Смешанные мнения и изречения, Ф. Ницше

Пер. В.М. Бакусева

AP

Vermischte Meinungen und Sprüche (Zweiten Ausgabe, 1886)

Vorrede

1

Man soll nur reden, wo man nicht schweigen darf; und nur von dem reden, was man überwunden hat,—alles andere ist Geschwätz, "Literatur," Mangel an Zucht. Meine Schriften reden nur von meinen Überwindungen: "ich" bin darin, mit allem, was mir feind war, ego ipsissimus, ja sogar, wenn ein stolzerer Ausdruck erlaubt wird, ego ipsissimum. Man errät: ich habe schon viel—unter mir ... Aber es bedurfte immer erst der Zeit, der Genesung, der Ferne, der Distanz, bis die Lust bei mir sich regte, etwas Erlebtes und Überlebtes, irgend ein eigenes Faktum oder Fatum nachträglich für die Erkenntnis abzuhäuten, auszubeuten, blosszulegen, "darzustellen" (oder wie man's heissen will). Insofern sind alle meine Schriften, mit einer einzigen, allerdings wesentlichen Ausnahme, zurückzudatieren—sie reden immer von einem "Hinter-mir"—: einige sogar, wie die drei ersten Unzeitgemässen Betrachtungen, noch zurück hinter die Entstehungs- und Erlebniszeit eines vorher herausgegebenen Buches (der "Geburt der Tragödie" im gegebenen Falle: wie es einem feineren Beobachter und Vergleicher nicht verborgen bleiben darf). Jener zornige Ausbruch gegen die Deutschtümelei, Behäbigkeit und Sprach-Verlumpung des alt gewordenen David Strauss, der Inhalt der ersten Unzeitgemässen, machte Stimmungen Luft, mit denen ich lange vorher, als Student, inmitten deutscher Bildung und Bildungsphilisterei gesessen hatte (ich mache Anspruch auf die Vaterschaft des jetzt viel gebrauchten und missbrauchten Wortes "Bildungsphilister"—); und was ich gegen die "historische Krankheit" gesagt habe, das sagte ich als einer, der von ihr langsam, mühsam genesen lernte und ganz und gar nicht willens war, fürderhin auf "Historie" zu verzichten, weil er einstmals an ihr gelitten hatte. Als ich sodann, in der dritten Unzeitgemässen Betrachtung, meine Ehrfurcht vor meinem ersten und einzigen Erzieher, vor dem grossen Arthur Schopenhauer zum Ausdruck brachte—ich würde sie jetzt noch viel stärker, auch persönlicher ausdrücken—, war ich für meine eigne Person schon mitten in der moralistischen Skepsis und Auflösung drin, das heisst ebenso sehr in der Kritik als der Vertiefung alles bisherigen Pessimismus—, und glaubte bereits "an gar nichts mehr," wie das Volk sagt, auch an Schopenhauer nicht: eben in jener Zeit entstand ein geheim gehaltenes Schriftstück "über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne." Selbst meine Sieges- und Festrede zu Ehren Richard Wagners, bei Gelegenheit seiner Bayreuther Siegesfeier 1876—Bayreuth bedeutet den grössten Sieg, den je ein Künstler errungen hat—, ein Werk, welches den stärksten Anschein der "Aktualität" an sich trägt, war im Hintergrunde eine Huldigung und Dankbarkeit gegen ein Stück Vergangenheit von mir, gegen die schönste, auch gefährlichste Meeresstille meiner Fahrt ... und tatsächlich eine Loslösung, ein Abschiednehmen. (Täuschte Richard Wagner sich vielleicht selbst darüber? Ich glaube es nicht. Solange man noch liebt, malt man gewiss keine solchen Bilder; man "betrachtet" noch nicht, man stellt sich nicht dergestalt in die Ferne, wie es der Betrachtende tun muss. "Zum Betrachten gehört schon eine geheimnisvolle Gegnerschaft, die des Entgegenschauens"— heisst es auf Seite 342 der genannten Schrift selbst [Kap. 7, Anf.], mit einer verräterischen und schwermütigen Wendung, welche vielleicht nur für wenige Ohren war.) Die Gelassenheit, um über lange Zwischenjahre innerlichsten Alleinseins und Entbehrens reden zu können, kam mir erst mit dem Buche "Menschliches, Allzumenschliches," dem auch dies zweite Für- und Vorwort gewidmet sein soll. Auf ihm, als einem Buche "für freie Geister," liegt etwas von der beinahe heiteren und neugierigen Kälte des Psychologen, welche eine Menge schmerzlicher Dinge, die er unter sich hat, hinter sich hat, nachträglich für sich noch feststellt und gleichsam mit irgend einer Nadelspitze fest sticht: —was Wunders, wenn, bei einer so spitzen und kitzlichen Arbeit, gelegentlich auch etwas Blut fliesst, wenn der Psychologe Blut dabei an den Fingern und nicht immer nur—an den Fingern hat? ...

2

Die Vermischten Meinungen und Sprüche sind, ebenso wie der Wanderer und sein Schatten, zuerst einzeln als Fortsetzungen und Anhänge jenes eben genannten menschlich-allzumenschlichen "Buchs für freie Geister" herausgegeben worden: zugleich als Fortsetzung und Verdoppelung einer geistigen Kur, nämlich der antiromantischen Selbstbehandlung, wie sie mir mein gesund gebliebener Instinkt wider eine zeitweilige Erkrankung an der gefährlichsten Form der Romantik selbst erfunden, selbst verordnet hatte. Möge man sich nunmehr, nach sechs Jahren der Genesung, die gleichen Schriften vereinigt gefallen lassen, als zweiten Band von Menschliches, Allzumenschliches: vielleicht lehren sie, zusammen betrachtet, ihre Lehre stärker und deutlicher,—eine Gesundheitslehre, welche den geistigeren Naturen des eben heraufkommenden Geschlechts zur disciplina voluntatis empfohlen sein mag. Aus ihnen redet ein Pessimist, der oft genug aus der Haut gefahren, aber immer wieder in sie hineingefahren ist, ein Pessimist also mit dem guten Willen zum Pessimismus,—somit jedenfalls kein Romantiker mehr: wie? sollte ein Geist, der sich auf diese Schlangenklugheit versteht, die Haut zu wechseln, nicht den heutigen Pessimisten eine Lektion geben dürfen, welche allesamt noch in der Gefahr der Romantik sind? Und ihnen zum mindesten zeigen, wie man das—macht? ...

3

— Es war in der Tat damals die höchste Zeit, Abschied zu nehmen: alsbald schon bekam ich den Beweis dafür. Richard Wagner, scheinbar der Siegreichste, in Wahrheit ein morsch gewordener, verzweifelter Romantiker, sank plötzlich, hilflos und zerbrochen, vor dem christlichen Kreuze nieder ... Hat denn kein Deutscher für dieses schauerliche Schauspiel damals Augen im Kopfe, Mitgefühl in seinem Gewissen gehabt? War ich der Einzige, der an ihm—litt? Genug, mir selbst gab dies unerwartete Ereignis wie ein Blitz Klarheit über den Ort, den ich verlassen hatte,—und auch jenen nachträglichen Schrecken, wie ihn jeder empfindet, der unbewusst durch eine ungeheure Gefahr gelaufen ist. Als ich allein weiterging, zitterte ich; nicht lange darauf, und ich war krank, mehr als krank, nämlich müde, aus der unaufhaltsamen Enttäuschung über alles, was uns modernen Menschen zur Begeisterung übrigblieb, über die allerorts vergeudete Kraft, Arbeit, Hoffnung, Jugend, Liebe; müde aus Ekel vor dem Femininischen und Schwärmerisch-Zuchtlosen dieser Romantik, vor der ganzen idealistischen Lügnerei und Gewissens-Verweichlichung, die hier wieder einmal den Sieg über einen der Tapfersten davongetragen hatte; müde endlich, und nicht am wenigsten, aus dem Gram eines unerbittlichen Argwohns,—dass ich, nach dieser Enttäuschung, verurteilt sei, tiefer zu misstrauen, tiefer zu verachten, tiefer allein zu sein als je vorher. Meine Aufgabe— wohin war sie? Wie? schien es jetzt nicht, als ob sich meine Aufgabe von mir zurückziehe, als ob ich nun für lange kein Recht mehr auf sie habe? Was tun, um diese grösste Entbehrung auszuhalten?— Ich begann damit, dass ich mir gründlich und grundsätzlich alle romantische Musik verbot, diese zweideutige, grosstuerische, schwüle Kunst, welche den Geist um seine Strenge und Lustigkeit bringt und jede Art unklarer Sehnsucht, schwammichter Begehrlichkeit wuchern macht. "Cave musicam" ist auch heute noch mein Rat an alle, die Mannes genug sind, um in Dingen des Geistes auf Reinlichkeit zu halten; solche Musik entnervt, erweicht, verweiblicht, ihr "Ewig-Weibliches" zieht uns—hinab! ... Gegen die romantische Musik wendete sich damals mein erster Argwohn, meine nächste Vorsicht; und wenn ich überhaupt noch etwas von der Musik hoffte, so war es in der Erwartung, es möchte ein Musiker kommen, kühn, fein, boshaft, südlich, übergesund genug, um an jener Musik auf eine unsterbliche Weise Rache zu nehmen. —

4

Einsam nunmehr und schlimm misstrauisch gegen mich, nahm ich, nicht ohne Ingrimm, dergestalt Partei gegen mich und für alles, was gerade mir wehe tat und hart fiel:—so fand ich den Weg zu jenem tapferen Pessimismus wieder, der der Gegensatz aller romantischen Verlogenheit ist, und auch, wie mir heute scheinen will, den Weg zu "mir" selbst, zu meiner Aufgabe. Jenes verborgene und herrische Etwas, für das wir lange keinen Namen haben, bis es sich endlich als unsre Aufgabe erweist,—dieser Tyrann in uns nimmt eine schreckliche Wiedervergeltung für jeden Versuch, den wir machen, ihm auszuweichen oder zu entschlüpfen, für jede vorzeitige Bescheidung, für jede Gleichsetzung mit solchen, zu denen wir nicht gehören, für jede noch so achtbare Tätigkeit, falls sie uns von unsrer Hauptsache ablenkt, ja für jede Tugend selbst, welche uns gegen die Härte der eigensten Verantwortlichkeit schützen möchte. Krankheit ist jedesmal die Antwort, wenn wir an unsrem Rechte auf unsre Aufgabe zweifeln wollen,—wenn wir anfangen, es uns irgendworin leichter zu machen. Sonderbar und furchtbar zugleich! Unsre Erleichterungen sind es, die wir am härtesten büssen müssen! Und wollen wir hinterdrein zur Gesundheit zurück, so bleibt uns keine Wahl: wir müssen uns schwerer belasten, als wir je vorher belastet waren ...

5

— Damals lernte ich erst jenes einsiedlerische Reden, auf welches sich nur die Schweigendsten und Leidendsten verstehn: ich redete, ohne Zeugen oder vielmehr gleichgültig gegen Zeugen, um nicht am Schweigen zu leiden, ich sprach von lauter Dingen, die mich nichts angingen, aber so, als ob sie mich etwas angingen. Damals lernte ich die Kunst, mich heiter, objektiv, neugierig, vor allem gesund und boshaft zu geben, —und bei einem Kranken ist dies, wie mir scheinen will, sein "guter Geschmack"? Einem feineren Auge und Mitgefühl wird es trotzdem nicht entgehn, was vielleicht den Reiz dieser Schriften ausmacht,—dass hier ein Leidender und Entbehrender redet, wie als ob er nicht ein Leidender und Entbehrender sei. Hier soll das Gleichgewicht, die Gelassenheit, sogar die Dankbarkeit gegen das Leben aufrechterhalten werden, hier waltet ein strenger, stolzer, beständig wacher, beständig reizbarer Wille, der sich die Aufgabe gestellt hat, das Leben wider den Schmerz zu verteidigen und alle Schlüsse abzuknicken, welche aus Schmerz, Enttäuschung, Überdruss, Vereinsamung und andrem Moorgrunde gleich giftigen Schwämmen aufzuwachsen pflegen. Dies gibt vielleicht gerade unsern Pessimisten Fingerzeige zur eignen Prüfung?—denn damals war es, wo ich mir den Satz abgewann: "ein Leidender hat auf Pessimismus noch kein Recht!", damals führte ich mit mir einen langwierig-geduldigen Feldzug gegen den unwissenschaftlichen Grundhang jedes romantischen Pessimismus, einzelne persönliche Erfahrungen zu allgemeinen Urteilen, ja Welt-Verurteilungen aufzubauschen, auszudeuten ... kurz, damals drehte ich meinen Blick herum. Optimismus, zum Zweck der Wiederherstellung, um irgendwann einmal wieder Pessimist sein zu dürfen: versteht ihr das? Gleich wie ein Arzt seinen Kranken in eine völlig fremde Umgebung stellt, damit er seinem ganzen "Bisher," seinen Sorgen, Freunden, Briefen, Pflichten, Dummheiten und Gedächtnismartern entrückt wird und Hände und Sinne nach neuer Nahrung, neuer Sonne, neuer Zukunft ausstrecken lernt, so zwang ich mich, als Arzt und Kranker in einer Person, zu einem umgekehrten, unerprobten Klima der Seele, und namentlich zu einer abziehenden Wanderung in die Fremde, in das Fremde, zu einer Neugierde nach aller Art von Fremdem ... Ein langes Herumziehn, Suchen, Wechseln folgte hieraus, ein Widerwille gegen alles Festbleiben, gegen jedes plumpe Bejahen und Verneinen; ebenfalls eine Diätetik und Zucht, welche es dem Geiste so leicht als möglich machen wollte, weit zu laufen, hoch zu fliegen, vor allem immer wieder; fortzufliegen. Tatsächlich ein minimum von Leben, eine Loskettung von allen gröberen Begehrlichkeiten, eine Unabhängigkeit inmitten aller Art äusserer Ungunst, samt dem Stolze, leben zu können unter dieser Ungunst; etwas Zynismus vielleicht, etwas "Tonne," aber ebenso gewiss viel Grillen-Glück, Grillen-Munterkeit, viel Stille, Licht, feinere Torheit, verborgenes Schwärmen—das alles ergab zuletzt eine grosse geistige Erstarkung, eine wachsende Lust und Fülle der Gesundheit. Das Leben selbst belohnt uns für unsern zähen Willen zum Leben, für einen solchen langen Krieg, wie ich ihn damals mit mir gegen den Pessimismus der Lebensmüdigkeit führte, schon für jeden aufmerksamen Blick unsrer Dankbarkeit, der sich die kleinsten, zartesten, flüchtigsten Geschenke des Lebens nicht entgehn lässt. Wir bekommen endlich dafür seine grossen Geschenke, vielleicht auch sein grösstes, das es zu geben vermag,—wir bekommen unsre Aufgabe wieder zurück. — —

6

— Sollte mein Erlebnis—die Geschichte einer Krankheit und Genesung, denn es lief auf eine Genesung hinaus—nur mein persönliches Erlebnis gewesen sein? Und gerade nur mein Menschliches-Allzumenschliches? Ich möchte heute das Umgekehrte glauben; das Zutrauen kommt mir wieder und wieder dafür, dass meine Wanderbücher doch nicht nur für mich aufgezeichnet waren, wie es bisweilen den Anschein hatte—. Darf ich nunmehr, nach sechs Jahren wachsender Zuversicht, sie von neuem zu einem Versuche auf die Reise schicken? Darf ich sie denen sonderlich ans Herz und Ohr legen, welche mit irgend einer "Vergangenheit" behaftet sind und Geist genug übrig haben, um auch noch am Geiste ihrer Vergangenheit zu leiden? Vor allem aber euch, die ihr es am schwersten habt, ihr Seltenen, Gefährdetsten, Geistigsten, Mutigsten, die ihr das Gewissen der modernen Seele sein müsst und als solche ihr Wissen haben müsst, in denen, was es nur heute von Krankheit, Gift und Gefahr geben kann, zusammenkommt,—deren Los es will, dass ihr kränker sein müsst als irgend ein einzelner, weil ihr nicht "nur einzelne" seid ..., deren Trost es ist, den Weg zu einer neuen Gesundheit zu wissen, ach! und zu gehen, einer Gesundheit von Morgen und Übermorgen, ihr Vorherbestimmten, ihr Siegreichen, ihr Zeit-Überwinder, ihr Gesündesten, ihr Stärksten, ihr guten Europäer! — —

7

— Dass ich schliesslich meinen Gegensatz gegen den romantischen Pessimismus, das heisst zum Pessimismus der Entbehrenden, Missglückten, Überwundenen, noch in eine Formel bringe: es gibt einen Willen zum Tragischen und zum Pessimismus, der das Zeichen ebenso sehr der Strenge als der Stärke des Intellektes (Geschmacks, Gefühls, Gewissens) ist. Man fürchtet, mit diesem Willen in der Brust, nicht das Furchtbare und Fragwürdige, das allem Dasein eignet; man sucht es selbst auf. Hinter einem solchen Willen steht der Mut, der Stolz, das Verlangen nach einem grossen Feinde.— Dies war meine pessimistische Perspektive von Anbeginn, eine neue Perspektive, wie mich dünkt? eine solche, die auch heute noch neu und fremd ist? Bis zu diesem Augenblicke halte ich an ihr fest, und, wenn man mir glauben will, ebensowohl für mich als, gelegentlich wenigstens, gegen mich ... Wollt ihr dies erst bewiesen? Aber was sonst wäre mit dieser langen Vorrede—bewiesen?
Sils-Maria,
Oberengadin,
im September 1886.

1

An die Enttäuschten der Philosophie. — Wenn ihr bisher an den höchsten Wert des Lebens geglaubt habt und euch nun enttäuscht seht, müsst ihr es denn jetzt zum niedrigsten Preise losschlagen?

2

Verwöhnt.— Man kann sich auch in bezug auf die Helligkeit der Begriffe verwöhnen: wie ekelhaft wird da der Verkehr mit den Halbklaren, Dunstigen, Strebenden, Ahnenden! Wie lächerlich und doch nicht erheiternd wirkt ihr ewiges Flattern und Haschen und doch nicht Fliegen- und Fangen-können!

3

Die Freier der Wirklichkeit. — Wer endlich merkt, wie sehr und wie lange er genarrt worden ist, umarmt aus Trotz selbst die hässlichste Wirklichkeit: so dass dieser, den Verlauf der Welt im ganzen gesehen, zu allen Zeiten die allerbesten Freier zugefallen sind,—denn die Besten sind immer am besten und längsten getäuscht worden.

4

Fortschritt der Freigeisterei. — Man kann den Unterschied der früheren und der gegenwärtigen Freigeisterei nicht besser verdeutlichen, als wenn man jenes Satzes gedenkt, den zu erkennen und auszusprechen die ganze Unerschrockenheit des vorigen Jahrhunderts nötig war und der dennoch, von der jetzigen Einsicht aus bemessen, zu einer unfreiwilligen Naivität herabsinkt,—ich meine den Satz Voltaires: "croyez-moi, mon ami, l'erreur aussi a son mérite."

5

Eine Erbsünde der Philosophen.— Die Philosophen haben zu allen Zeiten die Sätze der Menschenprüfer (Moralisten) sich angeeignet und verdorben dadurch, dass sie dieselben unbedingt nahmen und das als notwendig beweisen wollten, was von jenen nur als ungefährer Fingerzeig oder gar als land- oder stadtsässige Wahrheit eines Jahrzehnts gemeint war,—während sie gerade dadurch sich über jene zu erheben meinten. So wird man als Grundlage der berühmten Lehren Schopenhauers vom Primat des Willens vor dem Intellekt, von der Unveränderlichkeit des Charakters, von der Negativität der Lust—welche alle, so wie er sie versteht, Irrtümer sind—populäre Weisheiten finden, welche Moralisten aufgestellt haben. Schon das Wort "Wille," welches Schopenhauer zur gemeinsamen Bezeichnung vieler menschlichen Zustände umbildete und in eine Lücke der Sprache hineinstellte, zum grossen Vorteil für ihn selber, soweit er Moralist war—da es ihm nun freistand, vom "Willen" zu reden, wie Pascal von ihm geredet hatte—, schon der "Wille" Schopenhauers ist unter den Händen seines Urhebers, durch die Philosophen-Wut der Verallgemeinerung, zum Unheil für die Wissenschaft ausgeschlagen: denn dieser Wille ist zu einer poetischen Metapher gemacht, wenn behauptet wird, alle Dinge in der Natur hätten Willen; endlich ist er, zum Zwecke einer Verwendung bei allerhand mystischem Unfuge, zu einer falschen Verdinglichung gemissbraucht worden—und alle Modephilosophen sagen es nach und scheinen es ganz genau zu wissen, dass alle Dinge einen Willen hätten, ja dieser eine Wille wären (was, nach der Abschilderung, die man von diesem All-Eins-Willen macht, so viel bedeutet, als ob man durchaus den dummen Teufel zum Gotte haben wolle).

6

Wider die Phantasten.— Der Phantast verleugnet die Wahrheit vor sich, der Lügner nur vor andern.

7

Licht-Feindschaft. — Macht man jemandem klar, dass er, streng verstanden, nie von Wahrheit, sondern immer nur von Wahrscheinlichkeit und deren Graden reden könne, so entdeckt man gewöhnlich an der unverhohlenen Freude des also Belehrten, wieviel lieber den Menschen die Unsicherheit des geistigen Horizontes ist und wie sie die Wahrheit im Grunde ihrer Seele wegen ihrer Bestimmtheit hassen.— Liegt es daran, dass sie alle insgeheim selber Furcht davor haben, dass man einmal das Licht der Wahrheit zu hell auf sie fallen lasse? Sie wollen etwas bedeuten, folglich darf man nicht genau wissen, was sie sind? Oder ist es nur die Scheu vor dem allzu hellen Licht, an welches ihre dämmernden, leicht zu blendenden Fledermaus-Seelen nicht gewöhnt sind, so dass sie es hassen müssen.

8

Christen-Skepsis. — Pilatus, mit seiner Frage: was ist Wahrheit!, wird jetzt gern als Advokat Christi eingeführt, um alles Erkannte und Erkennbare als Schein zu verdächtigen und auf dem schauerlichen Hintergrunde des Nichts-wissen-könnens das Kreuz aufzurichten.

9

"Naturgesetz" ein Wort des Aberglaubens. — Wenn ihr so entzückt von der Gesetzmässigkeit in der Natur redet, so müsst ihr doch entweder annehmen, dass aus freiem, sich selbst unterwerfendem Gehorsam alle natürlichen Dinge ihrem Gesetze folgen—in welchem Falle ihr also die Moralität der Natur bewundert—; oder euch entzückt die Vorstellung eines schaffenden Mechanikers, der die kunstvollste Uhr, mit lebenden Wesen als Zierat daran, gemacht hat.— Die Notwendigkeit in der Natur wird durch den Ausdruck "Gesetzmässigkeit" menschlicher und ein letzter Zufluchtswinkel der mythologischen Träumerei.

10

Der Historie verfallen. — Die Schleier-Philosophen und Welt-Verdunkler, also alle Metaphysiker feineren und gröberen Korns, ergreift Augen-, Ohren- und Zahnschmerz, wenn sie zu argwöhnen beginnen, dass es mit dem Satze: die ganze Philosophie sei von jetzt ab der Historie verfallen, seine Richtigkeit habe. Es ist ihnen, ihrer Schmerzen wegen, zu verzeihen, dass sie nach jenem, der so spricht, mit Steinen und Unflat werfen: die Lehre selbst kann aber dadurch eine Zeitlang schmutzig und unansehnlich werden und an Wirkung verlieren.

11

Der Pessimist des Intellekts. — Der wahrhaft Freie im Geiste wird auch über den Geist selber frei denken und sich einiges Furchtbare in Hinsicht auf Quelle und Richtung desselben nicht verhehlen. Deshalb werden ihn die andern vielleicht als den ärgsten Gegner der Freigeisterei bezeichnen und mit dem Schimpf- und Schreckwort "Pessimist des Intellekts" belegen: gewohnt, wie sie sind, jemanden nicht nach seiner hervorragenden Stärke und Tugend zu nennen, sondern nach dem, was ihnen am fremdesten an ihm ist.

12

Schnappsack der Metaphysiker. — Allen denen, welche so grosstuerisch von der Wissenschaftlichkeit ihrer Metaphysik reden, soll man gar nicht antworten; es genügt, sie an dem Bündel zu zupfen, welches sie, einigermassen scheu, hinter ihrem Rücken verborgen halten; gelingt es, dasselbe zu lüpfen, so kommen die Resultate jener Wissenschaftlichkeit, zu ihrem Erröten, ans Licht: ein kleiner lieber Herrgott, eine artige Unsterblichkeit, vielleicht etwas Spiritismus und jedenfalls ein ganzer verschlungener Haufen von Armen-Sünder-Elend und Pharisäer-Hochmut.

13

Gelegentliche Schädlichkeit der Erkenntnis. — Die Nützlichkeit, welche die unbedingte Erforschung des Wahren mit sich bringt, wird fortwährend so hundertfach neu bewiesen, dass man die feinere und seltnere Schädlichkeit, an der Einzelne ihrethalben zu leiden haben, unbedingt mit in den Kauf nehmen muss. Man kann es nicht verhindern, dass der Chemiker bei seinen Versuchen sich gelegentlich vergiftet und verbrennt.— Was vom Chemiker gilt, gilt von unsrer gesamten Kultur: woraus sich, nebenbei gesagt, deutlich ergibt, wie sehr dieselbe für Heilsalben bei Verbrennungen und für das stete Vorhandensein von Gegengiften zu sorgen hat.

14

Philister-Notdurft. — Der Philister meint einen Purpurfetzen oder Turban von Metaphysik am nötigsten zu haben und will ihn durchaus nicht schlüpfen lassen: und doch würde man ihn ohne diesen Putz weniger lächerlich finden.

15

Die Schwärmer. — Mit allem, was Schwärmer zugunsten ihres Evangeliums oder ihres Meisters sagen, verteidigen sie sich selbst, so sehr sie sich auch als Richter (und nicht als Angeklagte) gebärden, weil sie unwillkürlich und fast in jedem Augenblick daran erinnert werden, dass sie Ausnahmen sind, die sich legitimieren müssen.

16

Das Gute verführt zum Leben.— Alle guten Dinge sind starke Reizmittel zum Leben, selbst jedes gute Buch, das gegen das Leben geschrieben ist.

17

Glück des Historikers. — "Wenn wir die spitzfindigen Metaphysiker und Hinterweltler reden hören, fühlen wir anderen freilich, dass wir die 'Armen im Geist' sind, aber auch, dass unser das Himmelreich des Wechsels, mit Frühling und Herbst, Winter und Sommer, und jener die Hinterwelt ist—mit ihren grauen, frostigen, unendlichen Nebeln und Schatten."— So sprach einer zu sich bei einem Gange in der Morgensonne: einer, dem bei der Historie nicht nur der Geist, sondern auch das Herz sich immer neu verwandelt und der, im Gegensatze zu den Metaphysikern, glücklich darüber ist, nicht "eine unsterbliche Seele," sondern viele sterbliche Seelen in sich zu beherbergen.

18

Drei Arten von Denkern. — Es gibt strömende, fliessende, tröpfelnde Mineralquellen; und dementsprechend drei Arten von Denkern. Der Laie schätzt sie nach der Masse des Wassers, der Kenner nach dem Gehalt des Wassers ab, also nach dem, was eben nicht Wasser in ihnen ist.

19

Das Bild des Lebens. — Die Aufgabe, das Bild des Lebens zu malen, so oft sie auch von Dichtern und Philosophen gestellt wurde, ist trotzdem unsinnig: auch unter den Händen der grössten Maler-Denker sind immer nur Bilder und Bildchen aus einem Leben, nämlich aus ihrem Leben, entstanden—und nichts anderes ist auch nur möglich. Im Werdenden kann sich ein Werdendes nicht als fest und dauernd, nicht als ein "das" spiegeln.

20

Wahrheit will keine Götter neben sich.— Der Glaube an die Wahrheit beginnt mit dem Zweifel an allen bis dahin geglaubten Wahrheiten.

21

Worüber Schweigen verlangt wird. — Wenn man von der Freigeisterei wie von einer höchst gefährlichen Gletscher- und Eismeer-Wanderung redet, so sind die, welche jenen Weg nicht gehen wollen, beleidigt, als ob man ihnen Zaghaftigkeit und schwache Knie zum Vorwurf gemacht hätte. Das Schwere, dem wir uns nicht gewachsen fühlen, soll nicht einmal vor uns genannt werden.

22

Historia in nuce.— Die ernsthafteste Parodie, die ich je hörte, ist diese: "im Anfang war der Unsinn, und der Unsinn war, bei Gott!, und Gott (göttlich) war der Unsinn."

23

Unheilbar. — Ein Idealist ist unverbesserlich: wirft man ihn aus seinem Himmel, so macht er sich aus der Hölle ein Ideal zurecht. Man enttäuschte ihn und siehe!— er wird die Enttäuschung nicht minder brünstig umarmen, als er noch jüngst die Hoffnung umarmt hat. Insofern sein Hang zu den grossen unheilbaren Hängen der menschlichen Natur gehört, kann er tragische Schicksale herbeiführen und später Gegenstand von Tragödien werden: als welche es eben mit dem Unheilbaren, Unabwendbaren, Unentfliehbaren in Menschenlos und -Charakter zu tun haben.

24

Der Beifall selber als Fortsetzung des Schauspiels. — Strahlende Augen und ein wohlwollendes Lächeln ist die Art des Beifalls, welcher der ganzen grossen Welt- und Daseinskomödie gezollt wird,—aber zugleich eine Komödie in der Komödie, welche die andern Zuschauer zum "plaudite amici" verführen soll.

25

Mut zur Langweiligkeit. — Wer den Mut nicht hat, sich und sein Werk langweilig finden zu lassen, ist gewiss kein Geist ersten Ranges, sei es in Künsten oder Wissenschaften.— Ein Spötter, der ausnahmsweise auch ein Denker wäre, könnte, bei einem Blick auf Welt und Geschichte, hinzufügen: "Gott hatte diesen Mut nicht; er hat die Dinge insgesamt zu interessant machen wollen und gemacht."

26

Aus der innersten Erfahrung des Denkers.— Nichts wird dem Menschen schwerer, als eine Sache unpersönlich zu fassen: ich meine, in ihr eben eine Sache und keine Person zu sehen: ja man kann fragen, ob es ihm überhaupt möglich ist, das Uhrwerk seines personenbildenden, personendichtenden Triebes auch nur einen Augenblick auszuhängen. Verkehrt er doch selbst mit Gedanken, und seien es die abstraktesten, so, als wären es Individuen, mit denen man kämpfen, an die man sich anschliessen, welche man behüten, pflegen, aufnähren müsse. Belauern und belauschen wir uns nur selber, in jenen Minuten, wo wir einen uns neuen Satz hören oder finden. Vielleicht missfällt er uns, weil er so trotzig, so selbstherrlich dasteht: unbewusst fragen wir uns, ob wir ihm nicht einen Gegensatz als Feind zur Seite ordnen, ob wir ihm ein "Vielleicht," ein "Mitunter" anhängen können; selbst das Wörtchen "wahrscheinlich" gibt uns eine Genugtuung, weil es die persönlich lästige Tyrannei des Unbedingten bricht. Wenn dagegen jener neue Satz in milder Form einherzieht, fein duldsam und demütig und dem Widerspruche gleichsam in die Arme sinkend, so versuchen wir es mit einer andern Probe unsrer Selbstherrlichkeit: wie, können wir diesem schwachen Wesen nicht zu Hilfe kommen, es streicheln und nähren, ihm Kraft und Fülle, ja Wahrheit und selbst Unbedingtheit geben? Ist es möglich, uns elternhaft oder ritterlich oder mitleidig gegen dasselbe zu benehmen?— Dann wieder sehen wir hier ein Urteil und dort ein Urteil entfernt voneinander, ohne sich anzusehen, ohne sich aufeinander zuzubewegen: da kitzelt uns der Gedanke, ob hier nicht eine Ehe zu stiften, ein Schluss zu ziehen sei, mit dem Vorgefühle, dass im Falle sich eine Folge aus diesem Schlusse ergibt, nicht nur die beiden ehelich verbundenen Urteile, sondern auch die Ehestifter die Ehre davon haben. Kann man aber weder auf dem Wege des Trotzes und Übelwollens, noch auf dem des Wohlwollens jenem Gedanken etwas anhaben (hält man ihn für wahr—), dann unterwirft man sich und huldigt ihm als einem Führer und Herzoge, gibt ihm einen Ehrenstuhl und spricht nicht ohne Gepränge und Stolz von ihm; denn in seinem Glanze glänzt man mit. Wehe dem, der diesen verdunkeln will; es sei denn, dass er selber uns eines Tages bedenklich wird:—dann stossen wir, die unermüdlichen "Königsmacher" (king-makers) der Geschichte des Geistes, ihn vom Throne und heben flugs seinen Gegner hinauf. Dies erwäge man und denke noch ein Stück weiter: gewiss wird niemand dann von einem "Erkenntnistriebe an und für sich" reden!— Weshalb zieht also der Mensch das Wahre dem Unwahren vor, in diesem heimlichen Kampfe mit Gedanken-Personen, in dieser meist versteckt bleibenden Gedanken-Ehestiftung, Gedanken-Staatenbegründung, Gedanken-Kinderzucht, Gedanken-Armen- und Krankenpflege? Aus dem gleichen Grunde, aus dem er die Gerechtigkeit im Verkehre mit wirklichen Personen übt: jetzt aus Gewohnheit, Vererbung und Anerziehung, ursprünglich, weil das Wahre—wie auch das Billige und Gerechte—nützlicher und ehrbringender ist als das Unwahre. Denn im Reiche des Denkens sind Macht und Ruf schlecht zu behaupten, die sich auf dem Irrtum oder der Lüge aufbauen: das Gefühl, dass ein solcher Bau irgend einmal zusammenbrechen könne, ist demütigend für das Selbstbewusstsein seines Baumeisters; er schämt sich der Zerbrechlichkeit seines Materials und möchte, weil er sich selber wichtiger als die übrige Welt nimmt, nichts tun, was nicht dauernder als die übrige Welt wäre. Im Verlangen nach der Wahrheit umarmt er den Glauben an die persönliche Unsterblichkeit, das heisst den hochmütigsten und trotzigsten Gedanken, den es gibt, verschwistert wie er ist mit dem Hintergedanken "pereat mundus, dum ego salvus sim"! Sein Werk ist ihm zu seinem ego geworden, er schafft sich selber ins Unvergängliche, allem Trotz Bietende um. Sein unermesslicher Stolz ist es, der nur die besten härtesten Steine zum Werke verwenden will, Wahrheiten also oder das, was er dafür hält. Mit Recht hat man zu allen Zeiten als "das Laster des Wissenden" den Hochmut genannt—doch würde es ohne dieses triebkräftige Laster erbärmlich um die Wahrheit und deren Geltung auf Erden bestellt sein. Darin, dass wir uns vor unsern eigenen Gedanken, Begriffen, Worten fürchten, dass wir aber auch in ihnen uns selber ehren, ihnen unwillkürlich die Kraft zuschreiben, uns belohnen, verachten, loben und tadeln zu können, darin, dass wir also mit ihnen wie mit freien geistigen Personen, mit unabhängigen Mächten verkehren, als Gleiche mit Gleichen—darin hat das seltsame Phänomen sseine Wurzel, welches ich "intellektuales Gewissen" genannt habe.— So ist auch hier etwas Moralisches höchster Gattung aus einer Schwarzwurzel herausgeblüht.

27

Die Obskuranten. — Das Wesentliche an der schwarzen Kunst des Obskurantismus ist nicht, dass er die Köpfe verdunkeln will, sondern dass er das Bild der Welt anschwärzen, unsere Vorstellung vom Dasein verdunkeln will. Dazu dient ihm zwar häufig jenes Mittel, die Aufhellung der Geister zu hintertreiben: mitunter aber gebraucht er gerade das entgegengesetzte Mittel und sucht durch die höchste Verfeinerung des Intellekts einen Überdruss an dessen Früchten zu erzeugen. Spitzfindige Metaphysiker, welche die Skepsis vorbereiten und durch ihren übermässigen Scharfsinn zum Misstrauen gegen den Scharfsinn auffordern, sind gute Werkzeuge eines feineren Obskurantismus.— Ist es möglich, dass selbst Kant in dieser Absicht verwendet werden kann? ja dass er, nach seiner eignen berüchtigten Erklärung, etwas Derartiges, wenigstens zeitweilig, gewollt hat: dem Glauben Bahn machen dadurch, dass er dem Wissen seine Schranken wies?—was ihm nun freilich nicht gelungen isst, ihm sowenig wie seinen Nachfolgern auf den Wolfs- und Fuchsgängen dieses höchst verfeinerter und gefährlichen Obskurantismus, ja des gefährlichsten: denn die schwarze Kunst erscheint hier in einer Lichthülle.

28

An welcher Art von Philosophie die Kunst verdirbt.— Wenn es den Nebeln einer metaphysisch-mystischen Philosophie gelingt, alle ästhetischen Phänomene undurchsichtbar zu machen, so folgt dann, dass sie auch untereinander unabschätzbar sind, weil jedes einzelne unerklärlich wird. Dürfen sie aber nicht einmal mehr miteinander zum Zwecke der Abschätzung verglichen werden, so entsteht zuletzt eine vollständige Unkritik, ein blindes Gewährenlassen: daraus aber wiederum eine stetige Abnahme des Genusses an der Kunst (welcher nur durch ein höchst verschärftes Schmecken und Unterscheiden sich von der rohen Stillung eines Bedürfnisses unterscheidet). Je mehr aber der Genuss abnimmt, um so mehr wandelt sich das Kunstverlangen zum gemeinen Hunger um und zurück, dem nun der Künstler durch immer gröbere Kost abzuhelfen sucht.

29

Auf Gethsemane.— Das Schmerzlichste, was der Denker zu den Künstlern sagen kann, lautet: "könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?

30

Am Webstuhle. — Den wenigen, welche eine Freude daran haben, den Knoten der Dinge zu lösen und sein Gewebe aufzutrennen, arbeiten viele entgegen (zum Beispiel alle Künstler und Frauen), ihn immer wieder neu zu knüpfen und zu verwickeln und so das Begriffne ins Unbegriffne, womöglich Unbegreifliche umzubilden. Was dabei auch sonst herauskomme—das Gewebte und Verknotete wird immer etwas unreinlich aussehen müssen, weil zu viele Hände daran arbeiten und ziehen.

31

In der Wüste der Wissenschaft. — Dem wissenschaftlichen Menschen erscheinen auf seinen bescheidenen und mühsamen Wanderungen, die oft genug Wüstenreisen sein müssen, jene glänzenden Lufterscheinungen, die man "philosophische Systeme" nennt: sie zeigen mit zauberischer Kraft der Täuschung die Lösung aller Rätsel und den frischesten Trunk wahren Lebenswassers in der Nähe; das Herz schwelgt, und der Ermüdete berührt das Ziel aller wissenschaftlichen Ausdauer und Not beinahe schon mit den Lippen, so dass er wie unwillkürlich vorwärts drängt. Freilich bleiben andere Naturen, von der schönen Täuschung wie betäubt, stehen: die Wüste verschlingt sie, für die Wissenschaft sind sie tot. Wieder andere Naturen, welche jene subjektiven Tröstungen schon öfter erfahren haben, werden wohl aufs äusserste missmutig und verfluchen den Salzgeschmack, welchen jene Erscheinungen im Munde hinterlassen und aus dem ein rasender Durst entsteht—ohne dass man nur einen Schritt damit irgend einer Quelle näher gekommen wäre.

32

Die angebliche "wirkliche Wirklichkeit."— Der Dichter stellt sich so, wenn er die einzelnen Berufsarten, z. B. die des Feldherrn, des Seidenwebers, des Seemanns schildert, als ob er diese Dinge von Grund aus kenne und ein Wissender sei; ja bei der Auseinandersetzung menschlicher Handlungen und Geschicke benimmt er sich, wie als ob er beim Ausspinnen des ganzen Weltennetzes zugegen gewesen sei; insofern ist er ein Betrüger. Und zwar betrügt er vor lauter Nichtwissenden—und deshalb gelingt es ihm: diese bringen ihm das Lob seines echten und tiefen Wissens entgegen und verleiten ihn endlich zu dem Wahne, er wisse die Dinge wirklich so gut wie der einzelne Kenner und Macher, ja wie die grosse Welten-Spinne selber. Zuletzt also wird der Betrüger ehrlich und glaubt an seine Wahrhaftigkeit. Ja die empfindenden Menschen sagen es ihm sogar ins Gesicht, er habe diehöhere Wahrheit und Wahrhaftigkeit,—sie sind nämlich der Wirklichkeit zeitweilig müde und nehmen den dichterischen Traum als eine wohltätige Ausspannung und Nacht für Kopf und Herz. Was dieser Traum ihnen zeigt, erscheint ihnen jetzt mehr wert, weil sie es, wie gesagt, wohltätiger empfinden: und immer haben die Menschen gemeint, das wertvoller Scheinende sei das Wahrere, Wirklichere. Die Dichter, die sich dieser Macht bewusst sind, gehen absichtlich darauf aus, das, was für gewöhnlich Wirklichkeit genannt wird, zu verunglimpfen und zum Unsichern, Scheinbaren, Unechten, Sünd-, Leid- und Trugvollen umzubilden; sie benutzen alle Zweifel über die Grenzen der Erkenntnis, alle skeptischen Ausschreitungen, um die faltigen Schleier der Unsicherheit über die Dinge zu breiten: damit dann, nach dieser Verdunkelung, ihre Zauberei und Seelenmagie recht unbedenklich als Weg zur "wahren Wahrheit," zur "wirklichen Wirklichkeit" verstanden werde.

33

Gerecht sein wollen und Richter sein wollen. — Schopenhauer, dessen grosse Kennerschaft für Menschliches und Allzumenschliches, dessen ursprünglicher Tatsachen-Sinn nicht wenig durch das bunte Leoparden-Fell seiner Metaphysik beeinträchtigt worden ist (welches man ihm erst abziehen muss, um ein wirkliches Moralisten-Genie darunter zu entdecken)—Schopenhauer macht jene treffliche Untterscheidung, mit der er viel mehr recht behalten wird, als er sich selber eigentlich zugestehen durfte: "die Einsicht in die strenge Notwendigkeit der menschlichen Handlungen ist die Grenzlinie, welche die philosophischen Köpfe von den andern scheidet." Dieser mächtigen Einsicht, welcher er zuzeiten offen stand, wirkte er bei sich selber durch jenes Vorurteil entgegen, welches er mit den moralischen Menschen (nicht mit den Moralisten) noch gemein hatte und das er ganz harmlos und gläubig so ausspricht: "der letzte und wahre Aufschluss über das innere Wesen des Ganzen der Dinge muss notwendig eng zusammenhängen mit dem über die ethische Bedeutsamkeit des menschlichen Handelns" — was eben durchaus nicht "notwendig" ist, vielmehr durch jenen Satz von der strengen Notwendigkeit der menschlichen Handlungen, das heisst der unbedingten Willens-Unfreiheit und -Unverantwortlichkeit, eben abgelehnt wird. Die philosophischen Köpfe werden sich also von den andern durch den Unglauben an die metaphysische Bedeutsamkeit der Moral unterscheiden: und das dürfte eine Kluft zwischen sie legen, von deren Tiefe und Unüberbrückbarkeit die so beklagte Kluft zwischen "Gebildet" und "Ungebildet," wie sie jetzt existiert, kaum einen Begriff gibt. Freilich muss noch manche Hintertüre, welche sich die "philosophischen Köpfe," gleich Schopenhauern selbst, gelassen haben, als nutzlos erkannt werden: keine führt ins Freie, in die Luft des freien Willens;jede, durch welche man bisher geschlüpft ist, zeigte dahinter wieder die ehern blinkende Mauer des Fatums: wir sind im Gefängnis, frei können wir uns nur träumen, nicht machen. Dass dieser Erkenntnis nicht lange mehr widerstrebt werden kann, das zeigen die verzweifelten und unglaublichen Stellungen und Verzerrungen derer an, welche gegen sie andringen, mit ihr noch den Ringkampf fortsetzen.— So ungefähr geht es bei ihnen jetzt zu: "also kein Mensch verantwortlich? Und alles voll Schuld und Schuldgefühl? Aber irgendwer muss doch der Sünder sein: ist es unmöglich und nicht mehr erlaubt, den einzelnen, die arme Welle im notwendigen Wellenspiele des Werdens anzuklagen und zu richten—nun denn: so sei das Wellenspiel selbsst, das Werden, der Sünder: hier ist der freie Wille, hier darf angeklagt, verurteilt, gebüsst und gesühnt werden: so sei Gott der Sünder und der Mensch sein Erlöser: so sei die Weltgeschichte Schuld, Selbstverurteilung und Selbstmord; so werde der Missetäter zum eigenen Richter, der Richter zum eigenen Henker."— Dieses auf den Kopf gestellte Christentum—was ist es denn sonst?—ist der letztte Fechter-Ausfall im Kampfe der Lehre von der unbedingten Moralität mit der von der unbedingten Unfreiheit—ein schauerliches Ding, wenn es mehr wäre als eine logische Grimasse, mehr als eine hässliche Gebärde des unterliegenden Gedankens—etwa der Todeskrampf des verzweifelnden und heilsüchtigen Herzens, dem der Wahnsinn zuflüstert: "Siehe, du bist das Lamm, das Gottes Sünde trägt."— Der Irrtum steckt nicht nur im Gefühle "ich bin verantwortlich," sondern ebenso in jenem Gegensatze "ich bin es nicht, aber irgendwer muss es doch sein."— Dies ist eben nicht wahr: der Philosoph hat also zu sagen, wie Christus, "richtet nicht!," und der letzte Unterschied zwischen den philosophischen Köpfen und den andern wäre der, dass die ersten gerecht sein wollen, die andern Richter sein wollen.

34

Aufopferung.— Ihr meint, das Kennzeichen der moralischen Handlung sei die Aufopferung?— Denkt doch nach, ob nicht bei jeder Handlung, die mit Überlegung getan wird, Aufopferung dabei ist, bei der schlechtesten wie bei der besten.

35

Gegen die Nierenprüfer der Sittlichkeit. — Man muss das Beste und das Schlechteste kennen, dessen ein Mensch fähig ist, im Vorstellen und Ausführen, um zu beurteilen, wie stark seine sittliche Natur ist und wurde. Aber jenes zu erfahren ist unmöglich.

36

Schlangenzahn.— Ob man einen Schlangenzahn habe oder nicht, weiss man nicht eher, als bis jemand die Ferse auf uns gesetzt hat. Eine Frau oder Mutter würde sagen: bis jemand die Ferse auf unsern Liebling, unser Kind gesetzt hat.— Unser Charakter wird noch mehr durch den Mangel gewisser Erlebnisse als durch das, was man erlebt, bestimmt.

37

Der Betrug in der Liebe. — Man vergisst manches aus seiner Vergangenheit und schlägt es sich absichtlich aus dem Sinn: das heisst, man will, dass unser Bild, welches von der Vergangenheit her uns anstrahlt, uns belüge. unserm Dünkel schmeichele—wir arbeiten fortwährend an diesem Selbstbetruge.— Und nun meint ihr, die ihr so viel vom "Sichselbstvergessen in der Liebe," vom "Aufgehen des Ich in der anderen Person" redet und rühmt, dies sei etwas wesentlich anderes? Also man zerbricht den Spiegel, dichtet sich in eine Person hinein, die man bewundert, und geniesst nun das neue Bild seines Ich, ob man es schon mit dem Namen der andern Person nennt—und dieser ganze Vorgang soll nicht Selbstbetrug, nicht Selbstsucht sein, ihr—Wunderlichen!— Ich denke, die, welche etwas von sich vor sich verhehlen und die, welche sich als Ganzes vor sich verhehlen, sind darin gleich, dass sie in der Schatzkammer der Erkenntnis einen Diebstahl verüben: woraus sich ergibt, vor welchem Vergehen der Satz "erkenne dich selbst" warnt.

38

An den Leugner seiner Eitelkeit. — Wer die Eitelkeit bei sich leugnet, besitzt sie gewöhnlich in so brutaler Form, dass er instinktiv vor ihr das Auge schliesst, um sich nicht verachten zu müssen.

39

Weshalb die Dummen so oft boshaft werden. — Auf Einwände des Gegners, gegen welche sich unser Kopf zu schwach fühlt, antwortet unser Herz durch Verdächtigung der Motive seiner Einwände.

40

Die Kunst der moralischen Ausnahmen. — Einer Kunst, welche die Ausnahmefälle der Moral zeigt und verherrlicht—dort, wo das Gute schlecht, das Ungerechte gerecht wird—, darf man nur selten Gehör geben: wie man von Zigeunern ab und zu etwas kauft, doch mit Scheu, dass sie nicht viel mehr entwenden, als der Gewinn beim Kaufe ist.

41

Genuss und Nicht-Genuss von Giften. — Das einzige entscheidende Argument, welches zu allen Zeiten die Menschen abgehalten hat, ein Gift zu trinken, ist nicht, dass es tötete, sondern dass es schlecht schmeckte.

42

Die Welt ohne Sündengefühle. — Wenn nur solche Taten getan würden, welche kein schlechtes Gewissen erzeugen, so sähe die menschliche Welt immer noch schlecht und schurkenhaft genug aus: aber nicht so kränklich und erbärmlich wie jetzt.— Es lebten genug Böse ohne Gewissen zu allen Zeiten: und vielen Guten und Braven fehlt das Lustgefühl des guten Gewissens.

43

Die Gewissenhaften. — Seinem Gewissen folgen ist bequemer als seinem Verstande: denn es hat bei jedem Misserfolg eine Entschuldigung und Aufheiterung in sich. Darum gibt es immer noch so viele Gewissenhafte gegen so wenig Verständige.

44

Entgegengesetzte Mittel, das Bitterwerden zu verhüten. — Dem einen Temperament ist es von Nutzen, seinen Verdruss in Worten auslassen zu können: im Reden versüsst es sich. Ein anderes Temperament kommt erst durch Aussprechen zu seiner vollen Bitterkeit: ihm ist es rätlicher, etwas hinunterschlucken zu müssen: der Zwang, den Menschen solcher Art sich vor Feinden oder Vorgesetzten antun, verbessert ihren Charakter und verhütet, dass er allzu scharf und sauer wird.

45

Nicht zu schwer nehmen. — Sich wund liegen ist unangenehm, aber doch kein Beweis gegen die Güte der Kur, nach der man bestimmt wurde, sich zu Bett zu legen.— Menschen, die lange ausser sich lebten und endlich sich dem philosophischen Innen- und Binnenleben zuwandten, wissen, dass es auch ein Sich-wund-liegen von Gemüt und Geist gibt. Dies ist also kein Argument gegen die gewählte Lebensweise im ganzen, macht aber einige kleine Ausnahmen und scheinbare Rückfälligkeiten nötig.

46

Das menschliche "Ding an sich."— Das verwundbarste Ding und doch das unbesiegbarste ist die menschliche Eitelkeit: ja, durch die Verwundung wächst seine Kraft und kann zuletzt riesengross werden.

47

Die Posse vieler Arbeitsamen. — Sie erkämpfen durch ein Übermass von Anstrengung sich freie Zeit und wissen nachher nichts mit ihr anzufangen als die Stunden abzuzählen, bis sie abgelaufen sind.

48

Viel Freude haben. — Wer viel Freude hat, muss ein guter Mensch sein: aber vielleicht ist er nicht der klügste, obwohl er gerade das erreicht, was der Klügste mit aller seiner Klugheit erstrebt.

49

Im Spiegel der Natur. — Ist ein Mensch nicht ziemlich genau beschrieben, wenn man hört, dass er gern zwischen gelben hohen Kornfeldern geht, dass er die Waldes- und Blumenfarben des abglühenden und vergilbten Herbstes allen andern vorzieht, weil sie auf Schöneres hindeuten als der Natur je gelingt, dass er unter grossen fettblättrigen Nussbäumen sich ganz heimisch wie unter Blutsverwandten fühlt, dass im Gebirge seine grösste Freude ist, jenen kleinen abgelegenen Seen zu begegnen, aus denen ihn die Einsamkeit selber mit ihren Augen anzusehen scheint, dass er jene graue Ruhe der Nebel-Dämmerung liebt, welche an Herbst- und Frühwinter-Abenden an die Fenster heranschleicht und jedes seelenlose Geräusch wie mit Samtvorhängen ausschliesst, dass er unbehauenes Gestein als übrig gebliebene, der Sprache begierige Zeugen der Vorzeit empfindet und von Kind an verehrt, und zuletzt, dass ihm das Meer mit seiner beweglichen Schlangenhaut und Raubtier-Schönheit fremd ist und bleibt?— Ja, etwas von diesem Menschen ist allerdings damit beschrieben: aber der Spiegel der Natur sagt nichts darüber, dass derselbe Mensch, bei aller seiner idyllischen Empfindsamkeit (und nicht einmal "trotz ihrer"), ziemlich lieblos, knauserig und eingebildet sein könnte. Horaz, der sich auf dergleichen Dinge verstand, hat das zarteste Gefühl für das Landleben einem römischen Wucherer in Mund und Seele gelegt, in dem berühmten "beatus ille qui procul negotiis."

50

Macht ohne Siege. — Die stärkste Erkenntnis (die von der völligen Unfreiheit des menschlichen Willens) ist doch die ärmste an Erfolgen: denn sie hat immer den stärksten Gegner, die menschliche Eitelkeit.

51

Lust und Irrtum.— Der eine teilt sich unwillkürlich durch sein Wesen an seine Freunde wohltätig mit, der andere willkürlich durch einzelne Handlungen. Ob gleich das erstere als das Höhere gilt, so ist doch nur das zweite mit dem guten Gewissen und der Lust verknüpft—nämlich mit der Lust der Werkheilligkeit, welche auf dem Glauben an die Willkür unsres Gut- und Schlimmtuns, das heisst auf einem Irrtum ruht.

52

Es ist töricht, Unrecht zu tun. — Eignes Unrecht, das man zugefügt hat, ist viel schwerer zu tragen als fremdes, das einem zugefügt wurde (nicht gerade aus moralischen Gründen, wohlgemerkt—); der Täter ist eigentlich immer der Leidende, wenn er nämlich entweder den Gewissensbissen zugänglich ist oder der Einsicht, dass er die Gesellschaft gegen sich durch seine Handlung bewaffnet und sich isoliert habe. Deshalb sollte man sich, schon seines inneren Glückes wegen, also um seines Wohlbehagens nicht verlustig zu gehen, ganz abgesehen von allem, was Religion und Moral gebieten, vor dem Unrecht-Tun in acht nehmen, mehr noch als vor dem Unrecht-Erfahren: denn letzteres hat den Trost des guten Gewissens, der Hoffnung auf Rache, auf Mitleiden und Beifall der Gerechten, ja der ganzen Gesellschaft, welche sich vor dem Übeltäter fürchtet.— Nicht wenige verstehen sich auf die unsaubere Selbstüberlistung, jedes eigne Unrecht in ein fremdes, ihnen zugefügtes umzumünzen und für das, was sie selber getan haben, sich das Ausnahmerecht der Notwehr zur Entschuldigung vorzubehalten: um auf diese Weise viel leichter an ihrer Last zu tragen.

53

Neid mit oder ohne Mundstück. — Der gewöhnliche Neid pflegt zu gackern, sobald das beneidete Huhn ein Ei gelegt hat: er erleichtert sich dabei und wird milder. Es gibt aber einen noch tieferen Neid: der wird in solchem Falle totenstill, und wünschend, dass jetzt jeder Mund versiegelt würde, immer wütender darüber, dass dies gerade nicht geschieht. Der schweigende Neid wächst im Schweigen.

54

Der Zorn als Spion. — Der Zorn schöpft die Seele aus und bringt selbst den Bodensatz ans Licht. Man muss deshalb, wenn man sonst sich nicht Klarheit zu schaffen weiss, seine Umgebung, seine Anhänger und Gegner in Zorn zu versetzen wissen, um zu erfahren, was im Grunde alles wider uns geschieht und gedacht wird.

55

Die Verteidigung moralisch schwieriger als der Angriff. — Das wahre Helden- und Meisterstück des guten Menschen liegt nicht darin, dass er die Sache angreift und die Person fortfährt zu lieben, sondern in dem viel schwereren, seine eigne Sache zu verteidigen, ohne dass man der angreifenden Person bitteres Herzeleid mache und machen wolle. Das Schwert des Angriffs ist ehrlich und breit, das der Verteidigung läuft gewöhnlich in eine Nadel aus.

56

Ehrlich gegen die Ehrlichkeit. — Einer, der gegen sich öffentlich ehrlich ist, bildet sich zu allerletzt etwas auf diese Ehrlichkeit ein: denn er weiss nur zu gut, warum er ehrlich ist—aus demselben Grunde, aus dem ein anderer den Schein und die Verstellung vorzieht.

57

Glühende Kohlen. — Glühende Kohlen auf des andern Haupt sammeln wird gewöhnlich missverstanden und schlägt fehl, weil der andere sich ebenfalls im Besitze des Rechts weiss und auch seinerseits an das Kohlensammeln gedacht hat.

58

Gefährliche Bücher. — Da sagt einer "ich merke es an mir selber: dies Buch ist schädlich." Aber er warte nur ab und vielleicht gesteht er sich eines Tages, dass dasselbe Buch ihm einen grossen Dienst erwies, indem es die versteckte Krankheit seines Herzens hervortrieb und in die Sichtbarkeit brachte.— Veränderte Meinungen verändern den Charakter eines Menschen nicht (oder ganz wenig); wohl aber beleuchten sie einzelne Seiten des Gestirns seiner Persönlichkeit, welche bisher, bei einer andern Konstellation von Meinungen, dunkel und unerkennbar geblieben waren.

59

Geheucheltes Mitleiden.— Man heuchelt Mitleiden, wenn man über das Gefühl der Feindseligkeit sich erhaben zeigen will: aber gewöhnlich umsonst. Dies bemerkt man nicht ohne ein starkes Zunehmen jener feindseligen Empfindung.

60

Offner Widerspruch oft versöhnend. — Im Augenblick, wo einer seine Differenz der Lehrmeinung in Hinsicht auf einen berühmten Parteiführer oder Lehrer öffentlich zu erkennen gibt, glaubt alle Welt, er müsse ihm gram sein. Mitunter hört er aber gerade da auf, ihm gram zu sein: er wagt es, sich selber neben ihn aufzustellen, und ist die Qual der unausgesprochenen Eifersucht los.

61

Sein Licht leuchten sehen. — Im verfinsterten Zustande von Trübsal, Krankheit, Verschuldung sehen wir es gern, wenn wir anderen noch leuchten und sie an uns die helle Mondesscheibe wahrnehmen. Auf diesem Umwege nehmen wir an unserer eigenen Fähigkeit zu erhellen Anteil.

62

Mitfreude.— Die Schlange, die uns sticht, meint uns wehe zu tun und freut sich dabei; das niedrigste Tier kann sich fremden Schmerz vorstellen. Aber fremde Freude sich vorstellen und sich dabei freuen ist das höchste Vorrecht der höchsten Tiere und wieder unter ihnen nur den ausgesuchtesten Exemplaren zugänglich—also ein seltenes humanum: so dass es Philosophen gegeben hat, welche die Mitfreude geleugnet haben.

63

Nachträgliche Schwangerschaft. — Die, welche zu ihren Werken und Taten gekommen sind, sie wissen nicht wie, gehen gewöhnlich hinterher um so mehr mit ihnen schwanger: wie, um nachträglich zu beweisen, dass es ihre Kinder und nicht die des Zufalls sind.

64

Aus Eitelkeit hartherzig.— Wie Gerechtigkeit so häufig der Deckmantel der Schwäche ist, so greifen billig denkende, aber schwache Menschen mitunter aus Ehrgeiz zur Verstellung und benehmen sich ersichtlich ungerecht und hart, um den Eindruck der Stärke zu hinterlassen.

65

Demütigung. — Findet jemand in einem geschenkten Sack Vorteil auch nur ein Korn Demütigung, so macht er doch noch eine böse Miene zum guten Spiele.

66

Äusserstes Herostratentum.— Es könnte Herostrate geben, welche den eignen Tempel anzündeten, in dem ihre Bilder verehrt werden.

67

Die Diminutiv-Welt. — Der Umstand, dass alles Schwache und Hilfsbedürftige zu Herzen spricht, bringt die Gewohnheit mit sich, dass wir alles, was uns zu Herzen spricht, mit Verkleinerungs- und Abschwächungsworten bezeichnen—also, für unsere Empfindung schwach und hilfsbedürftig machen.

68

Üble Eigenschaft des Mitleidens. — Das Mitleiden hat eine eigene Unverschämtheit als Gefährtin: denn weil es durchaus helfen möchte, ist es weder über die Mittel der Heilung, noch über Art und Ursache der Krankheit in Verlegenheit und quacksalbert mutig auf die Gesundheit und den Ruf seines Patienten los.

69

Zudringlichkeit.— Es gibt auch eine Zudringlichkeit gegen Werke; und sich als Jüngling schon nachahmend zu den erlauchtesten Werken aller Zeiten mit der Vertraulichkeit des Du und Du zu gesellen, beweist einen völligen Mangel an Scham.— Andre sind nur aus Ignoranz zudringlich: sie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben—so nicht selten junge und alte Philologen im Verhältnis zu den Werken der Griechen.

70

Der Wille schämt sich des Intellektes. — Mit aller Kälte machen wir vernünftige Entwürfe gegen unsre Affekte: dann aber begehen wir die gröbsten Fehler dagegen, weil wir uns häufig im Augenblick, wo der Vorsatz ausgeführt werden sollte, jener Kälte und Besonnenheit schämen, mit der wir ihn fassten. Und so tut man dann gerade das Unvernünftige, aus jener Art trotziger Grossherzigkeit, welche jeder Affekt mit sich bringt.

71

Warum die Skeptiker der Moral missfallen. — Wer seine Moralität hoch und schwer nimmt, zürnt den Skeptikern auf dem Gebiete der Moral: denn dort, wo er alle seine Kraft aufwendet, soll man staunen, aber nicht untersuchen und zweifeln.— Dann gibt es Naturen, deren letzter Rest von Moralität eben der Glaube an Moral ist: sie benehmen sich ebenso gegen die Skeptiker, womöglich noch leidenschaftlicher.

72

Schüchternheit. — Alle Moralisten sind schüchtern, weil sie wissen, dass sie mit Spionierern und Verrätern verwechselt werden, sobald man ihren Hang ihnen anmerkt. Sodann sind sie sich überhaupt bewusst, im Handeln unkräftig zu sein: denn mitten im Werke ziehen die Motive ihres Tuns ihre Aufmerksamkeit fast vom Werke ab.

73

Eine Gefahr für die allgemeine Moralität. — Menschen, die zugleich edel und ehrlich sind, bringen es zu Wege, jede Teufelei, welche ihre Ehrlichkeit ausheckt, zu vergöttlichen und die Waage des moralischen Urteils eine Zeitlang stillzustellen.

74

Bitterster Irrtum. — Es beleidigt unversöhnlich, zu entdecken, dass man dort, wo man überzeugt war geliebt zu sein nur als Hausgerät und Zimmerschmuck betrachtet wurde, an dem der Hausherr vor Gästen seine Eitelkeit auslassen kann.

75

Liebe und Zweiheit. — Was ist denn Liebe anders als verstehen und sich darüber freuen, dass ein andrer in andrer und entgegengesetzter Weise als wir lebt, wirkt und empfindet? Damit die Liebe die Gegensätze durch Freude überbrücke, darf sie dieselben nicht aufheben, nicht leugnen.— Sogar die Selbsthilfe enthält die unvermischbare Zweiheit (oder Vielheit) in einer Person als Voraussetzung.

76

Aus dem Traume deuten. — Was man mitunter im Wachen nicht genau weiss und fühlt—ob man gegen eine Person ein gutes oder ein schlechtes Gewissen habe—darüber belehrt völlig unzweideutig der Traum.

77

Ausschweifung. Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude, sondern die Freudlosigkeit.

78

Strafen und belohnen. — Niemand klagt an, ohne den Hintergedanken an Strafe und Rache zu haben—selbst wenn man sein Schicksal, ja sich selber anklagt.— Alles Klagen ist Anklagen, alles Sich-freuen ist Loben: wir mögen das eine oder das andere tun, immer machen wir jemanden verantwortlich.

79

Zweimal ungerecht. — Wir fördern mitunter die Wahrheit durch eine doppelte Ungerechtigkeit, dann nämlich, wenn wir die beiden Seiten einer Sache, die wir nicht imstande sind zusammen zu sehen, hintereinander sehen und darstellen, doch so, dass wir jedesmal die andre Seite verkennen oder leugnen, im Wahne, das, was wir sehen, sei die ganze Wahrheit.

80

Misstrauen. — Das Misstrauen an sich selber geht nicht mehr unsicher und scheu daher, sondern mitunter wie tollwütig: es hat sich berauscht, um nicht zu zittern.

81

Philosophie des Parvenu.— Will man einmal eine Person sein, so muss man auch seinen Schatten in Ehren halten.

82

Sich rein zu waschen verstehen. — Man muss lernen, aus unreinlichen Verhältnissen reinlicher hervorzugehen, und sich, wenn es not tut, auch mit schmutzigem Wasser waschen.

83

Sich gehen lassen.— Je mehr sich einer gehen lässt um so weniger lassen ihn die andern gehen.

84

Der unschuldige Schuft. — Es gibt einen langsamen schrittweisen Weg zu Laster und Schurkenhaftigkeit jeder Art. Am Ende desselben haben den, welcher ihn geht, die Insekten-Schwärme des schlechten Gewissens völlig verlassen, und er wandelt, obschon ganz verrucht, doch in Unschuld.

85

Pläne machen. — Pläne machen und Vorsätze fassen bringt viel gute Empfindungen mit sich; und wer die Kraft hätte, sein ganzes Leben lang nichts als ein Pläne-Schmiedender zu sein, wäre ein sehr glücklicher Mensch; aber er wird sich gelegentlich von dieser Tätigkeit ausruhen müssen dadurch, dass er einen Plan ausführt—und da kommt der Ärger und die Errnüchterung.

86

Womit wir das Ideal sehen. — Jeder tüchtige Mensch ist verrannt in seine Tüchtigkeit und kann aus ihr nicht frei hinausblicken. Hätte er sonst nicht sein gut Teil von Unvollkommenheit, er könnte seiner Tugend halber zu keiner geistig-sittlichen Freiheit kommen. Unsre Mängel sind die Augen, mit denen wir das Ideal sehen.

87

Unehrliches Lob. — Unehrliches Lob macht hinterdrein viel mehr Gewissensbisse als unehrlicher Tadel, wahrscheinlich nur deshalb, weil wir durch zu starkes Loben unsere Urteilsfähigkeit viel stärker blossgestellt haben als durch zu starkes, selbst ungerechtes Tadeln.

88

Wie man stirbt, ist gleichgültig. — Die ganze Art, wie ein Mensch während seines vollen Lebens, seiner blühenden Kraft an den Tod denkt, ist freilich sehr sprechend und zeugnisgebend für das, was man seinen Charakter nennt; aber die Stunde des Sterbens selber, seine Haltung auf dem Totenbette ist fast gleichgültig dafür. Die Erschöpfung des ablaufenden Daseins, namentlich wenn alte Leute sterben, die unregelmässige oder unzureichende Ernährung des Gehirns während dieser letzten Zeit, das gelegentlich sehr Gewaltsame des Schmerzes, das Unerprobte und Neue des ganzen Zustandes und gar zu häufig der An- und Rückfall von abergläubischen Eindrücken und Beängstigungen, als ob am Sterben viel gelegen sei und hier Brücken schauerlichster Art überschritten würden,—dies alles erlaubt es nicht, das Sterben als Zeugnis über den Lebenden zu benutzen. Auch ist es nicht wahr, dass der Sterbende im allgemeinen ehrlicher wäre als der Lebende: vielmehr wird fast jeder durch die feierliche Haltung der Umgebenden, die zurückgehaltnen oder fliessenden Tränen- und Gefühlsbäche zu einer bald bewussten, bald unbewussten Komödie der Eitelkeit verführt. Der Ernst, mit dem jeder Sterbende behandelt wird, ist gewiss gar manchem armen verachteten Teufel der feinste Genuss seines ganzen Lebens und eine Art Schadenersatz und Abschlagszahlung für viele Entbehrungen gewesen.

89

Die Sitte und ihr Opfer. — Der Ursprung der Sitte geht auf zwei Gedanken zurück: "die Gemeinde ist mehr wert als der einzelne" und "der dauernde Vorteil ist dem flüchtigen vorzuziehen"; woraus sich der Schluss ergibt, dass der dauernde Vorteil der Gemeinde unbedingt dem Vorteile des einzelnen, namentlich seinem momentanen Wohlbefinden, aber auch seinem dauernden Vorteile und selbst seinem Weiterleben voranzustellen sei. Ob nun der einzelne von einer Einrichtung leide, die dem Ganzen frommt, ob er an ihr verkümmre, ihretwegen zugrunde gehe—die Sitte muss erhalten, das Opfer gebracht werden. Eine solche Gesinnung entsteht aber nur in denen, welche nicht das Opfer sind—denn dieses macht in seinem Falle geltend, dass der einzelne mehr wert sein könne als viele, ebenso dass der gegenwärtige Genuss, der Augenblick im Paradiese vielleicht höher anzuschlagen sei als eine matte Fortdauer von leidlichen oder wohlhäbigen Zuständen. Die Philosophie des Opfertiers wird aber immer zu spät laut: und so bleibt es bei der Sitte und der Sittlichkeit: als welche eben nur die Empfindung für den ganzen Inbegriff von Sitten ist, unter denen man lebt und erzogen wurde—und zwar erzogen nicht als einzelner, sondern als Glied eines Ganzen, als Ziffer einer Majorität.— So kommt es fortwährend vor, dasss der einzelne sich selbst, vermittels seiner Sittlichkeit, majorisiert.

90

Das Gute und das gute Gewissen. — Ihr meint, alle guten Dinge hätten zu aller Zeit ein gutes Gewissen gehabt?— Die Wissenschaft, also gewisslich etwas sehr Gutes, ist ohne ein solches und ganz bar alles Pathos in die Welt getreten, vielmehr heimlich, auf Umwegen, mit verhülltem oder maskiertem Haupte einherziehend, gleich einer Verbrecherin, und immer mindestens mit dem Gefühle einer Schleichhändlerin. Das gute Gewissen hat als Vorstufe das böse Gewissen—nicht als Gegensatz: denn alles Gute ist einmal neu, folglich ungewohnt, wider die Sitte, unsittlich gewesen und nagte im Herzen des glücklichen Erfinders wie ein Wurm.

91

Der Erfolg heiligt die Absichten. — Man scheue sich nicht, den Weg zu einer Tugend zu gehen, selbst wenn man deutlich einsieht, dass nichts als Egoismus—also Nutzen, persönliches Behagen, Furcht, Rücksicht auf Gesundheit, auf Ruf oder Ruhm—die dazu treibenden Motive sind. Man nennt diese Motive unedel und selbstisch: gut, aber wenn sie uns zu einer Tugend, zum Beispiel Entsagung, Pflichttreue, Ordnung, Sparsamkeit, Mass und Mitte anreizen, so höre man ja auf sie, wie auch ihre Beiworte lauten mögen! Erreicht man nämlich das, wozu sie rufen, so veredelt die erreichte Tugend, vermöge der reinen Luft, die sie atmen lässt, und des seelischen Wohlgefühls, das sie mitteilt, immerfort die ferneren Motive unseres Handelns, und wir tun dieselben Handlungen später nicht mehr aus den gleichen gröbern Motiven, welche uns früher dazu führten.— Die Erziehung soll deshalb die Tugenden, so gut es geht, erzwingen, je nach der Natur des Zöglings: die Tugend selber, als die Sonnen- und Sommerluft der Seele, mag dann ihr eigenes Werk daran tun und Reife und Süssigkeit hinzuschenken.

92

Christentümler, nicht Christen.— Das wäre also euer Christentum!— Um Menschen zu ärgern, preeist ihr "Gott und seine Heiligen," und wiederum, wenn ihr Menschen preisen wollt, so treibt ihr es so weit, dass Gott und seine Heiligen sich ärgern müssen.— Ich wollte, ihr lerntet wenigstens diee christlichen Manieren, da es euch so an der Manierlichkeit des christlichen Herzens gebricht.

93

Natureindruck der Frommen und Unfrommen. — Ein ganz frommer Mensch muss uns ein Gegenstand der Verehrung sein: aber ebenso ein ganzer aufrichtiger durchdrungener Unfrommer. Ist man bei Menschen der letzteren Art wie in der Nähe des Hochgebirges, wo die kräftigsten Ströme ihren Ursprung haben, so bei den Frommen wie unter saftvollen, breitschattigen, ruhigen Bäumen.

94

Justizmorde. — Die zwei grössten Justizmorde in der Weltgeschichte sind, ohne Umschweife gesprochen, verschleierte und gut verschleierte Selbstmorde. In beiden Fällen wollte man sterben; in beiden Fällen liess man sich das Schwert durch die Hand der menschlichen Ungerechtigkeit in die Brust stossen.

95

"Liebe."— Der feinste Kunstgriff, welchen das Christentum vor den übrigen Religionen voraushat, ist ein Wort: es redete von Liebe. So wurde es die lyrische Religion (während in seinen beiden anderen Schöpfungen das Semitentum der Welt heroisch-epische Religionen geschenkt hat). Es ist in dem Worte Liebe etwas so Vieldeutiges, Anregendes, zur Erinnerung, zur Hoffnung Sprechendes, dass auch die niedrigste Intelligenz und das kälteste Herz noch etwas von dem Schimmer dieses Wortes fühlt. Das klügste Weib und der gemeinste Mann denken dabei an die verhältnismässig uneigennützigsten Augenblicke ihres gesamten Lebens, selbst wenn Eros nur einen niedrigen Flug bei ihnen genommen hat; und jene Zahllosen, welche Liebe vermissen, von seiten der Eltern, Kinder oder Geliebten, namentlich aber die Menschen der sublimierten Geschlechtlichkeit, haben im Christentum ihren Fund gemacht.

96

Das erfüllte Christentum. — Es gibt auch innerhalb des Christentums eine epikureische Gesinnung, ausgehend von dem Gedanken, dass Gott von dem Menschen, seinem Geschöpf und Ebenbilde, nur verlangen könne, was diesem zu erfüllen möglich sein müsse, dass also christliche Tugend und Vollkommenheit erreichbar und oft erreicht sei. Nun macht zum Beispiel der Glaube, seine Feinde zu lieben—selbst wenn es eben nur Glaube, Einbilldung und durchaus keine psychologische Wirklichkeit (also keine Liebe) ist—, unbedingt glücklich, solange er wirklich geglaubt wird (warum? darüber werden freilich Psycholog und Christ verschieden denken). Und so möchte das irdische Leben durch den Glauben, ich meine die Einbildung, nicht nur jenem Anspruche, seine Feinde zu lieben, sondern allen übrigen christlichen Ansprüchen zu genügen und die göttliche Vollkommenheit nach der Aufforderung "seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist" wirklich sich angeeignet und einverleibt zu haben, in der Tat zu einem seligen Leben werden. Der Irrtum kann also die Verheissung Christi zur Wahrheit machen.

97

Von der Zukunft des Christentums. — Über das Verschwinden des Christentums und darüber, in welchen Gegenden es am langsamsten weichen wird, kann man sich eine Vermutung gestatten, wenn man erwägt, aus welchen Gründen und wo der Protestantismus so ungestüm um sich griff. Er verhiess bekanntlich alles dasselbe weit billiger zu leisten, was die alte Kirche leistete, also ohne kostspielige Seelenmessen, Wallfahrten, Priester-Prunk und Üppigkeit; er verbreitete sich namentlich bei den nördlichen Nationen, welche nicht so tief in der Symbolik und Formenlust der alten Kirche eingewurzelt waren als die des Südens: bei diesen lebte ja im Christentum das viel mächtigere religiöse Heidentum fort, während im Norden das Christentum einen Gegensatz und Bruch mit dem Altheimischen bedeutete und deshalb mehr gedankenhaft als sinnfällig von Anfang an war, eben deshalb aber auch, zu Zeiten der Gefahr, fanatischer und trotziger. Gelingt es, vom Gedanken aus das Christentum zu entwurzeln, so liegt auf der Hand, wo es anfangen wird, zu verschwinden: also gerade dort, wo es auch am allerhärtesten sich wehren wird. Anderwärts wird es sich beugen, aber nicht brechen, entblättert werden, aber wieder Blätter ansetzen—weil dort die Sinne und nicht die Gedanken für dasselbe Partei genommen haben. Die Sinne aber sind es, welche auch den Glauben unterhalten, dass mit allem Kostenaufwand der Kirche doch immer noch billiger und bequemer gewirtschaftet werde als mit den strengen Verhältnissen von Arbeit und Lohn: denn welches Preises hält man die Musse (oder die halbe Faulheit) für wert, wenn man sich erst an sie gewöhnt hat! Die Sinne wenden gegen eine entchristlichte Welt ein, dass in ihr zu viel gearbeitet werden müsse, und der Ertrag an Musse zu klein sei: sie nehmen die Partei der Magie, dass heisst—sie lassen lieber Gott für sich arbeiten (oremus nos, deus laborabit!).

98

Schauspielerei und Ehrlichkeit der Ungläubigen. — Es gibt kein Buch, welches das, was jedem Menschen gelegentlich wohltut,—schwärmerische, opfer- und todbereite Glücks-Innigkeit im Glauben und Schauen seiner "Wahrheit"—so reichlich enthielte, so treuherzig ausdrückte als das Buch, welches von Christus redet: aus ihm kann ein Kluger alle Mittel lernen, wodurch ein Buch zum Weltbuch, zum Jedermanns-Freund gemacht werden kann, namentlich jenes Meister-Mittel, alles als gefunden, nichts als kommend und ungewiss hinzustellen. Alle wirkungsvollen Bücher versuchen, einen ähnlichen Eindruck zu hinterlassen, als ob der weiteste geistige und seelische Horizont hier umschrieben sei und um die hier laufende Sonne sich jedes gegenwärtige und zukünftige Gestirn drehen müsse.— Muss also nicht aus demselben Grunde, aus dem solche Bücher wirkungsvoll sind, jedes rein wissenschaftliche Buch wirkungsarm sein? Ist es nicht verurteilt, niedrig und unter Niedrigen zu leben, um endlich gekreuzigt zu werden und nie wieder aufzuerstehen? Sind im Verhältnis zu dem, was die Religiösen von ihrem "Wissen," von ihrem "heiligen" Geiste verkünden, nicht alle Redlichen der Wissenschaft "arm im Geiste"? Kann irgend eine Religion mehr Entsagung verlangen, unerbittlicher den Selbstsüchtigen aus sich hinausziehen als die Wissenschaft?— — So und ähnlich und jedenfalls mit einiger Schauspielerei mögen wir reden, wenn wir uns vor den Gläubigen zu verteidigen haben; denn es ist kaum möglich, eine Verteidigung ohne etwas Schauspielerei zu führen. Unter uns aber muss die Sprache ehrlicher sein: wir bedienen uns da einer Freiheit, welche jene nicht einmal, ihres eigenen Interesses halber, verstehen dürfen. Weg also mit der Kapuze der Entsagung! der Miene der Demut! Viel mehr und viel besser: so klingt unsere Wahrheit! Wenn die Wissenschaft nicht an die Lust der Erkenntnis, an den Nutzen des Erkannten geknüpft wäre, was läge uns an der Wissenschaft? Wenn nicht ein wenig Glaube, Liebe und Hoffnung unsere Seele zur Erkenntnis hinführte, was zöge uns sonst zur Wissenschaft? Und wenn zwar in der Wissenschaft das Ich nichts zu bedeuten hat, so bedeutet das erfinderische glückliche Ich, ja selbst schon jedes redliche und fleissige Ich, sehr viel in der Republik der Wissenschafts-Menschen. Achtung der Achtung-Gebenden, Freude solcher, welchen wir wohlwollen oder die wir verehren, unter Umständen Ruhm und eine mässige Unsterblichkeit der Person ist der persönliche Preis für jene Entpersönlichung, von geringeren Aussichten und Belohnungen hier zu schweigen, obschon gerade ihrethalben die meisten den Gesetzen jener Republik und überhaupt der Wissenschaft zugeschworen haben und immerfort zuzuschwören pflegen. Wenn wir nicht in irgend einem Masse unwissenschaftliche Menschen geblieben wären, was könnte uns auch nur an der Wissenschaft liegen! Alles in allem genommen und rund glatt und voll ausgesprochen:für ein rein erkennendes Wesen wäre die Erkenntnis gleichgültig. — Von den Frommen und Gläubigen untterscheidet uns nicht die Qualität, sondern die Quantität Glaubens und Frommseins; wir sind mit wenigerem zufrieden. Aber werden jene uns zurufen—so seid auch zufrieden und gebt euch auch als zufrieden!—worauf wir leicht antworten dürften: "In der Tat, wir gehören nicht zu den Unzufriedensten. Ihr aber, wenn euer Glaube euch selig macht, so gebt euch auch als selig! Eure Gesichter sind immer eurem Glauben schädlicher gewesen als unsere Gründe! Wenn jene frohe Botschaft eurer Bibel euch ins Gesicht geschrieben wäre, ihr brauchtet den Glauben an die Autorität dieses Buches nicht so halsstarrig zu fordern: eure Worte, eure Handlungen sollte die Bibel fortwährend überflüssig machen, eine neue Bibel sollte durch euch fortwährend entstehen! So aber hat alle eure Apologie des Christentums ihre Wurzel in eurem Unchristentum; mit eurer Verteidigung schreibt ihr eure eigne Anklageschrift. Solltet ihr aber wünschen, aus diesem eurem Ungenügen am Christentum herauszukommen, so bringt euch doch die Erfahrung von zwei Jahrtausenden zur Erwägung: welche, in bescheidene Frageform gekleidet, so klingt: "wenn Christus wirklich die Absicht hatte, die Welt zu erlösen, sollte es ihm nicht misslungen sein?"

99

Der Dichter als Wegzeiger für die Zukunft. — So viel noch überschüssige dichterische Kraft unter den jetzigen Menschen vorhanden ist, welche bei der Gestaltung des Lebens nicht verbraucht wird, so viel sollte, ohne jeden Abzug, einem Ziele sich weihen, nicht etwa der Abmalung des Gegenwärtigen, der Wiederbeseelung und Verdichtung der Vergangenheit, sondern dem Wegweisen für die Zukunft:—und dies nicht in dem Verstande, als ob der Dichter gleich einem phantastischen Nationalökonomen günstigere Volks- und Gesellschafts-Zustände und deren Ermöglichung im Bilde vorwegnehmen sollte. Vielmehr wird er, wie früher die Künstler an den Götterbildern fortdichteten, so an dem schönen Menschenbilde fortdichten und jene Fälle auswittern, wo mitten in unserer modernen Welt und Wirklichkeit, wo ohne jede künstliche Abwehr und Entziehung von derselben, die schöne grosse Seele noch möglich ist, dort wo sie sich auch jetzt noch in harmonische, ebenmässige Zustände einzuverleiben vermag, durch sie Sichtbarkeit, Dauer und Vorbildlichkeit bekommt und also, durch Erregung von Nachahmung und Neid, die Zukunft schaffen hilft. Dichtungen solcher Dichter würden dadurch sich auszeichnen, dass sie gegen die Luft und Glut der Leidenschaften abgeschlossen und verwahrt erschienen: der unverbesserliche Fehlgriff, das Zertrümmern des ganzen menschlichen Saitenspiels, Hohnlachen und Zähneknirschen und alles Tragische und Komische im alten gewohnten Sinne würde in der Nähe dieser neuen Kunst als lästige archaisierende Vergröberung des Menschen-Bildes empfunden werden. Kraft, Güte, Milde, Reinheit und ungewolltes, eingeborenes Mass in den Personen und deren Handlungen: ein geebneter Boden, welcher dem Fusse Ruhe und Lust gibt: ein leuchtender Himmel auf Gesichtern und Vorgängen sich abspiegelnd: das Wissen und die Kunst zu neuer Einheit zusammengeflossen: der Geist ohne Anmassung und Eifersucht mit seiner Schwester, der Seele, zusammenwohnend und aus dem Gegensätzlichen die Grazie des Ernstes, nicht die Ungeduld des Zwiespaltes herauslockend:—dies alles wäre das Umschliessende, Allgemeine, Goldgrundhafte, auf dem jetzt erst die zarten Unterschiede der verkörperten Ideale das eigentliche Gemälde—das der immer wachsenden menschlichen Hoheit—machen würden.— Von Goethe aus führt mancher Weg in diese Dichtung der Zukunft: aber es bedarf guter Pfadfinder und vor allem einer weit grössern Macht, als die jetzigen Dichter, das heisst die unbedenklichen Darsteller des Halbtiers und der mit Kraft und Natur verwechselten Unreife und Unmässigkeit, besitzen.

100

Die Muse als Penthesilea. — "Lieber verwesen als ein Weib sein, das nicht reizt." Wenn die Muse erst einmal so denkt, so ist das Ende ihrer Kunst wieder in der Nähe. Aber es kann ein Tragödien- und auch ein Komödien-Ausgang sein.

101

Was der Umweg zum Schönen ist. — Wenn das Schöne gleich dem Erfreuenden ist—und so sangen es ja einmal die Musen—, so ist das Nützliche der oftmals notwendige Umweg zum Schönen und kann den kurzsichtigen Tadel der Augenblicks-Menschen, die nicht warten wollen und alles Gute ohne Umwege zu erreichen denken, mit gutem Rechte zurückweisen.

102

Zur Entschuldigung mancher Schuld. — Das unablässige Schaffen-Wollen und Nach-aussen-Spähen des Künstlers hält ihn davon ab, als Person schöner und besser zu werden, also sich selber zu schaffen—es sei denn, dass seine Ehrsucht gross genug ist, um ihn zu zwingen, dass er sich auch im Leben mit andern der wachsenden Schönheit und Grösse seiner Werke immer entsprechend gewachsen zeige. In allen Fällen hat er nur ein bestimmtes Mass von Kraft: was er davon auf sich verwendet—wie könnte dies noch seinem Werke zugute kommen?— Und umgekehrt.

103

Den Besten genug tun. — Wenn man mit seiner Kunst "den Besten seiner Zeit genug-getan," so ist dies ein Anzeichen davon, dass man den Besten der nächsten Zeit mit ihr nicht genug-tun wird: "gelebt" freilich "hat man für alle Zeiten"—der Beifall der Besten sichert den Ruhm.

104

Aus einem Stoffe. — Ist man aus einem Stoffe mit einem Buche oder Kunstwerk, so meint man ganz innerlich, es müsse vortrefflich sein, und ist beleidigt, wenn andere es hässlich, überwürzt oder grosstuerisch finden.

105

Sprache und Gefühl.— Dass die Sprache uns nicht zur Mitteilung des Gefühls gegeben ist, sieht man daraus, dass alle einfachen Menschen sich schämen, Worte für ihre tieferen Erregungen zu suchen: die Mitteilung derselben äussert sich nur in Handlungen, und selbst hier gibt es ein Erröten darüber, wenn der andere ihre Motive zu erraten scheint. Unter den Dichtern, welchen im allgemeinen die Gottheit diese Scham versagte, sind doch die edleren in der Sprache des Gefühls einsilbiger und lassen einen Zwang merken: während die eigentlichen Gefühls-Dichter im praktischen Leben meistens unverschämt sind.

106

Irrtum über eine Entbehrung. — Wer sich nicht von einer Kunst lange Zeit völlig entwöhnt hat, sondern immer in ihr zu Hause ist, kann nicht von ferne begreifen, wie wenig man entbehrt, wenn man ohne diese Kunst lebt.

107

Dreiviertelskraft. — Ein Werk, das den Eindruck des Gesunden machen soll, darf höchstens mit Dreiviertel der Kraft seines Urhebers hervorgebracht sein. Ist er dagegen bis an seine äusserste Grenze gegangen, so regt das Werk den Betrachtenden auf und ängstigt ihn durch seine Spannung. Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.

108

Den Hunger als Gast abweisen. — Weil dem Hungrigen die feinere Speise so gut und um nichts besser als die gröbste dient, so wird der anspruchvollere Künstler nicht darauf denken, den Hungrigen zu seiner Mahlzeit einzuladen.

109

Ohne Kunst und Wein leben. — Mit den Werken der Kunst steht es wie mit dem Weine: noch besser ist es, wenn man beide nicht nötig hat, sich an Wasser hält und das Wasser aus innerem Feuer, innerer Süsse der Seele immer wieder von selber in Wein verwandelt.

110

Das Raub-Genie. — Das Raub-Genie in den Künsten, das selbst feine Geister zu täuschen weiss, entsteht, wenn jemand unbedenklich von jung an alles Gute, welches nicht geradezu vom Gesetz als Eigentum einer bestimmten Person in Schutz genommen ist, als freie Beute betrachtet. Nun liegt alles Gute vergangener Zeiten und Meister frei umher, eingehegt und behütet durch die verehrende Scheu der wenigen, die es erkennen: diesen wenigen bietet jenes Genie, kraft seines Mangels an Scham, Trotz und häuft sich einen Reichtum auf, der selber wieder Verehrung und Scheu erzeugt.

111

An die Dichter der grossen Städte. — Den Gärten der heutigen Poesie merkt man es an, dass die grossstädtischen Kloaken zu nahe dabei sind: mitten in den Blütengeruch mischt sich etwas, das Ekel und Fäulnis verrät.— Mit Schmerz frage ich: habt ihr es so nötig, ihr Dichter, den Witz und den Schmutz immer zu Gevatter zu bitten, wenn irgend eine unschuldige schöne Empfindung von euch getauft werden soll? Müsst ihr durchaus eurer edlen Göttin eine Fratzen- und Teufelskappe aufsetzen? Woher aber diese Not, dieses Müssen?— Eben daher, dass ihr den Kloaken zu nahe wohnt.

112

Vom Salz der Rede. — Niemand hat noch erklärt, warum die griechischen Schriftsteller von den Mitteln des Ausdrucks, welche ihnen in unerhörter Fülle und Kraft zu Gebote standen, nur so übersparsamen Gebrauch gemacht haben, dass jedes nachgriechische Buch dagegen grell, bunt und überspannt erscheint.— Man hört, dass dem Nordpol-Eise zu ebenso wie in den heissesten Ländern der Gebrauch des Salzes spärlicher werde, dass dagegen die Ebenen- und Küstenanwohner im Erdgürtel der mässigeren Sonnenwärme am reichlichsten Gebrauch von ihm machen. Sollten die Griechen aus doppelten Gründen, weil zwar ihr Intellekt kälter und klarer, ihre leidenschaftliche Grundnatur aber um vieles tropischer war als die unsrige, des Salzes und Gewürzes nicht in dem Masse nötig gehabt haben als wir?

113

Der freieste Schriftsteller. — Wie dürfte in einem Buche für freie Geister Lorenz Sterne ungenannt bleiben, er, den Goethe als den freiesten Geist seines Jahrhunderts geehrt hat! Möge er hier mit der Ehre fürlieb nehmen, der freieste Schriftsteller aller Zeiten genannt zu werden, in Vergleich mit welchem alle anderen steif, vierschrötig, unduldsam und bäurisch-geradezu erscheinen. An ihm dürfte nicht die geschlossene klare, sondern die "unendliche Melodie" gerühmt werden: wenn mit diesem Worte ein Stil der Kunst zu einem Namen kommt, bei dem die bestimmte Form fortwährend gebrochen, verschoben, in das Unbestimmte zurückübersetzt wird, so dass sie das eine und zugleich das andere bedeutet. Sterne ist der grosse Meister der Zweideutigkeit—dies Wort billigerweise viel weiter genommen als man gemeinhin tut, wenn man dabei an geschlechtliche Beziehungen denkt. Der Leser ist verloren zu geben, der jederzeit genau wissen will, was Sterne eigentlich über eine Sache denkt, ob er bei ihr ein ernsthaftes oder ein lächelndes Gesicht macht: denn er versteht sich auf beides in einer Faltung seines Gesichts; er versteht es ebenfalls und will es sogar, zugleich recht und unrecht zu haben, den Tiefsinn und die Posse zu verknäueln. Seine Abschweifungen sind zugleich Forterzählungen und Weiterentwicklungen der Geschichte; seine Sentenzen enthalten zugleich eine Ironie auf alles Sentenziöse, sein Widerwille gegen das Ernsthafte ist einem Hange angeknüpft, keine Sache nur flach und äusserlich nehmen zu können. So bringt er bei dem rechten Leser ein Gefühl von Unsicherheit darüber hervor, ob man gehe, stehe oder liege: ein Gefühl, welches dem des Schwebens am verwandtesten ist. Er, der geschmeidigste Autor, teilt auch seinem Leser etwas von dieser Geschmeidigkeit mit. Ja, Sterne verwechselt unversehens die Rollen und ist bald ebenso Leser, als er Autor ist; sein Buch gleicht einem Schauspiel im Schauspiel, einem Theaterpublikum vor einem andern Theaterpublikum. Man muss sich der Sternischen Laune auf Gnade und Ungnade ergeben—und kann übrigens erwarten, dass sie gnädig, immer gnädig ist.— Seltsam und belehrend ist es, wie ein so grosser Schriftsteller wie Diderot sich zu dieser allgemeinen Zweideutigkeit Sternes gestellt hat: nämlich ebenfalls zweideutig—und das eben ist echt Sternischer Überhumor. Hat er jenen, in seinem Jacques le fataliste, nachgeahmt, bewundert, verspottet, parodiert?—man kann es nicht völlig herausbekommen,—und vielleicht hat gerade dies sein Autor gewollt. Gerade dieser Zweifel macht die Franzosen gegen das Werk eines ihrer ersten Meister (der sich vor keinem Alten und Neuen zu schämen braucht) ungerecht. Die Franzosen sind eben zum Humor—und namentlich zu diesem Humoristischnnehmen des Humors selber—zu ernsthaft.— Sollte es nötig sein hinzuzufügen, dass Sterne unter allen grossen Schriftstellern das schlechteste Muster und der eigentlich unvorbildliche Autor ist, und dass selbst Diderot sein Wagnis büssen musste? Das, was die guten Franzosen und vor ihnen einzelne Griechen als Prosaiker wollten und konnten, ist genau das Gegenteil von dem, was Sterne will und kann: er erhebt sich eben als meisterhafte Ausnahme über, das, was alle schriftstellerischen Künstler von sich fordern: Zucht, Geschlossenheit, Charakter, Beständigkeit der Absichten, Überschaulichkeit, Schlichtheit, Haltung in Gang und Miene.— Leider scheint der Mensch Sterne mit dem Schriftsteller Sterne nur zu verwandt gewesen zu sein: seine Eichhorn-Seele sprang mit unbeständiger Unruhe von Zweig zu Zweig; was nur zwischen Erhaben und Schuftig liegt, war ihm bekannt; auf jeder Stelle hatte er gesessen, immer mit dem unverschämten wässrigen Auge und dem empfindsamen Mienenspiele. Er war, wenn die Sprache von einer solchen Zusammenstellung nicht erschrecken wollte, von einer hartherzigen Gutmütigkeit und hatte in den Genüssen einer barocken, ja verderbten Einbildungskraft fast die blöde Anmut der Unschuld. Eine solche fleisch- und seelenhafte Zweideutigkeit, eine solche Freigeisterei bis in jede Faser und Muskel des Leibes hinein, wie er diese Eigenschaften hatte, besass vielleicht kein anderer Mensch.

114

Gewählte Wirklichkeit. — Wie der gute Prosaschriftsteller nur Worte nimmt, welche der Umgangssprache angehören, doch lange nicht alle Worte derselben—wodurch eben der gewählte Stil entsteht—, so wird der gute Dichter der Zukunft nur Wirkliches darstellen und von allen phantastischen, abergläubischen, halbredlichen, abgeklungenen Gegenständen, an denen frühere Dichter ihre Kraft zeigten, völlig absehen. Nur Wirklichkeit, aber lange nicht jede Wirklichkeit!—sondern eine gewählte Wirklichkeit!

115

Abarten der Kunst. — Neben den echten Gattungen der Kunst, der der grossen Ruhe und der der grossen Bewegung, gibt es Abarten—die ruhesüchtige, blasierte Kunst und die aufgeregte Kunst: beide wünschen, dass man ihre Schwäche für Stärke nehme und sie mit den echten Gattungen verwechsele.

116

Zum Heros fehlt jetzt die Farbe. — Die eigentlichen Dichter und Künstler der Gegenwart lieben es, ihre Gemälde auf einen rot, grün, grau und goldig flackernden Grund aufzutragen, auf den Grund der nervösen Sinnlichkeit: auf diese verstehen sich ja die Kinder dieses Jahrhunderts. Dies hat den Nachteil—wenn man nämlich nicht mit den Augen des Jahrhunderts auf jene Gemälde sieht—, dass die grössten Gestalten, welche jene hinmalen, etwas Flimmerndes, Zitterndes, Wirbelndes an sich zu haben scheinen: so dass man ihnen heroische Taten eigentlich nicht zutraut, sondern höchstens herorisierende, prahlerische Untaten.

117

Stil der Überladung. — Der überladene Stil in der Kunst ist die Folge einer Verarmung der organisierenden Kraft bei verschwenderischem Vorhandensein von Mitteln und Absichten.— In den Anfängen der Kunst findet sich mitunter das gerade Gegenstück dazu.

118

Pulchrum est paucorum hominum. — Die Historie und die Erfahrung sagt uns, dass die bedeutsame Ungeheuerlichkeit, welche die Phantasie geheimnisvoll anregt und über das Wirkliche und Alltägliche fortträgt, älter ist und reichlicher wächst als das Schöne in der Kunst und dessen Verehrung—und dass es sofort wieder in Überfülle ausschlägt, wenn der Sinn für Schönheit sich verdunkelt. Es scheint für die Mehr- und Überzahl der Menschen ein höheres Bedürfnis zu sein als das Schöne: wohl deshalb, weil es das gröbere Narcoticum enthält.

119

Ursprünge des Geschmacks an Kunstwerken. — Denkt man an die anfänglichen Keime des künstlerischen Sinnes und fragt sich, welche verschiedentlichen Arten der Freude durch die Erstlinge der Kunst, zum Beispiel bei wilden Völkerschaften, hervorgebracht werden, so findet man zuerst die Freude, zu verstehen, was ein andrer meint; die Kunst ist hier eine Art Rätselaufgeben, das dem Erratenden Genuss am eigenen Schnell- und Scharfsinn verschafft.— Sodann erinnert man sich beim rohesten Kunstwerk an das, was einem in der Erfahrung angenehm war und hat insofern Freude, zum Beispiel wenn der Künstler auf Jagd, Sieg, Hochzeit hingedeutet hat.— Wiederum kann man sich durch das Dargestellte erregt, gerührt, entflammt fühlen, beispielsweise bei Verherrlichung von Rache und Gefahr. Hier liegt der Genuss in der Erregung selber, im Siege über die Langeweile.— Auch die Erinnerung an das Unangenehme, insofern es überwunden ist, oder insofern es uns selber als Gegenstand der Kunst vor dem Zuhörer interessant erscheinen lässt (wie wenn der Sänger die Unfälle eines verwegenen Seefahrers beschreibt), kann grosse Freude machen, welche man dann der Kunst zugute rechnet.— Feinerer Art ist schon jene Freude, weelche beim Anblick alles Regelmässigen und Symmetrischen, in Linien, Punkten Rhythmen, entsteht; denn durch eine gewisse Ähnlichkeit wird die Empfindung für alles Geordnete und Regelmässige im Leben, dem man ja ganz allein alles Wohlbefinden zu danken hat, wachgerufen: im Kultus des Symmetrischen verehrt man also unbewusst die Regel und das Gleichmass als Quelle seines bisherigen Glücks; die Freude ist eine Art Dankgebet. Erst bei einer gewissen Übersättigung an dieser letzterwähnten Freude entsteht das noch feinere Gefühl, dass auch im Durchbrechen des Symmetrischen und Geregelten Genuss liegen könne; wenn es zum Beispiel anreizt, Vernunft in der scheinbaren Unvernunft zu suchen: wodurch es dann, als eine Art ästhetischen Rätselratens, wie eine höhere Gattung der zuerst erwähnten Kunstfreude dasteht.— Wer dieser Betrachtung weiter nachhängt, wird wissen, auch welche Art von Hypothesen hier zur Erklärung der ästhetischen Erscheinungen grundsätzlich verzichtet wird.

120

Nicht zu nahe. — Es ist ein Nachteil für gute Gedanken, wenn sie zu rasch aufeinander folgen; sie verdecken sich gegenseitig die Aussicht.— Deshalb haben die grössten Künstler und Schriftsteller reichlichen Gebrauch vom Mittelmässigen gemacht.

121

Roheit und Schwäche.— Die Künstler aller Zeiten haben die Entdeckung gemacht, dass in der Roheit eine gewisse Kraft liegt und dass nicht jeder roh sein kann, der es wohl sein möchte; ebenso dass manche Arten von Schwäche stark auf das Gefühl wirken. Hieraus sind nicht wenig Kunstmittel-Surrogate abgeleitet worden, deren sich völlig zu enthalten selbst den grössten und gewissenhaftesten Künstlern schwer wird.

122

Das gute Gedächtnis.— Mancher wird nur deshalb kein Denker, weil sein Gedächtnis zu gut ist.

123

Hungermachen statt Hungerstillen. — Grosse Künstler wähnen, sie hätten durch ihre Kunst eine Seele völlig in Besitz genommen und ausgefüllt: in Wahrheit, und oft zu ihrer schmerzlichen Enttäuschung, ist jene Seele dadurch nur um so umfänglicher und unausfüllbarer geworden, so dass zehn grössere Künstler sich nur in ihre Tiefe hinabstürzen könnten, ohne sie zu sättigen.

124

Künstler-Angst.— Die Angst, man möchte ihren Figuren nicht glauben, dass sie leben, kann Künstler des absinkenden Geschmacks verführen, diese so zu bilden, dass sie sich wie toll benehmen: wie andererseits aus derselben Angst griechische Künstler des ersten Aufgangs selbst Sterbenden und Schwerverwundeten jenes Lächeln geben, welches sie als lebhaftestes Zeichen des Lebens kannten,—unbekümmert darum, was die Natur in solchem Falle des Noch-Lebens, des Fast-nicht-mehr-Lebens bildet.

125

Der Kreis soll fertig werden. — Wer einer Philosophie oder Kunstart bis an das Ende ihrer Bahn und um das Ende herum nachgegangen ist, begreift aus einem innern Erlebnis, warum die nachfolgenden Meister und Lehrer sich von ihr, oft mit abschätziger Miene, zu einer neuen Bahn fortwandten. Der Kreis muss eben umschrieben werden—aber der Einzelne, und sei es der Grösste, sitzt auf seinem Punkte der Peripherie fest, mit einer unerbittlichen Miene der Hartnäckigkeit, als ob der Kreis nie geschlossen werden dürfe.

126

Ältere Kunst und die Seele der Gegenwart. — Weil jede Kunst zum Ausdruck seelischer Zustände, der bewegteren, zarteren, drastischeren, leidenschaftlicheren, immer befähigter wird, so empfinden die späteren Meister, durch diese Ausdrucks-Mittel verwöhnt, ein Unbehagen bei den Kunstwerken der älteren Zeit, wie als ob es den Alten eben nur an den Mitteln gefehlt habe, ihre Seele deutlich reden zu lassen, vielleicht gar an einigen technischen Vorbedingungen; und sie meinen hier nachhelfen zu müssen—denn sie glauben an die Gleichheit ja Einheit aller Seelen. In Wahrheit ist aber die Seele jener Meister selber noch eine andere gewesen, grösser vielleicht, aber kälter und dem Reizvoll-Lebendigen noch abhold: das Mass, die Symmetrie, die Geringachtung des Holden und Wonnigen, eine unbewusste Herbe und Morgenkühle, ein Ausweichen vor der Leidenschaft, wie als ob an ihr die Kunst zugrunde gehen werde,—dies macht die Gesinnung und Moralität aller älteren Meister aus, welche ihre Ausdrucks-Mittel nicht zufällig, sondern notwendig mit der gleichen Moralität wählten und durchgeisteten.— Soll man aber, bei dieser Erkenntnis, den später Kommenden das Recht versagen, die älteren Werke nach ihrer Seele zu beseelen? Nein, denn nur dadurch, dass wir ihnen unsere Seele geben, vermögen sie fortzuleben: erst unser Blut bringt sie dazu, zu uns zu reden. Der wirklich "historische" Vortrag würde gespenstisch zu Gespenstern reden.— Man ehrt die grossen Künstler der Vergangenheit weniger durch jene unfruchtbare Scheu, welche jedes Wort, jede Note so liegen lässt, wie sie gestellt ist, als durch tätige Versuche, ihnen immer von neuem wieder zum Leben zu verhelfen.— Freilich: dächte man sich Beethoven plötzlich wiederkommend und eins seiner Werke gemäss der modernsten Beseeltheit und Nerven-Verfeinerung, welche unsern Meistern des Vortrags zum Ruhme dient, vor ihm ertönend: er würde wahrscheinlich lange stumm sein, schwankend, ob er die Hand zum Fluchen oder Segnen erheben solle, endlich aber vielleicht sprechen: "Nun! Nun! Das ist weder Ich noch Nicht-Ich, sondern etwas Drittes—es scheint mir auch etwas Rechtes, wenn es gleich nicht das Rechte ist. Ihr mögt aber zusehen, wie ihr's treibt, da ihr ja jedenfalls zuhören müsst,—und der Lebende hat recht, sagt ja unser Schiller. So habt denn recht und lasst mich wieder hinab."

127

Gegen die Tadler der Kürze. — Etwas Kurz-Gesagtes kann die Frucht und Ernte von vielem Lang-Gedachten sein: aber der Leser, der auf diesem Felde Neuling ist und hier noch gar nicht nachgedacht hat, sieht in allem Kurz-Gesagten etwas Embryonisches, nicht ohne einen tadelnden Wink an den Autor, dass er dergleichen Unausgewachsenes, Ungereiftes ihm zur Mahlzeit mit auf den Tisch setze.

128

Gegen die Kurzsichtigen.— Meint ihr denn, es müsse Stückwerk sein, weil man es euch in Stücken gibt (und geben muss)?

129

Sentenzen-Leser. — Die schlechtesten Leser von Sentenzen sind die Freunde ihres Urhebers, im Fall sie beflissen sind, aus dem Allgemeinen wieder auf das Besondere zurückzuraten, dem die Sentenz ihren Ursprung verdankt: denn durch diese Topfguckerei machen sie die ganze Mühe des Autors zunichte, so dass sie nun verdientermassen anstatt einer philosophischen Stimmung und Belehrung besten- oder schlimmstenfalls nichts als die Befriedigung der gemeinen Neugierde zum Gewinn erhalten.

130

Unarten des Lesers. — Die doppelte Unart des Lesers gegen den Autor besteht darin, das zweite Buch desselben auf Unkosten des ersten zu loben (oder umgekehrt) und dabei zu verlangen, dass der Autor ihm dankbar sei.

131

Das Aufregende in der Geschichte der Kunst. — Verfolgt man die Geschichte einer Kunst, zum Beispiel die der griechischen Beredsamkeit, so gerät man, von Meister zu Meister fortgehend, bei dem Anblick dieser immer gesteigerten Besonnenheit, um den alten und neu hinzugefügten Gesetzen und Selbstbeschränkungen insgesamt zu gehorchen, zuletzt in eine peinliche Spannung: man begreift, dass der Bogen brechen muss und dass die sogenannte unorganische Komposition, mit den wundervollsten Mitteln des Ausdrucks überhängt und maskiert—in jenem Falle der Barockstil des Asianismus—, einmal eine Notwendigkeit und fast eiine Wohltat war.

132

An die Grossen der Kunst.— Jene Begeisterung für eine Sache, welche du Grosser in die Welt hineinträgst, lässt den Verstand vieler verkrüppeln, dies zu wissen demütigt. Aber der Begeisterte trägt seinen Höcker mit Stolz und Lust: insofern hast du den Trost, dass durch dich das Glück in der Welt vermehrt ist.

133

Die ästhetisch Gewissenlosen. — Die eigentlichen Fanatiker einer künstlerischen Partei sind jene völlig unkünstlerischen Naturen, welche selbst in die Elemente der Kunstlehre und des Kunstkönnens nicht eingedrungen sind, aber auf das stärkste von allen elementarischen Wirkungen einer Kunst ergriffen werden. Für sie gibt es kein ästhetisches Gewissen—und daher nichts, was sie vom Fanatismus zurückhalten könnte.

134

Wie nach der neueren Musik sich die Seele bewegen soll. — Die künstlerische Absicht, welche die neuere Musik in dem verfolgt, was jetzt, sehr stark aber undeutlich, als "unendliche Melodie" bezeichnet wird, kann man sich dadurch klarmachen, dass man ins Meer geht, allmählich den sicheren Schritt auf dem Grunde verliert und sich endlich dem wogenden Elemente auf Gnade und Ungnade übergibt: man soll schwimmen. In der bisherigen älteren Musik musste man, im zierlichen oder feierlichen oder feurigen Hin und Wieder, Schneller und Langsamer, tanzen: wobei das hierzu nötige Mass, das Einhalten bestimmter gleichwiegender Zeit- und Kraftgrade von der Seele des Zuhörers eine fortwährende Besonnenheit erzwang: auf dem Widerspiele dieses kühleren Luftzuges, welcher von der Besonnenheit herkam, und des durchwärmten Atems musikalischer Begeisterung ruhte der Zauber jener Musik.— Richard Wagner wollte eine andere Art Bewegung der Seele, welche, wie gesagt, dem Schwimmen und Schweben verwandt ist. Vielleicht ist dies das wesentlichste seiner Neuerungen. Sein berühmtes Kunstmittel, diesem Wollen entsprungen und angepasst—die "unendliche Melodie"—bestrebt sich, alle mathematische Zeit- und Kraft-Ebenmässigkeit zu brechen, mitunter selbst zu verhöhnen; und er ist überreich in der Erfindung solcher Wirkungen, welche dem älteren Ohre wie rhythmische Paradoxien und Lästerreden klingen. Er fürchtet die Versteinerung, die Kristallisation, den Übergang der Musik in das Architektonische—und so stellt er dem zweitaktigen Rhythmus einen dreitaktigen entgegen, führt nicht selten den Fünf- und Siebentakt ein, wiederholt dieselbe Phrase sofort, aber mit einer Dehnung, dass sie die doppelte und dreifache Zeitdauer bekommt. Aus einer bequemen Nachahmung solcher Kunst kann eine grosse Gefahr für die Musik entstehen: immer hat neben der Überreife des rhythmischen Gefühls die Verwilderung, der Verfall der Rhythmik im Versteck gelauert. Sehr gross wird zumal diese Gefahr, wenn eine solche Musik sich immer enger an eine ganz naturalistische, durch keine höhere Plastik erzogene und beherrschte Schauspielerkunst und Gebärdensprache anlehnt,—welche in sich kein Mass hat und dem sich ihr anschmiegenden Elemente, dem allzuweiblichen Wesen der Musik, auch kein Mass mitzuteilen vermag.

135

Dichter und Wirklichkeit.— Die Muse des Dichters, der nicht in die Wirklichkeit verliebt ist, wird eben nicht die Wirklichkeit sein und ihm hohläugige und allzu zartknochichte Kinder gebären.

136

Mittel und Zweck.— In der Kunst heiligt der Zweck die Mittel nicht: aber heilige Mittel können hier den Zweck heiligen.

137

Die schlechtesten Leser. — Die schlechtesten Leser sind die, welche wie plündernde Soldaten verfahren: sie nehmen sich einiges, was sie brauchen können, heraus, beschmutzen und verwirren das übrige und lästern auf das Ganze.

138

Merkmale des guten Schriftstellers. — Die guten Schriftsteller haben zweierlei gemeinsam; sie ziehen vor, lieber verstanden als angestaunt zu werden; und sie schreiben nicht für die spitzen und überscharfen Leser.

139

Die gemischten Gattungen. — Die gemischten Gattungen in den Künsten legen Zeugnis über das Misstrauen ab, welches ihre Urheber gegen ihre eigne Kraft empfanden; sie suchten Hilfsmächte, Anwälte, Verstecke—so der Dichter, der die Philosophie, der Musiker, der das Drama, der Denker, der die Rhetorik zu Hilfe ruft.

140

Mundhalten.— Der Autor hat den Mund zu halten, wenn sein Werk den Mund auftut.

141

Abzeichen des Ranges.— Alle Dichter und Schriftsteller, welche in den Superlativ verliebt sind, wollen mehr als sie können.

142

Kalte Bücher. — Der gute Denker rechnet auf Leser, welche das Glück nachempfinden, das im guten Denken liegt: so dass ein Buch, welches sich kalt und nüchtern ausnimmt, durch die rechten Augen gesehen, vom Sonnenscheine der geistigen Heiterkeit umspielt und als ein rechter Seelentrost erscheinen kann.

143

Kunstgriff der Schwerfälligen. — Der schwerfällige Denker wählt gewöhnlich die Geschwätzigkeit oder die Feierlichkeit zur Bundesgenossin: durch die erstere meint er sich Beweglichkeit und leichten Fluss anzueignen, durch die letztere erweckt er den Schein, als ob seine Eigenschaft eine Wirkung des freien Willens, der künstlerischen Absicht sei, zum Zwecke der Würde, welche Langsamkeit der Bewegung fordert.

144

Vom Barockstile. — Wer sich als Denker und Schriftsteller zur Dialektik und Auseinanderfaltung der Gedanken nicht geboren oder erzogen weiss, wird unwillkürlich nach dem Rhetorischen und Dramatischen greifen: denn zuletzt kommt es ihm darauf an, sich verständlich zu machen und dadurch Gewalt zu gewinnen, gleichgültig ob er das Gefühl auf ebenem Pfade zu sich leitet oder unversehens überfällt—als Hirt oder als Räuber. Dies gilt auch in den bildenden wie musischen Künsten; wo das Gefühl mangelnder Dialektik oder des Ungenügens in Ausdruck und Erzählung, zusammen mit einem überreichen, drängenden Formentriebe, jene Gattung des Stiles zutage fördert, welche man Barockstil nennt.— Nur die Schlechtunterrichteten und Anmassenden werden übrigens bei diesem Wort sogleich eine abschätzige Empfindung haben. Der Barockstil entsteht jedesmal beim Abblühen jeder grossen Kunst, wenn die Anforderungen in der Kunst des klassischen Ausdrucks allzu gross geworden sind, als ein Natur-Ereignis, dem man wohl mit Schwermut,—weil es der Nacht voranläuft—zusehen wird, aber zugleich mit Bewunderung für die ihm eigentümlichen Ersatzkünste des Ausdrucks und der Erzählung. Dahin gehört schon die Wahl von Stoffen und Vorwürfen höchster dramatischer Spannung, bei denen auch ohne Kunst das Herz zittert, weil Himmel und Hölle der Empfindung allzu nahe sind: dann die Beredsamkeit der starken Affekte und Gebärden, des Hässlich-Erhabenen, der grossen Massen, überhaupt der Quantität an sich—wie dies sich schon bei Michelangelo, dem Vater oder Grossvater der italienischen Barockkünstler, ankündigt—: die Dämmerungs-, Verklärungs- oder Feuerbrunstlichter auf so starkgebildeten Formen: dazu fortwährend neue Wagnisse in Mitteln und Absichten, vom Künstler für die Künstler kräftig unterstrichen, während der Laie wähnen muss, das beständige unfreiwillige Überströmen aller Füllhörner einer ursprünglichen Natur-Kunst zu sehen: diese Eigenschaften alle, in denen jener Stil seine Grösse hat, sind in den früheren, vorklassischen und klassischen Epochen einer Kunstart nicht möglich, nicht erlaubt: solche Köstlichkeiten hängen lange als verbotene Früchte am Baume.— Gerade jetzt, wo die Musik in diese letzte Epoche übergeht, kann man das Phänomen des Barockstils in einer besonderen Pracht kennenlernen und vieles durch Vergleichung daraus für frühere Zeiten lernen: denn es hat von den griechischen Zeiten ab schon oftmals einen Barockstil gegeben, in der Poesie, Beredsamkeit, im Prosastile, in der Skulptur ebensowohl als bekanntermassen in der Architektur—und jedesmal hat dieser Stil, ob es ihm gleich am höchsten Adel, an dem einer unschuldigen, unbewussten, sieghaften Vollkommenheit gebricht, auch vielen von den Besten und Ernstesten seiner Zeit wohlgetan:—weshalb es, wie gesagt, anmassend ist,, ohne weiteres ihn abschätzig zu beurteilen; so sehr sich jeder glücklich preisen darf, dessen Empfindung durch ihn nicht für den reineren und grösseren Stil unempfindlich gemacht wird.

145

Wert ehrlicher Bücher. — Ehrliche Bücher machen den Leser ehrlich, wenigstens indem sie seinen Hass und Widerwillen herauslocken, welchen die verschmitzte Klugheit sonst am besten zu verstecken weiss. Gegen ein Buch aber lässt man sich gehen, wenn man sich auch noch so sehr gegen Menschen zurückhält.

146

Wodurch die Kunst Partei macht.— Einzelne schöne Stellen, ein erregender Gesamtverlauf und hinreissende erschütternde Schlussstimmungen—soviel wird auch den meisten Laaien von einem Kunstwerk noch zugänglich sein: und in einer Periode der Kunst, in der man die grosse Masse der Laien auf die Seite der Künstler hinüberziehen, also eine Partei, vielleicht zur Erhaltung der Kunst überhaupt, machen will, wird der Schaffende gut tun, auch nicht mehr zu geben: damit er nicht zum Verschwender seiner Kraft werde auf Gebieten, wo niemand ihm Dank weiss. Das übrige nämlich zu leisten—die Natur in ihrem organischen Bilden und Wachsenlassen nachzuahmen—hiesse in jenem Falle: auf Wasser säen.

147

Zum Schaden der Historie gross werden.— Jeder spätere Meister, welcher den Geschmack der Kunst-Geniessenden in seine Bahn lenkt, bringt unwillkürlich eine Auswahl und Neu-Abschätzung der älteren Meister und ihrer Werke hervor: das ihm Gemässe und Verwandte, das ihn Vorschmeckende und Ankündigende in jenen gilt von jetzt ab als das eigentlich Bedeutende an ihnen und ihren Werken—eine Frucht, in der gewöhnlich eiin grosser Irrtum als Wurm verborgen steckt.

148

Wie ein Zeitalter zur Kunst geködert wird. — Man lerne mit Hilfe aller Künstler- und Denker-Zaubereien die Menschen an, vor ihren Mängeln, ihrer geistigen Armut, ihren unsinnigen Verblendungen und Leidenschaften Verehrung zu empfinden—und dies ist möglich—, man zeige vom Verbrechen und vom Wahne nur die erhabene Seite, von der Schwäche der Willenlosen und Blind-Ergebnen nur das Rührende und Zu-Herzen-Sprechende eines solchen Zustandes—auch dies ist oft genug geschehen—: so hat man das Mittel angewendet, auch einem ganz unkünstlerischen und unphilosophischen Zeitalter schwärmerische Liebe zu Philosophie und Kunst (namentlich zu den Künstlern und Denkern als Personen) einzuflössen, und, in schlimmen Umständen, vielleicht das einzige Mittel, die Existenz so zarter und gefährdeter Gebilde zu wahren.

149

Kritik und Freude.— Kritik, einseitige und ungerechte ebensogut wie verständige, macht dem, der sie übt, so viel Vergnügen, dass die Welt jedem Werk, jeder Handlung Dank schuldig ist, welche viel und viele zur Kritik auffordert: denn hinter ihr her zieht sich ein blitzender Schweif von Freude, Witz, Selbstbewunderung, Stolz, Belehrung, Vorsatz zum Bessermachen.— Der Gott der Freude schuf das Schlechte und Mittelmässige aus dem gleichen Grunde, aus dem er das Gute schuf.

150

Über seine Grenze hinaus. — Wenn ein Künstler mehr sein will als ein Künstler, zum Beispiel der moralische Erwecker seines Volkes, so verliebt er sich, zur Strafe, zuletzt in ein Ungetüm von moralischem Stoff—und die Muse lacht dazu: denn diese so gutherzige Göttin kann aus Eifersucht auch boshaft werden. Man denke an Milton und Klopstock.

151

Gläsernes Auge.— Die Richtung des Talentes auf moralische Stoffe, Personen, Motive, auf die schöne Seele des Kunstwerks ist mitunter nur das gläserne Auge, welches der Künstler, dem es an der schönen Seele gebricht, sich einsetzt: mit dem sehr seltenen Erfolge, dass dies Auge zuletzt doch lebendige Natur wird, wenn auch etwas verkümmert blickende Natur,—aber mit dem gewöhnlichen Erfolge, dass alle Welt Natur zu sehen meint, wo kaltes Glas ist.

152

Schreiben und Siegen-wollen.— Schreiben sollte immer einen Sieg anzeigen, und zwar eine Überwindung seiner selbst, welche anderen zum Nutzen mitgeteilt werden muss; aber es gibt dyspeptische Autoren, welche gerade nur schreiben, wenn sie etwas nicht verdauen können, ja wenn dies ihnen schon in den Zähnen hängengeblieben ist: sie suchen unwillkürlich mit ihrem Ärger auch dem Leser Verdruss zu machen und so eine Gewalt über ihn auszuüben, das heisst: auch sie wollen siegen, aber über andere.

153

"Gut Buch will Weile haben."— Jedes gute Buch schmeckt herb, wenn es erscheint: es hat den Fehler der Neuheit. Zudem schadet ihm sein lebender Autor, falls er bekannt ist und manches von ihm verlautet: denn alle Welt pflegt den Autor und sein Werk zu verwechseln. Was in diesem an Geist, Süsse und Goldglanz ist, muss sich erst mit den Jahren entwickeln, unter der Pflege wachsender, dann alter, zuletzt überlieferter Verehrung. Manche Stunde muss darüber hinlaufen, manche Spinne ihr Netz daran gewoben haben. Gute Leser machen ein Buch immer besser und gute Gegner klären es ab.

154

Masslosigkeit als Kunstmittel. — Künstler verstehen wohl, was es sagen will: die Masslosigkeit als Kunstmittel zu benutzen, um den Eindruck des Reichtums hervorzubringen. Es gehört das zu den unschuldigen Listen der Seelenverführung, auf welche sich die Künstler verstehen müssen: denn in ihrer Welt, in der es auf Schein abgesehen ist, brauchen auch die Mittel des Scheins nicht notwendig echt zu sein.

155

Der versteckte Leierkasten. — Die Genies verstehen sich besser als die Talente darauf, den Leierkasten zu verstecken, vermöge ihres umfänglicheren Faltenwurfs; aber im Grunde können sie auch nicht mehr, als ihre alten sieben Stücke wieder spielen.

156

Der Name auf dem Titelblatt. — Dass der Name des Autors auf dem Buche steht, ist zwar jetzt Sitte und fast Pflicht; doch ist es eine Hauptursache davon, dass Bücher so wenig wirken. Sind sie nämlich gut, so sind sie mehr wert als die Personen, als deren Quintessenzen; sobald aber der Autor sich durch den Titel zu erkennen gibt, wird die Quintessenz wieder von seiten des Lesers mit dem Persönlichen, ja Persönlichsten diluiert und somit der Zweck des Buches vereitelt. Es ist der Ehrgeiz des Intellektes, nicht mehr individuell zu erscheinen.

157

Schärfste Kritik.— Man kritisiert einen Menschen, ein Buch am schärfsten, wenn man das Ideal desselben hinzeichnet.

158

Wenig und ohne Liebe. — Jedes gute Buch ist für einen bestimmten Leser und dessen Art geschrieben und wird eben deshalb von allen übrigen Lesern, der grossen Mehrzahl, ungünstig angesehn: weshalb sein Ruf auf schmaler Grundlage ruht und nur langsam aufgebaut werden kann.— Das mittelmässige und schlechte Buch ist es eben dadurch, dass es vielen zu gefallen sucht und auch gefällt.

159

Musik und Krankheit. — Die Gefahr in der neuen Musik liegt darin, dass sie uns den Becher des Wonnigen und Grossartigen so hinreissend und mit einem Anscheine von sittlicher Ekstase an die Lippen setzt, dass auch der Mässige und Edle immer einige Tropfen zu viel von ihr trinkt. Diese Minimal-Ausschweifung, fortwährend wiederholt, kann aber zuletzt eine tiefere Erschütterung und Untergrabung der geistigen Gesundheit zuwege bringen, als irgend ein grosser Exzess es vermöchte: so dass nichts übrigbleibt, als eines Tages die Nymphengrotte zu fliehen und, durch Meereswogen und Gefahren, nach dem Rauch von Ithaka und nach den Umarmungen der schlichteren und menschlicheren Gattin sich den Weg zu bahnen.

160

Vorteil für die Gegner.— Ein Buch voller Geist teilt auch an seine Gegner davon mit.

161

Jugend und Kritik. — Ein Buch kritisieren—das heisst für die Jungen nur: keinen einzigen produktiven Gedanken desselben an sich herankommen lassen und sich, mit Händen und Füssen, seiner Haut wehren. Der Jüngling lebt gegen alles Neue, das er nicht in Bausch und Bogen lieben kann, im Stande der Notwehr und begeht jedesmal dabei, so oft er nur kann, ein überflüssiges Verbrechen.

162

Wirkung der Quantität. — Die grösste Paradoxie in der Geschichte der Dichtkunst liegt darin, dass in allem, worin die alten Dichter ihre Grösse haben, einer ein Barbar, nämlich fehlerhaft und verwachsen vom Wirbel bis zur Zehe, sein kann und dennoch der grösste Dichter bleibt. So steht es ja mit Shakespeare, der, mit Sophokles zusammengehalten, einem Bergwerke voll einer Unermesslichkeit an Gold, Blei und Geröll gleicht, während jener nicht nur Gold, sondern Gold in der edelsten Gestaltung ist, die seinen Wert als Metall fast vergessen macht. Aber die Quantität, in ihren höchsten Steigerungen, wirkt als Qualität. Das kommt Shakespeare zugute.

163

Aller Anfang ist Gefahr. — Der Dichter hat die Wahl, entweder das Gefühl von einer Stufe zur andern zu heben und es so zuletzt sehr hoch zu steigern—oder es mit einem Überfalle zu versuchen und gleich von Beginn an mit aller Gewalt am Glockenstrang zu ziehn. Beides hat seine Gefahren: im ersten Falle läuft ihm vielleicht sein Zubehör vor Langerweile, im zweiten vor Schrecken davon.

164

Zugunsten der Kritiker. — Die Insekten stechen, nicht aus Bosheit, sondern weil sie auch leben wollen: ebenso unsere Kritiker; sie wollen unser Blut, nicht unseren Schmerz.

165

Erfolg von Sentenzen.— Die Unerfahrnen meinen immer, wenn ihnen eine Sentenz sofort durch ihre schlichte Wahrheit einleuchtet, sie sei alt und bekannt, und blicken dabei scheel auf den Urheber, als habe er das Gemeingut aller stehlen wollen: während sie an gewürzten Halbwahrheiten Freude haben und dies dem Autor zu erkennen geben. Dieser weiss einen solchen Wink zu würdigen und errät daraus leicht, wo es ihm gelungen und wo misslungen ist.

166

Siegen-wollen. — Ein Künstler, der in allem, was er unternimmt, über seine Kräfte hinausgeht, wird doch zuletzt, durch das Schauspiel des gewaltigen Ringens, das er gewährt, die Menge mit sich fortreissen: denn der Erfolg ist nicht immer nur beim Siege, sondern mitunter schon beim Siegen-wollen.

167

Sibi scribere.— Der vernünftige Autor schreibt für keine andere Nachwelt als für seine eigene, das heisst für sein Alter, um auch dann noch an sich Freude haben zu können.

168

Lob der Sentenz. — Eine gute Sentenz ist zu hart für den Zahn der Zeit und wird von allen Jahrtausenden nicht aufgezehrt, obwohl sie jeder Zeit zur Nahrung dient: dadurch ist sie das grosse Paradoxon in der Literatur, das Unvergängliche inmitten des Wechselnden, die Speise, welche immer geschätzt bleibt wie das Salz, und niemals, wie selbst dieses, dumm wird.

169

Kunstbedürfnis zweiten Ranges. — Das Volk hat wohl etwas von dem, was man Kunstbedürfnis nennen darf, aber es ist wenig und wohlfeil zu befriedigen. Im Grunde genügt hierfür der Abfall der Kunst: das soll man ehrlich sich eingestehen. Man erwäge doch nur zum Beispiel, an was für Melodien und Liedern jetzt unsere kraftvollsten, unverdorbensten, treuherzigsten Schichten der Bevölkerung ihre rechte Herzensfreude haben, man lebe unter Hirten, Sennen, Bauern, Jägern, Soldaten, Seeleuten und gebe sich die Antwort. Und wird nicht in der kleinen Stadt, gerade in den Häusern, welche der Sitz altvererbter Bürgertugend sind, jene allerschlechteste Musik geliebt, ja gehätschelt, welche überhaupt jetzt hervorgebracht wird? Wer von tieferm Bedürfnisse, von unausgefülltem Begehren nach Kunst in Beziehung auf das Volk, wie es ist, redet, der faselt oder schwindelt. Seid ehrlich! Nur bei Ausnahme-Menschen gibt es jetzt ein Kunstbedürfnis in hohem Stile— weil die Kunst überhaupt wieder einmal im Rückgange ist und die menschlichen Kräfte und Hoffnungen sich für eine Zeit auf andere Dinge geworfen haben.— Ausserdem, nämlich abseits vom Volke, besteht freilich noch ein breiteres, umfänglicheres Kunstbedürfnis, aber zweiten Ranges, in den höheren und höchsten Schichten der Gesellschaft: hier ist etwas wie eine künstlerische Gemeinde, die es aufrichtig meint, möglich. Aber man sehe sich die Elemente an! Es sind im allgemeinen die feineren Unzufriednen, die an sich zu keiner rechten Freude kommen: der Gebildete, der nicht frei genug geworden ist, um der Tröstungen der Religion entraten zu können, und doch ihre Öle nicht wohlriechend genug findet: der Halbedle, der zu schwach ist, den einen Grundfehler seines Lebens oder den schädlichen Hang seines Charakters zu brechen, durch heroisches Umkehren oder Verzichtleisten: der Reichbegabte, der zu vornehm von sich denkt, um durch bescheidene Tätigkeit zu nützen, und zu träge zur ernsten aufopfernden Arbeit ist: das Mädchen, welches sich keinen genügenden Kreis von Pflichten zu schaffen weiss: die Frau, die durch eine leichtsinnige oder frevelhafte Ehe sich band und nicht genug gebunden weiss: der Gelehrte, Arzt, Kaufmann, Beamte, der zu zeitig in das einzelne eingekehrt und seiner ganzen Natur niemals vollen Lauf gegönnt hat, dafür aber mit einem Wurm im Herzen seine immerhin tüchtige Arbeit tut: endlich alle unvollständigen Künstler—dies sind jetzt die noch wahrhaften Kunstbedürftigen! Und was begehren sie eigentlich von der Kunst? Sie soll ihnen für Stunden und Augenblicke das Unbehagen, die Langeweile, das halbschlechte Gewissen verscheuchen und womöglich den Fehler ihres Lebens und Charakters als Fehler des Welten-Schicksals ins Grosse umdeuten—sehr verschieden von den Griechen, welche in ihrer Kunst das Aus- und Überströmen ihres eignen Wohl- und Gesundseins empfanden und es liebten, ihre Vollkommenheit noch einmal ausser sich zu sehen:—sie führte der Selbstgenuss zur Kunst, diese unsere Zeitgenossen—der Selbstverdruss.

170

Die Deutschen im Theater. — Das eigentliche Theatertalent der Deutschen war Kotzebue; er und seine Deutschen, die der höheren sowohl als die der mittleren Gesellschaft, gehörten notwendig zusammen, und die Zeitgenossen hätten von ihm im Ernste sagen dürfen: "in ihm leben, weben und sind wir." Hier war nichts Erzwungenes, Angebildetes, Halb- und Angeniessendes: was er wollte und konnte, wurde verstanden, ja bis jetzt ist der ehrlicheTheater-Erfolg auf deutschen Bühnen im Besitze der verschämten oder unverschämten Erben Kotzebueischer Mittel und Wirkungen, namentlich soweit das Lustspiel noch in einiger Blüte steht; woraus sich ergibt, dass viel von dem damaligen Deutschtum, zumal abseits von der grossen Stadt, immer noch fortlebt. Gutmütig, in kleinen Genüssen unenthaltsam, tränenlüstern, mit dem Wunsche, wenigstens im Theater sich der eingebornen pflichtstrengen Nüchternheit entschlagen zu dürfen und hier lächelnde, ja lachende Duldung zu üben, das Gute und das Mitleid verwechselnd und in eins zusammenwerfend—wie es das Wesentliche der deutschen Sentimentalität ist—, überglücklich bei einer schönen grossmütigen Handlung, im übrigen unterwürfig nach oben, neidisch gegeneinander, und doch im Innersten sich selbst genügend—so waren sie, so war er.— Das zweite Theatertalent war Schiller: dieser entdeckte eine Klasse von Zuhörern, welche bis dahin nicht in Betracht gekommen waren; er fand sie in den unreifen Lebensaltern, im deutschen Mädchen und Jüngling. Ihren höheren, edleren, stürmischeren, wenn auch unklareren Regungen, ihrer Lust am Klingklang sittlicher Worte (welche in den dreissiger Jahren des Lebens zu verschwinden pflegt) kam er mit seinen Dichtungen entgegen und errang sich dadurch, gemäss der Leidenschaftlichkeit und Parteisucht jener Altersklasse, einen Erfolg, der allmählich auch auf die reiferen Lebensalter mit Vorteil einwirkte: Schiller hat im allgemeinen die Deutschen verjüngt.— Goethe stand über den Deutschen in jeder Beziehung und steht es auch jetzt noch: er wird ihnen nie angehören. Wie könnte auch je ein Volk der Goethischen Geistigkeit, im Wohl-Sein und Wohl-Wollen gewachsen sein! Wie Beethoven über die Deutschen weg Musik machte, wie Schopenhauer über die Deutschen weg philosophierte, so dichtete Goethe seinen Tasso, seine Iphigenie über die Deutschen weg. Ihm folgte eine sehr kleine Schar Höchstgebildeter, durch Altertum, Leben und Reisen Erzogener, über deutsches Wesen hinaus Gewachsener:—er selber wollte es nicht anders.— Als dann die Romantiker ihren zweckbewussten Goethe-Kultus aufrichteten, als ihre erstaunliche Kunstfertigkeit des Anschmeckens dann auf die Schüler Hegels, die eigentlichen Erzieher der Deutschen dieses Jahrhunderts, überging, als der erwachende nationale Ehrgeiz auch dem Ruhme der deutschen Dichter zugute kam und der eigentliche Massstab des Volkes, ob es sich ehrlich an etwas freuen könne, unerbittlich dem Urteile der einzelnen und jenem nationalen Ehrgeize untergeordnet wurde—das heisst, als man anfing sich freuen zu müssen—, da entstand jene Verlogenheit und Uneechtheit der deutschen Bildung, welche sich Kotzebues schämte, welche Sophokles, Calderon und selbst Goethes Faust-Fortsetzung auf die Bühne brachte und welche ihrer belegten Zunge, ihres verschleimten Magens wegen, zuletzt nicht mehr weiss, was ihr schmeckt, was ihr langweilig ist.— Selig sind die, welche Geschmack haben, wenn es auch ein schlechter Geschmack ist!— Und nicht nur selig, auch weise kann man nur vermöge dieser Eigenschaft werden: weshalb die Griechen, die in solchen Dingen sehr fein waren, den Weisen mit einem Wort bezeichneten, das den Mann des Geschmacks bedeutet, und Weisheit, künstlerische sowohl wie erkennende, geradezu "Geschmack" (sophia) benannten.

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Die Musik als Spätling jeder Kultur. — Die Musik kommt von allen Künsten, welche auf einem bestimmten Kultur-Boden, unter bestimmten sozialen und politischen Verhältnissen jedesmal aufzuwachsen pflegen, als die letzte aller Pflanzen zum Vorschein, im Herbst und Abblühen der zu ihr gehörigen Kultur: während gewöhnlich die ersten Boten und Anzeichen eines neuen Frühlings schon bemerkbar sind; ja mitunter läutet die Musik wie die Sprache eines versunkenen Zeitalters in eine erstaunte und neue Welt hinein und kommt zu spät. Erst in der Kunst der Niederländer Musiker fand die Seele des christlichen Mittelalters ihren vollen Klang: ihre Ton-Baukunst ist die nachgeborne, aber echt- und ebenbürtige Schwester der Gotik. Erst in Händels Musik erklang das beste von Luthers und seiner Verwandten Seele, der grosse jüdisch-heroische Zug, welcher die ganze Reformations-Bewegung schuf. Erst Mozart gab dem Zeitalter Ludwig des Vierzehnten und der Kunst Racines und Claude Lorrains in klingendem Golde heraus. Erst in Beethovens und Rossinis Musik sang sich das achtzehnte Jahrhundert aus, das Jahrhundert der Schwärmerei, der zerbrochnen Ideale und des flüchtigen Glücks. So möchte denn ein Freund empfindsamer Gleichnisse sagen, jede wahrhaft bedeutende Musik sei Schwanengesang.— Die Musik ist eben nicht eine allgemeine überzeitliche Sprache, wie man so oft zu ihrer Ehre gesagt hat, sondern entspricht genau einem Gefühls-Wärme- und Zeitmass, welches eine ganz bestimmte einzelne, zeitlich und örtlich gebundene Kultur als inneres Gesetz in sich trägt: die Musik Palestrinas würde für einen Griechen völlig unzugänglich sein, und wiederum—was würde Palestrina bei der Musik Rossinis hören?— Vielleicht, dass auch unsere neueste deutsche Musik, so sehr sie herrscht und herrschlustig ist, in kurzer Zeitspanne nicht mehr verstanden wird: denn sie entsprang aus einer Kultur, die im raschen Absinken begriffen ist; ihr Boden ist jene Reaktions- und Restaurations-Periode, in welcher ebenso ein gewisser Katholizismus des Gefühls wie die Lust an allem heimisch-nationalen Wesen und Urwesen zur Blüte kam und über Europa einen gemischten Duft ausgoss: welche beide Richtungen des Empfindens, in grösster Stärke erfasst und bis in die entferntesten Enden fortgeführt, in der Wagnerischen Kunst zuletzt zum Erklingen gekommen sind. Wagners Aneignung der altheimischen Sagen, sein veredelndes Schalten und Walten unter deren so fremdartigen Göttern und Helden—welche eigentlich souveräne Raubtiere sind, mit Anwandlungen von Tiefsinn, Grossherzigkeit und Lebensüberdruss—, die Neubeseelung dieser Gestalten, denen er den christlich-mittelalterlichen Durst nach verzückter Sinnlichkeit und Entsinnlichung dazugab, dieses ganze Wagnerische Nehmen und Geben in Hinsicht auf Stoffe, Seelen, Gestalten und Worte spricht deutlich auch den Geist seiner Musik aus, wenn diese, wie alle Musik, von sich selber nicht völlig unzweideutig zu reden vermöchte: dieser Geist führt den allerletzten Kriegs- und Reaktionszug an gegen den Geist der Aufklärung, welcher aus dem vorigen Jahrhundert in dieses hineinwehte, ebenso gegen die übernationalen Gedanken der französischen Umsturz-Schwärmerei und der englisch-amerikanischen Nüchternheit im Umbau von Staat und Gesellschaft.— Ist es aber nicht ersichtlich, dass die hier—bei Wagner selbst und seinem Anhange—noch zurückgedrängt erscheinenden Gedanken- und Empfindungskreise längst von neuem wieder Gewalt bekommen haben, und dass jener späte musikalische Protest gegen sie zumeist in Ohren hineinklingt, die andere und entgegengesetzte Töne lieber hören? so dass eines Tages jene wunderbare und hohe Kunst ganz plötzlich unverständlich werden und sich Spinnweben und Vergessenheit über sie legen könnten.— Man darf sich über diese Sachlage nicht durch jene flüchtigen Schwankungen beirren lassen, welche als Reaktion innerhalb der Reaktion, als ein zeitweiliges Einsinken des Wellenbergs inmitten der gesamten Bewegung erscheinen; so mag dieses Jahrzehnt der nationalen Kriege, des ultramontanen Martyriums und der sozialistischen Beängstigung in seinen feineren Nachwirkungen auch der genannten Kunst zu einer plötzlichen Glorie verhelfen—ohne ihr damit die Bürgschaft dafür zu geben, dass sie "Zukunft habe," oder gar, dass sie die Zukunft habe.— Es liegt im Wesen der Musik, dass die Früchte ihrer grossen Kultur-Jahrgänge zeitiger unschmackhaft werden und rascher verderben als die Früchte der bildenden Kunst oder gar die auf dem Baume der Erkenntnis gewachsenen: unter allen Erzeugnissen des menschlichen Kunstsinns sind nämlich Gedanken das Dauerhafteste und Haltbarste.

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Die Dichter keine Lehrer mehr. — So fremd es unserer Zeit klingen mag: es gab Dichter und Künstler, deren Seele über die Leidenschaften und deren Krämpfe und Entzückungen hinaus war und die deshalb an reinlicheren Stoffen, würdigeren Menschen, zarteren Verknüpfungen und Lösungen ihre Freude hatten. Sind die jetzigen grossen Künstler meistens Entfesseler des Willens und unter Umständen eben dadurch Befreier des Lebens, so waren jene—Willens-Bändiger, Tier-Verwandeler, Menschen-Schöpfer und überhaupt Bildner, Um- und Fortbildner des Lebens: während der Ruhm der jetzigen im Abschirren, Kettenlösen, Zertrümmern liegen mag.— Die älteren Griechen verlangten vom Dichter, er solle der Lehrer der Erwachsenen sein: aber wie müsste sich jetzt ein Dichter schämen, wenn man dies von ihm verlangte,—er, der selber sich kein guter Lehrer war und daher selbst kein gutes Gedicht, kein schönes Gebilde wurde, sondern im günstigen Falle gleichsam der scheue, anziehende Trümmerhaufen eines Tempels, aber zugleich eine Höhle der Begierden, mit Blumen, Stechpflanzen, Giftkräutern ruinenhaft überwachsen, von Schlangen, Gewürm, Spinnen und Vögeln bewohnt und besucht—ein Gegenstand zum trauernden Nachsinnen darüber, warum jetzt das Edelste und Köstlichste sogleich als Ruine, ohne die Vergangenheit und Zukunft des Vollkommenseins, emporwachsen muss? —

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Vor- und Rückblick.— Eine Kunst, wie sie aus Homer, Sophokles, Theokrit, Calderon, Racine, Goethe ausströmt, als Überschuss einer weisen und harmonischen Lebensführung—das ist das Rechte, nach dem wir endlich greifen lernen, wenn wir selber weiser und harmonischer geworden sind: nicht jene barbarische, wenngleich noch so entzückende Aussprudelung hitziger und bunter Dinge aus einer ungebändigten, chaotischen Seele, welche wir früher als Jünglinge unter Kunst verstanden. Es begreift sich aber aus sich selber, dass für gewisse Lebenszeiten eine Kunst der Überspannung, der Erregung, des Widerwillens gegen das Geregelte, Eintönige, Einfache, Logische ein notwendiges Bedürfnis ist, welchem Künstler entsprechen müssen, damit die Seele solcher Lebenszeiten sich nicht auf anderem Weg, durch allerlei Unfug und Unart, entlade. So bedürfen die Jünglinge, wie sie meistens sind, voll, gärend, von nichts mehr als von der Langeweile gepeinigt,—so bedürfen Frauen, denen eine gute, die Seele füllende Arbeit fehlt, jener Kunst der entzückenden Unordnung. Um so heftiger noch entflammt sich ihre Sehnsucht nach einem Genügen ohne Wechsel, einem Glück ohne Betäubung und Rausch.

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Gegen die Kunst der Kunstwerke.— Die Kunst soll vor allem und zuerst das Leben verschönern, also uns selber den anderen erträglich, womöglich angenehm machen: mit dieser Aufgabe vor Augen mässigt sie und hält uns im Zaume, schafft Formen des Umgangs, bindet die Unerzogenen an Gesetze des Anstands, der Reinlichkeit, der Höflichkeit, des Redens und Schweigens zur rechten Zeit. Sodann soll die Kunst alles Hässliche verbergen oder umdeuten, jenes Peinliche, Schreckliche, Ekelhafte, welches trotz allem Bemühen immer wieder, gemäss der Herkunft der menschlichen Natur, herausbrechen wird: sie soll so namentlich in Hinsicht auf die Leidenschaften und seelischen Schmerzen und Ängste verfahren und im unvermeidlich oder unüberwindlich Hässlichen das Bedeutende durchschimmern lassen. Nach dieser grossen, ja übergrossen Aufgabe der Kunst ist die sogenannte eigentliche Kunst, die der Kunstwerke, nur ein Anhängsel. Ein Mensch, der einen Überschuss von solchen verschönernden, verbergenden und umdeutenden Kräften in sich fühlt, wird sich zuletzt noch in Kunstwerken dieses Überschusses zu entladen suchen; ebenso, unter besonderen Umständen, ein ganzes Volk.— Aber gewöhnlich fängt man jetzt die Kunst am Ende an, hängt sich an ihren Schweif und meint, die Kunst der Kunstwerke sei das Eigentliche, von ihr aus solle das Leben verbessert und umgewandelt werden—wir Toren! Wenn wir die Mahlzeit mit dem Nachtisch beginnen und Süssigkeiten über Süssigkeiten kosten, was wunders, wenn wir uns den Magen und selbst den Appetit für die gute, kräftige, nährende Mahlzeit, zu der uns die Kunst einladet, verderben!

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Fortbestehen der Kunst. — Wodurch besteht jetzt im Grunde eine Kunst der Kunstwerke fort? Dadurch, dass die meisten, welche Mussestunden haben—und nur für diese gibt es ja eine solche Kunst—, nicht glauben, ohne Musik, Theater- und Galerien-Besuch, ohne Roman- und Gedichte-lesen mit ihrer Zeit fertig zu werden. Gesetzt, man könnte sie von dieser Befriedigung abhalten, so würden sie entweder nicht so eifrig nach Musse streben und der neiderregende Anblick der Reichen würde seltener—ein grosser Gewinn für den Bestand der Gesellschaft; oder sie hätten Musse, lernten aber nachdenken— was man lernen und verlernen kann—, über ihre Arbeit zum Beispiel, ihre Verbindungen, über Freuden, die sie erweisen könnten: le Welt, mit Ausnahme der Künstler, hätte in beiden Fällen den Vorteil davon.— Es gibt gewiss manchen kraft- und sinnvollen Leser, der hier einen guten Einwand zu machen versteht. Der Plumpen und Böswilligen halber soll es doch einmal gesagt werden, dass es hier wie so oft in diesem Buche dem Autor eben auf den Einwand ankommt, und dass manches in ihm zu lesen ist, was nicht gerade darin geschrieben steht.

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Das Mundstück der Götter. — Der Dichter spricht die allgemeinen höheren Meinungen aus, welche ein Volk hat, er ist deren Mundstück und Flöte—aber er spricht sie, vermöge des Metrums und aller anderen künstlerischen Mittel so aus, dass das Volk sie wie etwas ganz Neues und Wunderhaftes nimmt und es vom Dichter allen Ernstes glaubt, er sei das Mundstück der Götter. Ja, in der Umwölkung des Schaffens vergisst der Dichter selber, wo er alle seine geistige Weisheit her hat—von Vater und Mutter, von Lehrern und Büchern aller Art, von der Strasse und namentlich von den Priestern; ihn täuscht seine eigene Kunst und er glaubt wirklich, in naiver Zeit, dass ein Gott durch ihn rede, dass er im Zustande einer religiösen Erleuchtung schaffe,—während er eben nur sagt, was er gelernt hat, Volks-Weisheit und Volks-Torheit miteinander. Also: insofern der Dichter wirklich vox populi ist, gilt er als vox dei.

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Was alle Kunst will und nicht kann. — Die schwerste und letzte Aufgabe des Künstlers ist die Darstellung des Gleichbleibenden, in sich Ruhenden, Hohen, Einfachen, vom Einzelreiz weit Absehenden; deshalb werden die höchsten Gestaltungen sittlicher Vollkommenheit von den schwächeren Künstlern selbst als unkünstlerische Vorwürfe abgelehnt, weil ihrem Ehrgeize der Anblick dieser Früchte gar zu peinlich ist: sie glänzen ihnen aus den äussersten Ästen der Kunst entgegen, aber es fehlt ihnen Leiter, Mut und Handgriff, um sich so hoch wagen zu dürfen. An sich ist ein Phidias als Dichter recht wohl möglich, aber, in Anbetracht der modernen Kraft, fast nur im Sinne des Wortes, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. Schon der Wunsch nach einem dichterischen Claude Lorrain ist ja gegenwärtig eine Unbescheidenheit, so sehr einen das Herz danach verlangen heisst.— Der Darstellung des höchsten Menschen, das heisst des einfachsten und zugleich vollsten, war bis jetzt kein Künstler gewachsen; vielleicht aber haben die Griechen, im Ideal der Athene, am weitesten von allen bisherigen Menschen den Blick geworfen.

178

Kunst und Restauration. — Die rückläufigen Bewegungen in der Geschichte, die sogenannten Restaurationszeiten, welche einem geistigen und gesellschaftlichen Zustand, der vor dem zuletzt bestehenden lag, wieder Leben zu geben suchen und denen eine kurze Toten-Erweckung auch wirklich zu gelingen scheint, haben den Reiz gemütvoller Erinnerung, sehnsüchtigen Verlangens nach fast Verlorenem, hastigen Umarmens von minutenlangem Glücke. Wegen dieser seltsamen Vertiefung der Stimmung finden gerade in solchen flüchtigen, fast traumhaften Zeiten Kunst und Dichtung einen natürlichen Boden: wie an steil absinkenden Bergeshängen die zartesten und seltensten Pflanzen wachsen.— So treibt es manchen guten Künstler unvermerkt zu einer Restaurations-Denkweise in Politik und Gesellschaft, für welche er sich, auf eigene Faust, ein stilles Winkelchen und Gärtchen zurechtmacht: wo er dann die menschlichen Überreste jener ihn anheimelnden Geschichtsepoche um sich sammelt und vor lauter Toten, Halbtoten und Sterbensmüden sein Saitenspiel ertönen lässt, vielleicht mit dem erwähnten Erfolge einer kurzen Toten-Erweckung.

179

Glück der Zeit.— In zwei Beziehungen ist unsere Zeit glücklich zu preisen. In Hinsicht auf die Vergangenheit geniessen wir alle Kulturen und deren Hervorbringungen und nähren uns mit dem edelsten Blute aller Zeiten, wir stehen noch dem Zauber der Gewalten, aus deren Schosse jene geboren wurden, nahe genug, um uns vorübergehend ihnen mit Lust und Schauder unterwerfen zu können: während frühere Kulturen nur sich selber zu geniessen vermochten und nicht über sich hinaussahen, vielmehr wie von einer weiter oder enger gewölbten Glocke überspannt waren, aus welcher zwar Licht auf sie herabströmte, durch welche aber kein Blick hindurchdrang. In Hinsicht auf die Zukunft erschliesst sich uns zum ersten Male in der Geschichte der ungeheure Weitblick menschlich-ökumenischer, die ganze bewohnte Erde umspannender Ziele. Zugleich fühlen wir uns der Kräfte bewusst, diese neue Aufgabe ohne Anmassung selber in die Hand nehmen zu dürfen, ohne übernatürlicher Beistände zu bedürfen; ja, möge unser Unternehmen ausfallen wie es wolle, mögen wir unsere Kräfte überschätzt haben, jedenfalls gibt es niemanden, dem wir Rechenschaft schuldeten als uns selbst: die Menschheit kann von nun an durchaus mit sich anfangen, was sie will.— Es gibt freilich sonderbare Menschen-Bienen, welche aus dem Kelche aller Dinge immer nur das Bitterste und Ärgerlichste zu saugen verstehen;—und in der Tat, alle Dinge enthalten etwas von diesem Nicht-Honig in sich. Diese mögen über das geschilderte Glück unseres Zeitalters in ihrer Art empfinden und an ihrem Bienen-Korb des Missbehagens weiterbauen.

180

Eine Vision. — Lehr- und Betrachtungsstunden für Erwachsene, Reife und Reifste, und diese täglich, ohne Zwang, aber nach dem Gebot der Sitte von jedermann besucht: die Kirchen als die würdigsten und erinnerungsreichsten Stätten dazu: gleichsam alltägliche Festfeiern der erreichten und erreichbaren menschlichen Vernunftwürde: ein neueres und volleres Auf- und Ausblühen des Lehrer-Ideals, in welches der Geistliche, der Künstler und der Arzt, der Wissende und der Weise hineinverschmelzen, wie deren Einzel-Tugenden als Gesamt-Tugend auch in der Lehre selber, in ihrem Vortrag, ihrer Methode zum Vorschein kommen müssten,—dies ist meine Vision, die mir immer wiederkehrt und von der ich fest glaube, dass sie einen Zipfel des Zukunfts-Schleiers gehoben hat.

181

Erziehung Verdrehung. — Die ausserordentliche Unsicherheit alles Unterrichtswesens, auf Grund deren jetzt jeder Erwachsene das Gefühl bekommt, sein einziger Erzieher sei der Zufall gewesen,—das Windfahnenhafte der erzieherischen Methoden und Absichten erklärt sich daraus, dass jetzt die ältesten und die neuesten Kulturmächte wie in einer wilden Volksversammlung mehr gehört als verstanden werden wollen und um jeden Preis durch ihre Stimme, ihr Geschrei beweisen wollen, dass sie noch existieren oder dass sie schon existieren. Die armen Lehrer und Erzieher sind bei diesem widersinnigen Lärm erst betäubt, dann still und endlich stumpf geworden und lassen alles über sich ergehen, wie sie nun wieder auch alles über ihre Zöglinge ergehen lassen. Sie selbst sind nicht erzogen: wie sollten sie erziehen? Sie selbst sind keine gerade gewachsenen, kräftigen, saftvollen Stämme: wer sich an sie anschliessen will, wird sich winden und krümmen müssen und zuletzt verdreht und verwachsen erscheinen.

182

Philosophen und Künstler der Zeit. — Wüstheit und Kaltsinn, Brand der Begierden, Abkühlung des Herzens—dies widerliche Nebeneinander findet sich im Bilde der höheren europäischen Gesellschaft der Gegenwart. Da glaubt der Künstler schon viel zu erreichen, wenn er durch seine Kunst neben dem Brande der Begierde auch einmal den Brand des Herzens aufflammen macht: und ebenso der Philosoph, wenn er bei der Kühle des Herzens, die er mit seiner Zeit gemein hat, auch die Hitze der Begierde durch sein weltverneinendes Urteilen in sich und jener Gesellschaft abkühlt.

183

Nicht ohne Not Soldat der Kultur sein. — Endlich, endlich lernt man, was nicht zu wissen einem in jüngeren Jahren so viel Einbusse macht: dass man zuerst das Vortreffliche tun, zu zweit das Vortreffliche aufsuchen müsse, wo und unter welchen Namen es auch zu finden sei: dass man dagegen allem Schlechten und Mittelmässigen sofort aus dem Wege gehe, ohne es zu bekämpfen, und dass schon der Zweifel an der Güte einer Sache—wie er bei geübterem Geschmacke schnell entsteht—uns als Argument gegen sie und als Anlass, ihr völlig auszuweichen, gelten dürfe: auf die Gefahr hin, einige Male dabei zu irren und das schwerer zugängliche Gute mit dem Schlechten und Unvollkommenen zu verwechseln. Nur wer nichts Besseres kann, soll den Schlechtigkeiten der Welt zu Leibe gehn, als der Soldat der Kultur. Aber der Nähr- und Lehrstand derselben richtet sich zugrunde, wenn er in Waffen einhergehen will und den Frieden seines Berufs und Hauses durch Vorsorge, Nachtwachen und böse Träume in unheimliche Friedlosigkeit umkehrt.

184

Wie Naturgeschichte zu erzählen ist. — Die Naturgeschichte, als die Kriegs- und Siegesgeschichte der sittlich-geistigen Kraft im Widerstande gegen Angst, Einbildung, Trägheit, Aberglaube, Narrheit, sollte so erzählt werden, dass jeder, der sie hört, zum Streben nach geistig-leiblicher Gesundheit und Blüte, zum Frohgefühl, Erbe und Fortsetzer des Menschlichen zu sein, und zu einem immer edleren Unternehmungs-Bedürfnis unaufhaltsam fortgerissen würde. Bis jetzt hat sie ihre rechte Sprache noch nicht gefunden, weil die spracherfinderischen und beredten Künstler—denn deren bedarf es hierzu—gegen sie ein verstocktes Misstrauen nicht loswerden und vor allem nicht gründlich von ihr lernen wollen. Immerhin ist den Engländern zuzugestehen, dass sie in ihren naturwissenschaftlichen Lehrbüchern für die niederen Volksschichten bewunderungswürdige Schritte nach jenem Ideale hin gemacht haben: dafür werden diese auch von ihren ausgezeichnetsten Gelehrten—ganzen, vollen und füllenden Naturen—gemacht, nicht, wie bei uns, von den Mittelmässigkeiten der Forschung.

185

Genialität der Menschheit. — Wenn Genialität, nach Schopenhauers Beobachtung, in der zusammenhängenden und lebendigen Erinnerung an das Selbst-Erlebte besteht, so möchte im Streben nach Erkenntnis des gesamten historischen Gewordenseins—welches immer mächtiger die neuere Zeit gegen alle früheren abhebt und zum ersten Male zwischen Natur und Geist, Mensch und Tier, Moral und Physik die alten Mauern zerbrochen hat—ein Streben nach Genialität der Menschheit im ganzen zu erkennen sein. Die vollendet gedachte Historie wäre kosmisches Selbstbewusstsein.

186

Kultus der Kultur. — Grossen Geistern ist das abschreckende Allzumenschliche ihres Wesens, ihrer Blindheiten, Verkrümmungen, Masslosigkeiten beigegeben, damit ihr mächtiger, leicht allzumächtiger Einfluss fortwährend durch das Misstrauen, welches jene Eigenschaften einflössen, in Schranken gehalten werde. Denn das System alles dessen, was die Menschheit zu ihrem Fortbestehen nötig hat, ist so umfassend und nimmt so verschiedenartige und zahlreiche Kräfte in Anspruch, dass für jede einseitigeBevorzugung, sei es der Wissenschaft oder des Staates oder der Kunst oder des Handels, wozu jene Einzelnen treiben, die Menschheit als Ganzes harte Busse zahlen muss. Es ist immer das grösste Verhängnis der Kultur gewesen, wenn Menschen angebetet wurden: in welchem Sinn man sogar mit dem Spruche des mosaischen Gesetzes zusammenfühlen darf, welcher verbietet, neben Gott andere Götter zu haben.— Dem Kultus des Genius und der Gewalt muss man, als Ergänzung und Heilmittel, immer den Kultus der Kultur zur Seite stellen: welcher auch dem Stofflichen, Geringen, Niedrigen, Verkannten, Schwachen, Unvollkommnen, Einseitigen, Halben, Unwahren, Scheinenden, ja dem Bösen und Furchtbaren eine verständnisvolle Würdigung und das Zugeständnis, dass dies alles nötig sei, zu schenken weiss; denn der Zusammen- und Fortklang alles Menschlichen, durch erstaunliche Arbeiten und Glücksfälle erreicht, und ebenso sehr das Werk von Zyklopen und Ameisen als von Genies, soll nicht wieder verloren gehen: wie dürften wir da des gemeinsamen tiefen, oft unheimlichen Grundbasses entraten können, ohne den ja Melodie nicht Melodie zu sein vermag?

187

Die alte Welt und die Freude.— Die Menschen der alten Welt wussten sich besser zu freuen: wir, uns weniger zu betrüben; jene machten immerfort neue Anlässe, sich wohl zu fühlen und Feste zu feiern, ausfindig, mit allem ihrem Reichtum von Scharfsinn und Nachdenken: während wir unsern Geist auf Lösung von Aufgaben verwenden, welche mehr die Schmerzlosigkeit, die Beseitigung von Unlustquellen im Auge haben. In betreff des leidenden Daseins suchten die Alten zu vergessen oder die Empfindung ins Angenehme irgendwie umzubiegen: so dass sie hierin palliativisch zu helfen suchten, während wir den Ursachen des Leidens zu Leibe gehen und im ganzen lieber prophylaktisch wirken.— Vielleicht bauen wir nur die Grundlagen, auf denen spätere Menschen auch wieder den Tempel der Freude errichten.

188

Die Musen als Lügnerinnen.— "Wir verstehen uns darauf, viele Lügen zu sagen"—so sangen einstmals die Musen, als sie sich vor Hesiod offenbarten.— Es führt zu wesentlichen Entdeckungen, wenn man den Künstler einmal als Betrüger fasst.

189

Wie paradox Homer sein kann. — Gibt es etwas Verwegeneres, Schauerlicheres, Unglaublicheres, das über Menschenschicksal, gleich der Wintersonne, so hinleuchtet, wie jener Gedanke, der sich bei Homer findet:das ja fügte der Götter Beschluss und verhängte den Menschen_
Untergang, dass es wär' ein Gesang auch späten Geschlechtern.Also: wir leiden und gehen zugrunde, damit es den Dichtern nicht an Stoff fehle—und dies ordnen geradeso die Götter Homers an, welchen an der Lustbarkeit der kommenden Geschlechter sehr viel gelegen scheint, aber allzu wenig an uns, den Gegenwärtigen.— Dass je solche Gedanken in den Kopf eines Griechen gekommen sind!_

190

Nachträgliche Rechtfertigung des Daseins. — Manche Gedanken sind als Irrtümer und Phantasmen in die Welt getreten, aber zu Wahrheiten geworden, weil die Menschen ihnen hinterdrein ein wirkliches Substrat untergeschoben haben.

191

Pro und Contra nötig.— Wer nicht begriffen hat, dass jeder grosse Mann nicht nur gefördert, sondern auch, der allgemeinen Wohlfahrt wegen, bekämpft werden muss, ist gewiss noch ein grosses Kind—oder selber ein grosser Mann.

192

Ungerechtigkeit des Genies. — Das Genie ist am ungerechtesten gegen die Genies, falls sie seine Zeitgenossen sind: einmal glaubt es sie nicht nötig zu haben und hält sie deshalb überhaupt für überflüssig—denn es ist ohne sie, was es ist—, sodann kreuzt ihr Einfluss die Wirkung seines elektrischen Stroms: weshalb es sie sogar schädlich nennt.

193

Schlimmstes Schicksal eines Propheten. — Er arbeitete zwanzig Jahre daran, seine Zeitgenossen von sich zu überzeugen—es gelingt ihm endlich; aber inzwischen war es seinen Gegnern auch gelungen: er war nicht mehr von sich überzeugt.

194

Drei Denker gleich einer Spinne. — In jeder philosophischen Sekte folgen drei Denker in diesem Verhältnisse aufeinander: der erste erzeugt aus sich den Saft und Samen, der zweite zieht ihn zu Fäden aus und spinnt ein künstliches Netz, der dritte lauert in diesem Netz auf Opfer, die sich hier verfangen—und sucht von der Philosophie zu leben.

195

Aus dem Verkehre mit Autoren. — Es ist eine ebenso schlechte Manier, mit einem Autor umzugehn, wenn man ihn an der Nase fasst, wie wenn man ihn an seinem Horne fasst—und jeder Autor hat sein Horn.

196

Zweigespann. — Unklarheit des Denkens und Gefühlsschwärmerei sind ebenso häufig mit dem rücksichtslosen Willen, sich selber mit allen Mitteln durchzusetzen, sich allein gelten zu lassen, verbunden wie herzhaftes Helfen, Gönnen und Wohlwollen mit dem Triebe nach Helle und Reinlichkeit des Denkens, nach Mässigung und Ansichhalten des Gefühls.

197

Das Bindende und das Trennende. — Liegt nicht im Kopfe das, was die Menschen verbindet—das Verständnis für gemeinsamen Nutzen und Nachteil—, und im Herzen das, was sie trennt—das blinde Auswählen und Zutappen in Liebe und Hass, die Hinwendung zu einem auf Unkosten aller und die daraus entspringende Verachtung des allgemeinen Nutzens?

198

Schützen und Denker. — Es gibt kuriose Schützen, welche zwar das Ziel verfehlen, aber mit dem heimlichen Stolz vom Schiessstande abtreten, dass ihre Kugel jedenfalls sehr weit (allerdings über das Ziel hinaus) geflogen ist, oder dass sie zwar nicht das Ziel, aber etwas anderes getroffen haben. Und ebensolche Denker gibt es.

199

Von zwei Seiten aus. — Man feindet eine geistige Richtung und Bewegung an, wenn man ihr überlegen ist und ihr Ziel missbilligt, oder wenn ihr Ziel zu hoch und unserem Auge unerkennbar, also wenn sie uns überlegen ist. So kann dieselbe Partei von zwei Seiten aus, von oben und von unten her, bekämpft werden; und nicht selten schliessen die Angreifenden aus gemeinsamem Hass ein Bündnis miteinander, das widerlicher ist als alles, was sie hassen.

200

Original.— Nicht dass man etwas Neues zuerst sieht, sondern dass man das Alte, Altbekannte, von jedermann Gesehene und Übersehene wie neu sieht, zeichnet die eigentlich originalen Köpfe aus. Der erste Entdecker ist gemeinhin jener ganz gewöhnliche und geistlose Phantast—der Zufall.

201

Irrtum der Philosophen. — Der Philosoph glaubt, der Wert seiner Philosophie liege im Ganzen, im Bau: die Nachwelt findet ihn im Stein, mit dem er baute und mit dem, von da an, noch oft und besser gebaut wird: also darin, dass jener Bau zerstört werden kann und doch noch als Material Wert hat.

202

Witz.— Der Witz ist das Epigramm auf den Tod eines Gefühls.

203

Im Augenblicke vor der Lösung. — In der Wissenschaft kommt es alle Tage und Stunden vor, dass einer unmittelbar vor der Lösung stehen bleibt, überzeugt, jetzt sei sein Bemühen völlig umsonst gewesen,—gleich einem, der, eine Schleife aufziehend, im Augenblicke, wo sie der Lösung am nächsten ist, zögert: denn da gerade sieht sie einem Knoten am ähnlichsten.

204

Unter die Schwärmergehen. — Der besonnene und seines Verstandes sichere Mensch kann mit Gewinnst ein Jahrzehnt unter die Phantasten gehen und sich in dieser heissen Zone einer bescheidenen Tollheit überlassen. Damit hat er ein gutes Stück Wegs gemacht, um zuletzt zu jenem Kosmopolitismus des Geistes zu gelangen, welcher ohne Anmassung sagen darf: "nichts Geistiges ist mir mehr fremd."

205

Scharfe Luft.— Das Beste und Gesündeste in der Wissenschaft wie im Gebirge ist die scharfe Luft, die in ihnen weht.— Die Geistig-Weichlichen (wie die Künstler) scheuen und verlästern dieser Luft halber die Wissenschaft.

206

Warum Gelehrte edler als Künstler sind.— Die Wissenschaft bedarf edlerer Naturen als die Dichtkunst: sie müssen einfacher, weniger ehrgeizig, enthaltsamer, stiller, nicht so auf Nachruhm bedacht sein und sich über Sachen vergessen, welche selten dem Auge vieler eines solchen Opfers der Persönlichkeit würdig erscheinen. Dazu kommt eine andre Einbusse, deren sie sich bewusst sind: die Art ihrer Beschäftigung, die fortwährende Aufforderung zur grössten Nüchternheit schwächt ihren Willen, das Feuer wird nicht so stark unterhalten wie auf dem Herde der dichterischen Naturen: und deshalb verlieren sie häufig in früheren Lebensjahren als jene ihre höchste Kraft und Blüte—und, wie gesagt, sie wissen um diese Gefahr. Unter allen Umständen erscheinen sie unbegabter, weil sie weniger glänzen, und werden für weniger gelten, als sie sind.

207

Inwiefern die Pietät verdunkelt. — Dem grossen Manne macht man, in späteren Jahrhunderten, alle grossen Eigenschaften und Tugenden seines Jahrhunderts zum Geschenk—und so wird alles Beste fortwährend durch die Pietät verdunkelt, welche es als ein heiliges Bild ansieht, an dem man Weihgeschenke aller Art aufhängt und aufstellt—bis es endlich ganz durch dieselben verdeckt und umhüllt wird und fürderhin mehr ein Gegenstand des Glaubens als des Schauens ist.

208

Auf dem Kopfe stehen. — Wenn wir die Wahrheit auf den Kopf stellen, bemerken wir gewöhnlich nicht, dass auch unser Kopf nicht dort steht, wo er stehen sollte.

209

Ursprung und Nutzen der Mode.— Die ersichtliche Selbstzufriedenheit des einzelnen mit seiner Form macht die Nachahmung rege und erschafft allmählich die Form der Vielen, das heisst die Mode: diese Vielen wollen durch die Mode eben jene so wohltuende Selbstzufriedenheit mit der Form und erlangen sie auch.— Wenn man erwägt, wie viel Gründe zur Ängstlichkeit und schüchternem Sichverstecken jeder Mensch hat und wie Dreiviertel seiner Energie und seines guten Willens durch jene Gründe gelähmt und unfruchtbar werden können, so muss man der Mode vielen Dank zollen, insofern sie jenes Dreiviertel entfesselt und Selbstvertrauen und gegenseitiges heiteres Entgegenkommen denen mitteilt, welche sich untereinander an ihr Gesetz gebunden wissen. Auch törichte Gesetze geben Freiheit und Ruhe des Gemüts, sofern sich nur viele ihnen unterworfen haben.

210

Zungenlöser.— Der Wert mancher Menschen und Bücher beruht allein in der Eigenschaft, jedermann zum Aussprechen des Verborgensten, Innersten zu nötigen: es sind Zungenlöser und Brecheisen für die verbissensten Zähne. Auch manche Ereignisse und Übeltaten, welche scheinbar nur zum Fluche der Menschheit da sind, haben jenen Wert und Nutzen.

211

Freizügige Geister. — Wer von uns würde sich einen freien Geist zu nennen wagen, wenn er nicht auf seine Art jenen Männern, denen man diesen Namen als Schimpf anhängt, eine Huldigung darbringen möchte, indem er etwas von jener Last der öffentlichen Missgunst und Beschimpfung auf seine Schultern ladet? Wohl aber dürften wir uns "freizügige Geister" in allem Ernste (und ohne diesen hoch- oder grossmütigen Trotz) nennen, weil wir den Zug zur Freiheit als stärksten Trieb unseres Geistes fühlen und im Gegensatz zu den gebundenen und festgewurzelten Intellekten unser Ideal fast in einem geistigen Nomadentum sehen—um einen bescheidenen und fast abschätzigen Ausdruck zu gebrauchen.

212

Ja die Gunst der Musen!— Was Homer darüber sagt, greift ins Herz, so wahr, so schrecklich ist es: "herzlich liebt' ihn die Muse und gab ihm Gutes und Böses; denn die Augen entnahm sie und gab ihm süssen Gesang ein." — Dies ist ein Text ohne Ende für den Denkenden: Gutes und Böses gibt sie, das ist ihre Art von herzlicher Liebe! Und jeder wird es sich besonders auslegen, warum wir Denker und Dichter unsre Augen darangeben müssen.

213

Gegen die Pflege der Musik. — Die künstlerische Ausbildung des Auges von Kindheit an, durch Zeichnen und Malen, durch Skizzieren von Landschaften, Personen, Vorgängen, bringt nebenbei den für das Leben unschätzbaren Gewinn mit sich, das Auge zum Beobachten von Menschen und Lagen scharf, ruhig und ausdauernd zu machen. Ein ähnlicher Neben-Vorteil erwächst aus der künstlerischen Pflege des Ohres nicht: weshalb Volksschulen im allgemeinen gut tun werden, der Kunst des Auges von der des Ohres den Vorzug zu geben.

214

Die Entdecker von Trivialitäten. — Subtile Geister, denen nichts ferner liegt als eine Trivialität, entdecken oft nach allerlei Umschweifen und Gebirgspfaden eine solche und haben grosse Freude daran, zur Verwunderung der Nicht-Subtilen.

215

Moral der Gelehrten. — Ein regelmässiger und schneller Fortschritt der Wissenschaften ist nur möglich, wenn der einzelne nicht zu misstrauisch sein muss, um jede Rechnung und Behauptung anderer nachzuprüfen, auf Gebieten, die ihm ferner liegen: dazu aber ist die Bedingung, dass jeder auf seinem eigenen Felde Mitbewerber hat, die äusserst misstrauisch sind und ihm scharf auf die Finger sehen. Aus diesem Nebeneinander von "nicht zu misstrauisch" und "äusserst misstrauisch" entsteht die Rechtschaffenheit in der Gelehrten-Republik.

216

Grund der Unfruchtbarkeit. — Es gibt höchst begabte Geister, welche nur deshalb immer unfruchtbar sind, weil sie, aus einer Schwäche des Temperamentes, zu ungeduldig sind, ihre Schwangerschaft abzuwarten.

217

Verkehrte Welt der Tränen. — Das vielfache Missbehagen, welches die Ansprüche der höheren Kultur dem Menschen machen, verkehrt endlich die Natur so weit, dass er für gewöhnlich starr und stoisch sich hält und nur noch für die seltenen Anfälle des Glücks die Tränen übrig hat, ja dass mancher schon bei dem Genusse der Schmerzlosigkeit weinen muss:—nur im Glücke schlägt sein Herz noch.

218

Die Griechen als Dolmetscher. — Wenn wir von den Griechen reden, reden wir unwillkürlich zugleich von heute und gestern: ihre allbekannte Geschichte ist ein blanker Spiegel, der immer etwas widerstrahlt, das nicht im Spiegel selbst ist. Wir benutzen die Freiheit, von ihnen zu reden, um von anderen schweigen zu dürfen—damit jene nun selber dem sinnenden Leser etwas ins Ohr sagen. So erleichtern die Griechen dem modernen Menschen das Mitteilen von mancherlei schwer Mitteilbarem und Bedenklichem.

219

Vom erworbenen Charakter der Griechen. — Wir lassen uns leicht durch die berühmte griechische Helle, Durchsichtigkeit, Einfachheit und Ordnung, durch das Kristallhaft-Natürliche und zugleich Kristallhaft-Künstliche griechischer Werke verführen zu glauben, das sei alles den Griechen geschenkt: sie hätten zum Beispiel gar nicht anders gekonnt als gut schreiben, wie dies Lichtenberg einmal ausspricht. Aber nichts ist voreiliger und unhaltbarer. Die Geschichte der Prosa von Gorgias bis Demosthenes zeigt ein Arbeiten und Ringen aus dem Dunklen, Überladnen, Geschmacklosen heraus zum Lichte hin, dass man an die Mühsal der Heroen erinnert wird, welche die ersten Wege durch Wald und Sümpfe zu bahnen hatten. Der Dialog der Tragödie ist die eigentliche Tat der Dramatiker, wegen seiner ungemeinen Helle und Bestimmtheit, bei einer Volksanlage, welche im Symbolischen und Andeutenden schwelgte und durch die grosse chorische Lyrik dazu noch eigens erzogen war: wie es die Tat Homers ist, die Griechen von dem asiatischen Pomp und dem dumpfen Wesen befreit und die Helle der Architektur, im grossen und einzelnen, errungen zu haben. Es galt auch keineswegs für leicht, etwas recht rein und leuchtend zu sagen; woher sonst die hohe Bewunderung für das Epigramm des Simonides, das ja so schlicht sich gibt, ohne vergoldete Spitzen, ohne Arabesken des Witzes—aber es sagt, was es zu sagen hat, deutlich, mit der Ruhe der Sonne, nicht mit der Effekthascherei eines Blitzes. Weil das Zustreben zum Lichte aus einer gleichsam eingeborenen Dämmerung griechisch ist, so geht ein Frohlocken durch das Volk beim Hören einer lakonischen Sentenz, bei der Sprache der Elegie, den Sprüchen der sieben Weisen.— Deshalb wurde das Vorschriftengeben in Versen, das uns anstössig ist, so geliebt, als eigentliche apollinische Aufgabe für den hellenischen Geist, um über die Gefahren des Metrons, über die Dunkelheit, welche der Poesie sonst eigen ist, Sieger zu werden. Die Schlichtheit, die Geschmeidigkeit, die Nüchternheit sind der Volksanlage angerungen, nicht mitgegeben—die Gefahr eines Rückfalls ins Asiatische schwebte immer über den Griechen, und wirklich kam es von Zeit zu Zeit über sie wie ein dunkler überschwemmender Strom mystischer Regungen, elementarer Wildheit und Finsternis. Wir sehen sie untertauchen, wir sehen Europa gleichsam weggespült, überflutet—denn Europa war damals sehr klein—, aber immer kommen sie auch wieder ans Licht, gute Schwimmer und Taucher wie sie sind, das Volk des Odysseus.

220

Das eigentlich Heidnische. — Vielleicht gibt es nichts Befremdenderes für den, welcher sich die griechische Welt ansieht, als zu entdecken, dass die Griechen allen ihren Leidenschaften und bösen Naturhängen von Zeit zu Zeit gleichsam Feste gaben und sogar eine Art Festordnung ihres Allzumenschlichen von Staats wegen einrichteten: es ist dies das eigentlich Heidnische ihrer Welt, vom Christentume aus nie begriffen, nie zu begreifen und stets auf das härteste bekämpft und verachtet.— Sie nahmen jenes Allzumenschliche als unvermeidlich und zogen vor, statt es zu beschimpfen, ihm eine Art Recht zweiten Ranges durch Einordnung in die Bräuche der Gesellschaft und des Kultus zu geben: ja alles, was im Menschen Macht hat, nannten sie göttlich und schrieben es an die Wände ihres Himmels. Sie leugnen den Naturtrieb, der in den schlimmen Eigenschaften sich ausdrückt, nicht ab, sondern ordnen ihn ein und beschränken ihn auf bestimmte Kulte und Tage, nachdem sie genug Vorsichtsmassregeln erfunden haben, um jenen wilden Gewässern einen möglichst unschädlichen Abfluss geben zu können. Dies ist die Wurzel aller moralistischen Freisinnigkeit des Altertums. Man gönnte dem Bösen und Bedenklichen, dem Tierisch-Rückständigen ebenso wie dem Barbaren, Vor-Griechen und Asiaten, welcher im Grunde des griechischen Wesens noch lebte, eine mässige Entladung und strebte nicht nach seiner völligen Vernichtung. Das ganze System solcher Ordnungen umfasste der Staat, der nicht auf einzelne Individuen oder Kasten, sondern auf die gewöhnlichen menschlichen Eigenschaften hin konstruiert war. In seinem Bau zeigen die Griechen jenen wunderbaren Sinn für das Typisch-Tatsächliche, der sie später befähigte, Naturforscher, Historiker, Geographen und Philosophen zu werden. Es war nicht ein beschränktes priesterliches oder kastenmässiges Sittengesetz, welches bei der Verfassung des Staates und Staats-Kultus zu entscheiden hatte: sondern die umfänglichste Rücksicht auf die Wirklichkeit alles Menschlichen.— Woher haben die Griechen diese Freiheit, diesen Sinn für das Wirkliche? Vielleicht von Homer und den Dichtern vor ihm; denn gerade die Dichter, deren Natur nicht die gerechteste und weiseste zu sein pflegt, besitzen dafür jene Lust am Wirklichen, Wirkenden jeder Art und wollen selbst das Böse nicht völlig verneinen: es genügt ihnen, dass es sich mässige und nicht alles totschlage oder innerlich giftig mache—das heisst, sie denken ähnlich wie die griechischen Staatenbildner und sind deren Lehrmeister und Wegebahner gewesen.

221

Ausnahme-Griechen. — In Griechenland waren die tiefen, gründlichen, ernsten Geister die Ausnahme: der Instinkt des Volkes ging vielmehr dahin, das Ernste und Gründliche als eine Art von Verzerrung zu empfinden. Die Formen aus der Fremde entlehnen, nicht schaffen, aber zum schönsten Schein umbilden—das ist griechisch: nachahmen, nicht zum Gebrauch, sondern zur künstlerischen Täuschung, über den aufgezwungenen Ernst immer wieder Herr werden, ordnen, verschönern, verflachen—so geht es fort von Homer bis zu den Sophisten des dritten und vierten Jahrhunderts der neuen Zeitrechnung, welche ganz Aussenseite, pomphaftes Wort, begeisterte Gebärde sind und sich an lauter ausgehöhlte schein-, klang- und effektlüsterne Seelen wenden.— Und nun würdige man die Grösse jener Ausnahme-Griechen, welche die Wissenschaft schufen! Wer von ihnen erzählt, erzählt die heldenhafteste Geschichte des menschlichen Geistes!

222

Das Einfache nicht das erste, noch das letzte der Zeit nach. — In die Geschichte der religiösen Vorstellungen wird viel falsche Entwicklung und Allmählichkeit hineingedichtet, bei Dingen, die in Wahrheit nicht aus- und hintereinander, sondern nebeneinander und getrennt aufgewachsen sind; namentlich ist das Einfache viel zu sehr noch im Rufe, das Älteste und Anfänglichste zu sein. Nicht wenig Menschliches entsteht durch Subtraktion und Division und gerade nicht durch Verdopplung, Zusatz, Zusammenbildung.— Man glaubt zum Beispiel immer noch an eine allmähliche Entwicklung der Götterdarstellungvon jenen ungefügen Holzklötzen und Steinen aus bis zur vollen Vermenschlichung hinauf: und doch steht es gerade so, dass, solange die Gottheit in Bäume, Holzstücke, Steine, Tiere hinein verlegt und empfunden wurde, man sich vor einer Anmenschlichung ihrer Gestalt wie vor einer Gottlosigkeit scheute. Erst die Dichter haben, abseits vom Kultus und dem Banne der religiösen Scham, die innere Phantasie der Menschen daran gewöhnen, dafür willig machen müssen; überwogen aber wieder frömmere Stimmungen und Augenblicke, so trat dieser befreiende Einfluss der Dichter wieder zurück und die Heiligkeit verblieb nach wie vor auf Seite des Ungetümlichen, Unheimlichen, ganz eigentlich Unmenschlichen. Selbst aber vieles von dem, was die innere Phantasie sich zu bilden wagt, würde doch noch, in äussere leibhafte Darstellung übersetzt, peinlich wirken: das innere Auge ist um vieles kühner und weniger schamhaft als das äussere (woraus sich die bekannte Schwierigkeit und teilweise Unmöglichkeit ergibt, epische Stoffe in dramatische umzuwandeln). Die religiöse Phantasie will lange Zeit durchaus nicht an die Identität des Gottes mit einem Bilde glauben: das Bild soll das numen der Gottheit in irgend einer geheimnisvollen, nicht völlig auszudenkenden Weise hier als tätig, als örtlich gebannt erscheinen lassen. Das älteste Götterbild soll den Gott bergen und zugleich verbergen— ihn andeuten, aber nicht zur Schau stellen. Kein Grieche hat je innerlich seinen Apollo als Holz-Spitzsäule, seinen Eros als Steinklumpen angeschaut; es waren Symbole, welche gerade Angst vor der Veranschaulichung machen sollten. Ebenso steht es noch mit jenen Hölzern, denen mit dürftigster Schnitzerei einzelne Glieder, mitunter in der Überzahl, angebildet waren: wie ein lakonischer Apollo vier Hände und vier Ohren hatte. In dem Unvollständigen Andeutenden oder Übervollständigen liegt eine grausenhafte Heiligkeit, welche abwehren soll, an Menschliches, Menschenartiges zu denken. Es ist nicht eine embryonische Stufe der Kunst, in der man so etwas bildet: als ob man in der Zeit, wo man solche Bilder verehrte, nicht hätte deutlicher reden, sinnfälliger darstellen können. Vielmehr scheut man gerade eines: das direkte Heraussagen. Wie die Cella das Allerheiligste, das eigentliche numen der Gottheit birgt und in geheimnisvolles Halbdunkel versteckt, doch nicht ganz; wie wiederum der peripterische Tempel die Cella birgt, gleichsam mit einem Schirm und Schleier vor dem ungescheuten Auge schützt, aber nicht ganz: so ist das Bild die Gottheit und zugleich Versteck der Gottheit.— Erst als ausserhalb des Kultus, in der profanen Welt des Wettkampfes, die Freude an dem Sieger im Kampfe so hoch gestiegen war, dass die hier erregten Wellen in den See der religiösen Empfindungen hinüberschlugen, erst als das Standbild des Siegers in den Tempelhöfen aufgestellt wurde und der fromme Besucher des Tempels freiwillig oder unfreiwillig sein Auge wie seine Seele an diesen unumgänglichen Anblick menschlicher Schönheit und Überkraft gewöhnen musste, so dass, bei der räumlichen und seelischen Nachbarschaft, Mensch- und Gottverehrung ineinander überklangen: da erst verliert sich auch die Scheu vor der eigentlichen Vermenschlichung des Götterbildes, und der grosse Tummelplatz für die grosse Plastik wird aufgetan: auch jetzt noch mit der Beschränkung, dass überall, wo angebetet werden soll, die uralte Form und Hässlichkeit bewahrt und vorsichtig nachgebildet wird. Aber der weihende und schenkende Hellene darf seiner Lust, Gott Mensch werden zu lassen, jetzt in aller Seligkeit nachhängen.

223

Wohin man reisen muss. — Die unmittelbare Selbstbeobachtung reicht lange nicht aus, um sich kennen zu lernen: wir brauchen Geschichte, denn die Vergangenheit strömt in hundert Wellen in uns fort; wir selber sind ja nichts als das, was wir in jedem Augenblick von diesem Fortströmen empfinden. Auch hier sogar, wenn wir in den Fluss unseres anscheinend eigensten und persönlichsten Wesens hinabsteigen wollen, gilt Heraklits Satz: man steigt nicht zweimal in denselben Fluss.— Das ist eine Weisheit, die allmählich zwar altbacken geworden, aber trotzdem ebenso kräftig und nahrhaft geblieben ist, wie sie es je war: ebenso wie jene, dass, um Geschichte zu verstehen, man die lebendigen Überreste geschichtlicher Epochen aufsuchen müsse—dass man reisen müsse, wie Altvater Herodot reiste, zu Nationen—diese sind ja nur festgewordene ältere Kulturstufen, auf die man sich stellen kann—, zu sogenannten wilden und halbwilden Völkerschaften namentlich, dorthin, wo der Mensch das Kleid Europas ausgezogen oder noch nicht angezogen hat. Nun gibt es aber noch eine feinere Kunst und Absicht des Reisens, welche es nicht immer nötig macht, von Ort zu Ort und über Tausende von Meilen hin den Fuss zu setzen. Es leben sehr wahrscheinlich die letzten drei Jahrhunderte in allen ihren Kulturfärbungen und -Strahlenbrechungen auch in unsrer Nähe noch fort: sie wollen nur entdeckt werden. In manchen Familien, ja in einzelnen Menschen liegen die Schichten schön und übersichtlich noch übereinander: anderswo gibt es schwieriger zu verstehende Verwerfungen des Gesteins. Gewiss hat sich in abgelegenen Gegenden, in weniger bekannten Gebirgstälern, umschlossenern Gemeinwesen ein ehrwürdiges Musterstück sehr viel älterer Empfindung leichter erhalten können und muss hier aufgespürt werden: während es zum Beispiel unwahrscheinlich ist, in Berlin, wo der Mensch ausgelaugt und abgebrüht zur Welt kommt, solche Entdeckungen zu machen. Wer, nach langer Übung in dieser Kunst des Reisens, zum hundertäugigen Argos geworden ist, der wird seine Jo—ich meine sein ego— endlich überall hinbegleiten und in Ägypten und Griechenland, Byzanz und Rom, Frankreich und Deutschland, in der Zeit der wandernden oder der festsitzenden Völker, in Renaissance und Reformation, in Heimat und Fremde, ja in Meer, Wald, Pflanze und Gebirge die Reise-Abenteuer dieses werdenden und verwandelten ego wieder entdecken.— So wird Selbst-Erkenntnis zur All-Erkenntnis in Hinsicht auf alles Vergangene: wie, nach einer anderen, hier nur anzudeutenden Betrachtungskette, Selbstbestimmung und Selbsterziehung in den freiesten und weitest blickenden Geistern einmal zur All-Bestimmung, in Hinsicht auf alles zukünftige Menschentum, werden könnte.

224

Balsam und Gift. — Man kann es nicht gründlich genug erwägen: das Christentum ist die Religion des altgewordenen Altertums, seine Voraussetzung sind entartete alte Kulturvölker; auf diese vermochte und vermag es wie ein Balsam zu wirken. In Zeitaltern, wo die Ohren und Augen "voller Schlamm" sind, so dass sie die Stimme der Vernunft und Philosophie nicht mehr zu vernehmen, die leibhaft wandelnde Weisheit, trage sie nun den Namen Epiktet oder Epikur, nicht mehr zu sehen vermögen: da mag vielleicht noch das aufgerichtete Marterkreuz und die "Posaune des jüngsten Gerichts" wirken, um solche Völker noch zu einem anständigenAusleben zu bewegen. Man denke an das Rom Juvenals, an diese Giftkröte mit den Augen der Venus:—da lernt man, was es heisst, ein Kreuz vor der "Welt" schlagen, da verehrt man die stille christliche Gemeinde und ist dankbar für ihr Überwuchern des griechisch-römischen Erdreichs. Wenn die meisten Menschen damals gleich mit der Verknechtung der Seele, mit der Sinnlichkeit von Greisen geboren wurden: welche Wohltat, jenen Wesen zu begegnen, die mehr Seelen als Leiber waren und welche die griechische Vorstellung von den Hadesschatten zu verwirklichen schienen: scheue, dahinhuschende, zirpende, wohlwollende Gestalten, mit einer Anwartschaft auf das "bessere Leben" und dadurch so anspruchslos, so still-verachtend, so stolz-geduldig geworden!— Dies Christentum als Abendläuten des guten Altertums, mit zersprungener müder und doch wohltönender Glocke, ist selbst noch für den, welcher jetzt jene Jahrhunderte nur historisch durchwandert, ein Ohrenbalsam: was muss es für jene Menschen selber gewesen sein!— Dagegen ist das Christentum für junge, frische Barbarenvölker Gift; in die Helden-, Kinder- und Tierseele des alten Deutschen zum Beispiel die Lehre von der Sündhaftigkeit und Verdammnis hineinpflanzen, heisst nichts anderes als sie vergiften; eine ganz ungeheuerliche chemische Gärung und Zersetzung, ein Durcheinander von Gefühlen und Urteilen, ein Wuchern und Bilden des Abenteuerlichsten musste die Folge sein und also im weiteren Verlaufe eine gründliche Schwächung solcher Barbarenvölker.— Freilich: was hätten wir, ohne diese Schwächung, noch von der griechischen Kultur! was von der ganzen Kultur-Vergangenheit des Menschengeschlechts!—denn die vom Christentume unangetasteten Barbaren verstanden gründlich mit alten Kulturen aufzuräumen: wie es zum Beispiel die heidnischen Eroberer des romanisierten Britannien mit furchtbarer Deutlichkeit bewiesen haben. Das Christentum hat wider seinen Willen helfen müssen, die antike "Welt" unsterblich zu machen.— Nun bleibt auch hier wieder eine Gegenfrage und die Möglichkeit einer Gegenrechnung übrig: wäre vielleicht, ohne jene Schwächung durch das erwähnte Gift, eine oder die andere jener frischen Völkerschaften, etwa die deutsche, imstande gewesen, allmählich von selber eine höhere Kultur zu finden, eine eigene, neue?—von welcher somit der Menschheit selbst der entfernteste Begriff verloren gegangen wäre?— So steht es auch hier wie überall: man weiss nicht, christlich zu reden, ob Gott dem Teufel oder der Teufel Gott mehr Dank dafür schuldig ist, dass alles so gekommen ist, wie es ist.

225

Glaube macht selig und verdammt. — Ein Christ, der auf unerlaubte Gedankengänge gerät, könnte sich wohl einmal fragen: ist es eigentlich nötig, dass es einen Gott, nebst einem stellvertretenden Sündenlamme, wirklich gibt, wenn schon der Glaube an das Dasein dieser Wesen ausreicht, um die gleichen Wirkungen hervorzubringen? Sind es nicht überflüssige Wesen, falls sie doch existieren sollten? Denn alles Wohltuende, Tröstliche, Versittlichende, ebenso wie alles Verdüsternde und Zermalmende, welches die christliche Religion der menschlichen Seele gibt, geht von jenem Glauben aus und nicht von den Gegenständen jenes Glaubens. Es steht hier nicht anders als bei dem bekannten Falle: zwar hat es keine Hexen gegeben, aber die furchtbaren Wirkungen des Hexenglaubens sind dieselben gewesen, wie wenn es wirklich Hexen gegeben hätte. Für alle jene Gelegenheiten, wo der Christ das unmittelbare Eingreifen eines Gottes erwartet, aber umsonst erwartet—weil es keinen Gott gibt, ist seine Religion erfinderisch genug in Ausflüchten und Gründen zur Beruhigung: hierin ist es sicherlich eine geistreiche Religion.— Zwar hat der Glaube bisher noch keine wirklichen Berge versetzen können, obschon dies ich weiss nicht wer behauptet hat, aber er vermag Berge dorthin zu setzen, wo keine sind.

226

Tragikomödie von Regensburg. — Hier und da kann man mit einer erschreckenden Deutlichkeit das Possenspiel der Fortuna sehen, wie sie an wenig Tage, an einen Ort, an die Zustände und Meinungen eines Kopfes das Seil der nächsten Jahrhunderte anknüpft, an dem sie diese tanzen lassen will. So liegt das Verhängnis der neueren deutschen Geschichte in den Tagen jener Disputation von Regensburg: der friedliche Ausgang der kirchlichen und sittlichen Dinge, ohne Religionskriege, Gegenreformation schien gewährleistet, ebenso die Einheit der deutschen Nation; der tiefe milde Sinn des Contarini schwebte einen Augenblick über dem theologischen Gezänk, siegreich, als Vertreter der reiferen italienischen Frömmigkeit, welche die Morgenröte der geistigen Freiheit auf ihren Schwingen widerstrahlte. Aber der knöcherne Kopf Luthers, voller Verdächtigungen und unheimlicher Ängste, sträubte sich: weil die Rechtfertigung durch die Gnade ihm als sein grösster Fund und Wahlspruch erschien, glaubte er diesem Satze nicht im Munde von Italienern: während diese ihn, wie es bekannt ist, schon viel früher gefunden und durch ganz Italien in tiefer Stille verbreitet hatten. Luther sah in dieser scheinbaren Übereinstimmung die Tücken des Teufels und verhinderte das Friedenswerk, so gut er konnte: wodurch er die Absichten der Feinde des Reiches ein gutes Stück vorwärts brachte.— Und nun nehme man, um den Eindruck des schauerlich Possenhaften noch mehr zu haben, hinzu, dass keiner der Sätze, über welche man sich damals in Regensburg stritt, weder der von der Erbsünde, noch der von der Erlösung durch Stellvertretung, noch der von der Rechtfertigung im Glauben, irgendwie wahr ist, oder auch nur mit der Wahrheit zu tun hat, dass sie alle jetzt als undiskutierbar erkannt sind:—und doch wurde darüber die Welt in Flammen gesetzt, also über Meinungen, denen gar keine Dinge und Realitäten entsprechen; während in betreff von rein philologischen Fragen, zum Beispiel nach der Erklärung der Einsetzungs-Worte des Abendmahls, doch wenigstens ein Streit erlaubt ist, weil hier die Wahrheit gesagt werden kann. Aber wo nichts ist, da hat auch die Wahrheit ihr Recht verloren.— Zuletzt bleibt nichts übrig zu sagen, als dass damals allerdings Kraftquellen entsprungen sind, so mächtig, dass ohne sie alle Mühlen der modernen Welt nicht mit gleicher Stärke getrieben würden. Und erst kommt es auf Kraft an, dann erst auf Wahrheit, oder auch dann noch lange nicht —nicht wahr, meine lieben Zeitgemässen?

227

Goethes Irrungen.— Goethe ist darin die grosse Ausnahme unter den grossen Künstlern, dass er nicht in der Borniertheit seines wirklichen Vermögens lebte, als ob dasselbe an ihm selber und für alle Welt das Wesentliche und Auszeichnende, das Unbedingte und Letzte sein müsse. Er meinte zweimal etwas Höheres zu besitzen, als er wirklich besass—und irrte sich, in der zweiten Hälfte seines Lebens, wo er ganz durchdrungen von der Überzeugung erscheint, einer der grössten wissenschaftlichen Entdecker und Lichtbringer zu sein. Und ebenso schon in der ersten Hälfte seines Lebens: er wollte von sich etwas Höheres, als die Dichtkunst ihm schien—und irrte sich schon darin. Die Natur habe aus ihm einen bildenden Künstler machen wollen—das war sein innerlich glühendes und versengendes Geheimnis, das ihn endlich nach Italien trieb, damit er sich in diesem Wahne noch recht austobe und ihm jedes Opfer bringe. Endlich entdeckte er, der Besonnene, allem Wahnschaffnen an sich ehrlich Abholde, wie ein trügerischer Kobold von Begierde ihn zum Glauben an diesen Beruf gereizt habe, wie er von der grössten Leidenschaft seines Wollens sich losbinden und Abschied nehmen müsse. Die schmerzlich schneidende und wühlende Überzeugung, es sei nötig, Abschied zu nehmen, ist völlig in der Stimmung des Tasso ausgeklungen: über ihm, dem "gesteigerten Werther," liegt das Vorgefühl von Schlimmerem als der Tod ist, wie wenn sich einer sagt: "nun ist es aus—nach diesem Abschiede; wie soll man weiter leben, ohne wahnsinnig zu werden!"— Diese beiden Grundirrtümer seines Lebens gaben Goethe angesichts einer rein literarischen Stellung zur Poesie, wie damals die Welt allein sie kannte, eine so unbefangene und fast willkürlich erscheinende Haltung. Abgesehn von der Zeit, wo Schiller—der arme Schiller, der keine Zeit hatte und keine Zeit liess—ihn aus der enthaltsamen Scheu vor der Poesie, aus der Furcht vor allem literarischen Wesen und Handwerk heraustrieb, erscheint Goethe wie ein Grieche, der hier und da eine Geliebte besucht, mit dem Zweifel, ob es nicht eine Göttin sei, der er keinen rechten Namen zu geben wisse. Allem seinem Dichten merkt man die anhauchende Nähe der Plastik und der Natur an: die Züge dieser ihm vorschwebenden Gestalten—und er meinte vielleicht immer nur den Verwandlungen einer Göttin auf der Spur zu sein—wurden ohne Willen und Wissen die Züge sämtlicher Kinder seiner Kunst. Ohne die Umschweife des Irrtums wäre er nicht Goethe geworden: das heisst, der einzige deutsche Künstler der Schrift, der jetzt noch nicht veraltet ist—weil er ebensowenig Schriftsteller als Deutscher von Beruf sein wollte.

228

Reisende und ihre Grade. — Unter den Reisenden unterscheide man nach fünf Graden: die des ersten niedrigsten Grades sind solche, welche reisen und dabei gesehen werden— sie werden eigentlich gereist und sind gleichsam blind; die nächsten sehen wirklich selber in die Welt; die dritten erleben etwas infolge des Sehens; die vierten leben das Erlebte in sich hinein und tragen es mit sich fort; endlich gibt es einige Menschen der höchsten Kraft, welche alles Gesehene, nachdem es erlebt und eingelebt worden ist, endlich auch notwendig wieder aus sich herausleben müssen, in Handlungen und Werken, sobald sie nach Hause zurückgekehrt sind.— Diesen fünf Gattungen von Reisenden gleich gehen Überhaupt alle Menschen durch die ganze Wanderschaft des Lebens, die niedrigsten als reine Passiva, die höchsten als die Handelnden und Auslebenden ohne allen Rest zurückbleibender innerer Vorgänge.

229

Im Höher-Steigen. — Sobald man höher steigt als die, welche einen bisher bewunderten, so erscheint man eben denen als gesunken und herabgefallen: denn sie vermeinten unter allen Umständen, bisher mit uns (sei es auch durch uns) auf der Höhe zu sein.

230

Mass und Mitte. — Von zwei ganz hohen Dingen: Mass und Mitte, redet man am besten nie. Einige wenige kennen ihre Kräfte und Anzeichen, aus den Mysterien-Pfaden innerer Erlebnisse und Umkehrungen: sie verehren in ihnen etwas Göttliches und scheuen das laute Wort. Alle übrigen hören kaum zu, wenn davon gesprochen wird, und wähnen, es handele sich um Langeweile und Mittelmässigkeit: jene etwa noch ausgenommen, welche einen anmahnenden Klang aus jenem Reiche einmal vernommen, aber gegen ihn sich die Ohren verstopft haben. Die Erinnerung daran macht sie nun böse und aufgebracht.

231

Humanität der Freund- und Meisterschaft. — "Gehe du gen Morgen: so werde ich gen Abend ziehen"—so zu empfinden ist das hohe Merkmal von Humanität im engeren Verkehre: ohne diese Empfindung wird jede Freundschaft, jede Jünger- und Schülerschaft irgendwann einmal zur Heuchelei.

232

Die Tiefen. — Tiefdenkende Menschen kommen sich im Verkehr mit anderen als Komödianten vor, weil sie sich da, um verstanden zu werden, immer erst eine Oberfläche anheucheln müssen.

233

Für die Verächter der "Herden-Menschheit."— Wer die Menschen als Herde betrachtet und vor ihnen so schnell er kann flieht, den werden sie gewiss einholen und mit ihren Hörnern stossen.

234

Hauptvergehen gegen den Eitlen. — Wer einem anderen in der Gesellschaft Gelegenheiten macht, sein Wissen, Fühlen, Erfahren glücklich darzulegen, stellt sich über ihn und begeht also, falls er nicht als Höherstehender von jenem ohne Einschränkung empfunden wird, ein Attentat auf dessen Eitelkeit—während er gerade derselben Befriedigung zu geben glaubte.

235

Enttäuschung. — Wenn ein langes Leben und Tun samt Reden und Schriften von einer Person öffentlich Zeugnis ablegt, so pflegt der Umgang mit ihr zu enttäuschen, aus doppeltem Grunde: einmal weil man zuviel von einer kurzen Zeitspanne Verkehrs erwartet—nämlich alles das, was erst die tausend Gelegenheiten des Lebens sichtbar werden liessen—, und sodann weil jeder Anerkannte sich keine Mühe gibt, im einzelnen noch um Anerkennung zu buhlen. Er ist zu nachlässig—und wir sind zu gespannt.

236

Zwei Quellen der Güte. — Alle Menschen mit gleichmässigem Wohlwollen behandeln und ohne Unterschied der Person gütig sein kann ebenso sehr der Ausfluss tiefer Menschenverachtung als gründlicher Menschenliebe sein.

237

Der Wanderer im Gebirge zu sich selber. — Es gibt sichere Anzeichen dafür, dass du vorwärts und höher hinauf gekommen bist: es ist jetzt freier und aussichtsreicher um dich als vordem, die Luft weht dich kühler, aber auch milder an—du hast ja die Torheit verlernt, Milde und Wärme zu verwechseln—, dein Gang ist lebhafter und fester geworden, Mut und Besonnenheit sind zusammen gewachsen:—aus allen diesen Gründen wird dein Weg jetzt einsamer sein dürfen und jedenfalls gefährlicher sein als dein früherer, wenn auch gewiss nicht in dem Masse, als die glauben, welche dich Wanderer vom dunstigen Tale aus auf dem Gebirge schreiten sehen.

238

Ausgenommen der Nächste. — Offenbar steht mein Kopf nur auf meinem eigenen Halse nicht recht; denn jeder andere weiss bekanntlich besser, was ich zu tun und zu lassen habe: nur mir selber weiss ich armer Schelm nicht zu helfen. Sind wir nicht alle wie Bildsäulen, denen falsche Köpfe aufgesetzt wurden? Nicht wahr, mein geliebter Nachbar?— Doch nein, du gerade bist die Ausnahme.

239

Vorsicht.— Mit Personen, denen die Scheu vor dem Persönlichen fehlt, muss man nicht umgehen oder unerbittlich ihnen vorher die Handschellen der Konvenienz anlegen.

240

Eitel erscheinen wollen. — Im Gespräche mit Unbekannten oder Halbbekannten nur ausgewählte Gedanken äussern, von seinen berühmten Bekanntschaften, bedeutenden Erlebnissen und Reisen reden, ist ein Anzeichen davon, dass man nicht stolz ist, mindestens dass man nicht so scheinen möchte. Die Eitelkeit ist die Höflichkeits-Maske des Stolzen.

241

Die gute Freundschaft. — Die gute Freundschaft entsteht, wenn man den anderen sehr achtet, und zwar mehr als sich selbst, wenn man ebenfalls ihn liebt, jedoch nicht so sehr als sich, und wenn man endlich, zur Erleichterung des Verkehrs, den zarten Anstrich und Flaum der Intimität hinzuzutun versteht, zugleich aber sich der wirklichen und eigentlichen Intimität und der Verwechslung von Ich und Du weislich enthält.

242

Die Freunde als Gespenster. — Wenn wir uns stark verwandeln, dann werden unsere Freunde, die nicht verwandelten, zu Gespenstern unserer eignen Vergangenheit: ihre Stimme tönt schattenhaft-schauerlich zu uns heran—als ob wir uns selber hörten, aber jünger, härter, ungereifter.

243

Ein Auge und zwei Blicke. — Dieselben Personen, welche das Naturspiel des gunst- und gönnersuchenden Blicks haben, haben gewöhnlich auch, infolge ihrer häufigen Demütigungen und Rachegefühle, den unverschämten Blick.

244

Die blaue Ferne. — Zeitlebens ein Kind—das klingt sehr rührend, ist aber nur das Urteil aus der Ferne; in der Nähe gesehen und erlebt, heisst es immer: zeitlebens knabenhaft.

245

Vorteil und Nachteil im gleichen Missverständnis. — Die verstummende Verlegenheit des feinen Kopfes wird gewöhnlich von seiten der Unfeinen als schweigende Überlegenheit gedeutet und sehr gefürchtet: während die Wahrnehmung von Verlegenheit Wohlwollen erzeugen würde.

246

Der Weise sich als Narren gebend.— Die Menschenfreundlichkeit des Weisen bestimmt ihn mitunter sich erregt, erzürnt, erfreut zu stellen, um seiner Umgebung durch die Kälte und Besonnenheit seines wahren Wesens nicht weh zu tun.

247

Sich zur Aufmerksamkeit zwingen.— Sobald wir merken, dass jemand im Umgange und Gespräche mit uns sich zur Aufmerksamkeit zwingen muss, haben wir einen vollgültigen Beweis dafür, dass er uns nicht oder nicht mehr liebt.

248

Weg zu einer christlichen Tugend.— Von seinen Feinden zu lernen ist der beste Weg dazu, sie zu lieben: denn es stimmt uns dankbar gegen sie.

249

Kriegslist des Zudringlichen. — Der Zudringliche gibt auf unsre Konventionsmünze in Goldmünze heraus und will uns dadurch nachträglich nötigen, unsre Konvention als Versehen und ihn als Ausnahme zu behandeln.

250

Grund der Abneigung. — Wir werden manchem Künstler oder Schriftsteller feindlich, nicht weil wir endlich merken, dass er uns hintergangen hat, sondern weil er nicht feinere Mittel für nötig befand, um uns zu fangen.

251

Im Scheiden. — Nicht darin, wie eine Seele sich der andern nähert, sondern wie sie sich von ihr entfernt, erkenne ich ihre Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit mit der andern.

252

Silentium.— Man darf über seine Freunde nicht reden: sonst verredet man sich das Gefühl der Freundschaft.

253

Unhöflichkeit. — Unhöflichkeit ist häufig das Merkmal einer ungeschickten Bescheidenheit, welche bei einer Überraschung den Kopf verliert und durch Grobheit dies verbergen möchte.

254

Verrechnung in der Ehrlichkeit. — Das bisher von uns Verschwiegene erfahren mitunter gerade unsere neuesten Bekannten zuerst: wir meinen dabei törichterweise, es sei unser Vertrauens-Beweis die stärkste Fessel, mit welcher wir sie festhalten könnten,—aber sie wissen nicht genug von uns, um das Opfer unseres Aussprechens so stark zu empfinden, und verraten unsere Geheimnisse an andere, ohne an Verrat zu denken: so dass wir vielleicht darüber unsere alten Bekannten verlieren.

255

Im Vorzimmer der Gunst.— Alle Menschen, die man lange im Vorzimmer seiner Gunst stehen lässt, geraten in Gärung und werden sauer.

256

Warnung an die Verachteten. — Wenn man unverkennbar in der Achtung der Menschen gesunken ist, so halte man mit den Zähnen an der Scham im Verkehre fest: sonst verrät man den andern, dass man auch in seiner eigenen Achtung gesunken ist. Der Zynismus im Verkehre ist ein Anzeichen, dass der Mensch in der Einsamkeit sich selber als Hund behandelt.

257

Manche Unkenntnis adelt.— In Hinsicht auf die Achtung der Achtung-Gebenden ist es vorteilhafter, gewisse Dinge ersichtlich nicht zu verstehen. Auch die Unwissenheit gibt Vorrechte.

258

Der Widersacher der Grazie. — Der Unduldsame und Hochmütige mag die Grazie nicht und empfindet sie wie einen leibhaft sichtbaren Vorwurf gegen sich; denn sie ist Toleranz des Herzens in Bewegung und Gebärde.

259

Beim Wiedersehen. — Wenn alte Freunde nach langer Trennung einander wiedersehen, ereignet es sich oft, dass sie sich bei Erwähnung von Dingen teilnahmsvoll stellen, die für sie ganz gleichgültig geworden sind: und mitunter merken es beide, wagen aber nicht den Schleier zu heben—aus einem traurigen Zweifel. So entstehen Gespräche wie im Totenreiche.

260

Nur Arbeitsame sich zu Freunden machen. — Der Müssige ist seinen Freunden gefährlich: denn weil er nicht genug zu tun hat, redet er davon, was seine Freunde tun und nicht tun, mischt sich endlich hinein und macht sich beschwerlich: weshalb man klugerweise nur mit Arbeitsamen Freundschaft schliessen soll.

261

Eine Waffe doppelt soviel als zwei.— Es ist ein ungleicher Kampf, wenn der eine mit Kopf und Herz, der andre nur mit dem Kopfe für seine Sache spricht: der erstere hat gleichsam Sonne und Wind gegen sich und seine beiden Waffen stören sich gegenseitig: er verliert den Preis—in den Augen der Wahrheit. Dafür ist freilich der Sieg des zweiten mit seiner einen Waffe selten ein Sieg nach dem Herzen aller andern Zuschauer und macht bei ihnen unbeliebt.

262

Tiefe und Trübe.— Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher aus der Tiefe schöpft.

263

An Freund und Feind seine Eitelkeit demonstrieren. — Mancher misshandelt aus Eitelkeit selbst seine Freunde, wenn Zeugen zugegen sind, denen er sein Übergewicht deutlich machen will: und andere übertreiben den Wert ihrer Feinde, um mit Stolz darauf hinzuweisen, dass sie solcher Feinde wert sind.

264

Abkühlung. — Die Erhitzung des Herzens ist gewöhnlich mit der Krankheit von Kopf und Urteil verbunden. Wem für einige Zeit an der Gesundheit des letzteren gelegen ist, der muss also wissen, was er abzukühlen hat: unbesorgt für die Zukunft seines Herzens! Denn ist man überhaupt der Erwärmung fähig, so wird man auch wieder warm werden und seinen Sommer haben müssen.

265

Zur Mischung der Gefühle. — Gegen die Wissenschaft empfinden Frauen und selbstsüchtige Künstler etwas, das aus Neid und Sentimentalität zusammengesetzt ist.

266

Wenn die Gefahr am grössten ist. — Man bricht das Bein selten, solange man im Leben mühsam aufwärts steigt—aber wenn man anfängt, es sich leicht zu machen und die bequemen Wege zu wählen.

267

Nicht zu zeitig.— Man muss sich in acht nehmen, nicht zu zeitig scharf zu werden,—weil man zugleich damit zu zeitig dünn wird.

268

Freude am Widerspenstigen.— Der gute Erzieher kennt Fälle, wo er stolz darauf ist, dass sein Zögling wider ihn sich selber treu bleibt: da nämlich, wo der Jüngling den Mann nicht verstehen darf oder zu seinem Schaden verstehen würde.

269

Versuch der Ehrlichkeit. — Jünglinge, die ehrlicher werden wollen als sie waren, suchen sich einen anerkannt Ehrlichen zum Opfer, das sie zuerst anfallen, indem sie sich zu seiner Höhe hinaufzuschimpfen suchen—mit dem Hintergedanken, dass dieser erste Versuch jedenfalls ungefährlich sei; denn gerade jener dürfe die Unverschämtheit des Ehrlichen nicht züchtigen.

270

Das ewige Kind. — Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgend einem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten! Wir meinen's und empfinden's freilich anders, aber gerade dies spricht dafür, dass es dasselbe ist—denn auch das Kind empfindet das Spiel als seine Arbeit und das Märchen als seine Wahrheit. Die Kürze des Lebens sollte uns vor dem pedantischen Scheiden der Lebensalter bewahren—als ob jedes etwas Neues brächte—, und ein Dichter einmal den Menschen von zweihundert Jahren, den, der wirklich ohne Märchen und Spiel lebt, vorführen.

271

Jede Philosophie ist Philosophie eines Lebensalters. — Das Lebensalter, in dem ein Philosoph seine Lehre fand, klingt aus ihr heraus, er kann es nicht verhüten, so erhaben er sich auch über Zeit und Stunde fühlen mag. So bleibt Schopenhauers Philosophie das Spiegelbild der hitzigen und schwermütigen Jugend—es ist keine Denkweise für ältere Menschen; so erinnert Platos Philosophie an die mittlern dreissiger Jahre, wo ein kalter und ein heisser Strom aufeinander zuzubrausen pflegen, so dass Staub und zarte Wölkchen und, unter günstigen Umständen und Sonnenblicken, ein bezauberndes Regenbogenbild entsteht.

272

Vom Geiste der Frauen. — Die geistige Kraft einer Frau wird am besten dadurch bewiesen, dass sie aus Liebe zu einem Manne und dessen Geiste ihren eigenen zum Opfer bringt und dass trotzdem ihr auf dem neuen, ihrer Natur ursprünglich fremden Gebiete, wohin die Sinnesart des Mannes sie drängt, sofort ein zweiter Geist nachwächst.

273

Erhöhung und Erniedrigung im Geschlechtlichen.— Der Sturm der Begierde reisst den Mann mitunter in eine Höhe hinauf, wo alle Begierde schweigt: dort wo er wirklich liebt und noch mehr in einem besseren Sein als besserem Wollen lebt. Und wiederum steigt ein gutes Weib häufig aus wahrer Liebe bis hinab zur Begierde und erniedrigt sich dabei vor sich selber. Namentlich das letztere gehört zu dem herzbewegendsten, was die Vorstellung einer guten Ehe mit sich zu bringen vermag.

274

Das Weib erfüllt, der Mann verheisst. — Durch das Weib zeigt die Natur, womit sie bis jetzt bei ihrer Arbeit am Menschenbilde fertig wurde; durch den Mann zeigt sie, was sie dabei zu überwinden hatte, aber auch, was sie noch alles mit dem Menschen vorhat. — Das vollkommene Weib jeder Zeit ist der Müssiggang des Schöpfers an jedem siebenten Tage der Kultur, das Ausruhen des Künstlers in seinem Werke.

275

Umpflanzung.— Hat man seinen Geist verwendet, um über die Masslosigkeit der Affekte Herr zu werden, so geschieht es vielleicht mit dem leidigen Erfolge, dass man die Masslosigkeit auf den Geist überträgt und fürderhin im Denken und Erkennen-wollen ausschweift.

276

Das Lachen als Verräterei. — Wie und wann eine Frau lacht, das ist ein Merkmal ihrer Bildung: aber im Klange des Lachens enthüllt sich ihre Natur, bei sehr gebildeten Frauen vielleicht sogar der letzte unlösbare Rest ihrer Natur,—Deshalb wird der Menschenprüfer sagen wie Horaz aber aus verschiedenem Grunde: ridete puellae.

277

Aus der Seele der Jünglinge. — Jünglinge wechseln in bezug auf dieselbe Person mit Hingebung und Unverschämtheit, ab: weil sie im Grunde nur sich in dem andern verehren und verachten, und zwischen beiden Empfindungen in bezug auf sich selber hin und her taumeln müssen, solange sie noch nicht in der Erfahrung das Mass ihres Wollens und Könnens gefunden haben.

278

Zur Verbesserung der Welt. — Wenn man den Unzufriedenen, Schwarzgalligen und Murrköpfen die Fortpflanzung verwehrte, so könnte man schon die Erde in einen Garten des Glücks verzaubern.— Dieser Satz gehört in eine praktische Philosophie für das weibliche Geschlecht.

279

Seinem Gefühle nicht misstrauen. — Die frauenhafte Wendung, man solle seinem Gefühle nicht misstrauen, bedeutet nicht viel mehr als: man solle essen, was einem gut schmeckt. Dies mag auch, namentlich für massvolle Naturen, eine gute Alltagsregel sein. Andere Naturen müssen aber nach einem anderen Satze leben: "du musst nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Kopfe essen, damit dich nicht die Naschhaftigkeit des Mundes zugrunde richte."

280

Grausamer Einfall der Liebe. — Jede grosse Liebe bringt den grausamen Gedanken mit sich, den Gegenstand der Liebe zu töten, damit er ein für allemal dem frevelhaften Spiele des Wechsels entrückt sei: denn vor dem Wechsel graut der Liebe mehr als vor der Vernichtung.

281

Türen.— Das Kind sieht ebenso wie der Mann in allem, was erlebt, erlernt wird, Türen: aber jenem sind es Zugänge, diesem immer nur Durchgänge.

282

Mitleidige Frauen.— Das Mitleiden der Frauen, welches geschwätzig ist, trägt das Bett des Kranken auf offnen Markt.

283

Frühzeitiges Verdienst. — Wer jung schon sich ein Verdienst erwirbt, verlernt gewöhnlich dabei die Scheu vor dem Alter und dem Älteren, und schliesst sich damit, zu seinem grössten Nachteile, von der Gesellschaft der Reifen, Reife Gebenden aus: so dass er trotz frühzeitigerem Verdienste länger als andre grün, zudringlich und knabenhaft bleibt.

284

Bausch- und Bogen-Seelen. — Die Frauen und die Künstler meinen, dass, wo man ihnen nicht widerspreche, man nicht widersprechen könne; Verehrung in zehn Punkten und stillschweigende Nichtbilligung in anderen zehn scheint ihnen nebeneinander unmöglich, weil sie Bausch- und Bogen-Seelen haben.

285

Junge Talente.— In Hinsicht auf junge Talente muss man streng nach der Goetheschen Maxime verfahren, dass man oft dem Irrtume nicht schaden dürfe, um der Wahrheit nicht zu schaden. Ihr Zustand ist gleich den Krankheiten der Schwangerschaft und bringt seltsame Gelüste mit sich: welche man ihnen, so gut es gehen will, befriedigen und nachsehen sollte, um der Frucht willen, die man von ihnen hofft. Freilich muss man, als Krankenwärter dieser wunderlichen Kranken, die schwere Kunst der freiwilligen SeIbst-Demütigung verstehen.

286

Ekel an der Wahrheit. — Die Frauen sind so geartet, dass alle Wahrheit (in bezug auf Mann, Liebe, Kind, Gesellschaft, Lebensziel) ihnen Ekel macht—und dass sie sich an jedem zu rächen suchen, welcher ihnen das Auge öffnet.

287

Die Quelle der grossen Liebe. — Woher die plötzlichen Leidenschaften eines Mannes für ein Weib entstehen, die tiefen, innerlichen? Aus Sinnlichkeit allein am wenigsten: aber wenn der Mann Schwäche, Hilfsbedürftigkeit und zugleich Übermut in einem Wesen zusammen findet, so geht etwas in ihm vor, wie wenn seine Seele überwallen wollte: er ist im selben Augenblick gerührt und beleidigt. Auf diesem Punkte entspringt die Quelle der grossen Liebe.

288

Reinlichkeit.— Man soll den Sinn für Reinlichkeit im Kinde bis zur Leidenschaft entfachen: später erhebt er sich, in immer neuen Verwandlungen, fast zu jeder Tugend hinauf und erscheint zuletzt, als Kompensation alles Talents, wie eine Lichtfülle von Reinheit, Mässigkeit, Milde, Charakter—Glück in sich tragend, Glück um sich verbreitend.

289

Von eitlen alten Männern. — Der Tiefsinn gehört der Jugend, der Klarsinn dem Alter zu: wenn trotzdem alte Männer mitunter in der Art der Tiefsinnigen reden und schreiben, so tun sie es aus Eitelkeit, in dem Glauben, dass sie damit den Reiz des Jugendlichen, Schwärmerischen, Werdenden, Ahnungs- und Hoffnungsvollen annehmen.

290

Benutzung des Neuen. — Männer benutzen Neu-Erlerntes oder -Erlebtes fürderhin als Pflugschar, vielleicht auch als Waffe: aber Weiber machen sofort daraus einen Putz für sich zurecht.

291

Recht haben bei den zwei Geschlechtern. — Gibt man einem Weibe zu, dass es recht habe, so kann es sich nicht versagen, erst noch die Ferse triumphierend auf den Nacken des Unterworfenen zu setzen,—es muss den Sieg auskosten; während Mann gegen Mann sich in solchem Falle gewöhnlich des Rechthabens schämt. Dafür ist der Mann an das Siegen gewöhnt, das Weib erlebt damit eine Ausnahme.

292

Entsagung im Willen zur Schönheit. — Um schön zu werden, darf ein Weib nicht für hübsch gelten wollen: das heisst, es muss in neunundneunzig Fällen, wo es gefallen könnte, es verschmähen und hintertreiben zu gefallen, um einmal das Entzücken dessen einzuernten, dessen Seelenpforte gross genug ist, um Grosses aufzunehmen.

293

Unbegreiflich, unausstehlich. — Ein Jüngling kann nicht begreifen, dass ein Älterer seine Entzückungen, Gefühls-Morgenröten, Gedanken-Wendungen, und -Aufschwünge auch einmal durchlebt habe: es beleidigt ihn schon zu denken, dass sie zweimal existiert hätten,—aber ganz feindselig stimmt es ihn zu hören, dass, um fruchtbar zu werden, er jene Blüten verlieren, ihren Duft entbehren müsse.

294

Partei mit der Miene der Dulderin. — Jede Partei, die sich die Miene der Dulderin zu geben weiss, zieht die Herzen der Gutmütigen zu sich hinüber und gewinnt dadurch selber die Miene der Gutmütigkeit—zu ihrem grössten Vorteil.

295

Behaupten sicherer als beweisen. — Eine Behauptung wirkt stärker als ein Argument, wenigstens bei der Mehrzahl der Menschen: denn das Argument weckt Misstrauen. Deshalb suchen die Volksredner die Argumente ihrer Partei durch Behauptungen zu sichern.

296

Die besten Hehler.— Alle regelmässig Erfolgreichen besitzen eine tiefe Verschlagenheit darin, ihre Fehler und Schwächen immer nur als anscheinende Stärken zum Vorschein zu bringen; weshalb sie dieselben ungewöhnlich gut und deutlich kennen müssen.

297

Von Zeit zu Zeit. — Er setzte sich in das Stadttor und sagte zu einem, der hindurchging, dies eben sei das Stadttor. Jener entgegnete, es sei das eine Wahrheit, aber man dürfe nicht zuviel recht haben, wenn man Dank dafür haben wolle. O, antwortete er, ich will auch keinen Dank; aber von Zeit zu Zeit ist es doch sehr angenehm, nicht nur recht zu haben, sondern auch recht zu behalten.

298

Die Tugend ist nicht von den Deutschen erfunden. — Goethes Vornehmheit und Neidlosigkeit, Beethovens edle einsiedlerische Resignation, Mozarts Anmut und Grazie des Herzens, Händels unbeugsame Männlichkeit und Freiheit unter dem Gesetz, Bachs getrostes und verklärtes Innenleben, welches nicht einmal nötig hat, auf Glanz und Erfolg zu verzichten,—sind denn dies deutsche Eigenschaften?— Wenn aber nicht, so zeigt es wenigstens, wonach Deutsche streben sollen und was sie erreichen können.

299

Pia fraus oder etwas anderes. — Möchte ich mich irren: aber mich dünkt, im gegenwärtigen Deutschland werde eine doppelte Art von Heuchelei für jedermann zur Pflicht des Augenblicks gemacht: man fordert ein Deutschtum aus reichspolitischer Besorgnis und ein Christentum aus sozialer Angst, beides aber nur in Worten und Gebärden und namentlich im Schweigen-können. Der Anstrich ist es, der jetzt so viel kostet, so hoch bezahlt wird: die Zuschauer sind es, derentwegen die Nation ihr Gesicht in deutsch- und christentümelnde Falten legt.

300

Inwiefern auch im Guten das Halbe mehr sein kann als das Ganze.— Bei allen Dingen, die auf Bestand eingerichtet werden und immer den Dienst vieler Personen erfordern, muss manches weniger Gute zur Regel gemacht werden, obschon der Organisator das Bessere und Schwerere sehr gut kennt: aber er wird darauf rechnen, dass es nie an Personen fehle, welche der Regel entsprechen können,—und er weiss, dass das Mittelgut der Kräfte die Regel ist.— Dies sieht ein Jüngling selten ein und glaubt dann, als Neuerer, Wunder wie sehr er im Rechte, und wie seltsam die Blindheit der anderen sei.

301

Der Parteimann. — Der echte Parteimann lernt nicht mehr, er erfährt und richtet nur noch: während Solon, der nie Parteimann war, sondern neben und über den Parteien oder gegen sie sein Ziel verfolgte, bezeichnenderweise der Vater jenes schlichten Wortes ist, in welchem die Gesundheit und Unausschöpflichkeit Athens beschlossen liegt: "alt werd' ich und immer lern' ich fort."

302

Was, nach Goethe, deutsch ist.— Es sind die wahrhaft Unerträglichen, von denen man selbst das Gute nicht annehmen mag, welche Freiheit der Gesinnung haben, aber nicht merken, dass es ihnen an Geschmacks- und Geistes-Freiheit fehlt. Gerade dies ist aber, nach Goethes wohlerwogenem Urteil, deutsch.— Seine Stimme und sein Beispiel weisen darauf hin, dass der Deutsche mehr sein müsse als ein Deutscher, wenn er den andern Nationen nützlich, ja nur erträglich werden wolle—und in welcher Richtung er bestrebt sein solle, über sich und ausser sich hinauszugehen.

303

Wann es not tut, stehen zu bleiben. — Wenn die Massen zu wüten beginnen und die Vernunft sich verdunkelt, tut man gut, sofern man der Gesundheit seiner Seele nicht ganz sicher ist, unter einen Torweg unterzutreten und nach dem Wetter auszuschauen.

304

Umsturzgeister und Besitzgeister. — Das einzige Mittel gegen den Sozialismus, das noch in eurer Macht steht, ist: ihn nicht herauszufordern, das heisst selber mässig und genügsam leben, die Schaustellung jeder Üppigkeit nach Kräften verhindern und dem Staate zu Hilfe kommen, wenn er alles Überflüssige und Luxusähnliche empfindlich mit Steuern belegt. Ihr wollt dies Mittel nicht? Dann, ihr reichen Bürgerlichen, die ihr euch "liberal" nennt, gesteht es euch nur zu, eure eigne Herzensgesinnung ist es, welche ihr in den Sozialisten so furchtbar und bedrohlich findet, in euch selber aber als unvermeidlich gelten lasst, wie als ob sie dort etwas anderes wäre. Hättet ihr, so wie ihr seid, euer Vermögen und die Sorge um dessen Erhaltung nicht, diese eure Gesinnung würde euch zu Sozialisten machen: nur der Besitz unterscheidet zwischen euch und ihnen. Euch müsst ihr zuerst besiegen, wenn ihr irgendwie über die Gegner eures Wohlstandes siegen wollt.— Und wäre jener Wohlstand nur wirklich Wohlbefinden! Er wäre nicht so äusserlich und neidherausfordernd, er wäre mitteilender, wohlwollender, ausgleichender, nachhelfender. Aber das Unechte und Schauspielerische eurer Lebensfreuden, welche mehr im Gefühl des Gegensatzes (dass andere sie nicht haben und euch beneiden) als im Gefühle der Kraft-Erfüllung und Kraft-Erhöhung liegen—eure Wohnungen, Kleider, Wagen, Schauläden, Gaumen- und Tafel-Erfordernisse, eure lärmende Opern- und Musikbegeisterung, endlich eure Frauen, geformt und gebildet, aber aus unedlem Metall, vergoldet, aber ohne Goldklang, als Schaustücke von euch gewählt, als Schaustücke sich selber gebend:—das sind die giftträgerischen Verbreiter jener Volkskrankheit, welche als sozialistische Herzenskrätze sich jetzt immer schneller der Masse mitteilt, aber in euch ihren ersten Sitz und Brüteherd hat. Und wer hielte diese Pest jetzt noch auf? —

305

Taktik der Parteien. — Wenn eine Partei merkt, dass ein bisher Zugehöriger aus einem unbedingten Anhänger ein bedingter geworden ist, so erträgt sie dies so wenig, dass sie durch allerlei Aufreizungen und Kränkungen versucht, jenen zum entschiedenen Abfall zu bringen und zum Gegner zu machen: denn sie hat den Argwohn, dass die Absicht, in ihrem Glauben etwas Relativ- Wertvolles zu sehen, das ein Für und Wider, ein Abwägen und Ausscheiden zulässt, ihr gefährlicher sei als ein Gegnertum in Bausch und Bogen.

306

Zur Stärkung von Parteien.— Wer eine Partei innerlich stärken will, biete ihr Gelegentlich, um ersichtlich ungerecht behandelt werden zu müssen; dadurch sammelt sie ein Kapital guten Gewissens, das ihr vielleicht bis dahin fehlte.

307

Für seine Vergangenheit sorgen. — Weil die Menschen eigentlich nur alles Alt-Begründete, Langsam-Gewordene achten, so muss der, welcher nach seinem Tode fortleben will, nicht nur für Nachkommenschaft, sondern noch mehr für eine Vergangenheit sorgen: weshalb Tyrannen jeder Art (auch tyrannenhafte Künstler und Politiker) der Geschichte gern Gewalt antun, damit diese als Vorbereitung und Stufenleiter zu ihnen hin erscheine.

308

Partei-Schriftsteller. — Der Paukenschlag, mit welchem sich junge Schriftsteller im Dienste einer Partei so wohl gefallen klingt dem, welcher nicht zur Partei gehört, wie Kettengerassel und erweckt eher Mitleiden als Bewunderung.

309

Gegen sich Partei ergreifen. — Unsere Anhänger vergeben es uns nie, wenn wir gegen uns selbst Partei ergreifen: denn dies heisst, in ihren Augen, nicht nur ihre Liebe zurückweisen, sondern auch ihren Verstand blossstellen.

310

Gefahr im Reichtum.— Nur wer Geist hat, sollte Besitz haben: sonst ist der Besitz gemeingefährlich. Der Besitzende nämlich, der von der freien Zeit, welche der Besitz ihm gewähren könnte, keinen Gebrauch zu machen versteht, wird immer fortfahren, nach Besitz zu streben: dieses Streben wird seine Unterhaltung, seine Kriegslist im Kampf mit der Langeweile sein. So entsteht zuletzt, aus mässigem Besitz, welcher dem Geistigen genügen würde, der eigentliche Reichtum: und zwar als das gleissende Ergebnis geistiger Unselbständigkeit und Armut. Nur erscheint er eben ganz anders, als seine armselige Abkunft erwarten lässt, weil er sich mit Bildung und Kunst maskieren kann: er kann eben die Maske kaufen. Dadurch erweckt er Neid bei den Ärmeren und Ungebildeten—welche im Grunde immer die Bildung beneiden und in der Maske nicht die Maske sehen—und bereitet allmählich eine soziale Umwälzung vor: denn vergoldete Roheit und schauspielerisches Sich-Blähen im angeblichen "Genusse der Kultur" gibt jenen den Gedanken ein "es liegt nur am Gelde,"—während allerdings etwas am Gelde liegt, aber viel mehr am Geiste.

311

Freude im Gebieten und Gehorchen. — Das Gebieten macht Freude wie das Gehorchen, ersteres wenn es noch nicht zur Gewohnheit geworden ist, letzteres aber, wenn es zur Gewohnheit geworden ist. Alte Diener unter neuen Gebietenden fördern sich gegenseitig im Freude-machen.

312

Ehrgeiz des verlornen Postens.— Es gibt einen Ehrgeiz des verlornen Postens, welcher eine Partei dahin drängt, sich in eine äusserste Gefahr zu begeben.

313

Wann Esel not tun.— Man wird die Menge nicht eher zum Hosianna-rufen bringen, bis man auf einem Esel in die Stadt einreitet.

314

Partei-Sitte. — Eine jede Partei versucht, das Bedeutende, das ausser ihr gewachsen ist, als unbedeutend darzustellen; gelingt es ihr aber nicht, so feindet sie es um so bitterer an, je vortrefflicher es ist.

315

Leer-werden. — Von dem, der sich den Ereignissen hingibt, bleibt immer weniger übrig. Grosse Politiker können deshalb ganz leere Menschen werden und doch einmal voll und reich gewesen sein.

316

Erwünschte Feinde. — Die sozialistischen Regungen sind den dynastischen Regierungen jetzt immer noch eher angenehm als furchteinflössend, weil sie durch dieselben Recht und Schwert zu Ausnahme-Massregeln in die Hände bekommen, mit denen sie ihre eigentlichen Schreckgestalten, die Demokraten und Anti-Dynasten, treffen können.— Zu allem, was solche Regierungen öffentlich hassen, haben sie jetzt eine heimliche Zuneigung und Innigkeit: sie müssen ihre Seele verschleiern.

317

Der Besitz besitzt. — Nur bis zu einem gewissen Grade macht der Besitz den Menschen unabhängig, freier; eine Stufe weiter—und der Besitz wird zum Herrn, der Besitzer zum Sklaven: als welcher ihm seine Zeit, sein Nachdenken zum Opfer bringen muss und sich fürderhin zu einem Verkehr verpflichtet, an einen Ort angenagelt, einem Staate einverleibt fühlt—alles vielleicht wider sein innerlichstes und wesentlichstes Bedürfnis.

318

Von der Herrschaft der Wissenden. — Es ist leicht, zum Spotten leicht, das Muster zur Wahl einer gesetzgebenden Körperschaft aufzustellen. Zuerst hätten die Redlichen und Vertrauenswürdigen eines Landes, welche zugleich irgendworin Meister und Sachkenner sind, sich auszuscheiden, durch gegenseitige Auswitterung und Anerkennung: aus ihnen wiederum müssten sich, in engerer Wahl, die in jeder Einzelart Sachverständigen und Wissenden ersten Ranges auswählen, gleichfalls durch gegenseitige Anerkennung und Gewährleistung. Bestünde aus ihnen die gesetzgebende Körperschaft, so müssten endlich, für jeden einzelnen Fall, nur die Stimmen und Urteile der speziellsten Sachverständigen entscheiden und die Ehrenhaftigkeit aller übrigen gross genug und einfach zur Sache des Anstandes geworden sein, die Abstimmung dabei auch nur jenen zu überlassen: so dass im strengsten Sinne das Gesetz aus dem Verstande der Verständigsten hervorginge.— Jetzt stimmen Parteien ab: und bei jeder Abstimmung muss es Hunderte von beschämten Gewissen geben—die der Schlecht-Unterrichteten, Urteils-Unfähigen, die der Nachsprechenden, Nachgezogenen, Fortgerissenen. Nichts erniedrigt die Würde jedes neuen Gesetzes so, als dieses anklebende Schamrot der Unredlichkeit, zu der jede Partei-Abstimmung zwingt. Aber, wie gesagt, es ist leicht, zum Spotten leicht, so etwas aufzustellen: keine Macht der Welt ist jetzt stark genug, das Bessere zu verwirklichen,—es sei denn, dass der Glaube an die höchste Nützlichkeit der Wissenschaft und der Wissenden endlich auch dem Böswilligsten einleuchte und dem jetzt herrschenden Glauben an die Zahl vorgezogen werde. Im Sinne dieser Zukunft sei unsere Losung: "Mehr Ehrfurcht vor dem Wissenden! Und nieder mit allen Parteien!"

319

Vom "Volke der Denker" (oder des schlechten Denkens). — Das Undeutliche, Schwebende, Ahnungsvolle, Elementarische, Intuitive—um für unklare Dinge auch unklare Namen zu wählen—, was man dem deutschen Wesen nachsagt, wäre, wenn es tatsächlich noch bestünde, ein Beweis, dass seine Kultur um viele Schritte zurückgeblieben und noch immer von Bann und Luft des Mittelalters umschlossen wäre.— Freilich liegen in einer solchen Zurückgebliebenheit auch einige Vorteile: die Deutschen wären mit diesen Eigenschaften—wenn sie dieselben, nochmals gesagt, jetzt noch besitzen sollten—zu einigen Dingen, und namentlich zum Verständnis einiger Dinge befähigt, zu welchen andere Nationen alle Kraft verloren haben. Und sicher geht viel verloren, wenn der Mangel an Vernunft— das heisst eben das Gemeinsame in jenen Eigenschaften—verloren geht; aber hier gibt es auch keine Einbusse ohne den höchsten Gegengewinn, so dass jeder Grund zum Jammern fehlt, vorausgesetzt, dass man nicht wie Kinder und Leckerhafte die Früchte aller Jahreszeiten zugleich geniessen will.

320

Eulen nach Athen.— Die Regierungen der grossen Staaten haben zwei Mittel in den Händen, das Volk von sich abhängig zu erhalten, in Furcht und Gehorsam: ein gröberes, das Heer, ein feineres, die Schule. Mit Hilfe des ersteren bringen sie den Ehrgeiz der höheren und die Kraft der niederen Schichten, soweit beide tätigen und rüstigen Männern mittlerer und minderer Begabung zu eigen zu sein pflegen, auf ihre Seite; mit Hilfe des andern Mittels gewinnen sie die begabte Armut, namentlich die geistig-anspruchsvolle Halbarmut der mittleren Stände für sich. Sie machen vor allem aus den Lehrern allen Grades einen unwillkürlich nach "oben" hin blickenden geistigen Hofstaat: indem sie der Privatschule und gar der ganz und gar missliebigen Einzelerziehung Stein über Stein in den Weg legen, sichern sie sich die Verfügung über eine sehr bedeutende Anzahl von Lehrstellen, auf welche sich nun fortwährend eine gewiss fünfmal grössere Anzahl von hungrig und unterwürfig blickenden Augen richten, als je Befriedigung finden können. Diese Stellungen dürfen ihren Mann aber nur kärglich nähren: dann unterhält sich in ihm der Fieberdurst nach Beförderung und schliesst ihn noch enger an die Absichten der Regierung an. Denn eine mässige Unzufriedenheit zu pflegen ist immer vorteilhafter als Zufriedenheit, die Mutter des Mutes, die Grossmutter des Freisinns und des Übermutes. Vermittels dieses leiblich und geistig im Zaume gehaltenen Lehrertums wird nun, so gut es gehen will, alle Jugend des Landes auf eine gewisse, dem Staate nützliche und zweckmässig abgestufte Bildungshöhe gehoben: vor allem aber wird jene Gesinnung fast unvermerkt auf die unreifen und ehrsüchtigen Geister aller Stände übertragen, dass nur eine vom Staate anerkannte und; abgestempelte Lebensrichtung sofort gesellschaftliche Auszeichnung mit sich führt. Die Wirkung dieses Glaubens an Staats-Prüfungen und -Titel geht so weit, dass selbst unabhängig gebliebenen, durch Handel oder Handwerk emporgestiegenen Männern so lange ein Stachel der Unbefriedigung in der Brust bleibt, bis auch ihre Stellung durch eine begnadigende Verleihung von Rang und Orden von oben her bemerkt und anerkannt ist,—bis man "sich sehen lassen kann." Endlich verknüpft der Staat alle jene hundert und aber hundert ihm zugehörigen Beamtungen und Erwerbsposten mit der Verpflichtung, durch die Staatsschulen sich bilden und abzeichnen zu lassen, wenn man je in diese Pforten eingehen wolle: Ehre bei der Gesellschaft, Brot für sich, Ermöglichung einer Familie, Schutz von oben her, Gemeingefühl der gemeinsam Gebildeten—dies alles bildet ein Netz von Hoffnungen, in welches jeder junge Mann hineinläuft: woher sollte ihm denn das Misstrauen angeweht sein! Ist zu guter Letzt gar noch bei jedermann die Verpflichtung, einige Jahre Soldat zu sein, nach Ablauf weniger Generationen, zu einer gedankenlosen Gewohnheit und Voraussetzung geworden, auf welche hin man frühzeitig den Plan seines Lebens zurechtschneidet: so kann der Staat auch noch den Meistergriff wagen, Schule und Heer, Begabung, Ehrgeiz und Kraft durch Vorteile ineinander zu flechten, das heisst den höher Begabten und Gebildeten durch günstigere Bedingungen zum Heere zu locken und mit dem Soldatengeiste des freudigen Gehorsams zu erfüllen: so dass er vielleicht dauernd zur Fahne schwört und durch seine Begabung ihr einen neuen, immer glänzenderen Ruf verschafft.— Dann fehlt nichts weiter als Gelegenheit zu grossen Kriegen: und dafür sorgen, von Berufs wegen, also in aller Unschuld, die Diplomaten, samt Zeitungen und Börsen: denn das "Volk," als Soldatenvolk, hat bei Kriegen immer ein gutes Gewissen, man braucht es ihm nicht erst zu machen.

321

Die Presse. — Erwägt man, wie auch jetzt noch alle grossen politischen Vorgänge sich heimlich und verhüllt auf das Theater schleichen, wie sie von unbedeutenden Ereignissen verdeckt werden und in ihrer Nähe klein erscheinen, wie sie erst lange nach ihrem Geschehen ihre tiefen Einwirkungen zeigen und den Boden nachzittern lassen,—welche Bedeutung kann man da der Presse zugestehn, wie sie jetzt ist, mit ihrem täglichen Aufwand von Lunge, um zu schreien, zu übertäuben, zu erregen, zu erschrecken,—ist sie mehr als der permanente blinde Lärm, der die Ohren und Sinne nach einer falschen Richtung ablenkt?

322

Nach einem grossen Ereignis. — Ein Volk und Mensch, dessen Seele bei einem grossen Ereignis zutage gekommen ist, fühlt gewöhnlich darauf das Bedürfnis nach einer Kinderei oder Roheit, ebenso aus Scham als um sich zu erholen.

323

Gut deutsch sein heisst sich entdeutschen. — Das, worin man die nationalen Unterschiede findet, ist viel mehr, als man bis jetzt eingesehen hat, nur der Unterschied verschiedener Kulturstufen und zum geringsten Teile etwas Bleibendes (und auch dies nicht in einem strengen Sinne). Deshalb ist alles Argumentieren aus dem National-Charakter so wenig verpflichtend für den, welcher an der Umschaffung der Überzeugungen, das heisst an der Kultur arbeitet. Erwägt man zum Beispiel, was alles schon deutsch gewesen ist, so wird man die theoretische Frage: was ist deutsch? sofort durch die Gegenfrage verbessern: "was ist jetzt deutsch?"—und jeder gute Deutsche wird sie praktisch, gerade durch Überwindung seiner deutschen Eigenschaften, lösen. Wenn nämlich ein Volk vorwärts geht und wächst, so sprengt es jedesmal den Gürtel, der ihm bis dahin sein nationales Ansehen gab; bleibt es stehen, verkümmert es, so schliesst sich ein neuer Gürtel um seine Seele; die immer härter werdende Kruste baut gleichsam ein Gefängnis herum, dessen Mauern immer wachsen. Hat ein Volk also sehr viel Festes, so ist dies ein Beweis, dass es versteinern will und ganz und gar Monument werden möchte: wie es von einem bestimmten Zeitpunkte an das Ägyptertum war. Der also, welcher den Deutschen wohlwill, mag für seinen Teil zusehen, wie er immer mehr aus dem, was deutsch ist, hinauswachse. Die Wendung zum Undeutschen ist deshalb immer das Kennzeichen der Tüchtigen unseres Volkes gewesen.

324

Ausländereien. — Ein Ausländer, der in Deutschland reiste, missfiel und gefiel durch einige Behauptungen, je nach den Gegenden, in denen er sich aufhielt. Alle Schwaben, die Geist haben,—pflegte er zu sagen—sind kokett.— Die anderen Schwaben aber meinten noch immer, Uhland sei ein Dichter und Goethe unmoralisch gewesen.— Das Beste an den deutschen Romanen, welche jetzt berühmt würden, sei, dass man sie nicht zu lesen brauche: man kenne sie schon.— Der Berliner erscheine gutmütiger als der Süddeutsche, denn er sei allzusehr spottlustig und vertrage deshalb Spott: was Süddeutschen nicht begegne.— Der Geist der Deutschen werde durch ihr Bier und ihre Zeitungen niedergehalten: er empfehle ihnen Tee und Pamphlete, zur Kur natürlich.— Man sehe sich, so riet er, doch die verschiedenen Völker des altgewordenen Europa daraufhin an, wie ein jedes eine bestimmte Eigenschaft des Alters besonders gut zur Schau trägt, zum Vergnügen für die, welche vor dieser grossen Bühne sitzen: wie die Franzosen das Kluge und Liebenswürdige des Alters, die Engländer das Erfahrene und Zurückhaltende, die Italiener das Unschuldige und Unbefangene mit Glück vertreten. Sollten denn die anderen Masken des Alters fehlen? Wo ist der hochmütige Alte? Wo der herrschsüchtige Alte? Wo der habsüchtige Alte?— Die gefährlichste Gegend in Deutschland sei Sachsen und Thüringen: nirgends gäbe es mehr geistige Rührigkeit und Menschenkenntnis, nebst Freigeisterei, und alles sei so bescheiden durch die hässliche Sprache und die eifrige Dienstbeflissenheit dieser Bevölkerung versteckt, dass man kaum merke, hier mit den geistigen Feldwebeln Deutschlands und seinen Lehrmeistern in Gutem und Schlimmem zu tun zu haben.— Der Hochmut der Norddeutschen werde durch ihren Hang, zu gehorchen, der der Süddeutschen durch ihren Hang, sich's bequem zu machen, in Schranken gehalten.— Es schiene ihm, dass die deutschen Männer in ihren Frauen ungeschickte, aber sehr von sich überzeugte Hausfrauen hätten: sie redeten so beharrlich gut von sich, dass sie fast die Welt und jedenfalls ihre Männer von der eigens deutschen Hausfrauen-Tugend überzeugt hätten.— Wenn sich dann das Gespräch auf Deutschlands Politik nach aussen und innen wendete, so pflegte er zu erzählen—er nannte es: verraten—, das Deutschlands grösster Staatsmann nicht an grosse Staatsmänner glaube.— Die Zukunft der Deutschen fand er bedroht und bedrohlich: denn sie hätten verlernt, sich zu freuen (was die Italiener so gut verstünden), aber sich durch das grosse Hazardspiel von Kriegen und dynastischen Revolutionen an die Emotion gewöhnt, folglich würden sie eines Tages die Emeute haben. Denn dies sei die stärkste Emotion, welche ein Volk sich verschaffen könne.— Der deutsche Sozialist sei eben deshalb am gefährlichsten, weil ihn keine bestimmte Not treibe; sein Leiden sei, nicht zu wissen, was er wolle, so werde er, wenn er auch viel erreiche, doch noch im Genusse vor Begierde verschmachten, ganz wie Faust, aber vermutlich wie ein sehr pöbelhafter Faust. "Den Faust-Teufel nämlich," rief er zuletzt, "von dem die gebildeten Deutschen so geplagt wurden, hat Bismarck ihnen ausgetrieben: nun ist der Teufel aber in die Säue gefahren und schlimmer als je vorher!"

325

Meinungen.— Die meisten Menschen sind nichts und gelten nichts, bis sie sich in allgemeine Überzeugungen und öffentliche Meinungen eingekleidet haben—nach der Schneider-Philosophie: Kleider machen Leute. Von den Ausnahme-Menschen aber muss es heissen: erst der Träger macht die Tracht; hier hören die Meinungen auf, öffentlich zu sein, und werden etwas anderes als Masken, Putz und Verkleidung.

326

Zwei Arten der Nüchternheit. — Um Nüchternheit aus Erschöpfung des Geistes nicht mit Nüchternheit aus Mässigung zu verwechseln, muss man darauf acht haben, dass die erstere übellaunig, die andere frohmütig ist.

327

Verfälschung der Freude.— Keinen Tag länger eine Sache gut heissen, als sie uns gut scheint, und vor allem: keinen Tag früher—das ist das einzige Mittel, sich die Freude echt zu erhalten: die sonst allzu leicht fade und faul im Geschmacke wird und jetzt für ganze Schichten des Volkes zu den verfälschten Lebensmitteln gehört.

328

Der Tugend-Bock. — Beim Allerbesten, was einer tut, suchen die, welche ihm wohlwollen, aber seiner Tat nicht gewachsen sind, schleunigst einen Bock, um ihn zu schlachten, wähnend, es sei der Sündenbock—aber es ist der Tugend-Bock.

329

Souveränität.— Auch das Schlechte ehren und sich zu ihm bekennen, wenn es einem gefällt, und keinen Begriff davon haben, wie man sich seines Gefallens schämen könne, ist das Merkmal der Souveränität, im grossen und kleinen.

330

Der Wirkende ein Phantom, keine Wirklichkeit.— Der bedeutende Mensch lernt allmählich, dass er, sofern er wirkt, ein Phantom in den Köpfen anderer ist, und gerät vielleicht in die feine Seelenqual, sich zu fragen, ob er das Phantom von sich zum Besten seiner Mitmenschen nicht aufrechterhalten müsse.

331

Nehmen und geben. — Wenn man einem das Geringste weg (oder vorweg) genommen hat, so ist er blind dafür, dass man ihm viel Grösseres, ja das Grösste gegeben hat.

332

Der gute Acker. — Alles Abweisen und Negieren zeigt einen Mangel an Fruchtbarkeit an: im Grunde, wenn wir nur gutes Ackerland wären, dürften wir nichts unbenutzt umkommen lassen und in jedem Dinge, Ereignisse und Menschen willkommenen Dünger, Regen oder Sonnenschein sehen.

333

Verkehr als Genuss. — Hält sich einer, mit entsagendem Sinne, absichtlich in der Einsamkeit, so kann er sich dadurch den Verkehr mit Menschen, selten genossen, zum Leckerbissen machen.

334

Öffentlich zu leiden verstehen. — Man muss sein Unglück affichieren und von Zeit zu Zeit hörbar seufzen, sichtbar ungeduldig sein: denn liesse man die andern merken, wie sicher und glücklich in sich man trotz Schmerz und Entbehrung ist, wie neidisch und böswillig würde man sie machen!— Aber wir müssen Sorge dafür tragen, dass wir unsre Mitmenschen nicht verschlechtern; überdies würden sie uns in jenem Falle harte Steuern auferlegen, und unser öffentliches Leiden ist jedenfalls auch unser privater Vorteil.

335

Wärme in den Höhen. — Auf den Höhen ist es wärmer, als man in den Tälern meint, namentlich im Winter. Der Denker weiss, was alles dies Gleichnis besagt.

336

Das Gute wollen, das Schöne können.— Es genügt nicht, das Gute zu üben, man muss es gewollt haben und, nach dem Wort des Dichters, die Gottheit in seinen Willen aufnehmen. Aber das Schöne darf man nicht wollen, man muss es können, in Unschuld und Blindheit, ohne alle Neubegier der Psyche. Wer seine Laterne anzündet, um vollkommene Menschen zu finden, der achte auf dies Merkmal: es sind die, welche immer um des Guten willen handeln und immer dabei das Schöne erreichen, ohne daran zu denken. Viele der Besseren und Edleren bleiben nämlich, aus Unvermögen und Mangel der schönen Seele, mit allem ihrem guten Willen und ihren guten Werken, unerquicklich und hässlich anzusehen; sie stossen zurück und schaden selbst der Tugend durch das widrige Gewand, welches ihr schlechter Geschmack derselben anlegt.

337

Gefahr der Entsagenden. — Man muss sich hüten, sein Leben auf einen zu schmalen Grund von Begehrlichkeit zu gründen: denn wenn man den Freuden entsagt, welche Stellungen, Ehren, Genossenschaften, Wolllüste, Bequemlichkeiten, Künste mit sich bringen, so kann ein Tag kommen, wo man merkt, statt der Weisheit, durch diese Verzichtleistung den Lebens-Überdruss zum Nachbarn erlangt zu haben.

338

Letzte Meinung über Meinungen. — Entweder verstecke man seine Meinungen, oder man verstecke sich hinter seine Meinungen. Wer es anders macht, der kennt den Lauf der Welt nicht oder gehört zum Orden der heiligen Tollkühnheit.

339

"Gaudeamus igitur."— Die Freude muss auch für die sittliche Natur des Menschen auferbauende und ausheilende Kräfte enthalten: wie käme es sonst, dass unsere Seele, sobald sie im Sonnenschein der Freude ruht, sich unwillkürlich gelobt "gut sein!" "Vollkommen werden!" und dass dabei ein Vorgefühl der Vollkommenheit, gleich einem seligen Schauder, sie erfasst?

340

An einen Gelobten.— Solange man dich lobt, glaube nur immer, dass du noch nicht auf deiner eignen Bahn, sondern auf der eines andern bist.

341

Den Meister lieben.— Anders liebt der Gesell, anders der Meister den Meister.

342

Allzuschönes und Menschliches. — "Die Natur ist zu schön für dich armen Sterblichen"—so empfindet man nicht selten, aber ein paarmal, bei einem innigen Anschauen alles Menschlichen, seiner Fülle, Kraft, Zartheit, Verflochtenheit, war es mir zumute, als ob ich sagen müsste, in aller Demut: "auch der Mensch ist zu schön für den betrachtenden Menschen!"—und zwar nicht etwa nur der moralische Mensch, sondern jeder.

343

Bewegliche Habe und Grundbesitz. — Wenn einen das Leben einmal recht räuberhaft behandelt hat, und an Ehren, Freuden, Anhang, Gesundheit, Besitz aller Art nahm, was es nehmen konnte, so entdeckt man vielleicht hinterdrein, nach dem ersten Schrecken, dass man reicher ist als zuvor. Denn jetzt erst weiss man, was einem so zu eigen ist, dass keine Räuberhand daran zu rühren vermag; so geht man vielleicht aus aller Plünderung und Verwirrung mit der Vornehmheit eines grossen Grundbesitzers hervor.

344

Unfreiwillige Idealfiguren. — Das peinlichste Gefühl, das es gibt, ist, zu entdecken, dass man immer für etwas Höheres genommen wird, als man ist. Denn man muss sich dabei eingestehen: irgend etwas an dir ist Lug und Trug, dein Wort, dein Ausdruck, dein Auge, deine Handlung—und dieses trügerische Etwas ist so notwendig wie deine sonstige Ehrlichkeit, hebt aber deren Wirkung und Wert fortwährend auf.

345

Idealist und Lügner. — Man soll sich von dem schönsten Vermögen—dem, die Dinge ins Ideal zu heben—nicht tyrannisieren lassen: sonst trennt sich eines Tages die Wahrheit von uns mit dem bösen Wort "du Lügner von Grund aus, was habe ich mit dir zu schaffen?"

346

Missverstanden werden. — Wenn man als Ganzes missverstanden wird, so ist es unmöglich, ein einzelnes Missverstandenwerden von Grund aus zu heben. Dies muss man einsehen, um nicht überflüssige Kraft in seiner Verteidigung zu verschwenden.

347

Der Wassertrinker spricht. — Trinke deinen Wein nur weiter, der dich dein Leben lang gelabt hat,—was geht es dich an, dass ich ein Wassertrinker sein muss? Sind Wein und Wasser nicht friedfertige brüderliche Elemente, die ohne Vorwurf beieinander wohnen?

348

Aus dem Lande der Menschenfresser.— In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die vielen. Nun wähle.

349

Im Gefrierpunkt des Willens. — "Endlich einmal kommt sie doch, jene Stunde, die dich in die goldene Wolke der Schmerzlosigkeit einhüllen wird: wo die Seele ihre eigene Müdigkeit geniesst und glücklich im geduldigen Spiele mit ihrer Geduld den Wellen eines Sees gleicht, die an einem ruhigen Sommertage, im Widerglanze eines buntgefärbten Abendhimmels, am Ufer schlürfen, schlürfen und wieder stille sind—ohne Ende, ohne Zweck, ohne Sättigung, ohne Bedürfnis,—ganz Ruhe, die sich am Wechsel freut, ganz Zurückebben und Einfluten in den Pulsschlag der Natur." Dies ist Empfindung und Rede aller Kranken: erreichen sie aber jene Stunden, so kommt, nach kurzem Genusse, die Langeweile. Diese aber ist der Tauwind für den eingefrornen Willen: er erwacht, bewegt sich und zeugt wieder Wunsch auf Wunsch.— Wünschen ist ein Anzeichen von Genesung oder Besserung.

350

Das verleugnete Ideal. — Ausnahmsweise kommt es vor, dass einer das Höchste erst dann erreicht, wenn er sein Ideal verleugnet: denn dies Ideal trieb ihn bisher zu heftig an, so dass er in der Mitte der jedesmaligen Bahn ausser Atem kam und stehenbleiben musste.

351

Verräterische Neigung. — Man beachte es als Merkmal eines neidischen, aber höher strebenden Menschen, wenn er sich von dem Gedanken angezogen fühlt, dass es dem Vortrefflichen gegenüber nur eine Rettung gibt: Liebe.

352

Treppen-Glück. — Wie der Witz mancher Menschen nicht mit der Gelegenheit gleichen Schritt hält, so dass die Gelegenheit schon durch die Türe hindurch ist, während der Witz noch auf der Treppe steht: so gibt es bei anderen eine Art von Treppen-Glück, welches zu langsam läuft, um der schnellfüssigen Zeit immer zur Seite zu sein: das Beste, was sie von einem Erlebnis, einer ganzen Lebensstrecke zu geniessen bekommen, fällt ihnen erst lange Zeit hinterher zu, oft nur als ein schwacher, gewürzter Duft, welcher Sehnsucht erweckt und Trauer—als ob es möglich gewesen wäre—irgendwann—in diesem Element sich recht satt zu trinken: nun aber ist es zu spät.

353

Würmer.— Es spricht nicht gegen die Reife eines Geistes, dass er einige Würmer hat.

354

Der siegreiche Sitz. — Eine gute Haltung zu Pferd stiehlt dem Gegner den Mut, dem Zuschauer das Herz,—wozu erst noch angreifen? Sitze wie einer, der gesiegt hat!

355

Gefahr in der Bewunderung. — Man kann aus allzu grosser Bewunderung für fremde Tugenden den Sinn für seine eignen und, durch Mangel an Übung, zuletzt diese selbst verlieren, ohne die fremden dafür zum Ersatz zu erhalten.

356

Nutzen der Kränklichkeit. — Wer oft krank ist, hat nicht nur einen viel grösseren Genuss am Gesundsein, wegen seines häufigen Gesundwerdens: sondern auch einen höchst geschärften Sinn für Gesundes und Krankhaftes in Werken und Handlungen, eigenen und fremden: so dass zum Beispiel gerade die kränklichen Schriftsteller—und darunter sind leider fast alle grossen—in ihren Schriften einen viel sichreren und gleichmässigeren Ton der Gesundheit zu haben pflegen, weil sie besser als die körperlich Robusten sich auf die Philosophie der seelischen Gesundheit und Genesung und ihre Lehrmeister: Vormittag, Sonnenschein, Wald und Wasserquelle, verstehen.

357

Untreue, Bedingung der Meisterschaft.— Es hilft nichts: jeder Meister hat nur einen Schüler—und der wird ihm untreu—denn er ist zur Meisterschaft auch bestimmt.

358

Nie umsonst. — Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst: entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können.

359

Vor grauen Fensterscheiben. — Ist denn das, was ihr durch dies Fenster von der Welt seht, so schön, dass ihr durchaus durch kein anderes Fenster mehr blicken wollt—ja selbst andere davon abzuhalten den Versuch macht?

360

Anzeichen starker Wandlungen. — Es ist ein Zeichen, wenn man von lange Vergessenen oder Toten träumt, dass man eine starke Wandlung in sich durchlebt hat und dass der Boden, auf dem man lebt, völlig umgegraben worden ist: da stehen die Toten auf, und unser Altertum wird Neutum.

361

Arznei der Seele. — Still-liegen und Wenig-denken ist das wohlfeilste Arzneimittel für alle Krankheiten der Seele und wird, bei gutem Willen, von Stunde zu Stunde seines Gebrauchs angenehmer.

362

Zur Rangordnung der Geister.— Es ordnet dich tief unter jenen, dass du die Ausnahmen festzustellen suchst, jener aber die Regel.

363

Der Fatalist.— Du musst an das Fatum glauben,—dazu kann die Wissenschaft dich zwingen. Was dann aus diesem Glauben bei dir herauswächst—Feigheit, Ergebung oder Grossartigkeit und Freimut—, das legt Zeugnis von dem Erdreich ab, in welches jenes Samenkorn gestreut wurde, nicht aber vom Samenkorn selbst—denn aus ihm kann alles und jedes werden.

364

Grund vieler Verdriesslichkeit. — Wer im Leben das Schöne dem Nützlichen vorzieht, wird sich gewiss zuletzt, wie das Kind, welches Zuckerwerk dem Brote vorzieht, den Magen verderben und sehr verdriesslich in die Welt sehen.

365

Übermass als Heilmittel. — Man kann sich seine eigne Begabung dadurch wieder schmackhaft machen, dass man längere Zeit die entgegengesetzte übermässig verehrt und geniesst.— Das Übermass als Heilmittel zu gebrauchen ist einer der feineren Griffe in der Lebenskunst.

366

"Wolle ein Selbst."— Die tätigen, erfolgreichen Naturen handeln nicht nach dem Spruche "kenne dich selbst," sondern wie als ob ihnen der Befehl vorschwebte: wolle ein Selbst, so wirst du ein Selbst.— Das Schicksal scheint ihnen immer noch die Wahl gelassen zu haben; während die Untätigen und Beschaulichen darüber nachsinnen, wie sie jenes eine Mal, beim Eintritt ins Leben, gewählt haben.

367

Womöglich ohne Anhang leben.— Wie wenig Anhänger zu bedeuten haben, begreift man erst, wenn man aufgehört hat, der Anhänger seiner Anhänger zu sein.

368

Sich verdunkeln.— Man muss sich zu verdunkeln verstehen, um die Mückenschwärme allzu lästiger Bewunderer loszuwerden.

369

Langeweile. — Es gibt eine Langeweile der feinsten und gebildetsten Köpfe, denen das Beste, was die Erde bietet, schal geworden ist: gewöhnt daran, ausgesuchte und immer ausgesuchtere Kost zu essen und vor der gröberen sich zu ekeln, sind sie in Gefahr Hungers zu sterben—denn des Allerbesten ist nur wenig da, und mitunter ist es unzugänglich oder steinhart geworden, so dass es auch gute Zähne nicht mehr beissen können.

370

Die Gefahr in der Bewunderung.— Die Bewunderung einer Eigenschaft oder Kunst kann so stark sein, dass sie uns abhält, nach ihrem Besitz zu streben.

371

Was man von der Kunst will. — Der eine will vermittels der Kunst sich seines Wesens freuen, der andere will mit ihrer Hilfe zeitweilig über sein Wesen hinaus, von ihm weg. Nach beiden Bedürfnissen gibt es eine doppelte Art von Kunst und Künstlern.

372

Abfall.— Wer von uns abfällt, beleidigt damit vielleicht nicht uns, aber sicherlich unsere Anhänger.

373

Nach dem Tode. — Wir finden es gewöhnlich erst lange nach dem Tode eines Menschen unbegreiflich, dass er fehlt: bei ganz grossen Menschen oft erst nach Jahrzehnten. Wer ehrlich ist, meint bei einem Todesfalle gewöhnlich, dass eigentlich nicht viel fehle und dass der feierliche Leichenredner ein Heuchler sei. Erst die Not lehrt das Nötig-sein eines einzelnen, und das rechte Epitaph ist ein später Seufzer.

374

Im Hades lassen. — Viele Dinge muss man im Hades halbbewussten Fühlens lassen und nicht aus ihrem Schatten-Dasein erlösen wollen, sonst werden sie, als Gedanke und Wort, unsere dämonischen Herren und verlangen grausam nach unsrem Blut.

375

Nähe des Bettlertums.— Auch der reichste Geist hat gelegentlich den Schlüssel zu der Kammer verloren, in der seine aufgespeicherten Schätze ruhen, und ist dann dem Ärmsten gleich, der betteln muss, um nur zu leben.

376

Ketten- Denker.— Einem, der viel gedacht hat, erscheint jeder neue Gedanke, den er hört oder liest, sofort in Gestalt einer Kette.

377

Mitleid.— In der vergoldeten Scheide des Mitleidens steckt mitunter der Dolch des Neides.

378

Was ist Genie?— Ein hohes Ziel und die Mittel dazu wollen.

379

Eitelkeit der Kämpfer. — Wer keine Hoffnung hat, in einem Kampfe zu siegen, oder ersichtlich unterlegen ist, will um so mehr, dass die Art seines Kämpfens bewundert werde.

380

Das philosophische Leben wird missgedeutet.— In dem Augenblicke, wo jemand anfängt mit der Philosophie Ernst zu machen, glaubt alle Welt das Gegenteil davon.

381

Nachahmung.— Das Schlechte gewinnt durch die Nachahmung an Ansehen, das Gute verliert dabei—namentlich in der Kunst.

382

Letzte Lehre der Historie. — "Ach, dass ich damals gelebt hätte!"—das ist die Rede törichter und spielerischer Menschen. Vielmehr wird man, bei jedem Stück Geschichte, das man ernstlich betrachtet hat, und sei es das gelobteste Land der Vergangenheit, zuletzt ausrufen: "nur nicht dahin wieder zurück! Der Geist jener Zeit würde mit der Last von hundert Atmosphären auf dich drücken, des Guten und Schönen an ihr würdest du dich nicht erfreuen, ihr Schlimmes nicht verdauen können."— Zuverlässig wird die Nachwelt ebenso über unsere Zeit urteilen: sie sei unausstehlich, das Leben in ihr unlebebar gewesen.— Und doch hält es jeder in seiner Zeit aus?— Ja, und zwar deshalb, weil der Geist seiner Zeit nicht nur auf ihm liegt, sondern auch in ihm ist. Der Geist der Zeit leistet sich selber Widerstand, trägt sich selber.

383

Grossheit als Maske. — Mit Grossheit des Benehmens erbittert man seine Feinde, mit Neid, den man merken lässt, versöhnt man sie sich beinahe: denn der Neid vergleicht, setzt gleich, er ist eine unfreiwillige und stöhnende Art von Bescheidenheit.— Ob wohl hier und da, des erwähnten Vorteils halber, der Neid als Maske vorgenommen worden ist, von solchen, welche nicht neidisch waren? Vielleicht; sicherlich aber wird Grossheit des Benehmens oft als Maske des Neides gebraucht, von Ehrgeizigen, welche lieber Nachteile erleiden und ihre Feinde erbittern wollen als merken lassen, dass sie sich innerlich ihnen gleichsetzen.

384

Unverzeihlich. — Du hast ihm eine Gelegenheit gegeben, Grösse des Charakters zu zeigen, und er hat sie nicht benutzt. Das wird er dir nie verzeihen.

385

Gegen-Sätze. — Das Greisenhafteste, was je über den Menschen gedacht worden ist, steckt in dem berühmten Satze "das Ich ist immer hassenswert"; das Kindlichste in dem noch berühmteren "liebe deinen Nächsten, wie dich selbst."— Bei dem einen hat die Menschenkenntnis aufgehört, bei dem andern noch gar nicht angefangen.

386

Das fehlende Ohr. — "Man gehört noch zum Pöbel, solange man immer auf andere die Schuld schiebt; man ist auf der Bahn der Weisheit, wenn man immer nur sich selber verantwortlich macht; aber der Weise findet niemanden schuldig, weder sich noch andere."— Wer sagt dies?— Epiktet, vor achtzehnhundert Jahren.— Man hat es gehört, aber vergessen.— Nein, man hat es nicht gehört und nicht vergessen: nicht jedes Ding vergisst sich. Aber man hatte das Ohr nicht dafür, das Ohr Epiktets.— So hat er es also sich selber ins Ohr gesagt?— So ist es: Weisheit ist das Gezischel des Einsamen mit sich auf vollem Markte.

387

Fehler des Standpunktes, nicht des Auges. — Man steht sich selber immer einige Schritte zu nah; und dem Nächsten immer einige Schritte zu fern. So kommt es, dass man ihn zu sehr in Bausch und Bogen beurteilt und sich selber zu sehr nach einzelnen gelegentlichen unbeträchtlichen Zügen und Vorkommnissen.

388

Die Ignoranz in Waffen. — Wie leicht nehmen wir es, ob ein andrer von einer Sache weiss oder nicht weiss,—während er vielleicht schon bei der Vorstellung Blut schwitzt, dass man ihn hierin für unwissend halte. Ja, es gibt ausgesuchte Narren, welche immer mit einem vollen Köcher von Bannflüchen und Machtsprüchen einhergehen, bereit, jeden niederzuschiessen, der merken lässt, es gebe Dinge, worin ihr Urteil nicht in Betracht komme.

389

Am Trinktisch der Erfahrung. — Personen, welche aus angeborner Mässigkeit jedes Glas halb ausgetrunken stehen lassen, wollen nicht zugeben, dass jedes Ding in der Welt seine Neige und Hefe habe.

390

Singvögel.— Die Anhänger eines grossen Mannes pflegen sich zu blenden, um sein Lob besser singen zu können.

391

Nicht gewachsen.— Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

392

Die Regel als Mutter oder als Kind.— Ein anderer Zustand ist der, welcher die Regel gebiert, ein andrer der, welchen die Regel gebiert.

393

Komödie. — Wir ernten mitunter Liebe und Ehre für Taten oder Werke, welche wir längst wie eine Haut von uns abgestreift haben: da werden wir leicht verführt, die Komödianten unserer eigenen Vergangenheit zu machen und das alte Fell noch einmal über die Schultern zu werfen—und nicht nur aus Eitelkeit, sondern auch aus Wohlwollen gegen unsere Bewunderer.

394

Fehler der Biographen. — Die kleine Kraft, welche not tut, einen Kahn in den Strom hineinzustossen, soll nicht mit der Kraft dieses Stromes, der ihn fürderhin trägt, verwechselt werden: aber es geschieht fast in allen Biographien.

395

Nicht zu teuer kaufen. — Was man zu teuer kauft, verwendet man gewöhnlich auch noch schlecht, weil ohne Liebe und mit peinlicher Erinnerung—und so hat man einen doppelten Nachteil davon.

396

Welche Philosophie immer der Gesellschaft not tut. — Der Pfeiler der gesellschaftlichen Ordnung ruht auf dem Grunde, dass ein jeder auf das, was er ist, tut und erstrebt, auf seine Gesundheit oder Krankheit, seine Armut oder Wohlstand, seine Ehre oder Unansehnlichkeit, mit Heiterkeit hinblickt und dabei empfindet "ich tausche doch mit keinem."— Wer an der Ordnung der Gesellschaft bauen will, möge nur immer diese Philosophie der heiteren Tauschablehnung und Neidlosigkeit in die Herzen einpflanzen.

397

Anzeichen der vornehmen Seele. — Eine vornehme Seele ist die nicht, welche der höchsten Aufschwünge fähig ist, sondern jene, welche sich wenig erhebt und wenig fällt, aber immer in einer freieren durchleuchteten Luft und Höhe wohnt.

398

Das Grosse und sein Betrachter.— Die beste Wirkung des Grossen ist, dass es dem Betrachter ein vergrösserndes und abrundendes Auge einsetzt.

399

Sich genügen lassen. — Die erlangte Reife des Verstandes bekundet sich darin, dass man dorthin, wo seltene Blumen unter den spitzigsten Dornenhecken der Erkenntnis stehen, nicht mehr geht und sich an Garten, Wald, Wiese und Ackerfeld genügen lässt, in Anbetracht, wie das Leben für das Seltene und Aussergewöhnliche zu kurz ist.

400

Vorteil in der Entbehrung. — Wer immerdar in der Wärme und Fülle des Herzens und gleichsam in der Sommerluft der Seele lebt, kann sich jenes schauerliche Entzücken nicht vorstellen, welches winterlichere Naturen ergreift, die ausnahmsweise von den Strahlen der Liebe und dem lauen Anhauche eines sonnigen Februartages berührt werden.

401

Rezept für den Dulder. — Dir wird die Last des Lebens zu schwer?— So musst du die Last deines Lebens vermehren. Wenn der Dulder endlich nach dem Flusse Lethe dürstet und sucht,—so muss er zum Helden werden, um ihn gewiss zu finden.

402

Der Richter.— Wer jemandes Ideal geschaut hat, ist dessen unerbittlicher Richter und gleichsam sein böses Gewissen.

403

Nutzen der grossen Entsagung. — Das Nützlichste an der grossen Entsagung ist, dass sie uns jenen Tugendstolz mitteilt, vermöge dessen wir von da an leicht viele kleine Entsagungen von uns erlangen.

404

Wie die Pflicht Glanz bekommt. — Das Mittel, um deine eherne Pflicht im Auge von jedermann in Gold zu verwandeln, heisst: halte immer etwas mehr als du versprichst.

405

Gebet zu Menschen.— "Vergib uns unsere Tugenden"—so soll man zu Menschen beten.

406

Schaffende und Geniessende. — Jeder Geniessende meint, dem Baume habe es an der Frucht gelegen; aber ihm lag am Samen.— Hierin besteht der Unterschied zwischen allen Schaffenden und Geniessenden.

407

Der Ruhm aller Grossen. — Was ist am Genie gelegen, wenn es nicht seinem Betrachter und Verehrer solche Freiheit und Höhe des Gefühls mitteilt, dass er des Genies nicht mehr bedarf!— Sich überflüssig machen—das ist der Ruhm aller Grossen.

408

Die Hadesfahrt. — Auch ich bin in der Unterwelt gewesen wie Odysseus, und werde es noch öfter sein; und nicht nur Hammel habe ich geopfert, um mit einigen Toten reden zu können, sondern des eignen Blutes nicht geschont. Vier Paare waren es, welche sich mir, dem Opfernden, nicht versagten: Epikur und Montaigne, Goethe und Spinoza, Plato und Rousseau, Pascal und Schopenhauer. Mit diesen muss ich mich auseinandersetzen, wenn ich lange allein gewandert bin, von ihnen will ich mir Recht und Unrecht geben lassen, ihnen will ich zuhören, wenn sie sich dabei selber untereinander recht und unrecht geben. Was ich auch nur sage, beschliesse, für mich und andere ausdenke: auf jene acht hefte ich die Augen und sehe die ihrigen auf mich geheftet.— Mögen die Lebenden es mir verzeihen, wenn sie mir mitunter wie die Schatten vorkommen, so verblichen und verdriesslich, so unruhig und ach! so lüstern nach Leben: während jene mir dann so lebendig scheinen, als ob sie nun, nach dem Tode, nimmermehr lebensmüde werden könnten. Auf die ewige Lebendigkeit aber kommt es an: was ist am "ewigen Leben" und überhaupt am Leben gelegen!

Смешанные мнения и изречения (Второе издание, 1886)

Предисловие

1

Говорить надо лишь тогда, когда невмоготу молчать; и говорить лишь о том, с чем ты уже совладал, — всё прочее болтовня, «литература», расхлябанность. Мои сочинения говорят лишь о том, с чем я совладал: в них живу «я сам» — со всем тем, от чего я уже отрёкся, ego ipsissimusя сам (лат.)., а не то даже, если прибегнуть к более гордому выражению, ego ipsissimumсамо «я» (лат.).. Нетрудно догадаться, о чём идёт речь: уже многое в моих глазах сделалось ниже меня... Но охота задним числом вылущивать, выпрастывать, выкладывать на стол, «изображать» (назовите это как угодно) в целях познания нечто пережитое и оставленное за спиной, какой-нибудь личный мой фактум или фатум, всегда начинала шевелиться во мне лишь спустя некоторое время, и для того потребны были выздоровление, отстранённость, дистанция. В этом смысле все мои сочинения, за одним-единственным, но, разумеется, важным исключением, следует датировать от настоящего к прошлому — ведь они всегда говорят о том, что у меня «за спиною», — а некоторые, как, к примеру, три первых «Несвоевременных размышления», даже временем прежде периода моей жизни, отмеченного книгою, вышедшей в свет до них (в данном случае — прежде «Рождения трагедии», что будет ясно всякому сколько-нибудь тонкому наблюдателю и толкователю). Яростный выпад против немечества, неуклюжести и языковой измочаленности, свойственных состарившемуся Давиду Штраусу (что и было содержанием первого «Несвоевременного»), дал волю настроениям, владевшим мною задолго до того, ещё когда я был студентом в обстановке немецкого образования и образовательного мещанства (я претендую на авторство ныне весьма расхожего и уже избитого словца «образовательное мещанство»Это выражение, хотя и стало нарицательным благодаря Ницше, встречается в немецкой литературе уже в 60-х годах XIX века (в этимологическом словаре немецкого языка под ред. Ф. Клуге в качестве одного из первых примеров использования приводится фраза из «Исследований» Й. Шерра, датированных 1866 г.: «Люди, для которых придумано удачное выражение “мещанин от образования”». —); и мои слова против «болезни историцизма» были словами того, кто долго и с трудом от неё оправлялся, но отнюдь не намеревался впредь чураться «духа исторической науки» только потому, что однажды им переболел. Когда позже, в третьем «Несвоевременном размышлении», я выразил почтение своему первому и единственному воспитателю, великому Артуру Шопенгауэру — нынче я выразил бы его куда сильнее и к тому же на гораздо более личный лад, — я сам уже оказался глубоко погружённым в стихию морального скепсиса и смятения, иными словами, оказался настолько же в стихии критики, насколько и углубления всего прежнего пессимизма, — и не верил отныне «ни во что вообще», как говорят в народе, в том числе и в Шопенгауэра: как раз в ту пору и появился на свет оставленный мною под спудом фрагмент сочинения «об истине и лжи во внеморальном смысле»Большой фрагмент с таким названием (написанный в 1873 г.) был опубликован только в 1903 г. («Großoktav-Ausgabe»).. Даже моя триумфальная и торжественная речь в честь Рихарда Вагнера по случаю его байрейтского триумфа (Байрейт, 1876)То есть четвёртое «Несвоевременное размышление». равнозначна величайшему торжеству, достигнутому когда-либо художником, — это творение, несущее на себе ярчайшие видимые признаки «актуальности», в своей глубине было благодарностью и преклонением перед одним участком пройденного мною пути, перед самым прекрасным, но и самым опасным морским штилем за всё моё плавание... а фактически — разрывом, прощаньем. (Питал ли насчёт этого иллюзии сам Рихард Вагнер? Не думаю. Пока человек ещё любит, он, конечно, не рисует никаких подобных картин; он ещё не «размышляет» и потому не отходит на дальнее расстояние, как полагается размышляющему. «Размышлять — это уже значит втайне враждовать, как враждуют, гордо встречая кого-то взглядом»«Несвоевременные размышления», IV, 7. Ницше, цитируя себя, переставил местами слова, выделил курсивом слово «враждовать», а главное, опустил начальное слово этой части фразы, несколько, но определённо изменяющее её общий смысл, — слово «даже». Вот как это место звучит там: «...и всякому, кто заглянет в себя поглубже, станет ясно, что даже для размышления потребна тайная вражда, вражда встречного взгляда» (перевод разный из-за разных контекстов)., говорится на с. 46 самого́ же этого сочинения, причём употребляется предательский и меланхолический оборот, который был рассчитан, может быть, далеко не на всякие уши.) Хладнокровие, потребное, чтобы суметь заговорить после долгих промежуточных лет глубочайшего уединения и неудовлетворённости, пришло ко мне лишь с книгой «Человеческое, слишком человеческое», которой пусть и будет посвященоВозможно, лишь здесь Ницше решил, как распорядиться начатым текстом: в поздние годы у него была манера начинать писать, руководствуясь лишь расплывчатым замыслом (к примеру, один из черновиков он озаглавливает «Предисловие к чему-нибудь» — см.: ПСС 13, 15 [13]). Набросок к данному предисловию, сперва задуманный как предисловие к «По ту сторону добра и зла», см. в ПСС 12, 6 [4]. Предисловие это — второе, поскольку первое было написано Ницше тогда же (1886) для первого тома «Человеческого, слишком человеческого». это второе за- и предисловиеза- и предисловие — игра слов, основанная на устаревшем значении слова «Fürwort» (ходатайство: «за» в смысле «в пользу»)..Между последним из «Несвоевременных» и первым томом «Человеческого, слишком человеческого» прошло меньше четырёх лет, так что эпитет «долгие» выражает скорее их внутреннюю интенсивность, чем число. Эта книга — «для свободных умов», а потому ей свойственна некая чуть ли не весёлая и любознательная холодность психолога, задним числом замечающая и словно прикалывающая каким-то игольным остриём целую кучу болезненных вещей, оставленных психологом под собой, за собой: так что же удивительного, если при столь колкой и щекотливой работе подчас выступает и кровь, если кровь сочится тогда у психолога из пальцев, да и не всегда только из пальцев?...

2

«Смешанные мнения и изречения», равно как и «Странник и его тень», вышли первым изданием по отдельности, будучи продолжениями и приложениями только что упомянутой человеческой, слишком человеческой «Книги для свободных умов»: а заодно продолжением и удвоением умственного излечения, то есть антиромантического самолечения, прямо-таки изысканного для меня, прямо-таки прописанного мне моим незатронутым инстинктом против временного заболевания самой опасною формой романтизма. Так пускай же теперь, спустя шесть лет после начала моего выздоровления, читатель будет получать однородные эти сочинения вместе, пусть они составят второй том «Человеческого, слишком человеческого»: может быть, вместе они будут делать своё дело, а именно учить, сильнее и выразительней, — учить здоровью, что и можно порекомендовать в видах disciplina voluntatisзакаливания воли (лат.). натурам более развитым умственно из состава только что пошедшего в рост поколения. В них звучит голос пессимиста, довольно часто выходившего из своей шкуры, но неизменно влезавшего в неё снова, иными словами, пессимиста с доброй волей к пессимизму, а, стало быть, уж во всяком случае больше не романтика. Так что же, неужто ум, опытный в этом змеином знании того, как менять шкуру, не может дать урок нынешним пессимистам, над которыми всё ещё нависает опасность романтизма? И хотя бы показать им, как это делается?...

3

— В то время и впрямь настала пора расставанья: и уже очень скоро я в этом окончательно убедился. Рихард Вагнер, по видимости победоносный как никто, а на самом деле напрочь прогнивший, отчаявшийся романтик, внезапно, беспомощно и сокрушённо пал ниц перед христианским крестом... Неужто тогда не нашлось ни одного немца, чтобы разглядеть глазами души эту ужасающую драму, чтобы прочувствовать её всей своей совестью? Неужто я оказался единственным, кто страдал от этого зрелища? Как бы там ни было, это неожиданное событие, словно молния, ясно показала мне место, которое я уже оставил, — но заодно внушило мне тот ужас, что прошибает задним числом всякого, кто, сам того не ведая, миновал чудовищную опасность. Когда я продолжил свой путь в одиночестве, меня лихорадило; ещё немного, и я оказался болен, даже более чем болен — утомлён от неудержимого разочарования по поводу всего, что ещё способно воодушевлять нас, современных людей, по поводу повсеместно бросаемой на ветер силы, труда, надежды, молодости, любви; я устал от отвращения к феминистской и горячечно-восторженной распущенности этого романтизма, от всего идеалистического вранья и размягчения совести, которое тут вдруг снова одолело одного из храбрейших; и — последнее, но не самое малое — я устал от беспросветности неумолимого подозрения, говорившего мне, что после такого разочарования я осуждён на более глубокое недоверие, более глубокое презрение, более глубокое одиночество, чем когда-либо прежде. Моё задание — где оно теперь было? Разве не казалось теперь, будто моё задание отвернулось от меня, будто теперь я надолго утратил на него право? Что было делать, чтобы пережить эту величайшую потерю? — Я начал с того, что основательно и радикально запретил себе всю романтическую музыку, это двусмысленное, кичливое, одурманивающее искусство, убивающее чёткость и радость мысли и заставляющее расти как на дрожжах все сорта смутной тоски, расплывчатых вожделений. «Cave musicam»«Берегись музыки» (лат.).180 — таков и сегодня мой совет всем, у кого достаёт мужества соблюдать чистоплотность в вопросах умственных; такая музыка развинчивает нервы, размягчает, обабливает, а её «вечная женственность» сносит нас — вниз!...Пародия двух последних стихов из «Фауста» Гёте («Вечная женственность // Ввысь нас влечёт», пер. В. М. Бакусева) и игра слов («сносит вниз» по-немецки звучит как «губит»). Ницше не был первым, кто пародировал знаменитые строки: Р. Вагнер в 1849 г. в шуточном стихотворении («Лола Монтес») сделал примерно то же («вечная женственность // изводит нас»). Моё первое подозрение, моя самонужнейшая осторожность развернулись тогда в направлении романтической музыки; и если я вообще возлагал ещё на музыку какие-то надежды, то лишь в ожидании появления на сцене композитора, достаточно отважного, тонкого, злобного, южного и сверхздорового, чтобы на веки вечные отомстить той музыке. —

4

Отныне в одиночестве, в мучительном недоверии к себе и не без ярости я взял на такой вот лад сторону, противную моей, сторону всего того, что терзало и ставило в тупик именно меня: так я снова отыскал дорогу к тому отважному пессимизму, который противоположен всей романтической лживости, а заодно, как мне сдаётся нынче, и дорогу ко «мне» самому, к моему заданию. То потаённое и самовластное Неизвестное, имени которому мы долго не можем найти, покуда наконец оно не выявит себя в качестве нашего задания, — этот тиран в нас требует ужасного возмещения за любую нашу попытку уклониться или ускользнуть от него, за любую преждевременную остановку, за любое уравнивание с теми, к кому мы не принадлежим, за любую даже вполне достойную деятельность, если она отклоняет нас от нашего главного дела, мало того, и за любую добродетель, желающую защитить нас от всей суровости, свойственной глубочайшей внутренней ответственности. А если нам вздумается сомневаться в своём праве на собственное задание, если мы начинаем искать себе каких-нибудь поблажек, то ответом всякий раз будет болезнь. Как это странно и в то же время страшно! Наше потакание себе — вот за что нам приходится расплачиваться самым суровым образом! И когда потом мы хотим вернуть себе здоровье, то у нас не остаётся выбора: мы должны взвалить на себя более тяжкий груз, чем несли когда-либо прежде...

5

— Лишь тогда я стал учиться говорить на тот отшельнический лад, в котором знают толк лишь самые молчаливые и больные: без свидетелей или, скорее, даже не думая о свидетелях, я говорил, чтобы не страдать от молчания, я высказывался исключительно о вещах, до которых мне не было дела, но так, словно дело мне до них было. Тогда я стал учиться искусству обнаруживать весёлость, объективность, любознательность, но прежде всего здоровье и злобность — а ведь для человека страждущего, сдаётся мне, это и есть «хороший вкус», не так ли? Но от взгляда и сочувствия более разборчивого всё-таки не укроется, в чём, может быть, состоит подлинная прелесть этих сочинений: в них страждущий и нуждающийся говорит так, словно он — не страждущий и нуждающийся. Это должно обеспечить равновесие, хладнокровие, даже благодарность к жизни, здесь всем правит суровая, гордая, всегда бдящая, всегда отзывчивая воля, выбравшая своим заданием защищать жизнь наперекор боли и отсекать напрочь все выводы, которые имеют обыкновение из боли, разочарованности, раздражительности, изолированности и иных болотных причин взращивать одинаково ядовитую плесень. Может быть, это и есть полезное указание, как испытать себя, именно для наших пессимистов? — А ведь им оно и было в то время, когда я раздобыл себе максиму: «Страждущий ещё не имеет никакого права на пессимизм!», когда назло себе я двинулся в затяжной, терпеливый поход против ненаучной коренной тяги любого романтического пессимизма раздувать, перетолковывать отдельные личные переживания до степени общезначимых суждений, даже мироосуждений... короче говоря, когда я повернулся лицом в противоположную сторону. Оптимизм с целью восстановления — чтобы когда-нибудь однажды снова осмелиться на пессимизм: в состоянии ли вы понять такое? Как врач перемещает больного в целиком чуждую тому обстановку, дабы он отбросил всё своё «былое», свои заботы, своих друзей, свои письма, обязанности, глупости и муки памяти и научился тянуть руки и чувства к новому питанию, новому солнцу, новому будущему, — совершенно так же и я, врач и больной в одном лице, вынудил себя войти в контрастный, ещё неизведанный душевный климат, а в особенности в состояние эмиграции на чужбину, во всё чуждое, в состояние любопытства ко всем разновидностям чуждого... Следствием было то, что я стал бродить, искать, менять место, стал противиться всяческой окончательности, любому безоглядному «да» и «нет»; другим следствием была разборчивость в питании и дисциплина, направленная на создание для духа всех возможностей далеко бежать, высоко летать, а главным образом — неизменно улетать прочь. Фактически сведение жизни к минимуму, разрыв со всеми наиболее низменными страстями, независимость в обстановке всяческого внешнего злополучья вкупе с гордостью за то, что при таком злополучье ещё можно жить; может быть, некоторый цинизм, некоторая «беспардонность», но точно так же и много птичьего счастья, птичьей весёлости, много тишины, света, утончённого сумасбродства, тайных горячечных грёз — всё это наконец дало мне заметно окрепнуть духом, а моему наслаждению жизнью и здоровью произрасти в изобилии. Сама жизнь вознаграждает нас за упорное желание жить, за такую затяжную войну, какую я вёл тогда с собою против пессимистической усталости от жизни, даже за любой внимательный взгляд благодарности, не упускающий и самых мелких, бренных и эфемерных даров жизни. За всё это мы получаем в конце концов её великие дары, а, может быть, и величайший дар, какой она только может преподнести нам: мы получаем наше утраченное задание. — —

6

— Суждено ли было моему опыту — истории болезни и выздоровления, поскольку дело-то кончилось выздоровлением, — остаться лишь моим личным опытом? И притом — только чем-то моим «человеческим, слишком человеческим»? Нынче я предпочитаю думать, что нет; доверие всё снова наводит меня на мысль, что книги моих странствий были написаны всё-таки не просто для себя, как порою казалось. — Отважусь ли я теперь, по прошествии шести лет растущей уверенности, попытаться снова послать их в путь? Отважусь ли предложить их душе и слуху в особенности тех, кто обременён каким-нибудь «прошлым», но в ком ещё хватает духа, чтобы болеть хотя бы духом своего прошлого? И в первую очередь — вам, кому приходится туже всего, самым редким, стоящим под величайшим риском, самым духовным, отважным, призванным быть совестью современной души, а в качестве таковых призванным её знать,Ницше обыгрывает однокорневость немецких слов со значениями «совесть» и «знание», очевидную по-латыни (conscientia — scientia) и по-русски, если заменить слово «знание» архаичным «ве́дение». вам, в ком сошлось воедино то, что только может быть сегодня больного, ядовитого и опасного, — вам, чей жребий требует, чтобы вы были больнее, чем отдельный человек, потому что вы не «просто отдельные люди»..., и радость ваша в том, чтобы знать пути к новому здоровью, знать и идти к здоровью завтрашнего и послезавтрашнего дня, вы, призванные, победоносные, одолевающие эпоху, самые здоровые, самые сильные, вы, хорошие европейцы! — —

7

— И чтобы напоследок свести всё-таки в одну формулу то, что я противопоставляю романтическому пессимизму, то есть пессимизму обделённых, неудавшихся, низложенных: существует на свете воля к трагическому и к пессимизму, способная быть признаком как суровости, так и силы ума (вкуса, чувства, совести). С такою волей в душе можно не бояться страшного и сомнительного, присущего всякой жизни; можно, напротив, даже вызывать их на себя. За такой волей стоит мужество, гордость, требование великого противника. — Такою и была с самого начала моя пессимистическая перспектива, — перспектива, сдаётся мне, новая — она и сегодня ещё нова и неизведанна. Я никогда не отклонялся от неё вплоть до нынешней поры, причём, если угодно, обращал её как в свою пользу, так и, по меньшей мере иногда, против себя... Может быть, хотите убедиться в этом? А такое длинное предисловие — в чём же ещё оно может убедить?
Зильс-Мария, Верхний Энгадин,
сентябрь 1886

1

К разочарованным философам. — Если прежде вы верили в высшую ценность жизни, а теперь чувствуете себя разочарованными в ней, неужто надо в одночасье сбывать её по самой бросовой цене?

2

Избалованность. — Бывает избалованность и в отношении ясности понятий: как омерзительно тогда иметь дело со всем смутным, туманным, томительным, гадательным! Каким смешным, но безрадостным кажется, что они вечно порхают у самой земли и пускаются вдогонку, но так и не могут взлететь и схватить добычу!

3

Женихи реальности. — Тот, кто наконец замечает, как много и как долго его дурачили, из упрямства обнимает даже самую омерзительную реальность:Возможно, намёк на место из Платона («Софист» 246a), где говорится о материалистах, которые «как бы обнимают руками дубы и скалы». поэтому ей, если поглядеть на историю в целом, во все времена доставались наилучшие женихи — ведь лучшие всегда бывали обмануты лучше всего и оставались обманутыми дольше всего.

4

Прогресс свободомыслия. — Нельзя лучше показать различие между прежним и нынешним свободомыслием, чем процитировав тот тезис, для познания и выражения которого понадобилась вся неустрашимость прошлого столетия и который по меркам современного познания низводится до уровня невольной наивности, — я имею в виду тезис Вольтера «croyez moi, mon ami, l’erreur aussi a son mérite»«Поверьте мне, друг мой, и в заблуждении есть своя прелесть» (фр.)..

5

Наследный грех философов. — Философы во все времена присваивали и портили изречения испытателей сердец (моралистов), поскольку воспринимали их всерьёз, пытаясь доказать необходимость того, что для тех было лишь неточным намёком, а то и вовсе сельской или городской вассальной истиной десятилетия, меж тем как они как раз этим думали над ними возвыситься. Например, можно обнаружить, что основу знаменитых Шопенгауэровых учений о примате воли над интеллектом, о неизменности характера, о негативной сущности наслаждения — а все они при его подходе суть заблуждения, — составляют популярные истины, выведенные моралистами. Уже слово «воля», которое Шопенгауэр модифицировал для общей характеристики множества человеческих состояний, заполнив пробел в языке, к великой выгоде для себя самого как моралиста — ведь теперь ему стало дозволено говорить о «воле» в том же духе, в каком говорил о ней Паскаль, — уже Шопенгауэрова «воля» под руками своего творца сделалась бедою для науки из-за философской болезни обобщения: ведь эта воля стала поэтической метафорой в утверждении, будто в природе всё наделено волей; наконец, этим словом злоупотребили для ложной конкретизации, чтобы можно было использовать его во всякого рода мистическом бесчинстве, — и вот все модные философы воспроизводят его так, будто бы совершенно определённо знают, что всё сущее наделено единой волей, мало того, будто оно и есть эта единая воля (а это в соответствии с тем, как они изображают ту самую всеединую волю, равнозначно желанию во что бы то ни стало сделать своим богом дурачкадурачка — игра слов: букв. «глупого чёрта».).

6

Против мечтателей. — Мечтатели отрицают правду перед собой, лжецы — только перед другими.

7

Светобоязнь. — Стоит разъяснить кому-нибудь, что он, строго говоря, никогда и никак не мог говорить об истине, а всегда говорил только о вероятности и её степенях, как по неприкрытой радости вразумлённого на такой лад обычно сразу бывает видно, насколько милее людям зыбкость умственного горизонта и насколько в глубине души они ненавидят истину из-за её определённости. — Может быть, все они втайне даже боятся, что кто-нибудь однажды направит на них слишком яркий луч истины? Они хотят чем-то казаться, следовательно, никто не должен точно знать, чем они являются? Или они и должны ненавидеть свет только потому, что боятся его слишком ярких лучей, к которым не приучены их сумрачные, немедленно закрывающие глаза души летучих мышей?

8

Скепсис христиан. — Пилата с его вопросом: «Что есть истина?» нынче любят выставлять адвокатом Христа, чтобы поставить под сомнение всё познанное и познаваемое в качестве мнимого и воздвигнуть крест на жутком фоне абсолютной невозможности знать.

9

«Закон природы» как суеверие. — Если вы с таким восхищением говорите о закономерности в природе, то уж придётся вам либо предположить, что всё в природе следует своим законам добровольным повиновением — и тогда вы, значит, восхищаетесь нравственностью природы; либо вас поражает представление о творце-механике, смастерившем искуснейшие часы с богатой отделкою в виде всего живого. — Выражение «закономерность» очеловечивает необходимость в природе, предоставляя последнее убежище для мифологического фантазёрства.

10

Во власти истории. — На философов, наводящих на мир туман и помрачающих его, то есть на всех метафизиков мелкого и крупного калибра, нападает глазная, ушная и зубная боль, когда они начинают подозревать, что тезис «вся философия отныне переходит под власть истории» справедлив. Ради их страданий им следует простить, что они швыряют камни и нечистоты во всякого, кто это утверждает: но само соответствующее учение может в результате на время оказаться запачканным и неприглядным, а его убедительность ослабнуть.

11

Пессимизм в отношении разума. — Ум истинно свободный будет свободно мыслить даже и о самом уме, не закрывая глаза на кое-что устрашающее в его происхождении и целях. Поэтому другие, вполне возможно, назовут его злейшим врагом свободомыслия и обложат его ругательством и пугательством «пессимист разума»: ведь они привыкли называть человека в соответствии не с отличающими его сильными сторонами и добродетелями, а с тем, что в нём наиболее для них чуждо.

12

В котомке у метафизиков. — Всем тем, кто столь хвастливо вещает о научности своей метафизики, и отвечать-то не следует; достаточно подёргать пожитки, которые они несколько робко прячут за спиною; и если получится развернуть их, то на свет дня, к стыду метафизиков, покажутся результаты их научности: крохотный Господь Бог, умилительное бессмертие, может быть, немного спиритизма и, уж конечно, целая тесная связка нищих-грешных-обездоленных и фарисейское высокомерие.

13

Познание иногда вредит. — Польза, которую несёт с собою непреклонная разведка истинного, будет постоянно сызнова подтверждаться в таком изобилии, что придётся без колебаний мириться с менее заметным и более редкостным вредом, ради неё навлекаемым на себя отдельными людьми. Химики в своих экспериментах неизбежно будут время от времени получать отравления и ожоги. — Что верно для химиков, верно и для всей нашей культуры: отсюда, кстати, со всей очевидностью явствует, что ей надо очень и очень позаботиться о мазях против ожогов и о постоянном наличии противоядий.

14

Естественная надобность филистеров. — Филистерам кажется, будто всего нужнее им — пурпурный лоскут или тюрбан метафизики, и они вовсю стараются, чтобы те с них не сползли: а ведь без этого украшения они выглядели бы не так смешно.

15

Болезненное мечтательство. — Всем, что мечтатели говорят в пользу своего евангелия или учителя, они защищаются, как бы ни выставляли они себя судьями (а не обвиняемыми), поскольку невольно и чуть ли не в каждое мгновение их поведение напоминает о том, что они — исключения, которым надо себя узаконить.

16

Всё хорошее соблазняет к жизни. — Все хорошие вещи — сильные возбуждающие средства для жизни, даже всякая хорошая книга, написанная против жизни.

17

Счастье историка. — «Услышав речи хитроумных метафизиков и замирниковзамирников — эта калька не передаёт всей замысловатой игры ницшевского «Hinterweltler», которое может мыслиться, во-первых, как пародия слова «Hinterwäldler» (провинциал, деревенщина), во-вторых, как возможный игровой (поэтический) буквальный перевод слова «метафизика» (если на правах ассоциации предположить исходным в его составе не physikā, а physis в обобщительном значении «бытие, мир»). Сам Ницше в «Так говорил Заратустра» («О старых и новых скрижалях» § 15 аб. [1]) говорит, что «замирники» — это те, что видят мир «с задней стороны» («sehen die Welt von hinten»), в силу чего перевод Ю. Антоновского «мечтающие об ином мире» представляется более красивым, но несколько менее точным., мы, не такие, правда, почувствуем, что мы — “нищие духом”, но зато почувствуем и то, что наше — царствие небесное перемен, с весной и осенью, зимой и летом, а их царствие — замирье с его седыми, ледяными, бесконечными туманами и тенями.» — Так говорил некто себе самому, прогуливаясь под утренним солнцем: некто, у кого в занятиях историей всё снова преображается не только ум, но и сердце, и кто, в противоположность метафизикам, счастлив тем, что в нём находит себе приют не «одна бессмертная душа», а множество смертных душ.

18

Три вида мыслителей. — Есть минеральные источники, изливающиеся широким потоком, льющиеся ручейком и сочащиеся по каплям — и соответственно этому есть три вида мыслителей. Профаны оценивают их по объёму воды, знатоки же — по её содержанию, то есть по тому, что́ в них — как раз не вода.

19

Картина жизни. — Задача создать определённую картину жизни в целом, с какою бы настойчивостью ни ставили её перед собою поэты и философы, тем не менее бессмысленна: даже под руками величайших живописцев-мыслителей всегда возникали всего лишь картины и картинки одной жизни, а именно их собственной жизни, — да ничего другого и создать нельзя. Становящийся не может отражаться в становящемся как нечто прочное и устойчивое, как некая «определённость».Продолжение в рукописном варианте: «Наука [?] стремится получить не образ, а законы, по которым те образы возникли [?]».

20

Истина не терпит рядом с собою других богов. — Вера в истину начинается с сомнения во всех «истинах», в которые верили доселе.

21

О чём следует молчать. — Когда о свободомыслии говорят как о крайне опасном путешествии по глетчерам и полярным морям, то те, что не желают идти этим путём, чувствуют себя обиженными, будто им предъявили упрёк в робости и слабости ног. О трудных задачах, до которых мы чувствуем себя не доросшими, при нас не следует даже упоминать.

22

Historia in nuceИсторическая наука в свёрнутом виде (лат.).. — Самая серьёзная пародия, какую я слышал в своей жизни, звучит так: «В начале был абсурд, и абсурд был, ей-богу, и Бог (божественно) был абсурдом».Пародия заимствована из письма Карла Фукса к Ницше (конец июня 1878 г.). «Ей-богу» — то есть «у Бога» (игра слов: «bei Gott»).

23

Неисцелимый. — Идеалист неисправим: если сбросить его с неба, он соорудит себе идеал из ада. Разочаруй его и — глядь! — он станет обнимать разочарование не менее страстно, чем ещё совсем недавно обнимал надежду. Это его влечение принадлежит к великим неисцелимым влечениям человеческой природы — потому оно может ввергнуть человека в трагические обстоятельства, а после сделаться сюжетом для трагедий: а они-то как раз и имеют дело со всем неисцелимым, неотвратимым, неизбежимым в человеческой участи и человеческом характере.

24

Аплодисменты как продолжение спектакля. — Лучащиеся глаза и благосклонная улыбка — это своего рода аплодисменты, которыми люди награждают всю великую комедию мира и жизни, — но в то же время это и комедия внутри комедии, которая должна соблазнить других зрителей к «plaudite amici»Рукоплещите, друзья! (лат.) — по Светонию, последние слова умирающего Августа..

25

Решимость быть скучным. — У кого нет решимости на то, чтобы его самого и его труд признали скучными, тот, безусловно, не принадлежит к умам первого ранга, будь то в искусствах или науках. — Какой-нибудь насмешник, который в виде исключения оказался бы заодно и мыслителем, мог бы добавить относительно мира и истории в целом: «У Бога такой решимости не было; он хотел сотворить все вещи слишком интересными — и сотворил».

26

Из самого потаённого опыта мыслителя. — Нет для человека на свете ничего труднее, чем подходить к делу безлично: я хочу сказать — чем видеть в нём именно дело, а не личность; мало того, можно даже спросить, а в состоянии ли он вообще хоть на мгновение остановить часовой механизм своей наделяющей личностью, выдумывающей личность склонности. Ведь даже с идеями, в том числе и с самыми абстрактными, он обходится так, как если бы они были индивидами, так что с ними надо сражаться, к ним надо примыкать, надо охранять их, заботиться о них, вскармливать их. Подкараулим-ка, подслушаем-ка хотя бы себя самих — в те мгновения, когда слышим или обнаруживаем новое для себя положение. Может быть, оно нам не понравится, потому что выглядит таким своенравным, таким самовластным: и мы бессознательно спрашиваем себя, а нельзя ли как-нибудь уравновесить его враждебной противоположностью, нельзя ли добавить к нему какое-нибудь «как знать?», какое-нибудь «не всегда»; нам доставляет удовлетворение даже словечко «вероятно», потому что оно пресекает лично для нас тягостную тиранию безусловного. Если же это новое положение, напротив, подойдёт к нам в более мягкой форме, совсем терпимым и кротким, словно отдаваясь в руки противоречию, то мы попробуем испытать своё самовластие по-другому: не получится ли у нас помочь этому слабому созданию, приласкать и накормить его, сделать его сильным и тучным, сделать его истинным и даже безусловным? Не получится ли у нас поступить с ним, как поступают родители, или рыцарски, или проявить к нему сострадание? — Тогда мы снова увидим одно суждение тут, а другое — там, но на таком расстоянии, что им друг друга не увидеть, друг к другу не приблизиться: и вот уж нас щекочет мысль, а нельзя ли их как-нибудь поженить, устроить какой-нибудь союз, и мы уже предвкушаем, что если вдруг у такого союза будут какие-нибудь последствия, то в чести окажутся не только оба брачующихся суждения, но и их сват. А вот если с такой идеей ничего не удастся поделать (считая её истинной —) ни на пути сопротивления и недоброжелательства, ни на пути доброжелательства, тогда мы покоряемся ей, тогда присягаем ей на верность как своему вождю и предводителю, сажаем на почётное место и говорим о ней не без пышности и гордости: ведь её блеск бросает свой отблеск и на нас самих. И горе тому, кто захочет ослабить его; разве только в один прекрасный день этот блеск и сам по себе покажется нам сомнительным: тогда мы, неутомимо «проводящие во власть» (king-makersвлиятельные лица (от которых зависит назначение на высокий пост) (англ.).) в истории духа, свергаем её с трона и тут же возносим её противницу. Всё это надо взвесить и дополнительно продумать ещё кое-что: естественно, тут уже не может идти никакой речи о «познавательном влечении самом по себе»! — Почему же тогда человек истинное предпочитает неистинному в этой своей потаённой битве с идеями-личностями, в этом по большей части скрытом сватовстве идей, в основании государств из идей, в воспитании идей, в заботе о бедных и больных идеях? По той же самой причине, по какой в сношениях с реальными личностями соблюдает справедливость: он делает это сейчас — из привычки, исходя из унаследованных и привитых воспитанием форм поведения, а изначально — потому что истинное, так же как справедливое и правильное, полезнее и почётнее, нежели неистинное. Ведь в сфере мышления плохо держатся власть и репутация, основанные на заблуждении или лжи: ощущение, что такого рода постройка в один прекрасный момент может обрушиться, снижает самооценку зодчего; он стыдится хрупкости своего материала и хотел бы — поскольку считает себя более важным, чем все остальные, — делать только то, что было бы долговечнее, чем сделанное всеми остальными. В своей жажде истины он хватается за веру в личное бессмертие, иными словами, за самую высокомерную и строптивую мысль, какая только бывает на свете, кровно связанную, как это ей свойственно, с задней мыслью «pereat mundus, dum ego salvus sim»«Пусть погибнет мир, лишь бы я был благополучен» (лат.).! Его труд превратился для него в собственное «я», он и самого себя пытается сделать чем-то непреходящим, ничему не поддающимся. Его непомерная гордыня — это и есть то, что хочет пускать в дело только лучшие, самые твёрдые камни, иными словами, истины или то, что он принимает за истины. «Пороком мудрецов» во все времена справедливо называли высокомерие — и всё же без движущих сил этого порока плачевно обстояли бы дела с истиной и её признанием на земле. В том, что мы боимся своих собственных мыслей, но что даже в них уважаем себя, невольно приписывая им способность награждать нас, презирать, хвалить и порицать, в том, следовательно, что мы сносимся с ними как со свободными духовными личностями, с независимыми силами, как равные с равными, — во всём этом коренится тот необычный феномен, который я назвал «интеллектуальной совестью». — Так что и здесь некая нравственность высшего рода даёт цвет от чёрного корняСобственно говоря, это растение козелец (нем. Schwarzwurzel), корень которого считается съедобным овощем. Ницше смещает акцент на смысл, кроющийся в звучании слова..

27

Обскуранты. — Главное в чёрной магии обскурантизма — не то, что она стремится помрачить умы, а то, что хочет очернить картину мира, наше представление о существовании. Для этого она, правда, часто пользуется известным средством — препятствовать просветлению умов: но иногда прибегает и к средству прямо противоположному, путём наивысшего развития интеллекта стараясь вызвать пресыщенность его плодами. Хитроумные метафизики, которые готовят почву для скепсиса и своей чрезмерной проницательностью вызывают недоверие к проницательности, — хорошие орудия в руках утончённого обскурантизма. — Может ли быть, что в этих целях можно использовать даже Канта; мало того, может ли быть, что он, по собственному его пресловутому заявлению, хотел чего-то в этом роде, по крайней мере, в течение какого-то времени: проторить путь вере, положив границы знанию?См. Предисловие ко второму изданию «Критики чистого разума». — Это, правда, ему не удалось, ему не больше, чем его последователям на волчьих и лисьих тропах этого крайне утончённого и опасного обскурантизма, даже наиболее опасного: ведь чёрная магия является здесь под покровами света.

28

От какого рода философии портится искусство. — Когда туманам метафизико-мистической философии удаётся сделать все эстетические феномены непрозрачными, то они становятся неразличимыми, поскольку каждый из них оказывается необъяснённым. Но если их уже даже нельзя сравнивать друг с другом, чтобы оценивать, то в конце концов возникает состояние полной некритичности, слепой неопределённости; а отсюда, в свой черёд, — неуклонное снижение удовольствия от искусства (каковое удовольствие отличается от грубого утоления потребности лишь в высшей степени обострёнными вкусовыми ощущениями и различением). А чем сильнее снижается удовольствие от искусства, тем больше жажда искусства преобразуется и обратно превращается в пошлый голод, который художники теперь пытаются унять всё более грубой пищей.

29

В Гефсимании. — Наиболее мучительные слова, которые художники могут услышать от мыслителя, гласят: «Разве вы не можете хоть час бодрствовать со мноюСм.: Мф. 26: 38.

30

У ткацкого станка. — Тем немногим, для кого в радость распутывать узлы вещей и распускать свою ткань, противодействуют многие (к примеру, все художники и женщины), которые всё вновь связывают распущенные нити, спутывая их, и таким образом понятое превращают в непонятое, а по возможности — в непонятное. И что бы из этого ни вышло, сотканное и связанное всегда будет поневоле выглядеть как-то неприглядно, ведь над ним работает и теребит его слишком много рук.

31

В пустыне науки. — В скромных и утомительных странствиях, которые довольно часто невольно превращаются в путешествия по пустыне, человеку науки являются те блистающие атмосферные феномены, что зовутся «философскими системами»: с колдовскою силой обмана они показывают решения всех головоломок и свежайший напиток истинной воды жизни поблизости; душа истомлённого путника ликует, и он, кажется, вот-вот коснётся губами цели всего своего научного терпения и лишений, почему и несётся вперёд как бы в самозабвении. Правда, иные натуры, словно оглушённые прекрасным миражом, остаются на месте: их глотает пустыня, и для науки они потеряны. Наконец, третьи натуры, те, что уже не раз переживали такие субъективные утешения, испытывают крайнюю досаду и клянут вкус соли, остающийся во рту от названных феноменов и вызывающий бешеную жажду, — но притом всё это ни на шаг не приближает путника к какому-нибудь колодцу.

32

Мнимая «подлинная реальность». — Поэты, изображая представителей разных профессий, скажем, полководца, шёлкопрядильщика, моряка, делают вид, будто досконально знают эти предметы, будто они в них знатоки; мало того, объясняя человеческие поступки и судьбы, они ведут себя так, словно лично присутствовали при создании всей великой ткани мира: и в этом смысле они — обманщики. Причём обманывают они исключительно людей несведущих — а потому обман им удаётся: последние воздают поэтам хвалы за их подлинное и глубокое знание предмета и тем самым в конце концов склоняют к иллюзии, будто те и впрямь знают дело так же хорошо, как и конкретные знатоки и умельцы, мало того, как сама великая ткань мира. А напоследок обманщик становится честным и верит в собственную правдивость. Люди чувства даже говорят ему прямо в лицо, что он обладает высшей истиной и правдивостью, — ведь они порою устают от реальности и воспринимают поэтический вымысел как благодатный отдых и ночь для головы и сердца. Картины этого вымысла кажутся им теперь более ценными, поскольку они, как сказано, воспринимают их как благодетельные: да люди и всегда мнили, что чем более ценна видимость, тем более она истинна, тем более реальна. Поэты, чувствующие за собою эту власть, намеренно идут на то, чтобы порочить то, что обычно называют реальностью, превращая его в нечто неверное, мнимое, ненастоящее, полное греха, страданий и обмана; они используют все сомнения по поводу границ познания, все эксцессы скептицизма, чтобы набросить на вещи спутанное покрывало ненадёжности: ведь тогда потом, после этого затемнения, их колдовство, их магические манипуляции с душой без всяких колебаний будут поняты как путь к «настоящей истине», к «подлинной реальности».

33

Желание быть справедливым и желание быть судьёй. — Шопенгауэр, чья большая осведомлённость относительно человеческого и слишком человеческого, чьё изначальное чувство фактического понесли немалый ущерб от пёстрой леопардовой шкуры его метафизики (каковую шкуру надо с него стянуть, чтобы только потом обнаружить под нею истинный гений моралиста), — Шопенгауэр делает то меткое различение, в котором оказывается прав куда больше, чем сам мог на это рассчитывать: «Понимание строгой необходимости человеческих поступков — та разграничительная линия, которая отделяет философские умы от прочих». Этому могучему пониманию, что открывалось ему временами, он сам же и противодействовал, давая волю предрассудку, который ещё разделял с моральными людьми (а не с моралистами), совершенно бесхитростно и доверчиво выражая его таким образом: «Последнее и истинное объяснение внутренней сущности целокупности вещей необходимо должно быть тесно связано с объяснением этической значимости человеческого поведения», — что как раз совершенно не «необходимо», а, наоборот, прямо-таки отменяется положением о строгой необходимости человеческих поступков, иными словами, об абсолютной несвободе и безответственности воли. Стало быть, философские умы отличаются от прочих неверием в метафизическую значимость морали: а это должно разверзнуть между ними такую пропасть, какую вряд ли можно представить себе, глядя на пропасть между «образованными» и «необразованными», о которой сегодня так сетуют. Разумеется, бесполезными следует признать и ещё несколько лазеек, которые оставляли для себя «философские умы», подобно самому Шопенгауэру: ни одна из них не ведёт в просторы, на воздух свободной воли; и за каждой, через которую доселе удавалось прошмыгнуть, снова высилась посверкивающая железом стена рока: мы живём в темнице, мы можем только грезить о своей свободе, но сделать себя свободными не можем. Такому пониманию невозможно долго сопротивляться — об этом говорят отчаянные, немыслимые позиции и выкрутасы тех, что наскакивают на него, всё ещё продолжая попытки повалить его наземь. — Теперь у них получается примерно так: «Значит, никто не несёт ни за что ответственности? Но всё пропитано виной и чувством вины? Однако кто-то ведь должен быть грешником: если уже невозможно и не позволено обвинять и судить отдельного человека, эту бедную волну в необходимой игре волн становления, — ну что ж, тогда грешник — сама игра волн, становление: именно тут есть свободная воля, тут возможны обвинение, осуждение, кара и искупление; тогда грешник — Бог, а спаситель — человек; тогда весь мировой процесс — сам и вина, и самоосуждение, и самоубийство; тогда злодей становится собственным судьёй, судья — собственным палачом». — Это поставленное с ног на голову христианство — а чем оно ещё может быть? — последний фехтовальный выпад в битве учения о безусловной моральности с учением о безусловной несвободе, — жуткая вещь, если бы она была чем-то большим, нежели логической гримасой, большим, чем жалкий жест поверженной мысли, — это что-то вроде конвульсий отчаявшегося и жаждущего спасения сердца, которому безумие нашёптывает: «Пойми, ты агнец, грех Бога взявший на себя». — Заблуждение заключается не только в ощущении, гласящем «я несу ответственность», но совершенно таким же образом и в его противоположности — «я-то — нет, но кто-то ведь должен её нести». — Но это как раз и неверно: а значит, философ, подобно Христу, должен сказать «Не судите!», а окончательное отличие философских умов от прочих состояло бы в том, что первые хотят быть справедливыми, а вторые — судьями.

34

Самопожертвование. — Вы думаете, что самопожертвование — признак морального поступка? — Поразмыслите-ка о том, не в любом ли поступке, который совершается обдуманно, присутствует самопожертвование, — в самом скверном так же, как в самом хорошем.

35

Против тех, кто испытует утробы на предмет нравственности. — Чтобы судить о том, насколько сильна нравственная природа того или другого человека и насколько она усилилась, надо знать о лучшем и о худшем, на что этот человек способен — и в воображении, и на деле. Но узнать об этом невозможно.

36

Змеиный зуб. — Есть ли у тебя змеиный зуб, ты узнаешь лишь после того, как кто-нибудь попрёт тебя своей пятой.Этот образ обыгрывает текст Быт. 3: 14–15. Жёны или матери сказали бы: после того, как кто-нибудь попрёт нашего любимого, наше дитя.Переписчицей черновой рукописи «Смешанных мнений и изречений» была знакомая Ницше Мария Баумгартнер. Именно с её подсказки перед самой отправкой книги в типографию было добавлено это предложение. В письме Ницше от 13 ноября 1878 г. она пишет: «К Вашему замечательному изречению ... я бы охотно прибавила: “Жена или мать сказала бы: после того, как кто-нибудь попрёт их любимого или их дитя”. Потому что в отношении них она бы не стерпела того, что в большинстве случаев молча терпит в отношении себя». — Наш характер куда больше определяет нехватка некоторых переживаний, чем то, что мы реально переживаем.

37

Обман, заключённый в любви. — Мы забываем кое-что из своего прошлого и намеренно выбрасываем это из головы: иначе говоря, мы хотим, чтобы наше представление о себе, опирающееся на прошлое, обманывало нас, льстило нашему самомнению, — и мы постоянно работаем над этим самообманом. — И вот вы, которые так много говорите и шумите о «необходимости забывать себя в любви», о «растворении своего я в личности другого», думаете, будто это по своей сути что-то другое? Тогда разбейте зеркало, влезьте в шкуру человека, которым восхищаетесь, и наслаждайтесь новым образом своего «я», хоть назовите его именем другого человека, — и всё это не должно быть самообманом, не должно быть эгоизмом, вы, чудаки! — Я думаю, те, которые таят от себя какие-то части себя самих, и те, которые таят себя от себя целиком, равны в том, что совершают кражу из сокровищницы познания: это проливает свет на то, от какого проступка предостерегает изречение «познай себя самого».

38

К не признающимся в тщеславии. — Тот, кто не признаётся в тщеславии, обычно наделён им в столь брутальной форме, что инстинктивно закрывает на него глаза, дабы не пришлось презирать себя.

39

Отчего глупые так часто ожесточаются. — На возражения оппонента, отразить которые нам, мы чувствуем, не хватает ума, наше сердце отвечает подозрением относительно мотивов этих возражений.

40

Искусство исключений в морали. — Прислушиваться к искусству, которое изображает и возвеличивает исключительные случаи в мире морали — там, где доброе превращается в скверное, несправедливость оборачивается справедливостью, — стоит очень редко: вот так изредка покупаешь что-нибудь у цыган, но со страхом, не крадут ли они куда больше, чем ты выигрываешь на покупке.

41

Что нравится и не нравится в ядах. — Единственным веским аргументом, во все времена удерживавшим людей от решения выпить яд, было не то, что яд убивает, а то, что он невкусен.

42

Мир без ощущений греховности. — Если бы совершались только такие поступки, которые не вызывают нечистой совести, то человеческий мир всё равно выглядел бы довольно скверным и подлым: но зато не таким хворым и жалким, как сейчас. — Во все времена было достаточно злых людей без совести — а у множества добрых и честных нет отрадного чувства чистой совести.

43

Совестливые. — Следовать своей совести удобнее, чем рассудку: ведь при любой неудаче у неё наготове извинение и ободрение, — поэтому людей совестливых всё-таки куда больше, чем людей рассудительных.

44

Противоположные способы избегать ожесточения. — Людям одного темперамента бывает полезно избавляться от досады с помощью слов: когда они говорят, досада смягчается. Другой темперамент, только выговариваясь, и достигает полного ожесточения: такие люди поступили бы благоразумнее, удержавшись от слов, — если они налагают на себя такие узы перед лицом врагов или начальников, это улучшает их характер, не допуская в нём излишней резкости и кислоты.

45

Не принимать слишком близко к сердцу. — Неприятно смертельно устать от лежания в кровати, но это ещё не аргумент против правильности лечения, предписавшего тебе постельный режим. — Люди, которые долго жили вне себя и наконец обратились к философской внутренней, сосредоточенной на себе жизни, знают, что бывает и душевно-умственная смертельная усталость от лежания. Значит, она — ещё не аргумент против избранного человеком образа жизни в целом, но делает необходимыми кое-какие мелкие исключения и мнимые рецидивы.

46

Человеческая «вещь сама по себе». — Вещь самая уязвимая, но и самая непобедимая, — это человеческое тщеславие: ведь, будучи уязвлено, оно только усиливается, а в конце концов может сделаться гигантским.

47

Фарс множества трудолюбцев. — Чрезмерными усилиями они добиваются для себя лишнего досуга, а потом не знают, что с ним делать, кроме как отсчитывать часы, покуда те не выйдут до конца.

48

Много радоваться. — Кто много радуется, тот, вероятно, человек хороший: но, вероятно, не самый смышлёный, хотя достигает как раз того же, чего самый смышлёный добивается всей своей смышлёностью.

49

В зеркале природы. — Не описывают ли какого-то человека довольно точно, говоря, что он любит бродить по жёлтым полям высокой пшеницы, что краски леса и луга в конце пылающей и уже пожелтевшей осени он предпочитает всем другим, поскольку они свидетельствуют нечто более прекрасное, чем то, что удаётся природе в другую пору, что под раскидистыми ореховыми деревьями с сочною листвой он чувствует себя совсем как дома, как бы среди ближайших родных, что в горах больше всего он рад, находя малые уединённые озёра, из которых, кажется, на него глядит само одиночество, что он любит тот серый покой туманных сумерек, который вечерами осени и ранней весны подкрадывается к окнам, как бы окутывая бархатными завесами любой бездушный шорох, что неотёсанные каменья он ощущает и с детских лет почитает как доживших от седой древности до наших дней свидетелей, жаждущих рассказать о ней, и, наконец, что море с его подвижной змеиной шкурой и красотою хищника остаётся для него чужим? — Конечно, кое-что от этого человека такое описание ухватывает: но зеркало природы ничего не говорит о том, что этот же самый человек при всей своей идиллической впечатлительности (и даже не «вопреки ей») может быть довольно холодным, мелочным и спесивым. Гораций, знавший толк в подобных вещах, вложил нежнейшую любовь к сельской жизни в уста и душу какого-то римского ростовщика — в своём знаменитом «beatus ille qui procul negotiis»«Блажен тот, кто вдали от дел...» (Гораций, «Эподы», II, 1)..

50

Мощь без победы. — Наиболее сильное познание (а именно, полной несвободы человеческой воли) приводит, однако, к самым скромным успехам: ведь против него всегда бьётся самый сильный враг — человеческое тщеславие.

51

Наслаждение и заблуждение. — Один непроизвольно воздействует на друзей благотворно самой своей натурой, другой — произвольно и отдельными поступками. Хотя первое считается чем-то более высоким, но только второе связано с чистой совестью и с наслаждением — а именно, с наслаждением святости своего дела, которое зиждется на вере в произвольность наших добрых и скверных дел, то есть на заблуждении.

52

Глупо чинить несправедливость. — Несправедливость, которую мы причинили другим, переживается нами куда тяжелее, чем несправедливость, причинённая нам самим (и, кстати, как раз не из моральных соображений — ); ведь тот, кто её совершает, на самом-то деле всегда страдает, если он доступен либо для угрызений совести, либо для понимания того, что своим поступком настроил против себя общество и таким образом оказался в изоляции. Поэтому уже хотя бы ради собственного внутреннего благополучия, то есть чтобы не расставаться с хорошим самочувствием, не обращая внимания на всё, чего требуют религия и мораль, надо беречься совершать несправедливость ещё больше, чем претерпевать её: ведь это последнее может утешаться чистой совестью, чаяньем мести, сострадания и одобрения со стороны людей справедливых, мало того, со стороны всего общества, опасающегося преступника. — Немалое число людей знают толк в том, как можно нечистоплотно перехитрить себя, чтобы любую собственную несправедливость перетолковать как причинённую им самим и в оправдание того, что сделали сами, оставить за собой право самообороны для исключительных случаев: ведь таким образом гораздо легче нести своё бремя.

53

Зависть с голосом или без. — Зависть обычная имеет привычку начинать кудахтать, как только курица — предмет зависти — сносит яйцо: такая зависть при этом испытывает облегчение и смягчается. Но есть зависть более глубокая: в подобном случае она хранит гробовое молчанье и, желая, чтобы сейчас все рты оказались на замке, всё больше бесится оттого, что как раз этого-то и не происходит. Зависть молчаливая в молчании только растёт.

54

Гнев как шпион. — Гнев иссушает душу до дна, обнажая и самый её осадок. Вот почему, если ты не можешь иначе уяснить, как обстоят дела, надо доводить до белого каления своих близких, своих сторонников и противников — тогда ты и увидишь всё, что они творят и замышляют против тебя в глубине души.

55

Обороняться нравственно труднее, чем нападать. — Истинный подвиг и шедевр хорошего человека состоит не в том, что он нападает на дело, но продолжает любить защищающую его личность, а в том куда более трудном, что он защищает собственное дело, не вызывая и не желая вызывать ожесточённой горечи у того, на кого нападает. Атакующий меч честен и широк, меч обороны на конце обычно бывает не шире иглы.

56

Честно в отношении честности. — Человек, на людях честный в отношении себя, наконец и сам начинает воображать Бог весть что относительно этой честности: ему-то отлично известно, почему он честен, — по той же самой причине, по какой другие предпочитают игру и притворство.

57

Вогнать в краску. — Когда кто-то хочет вогнать другого в краску своим благородством, это, как правило, понимается превратно и потому не удаётся, ведь другой-то тоже чувствует своё полное право на это и со своей стороны подумывает о том же.Этот афоризм — пародия текста Рим. 12: 20, основанная на обыгрывании буквального значения («собрать уголья на чью-либо голову») употреблённого там выражения, а здесь — фразеологизма с переносным значением «заставить покраснеть кого-либо, показав своё благородство».

58

Опасные книги. — Вот человек говорит: «По себе знаю — эта книга пагубна». Но подожди он ещё — и в один прекрасный день возможно, признается себе, что эта самая книга сослужила ему большую службу, выгнав наружу и явив взору тайную болезнь его сердца. — Если человек меняет свои мнения, это не изменяет его характера (или изменяет его совсем немного); может быть, они заставляют светиться отдельные стороны созвездия его личности, которые прежде, при иной констелляции мнений, оставались тёмными и неразличимыми.

59

Разыгранное сострадание. — Когда человек хочет показать, что возвысился над чувством враждебности, он разыгрывает сострадание: но, как правило, напрасно. Другие замечают это не без значительного прилива как раз этих самых враждебных чувств.

60

Откровенное возраженье часто примиряет. — В тот момент, когда человек публично выражает известному партийному вождю или учителю своё несогласие с догмой, все думают, что он, должно быть, питает к тому злобу. Но бывает, что как раз тогда он и перестаёт питать злобу: он отваживается стать рядом с тем и избавляется от мучений молчаливой ревности.

61

Видеть, как светит твой свет. — В помрачённом состоянии уныния, болезни, долгов нам по нраву замечать, что мы ещё светим другим и они видят в нас светлый диск луны. Этим окольным путём мы причащаемся своей собственной способности озарять.

62

Радость за других. — Змея, которая нас жалит, думает сделать нам больно и при этом радуется; и самое низкое животное в состоянии представить себе чужую боль. А вот представлять себе чужую радость и при этом радоваться — высшая привилегия высших животных, а среди них, в свой черёд, доступная лишь избранным особям, — то есть редкостное humanumчеловеческое качество (лат.).: потому-то и бывали на свете философы, отрицавшие радость за других.

63

Послеродовая беременность. — Те, что пришли к своим трудам и деяниям, сами не зная как, обыкновенно тем больше бывают беременны ими задним числом: как бы для того, чтобы постфактум доказать, что это их дети, а не дети случая.

64

Бессердечность из тщеславия. — Как справедливость столь часто бывает личиной слабости, так и люди, мыслящие справедливо, но слабые, порой из честолюбия прибегают к притворству — они ведут себя явно несправедливо и жестоко, чтобы произвести на зрителей впечатление силы.

65

Унижение. — Иной человек, находя в куче дарёных привилегий хоть крупицу униженья, всё равно делает плохую мину при хорошей игре.

66

Верх геростратства. — Возможны геростраты — поджигатели собственного храма, в котором поклоняются их изваяниям.

67

Мир уменьшительных форм. — То обстоятельство, что всё слабое и нуждающееся в помощи взывает к состраданию, создаёт привычку называть всё, что взывает к состраданию, уменьшительными и ласкательными словами, — то есть делать его слабым и нуждающимся в помощи для нашего чувства.

68

Скверное свойство сострадания. — В способности сострадать как наперснице есть какая-то наглость: ведь сострадание во что бы то ни стало хочет помогать, но толком не знает ни способов лечения, ни вида и причины болезни, — вот оно и пускается очертя голову в знахарство за счёт здоровья и репутации своего пациента.

69

Фамильярность. — Случается, что люди проявляют фамильярность и к произведениям; и если кто уже юношей, копируя других, к сиятельнейшим творениям всех времён подходит с развязным обращением на ты, то это говорит о полном отсутствии стыда. — Другие фамильярны только по невежеству: они не ведают, с кем имеют дело, — такими нередко бывают молодые и старые филологи в своём отношении к творениям греков.

70

Воля стыдится интеллекта. — Со всею холодностью мы делаем разумные расчёты относительно своих аффектов: а потом совершаем здесь грубейшие промахи, ведь в тот момент, когда настаёт пора осуществить свой план, мы часто стыдимся той холодности и рассудочности, с которыми его замышляли. Вот тогда-то мы и творим прямо-таки безрассудство — и движет нами при этом своего рода упрямое великодушие, которое несёт с собою каждый аффект.

71

Почему скептики не по нраву морали. — Тот, кто высоко ценит свою нравственность и принимает её близко к сердцу, сердится на скептиков в сфере морали: ведь в этой сфере, в которую он вкладывает все свои силы, следует выражать восхищение, а не исследовать и сомневаться. — Помимо этого, бывают натуры, последний остаток нравственности которых — как раз вера в мораль: они относятся к скептикам точно так же, а может быть, даже более пристрастно.

72

Робость. — Все моралисты робки, потому что знают, что их путают с соглядатаями и предателями, когда замечают за ними эту склонность. Тогда они и сами чувствуют, насколько слабы в практической деятельности: ведь в разгар дела мотивы их поступков почти целиком отвлекают их внимание от дела.

73

Опасность, грозящая общественной нравственности. — Люди, благородные и одновременно честные, доводят до обожествления любую чертовщину, которую измышляет их честность, так что стрелка весов моральных суждений замирает на месте.

74

Самое жестокое заблуждение. — До ожесточения оскорбительно обнаружить, что мы думали, будто нас любят, а нас считали только домашней утварью и комнатным убранством, на котором хозяин дома может дать волю своему тщеславию перед гостями.

75

Любовь и двойственность. — Что иное любовь, чем состояние, в котором понимаешь и радуешься тому, что другой живёт, трудится и чувствует другим, может быть, прямо противоположным образом, нежели мы сами? Любви, чтобы связывать противоположности через радость, нельзя их устранять, отрицать. — Даже любовь к себе содержит в себе как предпосылку неслиянную двойственность (или множественность) в одном лице.

76

Толкование на основе сновидений. — То, чего в состоянии бодрствования мы подчас не знаем и не чувствуем определённо — а именно, чиста или нечиста у нас совесть в отношении того или иного человека, — совершенно недвусмысленно разъясняет нам сновидение.

77

Разврат. — Мать разврата — не радость, а безрадостность.

78

Кара и награда. — Никто не выступает с обвинениями без задней мысли о каре и мести, даже если обвиняемый — собственная судьба, а то и ты сам. — Всякая жалоба — это обвинение, всякая радость — хвала: и делаем ли мы то или другое, кто-то у нас всегда оказывается ответственным.

79

Дважды несправедливо. — Подчас мы содействуем истине, совершая двойную несправедливость, а именно тогда, когда мы рассматриваем и изображаем одну вслед за другой две стороны дела, которые не в состоянии рассматривать зараз, но делаем это так, что всякий раз не признаём или отрицаем другую сторону, питая иллюзию, будто видимое нами и есть целая истина.

80

Недоверие. — Недоверие не всегда ходит внутри себя неуверенно и робко — подчас оно похоже на бешеную водобоязнь: это значит, оно напилось допьяна, чтобы не дрожать.

81

Философия выскочки. — Хочешь сделаться личностью — уважай и свою тень.

82

Уметь отмыться добела. — Надо научиться, как выбираться из нечистых обстоятельств более чистым, а если нужда заставит — то как умываться и грязною водой.

83

Распускаться. — Чем больше человек распускается, тем меньше его отпускают другие.

84

Невинный подлец. — К пороку и всякого рода мошенничеству, бывает, ведёт долгий, шаг за шагом, путь. Того, кто по нему идёт, в конце концов совсем оставляют насекомьи рои нечистой совести, и он бредёт дальше, хотя и полный скверны, зато невинный.

85

Строить планы. — Строить планы и вынашивать замыслы — занятие очень приятное, и тот, у кого достало бы сил всю свою жизнь только и делать, что строить планы, был бы человеком вполне счастливым: но ведь и ему надо будет иногда отдыхать от этого занятия, выполняя какой-нибудь план, — вот тогда-то и придут досада и отрезвление.

86

Откуда мы глядим на идеал. — Каждый порядочный человек помешан на своей порядочности и не может выглянуть из неё на свободу. И если бы не добрая доля несовершенства в нём, то из-за своей добродетельности он не смог бы прийти к духовно-нравственной свободе. Наши изъяны — вот те глаза, которыми мы глядим на идеал.

87

Недобросовестная хвала. — Недобросовестная хвала оставляет после себя в нас куда больше угрызений совести, чем недобросовестная хула, — и, вероятно, лишь потому, что когда нас перехваливают, мы компрометируем свой ум куда больше, чем когда нас чрезмерно, пусть даже несправедливо порицают.

88

Как умирать, безразлично. — Как человек в разгар своей жизни, в полном цвете сил, думает о своей смерти, — это, конечно, очень симптоматично и многое говорит о том, что называют его характером; но самый его смертный час, его поведение на смертном ложе в этом смысле почти совершенно безразличны. Истощённость нисходящей жизни, особенно когда умирают старые люди, нерегулярное или недостаточное питание головного мозга в это последнее время, порой мучительные боли, неизведанность и новизна всего этого состояния, а очень часто — припадки и рецидивы суеверных впечатлений и запугиваний, гласящих, что момент смерти неимоверно важен, потому что тогда человек должен перейти мосты самого ужасного свойства, — всё это не позволяет рассматривать умирание как свидетельство о человеке. Неправда и то, что умирающий в целом честнее живущего: торжественный вид окружающих, сдерживаемые или текущие ручьи слёз и чувств склоняют его разыгрывать то сознательную, то бессознательную комедию тщеславия. Серьёзность, с какою обращаются с каждым умирающим, и вовсе бывает для иного презренного бедняги изысканным наслаждением, какого он не испытывал за всю свою жизнь, и своего рода возмещением ущерба и платой за множество лишений.

89

Обычай и его жертвы. — Обычай происходит от двух идей: «Община важнее индивида» и «Длительную выгоду следует предпочесть мимолётной»; а отсюда следует вывод, что длительной выгоде общины безусловно следует отдавать предпочтение перед выгодой индивида, в особенности перед его сиюминутным хорошим самочувствием, но и перед его длительной выгодой и даже перед его дальнейшим существованием. А страдает ли индивид от установления, полезного общине, чахнет ли он от него, гибнет ли из-за него, — обычай должен быть сохранён, жертва должна быть принесена. Но такое умонастроение возникает только у тех, которые не бывают жертвой, — ведь если бы они были в её шкуре, то оказалось бы, что индивид может быть более важным, чем множество, а равно и то, что сиюминутное наслаждение, это райское мгновение, ценится, возможно, больше, чем тусклое продление безбольных и благополучных состояний. Но философия жертвенного животного всегда обретает голос слишком поздно, а потому дело не идёт дальше обычая и нравственности: а она — всего лишь переработанное в чувство воплощение обычаев, при которых люди живут, в которых они были воспитаны — и воспитаны не как индивиды, а как члены целого, как цифры в составе большинства. — Таким образом беспрестанно получается, что индивид посредством своей нравственности превращает в большинство самого себя.

90

Добро и чистая совесть. — Вы думаете, что всё доброе во все времена ходило с чистой совестью? — Наука, то есть безусловно что-то очень доброе, явилась в мир без таковой и совершенно лишённой всякого пафоса, скорее тайно, окольными путями, входя с укутанной головою или в маске, словно преступница, и всегда по меньшей мере с чувствами контрабандистки. Предварительной ступенью, а не противоположностью чистой, доброй совести была нечистая, злая совесть: ведь всякое добро было некогда новым, а, следовательно, необычным, шедшим вразрез с обычаем, безнравственным, и глодало сердце счастливого первооткрывателя, словно червь.

91

Результат оправдывает намерения. — Не стоит бояться пути к той или иной добродетели, даже если хорошо понимаешь, что побудительные мотивы, толкающие на этот путь, не что иное, как эгоизм — то есть польза, личное удобство, страх, оглядка на здоровье, репутацию или славу. Эти мотивы называют неблагородными и эгоистичными: хорошо, но если они побуждают нас к какой-нибудь добродетели, скажем, самоотверженности, верности долгу, порядку, бережливости, мере и умеренности, то надо им следовать, какими бы эпитетами их ни награждали! Если человек достигает того, к чему они его ведут, то достигнутая добродетель беспрерывно облагораживает дальнейшие мотивы наших поступков — благодаря чистому воздуху, которым она даёт дышать, и душевному благополучию, которое она сообщает, и потом мы совершаем эти поступки, исходя уже не из тех самых, более грубых мотивов, толкавших нас на это прежде. — Поэтому воспитание по мере возможности должно принуждать к добродетелям, в зависимости от натуры воспитанника: тогда пусть сама добродетель, этот солнечный и летний воздух души, делает своё дело, добавляя спелости и сладости.

92

Христианисты, а не христиане. — Вот вам ваше христианство! Чтобы досадить людям, вы восхваляете «Бога и святых его»; а уж если хотите восхвалить людей, то доводите дело до того, что досадовать приходится Богу и святым его. — Желаю вам научиться хотя бы христианской пристойности, раз уж вам так не хватает учтивости христианского сердца.

93

Душевные ландшафты благочестивых и нечестивых. — Совершенно благочестивый человек должен быть для нас предметом почитания: но то же самое относится и к законченному честному, убеждённому нечестивцу. Если вблизи от человека такого типа чувствуешь себя, как вблизи высокогорья, где берут начало самые полноводные реки, то рядом с благочестивым — как под крепкими, тенистыми, спокойными деревьями.

94

Судебные убийства. — Два величайших судебных убийства в мировой истории суть, говоря без околичностей, скрытые, и хорошо скрытые само-убийства. В обоих случаях было желание умереть; в обоих случаях меч направлялся в собственную грудь, будучи вложен в руку человеческой несправедливости.

95

«Любовь». — Тончайшая уловка, в которой христианство превосходит прочие религии, — некое слово: оно говорило о любви.В черновике после этой фразы стояла следующая: «Как это было уже уловкой Платона в “Пире”». Так оно стало лирической религией (в то время как в двух других своих творениях семиты подарили миру героико-эпические религии). Есть в слове «любовь» нечто столь многозначительное, волнующее, обращённое к памяти и надежде, что даже нижайший разум и самое холодное сердце чуют какой-то отблеск этого слова. Самая смышлёная женщина и самый пошлый мужчина думают при этом о сравнительно наиболее бескорыстных моментах своей совместной жизни, даже если Эрос взлетал у них совсем невысоко; а для тех бесчисленных людей, которым недостаёт любви — со стороны ли родителей, детей или возлюбленных, но в особенности — для людей утончённой сексуальности, христианство — это настоящая находка.

96

Осуществлённое христианство. — И в христианстве есть эпикурейское умонастроение, исходящее из идеи, что от человека, своего творения и подобия, Бог может требовать лишь возможного, а, следовательно, что христианская добродетельность и совершенство достижимо и нередко достигается. Тогда, к примеру, вера в то, что любишь своих врагов — даже если это всего лишь вера, плод воображения, а вовсе не психологическая действительность (то есть не сама любовь), — безусловно, дарует счастье, покуда человек её действительно питает (а вот почему, на этот счёт психологи и христиане, разумеется, будут судить различно). А потому земная жизнь посредством такой веры, я имею в виду воображение, хотела бы удовлетворять не только требованию любить своих врагов, но и всем остальным христианским требованиям, и на самом деле усвоить и воплотить в себе божественное совершенство согласно призыву «Итак будьте совершенны, как совершён Отец ваш Небесный»См. Мф. 5: 48., на деле стать блаженной жизнью. Стало быть, заблуждение может сделать истиной обетование Христа.

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О будущем христианства. — Можно позволить себе предположение о том, как исчезнет христианство, и о том, в каких местностях оно будет отступать дольше всего, если принять в расчёт, по каким причинам и где так бурно распространился протестантизм. Как известно, он обещал дать людям всё то же самое, что давала старая церковь, но куда дешевле, то есть без дорогостоящих панихид, паломничеств, роскоши и великолепия священников; особенно широко он распространился среди северных народов, не так сильно, как южные, укоренённых в символике и наслаждении формами, свойственных старой церкви: ведь у южан в христианстве ещё продолжало свою жизнь много более могучее религиозное язычество, в то время как на Севере христианство означало резкий контраст и разрыв с коренной традицией, а потому с самого начала в нём было больше умственного, чем чувственного, но именно поэтому же — в условиях опасности — больше фанатизма и твердолобости. Если удастся лишить христианство почвы в мышлении, то очевидно, где оно начнёт исчезать: как раз там, где оно и обороняться будет наиболее упорно. В других местах оно будет сгибаться, но не ломаться, терять листву, но снова выпускать новые листья, — потому что там на той же самой стороне были чувства, а не мысли. А именно чувства-то поддерживают и веру в то, что со всеми издержками церкви хозяйствовать будет всё-таки дешевле и удобнее, чем со строгими условиями труда и вознаграждения: ведь какую только цену не отдашь за праздность (или полулень), если уже к ней привык! Чувства протестуют против мира без христианства, потому что в нём нужно слишком много трудиться, а рента праздности слишком мала; они берут сторону магии, иными словами — они предпочитают, чтобы за них работал Бог (oremus nos, deus laboret!Нам — молиться, а Богу — трудиться! (лат.).).

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Притворство и честность неверующих. — Нет на свете другой книги, которая в таком изобилии содержит, с такой искренностью выражает то, что бывает столь приятно каждому человеку — горячечно-восторженную блаженную задушевность, готовую на жертвы и смерть, в вере и лицезрении своей «истины» как последней истины, чем книга, повествующая о Христе: человек смышлёный может усвоить из неё все способы, какими книгу можно превратить во всемирную книгу, в неразлучного друга каждого человека, а в особенности — венец всех способов, состоящий в том, чтобы представить всё уже окончательно найденным и ничего — становящимся и ещё зыбким. Все влиятельные книги пытаются оставить такое же впечатление — будто в них очерчен широчайший умственный и душевный горизонт и будто вокруг сияющего из них солнца должны вращаться все нынешние и будущие видимые светила. — Не обречена ли любая чисто научная книга на невлиятельность по той же самой причине, по какой влиятельны названные книги? Не суждено ли ей жить в унижении и среди униженных, а в конце концов претерпеть распятие, но так и не восстать из мёртвых? Не являют ли собою все честные люди науки «нищих духом» в сравнении с тем, что́ люди верующие провозглашают о своём «знании», о своём «святом» духе, уме? Может ли какая-нибудь религия требовать большего самоотречения, более неумолимо выталкивать из себя эгоистов, нежели наука? — — Так или подобным образом, но во всяком случае с некоторой долей притворства хотелось бы говорить нам, если уж придётся защищаться перед лицом верующих: ведь вряд ли можно защищаться без некоторой доли притворства. А в собственной своей среде мы будем говорить честнее: ведь тут мы пользуемся свободой, которой тем, другим, не понять даже ради соблюдения собственного интереса. Стало быть, долой клобук самоотречения! Мину смирения! Куда больше и куда лучше: так звучит наша истина! Если бы наука не была связана с наслаждением от познания, с пользой от познания, что толку нам было бы в науке? Что иное влекло бы нас к науке, если бы нашу душу не вела к познанию чуточка веры, любви и надежды? И хотя «я» в науке не должно значить ничего, но в республике людей науки очень многое означает находчивое, удачливое «я», да что там, уже даже любое честное и прилежное «я». Уважение со стороны уважающих, радость тех, кто нам симпатичен или кого мы почитаем, подчас слава и умеренное бессмертие личности — приемлемая цена за обезличенность, не говоря уж о более скромных перспективах и наградах, хотя большинство как раз ради них-то и присягнуло законам упомянутой республики и науки вообще и имеет обыкновение присягать им постоянно. Если бы мы в какой-то мере не оставались людьми ненаучными, какой прок был бы для нас и в науке! В общем и целом, если выражаться кругло, гладко и откровенно: для существа чисто познающего познание было бы безразлично. — От благочестивых и верующих нас отличает не количество, а качество веры и благочестия: мы бываем довольны куда меньшим. А если те станут увещевать нас — так и будьте довольны, ну и ведите себя, как довольные! — то на это нам было бы легко ответить: «На самом деле мы не относимся к самым недовольным! А вы, если ваша вера даёт вам блаженство, и ведите себя, как блаженные! Ваши лица всегда вредили вашей вере больше, чем наши доводы! Если бы благая весть вашей Библии была написана на ваших лицах, не пришлось бы вам так упорно требовать веры в авторитет этой книги: ваши слова, ваши поступки должны были бы постоянно делать Библию излишней, и благодаря вам постоянно должна была бы возникать некая новая Библия! А так вся ваша апология христианства коренится в вашем нехристианстве; защищая христианство, вы пишете своё собственное обвинительное заключение. Но если вам будет угодно выбраться из этой вашей неудовлетворённости христианством, то примите во внимание опыт двух тысячелетий: каковой, если облачить его в скромную вопросительную форму, звучит так: “Если Христос действительно собирался спасти мир, неужели это у него получилось?”»

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Поэты как указатели пути в будущее. — Вся избыточная энергия поэтического творчества, ещё оставшаяся у современных людей, энергия, которая не уходит на организацию жизни, без остатка должна быть посвящена одной цели — не копированию настоящего, не воскрешению и консервации прошлого, а указанию пути к будущему: и не в том смысле, что поэт, словно какой-то фантазирующий политэконом, должен предвосхищать в образе более благоприятные для народа и общества условия жизни и способы их добиться. Напротив, подобно тому, как художники прошлого неустанно работали над созданием образов богов, он будет неустанно работать над созданием прекрасного образа человека, чутко улавливая те случаи, где посреди нашего современного мира и реальности, где без какой бы то ни было искусной обороны и уклонения от них, ещё возможна прекрасная великая душа, там, где она ещё и сегодня в состоянии воплотиться в гармоничных, соразмерных формах, где она благодаря им обретает зримый образ, долговечность и качество модели для будущего, а, значит, помогает созидать будущее, возбуждая стремление подражать и зависть. Творения таких поэтов отличались бы тем, что представали бы закрытыми для воздуха и жара страстей и защищёнными от них: неисправимая ошибка — дробление звука целостного человеческого инструмента, язвительный смех и зубовный скрежет, да и всё трагическое и комическое в старом, привычном смысле слова — вблизи этого нового искусства воспринималась бы как докучливое архаизирующее огрубление человеческого образа. Сила, доброта, снисходительность, чистота и безыскусная, врождённая мера в характере действующих лиц и в их поступках; хорошо утоптанная земля, дающая ногам ощущение покоя и наслаждение; сияющее небо, отражающееся на лицах и событиях; знание и искусство, слившиеся в новом единстве; дух без высокомерия и ревности, сожительствующий со своей сестрою, душой, и выманивающий из антагонизмов грацию весомости, а не ожесточённость раздора: — всё это было бы чем-то объемлющим, всеобщим, составляющим золотой фон, на котором лишь тогда нерезкие различия воплощённых идеалов составили бы настоящую картину — картину неуклонно растущего человеческого величия. — В эту поэзию будущего ведёт некоторый путь от Гёте: но нужны хорошие разведчики такого пути и прежде всего — куда большая сила, чем у нынешних поэтов, то есть законченных изобразителей полуживотного и незрелости, неумеренности, принимаемых за силу и природу.По словам немецкого германиста и писателя, много писавшего о Ницше, Эрнста Бертрама (1884–1957), этот афоризм, «вне всякого сомнения, написан под впечатлением “Бабьего лета” Штифтера» (см.: Ariadne. Jahrbuch der Nietzsche-Gesellschaft. München, 1925. S. 8).

100

Муза в качестве ПентесилеиПентесилея в греческой мифологии — царица амазонок, убитая под Троей Ахиллом, который восхитился красотой мёртвой.. — «Уж лучше погибнуть, чем быть непривлекательной женщиной». Если уж так мыслит Муза, то снова близок конец её искусства. Однако развязка бывает не только у трагедий, но и у комедий.

101

Каков окольный путь к прекрасному. — Если прекрасное равнозначно отрадномуСнова филологическая игра слов, основанная на одном из значений глагола «(sich) erfreuen» (пользоваться в смысле «вкушать» — славу, почести и т. п.), от которого образовано существительное, выбранное Ницше («das Erfreuende»). — а ведь некогда так и пели Музы, — то полезное нередко бывает окольным путём, с необходимостью приводящим к прекрасному, и в состоянии с полным правом отвести близорукий упрёк живущих только сегодняшним днём людей, не желающих ждать и думающих получить всё хорошее без окольных путей.

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В извинение кое-какой вины. — Безусловная воля к созиданию и пристальное внимание ко всему внешнему, свойственные художникам, не дают им стать прекрасней и лучше как личностям, то есть созидать самих себя, — пусть даже их честолюбие достаточно велико, чтобы вынуждать их и в общении с другими всегда проявлять себя доросшими до растущей красоты и величия своих творений. В любом случае им дана лишь строго определённая мера силы: сколько её они используют на себя — а как это могло бы пойти на пользу и их творениям? — И наоборот.

103

Удовлетворять вкусам элиты. — Если чьим-то искусством «довольны лучшие его эпохи», то это верный признак того, что вкусам лучших следующей эпохи оно не удовлетворит: правда, он «жил для всех времён»«Ведь кем довольны лучшие <люди> его эпохи», «тот жил для всех времён». — Цитаты из Ф. Шиллера («Лагерь Валленштейна», Пролог; пер. В. М. Бакусева). — одобрение лучших гарантирует славу.

104

Из одного куска. — Если в своей книге или творении искусства автор предстаёт как бы сделанным из одного куска, он совершенно искренне верит, что это превосходно, и бывает оскорблён, когда другие находят это отвратительным, пересоленным или хвастливым.

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Язык и чувство. — Язык дан нам не для того, чтобы передавать чувство — это видно по тому факту, что все простые люди стыдятся подыскивать слова для выражения своих самых сильных волнительных состояний: они передают их только с помощью действий, да и тут краснеют, если другие, как им кажется, угадывают их мотивы. Среди поэтов, которым божество в общем отказало в такого рода стыде, наиболее благородные очень скупы на слова в выражении чувства, и можно заметить у них некоторую принуждённость, в то время как те, которые и пишут-то ради чувства, в практической жизни, как правило, бывают бесстыжими.

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Заблуждение по поводу одного лишения. — Кто не отходил надолго от какого-нибудь искусства целиком и полностью, а постоянно жил в нём, тот не может даже примерно представить себе, сколь малого лишается человек, живущий без этого искусства.

107

В три четверти силы. — Автор, создавая творение, которое хочет производить впечатление здорового, должен вкладывать в него самое большее три четверти своей силы. А вот если он подошёл к крайним пределам этой силы, то творение возбуждает воспринимающего и отпугивает его своей напряжённостью. Все хорошие вещи немного небрежны и лежат, словно коровы на лугу.

108

Выпроваживать голод из дому. — Тончайшие яства для голодного ничем не отличаются от самой грубой пищи — поэтому художники более притязательные не станут и думать о том, чтобы приглашать на свои трапезы голодающих.

109

Жизнь без искусства и вина. — С творениями искусства дело обстоит так же, как с вином: а ещё лучше оно обстоит, если не нуждаться ни в том, ни в другом, пить только воду и если вода сама по себе всё вновь превращается в вино из внутреннего огня, из внутренней сладости души.

110

Гений-хищник. — Хищный гений в искусствах, способный вводить в заблуждение даже самые тонкие умы, появляется, когда кто-то смолоду без колебаний смотрит на всё хорошее как на предоставленную любому охотнику добычу, если только оно прямо не защищено законом как собственность определённого лица. А ведь всё хорошее, что создали прежние времена и мастера, свободно лежит кругом, огороженное и охраняемое только почтительной робостью немногих понимающих: этим немногим в силу нехватки стыда и даёт отпор такой гений, собирая в кучу богатство, которое уже само по себе в свою очередь вызывает почтение и робость.

111

К поэтам, воспевающим большие города. — По садам нынешней поэзии можно заметить, как близко от них находятся клоаки больших городов: к аромату цветов тут примешано то, что говорит о мерзости и гнили. — Я с болью задаю вопросы: так ли уж нужно вам, поэты, всё время приглашать в крёстные отцы язвительные остроты и грязь, когда крестить должны какое-нибудь невинное и прекрасное ощущение? Неужто надо непременно нахлобучивать на вашу благородную богиню шутовской, балаганный колпак? Но почему эта нужда, эта необходимость? — Как раз потому, что вы живёте слишком близко от клоак.

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О солёной речи. — Ещё никто не объяснил, почему греческие писатели употребляли выразительные средства, в столь неслыханном изобилии и силе находившиеся в их распоряжении, с такою невероятной скупостью, что в сравнении с ними любая написанная после греков книга кажется кричащей, пёстрой и натянутой. — Говорят, что в местах возле льдов Северного полюса, так же как и в самых жарких странах, солью пользуются более скупо, зато жители равнин и морских побережий в зонах, умеренней нагреваемых солнцем, употребляют её в очень больших количествах. Так, может быть, и грекам соль и приправы нужны были не в такой степени, как нам, по двойной причине — потому что хотя их интеллект был холоднее и яснее, но их страстный природный характер — намного более тропическим, нежели наши?

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Самый свободный из писателей. — Как же можно в книге для свободных умов оставить без упоминания Лоренса Стерна, его, которого Гёте чтил как свободнейший ум своей эпохи! Пусть же он довольствуется здесь честью быть названным свободнейшим из писателей всех времён, в сравнении с которым все остальные кажутся неповоротливыми, неотёсанными, нетерпимыми и мужицки-прямолинейными. И достохвальна в нём, пожалуй, не законченная, ясная, а «бесконечная мелодия» — если этим словом обозначить стилистическое направление в искусстве, в котором определённая форма постоянно ломается, сдвигается, переводится в неопределённую, а потому означает одно, но в то же самое время и другое. Стерн — великий мастер двусмысленности, если это слово, как и следует, понимать гораздо шире, чем делают обычно, подразумевая отношения между полами. Можно считать пропавшим того читателя, который в любой момент хочет точно знать, что́ Стерн думает о том или ином предмете на самом деле, смеётся ли он над ним или сохраняет серьёзную мину: он-то ведь умеет выразить то и другое одной складкой своего лица; он и сам это понимает и даже хочет быть одновременно и правым и неправым, связать в один узел глубокомыслие и фарс. Его отступления от темы — зараз продолжение рассказа и дальнейшее развитие истории; его сентенции содержат в себе одновременно иронию по поводу всего сентенциозного, его отвращение ко всему серьёзному связано со склонностью избегать поверхностного, верхоглядного подхода к любой теме. Поэтому у настоящего читателя он вызывает чувство неуверенности в том, идёт ли он, стоит или лежит: чувство, больше всего похожее на ощущение парения. Самый гибкий из авторов, он сообщает гибкость и своему читателю. Мало того, Стерн внезапно меняет роли и тут же превращается в читателя, не переставая быть автором; его книгаЭто, несомненно, «Жизнь и мнения Тристрама Шенди, джентльмена» (а не «Сентиментальное путешествие»). подобна спектаклю внутри спектакля, театральной публике, сидящей напротив другой театральной публики. Читателю приходится отдаваться на милость или немилость Стерновского настроения — хотя, впрочем, можно ожидать, что оно будет милостивым, всегда будет милостивым. — Странно и поучительно отношение к этой коренной двусмысленности Стерна такого большого писателя, как Дидро: оно тоже было двусмысленным — а как раз это и есть подлинно Стерновский сверх-юмор. Подражал ли он ему в своём «Жаке-фаталисте», восхищался ли им, издевался ли над ним, пародировал ли его? — этого до конца не разобрать, да, возможно, как раз этого и хотел автор. Именно такое сомнение внушает французам несправедливость в отношении этого творения их первого мастера (которому не приходится краснеть перед лицом любого древнего и нового). Именно юмор — и в особенности это юмористическое отношение к самому юмору — французы воспринимают слишком серьёзно.Вариант этого предложения в черновике: «Рационалистический дух французов не позволяет такой свободы письма; они слишком серьёзно относятся к юмору, — что первым открыл Ст<ендаль>». — Надо ли добавлять, что среди всех великих писателей Стерн — наихудший образец и истинно неподражаемый автор и что даже Дидро пришлось поплатиться за свою отважную попытку подражания? То, чего хотели и что умели хорошие французы, а до них — некоторые греки как прозаики, прямо противоположно тому, чего хотел и что умел Стерн: как именно мастерское исключение он возвышается над тем, чего требовали от себя все художники в литературе: дисциплины, законченности, характера, неизменного плана, обозримости, простоты, сдержанности в походке и выражении лица. — Увы, человек Стерн, кажется, был только родственником писателя Стерна: его беличья душа скакала с ветки на ветку с необузданной возбуждённостью; ему было знакомо всё, что лежит между возвышенным и подлым; он сиживал на всяком месте, всегда с бесстыжими водянистыми глазами и сентиментальным выраженьем лица. Он обладал, если язык не устрашится такого словосочетания, жестоким добродушием и в усладах затейливого, даже испорченного воображения отличался чуть ли не слабоумной грацией невинности. Такой плотской и душевной двусмысленности, такого свободомыслия, доходящего вплоть до всех жилок и мускулов тела, как у него, не было, наверное, ни у одного другого человека.

114

Отборная реальность. — Как хороший прозаик употребляет только те слова, что входят в обиходный язык, но далеко не все входящие в него слова, — именно благодаря этому и возникает отборный стиль, — так и хороший поэт будущего станет изображать только реальное, целиком откинув все фантастические, полные суеверий, наполовину достоверные, ослабшие сюжеты, на которых прежние поэты пытали свои силы. Только реальность, но далеко не всякая реальность! А лишь отборная реальность!

115

Подвиды искусства. — Наряду с подлинными видами искусства — искусством великого покоя и искусством великого движения — есть ещё его подвиды: ищущее покоя, чванное искусство и искусство возбуждённое; оба хотят, чтобы их слабость принимали за силу, а их самих — за виды подлинного искусства.

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Нынешняя нехватка красок для героического. — Истинные поэты и художники современности любят писать свои картины на фоне, переливающемся красной, зелёной, серой и золотой красками — на фоне возбуждённо-нервозной чувственности: уж в ней-то дети века сего знают толк. И в этом есть отрицательная сторона — конечно, если глядеть на их картины не глазами века сего, — ведь так и кажется, что в величайших из изображённых ими образов присутствует нечто мелькающее, подрагивающее, мельтешащее: вот и не веришь, что эти герои способны на героические деяния, — в лучшем случае они способны на героизирующие, хвастливые злодеяния.

117

Перегруженный стиль. — Перегруженный стиль в искусстве — результат оскудения организующей силы при расточительном изобилии средств и замыслов. — В первоначальной стадии искусства иногда можно обнаружить прямую противоположность этому.

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Pulchrum est paucorum hominumПонимать прекрасное дано немногим (лат.) — Гораций. Сатиры, I 9, 44.. — Историческая наука и опыт говорят нам, что всё многозначительно-чудовищное, таинственно возбуждающее фантазию и уносящее её за пределы реального и будничного, старше и растёт изобильнее, чем прекрасное в искусстве и преклонение перед ним, — и что оно снова распускается в преизбытке, как только помрачается чувство прекрасного. Видимо, для подавляющего большинства оно представляет собою более сильную потребность, чем прекрасное: и, вероятно, оттого, что оказывает более сильное наркотическое воздействие.

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Истоки удовольствия от произведений искусства. — Если задуматься о самых первых зародышах художественного вкуса и задаться вопросом о том, какие различные виды наслаждения порождали первенцы искусства, к примеру, у первобытных народов, то первым делом обнаруживается наслаждение от понимания того, что имеет в виду другой; искусство тут — своего рода предложение загадок, которое даёт отгадывающему насладиться своей быстрой сообразительностью и проницательностью. — Затем, рассматривая самое примитивное произведение искусства, вспомним о том, что́ человеку было приятно при его восприятии, а потому вызывало у него наслаждение, — к примеру, когда художник указывал на охоту, победу, свадьбу. — С другой стороны, изображённое вызывает чувства возбуждения, растроганности, воодушевления — скажем, если воспевается мщение и опасность. Тогда наслаждение заключается в самом возбуждении, в победе над скукой. — Нам может доставлять большое наслаждение, которое мы в таком случае относим на счёт искусства, и воспоминание о неприятности, оставшейся позади, или если она как тема произведения искусства представляет нас самих слушателям интересными (например, когда певец описывает злоключения отважного морехода). — Более тонкий вид наслаждения — уже та радость, что возникает при виде всего правильного и симметричного в линиях, моментах, ритмах; ведь благодаря известному подобию пробуждается чувство всего упорядоченного и правильного в жизни, а только ему одному мы и обязаны хорошим самочувствием: в культе симметрии человек, стало быть, бессознательно почитает правило и равномерность как источник всего полученного в жизни счастья; это наслаждение — своего рода благодарственная молитва. Лишь при известном пресыщении этим последним видом наслаждения возникает ещё более тонкое чувство того, что радость может доставлять и нарушение симметрии и упорядоченности; это бывает, к примеру, когда соблазняет поиск разумного в том, что кажется абсурдом, — тогда, как форма эстетического разгадывания загадок, возникает какой-то более высокий вид упомянутого вначале наслаждения от искусства. — Тот, кто продолжит эти размышления, поймёт, от какого типа гипотез, призванных объяснить эстетические явления, здесь совершён радикальный отказ.

120

Не вплотную. — Хорошим мыслям вредит, если они следуют друг за другом слишком скоро; тогда они заслоняют друг другу перспективу. — Поэтому величайшие художники и писатели так обильно пользовались посредственным.

121

Грубость и слабость. — Художники всех эпох обнаруживали, что в грубости заключается какая-то сила и что не всякий может быть грубым, даже если этого хочет; и точно так же на чувство сильно воздействуют некоторые формы слабости. Отсюда возникло немало суррогатных эстетических приёмов, полностью удержаться от которых бывает трудно даже самым великим и добросовестным художникам.

122

Хорошая память. — Иной человек только потому не становится мыслителем, что его память слишком хороша.

123

Возбуждение голода вместо утоления. — Великие художники мнят, будто целиком и полностью захватывают и удовлетворяют своим искусством душу: а на самом деле, и сплошь да рядом, к их горестному разочарованию, эта самая душа благодаря их трудам становится тем более широкой и неудовлетворённой, так что десяток самых больших художников могут броситься в её глубины, но так и не насытить её.

124

Чего боятся художники. — Страх перед тем, что в жизненность их персонажей не поверят, может соблазнить художников с пониженным вкусом на создание таких типов, которые ведут себя как бешеные: так же как, с другой стороны, греческие художники начального периода в искусстве, движимые тем же самым страхом, даже умирающих и тяжелораненых изображали с тою улыбкой, что казалась им живейшим признаком жизни, — не заботясь о том, какие черты придаёт природа людям с еле теплящейся жизнью, уже почти расставшимся с нею.

125

Круг должен замкнуться. — Тот, кто следует путями какой-нибудь философии или вида искусства до самого их конца, да ещё и обдумывает этот конец, на основании своего внутреннего опыта понимает, почему последующие мастера и наставники отвращались от них к какому-то новому пути, и нередко с пренебрежительным выраженьем лица. Ведь круг обязан замкнуться, — но отдельные люди, пусть даже самые великие, прочно сидят на своей точке окружности с неумолимою миной упорства, словно этот круг замкнуться не имеет права.

126

Старое искусство и современная душа. — Каждое искусство становится всё более пригодным для выражения душевных состояний — более взволнованных, более нежных, более решительных, более страстных, — а потому более поздние художники, избалованные этими выразительными средствами, ощущают некоторое неудобство, имея дело с творениями искусства прежних эпох, словно древним не хватало как раз только средств ясного выражения своей души, а может быть, даже некоторых технических предпосылок; и они полагают, что обязаны тут помочь делу, — потому что верят в подобие, даже тождество душ. В действительности же души самих этих старых мастеров ещё были какими-то другими, может быть, и более великими, но более холодными и ещё питавшими отвращение ко всему возбуждающе-оживлённому: мера, симметрия, пренебрежение ко всему милому и прелестному, бессознательная терпкость и утренняя свежесть, уклонение от страсти, словно искусству суждено от неё погибнуть, — всё это составляет образ мыслей и нравственность всех старых мастеров, отбиравших свои выразительные средства и одухотворявших их в рамках этой же нравственности не случайным, а необходимым образом. — Но можно ли, понимая всё это, отказывать всем более поздним художникам в праве одушевлять древние творения на лад своей собственной души? Нет, ведь те способны продолжать свою жизнь лишь потому, что мы наделяем их своей душою: только наша кровь и подталкивает их к тому, чтобы заговаривать с нами. Их истинно «историческое» прочтение обращалось бы к призракам на языке призраков. — Воздать честь великим художникам прошлого можно, не столько проявляя ту неплодотворную робость, которая старается точно воспроизвести каждое слово, каждую ноту так, как они были написаны, сколько делая энергичные попытки помогать им всё снова возвращаться к жизни. — И то сказать: представим себе, что Бетховен вдруг явился среди нас и слушает одно из своих произведений, исполняемое в манере новейшей проникновенности и нервной утончённости, прославившей наших мастеров интерпретации, — вероятно, он долго стоял бы, не зная, что сказать и поднять ли руку для проклятья или для благословения, но наконец, возможно, произнёс бы: «Да-а, ну и дела... Это ни моё, ни не моё, а что-то третье, — по мне, так есть в этом и кое-что верное, хотя это не то верное. Но смотрите сами, как с этим быть,Эта распространённая в немецкой литературе цитата (здесь неточная) — из стихотворения Гёте «Beherzigung» («На заметку»). ведь слушать в любом случае вам, — а правы-то живые, как говорит наш ШиллерВ стихотворении «К друзьям».. Ну так и будьте себе правыми, а мне позвольте ретироваться».

127

Против порицающих краткость. — Краткословие может быть плодом и урожаем обильного долгомыслия; но читатель, если он новичок на этой ниве и ещё совсем не размышлял тут, видит во всяком краткословии что-то подобное эмбриону — не без укоризненного жеста в сторону автора: а зачем тот ставит ему на пиршественный стол ещё и что-то недоросшее, незрелое?

128

Против близоруких. — Уж не думаете ли вы, что если вам всё дают (и должны давать) по кусочкам, так, значит, и никакого целого нет?

129

Читатели сентенций. — Самые плохие читатели сентенций — друзья их автора, в том случае, если они ревностно стараются из всеобщего догадкою вывести особенное, которому сентенция обязана своим возникновением: ведь таким разнюхиваньем они сводят на нет все усилия автора; вот они и получают в награду — и по заслугам — не философское настроение и поучение, а в лучшем или худшем случае не больше, чем удовлетворение вульгарного любопытства.

130

Читательская невоспитанность. — Двойная невоспитанность читателя в отношении автора заключается в том, чтобы вторую его книгу хвалить (или наоборот) за счёт первой, да ещё и ждать от него за это благодарности.

131

Захватывающие моменты в истории искусства. — Изучая историю какого-нибудь искусства, к примеру, историю греческого красноречия, и переходя от одного мастера к другому, при виде этой неуклонно усиливающейся рассудительности и при необходимости выслушать старые законы и самоограничения ораторов вкупе с вновь появившимися, в конце концов оказываешься в мучительно-напряжённом состоянии: понимаешь, что лук должен сломаться и что так называемая неорганическая композиция, занавешенная и замаскированная самыми удивительными средствами выражения — в данном случае затейливый азианский стиль, — некогда была необходимостью и чуть ли не благодеянием.

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К великанам искусства. — Из-за той страстной увлечённости каким-нибудь предметом, которую ты, великан, вносишь в мир, уродуется разум множества людей. И знать об этом тебе горестно. Но с гордостью и наслаждением носит свой горб увлечённый тобою человек: посему утешься тем, что благодаря тебе счастья в мире стало больше.

133

Эстетически бессовестные. — Истинные фанатики той или иной партии в искусстве — это те совершенно нехудожественные натуры, которым недоступны даже элементарные основы искусствознания и ремесленной стороны искусства, но которых сильнейшим образом захватывают все элементарные воздействия искусства. Для них не существует эстетической совести — а потому нет ничего, что могло бы удержать их от фанатизма.

134

Как в современной музыке должна двигаться душа. — Эстетическую задачу, которую современная музыкасовременная музыка — в черновике: «Вагнер». пытается решить в том, что нынче очень внушительно, но туманно называют «бесконечной мелодией», можно уяснить себе, если входить в море, постепенно теряя дно под ногами и наконец предавшись на волю волнующейся стихии: тут уж нужно плыть. Во всей прежней, старой музыке, нужно было плясать, грациозно, торжественно или страстно двигаясь в более быстром или более медленном ритме, причём нужное для этого мерило — соблюдение определённых уравновешивающих темповых и динамических соотношений — вынуждало душу слушателя к постоянной рассудительности: и очарование той музыки зиждилось на контрасте этого прохладного сквознячка, которым тянуло от такой рассудительности, и согревающего дыхания, исходившего от восхищения музыкой. — Рихард Вагнер выбрал иной род движения души, который, как уже сказано, родствен плаванию и парению. Это, вероятно, важнейшая из всех его новаций. Его знаменитое художественное средство, возникшее от такого выбора и ему соответствующее — «бесконечная мелодия», — стремится нарушать всякую темповую и динамическую соразмерность, порою даже поиздеваться над нею, и он неистощим в изобретении таких эффектов, которые на слух прежних времён звучали бы как ритмический абсурд и кощунство. Он страшится застывания, кристаллизации, превращения музыки в архитектуру — и вот сталкивает двухтактный ритм с трёхтактным, нередко вводя пяти- и семитакты, сразу повторяет фразу, но в увеличении, растягивая её во времени в два или в три раза. Некритическое подражание такому искусству может поставить музыку в очень опасное положение: одичание, упадок ритмики всегда ждали своего часа в тайнике рядом с чрезмерно развитым чувством ритма. Эта опасность станет особенно большой, если такая музыка будет всё теснее смыкаться с не воспитанным и не пронизанным более высокой выразительностью сценическим искусством и языком жестов, лишённым всякой меры, да и не способным сообщить никакой меры льнущей к нему стихии — слишком женской сущности музыки.

135

Поэт и действительность. — Муза поэта, не влюблённого в действительность, и сама не будет действительностью — она родит ему детей с пустыми глазами и уж слишком худосочных.

136

Средства и цель. — Цель в искусстве не оправдывает средства: но оправданные средства могут здесь оправдать цель.

137

Самые скверные из читателей. — Самые скверные из читателей — те, которые ведут себя, как мародёрствующие солдаты: они отбирают себе то, что им нужно, мажут грязью и переворачивают вверх дном оставшееся, а потом ещё сквернословят по поводу всего вместе.

138

Признаки хорошего писателя. — Всем хорошим писателям присущи два качества: они предпочитают, чтобы их понимали, а не дивились на них; и они не пишут для читателей колких и слишком острых.

139

Смешанные жанры. — Смешанные жанры в искусствах — свидетельства недоверия, какое их творцы испытывали в отношении своих сил; они искали вспомогательных сил, заступников, укрытий; таковы поэты, которые призывают на помощь философию, композиторы — драму, мыслители — риторику.

140

Помалкивать. — Автор должен держать язык за зубами, когда открывает рот его творение.

141

Знак различия. — Все поэты и писатели, влюблённые в превосходную степень, хотят большего, чем могут.

142

Холодные книги. — Хороший мыслитель рассчитывает на читателей, способных разделить чувством счастье, заключённое в хорошем мышлении: при таком условии книга, которая выглядит холодно и трезво, если глядеть на неё под нужным углом, играет в солнечном блеске светлого умственного веселья и может оказаться истинной отрадою души.

143

Уловка неуклюжих. — Неуклюжий мыслитель обычно выбирает в наперсницы болтливость или напыщенность: с помощью первой он думает придать себе подвижность и лёгкую поступь, с помощью второй создаёт видимость, будто его натура есть проявление свободной воли, художественного замысла, — чтобы не терять достоинства, требующего медлительности движений.

144

О барочном стиле. — Если мыслитель и писатель не чувствует себя рождённым или воспитанным для диалектики и чёткой артикуляции идей, он непроизвольно хватается за риторику и драматические приёмы: ведь в конечном счёте речь для него идёт о том, чтобы сделать себя понятным и посредством этого обрести власть, всё равно как — то ли ведя к себе чувство гладкою тропой, словно пастух, то ли внезапно нападая, словно разбойник. Это относится как к изобразительным, так и к мусическим искусствам, где ощущение нехватки диалектики или слабости выразительных и повествовательных возможностей вместе с избыточным, напирающим инстинктом формообразования извлекают на свет божий тот род стиля, который называют барочным стилем. — Впрочем, это слово сразу вызывает пренебрежительное чувство только у людей мало осведомлённых и высокомерных. Барочный стиль возникает всякий раз в пору упадка всякого большого искусства, когда непомерно возрастают требования к классическим выразительным средствам искусства, это — естественное событие, и смотреть на него надо, конечно, с печалью — ведь оно предшествует ночи, но одновременно восхищаясь свойственными ему выразительными и повествовательными возможностями. Сюда относится уже хотя бы выбор сюжетов и тем высшей драматической напряжённости, которые заставляют биться сердце и без искусства, ведь чувству поразительно близки небеса и преисподняя; затем — красноречие сильных аффектов и жестов, возвышенно-ужасного, больших масс, вообще количества как такового, как всё это возвещает о себе уже у Микеланджело, отца или деда итальянских художников барокко: сумрачные, просветлённые или пламенные блики на таких крепко сбитых формах; помимо этого, беспрерывные новации в сфере средств и целей, новаций, которые энергично акцентируются художниками для художников, тогда как профану приходится воображать, будто он видит перед собою беспрестанное непроизвольное излияние всех рогов изобилия какого-то исконного, естественного искусства: все эти качества, которыми славится барочный стиль, невозможны, непозволительны в более ранние, предклассическую и классическую эпохи каждого вида искусства — такого рода изысканные лакомства долго висят на дереве запретными плодами. — Как раз в наши дни, когда музыка вступает в эту последнюю эпоху, можно ознакомиться с феноменом барочного стиля в его сугубой пышности и путём сравнения узнать отсюда многое о прежних эпохах: ведь начиная с времён греков барочный стиль появлялся уже не раз, в поэзии, красноречии, прозе, скульптуре, а также в известном смысле и в архитектуре, — и всякий раз этот стиль, хотя ему не хватает высшего благородства, благородства невинного, бессознательного, победоносного совершенства, доставлял удовольствие и многим из числа лучших и серьёзнейших людей своей эпохи: потому-то, ещё раз будь сказано, было бы высокомерием без околичностей судить о нём пренебрежительно, каким бы счастливым ни считал себя всякий, чей вкус благодаря ему не оказался невосприимчивым к стилю более чистому и значительному.

145

Ценность честных книг. — Честные книги внушают читателю честность — по меньшей мере тем, что вызывают на себя его ненависть и отвращение, которые в противном случае хитрое благоразумие предпочло бы припрятать. Можно ведь ополчиться против книги, изо всех сил удерживаясь от этого в отношении человека.

146

Каким образом искусство создаёт партию. — Отдельные красоты, общий волнующий ход действия, увлекательные и потрясающие настроения финала — столь многое в художественном произведении будет ещё доступно и большей части профанов: и в эпоху искусства, когда большую массу профанов стараются перетянуть на сторону художников, то есть создать партию, возможно, чтобы сохранить искусство, натурам творческим лучше всего будет большего и не давать — они не должны разбрасывать свои силы на поприще, где никто не скажет им спасибо. Выходить за эти пределы — подражать природе, органически допускающей формообразование и рост, — означало бы в данном случае бросать семена на камни.

147

Как величие достигается в ущерб истории. — Каждый более поздний мастер, вовлекающий вкус ценителей искусства в свою орбиту, невольно становится причиной отбора и переоценки прежних мастеров и их творений: то, что в них созвучно и близко ему, то, что в них предвосхищает и предвозвещает его, считается отныне по-настоящему значительным в них и в их творениях — плод, в котором обычно скрывается червь великого заблуждения.

148

Как искусство ловит на крючок эпоху. — Стоит только с помощью всех ухищрений художников и мыслителей обучить людей испытывать почтение к своим изъянам, к своей умственной нищете, к своим бессмысленным иллюзиям и страстям — а это можно сделать, — стоит только показывать им лишь возвышенную сторону преступления и безумия, сентиментальное и душещипательное — в состоянии слабости всех безвольных и слепо преданных, а довольно часто бывало и такое, — и вот уже применён способ внушить даже эпохе, совершенно чуждой искусству и философии, горячечную любовь к философии и искусству (а особенно — к художникам и мыслителям как личностям), а при скверных обстоятельствах это, может быть, и единственный способ сохранить существование столь нежных и уязвимых созданий.

149

Критика и радость. — Критика, односторонняя и несправедливая, равно как и разумная, доставляет критикующему так много удовольствия, что каждому делу, каждому поступку, вызывающему много критики со стороны множества людей, мир обязан благодарностью: ведь за критикой тянется блистательный шлейф из радости, остроумия, восхищения собой, гордости, нравоучения, желания исправить. — Бог радости сотворил плохое и посредственное по той же самой причине, что и хорошее.

150

Прыгнуть выше головы. — Когда художник хочет быть больше чем художником, к примеру, набатом нравственности для своего народа, то в конце концов, себе в наказание, влюбляется в чудовище из морали — и Муза смеётся над ним: ведь из ревности эта вообще-то очень добродушная богиня может и осерчать. Вспомним о Мильтоне и Клопштоке.

151

Стеклянный глаз. — Направленность таланта на моральные темы, личности, мотивы, на прекрасную душу произведения искусства — это порой всего лишь стеклянный глаз, который вставляет себе художник, лишённый прекрасной души: результат оказывается весьма странным — этот глаз в конце концов становится-таки живою природой, хотя и глядящей как-то криво, но и обычным такой результат оказывается тоже — все думают, будто видят перед собою природу, а не холодное стекло.

152

Писательство и воля к победе. — Писательство, очевидно, всегда свидетельствует о победе, а точнее, о преодолении себя, которое нужно сообщить другим для их пользы; есть, правда, авторы-диспептики, пишущие как раз только потому, что не могут чего-то переварить или даже потому, что оно уже навязло у них в зубах: своим раздражением они непроизвольно пытаются вызвать досаду и у читателя, а, значит, подчинить его себе; это говорит о том, что и они хотят побеждать — но только других.

153

«Хорошая книга спешки не любит».Парафраз немецкой пословицы «gut Ding will Weile haben», отсюда кавычки. — У любой хорошей книги терпкий вкус, когда она выходит в свет: на ней лежит грех новизны. К тому же книге вредит её живой автор, если он известен и о нём говорят: ведь все обычно путают автора с его произведением, аромату, сладости и золотому блеску которого предстоит проявиться лишь спустя годы — от заботливого попечения со стороны нарастающего, потом старого и наконец традиционного почитания. Не один час должен пролететь над книгой, не один паук — соткать на ней свою паутину. Хорошие читатели делают книгу всё лучше, а хорошие противники дают ей отстояться, словно вину.

154

Необузданность как художественный приём. — Художники хорошо понимают, что значит использовать необузданность как художественный приём, чтобы создать впечатление богатства. Это входит в число невинных хитростей для соблазнения душ, хитростей, в которых должны знать толк художники: ведь в их мире, ориентированном на видимость, и приёмы создания видимости тоже не обязательно должны быть настоящими.

155

Спрятанная шарманка. — Гении лучше, чем таланты, разбираются в том, как прятать шарманку, поскольку располагают более пышной драпировкой: но, в сущности, и они могут только переигрывать заново все те же свои старые семь пьес.

156

Имя на титульном листе. — Если имя автора напечатано на книге, то это, конечно, нынче обычай и чуть ли не долг, но это и главная причина того, что книги так мало воздействуют на умы. Ведь коли они хороши, то они более ценны, нежели личности, будучи квинтэссенциями последних; но как только автор даёт о себе знать через титульный лист, эта квинтэссенция снова разбавляется со стороны читателя стихией личного, даже слишком личного, а, значит, книга не достигает своей цели. Честолюбие интеллекта проявляется в том, чтобы казаться уже неличным.

157

Самая острая критика. — Острее всего та критика человека или книги, которая показывает их идеал.

158

Недостаток и отсутствие любви. — Всякая хорошая книга написана для определённого читателя и его характера и как раз поэтому не пользуется расположением всех остальных читателей, подавляющего их большинства: вот почему у её доброго имени узкая опора, и для укрепления ему нужно много времени. Книга посредственная и плохая такова именно потому, что хочет нравиться многим — и нравится им.

159

Музыка и болезнь. — Опасность новой музыки заключается в том, что она подносит к нашим губам чашу блаженства и великолепия с такой настойчивостью и с видимостью нравственного экстаза, что даже люди умеренные и благородные всегда отпивают из неё на несколько капель больше, чем следовало бы. Такое минимальное излишество, повторяясь постоянно, в конце концов может, однако, привести к более глубокому потрясению и подрыву духовного здоровья, чем какой-нибудь грубый эксцесс: поэтому не остаётся ничего другого, как только в один прекрасный день бежать из этого грота нимф, через морские волны и опасности держа путь к дыму Итаки и объятьям более простой и человечной супруги.

160

Выгода для противников. — Книга, полная ума, сообщает его и своим противникам.

161

Юность и критика. — Критиковать книгу — для юношей это значит всего лишь не подпускать к себе ни одной её продуктивной мысли, защищаясь руками и ногами. Юноши живут в состоянии самообороны от всего нового, чего они не могут полюбить целиком и полностью, и при этом всякий раз, как только у них есть такая возможность, совершают ненужное преступление.

162

Эффект количества. — Величайший парадокс в истории поэтического искусства заключается в том, что во всём составлявшем славу древних поэтов иной поэт может быть варваром, то есть полным изъянов и кривым с головы до пят, и всё-таки остаётся величайшим поэтом. Ведь так дело и обстоит с Шекспиром, который в сравнении с Софоклом подобен руднику, ломящемуся от золота, свинца и гальки, тогда как тот — не просто золото, а золото благороднейших очертаний, почти заставляющих забыть о его ценности как металла. Но количество в своих высших проявлениях действует как качество — и это идёт Шекспиру на пользу.

163

Всякое начало опасно. — У поэтов есть выбор: либо поднимать чувство со ступени на ступень и, наконец, вознести его очень высоко — либо попытать счастья в атаке и сразу же со всею силой потянуть за верёвку колокола. В том и другом есть свои опасности: в первом случае слушатели, возможно, сбегут от него от скуки, во втором — от ужаса.

164

В пользу критиков. — Насекомые кусаются — не из злобы, а потому, что тоже хотят жить: то же и наши критики; им нужна наша кровь, а не боль.

165

Успех сентенций. — Люди неопытные всегда думают, будто если какая-то сентенция сразу понятна им благодаря простоте своей истины, то, значит, она старая и известная, и при этом косятся на их авторов, словно те хотят похитить общее достояние: зато они восхищаются солёным полуправдам, давая знать об этом автору. А уж тот умеет оценить такой намёк и без труда угадывает, где у него всё вышло хорошо, а где плохо.

166

Жажда победы. — Если художник во всём, что бы он ни делал, работает сверх своих сил, то в конце концов увлечёт за собою толпу зрелищем тяжкой борьбы: ведь успех не всегда приносит сама победа — подчас его даёт уже одна только жажда победы.

167

Sibi scribereПисать для себя (лат.).181. — Автор благоразумный пишет не для иных каких потомков, а для своих собственных, иными словами, для своей старости, чтобы получать от себя удовольствие даже в этом возрасте.

168

Похвала сентенции. — Хорошая сентенция — для зубов времени материал слишком твёрдый, не дающийся и тысячелетиям, хотя служит питанием всем эпохам: поэтому она — великий парадокс в литературе, непреходящее среди перемен, всегда высоко ценимая пища, словно соль, и, подобно ей, никогда не приедается.

169

Второсортная потребность в искусстве. — У народа, конечно, есть нечто такое, что можно назвать потребностью в искусстве, но удовлетворять её следует скупо и дёшево. В сущности, для этого достаточно упадка искусства: необходимо честно в этом себе признаться. Надо подумать, к примеру, хотя бы только о том, в каких мелодиях и песнях находят нынче свою великую отраду наиболее энергичные, неиспорченные, чистые душой слои нашего населения, надо пожить среди пастухов, горцев-крестьян, крестьян вообще, охотников, солдат, моряков, — и дать себе ответ. А разве самую плохую музыку, какую вообще производят в наши дни, любят, даже лелеют, не в глубокой провинции, и именно в домах, где угнездилась старинная бюргерская добродетель? Кто в применении к народу, как он есть, говорит о глубокой потребности, о неудовлетворённой жажде искусства, тот мелет вздор или врёт. Давайте будем честными! — Высокая потребность в искусстве есть сейчас лишь у людей, составляющих исключение, — ведь искусство в целом снова идёт на спад, а человеческие способности и надежды на некоторый срок вложены в другие вещи. — Помимо этого, и притом вне народа, в высоких и высших слоях общества, существует ещё, правда, некоторая более широкая и ёмкая потребность в искусстве, но она второсортна: тут намечается что-то вроде эстетического сообщества, принимающего её всерьёз. Но присмотримся к составляющим его элементам! Это в общем утончённого склада неудовлетворённые люди, не находящие в себе подлинной радости: образованные, которые стали свободными недостаточно для того, чтобы отречься от утешений религии, но находят её елей не слишком благоуханным; наполовину облагородившиеся, которые слишком слабы, чтобы перечеркнуть главный изъян своей жизни или губительные склонности своего характера, совершив героический поворот к лучшему либо отказ; высоко одарённые, ощущающие себя слишком благородными, чтобы приносить пользу скромной деятельностью, и слишком вялые для большой и самоотверженной работы; девушки, которые не умеют найти для себя удовлетворительный круг обязанностей; женщины, которые связали себя легкомысленным или неестественным браком, но не чувствуют себя достаточно связанными им; учёные, врачи, купцы, служащие, которые преждевременно отдались конкретному делу, так и не дав в себе ходу полноте своих способностей, но зато с занозою в душе всё-таки добросовестно выполняющие свою работу; и, наконец, все неполноценные художники — все они сейчас испытывают всё ещё подлинную потребность в искусстве! А чего они так страстно хотят от искусства? Оно должно на несколько часов или мгновений отогнать от них недовольство и скуку, наполовину нечистую совесть и насколько можно придать основному пороку их жизни и характера величественный смысл порочности мировых судеб — совсем не так, как греки, видевшие в своём искусстве излияние и бьющую через край полноту собственного благополучия и здоровья и любившие ещё раз увидеть своё совершенство вне себя: их вело к искусству наслаждение собою, а наших современников приводит к нему недовольство собой.

170

Немцы в театре. — Первостепенным театральным талантом у немцев был Коцебу; он составлял одно нерасторжимое целое со своими немцами — немцами и из высшего общества, и из среднего сословия, и современники имели полное право всерьёз говорить о нём: «Мы им живём, им дышим и без него жить не можем». Тут не было ничего навязанного, усвоенного, всунутого в рот и в глотку: всё, чего он хотел и что он делал, зрители понимали — мало того, и до сего дня честный театральный успех на немецких сценах принадлежит стыдливым или бесстыжим наследникам приёмов и эффектов Коцебу, и притом в той степени, в какой комедия ещё кое-как процветает; отсюда следует, что многое от тогдашнего немецкого духа всё ещё продолжает жить, главным образом вне больших городов. Добродушные, не знающие удержу в мелких удовольствиях, легко проливающие слёзы, рассчитывающие хотя бы в театре избавиться от врождённой трезвости, основанной на строжайшем чувстве долга, и проявить там улыбчивую, даже смеющуюся терпимость, смешивающие и сплавляющие воедино доброту и сострадание — а это и есть самая суть немецкой сентиментальности, — чувствующие себя на седьмом небе от счастья при виде прекрасного, великодушного поступка, а в остальном пресмыкающиеся перед властью, завидующие друг другу, но в глубине души довольствующиеся собой — вот такими они были, таким был он. — Вторым театральным талантом был Шиллер: он открыл класс слушателей, которых до той поры в расчёт не брали; он обнаружил их среди представителей незрелого возраста — среди немецких девушек и юношей. Своей драматургией он пошёл навстречу их более высоким, более благородным, более бурным, хотя и более смутным порывам, их наслаждению звоном нравственных слов (обыкновенно пропадающему после тридцати) и в силу пылкости и пристрастности, присущих этому возрасту, добился успеха, постепенно к его выгоде распространившегося и на более зрелые возрасты: Шиллер в целом омолодил немцев. — Гёте во всех отношениях стоял над немцами, стоит над ними и до сей поры: он никогда к ним не принадлежал. Да и мог ли целый народ дорасти до гётевской духовности в ощущении внутреннего благополучия и благожелательности! Как Бетховен творил музыку над головами немцев, как Шопенгауэр философствовал над их головами, так же и Гёте сочинял своего «Тассо», свою «Ифигению» над головами немцев. За ним следовал очень узкий круг высокообразованных людей, воспитанных древностью, жизнью и путешествиями, переросших немецкий характер: да он и сам не хотел, чтобы было иначе. — Когда затем романтики учредили свой сознательный культ Гёте, когда их изумительная ловкость в запихивании в глотку перешла потом к ученикам Гегеля, подлинным воспитателям немцев этого столетия, когда пробуждающееся национальное честолюбие сыграло на руку и к славе немецких поэтов, а истинный показатель того, может ли народ честно любоваться чем-то, неумолимо подчинился суждению отдельных людей и названному национальному честолюбию — иными словами, когда люди ощутили обязанность любоваться, — тогда и появилась на свет та лживость и поддельность немецкого образования, которая устыдилась Коцебу, которая вывела на сцену Софокла, Кальдерона и даже продолжение гётевского «Фауста» и которая из-за своего обложенного языка, своего испорченного желудка в конце концов уже не знает, что ей по вкусу, а что вызывает скуку. — Блаженны те, у кого есть вкус, хотя бы даже и плохой вкус! — А благодаря уже одному этому свойству можно стать не только блаженным, но и мудрым: поэтому греки, знавшие толк в подобных вещах, называли мудреца словом, которое означает человека со вкусом, а мудрость, как художественную, так и познавательную, именовали просто «вкусом» (sophiaБолее детально Ницше разъясняет это слово ещё в своём сочинении «Философия в трагический век эллинов» (1873), гл. 3.).

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Музыка как поздний плод всякой культуры. — Из всех искусств, имеющих обыкновение всякий раз вырастать на определённой культурной почве, при определённых социальных и политических условиях, музыка является на свет последним из всех растений, в осеннюю пору, в пору увядания относящейся к ней культуры: в это время обычно уже становятся заметными первые предвестия и признаки новой весны; мало того, иногда музыка звучит в удивлённом и новом мире, как язык исчезнувшей эпохи, доходя до неё с запозданием. Душа христианского средневековья зазвучала в полную силу лишь в искусстве нидерландских композиторов: их музыка-зодчество — посмертно рождённая, но настоящая и полноправная сестра готики. Лишь в музыке Генделя отозвалась лучшая часть духа Лютера и родственных ему душ, великая иудейско-героическая тенденция, создавшая всё реформаторское движение. Лишь Моцарт вернул эпохе Людовика Четырнадцатого, искусству Расина и Клода Лоррена сдачу звучащим золотом. Лишь в музыке Бетховена и Россини допелось до конца восемнадцатое столетие, столетие горячечного мечтательства, разбитых идеалов и мимолётной удачи. Поэтому иной любитель чувствительных сравнений сказал бы, что всякая по-настоящему значительная музыка — это лебединая песнь. — Музыка — вовсе не всеобщий, вневременный язык, как часто утверждали к её чести; нет, она точно соответствует мере чувства, теплоты и времени, которую в качестве внутреннего закона несёт в себе совершенно определённая, отдельная, ограниченная в пространстве и времени культура: музыка Палестрины была бы абсолютно недоступна грекам, а Палестрина, в свой черёд, ничего не услышал бы в музыке Россини. — Вполне вероятно, что за короткий срок станет непонятной и наша новейшая немецкая музыка, хоть она и властвует, и властолюбива: ведь возникла-то она из недр культуры, обречённой на скорое исчезновение; её почва — тот период реакции и реставрации, когда, разливая над Европой смешанный аромат, расцвета достигли как известный католицизм чувства, так и наслаждение всем, что связано с почвеннически-национальным характером и исконной сущностью: оба направления чувства, воспринятые в их максимальной интенсивности и доведённые до самых последних границ, в конце концов зазвучали в искусстве Вагнера. Приверженность Вагнера стародавним отечественным сказаниям, его облагораживающее самовластие среди их столь чуждых богов и героев — каковые на самом деле суть никому не подвластные хищники с приступами глубокомыслия, великодушия и пресыщенности жизнью, — наделение новой жизнью этих фигур, которым он придал ещё одно качество, христианско-средневековую жажду экстатической чувственности и бесчувствия, всё вагнеровское творчество в области сюжетов, душ, действующих лиц и слов ясно выражают и дух его музыки, если та, как и всякая музыка, не может говорить о себе совершенно недвусмысленно: этот дух предводительствует самым последним походом войны и реакции против духа просвещения, которым веяло из прошлого столетия на нынешнее, равно как и против наднациональных идей французской революционной горячки и англо-американской трезвости в перестройке государства и общества. — Но разве не очевидно, что круги мыслей и ощущений, здесь — у Вагнера и его поклонников — кажущиеся ещё оттеснёнными, уже давно снова обрели могущество и что этот запоздалый музыкальный протест против них направлен, как правило, в уши тем, кто предпочитает иные, противоположные звучания? И что в один прекрасный день это чудесное и высокое искусство внезапно может сделаться совершенно непонятным и обрасти паутиной и забвением? — Относительно такого положения дел нельзя давать сбивать себя с толку тем мимолётным колебаниям, которые предстают как реакция внутри реакции, как временное падение гребня волны посреди всеобщего волнения; и нынешнее десятилетие национальных войн, ультрамонтанного мученичестваУльтрамонтанами называли проводников политического влияния католической церкви в Германии; против них боролся Бисмарк., страхов по поводу социализма может, в качестве одного из своих утончённых последствий, облечь внезапной славой и названное искусство — отнюдь не гарантируя этим, что «будущее за ним» или даже что у него вообще есть какое-нибудь будущее. — Неотъемлемая черта музыки — то, что плоды её великих урожайных сезонов культуры рано становятся несъедобными и портятся быстрее, чем плоды изобразительного искусства, не говоря уж о тех, что выросли на древе познания: среди всех произведений человеческого художественного чутья именно мысли — произведения наиболее долговечные и стойкие.

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Поэты — уже не учители. — Как ни странно это прозвучит в наше время, но жили на свете поэты и художники, чьи души были выше страстей, их судорог и экстазов, а потому наслаждались более опрятными сюжетами, более достойными людьми, более тонкими завязками и развязками. Если нынешние великие художники по большей части — люди, расковывающие волю, и подчас именно поэтому освободители жизни, те были укротителями воли, они преображали животное, творили человека и вообще придавали жизни форму, пересоздавали её, вели её всё выше: нынешние же славятся тем, что распрягают, снимают путы, разбивают вдребезги. — Греки самой древней поры требовали от художника, чтобы он был учителем взрослых: а разве не пришлось бы теперешнему поэту устыдиться, если бы этого потребовали от него, который не был хорошим учителем для себя и потому не сделал из себя хорошую поэму, прекрасный образ, а в лучшем случае стал робкой, привлекательной кучей развалин храма, но в то же время логовищем страстей, поросшим цветами, терновником, ядовитыми травами, обитаемым и посещаемым змеями, червями, пауками и птицами, — предметом для печальных раздумий о том, почему сегодня всё самое благородное и ценное обречено сразу вырастать в виде руины, без прошлой и будущей цельности? —

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При взгляде вперёд и назад. — Искусство, каким оно излучается от Гомера, Софокла, Феокрита, Кальдерона, Расина, Гёте, как сверхполнота мудрого и гармоничного образа жизни, вот верное мерило, которым мы в конце концов научаемся пользоваться, сами став мудрее и гармоничнее, — в отличие от того варварского, хотя пока столь восхитительного извержения всего горячечного и беспорядочного из необузданного, хаотического состояния души, прежде, в юношеском возрасте, принимавшегося нами за искусство. И всё же само собой понятно, что искусство, несущее в себе экстравагантность, возбуждённость, протест против всего упорядоченного, однообразного, простого, логичного, — это в определённом возрасте необходимая потребность, которую художники обязаны удовлетворять, чтобы психика в этом возрасте не находила себе разрядку на ином пути — во всякого рода бесчинстве и безобразии. Поэтому в таком искусстве восхитительного беспорядка нуждаются юноши, какими они обыкновенно бывают, — полные сил и внутреннего брожения, для которых нет горшей муки, чем скука, — нуждаются женщины, лишённые хорошей, дающей пищу для души работы: тем больше их терзает жгучая тоска по удовлетворённости без перемен, по счастью без дурмана и хмеля.

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Против искусства произведений искусства. — Искусство должно прежде всего и в первую очередь делать жизнь более красивой, а, значит, делать нас самих сносными, а лучше приятными для других: выполняя эту задачу, оно смягчает нас, держит в узде, создаёт формы общения, обуздывает невоспитанных законом приличия, опрятности, учтивости, умения говорить и молчать в нужное время. Кроме того, искусство должно прикрывать или перетолковывать всё безобразное, то мучительное, отпугивающее, отвратительное, что, несмотря на все усилия, всё снова прорывается наружу в силу особенностей человеческой природы: оно должно это делать главным образом в виду страстей, душевных терзаний и страхов, позволяя значительному проглядывать сквозь неизбежно или непреодолимо отвратительное. В сравнении с этой великой, даже величайшей задачей искусства так называемое «собственно» искусство, представленное произведениями искусства, — всего лишь придаток: человек, ощущающий в себе избыток таких облагораживающих, прикрывающих и перетолковывающих способностей, в конце концов попытается найти разрядку для этого избытка и в произведениях искусства; то же, при особых условиях, делают и целые народы. — Но в наши дни искусство обычно начинает с конца, оно хватает себя за хвост и думает, будто искусство произведений искусства и есть нечто настоящее, а на его основе жизнь должна улучшиться и преобразиться. А мы-то, глупцы! Если мы начинаем трапезу с десерта, жадно поглощая одну сладость за другой, то разве удивительно, что мы портим себе желудок и даже аппетит для хорошей, укрепляющей, питательной трапезы, к которой нас приглашает искусство!

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Дальнейшее существование искусства. — За счёт чего, в сущности, искусство произведений искусства продолжает нынче своё существование? За счёт того, что большинство тех, у кого есть досуг — а ведь такое искусство существует только для них, — не знают, что делать со своим временем без музыки, посещения театров и галерей, без чтения романов и стихов. А если, предположим, не давать им удовлетворять эту потребность, то либо они перестали бы так жадно стремиться к досугу, и богачи куда реже вызывали бы зависть своим видом — большой плюс для общественной стабильности; либо у них был бы досуг, но они стали бы учиться размышлять — в той мере, в какой можно научиться и разучиться, — к примеру, о своей работе, о своих связях, об удовольствиях, которые они могут доставить; все люди, за исключением художников, в обоих случаях от этого не прогадали бы. — Есть, конечно, иные полные сил и мыслящие читатели, которые смогли бы выдвинуть тут сильное возражение. Ну а читателям неповоротливым и злонамеренным надо уж всё-таки сказать, что здесь, да и довольно часто в этой книге вообще, автору важны как раз возраженья, и что надо читать в книге много такого, чего в ней как раз и не написано.

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Рупор богов. — Поэты высказывают общие мнения высшего порядка, имеющие хождение в народе; они — его рупоры и флейты, но высказывают они их, в силу применения метра и всех других художественных приёмов, так, что народ воспринимает их как нечто совершенно новое и дивное, и вполне серьёзно думает о поэтах, будто те — рупоры богов. Мало того, в пылу творчества и сами поэты забывают, откуда почерпнули всю свою духовную премудрость, — от отца и матери, от учителей и из книг всякого рода, на улице, а особенно от священников; собственное искусство вводит их в заблуждение, и они, в минуты душевной простоты, действительно мнят, будто их устами вещает какой-то бог, будто они творят в состоянии религиозного озарения: а на самом-то деле они говорят лишь то, чему научились, народную мудрость и народную глупость вперемешку. Итак: в той мере, в какой поэт и впрямь являет собою vox populiглас народа (лат.)., его считают vox deiгласом Божьим (лат.)..

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Чего хочет и не может всякое искусство. — Самая трудная и высшая задача художника — изображение неизменного, самодовлеющего, высокого, простого, абсолютно равнодушного к конкретным прелестям; поэтому те художники, что послабее, избегают высочайших образов нравственного совершенства прямо-таки как нехудожественных тем и дискредитируют их, ведь один только вид этих плодов совершенно невыносим для их честолюбия: они видят их блеск из самых нижних веток искусства, но у них нет приставной лестницы, мужества и хватки, чтобы рискнуть забираться так высоко. Какой-нибудь новый Фидий как поэт сам по себе вполне возможен, но, принимая во внимание силы наших дней, чуть ли не только в том смысле слова, в каком говорят, что для Бога нет ничего невозможного. Ведь уже одно желание быть каким-нибудь Клодом Лорреном в поэзии выглядит нынче нескромностью, как бы сильно сердце этого ни жаждало. — До сих пор ни одному художнику не было по силам изобразить высшего человека, то есть наиболее простого и в то же время наиболее цельного; может быть, из всех живших доселе людей только грекам, создавшим идеал Афины, довелось бросить на него самый глубокий взгляд.

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Искусство и реставрация. — Попятные движения в истории, так называемые периоды реставрации, пытающиеся дать новую жизнь духовному и социальному состоянию, непосредственно предшествовавшему только что пройденному, которым, кажется, и впрямь удаётся на короткий срок воскресить мёртвых, обладают прелестью трогательного воспоминания, страстной тоски по почти уже утраченному, торопливого прижимания к груди минутного счастья. В силу этой странной концентрации настроения искусство и поэзия находят для себя естественную почву как раз в таких ускользающих, почти баснословных временах — так самые деликатные и редкостные цветы растут на самых крутых горных склонах. — Итак, иногда бывают хорошие художники, которых незаметно тянет к реставраторскому образу мыслей в политической и общественной сфере, — для него они на свой страх и риск готовят у себя тихие уголки и садики: там они собирают вокруг себя человеческие реликты родной для них исторической эпохи и играют на своих струнах исключительно для мёртвых, полумёртвых и смертельно уставших — возможно, с упомянутым результатом краткосрочного воскрешения мёртвых.

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Счастье эпохи. — Нашу эпоху следует провозгласить счастливой в двух отношениях. В отношении прошлого мы вкушаем все культуры и их плоды, впускаем в себя благороднейшую кровь всех эпох, мы ещё находимся достаточно близко от сил, из недр которых они родились, чтобы на время подчиниться им с наслаждением и ужасом: а прежние культуры были в состоянии наслаждаться лишь самими собою и не выглядывали за свои края — они, напротив, были как бы накрыты колпаком большего или меньшего размера: он, правда, излучал на них свет, но был совершенно непроницаем для взглядов вовне. В отношении будущего перед нами впервые в истории раскрываются необозримые перспективы человечески-экуменических, охватывающих всю населённую Землю целей. В то же время мы чувствуем, что способны без высокомерия и сами справиться с этой новой задачей, не нуждаясь в сверхъестественной поддержке; пусть наше предприятие окончится чем угодно, пусть мы переоценили свои силы — в любом случае нет никого, кому мы были бы обязаны отчётом, кроме нас самих: отныне человечество может уверенно делать с собою всё, что захочет. — Правда, существуют особого сорта люди-пчёлы, знающие толк в том, как всегда высасывать из цветочных чашечек всех вещей только самое горькое и неприятное на вкус; но ведь во всех вещах и впрямь содержится и кое-что отнюдь не медовое. Пусть такие люди на свой лад чувствуют изображённое здесь счастье нашей эпохи, летая над нею, и продолжают работу над своим ульем недовольства.

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Видение. — Уроки и часы самостоятельных занятий для взрослых, созревших и полностью зрелых, на которые ходит каждый, ежедневно, без принуждения, а просто повинуясь заповеди обычая; церкви как самые достойные и насыщенные памятью места для этого; словно бы каждодневные торжественные празднования достигнутого и достижимого достоинства человеческого разума; какие-то более новые и полные расцвет и отцветание идеала учителя, идеала, в котором слились воедино духовник, художник и врач, знаток и мудрец, так же как их отдельные достоинства должны проявиться в качестве общего достоинства и в самом учении, в его преподавании, в его методике, — вот какое видение встаёт у меня перед глазами всё снова и снова, и я твёрдо уверен в том, что оно подняло краешек покрывала с будущего.

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Воспитание как искривление. — Неимоверная ненадёжность всего учебного дела, в силу которой у каждого взрослого в наши дни остаётся чувство, что его единственным воспитателем был случай, — и если педагогические методы и цели подобны флюгеру, то это объясняется тем, что самые древние и самые новые силы культуры хотят нынче быть больше услышанными, чем понятыми, словно в первобытном народном собрании, и своим голосом, своими воплями любой ценою доказать, что они ещё существуют либо что они уже существуют. Такой бессмысленный шум сначала оглушает бедных учителей и воспитателей, потом заставляет их говорить тише и, наконец, совсем умолкнуть, терпеливо снося всё, как, в свой черёд, сейчас они заставляют терпеливо сносить всё своих воспитанников. Они и сами не воспитаны — так как же им воспитывать других? Они и сами совсем не похожи на прямые, мощные, полные соков стволы: поэтому тот, кто захочет к ним прислониться, будет непременно гнуться и искривляться, а напоследок окажется искривлённым и скрюченным.

182

Философы и художники эпохи. — Распутность и хладнокровие, пожар страстей, охлаждение сердца — такую отвратительную мешанину можно обнаружить в картине современного высшего общества Европы. Тут художникам кажется, что они уже сделают много, если рядом с пожаром страстей своим искусством заставят пылать и пожар сердца: таков же удел и философов, если, нося в своей груди холодное сердце, то же, что и у эпохи, они своими мироотрицающими выводами охлаждают жар страстей в себе и в этом самом обществе.

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Не быть солдатом культуры без необходимости. — Наконец, наконец-то мы учимся понимать то, незнание чего приносит человеку так много неприятностей в юные годы: что сначала надо делать что-то прекрасное, а уж потом допытываться, что такое прекрасное, где бы и под какими именами оно ни встречалось; что нужно без колебаний избегать всего скверного и посредственного, не борясь с ним, и что одно только сомнение в добротности дела — а оно при тренированном вкусе возникает скоро — может служить для нас аргументом против него и поводом совершенно от него уклоняться, — рискуя при этом иной раз и ошибиться, спутать трудно различимую добротность со скверным и несовершенным. Кто не может ничего лучшего, должен наброситься на все скверны мира, как солдат культуры. Но если он захочет взяться за оружие и тревогами, ночными бдениями и зловещими сновидениями обратить мир своей профессии и дома в тревожное безмирие, то пропадёт его способность кормить и учить.

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Как следует излагать естественную историю. — Естественную историю как историю войны и победы нравственно-умственной силы в походе против страхов, фантазий, косности, суеверий, глупости следовало бы излагать так, чтобы каждый слушатель неудержимо стремился к умственному и телесному здоровью и цветению, к радостному чувству, что он наследник и продолжатель человеческого начала в человеке, и к потребности совершать всё более благородные дела. Она ещё не обрела своего верного языка, ведь созидающие язык и красноречивые люди искусства — а здесь-то они и нужны — не избавились от закоренелого недоверия к ней и прежде всего не желают основательно учиться у неё. Правда, надо признать за англичанами, что в своих учебниках естествознания для низших слоёв населения они сделали достойный восхищения шаг в направлении указанного идеала: но ведь в этом участвуют и их самые отборные учёные — натуры цельные, полные и наполняющие, — а не посредственные исследователи, как у нас.

185

Гениальность человечества. — Если гениальность, согласно замечанию Шопенгауэра, заключается в связном и живом воспоминании о пережитом собственном опыте, то, вероятно, в стремлении к познанию всей прошедшей истории — которое всё резче отделяет новое время от всех предшествующих эпох и впервые снесло древние стены, стоявшие между природой и духом, человеком и животным, моралью и физикой — можно распознать стремление к гениальности человечества в целом. История, продуманная до конца, была бы космическим самосознанием.

186

Культ культуры. — Великим умам присущи отталкивающие слишком человеческие свойства, проявляющиеся в их характере, их слепых пятнах, их неверных оценках, их необузданных страстях — они даны им для того, чтобы мало-помалу, путём недоверия, которое вызывают эти качества, ограничивать их мощное, легко становящееся слишком мощным воздействие. Ведь система всего того, в чём человечество нуждается для своего дальнейшего существования, столь всеобъемлюща и требует столь многообразных и многочисленных сил, что за всякое одностороннее предпочтение, будь то предпочтение науки, государства, искусства или торговли, к которому его толкают эти личности, человечеству как целому приходится платить слишком большую пеню. Величайшим проклятьем культуры всегда было преклонение перед людьми: в таком смысле можно даже почувствовать что-то верное в изречении Моисеева закона, которое запрещает поклоняться другим богам, кроме Бога. — Культу гениев и властной силы в качестве дополнения и лекарства всегда нужно приводить на помощь культ культуры, который способен даровать разумное достоинство и грубому, невзрачному, низменному, непризнанному, слабому, несовершенному, однобокому, половинчатому, неверному, мнимому, даже злому и ужасающему, и согласиться с тем, что всё это необходимо; ведь гармония и мелодия всего человеческого, достигнутые удивительными трудами и счастливыми случаями — работа циклопов и муравьёв в не меньшей степени, чем гениев, — не должны быть утрачены: и разве можем мы тут обойтись без общего, глубокого, часто жуткого басового голоса, без которого никакая мелодия не может быть мелодией?

187

Древний мир и радость. — Люди древнего мира умели радоваться лучше: а мы — мы умеем меньше печалиться; первые, вооружившись всеми своими богатыми запасами проницательности и мысли, постоянно изыскивали новые причины, чтобы чувствовать себя хорошо и отмечать праздники: мы же тратим весь свой ум на решение задач, нацеленных скорее на безбольное существование, на устранение источников неудовольствия. Древние старались забыть моменты страдания в своей жизни или как-то повернуть чувство в сторону приятного: стало быть, они искали в этом паллиативной помощи, в то время как мы берёмся за причины страданий и в целом предпочитаем действовать профилактически. — Может быть, мы лишь закладываем фундамент, на котором грядущие поколения вновь отстроят храм радости.

188

Музы как лгуньи. — «Мы знаем толк в том, как говорить много лжи» — так некогда пели Музы, когда предстали перед Гесиодом.См.: «Теогония», 22–28. Посмотрев однажды на художников как на обманщиков, можно прийти к важным открытиям.

189

Насколько парадоксальным может быть Гомер. — Есть ли на свете что-нибудь более отважное, жуткое, невероятное, что, подобно зимнему солнцу, бросает свои лучи на человеческую судьбу, чем мысль, которую можно найти у Гомера:Боги назначили эту судьбу им и выпряли гибель
Людям, чтоб песнями стали они и для дальних потомков.«Одиссея», VIII, 579–580. Пер. В. А. Жуковского.Значит, мы страдаем и гибнем, чтобы у поэтов не было недостатка в сюжетах, — и устраивают это именно так боги Гомера, которым, казалось бы, было важно увеселение грядущих поколений, но совсем не было дела до нас, нынешних. — И как только подобные мысли могли прийти в голову греку!

190

Оправдание существования постфактум. — Иные мысли пришли в мир как заблуждения и вымыслы, но стали истинами, потому что задним числом люди снабдили их реальным субстратом.

191

Необходимость про и контра. — Кто не понял, что всякого великого человека следует не только поощрять, но и бороться с ним — ради общего благополучия, тот, конечно, всё ещё большой ребёнок — или сам великий человек.

192

Несправедливость гения. — Наиболее несправедливо гений относится к другим гениям, если они — его современники: во-первых, он думает, что ему они не нужны, а потому рассматривает их как ненужных вообще, ведь без них он есть то, что он есть; во-вторых, их влияние уничтожает эффективность его электрического тока: по этой причине он считает их прямо-таки пагубными.

193

Самая злая судьба пророка. — Он двадцать лет работал над тем, чтобы обратить в свою веру современников, — и наконец это ему удалось; но меж тем это же удалось и его противникам: потому что веру в себя он успел потерять.

194

Три мыслителя, подобных пауку. — В любой философской секте три мыслителя сменяют друг друга в такой последовательности: первый выделяет из себя соки и семя, второй вытягивает их в нити и плетёт хитроумную сеть, третий подкарауливает с этой сетью жертв, которые в ней запутываются, и хочет жить за счёт философии.

195

Кое-что об общении с авторами. — Схватить автора за нос — столь же скверный способ общаться с ним, как и схватить его за рога, — ведь у каждого автора есть свои рога.

196

Два коня в упряжке. — Неясное мышление и горячечное фантазёрство чувства столь же часто бывают связаны с беззастенчивым стремлением любыми способами пробиться в жизни наверх, считаться только с собой, как искреннее желание помочь, доброжелательство и благосклонность — с инстинктивным влечением к ясности и опрятности мышления, к умеренности и сдержанности чувства.

197

Связующее и разделяющее. — Разве не в уме заключено то, что связует людей, — взаимопонимание по поводу общей пользы и общего вреда, а в душе — то, что их разделяет, — слепой выбор и нашаривание в любви и ненависти, предпочтение одного за счёт всех и возникающее отсюда презрение к всеобщей пользе?

198

Стрелки и мыслители. — Есть на свете курьёзные стрелки — хотя они не поражают цель, но покидают стрельбище с тайной гордостью за то, что их пуля всё-таки залетела далеко (конечно, за цель) или за то, что они попали пусть и не в цель, так во что-то другое. Есть и точно такие же мыслители.

199

С двух сторон. — Мы проявляем враждебность к духовным направлениям и движениям, если превосходим их или отвергаем их цели, либо если эти цели слишком высоки и неразличимы для наших глаз, то есть если они превосходят нас. Поэтому одну и ту же партию можно атаковать с двух сторон — сверху и снизу; и атакующие, руководимые общей ненавистью, нередко заключают между собою союз, более отвратительный, нежели всё то, что они ненавидят.

200

Оригинальность. — Истинно оригинальные умы отличает не то, что они первыми видят что-то новое, а то, что они по-новому видят старое, давным-давно известное, виданное и перевиданное. Первооткрывателем же вообще-то бывает совершенно банальный и неумный выдумщик — случай.

201

Заблуждение философов. — Философы думают, что ценность их философии заключена в её целом, в системе; потомки видят её в камне, из которого она построена и из которого отныне можно строить ещё не раз и лучше: иными словами, в том, что систему можно разрушить, но она всё равно будет представлять собою ценность как материал.

202

Остро́та. — Остро́та — это эпиграмма на смерть чувства.

203

За миг до решения. — В науке то и дело случается, что кто-нибудь останавливается перед решением в полной уверенности, будто вот сейчас все его усилия пошли прахом, — подобно тому, кто, развязывая петлю, медлит в тот миг, когда она вот-вот распустится: ведь как раз тут она больше всего похожа на узел.

204

Побывать в обществе мечтателей. — Рассудительный и уверенный в своём разуме человек может с пользою для себя с десяток лет повращаться в кругу фантастов, предаваясь в этом горячем местечке скромному сумасбродству. Тем самым он проделает добрую часть пути, приводящему в конце концов к умственному космополитизму, который имеет право без высокомерия сказать: «Вот теперь ничто умственное мне не чуждо».

205

Морозный воздух. — Лучшее и наиболее здоровое в науке, как и в горах, — это морозный воздух, веющий в них. — Люди духовно изнеженные (к примеру, художники) боятся науки и бранят её из-за этого воздуха.

206

Почему учёные благороднее художников. — Наука требует натур более благородных, чем поэзия: они должны быть более простыми, менее честолюбивыми, более сдержанными, спокойными, меньше жаждать посмертной славы и самозабвенно предаваться вещам, которые в глазах большинства редко предстают достойными подобного жертвоприношения личности. К тому же есть и другой недостаток, который они знают за собой: род их занятий, постоянное требование величайшей трезвости ослабляет их волю, огонь поддерживается не таким сильным, как в очаге поэтических натур: а потому они часто теряют свою наибольшую и лучшую силу в более ранние годы жизни, чем те, — и, как уже сказано, знают об этой опасности. Во всяком случае, они покажутся менее одарёнными, поскольку меньше блистают, и будут слыть за меньшее, чем они суть.

207

Насколько пиетет затемняет дело. — Люди последующих столетий дарят великим деятелям прошлого все великие качества и добродетели своего века — и потому всё лучшее постоянно затемняется пиететом, глядящим на него как на священное изваяние, на которое навешивают всевозможные жертвенные дары, пока, наконец, оно не скрывается под ними полностью, заслоняется ими и впредь выступает больше предметом поклонения, чем лицезрения.

208

Стоя на голове. — Переворачивая истину на голову, мы обыкновенно не замечаем, что наша голова тоже стоит не там, где должна стоять.

209

Происхождение и польза моды. — Явно выраженная удовлетворённость отдельных людей своим внешним видом возбуждает подражание и мало-помалу создаёт внешний вид многих, то есть моду: эти многие посредством моды стремятся как раз к той самой благотворной удовлетворённости своей внешностью и добиваются её. — Если подумать о том, как много оснований для робости и боязливой стыдливости есть у каждого человека, и о том, что три четверти его энергии и доброй воли могут быть парализованы и стерилизованы этими основаниями, то надо сказать моде большое спасибо, ведь она раскрепощает эти три четверти, сообщает веру в себя и радостное взаимопонимание у людей, ощущающих, что связаны друг с другом её законами. Свободу и уверенность в себе дают даже глупые законы, если только им подчиняются многие.

210

Что развязывает языки. — Ценность некоторых людей и книг заключается только в одном их свойстве — они могут всякого заставить высказать самое своё тайное и заветное, потому что развязывают языки и разжимают наиболее крепко стиснутые зубы. Той же ценностью и пользой обладают даже иные события и злодеяния, происходящие, казалось бы, лишь на беду человечества.

211

Умы, не связанные местомДополнительное значение этого слова (freizügig) — «не связанный условностями (морали)».. — Кто из нас отважился бы назвать себя свободным умом, если бы на свой лад, принимая на свои плечи часть бремени общественного неодобрения и поношения, не хотел выразить своё почтение тем людям, которым это имя присваивают, чтобы оскорбить их? Но всё же мы, наверное, имеем право всерьёз (и без этого высокомерного и великодушного упрямства) называть себя «умами, не связанными местом», поскольку чувствуем тягу к свободе как сильнейший инстинкт своего ума и в противоположность разумам связанным и прочно укоренённым видим свой идеал как бы в некоем умственном кочевничестве — пользуясь выражением скромным и чуть ли не пренебрежительным.

212

Такова благосклонность Муз! — То, что говорит об этом Гомер, хватает за душу, настолько оно правдиво и страшно: «Муза его возлюбила, но злом и добром одарила: зренья лишила его, но дала ему сладкие песни»«Одиссея», VIII, 63–64. Пер. В. А. Жуковского.. — Для человека мыслящего это текст без конца: она даёт зло и добро, такова уж её сердечная любовь! И каждый по-своему объяснит себе, почему мы, мыслители и поэты, должны пожертвовать своими глазами.

213

Против попечения о музыке. — Эстетическое развитие зрения с детских лет посредством занятий рисованием и живописью, ландшафтных, портретных и жанровых набросков несёт с собою, помимо всего прочего, неоценимую для жизни выгоду — оно делает глаз острым, спокойным и терпеливым в наблюдении людей и ситуаций. Подобная побочная выгода не следует за эстетическим попечением о слухе: вот почему народные школы поступят в целом правильно, отдавая предпочтение искусству зрения перед искусством слуха.

214

Открыватели тривиальностей. — Утончённые умы, для которых нет ничего более чуждого, чем тривиальность, нередко, после всяческих блужданий и горных тропинок, натыкаются на какую-нибудь из них и, к изумлению умов не утончённых, этим наслаждаются.

215

Нравственность учёных. — Правильный и быстрый прогресс наук возможен, лишь если каждый учёный не слишком недоверчив, чтобы перепроверять любое вычисление и утверждение других в областях, не столь уж ему близких: но тут существует и условие, что в своей собственной области у каждого есть конкуренты, крайне недоверчивые и ревностно следящие за ним. Из такого сочетания «не слишком большой недоверчивости» и «крайнего недоверия» в республике учёных рождается порядочность.

216

Причина бесплодия. — Есть на свете умы чрезвычайно одарённые, но неизменно бесплодные только потому, что по слабости своего темперамента они слишком нетерпеливы, чтобы дождаться разрешения от бремени.

217

Извращённый мир слёз. — Многочисленные неудобства, которые доставляют человеку требования высшей культуры, в конце концов извращают природу настолько, что он по большей части начинает вести себя скованно и стоически, оставляя слёзы разве что для редких наплывов счастья, мало того, настолько, что иные люди плачут, видимо, уже только от наслаждения отсутствием боли: их сердце бьётся лишь от счастья.

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Греки как толмачи. — Рассуждая о греках, мы в то же время поневоле рассуждаем о сегодняшнем и вчерашнем дне истории: их общеизвестная история — это чистое зеркало, которая всегда отражает то, чего нет в самом зеркале. Свободой говорить о них мы пользуемся для того, чтобы иметь возможность промолчать о других, — в надежде, что они сами шепнут что-нибудь на ухо вдумчивому читателю. Поэтому греки облегчают современному человеку разговор о некоторых неудобосказуемых и сомнительных вещах.

219

О приобретённом характере греков. — Знаменитые греческие светозарность, прозрачность, простота и порядок, кристальная естественность и одновременно кристальное искусство их творений без труда соблазняют нас думать, будто всё это упало грекам с неба: они, к примеру, не умели писать иначе, чем хорошо, как однажды заметил Лихтенберг. Но нет ничего более опрометчивого и несостоятельного. История прозы от Горгия до Демосфена свидетельствует о труде и борениях выбраться из неясности, перегруженности, безвкусицы к свету, труде и борениях, напоминающих об усилиях героев, прокладывавших первые пути через леса и болота. Трагический диалог из-за своей необычайной прозрачности и определённости в условиях национальной предрасположенности к наслаждению символами и намёками, к тому же ещё нарочно закреплявшейся великой хоровой лирикой, — настоящий подвиг драматургов: так же как подвигом Гомера было освобождение греков от азиатской помпезности и неопределённости и достижение прозрачности структуры в целом и в частностях. Сказать что-нибудь совершенно правильно и ярко отнюдь не считалось лёгким делом, иначе трудно объяснить огромное восхищение эпиграммами Симонида, которые выглядят такими непритязательными, без раззолочённых кружев, без арабесок острот, но говорят то, что хотят сказать, ясно, с покоем солнца, а не с погоней за эффектом молнии. Напряжённое стремление к свету из словно врождённого сумрака — черта сугубо греческая, вот почему народ ликовал, выслушивая лаконичные сентенции, элегические декламации, изречения семи мудрецов. Поэтому предписания, дававшиеся к стихам, для нас возмутительные, оказались так милы эллинскому уму, будучи для него подлинно аполлоновской задачей — одержать победу над опасностями метра, над темнотою, вообще свойственной поэзии. Простота, гибкость, трезвость были силой вырваны для национальной предрасположенности, а не были даны ей изначально — опасность скатиться назад, в азиатчину, постоянно грозила грекам, да и впрямь время от времени нависала над ними, словно тёмный широкий разлив мистических ощущений, элементарной дикости и темноты. Мы видим, как они погружались в него, мы видим, как Европу словно смывало, захлёстывало — ведь тогда Европа была очень маленькой, — но они всякий раз снова выплывали, эти хорошие пловцы и ныряльщики, этот народ Одиссея.

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Подлинное язычество. — Для того, кто бросает взгляд на мир греков, нет, может быть, ничего более странного, чем обнаружить, что греки время от времени словно устраивали праздники всем своим страстям и тёмным естественным склонностям и даже налаживали своего рода государственную организацию празднований своего слишком человеческого начала: это и есть подлинное язычество их мира, которое христианство не понимало и понимать не хотело, а всегда сурово с ним боролось и третировало его. — Они относились к этому слишком человеческому как к чему-то неизбежному и предпочитали не оскорблять его, а наделять, так сказать, второстепенными правами, включая его в обиходную жизнь общества и в культ: мало того, они считали божественным и возводили на высшую ступень всё, что обладает в человеке силой. Природное влечение, которое выражается в скверных качествах, они не отвергали, а встраивали в целое и ограничивали определёнными видами культа и днями, придумав достаточно мер предосторожности, чтобы отвести эти бушующие воды в как можно более безобидное русло. Вот где корень всего нравственного либерализма античности. Злому и опасному, животноотсталому, так же как варвару, догреческому автохтону и азиату, ещё жившим в глубинах греческой души, греки предоставляли возможность умеренной разрядки и не стремились к их полному уничтожению. Государство, построенное в расчёте не на отдельных индивидов или на отдельные касты, а на обычные человеческие качества, включало в себя всю систему подобных установлений. Строя его, греки продемонстрировали то изумительное чутьё на всё типически-фактическое, которое позже позволило им сделаться естествоиспытателями, историками, географами и философами. При учреждении государства и культа государства решающую роль должен был сыграть не ограниченный — жреческий или кастовый — нравственный закон, а широчайший учёт всего человеческого в его реальности. — Откуда же взяли греки эту свободу, это чутьё на реальность? Может быть, от Гомера и догомеровских поэтов; ведь как раз те поэты, которые обычно обладают характером не самым справедливым и мудрым, проявляют зато это наслаждение всякого рода действительным, действующим и не хотят целиком отвергнуть даже зло: им хватает того, чтобы оно не бушевало, губя всё подряд, или чтобы не отравляло изнутри, — иными словами, они мыслят примерно так же, как греческие ваятели государства: они-то и были их наставниками и пролагателями путей.

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Греки-исключения. — Умы глубокие, основательные, серьёзные были в Греции исключением: инстинкт народных масс сводился скорее к тому, чтобы переживать серьёзность и основательность как своего рода извращение. Заимствовать формы издалека, не созидать, а только придавать прекрасную видимость — это по-гречески: подражать не для практических дел, а для художественного обмана, всё снова одерживать верх над навязанной серьёзностью, упорядочивать, приукрашивать, выравнивать — всё это продолжается от Гомера до софистов третьего и четвёртого веков нового летоисчисления, всецело представлявших собою поверхность, напыщенное слово, театральный жест и обращавшихся исключительно к душам изнурённым, падким на видимость, звучание и эффекты. — А теперь отдадим должное величию тех греков-исключений, которые создали науку! Кто из них повествует, тот повествует самую героическую историю человеческого ума!

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Простое — не первое и не последнее по времени. — В историю религиозных представлений привносится много придуманной эволюции и постепенности относительно вещей, на самом деле выросших не друг из друга и не другом вслед за другом, а рядом и по отдельности; простое в особенности всё ещё слишком серьёзно считается старейшим и изначальным. Немало человеческого возникает в результате вычитания и деления, а как раз не удвоения, прибавления, сращивания. — К примеру, всё ещё верят в постепенную эволюцию изображения богов от грубых кусков дерева и камней вплоть до полного человекоподобия: но дело всё-таки обстоит как раз так, что в те времена, когда люди мысленно помещали богов в деревья, куски дерева, камни и животных и ощущали их там, они страшились очеловечивать их образы, словно это безбожие. Лишь поэтам, остававшимся в стороне от культа и от чар религиозного стыда, приходилось приучать к этому очеловечиванию глубинную фантазию людей, заставлять их соглашаться с ним: но как только снова перевешивали более религиозные настроения и состояния, это освобождающее воздействие поэтов вновь отступало, и переживание священного, как и прежде, оставалось на стороне чудовищного, жуткого, истинно нечеловеческого. Но даже многое из того, что отваживается создавать для себя глубинная фантазия, всё-таки ещё вызывало бы неприятные ощущения, если бы оказалось переведённым во внешнее, телесное изображение: внутреннее зрение куда более отважно и менее стыдливо, чем внешнее (отсюда возникает известная трудность и отчасти невозможность превращения эпических сюжетов в драматические). Религиозная фантазия в течение долгого времени вообще не желает верить в тождество бога с каким-нибудь образом: образ должен дать нуменуНумен — воля богов (лат.). божества проявиться здесь некоторым таинственным способом, который невозможно выдумать полностью, в качестве действующего, в качестве привязанного к данному месту. Древнейшее изображение бога должно оберегать и одновременно прятать бога — возвещать о нём, но не выставлять на обозрение. Ни один грек никогда внутренне не рассматривал своего Аполлона как деревянный обелиск, своего Эрота как каменную глыбу; это были символы, которые должны были вызывать прямо-таки страх перед наглядным представлением. Точно так же дело обстоит ещё с теми кусками дерева, в которых самой грубой резьбой обозначались отдельные члены, иногда в чрезмерном количестве: таков лаконский Аполлон о четырёх руках и четырёх ушах. В неполноте, в намёке или в излишней полноте заключено нечто ужасающе священное, которое, очевидно, отвергает всякую мысль о человеческом, человекоподобном. Ступень искусства, на которой творят нечто похожее, отнюдь не является эмбриональной: разве в эпохи, когда люди поклонялись таким образам, они не могли бы говорить более ясно, создавать более осмысленные изображения? Тут, напротив, пугает только одно: прямое высказывание. ЦеллаЦелла — в античных храмах — внутреннее святилище, где хранились изображения божеств. скрывает святое святых, настоящий нумен божества, и прячет его в таинственном полумраке, но не целиком; периптерическийОкружённый рядом колонн. храм, в свою очередь, скрывает целлу, словно защищает её от нескромных взглядов ширмой и покрывалом, но не целиком: то же относится к образам божеств, одновременно выступающим укрытиями для божеств. — И лишь когда вне культа, в профанном мире состязательности, ликование, относившееся к победителям в борьбе, поднялось так высоко, что поднятые им волны перехлестнулись в озеро религиозных чувств, лишь когда изваяния победителей начали выставляться в храмовых дворах, а благочестивым посетителям храма волей-неволей приходилось приучать свои глаза и души к этому неизбежному зрелищу человеческой красоты и превосходящей обычную силы, так что почитание людей и богов в условиях пространственного и душевного соседства отзывались друг в друге эхом, — начала исчезать и робость перед настоящим очеловечиванием божественных образов и открылась великая арена для великой пластики: но ещё и тогда действовало ограничение — всюду, где должно быть истовое поклонение, сохранялись и осторожно воссоздавались исконно-древние формы и уродливость. Но теперь эллины, приносившие жертвы и дары, могли блаженно предаваться своей страсти превращать бога в человека.

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Куда надо путешествовать. — Прямого самонаблюдения далеко не достаточно, чтобы себя узнать: нам нужна история, ведь прошлое множеством струй вливается в нас и течёт дальше; да и сами-то мы — не более чем то из этого дальнейшего течения, что мы ощущаем в каждый момент. Но изречение Гераклита «нельзя войти в одну реку дважды» справедливо даже здесь, когда мы хотим войти в реку нашей якобы самой сокровенной и личной сущности. — Это мудрость, которая, правда, уже постепенно зачерствела, но тем не менее осталась всё такой же крепкой и питательной, какой и была: точно так же, как и та, что, дабы постичь историю, надо отыскивать живые остатки исторических эпох, — что следует путешествовать, посещать разные народы, как путешествовал патриарх Геродот, ведь народы — это всего лишь застывшие более древние ступени культуры, на которые можно стать ногами, а в особенности посещать так называемые дикие и полудикие племена, обитающие там, где человек снял или ещё не надел европейское платье. Но существуют и другие, более утончённые искусство и цель путешествий, не всегда заставляющие переезжать с места на место за тысячи миль. Очень вероятно, что три последних тысячелетия во всех своих нюансах и преломлениях культуры ещё продолжают жить даже вблизи нас: их надо только открыть. В некоторых семьях, даже в отдельных людях эти слои всё ещё во всей чистоте и обозримости лежат друг над другом: в иных же местах сбросы пород распознать труднее. Правда, в отдалённых местностях, в редко посещаемых горных долинах, в более закрытых общинах достопочтенный образец много более древних ощущений мог сохраниться легче, тут его и надо искать — в то время как сделать подобные открытия, к примеру, в Берлине, где человек является на свет выщелоченным и ошпаренным, невозможно. Кто после длительных упражнений в этом искусстве путешествовать превратился в стоглазого Аргуса, тот в конце концов будет всюду сопровождать свою Ио — я хочу сказать, своё эго — и вновь открывать для себя авантюру странствий этого становящегося и преображающегося эго в Египте и Греции, в Византии и Риме, во Франции и Германии, во временах кочевников и оседлых народов, в Ренессансе и Реформации, дома и на чужбине, даже в море, в лесу, среди растений и в горах. — Так самопознание становится универсальным познанием в отношении всего прошлого: и так же после некоей другой череды созерцаний, на которую здесь можно только намекнуть, определение задач для себя и самовоспитание в умах самых свободных и проницательных может когда-нибудь стать универсальным определением задач в отношении всего будущего человечества.

224

Бальзам и яд. — Сколько ни думай, не исчерпаешь до дна вот какую мысль: христианство есть религия состарившейся античности, а его предпосылка — выродившиеся старые культурные народы; оно могло действовать и действовало на них, как бальзам. В эпохи, когда уши и глаза «полны ила» и потому уже не могут расслышать голоса разума и философии, разглядеть мудрость во плоти, какое бы имя она ни носила — Эпиктета или Эпикура: тут, чтобы толкнуть подобные народы к хоть сколько-нибудь пристойному существованию, могут подействовать, может быть, разве только отвесно стоящий крест мученичества да «трубы Страшного Суда». Вспомним о Риме времён Ювенала, об этой ядовитой жабе с глазами Венеры: вот тогда-то и понимаешь, что значит распинаться перед «всем миром», тогда-то и начнёшь уважать смиренную христианскую общину и говорить спасибо за то, что она, разросшись, покрыла собою всю греко-римскую почву. Если в те времена большинство людей сразу рождалось с рабской душою, со стариковской чувственностью, то какое блаженство встретить создания, которые были скорее душами, чем телами, и которые, казалось, воплотили в жизнь греческое представление о душах в Аиде: робкие, улепётывающие, тонко стрекочущие, безобидные фигуры, ждущие вакансии на «лучшую жизнь» и потому сделавшиеся такими непритязательными, полными такого молчаливого презрения, такой гордой терпеливости! — Это христианство как вечерний звон хорошей античности на треснувших, усталых, но всё-таки благозвучных колоколах, — бальзам всё ещё даже для слуха того, кто в наши дни лишь как историк бродит по тем столетиям: а чем же оно, должно быть, казалось самим людям той эпохи! Зато для юных, свежих варварских народов христианство было ядом; к примеру, внедрить в героические, детские и звериные души древних германцев учение о грехопадении и проклятии значило не что иное, как отравить их; следствием этого должно было стать совершенно чудовищное химическое брожение и разложение, чехарда чувств и суждений, буйное разрастание и формирование всего самого рискованного, а в дальнейшем, стало быть, — серьёзное ослабление таких варварских народов. — Правда, надо признать — что у нас осталось бы от греческой культуры без такого ослабления? Что осталось бы от всего культурного прошлого человеческого рода? Ведь незатронутые христианством варвары очень основательно умели разбираться со старыми культурами: это, к примеру, с ужасающей ясностью доказали языческие завоеватели романизированной Британии. Христианству против своей воли пришлось помочь в увековечении античного «мира». — Но и тут, опять-таки, ещё остаётся встречный вопрос и возможность встречного расчёта: а что, если те или иные из упомянутых свежих племён, скажем, германские, и без этого ослабления названным выше ядом оказались бы в состоянии мало-помалу самостоятельно обрести высшую культуру, какую-то свою собственную, новую? О которой, стало быть, человечество утратило бы и малейшее представление? — Дело тут, как и всюду, обстоит так: неизвестно, говоря на христианский лад, кто кого должен больше благодарить за то, что всё случилось так, как оно случилось: Бог чёрта или чёрт Бога.

225

Вера даёт благословение и проклятье. — Христианин, примерившийся к недозволенным ходам мысли, мог бы, вероятно, однажды спросить себя: а нужно ли, в сущности, чтобы на самом деле существовал какой-то Бог, да ещё и замещающий его агнец отпущения, если одной веры в бытие этих существ достаточно, чтобы вызывать те же следствия? А если они всё же, положим, существуют, то не являются ли излишними? Ведь всё благодетельное, утешительное, укрепляющее нравственность, равно как и всё омрачающее и удручающее, что даёт человеческой душе христианская религия, исходит от указанной веры, а не от объектов этой веры. Дело здесь обстоит не иначе, чем в известном случае: хотя никаких ведьм на свете не было, но ужасающие последствия веры в ведьм были точно такими же, как если бы ведьмы и впрямь существовали. Во всех делах, в которых христианин ждёт прямого вмешательства Бога, но ждёт тщетно — ведь никакого Бога нет, — его религия достаточно изобретательна в лазейках и причинах для успокоения: тут эта религия уж точно умна. — Вера, правда, до сей поры не смогла сдвинуть с места ни одной настоящей горы, хотя это и утверждал незнамо кто, — но сумела взгромоздить горы туда, где нет ни одной горы.

226

Регенсбургская трагикомедия. — Там и сям можно с ужасающей ясностью видеть балаганный фарс фортуны — она привязывает канат, ведущий в следующие столетия, к нескольким дням, к одному месту, к внутренним состояниям и настроениям одного ума и хочет, чтобы они, эти столетия, на нём плясали. Так злосчастные судьбы новой истории Германии заложены в днях, когда разыгрался известный Регенсбургский религиозный диспут: казалось, уже обеспечен мирный исход церковных и нравственных проблем, без религиозных войн, контрреформации — а, значит, обеспечено и единство немецкой нации; над бранью теологов какой-то момент победоносно парил глубокий и кроткий дух Контарини — представитель более зрелого итальянского благочестия, на крылах которого отражалась утренняя заря духовной свободы. Но ему противилась костяная голова Лютера, полная подозрений и тайных страхов: поскольку оправдание веройОправдание верой — одно из главных положений богословия Лютера — принцип «sola fide» (спасение одной только верой и милостью Божьей, а не делами). Лютер, однако, не участвовал в Регенсбургском диспуте (5 апреля — 22 мая 1541); протестантскую сторону представляли на нём Мартин Буцер, Кальвин, Меланхтон и Писториус, католическую — Иоганн Экк, Иоганн Гроппер и Юлиус фон Пфлуг; кардинал Гаспаро Контарини (1483–1542) участвовал в диспуте на правах папского легата. казалось ему собственной величайшей находкой и девизом, он не верил тому же тезису, звучащему из уст итальянцев, а ведь они, как известно, обнаружили его куда раньше и в глубокой тишине разнесли по всей Италии. В этом мнимом согласии Лютер видел козни дьявола и как только мог препятствовал мирному соглашению: благодаря этому он серьёзно содействовал целям врагов империи. — А теперь, чтобы ещё усилить впечатление жуткой балаганности, дополнительно предположим, что истины или хотя бы только следа истины нет ни за одним из тезисов, о которых спорили тогда в Регенсбурге, — за положением о наследном грехе, о спасении через посредничество, об оправдании верой, и что все они нынче признаны не заслуживающими обсуждения: и всё равно из-за них весь мир оказался в огне — из-за мнений, которым не соответствуют никакие вещи и реальности, в то время как относительно чисто филологических вопросов, к примеру, объяснения интерполяций в тексте о тайной вечере, по крайней мере дозволены споры, потому что здесь можно высказать истину. А где ничего нет, там теряет свои права и истина. — В конечном счёте остаётся сказать лишь одно: тогда, правда, забили родники энергии, и столь мощно, что без них все мельницы современного мира работали бы не так сильно. И, значит, всё дело в первую очередь в силе и только во вторую — в истине, да и то далеко не сразу, — не так ли, дорогие любители современности?

227

Заблуждения Гёте. — Среди великих художников Гёте — великое исключение в том, что он не жил в ограниченности своих реальных возможностей, так, будто они должны быть главным и определяющим, безусловным и окончательным в нём самом и для всех остальных. Он думал, что обладает чем-то вдвое более высоким, чем на самом деле, — а во второй половине своей жизни, когда он был полностью проникнут этим убеждением, заблуждался, считая, будто представляет собою одного из величайших открывателей и светочей в науке. Но так же дело обстояло уже в первой половине его жизни: он ждал от себя чего-то более высокого, нежели то, чем ему казалось искусство, — и уже в этом заблуждался. Природа хотела сделать из него художника в изобразительной сфере — это была тайна, пылавшая и сжигавшая его изнутри и пославшая его в конце концов в Италию, чтобы он как следует отбушевал в этой своей иллюзии, принеся ей все возможные жертвы. Наконец он, человек осмотрительный, которому искренне претило в себе всё образующее иллюзии, обнаружил, что морочащий бес алчности подтолкнул его к вере в это призвание и что он обязан избавиться от своего величайшего страстного желания и распрощаться с ним. Болезненно режущее и гложущее убеждение в необходимости распрощаться полностью выражено в настроениях его Тассо: над ним, «Вертером вдвойне»Цитата из Гёте («Разговоры с Эккерманом», 3 мая 1827), который, в свою очередь, приводит выражение Ж. Ж. Ампера., витает предчувствие чего-то похуже, чем смерть, словно человек говорит себе: «Ну вот и всё — прощание позади; как же жить дальше, не сойдя с ума!» — Оба этих главных заблуждения его жизни дали Гёте, если говорить о чисто литературном отношении к поэзии, а мир знал тогда только его, столь непринуждённую, но кажущуюся чуть ли не сознательной манеру держаться. Не говоря о времени, когда Шиллер — бедный Шиллер, у которого времени не было и который спешил, — выгнал его из воздержанной робости перед поэзией, из страха перед любой литературной деятельностью и перед литературным ремеслом, Гёте предстаёт подобным какому-то греку, там и сям навещающему очередную возлюбленную в сомнениях, не богиня ли это, для которой он только не находит верного имени. Во всём его поэтическом творчестве заметна дышащая близость пластики и природы: черты этих парящих перед ним образов — а он, видимо, всегда представляет себе, что идёт по следам перевоплощений какой-нибудь богини, — без его воли и ведома стали чертами всех чад его искусства. Без окольных путей заблуждения он не стал бы Гёте: иными словами, единственным и по сей день не устаревшим немецким художником слова — именно потому, что он так же мало хотел быть писателем, как и немцем по профессии.

228

Путешественники и их ранги. — Среди путешествующих следует различать пять рангов: путешественники первого, низшего ранга — это те, что ездят и при этом их видно: по сути, их возят, но они как бы слепы; следующий ранг — те, что и впрямь сами глядят на мир; третий ранг, увидев, что-то переживает; четвёртый принимает пережитое в свою жизнь и несёт его с собою дальше; наконец, есть на свете немногочисленные люди высшей силы, которые, пережив и впустив в свою жизнь всё увиденное, в итоге непременно должны ещё и выпустить его наружу в виде поступков и произведений, как только возвращаются домой. — Подобно этим пяти видам путешественников совершают своё странствование по жизни все люди вообще — низший их ранг как чистые passivaСтрадательные (пассивные) грамматические формы, каковы намеренно употреблённые Ницше выше обороты, переведённые здесь безличными конструкциями «их видно», «их возят»., высший — как действующие и без остатка выпускающие в жизнь уже пережитые внутренние процессы.

229

Поднимаясь всё выше. — Человек, который поднимается выше тех, что прежде им восхищались, именно им-то и кажется теперь опустившимся и упавшим: ведь они при любых обстоятельствах мнили, будто доселе были на одной высоте с нами (пусть даже и благодаря нам).

230

Мера и середина. — Люди избегают говорить о двух очень важных предметах: мере и середине. Их силы и признаки известны немногим избранным, прошедшим по тропинкам мистерий внутренних переживаний и обращений: эти чтят в них нечто божественное и потому страшатся говорить вслух. Все остальные пропускают разговор о них мимо ушей, думая, будто речь идёт о скуке и посредственности: исключение составляют разве что те, которые однажды расслышали дальний отзвук из того царства, но заткнули уши, не желая слушать дальше. А воспоминание об этом злит их и выводит из себя.

231

Гуманность дружбы и учительства. — «Если ты пойдёшь на восток, то я двинусь на запад»Ср.: Быт. 13, 9.: такой образ мыслей — высокий признак гуманности в тесном общении людей. Без этого образа мыслей любая дружба, любое ученичество рано или поздно превращается в лицемерие.

232

Глубокие. — Люди, мыслящие глубоко, в общении с другими кажутся себе комедиантами, ведь чтобы в этих случаях их понимали, им всегда приходится прикидываться поверхностными.

233

Презирающим «стадное человечество». — Того, кто глядит на людей как на стадо, убегая от него изо всех сил, это стадо наверняка догонит и забодает.

234

Главное преступление против тщеславия. — Тот, кто в обществе даёт другому возможность блеснуть своими знаниями, чувствами, опытом, ставит себя над ним и таким образом, если только тот не воспринимает его как безусловно вышестоящего, совершает покушение на его тщеславие — а ведь он-то как раз думал это тщеславие удовлетворить.

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Разочарование. — Если долгая жизнь и деятельность, включая речи и письма, оставляет о какой-то личности публичное свидетельство, то общение с нею обыкновенно разочаровывает по двойной причине: во-первых, потому что от краткого времени общения люди ждут слишком многого, а именно всего того, что делают зримым лишь тысячи житейских событий, и, во-вторых, потому что всякий признанный человек не даёт себе труда домогаться признания ещё и в мелочах. Он слишком равнодушен — а мы слишком нетерпеливы.

236

Два источника доброты. — Обращаться со всеми людьми с одинаковой доброжелательностью и проявлять доброту невзирая на лица — с равным успехом это может быть следствием как глубокого презрения к людям, так и настоящего человеколюбия.

237

Странствующий по горам — самому себе. — Есть верные признаки того, что ты ушёл вперёд и выше в гору: теперь вокруг тебя стало свободнее, а перспектив — больше, чем прежде, тебя овевает воздух более прохладный, но менее резкий, — ведь ты отучился от глупости путать смягчение с теплотой, — твоя поступь стала энергичнее, твёрже, слились воедино мужество и осторожность: по всем этим причинам путь твой станет теперь, наверное, более одиноким и уж во всяком случае более опасным, чем оставленный тобою за спиной, хотя, конечно, и не в такой степени, как думают те, что из чадной долины видят тебя, странник, шагающим по горам.

238

За исключением ближнего. — Моя голова явно плохо держится только на моей собственной шее; ведь, как известно, любой другой лучше знает, что мне делать, а чего не делать: а я, бедняга, ничем не могу помочь только себе самому. Так, может, все мы — как бы постаменты, на которые взгромоздили не те головы? — не правда ли, милый мой сосед? — Ах нет, ведь как раз ты — исключение!

239

Осторожность. — Не следует вступать в общение с людьми, которые не робеют перед всем личностным, — или же перед общением следует неумолимо надевать на них наручники общепризнанной дозволенности.

240

Желание казаться тщеславным. — Высказывать в разговоре с незнакомыми и малознакомыми людьми только избранные мысли, говорить о своих громких знакомствах, важных переживаниях и поездках — признак того, что такой человек не страдает гордыней или по меньшей мере что он не хотел бы произвести подобное впечатление. Тщеславие — это маска вежливости, которую носит человек гордый.

241

Хорошая дружба. — Хорошая дружба складывается, когда один сильно уважает другого, и притом больше, чем себя самого, если он его ещё и любит, хотя и не так сильно, как себя, и если, наконец, умеет добавить тонкую окраску и налёт близости — чтобы облегчить общение, но в то же время мудро воздерживается от настоящей и полной близости и смешения я и ты.

242

Призрачные друзья. — Когда мы сильно изменяемся, наши не изменившиеся друзья становятся призраками нашего собственного прошлого: голоса их доносятся до нас искажённо-нечёткими, будто мы слышим себя самих — только более молодых, более негибких, более незрелых.

243

Одна пара глаз и два взгляда. — Те же самые люди, чей взгляд от природы создаёт впечатление заискивающего, из-за частых унижений и мстительных побуждений, которые они испытывают, обычно смотрят наглым взглядом.

244

Голубая даль. — «Большой ребёнок»«большой ребёнок» — в черновике: «“Гений всю жизнь остаётся ребёнком”». Неточная цитата из «Мира как воли и представления». — это звучит весьма трогательно, но так можно судить только издалека; а если разглядеть и почувствовать человека вблизи, то это всегда означает «большой глупец».

245

Равное непонимание выгод и невыгод. — Смущённое молчание умного человека человек неумный обычно толкует как молчаливое превосходство и очень сильно пугается: а ведь смущённый вид должен вызывать благожелательные чувства.

246

Мудрец, выдающий себя за дурака. — Человеколюбие мудрого иногда толкает его на то, чтобы выставить себя возбуждённым, разгневанным или обрадованным, чтобы не обидеть окружающих холодностью и разумностью своей подлинной сути.

247

Вынуждать себя к любезности. — Как только мы замечаем, что в обращении и разговорах с нами кому-то приходится принуждать себя к любезности, нам становится окончательно ясно: этот человек нас не любит или успел разлюбить.

248

Путь к одной христианской добродетели. — Учиться у своих врагов — лучший способ их полюбить: ведь тогда мы начинаем питать к ним благодарность.

249

Военная хитрость фамильярных. — Фамильярные люди дают сдачу на нашу монету условности чистым золотом, желая задним числом принудить нас смотреть на условности как на ошибку, а на них — как на исключения.

250

Причина для отвращения. — Мы начинаем испытывать антипатию к иному художнику или писателю не потому, что наконец замечаем, что он нас обманул, а потому, что он не счёл необходимыми более тонкие способы поймать нас в свои сети.

251

Разлучаясь. — Родство и единодушие одной души с другой я вижу не в том, как она с ней сближается, а в том, как от неё отдаляется.

252

SilentiumМолчание (лат.).. — О своих друзьях говорить не надо: иначе чувство дружбы уйдёт через разговоры.

253

Неучтивость. — Неучтивость часто бывает признаком неловкой скромности, которая теряет голову от какой-нибудь неожиданности и пытается скрыть это грубостью.

254

Встречный расчёт на честность. — Когда мы о чём-то до поры умалчивали, первыми узнают о нём подчас именно наши самые недавние знакомые: при этом мы глупейшим образом думаем, будто проявление доверия с нашей стороны — крепчайшие оковы, которыми мы можем их сдержать, — но они-то знают о нас недостаточно, чтобы полностью оценить жертву, какую мы принесли своей откровенностью, и выдают наши тайны другим, не думая о предательстве, а мы, бывает, теряем из-за этого своих давних знакомых.

255

В приёмной расположенности. — Все люди, которых долго заставляют ждать в приёмной своей расположенности, начинают бродить или скисают.

256

Совет презираемым. — Если кто-то явно погрузился в пучины людского презрения, то в общении должен крепко держаться зубами за стыд: иначе он покажет другим, что упал и в собственном мнении. Цинизм в общении — признак того, что наедине с собою человек смотрит на себя как на собак.Игра слов: название греческой философской школы киников (циников) происходит от слова κύων (собака).

257

Порой облагораживает и неведение. — В смысле уважения тех, кто оказывает уважение, предпочтительнее намеренно не понимать некоторых вещей. Неведение тоже даёт преимущества.

258

Противники грации. — Люди нетерпимые и высокомерные не любят грацию, воспринимая её как зримый укор себе; ведь грация — это терпимость сердца в движении и жесте.

259

При встрече. — Когда старые друзья встречаются после долгой разлуки, часто бывает так, что они показывают себя заинтересованными вещами, к которым уже совершенно утратили всякий интерес: иногда оба это и замечают, но не отваживаются снять покрывало — из какого-то печального сомнения. Так рождаются разговоры словно в царстве мёртвых.

260

Выбирать трудолюбивых друзей. — Праздные люди опасны для своих друзей: ведь, не будучи достаточно занятыми, они обсуждают, чем заняты и чем не заняты их друзья, наконец вмешиваются в их дела и становятся обременительными. Поэтому умно поступит тот, кто будет вступать в дружбу только с трудолюбивыми.

261

Одно оружие вдвое сильнее, чем два. — Неравная битва завязывается, когда один отстаивает своё дело умом и душой, а другой — одним лишь умом: первый словно сражается с солнцем и ветром, и оба его оружия мешают друг другу; он теряет в цене — в глазах истины. Зато, правда, победа второго, одержанная с помощью его единственного оружия, редко приходится по сердцу всем другим зрителям и вызывает у них антипатию.

262

Глубина и муть. — Публика с лёгкостью путает того, кто ловит рыбу в мутной воде, с тем, кто черпает из глубины.

263

Показывать своё тщеславие друзьям и врагам. — Один из тщеславия терзает даже своих друзей, если рядом свидетели, которым он хочет продемонстрировать своё превосходство, — а другой преувеличивает значение своих врагов, чтобы с гордостью указать на то, что таких врагов достоин.

264

Охлаждение. — Нагревание сердца бывает обычно связано с болезнью ума и мышления. Кому на какое-то время становится важным здоровье последнего, тому следует знать о том, что́ он должен охладить — не заботясь о будущем сердца! Ведь если уж человек вообще способен к нагреванию, он непременно снова нагреется и обретёт своё лето.

265

О смешении чувств. — Женщины и эгоистичные художники испытывают к науке антипатию, составленную из зависти и сентиментальности.

266

В наибольшей опасности. — Покуда человек с трудом бредёт по жизни вверх, он редко ломает себе ноги, но опасность растёт для него, когда он начинает облегчать себе жизнь, выбирая более удобные пути.

267

Не слишком рано. — Нужно следить за тем, чтобы не стать острым слишком рано, — ведь в этом случае становишься заодно и слишком тонким.

268

Когда можно радоваться упрямству. — Хорошим воспитателям случается гордиться тем, что их воспитанники остаются верными себе им вопреки: это бывает, когда юноша не смеет понять мужчину или смог бы понять его только себе в ущерб.

269

Попытка быть честным. — Юноши, которые хотят стать более честными, чем были, ищут себе в жертву какого-нибудь общепризнанно честного человека и первым делом на эту жертву нападают, пытаясь бранью дотянуться до его высот, — а про себя лелеют мысль, что эта первая попытка, конечно же, не опасна: ведь не может же тот наказать за наглость человека честного.

270

Вечное дитя. — Мы думаем, будто сказка и игра принадлежат к миру детства: но как же мы наивны! Разве мы можем жить без сказки и игры хоть в каком-нибудь возрасте? Мы, правда, называем и ощущаем их иначе, но как раз это-то и свидетельствует о том, что оно — то же самое: ведь и ребёнок ощущает игру как свою работу, а сказку — как свою правду. Краткость жизни должна бы предостеречь нас от педантичного различения возрастов, словно каждый из них несёт с собою что-то новое, а какой-нибудь поэт — показать нам человека двухсот лет от роду, который и впрямь живёт без сказки и игры.

271

Всякая философия есть философия своего возраста. — Возраст жизни, в котором философ сформулировал своё учение, сказывается на этом последнем, и он не может тут ничего поделать, сколь бы поднявшимся над своей эпохой и моментом он себя ни чувствовал. Так философия Шопенгауэра остаётся зеркальным отражением горячей и меланхоличной юности — этот образ мыслей не для людей более зрелого возраста; так философия Платона ассоциируется с возрастом между тридцатью и сорока, когда обыкновенно горячее и холодное течения с силой сталкиваются друг с другом, вызывая к жизни водяную пыль и лёгкие облачка пара, а при благоприятных условиях и солнечных лучах — очаровательную радугу.

272

О женском уме. — Умственные способности женщин лучше всего проявляются в том, что из любви к мужчине и его уму они приносят в жертву свой собственный ум, но несмотря на это, у них тотчас вырастает второй ум — в той изначально чуждой им области, в которую их влечёт умственный склад мужчины.

273

Возвышение и унижение в сфере пола. — Буря страстей иногда увлекает мужчину на высоту, где смолкает всякая страсть: туда, где он действительно любит и живёт скорее более сильным бытием, чем более сильным желанием. А хорошая женщина, в свой черёд, нередко, испытывая настоящую любовь, нисходит к страсти и тем унижает себя в своих глазах. Главным образом последнее относится к числу наиболее трогательных вещей, которые может вызвать представление об удачном браке.

274

Женщина исполняет, мужчина обещает. — Женщиной природа показывает, с чем она уже управилась к этому моменту, работая над образом человека; мужчиной она показывает, что́ ей при этом надо ещё преодолеть, но ещё и всё остальное, что́ она задумала сделать с человеком. — Совершенная женщина каждой эпохи — праздность творца в каждый седьмой день культуры, отдых художника в работе над произведением.

275

Пересадка. — Если человек употребляет свой ум, чтобы стать хозяином над безудержностью аффектов, то тут возможен и досадный исход: безудержность переносится на ум и впредь бесчинствует в мышлении и жажде познания.

276

Смех как предательство. — Как и когда смеётся женщина, — это говорит о её образовании: но в звучании смеха её природа обнажается, а у очень образованных женщин обнажаются, возможно, даже последние не разрушенные остатки её природы. — Поэтому испытатель человеческой природы скажет, подобно Горацию, но по другой причине: ridete puellaeСмейтесь, девушки! (лат.).182.

277

Кое-что о юношеской душе. — В отношении одного и того же человека юноши проявляют то преданность, то заносчивость: ведь, по сути дела, они чтут и презирают в другом только себя, и им приходится колебаться между двумя этими чувствами в отношении себя самих, покуда они на опыте не найдут верную меру желаемого и возможного.

278

Об исправлении мира. — Если бы некогда предотвратили размножение недовольных, брюзжащих и ворчащих, то жизнь на земле, как по волшебству, теперь уже стала бы райским садом. — Это положение входит в учебник практической философии для женского пола.

279

Отринуть недоверие к чувству. — Женственное выражение, гласящее, что следует отринуть недоверие к своему чувству, означает не многим большее, чем максима: надо есть то, что нравится. Оно может быть также хорошим житейским правилом, особенно для натур умеренных. Но другие натуры должны жить по другому правилу: «Ты должен есть не только ртом, но и головой, чтобы не испортить себе способности лакомиться ртом».

280

Зверское озарение любви. — Всякая большая любовь несёт с собою лютую мысль — убить предмет любви, чтобы раз и навсегда спасти его от страшной игры перемен: ведь перемен любовь боится больше, чем уничтожения.

281

Двери. — Во всём, что он переживает, чему научается, ребёнок, так же как и взрослый, видит двери: но для него они — входы, а для взрослого — всегда только проходы.

282

Сердобольные женщины. — Женское сострадание, когда оно болтливо, выносит одр болезни на рыночную площадь.

283

Ранняя заслуга. — Тот, кто уже в юности добивается заслуги, обыкновенно забывает из-за этого о стыде перед старостью и старшими и тем самым, к своей величайшей невыгоде, исключает себя из общества людей зрелых, помогающих созреть, так что, несмотря на свою раннюю заслугу, дольше других остаётся зелёным, фамильярным и инфантильным.

284

Огульные души. — Женщины и художники думают, будто если им в чём-то не противоречат, то, значит, противоречить им в этом нельзя; полное почтение и молчаливое неодобрение, тоже полное, кажутся им несовместимыми, поскольку их души умеют принимать всё только огульно.

285

Молодые таланты. — С молодыми талантами нужно обращаться, строго следуя максиме Гёте, гласящей, что нередко не стоит наносить ущерб заблуждению, чтобы не нанести ущерба истине.См.: «Максимы и размышления», 149. Их состояние похоже на недомогания во время беременности и вызывает странные прихоти: эти их прихоти нужно по возможности удовлетворять и смотреть на них сквозь пальцы ради результата, которого от них ждут. Конечно, если уж ты — санитар, присматривающий за этими странными больными, ты должен знать толк в трудном искусстве добровольного самоуничижения.

286

Отвращение к правде. — Так уж устроены женщины, что всякая правда (о мужьях, любви, детях, обществе, смысле жизни) вызывает их отвращение, а потому они стараются мстить любому, кто открывает им глаза.

287

Источник большой любви. — Откуда берутся внезапные страстные чувства мужчины к женщине, глубокие, истинные? Меньше всего из одной только чувственности: но когда мужчина обнаруживает слитыми в одном существе слабость, нужду в помощи и одновременно шаловливость, в нём начинается такое, что душа его словно вот-вот выплеснется наружу, — в один и тот же миг он и растроган, и уязвлён. Из этой-то точки и бьёт источник большой любви.

288

Опрятность. — Нужно развивать у ребёнка вкус к опрятности, доводя его до страсти: позднее он, преображаясь всякий раз заново, возвысится чуть ли не до любой добродетели и в конце концов, будучи компенсацией за отсутствие таланта, даст как бы море света, состоящего из чистоты, умеренности, доброты, характера, — неся в себе счастье, излучая счастье.

289

О тщеславии старых мужчин. — Глубокомыслие принадлежит юности, ясность мысли — старости: и если, несмотря на это, старые мужчины иногда говорят и пишут в глубокомысленной манере, то делают это из тщеславия, думая, будто таким способом обретают прелесть юности, мечтательности, роста, полного предчувствий и надежд.

290

Как используют новое. — Мужчины пользуются только что усвоенным или пережитым как лемехом, а бывает, и как оружием; женщины же тотчас делают себе из него наряд.

291

Чувство своей правоты у мужчин и у женщин. — Если согласиться с женщиной в том, что она права, то она не откажет себе в удовольствии с торжеством попрать выю поверженного, — она должна насладиться своей победой; мужчина же в таком случае обыкновенно испытывает стыд перед другим мужчиной за то, что оказался прав. Зато мужчина привык побеждать, для женщины же такое переживание — исключение.

292

Самоограничение в жажде красоты. — Чтобы стать прекрасными, женщины не должны стремиться слыть хорошенькими: иными словами, в девяноста девяти случаях, когда они могли бы понравиться, им следует делать всё, чтобы не понравиться, дабы в одном только случае стяжать восхищение того, врата души которого достаточно велики для приёма чего-то великого.

293

Непонятливый, несносный. — Иной юнец не может понять, как это старший уже умудрился оставить за спиной свои восторги, утренние зори чувства, перипетии и взлёты мысли: ему обидно хотя бы представить себе, что они могут повторяться, — но полную его враждебность вызовет идея о том, что не быть ему плодотворным, если он не сбросит эти цветы, не лишится их аромата.

294

Партия с обиженным выражением лица. — Всякая партия, умеющая придавать своему лицу обиженное выражение, привлекает к себе сердца людей добродушных и в результате сама получает мину добродушия — к своей величайшей выгоде.

295

Утверждения надёжнее доказательств. — Утверждение воздействует сильнее, чем аргумент, — по крайней мере, на большинство людей; ведь аргументы возбуждают недоверие. Поэтому демагоги стараются защитить аргументы своих партий утверждениями.

296

Лучшие укрыватели краденого. — Всем людям, постоянно добивающимся успеха, свойственна глубоко коренящаяся в них хитрость: они неизменно преподносят свои ошибки и слабости как якобы свои сильные стороны — в силу чего создают впечатление, будто очень хорошо знают и понимают их.

297

Время от времени. — Он уселся у городских ворот и заявил человеку, который как раз через них проходил, что это — не что иное, как городские ворота. Тот отвечал: «Допустим, так оно и есть, но если хочешь, чтобы тебе сказали спасибо, вовсе не обязательно так явно показывать, что ты прав». «Да я и не жду никакой благодарности, — сказал первый; — но всё-таки время от времени бывает чертовски приятно не только быть правым, но и заставить других это признать».

298

Доблесть придумали не немцы. — Аристократизм и отсутствие зависти Гёте, благородный отшельнический пессимизм Бетховена, душевное изящество и грация Моцарта, непреклонная мужественность и обузданная законом свобода Генделя, углублённая внутренняя жизнь Баха, невозмутимая и просветлённая, которой даже не нужно отказываться от блеска и успеха, — разве всё это немецкие качества? — А если нет, то это по меньшей мере показывает, к чему немцы должны стремиться и чего они способны достичь.

299

Pia frausблагочестивая ложь (лат.). или что-то другое. — Я могу ошибаться, но мне кажется, что в нынешней Германии для каждого человека ежеминутным долгом сделался двойной вид ханжества: из имперско-политических опасений требуют немечества, а из страхов социального порядка — христианства, того и другого — лишь на словах и в плоскости жестов, но главным образом в способности молчать. И всё это — видимость, которая столь многого стоит, так дорого обходится; и всё это — зрители, ради которых нация корчит немецко-христианскую мину.

300

Насколько и в хорошем половина может быть больше целого. — Во всём, что организуется в расчёте на долгий срок и постоянно требует участия множества людей, что-то не слишком хорошее должно стать правилом, хотя организатору прекрасно известно и лучшее (а заодно более трудное): он, однако, рассчитывает на то, что никогда не будет недостатка в людях, способных соответствовать требованиям правила, — а он знает, что правило — это способности среднего уровня. — Юноши редко это понимают и потому, оказываясь в роли новичков, думают, будто они невесть как правы, и удивляются слепоте других.

301

Член партии. — Истинный член партии уже не учится — он только разузнаёт и судит: а вот Солон, никогда не бывший членом партии, но добивавшийся своей цели обок партий и над ними или вопреки им, характерным образом является отцом той скромной фразы, в которой выражаются здоровье и неисчерпаемые возможности Афин: «Я состарился, но не перестал учиться»См.: Солон, фр. 22, 7 (Diehl)..

302

Что, по Гёте, присуще немцам. — Только поистине невыносимые люди, в которых невозможно даже представить себе ничего хорошего, обладают свободой убеждений, не замечая, что у них нет свободы вкуса и ума. Но именно это, согласно хорошо взвешенному суждению Гёте, и присуще немцам.См.: «Максимы и размышления», 978. — Его голос и его пример указывают на то, что немцы должны быть чем-то большим, чем просто немцами, если хотят стать полезными или хотя бы выносимыми для других наций, — и в каком направлении им нужно двигаться, чтобы подняться над собою и выйти за свои пределы.

303

В каком случае следует остановиться. — Когда массы начинают бесчинствовать, а разум помрачается, лучше всего, если ты не вполне уверен в своём душевном здоровье, спуститься в подворотню и посмотреть, какая там на дворе погода.

304

Умы бунтарские и умы собственнические. — Единственное средство против социализма, какое ещё у вас осталось, таково: не дразнить его, иными словами, самим жить умеренно и скромно, всеми силами противиться демонстрациям изобилия и содействовать государству, когда оно облагает чувствительными налогами всяческие излишества и всё напоминающее роскошь. Не хотите такого средства? Тогда, богатые мещане, называющие себя «либеральными», вам остаётся только признать: то, что вы находите в социалистах столь страшным и угрожающим, а в себе самих считаете законным, будто там это что-то совсем другое, — не что иное, как ваш собственный глубинный образ мыслей. Если бы у вас, каковы вы сейчас, не было достатка и забот о его сохранении, то этот ваш образ мыслей сделал бы вас социалистами: вас отличает от них только собственность. И если вы хотите как-нибудь одолеть врагов своего благосостояния, то вам надо сначала победить самих себя. — Если бы это благосостояние и впрямь было благосостоянием! Тогда оно было бы не столь броским, не так вызывало бы зависть, оно было бы более открытым, благожелательным, более уравнивающим, покровительственным. Но фальшь и лицедейство ваших увеселений, состоящих больше в ощущении контраста (в ощущении, что другие их лишены и завидуют вам), чем в ощущении игры сил и роста сил, — ваши жилища, одежды, экипажи, витрины, потребности утробы и стола, ваше шумное восхищение оперными спектаклями и музыкой, наконец, ваши женщины, хорошо вылепленные и образованные, но из металла неблагородного, раззолочённые, но без золотого звона, выбранные вами как образцы для витрины и сами преподносящие себя как образцы для витрины: всё это сеющие заразу разносчики той народной болезни, которая нынче всё быстрее овладевает массами как социалистический душевный зуд, но которая впервые возникла и вызрела в вас. И разве кто-нибудь ещё сможет сейчас остановить эту чуму? —

305

Партийная тактика. — Когда какая-нибудь партия замечает, что прежний приверженец из безусловного подданного сделался условным, то это для неё настолько невыносимо, что, всячески провоцируя и оскорбляя его, она пытается довести его до полного отпадения, сделать его своим врагом: ведь она питает подозрение, что стремление видеть в её вероисповедании нечто относительно ценное, допускающее доводы за и против, взвешивание и отбрасывание, для неё более опасны, чем огульная вражда.

306

Об укреплении партий. — Тот, кто хочет укрепить свою партию изнутри, пусть предоставит ей повод претерпеть явную несправедливость: тем самым она обретёт чистую совесть, которой ей, возможно, прежде не хватало.

307

Заботиться о своём прошлом. — Люди по-настоящему уважают только всё возникшее в старину, прошедшее долгую историю — поэтому тот, кто хочет, чтобы память о нём не стёрлась после смерти, должен заботиться не только о грядущих поколениях, но ещё больше о прошлом: вот почему тираны всякого рода (в том числе тиранствующие художники и политики) любят чинить над историей насилие, дабы она предстала как подготовка и постепенное восхождение к ним самим.

308

Партийный писатель. — Удар литавр, которым молодой писатель снискал к себе такую симпатию на службе партии, для того, кто к ней не принадлежит, звучит, как звон цепей, и возбуждает скорее сострадание, чем восхищение.

309

Выступать против себя. — Наши последователи не прощают нам, когда мы выступаем против себя самих: ведь в их глазах это значит не только отвергнуть их любовь, но и скомпрометировать их разум.

310

Богатство — это опасность.Собственностью должен обладать лишь тот, у кого есть ум: иначе собственность становится общественно опасной. А собственник, не умеющий распорядиться свободным временем, которое может дать ему обладание собственностью, всегда будет продолжать стремиться к обладанию: это стремление становится его развлечением, его военной хитростью в битве со скукой. Так в конце концов из небольшой собственности, которой хватило бы человеку разумному, возникает настоящее богатство: и притом как блистательный результат умственной несамостоятельности и нищеты. Вот только кажется оно чем-то совсем другим, нежели позволяет ожидать его жалкое происхождение, поскольку умеет маскироваться образованием и искусством: точнее, оно умеет покупать себе эту маску. Этим оно возбуждает зависть у более бедных и необразованных — а они, в сущности, всегда завидуют образованности и в маске не видят маски, — и мало-помалу готовит социальный переворот: ведь раззолочённая грубость и лицедейское чванство в мнимом «потреблении культуры» внушают социалистам мысль о том, что «всё дело только в деньгах», — в то время как, разумеется, от денег зависит кое-что, но куда большее зависит от ума.

311

Радость приказывать и подчиняться. — Приказывать доставляет такую же радость, как и подчиняться, — первое, когда оно ещё не превратилось в привычку, второе, наоборот, когда оно вошло в привычку. Старые слуги среди новых начальников невольно помогают друг другу испытывать радость.

312

Честолюбие безнадёжного дела. — Есть честолюбие безнадёжного дела, заставляющее партию идти на крайний риск.

313

Когда без ослов не обойтись. — Толпу можно довести до кликов «осанна», только въехав в город верхом на осле.

314

У партий в обычае. — Каждая партия старается выставить чем-то незначительным то значительное, что явилось на свет не в ней самой; а если уж это у неё не получается, то она нападает на значительное тем более ожесточённо, чем более оно превосходно.

315

Опустошение. — По мере того как человек посвящает себя текущим делам, от него остаётся всё меньше. Поэтому великие политики могут сделаться людьми абсолютно пустыми, хотя некогда были полными и богатыми.

316

Желанные враги. — Социалистические порывы нынче всё же скорее возбуждают у династических правительств симпатию, чем страх, потому что благодаря им эти правительства получают в свои руки право и меч для экстраординарных мер, а уж с их помощью могут покарать настоящие свои пугала — демократов и антидинастические движения. — Ко всему, что такие правительства публично ненавидят, они теперь питают тайную приязнь и задушевные чувства: ведь им приходится скрывать своё подлинное нутро.

317

Владение овладевает. — Владение собственностью делает человека более независимым, свободным лишь до известной степени; один шаг дальше — и владение становится хозяином, владелец — рабом: он должен приносить в жертву владению своё время, свои раздумья и отныне чувствует себя обязанным вступать в отношения, пригвождённым к месту, принадлежащим государству: и всё это, возможно, вопреки своей глубочайшей и главнейшей потребности.

318

О господстве знающих. — Легко, до смешного легко представить образчик для выбора какой-нибудь законодательной коллегии. Сначала честные и заслуживающие доверия люди этой страны, а одновременно — мастера и знатоки в каком-нибудь деле, должны, разузнавая друг о друге и признавая друг друга, произвести конкурсный отбор: а из их более узкого круга, в свой черёд, должны выбрать друг друга специалисты и сведущие люди первого ранга в каждой отдельной отрасли, опять-таки путём взаимного признания и поручительства. Если они образуют законодательную коллегию, то, наконец, в каждом отдельном случае решающими должны быть только голоса и суждения самых сведущих специалистов, а честность всех остальных — достаточно велика, став просто делом приличия, чтобы предоставить голосование по этим вопросам тоже лишь им: тогда закон в строжайшем смысле слова возник бы из разума наиболее разумных. — Нынче голосуют партии: и в любом голосовании должны участвовать сотни людей с очень нечистой совестью — с нечистой совестью плохой осведомлённости, неспособности строить заключения, стремления повторять за другими, несамостоятельности мышления, желания плыть по течению. Ничто не унижает достоинство любого нового закона так, как эта стойкая краска стыда за нечестность, которую вызывает всякое партийное голосование. Но, как уже сказано, легко, до смешного легко представить образчик чего-то подобного: нет сейчас в мире власти, достаточно сильной, чтобы провести в жизнь что-нибудь получше, — пусть даже вера в высшую полезность науки и людей науки осенит, наконец, и самых упрямых, количественно превзойдя господствующую нынче веру. Пусть дух такого будущего и выразит наш лозунг: «Больше почтения знающим! И долой все партии!»

319

О «народе мыслителей» (или плохого мышления). — Неясность, незавершённость, склонность к предчувствиям, ко всему элементарному, интуитивному (если вещи неясные неясно же и выразить), то, что говорят о немецком характере, — если бы и впрямь ещё существовало, служило бы доказательством того, что немецкая культура отстала на много шагов и всё ещё остаётся в русле и в атмосфере средневековья. — Правда, в такой отсталости заключены и кое-какие преимущества: обладая этими качествами — если, повторю, они ещё ими действительно обладают, — немцы были бы способны на некоторые вещи, и главным образом на понимание некоторых вещей, для понимания которых другие нации потеряли всякую способность. И многое, несомненно, утрачивается, когда утрачивается нехватка разумности — то есть именно то общее, что входит во все названные качества: но тут нет и никакой потери без величайшего ответного выигрыша, так что нет и никакой причины для стенаний — конечно, если мы не хотим, подобно детям и лакомкам, одновременно наслаждаться плодами всех времён года.

320

Лить воду в колодец. — Правительства крупных государств имеют в своём распоряжении два средства держать свои народы в зависимости от себя, в страхе и послушании: более грубое — армию и более мягкое — школу. С помощью первого они привлекают на свою сторону честолюбие высших и силу низших слоёв общества, насколько те и другие обычно располагают энергичными и крепкими мужчинами средних и низших способностей: а с помощью второго средства они получают одарённую бедноту, в особенности взыскательную в умственном отношении полубедноту средних сословий. Прежде всего из учителей всех рангов они делают интеллектуальных придворных, ориентирующихся на «верхи»: вставляя палку за палкой в колёса частной школы, не говоря уж о вовсе неугодном частном воспитании, они обеспечивают себе распоряжение весьма значительным числом учительских мест, на которые неизменно устремлены взоры голодных и преданных глаз, числом наверняка раз в пять больше, чем имеется свободных мест. Но эти должности могут давать своим обладателям лишь скудное пропитание: поэтому у них постоянно держится лихорадочная жажда продвижения, ещё прочнее привязывая их к целям правительства. Ведь поддержание умеренного недовольства всегда выгоднее, чем удовлетворённости, этой матери мужества, бабушки свободомыслия и задиристости. При помощи этого телесно и умственно приручённого учительского сословия вся молодёжь страны по возможности поднимается на некоторую высоту образованности, полезную для государства и целесообразно ранжированную: но прежде всего на незрелые и честолюбивые умы во всех сословиях почти незаметно распространяется образ мыслей, подразумевающий, что только признанное и одобренное государством направление жизни сразу же влечёт за собою общественное отличие. Воздействие этой веры в государственные экзамены и звания заходит так далеко, что даже независимые, поднявшиеся благодаря торговле или ремеслу мужчины чувствуют в душе укол неудовлетворённости до тех пор, пока и их место в обществе не будет замечено и признано свыше благосклонным дарованием рангов и орденов, — пока будет «не стыдно выйти на люди». Наконец, государство связывает все эти сотни и тысячи принадлежащих ему должностей и доходных мест обязательством получать образование и аттестаты в государственных школах, если они хотят когда-нибудь попасть на эти места: общественный почёт, кусок хлеба, возможность завести семью, защита со стороны властей, чувство общности получивших одинаковое образование — всё это образует сеть чаяний, в которую попадает каждый молодой человек: так откуда же возьмётся у него недоверие? А если напоследок обязанность несколько лет послужить в армии и вовсе станет для каждого, по смене двух-трёх поколений, автоматической привычкой и условием, на которое человек с юных лет ориентирует свои жизненные планы, то государство может отважиться даже на мастерский трюк — через выгоды переплести друг с другом школу и армию, способности, честолюбие и силу, то есть, предоставляя более благоприятные условия, приманивать в армию более способных и образованных и внушать им воинский дух восторженного послушания, чтобы они, возможно, так и остались на военной службе и заслужили своим дарованием новую, ещё более светлую славу. — Тогда для больших войн будет не хватать только одного — повода: а уж об этом профессионально, то есть с совершенно невинным видом, похлопочут дипломаты вместе с газетами и биржами. Ведь у «нации», если она — нация солдат, во время войны всегда чистая совесть, её даже не надо ей заранее внушать.

321

Пресса. — Если подумать, что и сейчас все великие политические процессы тайком и скрытно прокрадываются на представление, что они заслоняются незначительными событиями и рядом с ними кажутся мелкими, что их глубинное воздействие сказывается и сотрясает почву лишь спустя много времени после того, как они прошли, — то какую же роль следует признать тогда за прессой, нынешней прессой с её ежедневным истошным воплем, призванным перекричать, поразить, ужаснуть, — не равна ли она просто перманентному отвлекающему шуму, ориентирующему слух и умы людей в ложном направлении?

322

После великого события. — Народ и человек, чьи души вышли на яркий свет во время великого события, обычно чувствует после этого потребность в ребячестве или в жестокости, как из стыда, так и для того, чтобы прийти в себя.

323

Быть хорошим немцем значит перестать им быть. — То, в чём усматривают национальные различия, есть нечто большее, чем понималось до сих пор, — а именно, это различие между разными ступенями культуры и в минимальной степени — что-то неизменное (да и то не в строгом смысле слова). Поэтому всякая аргументация, исходящая из национального характера, столь мало обязательна для того, кто работает над пересозданием убеждений, то есть над культурой. Если, к примеру, задуматься над тем, что уже было немецким, то теоретический вопрос: «Что является немецким?»Вероятно, подразумевается статья Р. Вагнера с таким названием, вышедшая в «Байройтских листках» в феврале 1878. тотчас должен быть поправлен встречным вопросом: «Что является немецким сейчас?», — и любой хороший немец разрешит его на практике, а именно преодолевая свои немецкие качества. Ведь когда народ идёт вперёд и растёт, он всякий раз разрывает на себе пояс, дотоле придававший ему национальный вид: но если он остаётся в прежнем виде, отстаёт в росте, то его душу охватывает ещё один пояс; всё больше застывающая корка как бы выстраивает вокруг него темницу, стены которой постоянно растут. Стало быть, если в народе есть так много жёсткого, неизменного, то это говорит о том, что он стремится окаменеть и целиком и полностью хотел бы превратиться в памятник: это в определённый исторический момент и произошло с египтянами. Поэтому тот, кто желает немцам блага, должен подумать о том, как ему самому всё больше расти за пределы того, что является немецким. Вот почему поворот в сторону не немецкого всегда был признаком всех дельных людей нашего народа.

324

Суждения иностранца. — Один иностранец, путешествовавший по Германии, вызывал к себе антипатию и симпатию некоторыми своими мнениями в зависимости от местности, в которой останавливался. Все умные швабы, говаривал он, кокетливы. — Но другие швабы всё ещё полагали, что Уланд был поэт, а Гёте был безнравственным. — Самое большое достоинство немецких романов, получивших нынче известность, говорил он, состоит в том, что их не надо читать: их содержание уже и так известно. — Берлинцы-де кажутся более добродушными, чем южные немцы, потому что уж слишком насмешливы, а потому сносят насмешки и сами: а у южан такого не найдёшь. — Ум немцев подавляется, по его мнению, их пивом и газетами: он-де рекомендует им чай и памфлеты, разумеется, в виде лечения. — Присмотримся, советовал он, к различным народам состарившейся Европы на предмет того, как каждый из них с особым достоинством выставляет напоказ определённое качество старости, к удовольствию тех, что сидят перед этой великою сценой: как удачно представляют французы присущие старости благоразумие и любезность, англичане — её опытность и сдержанность, итальянцы — невинность и непринуждённость. Куда же девались другие маски старости? Где старость высокомерная? Где — властолюбивая? Где — алчная? — Самая опасная местность в Германии, по его мнению, — Саксония и Тюрингия: нигде нет большей умственной подвижности и знания людей наряду со свободомыслием, и всё это так скромно прикрыто ужасным языком и истовой услужливостью тамошних жителей, что и не замечаешь: ведь они — интеллектуальные фельдфебели Германии и её наставники в хорошем и в плохом. — Высокомерие северных немцев, говорил он, сдерживается их склонностью к послушанию, южных — склонностью к уюту. — Далее, ему показалось, что немецкие женщины достались немецким мужчинам в качестве домохозяек, неумелых, но очень самоуверенных: они-де так упорно говорят о себе только хорошее, что чуть ли не весь мир и уж во всяком случае их мужья убеждены в существовании специфически немецкой доблести домохозяек. — Когда разговор затем переходил к немецкой внешней и внутренней политике, он имел обыкновение рассказывать — в его устах это звучало как «выдавать», — что величайший государственный деятель Германии не верит в великих государственных деятелей. — Будущее немцев он нашёл опасным для них и для других: ведь они разучились радоваться (что так хорошо удаётся итальянцам), зато в результате великой карточной игры войн и династических революций приучились к эмоции, а, значит, в один прекрасный день у них будет восстаниеИгра слов: для «восстания» Ницше использует французское слово «emeute», этимологически связанное со словом «emotion».. Ведь это последнее-де — самая сильная эмоция, какую может раздобыть себе народ. — Потому-то, по его словам, немецкие социалисты — самые опасные из всех: ведь ими не движет никакая определённая нужда; их недуг — не знать, чего они хотят; поэтому, даже добиваясь больших успехов, они будут томиться от жажды и в самом наслаждении, совсем как Фауст, хотя, вероятно, как Фауст очень плебейский. «Ведь Фауста-дьявола, — воскликнул он напоследок, — которым были так измучены образованные немцы, Бисмарк из них изгнал: тогда дьявол вселился в свинейСм.: Мф. 8, 32. и стал хуже, чем когда бы то ни было.»

325

Мнения. — Подавляющее большинство людей суть ничтожества и считаются ничтожествами, покуда облачаются в общепринятые убеждения и публичные мнения согласно философии портных: платье делает человека. А о людях-исключениях нужно говорить: платье создаёт тот, кто его носит; мнения тут перестают быть публичными и становятся чем-то иным, нежели маски, уборы и облицовки.

326

Два рода трезвости. — Чтобы не путать трезвость от умственной усталости с трезвостью из сдержанности, надо обратить внимание на то, что первой свойственно скверное настроение, а второй — радостное.

327

Поддельная радость. — Не одобрять вещь ни днём больше, чем она кажется нам доброй, но прежде всего — ни днём раньше, — вот единственный способ поддерживать в себе подлинную радость: иначе она слишком легко становится пресной и гнилой на вкус, а в наше время относится к поддельным продуктам питания для целых слоёв народа.

328

Козёл добродетели. — Во всём наилучшем, что делает человек, другие, благоволящие ему, но не доросшие до его дела, немедля начинают искать какого-нибудь козла, чтобы принести его в жертву, думая, будто это козёл отпущения, — но это козёл добродетели.

329

Суверенность. — Чтить даже плохое и признавать свою связь с ним, если оно нравится, не имея никакого понятия о том, как можно стыдиться того, что доставляет удовольствие, — вот признак суверенности в большом и в малом.

330

Воздействие — фантом, а не действительность. — Человек значительный мало-помалу усваивает, что когда он оказывает воздействие, то оказывается фантомом в головах других людей и, возможно, подвергает себя изощрённой душевной пытке — задавать себе вопрос, не стоит ли ему поддерживать существование этого своего фантома ради блага ближних.

331

Брать и давать. — Когда у человека отнимают (или выхватывают перед его носом) пустяк, он не замечает, что ему дали куда большее, а может, и самое большое.

332

Быть хорошим землепашцем. — Всякое отклонение и отрицание говорит о нехватке плодотворности: в сущности, если бы мы только были хорошей пашней, у нас всё шло бы в дело без остатка, и в любой вещи, в любом событии или человеке мы видели бы желанные удобрения, дожди или тёплые лучи солнца.

333

Общение как наслаждение. — Если человек с чувством отрешённости в душе намеренно держится одиночества, то благодаря этому он может сделать редкое удовольствие от общения с людьми изысканным лакомством для себя.

334

Уметь страдать на людях. — Надо афишировать своё злополучье и время от времени вздыхать так, чтобы было слышно вокруг, лить слёзы так, чтобы было видно: ведь если показывать другим, как ты уверен в себе и счастлив несмотря на боль и лишения, то спровоцируешь их на зависть и злобу! — А нам следует заботиться о том, чтобы не портить своих ближних; да и, кроме того, в названном случае они заставили бы нас жестоко поплатиться, так что если мы выносим свои страдания на публику, то это в любом случае даёт нам и личные выгоды для себя.

335

Теплота вершин. — На вершинах теплее, чем полагают внизу, и особенно теплее зимой. Мыслящим людям понятно, что означает эта парабола.

336

Хотеть доброго, уметь прекрасное. — Делать добро — этого ещё недостаточно, нужно иметь желание делать добро и, по выражению поэта, воспринять Божество в свою волюШиллер, стихотворение «Идеал и жизнь» (1795).. Но прекрасного хотеть нельзя, надо уметь его, в невинности и слепоте, без всякой душевной жажды новизны. Кто зажигает свой фонарь, чтобы найти совершенных людей, пусть обращает внимание на такой вот признак: это те, которые всегда действуют ради добра и при этом всегда создают что-то прекрасное, не думая об этом. Множество людей превосходных и благородных со всей их доброй волей и всеми их добрыми делами по неспособности и нехватке прекрасной души неизменно выглядят безотрадно и безобразно; их вид отталкивает и вредит самой добродетели из-за отвратительных одеяний, которыми облекает её их скверный вкус.

337

Опасность для отрешившихся. — Надо остерегаться строить свою жизнь на слишком узкой основе алчности: ведь если отказывать себе в радостях, которые несут с собою должности, знаки почёта, связи, чувственные наслаждения, комфорт, искусства, то наступит день, когда ты увидишь, что вместо мудрости в результате отречения получил в соседи пресыщенность жизнью.

338

Окончательное мнение о мнениях. — Следует либо скрывать свои мнения, либо скрываться за своими мнениями. Кто поступает иначе, тот не умеет жить или принадлежит к ордену святых сорвиголов.

339

«Gaudeamus igitur»«Итак, будем веселиться!» (лат.).. — Радость, верно, даёт освежающие и исцеляющие силы и для нравственной природы человека: иначе почему душа наша, нежась в солнечных лучах радости, невольно решается «быть доброй» и «достичь совершенства», и при этом её охватывает, подобно трепету блаженства, предчувствие совершенства?

340

Когда тебя хвалят. — Пока тебя хвалят, думай только о том, что ты ещё не на своей собственной дороге, а на дороге того, кто хвалит.

341

Любовь к мастеру. — Подмастерье любит мастера так, мастер мастера — иначе.

342

Слишком прекрасное и человеческое. — «Природа слишком прекрасна для тебя, несчастного смертного» — такое чувство встречается в людях нередко: но несколько раз, пристально созерцая всё человеческое, его полноту, силу, нежность, сложность, я испытывал чувство, будто должен со всем смирением заявить: «Да и человек слишком прекрасен для того, кто его рассматривает!» — причём не только человек нравственный, а всякий.

343

Подвижная собственность и латифундия. — Если жизнь обошлась с человеком прямо-таки как грабитель и, сколько могла, отняла у него честь, радость, близких, здоровье, имущество любого рода, то, возможно, задним числом, после первого испуга, он обнаружит, что стал богаче, чем дотоле. Ведь только теперь он и узнает, какая собственность принадлежит ему настолько, что ни один грабитель и пальцем до неё не сможет дотронуться: тогда, возможно, он выйдет из любого грабежа и смятения с гордо поднятой головою крупного латифундиста.

344

Невольно возникающие идеальные образы. — Самое неловкое чувство, какое бывает на свете, — обнаружить, что тебя неизменно принимают за нечто более возвышенное, чем ты есть. Ведь надо признаться себе в том, что нечто в тебе — ложь и обман: твои слова, выражение лица, жесты, взгляды, действия, и это обманчивое нечто, столь же неизбежное, как и твоя честность во всём остальном, мало-помалу упраздняет её действующую силу и ценность.

345

Идеалист и лжец. — Нельзя давать в себе воли и самому утончённому удовольствию — возведению вещей в идеал: иначе в один прекрасный день истина покинет нас с проклятьем на устах: «Ты лжец с головы до ног, я и знать тебя не желаю!»

346

Быть превратно понятым. — Когда тебя превратно понимают в целом, невозможно окончательно устранить какое-нибудь отдельное недоразумение. Это надо понимать, если не хочешь тратить лишних сил на свою защиту.

347

Слова трезвенника. — Пей себе своё вино, услаждавшее тебя всю жизнь, — какое тебе дело до того, что мне приходится быть трезвенником? Разве вино и вода — не миролюбивые, братские стихии, уживающиеся без перекоров?

348

В стране людоедов. — В одиночестве одинокий пожирает сам себя, на людях его пожирают люди. Вот и выбирай.

349

В точке замерзания воли. — «В конце концов он когда-нибудь всё же наступит — тот час, который укутает тебя золотым облаком безбольности, когда душа наслаждается собственной усталостью и в терпеливой игре со своим терпением уподобляется морским волнам, что плещутся о берег тихим летним днём, в отблесках цветного вечереющего неба, плещутся и снова стихают — без конца, без цели, без утоления, без нужды, — вся покой в радости от перемен, вся прилив и отлив в пульсирующей жизни природы.» Так чувствуют и говорят все больные: но как только этот час для них настаёт, так, после кратковременного наслаждения, приходит скука. Однако эта скука — тёплый ветер для заледеневшей воли: воля пробуждается, шевелится и снова рождает одно желание за другим. — Испытывать желания — вот первый признак выздоровления или улучшения.

350

Отвергнутый идеал. — В виде исключения бывает, что человек достигает вершин лишь после того, как отвергнет свой идеал: ведь прежде этот идеал подгонял его слишком быстро, так что он всякий раз сбивался с дыхания и невольно останавливался в середине пути.

351

Предательская склонность. — Признак человека завистливого, но стремящегося подняться выше, возьмём себе это на заметку, — что его притягивает мысль, будто в столкновении с другим, превосходящим его, есть только один выход — любовь.Ср. Гёте, «Максимы и рефлексии», 45: «Перед лицом большого превосходства есть только одно спасительное средство — любовь».

352

Лестничное счастье. — Как остроумие иных людей не поспевает за случаем, так что случай уже ускользнул в дверь, а остроумие всё ещё стоит на лестнице, — так у других людей встречается своего рода лестничное счастье, бегущее слишком медленно, чтобы всегда поспевать за быстротекущим временем: лучшее, чем они могут насладиться от какого-нибудь переживания, от целого этапа жизни, выпадает им на долю лишь долгое время спустя, нередко лишь как слабый пряный аромат, пробуждающий тоску и печаль, — как будто когда-нибудь можно было как следует напиться в этой стихии. Но теперь слишком поздно.

353

Пунктики. — Если у человека есть несколько пунктиков, это ещё не признак его умственной незрелости.

354

Сидеть с победоносным видом. — Если ты хорошо сидишь на лошади, то противник теряет мужество, зритель отдаёт тебе своё сердце — так зачем же ещё и нападать? Сиди себе, как человек, одержавший победу!

355

Опасность восхищения. — Слишком сильно восхищаясь чужими добродетелями, можно утратить вкус к своим собственным, а в конце концов, по неопытности, утратить и их самих, а чужие как замену своим не сохранить.

356

Польза от слабого здоровья. — Кто часто болеет, тот не только из-за частых выздоровлений куда больше наслаждается здоровьем, но и обладает в высшей степени обострённым чутьём на всё здоровое и болезненное в произведениях и поступках, своих и чужих: поэтому, к примеру, именно хворые писатели — а почти все великие, увы, среди них — обычно выдерживают в своих сочинениях много более уверенный и ровный тон здоровья, ведь они лучше, чем люди крепкие телом, знают философию душевного здоровья и выздоровления, а также её наставников: предполуденного часа, солнечного света, леса и родника.

357

Измена, условие мастерства. — Тут уж ничего не поделаешь: у каждого мастера есть лишь один ученик — да и тот ему изменяет: ведь ему тоже суждено стать мастером.

358

Никогда не бывает напрасным. — На горы истины ты никогда не взбираешься напрасно: либо уже сегодня ты подымешься ещё выше, либо укрепишь силы, чтобы подняться выше завтра.

359

За мутным стеклом. — Неужели та часть мира, которую вы видите через это окно, так прекрасна, что вы ни за что не желаете смотреть в любое другое, — и, мало того, даже пытаетесь воспрепятствовать в этом другим людям?

360

Признак больших перемен. — Когда человек обращается в мечтах к давно забытым или умершим, то это знак того, что он пережил большую перемену в себе и что почва, на которой он живёт, полностью перерыта: тогда воскресают мёртвые, а наша старина становится новью.

361

Лекарство для души. — Лежать в покое и мало думать — общедоступное лекарственное средство для всех болезней души, и если ты применяешь его добросовестно, то оно час от часу становится только приятнее.

362

К иерархии умов. — Много ниже другого тебя ставит то, что ты стараешься устанавливать исключения, а он — правило.

363

Фаталист. — Ты должен верить в фатум — к этому тебя может принудить наука. А уж что вырастет в тебе из этой веры — трусость и смирение или величие и прямодушие, — будет свидетельствовать о той почве, в какую было посеяно то семя, но не о самом семени: ведь оно может стать чем угодно.

364

Причина большой досады. — Тот, кто всю жизнь красивое предпочитает полезному, в конце концов, словно ребёнок, предпочитающий пирожные хлебу, испортит себе желудок и будет глядеть на окружающее с кислой миной.

365

Избыточность как лекарство. — Собственное дарование можно снова сделать для себя привлекательным, долгое время сверх всякой меры почитая противоположное и наслаждаясь им. Пользоваться избыточностью как лекарством — один из самых утончённых приёмов в искусстве жить.

366

«Желай подлинного я». — Натуры деятельные и успешные действуют не согласно изречению «познай себя», а так, словно ощущают неслышный приказ: «Желай подлинного я — и станешь подлинным я». — Судьба, кажется, всё ещё предоставляет им выбор; а вот натуры недеятельные и созерцательные размышляют о том, как они сделали свой единственный выбор, вступая в жизнь.

367

Жить по возможности без последователей. — Как мало должны значить последователи, понимаешь лишь после того, как перестаёшь быть последователем своих последователей.

368

Облечься мрачностью. — Нужно уметь облекаться мрачностью, чтобы избавляться от комариных роёв слишком назойливых почитателей.

369

Скука. — Есть скука, какую терпят умы самые утончённые и образованные, — лучшее, что предлагает земля, потеряло для них всякий вкус: привыкнув вкушать лишь изысканные и всё более изысканные блюда, а от более грубых воротить нос, они оказываются в опасности умереть с голоду. Ведь отборное встречается крайне редко, а подчас оно недоступно или уже сделалось чёрствым, как камень, так что его не разгрызть и самым крепким зубам.

370

Опасность восхищения. — Восхищение каким-нибудь качеством или искусством может достичь в нас такой силы, что будет удерживать нас от стремления им обладать.

371

Чего ждут от искусства. — Один посредством искусства хочет наслаждаться собою, другой с его помощью хочет на время подняться над собой, выйти за свои пределы. Двум этим потребностям отвечают два рода искусства и художников.

372

Измена. — Тот, кто нам изменяет, возможно, не оскорбит нас этим, но уж точно оскорбит этим наших последователей.

373

После смерти. — Обыкновенно мы лишь спустя долгое время после смерти человека обнаруживаем, что его не хватает: если это люди безусловно великие, то, бывает, лишь спустя десятилетия. Кто честен, тот обычно думает на похоронах, что на самом деле потеря не так уж и велика, а оратор, произносящий надгробную речь, — ханжа. Лишь нужда внушает, что ушедший нам нужен, а истинная эпитафия ему — запоздалый вздох.

374

Оставить в Аиде. — Множество разных вещей следует оставлять в Аиде полуосознанных ощущений и не стремиться вызволять из их призрачного существования, ведь иначе они в качестве мысли и слова станут нашими демоническими хозяевами, люто жаждая нашей крови.

375

Под угрозой нищенства. — Даже самый богатый ум, бывает, теряет ключ от комнаты, где хранятся накопленные им сокровища, и тогда ничем не отличается от последнего бедняка, вынужденного попрошайничать ради сохранения своей жизни.

376

Цепной мыслитель. — Человеку, много мыслившему, всякая новая мысль, которую он услышит или прочтёт, тотчас предстаёт в виде цепи.

377

Сострадание. — В золочёных ножнах сострадания порою прячется клинок зависти.

378

Что такое гениальность. — Стремление к высокой цели и к средствам её достижения.

379

Тщеславие борцов. — Кто потерял надежду победить в схватке или уже явно повержен, тем сильнее жаждет, чтобы зрители восхищались его манерой борьбы.

380

Жизнь философа толкуется превратно. — В тот самый миг, когда человек начинает принимать философию всерьёз, все думают об этом прямо противоположное.

381

Подражание. — Подражая, плохое зарабатывает авторитет, а хорошее его теряет, — особенно в искусстве.

382

Последний урок истории. — «Эх, если б я жил в те времена!» — это речи людей глупых и несерьёзных. Напротив, серьёзно рассмотрев каждый этап истории, пусть даже это обетованный край былого, надо в конце концов воскликнуть: «Только бы оно не повторилось! Дух той эпохи стал бы давить на тебя весом в сотню атмосфер, ты не смог бы усвоить её добрые и прекрасные стороны, не смог бы переварить всё плохое в ней». — Потомки наверняка будут точно так же судить о нашей эпохе: она-де невыносима, а жить в ней было невозможно. — Но ведь всё-таки каждый человек выдерживает жизнь в своей эпохе? — Да, и притом потому, что дух его эпохи не только лежит на нём, но и заключён в нём самом. Дух эпохи сам себе оказывает сопротивление, сам себя и поддерживает.

383

Великодушие как маска. — Великодушным поведением люди ожесточают своих врагов, завистью, которую дают заметить, почти замиряют их: ведь зависть уравнивает, ставит на одну доску, зависть — вынужденная и ноющая разновидность скромности. — Не применялась ли там и сям, ради упомянутого преимущества, зависть как маска — теми, кто не были завистниками? Возможно; но великодушное поведение определённо нередко используется как маска зависти — людьми честолюбивыми, которые предпочтут потерпеть ущерб и нарочно ожесточить своих врагов, чем дадут заметить, что в душе они стали с ними на одну доску.

384

Непростительно. — Ты дал ему повод проявить великодушие, а он им не воспользовался. Этого он тебе никогда не простит.Ср. в письме Г. Кезелицу: «Прекрасную возможность проявить благородство натуры Вагнер оставил неиспользованной». (Ф. Ницше. Письма. М., 2007. С. 145).

385

Тезисы-антиподы. — Самое старческое, что когда-либо мыслилось о человеке, заключается в знаменитом тезисе «“Я” всегда достойно ненависти»Паскаль. «Мысли». Часть первая. Гл. II, 4, 136: «Пристрастие к собственному “я” заслуживает ненависти».; самое детское — в ещё более знаменитом «Возлюби ближнего своего, как себя самого». — В одном знание людей уже прекратилось, в другом ещё и не начиналось.

386

Отсутствующие уши. — «Покуда человек всегда перекладывает вину на других, он ещё плебей; человек на пути мудрости, если всегда берёт ответственность на себя; мудрый же не винит никого, ни себя, ни других.» — Кто это говорит? — Эпиктет, восемнадцать столетий тому назад. — Это расслышали, но позабыли. — Нет, этого не расслышали и не позабыли: не всякая вещь забывается. Просто не было ушей, чтобы расслышать это, ушей Эпиктета. — Так, значит, он сказал это для собственных ушей? — Так оно и есть: мудрость — это шушуканье одинокого с самим собою на многолюдном рынке.

387

Изъян точки зрения, а не глаз. — Человек всегда видит себя с расстояния на несколько шагов ближе, чем надо, а ближнего — на несколько шагов дальше, чем надо. Поэтому и получается, что о нём он судит чересчур огульно, а о себе самом — слишком ревностно принимая в расчёт отдельные случайные и незначительные черты и происшествия.

388

Вооружённое невежество. — С какою лёгкостью мы предполагаем, что кто-то разбирается в чём-то или не разбирается, — в то время как он панически боится уже одной мысли, что его сочтут в этом деле невежей. Мало того, встречаются исключительные дураки, постоянно расхаживающие с колчаном, полным анафем и приказов, и готовые застрелить всякого, кто даст понять, что есть вещи, в которых тот ничего не смыслит.

389

За пиршественным столом опыта. — Лица, которые из врождённой умеренности любой стакан оставляют наполовину недопитым, не хотят признать, что у каждой вещи в мире есть своё дно и свои подонки.

390

Певчие птицы. — Последователи великих людей обычно ослепляют себя, чтобы лучше петь свои хвалы.

391

Не доросшие. — Хорошее нам не нравится, если мы до него не доросли.

392

Правило как мать или как дитя. — Одно дело — положение, порождающее правило, другое — им порождаемое.

393

Комедия. — Подчас мы пожинаем любовь и честь за дела или творения, которые мы уже давным-давно сбросили с себя, словно кожу: тогда мы с лёгкостью поддаёмся соблазну разыгрывать из себя комедиантов собственного прошлого и снова натягивать на себя старую шкуру — и не только из тщеславия, но и из расположенности к нашим поклонникам.

394

Ошибка биографов. — Малую силу, которая нужна, чтобы столкнуть челнок в реку, не следует путать с силой самой реки, отныне несущей челнок: однако так поступают авторы почти всех жизнеописаний.

395

Покупать не слишком дорого. — То, что куплено за слишком дорогую цену, обычно и используют плохо, поскольку делают это без любви и с заставляющей краснеть памятью, — вот и несут от этого двойной ущерб.

396

Какая философия всегда нужна обществу. — Столп общественного порядка зиждется на том основании, что каждый весело смотрит на то, что он есть, что делает и к чему стремится, на своё здоровье или болезнь, бедность или состоятельность, видное или скромное положение, испытывая при этом ощущение «а всё-таки я не поменяюсь местами ни с кем». — Тому, кто рассчитывает на общественный порядок, надо только постоянно вселять в души эту философию весёлого отказа от обмена и отсутствия зависти.

397

Признаки благородной души. — Благородная душа — не та, что способна на высочайшие порывы, а та, что поднимается и падает не намного, но всегда живёт в более открытых и пронизанных лучами воздухе и высоте.

398

Великое и его зритель. — Наиболее ценное воздействие великого состоит в том, что оно даёт зрителю глаза, которые увеличивают и сообщают увиденному завершённость.

399

Ограничивать себя. — Достигнутая человеком зрелость ума выражается в том, что он больше не ходит туда, где посреди ужасно колючих изгородей познания стоят редкие цветы, и довольствуется садом, лесом, лугом и полем, принимая во внимание, что жизнь чересчур коротка для редкого и необычного.

400

Преимущество лишения. — Тому, кто всегда живёт в теплоте и полноте сердца и как бы в летнем воздухе души, невозможно и представить себе ту дрожь восторга, какая охватывает более зимние натуры, которых в виде исключения касаются лучи любви и слабое тепло солнечного февральского дня.

401

Рецепт для страдальцев. — Бремя жизни стало слишком тяжёлым для тебя? — Так приумножь бремя своей жизни. Если страдалец наконец жаждет и ищет реки Леты, ему придётся стать героем, чтобы наверняка её найти.

402

Судья. — Кто увидел чей-то идеал, тот становится его неумолимым судьёй и как бы его нечистой совестью.

403

Польза от великого отречения. — Самая большая польза, заключённая в великом отречении, состоит в том, что оно даёт нам ту оправданную гордость, с которой мы отныне с лёгкостью добиваемся от себя множества малых отречений.

404

Как позолотить чувство долга. — Способ превратить в глазах всех твой железный долг в золотой таков: всегда выполняй немного больше, чем обещаешь.

405

Молитва к человеку. — «Прости нам добродетели наши» — так следует молиться человеку.

406

Творцы и потребители. — Каждый потребитель думает, что для дерева самое важное — фрукт; а важно для него было семя. — В том-то и заключается разница между всеми творцами и потребителями.

407

Слава всего великого. — Какой толк был бы от гения, если бы он не давал изучающим и почитающим его такую свободу и высоту чувства, что гений был бы им уже не нужен! — Сделать себя излишним — вот что составляет славу всего великого.

408

Сошествие в Аид. — И я спускался в преисподнюю, подобно Одиссею, не раз буду спускаться туда и впредь; а чтобы говорить с несколькими мертвецами, я принёс в жертву не только барана, но и собственной крови не пощадил. Было их четыре пары, тех, что не отказали мне, жертвователю: Эпикур и Монтень, Гёте и Спиноза, Платон и Руссо, Паскаль и Шопенгауэр. С ними мне и придётся вести споры, после долгих одиноких блужданий, от них я жду суда, справедливого и несправедливого, их хочу внимательно выслушать, если при этом они и друг о друге судят справедливо и несправедливо. Что бы я ни говорил, какие бы выводы ни делал, какие бы выходы для себя и других ни намечал, — я устремляю взгляд на тех восьмерых и вижу устремлённый на меня их взгляд. — Да простят мне живые, если подчас они кажутся мне как бы тенями, такими тусклыми и досадными, такими беспокойными и — увы! — исполненными такой похоти к жизни, в то время как те представляются мне столь живыми, как будто теперь, после смерти, уже никогда не устанут от жизни. Но речь-то и идёт о вечной жизненности: разве дело было в «вечной жизни» или в жизни вообще!