliches Widerstreben gern sehen und selbst herbeiführen: sonst wird er unvermeidlich sich einen Feind machen.
577
Den Erben gelten lassen. — Wer etwas Grosses in selbstloser Gesinnung begründet hat, sorgt dafür, sich Erben zu erziehen. Es ist das Zeichen einer tyrannischen und unedlen Natur, in allen möglichen Erben seines Werkes seine Gegner zu sehen und gegen sie im Stande der Nothwehr zu leben.
578
Halbwissen. — Das Halbwissen ist siegreicher, als das Ganzwissen: es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung fasslicher und überzeugender.
579
Nicht geeignet zum Parteimann.— Wer viel denkt, eignet sich nicht zum Parteimann: er denkt sich zu bald durch die Partei hindurch.
580
Schlechtes Gedächtniss.— Der Vortheil des schlechten Gedächtnisses ist, dass man die selben guten Dinge mehrere Male zum Ersten Male geniesst.
581
Sich Schmerzen machen.— Rücksichtslosigkeit des Denkens ist oft das Zeichen einer unfriedlichen inneren Gesinnung, welche Betäubung begehrt.
582
Märtyrer.— Der Jünger eines Märtyrers leidet mehr, als der Märtyrer.
583
Rückständige Eitelkeit. — Die Eitelkeit mancher Menschen, die es nicht nöthig hätten, eitel zu sein, ist die übriggebliebene und gross gewachsene Gewohnheit aus der Zeit her, wo sie noch kein Recht hatten, an sich zu glauben und diesen Glauben erst von Andern in kleiner Münze einbettelten.
584
Punctum saliens der Leidenschaft. — Wer im Begriff ist, in Zorn oder in einen heftigen Liebesaffect zu gerathen, erreicht einen Punct, wo die Seele voll ist wie ein Gefäss: aber doch muss ein Wassertropfen noch hinzukommen, der gute Wille zur Leidenschaft (den man gewöhnlich auch den bösen nennt). Es ist nur dieses Pünctchen nöthig, dann läuft das Gefäss über.
585
Gedanke des Unmuthes. — Es ist mit den Menschen wie mit den Kohlenmeilern im Walde. Erst wenn die jungen Menschen ausgeglüht haben und verkohlt sind, gleich jenen, dann werden sie nützlich. So lange sie dampfen und rauchen, sind sie vielleicht interessanter, aber unnütz und gar zu häufig unbequem.— Die Menschheit verwendet schonungslos jeden Einzelnen als Material zum Heizen ihrer grossen Maschinen: aber wozu dann die Maschinen, wenn alle Einzelnen (das heisst die Menschheit) nur dazu nützen, sie zu unterhalten? Maschinen, die sich selbst Zweck sind,—ist das die umana commedia?
586
Vom Stundenzeiger des Lebens. — Das Leben besteht aus seltenen einzelnen Momenten von höchster Bedeutsamkeit und unzählig vielen Intervallen, in denen uns besten Falls die Schattenbilder jener Momente umschweben. Die Liebe, der Frühling, jede schöne Melodie, das Gebirge, der Mond, das Meer—Alles redet nur einmal ganz zum Herzen: wenn es überhaupt je ganz zu Worte kommt. Denn viele Menschen haben jene Momente gar nicht und sind selber Intervalle und Pausen in der Symphonie des wirklichen Lebens.
587
Angreifen oder eingreifen. — Wir machen häufig den Fehler, eine Richtung oder Partei oder Zeit lebhaft anzufeinden, weil wir zufällig nur ihre veräusserlichte Seite, ihre Verkümmerung oder die ihnen nothwendig anhaftenden "Fehler ihrer Tugenden" zu sehen bekommen,—vielleicht weil wir selbst an diesen vornehmlich theilgenommen haben. Dann wenden wir ihnen den Rücken und suchen eine entgegengesetzte Richtung; aber das Bessere wäre, die starken guten Seiten aufzusuchen oder an sich selber auszubilden. Freilich gehört ein kräftigerer Blick und besserer Wille dazu, das Werdende und Unvollkommene zu fördern, als es in seiner Unvollkommenheit zu durchschauen und zu verleugnen.
588
Bescheidenheit. — Es giebt wahre Bescheidenheit (das heisst die Erkenntniss, dass wir nicht unsere eigenen Werke sind); und recht wohl geziemt sie dem grossen Geiste, weil gerade er den Gedanken der völligen Unverantwortlichkeit (auch für das Gute, was er schafft) fassen kann. Die Unbescheidenheit des Grossen hasst man nicht, insofern er seine Kraft fühlt, sondern weil er seine Kraft dadurch erst erfahren will, dass er die Anderen verletzt, herrisch behandelt und zusieht, wie weit sie es aushalten. Gewöhnlich beweist diess sogar den Mangel an sicherem Gefühl der Kraft und macht somit die Menschen an seiner Grösse zweifeln. Insofern ist Unbescheidenheit vom Gesichtspuncte der Klugheit aus sehr zu widerrathen.
589
Des Tages erster Gedanke. — Das beste Mittel, jeden Tag gut zu beginnen, ist: beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tage eine Freude machen könne. Wenn diess als ein Ersatz für die religiöse Gewöhnung des Gebetes gelten dürfte, so hätten die Mitmenschen einen Vortheil bei dieser Aenderung.
590
Anmaassung als letztes Trostmittel. — Wenn man ein Missgeschick, seinen intellectuellen Mangel, seine Krankheit sich so zurecht legt, dass man hierin sein vorgezeichnetes Schicksal, seine Prüfung oder die geheimnissvolle Strafe für früher Begangenes sieht, so macht man sich sein eigenes Wesen dadurch interessant und erhebt sich in der Vorstellung über seine Mitmenschen. Der stolze Sünder ist eine bekannte Figur in allen kirchlichen Secten.
591
Vegetation des Glückes. — Dicht neben dem Wehe der Welt, und oft auf seinem vulcanischen Boden, hat der Mensch seine kleinen Gärten des Glückes angelegt; ob man das Leben mit dem Blicke Dessen betrachtet, der vom Dasein Erkenntniss allein will, oder Dessen, der sich ergiebt und resignirt, oder Dessen, der an der überwundenen Schwierigkeit sich freut,—überall wird er etwas Glück neben dem Unheil aufgesprosst finden—und zwar um so mehr Glück, je vulcanischer der Boden war nur wäre es lächerlich, zu sagen, dass mit diesem Glück das Leiden selbst gerechtfertigt sei.
592
Die Strasse der Vorfahren. — Es ist vernünftig, wenn jemand das Talent, auf welches sein Vater oder Grossvater Mühe verwendet hat, an sich selbst weiter ausbildet und nicht zu etwas ganz Neuem umschlägt; er nimmt sich sonst die Möglichkeit, zum Vollkommenen in irgend einem Handwerk zu gelangen. Desshalb sagt das Sprüchwort: "Welche Strasse sollst du reiten?— die deiner Vorfahren."
593
Eitelkeit und Ehrgeiz als Erzieher. — So lange Einer noch nicht zum Werkzeug des allgemeinen menschlichen Nutzens geworden ist, mag ihn der Ehrgeiz peinigen; ist jenes Ziel aber erreicht, arbeitet er mit Nothwendigkeit wie eine Maschine zum Besten Aller, so mag dann die Eitelkeit kommen; sie wird ihn im Kleinen vermenschlichen, geselliger, erträglicher, nachsichtiger machen, dann, wenn der Ehrgeiz die grobe Arbeit (ihn nützlich zu machen) an ihm vollendet hat.
594
Philosophische Neulinge. — Hat man die Weisheit eines Philosophen eben eingenommen, so geht man durch die Strassen mit dem Gefühle, als sei man umgeschaffen und ein grosser Mann geworden; denn man findet lauter Solche, welche diese Weisheit nicht kennen, hat also über Alles eine neue unbekannte Entscheidung vorzutragen: weil man ein Gesetzbuch anerkennt, meint man jetzt auch sich als Richter gebärden zu müssen.
595
Durch Missfallen gefallen. — Die Menschen, welche lieber auffallen und dabei missfallen wollen, begehren das Selbe wie Die, welche nicht auffallen und gefallen wollen, nur in einem viel höheren Grade und indirect, vermittelst einer Stufe, durch welche sie sich scheinbar von ihrem Ziele entfernen. Sie wollen Einfluss und Macht, und zeigen desshalb ihre Ueberlegenheit, selbst so, dass sie unangenehm empfunden wird; denn sie wissen, dass Der, welcher endlich zur Macht gelangt ist, fast in Allem was er thut und sagt, gefällt, und dass selbst, wo er missfällt, er doch noch zu gefallen scheint.— Auch der Freigeist, und ebenso der Gläubige, wollen Macht, um durch sie einmal zu gefallen; wenn ihnen ihrer Lehre wegen ein übeles Schicksal, Verfolgung, Kerker, Hinrichtung, droht, so freuen sie sich des Gedankens, dass ihre Lehre auf diese Weise der Menschheit eingeritzt und eingebrannt wird; sie nehmen es hin als ein schmerzhaftes, aber kräftiges, wenngleich spät wirkendes Mittel, um doch noch zur Macht zu gelangen.
596
Casus belli und Aehnliches. — Der Fürst, welcher zu dem gefassten Entschlusse, Krieg mit dem Nachbar zu führen, einen casus belli ausfindig macht, gleicht dem Vater, der seinem Kinde eine Mutter unterschiebt, welche fürderhin als solche gelten soll. Und sind nicht fast alle öffentlich bekannt gemachten Motive unserer Handlungen solche untergeschobene Mütter?
597
Leidenschaft und Recht. — Niemand spricht leidenschaftlicher von seinem Rechte, als Der, welcher im Grunde seiner Seele einen Zweifel an seinem Rechte hat. Indem er die Leidenschaft auf seine Seite zieht, will er den Verstand und dessen Zweifel betäuben: so gewinnt er das gute Gewissen und mit ihm den Erfolg bei den Mitmenschen.
598
Kunstgriff des Entsagenden. — Wer gegen die Ehe protestirt nach Art der katholischen Priester wird diese nach ihrer niedrigsten, gemeinsten Auffassung zu verstehen suchen. Ebenso wer die Ehre bei den Zeitgenossen von sich abweist, wird deren Begriff niedrig fassen; so erleichtert er sich die Entbehrung und den Kampf dagegen. Uebrigens wird Der, welcher sich im Ganzen viel versagt, sich im Kleinen leicht Indulgenz geben. Es wäre möglich, dass Der, welcher über den Beifall der Zeitgenossen erhaben ist, doch die Befriedigung kleiner Eitelkeiten sich nicht versagen will.
599
Lebensalter der Anmaassung. — Zwischen dem sechsundzwanzigsten und dreissigsten Jahre liegt bei begabten Menschen die eigentliche Periode der Anmaassung; es ist die Zeit der ersten Reife, mit einem starken Rest von Säuerlichkeit. Man fordert auf Grund dessen, was man in sich fühlt, von Mensen, welche Nichts oder wenig davon sehen, Ehre und Demüthigung, und rächt sich, weil diese zunächst ausbleiben, durch jenen Blick, jene Gebärde der Anmaassung, jenen Ton der Stimme, die ein feines Ohr und Auge an allen Productionen jenes Alters, seien es Gedichte, Philosophien, oder Bilder und Musik, wiedererkennt. Aeltere erfahrene Männer lächeln dazu und mit Rührung gedenken sie dieses schönen Lebensalters, in dem man böse über das Geschick ist, so viel zu sein und so wenig zu scheinen. Später scheint man wirklich mehr,—aber man hat den guten Glauben verloren, viel zu sein: man bleibe denn zeitlebens ein unverbesserlicher Narr der Eitelkeit.
600
Trügerisch und doch haltbar. — Wie man, um an einem Abgrund vorbeizugehen oder einen tiefen Bach auf einem Balken zu überschreiten, eines Geländers bedarf, nicht um sich daran festzuhalten,—denn es würde sofort mit Einem zusammenbrechen, sondern um die Vorstellung der Sicherheit für das Auge zu erwecken,—so bedarf man als Jüngling solcher Personen, welche uns unbewusst den Dienst jenes Geländers erweisen; es ist wahr, sie würden uns nicht helfen, wenn wir uns wirklich, in grosser Gefahr, auf sie stützen wollten, aber sie geben die beruhigende Empfindung des Schutzes in der Nähe (zum Beispiel Väter, Lehrer, Freunde, wie sie, alle drei, gewöhnlich sind).
601
Lieben lernen. — Man muss lieben lernen, gütig sein lernen, und diess von Jugend auf; wenn Erziehung und Zufall uns keine Gelegenheit zur Uebung dieser Empfindungen geben, so wird unsere Seele trocken und selbst zu einem Verständnisse jener zarten Erfindungen liebevoller Menschen ungeeignet. Ebenso muss der Hass gelernt und genährt werden, wenn Einer ein tüchtiger Hasser werden will: sonst wird auch der Keim dazu allmählich absterben.
602
Die Ruine als Schmuck. — Solche, die viele geistige Wandlungen durchmachen, behalten einige Ansichten und Gewohnheiten früherer Zustände bei, welche dann wie ein Stück unerklärlichen Alterthums und grauen Mauerwerks in ihr neues Denken und Handeln hineinragen: oft zur Zierde der ganzen Gegend.
603
Liebe und Ehre. — Die Liebe begehrt, die Furcht meidet. Daran liegt es, dass man nicht zugleich von derselben Person wenigstens in dem selben Zeitraume, geliebt und geehrt werden kann. Denn der Ehrende erkennt die Macht an, das heisst er fürchtet sie: sein Zustand ist Ehrfurcht. Die Liebe aber erkennt keine Macht an, Nichts was trennt, abhebt, über- und unterordnet. Weil sie nicht ehrt, so sind ehrsüchtige Menschen insgeheim oder öffentlich gegen das Geliebtwerden widerspänstig.
604
Vorurtheil für die kalten Menschen. — Menschen, welche rasch Feuer fangen, werden schnell kalt und sind daher im Ganzen unzuverlässig. Desshalb giebt es für alle Die, welche immer kalt sind oder sich so stellen, das günstige Vorurtheil, dass es besonders vertrauenswerthe zuverlässige Menschen seien: man verwechselt sie mit Denen, welche langsam Feuer fangen und es lange festhalten.
605
Das Gefährliche an freien Meinungen. — Das leichte Befassen mit freien Meinungen giebt einen Reiz, wie eine Art jucken; giebt man ihm mehr nach, so fängt man an, die Stellen zu reiben; bis zuletzt eine offene schmerzende Wunde entsteht, das heisst: bis die freie Meinung uns in unserer Lebensstellung, unsern menschlichen Beziehungen zu stören, zu quälen beginnt.
606
Begierde nach tiefem Schmerz. — Die Leidenschaft lässt, wenn sie vorüber ist, eine dunkele Sehnsucht nach sich selber zurück und wirft im Verschwinden noch einen verführerischen Blick zu. Es muss doch eine Art von Lust gewährt haben, mit ihrer Geissel geschlagen worden zu sein. Die mässigeren Empfindungen erscheinen dagegen schaal; man will, wie es scheint, die heftigere Unlust immer noch lieber als die matte Lust.
607
Unmuth über andere und die Welt. — Wenn wir, wie so häufig, unsern Unmuth an Anderen auslassen, während wir ihn eigentlich über uns empfinden, erstreben wir im Grunde eine Umnebelung und Täuschung unseres Urtheils: wir wollen diesen Unmuth a posteriori motiviren durch die Versehen, Mängel der Anderen und uns selber so aus den Augen verlieren.— Die religiös strengen Menschen, welche gegen sich selber unerbittliche Richter sind, haben zugleich am meisten Uebles der Menschheit überhaupt nachgesagt: ein Heiliger, welcher sich die Sünden und den Anderen die Tugenden vorbehält, hat nie gelebt: ebensowenig wie jener, welcher nach Buddha's Vorschrift sein Gutes vor den Leuten verbirgt und ihnen sein Böses allein sehen lässt.
608
Ursache und Wirkung verwechselt. — Wir suchen unbewusst die Grundsätze und Lehrmeinungen, welche unserem Temperamente angemessen sind, so dass es zuletzt so aussieht, als ob die Grundsätze und Lehrmeinungen unseren Charakter geschaffen, ihm Halt und Sicherheit gegeben hätten: während es gerade umgekehrt zugegangen ist. Unser Denken und Urtheilen soll nachträglich, so scheint es, zur Ursache unseres Wesens gemacht werden: aber thatsächlich ist unser Wesen die Ursache, dass wir so und so denken und urtheilen.— Und was bestimmt uns zu dieser fast unbewussten Komödie? Die Trägheit und Bequemlichkeit und nicht am wenigsten der Wunsch der Eitelkeit, durch und durch als consistent, in Wesen und Denken einartig erfunden zu werden: denn diess erwirbt Achtung, giebt Vertrauen und Macht.
609
Lebensalter und Wahrheit. — junge Leute lieben das Interessante und Absonderliche, gleichgültig wie wahr oder falsch es ist. Reifere Geister lieben Das an der Wahrheit, was an ihr interessant und absonderlich ist. Ausgereifte Köpfe endlich lieben die Wahrheit auch in Dem, wo sie schlicht und einfältig erscheint und dem gewöhnlichen Menschen Langeweile macht, weil sie gemerkt haben, dass die Wahrheit das Höchste an Geist, was sie besitzt, mit der Miene der Einfalt zu sagen pflegt.
610
Die Menschen als schlechte Dichter. — So wie schlechte Dichter im zweiten Theil des Verses zum Reime den Gedanken suchen, so pflegen die Menschen in der zweiten Hälfte des Lebens, ängstlicher geworden, die Handlungen, Stellungen, Verhältnisse zu suchen, welche zu denen ihres früheren Lebens passen, so dass äusserlich Alles wohl zusammenklingt: aber ihr Leben ist nicht mehr von einem starken Gedanken beherrscht und immer wieder neu bestimmt, sondern an die Stelle desselben tritt die Absicht, einen Reim zu finden.
611
Langeweile und Spiel. — Das Bedürfniss zwingt uns zur Arbeit, mit deren Ertrage das Bedürfniss gestillt wird; das immer neue Erwachen der Bedürfnisse gewöhnt uns an die Arbeit. In den Pausen aber, in welchen die Bedürfnisse gestillt sind und gleichsam schlafen, überfällt uns die Langeweile. Was ist diese? Es ist die Gewöhnung an Arbeit überhaupt, welche sich jetzt als neues, hinzukommendes Bedürfniss geltend macht; sie wird um so stärker sein, je stärker Jemand gewöhnt ist zu arbeiten, vielleicht sogar je stärker Jemand an Bedürfnissen gelitten hat. Um der Langeweile zu entgehen, arbeitet der Mensch entweder über das Maass seiner sonstigen Bedürfnisse hinaus oder er erfindet das Spiel, das heisst die Arbeit, welche kein anderes Bedürfniss stillen soll, als das nach Arbeit überhaupt. Wer des Spieles überdrüssig geworden ist und durch neue Bedürfnisse keinen Grund zur Arbeit hat, den überfällt mitunter das Verlangen nach einem dritten Zustand, welcher sich zum Spiel verhält, wie Schweben zum Tanzen, wie Tanzen zum Gehen, nach einer seligen, ruhigen Bewegtheit: es ist die Vision der Künstler und Philosophen von dem Glück.
612
Lehre aus Bildern. — Betrachtet man eine Reihe Bilder von sich selber, von den Zeiten der letzten Kindheit bis zu der der Mannesreife, so findet man mit einer angenehmen Verwunderung, dass der Mann dem Kinde ähnlicher sieht, als der Mann dem Jünglinge: dass also, wahrscheinlich diesem Vorgange entsprechend, inzwischen eine zeitweilige Alienation vom Grundcharakter eingetreten ist, über welche die gesammelte, geballte Kraft des Mannes wieder Herr wurde. Dieser Wahrnehmung entspricht die andere, dass alle die starken Einwirkungen von Leidenschaften, Lehrern, politischen Ereignissen, welche in dem Jünglingsalter uns herumziehen, später wieder auf ein festes Maass zurückgeführt erscheinen: gewiss, sie leben und wirken in uns fort, aber das Grundempfinden und Grundmeinen hat doch die Uebermacht und benutzt sie wohl als Kraftquellen, nicht aber mehr als Regulatoren, wie diess wohl in den zwanziger Jahren geschieht. So erscheint auch das Denken und Empfinden des Mannes dem seines kindlichen Lebensalters wieder gemässer,—und diese innere Thatsache spricht sich in der erwähnten äusseren aus.
613
Stimmklang der Lebensalter. — Der Ton, indem Jünglinge reden, loben, tadeln, dichten, missfällt dem Aelter gewordenen, weil er zu laut ist und zwar zugleich dumpf und undeutlich wie der Ton in einem Gewölbe, der durch die Leerheit eine solche Schallkraft bekommt; denn das Meiste, was Jünglinge denken, ist nicht aus der Fülle ihrer eigenen Natur herausgeströmt, sondern ist Anklang, Nachklang von dem, was in ihrer Nähe gedacht, geredet, gelobt, getadelt worden ist. Weil aber die Empfindungen (der Neigung und Abneigung) viel stärker, als die Gründe für jene, in ihnen nachklingen, so entsteht, wenn sie ihre Empfindung wieder laut werden lassen, jener dumpfe, hallende Ton, welcher für die Abwesenheit oder die Spärlichkeit von Gründen das Kennzeichen abgiebt. Der Ton des reiferen Alters ist streng, kurz abgebrochen, mässig laut, aber, wie alles deutlich Articulirte, sehr weit tragend. Das Alter endlich bringt häufig eine gewisse Milde und Nachsicht in den Klang und verzuckert ihn gleichsam: in manchen Fällen freilich versäuert sie ihn auch.
614
Zurückgebliebene und vorwegnehmende Menschen. — Der unangenehme Charakter, welcher voller Misstrauen ist, alles glückliche Gelingen der Mitbewerbenden und Nächsten mit Neid fühlt, gegen abweichende Meinungen gewaltthätig und aufbrausend ist, zeigt, dass er einer früheren Stufe der Cultur zugehört, also ein Ueberbleibsel ist: denn die Art, in welcher er mit den Menschen verkehrt, war die rechte und zutreffende für die Zustände eines Faustrecht-Zeitalters; es ist ein zurückgebliebener Mensch. Ein anderer Charakter, welcher reich an Mitfreude ist, überall Freunde gewinnt, alles Wachsende und Werdende liebevoll empfindet, alle Ehren und Erfolge Anderer mitgeniesst und kein Vorrecht, das Wahre allein zu erkennen, in Anspruch nimmt, sondern voll eines bescheidenen Misstrauens ist,—das ist ein vorwegnehmender Mensch, welcher einer höheren Cultur der Menschen entgegenstrebt. Der unangenehme Charakter stammt aus den Zeiten, wo die rohen Fundamente des menschlichen Verkehrs erst zu bauen waren, der andere lebt auf deren höchsten Stockwerken, möglichst entfernt von dem wilden Thier, welches in den Kellern, unter den Fundamenten der Cultur, eingeschlossen wüthet und heult.
615
Trost für Hypochonder. — Wenn ein großer Denker zeitweilig hypochondrischen Selbstquälereien unterworfen ist, so mag er sich zum Troste sagen: "es ist deine eigene grosse Kraft, von der dieser Parasit sich nährt und wächst; wäre sie geringer, so würdest du weniger zu leiden haben." Ebenso mag der Staatsmann sprechen, wenn Eifersucht und Rachegefühl, überhaupt die Stimmung des bellum omnium contra omnes, zu der er als Vertreter einer Nation nothwendig eine starke Begabung haben muss, sich gelegentlich auch in seine persönlichen Beziehungen eindrängt und ihm das Leben schwer macht.
616
Der Gegenwart entfremdet. — Es hat große Vortheile, seiner Zeit sich einmal in stärkerem Maasse zu entfremden und gleichsam von ihrem Ufer zurück in den Ocean der vergangenen Weltbetrachtungen getrieben zu werden. Von dort aus nach der Küste zu blickend, überschaut man wohl zum ersten Male ihre gesammte Gestaltung und hat, wenn man sich ihr wieder nähert, den Vortheil, sie besser im Ganzen zu verstehen, als Die, welche sie nie verlassen haben.
617
Auf persönlichen Mängeln säen und ernten. — Menschen wie Rousseau verstehen es, ihre Schwächen, Lücken, Laster gleichsam als Dünger ihres Talentes zu benutzen. Wenn jener die Verdorbenheit und Entartung der Gesellschaft als leidige Folge der Cultur beklagt, so liegt hier eine persönliche Erfahrung zu Grunde; deren Bitterkeit giebt ihm die Schärfe seiner allgemeinen Verurtheilung und vergiftet die Pfeile, mit denen er schiesst; er entlastet sich zunächst als ein Individuum und denkt ein Heilmittel zu suchen, das direct der Gesellschaft, aber indirect und vermittelst jener, auch ihm zu Nutze ist.
618
Philosophisch gesinnt sein. — Gewöhnlich strebt man darnach, für alle Lebenslagen und Ereignisse eine Haltung des Gemüthes, eine Gattung von Ansichten zu erwerben,—das nennt man vornehmlich philosophisch gesinnt sein. Aber für die Bereicherung der Erkenntniss mag es höheren Werth haben, nicht in dieser Weise sich zu uniformiren, sondern auf die leise Stimme der verschiedenen Lebenslagen zu hören; diese bringen ihre eigenen Ansichten mit sich. So nimmt man erkennenden Antheil am Leben und Wesen Vieler, indem man sich selber nicht als starres, beständiges, Eines Individuum behandelt.
619
Im Feuer der Verachtung. — Es ist ein neuer Schritt zum Selbständigwerden, wenn man erst Ansichten zu äussern wagt, die als schmählich für Den gelten, welcher sie hegt; da pflegen auch die Freunde und Bekannten ängstlich zu werden. Auch durch dieses Feuer muss die begabte Natur hindurch; sie gehört sich hinterdrein noch vielmehr selber an.
620
Aufopferung. — Die grosse Aufopferung wird, im Falle der Wahl, einer kleinen Aufopferung vorgezogen: weil wir für die grosse uns durch Selbstbewunderung entschädigen, was uns bei der kleinen nicht möglich ist.
621
Liebe als Kunstgriff. — Wer etwas Neues wirklich kennen lernen will (sei es ein Mensch, ein Ereigniss, ein Buch), der thut gut, dieses Neue mit aller möglichen Liebe aufzunehmen, von Allem, was ihm daran feindlich, anstössig, falsch vorkommt, schnell das Auge abzuwenden, ja es zu vergessen: so dass man zum Beispiel dem Autor eines Buches den grössten Vorsprung giebt und geradezu, wie bei einem Wettrennen, mit klopfendem Herzen danach begehrt, dass er sein Ziel erreiche. Mit diesem Verfahren dringt man nähmlich der neuen Sache bis an ihr Herz, bis an ihren bewegenden Punct: und diess heisst eben sie kennen lernen. Ist man soweit, so macht der Verstand hinterdrein seine Restrictionen; jene Ueberschätzung, jenes zeitweilige Aushängen des kritischen Pendels war eben nur der Kunstgriff, die Seele einer Sache herauszulocken.
622
Zu gut und zu schlecht von der Welt denken. — Ob man zu gut oder zu schlecht von den Dingen denkt, man hat immer den Vortheil dabei, eine höhere Lust einzuernten: denn bei einer vorgefassten zu guten Meinung legen wir gewöhnlich mehr Süssigkeit in die Dinge (Erlebnisse) hinein, als sie eigentlich enthalten. Eine vorgefasste zu schlechte Meinung verursacht eine angenehme Enttäuschung: das Angenehme, das an sich in den Dingen lag, bekommt einen Zuwachs durch das Angenehme der Ueberraschung.— Ein finsteres Temperament wird übrigens in beiden Fällen die umgekehrte Erfahrung machen.
623
Tiefe Menschen. — Diejenigen, welche ihre Stärke in der Vertiefung der Eindrücke haben—man nennt sie gewöhnlich tiefe Menschen—sind bei allem Plötzlichen verhältnissmässig gefasst und entschlossen: denn im ersten Augenblick war der Eindruck noch flach, er wird dann erst tief. Lange vorhergesehene, erwartete Dinge oder Personen regen aber solche Naturen am meisten auf und machen sie fast unfähig, bei der endlichen Ankunft derselben noch Gegenwärtigkeit des Geistes zu haben.
624
Verkehr mit dem höheren Selbst. — Ein jeder hat seinen guten Tag, wo er sein höheres Selbst findet; und die wahre Humanität verlangt, jemanden nur nach diesem Zustande und nicht nach den Werktagen der Unfreiheit und Knechtung zu schätzen. Man soll zum Beispiel einen Maler nach seiner höchsten Vision, die er zu sehen und darzustellen vermochte, taxiren und verehren. Aber die Menschen selber verkehren sehr verschieden mit diesem ihrem höheren Selbst und sind häufig ihre eigenen Schauspieler, insofern sie Das, was sie in jenen Augenblicken sind, später immer wieder nachmachen. Manche leben in Scheu und Demuth vor ihrem Ideale und möchten es verleugnen: sie fürchten ihr höheres Selbst, weil es, wenn es redet, anspruchsvoll redet. Dazu hat es eine geisterhafte Freiheit zu kommen und fortzubleiben wie es will; es wird desswegen häufig eine Gabe der Götter genannt, während eigentlich alles Andere Gabe der Götter (des Zufalls) ist: jenes aber ist der Mensch selber.
625
Einsame Menschen. — Manche Menschen sind so sehr an das Alleinsein mit sich selber gewöhnt, dass sie sich gar nicht mit Anderen vergleichen, sondern in einer ruhigen, freudigen Stimmung, unter guten Gesprächen mit sich, ja mit Lachen ihr monologisches Leben fortspinnen. Bringt man sie aber dazu, sich mit Anderen zu vergleichen, so neigen sie zu einer grübelnden Unterschätzung ihrer selbst: so dass sie gezwungen werden müssen, eine gute, gerechte Meinung über sich erst von Anderen wieder zu lernen: und auch von dieser erlernten Meinung werden sie immer wieder Etwas abziehen und abhandeln wollen.— Man muss also gewissen Menschen ihr Alleinsein gönnen und nicht so albern sein, wie es häufig geschieht, sie desswegen zu bedauern.
626
Ohne Melodie. — Es giebt Menschen, denen ein stätiges Beruhen in sich selbst und ein harmonisches Sich-zurecht-legen aller ihrer Fähigkeiten so zu eigen ist, dass ihnen jede zielesetzende Thätigkeit widerstrebt. Sie gleichen einer Musik, welche aus lauter langgezogenen harmonischen Accorden besteht, ohne dass je auch nur der Ansatz zu einer gegliederten bewegten Melodie sich zeigte. Alle Bewegung von Aussen her dient nur, dem Kahne sofort wieder sein neues Gleichgewicht auf dem See harmonischen Wohlklangs zu geben. Moderne Menschen werden gewöhnlich auf's Aeusserste ungeduldig, wenn sie solchen Naturen begegnen, aus denen Nichts wird, ohne dass man ihnen sagen dürfte, dass sie Nichts sind. Aber in einzelnen Stimmungen erregt ihr Anblick jene ungewöhnliche Frage: wozu überhaupt Melodie? Warum genügt es uns nicht, wenn das Leben sich ruhevoll in einem tiefen See spiegelt?— Das Mittelalter war reicher an solchen Naturen als unsere Zeit. Wie selten trifft man noch auf einen, der so recht friedlich und froh mit sich auch im Gedränge fortleben kann, zu sich redend wie Goethe: "das Beste ist die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse, und gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen können."
627
Leben und Erleben. — Sieht man zu, wie Einzelne mit ihren Erlebnissen—ihren unbedeutenden alltäglichen Erlebnissen—umzugehen wissen, so dass diese zu einem Ackerland werden, das dreimal des Jahres Frucht trägt; während Andere—und wie Viele!—durch den Wogenschlag der aufregendsten Schicksale, der mannigfaltigsten Zeit- und Volksströmungen hindurchgetrieben werden und doch immer leicht, immer obenauf, wie Kork, bleiben: so ist man endlich versucht, die Menschheit in eine Minorität (Minimalität) Solcher einzutheilen, welche aus Wenigem Viel zu machen verstehen: und in eine Majorität Derer, welche aus Vielem Wenig zu machen verstehen; ja man trifft auf jene umgekehrten Hexenmeister, welche, anstatt die Welt aus Nichts, aus der Welt ein Nichts schaffen.
628
Ernst im Spiele. — In Genua hörte ich zur Zeit der Abenddämmerung von einem Thurme her ein langes Glockenspiel: das wollte nicht enden und klang, wie unersättlich an sich selber, über das Geräusch der Gassen in den Abendhimmel und die Meerluft hinaus, so schauerlich, so kindisch zugleich, so wehmuthsvoll. Da gedachte ich der Worte Plato's und fühlte sie auf einmal im Herzen: alles Menschliche insgesammt ist des grossen Ernstes nicht werth; trotzdem — —
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Von der Ueberzeugung und der Gerechtigkeit. — Das, was der Mensch in der Leidenschaft sagt, verspricht, beschliesst, nachher in Kälte und Nüchternheit zu vertreten—diese Forderung gehört zu den schwersten Lasten, welche die Menschheit drücken. Die Folgen des Zornes, der aufflammenden Rache, der begeisterten Hingebung in alle Zukunft hin anerkennen zu müssen—das kann zu einer um so grösseren Erbitterung gegen diese Empfindungen reizen, je mehr gerade mit ihnen allerwärts und namentlich von den Künstlern ein Götzendienst getrieben wird. Diese züchten die Schätzung der Leidenschaften gross und haben es immer gethan; freilich verherrlichen sie auch die furchtbaren Genugthuungen der Leidenschaft, welche Einer an sich selber nimmt, jene Racheausbrüche mit Tod, Verstümmelung, freiwilliger Verbannung im Gefolge, und jene Resignation des zerbrochnen Herzens. Jedenfalls: halten sie die Neugierde nach den Leidenschaften wach, es ist, als ob sie sagen wollten: ihr habt ohne Leidenschaften gar Nichts erlebt.— Weil man Treue geschworen, vielleicht gar einem rein fingirten Wesen, wie einem Gotte, weil man sein Herz hingegeben hat, einem Fürsten, einer Partei, einem Weibe, einem priesterlichen Orden, einem Künstler, einem Denker, im Zustande eines verblendeten Wahnes, welcher Entzückung über uns legte und jene Wesen als jeder Verehrung, jedes Opfers würdig erscheinen liess—ist man nun unentrinnbar fest gebunden? Ja haben wir uns denn damals nicht selbst betrogen? War es nicht ein hypothetisches Versprechen, unter der freilich nicht laut gewordenen Voraussetzung, dass jene Wesen, denen wir uns weihten wirklich die Wesen sind, als welche sie in unserer Vorstellung erschienen? Sind wir verpflichtet, unsern Irrthümern treu zu sein, selbst mit der Einsicht, dass wir durch diese Treue an unserem höheren Selbst Schaden stiften?— Nein, es giebt kein Gesetz, keine Verpflichtung der Art, wir müssen Verräther werden, Untreue üben, unsere Ideale immer wieder preisgeben. Aus einer Periode des Lebens in die andere schreiten wir nicht, ohne diese Schmerzen des Verrathes zu machen und auch daran wieder zu leiden. Wäre es nöthig, dass wir uns, um diesen Schmerzen zu entgehen, vor den Aufwallungen unserer Empfindung hüten müssten? Würde dann die Welt nicht zu öde, zu gespenstisch für uns werden? Vielmehr wollen wir uns fragen, ob diese Schmerzen bei einem Wechsel der Ueberzeugung nothwendig sind oder ob sie nicht von einer irrthümlichen Meinung und Schätzung abhängen. Warum bewundert man Den, welcher seiner Ueberzeugung treu bleibt, und verachtet Den, welcher sie wechselt? Ich fürchte, die Antwort muss sein: weil Jedermann voraussetzt, dass nur Motive gemeineren Vortheils oder persönlicher Angst einen solchen Wechsel veranlassen. Das heisst: man glaubt im Grunde, dass Niemand seine Meinungen verändert, so lange sie ihm vortheilhaft sind, oder wenigstens so lange sie ihm keinen Schaden bringen. Steht es aber so, so liegt darin ein schlimmes Zeugniss über die intellectuelle Bedeutung aller Ueberzeugungen. Prüfen wir einmal, wie Ueberzeugungen entstehen, und sehen wir zu, ob sie nicht bei Weitem überschätzt werden: dabei wird sich ergeben, dass auch der Wechsel von Ueberzeugungen unter allen Umständen nach falschem Maasse bemessen wird und dass wir bisher zu viel an diesem Wechsel zu leiden pflegten.
630
Ueberzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Ueberzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Ueberzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist; er steht im Alter der theoretischen Unschuld vor uns und ist ein Kind, wie erwachsen er auch sonst sein möge. Ganze Jahrtausende aber haben in jenen kindlichen Voraussetzungen gelebt und aus ihnen sind die mächtigsten Kraftquellen der Menschheit herausgeströmt. jene zahllosen Menschen, welche sich für ihre Ueberzeugungen opferten, meinten es für die unbedingte Wahrheit zu thun. Sie alle hatten Unrecht darin: wahrscheinlich hat noch nie ein Mensch sich für die Wahrheit geopfert; mindestens wird der dogmatische Ausdruck seines Glaubens unwissenschaftlich oder halbwissenschaftlich gewesen sein. Aber eigentlich wollte man Recht behalten, weil man meinte, Recht haben zu müssen. Seinen Glauben sich entreissen lassen, das bedeutete vielleicht seine ewige Seligkeit in Frage stellen. Bei einer Angelegenheit von dieser äussersten Wichtigkeit war der "Wille" gar zu hörbar der Souffleur des Intellects. Die Voraussetzung jedes Gläubigen jeder Richtung war, nicht widerlegt werden zu können; erwiesen sich die Gegengründe als sehr stark, so blieb ihm immer noch übrig, die Vernunft überhaupt zu verlästern und vielleicht gar das "credo quia absurdum est" als Fahne des äussersten Fanatismus aufzupflanzen. Es ist nicht der Kampf der Meinungen, welcher die Geschichte so gewaltthätig gemacht hat, sondern der Kampf des Glaubens an die Meinungen, das heisst der Ueberzeugungen. Wenn doch alle Die, welche so gross von ihrer Ueberzeugung dachten, Opfer aller Art ihr brachten und Ehre, Leib und Leben in ihrem Dienste nicht schonten, nur die Hälfte ihrer Kraft der Untersuchung gewidmet hätten, mit welchem Rechte sie an dieser oder jener Ueberzeugung hiengen, auf welchem Wege sie zu ihr gekommen seien: wie friedfertig sähe die Geschichte der Menschheit aus! Wieviel mehr des Erkannten würde es geben! Alle die grausamen Scenen bei der Verfolgung der Ketzer jeder Art wären uns aus zwei Gründen erspart geblieben: einmal weil die Inquisitoren vor Allem in sich selbst inquirirt hätten und über die Anmaassung, die unbedingte Wahrheit zu vertheidigen, hinausgekommen wären; sodann weil die Ketzer selber so schlecht begründeten Sätzen, wie die Sätze aller religiösen Sectirer und "Rechtgläubigen" sind, keine weitere Theilnahme geschenkt haben würden, nachdem sie dieselben untersucht hätten.
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Aus den Zeiten her, in welchen Menschen daran gewöhnt waren, an den Besitz der unbedingten Wahrheit zu glauben, stammt ein tiefes Missbehagen an allen skeptischen und relativistischen Stellungen zu irgendwelchen Fragen der Erkenntniss; man zieht meistens vor, sich einer Ueberzeugung, welche Personen von Autorität haben (Väter, Freunde, Lehrer, Fürsten), auf Gnade oder Ungnade zu ergeben, und hat, wenn man diess nicht thut, eine Art von Gewissensbissen. Dieser Hang ist ganz begreiflich und seine Folgen geben kein Recht zu heftigen Vorwürfen gegen die Entwickelung der menschlichen Vernunft. Allmählich muss aber der wissenschaftliche Geist im Menschen jene Tugend der vorsichtigen Enthaltung zeitigen, jene weise Mässigung, welche im Gebiet des praktischen Lebens bekannter ist, als im Gebiet des theoretischen Lebens, und welche zum Beispiel Goethe im Antonio dargestellt hat, als einen Gegenstand der Erbitterung für alle Tasso's, das heisst für die unwissenschaftlichen und zugleich thatlosen Naturen. Der Mensch der Ueberzeugung hat in sich ein Recht, jenen Menschen des vorsichtigen Denkens) den theoretischen Antonio nicht zu begreifen; der wissenschaftliche Mensch hinwiederum hat kein Recht, jenen desshalb zu tadeln, er übersieht ihn und weiss ausserdem, im bestimmten Falle, dass jener sich an ihn noch anklammern wird, so wie es Tasso zuletzt mit Antonio thut.
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Wer nicht durch verschiedene Ueberzeugungen hindurchgegangen ist, sondern in dem Glauben hängen bleibt, in dessen Netz er sich zuerst verfieng, ist unter allen Umständen eben wegen dieser Unwandelbarkeit ein Vertreter zurückgebliebener Culturen; er ist gemäss diesem Mangel an Bildung (welche immer Bildbarkeit voraussetzt) hart, unverständig, unbelehrbar, ohne Milde, ein ewiger Verdächtiger, ein Unbedenklicher, der zu allen Mitteln greift, seine Meinung durchzusetzen, weil er gar nicht begreifen kann, dass es andere Meinungen geben müsse; er ist, in solchem Betracht, vielleicht eine Kraftquelle und in allzu frei und schlaff gewordenen Culturen sogar heilsam, aber doch nur, weil er kräftig anreizt, ihm Widerpart zu halten: denn dabei wird das zartere Gebilde der neuen Cultur, welche zum Kampf mit ihm gezwungen ist, selber stark.
633
Wir sind im Wesentlichen noch dieselben Menschen, wie die des Zeitalters der Reformation: wie sollte es auch anders sein? Aber dass wir uns einige Mittel nicht mehr erlauben, um mit ihnen unsrer Meinung zum Siege zu verhelfen, das hebt uns gegen jene Zeit ab und beweist, dass wir einer höhern Cultur angehören. Wer jetzt noch, in der Art der Reformations-Menschen, Meinungen mit Verdächtigungen, mit Wuthausbrüchen bekämpft und niederwirft, verräth deutlich, dass er seine Gegner verbrannt haben würde, falls er in anderen Zeiten gelebt hätte, und dass er zu allen Mitteln der Inquisition seine Zuflucht genommen haben würde, wenn er als Gegner der Reformation gelebt hätte. Diese Inquisition war damals vernünftig, denn sie bedeutete nichts Anderes, als den allgemeinen Belagerungszustand, welcher über den ganzen Bereich der Kirche verhängt werden musste, und der, wie jeder Belagerungszustand, zu den äussersten Mitteln berechtigte, unter der Voraussetzung nämlich (welche wir jetzt nicht mehr mit jenen Menschen theilen), dass man die Wahrheit, in der Kirche, habe, und um jeden Preis mit jedem Opfer zum Heile der Menschheit bewahren müsse. Jetzt aber giebt man Niemandem so leicht mehr zu, dass er die Wahrheit habe: die strengen Methoden der Forschung haben genug Misstrauen und Vorsicht verbreitet, so dass Jeder, welcher gewaltthätig in Wort und Werk Meinungen vertritt, als ein Feind unserer jetzigen Cultur, mindestens als ein zurückgebliebener empfunden wird. In der That: das Pathos, dass man die Wahrheit habe, gilt jetzt sehr wenig im Verhältniss zu jenem freilich milderen und klanglosen Pathos des Wahrheit-Suchens, welches nicht müde wird, umzulernen und neu zu prüfen.
634
Uebrigens ist das methodische Suchen der Wahrheit selber das Resultat jener Zeiten, in denen die Ueberzeugungen mit einander in Fehde lagen. Wenn nicht dem Einzelnen an seiner "Wahrheit", das heisst an seinem Rechtbehalten gelegen hätte, so gebe es überhaupt keine Methode der Forschung; so aber, bei dem ewigen Kampfe der Ansprüche verschiedener Einzelner auf unbedingte Wahrheit, gieng man Schritt vor Schritt weiter, um unumstössliche Prinzipien zu finden, nach denen das Recht der Ansprüche geprüft und der Streit geschlichtet werden könne. Zuerst entschied man nach Autoritäten, später, kritisirte man sich gegenseitig die Wege und Mittel, mit denen die angebliche Wahrheit gefunden worden war; dazwischen gab es eine Periode, wo man die Consequenzen des gegnerischen Satzes zog und vielleicht sie als schädlich und unglücklich machend erfand: woraus dann sich für Jedermanns Urtheil ergeben sollte, dass die Ueberzeugung des Gegners einen Irrthum enthalte. Der persönliche Kampf der Denker hat schliesslich die Methoden so verschärft, dass wirklich Wahrheiten entdeckt werden konnten und dass die Irrgänge früherer Methoden vor Jedermanns Blicken blosgelegt sind.
635
Im Ganzen sind die wissenschaftlichen Methoden mindestens ein ebenso wichtiges Ergebniss der Forschung als irgend ein sonstiges Resultat: denn auf der Einsicht in die Methode beruht der wissenschaftliche Geist, und alle Resultate der Wissenschaft könnten, wenn jene Methoden verloren giengen, ein erneutes Ueberhandnehmen des Aberglaubens und des Unsinns nicht verhindern. Es mögen geistreiche Leute von den Ergebnissen der Wissenschaft lernen so viel sie wollen: man merkt es immer noch ihrem Gespräche und namentlich den Hypothesen in demselben an, dass ihnen der wissenschaftliche Geist fehlt: sie haben nicht jenes instinctive Misstrauen gegen die Abwege des Denkens, welches in der Seele jedes wissenschaftlichen Menschen in Folge langer Uebung seine Wurzeln eingeschlagen hat. Ihnen genügt es, über eine Sache überhaupt irgendeine Hypothese zu finden, dann sind sie Feuer und Flamme für dieselbe und meinen, damit sei es gethan. Eine Meinung haben heisst bei ihnen schon: dafür sich fanatisiren und sie als Ueberzeugung fürderhin sich an's Herz legen. Sie erhitzen sich bei einer unerklärten Sache für den ersten Einfall ihres Kopfes, der einer Erklärung derselben ähnlich sieht: woraus sich, namentlich auf dem Gebiete der Politik, fortwährend die schlimmsten Folgen ergeben.— Desshalb sollte jetzt Jedermann mindestens eine Wissenschaft von Grund aus kennen gelernt haben: dann weiss er doch, was Methode heisst und wie nöthig die äusserste Besonnenheit ist. Namentlich ist den Frauen dieser Rath zu geben; als welche jetzt rettungslos die Opfer aller Hypothesen sind, zumal wenn diese den Eindruck des Geistreichen, Hinreissenden, Belebenden, Kräftigenden machen. Ja bei genauerem Zusehen bemerkt man, dass der allergrösste Theil aller Gebildeten noch jetzt von einem Denker Ueberzeugungen und Nichts als Ueberzeugungen begehrt, und dass allein eine geringe Minderheit Gewissheit will. Jene wollen stark fortgerissen werden, um dadurch selber einen Kraftzuwachs zu erlangen; diese Wenigen haben jenes sachliche Interesse, welches von persönlichen Vortheilen, auch von dem des erwähnten Kraftzuwachses absieht. Auf jene bei Weitem überwiegende Classe wird überall dort gerechnet, wo der Denker sich als Genie benimmt und bezeichnet, also wie ein höheres Wesen drein schaut, welchem Autorität zukommt. Insofern das Genie jener Art die Glut der Ueberzeugungen unterhält und Misstrauen gegen den vorsichtigen und bescheidenen Sinn der Wissenschaft weckt, ist es ein Feind der Wahrheit und wenn es sich auch noch so sehr als deren Freier glauben sollte.
636
Es giebt freilich auch eine ganz andere Gattung der Genialität, die der Gerechtigkeit; und ich kann mich durchaus nicht entschliessen, dieselbe niedriger zu schätzen, als irgend eine philosophische, politische oder künstlerische Genialität. Ihre Art ist es, mit herzlichem Unwillen Allem aus dem Wege zu gehen, was das Urtheil über die Dinge blendet und verwirrt; sie ist folglich eine Gegnerin der Ueberzeugungen, denn sie will Jedem, sei es ein Belebtes oder Todtes, Wirkliches oder Gedachtes, das Seine geben—und dazu muss sie es rein erkennen; sie stellt daher jedes Ding in das beste Licht und geht um dasselbe mit sorgsamem Auge herum. Zuletzt wird sie selbst ihrer Gegnerin, der blinden oder kurzsichtigen "Ueberzeugung" (wie Männer sie nennen:—bei Weibern heisst sie "Glaube") geben was der Ueberzeugung ist—um der Wahrheit willen.
637
Aus den Leidenschaften wachsen die Meinungen; die Trägheit des Geistes lässt diese zu Ueberzeugungen erstarren.— Wer sich aber freien, rastlos lebendigen Geistes fühlt, kann durch beständigen Wechsel diese Erstarrung verhindern; und ist er gar insgesammt ein denkender Schneeballen, so wird er überhaupt nicht Meinungen, sondern nur Gewissheiten und genau bemessene Wahrscheinlichkeiten in seinem Kopfe haben.— Aber wir, die wir gemischten Wesens sind und bald vom Feuer durchglüht, bald vom Geiste durchkältet sind, wollen vor der Gerechtigkeit knieen, als der einzigen Göttin, welche wir über uns anerkennen. Das Feuer in uns macht uns für gewöhnlich ungerecht und, im Sinne jener Göttin, unrein; nie dürfen wir in diesem Zustande ihre Hand fassen, nie liegt dann das ernste Lächeln ihres Wohlgefallens auf uns. Wir verehren sie als die verhüllte Isis unsers Lebens; beschämt bringen wir ihr unsern Schmerz als Busse und Opfer dar, wenn das Feuer uns brennt und verzehren will. Der Geist ist es, der uns rettet, dass wir nicht ganz verglühen und verkohlen; er reisst uns hier und da fort von dem Opferaltare der Gerechtigkeit oder hüllt uns in ein Gespinnst aus Asbest. Vom Feuer erlöst, schreiten wir dann, durch den Geist getrieben von Meinung zu Meinung, durch den Wechsel der Parteien, als edle Verräther aller Dinge, die überhaupt verrathen werden können—und dennoch ohne ein Gefühl von Schuld.
638
Der Wanderer. — Wer nur einigermaassen zur Freiheit der Vernunft gekommen ist, kann sich auf Erden nicht anders fühlen, denn als Wanderer,—wenn auch nicht als Reisender nach einem letzten Ziele: denn dieses giebt es nicht. Wohl aber will er zusehen und die Augen dafür offen haben, was Alles in der Welt eigentlich vorgeht; desshalb darf er sein Herz nicht allzufest an alles Einzelne anhängen; es muss in ihm selber etwas Wanderndes sein, das seine Freude an dem Wechsel und der Vergänglichkeit habe. Freilich werden einem solchen Menschen böse Nächte kommen, wo er müde ist und das Thor der Stadt, welche ihm Rast bieten sollte, verschlossen findet; vielleicht, dass noch dazu, wie im Orient, die Wüste bis an das Thor reicht, dass die Raubthiere bald ferner bald näher her heulen, dass ein starker Wind sich erhebt, dass Räuber ihm seine Zugthiere wegführen. Dann sinkt für ihn wohl die schreckliche Nacht wie eine zweite Wüste auf die Wüste, und sein Herz wird des Wanderns müde. Geht ihm dann die Morgensonne auf, glühend wie eine Gottheit des Zornes, öffnet sich die Stadt, so sieht er in den Gesichtern der hier Hausenden vielleicht noch mehr Wüste, Schmutz, Trug, Unsicherheit, als vor den Thoren—und der Tag ist fast schlimmer, als die Nacht. So mag es wohl einmal dem Wanderer ergehen; aber dann kommen, als Entgelt, die wonnevollen Morgen anderer Gegenden und Tage, wo er schon im Grauen des Lichtes die Musenschwärme im Nebel des Gebirges nahe an sich vorübertanzen sieht, wo ihm nachher, wenn er still, in dem Gleichmaass der Vormittagsseele, unter Bäumen sich ergeht, aus deren Wipfeln und Laubverstecken heraus lauter gute und helle Dinge zugeworfen werden, die Geschenke aller jener freien Geister, die in Berg, Wald und Einsamkeit zu Hause sind und welche, gleich ihm, in ihrer bald fröhlichen bald nachdenklichen Weise, Wanderer und Philosophen sind. Geboren aus den Geheimnissen der Frühe, sinnen sie darüber nach, wie der Tag zwischen dem zehnten und zwölften Glockenschlage ein so reines, durchleuchtetes, verklärt-heiteres Gesicht haben könne:—sie suchen die Philosophie des Vormittages.
Unter Freunden: Ein Nachspiel.
1
Schön ist's, mit einander schweigen,
Schöner, mit einander lachen, —
Unter seidenem Himmels-Tuche
Hingelehnt zu Moos und Buche
Lieblich laut mit Freunden lachen
Und sich weisse Zähne zeigen.
Macht' ich's gut, so woll'n wir schweigen;
Macht' ich's schlimm—, so woll'n wir lachen
Und es immer schlimmer machen, Schlimmer machen,
schlimmer lachen, Bis wir in die Grube steigen.
Freunde! ja! So soll's geschehn? —
Amen! Und auf Wiedersehn!
2
Kein Entschuld'gen! Kein Verzeihen!
Gönnt ihr Frohen, Herzens-Freien
Diesem unvernünft'gen Buche
Ohr und Herz und Unterkunft!
Glaubt mir, Freunde, nicht zum Fluche
Ward mir meine Unvernunft!
Was ich finde, was ich suche —
Stand das je in einem Buche?
Ehrt in mir die Narren-Zunft!
Lernt aus diesem Narrenbuche,
Wie Vernunft kommt—"zur Vernunft"!
Also, Freunde, soll's geschehn? —
Amen! Und auf Wiedersehn!
Человеческое, слишком человеческое. Книга для свободных умов (Второе издание, 1886)
Эта книга-монолог, возникшая во время пребывания в Сорренто (зимою 1876 и 1877), не была бы предана общественности сейчас, если бы приближение 30 мая 1878 не возбудило слишком сильного желания в должный час засвидетельствовать своё личное преклонение перед одним из величайших освободителей ума.
[Указание Ницше в первом издании (1878)]Обращено к Вольтеру (Ницше указал здесь дату именно его смерти). Эта фраза написана в нарочито безличной форме, отсюда её стилистическая искусственность. Как и текст «Вместо предисловия», посвящение Вольтеру было снято Ницше во втором издании «Человеческого, слишком человеческого» (возможно, Ницше заметил, что выставленный здесь мотив теряет свой смысл для всех последующих изданий).
Вместо предисловия
«— некоторое время я размышлял о различных занятиях, коим люди предаются в этой жизни, и пытался понять, какие из них получше. Но нет нужды рассказывать здесь о том, к каким мыслям я при этом приходил; достаточно сказать следующее: что касается меня, то лучше всего мне казалось строго держаться моего намерения, то есть потратить всю отпущенную мне жизнь на совершенствование моего разума и идти по следам истины таким способом, какой я себе наметил. Ибо плоды, каковые я уже отведал на этом пути, были такого рода, что, по моему мнению, в этой жизни нельзя найти ничего более приятного и невинного; к тому же с той поры, как я начал пользоваться таковым образом мышления, каждый день открывал мне что-то новое, всегда обладавшее некоторой важностью и вовсе не общеизвестное. И тогда, наконец, душа моя преисполнилась такой радости, что всё иное уже не могло помешать мне своей тщетностью.»
Картезий, перевод с латыни.
[К первому изданию 1878 г.]Цитата из латинского перевода «Рассуждения о методе» (гл. 3) Р. Декарта. Ницше даёт немецкий перевод, и данный русский перевод местами, естественно, расходится с имеющимися прямыми русскими переводами с французского оригинала. Ницше отказался от этого текста во 2-м издании «Человеческого, слишком человеческого», вероятно, потому, что иначе вслед за «Вместо предисловия» у него шло бы «Предисловие».
Предисловие
1
Довольно часто и всегда с большим удивлением мне говорили, что есть что-то общее и отличительное во всех моих произведениях. Начиная с «Рождения трагедии» вплоть до недавно опубликованного «Пролога к философии будущего»: все они содержат – говорили мне – западни и сети для неосторожных птиц и едва ли не постоянный незаметный призыв к перевороту всех привычных оценок и ценимых привычек. Как? Все это только – человеческое, слишком человеческое? К этому вздоху приводит чтение моих произведений; читатель испытывает некоторого рода пугливость и недоверие даже к морали, более того, его немало искушает и поощряет к защите худших вещей мысль: а что, если это – только наилучшим образом оклеветанные вещи? Мои произведения называли школой подозрения, еще более – школой презрения, к счастью, также школой мужества и даже дерзости. И действительно, я и сам не думаю, чтобы кто-то когда-либо глядел на мир с таким глубоким подозрением, как я, и не только в качестве случайного адвоката дьявола, но и – выражаясь богословски – в качестве врага и допросчика Бога; и кто угадывает хоть что-нибудь из последствий всякого глубокого подозрения – из озноба и тревог одиночества, на которые осуждает всякая безусловная различность взора, – тот поймет также, как часто, чтобы отдохнуть от себя и как бы временно забыть себя, я тщился приютиться где-либо – в какой-либо почтительности, или вражде, или научности, или шаловливости, или глупости, а также почему, когда я не находил того, что мне было нужно, мне приходилось искусственно овладевать им, подделывать и сочинять себе это (и разве поэты делали когда-либо что другое? и для чего же и существует все искусство на свете?). Но что мне было всегда нужнее всего для моего лечения и самовосстановления, так это вера, что я не одинок в этом смысле, что мой взор не одинок, – волшебное чаяние родства и равенства во взоре и вожделении, доверчивый покой дружбы, слепота вдвоем, без подозрений и знаков вопроса, наслаждение внешностью, поверхностью, близким и ближайшим – всем, что имеет цвет, кожу и видимость. Может быть, в этом отношении меня можно уличить в кое-каком «искусстве» и признать тонким фальшивомонетчиком; уличить, например, в том, что я намеренно-умышленно закрывал глаза на шопенгауэровскую слепую волю к морали в ту пору, когда я уже ясно различал в делах морали, а также что я обманывал себя насчет неизлечимого романтизма Рихарда Вагнера, как если бы он был началом, а не концом; а также насчет греков, а также насчет немцев и их будущности – и, может быть, наберется еще целый длинный список этих «также»? – Но допустим, что все это так, что во всем этом можно с полным основанием уличить меня; что же вы знаете, что можете вы знать о том, сколько хитрости самосохранения, сколько разума и высшей предосторожности содержится в таком самообмане – и сколько лживости мне еще нужно, чтобы я мог всегда сызнова позволять себе роскошь моей правдивости? Довольно, я еще живу; а жизнь уж так устроена, что она основана не на морали; она ищет заблуждения, она живет заблуждением… но не правда ли? я опять уже принялся за свое, начал делать то, что делаю всегда, – я, старый имморалист и птицелов, – говорить безнравственно, вненравственно, «по ту сторону добра и зла»?
2
Так, однажды, когда мне это было нужно, я изобрел для себя и «свободные умы», которым посвящена эта меланхолично-смелая книга под названием «Человеческое, слишком человеческое»; таких «свободных умов» нет и не было – но, повторяю, общение с ними было мне нужно тогда, чтобы сохранить хорошее настроение среди худого устроения (болезни, одиночества, чужбины, acedia, бездеятельности); они были мне нужны, как бравые товарищи и призраки, с которыми болтаешь и смеешься, когда есть охота болтать и смеяться, и которых посылаешь к черту, когда они становятся скучными, – как возмещение недостающих друзей. Что такие свободные умы могли бы существовать, что наша Европа будет иметь среди своих сыновей завтрашнего и послезавтрашнего дня таких веселых и дерзких ребят во плоти и осязательно, а не, как в моем случае, в качестве схем и отшельнической игры в тени – в этом я менее всего хотел бы сомневаться. Я уже вижу, как они идут, медленно-медленно; и, может быть, я содействую ускорению их прихода, описывая наперед, в чем я вижу условия и пути их прихода?
3
Можно предположить, что душа, в которой некогда должен совершенно созреть и налиться сладостью тип «свободного ума», испытала, как решающее событие своей жизни, великий разрыв и что до этого она была тем более связанной душой и казалась навсегда прикованной к своему углу и столбу. Что вяжет крепче всего? Какие путы почти неразрывны? У людей высокой и избранной породы то будут обязанности – благоговение, которое присуще юности, робость и нежность ко всему издревле почитаемому и достойному, благодарность почве, из которой они выросли, руке, которая вела, святилищу, в котором они научились поклоняться; их высшие мгновения будут сами крепче всего связывать и дольше всего обязывать их. Великий разрыв приходит для таких связанных людей внезапно, как подземный толчок: юная душа сразу сотрясается, отрывается, вырывается – она сама не понимает, что с ней происходит. Ее влечет и гонит что-то, точно приказание; в ней просыпается желание и стремление уйти, все равно куда, во что бы то ни стало; горячее опасное любопытство по неоткрытому миру пламенеет и пылает во всех ее чувствах. «Лучше умереть, чем жить здесь» – так звучит повелительный голос и соблазн; и это «здесь», это «дома» есть все, что она любила доселе! Внезапный ужас и подозрение против того, что она любила, молния презрения к тому, что звалось ее «обязанностью», бунтующий, произвольный, вулканически пробивающийся порыв к странствию, чужбине, отчуждению, охлаждению, отрезвлению, оледенению, ненависть к любви, быть может, святотатственный выпад и взгляд назад, туда, где она доселе поклонялась и любила, быть может, пыл стыда перед тем, что она только что делала, и вместе с тем восторженная радость, что она это делала, упоенное внутреннее радостное содрогание, в котором сказывается победа – победа? над чем? над кем? Загадочная, чреватая вопросами и возбуждающая вопросы победа, но все же первая победа – такие опасности и боли принадлежат к истории великого разрыва. Это есть вместе с тем болезнь, которая может разрушить человека, – этот первый взрыв силы и воли к самоопределению, самоустановлению ценностей, эта воля к свободной воле; и какая печать болезненности лежит на диких попытках и странностях, посредством которых освобожденный, развязавшийся стремится теперь доказать себе свою власть над вещами! Он блуждает, полный жестокости и неудовлетворенных вожделений; все, чем он овладевает, должно нести возмездие за опасное напряжение его гордости; он разрывает все, что возбуждает его. Со злобным смехом он опрокидывает все, что находит скрытым, защищенным какой-либо стыдливостью; он хочет испытать, каковы все эти вещи, если их опрокинуть. Из произвола и любви к произволу он, быть может, дарует теперь свою благосклонность тому, что прежде стояло на плохом счету, – и с любопытством и желанием испытывать проникает к самому запретному. В глубине его блуждений и исканий – ибо он бредет беспокойно и бесцельно, как в пустыне, – стоит знак вопроса, ставимый все более опасным любопытством. «Нельзя ли перевернуть все ценности? И, может быть, добро есть зло? А Бог – выдумка и ухищрение дьявола? И, может быть, в последней своей основе все ложно? И если мы обмануты, то не мы ли, в силу того же самого, и обманщики? И не должны ли мы быть обманщиками?» – такие мысли отвращают и совращают его все дальше и дальше в сторону. Одиночество окружает и оцепляет его, становится все грознее, удушливей, томительней, эта ужасная богиня и mater saeva cupiidinum – но кто еще знает нынче, что такое одиночество?..
4
От этой болезненной уединенности, из пустыни таких годов испытания еще далек путь до той огромной, бьющей через край уверенности, до того здоровья, которое не может обойтись даже без болезни как средства и уловляющего крючка для познания, – до той зрелой свободы духа, которая в одинаковой мере есть и самообладание, и дисциплина сердца и открывает пути ко многим и разнородным мировоззрениям, – до той внутренней просторности и избалованности чрезмерным богатством, которая исключает опасность, что душа может потерять самое себя на своих собственных путях или влюбиться в них и в опьянении останется сидеть в каком-нибудь уголку, – до того избытка пластических, исцеляющих, восстанавливающих и воспроизводящих сил, который именно и есть показатель великого здоровья, – до того избытка, который дает свободному уму опасную привилегию жить риском и иметь возможность отдаваться авантюрам – привилегию истинного мастерства, признак свободного ума! Посередине, быть может, лежат долгие годы выздоровления, годы, полные многоцветных, болезненно-волшебных изменений, руководимые упорной волей к здоровью, которая уже часто отваживается рядиться и играть роль настоящего здоровья. Среди этого развития встречается промежуточное состояние, о котором человек, испытавший такую судьбу, позднее не может вспомнить без трогательного чувства: счастье окружает его, подобно бледному, тонкому солнечному свету, он обладает свободой птицы, горизонтом и дерзновением птицы, чем-то третьим, в чем любопытство смешано с нежным презрением. «Свободный ум» – это холодное слово дает радость в таком состоянии, оно почти греет. Живешь уже вне оков любви и ненависти, вне «да» и «нет», добровольно близким и добровольно далеким, охотнее всего ускользая, убегая, отлетая, улетая снова прочь, снова вверх; чувствуешь себя избалованным, подобно всякому, кто видел под собой огромное множество вещей, – и становишься антиподом тех, кто заботится о вещах, которые его не касаются. И действительно, свободного ума касаются теперь вещи, – и как много вещей! – которые его уже не заботят…
5
Еще шаг далее в выздоровлении – и свободный ум снова приближается к жизни, правда, медленно, почти против воли, почти с недоверием. Вокруг него снова становится теплее, как бы желтее; чувство и сочувствие получают глубину, теплые ветры всякого рода обвевают его. Он чувствует себя так, как будто теперь у него впервые открылись глаза для близкого. В изумлении он останавливается: где же он был доселе? Эти близкие и ближайшие вещи – какими преображенными кажутся они ему теперь Какую пушистость, какой волшебный вид они приобрели с тех пор! Благодарный, он оглядывается назад, – благодарный своим странствиям, своей твердости и самоотчуждению, своей дальнозоркости и своим птичьим полетам в холодные высоты. Как хорошо, что он не оставался, подобно изнеженному темному празднолюбцу, всегда «дома», «у себя»! Он был вне себя — в этом нет сомнения. Теперь лишь видит он самого себя, – и какие неожиданности он тут встречает! Какие неизведанные содрогания! Какое счастье даже в усталости, в старой болезни и ее возвратных припадках у выздоравливающего! Как приятно ему спокойно страдать, прясть нить терпения, лежать на солнце! Кто умеет, подобно ему, находить счастье зимой, наслаждаться солнечными пятнами на стене! Эти наполовину возвращенные к жизни выздоравливающие, эти ящерицы – самые благодарные животные в мире: некоторые среди них не пропускают ни одного дня без маленькой хвалебной песни. Серьезно говоря, самое основательное лечение всякого пессимизма (как известно, неизлечимого недуга старых идеалистов и лгунов) – это заболеть на манер таких свободных умов, долго оставаться больным и затем еще медленнее возвращаться к здоровью – я хочу сказать – становиться «здоровее». Мудрость, глубокая жизненная мудрость содержится в том, чтобы долгое время прописывать себе даже само здоровье в небольших дозах.
6
И в эту пору, среди внезапных проблесков еще необузданного, еще изменчивого здоровья, свободному, все более освобождающемуся уму начинает наконец уясняться та загадка великого разрыва, которая доселе в темном, таинственном и почти неприкосновенном виде лежала в его памяти. Если он долго почти не решался спрашивать: «Отчего я так удалился от всех? Отчего я так одинок? Отчего я отрекся от всего, что почитаю, – отрекся даже от самого почитания? Откуда эта жестокость, эта подозрительность, эта ненависть к собственным добродетелям?» – то теперь он осмеливается громко спрашивать об этом и уже слышит нечто подобное ответу: «Ты должен был стать господином над собой, господином и над собственными добродетелями. Прежде они были твоими господами; но они могут быть только твоими орудиями наряду с другими орудиями. Ты должен был приобрести власть над своими “за” и “против” и научиться выдвигать и снова прятать их, смотря по твоей высшей цели. Ты должен был научиться понимать начало перспективы во всякой оценке – отклонение, искажение, и кажущуюся телеологию горизонтов, и все, что относится к перспективе, и даже частицу глупости в отношении к противоположным ценностям, и весь интеллектуальный ущерб, которым приходится расплачиваться за каждое “за” и каждое “против”. Ты должен был научиться понимать необходимую несправедливость в каждом “за” и “против”, несправедливость, неотрешимую от жизни, обусловленность самой жизни началом перспективы и его несправедливостью. Ты должен был прежде всего воочию видеть, где несправедливости больше всего: именно там, где жизнь развита меньше, мельче, беднее всего, где она всего более первобытна и все же вынуждена считать себя целью и мерой вещей и в угоду своему сохранению исподтишка, мелочно и неустанно подрывать и расшатывать все высшее, более великое и богатое, – ты должен был воочию увидеть проблему иерархии и как сила, и право, и широта перспективы одновременно растут вверх. Ты должен был…» – довольно, свободный ум знает отныне, какому «ты должен» он повиновался, и знает также, на что он теперь способен и что ему теперь – позволено…
7
Такого рода ответ дает себе свободный ум в отношении загадки разрыва и кончает тем, что, обобщая свой случай, он объясняет себе пережитое. «Что случилось со мной, – говорит он себе, – то должно случиться со всяким, в ком воплощается и “хочет явиться на свет” задача». Тайная сила и необходимость этой задачи будет властвовать над его судьбой и ее частными событиями, подобно неосознанной беременности, – задолго до того, как он уяснит самое эту задачу и узнает ее имя. Наше назначение распоряжается нами, даже когда мы еще не знаем его; будущее управляет нашим сегодняшним днем. Допустив, что именно проблему иерархии мы, свободные умы, можем назвать нашей проблемой, лишь теперь, в полдень нашей жизни, мы понимаем, в каких подготовлениях, обходных путях, испытаниях, искушениях, переодеваниях нуждалась эта проблема, прежде чем она могла встать перед нами, и что мы сначала должны были испытать душой и телом самые разнообразные и противоречивые бедствия и радости в качестве искателей приключений и путешественников вокруг того внутреннего мира, который зовется «человеком», в качестве измерителей каждого «выше», каждого «сверх иного», которое тоже зовется «человеком», – проникая повсюду почти без страха, не пренебрегая ничем, не теряя ничего, пробуя все, очищая и как бы отсеивая все случайное, – пока мы, свободные умы, не можем наконец сказать: «Здесь лежит новая проблема! Здесь длинная лестница, на ступенях которой мы сами сидели и по которой мы поднимались, – какими мы некогда сами были. Здесь есть высота и глубина, есть мир под нами, есть огромный длинный порядок и иерархия, которую мы видим; здесь – наша проблема!»
8
Ни одному психологу и толкователю знаков ни на мгновение не останется скрытым, к какому месту только что описанного развития принадлежит (или отнесена) предлагаемая книга. Но где есть теперь еще психологи? Наверное, во Франции; быть может, в России; но во всяком случае не в Германии. Нет недостатка в основаниях, по которым современные немцы могли бы даже хвастаться этим – довольно скверно для человека, который в этом отношении по природе и воспитанию не похож на немца! Эта немецкая книга, которая сумела найти себе читателей в широком круге стран и народов – она странствует уже около десяти лет – и которая, очевидно, не лишена какой-то музыки и звуков флейты, с помощью коих можно склонить к вниманию даже тугие уши иностранцев, – эта книга именно в Германии читалась небрежнее всего, и ее хуже всего слушали; чем это объясняется? – «Она требует слишком многого, – отвечали мне, – она обращается к людям, не угнетенным грубыми обязанностями, она ищет тонких и избалованных ощущений, она нуждается в избытке времени, в избытке светлого неба и сердца, в избытке otium в самом дерзком смысле; но всех этих хороших вещей мы, нынешние немцы, не имеем, а следовательно, не можем и давать». – После столь милого ответа моя философия советует мне умолкнуть и не спрашивать далее; тем более что в некоторых случаях, как на то намекает поговорка, можно остаться философом только благодаря тому, что – молчишь.
Ницца, весна 1886 г.
Отдел первый: О первых и последних вещах
1
Химия понятий и чувств. Философские проблемы принимают теперь опять почти во всех областях ту же форму, какую они имели две тысячи лет назад: как может что-либо возникнуть из своей противоположности, например разумное из неразумного, ощущающее из мертвого, логика из нелогического, бескорыстное созерцание из вожделеющего хотения, жизнь для других из эгоизма, истина из заблуждений? Метафизическая философия одолевала доселе эту трудность тем, что отрицала возникновение одного из другого и в отношении более высоко ценимых вещей принимала чудесное происхождение непосредственно из ядра и существа «вещи в себе». Напротив, историческая философия, которую вообще нельзя уже мыслить отдельно от естествознания и которая есть самый новый из всех философских методов, установила в отдельных случаях (и, вероятно, к такому результату она придет во всех случаях), что это вообще не противоположности – разве только в обычном преувеличении популярного или метафизического понимания – и что в основе этого противопоставления лежит заблуждение разума; согласно ее объяснению, не существует, строго говоря, ни неэгоистического поведения, ни совершенно бескорыстного созерцания: то и другое суть лишь утончения, в которых основной элемент кажется почти испарившимся, так что лишь самое тонкое наблюдение может обнаружить его присутствие. – В чем мы нуждаемся и что лишь при современном уровне отдельных наук может быть нам дано – есть химия моральных, религиозных, эстетических представлений и чувств, равно как всех душевных движений, которые мы испытываем в крупных и мелких отношениях культурной и общественной жизни и даже в одиночестве; а что, если эта химия закончилась бы выводом, что и в этой области самые роскошные краски добыты из низменного, презираемого материала? Многие ли будут иметь охоту подчиниться таким исследованиям? Человечество любит заглушать в своем сознании вопросы о происхождении и началах; и не нужно ли почти лишиться человеческого облика, чтобы почувствовать в себе противоположное влечение?
2
Наследственный недостаток философов. Все философы обладают тем общим недостатком, что они исходят из современного человека и мнят прийти к цели через анализ последнего. Непроизвольно им предносится «человек» вообще, как некая aeterna veritas, как неизменное во всеобщем потоке, как надежное мерило вещей. Однако все, что философ высказывает о человеке, есть, в сущности, не что иное, как свидетельство о человеке весьма ограниченного промежутка времени. Отсутствие исторического чувства есть наследственный недостаток всех философов; многие из них принимают даже самоновейшую форму человека, возникшую под влиянием определенных религий, иногда просто под влиянием определенных политических событий, за прочную форму, из которой следует исходить. Они не хотят усвоить того, что человек есть продукт развития, что и его познавательная способность есть продукт развития, тогда как некоторые из них хотят даже вывести весь мир из этой познавательной способности. – Но все существенное в человеческом развитии произошло в первобытные времена, задолго до тех 4000 лет, которые мы приблизительно знаем; в этот последний промежуток человек вряд ли сильно изменился. Философ же видит «инстинкты» в современном человеке и признает, что они принадлежат к неизменным фактам человеческой жизни и в этом смысле образуют даже ключ к пониманию мира вообще: вся телеология построена на том, что о человеке последних четырех тысячелетий говорят как о вечном человеке, к которому все вещи в мире изначально имеют естественное отношение. Однако все возникло; не существует вечных фактов, как не существует абсолютных истин. – Следовательно, отныне необходимо историческое философствование, а вместе с ним и добродетель скромности.
3
Оценка незаметных истин. Признаком высшей культуры является более высокая оценка маленьких, незаметных истин, найденных строгими методами, чем благодетельных и ослепительных заблуждений, обязанных своим происхождением метафизическим и художественным эпохам и людям. Первые непосредственно встречаются насмешкой, как будто не может быть и речи об их равноценности последним: ведь по сравнению с блеском, красотою, упоительностью и, быть может, благодетельностью последних они кажутся такими скромными, простыми, трезвыми и, по-видимому, даже наводящими уныние. Однако добытое упорным трудом, достоверное, длительное и потому полезное для всякого дальнейшего познания есть все же высшее; держаться его – значит действовать мужественно и свидетельствует о смелости, непритязательности и воздержности. Постепенно не только отдельная личность, но и все человечество возвысится до этой мужественности, когда оно наконец приучится больше ценить прочные, длительные познания и потеряет веру во вдохновение и чудесное приобретение истин. – Правда, почитатели форм с их мерилом прекрасного и возвышенного будут сначала иметь основания насмехаться, когда начнет преобладать научный дух и оценка незаметных истин, но лишь потому, что их взору еще не открылась прелесть простейшей формы, или же потому, что воспитанные в этом духе люди еще долго не проникнутся им всецело и внутренне, так что они все еще будут бессмысленно подражать старым формам (и притом довольно плохо, как всегда, когда не придают большого значения тому, что делают). Некогда дух не был занят строгим мышлением, и тогда он серьезно посвящал себя выдумыванию символов и форм. Теперь это изменилось; такое серьезное отношение к символическому стало признаком низкой культуры. Подобно тому как сами наши искусства становятся все более интеллектуальными и наши чувства – все более духовными, как, например, мы теперь совсем иначе судим о чувственном благозвучии, чем сто лет тому назад, – так и формы нашей жизни становятся все более духовными, для взора прежних эпох, быть может, более безобразными, но лишь потому, что он не способен видеть, как постепенно все углубляется и расширяется царство внутренней, духовной красоты и как для нас всех теперь одухотворенный взор может иметь большее значение, чем прекраснейшее строение тела и самое возвышенное архитектурное произведение.
4
Астрология и тому подобное. Весьма вероятно, что объекты религиозного, морального и эстетического чувства также принадлежат лишь к поверхности вещей, тогда как человек склонен верить, что по крайней мере здесь он прикасается к сердцу мира; его обманывает то, что эти вещи дают ему такое глубокое счастье и несчастье, и он обнаруживает здесь, следовательно, ту же гордость, как и в астрологии. Ибо последняя полагает, что звездное небо вращается вокруг судьбы человека; моральный же человек предполагает, что все, что дорого его сердцу, должно быть также существом и сердцем вещей.
5
Неправильное понимание сна. В эпохи грубой, первоначальной культуры человек полагал, что во сне он узнает другой реальный мир; здесь лежит начало всей метафизики. Без сна человек не имел бы никакого повода для деления мира на две половины. Деление на душу и тело также связано с самым древним пониманием сна, равно как и допущение воображаемого душевного тела, т. е. происхождение всей веры в духов и, вероятно, также веры в богов. «Мертвый продолжает жить, ибо он является во сне живому» – так умозаключали некогда, много тысячелетий подряд.
6
Научный дух могуществен в частностях, но не в целом. Отдельные, самые мелкие области науки трактуются чисто объективно; в отношении же общих крупных наук, рассматриваемых как целое, легко возникает вопрос – весьма необъективный вопрос: к чему они? какую пользу они приносят? В силу этого соображения полезности они, как целое, трактуются менее безлично, чем в своих частях. Наконец, в философии, как в вершине всей пирамиды знания, непроизвольно поднимается вопрос о пользе познания вообще, и каждая философия бессознательно имеет намерение приписать ему высшую полезность. Поэтому во всех философиях есть столько высоко парящей метафизики и такая боязнь незначительных с виду решений физики: ибо значительность познания для жизни должна казаться возможно большей. В этом – антагонизм между отдельными научными областями и философией. Последняя, подобно искусству, хочет придать жизни и действованию возможно бо́льшую глубину и значительность; в первых ищут только познания, и ничего более, – что бы из этого ни вышло. Не существовало доселе еще ни одного философа, в чьих руках философия не превращалась бы в апологию познания; в этом пункте по крайней мере каждый философ оптимист и уверен, что познанию должна быть приписана высшая полезность. Все они тиранизированы логикой, а логика есть по своему существу оптимизм.
7
Возмутитель спокойствия в науке. Философия отделилась от науки, когда она поставила вопрос: каково то познание мира и жизни, при котором человек живет счастливее всего? Это совершилось в сократических школах: точка зрения счастья задержала кровообращение научного исследования – и задерживает его еще и поныне.
8
Пневматическое объяснение природы. Метафизика объясняет книгу природы как бы пневматически, подобно тому как церковь и ее ученые прежде толковали Библию. Нужна весьма большая рассудительность, чтобы применить к природе тот же самый характер строгого искусства объяснения, который филологи создали теперь для всех книг: стараться просто понимать, что книга хочет сказать, а не подозревать двойной смысл и тем более не предполагать его заранее. Но подобно тому как даже в отношении книг плохое искусство объяснения отнюдь не преодолено окончательно и в самом лучшем и образованном обществе еще постоянно наталкиваешься на остатки аллегорического и мистического толкования, – так же дело обстоит и в отношении природы, и даже еще гораздо хуже.
9
Метафизический мир. Несомненно, что метафизический мир мог бы существовать; абсолютная возможность этого вряд ли может быть оспариваема. Мы видим все вещи сквозь человеческую голову и не можем отрезать этой головы; а между тем все же сохраняет силу вопрос: что осталось бы от мира, если отрезать голову? Это есть чисто научный вопрос, мало способный озабочивать человека; но все, что доселе делало метафизические допущения ценными, ужасными, радостными для людей, что их создавало, есть страсть, заблуждение и самообман: веру в них воспитывали не самые лучшие, а самые худшие методы познания. Открыть эти методы как основу всех существующих религий и метафизик – значит опровергнуть их! Тогда все еще сохраняется указанная выше возможность; но с ней просто нечего начать, не говоря уже о том, чтобы можно было ставить счастье, благо и жизнь в зависимость от хитросплетений такой возможности. – Ибо о метафизическом мире нельзя было бы высказать ничего, кроме того, что он – иной мир, что это есть недоступное, непостижимое иное бытие; это была бы вещь с отрицательными качествами. – Если бы существование такого мира было доказано совершенно точно, то все же было бы несомненно, что самое безразличное из всех познаний есть именно его познание; еще более безразличное, чем моряку среди опасностей бури – познание химического анализа воды.
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Безвредность метафизики в будущем. Как только религия, искусство и мораль будут описаны в их происхождении, так что их можно будет сполна объяснить, не прибегая к допущению метафизических вмешательств в начале и в середине пути, – прекратится сильнейший интерес к чисто теоретической проблеме «вещи в себе» и «явления». Ибо – как бы дело ни обстояло здесь – через религию, искусство и мораль мы не прикасаемся к «существу мира в себе»; мы находимся в области представления, и никакое «чаяние» не может унести нас дальше. Вопрос о том, каким образом наша картина мира может так сильно отличаться от освоенного существа мира, будет с полным спокойствием предоставлен физиологии и истории развития организмов и понятий.
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Язык как мнимая наука. Значение языка для развития культуры состоит в том, что в нем человек установил особый мир наряду с прежним миром, – место, которое он считал столь прочным, что, стоя на нем, переворачивал остальной мир и овладевал им. Поскольку человек в течение долгих эпох верил в понятия и имена вещей, как в aeternae veritates, он приобрел ту гордость, которая возвысила его над животным: ему казалось, что в языке он действительно владеет познанием мира. Творец языка не был настолько скромен, чтобы думать, что он дал вещам лишь новые обозначения; он мнил, напротив, что выразил в словах высшее знание вещей; и действительно, язык есть первая ступень в стремлении к науке. Вера в найденную истину явилась и здесь источником самых могущественных сил. Гораздо позднее – лишь теперь – людям начинает уясняться, что своей верой в язык они распространили огромное заблуждение. К счастью, теперь уже слишком поздно, и развитие разума, основанное на этой вере, не может быть снова отменено. – И логика также покоится на предпосылках, которым не соответствует ничего в действительном мире, например на допущении равенства вещей, тождества одной и той же вещи в различные моменты времени; но эта наука возникла в силу противоположной веры (что такого рода отношения подлинно существуют в реальном мире). Так же обстоит дело с математикой, которая, наверное, не возникла бы, если бы с самого начала знали, что в природе нет точной прямой линии, нет действительного круга и нет абсолютного мерила величины.
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Сон и культура. Мозговая функция, наиболее нарушаемая сном, есть память. Не то чтобы она совсем приостанавливалась – но она сведена к такому состоянию несовершенства, в каком она находилась, вероятно, в первобытные времена у всякого человека днем и наяву. Будучи произвольной и спутанной, она постоянно смешивает вещи на основании самых мимолетных сходств; но с такой же произвольностью и смутностью народы сочиняли свои мифологии, и еще теперь путешественники часто замечают, как сильно дикарь склонен к забывчивости и как его дух, после краткого напряжения памяти, начинает шататься по сторонам, и от простого утомления он говорит ложь и бессмыслицу. Но все мы во сне похожи на такого дикаря; плохое узнавание виденного и ошибочное отождествление есть источник дурных умозаключений, в которых мы повинны во время сна; так что, когда мы отдаем себе ясный отчет в нашем сне, мы пугаемся, что в нас таится столько безумия. – Совершенная отчетливость всех представлений сна, которая опирается на безусловную веру в их реальность, напоминает нам состояние прежнего человечества, когда галлюцинации были чрезвычайно часты и иногда охватывали одновременно целые общины и целые народы. Итак, во сне и его грезах мы снова проходим урок прежнего человечества.
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Логика сна. Во сне наша нервная система постоянно возбуждается множеством внутренних поводов, почти все органы находятся в деятельности, кровь совершает свой бурный круговорот благодаря положению спящего, отдельные члены придавлены, покрывала влияют различно на ощущения, желудок переваривает и беспокоит своими движениями другие органы, кишечник извивается, положение головы определяет собой необычное положение мускулов, ноги, оставаясь необутыми и не опираясь подошвами на почву, причиняют ощущение необычного, равно как и иное одеяние всего тела, – все это, ежедневно меняясь, усиливаясь и ослабевая, своею необычностью возбуждает всю систему вплоть до функции мозга. И таким образом, у духа есть сотни поводов удивляться и искать причин этого возбуждения; сон же есть искание и представление причин для этих возбужденных ощущений, т. е. мнимых причин. У кого, например, ноги опоясаны двумя ремнями, тому, может быть, снится, что две змеи обвиваются вокруг его ног; это есть сначала гипотеза, затем вера, сопровождаемая образным представлением и измышлением: «эти змеи должны быть causa того ощущения, которое испытываю я, спящий» – так судит дух спящего. Умозаключенное таким образом прошлое становится для него благодаря возбужденной фантазии настоящим. Так, всякий по личному опыту знает, как быстро спящий вплетает в свой сон доходящий до него сильный звук, например звон колоколов или пушечный выстрел, т. е. объясняет его задним числом, так что ему кажется, что он сперва пережил обусловливающие обстоятельства, а затем уже данный звук. – Но почему же дух спящего всегда ошибается, тогда как дух бодрствующий обыкновенно столь трезв, осторожен и скептичен в отношении гипотез? – Почему он удовлетворяется первой попавшейся гипотезой для объяснения чувства и тотчас же верит в ее истинность? (Ибо во сне мы верим в сон, как будто он есть реальность, т. е. мы считаем нашу гипотезу вполне доказанной.) – Я полагаю: как еще теперь человек умозаключает во сне, так человечество умозаключало и наяву много тысячелетий подряд: первая causa, которая приходила в голову, чтобы объяснить что-либо нуждавшееся в объяснении, была достаточна и принималась за истину. (Так, согласно рассказам путешественников, поступают дикари еще и теперь.) Во сне это первобытное свойство человечества возрождается в нас, ибо это есть основа, на которой развился и еще развивается в каждом человеке высший разум: сон переносит нас назад, к отдаленным эпохам человеческой культуры, и дает нам средство лучше понять их. Сонное мышление удается нам теперь так легко, потому что в течение очень долгих периодов развития человечества мы были так хорошо приучены именно к этой фантастической и дешевой форме объяснения всего любой выдумкой. В этом смысле сон есть отдых для мозга, ибо днем последний должен удовлетворять более строгим требованиям, которые ставит мышлению более высокая культура. – Сходное состояние, образующее прямо-таки преддверие и ворота ко сну, мы можем испытать и при бодрствующем сознании. Когда мы закрываем глаза, то мозг создает множество световых впечатлений и цветов, вероятно, как своего рода отголосок и эхо всех тех световых ощущений, которые проникают к нему днем. Но рассудок (в союзе с фантазией) тотчас же перерабатывает эту, самое по себе бесформенную, игру цветов в определенные фигуры, образы, пейзажи, оживленные группы. Подлинный процесс при этом есть опять-таки известного рода умозаключение от действия к причине; задаваясь вопросом: «откуда эти световые впечатления и цвета?» – дух подставляет в качестве причин указанные фигуры и образы; они кажутся ему источниками этих цветов и световых впечатлений, потому что он привык днем и при открытых глазах находить действующую причину каждого цвета, каждого светового ощущения. Здесь, следовательно, фантазия постоянно снабжает его образами, опираясь в своей деятельности на зрительные впечатления дня, и совершенно то же делает фантазия во сне – т. е. мнимая причина выводится из действия и представляется после действия, и все это с необычайной быстротой, так что здесь, как когда смотришь на фокусника, может возникнуть неправильное суждение, и то, что следует одно за другим во времени, может показаться одновременным и даже в обратной последовательности. Из этих процессов мы можем усмотреть, как поздно развилось более острое логическое мышление, строгое отношение к причине и действию, если еще теперь наш разум и рассудок непроизвольно возвращаются в своих функциях к этим примитивным формам умозаключения, и мы приблизительно половину нашей жизни пребываем в этом состоянии. – Точно так же поэт, художник измышляет для своих настроений и душевных состояний причины, которые отнюдь не суть истинные; он в этом смысле напоминает нам прежнее человечество и может содействовать пониманию последнего.
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Отраженное звучание. Все более сильные настроения заставляют отраженно звучать родственные ощущения и настроения; они как бы расталкивают память. Вместе с ними в нас что-то просыпается и сознает сходные состояния и их происхождение. Так образуются привычные быстрые сочетания чувств и мыслей, которые под конец, когда они следуют друг за другом с быстротой молнии, ощущаются уже не как комплексы, а как единства. В этом смысле говорят о нравственном чувстве, о религиозном чувстве, как будто все это суть единства; в действительности же это суть потоки с сотней источников и притоков. Здесь, как и во многих других случаях, единство слова ничуть не удостоверяет единства предмета.
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В мире нет ничего «внутреннего» и «внешнего». Подобно тому как Демокрит перенес понятия «верх» и «низ» на бесконечное пространство, где они не имеют никакого смысла, так философы вообще перенесли понятия «внутри» и «снаружи» на сущность и явление мира; они мнят, что глубокие чувства вводят глубоко внутрь и приближают к сердцу природы. Но эти чувства глубоки лишь в том смысле, что ими, еле заметно, постоянно возбуждаются известные сложные группы мыслей, которые мы называем глубокими; чувство глубоко, потому что мы считаем глубокой сопровождающую его мысль. Но «глубокая» мысль может все же быть весьма далека от истины, как, например, всякая метафизическая мысль; если от глубокого чувства отнять примешанные к нему элементы мысли, то останется сильноечувство; последнее же свидетельствует для познания только о самом себе, точно так же как сильная вера доказывает только свою силу, а не истинность своего объекта.
16
Явление и вещь в себе. Философы имеют обыкновение становиться перед жизнью и опытом – перед тем, что они зовут миром явления, – как перед картиной, которая развернута раз навсегда и неизменно указывает на одно и то же событие; это событие – полагают они – надо правильно истолковать, чтобы отсюда умозаключить к существу, которое создало картину, т. е. к вещи в себе, которую принято рассматривать как достаточное основание мира явлений. Напротив, более строгие логики, резко установив понятие метафизического как безусловного, а потому и необусловливающего, отвергли всякую связь между безусловным (метафизическим миром) и знакомым нам миром; так что, по их мнению, именно в явлении отнюдь появляется вещь в себе, и умозаключение от первого к последней должно быть отвергнуто. Обе стороны, однако, упустили из виду возможность, что эта картина – то, что люди теперь зовут жизнью и опытом, – постепенно возникла и даже находится всецело в процессе становления и потому не должна быть рассматриваема как постоянная величина, из которой можно было бы сделать – или хотя бы только отвергнуть – умозаключение к ее творцу (достаточному основанию). Благодаря тому что в течение тысячелетий мы смотрели на мир с моральными, религиозными, эстетическими притязаниями, со слепым влечением, со страстью или страхом, в достаточной мере насладились бесчинством нелогичного мышления, – этот мир постепенно стал столь удивительно пестрым, ужасным, значительным и одухотворенным, он приобрел краски, – но мы сами были его колористами; человеческий интеллект заставил явления явиться и внес свои ошибочные воззрения в вещи. Поздно. Очень поздно – он опоминается; и теперь мир опыта и вещь в себе кажутся ему столь безусловно отличными и отделенными, что он отвергает умозаключение от первого ко второй, или же грозно-таинственно требует отказа от нашего интеллекта, от нашей личной воли – чтобы тем самым прийти к сущности, чтобы стать подобным этой сущности. Другие же собрали все характерные черты нашего мира явлений – т. е. сотканного из наших интеллектуальных заблуждений и прирожденного нам представления о мире – и, вместо того чтобы признать виновным интеллект, обвинили сущность вещей как причину этого действительно весьма жуткого характера мира и проповедовали спасение от бытия. Со всеми этими воззрениями когда-нибудь решительно справится постоянный и упорный процесс науки, который некогда отпразднует свой высший триумф в истории происхождения мышления, и результат, к которому он придет, быть может, сведется к следующему положению: то, что мы теперь зовем миром, есть результат множества заблуждений и фантазий, которые постепенно возникли в общем развитии органических существ, срослись между собой и теперь наследуются нами, как скопленное сокровище всего прошлого – как сокровище, – ибо на нем покоится ценность нашей человечности. От этого мира представлений точная наука действительно лишь в малой мере может освободить нас – что и отнюдь не желательно, – ибо она не может по существу уничтожить силу древних привычек чувства; но она может постепенно, шаг за шагом уяснять историю происхождения этого мира как представления – и, по крайней мере на мгновения, возносить нас над всем этим процессом. Быть может, мы тогда познаем, что вещь в себе достойна гомерического смеха: ибо казалось, будто она содержит столь многое, и даже все, – на деле же она пуста, т. е. лишена значения.
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Метафизические объяснения. В юности человек ценит метафизические объяснения, потому что они обнаруживают ему в вещах, которые он находил неприятными или презренными, нечто весьма значительное; и если он недоволен собой, то это чувство облегчается, когда он узнает глубочайшую загадку мира или несчастье мира в том, что он не одобряет в себе. Чувствовать себя самого менее ответственным и вместе с тем находить вещи более интересными – есть для него двойное благодеяние, которым он обязан метафизике. Позднее, правда, он начинает испытывать недоверие ко всему метафизическому способу объяснения; тогда, быть может, он также усматривает, что эти результаты достижимы другим путем и более научным способом, что физические и исторические объяснения по меньшей мере столь же возбуждают это чувство безответственности и что интерес к жизни и ее проблемам разгорается при этом, может быть, еще более.
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Основные вопросы метафизики. Если некогда будет написана история происхождения мышления, то будет озарено новым светом и следующее суждение одного выдающегося логика: «Первичный всеобщий закон познающего субъекта состоит во внутренней необходимости познавать каждый предмет сам по себе, в его собственном существе, как тождественный самому себе, т. е. как самостоятельно существующий и в основе пребывающий и неизменный, словом, как субстанцию». И этот закон, который назван здесь «первичным», имеет происхождение: когда-нибудь будет показано, как постепенно в низших организмах возникла эта склонность; как подслеповатые кротовьи глаза этих организаций сначала видели всюду одно и то же; как затем, когда стали ощутительнее различные возбуждения удовольствия и страдания, постепенно начали различаться разные субстанции, но каждая – с одним только атрибутом, т. е. с единственным своим отношением к такому организму. – Первая ступень логического есть суждение; сущность же его состоит, согласно признанию лучших логиков, в вере. В основе всякой веры лежит чувство приятного или болезненного в отношении к ощущающему субъекту. Новое, третье чувство. Как результат двух предшествовавших отдельных чувств, есть суждение в его низшей форме. – Нас, органических существ, первоначально интересует в каждой вещи только ее отношение к нам в смысле удовольствия и страдания. Между моментами, когда мы сознаем это отношение, – между состояниями чувств – лежат состояния покоя, бесчувственности: тогда мир и все вещи лишены интереса для нас, мы не замечаем никакого изменения в них (как еще теперь человек, страстно заинтересованный чем-либо, не замечает, когда кто-нибудь проходит мимо него). Для растения обыкновенно все вещи покойны, вечны, каждая вещь равна самой себе. От периода низших организмов человек унаследовал веру, что существуют одинаковые вещи (лишь опыт, развитый при высшем уровне науки, противоречит этому суждению). Первичная вера всего органического с самого начала состоит, быть может, даже в том, что весь остальной мир един и неподвижен. – Менее всего этой первичной ступени логического развития доступна мысль о причинности; еще теперь даже мы, в сущности, считаем все ощущения и действия актами свободной воли; когда чувствующий индивид рассматривает самого себя, всякое ощущение, всякое изменение представляется ему чем-то изолированным, т. е. безусловным, бессвязным: оно всплывает из нашего сознания без связи с прошедшим или будущим. Мы чувствуем голод, но первоначально не думаем, что организм ищет самосохранения; напротив, это чувство, по-видимому, сказывается без основания и цели, оно изолируется и считает себя произвольным. Итак, вера в свободу воли есть первоначальное заблуждение всего органического мира, столь же старое, как первые пробуждения логической мысли; вера в безусловные субстанции и в одинаковые вещи есть также первоначальное, столь же старое заблуждение всего органического мира. И поскольку вся метафизика преимущественно занималась субстанцией и свободой воли, ее можно обозначить как науку, трактующую об основных заблуждениях человека, – но только так, как будто бы это были основные истины.
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Число. Открытие законов чисел было сделано на почве первоначально уже господствовавшего заблуждения, что существует множество одинаковых вещей (тогда как в действительности нет ничего одинакового) и по меньшей мере что существуют вещи (тогда как не существует никакой «вещи»). Допущение множественности всегда уже предполагает, что существует нечто, что встречается неоднократно; но именно здесь уже царит заблуждение, уже здесь мы измышляем сущности, единства, которых нет на самом деле. – Наши ощущения пространства и времени ложны, ибо, будучи последовательно проверены, они приводят к логическим противоречиям. Во всех научных выводах мы неизбежно всегда включаем в расчет некоторые ложные величины; но так как эти величины по крайней мере постоянны, как, например, наше ощущение времени и пространства, то результаты науки приобретают все же совершенную строгость и точность в их взаимоотношении между собою; на них можно опираться – до того последнего, конечного вывода, в котором ошибочные основные допущения – упомянутые постоянные ложные величины – вступают в противоречие с результатами, например в атомистической теории. Тут мы все еще чувствуем себя вынужденными допустить «вещь» или материальный «субстрат», который движется, – тогда как вся научная работа именно и преследовала задачу разложить все вещеобразное (материальное) на движения: мы и здесь еще различаем в нашем ощущении между движущим и движимым и не можем выйти из этого круга, ибо вера в вещи издавна вросла в наше существо. – Если Кант говорит: «Разум не черпает своих законов из природы, а предписывает их последней», то это совершенно верно в отношении понятия природы, которое мы принуждены связывать с ней (природа=мир как представление, т. е. как заблуждение), но которое есть суммирование множества заблуждений разума. – К миру, которые не есть наше представление, совершенно неприменимы законы чисел: последние имеют значение только для человеческого мира.
20
Несколько ступеней назад. Одна, несомненно, весьма высокая ступень образования достигнута, когда человек преодолевает суеверные и религиозные понятия и страхи и, например, уже не верит больше в милых ангелочков и в первородный грех, а также отвыкает говорить о спасении души. Достигнув этой ступени освобождения, он должен еще с величайшим напряжением своей рассудительности преодолеть метафизику. Но тогда необходимо обратное движение: он должен понять историческую, а также и психологическую правомерность таких представлений, он должен познать, что величайшая мощь человечества исходила оттуда и что без такого обратного движения можно было бы лишиться лучших результатов, достигнутых человечеством доселе. – В отношении философской метафизики я вижу теперь все больше людей, которые достигли отрицательной цели (именно что всякая положительная метафизика есть заблуждение), но лишь немногих, которые спустились несколькими ступенями ниже: ибо существенное заключается в том, чтобы смотреть поверх последней ступени лестницы, а не успокаиваться на ней. Самые просвещенные люди достигают лишь того, что освобождаются от метафизики и оглядываются на нее с сознанием своего превосходства, тогда как и здесь, как на ипподроме, необходимо свернуть с финишной черты.
21
Предположительная победа скепсиса. Попробуем признать исходную точку скептицизма; допустим, что не существует другого, метафизического мира и что все заимствованные из метафизики объяснения единственного знакомого нам мира непригодны для нас; какими глазами стали бы мы тогда смотреть на людей и вещи? Это можно представить себе, и это полезно сделать, даже если вопрос, доказали ли Кант и Шопенгауэр научно что-либо метафизическое, был бы отвергнут. Ибо с точки зрения исторической вероятности весьма возможно, что некогда в этом отношении люди станут в общем и целом скептиками; и вот, вопрос гласит: как сложится тогда человеческое общество под влиянием такого настроения? Быть может, научное доказательство какого-либо метафизического мира уже настолько трудно, что человечество не может более отрешиться от недоверия к нему. А когда чувствуешь недоверие к метафизике, то это в общем и целом приводит к таким же результатам, как если бы она была прямо опровергнута и в нее нельзя было Сверить. Исторический вопрос в отношении неметафизического настроения человечества остается в обоих случаях одинаковым.
22
Неверие в «monumentum aereperennius». Существенный ущерб, который приносит с собой уничтожение метафизических воззрений, состоит в том, что индивид слишком пристально всматривается в свою краткую жизнь и не получает никаких более сильных импульсов, которые заставляли бы его работать над длительными, предназначенными для столетий организациями; он хочет сам срывать плоды с дерева, которое он сажает, и потому он не хочет более сажать те деревья, которые требуют векового равномерного ухода и которые предназначены бросать тень на долгие ряды поколений. Ибо метафизические воззрения дают веру, что в них содержится последний, окончательный фундамент, на котором отныне должна покоиться и созидаться вся будущность человечества: отдельная личность содействует своему спасению, когда она, например, строит церковь или основывает монастырь; это, как она думает, зачитывается и воздается ей в вечной жизни души, это есть работа над вечным спасением души. – Может ли наука пробуждать такую же веру в свои результаты? В действительности она нуждается в сомнении и недоверии как в своих вернейших союзниках; тем не менее со временем сумма неприкосновенных истин, т. е. истин, выдерживающих все бури скепсиса и все разрушения (например, в диететике здоровья), может настолько увеличиться, что ввиду их люди решатся создавать «вечные» произведения. Пока же контраст нашего возбужденного эфемерного бытия по сравнению с медлительным спокойствием метафизических эпох действует еще слишком сильно, ибо обе эпохи стоят еще очень близко друг от друга; даже отдельный человек переживает теперь так много внутренних и внешних эволюций, что не решается устроиться прочно и раз навсегда хотя бы только в расчете на свою собственную жизнь. Вполне современный человек, который, например, хочет построить себе дом, испытывает при этом чувство, как будто он живьем намерен замуровать себя в мавзолей.
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Эпоха сравнения. Чем менее люди связаны традицией, тем сильнее становится внутреннее движение мотивов, и тем больше соответственно тому становится в свою очередь внешнее беспокойство, взаимное столкновение людских течений, полифония стремлений. Для кого существует еще ныне строгое принуждение прикрепить себя и свое потомство к определенному месту? Для кого вообще существует еще что-либо строго связывающее? Если люди воспроизводят теперь одновременно все роды художественного стиля, то точно так же и все ступени и виды нравственности, обычаев, культур. – Такая эпоха приобретает значение тем, что в ней могут быть сравниваемы и одновременно переживаемы самые различные миропонимания, нравы, культуры, – что прежде, ввиду всегда локализованного господства каждой культуры, было невозможно, подобно тому как и все роды художественного стиля были связаны известным местом и временем. Теперь рост эстетического чувства будет произносить окончательный приговор над столь многими поддающимися сравнению формами: оно заставит вымереть большинство из них – именно те, которые отвергнуты этим приговором. Точно так же теперь совершается отбор между формами и привычками более высокой нравственности, – отбор, целью которого может быть только гибель низших форм нравственности. Такова эпоха сравнения! В этом ее гордость, но – как и надлежит быть – также и ее страдание. Не будем бояться этого страдания! Напротив, постараемся представить себе задачу, которую ставит нам эпоха, как можно более высокой; и тогда нас благословит за это потомство – то потомство, которое будет сознавать свое превосходство как над замкнутыми оригинальными народными культурами, так и над культурой сравнения, но будет с благодарностью озираться назад, на оба вида культуры, как на достойные почитания древности.
24
Возможность прогресса. Когда ученый старой культуры дает себе клятву не иметь сношений с людьми, которые верят в прогресс, он прав. Ибо старая культура имеет свое величие и благость позади себя, и историческое образование вынуждает признать, что ей никогда уже не удастся восстановить былую свежесть; нужна невыносимая тупость или столь же несносная мечтательность, чтобы отрицать это. Но люди могут сознательно решиться развивать в себе новую культуру, тогда как создать теперь лучшие условия для рождения людей, для их питания, воспитания, обучения; они могут рассудительно управлять миром как целым, взаимно оценивать и распределять общие силы человечества. Эта новая, сознательная культура уничтожает старую, которая, рассматриваемая в целом, вела бессознательную животную или растительную жизнь; она уничтожает также недоверие к прогрессу – прогресс возможен. Я хочу сказать: преждевременно и почти бессмысленно верить, что прогресс должен наступить необходимо; но как можно отрицать, что он возможен? Напротив, прогресс в духе старой культуры и на ее пути даже немыслим. Когда романтическая фантастика все еще употребляет слово «прогресс» в применении к своим целям (например, к замкнутым оригинальным народным культурам), то она во всяком случае заимствует его образ из прошлого, ее мышление и представление в этой области лишены всякой оригинальности.
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Частная и мировая мораль. С тех пор как утрачена вера, что Бог руководит судьбами мира в целом и, несмотря на все кажущиеся уклонения в пути человечества, все же превосходно ведет его, – люди должны сами ставить себе вселенские, объемлющие всю землю, цели. Прежняя мораль, в особенности мораль Канта, требует от отдельного человека действий, которых можно желать от всех людей; это было прекрасное наивное мнение: как будто кто-либо без дальнейших размышлений знает, при каком поведении человечество, как целое, преуспевает, т. е. какие действия вообще желательны; эта теория, подобно учению о свободе торговли, предполагает, что всеобщая гармония должна возникнуть сама собою по врожденным законам развития. Быть может, будущий обзор потребностей человечества признает отнюдь не желательным, чтобы все люди поступали одинаково; напротив, в интересах вселенской цели придется для отдельных этапов человечества поставить специальные задачи, при случае, быть может, даже дурные задачи. – Во всяком случае если человечество не хочет погубить себя таким планомерным всеобщим управлением, то должно быть найдено в неизвестном доселе размере знание условий культуры как научное мерило для вселенских целей. В этом состоит огромная задача великих умов ближайшего века.
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Реакция как прогресс. Иногда появляются резкие, могущественные и захватывающие, но тем не менее отсталые умы, которые еще раз воскрешают пройденную фазу человечества; они служат доказательством, что новые направления, которым они противодействуют, еще недостаточно сильны, что в них чего-то не хватает: иначе последние сумели бы лучше отразить этих заклинателей прошлого. Так, например, Реформация Лютера свидетельствует о том, что в его эпоху все движения свободы духа были еще неверными, робкими, юношескими; наука еще не могла поднять головы. И даже все Возрождение кажется первой весной, которая почти вновь засыпается снегом. Но и в нашем столетии метафизика Шопенгауэра доказала, что и теперь еще научный дух недостаточно силен; поэтому средневековое христианское миропонимание и человекоощущение могли еще раз полностью воскреснуть в учении Шопангауэра, несмотря на давно уже осуществленное уничтожение всех христианских догматов. Науки в его учении хоть отбавляй, но не она властвует над последним, а напротив, старая, хорошо знакомая «метафизическая потребность». Несомненно, одним из величайших и неоценимых преимуществ, которое мы получаем от Шопенгауэра, является то, что он временно оттесняет наше чувство назад, к старым, могущественным формам понимания мира и людей, которым иначе мы не так легко нашли бы путь. Приобретение для истории и справедливости весьма велико: я думаю, теперь никому не удалось бы легко без помощи Шопенгауэра проявить справедливость к христианству и его азиатским родственникам, что в особенности невозможно на почве еще существующего христианства. Лишь после этого великого успеха справедливости, лишь после того, как нам довелось исправить в столь существенном пункте исторический метод рассмотрения, который принесла с собой эпоха Просвещения, мы вправе снова нести далее знамя Просвещения – знамя, на котором написаны три имени: Петрарки, Эразма и Вольтера. Из реакции мы сделали прогресс.
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Замена религии. Считается одобрением какой-либо философии, если ее признают заменой религии для народа. И действительно, в духовной экономии иногда необходимы переходные группы мыслей: так, переход от религии к научному миропониманию есть насильственный опасный скачок, которого нельзя рекомендовать. В этом смысле указанное одобрение справедливо. Но нужно наконец также понять, что потребности, которые удовлетворяла религия и отныне должна удовлетворять философия, не неизменны; сами эти потребности можно ослабить и истребить. Вспомним, например, христианскую душевную нужду, вздохи о внутренней испорченности, заботу о спасении – все это суть представления, проистекающие только из заблуждений разума и заслуживающие не удовлетворения, а уничтожения. Философия может быть полезна либо тем, что она также удовлетворяет эти потребности, либо тем, что она их устраняет; ибо это суть привитые, ограниченные во времени потребности, которые покоятся на предпосылках, противоречащих предпосылкам науки. Здесь в качестве перехода следует скорее воспользоваться искусством, чтобы облегчить перегруженную чувствами душу, ибо искусство гораздо менее поддерживает эти представления, чем метафизическая философия. От искусства можно затем легче перейти к действительно освобождающей философской науке.
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Обесславленные слова. Долой изношенные до скуки слова «оптимизм» и «пессимизм»! Со дня на день уменьшается повод употреблять их; лишь болтуны нынче все еще не могут обойтись без них. Ибо к чему непременно быть оптимистом, если уже не приходится защищать Бога, который должен был создать лучший из миров, будь он сам благом и совершенством, – и какой мыслитель нуждается теперь в гипотезе Бога? – Но точно так же отсутствует и всякий повод к пессимистическому вероучению, если не нуждаешься в том, чтобы досаждать адвокатам Бога, богословам или богословствующим философам, и подчеркнуто защищать противоположное утверждение: что зло властвует, что страдание превышает удовольствие, что мир есть неудачное создание, проявление злой воли к жизни. Но кто еще заботится теперь о богословах – кроме самих богословов? – Если отвлечься от всякого богословия и борьбы с ним, то ясно, что мир не хорош и не дурен – и еще менее есть «лучший» или «худший» из миров – и что понятия «доброго» и «злого» имеют смысл лишь в применении к людям, да и здесь, пожалуй, неправомерны в их обычном употреблении. От хулящего и славословящего миропонимания мы во всяком случае должны уклониться.
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Упоенность благоуханием цветов. Обыкновенно думают, что судно человечества сидит тем более глубоко, чем более оно нагружено; полагают, что, чем глубже человек мыслит, чем нежнее он чувствует, чем выше он себя ценит, чем дальше расстояние, отделяющее его от других животных, – чем более он является гением среди животных, – тем более он приближается к действительной сущности мира и к ее познанию. Он действительно и осуществляет это через науку, но он воображает, что еще в большей мере делает это через свои религии и искусства. Последние суть, правда, цветки мира, но они отнюдь не ближе к корню мира, чем стебель; из них нельзя ничуть лучше постигнуть сущность вещей, хотя почти все так думают. Заблуждение сделало человека столь глубоким, нежным, изобретательным, что он вырастил такие цветы, как религии и искусства. Чистое познавание было бы не в состоянии сделать это. Кто открыл бы нам сущность мира, тот причинил бы нам всем самое неприятное разочарование. Не мир как вещь в себе, а мир как представление (как заблуждение) столь значителен, глубок, чудесен и несет в своем лоне счастье и несчастье. Этот результат ведет к философии логического отрицания мира, которая, впрочем, столь же хорошо соединима с практическим утверждением мира, как и с его противоположностью.
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Дурные привычки в умозаключении. Самые ошибочные умозаключения людей суть следующие: вещь существует, следовательно, она имеет право на это. Здесь от жизнеспособности умозаключают к целесообразности и от целесообразности – к правомерности. Далее: такое-то мнение дает счастье, следовательно, оно истинно; действие его хорошо, следовательно, оно само хорошо и истинно. Здесь действию приписывают предикат «приносящего счастье», хорошего в смысле полезности и затем переносят на причину тот же предикат хорошего, но уже в смысле логической правомерности. Обращение суждений гласит: что-либо не может пробиться, удержаться, следовательно, оно не право; мнение мучит, возбуждает, следовательно, оно ложно. Свободный ум, который слишком часто встречается с такого рода умозаключениями и страдает от их результатов, часто впадает в искушение делать противоположные выводы, которые в общем, разумеется, также суть ложные умозаключения: что-либо не может пробиться, следовательно, оно хорошо; мнение тревожит, беспокоит, следовательно, оно истинно.
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Нелогичное необходимо. К вещам, которые могут привести в отчаяние мыслителя, принадлежит познание, что нелогичное тоже необходимо для человека и что из него проистекает много хорошего. Оно столь крепко засело в страстях, в языке, в искусстве, в религии и вообще во всем, что делает жизнь ценной, что его нельзя извлечь, не нанеся тем самым неисцелимого вреда всем этим прекрасным вещам. Лишь самые наивные люди могут верить, что природа человека может быть превращена в чисто логическую; но, если бы существовали степени приближения к этой цели, как много пришлось бы потерять на этом пути! Даже разумнейший человек нуждается от времени до времени в природе, т. е. в своем основном нелогичном отношении ко всем вещам.
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Несправедливость необходима. Все суждения о ценности жизни развиты нелогично и потому несправедливы. Нечистота суждения лежит, прежде всего, в характере доступности материала, который именно весьма неполон, во-вторых, в способе, каким ему подводится итог, и, в-третьих, в том, что каждая отдельная часть материала есть в свою очередь результат нечистого познания, и притом совершенно неизбежно. Ни один опыт, например, о человеке, как бы близок нам ни был последний, не может быть настолько полным, чтобы мы имели логическое право подвести ему общий итог; все оценки преждевременны и неизбежно должны быть таковыми. Наконец, мера, которою мы мерим, – наше существо – есть не неизменная величина, у нас есть настроения и колебания, и все же мы должны были бы знать себя как прочное мерило, чтобы справедливо оценить отношение какой-либо вещи к нам. Быть может, из этого должно вытекать, что вообще не следует судить; если бы только можно было жить, не производя оценок, не имея симпатий и антипатий! – ибо всякая симпатия и антипатия связаны с оценкой. Инстинкта, влекущего к чему-либо или отвлекающего от чего-либо, без сознания того, что хочешь полезного и избегаешь вредного, – инстинкта без некоторого рода познающего определения ценности цели не существует у человека. Мы – изначально нелогичные и потому несправедливые существа и можем познать это; и это есть одна из величайших и самых неразрешимых дисгармоний бытия.
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Заблуждение о жизни необходимо для жизни. Всякая вера в ценность и достоинство жизни основана на нечистом мышлении; она возможна только потому, что сочувствие к общей жизни и страданиям человечества весьма слабо развито в личности. Даже те редкие люди, мысль которых вообще выходит за пределы их собственной личности, усматривают не эту всеобщую жизнь, а только ограниченные части последней. Если уметь обращать взор преимущественно на исключения – я хочу сказать, на высокие дарования и богатые души, – если их возникновение считать целью мирового развития и наслаждаться их деятельностью, то можно верить в ценность жизни именно потому, что при этом – упускаешь из виду других людей, т. е. мыслишь нечисто. И точно так же, пусть даже сосредоточиваясь на всех людях, но признавая в них действие только одного рода мотивов – менее эгоистических – и прощая им другие влечения, можно опять-таки надеяться на что-либо от всего человечества, и постольку верить в ценность жизни, следовательно, и в этом случае благодаря нечистоте мышления. Будешь ли поступать так или иначе, при таком отношении к жизни являешься исключением среди людей. Но ведь огромное большинство людей как раз выносит жизнь без особого ропота и, следовательно, верит в ценность жизни – и притом именно потому, что каждый ищет и утверждает только себя самого и не выходит за пределы себя, как упомянутые исключения: все внеличное для них совсем незаметно или в крайнем случае заметно лишь как бледная тень. Следовательно, ценность жизни для обыкновенного, повседневного человека основана исключительно на том, что он придает себе большее значение, чем всему миру. Большой недостаток фантазии, которым он страдает, обусловливает то, что он не может вчувствоваться в другие существа и потому принимает в их судьбе и страданиях лишь минимальное участие. Тот же, кто действительно способен на участие, должен был бы отчаяться в ценности жизни; если бы ему удалось охватить и ощутить совокупное сознание человечества, он разразился бы проклятием в адрес существования, – ибо человечество в целом не имеет никаких целей, следовательно, человек, созерцая жизненный путь, мог бы найти в нем не утешение и поддержку себе, а только отчаяние. Если при всем, что он делает, оно видит конечную бесцельность человека, то и его собственная деятельность приобретает в его глазах характер бесплодной траты сил. Сознавать же себя в качестве части человечества (а не только в качества индивида) расточаемым, подобно тому как природа на наших глазах расточает отдельные цветки, есть чувство, превышающее все другие. – Но кто способен на него? Конечно, только поэт; поэты же всегда умеют утешиться.
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К успокоению. Но не становится ли вся наша философия трагедией? Не становится ли истина враждебной жизни и улучшению? Один вопрос, по-видимому, вертится у нас на языке и все же боится быть услышанным: можно ли сознательно пребывать в неправде? Или, если это неизбежно, то не следует ли тогда предпочесть смерть? Ибо долга более не существует; мораль, поскольку она содержала долг, в такой же мере ведь уничтожена нашим пониманием, как и религия. Познание может сохранить в качестве мотивов только удовольствие и страдание, пользу и вред; но в какое отношение встанут эти мотивы к чувству истины? Ведь и они соприкасаются с заблуждениями (поскольку, как указано, симпатия и антипатия и их весьма несправедливые оценки существенно определяют наше удовольствие и страдание). Вся человеческая жизнь глубоко погружена в неправду; отдельный человек не может извлечь ее из этого колодца, не возненавидя при этом из глубины души своего прошлого, не признавая нелепыми свои нынешние мотивы вроде мотива чести и не встречая насмешкой и презрением тех страстей, которые проталкивают его к будущему и к счастью в будущем. Правда ли, что для нас остается только миросозерцание, которое в качестве личного результата влечет за собой отчаяние и в качестве теоретического результата – философию разрушения? – Я думаю, что в последующем действии познания решающее значение имеет темперамент человека: столь же легко, как описанное последующее действие, возможное у отдельных натур, я мог бы себе представить и иное, в силу которого возникла бы более простая и более чистая от аффектов жизнь, чем нынешняя, так что сперва, правда, по старой унаследованной привычке сохранили бы еще силу старые мотивы – более бурные страсти, – но постепенно они становились бы слабее под влиянием очищающего познания. Под конец мы стали бы жить среди людей и с самими собой, как среди природы, без похвалы, порицания, рвения, наслаждаясь, как зрелищем, многим, чего доселе мы могли только бояться. Мы освободились бы от напыщенности и не ощущали бы подстрекательства мысли, что человек – это не только природа или нечто большее, чем природа. Правда, для этого требуется, как сказано, хороший темперамент, крепкая, кроткая и в основе жизнерадостная душа, настроение, которое не должно было бы остерегаться козней и внезапных взрывов и в своих проявлениях было бы совершенно свободно от ворчащего тона и озлобленности – этих известных неприятных качеств старых собак и людей, которые долго сидели на цепи. Напротив, человек, с которого в такой мере спали обычные цепи жизни, что он продолжает жить лишь для того, чтобы все лучше познавать, – такой человек должен уметь без зависти и досады отказываться от многого, и даже от всего, что имеет цену для других людей; его должно удовлетворять, как самое желанное состояние, такое свободное парение над людьми, обычаями, законами и привычными оценками. Радость от такого состояния он охотно делит с другими, и, быть может, у него пет ничего иного, чем бы он мог поделиться, – что, впрочем, есть еще одно лишение, еще одно лишнее отречение. Если, несмотря на это, от него потребуют большего, то он благожелательно покачает головою, покажет на своего брата, свободного человека действия, и, быть может, не скроет некоторой насмешки: ибо «свобода» последнего есть дело особое.
Отдел второй: К истории моральных чувств
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Преимущества психологического наблюдения. Что размышление о человеческом, слишком человеческом – или, как гласит более ученое выражение, психологическое наблюдение – принадлежит к средствам, с помощью которых можно облегчить себе бремя жизни; что упражнение в этом искусстве дарует присутствие духа в трудных положениях и развлечения в скучной среде, – более того, что в самых тернистых и безотрадных полосах своей собственной жизни можно находить поучения и чувствовать себя при этом немного лучше – в это когда-то верили, это знали – в прежние века. Почему это забыло наше столетие, где по крайней мере в Германии и даже во всей Европе многие признаки свидетельствуют о бедности психологического наблюдения? Это обнаруживается не в романах, повестях и философских размышлениях, ибо они создаются исключительными людьми; более ясно это в оценке общественных событий и людей; но прежде всего искусство психологического анализа и синтеза отсутствует во всех слоях общества, где много говорят о людях, но совсем не говорят о человеке. Почему же самый богатый и невинный материал для беседы остается неиспользованным? Почему даже не читают больше великих мастеров психологической сентенции? – Ибо, говоря без всякого преувеличения, редко можно найти в Европе образованного человека, который читал бы Ларошфуко и близких ему по духу и искусству; и еще реже можно встретить человека, который знал бы их и не поносил. Но, вероятно, даже и такой необычный читатель получает от них гораздо меньше удовольствия, чем сколько должна была давать ему форма этих художников; ибо даже самый тонкий ум не в состоянии достойно оценить искусство шлифования сентенций, если он сам не воспитан для него и не соперничал в нем. Без такого практического опыта эту лепку и отделку считают более легкой, чем она есть на самом деле: меткость и прелесть изречений не чувствуют достаточно отчетливо. Поэтому нынешние читатели сентенций получают от них сравнительно незначительное удовольствие, почти ничтожную сладость, так что с ними дело обстоит так же, как со средними людьми, рассматривающими камеи: они хвалят там, где не могут любить, и охотно готовы восхищаться, но еще охотнее убегают прочь.
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Возражение. Или, может быть, суждению, что психологическое наблюдение принадлежит к усладительным, целебным и облегчающим средствам бытия, можно противопоставить обратное соображение? Может быть, люди достаточно убедились в неприятных последствиях этого искусства и теперь сознательно отклоняют от него взоры тех, кто хочет воспитывать себя? В самом деле, известная слепая вера в благость человеческой природы, врожденное отвращение к анализу человеческих действий, своего рода стыдливость перед обнаженностью души, быть может, действительно более желательны для общего блага человека, чем это полезное в отдельных случаях свойство психологической дальнозоркости; и, быть может, вера в добро, в добродетельных людей и добродетельные поступки, в обилие безличной благожелательности в мире сделала людей лучшими, поскольку она сделала их менее недоверчивыми. Когда с восторгом подражают героям Плутарха и испытывают отвращение к тому, чтобы подозрительно доискиваться истинных мотивов их поступков, то это идет на пользу, правда, не истине, но благополучию человеческого общества: психологическое заблуждение и вообще смутность в этой области помогают прогрессу человечности, тогда как познание истины, быть может, движется вперед благодаря возбудительной силе гипотезы, которую Ларошфуко поставил во главе первого издания своих «Sentences et maximes morales»: «Се que le monde vertu n’est d’orduunaire qu’un fantome forme par nos passions a qui on donne un nom honnete pour faire impunement ce qu’un veut». Ларошфуко и другие французские мастера по части испытывания души (к которым недавно присоединился и немец, автор «Psychologische Beobachtungen») походят на метко целящихся стрелков, которые всегда попадают в черную точку – но в черную точку человеческой природы. Их умелость возбуждает изумление, но под конец зритель, руководствующийся не духом науки, а духом человеколюбия, быть может, проклянет искусство, которое, по-видимому, внедряет в души людей чувства умаления и подозрительности.
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Темнеменее. Но как бы ни обстояло дело с балансом актива и пассива, в современном состоянии определенной специальной науки стало необходимым пробуждение морального наблюдения, и человечество не может избегнуть жестокого зрелища психологической прозекторской с ее скальпелями и щипцами. Ибо здесь повелевает та наука, которая спрашивает о происхождении и истории так называемых моральных чувств и которая в своем дальнейшем развитии должна поставить и разрешить сложные социологические проблемы, – прежняя философия совсем не знала последних и под самыми жалкими предлогами постоянно избегала исследования происхождения и истории моральных чувств. Каковы были последствия этого – можно теперь обозреть весьма отчетливо, после того как на многих примерах было показано, что заблуждения величайших философов обыкновенно имеют своей исходной точкой неверное объяснение определенных человеческих поступков и чувств – на основе, например, ошибочного анализа так называемых неэгоистических поступков строится ложная этика, в угоду последней, в свою очередь, берутся в помощь религия и мифологические чудища, и, наконец, тени этих темных духов омрачают и физику, и все миросозерцание. Но если установлено, что поверхность психологического наблюдения ставила и вновь постоянно ставит человеческим суждениям и заключениям опаснейшие сети, то теперь необходима та выдержка в работе, которая не устает собирать камень за камнем и камешек за камешком, – необходимо воздержанное мужество, чтобы не стыдиться такой скромной работы и бороться со всяким пренебрежением к последней. Несомненно, что бесчисленные отдельные замечания о человеческом и слишком человеческом были впервые открыты и высказаны в кругах общества, которые привыкли приносить всякого рода жертвы не научному познанию, а остроумию и желанию нравиться; и благоухание этой старой родины моралистической сентенции – весьма соблазнительное благоухание – почти неразрывно связалось со всем этим родом подобной литературы; так что в свою очередь ученый человек непроизвольно обнаруживает некоторое недоверие к этому роду и к его серьезности. Но достаточно только указать на его плоды: ибо уже теперь начинает обнаруживаться, какие серьезнейшие плоды вырастают на почве психологического наблюдения. Каково основное положение, до которого доходит с помощью своего режущего и рассекающего анализа один из смелейших и холоднейших мыслителей, автор книги «О происхождении моральных чувств»? «Моральный человек, – говорит он, – стоит не ближе к интеллигибельному (метафизическому) миру, чем физический человек». Это положение, ставшее твердым и острым под ударами молота исторического познания, когда-нибудь, в каком-либо отдаленном будущем, послужит, может быть, топором, который подсечет корень «метафизической потребности» людей, – больше ли за здравие, чем за упокой всеобщего блага, – кто бы мог ответить на это? – но во всяком случае как положение, чреватое самыми значительными последствиями, одновременно и страшное, и плодотворное, и смотрящее на мир тем двойным ликом, который присущ всем великим познаниям.
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В каком смысле полезно. Итак, пусть останется нерешенным вопрос, приносит ли психологическое наблюдение больше пользы или больше вреда для людей; достоверно только то, что оно необходимо, потому что наука не может обойтись без него. Наука же вообще не считается с последними целями, точно так же, как не считается с ними природа; напротив, подобно тому как последняя осуществляет иногда вещи высочайшей целесообразности без всякого сознательного намерения, так и истинная наука, которая есть подражание природе в понятиях, будет иногда, а может быть, и часто содействовать пользе и благополучию людей и достигать целесообразного, но также без сознательного намерения. А если кому при дуновении такого миросозерцания повеет холодком на душу, тот, вероятно, несет в себе самом слишком мало огня; стоит лишь ему оглянуться, как он заметит болезни, которым потребны ледяные компрессы, и людей, которые настолько «слеплены» из пламени и духа, что они едва ли могут найти для себя где-либо достаточно холодный и режущий воздух. Больше: подобно тому как слишком серьезные личности и народы имеют потребность в легкомысленных вещах, – подобно тому как другие, слишком подвижные и возбудимые, по временам нуждаются для своего здоровья в гнетущем бремени, – так и мы, более духовные люди эпохи, которая явно все более объемлется пламенем, – не должны ли мы хвататься за все средства тушения и охлаждения, какие только существуют, для того чтобы остаться по крайней мере столь же постоянными, скромными и умеренными, каковыми мы были до сих пор, и, таким образом, когда-нибудь пригодиться для того, чтобы служить этой эпохе зеркалом и орудием самосознания?
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Басня об интеллигибельной свободе. История чувств, с помощью которых мы делаем кого-либо ответственным, т. е. так называемых моральных чувств, протекает в следующих главных фазах. Сперва отдельные действия называют хорошими или дурными совершенно независимо от их мотивов, а исключительно в силу их полезных или вредных следствий. Но вскоре забывают о происхождении этих обозначений и мнят, что самим поступкам, без отношения к их следствиям, присуще качество «хороших» и «дурных»; это – та же ошибка, в силу которой язык обозначает камень, как твердый сам по себе, или дерево, как зеленое само по себе; то, что есть следствие, принимается за причину. Затем качество хорошего или дурного вкладывают в мотивы и сами действия рассматривают как нравственно неопределенные. Идут еще дальше и предикат добра или зла приписывают уже не отдельному мотиву, а всему существу человека, из которого произрастает мотив, как растение из почвы. Так поочередно человека делают ответственным сперва за результаты его действий, затем за его поступки, затем за его мотивы и, наконец, за его существо. Но в заключение обнаруживается, что и это существо не может быть ответственно, поскольку оно всецело есть необходимое следствие и произрастает из элементов и влияний прошедших и настоящих условий; что, следовательно, человек не ответствен ни за что – ни за свое существо, ни за свои мотивы, ни за свои поступки, ни за результаты своих действий. Таким образом познается, что история моральных чувств есть история заблуждения – заблуждения об ответственности, которое, в свою очередь, покоится на заблуждении о свободе воли. – Шопенгауэр, напротив, умозаключал следующим образом: так как известные поступки возбуждают недовольство («сознание вины»), то должна существовать ответственность; ибо для этого недовольства не было бы никакого основания, если бы не только все человеческие действия совершались с необходимостью – как они совершаются фактически, а также и по мнению этого философа, – но если бы и сам человек в этой необходимости исчерпывал все свое существо, – что Шопенгауэр отрицает. Из факта этого недовольства Шопенгауэр считает возможным вывести свободу, которую человек каким-то образом должен был иметь, правда, не в отношении поступков, но в отношении своего существа – следовательно, свободу быть тем или иным, а не поступать так или иначе. Из esse, из сферы свободы и ответственности следует, по его мнению, operari, сфера строгой причинности, необходимости и безответственности. Хотя указанное недовольство, видимо, относится к operari – и постольку оно ошибочно, – но на самом деле оно относится к esse, которое есть деяние свободной воли, первопричина существования индивида: человек становится тем, чем он хочет стать, его воля предшествует его бытию. – Здесь совершается ошибка: из факта недовольства умозаключают к правомерности, к разумной допустимости этого недовольства; и, исходя из этой ошибки, Шопенгауэр приходит к своему фантастическому выводу о так называемой интеллигибельной свободе. Но недовольство после деяния совсем не должно быть разумным; и оно даже несомненно неразумно, ибо основано на ошибочном допущении, что действие именно не должно было последовать необходимо. Итак, вследствие того, что человек считает себя свободным, а не вследствие того, что он действительно свободен, он ощущает раскаяние и угрызения совести. – Кроме того, это недовольство есть нечто, от чего можно отучиться; у многих людей его и совсем нет в отношении действий, при которых многие другие люди его испытывают. Явление это весьма изменчивое, зависящее от развития нравов и культуры и, быть может, существует сравнительно лишь недавно в мировой истории. – Никто не ответствен за свои дела, никто не ответствен за свое существо; судить – значит быть несправедливым. Это сохраняет силу, даже когда личность судит сама себя. Указанное положение ясно, как солнечный свет, – и все же тут каждый предпочтет вернуться в тень и в неправду – из страха перед последствиями.
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Сверхзверь. Зверь в нас должен быть обманут; мораль есть вынужденная ложь, без которой он растерзал бы нас. Без заблуждений, которые лежат в основе моральных допущений, человек остался бы зверем. Теперь же он признал себя чем-то высшим и поставил над собой строгие законы. Поэтому он ненавидит более близкие к зверству ступени; эти объяснимо господствовавшее некогда презрение к рабу как к нечеловеку, как к вещи.
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Неизменный характер. Что характер неизменен – это в строгом смысле слова неверно; напротив, это излюбленное утверждение означает лишь, что в течение краткой продолжительности жизни человека воздействующие мотивы не могут задевать достаточно глубоко, чтобы стереть запечатлевшиеся черты многих тысячелетий. Но если мы вообразим себе человека восьмидесятитысячелетнего возраста, то в нем мы имели бы даже абсолютно изменчивый характер, так что из него постепенно развивалось бы множество различных индивидов. Краткость человеческой жизни склоняет ко многим ошибочным утверждениям о свойствах человека.
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Порядок благ и мораль. Принятый некогда порядок ценности благ, смотря по тому, хочет ли того или иного низший, более высокий или высший эгоизм, определяет теперь нравственность или безнравственность стремлений. Предпочитать низкое благо более ценимому (например, чувственное наслаждение здоровью) считается безнравственным, как и предпочитать благополучие свободе. Но порядок ценности благ непостоянен и неодинаков во все времена; если кто-либо предпочитает месть справедливости, то по мерилу прежней культуры это нравственно, по мерилу нынешней – безнравственно. «Безнравственно» означает, следовательно, что кто-либо еще не ощущает или ощущает еще недостаточно сильно более высокие, тонкие, духовные мотивы, которые привносит каждая новая культура; оно означает отсталость, но подразумевается здесь различие – всегда лишь различие в степени. – Сам же порядок ценности благ устанавливается и изменяется не на основании моральных точек зрения; но всякий раз, как он определенным образом установлен, он решает, нравственно ли известное действие или безнравственно.
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Жестокие люди как отсталые. Люди, которые теперь жестоки, должны рассматриваться как сохранившиеся ступени прежних культур: горный хребет человечества обнаруживает здесь более глубокие наслоения, которые в других случаях остаются скрытыми. У отсталых людей мозг благодаря всевозможным случайностям в ходе наследования не получил достаточно тонкого и многостороннего развития. Они показывают нам, чем мы все были, и пугают нас; но сами они столь же мало ответственны, как кусок гранита за то, что он – гранит. В нашем мозге должны находиться рубцы и извилины, которые соответствуют такому душевному складу, подобно тому как в форме отдельных человеческих органов, говорят, содержатся следы, напоминающие условия жизни рыб. Но эти рубцы и извилины уже не образуют русла, по которому движется поток наших ощущений.
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Благодарность и месть. Основание, почему могущественный человек склонен к благодарности, состоит в следующем. Его благодетель своим благодеянием как бы незаконно вторгся в сферу могущественного человека и нарушил ее границы; в виде возмездия последний в свою очередь вторгается в сферу благодетеля посредством акта благодарности. Это есть более мягкая форма мести. Не получив удовлетворения в благодарности, могущественный человек показал бы себя бессильным и впредь считался бы таковым. Поэтому каждое хорошее общество – а это первоначально всегда означает общество могущественных – ставит благодарность в число первых обязанностей. – Свифт бросил реплику, что люди благодарны в той же мере, в какой они склонны к мести.
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Двойная предыстория добра и зла. Понятие добра и зла имеет двойную предысторию, а именно, во-первых, в душе господствующих родов и каст. Кто в состоянии отплачивать добром за добро и злом за зло и кто действительно чинит возмездие, т. е. бывает благодарным и мстительным, тот называется хорошим; кто бессилен и не может совершать возмездия, признается дурным. В качестве хорошего принадлежишь к «хорошим», к общине, которая обладает корпоративным чувством, ибо все члены ее связаны между собою инстинктом возмездия. В качестве дурного принадлежишь к «дурным», к толпе бессильных людей, лишенных корпоративного чувства. Хорошие суть каста, дурные – масса, подобная пыли. Добро и зло означают в течение известного времени то же, что знатность и ничтожность, господин и раб. Напротив, врага не считают дурным: он способен к возмездию. Троянцы и греки у Гомера одинаково хороши. Не тот, кто причиняет нам вред, а только тот, кто возбуждает презрение, считается дурным. В общине хороших добро наследуется; дурной не может вырасти из столь хорошей почвы. Если тем не менее кто-либо из хороших делает нечто недостойное хорошего, то прибегают к уверткам: вину приписывают, например, Богу, утверждая, что он поразил хорошего слепотой и безумием. – Во-вторых, в душе порабощенных, бессильных. Здесь всякий иной человек считается враждебным, бессовестным, насилующим, жестоким, хитрым, будь он знатного или низкого происхождения. «Злой» есть здесь эпитет каждого человека и даже каждого допускаемого живого существа, например Бога; человеческое, божественное равносильно дьявольскому, злому. Признаки благости, сострадания, готовности помочь воспринимаются боязливо, как козни, как преддверие ужасного исхода, как обман и хитрость – словом, как утонченная злоба. При таком настроении личности почти не может возникнуть общение, в лучшем случае возникает грубейшая форма последнего; так что всюду, где господствует это понимание добра и зла, близка гибель отдельных людей, их племен и рас. – Наша современная нравственность выросла на почве господствующих родов и каст.
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Сострадание сильнее страдания. Бывают случаи, когда сострадание сильнее, чем настоящее страдание. Мы ощущаем, например, более болезненно, когда кто-либо из наших друзей провинится в чем-нибудь позорном, чем когда это случается с нами самими. Дело в том, что, прежде всего, мы больше верим в чистоту его характера, чем он сам; далее, наша любовь к нему, вероятно именно в силу этой веры, сильнее, чем его собственная любовь к себе. Хотя его эгоизм действительно страдает при этом больше, чем наш эгоизм, но зато неэгоистическое в нас – это слово никогда не следует понимать в строгом смысле, а всегда лишь как условное облегчение термина – все же затрагивается его виной сильнее, чем неэгоистическое в нем.
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Ипохондрия. Существуют люди, которые из сочувствия и заботы о другом человеке становятся ипохондриками; возникающий при этом род сострадания есть не что иное, как болезнь. Так существует и христианская ипохондрия, которая одолевает тех одиноких, движимых религиозным чувством людей, которые постоянно мысленно созерцают страдания и смерть Христа.
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Экономия доброты. Доброта и любовь, как целебнейшие травы и силы в общении между людьми, суть столь драгоценные находки, что хотелось бы пожелать, чтобы при употреблении этих бальзамических средств люди были как можно более экономны; но это невозможно. Экономия доброты есть мечта самых дерзостных утопистов.
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Благожелательность. К незначительным, но бесконечно частым и потому весьма влиятельным вещам, на которые наука должна обращать больше внимания, чем на крупные, но редкие вещи, следует причислить и благожелательность; я разумею проявления дружеского расположения в общении, улыбку глаз, рукопожатие, теплоту, которые обыкновенно вплетаются почти во все человеческие действия. Каждый учитель, каждый чиновник привносит эту добавку к тому, что является его обязанностью; это есть непрерывное осуществление человечности, как бы волны ее света, под которыми все растет; в особенности в узких кругах, в пределах семьи, жизнь зеленеет и цветет в силу этой благожелательности. Добродушие, приветливость, сердечная вежливость суть неиссякающие ручьи неэгоистического инстинкта и оказали гораздо более сильное влияние на рост культуры, чем более прославленные обнаружения того же инстинкта, которые зовутся состраданием, милосердием и самопожертвованием. Но ими по обыкновению пренебрегают, и действительно – в них содержится не особенно много неэгоистического. Тем не менее сумма этих маленьких доз огромна; их совокупная сила принадлежит к числу самых могущественных сил. – Точно так же в мире находится гораздо больше счастья, чем это видят мутные глаза: именно, если уметь правильно считать и не забывать о всех тех моментах небольшой радости, которыми богат каждый день каждой, даже самой угнетенной, человеческой жизни.
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Потребность возбуждать сострадание. Ларошфуко, несомненно, прав в том замечательном месте своего автопортрета (напечатанного впервые в 1658 году), где он предостерегает всех имеющих разум от сострадания и советует предоставить его людям из народа, которые не руководятся разумом и которых поэтому только страсть может заставить помогать страждущему и энергично бороться с несчастьем; тогда как сострадание, по мнению его (и Платона), обессиливает душу. Конечно, следует обнаруживать сострадание, но остерегаться иметь его; ибо несчастные так уж глупы, что для них знаки сострадания составляют величайшее благо в мире. – Быть может, придется еще сильнее предостеречь от чувства сострадания, если понять указанную потребность несчастных не непременно как глупость и интеллектуальный недостаток, не как некоторого рода душевное расстройство, вызванное несчастьем, – так именно, по-видимому, понимает его Ларошфуко, – а как нечто совсем иное и более подозрительное. Наблюдайте детей, которые плачут и кричат для того, чтобы вызвать сострадание, и поэтому выжидают момента, когда их состояние может броситься в глаза; поживите в обществе больных и душевно подавленных и спросите себя, не преследуют ли, в сущности, эти красноречивые жалобы и стенания, это выставление напоказ несчастья цели причинить боль присутствующим? Сострадание, которое затем выказывают последние, есть для слабых и страдающих утешение в том смысле, что оно показывает им, что, несмотря на всю их слабость, у них по крайней мере есть еще одна сила – причинять боль. Несчастный получает своеобразное удовольствие от этого чувства превосходства, которое возбуждает в нем проявление сострадания; его воображение усиливается – он все еще достаточно значителен, чтобы причинять миру страдания. Таким образом, жажда вызывать сострадание есть жажда наслаждения самим собою, и притом за счет ближних; она обнаруживает человека во всей бесцеремонности его собственного милого Д а отнюдь не в его «глупости», как полагает Ларошфуко. – В светских беседах три четверти всех вопросов и ответов направлены на то, чтобы причинить собеседнику маленькую боль; поэтому так много людей жаждут общества: оно дает им сознание их силы. Злоба, проявляясь в таких бесчисленных, но очень небольших дозах, есть могущественное возбудительное средство жизни – точно так же как благожелательность, распространенная в мире людей в таких же формах, есть повсеместное целебное средство. – Но много ли найдется людей, которые будут иметь честность сознаться, что причинять боль доставляет удовольствие? что люди нередко развлекаются – и хорошо развлекаются, – причиняя огорчение другим людям, хотя бы мысленно, и стреляя в них дробью мелкой злобы? Большинство людей слишком нечестны и немногие – слишком добры, чтобы знать что-либо об этом pudendum; пусть же они, если хотят, отрицают правоту Проспера Мериме, который говорит: «Sachez aussi qu’il n’y a rien de plus commun que de faire le mal pour le plaisir de le faire».
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Как видимость становится реальностью. Актер в конце концов уже не может перестать думать о впечатлении от своей личности и об общем сценическом эффекте даже при самом глубоком страдании, например при погребении своего ребенка; он будет плакать над собственным горем и его проявлениями, как если бы он был зрителем самого себя. Лицемер, который постоянно играет одну и ту же роль, под конец перестает быть лицемером – например, священники, которые обыкновенно в молодости бывают сознательно или бессознательно лицемерами, в конце концов становятся естественными и делаются тогда именно подлинными священниками, без всякой аффектации; или если этого еще не может достигнуть отец, то, вероятно, достигает сын, которому удается использовать успехи отца и унаследовать его привычку. Когда кто-либо долго и упорно хочет казаться чем-нибудь, то в результате ему уже трудно быть чем-либо другим. Профессия почти каждого человека, даже художника, начинается с лицемерия, с внешнего подражания, с копирования эффектов. Тот, кто всегда носит на лице маску приветливости, должен в конце концов приобрести власть над благожелательным настроением, без которого нельзя достигнуть выражения приветливости, – и в результате это настроение в свою очередь овладевает им – он действительно становится благожелательным.
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Момент честности в обмане. У всех великих обманщиков можно подметить одно явление, которому они обязаны своим могуществом. Во время самого акта обмана, под впечатлением всякого рода подготовлений, таинственности голоса, выражения лица, жестов, среди эффективнейшей декорации, ими овладевает вера в себя самих; и именно эта вера так чудесно и убедительно действует потом на окружающих. Основатели религий отличаются от этих великих обманщиков тем, что они не выходят из такого состояния самообмана; или же у них лишь изредка бывают светлые промежутки, когда ими овладевают сомнения; но обыкновенно они утешаются тем, что приписывают эти светлые промежутки действию злых и враждебных сил. Самообман должен быть налицо, чтобы как первые, так и последние производили грандиозное действие. Ибо люди верят в истинность всего, что явственно служит предметом сильной веры.
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Мнимые ступени истины. Одно из обычных ошибочных умозаключений состоит в следующем: так как кто-либо правдив и искренен в отношении нас, то он говорит правду. Так, дитя верит в суждения своих родителей, христианин – в утверждения основателя церкви. Точно так же не хотят допустить, чтобы все, что люди защищали в прежние века, жертвуя своим счастьем и жизнью, было только заблуждением; вместо этого иногда говорят, что это были ступени истины. Но, в сущности, полагают, что, когда человек честно верил во что-либо, боролся и умер за свою веру, было бы слишком несправедливо, если бы его одушевляло, собственно, только заблуждение. Такое явление представляется противоречащим вечной справедливости; поэтому сердце чувствующего человека всегда утверждает против его головы следующее положение: между моральными действиями и интеллектуальными познаниями всегда должна иметься необходимая связь. К сожалению, дело обстоит иначе: ибо вечной справедливости не существует.
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Ложь. Почему в большинстве случаев люди в ежедневной жизни говорят правду? Во всяком случае не потому, что Бог запретил лгать. Но, во-первых, потому, что это удобнее: ибо ложь требует изобретения, памяти и умения обманывать. (Поэтому Свифт утверждает: кто лжет, тот редко замечает, что берет на себя тяжелое бремя, а именно, чтобы поддерживать одну ложь, он должен выдумывать двадцать других.) Далее, потому что в простых отношениях выгоднее прямо сказать: я хочу того-то, я сделал то-то и т. п.; стало быть, потому, что путь принуждения и авторитета вернее, чем путь хитрости. – Но если ребенок вырос в сложных семейных условиях, то он столь же естественно пользуется ложью и непроизвольно говорит всегда то, что соответствует его интересам; чувство истины, отвращение ко лжи, само по себе ему совершенно чуждо и недоступно, и потому он лжет с полной невинностью.
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Подозревать мораль из-за веры. Никакая сила не может держаться, если ее представляют одни только лицемеры; сколько бы «светских» элементов ни находилось в католической церкви, сила ее покоится на тех и ныне еще многочисленных священнических натурах, которые делают себе жизнь тяжелой и глубоко значительной и у которых взор и изможденное тело говорят о ночном бдении, голодании, горячих молитвах, быть может, даже о самобичевании; подобные натуры потрясают людей и внушают им страх: а что, если нужно так жить? – таков грозный вопрос, возбуждаемый уже одним их видом. Распространяя это сомнение, они вновь постоянно утверждают основы своего могущества; даже свободомыслящие не осмеливаются противопоставить таким самоотверженным людям суровое сознание истины и сказать им: «Обманутый, не обманывай сам!» – Лишь различие мнений отделяет их от него, но отнюдь не различие в нравственных качествах; но чего не любишь, к тому обыкновенно относишься несправедливо. Так говорят о хитрости и нечестивом искусстве иезуитов, но упускают из виду, какое самообуздание налагает на себя каждый иезуит и что облегченная практика жизни, которую проповедуют иезуитские учебники, должна идти на пользу отнюдь не им, а только мирянам. Можно даже задаться вопросом, сумели ли бы мы, просвещенные люди, при такой же организации и тактике быть столь же хорошими орудиями и обнаруживать столь же изумительную самодисциплину, неутомимость и преданность.
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Победа познания над радикально злым. Тому, кто хочет стать мудрым, приносит большую пользу, если он некогда в течение известного времени разделял представление о коренной злобе и испорченности человека; это представление ложно, как и обратное; но в продолжение целых эпох оно обладало господством, и корни его оставили свои разветвления в нас и в нашем мире. Чтобы понять нас, надо понять его\_ но, чтобы затем подняться выше, мы должны перешагнуть через него. Тогда мы познаем, что не существует греха в метафизическом смысле, но что в том же смысле не существует и добродетели; что вся эта область нравственных представлений находится в постоянном колебании и что существуют более высокие и более глубокие понятия о добре и зле, о нравственном и безнравственном. Кто не хочет от вещей ничего, кроме их познания, тот легко приобретает душевный покой и будет ошибаться (или грешить, как это называет мир) разве из неведения, но вряд ли из-за своих вожделений. Он не будет уже склонен ужасаться вожделений и истреблять их; но его единственная, вполне владеющая им цель – всегда как можно лучше познавать —_ сделает его холодным и смягчит всю дикость его задатков. Кроме того, он освободился от множества мучительных представлений, он уже ничего не ощущает при словах «наказание ада», «греховность», «неспособность к добру», он узнает в них лишь туманные тени ложных миро- и жизнепониманий.
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Мораль как саморазделение человека. Хороший автор, который действительно сердечно заинтересован в своем деле, желает, чтобы пришел кто-нибудь и уничтожил его самого тем, что он яснее изложит ту же тему и без остатка разрешит все содержащиеся в ней вопросы. Любящая девушка желает, чтобы самоотверженная верность ее любви могла быть испытана на неверности ее возлюбленного. Солдат ради победы своего отечества хочет умереть на поле битвы: ибо в победе отечества торжествуют победу его высшие желания. Мать отдает ребенку то, что она отнимает от самой себя: сон, лучшую пищу, а при случае свое здоровье и имущество. – Но есть ли все это неэгоистические состояния? Являются ли эти деяния моральности чудесами, ибо, по выражению Шопенгауэра, «они невозможны и все же действительны»? Не ясно ли, что во всех этих случаях человек любит некоторую часть себя самого — свою мысль, свое желание, свое создание – более, чем некоторую другую часть себя, т. е. что он разделяет свое существо и приносит в жертву одной его части другую? Есть ли во всем этом что-либо существенно отличное, например, от поведения упрямца, который говорит: «Пусть лучше меня на месте застрелят, чем мне хоть на шаг уступить этому человеку»? – Склонность к чему-либо (желание, влечение, потребность) присутствует во всех указанных случаях; отдаваться ей, каковы бы ни были последствия, во всяком случае не «эгоистично». – В морали человек является себе самому не как individuum, а как dididuum.
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Что можно обещать. Можно обещать действия, но никак не чувства: ибо последние непроизвольны. Кто обещает кому-либо всегда любить его, или всегда ненавидеть, или оставаться всегда верным, тот обещает нечто, что не находится в его власти; но, конечно, он может обещать такие действия, которые хотя обычно являются следствиями любви, ненависти, верности, но могут проистекать и из других мотивов: ибо к одному и тому же действию ведут многие пути и мотивы. Обещание всегда любить кого-либо означает, следовательно: пока я буду любить тебя, я буду проявлять в отношении тебя действия любви; а когда я уже не буду тебя любить, ты по-прежнему будешь получать от меня те же действия, хотя и обусловленные иными мотивами – так что в головах ближних сохранится видимость, будто любовь осталась неизменной. – Следовательно, когда без самоослепления обещают кому-либо вечную любовь, то обещают, собственно, длительность видимости любви.
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Интеллект и мораль. Нужно иметь хорошую память, чтобы иметь возможность исполнять данные обещания. Нужно иметь много силы воображения, чтобы уметь испытывать сострадание. Столь тесно связана мораль с качествами интеллекта.
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Месть и жажда мести. Питать мысль о мести и осуществить ее – значит испытать сильный припадок лихорадки, который, однако, проходит; но питать мысль о мести, не имея силы и мужества выполнить ее, – значит носить в себе хроническую болезнь, отравление души и тела. Мораль, которая смотрит только на намерения, оценивает оба случая одинаково; обыкновенно же первый случай признают худшим (ввиду дурных последствий, которые может повлечь за собой осуществление мести). Обе оценки близоруки.
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Уметь ждать. Уметь ждать так трудно, что величайшие поэты считали возможным избрать неумение ждать мотивом своих творений. Так, Шекспир в «Отелло», Софокл в «Аяксе». Если бы Аякс мог в течение только одного дня охладить свое чувство, то его самоубийство, по-видимому, оказалось бы ненужным, на что указывает изречение оракула; вероятно, он мог бы посмеяться над ужасными внушениями оскорбленного тщеславия и сказать самому себе: «Кто не принимал, подобно мне, овцу за героя? Разве в этом есть что-нибудь чудовищное? Напротив, это есть лишь нечто общечеловеческое!» Так мог бы утешить себя Аякс. Но страсть не хочет ждать; трагическое в жизни великих людей состоит часто не в конфликте с временем и с низостью их ближних, а в их неспособности отложить свое дело на год или два; они не могут ждать. – Во всех дуэлях увещающие друзья должны установить одно: могут ли еще ждать заинтересованные лица. Если нет, то дуэль разумна, поскольку каждый из обоих участников говорит себе: «Либо я буду еще жить, тогда он должен тотчас же умереть, либо наоборот». Ждать значило бы в таком случае продолжать страдать от ужасной пытки оскорбленной чести на глазах ее оскорбителей; а это именно может быть большим страданием, чем какого вообще стоит жизнь.
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Наслаждение местью. Грубые люди, когда они чувствуют себя оскорбленными, обыкновенно считают, что они оскорблены в высочайшей степени, и рассказывают о причине оскорбления в сильно преувеличенных словах для того, чтобы насладиться сполна возбужденным чувством ненависти и мести.
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Ценность умаления. Многим людям, а может быть, огромному большинству людей, чтобы сохранить в себе самоуважение и известную уверенность поведения, безусловно, нужно умалять и принижать в своем представлении всех своих знакомых. Но так как ничтожные натуры составляют большинство и очень важно, сохранят ли они или потеряют свою уверенность, то…
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Вспыльчивый. Человека, который способен вспылить против нас, надо остерегаться, как человека, который когда-либо угрожал нашей жизни: ибо то, что мы еще живы, объясняется только тем, что у него не было возможности убить нас; если бы взор убивал, мы уже давно погибли бы. Принудить кого-либо к молчанию через проявление физической дикости и возбуждение страха – это признак первобытной культуры. – Точно так же тот холодный взор, которым знатные смотрят на своих подчиненных, есть остаток кастовых разграничений между людьми, частица грубой древности. Женщины, хранительницы старого, вернее сохранили и этот survival.
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До чего может довести честность. Некто имел дурную привычку при случае вполне откровенно высказываться о мотивах своего поведения, которые были не лучше и не хуже, чем мотивы всех людей. Сначала он шокировал, затем возбудил подозрение, постепенно был объявлен вне закона и лишен общественного уважения, пока, наконец, правосудие не обратило внимания на такое отверженное существо при обстоятельствах, которые оно в других случаях игнорировало или на которые закрывало глаза. Нехватка молчаливости в отношении всеобщей тайны и безответственное влечение видеть то, чего никто не хочет видеть, – себя самого – привели его к тюрьме и преждевременной смерти.
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Что наказуемо, но никогда не наказывается. Наше преступление против преступников состоит в том, что мы относимся к ним как к негодяям.
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Sancta simplicitas добродетели. Каждая добродетель имеет привилегии: например, привилегию подложить собственную связку дров в костер осужденного.
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Моральность и успех. Не только зрители какого-либо действия часто измеряют его нравственность или безнравственность успехом; нет, так поступает и сам деятель. Ибо мотивы и намерения редко вполне ясны и просты, и иногда сама память как бы затемняется успехом деяния, так что сам деятель подводит под свой поступок ложные мотивы или считает несущественные мотивы существенными. Успех часто придает действию вполне честный блеск чистой совести, неудача налагает на самое достойное действие тень угрызений совести. Этим объясняется общеизвестный способ действий политика, который думает: «Дайте мне только успех; с его помощью я привлеку на свою сторону всех честных людей – и оправдаю себя в своих собственных глазах». – Сходным образом успех дает мнимую замену лучшему обоснованию. Еще теперь многие образованные люди полагают, что победа христианства над греческой философией есть доказательство большей истинности первого – хотя в этом случае лишь более грубое и насильственное одержало победу над более тонким и духовным. Как дело обстоит с этой большей истиной, можно усмотреть из того, что пробуждающиеся науки шаг за шагом примыкают к философии Эпикура и шаг за шагом отвергают христианство.
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Любовь и справедливость. Почему так чрезмерно ценят любовь в ущерб справедливости и говорят о ней прекраснейшие вещи, как будто она есть нечто гораздо более высокое, чем последняя? Разве она не явно глупее последней? – Конечно, но именно потому она и гораздо более приятна для всех. Она глупа и обладает богатым рогом изобилия; из него она раздает свои блага всякому, даже если он их не заслуживает и даже если он и не благодарен за них. Она беспристрастна, как дождь, который, согласно Библии и опыту, промочит до нитки не только неправедного, но при случае и праведного.
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Смертная казнь. Отчего всякая смертная казнь оскорбляет нас больше, чем убийство? Это объясняется холодностью судьи, мучительным приготовлением, сознанием, что здесь человек употребляется как средство, чтобы устрашить других. Ибо вина не наказывается, даже если бы вообще существовала вина: она лежит на воспитателях, родителях, на окружающей среде, на нас самих, а не на преступнике – я имею в виду побудительные причины.
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Надежда. Пандора принесла ларец с бедствиями и открыла его. То был подарок богов людям, по внешности прекрасный, соблазнительный дар, называвшийся «ларцом счастья». И вот из него вылетели все бедствия, живые крылатые существа; с тех пор они кружат вокруг нас и денно и нощно причиняют людям вред. Одно зло еще не успело выскользнуть из ларца, как Пандора по воле Зевса захлопнула крышку, и оно осталось там. Отныне у человека в доме навеки есть ларец счастья, и он мнит, что в нем обладает каким-то необычайным сокровищем; оно всегда к его услугам, и он пользуется им, когда захочет, ибо он не знает, что этот ларец, принесенный Пандорой, был ларцом зла, и считает оставшееся зло за величайшее благо и счастье – это и есть надежда. – А именно, Зевс хотел, чтобы человек, сколько бы его ни мучили иные бедствия, не бросал жизни, а всегда вновь давал бы себя мучить. Для этого он дал человеку надежду: она в действительности есть худшее из зол, ибо удлиняет мучение людей.
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Мера моральной возбудимости неизвестна. От того, испытал ли человек известные потрясающие зрелища и впечатления или нет, например впечатление от убийства или мученичества несправедливо осужденного отца, неверности жены, жестокого вражеского нападения, зависит, дойдут ли наши страсти до раскаленного состояния и будут ли они управлять всей нашей жизнью или нет. Никто не знает, куда могут повлечь его обстоятельства, сострадание, негодование, – никто не знает степени своей возбудимости. Жалкие мелкие условия делают человека жалким; обыкновенно не количеством переживаний, а их качеством определяется низость и значительность человека в добре и зле.
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Мученик против воли. В одной партии был человек, слишком робкий и трусливый, чтобы когда-либо противоречить своим товарищам; его использовали для всяких услуг, от него добивались всего, потому что дурного мнения своих товарищей он боялся больше, чем смерти; то была жалкая, слабая душа. Они поняли это и, опираясь на указанные качества, сделали из него героя и под конец даже мученика. Хотя трусливый человек внутренне всегда говорил «нет», он устами всегда говорил «да», даже и на эшафоте, когда умирал за воззрения своей партии: ибо рядом с ним стоял один из его старых товарищей, который словом и взором так тиранизировал его, что он действительно весьма достойно встретил смерть и с тех пор чествуется как мученик и великий характер.
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Повседневное мерило. Редко ошибешься, если исключительные поступки будешь объяснять тщеславием, посредственные – привычкой и мелкие – страхом.
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Недоразумение относительно добродетели. Кто изведал безнравственное в соединении с наслаждением – как человек, имевший сластолюбивую юность, – тот воображает, что добродетель должна быть связана со страданием. Кого, напротив, сильно терзали его страсти и пороки, тот мечтает найти в добродетели покой и душевное счастье. Поэтому возможно, что два добродетельных человека совсем не понимают друг друга.
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Аскет. Аскет делает из добродетели нужду.
77
Честь, перенесенная с лица на дело. Люди почитают вообще действия любви и самопожертвования в пользу ближнего во всяком их проявлении. Этим повышается оценка вещей, которые пользуются такого рода любовью или ради которых люди жертвуют собой, хотя сами по себе они, быть может, и не стоят многого. Храброе войско убеждает нас в пользе дела, за которое оно борется.
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Честолюбие как суррогат нравственного чувства. Нравственное чувство не должно отсутствовать в людях, которые лишены честолюбия. Честолюбивые же обходятся и без него почти с тем же успехом. – Поэтому дети скромных, несклонных к честолюбию семей, раз потеряв нравственное чувство, обыкновенно быстро вырождаются в законченных подлецов.
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Тщеславие обогащает. Как беден был бы человеческий дух без тщеславия! Теперь же он подобен изобилующему товарами и постоянно пополняющемуся магазину, который привлекает покупателей всякого рода: почти все они могут найти в нем и получить, если только приносят с собой ходячую монету (восхищение).
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Старец и смерть. Если отвлечься от требований, которые ставит религия, то позволительно спросить: почему для состарившегося человека, ощущающего упадок сил, должно быть достойнее терпеть свое медленное истощение и разрушение, чем совершенно сознательно положить ему конец? Самоубийство есть в этом случае вполне естественное и напрашивающееся само собою действие, которое, как победа разума, должно было бы возбуждать наше уважение; и оно действительно возбуждало его в те времена, когда старейшины греческой философии и храбрейшие римские патриоты имели обыкновение умирать через самоубийство. Напротив, стремление посредством боязливого совещания с врачами и мучительнейшего образа жизни влачить существование изо дня в день, не имея силы приблизиться к подлинной цели жизни, заслуживает гораздо меньшего уважения. – Религии богаты всякими уловками против требования самоубийства; этим они вкрадываются в доверие тех, кто влюблен в жизнь.
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Ошибки страдающего и деятеля. Когда богатый отнимает собственность бедного (например, властитель – возлюбленную плебея), то в сознании бедного возникает ошибка; он полагает, что его обидчик должен быть совершенным извергом, чтобы отнять у него то малое, что только и есть у него. Но богатый ощущает ценность отдельного блага совсем не так сильно, ибо он привык иметь их много; поэтому он вовсе не может перенестись в душу бедного и далеко не так несправедлив, как думает последний. Оба имеют друг о друге ложное представление. Несправедливость могущественных, которая больше всего возмущает в истории, совсем не так велика, как кажется. Уже унаследованное чувство, что он есть высшее существо с более высокими притязаниями, делает его довольно холодным и оставляет его совесть спокойной; ведь даже все мы не ощущаем никакой несправедливости, когда различие между нами и другим существом очень велико, и, например, убиваем комара без всяких угрызений совести. Поэтому когда Ксеркс отнимает сына у отца и велит разрубить его на части, потому что он выразил трусливое и недопустимое недоверие ко всему походу, то это не свидетельствует о дурных качества Ксеркса (которого даже все греки изображают как исключительно благородного человека): отдельный человек устраняется в этом случае, как неприятное насекомое; он стоит слишком низко, чтобы иметь право возбуждать тяжелые ощущения у властителя мира. И вообще жестокий человек жесток не в такой степени, как это думает его жертва; представлять страдание – не то же самое, что испытывать его. Так же обстоит дело с несправедливым судьей, с журналистом, который мелкими нечестностями вводит в обман общественное мнение. Причина и действие во всех этих случаях окружены совершенно различными группами чувств и мыслей, тогда как непроизвольно предполагают, что страдающий и деятель думают и чувствуют одинаково, и, согласно этому допущению, измеряют вину одного по страданию другого.
82
Кожа души. Подобно тому как кости, мускулы, внутренности и кровеносные сосуды окружены кожей, которая делает выносимым вид человека, так и побуждения и страсти души прикрыты тщеславием: оно есть кожа души.
83
Сон добродетели. Когда добродетель выспится, она встает более свежей.
84
Тонкость стыда. Люди не стыдятся думать что-нибудь грязное, но стыдятся, когда предполагают, что им приписывают эти грязные мысли.
85
Злоба редка. Большинство людей слишком заняты самими собой, чтобы быть злобными.
86
Стрелка весов. Мы хвалим или порицаем, смотря по тому, дает ли нам то или другое большую возможность обнаружить блеск нашего ума.
87
Лук. 18, 14 в исправленном виде. Кто унижает себя самого, тот хочет быть возвышенным.
88
Препятствование самоубийству. Существует право, по которому мы можем отнять у человека жизнь, но нет права, по которому мы могли бы отнять у него смерть; это есть только жестокость.
89
Тщеславие. Нам важно хорошее мнение людей, во-первых, потому что оно нам полезно, и, во-вторых, потому что мы хотим доставить им радость (дети – родителям, ученики – учителям и благожелательные люди – вообще всем остальным людям). Лишь там, где кому-либо важно хорошее мнение людей независимо от пользы или от его желания доставить радость, мы говорим о тщеславии. В этом случае человек хочет доставить радость самому себе, но за счет других людей, либо склоняя последних к ложному мнению о себе, либо даже рассчитывая на такую степень «хорошего мнения», при которой оно должно стать в тягость всем остальным (посредством возбуждения зависти). Отдельный человек обыкновенно хочет подтвердить мнением других мнение, которое он имеет о себе, и укрепить его в своих собственных глазах; но могущественная привычка к авторитету – привычка, которая так же стара, как человек, – заставляет многих основывать собственную веру в себя на авторитете, т. е. получать ее лишь из чужих рук: они доверяют суждению других больше, чем собственному суждению. – Интерес к самому себе, желание доставить себе удовольствие достигают у тщеславного такой высоты, что он склоняет других к ложной, преувеличенной оценке себя самого и затем все-таки опирается на чужой авторитет, т. е. он вводит в заблуждение и все же сам верит в него. – Итак, нужно признаться, что тщеславные люди хотят нравиться не столько другим, сколько самим себе, и что они заходят в этом так далеко, что даже пренебрегают своими выгодами: ибо им часто важно сделать своих ближних неблагосклонными, враждебными, завистливыми, т. е. настроить их на невыгодный для себя лад, только чтобы иметь радость и наслаждение от самих себя.
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Граница человеколюбия. Всякий, кто объявляет, что кто-либо другой есть глупец или дурной человек, сердится, если последнему удается показать, что он на самом деле не таков.
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Moralite larmoyante. Сколько удовольствия доставляет нравственность! Подумайте только о том море приятных слез, которое уже текло при рассказах о благородных, великодушных поступках! – Эта прелесть жизни исчезла бы, если бы распространилась вера в полную безответственность.
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Происхождение справедливости. Справедливость (правомерность) возникает первоначально среди приблизительно одинаково могущественных, как это правильно понял Фукидид (в ужасном разговоре афинских и мелосских послов); где нет точно различимого превосходства в силе и борьба привела бы к бесплодному обоюдному вреду, там возникает мысль о соглашении и об обсуждении взаимных притязаний: первоначальный характер справедливости есть характер обмена. Каждый удовлетворяет другого тем, что каждый получает то, что он больше ценит, чем другой. Каждому дают, что он хочет иметь, как принадлежащее отныне ему, и получают взамен желаемое. Справедливость есть, следовательно, воздаяние и обмен при условии приблизительного равенства сил; так, первоначально месть принадлежит к области справедливости, она есть обмен. Так же и благодарность. – Справедливость естественно сводится к точке зрения рассудительного самосохранения, т. е. к следующему эгоистическому соображению: «Зачем я буду бесполезно вредить себе и при этом все же, быть может, не достигну своей цели?» – Таково происхождение справедливости. Благодаря тому, что люди, в силу своей интеллектуальной привычки, забыли первоначальную цель так называемых справедливых, правомерных поступков, и особенно благодаря тому, что в течение тысячелетий дети приучались восторгаться такими поступками и подражать им, – возникла видимость, будто справедливый поступок не эгоистичен. На этой видимости же покоится его высокая оценка, которая, сверх того, как все оценки, еще продолжает беспрерывно расти; ибо все высоко ценимое является предметом самоотверженного стремления, подражания, распространения и растет потому, что ценность затраченного усилия и усердия присчитывается еще каждым отдельным человеком к ценности почитаемой вещи. – Сколь мало нравственным выглядел бы мир без забывчивости! Поэт мог бы сказать, что Бог поставил забвение как стража у порога храма человеческого достоинства.
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Право слабейшего. Когда кто-либо подчиняется более могущественному противнику, выговаривая при этом условия (например, осажденный город), то это основано на том, что в противном случае можно уничтожить себя, сжечь город и тем причинить могущественному большой ущерб. Поэтому здесь возникает некоторого рода равенство положения, на почве которого могут быть установлены права. Противник имеет выгоду от нашего сохранения. – В этом смысле существуют права в отношениях между рабами и господами, именно в той мере, в какой владение рабами полезно и важно господину. Право первоначально совпадает со случаем, когда кто-либо кажется другому ценным, важным, необходимым, непобедимым и т. п. В этом отношении и слабейший имеет еще права, но меньшие. Отсюда знаменитое unusquisque tantumjuris habet, quantum potentia valet (или, точнее: quantum potentia valere creditur).
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Три фазы доселе известной нравственности. Первым признаком, что зверь стал человеком, является то, что его действия направлены уже не на благополучие данного мгновения, а на длительное благосостояние, т. е. человек становится полезным, целесообразным: тут впервые прорывается наружу свободное господство разума. Еще более высокая ступень достигнута, когда он начинает действовать на основании принципа чести; с его помощью он включает себя в круг господствующих чувств и подчиняет себя им, и это высоко поднимает его над фазой, в которой им руководила только лично понимаемая полезность; он почитает и хочет быть почитаемым, а это значит: он понимает зависимость своей пользы от того, что он думает о других и что другие думают о нем. Наконец, на высшей ступени доселе известной нравственности он действует на основании собственной оценки вещей и людей; он сам определяет для себя и других, что достойно и что полезно; он стал законодателем мнений, соответственно все более развивающемуся понятию полезного и достойного. Познание дает ему возможность предпочитать самое полезное, т. е. общую длительную пользу, своей личной пользе, всеобщее и длительное уважение – временному признанию; он живет и действует как индивид коллектива.
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Мораль зрелой личности. До сих пор подлинным признаком морального действия считалась его безличность; и доказано, что мотивом, по которому хвалили и одобряли безличные действия, была вначале их связь с общей пользой. Не предстоит ли существенное изменение этих взглядов теперь, когда все лучше начинают понимать, что именно наиболее личные мотивы полезнее всего и для общего блага; так что именно строго личное поведение соответствует современному понятию моральности (как общеполезности)? Создать из себя цельную личность и во всем, что делаешь, иметь в виду ее высшее благо — это дает больше, чем сострадательные побуждения и действия ради других. Правда, все мы еще страдаем от недостаточного внимания к личному в нас, оно плохо развито – признаемся в этом; наше чувство, напротив, насильно отвлекли от него и отдали в жертву государству, науке, всему нуждающемуся, как будто это личное было чем-то дурным, что должно быть принесено в жертву. Теперь мы тоже хотим трудиться для наших ближних, но лишь постольку, поскольку мы находим в этой работе нашу высшую пользу – не более и не менее. Все сводится лишь к тому, что человек считает своей пользой; именно незрелая, неразвитая, грубая личность будет понимать ее грубее всего.
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Нравы и нравственность. Быть моральным, нравственным, этичным – значит оказывать повиновение издревле установленному закону или обычаю. При этом безразлично, подчиняются ли ему насильно или охотно, – существенно только, что это вообще делают. «Хорошим» называют всякого, кто как бы по прирожденному, унаследованному инстинкту, т. е. легко и охотно, делает то, что считается нравственным, например мстит, если мщение, как у греков в более раннюю эпоху, принадлежит к добрым нравам. Его называют хорошим, потому что он хорош «для чего-нибудь»; но так как благожелательность, сострадание и т. п. при всех изменениях нравов всегда ощущались как «хорошее для чего-нибудь», т. е. как полезное, то теперь называют «хорошим» преимущественно благожелательного, любвеобильного человека. Быть дурным – значит быть «ненравственным» (безнравственным), чинить безнравье, восставать против обычая, все равно, разумен ли он или глуп; но нанесение вреда ближнему ощущалось всеми нравственными законами преимущественно как нечто вредное, так что теперь при слове «злой» мы главным образом думаем об умышленном нанесении вреда ближнему. Не «эгоистическое» и «неэгоистическое» есть основная противоположность, которая привела людей к различению между нравственным и безнравственным, между добром и злом, а связанность традиционным законом и отрешение от него. При этом совершенно безразлично, как возникла традиция, и во всяком случае она возникла вне отношения к добру и злу и к какому-либо имманентному категорическому императиву, а прежде всего в интересах сохранения общины, народа; любой суеверный обычай, возникший вследствие ложно истолкованного случая, создает традицию, следовать которой признается нравственным; дело в том, что нарушить ее опасно, вредно для общины еще более, чем для отдельного человека (ибо божество карает за нечестие и нарушение своих прав всю общину и лишь через нее косвенно – отдельную личность). Но всякая традиция становится тем более почитаемой, чем древнее ее происхождение, чем более оно забыто; ее почитание накопляется от поколения к поколению, традиция под конец становится священной и возбуждает благоговение; и, таким образом, мораль почитания во всяком случае древнее, чем мораль, требующая неэгоистических поступков.
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Удовольствие от обычая. Значительный род удовольствия и тем самым источник нравственности возникает из привычки. Привычное делают легче, лучше, следовательно, охотнее, при этом испытывают удовольствие и знают из опыта, что привычное уже испытано, т. е. полезно; обычай, с которым можно жить, свидетельствует о своей целебности, благодетельности, в противоположность всяким новым, еще не испытанным приемам. Обычай представляет, следовательно, соединение приятного с полезным и вдобавок не требует размышления. Где только человек может употребить принуждение, он применяет его, чтобы внедрить и укрепить свои обычаи, ибо для него они суть испытанная жизненная мудрость. Точно так же союз людей вынуждает каждого отдельного члена следовать одному и тому же обычаю. Тут имеет место ложное заключение: так как с известным обычаем чувствуешь себя хорошо или так как по крайней мере с его помощью сохраняешь существование, то этот обычай необходим, ибо он считается единственной возможностью благополучной жизни; чувство удовлетворения жизнью как бы возникает только из него. Это понимание привычного как условия бытия проводится до мельчайших деталей нравов; поскольку знание действительных причинных связей среди низко стоящих народов и культур очень невелико, то люди с суеверным страхом озабочены, чтобы все шло своим привычным порядком; даже если обычай тяжел, суров, обременителен, он соблюдается ради своей мнимой высшей полезности. Не понимают, что та же степень благополучия может существовать и при других нравах и что даже достижимы большие степени его. С другой стороны, ясно сознается, что все обычаи, даже самые суровые, с течением времени становятся приятнее и мягче и что даже самый строгий образ жизни может стать привычкой и тем самым – удовольствием.
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Удовольствие и социальный инстинкт. Из своих отношений к людям человек извлекает новый род удовольствия, вдобавок к тем приятным ощущениям, которые он получает от самого себя, благодаря чему область приятных ощущений вообще значительно возрастает. Быть может, кое-что относящееся сюда он унаследовал уже от животных, которые явно испытывают удовольствие, когда играют друг с другом, особенно матери с детенышами. Затем надо вспомнить о половых отношениях, которые делают каждую самку интересной для каждого самца в отношении удовольствия, и обратно. Чувство удовольствия на почве человеческих отношений делает человека в общем лучше; общая радость, совместно пережитое удовольствие повышают последнее, дают отдельному человеку прочность, делают его добродушнее, отнимают недоверие и зависть: ибо человек чувствует себя хорошо и видит, что и другие так же себя чувствуют. Однородные проявления удовольствия возбуждают фантазию сочувствия, сознание одинаковости людей; тот же эффект производят общие страдания, одни и те же непогоды, опасности, враги. На этом создается древнейший союз между людьми; смысл его сводится к общему устранению или противодействию грозящей опасности в интересах каждого отдельного человека. И таким образом, социальный инстинкт вырастает из удовольствия.
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Невинное в так называемых злых действиях. Все «злые» действия мотивированы инстинктом самосохранения или, еще точнее, стремлением к удовольствию и к предупреждению страдания индивида; но, будучи так мотивированы, они не суть злые действия. «Причинение страданий само по себе» не существует, кроме как в мозгу философа, и столь же мало существует «причинение удовольствия само по себе» (сострадание в шопенгауэровском смысле). В догосударственном состоянии мы убиваем существо – будь то обезьяна или человек, – которое срывает на наших глазах плод с дерева, когда мы голодны и сами стремимся к дереву, – как бы мы это сделали с животными еще и теперь при путешествии по пустынным местностям. – Злые действия, которые возмущают нас теперь больше всего, связаны с заблуждением, что другой, который совершает их против нас, обладает свободной волей, т. е. что от его усмотрения зависело не причинить нам этого зла. Эта вера в усмотрение возбуждает ненависть, жажду мести, злокозненность, всю озлобленность воображения. Тогда как на животное мы гневаемся гораздо меньше, потому что рассматриваем его как безответственное существо. Причинять страдание не из инстинкта самосохранения, а ради возмездия – есть следствие ложного суждения и потому тоже невинно. Отдельный человек в состоянии, предшествующем государству, может ради устрашения вести себя сурово и жестоко в отношении других существ, чтобы такими устрашающими знаками своего могущества обеспечить свое существование. Так поступает насильник, могущественный человек, первоначальный основатель государства, который подчиняет себе более слабых. Он имеет право на это, как еще и теперь государство признает за собой это право, или, точнее говоря: нет права, которое могло бы воспрепятствовать ему в этом. Почва для всякой нравственности может быть расчищена лишь тогда, когда более крупный индивид или коллективный индивид, например общество, государство, подчиняет отдельных людей, т. е. устраняет их разъединенность и включает их в союз. Нравственности предшествует принуждение, и даже она сама еще некоторое время есть принуждение, которому подчиняются во избежание страданий. Позднее она становится обычаем, еще позднее – свободным повиновением и, наконец, почти инстинктом; тогда она, как все издавна привычное и естественное, связана с удовольствием – и называется добродетелью.
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Стыд. Стыд существует всюду, где есть «таинство»; последнее же есть религиозное понятие, которое в древнюю пору человеческой культуры имело большой объем. Всюду существовали замкнутые области, к которым божественное право запрещало доступ, за исключением точно определенных условий; сначала в чисто пространственном смысле: известных мест не должна была касаться нога непосвященных, и близость их возбуждала трепет и ужас. Это чувство нередко переносится на разные иные области, например на половые отношения, которые в качестве привилегии и адитона более зрелого возраста должны были быть скрыты от взоров юношества, ко благу последнего; в охране и соблюдении святости этих отношений участвуют многие божества, которые мыслились как стражи супружеской опочивальни. (По-турецки это помещение поэтому называется «гаремом», «святилищем», т. е. обозначается тем же словом, что и преддверие мечети.) Так и царская власть в качестве центра, излучающего блеск и могущество, является для подчиненных таинством, возбуждающим трепет загадочности и стыдливости. Точно так же весь мир внутренних состояний, так называемая «душа». Еще и теперь есть для всех не-философов таинство, после того как в течение долгих эпох считалось, что душа имеет божественное происхождение и достойна общения с богами: она есть, таким образом, адитон и возбуждает стыд.
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Не судите. Нужно остерегаться, чтобы при изучении прошедших эпох не впасть в несправедливую брань. Несправедливость рабства, жестокость в подчинении личностей и народов нельзя измерять нашей мерой. Ибо в те времена инстинкт справедливости еще не достиг современного развития. Кто имеет право упрекнуть женевца Кальвина в сожжении врача Сервета! Это был последовательный поступок, вытекавший из его убеждений, и точно так же инквизиция, со своей точки зрения, была права; лишь господствовавшие мнения были ложны и имели следствия, которые кажутся жестокими, потому что эти мнения стали нам чуждыми. Впрочем, что значит сожжение одного человека по сравнению с муками ада почти для всех! И все же это представление владело тогда миром, причем его неизмеримо большая жестокость не наносила существенного ущерба представлению о Боге. И у нас политические сектанты наказываются жестоко и сурово; но так как мы приучились верить в необходимость государства, то здесь мы не ощущаем жестокости так сильно, как в тех случаях, где мы отвергаем соответствующие воззрения. Жестокость в отношении животных у детей и итальянцев сводится к непониманию: животному именно в силу интересов церковного учения было отведено слишком далекое место позади человека. – Многое ужасное и бесчеловечное в истории, что кажется почти немыслимым, смягчается также тем, что отдающий приказание и выполняющий его суть различные лица: первый не видит зрелища мучений и потому не имеет сильного наглядного впечатления, последний повинуется начальнику и не чувствует за собой никакой ответственности. Большинство правителей и военачальников благодаря отсутствию у них воображения легко кажутся жестокими и суровыми, не будучи в действительности таковыми. – Эгоизм не есть зло, потому что представление о «ближнем» – это слово имеет христианское происхождение и не соответствует истине – в нас весьма слабо, так что в отношении ближнего мы чувствуем себя свободными и безответственными, почти как в отношении растения и камня. Что другой страдает – этому надо учиться’, и вполне этому никогда нельзя научиться.
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«Человек поступает всегда хорошо». Мы не обвиняем природу в безнравственности, когда она ниспосылает нам грозу и заставляет нас промокнуть до нитки; почему же мы называем безнравственным человека, который причиняет нам вред? Потому что здесь мы принимаем произвольно действующую свободную волю, там же – необходимость. Но это различение ошибочно. Далее: даже намеренное нанесение вреда мы не при всех условиях называем безнравственным; например, мы без колебаний, сознательно убиваем комара просто потому, что его жужжание нам неприятно, мы сознательно наказываем преступника и причиняем ему страдания, чтобы защитить себя самих и общество. В первом случае сознательно причиняет страдание личность, чтобы сохранить себя или даже просто чтобы избегнуть неприятности; во втором случае это делает государство. Всякая мораль допускает намеренное нанесение вреда при необходимой самообороне— т. е. когда дело идет о самосохранении. Но обе эти точки зрения достаточны, чтобы объяснить все злые действия, совершаемые людьми против людей: человек хочет получить удовольствие или избегнуть страдания; в каком-либо смысле дело всегда идет о самосохранении. Сократ и Платон правы: что бы человек ни делал, он всегда поступает хорошо, т. е. делает то, что кажется ему хорошим (полезным), смотря по развитию его интеллекта, по степени его разумности.
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Невинное в злобе. Злоба имеет своею целью не страдание другого человека само по себе, а наше собственное наслаждение, например наслаждение чувством мести или сильным нервным возбуждением. Уже каждый случай, когда мы дразним кого-то, показывает, что нам доставляет удовольствие испытывать нашу силу на другом и приобретать радостное чувство собственного превосходства. Состоит ли безнравственное в том, чтобы получать удовольствие от страдания других? Есть ли злорадство – дьявольское чувство, как говорит Шопенгауэр? Но мы наслаждаемся среди природы ломанием ветвей, бросанием камней, борьбой с дикими зверями, и притом именно чтобы сознавать свою силу. Следовательно, знание того, что другой страдает от нас, должно здесь обусловливать безнравственность того самого дела, в отношении которого мы в других случаях чувствуем себя безответственными? Но если бы мы этого не знали, то мы не имели бы и наслаждения от собственного превосходства – наслаждения, которое только и узнается по страданию другого, как когда мы дразним кого-либо. Всякое удовольствие само по себе не хорошо и не дурно; откуда же берется определение, что нельзя причинять страдания другим, чтобы таким образом получать удовольствие от самого себя? Только из соображений пользы, т. е. имея в виду последствия, возможное страдание, когда можно ожидать кары или мести от потерпевшего или от замещающего его государства – лишь эти соображения могли первоначально дать основание отказаться от таких действий. – Сострадание столь же мало имеет своей целью удовольствие другого человека, как злоба – его страдание само по себе. Ибо оно таит в себе по меньшей мере два элемента (а может быть, и более) личного удовольствия и, таким образом, является самонаслаждением: во-первых, удовольствие от эмоции – таково сострадание в трагедии – и, во-вторых, поскольку оно влечет к действию, удовольствие удовлетворения от обнаружения силы. Если к тому же страдающая личность нам особенно близка, то, практикуя сострадание, мы освобождаем себя самих от страдания. – За вычетом нескольких философов, люди всегда ставили сострадание довольно низко в иерархии моральных чувств – и вполне справедливо.
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Необходимая самооборона. Если вообще признавать необходимую самооборону морально допустимой, то нужно допустить также почти все проявления так называемого безнравственного эгоизма: человек причиняет страдания, грабит или убивает, чтобы сохранить или оберечь себя, чтобы предупредить личную невыгоду; человек лжет, когда хитрость и обман являются верными средствами к самосохранению. Намеренное нанесение вреда, когда дело идет о нашем существовании или обеспечении (сохранении нашего благополучия). Допускается моралью; само государство наносит вред с этой точки зрения, налагая наказания. В ненамеренном нанесении вреда, конечно, не может быть ничего безнравственного – тут властвует случай. Но существует ли вид намеренного нанесения вреда, где дело не шло бы о нашем существовании, о сохранении нашего благополучия? Существует ли нанесение вреда из чистой злобы, например в случае жестокости? Когда человек не знает, что его действие причиняет страдание, то это не есть злое действие; так, ребенок не жесток и не зол в отношении животного: он исследует и разрушает его, как свою игрушку. Но знает ли кто когда-либо, в какой мере его действие причиняет страдание другому? В пределах собственной нервной системы мы остерегаемся страданий; если бы она простиралась дальше, именно вплоть до наших ближних, то мы никому не причиняли бы страдания (за исключением тех случаев, где мы причиняем страдания самим себе, например, когда мы режем себя ради исцеления или трудимся и напрягаемся ради сохранения здоровья). Мы заключаем по аналогии, что нечто приносит боль другому, и благодаря воспоминанию и силе воображения сами можем при этом чувствовать себя нехорошо. Но какая разница остается все же между зубной болью и болью (состраданием), которую вызывает вид зубной боли. Итак, при нанесении вреда из так называемой злобы мера причиняемого страдания нам во всяком случае неизвестна; а поскольку действие приносит удовольствие (чувство собственной силы, собственного сильного возбуждения), действие совершается, чтобы сохранить благополучие личности, и тем самым подпадает под точку зрения, близкую к оценке необходимой самообороны и необходимой лжи. Без удовольствия нет жизни; борьба за удовольствие есть борьба за жизнь. Ведет ли отдельный человек эту борьбу так, что люди называют его добрым, или так, что они называют его злым, – это определяется мерой и устройством его интеллекта.
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Вознаграждающая справедливость. Кто сполна постиг учение о совершенной безответственности, тот совсем не может подвести так называемую карающую и вознаграждающую справедливость под понятие справедливости – если последняя должна состоять в том, чтобы воздавать каждому свое. Ибо тот, кто наказывается, не заслуживает наказания: он употребляется лишь как средство, чтобы отпугнуть других от совершения впредь известных действий; и точно так же тот, кто вознаграждается, не заслуживает этой награды: он не мог поступить иначе, чем поступил. Следовательно, награда имеет значение лишь как поощрение его и других, т. е. как мотив для дальнейших действий; одобрительные возгласы посылаются тому, кто еще участвует в скачке, а не тому, кто уже достиг цели. Ни награда, ни наказание не есть что-либо заслуженное самим человеком; они назначаются ему из соображений пользы, без того, чтобы он мог по справедливости притязать на них. Нужно сказать: «Мудрый не награждает за хороший поступок» – по аналогии с изречением: «Мудрый наказывает не за дурной поступок, а для того, чтобы впредь не поступали дурно». Если бы отпали награда и наказание, то отпали бы сильнейшие мотивы, которые влекут к известным действиям и отвлекают от других; польза людей требует их сохранения; и поскольку наказание и награда, порицание и похвала сильнее всего действуют на тщеславие, та же польза требует и сохранения тщеславия.
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У водопада. Когда мы смотрим на водопад, нам кажется, что в бесчисленных изгибах, извивах и преломлениях волн видно присутствие свободы воли и произвола; на самом деле все необходимо, каждое движение может быть математически вычислено. Так обстоит дело и с человеческими поступками: будь мы всеведущими, мы могли бы наперед вычислить каждый поступок, каждый успех познания, каждое заблуждение, каждое злое дело. Сам действующий, правда, погружен в иллюзию произвола; если бы на одно мгновение колесо мира остановилось и имелся бы всеведущий разум, чтобы использовать эту остановку, то он смог бы предсказать нам будущность каждого существа вплоть до самых отдаленных эпох и наметить каждую колею, по которой еще должно катиться это колесо. Самообман действующего, допущение свободы воли принадлежат к числу данных при вычислении этого механизма.
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Безответственность и невинность. Совершенная безответственность человека за его действия и за его существо есть горчайшая капля, которую должен проглотить познающий, если он привык считать ответственность и долг охранной грамотой своей человечности. Все его оценки, отличия, антипатии обесценены этим и признаны ложными; глубочайшее чувство, которое он питал к страдальцу и герою, было жертвой заблуждения; он не имеет права ни хвалить, ни порицать, ибо нелепо хвалить и порицать природу и необходимость. Как он смотрит на хорошее произведение искусства, любя его, но не хваля, потому что оно не отвечает за себя, как он смотрит на растение, так должен он смотреть на человеческие поступки и на свои собственные поступки. Он может восхищаться их силой, красотой, полнотой, но не имеет права находить в них какие-либо заслуги: химический процесс и борьба элементов, мучения больного, жаждущего выздоровления, содержат столь же мало заслуги, как и состояния душевной борьбы и нужды, когда человек раздирается различными мотивами, пока наконец он не решится в пользу сильнейшего – как обыкновенно говорится (на самом же деле пока сильнейший мотив не решит нашей участи). Но все эти мотивы, какие бы высокие названия мы им ни давали, выросли из тех же корней, которые мы считаем вместилищем злых ядов; между добрыми и злыми поступками нет родового различия, а разве только различие в степени. Хорошие поступки суть утонченные дурные; дурные поступки суть те же хорошие поступки в более грубом и глупом виде. Единственное стремление личности к самонаслаждению (включая сюда страх его утраты) удовлетворяется при всех условиях, как бы человек ни поступал, – т. е. как бы он ни был вынужден поступать: оно удовлетворяется и в действиях тщеславия, мести, наслаждения, пользы, злобы, хитрости, и в действиях самопожертвования, сострадания, познания. Мера рассудительности определяет, куда кого повлечет это стремление; каждому обществу, каждой личности всегда дана шкала ценности благ, по которой они определяют свои действия и оценивают чужие. Но это мерило постоянно изменяется, многие действия получают название злых, будучи только глупыми, ибо степень разумности, которою они определены, была весьма низкой. В известном смысле еще и теперь все действия глупы, ибо высшая степень человеческой разумности, которая может быть теперь достигнута, несомненно, будет еще превзойдена; и тогда ретроспективному взору все паши поступки и суждения будут видеться столь же ограниченными и необдуманными, сколь ограниченными и необдуманными представляются нам поступки и суждения диких народов. – Постигнуть все это – значит ощутить глубокую боль, но затем это приносит и утешение: такая боль есть мука родов. Бабочка хочет прорваться сквозь свою пелену, она гложет и разрывает ее – и вот ее ослепляет и туманит непривычный свет, царство свободы. В лице людей, способных на эту печаль, – а как мало таких людей! – делается первый опыт, может ли человечество из морального превратиться в мудрое человечество. Солнце нового Евангелия бросает свой первый луч на высочайшие вершины в душе этих людей; тогда туманы сгущаются сильнее прежнего и рядом лежат полосы самого яркого света и самых темных сумерек. Все необходимо – так говорит новое познание; и само это познание тоже необходимо. Все невинно; и познание есть путь к уяснению этой невинности. Если наслаждение, эгоизм, тщеславие необходимы для созидания моральных явлений и для их высшего плода – восприятия истинности и справедливости познания, – если заблуждение и ошибки фантазии были единственным средством, с помощью которого человечество могло постепенно возвыситься до такой степени самоозарения и самоискупления, – кто имеет право презирать эти средства? Кто может быть печальным, узрев цель, к которой ведут эти пути? Правда, все в области морали не вечно, изменчиво, шатко, все течет – но все также объемлется потоком, который движется к единой цели. Пусть в нас продолжает еще господствовать унаследованная привычка к ложным оценкам, к ложной любви и ненависти, но под влиянием растущего познания она станет слабее: новая привычка – привычка понимания, воздержания от любви и ненависти, привычка созерцания – постепенно вырастает в нас на той же почве и, может быть, через несколько тысячелетий будет достаточно могущественна, чтобы дать человечеству силу столь же правильно созидать мудрого, невинного (сознающего свою невинность) человека, как она теперь созидает неумного, несправедливого, сознающего свою греховность человека – ибо последний есть не противоположность первого, а подготовительная ступень к нему.
Отдел третий: Религиозная жизнь
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Двойная борьба со злом. Когда нас постигает бедствие, то его можно одолеть либо устранением его причины, либо изменением действия, которое оно оказывает на наше сознание, – т. е. истолкованием его как блага, польза которого, быть может, уяснится нам позднее. Религия и искусство (равно как метафизическая философия) пытаются воздействовать на изменение сознания, отчасти через изменение нашего суждения о переживании (например, с помощью положения: «кого Бог любит, того Он и наказывает»), отчасти через пробуждение наслаждения скорбью и вообще эмоцией (что образует исходную точку трагического искусства). Чем более человек склонен перетолковывать бедствие и приспособляться к нему, тем менее он способен усмотреть причины бедствия и устранить их; временное смягчение боли и наркотизация, которыми обыкновенно пользуются, например, при зубной боли, удовлетворяют его и при более серьезных страданиях. Чем более падает господство религий и всякого рода наркотических искусств, тем основательнее люди обращают внимание на действительное устранение бедствий; правда, это наносит ущерб сочинителям трагедий: ибо материал для трагедии все сокращается, так как область неумолимого и неотвратимого рока все больше сужается, – и еще вреднее это для священнослужителей: ибо они доселе жили наркотизацией человеческих бедствий.
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Скорбь есть познание. Как хорошо было бы, если бы ложные утверждения священнослужителей, будто существует Бог, который требует от нас добра, есть страж и свидетель каждого поступка, каждого мгновения, каждой мысли, который нас любит и через все несчастья ведет нас к лучшему, – если бы эти утверждения можно было заменить истинами, которые были бы столь же целебны, успокоительны и утешительны, как подобные заблуждения! Но таких истин не существует; философия может противопоставить здесь в лучшем случае опять-таки метафизические видимости (т. е., в сущности, тоже не истины). Но трагедия состоит в том, что в эти догмы религии и метафизики нельзя верить, если соблюдать в сердце и голове строгий метод истины; и, с другой стороны, благодаря развитию человечества мы стали столь нежными, раздражительными и чувствительными к страданию, что нуждаемся в сильнейших средствах исцеления и утешения; отсюда возникает опасность, что человек может истечь кровью от познания истины. Это выражает Байрон в бессмертных стихах:
Sorrow is knowledge: they who know the most
Must mourn the deepest o'er the fatal truth,
The tree of knowledge is not that of life.
Против такой печали нет лучшего средства, как обратиться к торжественному легкомыслию Горация, по крайней мере в самые тяжелые часы душевного затмения, и вместе с ним сказать себе:
Quid aeternis minorem
Consiliis animumm fatigas?
Cur non sub alta velplatano vel hac
Pinu jacentes
Но во всяком случае легкомыслие или меланхолия всякого рода лучше, чем романтическая реакция и дезертирство – возврат к христианству в какой-либо форме: ибо с ним, при современном состоянии знаний, абсолютно невозможно согласиться, не запятнав навсегда своей интеллектуальной совести и не пожертвовав ею перед лицом самого себя и других. Пусть эта скорбь мучительна, но без скорби нельзя стать вождем и воспитателем человечества; и горе тому, кто хотел бы стремиться к этому и уже не имел бы чистой совести.
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Истина в религии. В эпоху Просвещения значение религии не было справедливо оценено – в этом нет сомнения; но точно так же бесспорно, что в последующей реакции на просветительские идеи человечество опять-таки значительно уклонилось от справедливости, относясь с религиям с любовью, даже с влюбленность и усматривая в них более глубокое, а иногда и глубочайшее понимание мира; науке будто бы нужно только освободить это понимание от его догматического покрывала, чтобы обладать в мифической форме самой «истиной». Полагают – таково утверждение всех противников Просвещения, – что религии содержат, sensu allegorico применительно к пониманию толпы, ту древнюю мудрость, которая есть истинная мудрость, так как вся истинная наука Нового времени приводит к ней, а не уводит от нее; так что между древнейшими и всеми последующими мудрецами человечества царит гармония и даже тождество убеждений, и прогресс знаний – если еще говорить о таковом – относится не к существу знаний, а лишь к способу их выражения. Все это понимание религии и науки насквозь ошибочно, и никто уже не решился бы теперь разделять его, если бы красноречие Шопенгауэра не взяло его под свою защиту – это громогласное красноречие, которое все же лишь через поколение нашло себе слушателей. Несомненно, что шопенгауэровское толкование человека и мира дает очень много для понимания христианства и других религий; но столь же несомненно, что он заблуждался относительно ценности религии для познания. Он сам здесь был слишком послушным учеником научных учителей своего времени, которые все без исключения питали слабость к романтике и отреклись от духа Просвещения; если бы он родился в наше время, он, наверное, не мог бы говорить о sensus allegoricus религии; напротив, по своему обыкновению он отдал бы дань истине, сказав: никогда еще никакая религия ни прямо, ни косвенно, ни догматически, ни аллегорически не содержала истины. Ибо каждая религия родилась из страха и нужды и вторглась в жизнь через заблуждения разума; она, может быть, когда-нибудь, находясь в опасности от науки, влагала в свою систему какое-либо философское учение для того, чтобы позднее в ней можно было найти его; но это богословская хитрость, относящаяся к эпохе, когда религия уже сама сомневается в себе. Такие богословские приемы, которые, впрочем, уже рано стали употребляться в христианстве – религии, принадлежащей образованной и пропитанной ученостью эпохе, – привели к отмеченному предвзятому мнению о sencus allegoricus; еще более этому содействовала привычка философов (в особенности двойственных существ: поэтических философов и философствующих художников) признавать свои собственные чувства основой человеческого существа вообще и тем самым открывать простор для значительного влияния своих личных религиозных чувств на идейное строение своих систем. Так как философы очень часто философствовали, подчиняясь религиозной традиции или по крайней мере унаследованной с давних времен власти «метафизической потребности», то они приходили к теориям, которые были действительно весьма похожи на воззрения иудейской, или христианской, или индусской религии – именно, похожи так, как походят дети на мать; только в данном случае отцы, как то иногда бывает, не сознавали ясно этого материнства, а в своем невинном изумлении сочиняли басни о семейном сходстве всякой религии с наукой. В действительности же между религией и истинной наукой не существует ни родства, ни дружбы, ни даже вражды: они живут на различных планетах. Каждая философия, которая показывает сияние религиозного хвоста кометы в темноте своих последних горизонтов, заставляет относиться подозрительно ко всему, что она излагает в качестве науки: вероятно, все это тоже есть религия, хотя и принаряженная наукой. – Впрочем, если бы все народы сходились во мнении об известных религиозных вопросах, например о существовании Бога (что, кстати сказать, в отношении этого пункта нее имеет места), то ведь это было бы только аргументом против содержания такого родаутверждений, например существования Бога; consensus gentiumm и вообще hominum, естественно, может касаться только глупости. Напротив, consensus omnium sapientium не существует ни о каком предмете, за одним исключением того, о котором говорят стихи Гете:
Alle die Weisesten aller der Zeiten
Lacheln und winken und stimmen mit ein:
Toricht, aufBessrung der Toren zu barren!
Kinder der Klugheit, о habet die Narren
Eben zum Narrenn auch, wie sichs gehort!
Говоря прозой и в применении к нашему случаю, это значит: consensus sapientium состоит в том, что consensus gentium содержит глупость.
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Происхождение религиозного культа. Если мы перенесемся в эпохи, когда религиозная жизнь процветала сильнее всего, то мы встретимся с одним основным убеждением, которого мы теперь уже не разделяем, вследствие чего нам и закрыты раз навсегда все входы в религиозную жизнь: оно касается природы и общения с ней. В те эпохи люди еще ничего не знают о законах природы; ни для земли, ни для неба не существует никакой необходимости; время года, солнечный свет, дождь могут явиться и не явиться по усмотрению. Отсутствует вообще всякое понятие о естественной причинности. Когда гребут на судне, то это не работа, которая движет судно, а магическая церемония, посредством которой принуждают демона двигать судно. Все болезни и даже смерть суть результат магических воздействий. Заболевание и умирание никогда не происходят естественно; само представление о «естественном процессе» отсутствует – оно смутно намечается лишь у первых греческих философов, т. е. в очень позднюю эпоху человечества, в концепции Moira, властвующей над богами. Когда человек стреляет из лука, то в этом всегда еще участвует иррациональная рука и сила; если внезапно иссякают источники, то прежде всего думают о подземных демонах и их кознях; и если человек неожиданно падает и умирает, то причина этому – незримое воздействие божественной стрелы. В Индии (по Леббоку) столяр приносит жертвы своему молотку, топору и прочим орудиям; и точно так же относится брамин к перу, которым он пишет, солдат – к оружию, которым он пользуется на поле битвы, каменщик – к своей лопатке, пахарь – к своему плугу. Вся природа, по представлению религиозных людей, есть совокупность действий существ, обладающих сознанием и волей, огромный комплекс произвольностей. В отношении всех явлений вне нас недопустимо никакое заключение, что что-либо будет таким или иным, что что-либо должно наступить в том или ином случае; приблизительно достоверным и предвидимым является только человек; человек есть правило, природа есть отсутствие всякого правила — это суждение содержит основное убеждение, господствующее над первобытной, религиозно производительной культурой. Мы, современные люди, ощущаем прямо обратное: чем богаче человек сознает теперь свое внутреннее существо, чем многозвучнее его личность, тем сильнее действует на него равномерность природы; все мы, вместе с Гете, видим в природе великое средство к успокоению современной души, мы прислушиваемся к удару маятника на великих часах, тоскуя по тишине, покою и родине, мы как бы впиваем в себя эту равномерность и только через нее можем прийти к наслаждению самими собой. Некогда дело обстояло обратно: вспоминая о прежних, первобытных условиях жизни народов или наблюдая вблизи нынешних дикарей, мы находим, что они сильнейшим образом связаны законом, традицией: индивид почти автоматически подчинен закону и движется с однообразием маятника. Природа – непостижимая ужасная загадочная природа – должна представляться ему царством свободы, произвола, высшего могущества, как бы сверхчеловеческой ступенью бытия, или Богом. Каждый человек тех эпох и условий жизни чувствует, что от произвола природы зависит его существование, его счастье, счастье его семьи, государства, успех всех его предприятий: некоторые процессы природы должны для этого вовремя наступить, другие вовремя отсутствовать. Как можно влиять на этих ужасных незнакомцев, как можно укротить царство свободы? – так спрашивает он себя и боязливо исследует, нет ли каких-либо средств подчинить эти силы закону и обычаю и сделать их столь же закономерными, сколь закономерна его собственная жизнь. – Размышление людей, верующих в магию и чудеса, направлено на то, чтобы подчинить природу законам; и, коротко говоря, религиозный культ есть результат этого размышления. Проблема, которую ставят себе люди того времени, теснейшим образом примыкает к вопросу: как может более слабое племя все же диктовать законы более сильному, воздействовать на него, управлять его поведением (в отношении к более слабому племени)? Вспоминают прежде всего о самом невинном роде принуждения, который можно осуществлять, приобретая чью-либо склонность. Следовательно, мольбами и молитвами, покорностью, обязательством приносить постоянную дань и дары, льстивым славословием можно воздействовать также и на силы природы, поскольку тем самым добиваются их благосклонности: любовь связует и поддается связыванию. Тогда можно заключить договоры, причем обе стороны взаимно обязуются к известному поведению, дают залоги и обмениваются клятвами. Но гораздо существеннее род насильственного принуждения посредством магии и колдовства. Подобно тому как человек с помощью волшебника умеет вредить даже врагу, превосходящему его про силе, как любовное волшебство действует на расстоянии, так человек верит, что, несмотря на свою слабость, он способен воздействовать и на могущественных духов природы. Главное средство всякого колдовства состоит в том, чтобы овладеть чем-либо, что принадлежит соответствующему лицу, – его волосами, ногтями, кусочком пищи с его стола или даже его изображением, его именем. Имея такой аппарат, можно колдовать; ибо основная посылка гласит: ко всему духовному принадлежит нечто телесное; с помощью последнего можно связывать дух, вредить ему и уничтожать его; телесный элемент дает орудие, посредством которого можно овладеть духовным. И как человек влияет на другого человека, так он влияет и на всякого духа природы; ибо и последний обладает телесным началом, за которое его можно ухватить. Дерево и, по сравнению с ним, росток, из которого оно вырастает, – это загадочное сопоставление, по-видимому, доказывает, что в обеих формах воплотился один и тот же дух, то в большом, то в малом объеме. Внезапно покатившийся камень есть тело, в котором действует дух; если в одинокой роще лежит глыба, то представляется невозможным, чтобы ее принесла сюда человеческая сила; следовательно, камень сам пришел сюда, т. е. в нем приютился дух. Все, что имеет тело, доступно колдовству, стало быть, и духи природы. Если бог прямо связан своим изображением, то на него можно и прямо воздействовать (посредством лишения его жертвенной пищи, бичевания, заключения в оковы и т. п.). Китайцы низших классов, чтобы насильственно добиться благосклонности своего бога, оставившего их без помощи, связывают веревками его изображение, сбрасывают с пьедестала, влачат по улицам, вываливают в грязи и навозе; «собака ты, – приговаривают они, – мы поселили тебя в роскошном храме, мы красиво позолотили тебя, хорошо кормили, приносили тебе жертвы, а ты так неблагодарен!» Подобные же насильственные меры в отношении изображений святых и Божьей Матери, когда они не хотели исполнять своей обязанности во время эпидемий или засух, случались еще в этом столетии в католических странах. Из всех этих колдовских действий возникли бесчисленные церемонии; и когда наконец хаос их стал слишком велик, их постарались упорядочить, систематизировать, так чтобы можно было, посредством соответственного выполнения системы процедур, обеспечить себе благоприятный исход всего течения явлений природы, главным образом великого годового круговорота. Смысл религиозного культа состоит в том, чтобы склонить и принудить природу к выгоде человека, т. е. внести в нее закономерность, которою она сама по себе не обладает; тогда как в настоящее время мы хотим познать закономерность природы, чтобы подчиниться ей. Словом, религиозный культ основан на представлениях о колдовском отношении человека к человеку; и колдун древнее священника. Но наряду с этим культ основан и на других, более благородных представлениях: он предполагает симпатическое отношение человека к человеку, наличность благожелательности, благодарности, внимания к просьбам, договор между врагами, обеспечение залогом, притязание на охрану собственности. Человек даже на очень низких ступенях культуры не стоит к природе в отношении бессильного раба, он не должен обязательно быть ее безвольным слугой; на греческой ступени религии, в особенности в отношении к олимпийским богам, выражается даже как бы сожительство двух каст, более знатной и могущественной и менее знатной, причем по своему происхождению они некоторым образом близки, принадлежат к одному роду и не должны стыдиться друг друга. Это есть благородная черта греческой религиозности.
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При взгляде на некоторые предметы античного культа. Как некоторые чувства утрачены нами, это видно на примере соединения шуточного и даже непристойного с религиозным чувством; ощущение возможности такого смешения исчезает, нам лишь исторически понятно еще, что оно существовало – в празднествах Деметры и Диониса, в христианских пасхальных празднествах и мистериях. Но еще и нам знакомо сочетание возвышенного с карикатурным и т. п., слияние трогательного со смешным – что, быть может, позднейшая эпоха не будет уже понимать.
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Христианство как древность. Когда в воскресенье утром мы слышим звон старых колоколов, мы спрашиваем себя: возможно ли? Это относится к распятому две тысячи лет назад иудею, который говорил, что он – Сын Божий. Доказательства для такого утверждения не существует. – Несомненно, в наше время христианская религия есть древность, сохранившаяся с отдаленных времен, и что в ее утверждения верят – тогда как в других случаях мы весьма строги в проверке притязаний, – составляет, быть может, древнейшую часть этого наследия. Бог, который производит на свет детей от смертной женщины; мудрец, который призывает не работать больше, не чинить суда, но внимать знамениям предстоящего конца мира; справедливость, принимающая жертву невинного как всеискупительную жертву; некто, велящий своим ученикам пить его кровь; молитвы о свершении чуда; грехи, содеянные против Бога и отпущенные Богом; страх перед потусторонним, вратами которого оказывается смерть; образ креста как символ в некое время, не ведающее больше назначения и позора креста, – как загадочно веет от всего этого на нас, как из гробницы древнейшего прошлого! Можно ли поверить, что в нечто подобное еще верят?
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Негреческое в христианстве. Греки взирали на гомеровских богов не как на своих владык и не сознавали себя их рабами, подобно иудеям. Они видели в них как бы лишь отражение самых удачных экземпляров своей собственной касты, т. е. идеал своего собственного существа, а не его противоположность. Люди и боги чувствуют себя родственными друг другу, между ними существует взаимный интерес, некоторого рода симмахия. Человек имеет высокое мнение о себе, создавая таких богов, и становится к ним в отношение, подобное отношению низшей знати к высшей; тогда как италийские народы имеют чисто мужицкую религию и полны постоянного страха перед злыми и своевольными властителями и духами зла. Где олимпийские боги отступали на задний план, там и греческая жизнь становилась мрачнее и боязливее. – Напротив, христианство совершенно раздавило и сломило человека и как бы погрузило его в глубокую тину; среди сознания полнейшей отверженности оно внезапно бросало свет божественного милосердия, так что изумленный, оглушенный благодатью человек испускал крик восторга и на мгновение, казалось, ощущал в себе само небо. К этому болезненному эксцессу чувства и к необходимой для него глубокой искаженности ума и сердца влекут все психологические ощущения христианства: оно хочет уничтожить, сломить, оглушить, упоить, оно не хочет лишь одного – меры, – и потому оно в глубочайшем смысле слова имеет варварский, азиатский, неблагородный, негреческий характер.
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Быть религиозным с пользой. Существуют трезвые, дельные в своей профессии люди, к которым религия пришита как клочок высшей человечности; они поступают очень хорошо, оставаясь религиозными, это украшает их. – Все люди, которые не умеют владеть никаким оружием, – если причислить к оружию также язык и перо – становятся раболепными; для таких людей христианская религия весьма полезна, ибо раболепие принимает в ней внешность христианской добродетели и поразительно разукрашивается. – Люди, которым их ежедневная жизнь кажется пустой и монотонной, легко становятся религиозными; это понятно и простительно; но только они не имеют права требовать религиозности от тех, чья ежедневная жизнь протекает не пусто и не монотонно.
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Повседневный христианин. Если бы христианство было право в своих утверждениях о карающем Боге, всеобщей греховности, благодати по избранию и опасности вечного проклятия, то было бы признаком слабоумия и бесхарактерности не стать священником, апостолом или отшельником и не трудиться со страхом и трепетом только над своим спасением; было бы бессмысленно упускать из виду вечное благо из-за временных удобств. Если предположить, что в это вообще верят, то повседневный христианин есть жалкая фигура, человек, который действительно не умеет считать до трех и который, впрочем, именно вследствие своей духовной невменяемости не заслуживает того сурового наказания, которым ему грозит христианство.
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О рассудительности христианства. Это может быть сочтено ловким приемом христианства, когда оно столь громко проповедует полную нравственную негодность, греховность и презренность человека вообще, что при этом становится уже невозможным презирать своих ближних. «Пусть он грешит сколько угодно, он все же не отличается существенно от меня; я сам недостоин и презренен в высшей мере» – так говорит себе христианин. Но и это чувство потеряло свое острейшее жало, ибо христианин уже не верит в свою личную презренность: он дурен, как человек вообще, и успокаивается немного на мысли: все мы – одной породы.
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Перемена лиц. Как только религия приобретает господство, ее противниками становятся все те, кто были ее первыми последователями.
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Судьба христианства. Христианство возникло, чтобы облегчить сердца; но теперь оно должно сначала отягчить сердца, чтобы иметь возможность потом облегчить их. Этим предопределена его судьба.
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Доказательство от удовольствия. Принятое мнение признается истинным: это есть доказательство от удовольствия (или, как говорит церковь, доказательство от силы), которым так гордятся все религии, хотя они должны были бы стыдиться его. Если бы вера не делала блаженным, в нее не верили бы – чего же она стоит после этого!
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Опасная игра. Кто теперь дает в своей душе место религиозному чувству, тот должен также дать ему возможность расти – против этого он бессилен. Тогда его существо постепенно изменяется, он отдает предпочтение всему, что примыкает к религиозному чувству и следует за ним, весь круг суждений и чувств затемняется, омрачается религиозной тенью. Чувство не может стоять на месте; итак, – нужно остерегаться!
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Слепые ученики. Пока человек хорошо знает мощь и слабость своего учения, своего направления в искусстве, своей религии, сила их еще невелика. Поэтому ученик и апостол, который не видит слабости своего учения, своей религии и т. д., ослепленный авторитетом учителя и благоговением к нему, обыкновенно обладает большей силой, чем учитель. Никогда еще влияние человека и его дела не разрасталось без слепых учеников. Содействовать победе истины часто означает лишь настолько породнить ее с глупостью, чтобы сила последней вынудила победу и для первой.
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Разрушение церквей. В мире нет достаточно религии даже для того, чтобы только разрушать религии.
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Безгрешность человека. Если мы поймем, как «грех вошел в мир», – именно через заблуждения разума, в силу которых люди считают друг друга и даже отдельный человек считает самого себя гораздо более черным и злым, чем он есть в действительности, то это весьма облегчает все наше сознание, и люди и мир кажутся иногда окруженными сиянием невинности, которое может давать глубокую радость. Человек среди природы сам по себе есть всегда дитя. Ребенку снится иногда тяжелый, страшный сон; но, раскрыв глаза, он всегда видит себя снова в раю.
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Неверие художников. Гомер чувствует себя настолько у себя дома среди своих богов и в качестве художника испытывает от них такое удовольствие, что он во всяком случае должен был быть глубоко неверующим; с тем, что давала ему народная вера, – со скудным, грубым и отчасти ужасающим суеверием – он обращался так свободно, как скульптор со своей глиной, т. е. с той же непринужденностью, какою обладали Эсхил и Аристофан и какою отличались в Новое время великие художники Ренессанса, равно как Гете и Шекспир.
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Искусство и сила ложного толкования. Все видения, ужасы, искушения, восторги святого суть известные болезненные состояния, которые в силу вкоренившихся религиозных и психологических заблуждений он только толкует иначе, именно, не как болезни. – Так и демон Сократа, быть может, был лишь ушной болезнью, которую Сократ, соответственно господствовавшему моральному мировоззрению, объяснял себе по-другому, нежели принято теперь объяснять. Не иначе обстоит дело с безумием и исступленными речами пророков и оракулов; то значение, которое признавалось за ними, обусловлено всегда степенью знания, воображения, влечений, нравственности в голове и сердце толкователей. К величайшим действиям тех людей, которых именуют гениями и святыми, принадлежит то, что они добывают себе толкователей, которые, ко благу человечества, не понимают их.
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Почитание безумия. Так как было замечено, что возбужденное состояние часто просветляет голову и вызывает счастливые мысли, то решили, что в состоянии высшего возбуждения человек приобретает самые лучшие мысли и осеняется вдохновением, и потому безумного стали почитать как мудреца и прорицателя. В основе этого лежит ложное умозаключение.
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Обетование науки. Современная наука имеет своей целью минимум страдания и максимум продолжительности жизни – т. е. своего рода вечное блаженство, правда весьма скромное по сравнению с обетованиями религий.
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Недопустимая расточительность. В мире недостаточно любви и благости, чтобы их можно было расточать воображаемым существам.
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Сохранение религиозного культа в душе. Католическая церковь и до нее весь античный культ обладали целым арсеналом средств, чтобы внушать человеку необычные настроения и уводить его от холодного расчета выгод или чистого разумного мышления. Церковь, дрожащая от глубоких звуков, глухие, непрерывные, сдержанные призывы толпы священнослужителей, которые непроизвольно переносят свое напряженное состояние на общину и заставляют ее трепетно внимать, как если бы готовилось чудо, – архитектурное впечатление от церкви, которая в качестве жилища божества простирается без конца и заставляет во всех темных углах ощущать шорох божества, – кто хотел бы вернуть людям подобные свершения, раз уже утрачена вера в их предпосылки? Но результаты всего этого не утрачены: внутренний мир возвышенных, трогательных, таинственных, глубоко покаянных, блаженно-выжидательных настроений укрепился в человеке преимущественно под влиянием культа; все, что из этого существует теперь в душе, было взращено с зарождением, ростом и расцветом религиозного культа.
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Религиозные послеродовые боли. Как бы нам ни казалось, что мы отвыкли от религии, это произошло не в такой степени, чтобы мы не испытывали радости от религиозных ощущений и настроений, лишенных всякого логического содержания, например в музыке; и если философия показывает нам правомерность метафизических надежд и приносимого ими глубокого душевного мира и, например, говорит о «достоверности всего Евангелия во взоре мадонн Рафаэля», то мы с особенной сердечностью идем навстречу таким изречениям и рассуждениям: философу тут легко доказывать – то, что он дает, гармонирует с тем, чего ищет сердце. Это свидетельствует, что менее осмотрительные свободные умы шокируются только догматами, но что им очень хорошо известно очарование религиозного чувства; им трудно ради первых расстаться с последним. – Научная философия должна серьезно остерегаться, чтобы в силу этой потребности – возникшей и, следовательно, преходящей потребности – в нее не были контрабандно внесены заблуждения; даже логики говорят о «чаяниях» истины в морали и искусстве (например, о чаянии того, «что сущность вещей едина») – что должно было бы быть воспрещено им. Между осторожно выведенными истинами и такими «чаемыми» вещами остается та непроходимая пропасть, что первые обязаны своим возникновением интеллекту, последние – потребности. Голод не доказывает, что для его насыщения существует пища, он только хочет пищи. «Чаять» не значит в какой-либо мере познавать бытие вещи, а только значит считать ее возможной, поскольку ее боишься или желаешь; само по себе «чаяние» не приближает ни на шаг к царству достоверности. – Непроизвольно кажется, будто религиозно окрашенные отделы какой-либо философии доказаны лучше, чем другие; в сущности дело обстоит как раз наоборот – у нас есть только внутреннее желание, чтобы это так было, – т. е. чтобы утешительное было также истинным. Это желание склоняет нас принимать плохие основания за хорошие.
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О христианской потребности спасения. По тщательном размышлении должно быть возможно найти свободное от мифологии объяснение для того явления в душе христианина, которое зовется потребностью спасения, – т. е. чисто психологическое объяснение. Доселе, правда, психологическое объяснение религиозных явлений и процессов пользовалось довольно плохой репутацией, поскольку в этой области проявляло свою бесплодную деятельность богословие, именующее себя свободным; ибо последнее, как это вытекает из духа его основателя Шлейермахера, с самого начала было направлено на сохранение христианской религии и на устойчивость христианского богословия; в психологическом анализе религиозных «фактов» последнее должно было получить новую опорную точку и прежде всего новое занятие. Не смущаясь подобными предшественниками, мы решаемся дать следующее толкование означенного явления. – Человеку знакомы известные действия, которые с точки зрения господствующей расценки действий стоят весьма низко; он открывает в себе даже влечение к таким действиям, которое кажется ему почти столь же неизменным, как и все его существо. Как хотелось бы ему приучиться к другому роду действий, которые господствующая оценка признает высшими и лучшими, как хотелось бы ему исполниться той чистой совести, которая должна сопровождать самоотверженное настроение! К сожалению, дело остается при этом желании; и недовольство тем, что оно не может быть осуществлено, присоединяется ко всем другим родам недовольства, которые вызывала в нем его судьба или последствия этих, признанных дурными, действий; так что возникает глубокое душевное расстройство, ищущее врача, который мог бы устранить эту и все прочие его причины. – Это состояние не ощущалось бы так горько, если бы человек свободно сравнивал себя лишь с другими людьми; тогда он не имел бы никакого основания быть особенно недовольным самим собой, он нес бы только всеобщее бремя человеческой неудовлетворенности и человеческого несовершенства. Но он сравнивает себя с существом, которое способно на одни только указанные действия, именуемые неэгоистическими, и которое живет в постоянном сознании самоотверженного настроения, – с Богом; и благодаря тому, что он смотрит в это светлое зеркало, его собственное существо кажется ему темным и необычайно искаженным. Далее, мысль об указанном существе пугает его, поскольку оно предносится его воображению как карающая справедливость; во всевозможных крупных и мелких событиях своей жизни он усматривает его гнев и угрозы и даже заранее предвкушает те истязания, которым подвергнет его этот судья. Кто поможет ему в такой опасности, которая ввиду безграничной длительности наказания своей чудовищностью превосходит все другие представляемые ужасы?
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Прежде чем изобразить это состояние в его дальнейших последствиях, мы должны все же признаться себе, что человек попал в него не благодаря своей «вине» или «греху», а благодаря ряду заблуждений разума; что если его собственное существо представлялось ему столь темным и ненавистным, то это была вина зеркала, и что названное зеркало есть его собственное создание – весьма несовершенное создание человеческого воображения и рассуждения. Прежде всего существо, которое способно к одним только чисто неэгоистическим действиям, еще более фантастично, чем птица Феникс; его даже нельзя себе отчетливо представить уже потому, что все понятие «неэгоистического действия» при строгом исследовании улетучивается, как дым. Никогда человек не делал ничего, что было бы сделано исключительно для других и не имело бы никакого личного мотива; и как мог бы он сделать что-либо, что не имело бы отношения к нему, т. е. было бы лишено внутреннего принуждения (которое ведь должно иметь основой какую-либо личную потребность)? Как могло бы ego действовать помимо ego? – Напротив, Бог, который есть всецело любовь, как это иногда принимается, был бы не способен ни к какому неэгоистическому поступку; но при этом следовало бы вспомнить мысль Лихтенберга, относящуюся, правда, к несколько более низкой сфере: «Для нас невозможно чувствовать за других, как принято говорить; мы чувствуем всегда лишь за себя самих. Сказанное звучит жестоко, но оно вовсе не таково, если его правильно понять. Человек не любит ни отца, ни матери, ни жены, ни детей, а всегда лишь приятные ощущения, которые они ему доставляют», или, как говорит Ларошфуко: «Si on croitt aimer sa maitresse pour l’amour d’elle, on est bien trompe». Почему действия любви ценятся выше, чем иные действия, – именно не по существу, а ради их полезности, – об этом можно узнать в упомянутых уже выше исследованиях «о происхождении моральных чувств». Но если бы человек пожелал быть вполне подобным такому Богу любви, делать и искать всего для других и ничего – для себя, то это невозможно уже потому, что он должен очень много делать для себя, чтобы вообще быть в состоянии сделать что-либо из любви к другим. Далее, это предполагает, что другой человек достаточно эгоистичен, чтобы постоянно принимать эти жертвы, эту жизнь ради него; так что любящие и самоотверженные люди заинтересованы в сохранении бессердечных и неспособных к самопожертвованию эгоистов, и высшая нравственность, для своего же существования должна была бы прямо требовать существования безнравственности (чем, правда, она отменяла бы самое себя). – Далее: представление о Боге беспокоит и порабощает нас до тех пор, пока мы в него верим, но как оно возникло — это при современном состоянии сравнительно-этнологической науки не возбуждает уже сомнений; и с уяснением этого возникновения отпадает и указанная вера. С христианином, который сравнивает свое существо с существом Бога, происходит то же самое, что с Дон-Кихотом, который недостаточно ценит свою собственную храбрость, потому что голова его полна представлений о чудесных подвигах героев рыцарских романов: масштаб, которым в обоих случаях производится измерение, относится к царству вымысла. Но если отпадает представление о Боге, то отпадает и чувство «греха» как нарушения божественных предписаний, как пятна на создании, посвященном Богу. Тогда, вероятно, остается только то недовольство, которое срослось со страхом перед наказаниями земного суда или перед презрением людей и родственно этому чувству; но страдание от угрызений совести, острейшее жало в чувстве греха, уже надломлено, когда человек сознает, что в своем поведении может преступить человеческие традиции, человеческие предписания и порядки, но что это, правда, совсем не угрожает «вечному спасению души» или отношению души к Божеству. Если человеку удается, сверх того, приобрести и воспринять в плоть и кровь философское убеждение о безусловной необходимости всех поступков и об их полной безответственности, то исчезает и указанный остаток угрызений совести.
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Но если христианин, как сказано, доходит до чувства самопрезрения в силу некоторых заблуждений, т. е. в силу ложного, ненаучного истолкования своих поступков и ощущений, то ему приходится с величайшим изумлением заметить, что это состояние презрения, угрызений совести, вообще недовольства не удерживается, что иногда бывают часы, когда все это выметается из его души и он снова чувствует себя свободным и бодрым. В действительности здесь побеждает наслаждение своей собственной личностью, удовольствие от собственной силы, в союзе с необходимым ослаблением всякого сильного возбуждения: человек снова любит себя, он чувствует это, – но именно эта любовь, эта новая самооценка кажется ему невероятной, он может видеть в ней лишь совершенно незаслуженное излияние на него сверху света благодати. Если раньше он во всех событиях усматривал предупреждения, угрозы, кары и всякого рода признаки Божьего гнева, то теперь он истолковываете вой опыт как проявление благости Бога; одно событие кажется ему исполненным любви, другое – полезным указанием, третье, и в особенности его радостное настроение, – доказательством, что Бог милостив. Как прежде, в состоянии неудовлетворенности, он ложно истолковывал главным образом свои поступки, как теперь он истолковывает преимущественно свои переживания; утешительное настроение он понимает как действие вне его стоящей силы, любовь к самому себе представляется ему любовью Бога; то, что он называет милостью и предварением спасения, есть в действительности самопомилование, самоспасение.
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Итак, известная ложная психология, известного рода фантастика в истолковании мотивов и переживаний есть необходимая предпосылка того, чтобы человек стал христианином и испытал потребность в спасении. С уяснением этих заблуждений разума и фантазии человек перестает быть христианином.
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О христианском аскетизме и святости. Если некоторые мыслители пытались в редких явлениях нравственности, которые принято называть аскетизмом и святостью, видеть чудо, освещение которого факелом разумного объяснений почти равносильно богохульству и оскорблению святыни, – то, с другой стороны, искушение такого богохульства чрезвычайно сильно. Могущественное влечение природы во все времена приводило вообще к протесту против этих явлений; наука, поскольку она, как сказано, есть подражание природе, позволяет себе по крайней мере возражать против утверждаемой необъяснимости и даже неприступности этих явлений. Правда, ей это до сих пор не удавалось: указанные явления все еще не объяснены, к великому удовольствию упомянутых почитателей морально-чудесного. Ибо, говоря вообще: необъясненное безусловно должно быть необъяснимым, необъяснимое безусловно должно быть неестественным, сверхъестественным, чудесным – таково требование всех религиозных людей и метафизиков (а также и художников, если они в то же время и мыслители), тогда как научный человек видит в этом требовании «злой принцип». – Первое общее предположение, на которое прежде всего наталкиваешься при рассмотрении святости и аскетизма, состоит в том, что они имеют сложную природу; ибо почти всюду, как в физическом, так и в моральном мире, удавалось сводить мнимо чудесное на сложное, многообразно обусловленное. Итак, попытаемся сначала изолировать отдельные влечения в душе святого и аскета, а затем представить их себе слитыми воедино.
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Существует упорство в борьбе с самим собой, к утонченнейшим проявлениям которого принадлежат иные формы аскетизма. Некоторые люди испытывают столь сильную потребность проявлять свое могущество и властолюбие, что – за отсутствием других объектов или так как иначе это им никогда не удавалось – приходят наконец к тому, что начинают тиранизировать некоторые части самих себя, как бы отрезки или ступени себя самих. Так, иной мыслитель высказывает мнения, которые явно не могут содействовать увеличению или улучшению его репутации; иной прямо накаркивает на себя неуважение других людей, хотя, соблюдай он молчание, ему было бы легко остаться уважаемым человеком; иные отрекаются от своих прежних мнений и не боятся, что впредь их будут считать непоследовательными; напротив, они сами тщатся об этом и ведут себя как дерзкие наездники, которым больше всего нравится, когда их конь становится диким, покрывается пеною и перестает им повиноваться. Так человек подымается опасными путями на высочайшие горные вершины, глумясь над своей собственной боязливостью и над своими дрожащими коленами; так философ объявляет себя сторонником аскетизма, смирения и святости, в свете которых его собственный образ совершенно обезображивается. Это разрушение самого себя, эта насмешка над своей собственной природой, это spernere se sperni, которому религии придают такое большое значение, есть, собственно, лишь весьма высокая степень тщеславия. Вся мораль Нагорной проповеди относится сюда: человек испытывает истинное сладострастие, насилуя самого себя чрезмерными требованиями и затем обожествляя этот тиранически требовательный элемент своей душит. Во всякой аскетической морали человек поклоняется части самого себя, как Богу, и для этого должен признать дьявольской другую свою часть.
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Человек не во всякое время одинаково нравственен – это известно; если оценивать его нравственность по способности к великим самоотверженным решениям и к самоотречению (которая, став длительной и превратившись в привычку, есть святость), то он нравственнее всего в состоянии аффекта; более высокое возбуждение дает ему совершенно новые мотивы, в которые он, быть может, не способен был даже поверить в своем обычном трезвом и холодном настроении. Как это возможно? Вероятно, в силу близости всего великого и сильно возбуждающего; раз уж человек пришел в состояние исключительной душевной напряженности, то он одинаково способен решиться и на страшную месть, и на страшное преодоление своей потребности в мести. Под влиянием сильной эмоции он стремится во всяком случае к великому, могучему, чудовищному, и если он случайно замечает, что пожертвование самим собой дает ему такое же или еще большее удовлетворение, чем принесение в жертву других, то он выбирает первое. Итак, ему, собственно, важно только разряжение своей эмоции; и чтобы облегчить свое напряженное состояние, он способен иногда схватить руками копья своих врагов и погрузить их в свою грудь. Что в самоотречении, а не только в мести, лежит нечто великое – эта мысль должна была быть привита человечеству лишь путем долгого приучения; Божество, которое жертвует самим собою, было самым сильным и влиятельным символом этого рода величия. В качестве одоления трудноодолимого врага, в качестве внезапного овладения аффектом – в этом качестве является здесь отречение, и постольку оно признается вершиной нравственности. В действительности дело идет здесь о замене одного представления другим, тогда как само настроение сохраняет свою прежнюю высоту, остается на одном и том же уровне. Отрезвевшие, отдыхающие от аффекта люди не понимают уже моральности таких мгновений, но восторг всех, кто пережил их с ними, поддерживает их; гордость есть их утешение, когда ослабевает аффект и понимание их поступков. Итак, в сущности, и эти самоотверженные поступки не нравственны, поскольку они совершены не исключительно в интересах других; напротив, в таком самоотречении другой человек является лишь поводом для того, чтобы напряженное настроение могло найти себе облегчение.
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В некоторых отношениях и аскет хочет облегчить себе жизнь: обыкновенно через полное подчинение себя чужой воле или всеобъемлющему закону и ритуалу; например, брамин ничего не предоставляет своему собственному решению и каждый свой шаг подчиняет священному предписанию. Это подчинение есть могучее средство, чтобы овладеть собою; человек занят, следовательно, не скучает и вместе с тем не имеет повода для проявления своей личной воли или страсти; совершённое деяние не влечет за собой чувства ответственности и связанных с ним мук раскаяния. Человек отрекается раз навсегда от своей воли, и это легче, чем иногда при случае отрекаться от нее; подобно тому как легче совсем отказаться от какого-либо вожделения, чем соблюдать в нем меру. Если мы обратим внимание на современное отношение человека к государству, то мы и здесь увидим, что безусловное повиновение удобнее, чем условное. Итак, святой облегчает себе жизнь такой полной отдачей своей личности, и было бы ошибкой смотреть на это явление с изумлением, как на высший героический подвиг нравственности. Во всяком случае, осуществлять без колебаний и неясности свою личность труднее, чем отрешиться от нее указанным способом; кроме того, осуществление это требует гораздо большего ума и размышления.
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После того как во многих труднообъяснимых поступках я нашел проявления удовольствия от эмоции самой по себе, мне хотелось бы и в отношении самопрезрения, которое принадлежит к признакам святости, а также в действиях самоистязания (через голод и бичевание, вывих членов и симуляцию безумия) видеть средство, с помощью которого такие натуры борются с общей усталостью своей жизненной воли (своих нервов); они пользуются самыми мучительными раздражающими средствами и жестокостями, чтобы хоть на время очнуться от того отупения и скуки, в которые они так часто впадают в силу своей духовной бесчувственности и указанного подчинения чужой воле.
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Наиболее обычное средство, которое применяет аскет и святой, чтобы сделать свою жизнь все же выносимой и занимательной, состоит в ведении войн и в смене победы и поражения. Для этого ему нужен противник, и он находит его в так называемом внутреннем враге. В особенности он пользуется своим влечением к тщеславию, свои честолюбием и властолюбием, а также своими чувственными вожделениями, чтобы превратить собственную жизнь в длительную битву и рассматривать самого себя как поле битвы, на котором с переменным успехом борются добрые и злые духи. Как известно, чувственная фантазия умеряется и даже почти подавляется при правильных половых сношениях и, наоборот, разнуздывается и дичает при воздержании или беспорядочных сношениях. Фантазия многих христианских святых была необычайно загрязнена; в силу теории, что эти вожделения суть действительные демоны, буйствующие в них, они не чувствовали себя при этом особенно ответственными; этому чувству мы обязаны столь поучительной откровенностью их признаний. В их интересах было, чтобы эта борьба в известной мере постоянно поддерживалась, ибо она, как сказано, делала занимательной их пустынную жизнь. Но, чтобы борьба казалась достаточно важной и возбуждала постоянное участие и изумление у несвятых, нужно было все более хулить и позорить чувственность; и опасность вечного проклятия была так тесно связана с этой областью, что, по всей вероятности, в течение целых эпох христиане имели нечистую совесть при зачатии детей, чем был, несомненно, нанесен большой вред человечеству. И все же истина поставлена здесь вверх ногами – что особенно не подобает истине. Правда, христианство сказало: каждый человек зачат и рожден в грехе, и в невыносимо преувеличенном христианстве Кальдерона эта мысль снова связалась в узел и укрепилась, так что он осмелился высказать самый извращенный парадокс, какой только можно себе представить, в известных стихах:
Величайшая вина человека – есть то, что он родился.
Во всех пессимистических религиях акт зачатия ощущается как нечто дурное, но это ощущение ни в коем случае не имеет общечеловеческого значения, и даже не все пессимисты сходятся в своем суждении об этом. Эмпедокл, например, ничего не знает о постыдном, дьявольском, греховном во всех эротических делах; напротив, в великой юдоли бедствий он видит одно только целительное и утешительное явление – Афродиту; она есть для него залог, что борьба не будет длиться вечно, а некогда уступит власть более кроткому демону. Христианские пессимисты-практики, как сказано, были заинтересованы в том, чтобы сохранило господство иное мнение; в своем одиночестве и при духовной опустошенности своей жизни они постоянно нуждались в живом враге – и притом во враге, пользующемся всеобщим признанием, борьба и одоление которого должны были в глазах всех несвятых делать их полунепостижимыми, сверхъестественными существами. Когда этот враг наконец, вследствие их образа жизни и разрушенного здоровья, был навсегда обращен в бегство, они тотчас же смогли видеть свою душу населенной новыми демонами. Колебание высокомерия и смирения на чашах душевных весов занимало их мудрствующие головы так же основательно, как смена вожделения и душевного покоя. В то время психология служила для того, чтобы не только подозревать все человеческое, но чтобы клеветать на него, бичевать и распинать его: люди хотели находить себя как можно более дурными и злыми, искали страха в связи со спасением души, отчаяния в своих силах. Все естественное, чему человек навязывает представление дурного, греховного (как он привык еще и теперь делать это в отношении эротического момента), отягощает, омрачает воображение, создает пугливый взор, заставляет человека враждовать с самим собой и делает его неуверенным и недоверчивым; даже его сны приобретают привкус измученной совести. И все же это страдание от естественного совершенно не основано на самой природе вещей: оно есть лишь следствие мнений о вещах. Легко понять, как люди портятся благодаря тому, что они называют дурным неизбежно естественное и позднее ощущают его таковым. Религия и те метафизики, которые хотели бы видеть человека злым и греховным по природе, пускают в ход эту уловку: они чернят природу в его сознании и тем делающего самого дурным, ибо он научается ощущать себя дурным, так как не может снять с себя одеяние природы. Постепенно, при долгой жизни в природном элементе, он чувствует себя подавленным таким бременем грехов, что нужны сверхъестественные силы, чтобы снять с него это бремя; и тем самым на сцену выступает рассмотренная уже потребность в спасении, которая соответствует совсем не действительной, а лишь воображаемой греховности. Просматривая отдельные моральные утверждения в источниках христианского мировоззрения, мы всюду найдем, что сознательно ставятся чрезмерные требования, для того чтобы человек не мог удовлетворить им: цель этих требований не в том, чтобы человек становился более нравственным, а в том, чтобы он чувствовал себя возможно более греховным. Если бы человеку не было приятно это чувство, – для чего бы он создал такое представление и так долго держался его? Подобно тому как в античном мире была затрачена неизмеримая сила духа и изобретательности, чтобы посредством торжественных культов увеличить радость жизни, – так в эпоху христианства равным образом было посвящено неизмеримо много духа иному стремлению: человека нужно было всеми мерами заставить чувствовать себя греховным и тем вообще возбудить, оживить, одухотворить его. Возбудить, оживить, одухотворить во что бы то ни стало – не есть ли это лозунг эпохи ослабевшей, перезрелой, переразвитой культуры? Круг всех естественных ощущений был уже сотни раз испытан, душа утомилась ими; тогда святой и аскет открыли новый род жизненных побуждений. Они становились перед взорами всех не столько в качестве примера для подражания, сколько в качестве страшного и все же восхитительного зрелища, которое разыгрывается на грани между здешним и нездешним мирами, где каждый в ту пору мнил видеть то лучи небесного света, то грозные, исходящие из подземных глубин языки пламени. Взор святого, обращенный на страшный во всех отношениях смысл краткой земной жизни, на близость последнего решения о бесконечных новых этапах жизни, этот обугливающий взор в полуразрушенном теле заставлял людей старого мира трепетать до последних глубин души; взглянуть украдкой, отвернуться с содроганием, снова почуять сладость зрелища, отдаться ему, насытиться им, пока душа не затрепещет в огне и морозе лихорадки, – это было последним удовольствием, которое нашла древность, после того как она стала нечувствительной даже к зрелищу борьбы людей и зверей.
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Я подвожу итоги сказанному: то душевное состояние, которое присуще святому или стоящему на пути к святости, слагается из элементов, хорошо известных нам всем; но только под влиянием иных, не религиозных, представлений они обнаруживают иную окраску и тогда обыкновенно навлекают на себя даже порицание людей, тогда как, отороченные религией и конечным смыслом существования, они могут рассчитывать на восхищение и даже поклонение – по крайней мере могли рассчитывать в прежние времена. Святой либо упражняет то упорство в борьбе с самим собой, которое весьма родственно властолюбию и дает даже самому одинокому человеку ощущение могущества; либо его воспаленное чувство переходит от желания дать простор своим страстям к желанию обуздать их, как диких коней, под могучим давлением гордой души; либо он стремится к прекращению всех нарушающих покой, мучительных, раздражающих ощущений, к сну наяву, к длительному отдыху на лоне тупой, животной и растительной бесчувственности; либо он ищет борьбы и разжигает ее в себе, потому что скука являет ему свое зевающее лицо: он бичует свое самообожествление самопрезрением и жестокостью, он наслаждается диким бунтом своих страстей, острой скорбью греха, даже представлением своей гибели; он умеет ставить западню своему аффекту, например внешнему властолюбию, так что последнее переходит в состояние величайшего унижения, и возбужденная душа святого выбрасывается этим контрастом из своей колеи; и наконец, если он жаждет видений, бесед с мертвецами или божественными существами, то он стремится, в сущности, лишь к редкому роду сладострастия – но, быть может, к тому сладострастию, в котором, как в узле, связаны все иные его роды. Новалис, один из авторитетов в вопросах святости на основании личного опыта и инстинкта, с наивной радостью высказывает однажды всю ее тайну: «Весьма удивительно, что ассоциация сладострастия, религии и жестокости не обратила внимания людей уже давно на их тесное сродство и общую тенденцию».
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Не то, что есть святой, а то, что он означает в глазах несвятых, придает ему его всемирно-историческую ценность. Благодаря тому что о нем заблуждались, ложно истолковывали его душевные состояния и самым решительным образом выделяли его из числа остальных людей, как нечто безусловно несравнимое и чужеродно-сверхчеловеческое, – благодаря этому он приобрел ту исключительную силу, с помощью которой он мог владеть воображением целых народов и эпох. Он сам не знал себя; он сам понимал письмена своих настроений, влечений, поступков согласно искусству толкования, которое было столь же натянуто и неестественно, как пневматическое толкование Библии. Бестолковое и больное в его натуре, с ее сочетанием духовной нищеты, плохого знания, испорченного здоровья, чрезмерно раздраженных нервов, оставалось скрытым для его собственного взора, как и для взора посторонних наблюдателей. Он не был особенно добрым человеком и еще менее был особенно мудрым человеком; но он означал нечто, что по благости и мудрости превосходит всякую человеческую меру. Вера в него укрепляла веру в божественное и чудесное, в религиозный смысл всего бытия, в предстоящий день последнего суда. В вечернем блеске закатывающегося солнца мира, которое сияло над христианскими народами, тень святого вырастала до чудовищных размеров; она достигла такой высоты, что даже в наше время, уже не верующее в Бога, находятся еще мыслители, которые веруют в святого.
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Само собою разумеется, что этому портрету святого, который набросан по среднему экземпляру всего типа, можно противопоставить иные рисунки, которые способны произвести более приятное впечатление. Отдельные исключения из этого типа выделяются либо особой кротостью и благожелательностью к людям, либо очарованием необычайной действенной силы; другие в высшей степени привлекательны, потому что известные фантастические представления изливают на все их существо потоки света, как это, например, имеет место с прославленным основателем христианства, считавшим себя единорожденным Сыном Божьим и оттого чувствовавшим себя безгрешным; так что он силою воображения – о котором не следует судить слишком сурово, так как вся древность кишмя кишела сыновьями Божьими, – достиг той же цели, чувства полной безгрешности, полной безответственности, которое сегодня посредством науки доступно каждому. – Точно так же я отвлекся от индусских святых, которые стоят на промежуточной ступени между христианским святым и греческим философом и в этом смысле не представляют чистого типа; познание, наука – поскольку таковая существовала, – возвышение над другими людьми через логическую дисциплину и воспитание мышления считались у буддистов ценными, как признаки святости, тогда как те же самые качества в христианском мире отвергались и объявлялись еретическими, как признаки греховности.
Отдел четвертый: Из души художников и писателей
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Мнимая изначальностъ совершенного. Мы привыкли не ставить вопроса о возникновении всего совершенного, а наоборот, наслаждаться его настоящим состоянием, как если бы оно выросло из земли по мановению волшебства. Вероятно, на нас действует здесь еще остаток первобытного мифологического ощущения. Нам почти кажется (например, когда мы созерцаем греческий храм вроде пестумского), что некий бог, играя, построил себе однажды утром жилище из таких огромных тяжестей; в других случаях нам мнится, будто душа была внезапно вколдована в камень и теперь хочет говорить через него. Художник знает, что его произведение оказывает полное действие, лишь когда оно возбуждает веру в импровизацию, в чудесную внезапность возникновения; поэтому он при случае сознательно содействует этой иллюзии и вводит в искусство элементы вдохновенного беспокойства, слепого беспорядка, чуткой грезы при начале творения – в качестве средств обмана, которые должны настроить душу зрителя или слушателя так, чтобы она верила во внезапное появление совершенного. – Теория искусства, разумеется, должна самым решительным образом восстать против этой иллюзии и показать те ложные умозаключения и дурные привычки разума, в силу которых он попадается в сети художника.
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Чувство правды у художника. Художник имеет более слабую нравственность в отношении познания истины, чем мыслитель; он отнюдь не хочет лишиться права на блестящие, глубокомысленные истолкования жизни и борется против трезвых, простых методов и выводов. Внешне он ратует за высшее достоинство и значение человека; в действительности же он не намерен отказаться от условий, при которых его искусство может производить наибольшее впечатление, – т. е. от всего фантастического, мифического, неверного, крайнего, от влечения к символам, от переоценки личности и веры в какую-то чудесную природу гения; он, следовательно, считает сохранение своей манеры творчества более важным, чем научная преданность истинному во всякой, хотя бы и в самой непритязательной, его форме.
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Искусство как заклинатель мертвых. Искусство исполняет, между прочим, задачу консервирования, а также некоторого разукрашивания погасших, потускневших представлений; разрешая эту задачу, оно плетет связующую нить между различными эпохами и заставляет возвращаться духов прежних времен. Правда, здесь возникает лишь кажущаяся жизнь, как над могилами или как возвращение любимых усопших во сне; но по крайней мере на мгновение еще раз просыпается старое ощущение, и сердце бьется по уже позабытому такту. Памятуя эту общую пользу искусства, нужно относиться снисходительно к самому художнику, если он не стоит в первых рядах просвещения и прогрессивного омужествления человечества: он на всю жизнь остался ребенком или юношей и задержался на той позиции, в которой им завладели его художнические инстинкты; но ощущения первых ступеней жизни, как известно, стоят ближе к ощущениям прошедших эпох, чем к ощущениям нынешнего века. Непроизвольно его задачей становится делать человечество более ребяческим; в этом – его слава и его ограниченность.
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Поэты как облегчители жизни. Поэты – поскольку и они хотят облегчить жизнь людей – либо отвращают свой взор от тягостного настоящего, либо помогают настоящему приобрести новые краски посредством света, которым они заставляют излучаться прошедшее. Чтобы иметь возможность делать это, они должны сами быть в известных отношениях существами, обращенными назад; так что ими можно пользоваться как мостами к отдаленнейшим временам и представлениям, к отмирающим или уже отмершим религиям и культурам. Они, собственно, всегда и неизбежно суть эпигоны. Впрочем, об их средствах облегчения жизни можно сказать кое-что неблагоприятное: они успокаивают и исцеляют только временно, только на мгновение; они даже задерживают людей в работе над действительным улучшением условий жизни, устраняя или паллиативно облегчая страсти неудовлетворенного, влекущие к действию.
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Медленная стрела красоты. Самый благородный вид красоты есть тот, который не сразу захватывает, который овладевает не бурным упоением (такая красота легко возбуждает отвращение), а тот медленно вливающийся вид красоты, который почти незаметно уносишь с собой, который потом иногда снова встречаешь во сне и который, наконец, после того как он долго скромно лежал в нашем сердце, всецело овладевает нами, наполняет наши глаза слезами и наше сердце – тоской. – К чему стремимся мы, созерцая красоту? К тому, чтобы быть прекрасными; нам мнится, с этим должно быть связано много счастья. – Но это есть заблуждение.
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Одушевление искусства. Искусство подымает главу, когда религии приходят в упадок. Оно перенимает множество порожденных религией чувств и настроений, согревает их у своего сердца и становится теперь само более глубоким, одухотворенным, так что способно сообщать воодушевление и возвышенное настроение, чего оно еще не могло делать раньше. Возрастающее богатство религиозного чувства становится потоком, который постоянно прорывается наружу и хочет завоевать все новые области; но растущее просвещение поколебало догматы религии и внушило основательное недоверие к ней; поэтому чувство, вытесненное просвещением из религиозной сферы, устремляется в искусство; в отдельных случаях также в политическую жизнь, а иногда даже прямо в науку. Всюду, где в человеческих стремлениях заметна более возвышенная и мрачная окраска, можно предполагать налет духобоязни, запах ладана и тень церквей.
151
Чем украшает ритм. Ритм накладывает туманное покрывало на реальность; он побуждает к некоторой искусственности речи и нечистоте мышления; тень, которую он набрасывает на мысль, то закрывает, то подчеркивает явления. Как тени нужны для украшения, так «смутное» нужно для большей отчетливости. – Искусство делает выносимым вид жизни, окутывая ее дымкой нечистого мышления.
152
Искусство безобразной души. Искусству ставят слишком тесные границы, если требуют, чтобы в нем имела право высказываться только упорядоченная, нравственно уравновешенная душа. Как в пластических искусствах, так и в музыке и поэзии существует искусство безобразной души наряду с искусством прекрасной души; и самые могущественные действия искусства – умение потрясать души, заставлять камни двигаться и превращать зверей в людей – быть может, лучше всего удавались именно этому роду искусства.
153
Искусство причиняет скорбь мыслителю. Насколько сильна метафизическая потребность и как трудно дается природе последнее расставание с ней, можно усмотреть из того, что даже в свободном уме, когда он уже освободился от всего метафизического, высшие художественные впечатления легко вызывают созвучное дрожание давно онемевшей и даже разорванной метафизической струны; например, внимая Девятой симфонии Бетховена, он чувствует себя витающим над землей в звездном храме с мечтою бессмертия в сердце; звезды как бы сияют вокруг него, и земля опускается все ниже. – Когда он отдает себе отчет в этом состоянии, он чувствует глубокий укол в сердце и вздыхает о человеке, который вернул бы ему утраченную возлюбленную – называется ли она метафизикой или религией. В такие мгновения проверяется его интеллектуальный характер.
154
Играть жизнью. Легкость и ветреность гомеровской фантазии были нужны, чтобы ослабить и на время уничтожить чрезмерно страстный дух и слишком острый рассудок греков. Когда у них говорит рассудок – сколь грубой и жестокой является тогда жизнь! Они не обманываются, но они сознательно украшают жизнь ложью. Симонид советовал своим соотечественникам принимать жизнь как игру; скорбь серьезности была им слишком хорошо известна (людское горе есть ведь тема песен, которым так охотно внемлют боги), и они знали, что одно только искусство может даже горе превращать в наслаждение. Но в наказание за этой убеждение ими настолько овладела страсть к выдумкам, что и в повседневной жизни им было трудно освободиться от лжи и обмана; ведь вся порода поэтов чувствует склонность ко лжи и вдобавок еще ощущает ее невинность. Эта черта, вероятно, приводила иногда в отчаяние соседние грекам народы.
155
Вера во вдохновение. Художники заинтересованы в том, чтобы люди верили во внезапные озарения, в так называемое вдохновение; как если бы идея художественного или поэтического произведения, основная мысль философской системы сходила с неба в виде света благодати. В действительности фантазия хорошего художника или мыслителя творит постоянно хорошее, посредственное и плохое, но его острое и опытное суждение отвергает, выбирает, сочетает, как это видно теперь из записных книжек Бетховена, который постепенно составлял свои великолепнейшие мелодии и как бы отбирал их из многообразных набросков. Кто различает менее строго и охотно отдается воспроизводящему воспоминанию, тот при случае может стать великим импровизатором, но художественная импровизация стоит весьма низко по сравнению с упорно и серьезно проверенной художественной мыслью. Все великие гении были великими работниками; они не только неутомимо изобретали, но и неутомимо отвергали, проверяли, совершенствовали, упорядочивали.
156
Еще о вдохновении. Когда продуктивная сила некоторое время накопляется и какая-либо преграда мешает ей истекать, то в конце концов она изливается так внезапно, как будто здесь действовало непосредственное вдохновение, без предшествовавшей внутренней работы, т. е. как будто совершилось чудо. Это создает известную иллюзию, в сохранении которой, как сказано, тут больше обычного заинтересованы художники. Капитал именно только накопился, а не сразу упал с неба. Впрочем, и в других областях существует такое кажущееся вдохновение, например в области любви, добродетели, порока.
157
Страдания гения и их ценность. Художественный гений хочет приносить радость, но, когда он стоит на очень высокой ступени, ему легко недостает участников радости; он предлагает яства, но никто их не хочет. Это возбуждает в нем иногда смехотворно-трогательный пафос; ведь, в сущности, он не имеет никакого права принуждать людей к наслаждению. Его дудка гудит, но никто не хочет плясать: может ли это быть трагичным? И все же это бывает трагично! – Под конец, в виде награды за это лишение, он имеет больше удовольствия от творчества, чем остальные люди от всех иных родов деятельности. Его страдания ощущаются преувеличенно, потому что звук его жалобы более громок, слова его – более красноречивы; и иногда его страдания действительно очень велики, но лишь потому, что столь велики его честолюбие и зависть. Гений знания, вроде Кеплера и Спинозы, обыкновенно не столь жаден и не производит такого шума из-за своих на деле гораздо больших страданий и лишений. Он с большей уверенностью может рассчитывать на потомство и избавиться от современности, тогда как художник, поступая так, ведет отчаянную игру, при которой сердце его должно исполниться скорбью. В чрезвычайно редких случаях – когда в одной личности гений творчества и познания слит с моральным гением – к упомянутой скорби присоединяется еще род скорби, который надо признать самым невероятным исключением в мире: внеличные и сверхличные чувства, обращенные к народу, к человечеству, ко всей культуре, ко всему страдающему бытию, – чувства, которые приобретают ценность лишь в сочетании с особенно трудными и далекими познаниями (сострадание само по себе имеет небольшую ценность). – Но какое мерило, какие точные весы есть у нас для их подлинности? Не надлежит ли быть недоверчивыми в отношении всех, кто говорит о таких своих чувствах?
158
Роковая судьба величия. За каждым великим явлением следует вырождение, особенно в области искусства. Образец великого побуждает более тщеславные натуры к внешнему подражанию или к тому, чтобы превзойти его; к тому же все великие дарования имеют роковую судьбу истреблять многие более слабые силы и зародыши и как бы опустошать вокруг себя природу. Счастливейшим случаем в развитии искусства является комбинация, когда несколько гениев взаимно сдерживают друг друга; при этой борьбе обыкновенно открывается свет и простор и более слабым и нежным натурам.
159
Искусство опасно художнику. Когда искусство могущественно овладевает личностью, оно увлекает ее к воззрениям таких эпох, в которые искусство процветало сильнее всего; оно действует тогда регрессивно. Художник начинает все более почитать внезапные возбуждения, верит в богов и демонов, одушевляет природу, ненавидит науку, становится изменчивым в своих настроениях, как люди древности, и жаждет переворота всех отношений, неблагоприятных искусству, и притом с горячностью и несправедливостью ребенка. Но уже сам по себе художник есть отсталое существо, остановившееся на ступени игры, которая принадлежит юности и детству; к этому присоединяется еще то, что он регрессирует и возвращается к прежним эпохам. Так возникает напоследок глубокий антагонизм между ним и поколением его эпохи, что приводит к печальному концу; и по рассказам древних, Гомер и Эсхил провели остаток жизни и умерли в меланхолии.
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Сотворенные люди. Если говорят, что драматург (и вообще художник) действительно творит характеры, то это красивый обман и преувеличение, в наличности и распространении которых искусство празднует один из своих непроизвольных, как бы дополнительных триумфов. В действительности мы очень мало понимаем подлинного живого человека и обобщаем весьма поверхностно, приписывая ему тот или иной характер; это наше весьма несовершенное отношение к человеку удовлетворяет поэт, который превращает в людей (и в этом смысле «творит») столь же поверхностные наброски, сколь поверхностно наше знание людей. В этих созданных художниками характерах есть много фальшивого блеска; они отнюдь не суть телесные создания природы, а подобно нарисованным людям, всегда чересчур тонки и не выдерживают рассмотрения вблизи. А если еще говорят, что в характере обычных живых людей встречаются противоречия и что созданный драматургом характер есть первообраз, предносившийся природе, то это уже совершенно неверно. Действительный человек есть нечто всецело необходимое (даже в так называемых своих противоречиях), но мы не всегда познаем эту необходимость. Сочиненный человек, продукт фантазии, хочет означать нечто необходимое, но лишь для таких людей, которые понимают и реального человека лишь в грубом, неестественном упрощении, так что несколько резких, часто повторяющихся черт, ярко освещенных и окруженных массой теней и полутеней, вполне удовлетворяют их притязаниям. Они, следовательно, легко готовы принимать продукт фантазии за настоящего, необходимого человека, потому что они привыкли при наблюдении подлинного человека принимать продукты фантазии, силуэт, произвольное сокращение за целое. – А что живописец или скульптор выражает «идею» человека – это нелепая выдумка и обман чувств: когда так говорят, то поддаются тирании глаза, который из человеческого тела видит только поверхность, кожу; но внутреннее тело в такой же мере принадлежит к идее. Пластическое искусство хочет выразить характеры во внешней оболочке; поэзия употребляет для той же цели слово, она изображает характер в звуке. Искусство исходит из естественного неведения человека о его внутреннем содержании (в теле и характере); оно существует не для физиков и философов.
161
Преувеличенная самооценка при вере в художников и философов. Все мы думаем, что достоинства художественного произведения или художника доказаны, если они на нас действуют или потрясают нас. Но ведь тут должны были бы сперва быть доказаны достоинства наших собственных суждений и ощущений – что не имеет места. Кто в области пластического искусства потрясал и восхищал больше, чем Бернини, кто действовал сильнее, чем тот последемосфеновский ритор, который ввел в употребление азианский стиль и доставил ему господство в течение двух столетий. Это господство над веками не доказывает ничего о достоинстве и длительной ценности какого-либо стиля; поэтому не следует быть слишком уверенным в своем хорошем мнении о каком-нибудь художнике; такое мнение означает ведь не только веру в правдивость нашего ощущения, но и веру в непогрешимость нашего суждения, тогда как суждение или ощущение – или и то и другое – может быть слишком грубым и слишком тонким, слишком изысканным и слишком первобытным. Точно так же благодетельность или утешительность какой-либо философии, религии еще ничего не говорят об их истинности – подобно тому как блаженство, которое дает безумному его идефикс, не доказывает еще разумности этой идеи.
162
Культ гения из тщеславия. Так как мы высокого мнения о самих себе, но отнюдь не ожидаем от себя, что мы могли бы написать картину Рафаэля или сцену из драмы Шекспира, то мы убеждаем себя, что способность к этому есть нечто необычайное и чудесное, совершенно исключительный случай, или, если мы к тому же ощущаем религиозно, – благодать свыше. Так наше тщеславие, наше себялюбие поощряет культ гения: только если гений мыслится совершенно удаленным от нас, как miraculum, он не оскорбителен для нас (даже Гете, чуждый зависти, назвал Шекспира своей «звездой далекой высоты»; причем можно вспомнить о стихе: «die Sterne, die begehrt man nicht». Но если отвлечься от этих внушений нашего тщеславия, то деятельность гения отнюдь не будет чем-то существенно отличным от деятельности механика-изобретателя, ученого-астронома или историка, мастера тактики. Все эти деятельности получают объяснение, если представить себе людей, мышление которых деятельно в одном направлении, которые употребляют все как материал, которые постоянно тщательно присматриваются к своей внутренней жизни и к жизни других, всюду находят для себя образцы и поучения и неутомимо комбинируют эти средства. Гений только то и делает, что учится сперва класть камни, потом строить из них; он всегда ищет материала и всегда занят его обработкой. Всякая деятельность человека изумительно сложна, а не только деятельность гения; но никакая деятельность не есть «чудо». – Откуда же эта вера, что только у художника, оратора, философа есть гений, что только они одни обладают «интуицией» (в силу чего им приписываются своего рода чудесные очки, с помощью которых они смотрят прямо в «сущность» вещей). Люди явственно говорят о гении только там, где действия крупного интеллекта им особенно приятны и где они не склонны чувствовать зависть. Назвать кого-нибудь «божественным» означает: «здесь нам не нужно соперничать». Далее: всему готовому, совершенному поклоняются, все становящееся недооценивается. Но при созерцании художественного произведения никто не может подметить, как оно возникало; в этом его преимущество, ибо всюду, где можно видеть возникновение, это действует охлаждающе. Законченное искусство изображения отклоняет всякую мысль о его возникновении; оно тиранизирует своим наличным совершенством. Поэтому мастера изобразительного искусства преимущественно считаются гениальными, а не люди науки. На самом деле и первая оценка, и последняя недооценка суть лишь ребячество разума.
163
Серьезность ремесла. Пусть не говорят о даровании, о прирожденных талантах! Можно назвать великих людей всякого рода, которые были малодаровиты. Но они приобрели величие, стали «гениями» (как это обыкновенно говорят) в силу качеств, об отсутствии которых предпочитает молчать тот, кто сознает их в себе: все они имели ту деловитую серьезность ремесленника, которая сперва учится в совершенстве изготовлять части, прежде чем решается создать крупное целое; они посвящали этому свое время, потому что получали большее удовлетворение от хорошего выполнения чего-либо мелкого, второстепенного, чем от эффекта ослепительного целого. Рецепт, например, по которому человек может стать хорошим новеллистом, легко дать, но выполнение его предполагает качества, которые обыкновенно упускаются из виду, когда говорят: «У меня нет достаточного таланта». Нужно делать сотню и более набросков новелл, не длиннее двух страниц, но столь отчетливых, что каждое слово в них необходимо; нужно ежедневно записывать анекдоты, пока не найдешь самую выпуклую и действительную форму для них; нужно неутомимо собирать и вырисовывать человеческие типы и характеры; нужно прежде всего как можно чаще рассказывать и слушать чужие рассказы, зорко наблюдая за их действием на присутствующих; нужно путешествовать, как художник-пейзажист и рисовальщик костюмов; нужно делать заметки по отдельным наукам, записывая все, что при хорошем изложении может оказывать художественное действие; наконец, нужно размышлять о мотивах человеческих поступков, не пренебрегать ничем, что может быть здесь поучительным, и денно и нощно коллекционировать такого рода вещи. На это многообразное упражнение нужно затратить лет десять, и тогда то, что создано в мастерской, может быть вынесено на улицу. – Как же поступает большинство? Они начинают не с части, а с целого. Они, быть может, употребят иногда удачный прием, привлекут к себе внимание и отныне начинают употреблять все худшие приемы по весьма простым и естественным основаниям. – Порой, когда отсутствуют разум и характер, которые должны управлять таким планом жизни художника, место их заступают судьба и нужда, которые заставляют будущего мастера шаг за шагом усваивать себе все условия его ремесла.
164
Опасность и польза культа гения. Вера в великие, исключительные, плодотворные умы не необходимо, но весьма часто связана еще с тем религиозным или полурелигиозным суеверием, что эти умы имеют сверхчеловеческое происхождение и обладают некоторыми чудесными способностями, в силу которых они приобретают свои познания совсем иным путем, чем остальные люди. Им приписывают, пожалуй, непосредственное проникновение взором в сущность мира, как бы сквозь отверстие в покрове явлений, и верят, что они без усилий и строгости науки, в силу этого чудесного ясновидения, могут сообщить что-то окончательное и решающее о человеке и мире. Пока чудо в области познания еще находит верующих, можно согласиться, пожалуй, что это приносит пользу самим верующим, поскольку они таким безусловным подчинением себя великим умам создают лучшую дисциплину и школу для своего собственного ума на время его развития. Напротив, по меньшей мере спорно, полезно ли суеверие о гении, о его привилегиях и исключительных способностях для самого гения, если оно укоренится в нем. Является во всяком случае опасным признаком, когда на человека нападает трепет перед самим собой – будь то знаменитый трепет Цезарей или рассматриваемый трепет гения; когда запах жертвоприношений, которые, естественно, посвящают одному лишь Богу, проникает в мозг гению, так что он начинает шататься и считать себя чем-то сверхчеловеческим. Постепенные следствия этого: чувство безответственности, исключительных прав, вера, что уже общение с людьми есть милость с его стороны, безумный гнев при попытке сравнить его с другими или даже оценить его ниже других и осветить неудачное в его произведении. Благодаря тому, что он перестает критиковать себя, под конец из его оперения начинает выпадать одно пышное перо за другим; это суеверие подрывает корни его силы и делает его, быть может, даже лицемером, после того как он теряет ее. Итак, для самих великих умов, вероятно, полезнее, если они уяснят себе свою силу и ее источник, т. е. если они постигнут, какие чисто человеческие качества сочетались в них и какие счастливые обстоятельства выступили при этом: а именно, неуклонная энергия, решительное устремление к определенным целям, великое личное мужество, далее, счастливое воспитание, которое своевременно дало им лучших учителей, лучшие образцы и методы. Правда, если целью их является производить наибольшее действие, то неясность о самих себе и отмеченный придаток полубезумия всегда хорошо помогали им, ибо во все времена поклонялись и завидовали именно той силе в них, с помощью которой они делают людей безвольными и внушают им безумную мысль, будто их ведут сверхъестественные вожди. Более того, людей возвышает и воодушевляет вера в то, что кто-либо обладает сверхъестественной силой; и в этом смысле безумие, как говорит Платон, принесло людям величайшие благодеяния. – В отдельных редких случаях эта доля безумия могла служить также средством, с помощью которого налагалась крепкая узда на такую, во всех отношениях склонную к эксцессам, натуру; и в жизни отдельных личностей безумные идеи часто имеют значение целебных ядов; но в конечном счете у каждого «гения», который верует в свою божественность, ядовитость этой веры обнаруживается все более по мере того, как «гений» стареет; вспомним хотя бы пример Наполеона, существо которого, несомненно, приобрело могучее единство, выделяющее его из всех современных людей, в силу его веры в себя и свою звезду и вытекающее из нее презрение к людям, пока наконец та же самая вера не перешла почти в безумный фатализм, отняла у него его быстрый и острый взор и стала причиной его гибели.
165
Гений и ничтожное. Именно оригинальные, из себя самих черпающие умы могут при известных обстоятельствах создавать нечто совершенно пустое и бесцветное, тогда как более зависимые натуры, так называемые таланты, полны воспоминаний о всевозможных хороших вещах и даже в состоянии упадка могут создавать нечто терпимое. Но если оригинальные умы покинуты своим дарованием, то воспоминание не приносит им никакой помощи: они становятся пустыми.
166
Публика. От трагедии народ, собственно, требует только, чтобы она была достаточно трогательной и давала ему возможность выплакаться; напротив, артист, который смотрит новую трагедию, получает удовольствие от остроумных технических изобретений и приемов, от использования и распределения материала, от новой вариации старых мотивов, старых мыслей. – Его позиция есть эстетическое отношение к художественному произведению, позиция творящего; описанное выше отношение, имеющее дело только с материалом, есть позиция народа. О человеке, занимающем промежуточное положение, не стоит говорить, он не есть ни народ, ни артист и сам не знает, чего хочет; поэтому и его радость неясна и ничтожна.
167
Артистическое воспитание публики. Если один и тот же мотив не разрабатывается на сотни ладов различными мастерами, публика не научается интересоваться чем-либо, кроме самой темы; но под конец она сама воспримет и эстетически прочувствует оттенки, тонкие, новые приемы в обработке этого мотива, именно когда она давно уже знает мотив из многочисленных разработок и при этом уже не ощущает прелести новизны и любопытства.
168
Художник и его свита должны идти в ногу. Переход от одной ступени стиля к другой должен быть настолько медленным, чтобы не один только художник, но и слушатели и зрители совершали этот переход и хорошо знали, что он означает. Иначе возникает внезапно великая пропасть между художником, который на отдаленных высотах творит свои произведения, и публикой, которая не может уже взбираться на эти высоты и под конец в недовольстве спускается еще ниже. Ибо если художник уже не подымает за собой своей публики, то она быстро опускается вниз, и притом падает тем глубже и опаснее, чем выше ее вознес гений, подобно тому как гибнет черепаха, падая из когтей орла, который вознес ее под облака.
169
Происхождение комического. Если сообразить, что человек в течение многих тысячелетий был животным, в высшей степени доступным страху, что все внезапное, неожиданное заставляло его быть готовым к борьбе, быть может даже готовым к смерти, и что даже позднее, в социальных условиях жизни, вся обеспеченность покоилась на ожидаемом, на привычном в мнении и деятельности, то нельзя удивляться, что при всем внезапном, неожиданном в слове и действии, если оно врывается без опасности и вреда, человек становится веселым, переходит в состояние, противоположное страху: съежившееся, трепещущее от страха существо расправляется, широко раздвигается – человек смеется. Этот переход от мгновенного страха к краткому веселью зовется комическим. Напротив, в феномене трагического человек от большого, длительного веселья переходит к великому страху; но так как среди смертных великое, длительное веселье встречается гораздо реже, чем повод к страху, то на свете гораздо больше комического, чем трагического; смеяться приходится гораздо чаще, чем испытывать потрясение.
170
Честолюбие художника. Греческие художники, например трагики, творили для того, чтобы побеждать; все их искусство немыслимо вне соперничества: Гесиодова добрая «эрис», честолюбие, окрыляла их гений. Но это честолюбие требовало прежде всего, чтобы их произведение получило высшее признание в их собственных глазах, т. е. отвечало бы тому, что они считают превосходным, без внимания к господствующему вкусу и к общему мнению о достоинствах художественного произведения; и потому Эсхил и Еврипид долгое время не имели успеха, пока наконец они не воспитали для себя художественных судей, оценивших их произведения по мерилам, которые они сами к ним прилагали. Таким образом, они стремятся победить соперников в своей собственной оценке, перед своим собственным судилищем, они хотят действительно быть лучше их; затем они требуют извне одобрения этой своей собственной оценки, подтверждения своего суждения. Добиваться чести – значит здесь: «достигнуть действительного превосходства и желать, чтобы оно было и публично признано». Если отсутствует первое и человек все-таки жаждет последнего, то говорят о тщеславии. Если отсутствует последнее и не ощущается потребность в нем, то говорят о гордости.
171
Необходимое в художественном произведении. Те, кто так много говорят о необходимом в художественном произведении, преувеличивают, – если они художники, in majorem artis gloriam, а если они профаны, то из неведения. Формы художественного произведения, которые высказывают его идею, т. е. представляют его манеру выражения, всегда носят отпечаток некоторой небрежности, как всякий род языка. Скульптор может добавить или отнять многие мелкие черты, и точно так же исполнить, будь то актер или, в отношении музыки, виртуоз или дирижер. Эти многие мелкие черты и подробности сегодня доставляют ему удовольствие, завтра – нет, они существуют скорее ради художника, чем ради искусства, ибо и художник, при всей строгости и самообуздании, которых от него требует изображение его основной идеи, нуждается иногда в сладостях и игрушках, чтобы не начать роптать.
172
Заставишь забыть автора. Пианист, который играет произведение великого композитора, сыграет лучше всего, если заставит нас забыть автора и если будет казаться, будто он рассказывает историю из своей собственной жизни или именно сейчас что-то переживает. Правда, если он сам не есть нечто значительное, то всякий проклянет ту болтливость, с которой он нам рассказывает о своей жизни. Следовательно, он должен уметь расположить к себе фантазию слушателя. Отсюда в свою очередь получают объяснение многие слабости и глупости того, что зовется «виртуозностью».
173
Corriger la fortune. Бывают дурные случайности в жизни великих художников, которые, например, вынуждают живописца набросать самую значительную свою картину лишь как беглую мысль или, например, принудили Бетховена оставить нам в некоторых больших сонатах (как в большой B-dur) лишь недостаточный клавираусцугг симфонии. Здесь позднейший художник должен стараться задним числом исправить жизнь великого мастера – что, например, сделал бы тот, кто, владея всеми тайнами оркестрового действия, возродил бы к жизни указанную симфонию, заживо погребенную в клавире.
174
Умаление. Многие вещи, события, личности не допускают изображения в малом объеме. Нельзя уменьшить группу Лаокоона и сделать из нее фарфоровую безделушку; для нее необходима величина. Но гораздо реже случается, чтобы что-либо мелкое выносило увеличение; поэтому биографам все же скорее будет удаваться изобразить великого человека малым, чем малого – великим.
175
Чувственность в современном искусстве. Художники часто ошибаются теперь в расчете, когда стремятся к тому, чтобы их произведение оказывало чувственное действие: ибо их зрители или слушатели не обладают уже цельными чувствами и, прямо вопреки намерению художника, впадают под действием его произведения в «святость» ощущения, которая близкородственна скуке. – Их чувственность начинается, быть может, именно там, где прекращается чувственность художника, и, следовательно, они в лучшем случае встречаются лишь в одной точке.
176
Шекспир как моралист. Шекспир много размышлял о страстях, и, вероятно, в силу его темперамента многие из них были ему доступны (драматурги в общем довольно дурные люди). Но он не умел, подобно Монтеню, говорить об этом, а вкладывал свое наблюдение о страстях в уста своих фигур, движимых страстью; это, правда, противоречит природе, но зато делает его драмы столь глубокомысленными, что все другие по сравнению с ними кажутся пустыми и легко возбуждают к себе полное отвращение. – Сентенции Шиллера (в основе которых почти всегда лежат ложные или незначительные мысли) суть именно только театральные сентенции и в качестве таковых действуют весьма сильно; тогда как сентенции Шекспира делают честь его образцу, Монтеню, и содержат в отточенной форме вполне серьезные мысли, но потому слишком далеки и тонки для взора театральной публики и, следовательно, не производят впечатления.
177
Искусство быть услышанным. Нужно не только уметь хорошо играть, но и хорошо заставлять себя слушать. Скрипка в руках величайшего мастера производит только пиликанье, если помещение слишком велико; тогда мастера нельзя отличить от любого халтурщика.
178
Эффективность несовершенного. Подобно тому как рельефные фигуры сильно действуют на фантазию тем, что они как бы хотят выступить из стены и вдруг, точно задержанные чем-то, останавливаются – так иногда рельефно-незаконченное изложение мысли или целой философии производит большее впечатление, чем исчерпывающее развитие: здесь предоставляется больше работы созерцателю, он призывается развить далее то, что выделяется перед ним в таком ярком контрасте света и теней, продумать его до конца и самому преодолеть ту преграду, которая доселе мешала идее выявиться сполна.
179
Против оригиналов. Когда искусство облекается в самую изношенную материю, в нем лучше всего узнаешь искусство.
180
Коллективный ум. Хороший писатель имеет не только свой собственный ум, но и ум своих друзей.
181
Двоякое непонимание. Несчастье проницательных и ясных писателей состоит в том, что их считают плоскими и не изучают усердно; и счастье неясных писателей – в том, что читатель трудится над ними и относит на их счет радость, которую ему доставляет его собственное усердие.
182
Отношение к науке. Не имеют действительного интереса к науке все те, кто только тогда начинают чувствовать к ней симпатию, когда сами сделали в ней открытие.
183
Ключ. Единая мысль, которой выдающийся человек приписывает большую ценность, несмотря на смех и глумление незначительных людей, есть для него – ключ к потаенным сокровищницам, для остальных же – не более чем кусок старого железа.
184
Непереводимое. То, что из книги непереводимо, не есть ни лучшее, ни худшее в ней.
185
Парадоксы автора. Так называемые парадоксы автора, шокирующие читателя, находятся часто не в книге автора, а в голове читателя.
186
Остроумие. Наиболее остроумные авторы вызывают наименее заметную улыбку.
187
Антитеза. Антитеза есть тесная калитка, сквозь которую охотнее всего заблуждение пробирается к истине.
188
Мыслители как стилисты. Большинство мыслителей пишут плохо, потому что они сообщают нам не только свои мысли, но и мышление мыслей.
189
Мысли в стихах. Поэт торжественно везет свои мысли на колеснице ритма – обыкновенно потому, что они не идут на своих ногах.
190
Грех против духа читателя. Когда автор отрекается от своего таланта только для того, чтобы поставить себя на уровень читателя, то он совершает единственный смертный грех, который последний ему никогда не простит – именно в случае, если он заметит это. Можно говорить человеку что угодно дурное про него; но в способе, как это говоришь, надо уметь снова ободрить его тщеславие.
191
Граница честности. Даже честнейшему писателю случается употребить лишнее слово, когда он хочет закруглить период.
192
Лучший автор. Лучшим автором будет тот, кто стыдится стать писателем.
193
Драконов закон против писателей. На писателя следовало бы смотреть как на злодея, который лишь в самых редких случаях заслуживает оправдания или помилования; это было бы средством против чрезмерного распространения книг.
194
Шуты современной культуры. Шутам средневековых дворов соответствуют наши фельетонисты; это – та же порода людей, полуразумных, остроумных, склонных к преувеличениям, вздорных, нужных иногда лишь для того, чтобы смягчить пафос настроения выдумками и болтовней и заглушить криком слишком тяжелый и торжественный колокольный звон великих событий; некогда они находились в услужении властителей и знатных, теперь они служат партиями (как и вообще добрая доля прежней подчиненности народа в сношениях с властителем теперь продолжает еще жить в партийном духе и партийной дисциплине). Но все современное сословие литераторов стоит весьма близко к фельетонистам; это – «шуты современной культуры», которых можно оценивать более снисходительно, если считать их не вполне вменяемыми. Видеть в писательстве призвание жизни – в этом следовало бы усматривать особого рода помешательство.
195
Вслед за греками. Познанию сильно препятствует теперь то, что все слова благодаря тысячелетнему преувеличению чувства стали чадными и напыщенными. Высшая степень культуры, которая подчиняется господству (хотя и не тирании) познания, нуждается в большом отрезвлении чувства и в сильной концентрации всех слов; и в этом нашими предшественниками были греки эпохи Демосфена. Чрезмерность характерна для всех современных писаний; и даже если они написаны просто, слова в них все же ощущаются слишком эксцентрично. Строгое размышление, сжатость, холодность, безыскусственность, намеренно доводимая до последней границы, вообще сдержанность чувства и молчаливость – только это может помочь нам. – Впрочем, эта манера холодного писания и ощущения в качестве противоположности теперь весьма привлекательна: и здесь, конечно, лежит новая опасность. Ибо резкий холод есть такое же раздражающее средство, как и сильная степень тепла.
196
Хорошие рассказчики – плохие объяснители. У хороших рассказчиков изумительная психологическая точность и последовательность, поскольку она выступает в поступках их героев, стоит в прямо-таки смехотворном противоречии с неопытностью их психологического мышления; так что их культурность иногда кажется необычайно высокой и уже в следующее мгновение – печально низкой. Весьма часто случается, что они явно ложно объясняют своих собственных героев и их поведение – здесь не может быть никаких сомнений, как бы странно это ни звучало. Быть может, величайший пианист-виртуоз лишь мало размышлял о технических условиях и специальной годности, негодности, полезности и доступности обучения каждого пальца (о дактилической этике) и делает грубые ошибки, когда говорит о таких вещах.
197
Произведения знакомых и их читатели. Мы читаем произведения знакомых (друзей и врагов) вдвойне, так как наше знание постоянно шепчет нам во время чтения: «Это – его работа, признак его внутреннего существа, его переживаний, его дарования», и вместе с тем иного рода познание стремится установить, каково значение этого произведения самого по себе, какой оценки оно заслуживает вообще, независимо от его автора, какое обогащение знания оно дает. Оба эти рода чтения и обсуждения, как само собою понятно, создают взаимные помехи. И беседа с другом лишь тогда будет истинно плодотворна для познания, когда оба собеседника начнут наконец думать только о самом деле и забудут, что они друзья.
198
Ритмические жертвы. Хорошие писатели изменяют ритм иных периодов только потому, что они не признают за обыкновенными читателями способности понимать такт, в котором первоначально был написан период; поэтому они облегчают читателям труд, отдавая предпочтение более знакомым ритмам. – Это приспособление к ритмической неспособности нынешних читателей вызывало немало вздохов, ибо в жертву ей принесено уже многое. – Не случается ли с хорошими музыкантами того же?
199
Незаконченное как средство художественного действия. Незаконченное часто производит большее впечатление, чем законченность; так особенно в похвальной речи: для ее цели необходима как раз стимулирующая незаконченность в качестве иррационального элемента, который морочит фантазию слушателя неким морем и, подобно туману, скрывает противоположный берег, т. е. ограниченность превозносимого предмета. Когда оратор говорит об известных заслугах человека и при этом вдается в подробности и длинноты, то всегда может возникнуть подозрение, что это его единственные заслуги. Высказывающий законченную похвалу ставит себя выше хвалимого, он как бы обозревает его. Поэтому законченное действует ослабляюще.
200
Осторожность в писании и преподавании. Кто писал и чувствует в себе страсть к писанию, тот почти из всего, что он делает и переживает, учится лишь тому, что допускает литературную передачу. Он думает уже не о себе, а о писателе и его публике: он хочет истины, но не для собственного употребления. Кто преподает, тот в большинстве случаев уже не способен делать что-либо для своего собственного блага: он думает всегда только о благе своих учеников, и всякое познание радует его, лишь поскольку он может преподать его другим. Он рассматривает себя в конце концов как проходной путь для знания и вообще как средство, так что теряет серьезность в отношении самого себя.
201
Плохие писатели необходимы. Всегда должны будут существовать плохие писатели, ибо они соответствуют вкусу людей неразвитого, незрелого возраста; последние тоже имеют свои потребности, как и зрелые люди. Если бы человеческая жизнь продолжалась дольше, то число зрелых личностей преобладало бы над числом незрелых или по меньшей мере равнялось бы ему; теперь же значительное большинство умирают слишком молодыми, т. е. всегда существует гораздо больше неразвитых интеллектов с плохим вкусом. И они, кроме того, жаждут удовлетворения своих потребностей с большей страстностью, присущей юности, – и добиваются для себя плохих авторов.
202
Слишком близко и слишком далеко. Читатель и автор часто потому не понимают друг друга, что автор слишком хорошо знает свою тему и находит ее почти скучной, так что он опускает примеры, которые знает сотнями; читатель же чужд теме и легко находит ее плохо обоснованной, если ему не показывают примеров.
203
Исчезнувшая подготовка к искусству. Во всем, что преподавалось в гимназии, самым ценным было упражнение в латинском стиле: оно было именно упражнением в искусстве, тогда как все остальные занятия имели своей целью лишь знание. Ставить на первый план немецкое сочинение есть варварство, ибо мы лишены образцового немецкого стиля, выросшего из публичного красноречия; если же хотят посредством немецкого сочинения содействовать упражнению в мышлении, то, конечно, лучше на время совсем оставить в стороне стиль, т. е. отделить упражнение в мышлении от упражнения в изложении. Последнее должно было бы заключаться в многообразной формулировке заданного содержания, а не в самостоятельном выдумывании содержания. Простое изложение при заданном содержании было задачей латинского стиля, в отношении которого старые учителя обладали давно уже потерянной тонкостью слуха. Кто некогда научался хорошо писать на современном языке, был этим обязан указанному упражнению (теперь поневоле приходится идти в школу к старым французам). И еще одно: он получал представление о высоте и трудности формы вообще и подготовлялся к искусству единственно верным путем – через практику.
204
Соседство темного и слишком светлого. Писатели, которые в общем не умеют придавать отчетливость своим мыслям, в частностях будут с особенной любовью выбирать сильнейшие, самые преувеличенные выражения и превосходные степени; этим создается световой эффект, как при освещении факелами темных лесных дорог.
205
Литературная живопись. Значительный предмет можно изобразить лучше всего, если в качестве химика брать краски для картины из самого предмета и затем, в качестве артиста, пользоваться ими, – так что рисунок вырастает из границ и переходов цветов. Так картина приобретает что-то от того чарующего природного элемента, который делает значительным самый предмет.
206
Книги, которые учат плясать. Существуют писатели, которые, изображая невозможное возможным и говоря о нравственном и гениальном так, как будто то и другое есть лишь каприз и зависит от произвола, вызывают чувство шаловливой свободы, как когда человек становится на носки и от внутренней радости непременно должен заплясать.
207
Незаконченные мысли. Подобно тому как не только зрелый возраст, но и юность и детство имеют собственную ценность и совсем не могут быть рассматриваемы только как переходы и мосты, – так и незаконченные мысли имеют свою ценность. Поэтому не следует мучить поэта утонченным истолкованием, а нужно просто довольствоваться неясностью его горизонта: здесь как бы еще открыт путь к различным мыслям. Стоишь на пороге; ждешь, как при раскопке клада; чувствуешь, как будто сейчас предстоит сделать находку глубокомыслия. Поэт отчасти предвосхищает радость мыслителя при открытии основной мысли и внушает нам ее желание, так что мы начинаем гнаться за ней; но она, играя, порхает мимо нас, показывает прекраснейшие крылья бабочки – и все-таки ускользает от нас.
208
Книга, ставшая почти человеком. Каждого писателя постоянно вновь изумляет, как его книга, раз отрешившись от него, начинает жить самостоятельной жизнью; он чувствует себя так, как если бы на его глазах часть насекомого оторвалась от целого и пошла своим путем. Быть может, он ее почти совсем забыл, быть может, он возвысился над изложенными в ней мнениями, быть может, он даже не понимает ее более и потерял те крылья, на которых он летал, когда обдумывал эту книгу; тогда как она ищет себе читателей, зажигает жизнь, приносит счастье, устрашает, создает новые произведения, становится душой замыслов и поступков – словом, она живет, как существо, озаренное разумом и душой, и все же не есть человек. – Счастливейшая доля выпадает автору, который в старости может сказать, что все бывшие у него творческие, укрепляющие, возвышающие и просвещающие мысли и чувства продолжают еще жить в его произведениях и что он сам есть лишь серый пепел, тогда как пламя укрылось во все стороны и сохраняется по-прежнему. – Если принять еще во внимание, что не только книга, но и каждое действие человека каким-то образом становится поводом к другим действиям, решениям, мыслям, что все совершающееся неразрывно сплетается с тем, что должно совершиться, то можно познать подлинное, реально существующее бессмертие — бессмертие движения: что некогда приводило в движение, то включено и увековечено в общем союзе всего сущего, как насекомое в янтаре.
209
Радость в старости. Мыслитель, а также художник, лучшее Я которого укрылось в его произведении, испытывает почти злобную радость, видя, как его тело и дух медленно подтачиваются и разрушаются временем, как если бы он из-за угла смотрел на вора, взламывающего его денежный шкаф, тогда как он знает, что шкаф этот пуст и что все его сокровища спасены.
210
Спокойная плодотворность. Прирожденные аристократы духа не слишком усердны; их творения возникают и в спокойный осенний вечер падают с дерева без того, чтобы их страстно желали, взращивали или вытесняли новым. Неустанное желание творить – вульгарно и свидетельствует о ревности, зависти и честолюбии. Если человек есть нечто, то он, собственно, не должен ничего делать – и делает все же весьма много. Существует порода более высокая, чем «продуктивный человек».
211
Ахилл и Гомер. Всюду повторяется отношение между Ахиллом и Гомером: один имеет переживание, чувство, другой описывает его. Настоящий писатель только заставляет говорить аффект и опыт других людей; он потому и художник, что умеет из малого, что он ощутил, угадать многое. Художники отнюдь не люди сильных страстей, но они часто выдают себя за таковых, бессознательно чувствуя, что люди будут больше доверять их нарисованной страсти, если собственная жизнь автора говорит за его опыт в этой области. Ведь достаточно только распустить себя, не владеть собою, дать простор своему гневу, своим вожделениям, чтобы весь мир сразу закричал: как он страстен! Но с глубоко проникающей, изнуряющей и часто поглощающей человека страстью дело обстоит не так: кто ее переживает, тот наверняка не опишет ее в драмах, тонах или романах. Художники суть часто разнузданные личности, поскольку именно они не художники; но это уже иное дело.
212
Старые сомнения о влиянии искусства. Действительно ли трагедия, как думал Аристотель, разряжает сострадание и страх, так что слушатель возвращается домой более холодным и спокойным? Верно ли, что истории с привидениями делают человека менее боязливым и суеверным? Относительно некоторых физических процессов, например любовного наслаждения, справедливо, что удовлетворение потребности дает облегчение и временное ослабление инстинкта. Но страх и сострадание не суть в этом смысле потребности определенных органов, которые требуют облегчения. И в общем даже каждый инстинкт с течением времени усиливается при привычке к его удовлетворению, несмотря на указанные периодические облегчения. Возможно, что в каждом отдельном случае трагедия смягчает и разряжает страх и сострадание; тем не менее в общем они могли бы увеличиваться под действием трагедии, и Платон был прав, полагая, что в целом трагедия делала бы людей более трусливыми и сентиментальными; тогда сам трагик неизбежно приобрел бы мрачный, полный ужаса взгляд на мир и мягкую, чувствительную, плаксивую душу; это соответствовало бы и мнению Платона, что трагические поэты, а также целые общины, которые особенно ими наслаждаются, вырождаются и все больше предаются неумеренности и разнузданности. – Но какое право имеет вообще наше время давать ответ на великий вопрос Платона о моральном действии искусства? Даже если бы у нас было искусство – где у нас его действие, какое-либо действие искусства?
213
Удовольствие от бессмыслицы. Как может человек иметь удовольствие от бессмыслицы? А ведь всегда, когда на свете смеются, это имеет место; и можно даже сказать, что почти всюду, где есть счастье, есть и удовольствие от бессмыслицы. Выворачивание опыта наизнанку, превращение целесообразного в бесцельное, необходимого в произвольное, но притом так, что этот процесс не причиняет никакого вреда и лишь воображается из шаловливости, доставляет наслаждение, потому что это на мгновение освобождает нас от власти необходимого, целесообразного и опытно данного, в которых мы обыкновенно видим неумолимых владык; мы играем и смеемся, когда ожидаемое (которое обычно тревожит и беспокоит нас) осуществляется без вреда для нас. Это есть радость рабов на празднествах сатурналий.
214
Облагорожение действительности. Благодаря тому что люди видели в афродисийском влечении божество и с благоговейной благодарностью ощущали в себе его действие, этот аффект с течением времени пропитался более высокими представлениями и тем действительно был сильно облагорожен. Так некоторые народы с помощью этого искусства идеализации создали себе из болезней великие вспомогательные силы культуры: например, греки, которые в раннюю эпоху страдали сильными нервными эпидемиями (вроде эпилепсии и пляски ев. Витта) и создали из этого великолепный тип вакханки. – Ведь греки менее всего обладали мужицким здоровьем – их секрет состоял в том, что они поклонялись и болезни, как Богу, если только она имела силу.
215
Музыка. Музыка не сама по себе имеет столь большое значение для нашего внутреннего состояния и не производит столь глубокого впечатления, чтобы она могла считаться непосредственным языком чувства: но ее давнишняя связь с поэзией вложила столько символики в ритмическое движение, в силу и слабость тона, что нам теперь кажется, будто она непосредственно говорит внутреннему чувству и исходит из него. Драматическая музыка возможна лишь тогда, когда музыкальное искусство приобрело огромную сферу символических средств через песню, оперу и множество попыток звуковой живописи. «Абсолютная музыка» есть либо форма сама по себе, в неразвитом состоянии музыки, когда периодичность звуков различной силы вообще доставляет радость, либо символика форм, говорящая уму уже без поэзии, после того как в течение долгого развития оба искусства были связаны и в конце концов музыкальная форма уже всецело пропиталась понятиями и чувствами. Люди, стоящие на ранней ступени развития музыки, могут воспринимать чисто формалистически ту же самую музыкальную пьесу, в которой более передовые натуры понимают все символически. Сама по себе никакая музыка не глубока и не исполнена значения, она не говорит о «воле», о «вещи в себе»; это интеллект мог вообразить лишь в эпоху, которая завоевала для музыкальной символики всю область внутренней жизни. Сам интеллект вложил в звуки эту значительность – как он вложил ту же значительность в линии и массы в архитектуре, – значительность, которая сама по себе совершенно чужда механическим законам.
216
Жест и язык. Старее языка подражание жестам, которое происходит непроизвольно и теперь еще, при всеобщем вытеснении языка жестов и развитой дисциплине мускулов, настолько сильно, что мы не можем видеть подвижного лица без иннервации нашего лица (можно заметить, что симулированная зевота вызывает естественную зевоту у того, кто ее видит). Подражательный жест приводил подражающего к тому же ощущению, которое этот жест выражал на лице или теле оригинала. Так люди научились понимать друг друга; так еще теперь дитя учится понимать свою мать. В общем, болезненные ощущения, вероятно, также выражались в жестах, которые в свою очередь причиняли страдание (как вырывание волос, битье себя в грудь, насильственное искривление и напряжение лицевых мускулов). Напротив, жесты удовольствия сами приносили удовольствие и потому легко годились для передачи понимания (смех как проявление щекотки, которая приятна, служил в свою очередь выражением других радостных ощущений). – Когда стали понимать друг друга в жестах; могла возникнуть новая символика жестов; я хочу сказать: стало возможным условиться о языке звуковых знаков, и притом так, что сперва звук произносился одновременно с жестом (к которому он символически присоединялся), а позднее произносился один только звук. – По-видимому, в раннюю эпоху часто случалось то же самое, что теперь совершается перед нашими глазами и ушами в развитии музыки, и в особенности драматической музыки: тогда как прежде музыка без объяснительного танца и мимики (языка жестов) была пустым шумом, теперь благодаря долгой привычке к этому совместному восприятию музыки и движения ухо научилось тотчас же толковать звуковые фигуры и достигает наконец такой быстроты понимания, что совсем уже не нуждается в видимом движении и понимает композитора без него. Тогда говорят об абсолютной музыке, т. е. о музыке, в которой все тотчас же понимается символически без дальнейших указаний.
217
Обесчувствление высшего искусства. Благодаря исключительному развитию интеллекта через художественное развитие новой музыки наши уши становятся все более интеллектуальными. Поэтому мы теперь выносим гораздо большую силу звука, гораздо больше «шуму», ибо мы гораздо лучше, чем наши предки, приучились внимать разуму в нем. Фактически все наши чувства именно потому, что они всегда спрашивают о разуме, т. е. о том, «что означает», а уже не о том, «что есть», немного отупели; такое отупение сказывается, например, в исключительном господстве температуры звуков; ибо теперь уши, которые еще улавливают более тонкие различия, например между cis и des, принадлежат к исключениям. В этом отношении наше ухо огрубело. Далее, безобразная, изначально враждебная чувствам сторона мира была завоевана для музыки; способность последней выражать возвышенное, страшное, таинственное тем самым изумительно расширилась: наша музыка дарует теперь речь таким вещам, которые прежде были бессловесны. Сходным образом некоторые живописцы сделали глаз более интеллектуальным и далеко вышли за пределы того, что прежде называлось наслаждением красками и формами. И здесь та сторона мира, которая первоначально считалась безобразной, была завоевана художественным разумом. – К чему все это приводит? Чем более глаз и ухо становятся способными к мышлению, тем более они приближаются к границе, где они становятся бесчувственными: удовольствие переносится в мозг, сами органы чувств тупеют и слабеют, символическое все более заступает место реального – и, таким образом, на этом пути мы столь же верно доходим до варварства, как и на каком-либо ином. Пока наше чувство еще гласит: мир безобразнее, чем когда-либо, но он означает прекраснейший из всех возможных миров. Но чем более рассеивается и улетучивается благоухание значения, тем реже встречаются люди, которые еще воспринимают его; остальные же знают только безобразное и пытаются непосредственно извлечь из него наслаждение, что, однако, должно им удаваться все хуже. Так, в Германии существует двоякое течение в музыкальном развитии: с одной стороны, несколько десятков тысяч людей со все более высокими и тонкими запросами, внимающие только «значению», а с другой – огромное большинство, которое с каждым годом становится все менее способным понимать значительное в чувственно безобразной форме и потому все более научается непосредственно довольствоваться безобразным и отвратительным, т. е. низменночувственным в музыке.
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Камень ныне более камень, чем прежде. Мы уже в общем не понимаем более архитектуры или по меньшей мере понимаем ее далеко не так, как музыку. Мы уже выросли из символизма линий и фигур, подобно тому как мы отвыкли от звуковых воздействий риторики; эта сторона образования уже не была для нас молоком матери, которое мы всасывали с первых мгновений нашей жизни. В греческом или христианском здании первоначально все означало нечто, и притом в отношении высшего порядка вещей: это настроение неисчерпаемой значительности окружало здание, подобно волшебному покрывалу. Красота входила в систему, лишь как второстепенное начало, не умаляя существенно основного чувства таинственно-возвышенного, освященного магией и близостью божества; красота разве только смягчала ужас— но этот ужас был всегда необходимым условием. – Что означает теперь для нас красота здания? То же, что красивое лицо бездушной женщины: нечто подобное маске.
219
Религиозное происхождение новой музыки. Музыка настроения возникает в возрожденном католицизме после Тридентского собора в лице Палестрины, который выразил в звуках вновь пробудившийся дух интимности и глубокого внутреннего движения; позднее, в лице Баха, она возникает и в протестантизме, поскольку последний был углублен пиетистами и лишен своего первоначального догматического характера. Предпосылкой и необходимой предварительной ступенью для того и другого возникновения новой музыки является то изучение музыки, которое было свойственно эпохе Возрождения и предшествовавшей ей эпохе, а именно чисто ученое занятие музыкой, в сущности научное наслаждение мастерскими приемами гармонии и голосоведения. С другой стороны, ей должна была предшествовать и опера: в последней профан выражал свой протест против слишком ученой и холодной музыки и хотел снова дать душу Полигимнии. – Без этого глубоко религиозного переворота настроения, без этой потребности выразить в звуках интимнейшие движения души музыка осталась бы ученой или оперной; дух Контрреформации есть дух современной музыки (ибо и пиетизм в музыке Баха есть тоже своего рода Контрреформация). Столь многим мы обязаны религиозной жизни. – Музыка была Контрренессансом в области искусства; к ней принадлежит и позднейшая живопись Мурильо, а также, быть может, стиль барокко – во всяком случае более, чем архитектура Ренессанса или древности. И еще теперь позволительно поставить вопрос: если бы наша новая музыка могла двигать камни, создала бы она из них античную архитектуру? Я сильно сомневаюсь в этом. Ибо то, что властвует в музыке, – аффект, наслаждение повышенным, напряженным настроением, желание жизненности во что бы то ни стало, быстрая смена ощущений, резкая рельефность света и теней, сочетание экстаза с наивностью – все это уже некогда властвовало в пластических искусствах и создавало новые законы стиля – но то было не в античную эпоху и не в эпоху Ренессанса.
220
Потустороннее в искусстве. Не без глубокой скорби приходится признать, что художники всех эпох в их высшем подъеме возносили до небесного преображения именно те представления, которые мы теперь признали должными: они возвеличивали религиозные и философские заблуждения человечества и не могли бы делать это без веры в абсолютную истинность последних. И если вера в эту истинность вообще приходит в упадок, если начинают бледнеть радужные цвета на крайних пределах человеческого познавания и воображения, – то уже никогда более не может расцвести тот род искусства, который, подобно divina commedia, картинам Рафаэля, фрескам Микеланджело, готическим соборам, предполагает не только космическое, но и метафизическое значение художественных объектов. Трогательным преданием станет некогда, что существовало такое искусство, такая вера художников.
221
Революция в поэзии. Строгая дисциплина, которую налагали на себя французские драматурги в отношении единства действия, места и времени, в отношении стиля, строения стиха и предложения, выбора слов и мыслей, была столь же важной школой, как школа контрапункта и фуги в развитии современной музыки или как горгиевы фигуры в греческом красноречии. Связывать себя в такой мере может показаться нелепым; тем не менее не существует иного средства выйти из натурализма, как сначала связать себя сильнейшим образом (быть может, произвольнейшим образом). Научаешься постепенно грациозно ходить даже по узким тропинкам, по которым переходишь через головокружительные пропасти, и приносишь с собой, как добычу, величайшую легкость движения – как то доказывает история музыки на глазах всех ныне живущих. Здесь можно видеть, как шаг за шагом оковы становятся слабее, пока наконец не начинает казаться, что они совсем отброшены: эта иллюзия есть высший результат необходимого развития в искусстве. В современной поэзии не существовало такого счастливого постепенного высвобождения из оков, наложенных на себя самого. Лессинг сделал французскую форму, т. е. единственную современную художественную форму, посмешищем в Германии и указал на Шекспира; так была утрачена непрерывность в расковывании и был сделан прыжок назад, в натурализм, – т. е. в зачаточное состояние искусства. Из него пытался спастись Гете тем, что он умел постоянно сызнова на различные лады связывать себя; но и самый даровитый человек не может пойти далее непрерывных экспериментов, раз нить развития уже порвана. Шиллер обязан приблизительной выдержанностью своей формы непроизвольно почитаемому, хотя и непризнаваемому образцу французской трагедии и держался довольно независимо от Лессинга (драматические опыты которого он, как известно, отвергал). Сами французы после Вольтера сразу лишились великих талантов, которые могли бы продолжить развитие трагедии от дисциплины до указанной иллюзии свободы; они позднее по немецкому примеру тоже сделали прыжок в своего рода первобытное состояние искусства, в духе Руссо, и начали экспериментировать. Нужно перечитывать время от времени «Магомета» Вольтера, чтобы ясно осознать, что европейская культура потеряла раз навсегда вследствие этого разрыва традиции. Вольтер был последним великим драматургом, который укрощал греческой мерой свою многообразную, доступную величайшим трагическим бурям душу, – он был способен на то, на что не был способен ни один немец, ибо натура француза гораздо более родственна греческой, чем натура немца, – он был также последним великим писателем, который в отношении прозаической речи имел греческое ухо, греческую художественную добросовестность, греческую безыскусственность и наивную прелесть; он был ведь вообще одним из последних людей, которые могли сочетать высшую свободу духа с безусловно нереволюционным умонастроением, не будучи непоследовательными и трусливыми. С тех пор во всех областях достиг господства современный дух, с его беспокойством, с его ненавистью против меры и границы, сперва разнузданный революционной лихорадкой, а потом снова налагающий на себя узду, когда на него нападает страх и трепет перед самим собой, – но уже не узду художественной меры, а узду логики. Правда, благодаря этой разнузданности мы некоторое время можем наслаждаться поэзиями всех народов, всем растущим в потаенных местах, первобытным, дикоцветущим, причудливо-прекрасным и богатырски-произвольным, начиная от народной песни вплоть до «великого варвара» Шекспира; мы лакомимся местными цветами и историческими костюмами – удовольствие, которое доселе было чуждо всем художественным народам; мы обильно пользуемся «варварскими преимуществами» («barbarische Avantagen»), к которым апеллировал Гете против Шиллера, чтобы выставить в более благоприятном свете бесформенность своего Фауста. Но надолго ли еще? Надвигающийся прилив поэзий всех стилей и всех народов должен ведь постепенно затопить почву, на которой было еще возможно тихое, скрытое произрастание; все поэты должныведъ стать экспериментирующими подражателями, дерзкими копировщиками, как бы велика ни была первоначально их сила; наконец, публика, которая разучилась видеть в укрощении изобразительной силы, в организующем овладении всеми художественными средствами подлинное художественное деяние, должна все более ценить силу ради силы, цвет ради цвета, мысль ради мысли, вдохновение ради вдохновения; поэтому она совсем не сможет воспринимать элементы и условия художественного произведения, если они не будут изолированы, и в конце концов поставить естественное требование, что художник должен давать их ей в изолированном виде. Да, мы отбросили «неразумные» оковы французско-греческого искусства, но незаметно привыкли считать неразумными все оковы, всякое ограничение – и потому искусство идет навстречу своему разложению и при этом – что, впрочем, крайне поучительно – соприкасается со всеми фазами своих зачатков, своего детства, своего несовершенства, своих прежних дерзновений и прегрешений: погибая, оно истолковывает свое возникновение, свое созидание. Один из великих людей, на инстинкт которого можно положиться и теории которого не хватало всего лишь тридцати лишних лет практики, – лорд Байрон – однажды сказал: «Что касается поэзии вообще, то, чем более я об этом размышляю, тем тверже я убеждаюсь, что все мы без исключения стоим на ложном пути. Все мы следуем внутренне ложной революционной системе, – наше или ближайшее поколение все-таки придет к этому убеждению». И тот же Байрон сказал: «Я считаю Шекспира худшим образцом, хотя и самым выдающимся поэтом». И разве зрелое художественное воззрение Гете во второй половине его жизни не говорит, в сущности, того же самого? – то воззрение, которым он настолько опередил ряд поколений, что в общем и целом можно утверждать, что влияние Гете вообще еще не обнаружилось и что время его еще впереди? Именно потому, что его натура долгое время держала его на пути поэтической революции, именно потому, что он лучше всех узнал, сколько новых находок, перспектив и вспомогательных средств было косвенно открыто благодаря этому разрыву традиции и как бы выкопано из-под развалин искусства, – его позднейший поворот и обращение в иную веру имеют такое большое значение: оно означает, что он испытывал глубочайшую потребность по крайней мере фантазией взора мысленно вернуть прежнюю полноту и совершенство сохранившимся развалинам и колоннадам храма, если бы сила руки оказалась слишком слабой, чтобы строить там, где для одного лишь разрушения нужны были столь огромные силы. Так жил он в искусстве, как в воспоминании об истинном искусстве; его поэтическое творчество стало вспомогательным средством воспоминания, понимания старых, давно исчезнувших эпох искусства. Его требования были, правда, в отношении силы новой эпохи неосуществимы; но скорбь об этом с избытком возмещалась радостью, что они некогда были осуществлены и что и мы еще можем приобщаться к этому осуществлению. Не личности, а более или менее идеальные маски; не действительность, а аллегорические обобщения; характеры эпохи, местные краски, ослабленные почти до невидимости и превращенные в мифы; современные чувства и проблемы современного общества, сведенные к их простейшим формам, лишенные своих привлекательных, интересных, патологических качеств и сделанные бесплодными во всех смыслах, кроме артистического; никаких новых тем и характеров, а лишь постоянно новое одушевление и преобразование старых, давно привычных характеров – таково искусство, как его позднее понимал Гете и как его осуществляли греки, а также и французы.
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Что остается от искусства. Справедливо, что при известных метафизических предпосылках ценность искусства значительно возрастает, например когда существует вера в то, что характер неизменен и что сущность мира постоянно выражается во всех характерах и поступках; тогда произведение художника становится образом вечно пребывающего, между тем как для нашего понимания художник может придать своему образу лишь временное значение, ибо человек в целом есть создание времени и изменчив и даже отдельный человек не есть нечто прочное и неизменное. – Точно так же дело обстоит и с другой метафизической предпосылкой: если допустить, что наш видимый мир есть лишь явление, как это принимают метафизики, то искусство стояло бы довольно близко к действительному миру; ибо между миром явлений и миром художественных грез было бы тогда весьма большое сходство; а остающееся различие делало бы значение искусства еще большим, чем значение природы, так как искусство изображает неизменную форму, типы и образцы природы. – Но эти предпосылки ложны; каково же может быть положение искусства, раз это признано? Прежде всего оно в течение тысячелетий учило с интересом и радостью смотреть на жизнь во всякой ее форме и развивать наше чувство до того, чтобы мы могли воскликнуть: «Какова бы ни была жизнь, она хороша!» Это учение искусства – получать радость от бытия и рассматривать человеческую жизнь как часть природы, без слишком бурного участия в ней, как предмет закономерного развития, – это учение вросло в нас, оно теперь снова проявляется в нас как всемогущая потребность познания. Можно было бы отказаться от искусства, но вместе с ним еще не была бы потеряна способность, которую мы приобрели от него; подобно тому как мы отказались от религии, но не от приобретенного через нее усиления и повышения чувства. Как пластическое искусство и музыка есть мерило душевного богатства, действительно приобретенного и умноженного через религию, так после исчезновения искусства посеянная им интенсивность и многообразность жизненной радости продолжали бы еще искать удовлетворения. Научный человек есть дальнейшее развитие художественного человека.
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Вечерняя заря искусства. Как в старости человек вспоминает свою юность и справляет праздники воспоминания, так и отношение человечества к искусству будет скоро трогательным воспоминанием о радостях юности. Быть может, никогда еще прежде искусство не воспринималось так глубоко и интимно, как теперь, когда его, по-видимому, окружает магия смерти. Вспомним тот греческий город в нижней Италии, который ежегодно в определенный день справлял свои греческие празднества среди воздыханий и слез о том, что иноземное варварство все более побеждает его принесенные с родины нравы; нигде, вероятно, люди не наслаждались так сильно эллинским началом, никогда не впивали этот золотой нектар с таким сладострастием, как среди этих вымирающих эллинов. На художника скоро будут смотреть как на прекрасный пережиток; точно дивному чужестранцу, от силы и красоты которого зависело счастье прежних времен, ему будут оказывать почести, какие редко выпадают на долю равного нам. Лучшее в нас, быть может, унаследовано от чувств прежних эпох, которые теперь уже вряд ли доступны нам непосредственно; солнце уже закатилось, но небо нашей жизни еще пламенеет и сияет его лучами, хотя мы уже не видим его.
Отдел пятый: Признаки высшей и низшей культуры
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Облагорожение через вырождение. История учит, что лучше всего сохраняется то племя, в котором большинство людей имеют живое чувство солидарности вследствие одинаковости их привычных и непререкаемых принципов, т. е. вследствие их общей веры. Здесь крепнут нравы хорошей, деятельной жизни, здесь личность научается подчинению и воспитанием развивается твердость, уже изначала присущая характеру. Опасность этих крепких обществ, опирающихся на однородные, сильные личности, состоит в том, что они легко глупеют и что это оглупление, которое, как тень, всегда сопровождает всякую устойчивость, постепенно растет, передаваясь по наследству. В таких обществах духовный прогресс зависит от более разнузданных, неустойчивых и морально слабых личностей: от людей, которые ищут нового и вообще пускаются в разные поиски. Бесчисленное множество людей такого рода погибает благодаря своей слабости, не оказав никакого заметного влияния; но в целом, особенно если они имеют потомство, они ослабляют общественные узы и время от времени наносят раны устойчивому элементу общества. Именно в таком больном и слабом месте обществу как бы прививается нечто новое; но его общая сила должна быть достаточно велика, чтобы воспринять в свою кровь это новое и ассимилировать его. Вырождающиеся натуры имеют величайшее значение всюду, где должен наступить прогресс. Всякому прогрессу в целом должно предшествовать частичное ослабление. Более сильные натуры сохраняют тип, более слабые – помогают его развивать. – Нечто подобное применимо и к отдельному человеку; в большинстве случаев вырождение, уродство, даже порок и вообще физический или нравственный ущерб связаны с выгодой в каком-либо ином отношении. Болезненный человек будет, например, среди воинствующего и беспокойного племени иметь больше повода оставаться с самим собой и оттого станет спокойнее и мудрее, одноглазый лучше разовьет зрение одним глазом, слепой будет глубже смотреть внутрь и во всяком случае иметь более острый слух. В этом смысле пресловутая борьба за существование кажется мне не единственной точкой зрения, с которой может быть объяснено прогрессирование и усиление человека или расы. Напротив, здесь должны соединиться двоякого рода условия: во-первых, умножение устойчивой силы через связь сознаний в общей вере и социальном чувстве; затем, возможность достигать более высоких целей, благодаря тому что встречаются вырождающиеся натуры и вследствие этого сила устойчивости испытывает частичные ослабления и уязвления; именно, более слабая натура, будучи более утонченной и нежной, делает возможным вообще какое-либо движение вперед. Народ, который в каком-либо отношении начинает разрушаться и слабеть, но в целом еще силен и здоров, способен воспринять в себя заразу нового и усвоить ее к своей выгоде. В отношении отдельного человека задача воспитания сводится к следующему: ему надо придать такую прочность и устойчивость, чтобы, как целое, он уже не мог быть отклонен от своего пути. Но затем воспитатель должен еще нанести ему раны или использовать те раны, которые нанесены ему ударами судьбы, и когда таким образом возникли боль и потребность, то и в пораненные места может быть привито что-либо новое и благородное. Его натура в целом воспримет это и позднее в своих плодах обнаружит следы облагорожения. – Что касается государства, то Макиавелли говорит, что «форма правительства имеет весьма небольшое значение, хотя полуобразованные люди и думают иначе. Великой целью государственного искусства должна быть устойчивость, которая перевешивает все остальное, ибо она гораздо ценнее, чем свобода». Лишь при прочно основанной и обеспеченной длительности правления возможно вообще постоянное развитие и облагораживающая прививка. Правда, опасный спутник всякой устойчивости – авторитет борется по обыкновению против этого.
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Свободный ум есть относительное понятие. Свободным умом называют того, кто мыслит иначе, чем от него ждут на основании его происхождения, среды, его сословия и должности или на основании господствующих мнений эпохи. Он есть исключение, связанные умы суть правило; последние упрекают его в том, что его свободные принципы либо возникли из желания выделяться, либо же заставляют в нем предполагать свободные поступки, т. е. поступки, несоединимые со связанной моралью. Иногда ему говорят также, что те или иные свободные принципы должны быть объяснены из его умственной бестолковости или ненормальности; но так говорит лишь злоба, которая сама не верит тому, что говорит, а хочет только причинять вред: ибо свидетельство в пользу большей остроты и верности его интеллекта обыкновенно написано на лице у свободного ума, и настолько отчетливо, что и связанные умы понимают его достаточно хорошо. Но два других выведения свободомыслия принимаются честно; и действительно, многие свободные умы возникают одним из этих двух способов. Тем не менее суждения, до которых они доходят такими путями, могут все же быть более правильными и достоверными, чем суждения связанных умов. В познании истины все сводится к тому, что она достигнута, а не к тому, по какому мотиву человек искал ее и каким путем ее нашел. Если свободные умы правы, то связанные умы не правы, хотя бы первые пришли к истине из безнравственности, а последние из нравственности доселе оставались в заблуждении. – Впрочем, к существу свободного ума не принадлежит то, что он имеет более верные мнения, а лишь то, что он освободился от всякой традиции, все равно, успешно или неудачно. Но обыкновенно он все же будет иметь на своей стороне истину или по крайней мере дух искания истины: он требует оснований, другие же – только веры.
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Происхождение веры. Отношение связанного ума к вещам определяется не основаниями, а привычкой; он, например, христианин не потому, что уяснил себе различные религии и сделал выбор между ними; он англичанин не потому, что решил быть таковым, а просто он нашел готовыми христианство или британство и взял их без всяких оснований, подобно тому как человек, родившийся в стране, производящей вино, потребляет вино. Позднее, когда он уже был христианином или англичанином, он, быть может, изобрел и некоторые основания в пользу своей привычки; эти основания можно опрокинуть, но тем самым еще не разрушается вся его позиция. Заставьте, например, связанный ум привести основания против двоеженства, – тогда можно узнать, покоится ли его святая ревность в защите моногамии на основаниях или на привычке. Привычка к духовным основным принципам, лишенным основания, называется верой.
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Обратное заключение от следствий к основанию и никакому основанию. Все государства и социальные порядки: сословия, брак, воспитание, право, – все это черпает свою силу и устойчивость только из веры в него связанных умов – т. е. из отсутствия оснований или по крайней мере из отклонения вопроса об основаниях. В этом связанные умы неохотно сознаются и хорошо чувствуют, что это есть некоторое pudendum. Христианство, которое было весьма невинно в своих интеллектуальных идеях, совсем не замечало этого pudendum, требовало веры, и только веры, и страстно отклоняло требование оснований; оно указывало на результаты веры: вы уже знаете преимущества веры, намекало оно, вы обретете через нее блаженство. Фактически государство поступает так же, и каждый отец воспитывает так своего сына. «Считай это истинным, – говорит он, – ты сам испытаешь, какую это приносит пользу». Но это означает, что из личной пользы какого-либо мнения должна быть доказана его истинность; удобство учения должно свидетельствовать о его интеллектуальной прочности и обоснованности. Это все равно, как если бы обвиняемый заявил перед судом: мой защитник говорит безусловную истину; ибо обратите внимание на то, что следует из его речи: я должен быть оправдан. – Так как связанные умы держатся принципов ради своей пользы, то они предполагают, что и свободный ум в своих воззрениях ищет лишь собственной пользы и считает истинным только то, что ему как раз выгодно. Но так как ему, по-видимому, полезно противоположное тому, что полезно его соотечественникам и членам его сословия, то последние предполагают, что его принципы опасны им; они говорят или чувствуют: он не смеет быть правым, ибо он нам вреден.
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Сильный, хороший характер. Связанность воззрений, обратившаяся через привычку в инстинкт, ведет к тому, что зовется силою характера. Когда человек действует на основании немногих, но всегда одинаковых мотивов, то его действия приобретают большую энергию; если эти действия гармонируют с принципами связанных умов, то они получают признание и возбуждают при случае в их виновнике чувство чистой совести. Немногочисленные мотивы, энергичное поведение и чистая совесть составляют то, что зовется силой характера. Человеку с сильным характером недостает знания многих возможностей и направлений действования: его интеллект не свободен, связан, ибо он показывает ему в определенном случае, быть может, только две возможности; между последними он соответственно всей своей природе с необходимостью должен выбирать, и он делает это легко и быстро, потому что ему не приходится выбирать между пятьюдесятью возможностями. Воспитывающая среда хочет сделать каждого человека несвободным, ставя всегда перед ним лишь наименьшее число возможностей. Воспитатели рассматривают индивида так, как будто он, хотя и есть нечто новое, должен стать повторением. Если человек непосредственно представляется чем-то незнакомым, никогда не бывшим, то из него нужно сделать нечто знакомое, бывалое. Хорошим характером в ребенке называют проявляющуюся в нем связанность уже существующим; ребенок, становясь на сторону связанных умов, обнаруживает сперва свое пробуждающееся чувство солидарности; но на основе этого чувства он позднее станет полезным своему государству или сословию.
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Мерило вещей у связанных умов. Четыре рода вещей связанные умы признают правомерными. Во-первых, все вещи, имеющие устойчивость, правомерны; во-вторых, все вещи необременительные правомерны; в-третьих, все вещи, приносящие пользу, правомерны; в-четвертых, все вещи, которым мы принесли жертвы, правомерны. Последнее объясняет, например, почему война, начатая против воли народа, продолжает вестись с воодушевлением, как только ей принесена первая жертва. – Свободные умы, которые защищают свое дело перед судилищем связанных умов, должны доказать, что всегда существовали свободные умы, т. е. что свободомыслие обладает устойчивостью, затем что они не хотят быть обременительными и, наконец, что они в общем приносят пользу связанным умам; но так как они не могут убедить в последнем связанные умы, то им не приносит пользы доказательство первого и второго пунктов.
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Tsprit fort. По сравнению с тем, кто имеет на своей стороне традицию и не нуждается в обосновании своего поведения, свободный ум всегда слаб, особенно в действовании: ибо он знает слишком много мотивов и точек зрения и потому имеет неуверенную, неопытную руку. Каковы же средства, чтобы все же сделать его относительно сильным, так чтобы он по крайней мере мог пробиться и не погиб бесплодно? Как возникает сильный ум (esprit fort)? Это есть единичный случай общего вопроса о созидании гения. Откуда берется та энергия, та непреклонная сила и выдержка, с которой отдельный человек вопреки традиции стремится приобрести совершенно индивидуальное познание мира?
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Возникновение гения. Проницательность, с которой заключенный ищет средств к своему освобождению, хладнокровнейшее и упорнейшее использование малейшего преимущества могут научить нас, к каким приемам прибегает иногда природа, чтобы осуществить гения, – слово, которое я прошу понимать без всякого мифологического и религиозного привкуса; она сажает его в темницу и до крайних пределов раздражает его жажду освободить себя. – Или, в другом образе: человек, который совершенно заблудился в лесу, но с необычайной энергией стремится выйти на простор в каком-нибудь направлении, может случайно открыть новый путь, которого еще никто не знал; так возникают гении, приобретающие славу оригинальности. – Было уже упомянуто, что уродство, искалеченность, существенный недостаток какого-либо органа часто дает повод к тому, чтобы другой орган развился необычайно хорошо, ибо он должен выполнять свою собственную функцию и, кроме того, еще иную. Отсюда можно отгадать источник многих блестящих дарований. – Эти общие указания о возникновении гения следует применить к специальному случаю – к возникновению совершенного свободного ума.
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Догадка об источнике свободомыслия. Подобно тому как увеличиваются глетчеры, когда в экваториальных областях солнце сильнее прежнего жжет море, – так, быть может, особенно сильное и растущее свободомыслие есть свидетельство того, что где-либо чрезвычайно повысился жар чувства.
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Голос истории. В общем история, по-видимому, дает следующее наставление о возникновении гения: эксплуатируйте и истязайте людей – так говорит она страстям зависти, ненависти и соревнования, – доводите их до крайности, возбуждайте человека против человека, народ против народа, и притом в течение целых веков. Тогда как бы из отлетевшей в сторону искры зажженной этим страшной энергии, быть может, сразу возгорится свет гения; воля, одичавшая, подобно коню под шпорами всадника, вырвется тогда и перекинется на другую область. – Кто постиг бы условия созидания гения и хотел бы практически применить способ, которого при этом обыкновенно придерживается природа, тот должен был бы быть столь же злым и беспощадным, как природа. – Но, быть может, мы неверно расслышали голос истории.
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Ценность середины пути. Быть может, созидание гения есть удел лишь ограниченной эпохи человеческой истории. Ибо нельзя ожидать от будущего человечества зараз всего того, что могли создать только совершенно определенные условия прошлого; например, нельзя ожидать изумительного действия религиозного чувства. Это последнее само имело свое время, и многое хорошее уже никогда не сможет вырасти, потому что оно могло расти только из него. Так, уже никогда не будет существовать религиозно ограниченный горизонт жизни и культуры. Быть может, даже тип святого возможен лишь при известной ограниченности интеллекта, которая, по-видимому, навсегда отошла в область прошлого. Так и высота разума, быть может, предназначена отдельной эпохе человечества: она выступала – и выступает, поскольку мы еще живем в этой эпохе, – когда чрезвычайная, долго накоплявшаяся энергия воли в виде исключения наследственно переносилась на духовные цели. Высота эта исчезнет, когда уже не будет более развиваться такая дикость и энергия. Человечество, быть может, в середине своего пути, в промежуточную эпоху своего существования, подходит ближе к своей подлинной цели, чем в конце пути. Силы, например, которыми обусловлено искусство, могут прямо-таки вымереть; любовь к лжи, к неточному, символическому, к упоению и экстазу может стать предметом презрения. И вообще, поскольку жизнь упорядочена в совершенном государстве, постольку из современности нельзя извлечь никакого мотива для поэтического творчества, и только отсталые люди будут еще нуждаться в художественном вымысле. Во всяком случае последние будут тогда с тоскою обращаться назад, ко временам несовершенного государства, полуварварского общества, – к нашим временам.
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Противоречие между гением и идеальным государством. Социалисты стремятся создать благополучную жизнь для возможно большего числа людей. Если бы постоянная родина такой благополучной жизни – совершенное государство – действительно была достигнута, то этим благополучием была бы разрушена почва, из которой произрастает великий интеллект и вообще могущественная личность: я разумею сильную энергию. Когда это государство было бы достигнуто, человечество стало бы слишком вялым, чтобы еще быть в состоянии созидать гения. Не следует ли поэтому желать, чтобы жизнь сохранила свой насильственный характер и чтобы постоянно сызнова возбуждались дикие силы и энергии? Однако теплое, сострадательное сердце хочет именно устранения этого насильственного и дикого характера, и самое горячее сердце, какое только можно себе представить, страстно требовало бы этого – тогда как сама его страсть заимствовала свое пламя и жар и даже все свое бытие именно из этого дикого и насильственного характера жизни; итак, самое горячее сердце хочет устранения своего фундамента, уничтожения самого себя, – а это значит ведь: оно хочет чего-то нелогичного, оно неразумно. Высочайшая разумность и самое горячее сердце не могут совмещаться в одной личности, и мудрец, высказывающий приговор над жизнью, возвышается и над добротой и рассматривает ее лишь как нечто, что также должно быть оценено в общем итоге жизни. Мудрец должен противодействовать этим распущенным желаниям неразумной доброты, ибо ему важно сохранение его типа и конечное возникновение высшего интеллекта; по меньшей мере он не будет содействовать учреждению «совершенного государства», поскольку в последнем будут ютиться только вялые личности. Напротив, Христос, которого мы можем мыслить как самое горячее сердце, содействовал оглуплению людей, стал на сторону нищих духом и задержал возникновение высочайшего интеллекта; и это было последовательно. Его противообраз, совершенный мудрец, – это можно, я думаю, предсказать наперед – будет столь же необходимо помехой для возникновения Христа. – Государство есть мудрая организация для взаимной защиты личностей; если чрезмерно усовершенствовать его, то в конце концов личность будет им ослаблена и даже уничтожена – т. е. будет в корне разрушена первоначальная цель государства.
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Пояса культуры. Можно образно сказать, что эпохи культуры соответствуют поясам различных климатов, с тою только разницей, что они следуют одна за другой, а не лежат рядом, как географические зоны. По сравнению с умеренным поясом культуры, перейти в который есть наша задача, предыдущий период в общем производит впечатление тропического климата. Страшные противоположности, резкая смена дня и ночи, жара и блеск цветов, почитание всего внезапного, таинственного, ужасного, быстрота наступления непогоды, всюду расточительное переливание через край рога изобилия природы; и напротив, в нашей культуре, ясное, но не сияющее небо, чистый, почти неизменяющийся воздух, прохлада, иногда даже холод – так отделяются один от другого оба пояса. Если там мы видим, как бешеные страсти с жуткой силой побеждаются и сокрушаются метафизическими представлениями, то мы имеем ощущение, как будто на наших глазах в тропической стране дикие тигры сплющиваются в объятиях огромных извивающихся змей; в нашем духовном климате не случаются подобные происшествия, наша фантазия более умеренна; даже во сне нам недоступно то, что прежние народы видели наяву. Но не должны ли мы радоваться этой перемене, даже допуская, что художники потерпели существенный ущерб от исчезновения тропической культуры и находят нас, нехудожинков, немного слишком трезвыми? В этом смысле художники, конечно, правы, отрицая «прогресс», ибо действительно позволительно по меньшей мере усомниться, обнаруживают ли последние три тысячелетия прогрессивное развитие искусств; и точно так же метафизический философ вроде Шопенгауэра не будет иметь основания признавать прогресс, оценивая четыре последних тысячелетия с точки зрения развития метафизической философии и религии. – Для нас, однако, само существование умеренного пояса культуры означает прогресс.
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Возрождение и Реформация. Итальянское Возрождение таило в себе все положительные силы, которым мы обязаны современной культурой, именно: освобождение мысли, презрение к авторитетам, победу образования над высокомерием родовой знати, восторженную любовь к науке и к научному прошлому людей, снятие оков с личности, пламя правдивости и отвращение к пустой внешности и эффекту (это пламя вспыхивало в целом множестве художественных характеров, которые требовали от себя совершенства своих произведений, и одного лишь совершенства, в союзе с высшей нравственной чистотой); более того, Возрождение обладало положительными силами, которые во всей современной культуре еще не обнаружились столь же могущественно. То был золотой век нашего тысячелетия, несмотря на все его пятна и пороки. На его фоне немецкая Реформация выделяется как энергичный протест отсталых умов, которые еще отнюдь не насытились миросозерцанием Средних веков и ощущали признаки его разложения – необычайно плоский и внешний характер религиозной жизни – не с восхищением, как это следовало, а с глубоким недовольством. Со своею северною силой и твердолобием они снова отбросили человечество назад и добились Контрреформации, т. е. католического христианства самообороны, с жестокостями осадного положения, и столь же задержали на два или три столетия полное пробуждение и торжество наук, как сделали, по-видимому, навсегда невозможным совершенное слияние античного и современного духа. Великая задача Возрождения не могла быть доведена до конца, протест отсталого германства (которое в середине века имело достаточно разума, чтобы постоянно, к своему благу, переходить через Альпы) воспрепятствовал этому. От случайного исключительного стечения политических условий зависело, что Лютер в ту пору уцелел и что этот протест приобрел силу: ибо его защищал император, чтобы использовать его реформу как орудие давления на папу, и, с другой стороны, ему втайне покровительствовал папа, чтобы использовать протестантских властителей в противовес императору. Без этого случайного совпадения намерений Лютер был бы сожжен, подобно Гусу, – и утренняя заря Просвещения взошла бы несколько ранее и с более прекрасным, неведомым нам теперь сиянием.
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Справедливость к становящемуся Богу. Когда вся история культуры развертывается перед нашим взором как хаос злых и благородных, истинных и ложных представлений и при взгляде на этот волнующийся океан мы почти ощущаем морскую болезнь, то мы понимаем, какое утешение содержится в представлении становящегося Бога: этот Бог все более обнаруживается в изменениях и судьбах человечества, и, стало быть, не все в них есть слепая механика, бессмысленное и бесцельное столкновение сил. Обожествление становления есть метафизическая перспектива – как бы открывающаяся с маяка над морем истории, – перспективы, в которой находило себе утешение слишком историческое поколение ученых; на это не следует сердиться, как бы ошибочно ни было указанное представление. Лишь кто, подобно Шопенгауэру, отрицает развитие, тот совсем не чувствует, как жалко это историческое биение волн, и потому, ничего не зная о становящемся Боге и о потребности в его допущении, имеет право насмехаться над ним.
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Плоды по времени. Всякое лучшее будущее, которого желают человечеству, есть неизбежно в некоторых отношениях и худшее будущее: ибо было бы мечтательством верить, что новая высшая ступень человечества соединит все преимущества прежних ступеней и, например, должна произвести и высшую форму искусства. Скорее каждое время имеет свои преимущества и прелести и исключает преимущества и прелести других времен. То, что выросло из религии и в ее соседстве, не может уже расти, когда разрушена сама религия; в крайнем случае заблудшие и запоздалые отростки могут внушить обманчивое представление об этом, как и временно прорывающееся воспоминание о старом искусстве, – состояние, которое, правда, выдает чувство утраты, лишения, но не доказывает наличности силы, из которой могло бы родиться новое искусство.
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Возрастающая серьезность мира. Чем выше оказывается культура человека, тем больше областей становятся недоступными шутке, насмешке. Вольтер был сердечно благодарен небу за изобретение брака и церкви, ибо этим оно так хорошо позаботилось о нашем увеселении. Но он и его время и до него шестнадцатый век высмеяли до конца эти темы; всякое остроумие в этой области теперь уже запоздало и прежде всего слишком дешево, чтобы привлечь покупателей. Теперь спрашивают о причинах; наше время есть эпоха серьезности. Кому еще охота рассматривать в шутливом свете различия между действительностью и притязательной внешностью, между тем, что человек есть, и тем, что он хочет представлять; ощущение этих контрастов действует совершенно иначе, как только начинаешь искать их причины. Чем основательнее человек понимает жизнь, тем менее он будет насмехаться – разве только под конец он начинает насмехаться над этой «основательностью своего понимания».
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Гений культуры. Если бы кто-либо захотел изобразить гения культуры, – какой вид должен был бы иметь последний? Он употребляет в качестве своих орудий ложь, насилие и самый беззастенчивый эгоизм столь уверенно, что его можно назвать лишь злым, демоническим существом; но его иногда просвечивающие цели велики и благи. Он – кентавр, полузверь-получеловек, и притом еще с крыльями ангела на голове.
242
Чудесное воспитание. Интерес к воспитанию приобретет большую силу лишь с того мгновения, как будет потеряна вера в Бога и в его попечительство, подобно тому как врачебное искусство могло расцвести, лишь когда прекратилась вера в чудесные исцеления. Но доселе еще весь мир верит в чудесное воспитание; ведь среди величайшего беспорядка, смутности целей, противодействия обстоятельств вырастали самые плодотворные и могучие люди; как могло это происходить естественным путем? Скоро уже и эти случаи станут предметом более тщательной проверки; чудес при этом не удастся открыть никогда. При таких же условиях множество людей постоянно погибает, зато отдельная спасшаяся личность обыкновенно становится сильнее, ибо она одолела неблагоприятные условия своей несокрушимой врожденной силой и вдобавок развила и укрепила эту силу – так объясняется чудо. Воспитание, которое не верит в чудеса, должно будет обратить внимание натри вещи: во-первых, сколько энергии унаследовано? во-вторых, как может быть зажжена еще новая энергия? и, в-третьих, как личность может быть приспособлена к столь необычайно многообразным запросам культуры, чтобы последние не беспокоили ее и не раздробляли ее своеобразия, – словом, как личность может быть включена в контрапункт частной и общественной жизни, как она может одновременно и вести мелодию, и, будучи мелодией, оставаться аккомпанементом?
243
Будущность врача. В настоящее время не существует профессии, которая допускала бы столь высокое развитие, как профессия врача; в особенности после того, как духовные врачи, так называемые целители душ, не могут уже выполнять своего искусства заклинания при общественном одобрении и образованные люди уклоняются от встречи с ними. Высшее духовное развитие врача теперь не достигнуто еще тем, что он знает лучшие новейшие методы, усовершенствовался в них и умеет совершать те летучие умозаключения от следствий к причинам, благодаря которым прославлены диагностики; он должен, кроме того, обладать красноречием, которое приспособлялось бы к каждой личности и привлекало бы все сердца, мужественностью, самое зрелище которой отгоняло бы малодушие (эту червоточину всех больных), ловкостью дипломата в посредничестве между лицами, которые для своего выздоровления нуждаются в радости, и лицами, которые в интересах своего здоровья должны (и могут) доставлять радость, тонкостью полицейского агента и адвоката, чтобы узнавать тайны души, не выдавая их, – словом, хороший врач нуждается в искусственных приемах и преимуществах всех других профессий; в таком вооружении он может стать благодетелем всего общества, умножая добрые дела, духовные радости и производительность, предупреждая злые мысли, намерения и всякие подлости (отвратительным источником которых часто является брюхо), создавая духовно-телесную аристократию (через устройство и предупреждение браков), благожелательно отсекая все так называемые душевные муки и угрызения совести. Лишь так из «знахаря» он превращается в спасителя, не совершая чудес и не нуждаясь также в том, чтобы быть распятым.
244
В соседстве с безумием. Совокупность ощущений, знаний, опытов – словом, вся тяжесть культуры настолько возросла, что чрезмерное раздражение нервных и умственных сил является всеобщей опасностью; более того, культурные классы европейских стран сплошь неврастеничны, и почти каждая более многочисленная семья в них в лице одного из своих членов приблизилась к безумию. Правда, теперь всякими способами идут навстречу здоровью, но все же нам насущно необходимо уменьшение этого напряжения чувства, этого подавляющего бремени культуры – уменьшение, которое, даже если оно должно быть искуплено тяжелыми утратами, открывает возможность великой надежды на повое возрождение. Христианству, философам, поэтам, музыкантам мы обязаны обилием глубоко страстных чувств; чтобы последние нас не подавили, мы должны призвать дух науки, который в общем делает людей несколько более холодными и скептичными и в особенности охлаждает горячность веры в последние, окончательные истины; эта горячность обусловлена главным образом христианством.
245
Отливка колокола культуры. Культура возникла, как колокол, в оболочке из более грубого и низменного материала: неправда, насильственность, безграничное расширение всех отдельных Д всех отдельных народов были этой оболочкой. Настало ли время теперь снять ее? Застыло ли все текучее, стали ли добрые, полезные влечения, привычки высшего душевного склада настолько прочными и всеобщими, что нет более надобности в поддержке со стороны метафизики и заблуждений религии, нет надобности в жестокостях и насилиях как самых могущественных связующих средствах между человеком и человеком, народом и народом? – В разрешении этого вопроса нам уже не может помочь никакое свидетельство божества: здесь должно решать наше собственное понимание. Все великое земное управление человеком человек должен сам взять в свои руки, его «всеведение» должно строго блюсти дальнейшую судьбу культуры.
246
Циклопы культуры. Кто видел изборожденные котловины, в которых лежали глетчеры, тому кажется почти невозможным, что наступит время, когда на том же месте будет простираться долина, покрытая лесом или лугом с ручьями. Так случается и в истории человечества; самые дикие силы пролагают путь, сперва неся разрушение, и тем не менее их деятельность нужна, чтобы позднее могли утвердиться более мягкие нравы. Ужасные энергии – то, что зовется злом, – суть циклопические архитекторы и пролагатели путей гуманности.
247
Круговорот человечества. Быть может, все человечество есть лишь одна ограниченная во времени фаза в развитии определенного животного вида – так что человек возник из обезьяны и снова станет обезьяной, причем нет никого, кто бы был заинтересован в странном исходе этой комедии. Как с падением римской культуры и под влиянием его важнейшей причины – распространения христианства – наступило всеобщее обезображение человека в пределах римской культуры, так с каким-либо позднейшим упадком всей земной культуры может наступить еще большее обезображение и, наконец, озверение человека, вплоть до уровня обезьяны. Именно потому, что мы можем представить себе эту перспективу, мы, быть может, в состоянии предупредить такой конец истории.
248
Утешительная речь отчаявшегося прогресса. Наше время производит впечатление промежуточного состояния; старые миропонимания, старые культуры отчасти еще живы, новые еще непрочны и непривычны, а потому лишены законченности и последовательности. Кажется, будто все становится хаотическим, старое погибает, новое никуда не годится и становится все бессильнее. Но так случается и с солдатом, который учится маршировать: в течение некоторого времени он более неуверен и беспомощен, чем когда-либо, ибо мускулы его движутся то по старой системе, то по новой и ни одна из них не одерживает решительной победы над другой. Мы шатаемся, но не следует робеть из-за этого и жертвовать новыми приобретениями. Кроме того, мы не можем вернуться к старому, мы уже сожгли наши корабли; остается только быть храбрым, что бы из этого ни вышло. – Будем только идти вперед, сдвинемся с места! Быть может, наши дела когда-нибудь окажутся прогрессом; если же нет, то и к нам могут быть отнесены слова Фридриха Великого, и притом в виде утешения: «Ah, mon cher Sulzer, vous ne connaissez pas assez cette race maudite, a laquelle nous appartenons».
249
Страдать от прошлого культуры. Кто уяснил себе проблему культуры, тот страдает от чувства, сходного с тем, которое испытывает человек, унаследовавший богатство, добытое неправомерными средствами, или правитель, властвующий благодаря насильственным действиям своих предков. Он с печалью думает о своем происхождении и часто испытывает стыд и раздражение. Вся сумма силы, жизненной воли, радости, которую он обращает на свое достояние, часто уравновешивается глубокой усталостью: он не может забыть своего прошлого. Скорбно смотрит он на будущее: он знает наперед, что его потомки, подобно ему, будут страдать от прошлого.
250
Манеры. Хорошие манеры исчезают по мере того, как уменьшается влияние двора и замкнутой аристократии; это уменьшение можно ясно заметить от десятилетия к десятилетию, если уметь наблюдать официальные акты, ибо последние явно становятся все более плебейскими. Никто уже не умеет утонченно чествовать и льстить; этим объясняется смешной факт, что в тех случаях, когда теперь необходимо чествовать (например, великого государственного деятеля или художника), пускаются в ход слова, выражающие глубочайшее чувство и непоколебимую честную преданность – благодаря неумелости и отсутствию остроумия и грации. Так, публичная торжественная встреча людей становится все более неловкой, но кажется более глубокой по чувству и честной, не будучи таковой на самом деле. – Но должны ли манеры без конца идти под гору? Мне кажется скорее, что манеры делают крутой разворот и что мы приближаемся к их низшему уровню. Когда общество станет увереннее в своих намерениях и принципах, так что последние будут действовать как формирующие начала (тогда как теперь привитые нам манеры прежних формирующих состояний все слабее передаются по наследству и через воспитание), тогда появятся манеры обхождения, жесты и выражения общения, которые должны выглядеть столь же необходимыми и непритязательно-простыми, как и сами эти намерения и принципы. Лучшее распределение времени и труда, гимнастическое упражнение как спутник прекрасных часов досуга, более сильное и строгое размышление, которое сообщает разумность и гибкость даже телу, принесут все это с собой. – Тут, правда, с некоторой насмешкой можно было бы вспомнить о наших ученых: действительно ли они, претендующие быть предшественниками этой новой культуры, отличаются лучшими манерами? Конечно, нет, хотя их дух и готов к тому; но их плоть слаба. Прошлое культуры еще слишком сильно в их мускулах: они стоят еще в несвободном положении и суть наполовину светское духовенство, наполовину – зависимые воспитатели знатных людей и сословий и, сверх того, искалечены и лишены жизненности благодаря педантизму науки и устарелым бездушным методам. Следовательно, во всяком случае по своему телу и часто на три четверти по своему духу они – все еще придворные старой и даже старческой культуры и в качестве таковых сами дряхлы; новый дух, который иногда пробуждается в этих старых жилищах, покуда делает их только еще более неуверенными и боязливыми. В них бродят и привидения прошлого, и привидения будущего; удивительно ли, что при этом они лишены любезного выражения и приятной осанки?
251
Будущность науки. Наука дает тому, кто трудится и ищет в ней, много удовольствия, тому же, кто узнает ее выводы, – очень мало. Но так как постепенно все важнейшие истины должны стать обыденными и общеупотребительными, то прекращается и это малое удовольствие; так, при изучении столь изумительной таблицы умножения мы уже давно перестали радоваться. Если, таким образом, наука сама по себе приносит все меньше радости и отнимает все больше радости, внушая иссякает тот величайший источник удовольствия, которому человечество обязано почти всей своей человечностью. Поэтому высшая культура должна дать человеку двойной мозг, как бы две мозговые камеры: во-первых, чтобы воспринимать науку и, затем, чтобы воспринимать не-науку; они должны лежать рядом, быть отделимыми и замыкаемыми и исключать всякое смещение; это есть требование здоровья. В одной области лежит источник силы, в другой – регулятор; иллюзиями, односторонностями, страстями нужно нагревать, а с помощью познающей науки – предупреждать дурные и опасные последствия чрезмерного нагрева. – Если это требование высшей культуры останется неудовлетворенным, то можно почти с достоверностью предсказать дальнейший ход человеческого развития: чем меньше удовольствия будет доставлять интерес к истине, тем более он будет падать; иллюзия, заблуждение, фантастика шаг за шагом завоюют свою прежнюю почву, ибо они связаны с удовольствием; ближайшим последствием этого явится крушение наук, обратное погружение в варварство; опять человечество должно будет сызнова начать ткать свою ткань, после того как оно, подобно Пенелопе, ночью распустило ее. Но кто поручится нам, что оно всегда будет находить силы для этого?
252
Радость познания. Почему познание, стихия ученого и философа, связано с радостью? Во-первых и прежде всего, потому что он при этом сознает свою силу, т. е. на том же основании, на котором доставляют удовольствие гимнастические упражнения, даже без зрителей. Во-вторых, потому что в процессе познания человек одолевает старые представления и их носителей, становится победителем или по крайней мере мнит себя таковым. В-третьих, потому что благодаря даже малейшему новому познанию мы чувствуем себя выше всех, считаем себя единственным существом, знающим истину. Таковы три важнейших основания удовольствия, но имеется еще много второстепенных оснований, смотря по натуре познающего. – Довольно значительный список таковых дает в одном месте, где, вероятно, этого не будут искать, моя парэнетическая работа о Шопенгауэре; ее указаниями может удовлетвориться всякий опытный слуга познания, даже если бы он хотел устранить иронический оттенок, по-видимому лежащий на этих страницах. Ибо если верно, что для возникновения ученого «должно слиться множество мелких, весьма человеческих интересов и влеченьиц», что ученый есть хотя и благородный, но отнюдь не чистый металл и «состоит из сложного сплетения весьма различных побуждений и импульсов», – то ведь то же самое применимо и к возникновению и существу художника, философа, морального гения и как бы еще ни назывались прославляемые в этой работе великие имена. Все человеческое заслуживает с точки зрения своего возникновения иронического рассмотрения; поэтому ирония в мире столь избыточна.
253
Верность как доказательство достоверности. Лучшим признаком годности какой-либо теории может служить то, что ее родоначальник в течение сорока лет не ощущал недоверия к ней; но я утверждаю, что еще не существовало философа, который не смотрел бы с пренебрежением – или по крайней мере с подозрением – на философию, открытую им в юности. – Быть может, он только не высказал публично этого изменения в своем настроении, из честолюбия или – что более вероятно относительно благородных натур – из нежного желания щадить своих приверженцев.
254
Рост интересного. С постепенным приобретением высшего образования человек начинает интересоваться всем, он умеет быстро находить поучительную сторону вещи и указывает пункт, где она заполняет пробел в его знании или может подтвердить его мысль. При этом все более исчезает скука, а с ней и чрезмерная возбудимость чувства. В конце концов человек бродит среди людей, как естествоиспытатель среди растений, и воспринимает себя самого как явление, которое сильно возбуждает лишь его влечение к познанию.
255
Суеверие в одновременном. Люди полагают, что все одновременное должно быть как-нибудь связано между собой. Родственник умирает вдали от нас, и в то же время он снится нам – следовательно… Но бесчисленные родственники умирают и при этом не снятся нам. Здесь случается то же, что с потерпевшими кораблекрушение моряками, принесшими обет богам: позднее в храме нельзя найти имен тех, которые погибли, несмотря на обет. – Человек умирает, сова кричит, часы останавливаются – в один и тот же час ночи; нет ли тут какой-либо связи? Интимное отношение к природе, предполагаемое этим допущением, льстит человеку. – Этот вид суеверия в утонченной форме можно найти у историков и живописцев культуры, привыкших испытывать своего рода водобоязнь в отношении всякого бессмысленного совпадения фактов, которым ведь так богата жизнь отдельных людей и народов.
256
Наука совершенствует умение, а не знание. Ценность того, что человек некоторое время строго изучает какую-либо строгую науку, покоится отнюдь не на результатах этого изучения: ибо последние по сравнению с океаном явлений, заслуживающих изучения, составляют бесконечно малую каплю. Но это дает прирост энергии, способности к умозаключениям, силы выдержки; человек научается целесообразно достигать цели. В этом смысле для всяких позднейших занятий весьма ценно быть некоторое время человеком науки.
257
Юношеская прелесть науки. Искание истины имеет теперь еще ту прелесть, что оно достаточно резко отличается от заблуждения, ставшего серым и скучным; но эта прелесть все более утрачивается. Правда, теперь мы еще живем в юношескую пору науки и ухаживаем за истиной, как за прекрасной девушкой; но что, если она в один прекрасный день превратится в стареющую женщину с хмурым взором? Почти во всех науках основные положения либо найдены в самое последнее время, либо же только отыскиваются; это прельщает совсем иначе, чем когда все существенное уже найдено, и исследователю остается только собирать жалкие осенние остатки урожая (чувство, с которым можно ознакомиться в некоторых исторических дисциплинах).
258
Статуя человечества. Гений культуры поступает, как Челлини, когда последний отливал свою статую Персея: жидкой массы могло не хватить, но ее должно было хватить – и он стал бросать в нее миски и тарелки и все, что попадало ему под руки. Точно так же этот гений бросает в культуру заблуждения, пороки, надежды, вымыслы и другие вещи из благородного, как и из неблагородного, металла, ибо статуя человечества должна быть заполнена и завершена; какое дело до того, что там и сям будет употреблен низший материал?
259
Культура мужчин. Греческая культура классической эпохи есть культура мужчин. Что касается женщин, то Перикл в своей надгробной речи высказал все в словах: с ними обстоит наилучшим образом, когда среди мужчин о них говорят возможно меньше. – Эротическое отношение мужчин к юношам было в недоступной нашему пониманию степени необходимой, единственной предпосылкой всего мужского воспитания (приблизительно так же, как долгое время у нас высшее воспитание женщин приобреталось лишь через любовную связь и брак); весь идеализм силы греческой натуры был направлен на это отношение, и, вероятно, никогда уже молодые люди не получали столько внимания и любви, такого культивирования их лучших качеств, как в шестом и пятом веках – в согласии с прекрасным изречением Гельдерлина: «ибо, любя, смертный дает лучшее». Чем выше ставилось это отношение, тем ниже падало общение с женщиной: здесь было существенно только деторождение и сладострастие – и больше ничего; не существовало никакого духовного общения, не было даже настоящей любовной связи. Если, далее, принять во внимание, что женщины были исключены даже из участия в состязаниях и всякого рода зрелищах, то в качестве духовного занятия им оставался только религиозный культ. – Если, однако, выводили в трагедии Электру и Антигону, то это выносили именно в искусстве, не терпя того же в жизни – как мы теперь не выносим все патетическое в жизни, но охотно терпим его в искусстве. – Женщины имели одну только задачу – производить могучие прекрасные тела, в которых характер отца продолжал бы жить по возможности неослабленным, и тем противодействовать распространяющемуся нервному переутомлению столь высоко развитой культуры. Это сохранило греческую культуру юной столь долгое сравнительно время: ибо в греческих матерях греческий гений постоянно возвращался к природе.
260
Предрассудок в пользу крупного. Люди явно переоценивают все крупное и выдающееся. Это происходит из сознательного или бессознательного убеждения, что им весьма полезно, когда человек всю свою силу сосредоточивает на одной области и превращает себя как бы в один чудовищный орган. Несомненно, для самого человека равномерное развитие его сил полезнее и благоприятнее: ибо каждый талант есть вампир, который высасывает кровь и соки из остальных сил, и чрезмерная производительность может довести до безумия даже самого даровитого человека. И в области искусств крайние натуры привлекают слишком много внимания; но нужна и слишком низкая степень культуры, чтобы дать им поработить себя. Люди по привычке подчиняются всему, что хочет иметь власть.
261
Тираны духа. Лишь куда западает луч мифа, там жизнь греков светится; в остальном она мрачна. Греческие же философы лишают себя именно этого мифа; кажется, будто они хотят из солнечного света уйти в тень и мрачность. Но ни одно растение не избегает света; в сущности, эти философы искали лишь более светлого солнца; миф казался им недостаточно чистым, недостаточно сияющим. Они искали этого света в своем познании, в том, что каждый из них называл своей «истиной». В ту пору познание еще сияло ярче, чем теперь; оно было еще молодо и ничего не знало о трудностях и опасностях своих путей; оно могло тогда еще надеяться одним прыжком достигнуть средоточия всего бытия и исходя из него разрешить загадку мира. Эти философы имели осязательно-крепкую веру в себя и свою «истину» и низвергали ею всех своих соседей и предшественников; каждый из них был воинствующим и насильничающим тираном. Быть может, счастье от веры в обладание истиной никогда не было большим на земле, но никогда также не были большими жестокость, высокомерие, тираническое и злое настроение, питаемые такой верой. Они были тиранами, т. е. тем, чем каждый грек хотел быть и чем он был, когда мог им быть. Исключение образует, вероятно, лишь один Солон; в своих стихах он передает, как он отвергал личную тиранию. Но он делал это из любви к своему делу, к своему законодательству, а быть законодателем есть самая утонченная форма тирании. И Парменид давал законы, а также, вероятно, Пифагор и Эмпедокл; Анаксимандр основал город. Платон был воплощенным желанием стать высшим философским законодателем и основателем государств; он, по-видимому, ужасно страдал от неосуществленности своего призвания, и на склоне лет душа его была полна чернейшей желчи. Чем более падало могущество греческих философов, тем более они внутренно страдали от этой желчности и злобности; а когда различные секты стали защищать свои истины на улицах, души этих женихов истины были совершенно загрязнены ревностью и злословием; тиранический элемент свирепствовал отныне, как яд, в их собственном теле. Это множество маленьких тиранов готовы были съесть живьем друг друга; в них не осталось уже ни одной искры любви и слишком мало радости от своего собственного познания. – Если верно вообще, что тираны по большей части погибают насильственной смертью и что их потомство недолговечно, то принцип этот применим и к тиранам духа. Их история кратка, насильственна, их влияние на потомство внезапно обрывается. Почти о всех великих эллинах можно сказать, что они как бы явились слишком поздно: об Эсхиле, о Пиндаре, о Демосфене, о Фукидиде; проходит одно поколение – и их влияние совершенно исчезает. Это бурная и грозная черта греческой истории. Теперь, впрочем, поклоняются евангелию черепахи. Мыслить исторически почти означает теперь утверждать, будто во все времена история делалась по принципу «возможно меньше в возможно дольший срок!». Ах, греческая история бежит так быстро! Никогда уже не существовало более такой расточительной, такой безмерной жизни. Я не могу поверить, чтобы история греков шла тем естественным ходом, который так восхваляют в ней. Они были слишком многообразно одарены для того, чтобы быть постепенными и продвигаться шаг за шагом, как черепаха в состязании с Ахиллом; а ведь это называется естественным развитием. У греков история быстро идет вперед, но так же быстро и назад; движение всей машины настолько форсировано, что один камень, брошенный в ее колеса, может разорвать ее. Таким камнем был, например, Сократ; в одну ночь было разрушено столь изумительно правильное доселе, но вместе с тем слишком быстрое развитие философской науки. Нельзя счесть праздным вопрос, не нашел бы Платон, избегнув чар Сократа, еще более высокий тип философского человека – тип, который теперь навсегда потерян для нас. В предшествующие ему эпохи всматриваешься, как в скульптурную мастерскую таких типов. Шестое и пятое столетия, однако, обещали, по-видимому, еще больше и нечто более высокое, чем они дали; но это только и осталось обещанием и возвещением. И все же вряд ли какая потеря тяжелее потери типа новой, доселе еще неведомой высшей возможности философской жизни. Но даже известия о более старых типах дошли до нас по большей части в неудовлетворительном виде; мне представляется в высшей степени трудным распознать всех философов – от Фалеса до Демокрита; но кому удастся воссоздать эти образы, тот имеет перед собой образы сильнейшего и чистейшего типа. Эта способность, впрочем, весьма редка, ее недоставало даже позднейшим грекам, которые изучали следы древнейшей философии; в особенности Аристотель, кажется, совершенно теряет голову, когда стоит перед указанными образами. Поэтому кажется, будто эти дивные философы жили напрасно или даже будто они должны были только подготовить охочие до споров и речей ряды сократических школ. Как указано, здесь есть пробел, перерыв в развитии; случилось, вероятно, какое-то великое несчастье, и единственная статуя, по которой можно было бы познать смысл и цель этой великой скульптурной подготовки, разбилась или не удалась; что, собственно, случилось – это навсегда осталось тайной мастерской. – То, что имело место у греков – что каждый великий мыслитель, мнил себя обладателем абсолютной истины, становился тираном, так что и духовная история приобрела у греков тот же насильственный, торопливый и опасный характер, который обнаруживает их политическая история, – этот род событий не был еще исчерпан тем самым: много подобного случалось вплоть до новейшего времени, хотя постепенно все реже и теперь уже вряд ли с чистой наивной совестью греческих философов. Ибо в целом противоположное учение и скептицизм говорят теперь слишком громко и внятно. Период тиранов духа кончился. В сферах высшей духовной культуры, правда, всегда должно будет существовать господство, – но это господство отныне находится в руках олигархов духа. Они образуют, несмотря на все пространственное и политическое разъединение, единое общество, члены которого взаимно узнают и признают друг друга, какие бы одобрительные или неодобрительные оценки ни пускали в ход общественное мнение и суждения действующих на массу газетчиков и журналистов. Духовное превосходство, которое прежде разъединяло и сеяло вражду, теперь обыкновенно соединяет; как бы могли отдельные личности утверждать себя и плыть в жизни по собственному пути вопреки всем течениям, если бы они не видели там и сям себе подобных, живущих при таких же условиях, и не подавали руки друг другу, борясь как против охлократического характера половинчатого духа и полуобразования, так и против нередких попыток учредить тиранию с помощью массового воздействия? Олигархи нужны друг другу, они лучшие друзья между собою, они понимают свои отличительные знаки – и тем не менее каждый из них свободен, каждый борется и побеждает на своем месте и скорее погибает, чем подчиняется.
262
Гомер. Величайшим фактом греческой культуры все же остается то, что Гомер так рано стал всеэллинским поэтом. Вся духовная и человеческая свобода, которой достигли греки, восходит к этому факту. Но вместе с тем здесь таится действительный рок греческой культуры, ибо Гомер, централизуя, лишил глубины и разрушил более сильные инстинкты независимости. Время от времени из глубочайшей основы эллинского духа подымался протест против Гомера; но последний оставался всегда победоносным. Все великие духовные силы наряду с освободительным действием оказывают и действие подавляющее; но, конечно, большая разница, тиранизирует ли людей Гомер, или Библия, или наука.
263
Дарование. В столь высоко развитом человечестве, как теперешнее, каждый получает от природы доступ ко многим талантам. Каждый имеет прирожденный талант, но лишь немногим прирождена или привита воспитанием та мера упорства, выдержки, энергии, в силу которой он действительно становится талантом, т. е. становится тем, что он есть, – это значит: выявляет себя в произведениях и действиях.
264
Умственная даровитость либо переоценивается, либо недооценивается. Ненаучные, но одаренные люди ценят всякий признак умственной даровитости, будь она на истинном или на ложном пути; они хотят прежде всего, чтобы человек, с которым они общаются, хорошо развлекал их своим умом, подгонял и зажигал их, увлекал к серьезности и шутке и во всяком случае охранял от скуки, как самый могущественный амулет. Научные натуры, напротив, знают, что способность ко всякого рода выдумкам должна быть строжайше обуздываема духом науки; не то, что блестит, имеет привлекательный вид и возбуждает, а часто совсем неприметная истина есть плод, который он желает сорвать с древа познания. Подобно Аристотелю, он не должен делать никакого различия между «скучным» и «остроумным», его демон ведет его через пустыни, как и через тропическую растительность, чтобы он всюду наслаждался реальным, прочным, подлинным. – Отсюда у незначительных ученых возникает презрение и недоверие к умственной даровитости вообще, и, наоборот, даровитые люди часто испытывают антипатию к науке, – как, например, почти все художники.
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Разум в школе. Школа не имеет более важной задачи, как обучать строгому мышлению, осторожности в суждениях и последовательности в умозаключениях; поэтому она должна отказаться от всего, что непригодно для этих операций, например от религии. Она ведь может рассчитывать на то, что человеческая смутность, привычка и потребность позднее снова ослабят слишком туго натянутый лук мышления. Но всю силу своего влияния она должна употреблять на достижение того, что есть существенного и отличительного в человеке, – «разума и науки, этой высочайшей силы человека» – как полагает по крайней мере Гете. – Великий естествоиспытатель фон Бэр видит превосходство всех европейцев по сравнению с азиатами в их приобретенной через воспитание способности указывать основания своих мнений, к чему совершенно неспособны последние. Европа прошла школу последовательного и критического мышления. Азия все еще не умеет различать между правдой и поэзией и не сознает, проистекают ли ее убеждения из собственного наблюдения и правильного мышления или же из фантазий. – Школьная дисциплина разума сделала Европу Европой; в Средние века она была на пути к тому, чтобы снова стать частью или придатком Азии, – т. е. потерять научный дух, которым она обязана грекам.
266
Неоцененное влияние гимназического преподавания. Значение гимназии редко видят в вещах, которым там действительно научаются и которые выносятся оттуда навсегда, а в тех, которые преподаются, но которые школьник усваивает лишь с отвращением, чтобы стряхнуть их с себя, как только это станет возможным. Чтение классиков – в этом согласны все образованные люди – в том виде, как оно всюду ведется, есть чудовищная процедура, осуществляемая перед молодыми людьми, которые ни в каком отношении не созрели для этого, учителями, которые каждым своим словом, часто самим своим видом покрывают плесенью хорошего автора. Но здесь-то и таится обыкновенно упускаемое из виду значение – что эти учителя говорят на абстрактном языке высшей культуры, – на языке, который при всей своей тяжеловесности и трудности для понимания является высокой гимнастикой головы; что в их языке постоянно встречаются понятия, технические выражения, методы, намеки, которых молодые люди почти никогда не слышат в беседах членов своей семьи и на улице. Когда ученики только слушают, их интеллект уже непроизвольно подготовляется к научному способу рассмотрения вещей. Невозможно выйти после этой дрессировки совершенно незатронутым абстракцией, как чистое дитя природы.
267
Изучение многих языков. Изучение многих языков наполняет память словами вместо фактов и мыслей, тогда как она есть вместилище, которое у каждого человека может воспринять лишь определенную, ограниченную массу содержания. Далее, изучение многих языков вредно в том отношении, что оно возбуждает веру в обладание какими-то особыми данными и фактически придает человеку некоторый соблазнительный вид в общении; оно вредно, сверх того, и косвенно – тем, что препятствует приобретению основательных знаний и стремлению честным путем заслужить уважение людей. Наконец, оно расшатывает более тонкое лингвистическое чутье в отношении родного языка; благодаря этому последнее безвозвратно портится и разрушается. Два народа, которые создали величайших стилистов, – греки и французы – не изучали чужих языков. – Но так как общение между людьми должно становиться все более космополитическим и, например, настоящий лондонский купец уже теперь должен уметь столковаться письменно и устно на восьми языках, то, конечно, изучение многих языков есть необходимое зло; но это зло, дойдя до крайних пределов, принудит людей найти какое-нибудь средство против себя; и в некоем отдаленном будущем будет существовать новый язык, сперва как торговый, а затем как язык духовного общения для всех – столь же достоверно, как и то, что некогда будет существовать воздухоплавание. И для чего же, как не для этого, языкознание целое столетие изучало законы языка и определяло необходимое, ценное, удачное в каждом отдельном языке?
268
К военной истории личности. Борьба, которая обыкновенно разыгрывается между двумя поколениями, между отцом и сыном, вмещается в пределы одной человеческой жизни, проходящей через несколько культур; близость родства обостряет эту борьбу, ибо каждая партия беспощадно вовлекает в нее столь хорошо знакомую ей внутреннюю жизнь другой партии; и оттого эта борьба в отдельной личности будет вестись наиболее ожесточенно; здесь каждая фаза преодолевает прежнюю с жестокой несправедливостью и с полным непониманием ее средств и целей.
269
На четверть часа раньше. Иногда встречаешь человека, который в своих воззрениях стоит выше своего времени, но лишь настолько выше, что он предупреждает вульгарные мнения следующего десятилетия. Он обладает общественным мнением прежде, чем оно стало общественным, т. е. он на четверть часа раньше других пал в объятия взгляда, который заслуживает стать тривиальным. Но слава его обыкновенно бывает гораздо громче, чем слава действительно великих и выдающихся людей.
270
Искусство читать. Всякое сильное направление односторонне; оно приближается к направлению прямой линии и, подобно последней, исключительно, т. е. оно не соприкасается с многими другими направлениями, как это делают слабые партии и натуры в их волнообразном движении из стороны в сторону; поэтому надо простить и филологам, что они односторонни. Восстановление и очищение текстов наряду с их объяснением, в течение веков выполняемое одним цехом, дало наконец теперь возможность открыть верные методы: все Средневековье было глубоко не способно к строго филологическому объяснению, т. е. к простому желанию понимать то, что говорит автор; найти эти методы было настоящим делом, которое не следует оценивать слишком низко! Вся наука приобрела непрерывность и устойчивость лишь благодаря тому, что достигло совершенства искусство правильно читать, т. е. филология.
271
Искусство умозаключать. Величайший прогресс, которого достигли люди, состоит в том, что они учатся правильно умозаключать. Это вовсе не есть нечто естественное, как предполагает Шопенгауэр, когда говорит: «Умозаключать способны все, судить – немногие», а лишь поздно приобретенное и еще теперь не является господствующим. Ложное умозаключение в более старые времена есть правило; и мифологии всех народов, их магия и их суеверие, их религиозный культ, их право суть неисчерпаемое хранилище памятников, доказывающих это положение.
272
Годичные кольца индивидуальной культуры. Сила и слабость духовной производительности зависят далеко не столько от унаследованного дарования, сколько от присущей человеку меры силы напряжения. Большинство молодых образованных людей тридцатилетнего возраста в этот ранний солнцеворот своей жизни клонятся уже к упадку и навсегда теряют способность к новым духовным поворотам. Поэтому в интересах постоянно развивающейся культуры тотчас же нужно новое поколение, которое в свою очередь дает лишь немногое; ибо, чтобы нагнать культуру отца, сын должен затратить почти всю унаследованную энергию, которою обладал сам отец на той ступени жизни, когда он родил сына; с небольшим избытком энергии он подвигается дальше (так как путь совершается во второй раз, то можно немного скорее идти вперед; чтобы научиться тому, что знал отец, сын употребляет несколько меньшую силу). Люди с большой силой напряжения, как, например, Гете, проходят такой большой путь, какой едва могут совершить четыре поколения одно за другим; но поэтому они уходят так далеко вперед, что другие люди могут нагнать их лишь в следующем столетии, и, может быть, и тогда не вполне, потому что, благодаря частым перерывам, замкнутость культуры, последовательность развития ослабляется. – Обычные фазы духовной культуры, которые были достигнуты в продолжение истории, люди проходят все скорее. Они вступают теперь обыкновенно в культуру религиозно настроенными детьми, доводят эти чувства до высочайшей интенсивности, быть может, к десятому году жизни, переходят затем к более ослабленным формам (пантеизм), постепенно приближаясь к науке; далее совершенно преодолевают идеи Бога, бессмертия и т. и., но поддаются чарам какой-либо метафизической философии. Наконец, последняя тоже становится для них неправдоподобной; наоборот, искусство начинает удовлетворять все больше, так что некоторое время метафизика еле сохраняется и продолжает жить, лишь преобразуясь в искусство или в качестве поэтически просветленного настроения. Но научный дух становится все повелительнее и ведет человека к естествознанию и истории, в частности к строжайшим методам познания, тогда как на долю искусства остается все менее строгое и притязательное значение. Все это совершается обыкновенно в продолжение первых тридцати лет жизни человека. Это есть повторение курса, над которым человечество трудилось, быть может, тридцать тысяч лет.
273
Отойти назад не значит отстать. Кто в настоящее время начинает свое развитие, исходя из религиозных чувств, и затем, быть может, продолжает сравнительно долго жить в метафизике и искусстве, тот, конечно, отступил назад на значительное расстояние и начинает свое состязание в беге с другими современными людьми при неблагоприятных условиях; он, видимо, теряет пространство и время. Но, благодаря тому что он находился в тех областях, где освобождаются пыл и энергия и где сила постоянно течет, как вулканический поток, из непрегражденного источника, позднее, когда он в надлежащее время расстается с этими областями, он тем скорее подвигается вперед, его нога окрылена, его грудь научилась дышать более спокойно, медленно и выдержанно. – Он отступил назад только для того, чтобы иметь надлежащее расстояние для прыжка; и потому в этом отступлении может даже лежать нечто страшное и угрожающее.
274
Отрезок нас самих в качестве художественного объекта. Умение сознательно сохранять и верно изображать некоторые фазы своего развития, которые менее значительные люди переживают почти бессознательно и затем стирают с доски своей души, есть признак более высокой культуры: ибо это есть высший род живописи, доступный лишь немногим. Для этого необходимо искусственно изолировать указанные фазы. Изучение истории развивает способность к такого рода живописи, ибо оно постоянно призывает нас, по поводу каждого отдела истории – истории народа или человеческой жизни, – представлять себе совершенно определенный горизонт мыслей, определенную силу ощущений, преобладание одних и вытеснение других. В умении быстро воссоздавать такие системы мыслей и чувств из наличного материала, как впечатление от храма – из немногих, случайно сохранившихся колонн и остатков стен, состоит историческое чувство. Ближайшим результатом его является то, что мы научаемся понимать наших ближних как подобные, совершенно определенные системы и как представителей различных культур, т. е. постигать их необходимость, но и их изменчивость; и, кроме того, повторяю, – мы научаемся отделять и самостоятельно рассматривать отдельные части нашего собственного развития.
275
Циники и эпикурейцы. Циник познает связь между увеличением и усилением страданий людей более высокой культуры, с одной стороны, и обилием потребностей – с другой; он постигает, следовательно, что из обилия мнений о прекрасном, подобающем, надлежащем, утешительном должны были возникнуть богатые источники как наслаждения, так и страдания. Опираясь на это знание, он воспитывает себя в регрессивном направлении, отказываясь от многих из этих мнений и освобождаясь от некоторых требований культуры; этим он приобретает чувство свободы и могущества, и постепенно, когда привычка делает для него сносным его образ жизни, он действительно реже и слабее ощущает страдания, чем культурный человек. И приближается к домашнему животному; сверх того, он во всем ощущает прелесть контраста – и может также ругаться сколько угодно, – благодаря чему он снова возвышается над психическим миром животного. – Эпикуреец стоит на той же точке зрения, как и циник; между ними обычно есть лишь разница в темпераменте. Далее, эпикуреец использует свою более высокую культуру, чтобы сделать себя независимым от господствующих мнений; он возвышается над последними, тогда как циник ограничивается только отрицанием. Он как бы бродит в тихих, защищенных от ветра, полутемных аллеях, в то время как над ним, среди ветра, верхи деревьев шумят, выдавая ему, как бурно мятется вокруг него мир. Напротив, циник как бы ходит голышом среди порывов ветра и закаляет себя, пока не впадает в бесчувствие.
276
Микрокосм и макрокосм культуры. Лучшие открытия о культуре человек делает в себе самом, когда он находит в себе господство двух разнородных сил. Допустим, что человек в одинаковой мере живет любовью к пластическому искусству или к музыке и увлекаем духом науки и что он считает невозможным устранить это противоречие уничтожением одной из названных сил и совершенным разнузданием другой; ему остается теперь только создать из себя столь обширное здание культуры, что обе эти силы могут жить в нем, хотя и на разных концах здания, тогда как между ними находят себе приют примирительные промежуточные силы, превосходящие их своим могуществом, чтобы в случае нужды прекратить возникшую борьбу. Но такое здание культуры в отдельной личности будет иметь величайшее сходство со строением культуры в целые исторические эпохи и служить постоянным уроком для понимания последней по аналогии. Ибо всюду, где развивалась великая архитектура культуры, ее задачей было принудить к миру противоборствующие силы с помощью накопления сверхмощного запаса прочих, менее несовместимых сил, не подавляя первых и не налагая на них оков.
277
Счастье и культура. Созерцание обстановки нашего детства потрясает нас: беседка, церковь с могилами, пруд и лес – на все это мы смотрим, страдая. Нас охватывает сострадание к нам самим: ведь сколько мы с того времени перестрадали! Здесь же все стоит еще столь тихо, столь вечно; лишь мы так изменчивы, так подвижны; мы встречаем даже кое-кого из людей, на которых время оказало не больше разрушительного влияния, чем на какой-нибудь дуб: крестьяне, рыбаки, обитатели леса – они остались прежними. – Потрясение, сострадание к самому себе перед лицом низшей культуры есть признак более высокой культуры, из чего следует, что последняя отнюдь не увеличивает количества счастья. И кто хочет пожинать в жизни счастье и довольство, тот пусть всегда избегает встречи с более высокой культурой.
278
Подобие танца. Теперь всюду можно считать решающим признаком высокой культуры, когда человек обладает такой силой и гибкостью, что одновременно может быть чистым и строгим в познании и способен в других областях как бы давать фору в сто шагов поэзии, религии и метафизике и ощущать их силу и красоту. Такое положение между двумя столь различными притязаниями весьма трудно, ибо наука влечет к абсолютному владычеству своего метода, а если противодействуешь этому влечению, то возникает иная опасность – опасность бессильного шатания между двумя различными стремлениями. Однако, чтобы по крайней мере сравнением осветить путь к разрешению этой трудности, – вспомним, что танец есть не то же самое, что вялое шатание между разными стремлениями. Высшая культура будет подобна смелому танцу; и вот почему, как сказано, для нее нужно много силы и гибкости.
279
Об облегчении жизни. Главным средством для облегчения жизни является идеализация всех ее событий; но нужно, на примере живописи, отчетливо уяснить себе, что значит идеализировать. Художник требует, чтобы зритель не смотрел слишком точно, слишком строго, он принуждает его отойти на известное расстояние, чтобы наблюдать оттуда; он вынужден предполагать совершенно определенное отдаление наблюдателя от картины; более того, он должен даже предполагать столь же определенную меру остроты зрения у своего наблюдателя; в таких вопросах он отнюдь не должен колебаться. Итак, каждый, кто хочет идеализировать свою жизнь, должен не смотреть на нее слишком пристально и отгонять свой взор на известное отдаление. Этот прием хорошо понимал, например, Гете.
280
Обременение как облегчение и наоборот. Многое, что на известных ступенях человека есть обременение жизни, служит для более высокой ступени облегчением, потому что такие люди узнали более тяжелые виды обременения жизни. Случается также и обратное: так, например, религия имеет двойственный лик, смотря по тому, взирает ли на нее человек снизу, желая, чтобы она сняла с него тягость и нужду, или сверху вниз, как на оковы, которые были наложены на него, чтобы он не залетел слишком высоко.
281
Неизбежное непонимание высшей культуры. Кто вооружил свой инструмент лишь двумя струнами, как ученые, которые кроме влечения к знанию обладают лишь приобретенным через воспитание религиозным чувством, тот не понимает людей, способных играть на большом количестве струн. Из существа высшей, более многострунной культуры вытекает, что она всегда ложно истолковывается низшей культурой, как это, например, имеет место, когда искусство считается скрытой формой религиозного чувства. Более того, люди, которые только религиозны, понимают даже науку как искание религиозного чувства, подобно тому как глухонемые не понимают, что такое музыка, если не видимое движение.
282
Жалобная песнь. Быть может, именно преимущества нашего времени обусловливают отступление на задний план, а иногда и низкую оценку vita contemplativa. Но нужно признаться, что наше время бедно великими моралистами, что Паскаль, Эпиктет, Сенека, Плутарх теперь уже мало читаются, что труд и прилежание – некогда спутники великой богини здоровья – теперь как бы свирепствуют иногда, подобно болезни. Так как недостает времени для мышления и спокойствия в мышлении, то теперь уже не обсуждают несогласных мнений, а удовлетворяются тем, что ненавидят их. При чудовищном ускорении жизни дух и взор приучаются к неполному или ложному созерцанию и суждению, и каждый человек подобен путешественнику, изучающему страну и народ из окна железнодорожного вагона. Самостоятельное и предусмотрительное отношение к познанию теперь оценивается почти как своего рода помешательство; свободный ум обесчещен, в особенности учеными, которые в его способе рассматривать вещи не находят своей основательности и своего муравьиного прилежания и охотно хотели бы загнать его в отдельный уголок науки – тогда как он имеет совсем иную и более высокую задачу: стоя на уединенной позиции, повелевать всей армией ученых и эрудитов и указывать им пути и цели культуры. – Жалоба, подобно только что пропетой, будет, вероятно, иметь свое время и некогда сама собой смолкнет при могущественном возрождении гения медитации.
283
Главный недостаток деятельных людей. Деятельным людям обыкновенно недостает высшей деятельности – я разумею индивидуальную деятельность. Они деятельны в качестве чиновников, купцов, ученых, т. е. как родовые существа, но не как совершенно определенные отдельные и единственные люди; в этом отношении они ленивы. – Несчастье деятельных состоит в том, что их деятельность почти всегда немного неразумна. Нельзя, например, спрашивать банкира, накопляющего деньги, о цели его неутомимой деятельности: она неразумна. Деятельные катятся, подобно камню, в силу глупости механики. – Все люди еще теперь, как и во все времена, распадаются на рабов и свободных; ибо кто не имеет двух третей своего дня для себя, тот – раб, будь он в остальном кем угодно: государственным деятелем, купцом, чиновником, ученым.
284
В защиту праздных. В знак того, что оценка созерцательной жизни понизилась, ученые соперничают теперь с деятельными людьми в своеобразной спешности наслаждения, так что они, по-видимому, ценят этот способ наслаждения выше, чем тот, который присущ им самим и который действительно дает гораздо больше наслаждения. Ученые стыдятся otium. Но досуг и праздность есть благородное дело. – Если праздность действительно есть мать всех пороков, то, следовательно, она находится по меньшей мере в ближайшем соседстве со всеми добродетелями; праздный человек все же лучше, чем человек деятельный. – Я надеюсь, вы не думаете, что, говоря о досуге и праздности, я имею в виду вас, ленивцы?
285
Современное беспокойство. Современная подвижность все прогрессирует к Западу, так что американцам все жители Европы представляются существами наслаждающимися и любящими покой, тогда как ведь и последние жужжат и суетятся, как пчелы и осы. Эта подвижность так велика, что высокая культура не может уже пожинать своих плодов – времена года как бы слишком быстро следуют друг за другом. Благодаря недостатку покоя наша цивилизация переходит в новое варварство. Никогда деятельные, т. е. беспокойные, не имели большего влияния, чем теперь. Поэтому к числу необходимых корректур, которым нужно подвергнуть характер человечества, принадлежит усиление в очень большой мере созерцательного элемента. Но и каждый отдельный человек, который спокоен и постоянен сердцем и головой, имеет право верить, что он обладает не только хорошим темпераментом, но также и общеполезной добродетелью и что сохранением этой добродетели он даже выполняет высшую задачу.
286
В каком смысле деятельный ленив. Я полагаю, что каждый человек должен иметь собственное мнение о каждой вещи, о которой возможны мнения, ибо он сам есть самобытная, неповторяющаяся вещь, которая должна стать ко всем вещам в новое, никогда не бывалое отношение. Но леность, лежащая в глубине души деятельного человека, препятствует ему черпать воду из своего собственного колодца. – Со свободой мнений дело обстоит так же, как со здоровьем: то и другое индивидуально, в том и другом нельзя установить общеобязательного понятия. То, что одной личности необходимо для ее здоровья, есть для другой уже источник заболевания, и многие пути и средства к свободе духа будут более развитым натурам представляться путями и средствами к рабству.
287
Censor vitae. Смена любви и ненависти определяет на долгое время внутреннее состояние человека, который хочет стать свободным в своем суждении о жизни; он ничего не забывает и все засчитывает вещам – хорошее и дурное. Под конец, когда вся душа его исписана опытом, он не будет презирать и ненавидеть бытие, но не будет и любить его, а будет возвышаться над ним, созерцая его то с радостью, то с печалью и, подобно самой природе, переживая то летнее, то осеннее настроение.
288
Побочный результат. Кто серьезно стремится стать свободным, тот без всякого принуждения попутно теряет склонность к заблуждениям и порокам; даже досада и огорчение все реже будут нападать на него. Ведь воля его ничего не взыщет сильнее, чем познания и средства к познанию, т. е. длительного состояния духа, в котором он более всего способен к познаванию.
289
Ценность болезни. Человек, который болен и лежит в постели, приходит иногда к заключению, что обычно он болен своей службой, занятием или своим обществом и из-за этой болезни потерял всякую рассудительность в отношении самого себя: он приобретает эту мудрость благодаря досугу, к которому его принуждает его болезнь.
290
Настроение в деревне. Если на горизонте жизни нет верных, спокойных линий, как бы линий гор и леса, то и внутренняя воля человека становится сама беспокойной, рассеянной и вожделеющей, как характер горожанина: в ней нет счастья, и она не дает счастья.
291
Осторожность свободных умов. Люди свободомыслящие, живущие ради одного познания, легко найдут внешнюю цель своей жизни, свое окончательное положение в обществе и государстве и, например, охотно удовлетворяются небольшой должностью или имуществом, которого как раз достаточно для жизни; ибо они так устроят свою жизнь, что величайшее изменение внешних условий и даже переворот политического порядка не сможет ее опрокинуть. На все эти вещи они употребляют как можно меньше энергии, чтобы со всей накопленной силой и как бы с большим запасом воздуха для дыхания погрузиться в стихию познания. Лишь при этом условии они могут надеяться нырнуть глубоко и достигнуть дна. – От внешнего события такой ум охотно возьмет лишь краешек: он не любит вещи во всей широте и пространности их складок, ибо не хочет запутаться в них. – И ему ведомы будни рабства, зависимости, барщины. Но время от времени у него должно быть воскресенье свободы, иначе он не выдержит жизни. – Даже его любовь к людям, вероятно, будет осторожной и несколько удушливой для него, ибо он хочет соприкасаться с миром страстей и слепоты, лишь насколько это нужно для целей познания. Он должен довериться тому, что гений справедливости найдет что сказать в защиту своего ученика и любимца, если обвиняющие голоса назовут его бедным любовью. – В его образе жизни и мыслей есть некоторый утонченный героизм, который отказывается искать поклонения большой толпы, как это делает его более грубый брат, и склонен тихо брести по миру и уходить из мира. По каким бы лабиринтам он ни странствовал, через какие скалы ни протекал бы иногда его поток, – если он прорывается наружу, то движется светло, легко и почти бесшумно и открывает себя игре солнечного света вплоть до самого дна.
292
Вперед! Итак, вперед по пути мудрости, бодрым шагом и с бодрым доверием! Каков бы ты ни был, служи себе самому источником опыта! Отбрось неудовольствие своим существом, прости себе свое собственное Я\_ ибо во всяком случае ты имеешь в себе лестницу с тысячью ступенями, по которым ты можешь подыматься к познанию. Эпоха, в которую мы мучительно чувствуешь себя заброшенным, славит тебя за это счастье; она зовет тебя изведать опыт, который, быть может, будет уже недоступен людям позднейшего времени. Не презирай себя за то, что ты еще был религиозен; используй сполна то, что ты имел еще подлинный доступ к искусству. Разве ты не можешь, именно с помощью этого опыта, более сознательно проследить огромные этапы пути прежнего человечества? Не на этой ли именно почве, которая иногда вызывает в тебе такое сильное недовольство, – на почве нечистого мышления – взросли многие самые роскошные плоды старой культуры? Нужно пережить любовь к религии и искусству, как к матери и кормилице, – иначе нельзя стать мудрым. Но нужно уметь смотреть поверх них, перерасти их; оставаясь под их чарами, нельзя понять их. Так же тебе должна быть близка история и осторожная игра с чашами весов «с одной стороны – с другой стороны». Пройди еще раз по следам человечества его великий, полный страдания путь через пустыню прошлого: так ты лучше всего узнаешь, куда все позднейшее человечество уже не может или не должно более идти. И всеми силами стремясь наперед предугадать, как еще завяжется узел будущего, ты придашь своей собственной жизни ценность орудия и средства познания. От тебя зависит, чтобы все, что ты переживаешь, – твои искания, ложные пути, ошибки, разочарования, страсти, твоя любовь и твоя надежда – без остатка растворилось в твоей цели. Эта цель состоит в том, чтобы самому стать необходимой цепью звеньев культуры и от этой необходимости заключать к необходимости в ходе всеобщей культуры. Когда твой взор достаточно окрепнет, чтобы видеть дно в темном колодце твоего существа и твоих познаний, тебе, быть может, в его зеркале станут видимы и далекие созвездия будущих культур. Думаешь ли ты, что такая жизнь с такой целью слишком трудна, слишком бедна приятностями? Если да, то ты еще не узнал, что нет меда слаще меда познания и что нависшие тучи горести должны служить тебе выменем, которое даст молоко для твоего услаждения. И лишь со старостью откроется тебе, что ты следовал голосу природы – той природы, которая управляет всем живущим через наслаждение: жизнь, имеющая свою вершину в старости, имеет свою вершину и в мудрости, в этом кротком солнечном блеске постоянной духовной радости; то и другое, старость и мудрость, ты встретишь на одном_ горном хребте жизни: того хочет природа. Тогда наступает пора, чтобы приблизился туман смерти, и нет повода гневаться на это. Навстречу свету – твое последнее движение; восторг познания – твой последний возглас.
Отдел шестой: Человек в общении
293
Благожелательная симуляция. Часто в общении с людьми необходимо из благожелательности симулировать, будто нам неясны мотивы их действий.
294
Копии. Нередко встречаешь копии выдающихся людей; и здесь, как и в отношении картин, большинству копии нравятся больше, чем оригиналы.
295
Оратор. Можно говорить весьма уместные речи и все же так, что все будут кричать о своем несогласии; это бывает именно тогда, когда речь обращена не ко всем.
296
Недостаточная близость. Недостаточная близость между друзьями есть зло, порицание которого делает его неисцелимым.
297
Искусство дарить. Необходимость отвергнуть дар только потому, что он был предложен ненадлежащим образом, озлобляет против дарителя.
298
Опаснейший член партии. В каждой партии имеется человек, который, слишком фанатично высказывая принципы партии, склоняет остальных к отпадению.
299
Советчики больного. Кто дает советы больному, приобретает чувство превосходства над ним, все равно, были ли советы приняты или отвергнуты. Поэтому раздражительные и гордые больные ненавидят советчиков еще больше, чем свою болезнь.
300
Двоякий род равенства. Жажда равенства может выражаться в том, что стремишься либо перетянуть всех к себе вниз (через умаление, замалчивание, подножку), либо самому подняться ко всем (через признание, помощь, радость от чужой удачи).
301
Против смущения. Лучшее средство помочь очень стесняющимся людям и успокоить их состоит в том, чтобы решительно хвалить их.
302
Пристрастие к отдельным добродетелям. Мы только тогда придаем особое значение обладанию какой-либо добродетелью, когда замечаем ее полное отсутствие у нашего противника.
303
Причина противоречия. Мы часто противоречим какому-нибудь мнению, хотя нам, собственно, лишь несимпатичен тон, каким оно излагается.
304
Доверие и интимность. Кто сознательно добивается интимности в общении с другим лицом, тот обыкновенно не уверен, обладает ли он его доверием. Кто не сомневается в доверии, придает мало значения интимности.
305
Равновесие дружбы. Иногда в нашем отношении к другому человеку восстанавливается надлежащее равновесие дружбы, когда на нашу собственную чашу весов мы кладем несколько крупиц несправедливости.
306
Опаснейшие врачи. Опаснейшие врачи – это те, которые в качестве прирожденных актеров умеют мастерски обманывать, подражая прирожденному врачу.
307
Когда уместны парадоксы. Иногда, чтобы убедить в чем-либо одаренных людей, нужно только изложить утверждение в виде чудовищного парадокса.
308
Как можно воздействовать на мужественных людей. Мужественных людей можно склонить к какому-либо действию, изображая его более опасным, чем оно есть.
309
Любезности. Любезности, которые оказывают нам нелюбимые люди, мы причисляем к их поступкам против нас.
310
Заставить ждать. Верное средство рассердить людей и внушить им злые мысли – заставить их долго ждать. Это делает безнравственным.
311
Прошив доверчивых. Люди, которые дарят нам свое полное доверие, думают, что тем самым они приобретают право на наше доверие. Но это – ложное заключение: подарками не приобретаешь прав.
312
Средство примирения. Часто достаточно дать человеку, которому мы нанесли ущерб, повод сострить на наш счет, чтобы доставить ему личное удовлетворение и даже расположить его в нашу пользу.
313
Тщеславие языка. Скрывает ли человек свои дурные качества и пороки или открыто признается в них – в обоих случаях его тщеславие ищет себе выгоды: обратите внимание, как он различает, перед кем ему скрывать эти качества и перед кем быть честным и откровенным.
314
Деликатность. Стремиться никого не огорчать и никому не наносить ущерба может быть одинаково признаком и справедливого и боязливого образа мыслей.
315
Необходимо для прений. Кто не умеет сохранять во льду свои мысли, тот не должен предаваться горячке спора.
316
Среда и самомнение. Теряешь самомнение, когда видишь вокруг себя заслуженных людей; одиночество вселяет высокомерие. Молодые люди высокомерны, потому что они окружены себе подобными, которые все не представляют из себя ничего, но хотели бы иметь большое значение.
317
Мотив нападения. Нападают не только для того, чтобы причинить кому-либо боль или победить, но, быть может, и для того только, чтобы ощутить свою силу.
318
Лесть. Лица, которые хотят лестью усыпить нашу предусмотрительность в общении с ними, применяют опасное средство, как бы снотворное питье, которое, если не усыпляет, еще более укрепляет в бодрствовании.
319
Писать хорошие письма. Кто не пишет книг, много мыслит и живет среди неудовлетворительного общества, тот обыкновенно умеет писать хорошие письма.
320
Безобразнее всего. Сомнительно, чтобы путешественник мог найти где-либо на свете более безобразные местности, чем на человеческом лице.
321
Сострадательные. Сострадательные натуры, всегда готовые на помощь в несчастье, редко способны одновременно и на сорадость: при счастье ближних им нечего делать, они излишни, не ощущают своего превосходства и потому легко обнаруживают неудовольствие.
322
Родственники самоубийцы. Родственники самоубийцы ставят ему в вину, что он не сохранил жизни из внимания к их репутации.
323
Предвидеть неблагодарность. Кто приносит в дар великое, не встречает благодарности: ибо одаряемый обременен уже самим принятием дара.
324
В бездарном обществе. Никто не благодарит духовно одаренного человека за вежливость, когда он приспособляется к обществу, в котором невежливо обнаруживать даровитость.
325
Присутствие свидетелей. Вдвойне охотно бросаешься в воду спасать утопающего, когда находятся люди, которые не решаются на это.
326
Молчание. Самый неприятный для обеих сторон способ отвечать на полемику – это сердиться и молчать: ибо нападающий объясняет себе обыкновенно молчание как признак презрения.
327
Секрет друга. Мало найдется людей, которые, затрудняясь в материале для беседы, не выдали бы секретных дел своих друзей.
328
Гуманность. Гуманность знаменитых духовными дарованиями людей состоит в том, чтобы в общении с незнаменитыми людьми любезно признаваться в своей неправоте.
329
Стесняющийся. Люди, которые не чувствуют себя уверенными в обществе, пользуются всяким случаем, чтобы перед обществом показать на ком-либо, кто ниже их, свое превосходство, например, с помощью насмешек.
330
Благодарность. Тонкой душе тягостно сознавать, что кто-либо ей обязан благодарностью; грубой душе – сознавать себя обязанной кому-либо.
331
Признак отчуждения. Сильнейший признак отчуждения во взглядах двух людей состоит в том, что оба говорят друг другу иронические вещи, но никто из них не чувствует иронии в словах другого.
332
Самомнение при заслугах. Самомнение при наличности заслуг оскорбляет еще больше, чем самомнение людей без заслуг: ибо уже сама заслуга оскорбляет.
333
Опасность в голосе. Иногда в разговоре звук собственного голоса стесняет нас и склоняет к утверждениям, которые совершенно не соответствуют нашим мнениям.
334
В разговоре. Признаешь ли в разговоре своего собеседника по существу правым или неправым, это всецело дело привычки: то и другое имеет смысл.
335
Страх перед ближним. Мы боимся враждебного настроения нашего ближнего, потому что мы опасаемся, что благодаря этому настроению он выведает наши тайные свойства.
336
Отличать порицанием. Весьма именитые люди высказывают даже свое порицание так, что хотят нас отличить им. Оно должно свидетельствовать нам, как усердно они заняты нами. Мы совершенно ложно понимаем их, если воспринимаем их порицание по существу и защищаемся против него; этим мы сердим их и отчуждаем от себя.
337
Недовольство благожелательностью других. Мы ошибаемся в определении степени, в какой нас ненавидят или боятся; ибо хотя мы сами и хорошо знаем степень нашего расхождения с какой-либо личностью, партией, направлением, но последние знают нас весьма поверхностно, а потому и ненавидят лишь поверхностно. Мы часто встречаем благожелательность, которая нам необъяснима; но если мы ее понимаем, то она нас оскорбляет, ибо показывает, что на нас смотрят недостаточно серьезно и придают нам недостаточное значение.
338
Столкнувшиеся тщеславия. Два человека, тщеславие которых одинаково велико, сохраняют после встречи плохое впечатление друг от друга, ибо каждый из них был так занят впечатлением, которое он хотел произвести на другого, что другой не произвел на него никакого впечатления; оба замечают наконец, что их старания тщетны, и каждый ставит это в вину другому.
339
Бесчинства как хорошие признаки. Исключительные умы испытывают удовольствие от бестактностей, высокомерных и даже враждебных выходок честолюбивых юношей против них; это – шалости горячих лошадей, которые еще не носили на себе всадников и все же вскоре будут гордо носить их.
340
Когда полезно оказаться неправым. Мы поступим хорошо, выслушав без возражений обвинения против нас, даже если они несправедливы, в том случае, когда обвинитель усмотрел бы еще большую несправедливость с нашей стороны, если бы мы ему противоречили, а тем более опровергли его. Впрочем, таким образом человек может быть всегда неправым и оказываться правым и в конце концов, сохраняя чистейшую совесть, стать самым невыносимым тираном и мучителем; и что применимо к отдельному лицу, то может иметь место и в отношении целых классов общества.
341
Недостаточно почитаемые. Очень спесивые люди, которым было оказано меньше внимания, чем они ожидали, долго пытаются обмануть в этом отношении себя и других и становятся хитроумными психологами, чтобы убедиться, что их все-таки достаточно почтили; если они не достигают этой цели и покрывало обмана разрывается, то они предаются тем большей ярости.
342
Отзвук в речи первобытных состояний. В способе, каким мужчины теперь в обществе высказывают утверждения, часто узнаешь отзвук эпох, когда они лучше умели обращаться с оружием, чем с чем-либо иным: они то орудуют своими утверждениями, как меткие стрелки – ружьем, то как будто слышишь свист и лязг мечей; а у некоторых мужчин утверждение громыхает, как здоровая дубина. – Напротив, женщины говорят, как существа, которые веками сидели у ткацкого станка, или работали иголкой, или ребячились с детьми.
343
Рассказчик. Кто что-либо рассказывает, у того легко можно подметить, рассказывает ли он потому, что его интересует факт, или потому, что он хочет заинтересовать своим рассказом. В последнем случае он будет преувеличивать, употреблять превосходные степени и т. и. Тогда он обыкновенно рассказывает хуже, так как думает не столько о деле, сколько о себе.
344
Чтец. Кто читает вслух драматические произведения, тот делает открытия о своем характере: он находит, что его голос более естественно подходит для каких-то настроений и сцен, чем для других, например для всего патетического или шутливого, тогда как, быть может, в обычной жизни он лишь не имел повода обнаружить пафос или шутливость.
345
Сцена из комедии, встречающаяся в жизни. Некто придумывает глубокомысленное мнение о какой-либо теме, чтобы изложить его в обществе. В комедии мы могли бы видеть и слышать, как он стремится на всех парусах добраться и довести общество до того места, где он может высказать свое замечание; как он непрерывно толкает разговор к одной цели, по временам теряет направление, снова находит его и наконец достигает мгновения, ему уже спирает дыхание – и вдруг кто-нибудь из общества предупреждает его и высказывает его замечание. Что он станет делать? Возражать своему собственному мнению?
346
Невольная невежливость. Если кто-либо помимо воли ведет себя невежливо в отношении другого, например не кланяется ему, потому что не узнает, то это его мучит, хотя он ни в чем не может упрекнуть себя; его огорчает плохое мнение, которое он возбудил в другом, или он боится последствий недовольства, или его огорчает, что он оскорбил другого, – итак, тщеславие, страх или сострадание могут пробудиться в нем, а быть может, и все это одновременно.
347
Шедевр предателя. Высказать против соучастника в заговоре оскорбительное подозрение, что он предает, и притом как раз в момент, когда сам совершаешь предательство, есть шедевр злобы; это доставляет личную заботу другому и вынуждает его некоторое время вести себя открыто и избегать подозрений, так что у действительного предателя развязываются руки.
348
Обижать и быть обиженным. Гораздо приятнее обижать и потом просить прощения, чем быть обиженным и даровать прощение. Тот, кто делает первое, дает знак своего могущества, а позднее – доброты своего характера. Обиженный, если он не хочет прослыть негуманным, должен простить; благодаря этой вынужденности наслаждение унижением обидчика невелико.
349
Диспут. Когда одновременно противоречишь чужому мнению и развиваешь свое собственное, то обыкновенно необходимость постоянно принимать во внимание чужое мнение искажает естественную форму собственного мнения: оно является более подчеркнутым, резким, быть может, несколько преувеличенным.
350
Уловка. Кто хочет требовать от кого-либо другого чего-либо трудного, тот вообще не должен представлять дело в виде проблемы, а должен просто изложить свой план, как будто последний есть единственная возможность; и когда во взоре другого лица начинает разгораться возражение, противоречие, он должен суметь быстро оборвать его и не дать ему опомниться.
351
Угрызения совести после нахождения в обществе. Почему, когда мы возвращаемся из обычного общества, у нас бывают угрызения совести? Потому что мы легко отнеслись к серьезным вещам, потому что при оценке людей мы не говорили с полной искренностью или потому что мы молчали, когда следовало говорить, потому что при случае мы не вскочили и не выбежали вон – словом, потому что в обществе мы вели себя так, как будто принадлежим к нему.
352
Ложная оценка. Кто всегда прислушивается к тому, как его оценивают, будет всегда огорчаться. Ведь даже самые близкие нам люди (те, которые «лучше всех нас знают») оценивают нас ложно. Даже хорошие друзья иногда проявляют свое неудовольствие в неодобрительном суждении; и разве они были бы нашими друзьями, если бы они точно знали нас? – Суждения равнодушных сильно огорчают нас, потому что они звучат так непредвзято, почти объективно. А если мы еще замечаем, что кто-либо враждебный нам знает какую-либо тайную нашу черты так же хорошо, как мы сами, как велика тогда наша досада!
353
Тирания портрета. Художники и государственные деятели, которые быстро комбинируют из отдельных черт целую картину человека или события, по большей части несправедливы в том отношении, что они потом требуют, чтобы событие или человек были действительно таковы, какими они их изобразили; они прямо требуют, чтобы человек был так даровит, лукав, несправедлив, как он живет в их представлении.
354
Родственник как лучший друг. Греки, которые так хорошо знали, что такое друг, – они одни из всех народов обладают глубоким, многосторонним философским исследованием дружбы, так что им впервые, и доселе им одним, друг казался проблемой, достойной разрешения, – эти же греки обозначили родственников выражением, которое есть превосходная степень от слова «друг». Для меня это необъяснимо.
355
Неоцененная честность. Когда кто-либо в разговоре цитирует самого себя («я сказал тогда», «я обыкновенно говорю»), то это производит впечатление претенциозности, хотя это часто вытекает из противоположного источника, по крайней мере из честности, которая не хочет украшать и наряжать мгновения идеями, принадлежащими прошедшему времени.
356
Паразит. Может считаться признаком совершенного отсутствия благородного строя души, когда человек предпочитает жить в зависимости, за счет других, чтобы только не быть вынужденным работать, обыкновенно с тайным озлоблением против тех, от кого он зависит. – Такой строй души гораздо чаще встречается у женщин, чем у мужчин, а также и простительнее у них (по историческим причинам).
357
На алтарь примирения. При известных обстоятельствах от человека можно добиться чего-либо лишь тем, что его оскорбляешь и становишься во враждебное отношение к нему: это сознание, что у него есть враг, настолько мучит его, что он охотно пользуется для примирения первым признаком более мягкого настроения и жертвует на алтарь примирения то самое, что для него раньше было настолько важным, что он ни за какую цену не хотел от него отказаться.
358
Требование сострадания как признак наглости. Существуют люди, которые, вспылив и оскорбив других, требуют, во-первых, чтобы на них не обижались и, во-вторых, чтобы к ним испытывали сострадание за то, что они подвержены столь острым пароксизмам; так далеко заходит человеческая наглость.
359
Приманка. «Всякий человек имеет свою цену» – это неверно. Но, несомненно, для каждого найдется приманка, на которую он должен пойти. Так, чтобы расположить некоторых в пользу какого-либо дела, нужно придать этому делу блеск человеколюбия, благородства, любвеобилия, самопожертвования – а какому же делу нельзя его придать? – Это леденцы и лакомства для их души; у других есть иные приманки.
360
Поведение при похвале. Когда добрые друзья хвалят даровитого человека, то он часто из вежливости и благожелательности будет обнаруживать радость, хотя в действительности ему это безразлично. Его собственное существо совершенно неподвижно в этом отношении и ни на шаг не может быть сдвинуто со света или с тени, в которых оно лежит; но люди хотят радовать своей похвалой, и мы огорчили бы их, если бы не радовались их похвале.
361
Опыт Сократа. Когда человек становится мастером в каком-либо деле, то обыкновенно именно в силу этого он остается полнейшим кропателем в большинстве других дел; но он судит совершенно иначе, как это уже знал Сократ. Таково зло, отравляющее общение с большинством людей.
362
Средства озверения. В борьбе с глупостью самые справедливые и кроткие люди в конце концов делаются грубыми. Быть может, именно этим они становятся на правильный путь защиты: ибо для глупого лба по праву необходим, в виде аргумента, сжатый кулак. Но так как у них, как сказано, кроткий и справедливый характер, то это средство вынужденной самообороны причиняет им самим больше страдания, чем их противникам.
363
Любопытство. Если бы не существовало любопытства, люди мало делали бы для блага ближнего. Любопытство же под именем долга или сострадания втирается в дом несчастного и нуждающегося. – Быть может, даже в прославленной материнской любви есть добрая доля любопытства.
364
Ошибочный расчет в надежде на общество. Один хочет быть интересным своими суждениями, другой – своими симпатиями и антипатиями, третий – своими знакомствами, четвертый – своим одиночеством – и все ошибаются в расчете. Ибо тот, перед кем разыгрывается зрелище, мнит при этом, что он сам есть единственное достойное внимания зрелище.
365
Дуэль. В пользу всех поединков и дуэлей нужно сказать, что когда человек обладает столь легко раздражимым чувством, что не хочет жить, если тот или иной сказал или подумал о нем то-то, он имеет и право поставить вопрос о смерти себя или своего противника. То обстоятельство, что он так раздражителен, не подлежит обсуждению; в этом отношении все мы – наследие прошлого с его величием и его преувеличениями, без которых никогда не бывало величия. И если существует правило чести, в силу которого всякое пролитие крови равносильно смерти, так что дуэль в законных формах облегчает душу, то это есть большое благодеяние, ибо иначе много человеческих жизней подвергалось бы опасности. – Впрочем, такой обычай воспитывает в людях осторожность поведения и делает возможным общение с ними.
366
Благородство и благодарность. Благородная душа будет охотно чувствовать себя обязанной к благодарности и не будет боязливо избегать случаев, при которых ей приходится обязываться; точно так же она будет потом умеренна в выражениях благодарности; тогда как низкие души не хотят ни к чему обязываться или потом чрезмерны или слишком старательны в выражениях благодарности. Последнее, впрочем, встречается и у лиц низкого происхождения или находящихся в зависимом положении: услуга, оказанная им, представляется им чудом милости.
367
Часы красноречия. Чтобы хорошо говорить, одному нужен человек, который решительно и по общему признанию стоял бы выше его, другой же может находить полную свободу речи и счастливые обороты красноречия лишь перед человеком, которого он превосходит; в обоих случаях – причина одна и та же: каждый из обоих говорит хорошо, лишь когда он говорит sans gene, один – потому что перед высшим он не чувствует побуждения к конкуренции, к соперничеству, другой – по тому же самому в отношении низшего. – Но есть и совсем иной род людей, которые говорят хорошо, лишь когда соперничают и стремятся победить. Который из людей этих двух родов более честолюбив: тот, кто из возбужденного честолюбия говорит хорошо, или тот, кто по тому же мотиву говорит плохо или совсем не говорит?
368
Талант к дружбе. Среди людей, имеющих особое дарование к дружбе, выделяются два типа. Один постоянно подымается вверх и для каждой фазы своего развития находит вполне соответствующего друга. Ряд друзей, который он таким образом приобретает, редко находится в согласии между собой и часто – в раздоре и противоречии, и это вполне соответствует тому, что и позднейшие фазы его развития уничтожают или умаляют прежние фазы. Такого человека можно в шутку назвать лестницей. – Другой тип представляет тот, кто способен притягивать к себе самые различные характеры и дарования, так что он приобретает целый круг друзей; последние же именно в силу этого вступают в дружеское отношение между собой, несмотря на все свое несходство. Такого человека следует назвать кругом: ибо в нем в какой-либо форме должна быть предобразована эта гармония столь различных характеров и натур. – Впрочем, дар иметь хороших друзей во многих людях гораздо более велик, чем дар быть хорошим другом.
369
Тактика в разговоре. После разговора с кем-либо человек бывает лучше всего настроен в пользу своего собеседника, если имел случай выказать перед ним во всем блеске свой ум и свою любезность. Этим пользуются умные люди, которые хотят расположить к себе кого-либо; в разговоре с ним они постоянно дают ему прекрасные поводы к остроте и т. п. Можно представить себе веселый разговор между двумя очень умными людьми, каждый из которых хочет настроить в свою пользу другого и которые поэтому бросают друг другу прекрасные поводы, но не принимают их, – так что разговор в целом протекает неостроумно и нелюбезно, потому что каждый предоставляет другому повод к остроумию и любезности.
370
Способ разрядишь недовольство. Человек, которому что-либо не удается, охотнее объясняет эту неудачу злым умыслом другого человека, чем случайностью. Его раздраженное чувство облегчается тем, что он мыслит причиной своей неудачи личность, а не что-то безличное: ибо лицам можно отомстить, козни же случая нужно безропотно проглотить. Поэтому лица, окружающие монарха, когда ему что-либо не удалось, обыкновенно указывают ему на отдаленную личность как на мнимую причину неудачи и приносят ее в жертву интересу всех придворных; иначе недовольство монарха разразилось бы над ними всеми, так как он ведь не может мстить самой богине судьбы.
371
Принимать окраску среды. Почему симпатии и антипатии так заразительны, что почти нельзя жить вблизи сильно чувствующего человека, не заполняясь, подобно сосуду, всеми его «за» и «против»? Прежде всего полное воздержание от суждения очень трудно, а иногда прямо невыносимо для нашего тщеславия; оно по цвету похоже на нищету мыслей и чувств или на боязливость, немужественность; и потому мы вынуждены по меньшей мере занять определенную позицию, иногда враждебную направлению нашей среды, если эта позиция доставляет больше удовольствия нашей гордости. Обыкновенно же – и это есть второе – мы совсем не сознаем перехода от равнодушия к симпатии и антипатии, а постепенно привыкаем к чувствам нашей среды, и так как симпатическое присоединение к мнению и взаимное понимание весьма приятны, то мы скоро начинаем носить все знаки и партийные цвета этой среды.
372
Ирония. Ирония уместна лишь как педагогическое средство в устах учителя в общении с учениками всякого рода; цель ее состоит в том, чтобы укротить и пристыдить, но тем целительным способом, который пробуждает добрые намерения и влечет нас отплатить почитанием и благодарностью, как врачу, тому, кто с нами так обошелся. Человек, пользующийся иронией, представляется несведущим, и притом так хорошо, что беседующие с ним ученики бывают обмануты и, веря, что они знают лучше, становятся смелыми и оставляют многое открытым для нападения – пока вдруг светоч, которым они светили в лицо учителю, к их стыду, не отбросит своих лучей на них самих. – Где такое отношение, как между учителем и учеником, не имеет места, там ирония есть бесчинство, низкий аффект. Все иронические писатели рассчитывают на глупый род людей, которые хотят чувствовать себя вместе с автором выше других и рассматривают автора как глашатая их самомнения. – Кроме того, привычка к иронии, как и к сарказму, портит характер, она придает ему постепенно черту злорадного превосходства: под конец начинаешь походить на злую собаку, которая, кусаясь, к тому же научилась и смеяться.
373
Самомнение. Ничего не следует так остерегаться, как произрастания той сорной травы, которая зовется самомнением и портит нам всякую хорошую жатву; ибо есть самомнение в сердечности, в знаках почитания, в благожелательной доверчивости, в ласке, в дружеском совете, в признании ошибок, в сочувствии другим людям, и все эти прекрасные вещи возбуждают отвращение, когда между ними растет такая сорная трава. Сомнительный человек, т. е. человек, который хочет иметь большее значение, чем он есть или кажется, делает всегда ложный расчет. Правда, он на мгновение достигает успеха, так как те, в отношении которых он самомнителен, обыкновенно дают ему требуемую меру чести из страха или из инертности; но они жестоко мстят за это: ту сумму чести, которую он неправильно от них требовал, они вычитают из ценности, которую они признавали за ним доселе. Ничего люди не продают так дорого, как свое уничижение. Самомнительный человек может настолько умалить и сделать сомнительными в глазах других людей свои подлинные большие заслуги, что их будут топтать ногами. – Даже гордое поведение следовало бы позволять себе лишь в тех случаях, когда можешь быть вполне уверен, что не будешь ложно понят и признан самомнительным, например перед друзьями и женами. Ибо в сношениях с людьми нет большей глупости, как навлечь на себя репутацию самомнительного человека; это еще хуже, чем не уметь вежливо лгать.
374
Диалог. Диалог есть совершенный разговор, так как все, что говорит один, приобретает определенную окраску, звучность, сопровождающий жест в точном расчете па другого, с кем говоришь, т. е. аналогично тому, что случается в письменном общении, когда один и тот же человек обнаруживает десяток способов выражения своей души, смотря по тому, кому он пишет. В диалоге существует лишь одно-единственное преломление лучей мысли – это преломление создает собеседник, как зеркало, в котором мы хотим снова увидеть наши мысли в возможно лучшей форме. Но как обстоит дело при двух, трех и более собеседниках? Тут разговор неизбежно теряет индивидуализирующую тонкость, различные соображения перекрещиваются и взаимно уничтожаются; оборот, который приятен одному, приходится не по вкусу другому. Поэтому человек в общении с многими вынужден отступать назад, к самому себе, излагать факты, как они есть, но лишать предметы того легкого эфира гуманности, который делает разговор самой приятной вещью на свете. Вслушайтесь в тон, которым обыкновенно говорят мужчины с целыми группами мужчин; генерал-бас всех их речей как бы звучит: «Таков я, так говорю я, думайте об этом, как хотите!» Это есть причина, почему даровитые женщины по большей части оставляют в том, кто познакомился с ними в обществе, тягостное, отчуждающее, отталкивающее впечатление: их обращение ко многим, их разговор со многими лишает их всякой духовной привлекательности и лишь выставляет в ярком свете их сознательную мысль о самих себе, их тактику и намерение одержать публичную победу, тогда как те же самые женщины в беседе вдвоем снова становятся женщинами и вновь обретают свою духовную прелесть.
375
Посмертная слава. Рассчитывать на признание отдаленных потомков имеет смысл лишь исходя из предположения, что человечество, по существу, остается неизменным и что все великое должно ощущаться как великое не одной определенной эпохой, а всеми эпохами. Но это есть заблуждение; человечество в своем чувстве и суждении о том, что прекрасно и хорошо, изменяется весьма сильно; было бы фантастичным верить, что обогнал других на целую милю пути и что все человечество пойдет нашим путем. Кроме того, ученый, который остается непризнанным, может теперь вполне уверенно рассчитывать, что его открытие будет сделано и другими и что в лучшем случае некогда историк признает, что и он уже знал то и это, но не был в состоянии заставить людей поверить в свою истину. Непризнанность потомство всегда истолковывает как недостаток силы. – Словом, не следует так легко прославлять высокомерное одиночество. Правда, бывают исключительные случаи; обыкновенно же лишь наши недостатки, слабости и глупости мешают признанию наших великих качеств.
376
О друзьях. Поразмысли сам с собой, как различны чувства, как несходны мнения даже среди ближайших знакомых; как даже одинаковые мнения занимают совершенно иное место или имеют иную силу в голове твоих друзей, чем в твоей; как многочисленны поводы к непониманию, к враждебному расхождению в разные стороны. После этого ты скажешь себе: как непрочна почва, на которой покоятся все наши союзы и дружбы, как неизбежны холодные дожди и непогода, как одинок каждый человек! Если человек понимает это и к тому же понимает, что все мнения, а также их характер и сила у его ближних столь же необходимы и безответственны, как и их действия, если он приобретает способность постигать эту внутреннюю необходимость мнений из неразъединимого сплетения, характера, занятия, таланта, среды, – то он, быть может, избавится от горечи и остроты чувства, с которым мудрец воскликнул: «Други, друзей не бывает!» Напротив, он признается себе: да, бывают друзья, но их привело к тебе заблуждение, самообман о тебе; и они должны были научиться молчанию, чтобы оставаться твоими друзьями; ибо почти всегда такие человеческие отношения покоятся на том, что о некоторых вещах не говорят, что их даже не касаются; если же эти камешки начинают катиться, они увлекают за собой дружбу и разбивают ее. Существуют ли люди, которые не были бы смертельно оскорблены, если бы они узнали, что в глубине души о них знают их самые близкие друзья? Постигая себя самих, научаясь смотреть на наше собственное существо как на изменчивую сферу мнений и настроений и тем самым слегка презирать его, мы снова устанавливаем равновесие между нами и остальными людьми. Правда, у нас есть хорошие основания иметь низкое мнение о каждом из наших знакомых, и даже о величайших из них; но у нас есть столь же хорошие основания обратить это чувство и против нас самих. – И потому будем терпеть друг друга, как мы терпим самих себя; и быть может, для каждого придет некогда более радостный час, когда он воскликнет:
«Други, друзей не бывает!» – воскликнул мудрец, умирая;
«Враг, не бывает врагов!» – кличу я, безумец живой.
Отдел седьмой: Женщина и дитя
377
Совершенная женщина. Совершенная женщина есть более высокий тип человека, чем совершенный мужчина, но и нечто гораздо более редкое. – Естественно-научное исследование животных дает средство подтвердить это положение.
378
Дружба и брак. Лучший друг, вероятно, получит лучшую жену, ибо хороший брак покоится на таланте к дружбе.
379
Родители продолжают жить в детях. Неразрешенные диссонансы в отношении характера и образа мыслей родителей продолжают звучать в натуре ребенка и образуют внутреннюю историю его страданий.
380
От матери. Каждый носит в себе образ женщины, воспринятый от матери; этим определяется, будет ли человек почитать женщин вообще, или презирать их, или в общем относиться к ним равнодушно.
381
Исправлять природу. Когда не имеешь хорошего отца, нужно раздобыть себе такового.
382
Отцы и дети. Отцам приходится много работать, чтобы искупить то, что у них есть сыновья.
383
Заблуждение знатных женщин. Знатные женщины думают, что вещь вообще не существует, если о ней нельзя говорить в обществе.
384
Мужская болезнь. Против мужской болезни самопрезрения вернее всего помогает любовь умной женщины.
385
Род ревности. Матери легко ревнуют своих сыновей к их друзьям, если последние имеют особый успех. Обыкновенно мать любит в своем сыне больше себя, чем самого сына.
386
Разумное безрассудство. В зрелом возрасте и при созревшем разуме человеком овладевает чувство, что его отец не имел права дать ему жизнь.
387
Материнская нежность. Иная мать хочет иметь счастливых, почитаемых детей, иная – несчастных: ибо иначе не может обнаружиться ее материнская нежность.
388
Различные вздохи. Некоторые мужчины вздыхали о похищении своих жен, большинство же – о том, что никто не хотел их похитить у них.
389
Брак по любви. Браки, которые были заключены по любви (так называемые браки по любви), имеют заблуждение своим отцом и нужду (потребность) – матерью.
390
Женская дружба. Женщины свободно могут заключать дружбу с мужчиной; но, чтобы сохранить ее, – для этого потребна небольшая доля физической антипатии.
391
Скука. Многие люди, а в особенности женщины, не испытывают скуки, потому что они никогда не умели порядочно работать.
392
Элемент любви. Во всякого рода женской любви проступает и элемент материнской любви.
393
Единство места и драма. Если бы супруги не жили вместе, хорошие браки встречались бы чаще.
394
Обычные последствия брака. Всякое общение, которое не возвышает, тянет вниз, и наоборот; поэтому мужчины обыкновенно несколько опускаются, когда берут себе жен, тогда как жены несколько повышаются в своем уровне. Слишком одухотворенные мужчины столь же нуждаются в браке, сколь и противятся ему, как отвратительному лекарству.
395
Учить повелевать. Детей из скромных семей нужно через воспитание столь же приучать к повелеванию, как других детей – к послушанию.
396
Хотеть стать влюбленным. Помолвленные, которых свели внешние соображения, часто стараются стать влюбленными, чтобы избегнуть упрека в холодном утилитарном расчете. Точно так же те, кто ради выгоды возвращаются к христианству, стараются стать действительно набожными, ибо этим облегчается религиозная мимика.
397
В любви нет остановки. Музыкант, который любит медленный темп, будет играть одни и те же пьесы все медленнее. Так и ни в какой любви нет остановки.
398
Стыдливость. С красотою женщины, в общем, увеличивается ее стыдливость.
399
Прочный брак. Брак, в котором каждый через другого хочет достигнуть определенной личной цели, хорошо сохраняется, например, когда жена хочет стать знаменитой через мужа, муж – стать любимым через посредство жены.
400
Протеева натура. Женщины из любви становятся всецело тем, чем они представляются любящим их мужчинам.
401
Любить и обладать. Женщины по большей части любят значительного человека так, что хотят его иметь целиком для себя. Они охотно заперли бы его на замок, если бы этому не противостояло их тщеславие: последнее требует, чтобы он и другим казался выдающимся человеком.
402
Испытание хорошего брака. Годность брака испытывается тем, что он может вынести «исключение».
403
Способ довести всех до всего. Каждого человека можно настолько утомить и обессилить беспокойствами, страхами, накоплением труда и мыслей, что он уже не может противостоять делу, которое имеет вид чего-то сложного, а уступает ему, – это хорошо знают дипломаты и женщины.
404
Честь и честность. Девушки, которые надеются обеспечить всю свою жизнь с помощью юных прелестей и хитрость которых поддерживают расчетливые матери, хотят того же самого, что и гетеры; они только умнее и бесчестнее последних.
405
Маски. Существуют женщины, которые, куда ни посмотришь в них, не имеют нутра, а суть чистые маски. Достоин сожаления человек, который связывается с таким почти призрачным, неизбежно неудовлетворяющим существом; но именно они могут сильнее всего возбудить желания мужчины: он ищет их души – и ищет без конца.
406
Брак как долгий разговор. При вступлении в брак нужно ставить себе вопрос: полагаешь ли ты, что ты до старости сможешь хорошо беседовать с этой женщиной? Все остальное в браке преходяще, но большая часть общения принадлежит разговору.
407
Девичьи мечты. Неопытные девушки обольщают себя мыслью, что в их силах сделать счастливым мужчину; позднее они научаются, что предполагать о человеке, будто ему достаточно девушки, чтобы стать счастливым, – значит слишком низко ценить его. – Тщеславие женщин требует, чтобы мужчина был нечто большее, чем счастливый супруг.
408
Вымирание Фауста и Маргариты. Согласно весьма проницательному замечанию одного ученого, образованные мужчины современной Германии походят на помесь из Мефистофеля и Вагнера, но отнюдь не на Фауста, которого наши деды (по крайней мере в юности) чувствовали в своей груди. Продолжая это суждение, можно сказать, что к ним по двум основаниям не подходят Маргариты. И так как на них нет спроса, то они, по-видимому, вымирают.
409
Девушки в качестве гимназистов. Ради всего святого, не распространяйте наше гимназическое образование еще и на девушек! Ведь это образование часто превращает даровитых, любознательных, пламенных юношей – в копии их учителей!
410
Без соперниц. Женщины легко замечают в мужчине, владеет ли уже что-либо его душой; они хотят, чтобы их любили без соперниц, и ставят ему в вину цели его честолюбия, его политические задачи, его науки и искусства, если он питает страсть к таким вещам. Впрочем, если он благодаря этому блистает – тогда они рассчитывают, через любовную связь с ним, увеличить и свой блеск; в этом случае они благоприятствуют любовнику.
411
Женский интеллект. Интеллект женщин характеризуется полнейшим самообладанием, присутствием духа, использованием всех выгод. Они передают его как свое основное свойство по наследству своим детям, а отец присоединяет к нему более темный фон воли. Его влияние как бы определяет ритм и гармонию, в которых должна разыграться новая жизнь; но ее мелодия исходит от женщины. – Обращаясь к тем, кто умеет кое-что соображать, я скажу; женщинам принадлежит рассудок, мужчинам – склад души и страсть, этому не противоречит, что мужчины фактически гораздо успешнее действуют своим рассудком: у них есть более глубокие и могущественные двигатели, и именно последние уносят так далеко их рассудок, который сам по себе есть нечто пассивное. Женщины часто втайне изумляются тому великому поклонению, которое выказывают мужчины их душе. Если мужчины при выборе супруги прежде всего ищут глубокого, душевно богатого существа, женщины же, наоборот, – существа умного, находчивого и блестящего, то, в сущности, ясно видишь, что мужчина ищет идеализированного мужчины, женщина – идеализированной женщины, т. е. что оба стремятся не к дополнению, а к завершению своих собственных преимуществ.
412
Подтверждение мнения Гесиода. Признаком рассудительности женщин является то, что они почти всюду сумели заставить кормить себя, как трутни в улье. Но нужно сообразить, что это первоначально означает и почему мужчины не дают себя кормить женщинам. Несомненно потому, что мужское тщеславие и честолюбие еще более велики, чем женская рассудительность: ибо женщины сумели через подчинение обеспечить себе гораздо большую выгоду и даже господство. Даже воспитание детей могло быть первоначально использовано женщинами как повод, чтобы по возможности уклониться от труда. Еще и теперь, когда они действительно деятельны, они умеют придавать этому такое умопомрачающее значение, что мужчины обыкновенно вдесятеро преувеличивают заслугу их деятельности.
413
Близорукие влюбляются. Иногда достаточно уже более сильных очков, чтобы исцелить влюбленного; а кто обладал бы достаточной силой воображения, чтобы представить себе лицо и фигуру возлюбленной на двадцать лет старше, тот, быть может, весьма спокойно провел бы жизнь.
414
Женщины в состоянии ненависти. В состоянии ненависти женщины опаснее мужчин: во-первых, потому, что их раз возбужденное враждебное настроение не сдерживается никакими соображениями справедливости и что их ненависть беспрепятственно нарастает до последних ее результатов, и, во-вторых, потому, что они привыкли отыскивать уязвимые места (которые имеются у каждого человека и каждой партии) и колоть в них, в чем им оказывает превосходные услуги их острый, как меч, рассудок (тогда как мужчины при виде раны становятся более сдержанными и часто более великодушными и склонными к примирению).
415
Любовь. Идолопоклонническое отношение женщин к любви есть в сущности и первоначально изобретение рассудительности, так как вся эта идеализация любви усиливает их могущество и представляет их более желанными в глазах мужчин. Но благодаря вековой привычке к этой чрезмерной оценке любви произошло то, что женщины попались в свою собственную сеть и забыли указанное происхождение этой оценки. Они сами теперь обманываются еще больше, чем мужчины, и потому и больше страдают от разочарования, которое почти неизбежно наступает в жизни каждой женщины, – поскольку у нее вообще есть достаточно фантазии и рассудка, чтобы быть способной обманываться и разочаровываться.
416
К вопросу об эмансипации женщин. Могут ли вообще женщины быть справедливыми, раз они так привыкли любить, всюду чувствовать «за» и «против»? Поэтому они и реже увлекаются делом, чем лицами; но если они увлечены делом, то они тотчас же становятся его партийными приверженцами и тем портят его чистое, невинное действие. Поэтому возникла бы немалая опасность, если бы им была доверена политика и отдельные части науки (например, история). Ибо что может быть реже, чем женщина, которая действительно знала бы, что такое наука? Большинство из них питают даже в душе тайное пренебрежение к ней, как если бы они в каком-то отношении стояли выше ее. Пожалуй, все это может измениться, но теперь это так.
417
Вдохновение в суждении женщин. Внезапные решения «за» и «против», которые обыкновенно высказывают женщины, мгновенные, как молния, озарения личных отношений посредством прорывающихся наружу симпатий и антипатий – словом, доказательства женской несправедливости приобрели благодаря любящим мужчинам особый ореол, как если бы женщины имели внушения мудрости даже и без дельфийского жерла и лавровой повязки; и их изречения еще долго потом истолковываются и объясняются, как пророчества Сивиллы. Если же принять во внимание, что в пользу каждого человека и каждого дела, а также и против них можно что-нибудь привести, что все вещи имеют не только две, но и три и четыре стороны, то оказывается почти невозможным совершенно ошибиться при таких внезапных решениях; можно даже сказать: природа вещей так устроена, что женщины всегда оказываются правыми.
418
Давать любить себя. Так как одно из двух, связанных любовью лиц есть обыкновенно любящее, а другое – любимое лицо, то возникло мнение, что в каждом любовном отношении есть некоторая неизменная мера любви: чем больше из нее берет себе одно лицо, тем меньше остается для другого. В виде исключения случается, что под влиянием тщеславия каждое из обоих лиц уверено, что именно оно должно быть любимо, так что оба хотят давать любить себя; отсюда, в особенности в браке, возникает немало полусмешных-полунелепых сцен.
419
Противоречия в головах женщин. Так как женщины гораздо более личны, чем объективны, то в круге их идей уживаются направления, которые логически противоречат друг другу; они обыкновенно увлекаются поочередно представителями этих направлений и принимают их системы целиком, но притом так, что возникает всюду мертвая точка, в которой позднее получит перевес новая личность. Быть может, случается, что целая философия в голове старой женщины состоит из одних таких мертвых точек.
420
Кто более страдает? После личного раздора и ссоры между женщиной и мужчиной одна сторона страдает больше всего от мысли, что она причинила боль другой; тогда как другая больше всего страдает от мысли, что она причинила противоположной стороне недостаточно боли, и потому старается еще позднее отяготить ее сердце слезами, рыданиями и расстроенным выражением лица.
421
Повод к женскому великодушию. Если мысленно стать выше требований господствующих нравов, то можно проставить вопрос, не говорит ли человеку природа и разум в пользу многократной женитьбы, например, в той форме, что он сначала в возрасте 22 лет женится на более пожилой девушке, которая духовно и нравственно стоит выше его и может стать его руководительницей через опасности двадцатилетия (честолюбие, ненависть, самопрезрение, страсти всякого рода). Ее любовь позднее совершенно перешла бы в материнское чувство и она не только терпела бы, но даже лучше всего содействовала бы тому, чтобы мужчина тридцатилетним вступил в связь с совсем молодой девушкой, воспитанием которой он сам бы руководил. – Брак есть для двадцатилетнего возраста необходимое учреждение, для тридцатилетнего – учреждение полезное, но не необходимое; для позднейшей жизни он часто становится вредным и содействует духовному регрессу мужчины.
422
Трагедия детства. Быть может, нередко случается, что люди с благородными и высокими целями должны выдержать самую трудную свою борьбу в детстве; например, потому что они должны пробить путь своему образу мыслей через низкий духовный склад отца, склонного ко лжи и кажимости, или, как лорд Байрон, должны жить в постоянной борьбе с ребячливой и гневной матерью. Если человек пережил что-либо подобное, то он всю свою жизнь не перестанет страдать от мысли, кто, собственно, был его величайшим и опаснейшим врагом.
423
Глупость родителей. Величайшие ошибки в оценке человека совершаются его родителями; это факт, но как объяснить его? Знают ли родители по опыту слишком много о своем ребенке и потому не могут свести это знание к единству? Можно заметить, что путешественники, наблюдающие чужие народы, лишь в первое время своего пребывания правильно улавливают общие отличительные черты народа; чем более они узнают народ, тем более они разучаются видеть то, что в нем типично и отличительно. Как только они становятся близкозрящими, их глаза перестают быть дальнозоркими. Может быть, родители потому ложно судят о ребенке, что они никогда не стояли достаточно далеко от него? – Но возможно еще и следующее, совсем иное объяснение: люди обыкновенно перестают размышлять о том, что ближе всего их окружает, а просто берут его, как оно есть. Быть может, привычная беспечность мысли у родителей есть причина, почему, когда они вынуждены судить о своих детях, они судят так криво.
424
Из будущности брака. Те благородные свободомыслящие женщины, которые поставили своей задачей воспитание и возвышение женщин, не должны упустить из виду одной точки зрения: брак, в его более высоком понимании, как душевная близость людей различного пола, т. е. как мы надеемся его видеть в будущем, – брак, заключаемый с целью созидания и воспитания нового поколения, – такой брак, который пользуется чувственностью как бы лишь в виде редкого и случайного средства для более великой цели, нуждается, вероятно, как надо бы опасаться, в естественном дополнении конкубината. Ибо, если в интересах здоровья мужчины жена должна также одна служить ему для удовлетворения половой потребности, то при выборе жены будет решающим уже ложный мотив, противоречащий указанным целям: созидание потомства будет случайным, счастливое его воспитание – весьма маловероятным. Хорошая жена, которая должна быть подругой, помощницей, родильницей, матерью, главой семьи, управляющей хозяйством и, быть может, даже отдельно от мужа должна заведовать своим собственным делом или должностью, – такая жена не может одновременно быть сожительницей: это значило бы, в общем, требовать от нее слишком многого. Таким образом, в будущем могло бы произойти обратное тому, что случилось в Афинах во времена Перикла: мужчины, которые имели тогда в своих женах почти только конкубин, обратились одновременно к Аспазиям, так как они нуждались в прелестях общения, расширяющего ум и сердце, – общения, которое могут дать лишь грация и духовная гибкость женщин. Все человеческие учреждения, подобно браку, допускают лишь умеренную степень практической идеализации; в противном случае тотчас же возникает необходимость в грубых коррективах.
425
Период «бури и натиска» женщин. В трех или четырех цивилизованных странах Европы можно с помощью воспитания в течение нескольких веков сделать из женщин все, что угодно, даже мужчин, конечно, не в половом смысле, но все же во всяком ином смысле. Под влиянием такого воспитания они приобретут некогда все мужские добродетели и сильные стороны, но вместе с тем, впрочем, должны будут воспринять и все их слабости и пороки; повторяю, всего этого можно добиться. Но как мы выдержим созданное этим движением промежуточное состояние, которое само, быть может, продлится несколько веков и в течение которого женские глупости и несправедливости, их древнейшее достояние, будут еще преобладать над всем позднее приобретенным и внушенным через воспитание? Это будет эпоха, когда основным мужским аффектом станет гнев – гнев о том, что все искусства и науки затоплены и загрязнены неслыханным дилетантизмом, философия загублена умопомрачающей болтовней, политика стала более фантастической и партийной, чем когда-либо, общество находится в полном разложении, потому что хранительницы старых нравов стали сами себе смешны и во всех отношениях хотят стоять вне традиций. Ведь если женщины имели свою величайшую силу в традиции, – то на что они должны будут опираться, чтобы приобрести такую же полноту силы, после того как они отказались от традиций?
426
Свободный ум и брак. Будут ли свободные умы иметь жен? В общем, я полагаю, что они, подобно вещим птицам древности, в качестве современных мыслителей и вещателей правды должны предпочитать летать в одиночку.
427
Счастье в браке. Все привычное стягивает вокруг нас все более крепкую сеть паутины; и вскоре мы замечаем, что нити стали веревками и что мы сами сидим внутри сети, как паук, который поймал самого себя и должен питаться собственной кровью. Поэтому свободный ум ненавидит все привычки и правила, все длительное и окончательное, поэтому он с болью постоянно разрывает сеть вокруг себя, хотя он вследствие этого и должен страдать от множества мелких и крупных ран, – ибо эти нити он должен оторвать от себя, от своего тела, от своей души. Он должен научиться любить там, где ненавидел, и обратно. Более того, для него не должно быть невозможно посеять зубы дракона на том поле, на которое он раньше изливал, как из рога изобилия, свою благость. – Отсюда можно заключить, создан ли он для счастья в браке.
428
Слишком близко. Если мы живем в слишком большой близости с другим человеком, то с нами случается то же, как когда мы постоянно трогаем пальцами хорошую гравюру: настает день, когда под руками у нас оказывается только клочок плохой, грязной бумаги. И душа человека стирается от постоянного прикосновения; но крайней мере она кажется нам стершейся – мы уже не узнаем ее первоначального рисунка и красоты. – Всегда теряешь от слишком интимного общения с женщинами и друзьями; и иногда при этом теряешь жемчужину своей жизни.
429
Золотая колыбель. Свободный ум всегда радостно вздохнет, когда наконец решится сбросить с себя ту материнскую заботливость и опеку, которою его окружают женщины. Какой вред может принести ему более резкое дуновение воздуха, от которого его так боязливо оберегают, что значит в его жизни лишний подлинный ущерб, потеря, несчастный случай, болезнь, вина, обольщение по сравнению с рабством золотой колыбели, опахала из павлиньего хвоста и тягостного чувства, что он к тому же еще обязан благодарить за то, что его опекают и балуют, как грудного младенца? Поэтому молоко, которое преподносит ему материнское чувство окружающих женщин, так легко превращается для него в желчь.
430
Добровольное жертвенное животное. Выдающиеся женщины более всего могут облегчить жизнь своим мужьям – если последние знамениты и велики, – тем, что они становятся как бы сосудом для всеобщего недоброжелательства и всякого недовольства остальных людей. Современники склонны прощать своим великим людям много ошибок и глупостей, и даже грубо несправедливых поступков, если только они найдут кого-либо, кого они могут для облегчения своей души истязать и предавать закланию в качестве жертвенного животного. Нередко женщина находит в себе честолюбие отдать себя этому жертвоприношению, и тогда мужчина, конечно, может быть весьма доволен – именно, если он достаточно эгоистичен, чтобы терпеть около себя такой добровольный громо-, буре- и дождеотвод.
431
Приятные противники. Естественная склонность женщин к спокойному, равномерному, счастливо-гармоническому существованию и общению, маслоподобный и умиротворяющий элемент в их действиях на жизненном море непроизвольно противодействует более героическому внутреннему побуждению свободного ума. Не замечая того, женщины поступают так, как если бы с пути странствующего минералога убирались все камни, чтобы он не повредил себе ноги, тогда как он именно и вышел в путь, чтобы натыкаться на них.
432
Диссонанс двух аккордов. Женщины хотят служить и в этом находят свое счастье; свободный же ум не хочет, чтобы ему служили, и в этом находит свое счастье.
433
Ксантиппа. Сократ нашел жену, какая ему была нужна, – но и он не искал бы ее, если бы достаточно хорошо ее знал: так далеко не зашел бы героизм даже этого свободного ума. Фактически Ксантиппа все более вгоняла его в его своеобразное призвание, делая ему дом и домашний уют бездомным и неуютным: она научила его жить на улице и всюду, где можно было болтать и быть праздным, и тем создала из него величайшего афинского уличного диалектика; и под конец он сам сравнивал себя с навязчивой уздой, которую некий бог надел прекрасному коню, Афинам, чтобы не давать ему успокоиться.
434
Слепота к дали. Подобно тому как матери видят и чувствуют лишь бросающиеся в глаза и навязывающиеся чувству боли своих детей, так и супруги мужчин с высокими целями не могут принудить себя видеть своих мужей страдающими, нуждающимися, а тем более презираемыми, – тогда как, быть может, все это есть не только признаки правильного выбора их жизненного пути, но даже и залог того, что их великие цели некогда должны быть достигнуты. Женщины втайне всегда интригуют против высшей души своих мужей; они хотят отнять у нее ее будущность в угоду безбоязненному и спокойному существованию в настоящем.
435
Сила и свобода. Как бы высоко женщины ни почитали своих мужей, они еще более почитают признанные обществом силы и представления; они в течение тысячелетий привыкли выступать перед всякой властью согнувшись, со сложенными на груди руками, и порицают всякое восстание против общественной власти. Поэтому неумышленно, и скорее даже инстинктивно, они прицепляются, как тормоза, к колесам всякого свободомыслящего, независимого стремления и иногда вызывают в своих мужьях величайшее нетерпение, в особенности если последние к тому же убеждают себя, что, в сущности, к этому побуждает женщин любовь. Порицать средства женщин и великодушно почитать мотивы этих средств – характерно для мужчин, но в этом и слишком часто – отчаяние мужчин.
436
Ceterum censeo. Достойно смеха, когда общество нищих постановляет отмену прав наследования, и не менее достойно смеха, когда бездетные принимают участие в практическом законодательстве страны: ведь в их корабле нет достаточного груза, чтобы уверенно плыть в океан будущего. Но столь же нелепым представляется, когда человек, который избрал своей задачей общее познание и расценку совокупности бытия, обременяет себя личными заботами о семье, о прокормлении, обеспечении и репутации жены и детей и вешает перед своим телескопом туманную завесу, сквозь которую едва могут проникнуть немногие лучи далекого мира звезд. Поэтому и я прихожу к положению, что в вопросах высшего философского порядка все женатые подозрительны.
437
В заключение. Существует много видов яда, и обыкновенно судьба находит повод поднести к устам свободного ума чашу с таким ядом, чтобы «наказать» его, как потом говорят все. Что же делают тогда женщины, окружающие его? Они будут кричать, и жаловаться, и, быть может, нарушать покой солнечного заката мыслителя – как они это делали в афинской темнице. «О, Критон, вели же кому-нибудь увести этих женщин!» – сказал наконец Сократ.
Отдел восьмой: Взгляд на государство
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Просить слова. Демагогический характер и намерение действовать на массы присущи в настоящее время всем политическим партиям: все они вынуждены, ради названной цели, превращать свои принципы в великие глупости al fresco и писать их на стене. В этом ничего уже нельзя изменить, и ради этого бесполезно даже пошевелить пальцем; ибо к этой области применимы слова Вольтера: quand la populace se mele de raisonnerr, tout est perdu. Раз это случилось, нужно покориться новым условиям, как покоряешься, когда землетрясение передвинуло старые границы и очертания почвы и изменило ценность земельной собственности. Кроме того, раз уже всякая политика сводится к тому, чтобы сделать сносной жизнь возможно большему числу людей, то следует предоставить этому возможно большему числу и определить, что оно разумеет под сносной жизнью; и если оно доверяет своему разуму в отыскании верных средств для этой цели, то такой смысл – сомневаться в нем? Ведь они именно и хотят быть кузнецами своего счастья и несчастья; и если это чувство самоопределения, эта гордость теми пятью-шестью понятиями, которые таит и выносит на свет их голова, действительно делает им жизнь столь приятной, что они охотно выносят роковые последствия своей ограниченности, – то против этого вряд ли можно что возразить, при условии, что ограниченность не заходит слишком далеко и не требует, чтобы все в этом смысле стало политикой, чтобы каждый жил и действовал по такому мерилу. А именно, прежде всего некоторым людям должно быть более чем когда-либо дозволено воздерживаться от политики и немного отходить в сторону; ведь и их к этому влечет радость самоопределения: и некоторая гордость также, быть может, заставляет молчать, когда говорят слишком многие или вообще многие. Затем, этим немногим следует простить, если они не придают особого значения счастью многих, будь то народы или классы населения, и иногда позволяют себе ироническую гримасу; ибо их серьезность заключается в другой области, их счастье есть иное понятие, и не всякая неуклюжая рука, только потому, что у нее пять пальцев, способна схватить их цель. Наконец – и это право, вероятно, будет труднее всего приобрести, но оно тоже должно принадлежать им, – время от времени наступает мгновение, когда они выходят из своего молчаливого одиночества и снова испытывают силу своего голоса; а именно, они тогда перекликаются между собой, как заблудившиеся в лесу, чтобы подать знак и внушить бодрость друг другу; при этом, конечно, раздается многое, что дурно звучит для ушей, для которых оно не предназначено. Однако скоро опять в лесу становится тихо, так тихо, что снова отчетливо слышишь жужжание, трескотню и порхание насекомых, которые живут в нем, над и под ним.
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Культура и каста. Более высокая культура сможет возникнуть лишь там, где существуют две различные общественные касты: каста работающих и каста праздных, способных к истинному досугу; или, выражаясь сильнее: каста принудительного труда и каста свободного труда. Точка зрения распределения счастья несущественна, когда дело идет о создании высшей культуры; но во всяком случае каста праздных более доступна страданиям, более страдает, ее довольство жизнью меньше, ее задача – более велика. И если еще имеет место обмен членами между обеими кастами, так что более тупые, менее одухотворенные семьи и личности из высшей касты перемещаются в низшую, и, наоборот, более свободные личности низшей касты получают доступ в высшую, – то достигнуто состояние, за пределами которого видно лишь открытое море неопределенных желаний. – Так говорит нам еле доносящийся до нас голос древнего времени; но где есть еще уши, которые могли бы услышать его?
440
Порода. То, чем породистые мужчины и женщины отличаются от других и что дает им несомненное право цениться более высоко, есть два через наследственность все более возрастающих искусства: искусство повелевать и искусство гордого повиновения. – Правда, всюду, где приказывание входит в занятия дня (как в мире крупной торговли и промышленности), возникает нечто подобное этим «породистым» расам, но таким типам недостает благородной осанки в повиновении, которая у первых есть наследие феодального быта и уже не произрастает в нашем культурном климате.
441
Субординация. Субординация, которая так высоко ценится в военном и чиновничьем сословии, будет скоро казаться нам столь же невероятной, какой уже теперь кажется сплоченная тактика иезуитов; и когда эта субординация станет невозможной, множество изумительных результатов уже не сможет быть достигнуто, и мир станет беднее. Она должна исчезнуть, ибо исчезает ее основа: вера в безусловный авторитет, в окончательную истину; даже в военных государствах одно физическое принуждение не в состоянии создать ее: для этого нужно наследственное поклонение монарху, как чему-то сверхчеловеческому. – В более свободном строе люди подчиняются лишь условно, в результате взаимного соглашения, т. е. со всеми оговорками эгоизма.
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Всенародные армии. Величайшая невыгода столь прославляемых ныне всенародных армий состоит в расточении людей высшей цивилизации; ведь они вообще существуют лишь в силу стечения самых благоприятных условий, – как же бережливо и осторожно следовало бы обходиться с ними, поскольку нужны длинные промежутки времени, чтобы создать случайные условия для возникновения столь тонко организованных мозгов! Но как греки купались в крови греков, так теперь европейцы расточают кровь европейцев; и притом в жертву приносятся относительно чаще всего люди высшего развития, именно те, кто обещает многочисленное и хорошее потомство: в борьбе они всегда стоят впереди, в качестве отдающих приказания, и, кроме того, благодаря своему высшему честолюбию, более всего подвергают себя опасностям. – Грубый римский патриотизм теперь, когда поставлены совсем иные и высшие задачи, чем patria и honor, есть либо нечто нечестное, либо признак отсталости.
443
Надежда как самомнение. Наш общественный порядок будет медленно таять, как это случалось со всеми прежними порядками, когда солнца новых мнений с новым пылом начинали светить людям. Желать этого таяния можно, лишь надеясь на него; а надеяться можно разумно лишь в том случае, когда человек верит, что он сам и подобные ему имеют больше силы в голове и сердце, чем представители существующего порядка. Таким образом, эта надежда обыкновенно будет самомнением, чрезмерной самооценкой.
444
Война. Против войны можно сказать: она делает победителя глупым, побежденного – злобным. В пользу же войны можно сказать: в обоих этих действиях она варваризует людей и тем делает их более естественными; для культуры она есть пора зимней спячки, человек выходит из нее более сильным для добра и зла.
445
На службе монарха. Для того чтобы государственный деятель мог действовать без всяких стеснений, ему лучше всего выполнять свое дело не для себя, а для монарха. Блеск этого общего бескорыстия ослепит взор наблюдателя, так что он не увидит тех козней и жестокостей, которые несет с собой дело политика.
446
Вопрос силы, а не права. Для людей, которые при всяком вопросе имеют в виду высшую пользу, в отношении социализма – если он действительно означает восстание угнетенных и подавленных в течение тысячелетий против их угнетателей – существует не проблема права (смешной изнеженный вопрос: «как далеко следует идти навстречу его требованиям?»), а лишь проблема силы («как можно использовать его требования?»), т. е. отношение таково же, как к силе природы, например к пару, который либо вынуждается служить человеку, в качестве бога машин, либо же, при недостатках машины, т. е. при ошибках человеческого исчисления в ее конструкции, разрушает машину, а с ней и человека. Чтобы решить этот вопрос силы, надо знать, насколько силен социализм и с какой модификацией он может быть еще использован, как могущественный рычаг, в пределах современной политической игры сил; при известных условиях нужно было бы даже всеми способами содействовать его усилению В отношении всякой великой силы – и даже самой опасной – человечество всегда должно думать о том, чтобы сделать из нее орудие своих намерений. – Право социализм приобретет себе лишь тогда, когда дело дойдет до настоящей войны между обеими силами, представителями старого и нового, и когда при этом, в силу разумного расчета самосохранения и удобства, в обеих партиях возникнет потребность в договоре. Без договора нет права. Доселе же в указанной области нет ни войны, ни договоров, а следовательно, нет и прав, нет и «долга».
447
Использование мельчайшей нечестности. Сила прессы состоит в том, что каждый отдельный человек, который ей служит, лишь в очень малой степени чувствует себя обязанным и связанным. Он обыкновенно высказывает свое мнение, а иногда и не высказывает его, чтобы принести пользу своей партии, или политике своей страны, или себе самому. Такие маленькие проступки нечестности или, быть может, даже только нечестного умолчания отдельные люди легко выносят, но последствия их чрезвычайно велики, так как эти маленькие проступки совершаются многими одновременно. Каждый из них говорит себе: «За такие малые услуги я живу лучше, нахожу себе пропитание; при отсутствии таких небольших оглядок я сделаю себя невозможным». Так как представляется почти нравственно-безразличным, написать ли строкою больше или меньше, да к тому же еще, быть может, без подписи, то некто, имеющий деньги и влияние, может сделать всякое мнение общественным. Кто знает, что большинство людей слабо в мелочах, и хочет через них осуществить свои собственные цели, тот всегда опасен.
448
Слишком громкий тон жалоб. Когда какое-либо общественное зло (например, недостатки управления, подкупность и произвол в политических или ученых корпорациях) описывается в сильно преувеличенном виде, такое описание, правда, теряет действие на более проницательных, но тем сильнее действует на непроницательных (которые остались бы равнодушными при точном и умеренном описании). Но так как последние составляют значительное большинство и таят в себе большую силу воли, более неистовую тягу к действию, то такое преувеличение становится поводом для расследований, наказаний, обещаний и реформ. – В этом смысле полезно описывать общественное зло в преувеличенном виде.
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Мнимые делатели погоды в политике. Подобно тому как народ втайне предполагает, что тот, кто умеет разбираться в погоде и предсказывает ее за день вперед, сам делает погоду, – так даже образованные и ученые люди с суеверной верой приписывают великим государственным деятелям, как их собственное дело, все важные перемены и конъюнктуры, наступившие во время их правления, если только известно, что эти деятели знали их раньше, чем другие люди, и основывали на этом свои расчеты; таким образом, их тоже принимают за делателей погоды – и эта вера есть не последнее орудие их могущества.
450
Новое и старое понятие правительства. Разделять правительство и народ так, как будто в их лице борются и приходят к соглашению две отдельные сферы сил, более сильная и высокая и более слабая и низкая, есть остаток унаследованного политического сознания, которое еще теперь точно соответствует исторически установившемуся соотношению сил в большинстве государств. Если, например, Бисмарк называет конституционную форму правления компромиссом между правительством и народом, то он руководится принципом, разумность которого обусловлена исторически (и тем же, впрочем, обусловлен и придаток неразумия, без которого ничто человеческое не может существовать). В противоположность этому теперь следует научиться – согласно принципу, который возник только из головы и уже должен делать историю, – что правительство есть не что иное, как орган народа, а не какой-либо опекающий и почитаемый «верх» в отношении к воспитанному в скромности «низу». Прежде чем принять это доселе неисторическое и произвольное, хотя и более логическое, понятие правительства, следует учесть его последствия: ибо отношение между народом и правительством есть самый могущественный прототип, по образцу которого непроизвольно строится отношение между учителем и школьником, хозяином дома и слугами, отцом и семьей, военачальником и солдатом, мастером и учеником. Все эти отношения, под влиянием господствующей конституционной формы правления, теперь немного перестраиваются: они становятся компромиссами. Но как они должны преобразиться и переместиться, изменить название и сущность, если головами всюду овладеет указанное самоновейшее понятие! – на это, впрочем, понадобится, быть может, еще целое столетие. Притом более всего желательны осторожность и медленное развитие.
451
Справедливость как партийный призывный клич. Благородные (хотя и не очень проницательные) представители господствующего класса, конечно, могут дать себе обет: мы будем относиться к людям как к равным и даруем им равные права. В этом смысле возможен социалистический образ мыслей, основанный на справедливости; но, повторяю, лишь в пределах господствующего класса, который в этом случае посредством жертв и отречений осуществляет справедливость. Напротив, требование равенства прав, которое выставляется социалистами из угнетенной касты, вытекает отнюдь не из справедливости, а из алчности. – Когда зверю показывают вблизи кровавые куски мяса и снова отнимают их, пока он наконец не начнет реветь, – полагаете ли вы, что этот рев означает справедливость?
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Собственность и справедливость. Когда социалисты показывают, что распределение собственности в современном человечестве есть последствие бесчисленных несправедливостей и насилий, и in summa отвергают обязательство в отношении столь неправомерно обоснованного владения, то они видят лишь нечто единичное. Все прошлое старой культуры построено на насилии, рабстве, обмане, заблуждении; но мы сами, наследники всех этих условий или даже сгустки всего этого прошлого, не можем отменить самих себя и не должны стремиться выделить из себя единичную часть. Несправедливый образ мыслей содержится и в душах неимущих, они не лучше, чем имущие, и не имеют никакого морального преимущества, ибо некогда их предки были имущими. Не насильственные новые распределения необходимы, а постепенные пересоздания образа мыслей; справедливость должна стать во всех большей, инстинкт насилия должен всюду ослабеть.
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Кормчий страстей.. Государственный деятель создает общественные страсти, чтобы получить выгоду от возбуждаемой ими противоположной страсти. Привожу пример: немецкий государственный деятель хорошо знает, что католическая церковь никогда не будет иметь общих планов с Россией и что она даже скорее соединится с турками, чем с Россией; точно также он знает, что вся опасность грозит теперь Германии от союза Франции с Россией. Если он может добиться того, чтобы сделать Францию очагом и убежищем католической церкви, то он надолго устранит указанную опасность. Поэтому он заинтересован в том, чтобы обнаружить ненависть к католикам и посредством всякого рода враждебных действий превратить лиц, исповедующих авторитет папы, в страстную политическую силу, которая враждебна немецкой политике и естественно должна слиться с Францией, как с противником Германии. Его целью в такой же мере является католизация Франции, в какой Мирабо видел в декатолизации спасение своего отечества. – Одно государство стремится, следовательно, помрачить миллионы голов в другом государстве, чтобы извлечь свою выгоду из этого помрачения. Это есть тот же образ мыслей, который поддерживает республиканскую форму правления в соседнем государстве – le desorde orqanise, как говорит Мериме, – единственно на том основании, что, как он предполагает, она делает народ более слабым, более раздробленным и менее подготовленным к войне.
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Опасные типы среди революционеров. Людей, замышляющих общественный переворот, следует разделять на таких, которые хотят достигнуть этим чего-либо для себя самих, и на таких, которые имеют при этом в виду своих детей и внуков. Последние опаснее всего: ибо им присуща вера и спокойная совесть бескорыстных людей. Остальных можно удовлетворить: господствующее общество еще достаточно богато и разумно для этого. Опасность начинается, когда цели становятся безличными; революционеры из безличного интереса имеют право рассматривать всех защитников существующего порядка как людей, лично заинтересованных, и потому чувствовать себя выше последних.
455
Политическая ценность отцовства. Когда человек не имеет сыновей, он не имеет и полного права участвовать в обсуждении потребностей отдельного государства. Нужно вместе с другими рисковать самым любимым, чтобы быть крепко привязанным к государству; нужно иметь в виду счастье своих потомков, т. е. прежде всего иметь потомков, чтобы принимать естественное участие во всех учреждениях и их изменении. Развитие высшей морали зависит от того, имеет ли человек сыновей; это создает в нем неэгоистическое настроение, или, вернее, это расширяет его эгоизм во времени и заставляет его серьезно преследовать цели, лежащие за пределами продолжительности его индивидуальной жизни.
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Гордость предками. Непрерывным рядом хороших предков вплоть до отца можно по праву гордиться, – но не вообще рядом предков: ибо последний имеется у всякого. Происхождение от хороших предков образует настоящую родовитость, знать; одно-единственное исключение в этой цепи, т. е. один дурной предок, уничтожает родовитость. Каждого, кто говорит о своей знатности, нужно спрашивать: не имел ли ты насильника, своекорыстного, распутного, злобного, жестокого человека среди своих предков? Если он добросовестно и основательно может ответить «нет», то следует искать его дружбы.
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Рабы и рабочие. Что мы придаем больше ценности удовлетворению тщеславия, чем всякому другому благополучию (обеспеченности, устроенности, удовольствиям всякого рода), – это в смешной мере обнаруживается в том, что каждый (если отвлечься от политических соображений) желает отмены рабства и сильнее всего гнушается приводить людей в это состояние; а между тем всякий должен сознаться, что рабы живут во всех отношениях более обеспеченно и счастливо, чем современный рабочий, и что труд раба есть очень небольшой труд по сравнению с трудом «рабочего». Протестуют во имя «человеческого достоинства» – но это, выражаясь проще, именно и есть то милое тщеславие, которое считает самой тяжкой участью находиться в неравном общественном положении и публично оцениваться как что-то низшее. – Циник иначе мыслит об этом, потому что он презирает честь, – и потому Диоген был одно время рабом и домашним учителем.
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Руководящие умы и их орудия. Мы видим, что великие государственные люди и вообще все, кто нуждается во многих людях для осуществления своих планов, поступают одним из двух способов: либо они весьма тонко и тщательно подбирают людей, подходящих к их планам, и тогда предоставляют им сравнительно большую свободу, потому что знают, что природа этих избранных влечет их именно туда, куда хотели бы их двинуть сами руководители; либо же они плохо выбирают или даже берут все, что попадается им под руку, но лепят из этой глины нечто пригодное для своих целей. Это есть более насильственный род вождей, который нуждается и в более покорных орудиях; их знание людей обыкновенно гораздо меньше, их презрение к людям гораздо больше, чем у первого рода вождей, но машина, которую они строят, обыкновенно работает лучше, чем машина из мастерской первых.
459
Произвольное право необходимо. Юристы спорят о том, должно ли в народе победить полнее всего продуманное право или же право легче всего понятное. Первое, высшим образцом которого является римское право, представляется профану непонятным и потому не выражающим его правового сознания. Народные права, например германские, были грубы, суеверны, нелогичны, отчасти нелепы, но они соответствовали совершенно определенным древним местным обычаям и чувствам. – Но где, как у нас, право уже не есть традиция, там оно может быть лишь приказано и вынуждено; у всех нас уже нет традиционного правового чувства, поэтому мы должны помириться с произвольными правами, которые суть выражения необходимости существования права вообще. А тогда наиболее логичным оказывается во всяком случае наиболее приемлемое, ибо оно наиболее беспартийно — допуская даже, что в каждом случае мельчайшая единица меры в отношении между проступком и наказанием определяется произвольно.
460
Великий человек толпы. Легко дать рецепт того, что толпа зовет великим человеком. При всяких условиях нужно доставлять ей то, что ей весьма приятно, или сначала вбить ей в голову, что то или иное было бы приятно, и затем дать ей это. Но ни в коем случае не сразу; наоборот, следует завоевывать это с величайшим напряжением, или делать вид, что завоевываешь. Толпа должна иметь впечатление, что перед ней могучая и даже непобедимая сила воли; или по крайней мере должно казаться, что такая сила существует. Сильной волей восхищается всякий, потому что ни у кого ее нет, и всякий говорит себе, что, если бы он обладал ею, для нее и для его эгоизма не было бы границ. И если обнаруживается, что такая сильная воля осуществляет что-либо весьма приятное толпе, вместо того чтобы прислушиваться к желаниям своей алчности, то этим еще более восхищаются и с этим поздравляют себя. В остальном такой человек должен иметь все качества толпы: тогда она тем менее будет стыдиться перед ним, и он будет тем более популярен. Итак, пусть он будет насильником, завистником, эксплуататором, интриганом, льстецом, пролазой, спесивцем – смотря по обстоятельствам.
461
Монарх и Бог. Отношения людей к их монарху во многих случаях напоминают их отношения к Богу; ведь монарх часто бывал представителем Бога или по крайней мере его первосвященником. Это почти жуткое настроение, слагающееся из почитания, страха и стыда, значительно ослабло теперь, но иногда оно вновь разгорается и пристает вообще к могущественным личностям. Культ гения есть отзвук этого бого-, монархопочитания. Всюду, где существует стремление возносить отдельных людей в сверхчеловеческую сферу, возникает и склонность представлять себе целые слои народа более грубыми и низкими, чем они суть на самом деле.
462
Моя утопия. При лучшем общественном строе тяжелый труд и жизненная нужда должны будут выпадать на долю тех, кто менее всего страдает от этого, т. е. на долю самых тупых людей, и эта пропорция должна будет прогрессивно распространяться на всех, вплоть до того, кто сильнее всего ощущает высшие и самые утонченные роды страдания и потому продолжает страдать даже при величайшем облегчении жизни.
463
Безумие в учении о перевороте. Существуют политические и социальные фантазии, которые пламенно и красноречиво призывают к перевороту всего общественного порядка, исходя из веры, что тогда тотчас же как бы сам собой воздвигнется великолепнейший храм прекрасной человечности. В этой опасной мечте слышен еще отзвук суеверия Руссо, которое верит в чудесную первичную, но как бы засыпанную посторонними примесями благость человеческой природы и приписывает всю вину этой непроявленности учреждениям культуры: обществу, государству, воспитанию. К сожалению, из исторического опыта известно, что всякий такой переворот снова воскрешает самые дикие энергии – давно погребенные ужасы и необузданности отдаленнейших эпох; что, следовательно, переворот хотя и может быть источником силы в ослабевшем человечестве, но никогда не бывает гармонизатором, строителем, художником, завершителем человеческой природы. – Неумеренная натура Вольтера, склонная к упорядочению, устроению, реформе, а страстные безумия и полуобманы Руссо пробудили оптимистический дух революции, против которого я восклицаю: «Ecrasez l’infame!» Этим духом надолго был изгнан дух просвещения и прогрессивного развития; подумаем – каждый про себя, – можно ли снова вызвать его к жизни!
464
Мера. Полная решительность в мышлении и исследовании, т. е. свободомыслие, став свойством характера, делает умеренным в действовании: ибо она ослабляет алчность, привлекает к себе много наличной энергии, направляя ее на духовные цели, и обнаруживает малую полезность или бесполезность и опасность всех внезапных перемен.
465
Воскресение духа. На одре политической болезни народ обыкновенно обновляет себя и вновь приобретает свой дух, который он постепенно утратил в искании и утверждении своего могущества. Культура обязана высшими своими плодами политически ослабленным эпохам.
466
Новые мнения в старом доме. За переворотом мнений не тотчас следует переворот учреждений; напротив, новые мнения еще долго живут в опустевшем и неуютном доме своих предшественников и даже сохраняют его из нужды в жилище.
467
Школьное дело. Школьное дело будет в крупных государствах в лучшем случае посредственным, по той же причине, по которой в больших кухнях пища изготовляется в лучшем случае посредственно.
468
Невинная коррупция. Во всех учреждениях, в которые не проникает свежий воздух общественной критики, вырастает, подобно грибу, невинная коррупция (так, например, в ученых корпорациях и сенатах).
469
Ученые в качестве политиков. На долю ученых, которые становятся политиками, выпадает обыкновенно комическая роль быть чистой совестью политики.
470
Волк, спрятанный за овцой. Почти каждый политик при известных обстоятельствах настолько нуждается в честном человеке, что он, подобно голодному волку, врывается в овчарню, – но не для того, чтобы пожрать похищенного барана, а для того, чтобы спрятаться за его мягкой спиной.
471
Эпохи счастья. Счастливый век совершенно невозможен потому, что люди хотят только желать его, но не хотят его иметь, и каждый отдельный человек, когда на его долю выпадают счастливые дни, прямо-таки научается молиться о беспокойстве и беде. Судьба людей устроена так, что они могут иметь счастливые мгновения — и всякая жизнь имеет таковые, – но не счастливые эпохи. Тем не менее последние сохраняются в фантазии человека в виде мечты о том, что «лежит за горами»; это есть наследие праотцев, ибо понятие счастливого века с древнейших времен заимствовалось, очевидно, из того состояния, когда человек, после чудовищных напряжений на войне и охоте, предавался покою, протягивал свои члены и слышал над собой веяние крыльев сна. Человек рассуждает ошибочно, когда, в силу такой старой привычки, он представляет себе, что и теперь, после целых эпох нужды и труда, он может с соответствующей интенсивностью и продолжительностью вкусить это состояние счастья.
472
Религия и правительство. Пока государство, или, говоря точнее, – правительство, рассматривает себя как опекуна несовершеннолетней толпы и в ее интересах обсуждает вопрос, нужно ли сохранить или устранить религию, – до тех пор он, вероятно, будет всегда решаться в пользу сохранения религии. Ибо религия удовлетворяет душу отдельной личности в случае потери, нужды, ужаса, недоверия, т. е. там, где правительство чувствует себя бессильным сделать что-либо непосредственно для облегчения душевных страданий частного лица; и даже при общих, неизбежных и ближайшим образом неустранимых бедствиях (при голоде, денежных кризисах, войнах) религия внушает толпе спокойное, выжидательное, доверчивое поведение. Всюду, где необходимые или случайные недостатки государственного управления или опасные последствия династических интересов будут обнаруживаться проницательным людям и приводить их в строптивое настроение, – непроницательные будут видеть перст Божий и покорно подчиняться велениям свыше (понятие, в котором обыкновенно сливаются божественные и человеческие порядки управления); и этим обеспечивается внутренний гражданский мир и непрерывность развития. Сила, которая лежит в единстве народного сознания, в одинаковых мнениях и общих целях, охраняется и скрепляется религией, за исключением тех редких случаев, когда духовенство не может сойтись в цене с государственной властью и вступает в борьбу с ней. Но обыкновенно государство умеет расположить в свою пользу священников, потому что оно нуждается в их интимнейшем и сокровенном воспитании душ и умеет ценить служителей, которые по внешности преследуют совершенно иные интересы. Без содействия духовенства еще и теперь никакая власть не может стать «легитимной», как это понял Наполеон. – Таким образом, абсолютное опекающее правительство и тщательное сохранение религии необходимо идут рука об руку. При этом надо предполагать, что правящие лица и классы просвещены относительно пользы, которую приносит им религия, и, таким образом, в известной мере чувствуют себя выше религии, поскольку они пользуются ею как средством; поэтому здесь берет свое начало свободомыслие. – Но как обстоит дело, когда начинает пробиваться то совершенно иное понимание правительства, которое провозглашается в демократических государствах? Когда в правительстве видят не что иное, как орудие народной воли, не какие-либо «верхи» по сравнению с «низами», а исключительно функцию единственного суверена, народа? Здесь правительство может занять в отношении религии ту же самую позицию, что и народ; всякое распространение просвещения должно будет находить отзвук в представителях народа, использование и эксплуатация религиозных сил и утешений окажутся уже не столь легко возможными (разве только в том случае, если могущественные вожди партий будут некоторое время иметь влияние, аналогичное влиянию просвещенного деспотизма). Но если государство уже не смеет извлекать пользы из самой религии или народ имеет слишком разнообразные понятия о религиозных вопросах, так что он уже не может позволить правительству никакого определенного однообразного способа действий в религиозных мероприятиях, – то выходом из этого неизбежно явится то, что религия будет рассматриваться как частное дело и ответственность за нее будет переложена на совесть и привычку каждого отдельного человека. Результатом этого прежде всего окажется кажущееся усиление религиозного чувства, так как теперь выступят и до последних пределов разойдутся скрытые и подавленные движения этого чувства, которым государство непроизвольно или намеренно не давало простора; позднее обнаруживается, что религия задавлена сектами и что множество драконовых зубов было посеяно в тот момент, когда религия была превращена в частное дело. Наличие спора, враждебное обнажение всех слабостей религиозных исповеданий приводит к тому, что остается лишь один выход: все лучшие и более одаренные люди должны признать безверие своим «частным делом» – и этот образ мыслей получает отныне перевес и в умах господствующих лиц и, почти против их воли, придает их мероприятиям характер, враждебный религии. Как только это наступает, настроение людей, еще руководимых верой, которые прежде обоготворяли государство, как некую полусвятыню или подлинную святыню, сменяется настроением, решительно враждебным государству; они выслеживают мероприятия правительства, стараются задержать их, встать им поперек пути, по возможности тревожить правительство и пылом своей борьбы внушают противным, неверующим партиям почти фанатическое увлечение государством; и этому втайне еще содействует то, что в этих кругах со времени отказа от религии умы еще ощущают пустоту и предварительно пытаются найти возмещение и своего рода заполнение в преданности государству. После этой, быть может, весьма длительной переходной борьбы решается наконец, достаточно ли еще сильны религиозные партии, чтобы возвратить старое состояние и повернуть назад колесо, – в таком случае государством неизбежно овладевает просвещенный деспотизм (быть может, менее просвещенный и более боязливый, чем прежде) – или же побеждают безрелигиозные партии и в течение нескольких поколений препятствуют преемственному распространению враждебного направления, например с помощью школ и воспитания, и наконец делают его совершенно невозможным. Но затем и у них слабеет упомянутое увлечение государством; все яснее становится, что вместе с религиозным обоготворением, для которого государство было таинством и сверхмировым созданием, потрясено и почтительное, основанное на авторитете отношение к нему. Отныне отдельные лица интересуются им, лишь поскольку оно может быть им полезно или вредно, и всеми силами теснятся к нему, чтобы приобрести влияние на него. Но это соперничество вскоре становится слишком велико, люди и партии меняются слишком быстро, слишком яростно сбрасывают друг друга с горы, как только они достигли ее вершины. Всем мероприятиям, которые проводит правительство, недостает залога длительности; начинают избегать предприятий, которые десятилетия и столетия должны тихо произрастать, чтобы принести зрелые плоды. Никто не чувствует иного обязательства в отношении закона, как только покориться на мгновение власти, которая внесла этот закон; но тотчас же употребляются усилия, чтобы взорвать ее новой властью, новообразованным большинством. В конце концов это можно высказать с уверенностью – недоверие ко всякому управлению, уяснение бесполезности и изнурительности таких недолговечных распрей влекут людей к совершенно новому решению: к отмене понятия государства, к устранению противоположности между «частным» и «публичным». Частные общества шаг за шагом вовлекают в свою сферу государственные дела: даже самый неподатливый остаток, который сохранится от прежней работы правительства (например, деятельность, охраняющая частных лиц от частных же лиц), в конце концов будет также выполняться частными предприятиями. Пренебрежение к государству, упадок и смерть государства, разнуздание частного лица (я остерегаюсь сказать: индивида) есть последствие демократического понятия государства; в этом его миссия. Если оно исполнило свою задачу – которая, как все человеческое, несет в своем лоне много мудрого и много неразумного, – если все возвратные припадки старой болезни преодолены, то раскрывается новая страница в книге сказок человечества, – страница, на которой можно будет прочитать весьма диковинные истории, а может быть, и кое-что хорошее. – Чтобы еще раз коротко повторить все вышесказанное: интерес опекающего правительства и интерес религии идут рука об руку, так что, когда начинает отмирать последняя, потрясается и основа государства. Вера в божественный порядок политических дел, в таинство, которым овеяно существование государства, имеет религиозное происхождение; если религия исчезнет, то государство неизбежно потеряет свое покрывало Изиды и не будет возбуждать благоговения. Суверенность народа, рассматриваемая вблизи, содействует тому, чтобы рассеять даже последнее очарование и суеверие в области этих чувств; современная демократия есть историческая форма падения государства. – Горизонты, которые открываются в результате этого несомненного падения, однако, не во всех отношениях могут быть названы печальными: рассудительность и себялюбие людей развиты в них лучше всех прочих их свойств; если государство уже не удовлетворяет запросам этих сил, то менее всего наступит хаос, а скорее, еще более целесообразное учреждение, чем государство, одержит победу над государством. Человечество уже пережило смерть некоторых организованных сил – как, например, родовой общины, которая в течение тысячелетий была более могущественна, чем семья, и даже властвовала и управляла задолго до возникновения последней. Мы сами видим, как столь значительная правовая и социальная идея семьи, которая некогда господствовала всюду в пределах римской культуры, становится все слабее и бессильнее. Так и позднейшее поколение будет видеть, как государство в отдельных местах земли все более теряет свое значение – представление, которое многие современные люди едва могут помыслить без страха и отвращения. Активно содействовать распространению и осуществлению этого представления есть, правда, дело иное: нужно иметь весьма самоуверенное мнение о своем уме и очень плохо понимать историю, чтобы уже теперь приложить руку к плугу, – тогда как еще никто не может указать семян, которые были посеяны на взрытой почве. Итак, доверимся «рассудительности и себялюбию людей» и будем надеяться, что государство теперь еще устоит добрый промежуток времени и что разрушительные попытки слишком ревностных и поспешных полуневежд будут отвергнуты!
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Социализм в отношении его средств. Социализм есть фантастический младший брат почти отжившего деспотизма, которому он хочет наследовать; его стремления, следовательно, в глубочайшем смысле слова реакционны. Ибо он жаждет такой полноты государственной власти, какою обладал только самый крайний деспотизм, и он даже превосходит все прошлое тем, что стремится к формальному уничтожению личности; последняя представляется ему неправомерной роскошью природы, и он хочет реформировать ее, превратив ее в целесообразный орган коллектива. В силу своего родства он всегда появляется поблизости всякой чрезмерно развитой власти, как старый типичный социалист Платон – при дворе сицилийского тирана; он приветствует цезаристское могущественное государство века (а при случае и содействует ему), потому что, как сказано, он хочет стать его наследником. Но даже это наследство было бы недостаточно для его целей, он нуждается в такой верноподаннической покорности всех граждан абсолютному государству, какая еще не существовала доселе; и так как он уже не может рассчитывать на старое религиозное благоговение перед государством, а напротив, непроизвольно должен содействовать его устранению – потому что он стремится к устранению всех существующих государств, – то ему остается надеяться лишь на краткое и случайное существование с помощью самого крайнего терроризма. Поэтому он втайне подготовляется к террористической власти и вбивает в голову полуобразованных масс, как гвоздь, слово «справедливость», чтобы совершенно лишить их разума (после того как этот разум уже сильно пострадал от полуобразованности) и внушить им добрую совесть для той злой игры, которую они должны разыграть. – Социализм может послужить к тому, чтобы особенно грубо и внушительно убедить в опасности всякого накопления государственной власти и в этом смысле внушить вообще недоверие к государству. Когда его хриплый голос присоединяется к боевому кличу «как можно больше государства», то сначала этот клич становится шумнее, чем когда-либо; но скоро с тем большей силой доносится и противоположный клич: «как можно меньше государства/»
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Страх государства перед духовным развитием. Греческий полис, подобно всякой организованной политической силе, был исключительно недоверчивым к росту образования; его могущественная основная тенденция оказывала почти всегда лишь парализующее и задерживающее действие на этот рост. Он не хотел допустить никакой истории, никакого движения культуры; установленное государственным законом воспитание должно было быть обязательным для всех поколений и удерживать их на однамуровне. И не иного хотел позднее также Платон для своего идеального государства. Таким образом, культура развилась вопреки полису; правда, косвенно и против своей воли последний содействовал этому развитию, поскольку честолюбие отдельной личности возбуждалось в полисе в высочайшей степени, так что, раз попав на путь духовного развития, она шла по нему до самого конца. Против этого нельзя ссылаться на прославляющую речь Перикла; ибо она есть лишь большой оптимистический вымысел, рисующий мнимо необходимую связь между полисом и афинской культурой; эта речь служит у Фукидида, непосредственно перед наступлением ночи в Афинах (чумы и потери традиции), как бы просветляющей вечерней зарей, при свете которой забываешь о плохом дне, который ей предшествовал.
475
Европейский человек и уничтожение наций. Торговля и промышленность, общение через письма и книги, общность всей высшей культуры, быстрая перемена дома и местности, теперешняя кочевая жизнь всех не-землевладельцев – все эти условия неизбежно ведут за собой ослабление и в конце концов уничтожение наций, по крайней мере европейских; так что из всех них, в результате непрерывных скрещиваний, должна возникнуть смешанная раса – раса европейского человека. Этой цели сознательно или бессознательно противодействует теперь обособление наций через возбуждение национальной вражды, но все же смешение медленно подвигается вперед, несмотря на временные обратные течения; этот искусственный национализм, впрочем, столь же опасен, как был опасен искусственный католицизм, ибо он, по существу, есть насильственное чрезвычайное и осадное положение, которое немногие устанавливают над многими, и нуждается в хитрости, лжи и насилии, чтобы сохранить свою репутацию. Не интерес многих (народов), как обыкновенно говорится, а прежде всего интерес правящих династий, далее – определенных классов торговли и общества влечет к национализму; кто раз постиг это, тот должен безбоязненно выдавать себя за доброго европейца и активно содействовать слиянию наций; этому делу немцы могут оказать помощь в силу их старого испытанного свойства быть толмачами и посредниками пародов. – Кстати: вся проблема евреев имеет место лишь в пределах национальных государств, так как здесь их активность и высшая интеллигентность, их от поколения к поколению накоплявшийся в школе страдания капитал ума и воли должны всюду получить перевес и возбуждать зависть и ненависть; поэтому во всех теперешних нациях – и притом чем более последние снова хотят иметь национальный вид – распространяется литературное бесчинство казнить евреев, как козлов отпущения, за всевозможные внешние и внутренние бедствия. Раз дело будет идти уже не о консервировании наций, а о создании возможно крепкой смешанной европейской расы, – еврей будет столь же пригодным и желательным ингредиентом, как и всякий другой национальный остаток. Неприятные и даже опасные свойства имеются у каждой нации, у каждого человека; жестоко требовать, чтобы еврей составлял исключение. Пусть даже эти свойства имеют у него особенно опасный и устрашающий характер; и, быть может, новейший еврей-биржевик есть самое отвратительное изобретение всего человеческого рода. Тем не менее я хотел бы знать, сколько снисхождения следует оказать в общем итоге народу, который, не без нашей совокупной вины, имел наиболее многострадальную историю среди всех народов и которому мы обязаны самым благородным человеком (Христом), самым чистым мудрецом (Спинозой), самой могущественной книгой и самым влиятельным нравственным законом в мире. Сверх того: в самую темную пору Средневековья, когда азиатские тучи тяжело облегли Европу, именно иудейские вольнодумцы, ученые и врачи удержали знамя просвещения и духовной независимости под жесточайшим личным гнетом и защитили Европу против Азии; их усилиям мы по меньшей мере обязаны тем, что могло снова восторжествовать более естественное, разумное и во всяком случае немифическое объяснение мира и что культурная цепь, которая соединяет нас теперь с просвещением грекоримской древности, осталась непорванной. Если христианство сделало все, чтобы овосточить Запад, то иудейство существенно помогало возвратной победе западного начала; а это в известном смысле равносильно тому, чтобы сделать задачу и историю Европы продолжением греческой задачи и истории.
476
Кажущееся превосходство Средних веков. Средние века в лице церкви создали учреждение с совершенно универсальной, объемлющей все человечество целью, и к тому же целью, которая, по-видимому, служила высшим интересам человечества; по сравнению с ней цели государств и наций, о которых свидетельствует новая история, производят тягостное впечатление: они кажутся мелочными, низменными, материальными, пространственно-ограниченными. Но это различное впечатление, испытываемое воображением, не должно влиять на наше суждение; ибо это универсальное учреждение соответствовало искусственным, основанным на фикциях потребностям, которые оно должно было сперва создавать там, где их не было (потребность в спасении); новые же учреждения отвечают действительной нужде; и наступает пора, когда возникнут учреждения, которые будут предназначены служить подлинным общим потребностям всех людей и которые заслонят и предадут забвению свой фантастический прообраз – католическую церковь.
477
Война необходима. Только мечтательность и прекраснодушие могут ожидать от человечества еще многого (или даже особенно многого), когда оно разучится вести войны. Доселе же нам неведомы иные средства, которые могли бы так же сильно и верно, как всякая великая война, внушать слабеющим народам такую грубую походную энергию, такую глубокую безличную ненависть, такое хладнокровие убийцы со спокойной совестью, такой общий организованный пыл в уничтожении врага, такое гордое равнодушие к великим потерям, к своей собственной жизни и к жизни близких, такой глухой, подобный землетрясению, трепет души; пробивающиеся здесь ручьи и потоки, которые, правда, катят с собой камни и всякий сор и уничтожают поля нежных культур, позднее, при благоприятных обстоятельствах, с новой силой приводят во вращение механизмы духовной мастерской. Культура отнюдь не может обойтись без страстей, пороков и злобы. – Когда римляне в императорскую эпоху несколько утомились от войн, они пытались обрести новую силу в травле зверей, в битвах гладиаторов и в преследовании христиан. Современные англичане, которые в общем также, по-видимому, отказались от войны, прибегают к иному средству, чтобы возродить исчезающие силы: они пускаются в те путешествия, мореплавания, восхождения на горы, которые предпринимаются будто бы с научными целями, в действительности же для того, чтобы из всякого рода приключений и опасностей привезти домой избыточную силу. Придется, вероятно, изобрести еще немало подобных суррогатов войны, но именно из них будет все более уясняться, что такое высокоразвитое и потому неизбежно вялое человечество, как современное европейское человечество, нуждается не только вообще в войне, но даже в величайшей и ужаснейшей войне – т. е. во временном возврате к варварству, – чтобы не потерять из-за средств к культуре самой своей культуры и жизни.
478
Прилежание на Юге и на Севере. Прилежание возникает двумя совершенно различными способами. Ремесленники на Юге становятся прилежными не из стремления к доходу, а из постоянной нужды других людей. Так как всегда приходит кто-нибудь, чтобы дать подковать лошадь или починить повозку, то кузнец должен быть прилежен. Если бы никто не приходил, то он слонялся бы на рынке. В плодородной местности нетрудно прокормить себя, для этого нужно лишь весьма умеренное количество труда и во всяком случае не нужно никакого прилежания; в крайнем случае человек стал бы нищенствовать и был бы удовлетворен. – Напротив, прилежание английских рабочих основано на инстинкте приобретения; оно сознает себя и свою цель, стремится через владение к могуществу и через могущество – к возможно большей свободе и личной знатности.
479
Богатство как источник родовой знати. Богатство необходимо созидает аристократию расы, ибо оно позволяет выбирать самых красивых женщин, оплачивать лучших учителей, оно дает человеку чистоту, время для физических упражнений и прежде всего избавляет от отупляющего физического труда. В этом смысле оно создает все условия для возможности через несколько поколений научиться благородно и красиво ступать и даже поступать: большую свободу духа, отсутствие всего жалко-мелочного, унижения перед работодателем, грошовой скупости. – Именно эти отрицательные свойства суть лучший дар счастья для молодого человека; совсем бедный человек губит себя обыкновенно благородным образом мыслей; он не подвигается вперед и ничего не зарабатывает, его раса нежизнеспособна. – Но при этом надо принять во внимание, что богатство оказывает почти то же самое действие, расходует ли человек 300 или 30 000 талеров в год; далее уже нет существенного возрастания благоприятствующих условий. Но иметь меньше, нищенствовать ребенком и унижаться – ужасно; хотя для людей, которые ищут счастье в блеске дворов, в подчинении могущественным и влиятельным людям или которые хотят стать церковными иерархами, это может быть верной исходной точкой (такое положение научает вкрадываться, согнувшись, в подземные ходы милости).
480
Зависть и леность на разных путях. Обе враждебные партии, социалистическая и национальная – или как бы они ни назывались в различных странах Европы, – достойны друг друга: зависть и леность суть движущие силы обеих. В первом лагере люди хотят как можно меньше работать руками, в последнем – как можно меньше работать головой; в последнем чувствуют ненависть и зависть к выдающимся, вырастающим из самих себя отдельным личностям, которые не хотят добровольно стать в один ряд с другими с целью массового действия; в первом чувствуют ту же ненависть и зависть к лучшей, внешне более благоприятно поставленной общественной касте, подлинная задача которой – созидание высших культурных благ – делает жизнь внутренне тем более тяжелой и страдальческой. Впрочем, если удается этот дух массового действия сделать духом высших классов общества, то социалистические полчища вполне правы, стремясь создать и внешнюю нивелировку между собой и первыми, так как внутренне, в голове и сердце, они ведь уже нивелированы. – Живите, как высшие люди, совершайте всегда деяния высшей культуры – и тогда все живущее признает ваше право, и порядок общества, во главе которого вы стоите, будет защищен от всякого дурного глаза и злого действия!
481
Большая политика и ее потери. Подобно тому как народ испытывает величайшие потери, которые несет с собой война и военная подготовка, не из-за военных издержек, остановок в торговле и хозяйстве и не из-за стоимости содержания постоянных армий – как бы велики ни были теперь эти потери, когда восемь государств Европы расходуют на это ежегодно сумму от двух до трех миллиардов, – а из-за того что значительное число самых дельных, сильных и работящих людей из года в год отвлекается от их настоящих занятий и профессий, чтобы быть солдатами, – так и народ, который готовится вести большую политику и обеспечить себе решающий голос среди самых могущественных государств, несет свои величайшие потери совсем не в том, в чем их обыкновенно видят. Правда, с этого времени он постоянно жертвует множество самых выдающихся талантов на «алтарь отечества» или национального честолюбия, тогда как прежде этим талантам, которых теперь поглощает политика, были открыты иные сферы действия. Но в стороне от этих публичных гекатомб совершается, быть может, гораздо более ужасающее зрелище, которое непрерывно разыгрывается одновременно в сотне тысяч актов: каждый дельный работящий, одаренный, честолюбивый человек такого жадного до политических лавров народа проникается этой жадностью и уже не принадлежит, как прежде, всецело своему собственному делу: ежедневно новые вопросы и заботы государственного блага поглощают ежедневную дань от капитала ума и сердца каждого гражданина; сумма этих жертв и потерь индивидуальной энергии и труда столь огромна, что политический расцвет народа почти с необходимостью влечет за собою духовное обеднение и ослабление, меньшую производительность в делах, которые требуют большой сосредоточенности и односторонности. Под конец позволительно спросить: окупается ли весь этот расцвет и блеск целого (который ведь проявляется лишь в виде страха других государств перед новым колоссом и в виде добытых у них благоприятных условий для развития национальной торговли и хозяйства), если этому грубому и пестрящему цветку нации должны быть принесены в жертву все более благородные, нежные и духовные цветы и растения, которыми доселе так изобиловала ее почва?
482
И еще раз повторяю. Общественные мнения – частные лености.
Отдел девятый: Человек наедине с собой
483
Враги истины. Убеждения суть более опасные враги истины, чем ложь.
484
Мир навыворот. Мы критикуем мыслителя сильнее, когда он устанавливает неприятное нам положение; однако было бы разумнее делать это, когда его положение нам приятно.
485
Сильный характер. Гораздо чаще кажется сильным характером человек, следующий всегда своему темпераменту, чем следующий всегда своим принципам.
486
Одно необходимо. Одно нужно иметь: либо от природы легкую душу, либо душу, облегченную искусством и знанием.
487
Страсть к делам. Кто направляет свою страсть на дела (науки, государственное благо, интересы культуры, искусства), тот отнимает много огня у своей страсти к личностям (даже если они суть представители этих дел, как государственные люди, философы, художники суть представители своих творений).
488
Спокойствие в деянии. Подобно тому как водопад в своем падении становится более медленным и парящим, так и великий человек дела действует обыкновенно с большим спокойствием, чем можно было ожидать от его бурного порыва перед действием.
489
Не слишком глубоко. Лица, которые воспринимают какую-либо вещь до последней ее глубины, редко остаются ей верными. Они ведь вынесли глубину на свет; и тогда в ней всегда обнаруживается много худого.
490
Безумие идеалистов. Все идеалисты воображают, что дело, которому они служат, существенно лучше, чем другие дела в мире, и не хотят поверить, что, если их делу вообще суждено расцвести, ему необходим тот же дурно пахнущий навоз, который нужен и всем иным человеческим начинаниям.
491
Самонаблюдение. Человек хорошо защищен от самого себя, от разведок и осады со стороны самого себя: он обыкновенно может распознать только свои внешние укрепления. Сама крепость ему недоступна и даже невидима – разве только друзья и враги сыграют роль предателей и тайными путями введут его самого в нее.
492
Правильная профессия. Мужчины редко выдерживают профессию, относительно которой они не верят или не уговаривают себя, что она, в сущности, важнее, чем все остальные. И так же обстоит дело с женщинами в отношении их любовников.
493
Благородство умонастроения. Благородство умонастроения состоит в значительной мере из добродушия и недостатка недоверия, т. е. содержит именно то, над чем так часто глумятся и выше чего сознают себя корыстолюбивые и добившиеся успеха люди.
494
Цель и пути. Многие упорны в отношении раз избранного пути, немногие – в отношении цели.
495
Возмущающее в индивидуальном образе жизни. Все крайне индивидуальные мероприятия жизни возбуждают людей против того, кто к ним прибегает; они чувствуют, что необычайный образ жизни, которым пользуется для своего блага такой человек, унижает их, как обыденных существ.
496
Привилегия величия. Привилегия величия состоит в том, что оно способно осчастливить малыми дарами.
497
Непроизвольное благородство. Человек ведет себя непроизвольно благородно, кода он научился ничего не желать от людей и всегда давать им.
498
Условие героизма. Когда человек хочет стать героем, то сначала змея должна стать драконом, иначе у него не будет надлежащего врага.
499
Друг. Сорадость, а не сострадание создает друга.
500
Использовать отлив и прилив. Для целей познания надо уметь использовать то внутреннее течение, которое влечет нас к чему-либо, и вместе с тем то, которое через некоторое время уносит нас от него.
501
Удовольствие от самого себя. Говорят об «удовольствии от самого дела»; но в действительности это есть удовольствие от самого себя с помощью дела.
502
Скромный. Кто скромен в отношении людей, тот обнаруживает тем большее самомнение в отношении объектов (города, государства, общества, времени, человечества). Это есть его месть.
503
Зависть и ревность. Зависть и ревность суть срамные части человеческой души. Сравнение, пожалуй, может быть продолжено.
504
Благороднейший лицемер. Совсем не говорить о себе есть весьма благородное лицемерие.
505
Досада. Досада есть физическая болезнь, которая отнюдь не излечивается одним тем, что позднее устраняется повод к досаде.
506
Представители истины. Истина находит меньше всего представителей не там, где опасно ее высказывать, а там, где скучно это делать.
507
Еще тягостнее, чем враги. Лица, в благожелательном отношении которых к нам мы не всегда уверены, тогда как какое-либо основание (например, благодарность) обязывает нас со своей стороны поддерживать видимость безусловной симпатии, мучают наше воображение гораздо больше, чем враги.
508
На лоне природы. Мы так охотно остаемся на лоне природы, потому что она не имеет мнения о нас.
509
Превосходство каждого в известном отношении. В цивилизованных условиях каждый чувствует свое превосходство над другим, по крайней мере в каком-либо деле; на этом основана всеобщая благожелательность, поскольку каждый при известных условиях может оказать помощь и потому без стыда может принимать помощь.
510
Утешения. В случае смерти чаще всего нуждаешься в утешениях не столько для того, чтобы смягчить силу скорби, сколько для того, чтобы оправдать, что так легко чувствуешь себя утешенным.
511
Верность убеждению. У кого много дел, тот сохраняет свои общие взгляды и точки зрения почти неизменными. То же бывает со всяким, кто трудится во имя какой-либо идеи: он уже никогда не будет проверять самое идею, так как для этого у него нет времени; более того, его интересам противоречит вообще допущение какого-либо ее обсуждения.
512
Моральность и количество. Высшая моральность одного человека по сравнению с другим состоит часто лишь в том, что его цели количественно более велики, тогда как другого тянет вниз то, что он занимается мелким делом в узком кругу.
513
Жизнь как жизненная выручка. Человек может как угодно далеко расширять свое познание, может казаться себе сколь угодно объективным; но единственная его выручка из всего этого есть только его собственная биография.
514
Железная необходимость. Железная необходимость есть вещь, относительно которой ход истории убеждает, что она не железна и не необходима.
515
Из опыта. Неразумие какого-либо дела не есть аргумент против его существования, а есть, наоборот, условие последнего.
516
Истина. Никто теперь не умирает от смертельных истин: существует слишком много противоядий.
517
Основное убеждение. Не существует никакой предустановленной гармонии между споспешествованием истине и благом человечества.
518
Человеческая участь. Кто глубже мыслит, знает, что он всегда не прав, как бы он ни поступал и ни судил.
519
Истина, как Цирцея. Заблуждение сделало из зверей людей; неужели истина в состоянии снова сделать из человека зверя?
520
Опасность нашей культуры. Мы принадлежим к эпохе, культура которой находится в опасности погибнуть от средств к культуре.
521
Быть великим – значит давать направление. Ни один поток не велик и не богат сам по себе; его делает таковым то, что он воспринимает в себя и ведет за собой столько притоков. Так обстоит дело и со всем духовно великим. Все определяется тем, что человек дает направление, которому потом должны следовать многие притоки, а не тем, обладает ли он с самого начала богатым дарованием или нет.
522
Слабая совесть. Люди, которые говорят о своем значении для человечества, имеют слабую совесть в отношении общей гражданской честности при соблюдении обещаний и договоров.
523
Хотеть быть любимым. Требование человека, чтобы его полюбили, есть величайшее из всех сомнений.
524
Презрение к людям. Самый недвусмысленный признак пренебрежительного отношения к людям состоит в том, что ценишь каждого исключительно как средство для своей собственной цели и не признаешь в других отношениях.
525
Приверженцы из противоречия. Кто до бешенства возбудил людей против себя, тот всегда приобретает партию и в свою пользу.
526
Забывать пережитое. Кто много мыслит, и притом объективно, тот легко забывает свои собственные переживания, но не те мысли, которыми они были обусловлены.
527
Держаться за мнение. Один держится за какое-либо мнение, потому что он горд тем, что сам дошел до него, другой – потому, что он с трудом научился ему и гордится тем, что постиг его, т. е. оба из тщеславия.
528
Бояться света. Доброе дело так же боязливо избегает света, как и злое дело: последнее боится, что, когда оно станет известным, наступит боль (через наказание), первое же боится, что, когда оно станет известным, исчезнет удовольствие (именно то чистое удовольствие от самого себя, которое тотчас же прекращается, как только привступает удовлетворение тщеславия).
529
Длина дня. Когда имеешь многое вложить, у дня находятся сотни карманов.
530
Гений тирана. Когда в душе пробуждена неукротимая жажда деспотически добиться своего и это пламя не угасает, то даже небольшое дарование (у политиков, художников) постепенно становится почти непреодолимой стихийной силой.
531
Жизнь врага. Кто живет борьбою с врагом, тот заинтересован в том, чтобы враг сохранил жизнь.
532
Важнее. Все необъясненное и темное кажется важнее объясненного и светлого.
533
Оценка оказанных услуг. Услуги, которые кто-либо нам оказывает, мы оцениваем по значению, которое придает им тот, кто их оказывает, а не по значению, которое они имеют для нас.
534
Несчастье. Отличие, которое свойственно несчастью (как если бы было признаком тупости, нетребовательности, привычки – чувствовать себя счастливым), так велико, что, когда кто-либо говорит нам: «Как вы счастливы!» – мы обыкновенно протестуем.
535
Фантазия страха. Фантазия страха есть злой обезьяноподобный кобольд, который прыгает на спину человеку, когда последнему и без того слишком тяжело.
536
Ценность пошлых противников. Иногда остаешься верным делу лишь потому, что его противники не перестают быть пошлыми.
537
Ценность профессии. Профессия рассеивает мысли; в этом ее величайшее благословение, ибо она есть прикрытие, за которое позволительно отступить всякий раз, когда на человека нападают сомнения и забота общего характера.
538
Талант. Талант иного человека кажется меньшим, чем он есть, потому что он ставит себе всегда слишком большие задачи.
539
Юность. Юность неприятна, ибо в ней невозможно или неразумно быть производительным в каком бы то ни было смысле.
540
Слишком большие цели. Кто публично ставит себе большие цели и потом втайне убеждается, что он слишком слаб для них, у того обыкновенно не хватает силы публично отречься от этих целей, и тогда он неизбежно становится лицемером.
541
В потоке. Сильные струи увлекают за собой много камней и хворости, сильные умы – много глупых и запутанных голов.
542
Опасности духовного освобождения. При серьезно замышленном духовном освобождении человека его страсти и вожделения втайне тоже надеются извлечь для себя выгоду.
543
Воплощение духа. Когда человек долго и умно мыслит, то не только его лицо, но и его тело приобретает умное выражение.
544
Плохо видеть и плохо слышать. Кто плохо видит, видит всегда меньше других; кто плохо слышит, слышит всегда кое-что лишнее.
545
Самонаслаждение в тщеславии. Тщеславный хочет не столько выдаваться перед другими, сколько чувствовать себя выдающимся; поэтому он не пренебрегает никакими средствами самообмана и самообольщения. Ему важно не мнение других, а его собственное мнение об их мнении.
546
Тщеславный в виде исключения. Самоудовлетворенный человек в виде исключения бывает тщеславен и восприимчив к славе и похвалам, когда он физически болен. По мере того как он теряет самого себя, он должен стремиться вновь обрести себя извне, из чужого мнения.
547
«Остроумцы». Тот не имеет острого ума, кто ищет остроумия.
548
Указание для вождей партий. Когда можно добиться от людей, чтобы они публично высказались в пользу чего-либо, этим в большинстве случаев уже достигается то, что они и внутренне разделяют это убеждение; они хотят впредь, чтобы их считали последовательными.
549
Презрение. Человек более чувствителен к презрению со стороны других людей, чем к презрению со стороны самого себя.
550
Веревка благодарности. Существуют рабские души, которые доводят признательность за оказанные им благодеяния до того, что сами душат себя веревкой благодарности.
551
Хитрость пророка. Чтобы предугадать действия обыкновенных людей, нужно исходить из допущения, что они всегда употребляют минимальное количество ума, чтобы освободиться из неприятного положения.
552
Единственное человеческое право. Кто уклоняется от привычного, становится жертвой необычного; кто остается в привычном, делается его рабом. В том и другом случае человек гибнет.
553
Ниже зверя. Когда человек ржет от смеха, он превосходит всех животных своей низостью.
554
Полузнание. Кто плохо говорит на чужом языке, получает от этого больше радости, чем тот, кто говорит хорошо. Удовольствие принадлежит полузнающим.
555
Опасная готовность. Существуют люди, которые хотят обременить жизнь человека только для того, чтобы потом предложить ему свои рецепты для облегчения жизни, например свое христианство.
556
Прилежание и добросовестность. Прилежание и добросовестность часто враждебны друг другу потому, что прилежание хочет сорвать плоды незрелыми с дерева, добросовестность же оставляет их висеть слишком долго, пока они не упадут и не разобьются.
557
Подозревать. Когда не можешь терпеть человека, стремишься признать его подозрительным.
558
Недостает условий. Многие люди всю свою жизнь ждут случая быть хорошими на свой лад.
559
Отсутствие друзей. Отсутствие друзей заставляет предполагать зависть или самомнение. Иной обязан своими друзьями лишь тому счастливому обстоятельству, что он не имел повода к зависти.
560
Опасность в обилии. Обладая лишним талантом, часто стоишь менее прочно, чем не обладая им; как и стол лучше стоит на трех ногах, чем на четырех.
561
Образец для других. Кто хочет подавать хороший пример, тот должен примешивать к своей добродетели частицу глупости, тогда ему подражают и вместе с тем возвышаются над образцом – что люди так любят.
562
Быть мишенью. Дурные речи других людей о нас собственно не относятся к нам, а суть лишь проявления досады, плохого настроения, возникшего по совсем иным поводам.
563
Легко покоряться. Мало страдаешь от неисполнимых желаний, когда приучаешь свое воображение чернить прошлое.
564
В опасности. Наибольшей опасности попасть под экипаж подвергаешься, когда только что посторонился перед другим экипажем.
565
Сообразно голосу роль. Кто вынужден говорить громче обыкновенного (например, перед полуглухим или перед большой аудиторией), часто преувеличивает то, что он имеет сообщить. Иной становится заговорщиком, интриганом, приучается злословить только потому, что голос его лучше всего пригоден для шепота.
566
Любовь и ненависть. Любовь и ненависть не слепы, но ослеплены огнем, который они сами несут с собой.
567
Выгодная враждебность. Люди, которые не способны в достаточной мере внушить миру сознание своих заслуг, стараются возбудить против себя сильную вражду. Тогда они могут утешать себя мыслью, что эта вражда препятствует признанию их заслуг – и что то же будут предполагать и другие; а это весьма выгодно для их репутации.
568
Исповедь. Человек забывает свою вину, когда исповедался в ней другому, но этот последний обыкновенно не забывает ее.
569
Самоудовлетворенность. Золотое руно самоудовлетворенности охраняет от ударов, но не от булавочных уколов.
570
Тень в пламени. Пламя не так светло самому себе, как другим, кому оно светит; точно так же и мудрец.
571
Собственные мнения. Первое мнение, которое приходит нам в голову, когда нам внезапно предложат вопрос о чем-либо, есть обыкновенно не наше собственное мнение, а лишь ходячее мнение, принадлежащее нашей касте, положению, происхождению; собственные мнения редко плавают на поверхности.
572
Происхождение мужества. Обычный человек мужествен и неуязвим, как герой, когда он не видит опасности, не имеет глаз для нее. Напротив, у героя единственное уязвимое место на спине, т. е. там, где у него нет глаз.
573
Опасность от врача. Надо быть рожденным для своего врача, иначе погибаешь от него.
574
Странное тщеславие. Кто трижды смело предсказывал погоду и имел успех, тот в глубине души немного верит в свой пророческий мир. Мы охотно допускаем загадочное и иррациональное, если оно льстит нашей самооценке.
575
Призвание. Призвание – становой хребет жизни.
576
Опасность личного влияния. Кто чувствует, что он оказывает на другого большое внутреннее влияние, тот должен предоставить ему полную свободу и при случае охотно допускать его противоборство и даже содействовать ему; иначе он неизбежно создаст себе врага.
577
Признавать наследников. Кто с самоотверженным настроением создал что-либо великое, тот заботится о том, чтобы воспитать себе наследников. Видеть во всех возможных наследниках своего дела врагов и жить в состоянии самообороны против них есть признак деспотической и неблагородной натуры.
578
Полузнание. Полузнание победоноснее законченного знания: оно знает вещи более простыми, чем они суть в действительности, и это делает его мнение более понятным и убедительным.
579
Негоден для партийности. Кто много мыслит, тот непригоден в качестве члена партии: своей мыслью он легко пробивает границы партии.
580
Плохая память. Преимущество плохой памяти состоит в том, что одними и теми же хорошими вещами можно несколько раз наслаждаться впервые.
581
Причинять себе боль. Беспощадность мысли есть часто признак беспокойного внутреннего настроения, которое жаждет оглушения.
582
Мученик. Приверженец мученика страдает больше, чем сам мученик.
583
Отсталое тщеславие. Тщеславие некоторых людей, которые не должны были бы нуждаться в нем, есть сохранившаяся и развившаяся привычка, возникшая в то время, когда они еще не имели права верить в себя и должны были по грошам вымаливать эту веру у других.
584
Punctum saliens страсти. Кто готов впасть в гнев или в бурный любовный аффект, достигает момента, когда его душа полна, как сосуд; но к этому должна прибавиться еще одна капля воды – добрая воля к страсти (которую обыкновенно зовут и злой волей). Только эта капля нужна, и тогда вода переливается через край.
585
Мысль, рожденная недовольством. С людьми дело обстоит так же, как с кострами для выжигания угля в лесу. Лишь когда молодые люди перестали гореть и обуглились, подобно этим кострам, они становятся полезными. – Пока они шипят и дымят, они, быть может, интереснее, но бесполезны и слишком часто неудобны. – Человечество беспощадно употребляет каждую личность как материал для топки своих великих машин; но к чему же тогда эти машины, когда все личности (т. е. все человечество) годны лишь для того, чтобы поддерживать их? Машины, которые суть цель для самих себя, – в этом ли состоит шпапа commedia?
586
О часовой стрелке жизни. Жизнь состоит из редких единичных мгновений высочайшего значения и из бесчисленно многих интервалов, в которых в лучшем случае нас окружают лишь бледные тени этих мгновений. Любовь, весна, каждая прекрасная мелодия, горы, луна, море – все это лишь однажды внятно говорит сердцу – если вообще когда-либо внятно говорит. Ибо многие люди совсем не имеют этих мгновений и суть сами интервалы и паузы в симфонии подлинной жизни.
587
Нападать или воздействовать. Мы часто совершаем ошибку, когда страстно боремся с каким-либо направлением, партией или эпохой, потому что мы случайно замечаем лишь их внешнюю сторону, их вырождение или необходимо присущие им «недостатки их добродетелей» – быть может, потому что мы сами преимущественно разделяли их. Тогда мы поворачиваемся к ним спиной и ищем противоположного направления; однако лучше было бы отыскивать их сильные, хорошие стороны или развивать их в самом себе. Правда, чтобы поощрять возникающее и несовершенное, нужен более острый взор и более сильная воля, чем чтобы усмотреть его несовершенство и отречься от него.
588
Скромность. Существует подлинная скромность (т. е. сознание, что мы – не наше собственное создание); и она вполне подобает великому уму, потому что именно он может постигнуть мысль о полной безответственности (даже и за добро, которое он творит). Нескромность великого человека ненавидят не потому, что он сознает свою силу, а потому, что он хочет еще испытать свою силу, вредя другим, властно обращаясь с ними и наблюдая, сколько они могут вытерпеть. Обыкновенно это даже доказывает отсутствие уверенности в своей силе и, следовательно, заставляет человека сомневаться в своем величии. В этом смысле из соображений рассудительности следует признать нескромность нежелательной.
589
Первая мысль дня. Лучшее средство хорошо начать день состоит в том, чтобы, проснувшись, подумать, нельзя ли хоть одному человеку доставить сегодня радость. Если бы это могло быть признано возмещением религиозной привычки к молитве, то наши ближние имели бы выгоду от этой перемены.
590
Сомнение как последнее утешение. Если человек истолковывает свою неудачу, свои интеллектуальные недостатки, свою болезнь так, что усматривает в этом предначертанную ему судьбу, испытание или таинственное наказание за прошлые дела, то этим он делает свое существо интересным для себя и возвышается в собственном представлении над ближними. Гордый грешник есть знакомая фигура во всех церковных сектах.
591
Произрастание счастья. Вплотную рядом с мировым горем, и часто на вулканической почве, человек развел свои маленькие сады счастья. Будем ли мы рассматривать жизнь глазами того, кто хочет от бытия лишь одного познания, или того, кто покоряется и смиряется, или того, кто наслаждается преодоленной трудностью, – всюду мы найдем редкие ростки счастья рядом с несчастьем – и притом тем более счастья, чем вулканичнее была почва; но было бы смешно говорить, что этим счастьем оправдано само страдание.
592
Путь предков. Человек поступает разумно, когда развивает в себе талант, на который затратили усилия его отец и дед, а не обращается к чему-либо совершенно новому; иначе он отнимает у себя возможность достигнуть совершенства в каком-либо ремесле. Поэтому пословица говорит: «Скачи путем своих предков!»
593
Тщеславие и честолюбие как воспитатели. Пока человек еще не стал орудием общечеловеческой пользы, пусть его терзает честолюбие; но если эта цель достигнута, если он с необходимостью, как машина, трудится на пользу всех, тогда пусть явится тщеславие; оно очеловечит его в малом, сделает его более общительным, выносимым и осторожным, когда честолюбие закончило свою грубую работу над ним (т. е. сделало его полезным).
594
Философские новички. Когда человек только что воспринял мудрость какого-либо философа, он ходит по улицам с чувством, как будто он пересоздан и стал великим человеком; ибо он всюду находит людей, которые не знают этой мудрости, и, следовательно, он имеет сообщить обо всем новое, неизвестное решение; признав какое-либо законодательство, человек считает необходимым вести себя как судья.
595
Добиваться симпатии через антипатию. Люди, которые охотно хотят бросаться в глаза и при этом не нравиться, стремятся к тому же, что и люди, которые хотят нравиться и не бросаться в глаза, но лишь в более сильной степени и косвенно, посредством ступени, через которую они, по-видимому, удаляются от своей цели. Они хотят влияния и власти и обнаруживают поэтому свое превосходство столь явно, что оно вызывает неприятные ощущения; ибо они знают, что тот, кто наконец достиг власти, нравится почти во всем, что он делает и говорит, и что, даже когда он не нравится, все-таки кажется, будто он нравится. – И свободный ум, а также и верующий хотят власти, чтобы через нее когда-нибудь нравиться; если им за их учение грозит горькая участь, преследование, темница, казнь, то они радуются мысли, что таким путем их учение будет выжжено или высечено на человечестве; они принимают все это как болезненное, но сильное, хотя и поздно действующее средство, чтобы все-таки достигнуть власти.
596
Casus belli и тому подобное. Монарх, который хочет изобрести casus belli для принятого решения вести войну с соседом, подобен отцу, который дает своему ребенку фиктивную мать, чтобы она впредь считалась его настоящей матерью. И не суть ли почти все открыто возвещаемые мотивы наших поступков такие фиктивные матери?
597
Страсть и право. Никто не говорит более страстно о своем праве, чем тот, кто в глубине души сомневается в нем. Привлекая на свою сторону страсть, он хочет заглушить разум и его сомнения: так он приобретает чистую совесть, а с ней и успех у ближних.
598
Хитрость отрекающегося. Кто протестует против брака, наподобие католических священников, будет стремиться понимать его в самом низком и пошлом смысле. Точно так же, кто отвергает почет у своих современников, составит себе низкое понятие о почете; этим он облегчает себе отречение и борьбу с ним. Впрочем, тот, кто в целом отрекается от многого, будет легко давать себе снисхождение в малом. Возможно, что человек, который возвысился над одобрением своих современников, все же не захочет отказать себе в удовлетворении мелких желаний тщеславия.
599
Возраст самомнения. Между 20-м и 30-м годом даровитые люди переживают настоящий период самомнения; это пора первой зрелости, с сильным остатком кислоты. Человек на основании того, что он чувствует в себе, требует от людей, которые еще ничего не видят или мало видят в нем, чести и покорности, и так как последние вначале заставляют себя ждать, то он мстит тем взором, тем жестом самомнения, тем тоном голоса, которые тонкое ухо и зрение опознают во всех произведениях этого возраста, будь то стихи, философия или картины и музыка. Более пожилые и опытные люди улыбаются здесь и с умилением думают об этой прекрасной поре жизни, когда человек зол на судьбу за то, что он есть столь многое и кажется столь малым. Позднее человек действительно кажется большим, – но он, быть может, потерял добрую веру в то, что он есть многое, – разве только если он на всю жизнь остается неисправимым глупцом, покорным тщеславию.
600
Обманчивое, но все же устойчивое. Подобно тому как, переходя через пропасть или глубокую реку по доске, мы нуждаемся в перилах не для того, чтобы опереться на них – ибо они тотчас же рухнули бы вместе с нами, – а для того, чтобы обнадежить зрение, – так и, будучи юношей, нуждаешься в таких людях, которые бессознательно оказывают нам услугу этих перил. Правда, они не помогли бы нам, если бы мы захотели действительно опереться на них в минуту большой опасности, но они дают успокоительное сознание близкой защиты (например, отцы, учителя, друзья, каковыми они все по обыкновению и являются).
601
Учиться любить. Надо учиться любить, учиться быть добрым, и притом с юных лет; если воспитание и случай не дают нам повода для упражнения этих чувств, то наша душа засыхает и делается даже неспособной воспринимать эти нежные изобретения любвеобильных людей. Точно так же нужно учиться ненависти и взращивать ее, если человек хочет стать сильным ненавистником; иначе со временем погибнет и самый зародыш ненависти.
602
Развалины как украшение. Люди, которые испытали много духовных перемен, сохраняют некоторые воззрения и привычки прежних состояний; и тогда эти воззрения и привычки выступают из их нового мышления и поведения, как остатки неведомой старины и седые развалины строений; и часто они служат украшением всего ландшафта.
603
Любовь и честь. Любовь вожделеет, страх избегает. Этим объясняется, что нельзя быть совместно любимым и почитаемым, по крайней мере одновременно, для одного и того же человека. Ибо почитающий признает власть, т. е. боится ее: его состояние есть почитание, как честь, покоящаяся на страхе (Ehrfurcht). Любовь же не признает никакой власти, ничего разъединяющего, отделяющего, возвышающего и подчиняющего. И так как любовь не почитает, то честолюбивые люди втайне или открыто восстают против того, чтобы их любили.
604
Предубеждение в пользу холодных людей. Люди, которые быстро загораются, легко и охлаждаются и потому в общем ненадежны. Поэтому возникает предубеждение, благоприятствующее всем, кто всегда холоден или кажется холодным, будто они суть особенно надежные и заслуживающие доверия люди: их смешивают с теми, кто медленно загорается и долго горит.
605
Опасное в свободных мнениях. Легкое усвоение свободных мнений создает раздражение, подобное зуду; если отдаешься ему еще больше, то начинаешь тереть зудящие места, пока наконец не возникает открытая болящая рана, т. е. пока свободное мнение не начинает мучить и беспокоить нас в нашем жизненном положении, в наших отношениях к людям.
606
Жажда глубокой боли. Когда страсть проходит, она оставляет после себя темную тоску по себе и, даже исчезая, бросает свой соблазняющий взор. Очевидно, нам доставляло особое удовольствие терпеть удары ее бича. Более умеренные чувства кажутся по сравнению с ней безвкусными; по-видимому, бурное страдание все же предпочтительнее вялого удовольствия.
607
Недовольство ближними и миром. Когда, как это часто бывает, мы вымещаем наше недовольство на других людях, хотя мы, собственно, испытываем его в отношении себя самих, – мы, в сущности, стремимся затуманить и обмануть наше суждение: мы хотим a posteriori мотивировать это недовольство ошибками и недостатками других людей и таким образом потерять из виду самих себя. – Религиозно-строгие люди, которые суть неумолимые судьи самих себя, вместе с тем больше всего говорили дурного о людях вообще; еще не бывало святого, который себе отводил бы грехи, а другим – добродетели, как и не существовало человека, который, по предписанию Будды, скрывал бы от людей свои хорошие стороны и показывал бы только дурные.
608
Смешение причины и действия. Мы бессознательно ищем принципов и учений, которые соответствовали бы нашему темпераменту, так что в конце концов дело выглядит так, как будто принципы и учения создали наш характер и придали ему устойчивость и прочность; тогда как в действительности произошло обратное. Мы стремимся, по-видимому, задним числом сделать наше мышление и суждение причиной нашего существа; но фактически наше существо есть причина, по которой мы мыслим и судим так или иначе. – И что влечет нас к этой почти бессознательной комедии? Инертность и лень и не в меньшей степени тщеславное желание казаться насквозь содержательными и своеобразными по характеру и мыслям: ибо этим достигается уважение, приобретается доверие и власть.
609
Возраст жизни и истина. Молодые люди любят все интересное и необычайное, все равно, истинно ли оно или ложно. Более зрелые умы любят в истине то, что в ней есть интересного и необычного. Наконец, вполне созревшие головы любят истину даже там, где она является простой и наивной и внушает скуку обыкновенному человеку; ибо они заметили, что высшую свою мудрость истина обыкновенно высказывает с наивной миной.
610
Люди, как плохие поэты. Подобно тому как плохие поэты во второй части стиха ищут мысли для рифмы, так и люди во второй половине своей жизни, став боязливее, ищут поступков, положений, отношений, которые подходили бы к соответствующему содержанию их прежней жизни, так чтобы внешне все хорошо гармонировало; но их жизнь уже не находится под властью сильной мысли и не руководится постоянно ею; ее место занимает намерение найти рифму.
611
Скука и игра. Потребность принуждает нас к труду, плодами которого онаудовлетворяется; и так как потребности возникают всегда сызнова, то мы приучаемся к труду. Но в промежутках, когда потребности удовлетворены и как бы спят, на нас нападает скука. Что же такое скука? Это есть привычка к труду вообще, которая теперь обнаруживается как новая, дополнительная потребность; она будет тем сильнее, чем сильнее кто привык работать, быть может даже, чем больше кто страдал от потребностей. Чтобы избегнуть скуки, человек либо работает больше, чем к тому вынуждают его остальные потребности, либо же изобретает игру, т. е. труд, который не предназначен для удовлетворения какой-либо иной потребности, кроме потребности в труде вообще. Кому прискучила игра и кого новые потребности не влекут к труду, тем иногда овладевает влечение к третьему состоянию, которое относилось бы к игре, как летание к пляске, как пляска к хождению, – влечение к блаженной спокойной подвижности: это есть видение счастья у художников и философов.
612
Чему учат портреты. Рассматривая ряд своих собственных портретов, начиная с времени последнего детства до зрелости, с приятным изумлением убеждаешься, что зрелый мужчина более походит на ребенка, чем на юношу; что, следовательно, соответственно этому процессу, по-видимому, имело место временное отчуждение основного характера, которое, однако, было снова преодолено накопленной и напряженной силой зрелости. Этому наблюдению соответствует другое, именно, что все сильные воздействия страстей, учителей, политических событий, которые окружают нас в юношеском возрасте, позднее снова оказываются сведенными к прочной мере; правда, они продолжают жить и действовать в нас, но основная форма чувствования и мышления все же имеет перевес в силе и хотя и употребляет их в качестве двигателей, но уже не в качестве регуляторов движения, как это случается в двадцатилетием возрасте. Таким образом, и мысли и чувства зрелого мужчины вновь приближаются к мыслям и чувствам его детского возраста – и этот внутренний факт находит свое выражение в упомянутом внешнем факте.
613
Звук голоса в различных возрастах жизни. Тон, которым юноши говорят, одобряют, порицают, сочиняют, не нравится более зрелым людям, потому что он слишком громок и вместе с тем глух и неотчетлив, подобно звуку в сводах, который приобретает силу лишь благодаря пустоте; ибо большая часть того, что мыслят юноши, не проистекает из полноты их собственной натуры, а лишь созвучно тому, или есть отзвук того, что мыслилось, говорилось, одобрялось, порицалось в их близи. Но так как чувства (симпатии и антипатии) дают в них гораздо более сильный отзвук, чем аргументы, то, когда они снова выражают эти чувства, возникает тот глухой протяжный звук, который свидетельствует об отсутствии или скудности оснований. Тон более зрелого возраста строг, прерывист, умеренно громок, но, подобно всему отчетливо артикулированному, разносится весьма далеко. Наконец, старость вносит в звук некоторую кротость и снисходительность и как бы засахаривает его; в иных случаях она, впрочем, и окисляет его.
614
Отсталые и предвосхищающие люди. Неприятный характер, который полон недоверия, с завистью смотрит на всякую счастливую удачу соперников и ближних, вспыльчив и деспотичен в отношении инакомыслящих, – такой характер показывает, что он принадлежит к прошедшей ступени культуры, стало быть, является пережитком; ибо способ его обращения с людьми был правильным и подходящим в условиях эпохи кулачного права; это отсталый человек. Иной характер, который богат сорадостью, всюду приобретает друзей, любовно ощущает все растущее и созидающееся и не притязает на монополию обладания истиной, а полон скромного недоверия к себе, – это предвосхищающий человек, который стремится к высшей культуре человечества. Неприятный характер происходит из эпох, где нужно было еще созидать грубый фундамент человеческого общения; противоположный ему характер обитает в высших этажах, вдали от дикого зверя, который беснуется и ревет, запертый в погребах под фундаментом культуры.
615
Утешение для ипохондриков. Когда великий мыслитель по временам обуревается ипохондрическим самоистязанием, то пусть он скажет себе в утешение: «Этот паразит питается и растет за счет твоей собственной великой силы; если бы она была меньше, тебе пришлось бы меньше страдать». То же пусть скажет себе государственный деятель, когда ревность и мстительность, и вообще настроение dellum omnium contra omnes, для которого он, в качестве представителя нации, естественно должен иметь большие способности, при случае вторгается и в его личные отношения и отягощает ему жизнь.
616
Отчуждение от современности. Весьма полезно однажды решительно оторваться от своего времени и как бы быть унесенным от его берега назад в океан прошедших миросозерцаний. Глядя оттуда на берег, впервые озираешь его общую форму и, когда снова приближаешься к нему, имеешь то преимущество, что понимаешь его в целом лучше тех, кто никогда не покидал его.
617
Сеять и пожинать на почве личных недостатков. Люди, подобные Руссо, умеют пользоваться своими слабостями, пробелами, пороками, употребляя их как некоторого рода удобрение собственного таланта. Когда Руссо жалуется на испорченность и вырождение общества как на пагубное следствие культуры, то в основе этого лежит личный опыт; горечь его придает остроту его общему осуждению и отравляет стрелы, которые он пускает; он прежде всего как личность облегчает себя и хочет отыскать целебные средства, которые непосредственно полезны обществу, но косвенно и через последнее – и ему самому.
618
Иметь философское настроение. Обыкновенно стремятся приобрести для всех жизненных положений и событий одну душевную позицию, один род воззрений. – И это преимущество называют философским настроением. Но для обогащения познания, быть может, большую ценность имеет не этот способ однообразить себя, а напротив, умение прислушиваться к тихому голосу различных жизненных положений; эти положения приносят с собой свои собственные воззрения. Так принимаешь интеллектуальное участие в жизни и существе многих людей, не превращая себя в застывшую, постоянную, единственную личность.
619
В огне презрения. Делаешь новый шаг к развитию своей самостоятельности, когда осмеливаешься высказывать взгляды, которые считаются позорными для того, кто их придерживается; тогда даже друзья и знакомые обыкновенно становятся боязливыми. И через этот огонь должна пройти одаренная натура; после этого она гораздо более принадлежит сама себе.
620
Пожертвование. Большое пожертвование в случае выбора предпочитается малому: ибо за большое пожертвование мы вознаграждаем себя самовосхищением, что для нас невозможно при малом.
621
Любовь как искусный прием. Кто хочет действительно узнать что-либо новое (будь то человек, событие или книга), тому следует воспринимать это новое с наивозможной любовью, быстро закрывая глаза на все, что ему кажется в нем враждебным, отталкивающим, ложным, и даже совсем забывая об этом; так, например, он должен делать величайшие уступки автору книги и прямо-таки с бьющимся сердцем, как при скачках, желать, чтобы он достиг своей цели. Дело в том, что таким приемом пробиваешься к самому сердцу нового объекта, к его движущему центру: а это именно и значит узнать его. Когда это достигнуто, то разум позднее делает свои ограничения; эта чрезмерная оценка, эта временная остановка критического маятника была лишь искусным приемом, чтобы выманить душу чего-либо.
622
Слишком хорошо и слишком плохо думать о мире. Думаешь ли о вещах слишком хорошо или слишком плохо, всегда имеешь при этом ту выгоду, что пожинаешь большее удовольствие: ибо при слишком хорошем предвзятом мнении мы обыкновенно вкладываем больше сладости в вещи (или переживания), чем в них собственно содержится. Предвзятое же слишком плохое мнение вызывает приятное разочарование: приятность, сама по себе лежавшая в вещах, усугубляется приятностью неожиданности. – Впрочем, мрачный темперамент в обоих случаях испытывает обратное.
623
Глубокие люди. Люди, сила которых состоит в углублении впечатлений – их обыкновенно зовут глубокими людьми, – при любой внезапности сохраняют относительное спокойствие и решимость: ибо в первое мгновение впечатление было еще мелким, ему лишь предстоит стать глубоким. Но давно предвидимые, ожидаемые вещи или лица сильнее всего возбуждают такие натуры и делают их почти неспособными сохранить присутствие духа в момент самого их появления.
624
Общение с высшим Я. У каждого есть хороший день, когда он находит свое высшее Я; и истинная человечность требует, чтобы каждый оценивался лишь по этому состоянию, а не по будничным дням зависимости и рабства. Нужно, например, расценивать и почитать художника по высшему видению, которое он смог узреть и изобразить. Но люди сами весьма различно относятся к этому своему высшему Я и часто суть лишь лицедеи самих себя, так как они позднее постоянно подражают тому, чем они были в эти высшие мгновения. Иные живут в страхе и покорности перед своим идеалом и хотели бы отречься от него: они боятся своего высшего Я, потому что, раз заговорив, оно говорит требовательно. К тому же оно имеет свободу приходить и отсутствовать по своему желанию, подобно привидению; оно поэтому часто зовется даром богов, тогда как дар богов (случая) есть, собственно, все остальное; это же есть сам человек.
625
Одинокие люди. Иные люди так привыкли быть наедине с собой, что они даже не сравнивают себя с другими, а спокойно и радостно ведут свое монологическое существование среди бесед с самими собой и даже среди смеха. Но если их заставить сравнить себя с другими, то они склоняются к мысленной недооценке самих себя, так что их приходится принудить приобрести снова хорошее мнение о себе от других; и даже от этого приобретенного мнения они все еще захотят отнять и скинуть что-нибудь. – Итак, следует предоставить некоторых людей их одиночеству и отказаться от столь частой глупой жалости к ним за это.
626
Без мелодии. Существуют люди, которые так привыкли постоянно покоиться в самих себе и гармонически устраиваться среди всех своих способностей, что их отталкивает всякая целеполагающая деятельность. Они подобны музыке, которая состоит из одних протяжных гармонических аккордов, причем не обнаруживается даже и зачатка какой-либо расчлененной подвижной мелодии. Всякое движение извне служит лишь тому, чтобы тотчас же дать челну новое равновесие на море гармонического благозвучия. Современные люди становятся обыкновенно чрезвычайно нетерпеливыми, когда они встречают такие натуры, из которых ничего не выходит, тогда как все же о них нельзя сказать, что они суть ничто. Но в отдельных случаях их зрелище возбуждает необычный вопрос: к чему вообще мелодия? Отчего нам недостаточно, чтобы жизнь спокойно отражалась в глубокой воде? – Средние века были богаче такими натурами, чем наше время. Как редко еще встречаешь теперь человека, который и в тесноте может радостно и мирно жить с самим собой, говоря себе, подобно Гете: «Лучшее – это та глубокая тишина, в которой я живу и развиваюсь в отношении к миру и в которой я приобретаю то, чего они не могут отнять у меня огнем и мечом».
627
Жить и переживать. Когда присматриваешься, как отдельные люди умеют обращаться со своими переживаниями – с самыми незначительными повседневными переживаниями, – так что последние становятся пашней, которая трижды в год приносит жатву, – тогда как другие люди – и сколь многие! – гонимые ударами волн бурнейшей судьбы, носимые самыми многообразными течениями эпохи и народа, всегда остаются легкими и плавают наверху, как пробка, – то чувствуешь наконец потребность разделить человечество на меньшинство (минимальное меньшинство) людей, которые умеют из малого делать многое, и на большинство, которые из многого умеют делать малое; более того, иногда встречаешь таких волшебников навыворот, которые, вместо того чтобы создавать мир из ничего, создают из мира ничто.
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Серьезность в игре. В Генуе в пору вечерних сумерек я слышал долгий колокольный звон, раздававшийся с башни: он не знал конца и звучал так ненасытно, разносясь в вечернем небе и в морском воздухе над уличным шумом, так грозно-таинственно и вместе с тем так ребячливо, так жалобно. И я вспомнил тогда слова Платона и вдруг ощутил их в сердце: Все человеческое, вместе взятое, недостойно великой серьезности; тем не менее -
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Об убеждении и справедливости. Соблюдать в холодном и трезвом состоянии то, что человек говорит, обещает, решает в состоянии страсти, – это требование принадлежит к числу самых тяжелых нош, которые гнетут человечество. Быть вынужденным всегда признавать в будущем последствия гнева, вспыхнувшей мести, восторженного порыва – это может возбудить тем большее ожесточение против этих чувств, чем более они служат предметом повсеместного идолопоклонства, особенно со стороны художников. Последние культивируют и всегда культивировали оценку страстей; правда, они возвеличивают и ужасные удовлетворения страсти, доставляемые себе человеком, – вспышки мести с сопровождающими их смертью, изувечением, добровольным изгнанничеством, и смирение с разбитым сердцем. Во всяком случае они поддерживают любопытство в отношении страсти и как бы хотят сказать: «Не имев страстей, вы ничего не пережили». – Если человек раз поклялся в верности, быть может, совершенно измышленному существу, например божеству, если он отдал свое сердце монарху, партии, женщине, монашескому ордену, художнику, мыслителю, находясь в состоянии ослепленного безумия, которое обусловило его восхищение и представляло эти существа достойными всякого почитания и всякой жертвы, – неужели же этим человек отныне неразрывно крепко связан? Да разве мы тогда не обманывали самих себя? Разве это не было условным обещанием, исходившим из, правда, невысказанной предпосылки, что эти существа, которым мы посвятили себя, суть именно такие существа, какими они явились нашему представлению? Обязаны ли мы оставаться верными нашим заблуждениям, даже сознавая, что эта верность наносит вред нашему высшему Я? – Нет, не существует никакого закона, никакого обязательства такого рода; мы должны становиться изменниками, нарушать верность, вечно предавать наши идеалы. Мы не можем переступить из одного периода жизни в другой, не причиняя этих страданий измены и не страдая сами от них. Нужно ли, чтобы ради избавления от этих страданий мы остерегались вспышек нашего чувства? Не стал ли бы тогда мир слишком пустынным и прозрачным для нас? Скорее мы должны спросить себя, необходимы ли эти страдания при перемене убеждений и не зависят ли они от ошибочной оценки, от ошибочного мнения. Почему восторгаются тем, кто остается верен своему убеждению, и презирают того, кто его меняет? Боюсь, что на это надо ответить: потому что каждый предполагает, что лишь мотивы низменной выгоды или личного страха определяют подобную перемену. Это значит: люди, в сущности, полагают, что никто не изменяет своих мнений, пока они ему выгодны, или, по крайней мере, пока они не наносят ему вреда. Но если дело обстоит так, то это оказывается плохим свидетельством об интеллектуальном значении всех убеждений. Проверим же, как возникают убеждения, и присмотримся, не получают ли они весьма преувеличенной оценки; и тогда мы придем к выводу, что и перемена убеждений всегда измеряется ложной мерой и что доселе мы обыкновенно слишком много страдали от этой перемены.
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Убеждение есть вера, что в известном пункте познания обладаешь безусловной истиной. Эта вера, следовательно, предполагает, что существуют безусловные истины; а также что найдены совершенные методы для их достижения; и, наконец, что всякий, кто имеет убеждения, пользуется этими совершенными методами. Все три утверждения тотчас же доказывают, что человек убеждения не есть человек научного мышления; он стоит перед нами в возрасте теоретической невинности и есть ребенок, сколь бы взрослым он ни был. Но целые тысячелетия жили в этих детских предпосылках, и из них возникли самые могущественные источники сил человечества. Те бесчисленные люди, которые приносили себя в жертву своим убеждениям, полагали, что они приносили себя в жертву безусловной истине. Все они были не правы в этом мнении; вероятно, еще ни один человек не жертвовал собою истине; по меньшей мере, догматическое выражение его веры должно было быть ненаучным или полунаучным. Но, собственно, люди только хотели оставаться правыми, потому что полагали, что они должны быть правыми. Отказаться от своей веры означало, быть может, рисковать своим вечным блаженством. При обстоятельстве столь исключительной важности «воля» была достаточно явственно суфлером интеллекта. Предпосылкой каждого верующего каждого направления было то, что он не может быть опровергнут; и если противоположные аргументы оказывались слишком сильными, то ему еще оставалась возможность оклеветать разум вообще и, быть может, даже водрузить формулу «credo quia absurdum» как знамя самого крайнего фанатизма. Не борьба мнений придала истории столь насильственный характер, а лишь борьба веры в мнения, т. е. убеждений. И если бы все те, кто придавали такое большое значение своему убеждению, приносили ему всякого рода жертвы и, служа ему, не щадили чести, тела и жизни, если бы они посвятили хоть половину своей силы обсуждению того, на каком основании они придерживаются того или иного убеждения, – сколь миролюбивый вид имела бы тогда история человечества! Как много было бы тогда познано! Мы были бы тогда избавлены от всех жестоких сцен при преследовании еретиков всякого рода по двум причинам: во-первых, потому, что инквизиторы тогда прежде всего стали бы «инквизировать» самих себя и преодолели бы самомнение, будто они обладают безусловной истиной; и, во-вторых, потому, что сами еретики не дарили бы дальнейшего участия столь плохо обоснованным суждениям, как суждения всех религиозных сектантов и «правоверных», после того как они их исследовали бы.
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Из тех времен, когда люди были приучены верить в обладание безусловной истиной, проистекает глубокое нерасположение ко всем скептическим и релятивистическим позициям в отношении каких-либо вопросов познания; по большей части люди предпочитают отдаться беспрекословно убеждению, которого держатся авторитетные лица (отцы, друзья, учителя, монархи), и если не делают этого, то чувствуют угрызения совести. Эта наклонность вполне понятна, и ее последствия не дают никакого права бросать ожесточенные упреки развитию человеческого разума. Но постепенно научный дух должен взрастить в человеке ту добродетель осторожного воздержания, ту мудрую умеренность, которая в области практической жизни более известна, чем в области теоретической жизни, и которую, например, изобразил Гете в лице Антонио, как предмет озлобления для всех Тассо, т. е. для всех научных и вместе недейственных натур. Человек убежденный обладает правом не понимать такого человека осторожного мышления, теоретического Антонио; научный человек со своей стороны не имеет права порицать за это человека убеждений, он обозревает его и сверх того знает, что при известных условиях последний еще ухватится за него, как это под конец делает Тассо в отношении Антонио.
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Кто не прошел через различные убеждения, а застрял в вере, в сеть которой он с самого начала попался, есть при всяких условиях, именно в силу этой неизменчивости, представитель отсталых культур; благодаря этой недостаточности культуры (которая всегда предполагает способность культивироваться) он жесток, непонятлив, недоступен поучению, лишен кротости, вечно подозрителен, безрассуден и хватается за все средства, чтобы настоять на своем мнении, потому что он совсем не может понять, что должны существовать и другие мнения; в этом отношении он, быть может, есть источник силы и даже целебен для слишком свободных и вялых культур, но все же лишь потому, что он дает сильное побуждение восстать против него; ибо при этом более нежный продукт новой культуры, который вынужден бороться с ним, сам становится сильнее.
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В существенном мы еще тождественны людям эпохи Реформации; и разве могло бы это быть иначе? Но что мы уже не позволяем себе некоторых средств, чтобы доставить победу нашему мнению, – это отделяет нас от той эпохи и доказывает, что мы принадлежим к высшей культуре. Кто теперь еще на манер людей эпохи Реформации восстает против мнений и ниспровергает их путем подозрений, в припадках ярости, – тот ясно выдает, что он сжег бы своих противников, если бы он жил в ту эпоху, и что он нашел бы спасение во всех средствах инквизиции, если бы действовал как противник Реформации. Эта инквизиция была тогда разумна, ибо она означала не что иное, как всеобщее осадное положение, которое нужно было установить над всей областью церкви и которое, как и всякое осадное положение, оправдывало самые крайние средства, именно исходя из предположения (которого мы уже не разделяем с людьми того времени), что в церкви человечество уже обладает истиной и должно сохранить ее для блага человечества во что бы то ни стало и каких бы жертв это ни стоило. Теперь, однако, уже никто не может так легко убедить нас, что он обладает истиной: строгие методы исследования распространили достаточно недоверия и осторожности, так что всякий, кто защищает свое мнение деспотично словами и делами, воспринимается как враг нашей современной культуры и, по меньшей мере, как отсталый человек. И действительно: пафос обладания истиной имеет теперь весьма малую цену по сравнению с пафосом, правда, более мягким и менее звучным, искания истины, который умеет неутомимо переучиваться и заново исследовать.
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Впрочем, методическое искание истины есть само результат тех эпох, когда сражались между собой убеждения. Если бы отдельный человек не был заинтересован в своей «истине», т. е. в том, чтобы остаться правым, то вообще не существовало бы метода исследования; теперь же, при вечной борьбе притязаний различных лиц на безусловную истину, люди шаг за шагом шли вперед, чтобы найти неопровержимые принципы, на основании которых можно было бы проверять правомерность притязаний и полагать конец спору. Сперва решали на основании авторитетов, позднее стали взаимно критиковать пути и средства, которыми были найдена мнимая истина; в промежутке существовал период, когда делали выводы из утверждения противника и, быть может, доказывали, что они вредны и приносят несчастье, – из чего каждый должен был заключить, что убеждение противника содержит заблуждение. Личная борьба мыслителей в конце концов так обострила методы, что действительно могли быть открыты истины и что перед взором всех людей были вскрыты ложные приемы прежних методов.
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В общем научные методы суть, по меньшей мере, столь же важный результат исследования, как всякий иной результат: ибо на понимании метода покоится научный дух, и все результаты науки не могли бы предупредить новое распространение суеверия и бессмыслицы, если бы погибли эти методы. Одаренные люди могут узнать сколько угодно результатов науки: по их разговору и особенно по принимаемым в нем гипотезам тотчас же замечаешь, что им недостает научного духа; у них нет того инстинктивного недоверия к ложным путям мышления, которое в силу долгого упражнения пустило корни в душе каждого научного человека. Им достаточно найти вообще какую-нибудь гипотезу по данному вопросу, и тогда они пламенно защищают ее и полагают, что этим сделано все. Иметь мнение – значит у них уже фанатически исповедовать его и впредь приютить в своем сердце в качестве убеждения. В необъясненном вопросе они горячатся в пользу первой пришедшей им в голову выдумки, которая похожа на объяснение, – из чего, особенно в области политики, постоянно получаются наихудшие результаты. – Поэтому теперь каждый должен был бы основательно изучить, по меньшей мере, одну науку: тогда он все же будет знать, что такое метод и как необходима крайняя рассудительность. В особенности женщинам следует дать этот совет: ведь они теперь становятся непоправимыми жертвами всех гипотез, тем более если последние производят впечатление чего-то остроумного, увлекательного, оживляющего и укрепляющего. Более того: присматриваясь внимательнее, замечаешь, что огромное большинство всех образованных людей еще теперь требует от мыслителей убеждений, и одних только убеждений, и что лишь ничтожное меньшинство ищет достоверности. Первые хотят быть сильно увлеченными, чтобы через это самим получить прирост силы; последние, немногие люди, имеют тот объективный интерес, который отвлекается от личных выгод, в том числе и от указанного прироста силы. На первый, значительно преобладающий, класс рассчитывают всюду, где мыслитель ведет себя как гений и объявляет себя таковым, т. е. выступает как высшее существо, которому присущ авторитет. Поскольку такого рода гений поддерживает пыл убеждений и возбуждает недоверие к осторожному и скромному духу науки, он враг истины, каким бы женихом ее он ни мнил себя.
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Правда, существует и совсем иной род гениальности – именно, гениальность справедливости; и я не могу решиться оценить ее ниже, чем какую-либо философскую, политическую или художническую гениальность. В ее натуре – избегать с глубоким недовольством всего, что ослепляет и запутывает суждение о вещах; она, следовательно, есть противница убеждений; ибо она хочет каждому давать свое, будь то живое или мертвое, реальное или мыслимое, – и для этого она должна его чисто познавать; поэтому она старается ярко освещать каждую вещь и заботливо осматривать ее. Под конец она воздает даже своему противнику, слепому или близорукому «убеждению» (как его зовут мужчины – у женщин оно зовется «верой»), то, что ему надлежит – ради истины.
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Из страстей вырастают мнения; косность духа превращает последние в застывшие убеждения. – Но кто ощущает в себе свободный, неутомимо жизненный дух, тот может через постоянные перемены предупреждать это застывание; и если он всецело есть мыслящая лавина, то в голове его не окажется никаких мнений, а только достоверности и точно измеренные вероятности. – Мы же, имеющие смешанное существо, то горящие огнем, то охлаждаемые духом, – преклоним колена перед справедливостью, как единственной богиней, которую мы признаем. Огонь в нас делает нас обычно несправедливыми и, в отношении этой богини, нечистыми; никогда мы не смеем в таком состоянии брать ее руку, никогда в это время к нам не обращена строгая улыбка ее сочувствия. Мы почитаем ее, как невидимую под покрывалом Изиду нашей жизни; со стыдом мы приносим ей, как штраф и жертву, нашу скорбь, когда огонь сжигает и пожирает нас. Тогда нас спасает дух и не дает нам совсем сгореть и обуглиться; он отрывает нас от жертвенного алтаря справедливости или закутывает нас асбестовой тканью. Спасенные от огня, мы идем тогда, гонимые духом, от мнения к мнению, через перемену партий, как благородные изменники всего, чему только можно изменить, – и все же без чувства вины.
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Странник. Кто хоть до некоторой степени пришел к свободе разума, тот не может чувствовать себя на земле иначе, чем странником, хотя и не путником, направляющимся к определенной конечной цели: ибо такой цели не существует. Но он хочет смотреть с раскрытыми глазами на все, что, собственно, совершается в мире; поэтому его сердце не должно слишком крепко привязываться к единичному; в нем самом должно быть нечто странствующее, что находит радость в перемене и тленности. Правда, такой человек не будет иметь недостатка в дурных ночах, когда он утомлен и находит запертыми ворота города, который мог бы дать ему отдых; быть может, к тому же, как на Востоке, за воротами города начинается здесь пустыня, так что то издали, то вблизи раздается рев хищных зверей, подымается сильный ветер и разбойники похищают его вьючных животных. Тогда ужасная ночь опускается на пустыню, как вторая пустыня, и сердце его утомляется странствиями. И когда восходит перед ним утреннее солнце, пылая, как бог гнева, когда открывается город, он видит в лицах здесь живущих, быть может, еще больше пустыни, грязи, обмана, неверности, чем перед воротами, – и день предстает ему едва ли не хуже, чем ночь. Такие мгновения могут выпадать на долю странника; но позже в награду приходят блаженные утра новых местностей и дней, когда уже на рассвете он видит, как мимо него с пляской проносятся в горном тумане рои муз; и когда он потом тихо прохаживается под деревьями, в соразмерности дополуденной души, – с вершин деревьев и из засад их убранства к нему падает одно лишь доброе и светлое – дары всех тех свободных духов, которых родина – горы, лес и одиночество и которые, подобно ему, предаваясь то радости, то размышлению, живут философами и странниками. Рожденные из таинств утра, они мечтают о том, какое чистое, сияющее, просветленно-радостное лицо может иметь день между десятым и двенадцатым часом – они ищут дополуденной философии.
Среди друзей. Эпилог
1
Хорошо молчать совместно,
Лучше – вместе посмеяться
Под шатром шелковым неба,
На зеленом мху под буком.
Сладко громко посмеяться,
Зубы белые поскалить.
Помолчим, коль дело ладно,
Если ж худо – посмеемся,
Поведем его все хуже,
И опять смеяться будем,
И, смеясь, сойдем в могилу.
Други, так ли? Жду признанья!
Так аминь! И до свиданья!
2
Мне не нужно извиненья!
Кто свободен и беспечен, —
Этой книге неразумной
В сердце дай своем приют!
Верьте, други: не проклятьем
Глупость мне была моя!
Что ищу, что нахожу я —
Разве в книге то стоит?
Вы во мне глупца почтите!
В этой книге вы прочтите,
Как умеет даже разум
«Образумить» сам себя!
Правда ль, други! Жду признанья —
Так аминь! И до свиданья!